Autor Thema: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft  (Gelesen 235 mal)

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Offline Uli

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Hallo Hölle!

Vor-vorweg: Nach der sehr wirksamen Röstung im Intro habe ich den Titel geändert, das Teil heißt jetzt ˋmit deinen Augen ´.

Vorweg: Ich habe das Genre geändert bei Elfenland - nicht mehr (F) für Fantasy, sondern (S) für Sonstiges. Oder Sonderbares.
Weil, einer meiner Freunde meinte, das sähe nach einem typischen Phillip Marlowe aus, nur eben mit Elfen, und ja, da ist was dran ...
Nur, dass der Erzähler kein Privatdetektiv ist und solche Sachen.

Ein paar Elemente stammen aus dem Ankreuzplot, bzw. sind davon inspiriert.
Naja ... so ziemlich ...

Elfenland
Ankunft


Hinterher fragt man sich, was zum Teufel man sich eigentlich gedacht hat in dieser oder jener Situation. Eine müßige Frage, denn: Man hat nicht gedacht.

Ich saß an meinem Computer und machte irgendwas Sinnvolles, glaube ich - möglicherweise arbeitete ich daran, den nächsten Level in irgendeinem Spiel zu erreichen, oder beiläufig eine Mail von der Agentur zu ignorieren, aber es war ganz bestimmt sinnvoll. Sonst hätte ich es ja nicht getan, oder?
Jedenfalls, ich wurde damit nicht fertig, was auch immer es war:
Es gab ein Geräusch, mittellaut, dass ein wenig an einen nassen Sandsack erinnerte, der aus mittlerer Höhe auf harten Boden fällt, begleitet von einem Schrei. Der wiederum alle Elemente mitbrachte, die man an sich weder zu hören erwartet, noch, außerhalb dieser Levelaufbaugeschichte, zu hören erpicht ist: Entsetzen, Todesangst, Hass und Verderben.
Und er erklang hinter mir.

Was denkt man da? Eben: Nichts.

Blöderweise reagierte man auch nicht, obwohl das bestimmt eine gute Idee wäre - aber so als Sofakartoffel ist diese Nummer mit dem ˋzur Seite abrollen und die Waffe ziehen ´ nicht ganz aktuelles Handlung-Repertoire, außer mit der Maus im Netz.

Also drehte ich mich um und starrte.

Der Kunstdruck mit der Szene aus den Auenland hing zerfetzt in seinem Rahmen. Der seinerseits ebenfalls schlimm in Mitleidenschaft gezogen war. Und da, wo in dem Kunstdruck eigentlich ein hübsches Hobbit-Häuschen zu sehen sein sollte, glühte es.
Genaugenommen glühte es bedrohlich.
Und auf dem Parkett unterhalb des Bildes lag ...
Sie.

Ich weiß nicht, was ich zuerst bemerkte: Dass sie eine Sie war, dass sie nackt war, dass sie schwer verletzt war? Egal: An dieser Stelle fing ich tatsächlich an, wieder zu denken. Und zwar: Wenn es in diesem Glühen etwas gibt, was jemanden so schwer verletzen kann, könnte das gefährlich werden. Also, in der Langfassung.
Eigentlich dachte ich ˋOh, Scheiße ´ und schnappte mit das erstbeste, was einigermaßen als Waffe taugen konnte, gegen was auch immer.
Ein Hufeisen, das seit Jahren auf meinem Schreibtisch als Briefbeschwerer dient. Keine der üblichen Waffen eines Helden, zugegeben, aber ein gutes Pfund Eisen in der Faust macht auch Wirkung.
Hoffte ich.

