Autor Thema: Mit deinen Augen (S) ˋElfen ´  (Gelesen 345 mal)

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Offline Uli

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Mit deinen Augen (S) ˋElfen ´
« am: 05 Juli 2020, 15:10:46 »
Hallo Hölle!

Ein kleines Stück Text, etwa eine Buchseite - in der allerhand ˋerklärt´ wird. Oder gezeigt, oder ... wie auch immer.

Fröhliches Grillen!

Elfen

Ich wollte wissen, wie sich El!s Volk selber nennt - und ob es andere Völker gibt in ihrer Welt. Was nicht ganz einfach war.

ˋVolk?´ fragte sie, und sah verwirrt aus.
Und ich versuchte, so gut wie möglich zu erklären, was das ist:
Eine Anzahl Personen, die in einem Land/Staat leben? Leute, die eine bestimmte Nasenform oder Hautfarbe haben? Die an denselben Gott glauben?
Echt mal ...

El! hörte fasziniert zu, wie ich mich immer weiter verhedderte und anfing zu stottern und schließlich errötete, und das nahm sie zum Anlass, mir einen Kuss zu geben und zu erklären:

ˋIn meiner Welt leben ... viele Ich? Ja. Und verschiedene Ich, die zusammen sein wollen, sind ein Wir. Ein Dorf, Wir-in-dem-Dorf, einfach.
Wenn du fortgehst, und zu reisen, bleibt dein Sein dort und du bleibst ein Teil von Wir-in-dem-Dorf. Wenn du fortgehst und dein Sein geht mit dir, wirst du ein einzelnes Ich, bis du ein neues Wir gefunden hast.
Ich lebte dort mit Wir-die-im-Wald-leben.´

ˋUnd diese ˋWir´ ... unterscheiden die sich? Grenzen sich ab? Und ...´

El! lachte. ˋJedes Ich unterscheidet sich, Chai! Und sicher: Wir-im-Wald sind anders als Wir-im-Dorf, wir leben anders, und andere Dinge sind wichtig.´

ˋUnd ... gibt es Streit zwischen den verschiedenen ... Wir?´

El!s Blick wurde düster, und leise sagte sie ˋNein. Jedes Wir erkennt jedes andere Wir an. Alle sind ... Wir-in-der-Welt ... aber ... es gibt die anderen.
Die kein Wir haben, keines wollen, die ... Dunklen. Oder besser, die Finsteren. Verlorene Ichs, die alles hassen und gegen alles kämpfen, was sie nicht kennen. Ein ... vielleicht ein Volk?´

Bei dem letzten Satz sah sie mir in die Augen und lächelte, als ich nickte.
ˋDu brauchst ein Wort für ˋWir-die-im-Wald-leben ?´ fragte sie und ich nickte noch einmal, aber diesmal nicht so traurig wie vorher.
ˋWie nennt ihr das Volk aus dem Wald?´ fragte El!, und ich starrte einige Sekunden auf den Bücherschrank.
 ˋElfen ´ flüsterte ich dann, und ˋaber wir halten sie für ... Fantasy.´
El! lächelte und sagte ˋEin schönes Wort. Ich bin eine Elfe, für dich.´

Danke fürs Lesen!

Und ja, ich habe eine Frage, oder zwei:
Das Konzept sieht vor, dass in mehreren derartigen Abschnitten El!s Ansichten zu verschiedene Themen behandelt werden - vordergründig, indem sie Kai ihre eigenen Konzepte erklärt. Funktioniert dabei der ˋRückschluss ´ auf irdische Verhältnisse?

Und: Ist das soziologische Konzept einigermaßen klar?

cheers, Uli

« Letzte Änderung: 05 Juli 2020, 15:17:30 von Uli »

Offline eska

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Re: Mit deinen Augen (S) ˋElfen ´
« Antwort #1 am: 08 Juli 2020, 23:27:17 »
Lieber Uli;

natürlich habe ich gerne einen Blick auf ein Stückchen mehr El! geworfen.  :cheerful: Aber es ist gar nicht so einfach, auf deine Fragen zu antworten.

Zitat
Das Konzept sieht vor, dass in mehreren derartigen Abschnitten El!s Ansichten zu verschiedene Themen behandelt werden - vordergründig, indem sie Kai ihre eigenen Konzepte erklärt. Funktioniert dabei der ˋRückschluss ´ auf irdische Verhältnisse?