OK, das Reiz-Reaktionsverhalten war damit abgehandelt - und gar nicht mal so schlecht, denke ich -, also war irgendwas mit Rationalität dran. Und, als klassische Vorbereitung, erstmal tief Luftholen. Kurz checken, ob irgendetwas, was man in letzter Zeit eingeworfen hat, hierfür verantwortlich sein könnte (Kaffee, Kaffee, Zigarette, Döner ... eher nicht), dann die Frage, ob die schwerverletzte! weibliche! unbekleidete! und außerordentlich attraktive! Person dort womöglich zu den Bösen gehörte als absurd verwerfen und dann ...
Helfen? Ja, gerne, aber wie?

ˋKlug´ sagte eine Stimme in meinem Kopf, also ... keine der üblichen Stimmen, die man sich ab und zu so einbildet. Ihre Stimme.
ˋKeine Gefahr mehr´ und ˋist besiegt´ und ˋ...sterbe ...´ sagte die Stimme, und ich kniete schon neben ihr, und sie sah mich an.
"Kann ich helfen, wie?" stotterte ich, und hörte ˋLeben geben ´ und ˋmusst wollen ´ in meinem Kopf, und würgte "Ich will" und sie griff nach meinem Arm, zog ihn zu sich und biss zu.
Einen Moment lang sah ich überdeutlich eine Reihe spitzer Zähne, die sich in mein Fleisch bohrten und dann ... nichts mehr.
Es tat nicht einmal weh.
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Aufwachen aus einem Alptraum hat sowas ... anheimelndes.
Irgendwas Grünes hat dir grade den Arm abgerissen und du wirst wach und merkst, dass eben dieser Arm nur taub ist, weil du dadrauf liegst ... ein bisschen ist das wie ein unerwartetes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, weil grade Ostern ist.
ˋJemand hat dir grade heftig in den Arm gebissen und du bist ohnmächtig geworden ´ ist ein guter Anfang für sowas, aber ˋUnd jetzt liegst du in deinem Bett, hast keine Ahnung, wie du dahin gekommen bist und neben dir, angekuschelt wie ein Kind, schläft die Person mit den spitzen Zähnen ´ ist etwas ... nun, zäh.
Mental anstrengend, möchte man sagen.

Kaum anderthalb Meter groß, zierlich, sehr helle, fast silbrige Haut, langes, dunkelrotes, volles Lockenhaar, tiefblaue, geradezu riesige Augen, und kuschelt mit dir ... ehrlich mal, der Verdacht auf unwissentlich eingenommene Drogen liegt da nahe, und der Wunsch zu wissen, um welche Droge es sich dabei handelt und woher man mehr davon bekommt, auch.

Sie lag auf ihrer linken Seite und die rechte Schulter, die gestern ... oder wann? ... noch ein Brei aus Fleisch- und Knochenfetzen gewesen war, zeigte keine Spuren mehr davon.
Ich hievte meinen Arm in mein Gesichtsfeld, den Arm, in den sie ihre Zähne geschlagen hatte, und sah nichts. Also, nichts ungewöhnliches. Einen Arm halt. Bisschen haarig, vielleicht, aber Ok ...

Einigermaßen unmöglich, das alles, aber andererseits: Sie ist aus einem billigen Kunstdruck herausgefallen, damit fing es an - und danach ist ˋunmöglich´ ein relativer Begriff.
Sagte das Hirn und schaltete sich erstmal ab.

Irgendein Instinkt nutzte die Gelegenheit, meine Hand auf ihre genesene Schulter zu legen, jubelte ein wenig, weil sich diese nicht nur real, sondern echt gut anfühlte und schlug Purzelbäume, weil sie sich auf den Rücken rollte und lächelte.

Kleinlaut schlug das Hirn vor, irgendwie Konversation zu betreiben, etwa mit der Frage, ob Kaffee oder Tee zum Frühstück OK wäre, und ob ich Brötchen holen sollte oder so ... verdammte Klischees, echt mal.
Dass sie ihren Arm um meinen Hals legte, mich zu ihr zog und mich küsste, war auch ein Klischee, aber keines, über das ich mich beschweren wollte.

Und der Instinkt wechselte von Purzelbäumen zu multiplen Salti (und ja, korrekte Pluralbildung von Fremdwörtern kann ich), während sich die Biologie mit allen möglichen Effekten in den Vordergrund spielte.
So. Ich hoffe, dass jetzt klar ist, was ich eben nicht erzählen will. Oder erwartet jemand explizite Schilderungen? Nicht? Dann ist ja gut.
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Die narrative Kausalität hätte dann erfordert, dass sie mir eröffnete, ich sei a) ihr Retter, b) dazu bestimmt, ihre Welt vor dem Grauen (tm) zu bewahren und wir jetzt c) auf den Schwingen der Liebe ebendahin zu reisen hätten, damit d) alles seinen Gang ginge, bis zum Sieg über den Endboss, die Hochzeit und dem halben Königreich und so.

Stattdessen fragte sie nach dem Abort.

Rücksturz zur Realität, vom Feinsten. In der einschlägigen Literatur werden solche Probleme ja meist nicht einmal angedeutet, offenbar geht man davon aus, dass - egal aus welchem Universum jemand stammt - die Benutzung einer irdischen Toilette zum Allgemeinwissen zählt.
Was, wenn man darüber nachdenkt, ziemlicher Unfug ist, aber OK, zugegeben: Die Problematik des Stuhlgangs in fremden Umgebungen gilt wohl kaum als ein Element, dass die Geschichte weiterbringt.

Und die Schwierigkeiten der Kommunikation - jenseits der nonverbalen, die hatte ja hervorragend funktioniert - auch nicht.
Die Frage nach der Toilette stellte sie noch mit dieser Methode, mich ihre Worte im Kopf hören zu lassen, was, wie ich später lernte, nur in sehr dringenden Fällen pc ist in ihrer Welt.
Und danach lernten wir erstmal, miteinander zu sprechen.
Also, nach dem Frühstück. Klar.

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Also, nein: Der Sprachkurs begann natürlich gleich mit den Frühstücksvorbereitungen. Logischerweise. 

Auch so eine Sache, die in der Fachliteratur gerne ignoriert wird, weil es die Handlung nicht weiterbringt - aber ernsthaft, die Handlung kann ein jähes und unschönes Ende finden, wenn man blind darauf vertraut, dass das gewohnte Futter dem Besuch aus einer anderen Wirklichkeit ebenfalls zuträglich ist.

Erscheinungsbild humanoid, also ist Toast mit Erdnussbutter und Honig in Ordnung, das geht so nicht. Nicht mal mit Leuten vom gleichen Planeten, wenn es Allergien hat.

Was tun, sprach Zeus, und ich fragte mich das ebenfalls - aber im Gegensatz zum Götterpapa hatte ich ein Laptop und Netz und das ist eine echte Erleichterung.
Sonst ging es halt nach der Robinson/Freitag-Methode: Dinge zeigen, Namen nennen und, in diesem Fall, abfragen ob das als essbar eingestuft wird.

Brot gleich Mehl gleich Getreide - OK.

Käse gleich Milch, gleich Kuh - nicht OK.

Butter also auch nicht, aber erstaunlicherweise ging Wurst (gleich Schwein) in Ordnung. Hmm.
Gemüse war immer genehmigungsfähig, und Obst ebenfalls.
Gut.
Blieb die Sache mit der möglichen Allergie, und es war gar nicht so einfach, meine diesbezügliche Sorge zu erklären, aber letztendlich gelang auch das. Dafür belohnte meine Besucherin mich mit einem zauberhaften Lächeln und einem Kuss - nah genug waren wir uns, da sie, um besser in den kleinen Bildschirm schauen zu können, sowieso auf meinen Knien saß.
Und nein, ich habe die Zusammenstellung des Ernährungsplanes nicht unnötig in die Länge gezogen, um dieses Arrangement etwas länger zu genießen. Weil ich Kohldampf hatte.