Und: Ist das soziologische Konzept einigermaßen klar?
zu 1. Ja und nein. Dass der Rückschluss erwünscht ist, wird deutlich. Mir zumindest scheint aber das elfische System, das El! darlegt, nicht auf irdische Verhältnisse übertragbar. Schön wär's ja, wenn das so einfach wäre mit der friedlichen Koexistenz, sowohl einzelner Individuen, die sich ihre Gesellschaft aussuchen können, als auch größerer Gruppen, die sich die Lebensräume teilen. Kampf gäbe es nur, weil Vereinzelte, Verlorene uneinsichtig sind.
Nennst du bzw. El! genau die ein Volk? Oder verstehe ich das falsch? Volk hieße also Sammeltopf von selbstgemachten Außenseitern, die nirgendwo anders dazugehören wollen? Wenn das das ist, was du ausdrücken wolltest, täte eine umfassendere Erklärung gut, glaube ich.

Besonders das
Zitat
Alle sind ... Wir-in-der-Welt
berührt mich, aber das macht es für mich nicht glaubhafter.

Und das zielt auf Frage 2: Das soziologische Konzept ist klar, aber zu einfach. Oder geht von einer gänzlich anderen Wesensart als der menschlichen aus (oder sieht Menschen so anders). Was ist denn z.B., wenn die Wir-im-Dorf im Oberlauf des Flusses so viel Wasser verbrauchen oder verschmutzen, dass die Wir-im-Dorf im Unterlauf nicht genügend bekommen, krank werden etc.? Oder die Bauern so nah an den Wald bauen, dass die Tiere verschwinden? Diese Gesellschaften haben zwangsweise etwas miteinander zu tun und müssen ständig Rücksichten nehmen, damit das Gleichgewicht erhalten bleibt. Wenn es denn überhaupt ein Gleichgewicht geben kann, das keinen besonders begünstigt und damit Neid weckt. Und wenn alle sich einig sind, dass ein solches Gleichgewicht nötig, sinnvoll und schützenswert ist, auch auf Kosten eigenen Verzichts... Und je mehr Wesen sich eine Erde teilen müssen, desto schwieriger wird das mit dem Gleichgewicht.

Ich glaube übrigens auch, dass nicht alle Ichs sich so unterscheiden wollen. Ausgehend von der Familie, in die man geboren wird, und den Menschen, unter denen man aufwächst, schafft man sich bekannte, vertraute Räume. Von denen aus entdeckt oder - positiv gefasst - erobert man sich die Welt. Je sicherer die ersten Beziehungen gelingen, desto offener wird man für weitere, größere sein. Alles, was im Kleinen schiefgeht (und das kann so vieles sein), wirkt sich auf das Große aus. Zu Ende gedacht hieße das vielleicht: Wenn man eine Heimat erfahren hat, kann man in der ganzen Welt zu Hause sein. Ob das so ist, wage ich nicht zu beantworten.

Zitat
Wenn du fortgehst und dein Sein geht mit dir, wirst du ein einzelnes Ich, bis du ein neues Wir gefunden hast
Das klingt so selbstbestimmt und einfach. Berücksichtigt es auch die Gründe, warum ein Ich sein Wir verlässt, vielleicht verlassen muss? Und ist das Finden eines neuen, passenden Wir wirklich so leicht? Hier scheint mir die Keimzelle eines großen Konfliktes zu liegen, vielleicht auch die Quelle all der Verlorenen, die alles angreifen.

Tja. El!s Bericht liest sich ja gut und stellt eine anscheinende Glückseligkeit dar, löst in mir aber Widerstand und Querdenkerei aus, siehe Beispiele. Und natürlich frage ich mich, wieso El! ursprünglich ihre Welt verließ, ausgerechnet um in unser problembehafteten Welt zu landen.

Ich hoffe, mein Senf demotiviert dich nicht, sondern hilft dir beim Feinschliff.
Gute Nacht,  :wink:

eska
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Offline Uli

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Re: Mit deinen Augen (S) ˋElfen ´
« Antwort #2 am: 08 Juli 2020, 23:42:51 »
ay eska,

es ist spät, und deshalb antworte ich nicht im Detail - aber Danke!

du sagst mir in Summe, dass alles, was ich damit wollte, funktioniert - obwohl (oder weil) es ziemlich hart ist. Auch die Rückfrage, ob ˋdort ´ wirklich alles so einfach sei ... so schön und klar, obwohl es genau diese Probleme ja geben muss - ich bin begeistert!

Du liest das auf genau die Art und Weise, die ich mir wünsche.
Und morgen gebe ich dann auch Antworten ...  (die hoffentlich gut genug sind ... )

alles Liebe und  :b5:

Offline Uli

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Re: Mit deinen Augen (S) ˋElfen ´
« Antwort #3 am: 09 Juli 2020, 14:05:38 »
ay eska!
Zitat
natürlich habe ich gerne einen Blick auf ein Stückchen mehr El! geworfen.  :cheerful: Aber es ist gar nicht so einfach, auf deine Fragen zu antworten.
Naja, über dem Eingang steht ja auch ˋHölle ´ - manchmal wird es schwer ...