Den Kaffee probierte sie, und verzog ausdrucksstark das Gesicht, aber glücklicherweise hatte ich noch verschiedene Kräuter und Gewürze vorrätig, aus denen sie selber einen Tee für sich zusammenstellte. Den ich natürlich probierte, mein Gesicht verzog und wir mussten beide lachen.
Ihr Lachen war wundervoll.
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OK, die ersten Schritte der Verständigung waren vorhersehbar: Die Sache mit dem ˋich - Name, du - Fragezeichen ´ ist so Standard, und obwohl die dabei üblichen Missverständnisse ganz lustig sind, muss man die nicht nochmal erzählen.
Schlussendlich erfuhren wir beide unsere Namen, lächelten über die falsche Aussprache und freuten uns.

Ihr Rufname unter Freunden lautet El! (das Ausrufezeichen steht für einen Klicklaut, den ich nicht ganz richtig hinbekomme, bei mir klingt das nach ˋElk´), vollständig El!chrabnach, was soviel bedeutet wie ˋGroße Hoffnung Morgen ´. So ungefähr jedenfalls.

Mein Rufname, Kai, nach einem Ritter der sagenumwobenen Tafelrunde eines mystischen Königs, brachte El! zum Lachen, dass aber abrupt endete. Offenbar war ihr das peinlich, ein Verstoß gegen die guten Sitten, über Namen zu lachen.

Sie sagte ganz zart ˋChai ´, nachdem ich mit ˋ!ai ´ nicht so zufrieden war, und ich erklärte, dass dies die Bezeichnung für einen Gewürztee sei, und sie sagte ˋich mag Chai ´, und alles war schön, für den Moment.
Und für eine ganze Reihe weiterer Momente, weil wir beide erstmal genug von Vokabeln hatten.
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Also gut: Die tausend kleinen Dinge, mit denen wir in den folgenden zweieinhalb Wochen beschäftigt waren, erzähle ich nicht im Detail. Also, nicht alle.

El! trug die meiste Zeit über ein TShirt von mir, mit einer Schnur als Gürtel, und sah bezaubernd aus damit - nur, straßentauglich war das nicht so. Zu ihrer Verwunderung.

Abhilfe schaffte Inge, eine Freundin, die ihre Karriere in der EDV gegen ein glücklicheres Leben als Kostümschneiderin für Reactmemt und Cosplay eingetauscht hatte und nach einigem hin und her etwas zusammennähte, was ziemlich OK war.

Ziemlich OK, weil El! natürlich nicht in ihr Atelier pilgerte um an den üblichen Prozeduren (Maß nehmen, Tee trinken, über die darzustellende Figur diskutieren, solche Sachen) teilzunehmen, was Inge gar nicht richtig vorkam. Aber dafür hat man eben Freunde, oder?

Es war ein Kostüm, dass ziemlich an ˋWaldläuferin ´ orientiert war, aber mehr bedeckte, als das in den Vorlagen der Fall ist. Straßentauglich, eben.
Waldtauglich ist etwas anderes, meinte El!, aber das war erstmal egal - die Wälder im Umkreis erforderten keine besondere Ausrüstung, nicht einmal irgendwelche Waffen.
Im Gegensatz zu den Wäldern ihrer Heimat.

Ja. Und nach diesen zweieinhalb Wochen machten wir uns auf, die Welt zu erkunden. Also, diese Welt. Ganz ohne den Auftrag, irgendwelche bösen Mächte zu besiegen, irgendwen zu retten oder zu befreien oder irgendwelche Dinge an gefährlichen Orten zu entsorgen. Und ohne irgendeine mystische Prophezeiung, zu deren Erfüllung wir beitragen sollten. Einfach nur so, OK?
Klingt nicht spannend?
Mag sein, mag sein, aber ... ein reiner Erholungsurlaub wurde es dann auch nicht. Und am Ende wartete ein Endboss, wie sich das gehört.

***
Danke fürs Lesen!

Und ja, es gibt Fragen:
Es ist mir völlig klar, dass die Erwartungen an einen Fantasy- Roman sehr gründlich nicht erfüllt werden. OK. Obwohl ich hier einen ziemlich normalen Ablauf erzähle (nur, das ... Dingens ... gleich am Anfang stattfindet, und nicht ewig rausgezögert wird, um ein wenig ˋkriegen sie sich - Spannung zu erzeugen. Auch, weil sie sich immer kriegen).
Der Unterschied ist nur, dass die Sache eben nicht in der Fremdwelt spielt, in die der Prota reingeworfen wird, sondern hier.
Und die Frage ist: Kann das interessant sein?

Dazu kommt, dass ich einigen Wert auf ˋrealistisches ´ lege, Dinge wie die Toilette, die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln und so - was unter anderem Kais Charakter verdeutlichen soll. Zusammen mit seiner Erzählweise.
Wie wirkt der auf euch?

Dies ist immer noch eine sehr frühe Fassung, also braucht es eher keine Erbsen - was aber niemanden abhalten muss ...

Gutes Grillen!
Uli
« Letzte Änderung: 04 Mai 2020, 13:06:51 von Uli »

Offline eska

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Re: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft
« Antwort #1 am: 07 Mai 2020, 23:53:42 »
Weiter im Text also. *Ärmel aufkrempel*

Zunächst: Die Umbenennung finde ich gut. 1. enttäuscht die Story dann niemanden, der/die gern in ein elfisches Wunderland entführt worden wäre. 2. legt der neue Name den Fokus auf den fremden Blick auf das uns Vertraute, ein sehr fesselndes Thema.

Die Fragen:
Dass die Story in unserer Welt spielt, die wir neu sehen, hat also durchaus einen Reiz. Die Frage ist, wie lange der trägt. Und das hängt davon ab, was nach und nach noch so passiert. Und dafür bietet ja eine fremde Lebensform mit anderen Eigenschaften sowohl Material für Staunen als auch für Eklats und Verwicklungen. Die will ich dann aber auch bald sehen.

Dass der Sex gleich zu Anfang kommt, heißt ja nicht unbedingt, dass sie sich kriegen, oder? Immerhin wissen beide nicht das Geringste voneinander, nicht mal, welche Nahrung die andere Spezies verträgt. Es gibt a) eine hohe Attraktivität der Elfe - umgekehrt wissen wir das noch nicht - b) möglicherweise Dankbarkeit ihrerseits für die Lebenskraft, die sie gerettet hat - falls Elfen auf ähnliche Weise dankbar sind wie Menschen. Aber ob dem Geschehen irgendwelche Emotionen ihrerseits zugrundeliegen, und wenn, ob man die vergleichen kann, ist noch offen. Kai ist da sehr zutraulich, möglicherweise gelenkt; mir erschien der Erstkontakt nicht ungefährlich.
Außerdem: Wie sieht eine Liebe oder Beziehung zwischen zwei Spezies aus?

Kai: Erst einmal muss ich gestehen, dass mich der Name ablenkt: Ich sehe den kleinen Jungen aus der Schneekönigin, der durch den Splitter im Auge verzaubert ist, seine Menschlichkeit verliert und erstarrt. Das beeinflusst meine Lesart hier, wahrscheinlich ungewollt, oder?
Dass er naiv wirkt, weil er sich der Elfin, der Liebe und dem damit verbundenen Abenteuer so einfach in die Arme wirft, das ist ja durchaus kind-ähnlich und so auch belächelbar sympathisch. Und trifft wohl auf Sehnsüchte, die Welt möge im entscheidenden Moment so einfach und so gut zu einem sein. Ist sie nur unserer Erfahrung nach selten, deshalb lauern die Fragen und Befürchtungen um die nächste Gehirnwindung (s.u.).
Ansonsten wirkt Kai so, dass mir das Wörtchen 'ehrpusselig' vorschwebt. Meint sowas wie ein bisschen umständlich, genau, unsicher, desto bemühter... Die Introspektion generell mag ich. Manchmal wird's zuviel und lenkt womöglich vom Wesentlichen ab. Bsp.:

Zitat
Die tausend kleinen Dinge, mit denen wir in den folgenden zweieinhalb Wochen beschäftigt waren, erzähle ich nicht im Detail. Also, nicht alle.