Zitat
zu 1. Ja und nein. Dass der Rückschluss erwünscht ist, wird deutlich. Mir zumindest scheint aber das elfische System, das El! darlegt, nicht auf irdische Verhältnisse übertragbar. Schön wär's ja, wenn das so einfach wäre mit der friedlichen Koexistenz, sowohl einzelner Individuen, die sich ihre Gesellschaft aussuchen können, als auch größerer Gruppen, die sich die Lebensräume teilen. Kampf gäbe es nur, weil Vereinzelte, Verlorene uneinsichtig sind.
Richtig - das ist nicht 1:1 übertragbar. was auch gar nicht die Idee ist.
El! erzählt von ihrer Welt, und das zunächst mal ohne direkte Wertung, ohne Vergleich - und schon gar nicht mit der Empfehlung, das hier auch so zu machen. Aber die Grundlage (Wir) findet sie schlüssiger und besser als das Konzept der ˋVölker ´, von dem Kai geredet hat.

Zitat
Nennst du bzw. El! genau die ein Volk? Oder verstehe ich das falsch? Volk hieße also Sammeltopf von selbstgemachten Außenseitern, die nirgendwo anders dazugehören wollen? Wenn das das ist, was du ausdrücken wolltest, täte eine umfassendere Erklärung gut, glaube ich.
El! nennt ˋdiese Leute ´ die ˋFinsteren ´, in ihrer Welt. Der Nachsatz mit dem ˋVolk ´ deutet ihre Ansicht über eben dieses ˋVölker-System ´ an - weil halt die jeweiligen Volksangehörigen nicht darüber entschieden haben, ob sie das wollen, und an eine Volkszugehörigkeit in dieser Welt erstmal keine Bedingungen geknüpft sind. Ein Deutscher ist ein Deutscher, wenn er in diese, Territorium geboren wurde - auch dann, wenn es gegen alles ist, was (angeblich) ˋdeutsch ´ ist.
Ein Bindung an Werte und gemeinsame Ziele ergibt sich nicht aus Volkszugehörigkeit.
Die Finsteren in El!s Welt haben untereinander kein ˋWir´, keine Bindung - außer der, dass sie sich gegen andere abgrenzen.

Zitat
Besonders das
Zitat
Alle sind ... Wir-in-der-Welt
berührt mich, aber das macht es für mich nicht glaubhafter.

Wenn du sagen könntest, dass du das für ˋin dieser Welt unrealistisch ´ hältst, wäre mir wohler.
Dieses ˋWir´ entsteht ja nicht (nur) von allein, aus dem Wesen der Elfen heraus, sondern ist auch Ergebnis von Sozialisation (Erziehung).
Das grundsätzlich solidarische Miteinander aller ... Elfen, egal zu welchem Wir sie gehören, ist Grundlage ihrer Philosophie. Und wird demnach als Wert vermittelt.

Zitat
Und das zielt auf Frage 2: Das soziologische Konzept ist klar, aber zu einfach. Oder geht von einer gänzlich anderen Wesensart als der menschlichen aus (oder sieht Menschen so anders).
Oh, in der Anwendung ist das ziemlich komplex - aber El! gibt hier auch keinen Lehrgang, wie die Sache im einzelnen funktioniert. Und ja, diese Philosophie erfordert (und erzeugt) ein anderes ˋMenschenbild ´, als das, was wir kennen.

Die von dir genannten Konfliktfelder erfordern Kompromisse - der Unterschied ist nur, dass Elfen die Bedürfnisse einer anderen Gruppe zunächst einmal als gleichwertig anerkennen, und dann verhandeln. Das Argument ˋwir sind aber mehr, und haben Stöcke ´ gibt es dort nicht - das würde ˋdas Wir zerbrechen ´, was für Elfen schrecklich ist.


Zitat
Wenn es denn überhaupt ein Gleichgewicht geben kann, das keinen besonders begünstigt und damit Neid weckt. Und wenn alle sich einig sind, dass ein solches Gleichgewicht nötig, sinnvoll und schützenswert ist, auch auf Kosten eigenen Verzichts...
genau das: Der Ausgleich ist wichtiger, als eigene Ziele ˋdurchzusetzen ´. (den Begriff ˋNeid ´ kennen die Elfen zwar, betrachten das aber als heftige psychische Störung)

Zitat
Und je mehr Wesen sich eine Erde teilen müssen, desto schwieriger wird das mit dem Gleichgewicht
Richtig. Wenn dann noch ein großer Teil der Wesen auf ˋwhatauchever first´ anspringt und grundsätzlich zu Egoisten erzogen worden ist, braucht man aber gar nicht soooo viele Personen, damit es Stress gibt.

Zitat
Ich glaube übrigens auch, dass nicht alle Ichs sich so unterscheiden wollen. Ausgehend von der Familie, in die man geboren wird, und den Menschen, unter denen man aufwächst, schafft man sich bekannte, vertraute Räume. Von denen aus entdeckt oder - positiv gefasst - erobert man sich die Welt.
Ich glaube, dass jedes Ich ... nun, ˋich sein ´ will - nicht primär ˋanders ´ oder gar ˋindividuel´, aber eben ˋich´.
Und der Nachsatz ˋerobert sich die Welt´ ist ... irdisch ...
Elfen entdecken die Welt, ohne deswegen Besitzansprüche zu entwickeln (die in ˋerobern ´ implementiert sind)


Zitat
Je sicherer die ersten Beziehungen gelingen, desto offener wird man für weitere, größere sein. Alles, was im Kleinen schiefgeht (und das kann so vieles sein), wirkt sich auf das Große aus. Zu Ende gedacht hieße das vielleicht: Wenn man eine Heimat erfahren hat, kann man in der ganzen Welt zu Hause sein. Ob das so ist, wage ich nicht zu beantworten.
Bei den Elfen funktioniert das ...
auch, weil sie darauf achten.
(Und El! sagt ja selber, dass es trotzdem nicht immer gelingt, dass es die Finsteren gibt - nur, die haben nie eine Machtstellung eingenommen, wie auf diesem Planeten.)

Zitat
Zitat
Wenn du fortgehst und dein Sein geht mit dir, wirst du ein einzelnes Ich, bis du ein neues Wir gefunden hast
Das klingt so selbstbestimmt und einfach. Berücksichtigt es auch die Gründe, warum ein Ich sein Wir verlässt, vielleicht verlassen muss? Und ist das Finden eines neuen, passenden Wir wirklich so leicht? Hier scheint mir die Keimzelle eines großen Konfliktes zu liegen, vielleicht auch die Quelle all der Verlorenen, die alles angreifen.
Für eine psychisch gesunde Elfe ist es tatsächlich einfach, ein passendes Wir zu finden.
Wenn jemand zu ˋWir, die wir Bergbau betreiben ´ gehört (weil da geboren) und Bergbau so gar nicht das Ding ist und das Ich deswegen leidet, wird das nicht ˋwegerzogen ´, sondern im Gegenteil gefördert. Durch Beratung, durch Herstellen von Kontakten, durch Ermöglichen von Reisen (meist in Kaufmannszügen) und so.


Zitat
Tja. El!s Bericht liest sich ja gut und stellt eine anscheinende Glückseligkeit dar, löst in mir aber Widerstand und Querdenkerei aus, siehe Beispiele. Und natürlich frage ich mich, wieso El! ursprünglich ihre Welt verließ, ausgerechnet um in unser problembehafteten Welt zu landen.

OK ... alles richtig!  :jubel:
El! berichtet von ihrer Welt, wie sie sein soll - verschweigt aber die Finsteren durchaus nicht.
Aber sie betont das auch nicht.

Die praktische Frage, warum sie hierher gekommen ist, lässt sich einfach beantworten:
(ohne Spoiler, nur aus bisherigem Text abgeleitet)
Sie war ja schwer verletzt, als sie ankam - und erwähnt, dass die Gefahr besiegt sei.
Offenbar gab es also einen Kampf, mit etwas echt hässlichem, und sie hat das zwar erledigt - aber eben um den Preis einer sehr schweren Verletzung, an der sie gestorben wäre.
Und in dieser Situation hat sie eine ˋTür ´ benutzt, ohne sich Gedanken zu machen (machen zu können), wohin diese genau führt. In der Hoffnung, auf der anderen Seite Hilfe zu finden, mehr nicht.
Dass sie die Verletzung ˋmitgebracht ´ hat, liegt daran, dass sie in ihrem Sein verletzt war - eine extrem heftige Sache also. Von der sie erstmal nicht erzählen wird, das kommt viel später.

Im Moment ist El! noch recht zurückhaltend ... auch Kai gegenüber. Was eben an dem verletzten Sein liegt.


Zitat
Ich hoffe, mein Senf demotiviert dich nicht, sondern hilft dir beim Feinschliff.
aber ganz im Gegenteil!
Das war hilfreich - und motivierend. Weil es anscheinend so wirkt, wie ich mir das wünsche.


 :b5: :kaffee2: :b5:

alle Liebe! Uli
« Letzte Änderung: 09 Juli 2020, 14:36:33 von Uli »