Ich brauche den Nachsatz nicht.

oder hier:
Zitat
Und der Instinkt wechselte von Purzelbäumen zu multiplen Salti (und ja, korrekte Pluralbildung von Fremdwörtern kann ich), während sich die Biologie mit allen möglichen Effekten in den Vordergrund spielte.

Überhaupt musst du, glaube ich, aufpassen, dass die Balance zwischen Szene und Bericht nicht zu erzählerlastig wird.

Inhaltlich hab ich auch was, das mich stört und das Ganze unglaubhaft macht:

Also ok, first things first, aber spätestens nach dem Frühstück müsste für mich logischerweise die Fragerunde kommen: Woher? Wie hierher? Warum? Wie verletzt? Von wem? Warum? Besteht Gefahr? geplante Aufenthaltsdauer (ok, evtl. bewusst ausgelassen, keine Hoffnung im Keim zerstören)? Und dann die 'Erzähl was über dich-Runde': von was bist du? über wie ging das mit der Heilung? Was hast du da mit mir gemacht? zu Was hast du vor? oder ähnlich. Außer der Typ war völlig neben sich, durch Magie oder Biss oder Sexappeal oder Rausch durch Sex oder... Das sollte man dann allerdings auch an seiner Denke merken.

Trotzdem hat das Ganze Charme  :applaus: und macht Spaß zu lesen. Wenigstens für eine Weile, aber Achtung!

So, das muss reichen, schon wieder fast morgen...
Gute Nacht!

eska
   
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Offline Uli

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Re: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft
« Antwort #2 am: 08 Mai 2020, 11:53:11 »
  :dops:

Ay Eska,  :hach:

Zuerst: Ja, die Balance von Szene und Bericht ist so ein Thema, mit dem ich immer wieder zu tun habe - wegen meiner Neigung zum Bericht. Da werde ich aufpassen müssen ...

An den Schneekönigin-Kai habe ich sowas von garnicht gedacht - wahrscheinlich, weil ich den überhaupt nicht kenne ... ich hoffe mal, dass wirkt nicht zu stark.
Der Name war auch zufällig, nur die Falschaussprache (Klicklaut) war entscheidend.
Deine Einschätzung der Person ist ziemlich treffend, das freut mich.

wg ˋfirst things first ´ ...
schwierig. Da fehlt mir eine Szene aus Casablanca: Wir hatten doch ausgemacht, keine Fragen.
Ich weiß zwar recht viel über die Elfen und ihre Welt, über El! und was da passiert ist, aber Kai muss das alles erst rausfinden.
Ein Bisschen hilft sein Charakter, er fragt nie drängend, bohrt nicht nach - jedenfalls nicht im Privaten. Beruflich ist er da anders (wird im nächsten Kapitel erwähnt).
Meine Vorstellung ist, dass er merkt, wenn ein Thema zu sensibel ist und dann eben nicht nachfragt - aber du hast Recht, das muss noch in einer Szene sichtbar werden.

Nach dem Intro (also, dem Rest desselben) ist ja offenkundig, dass die Beziehung nicht ˋdas Glück für immer´ sein wird, aber er dem sehr nachhängt. Also tatsächlich, ob sie sich kriegen ist ungewiss.
(aber versprochen, er wird nicht sowas sagen wie ˋbeeilen sie sich, sonst verpassen sie die UBahn ´)

Nochmal Danke!
 :lover: