Autor Thema: Tagebuch eines Untätigen, Woche 10  (Gelesen 86 mal)

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Offline Uli

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Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« am: 10 März 2019, 21:19:29 »
Hallo, Hölle,

Ich habe mal wieder ein Stückchen aus dem Blog, zu dem ich eine Frage habe ...

Zunächst mal der Eintrag ˋWoche 9´, der dient nur zur Vor-Information - der zu röstende Eintrag baut auf diesem auf:

Woche 9. Kontakte

Anne hat angerufen und sich entschuldigt, dass sie sich so lange nicht gemeldet hat - offenbar hat sie ihr Notizbuch verlegt und in ihrem Computer war die Adressdatei auch nicht aktuell, sie musste erst Jochen anrufen wegen der neuen Nummer. Oder so.

Ich habe dazu erstmal gar nichts gesagt, aber echt mal, so etwas ist doch furchtbar. Trotzdem war das Gespräch ganz gut, nur musste ich nach einer Viertelstunde abbrechen, weil Aischa angekommen ist.

Trotzdem, irgendwie hat mich das nicht losgelassen: Geht ja gar nicht, man will mit jemandem in Kontakt treten und findet die Adresse nicht. Und wenn es ein Notfall ist. Eben.

Also habe ich dazu einen Text geschrieben, und gleich Notizen für eine weitere Folge auf uTube, ein Aufwaschen, und dann habe ich Kay angerufen. Also, nicht gleich, weil ich die Telefonnummer nur auf dem Handy hatte.

Also habe ich gleich mal angefangen, alle Nummern und Adressen auf ein A-4-Blatt zu schreiben, dass ich dann über das Telefon an die Wand hängen kann.

Ein- oder zweimal musste ich dann telefonieren, weil von den Leuten halt zwei Adressen da waren, und ich nicht genau wusste, welches nun die aktuelle ist.

Ein paar andere Adressen standen zum Glück bei Facebook, und eine, tatsächlich, im Online-Telefonbuch. Ich dachte, das macht keiner mehr, wegen Datenschutz, aber OK. Trotzdem nervig, das alles.

Aber klar, das passiert eben, wenn man Dinge nicht richtig organisiert, geradezu klassisch. Das ist wie mit dem Aschenbecher, wenn man das nicht beihält, wird es immer schlimmer.

Ich habe Aischa dann gefragt, wo ein Tesaband ist für die Liste, und sie hat gefragt, was das denn sei und nach meiner Erklärung sehr seltsam geschaut. Aber das Tesaband hatte sie gleich, ein tolles Gedächtnis!

Das Problem wird sein, diese Liste immer in Ordnung zu halten, da muss ich unbedingt dran denken - oder, dachte ich, ich bitte Aischa?

Dann wäre der Text ˋdas steht dann so im Haushaltsplan´ und nicht ˋdas mache ich jeden Montag´, weil, das wäre ja nicht wahr.

Aber egal, die Idee ist gut, und eine weitere uTube-Folge so gut wie abgefilmt. Bestimmt können wir auch eine gute Szene für Aischa einbauen, das kommt immer gut an. Irgendwas mit ... ich weiß nicht, aber da wird uns schon was einfallen.
Als ich ihr das gesagt habe, hat sie gelächelt. Und ˋbestimmt´ gesagt.

Ernstlich, ich habe da ein gutes Gefühl.

***
Also, das Röstgut:

Woche 11. Gleichgewichtsstörungen

Das neue Video ist großartig geworden!

Ich habe diese Sache mit dem Adresszettel durchgezogen, und alles war gut - nur, das Aischa genau keinmal in die Szene getreten ist, was mich gewundert hat.

Kay sagte dann, dass ihre Szenen schon abgedreht sind, er schneidet das später rein, und dann gäbe es noch eine Überraschung. OK, dachte ich, aber das hätten sie mir auch sagen können.

Später haben wir dann die Rohfassung angeschaut, und ja: Echt gelungen. In der Eingangsszene, als ich die Sache mit den vielen Notizen an verschiedenen Stellen demonstriere, gibt es einen Schnitt - Aischa am Flughafen, die nichts weiter tut, als ein Smartphone aus der Tasche zu ziehen und draufzuschauen.

Und so geht das weiter, bis zum Schluss, als ich den Zettel mit den Adressen aufhänge - Schnitt, und Aischa legt ihr Phone neben den Festnetzanschluss. Genial.

Auch, weil sie diesmal nicht in der üblichen Arbeitskleidung aufgetreten ist, sondern ein sehr hübsches Kleid trug, und wohl auch beim Friseur war, und bei einer Kosmetikerin. Echt gelungen.

Ich habe das dann erwähnt, das mit dem Friseur und so, und Aischa hat mich angeschaut, als wollte sie etwas sagen ...

Die Überraschung war, dass sie so ein Smartphone für mich gekauft hatte, so ein edles, und da schon alle Termine und Adressen eingetragen hat - und beim Anschalten sagte das Teil gleich, dass ich an dem Tag Geburtstag hätte.

Ich war baff. Und schaute sie an, um irgendwas zu sagen, aber was sagt man da? Also machte ich, was sie vorgemacht hatte und schickte ihr eine Kusshand, und sie lächelte ...

Kay hat sich ein paarmal geräuspert, und erst damit aufgehört als ich ˋSuper´ sagte, und ˋwann kann das online gehen?´ - da sagte er, in einer Stunde oder so, und zog ab.
An der Tür drehte er sich um und warf uns beiden je einen Handkuss zu, ein echtes Komikertalent, der Mann.

Anstatt nach Hause zu fahren, sind wir essen gegangen, ein kleines, lauschiges Lokal etwas abseits der Innenstadt. Mit Kerzen und so. Richtig nett, nur, dass der Weinkellner ein wenig aus der Rolle gefallen ist und uns um Autogramme gebeten hat - ein Fan auf uTube, und wir haben versprochen, ihn namentlich zu erwähnen, und als ich mir das aufschreiben wollte, zwinkerte Aischa und da erinnerte ich mich und trug das in das neue Phone ein.

Ein wunderbar runder Abend!

Zu Hause war es dann ein kleiner Schock: Der Aschenbecher war nicht geleert!

Logisch eigentlich, wir waren ja den ganzen Tag unterwegs gewesen, filmen, wann hätte Sie da putzen sollen? Trotzdem, es war ein kleiner Stich, aber ich habe die Sache dann einfach selber erledigt. Und gleich auch den Müll rausgetragen und das Geschirr abgewaschen.
Wenn sie morgen kommt, sollte sie das nicht nachholen müssen, dachte ich mir, und ehrlich: So wahnsinnig viel Aufwand ist es ja nicht.

***

So. Erstmal Dank fürs Lesen!
Und dann die eine Frage:
Funktioniert das mit dem Kopfkino bei der Beschreibung des Films?

Ich habe da eine ziemlich genaue Vorstellung, klar - und weiß deswegen nicht, wie ihr den ˋseht´. Und ob die paar Brocken ausreichen, um überhaupt einen Film anzuwerfen.
Und wenn nicht, was das Minimum wäre, um das zu erreichen.
Eventuel ein direkter Vergleich (ausgeleuchtet wie eine Apple-Keynote ...) oder so?

Alles andere (auch aus Teil eins) nehme ich natürlich auch gerne!

fröhliches Grillen, und  :lava:
Uli

Offline Ben

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Re: Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« Antwort #1 am: 13 März 2019, 19:37:39 »
Hi Uli,
ein Eintrag aus deinem Blog, in dem begeistert von einem uTube-(YouTube??)-Video berichtet wird.

Da es mein erster Kontakt mit deinem Blog ist (bin neu in der Hölle), versuche ich es mal mit einer textimmanenten Röstung.

So, wie ich das verstehe, hat ein Kamerateam das Video gedreht und den Ich-Erzähler bezüglich des Drehbuchs im Unklaren gelassen, er war aber mit der Qualität hinterher zufrieden.

Zitat
nur, das Aischa genau keinmal in die Szene getreten ist, was mich gewundert hat.

(dass mit 2 s)
Warum hat den Erzähler das gewundert?

Zum Kopfkino:
Ingesamt sind ein paar Bilder vor meinem geistigen Auge entstanden (z.B. Aischa am Flughafen sitzend)
Allerdings bleiben die Charaktere blass, und ich kann mir unter Aischa wenig vorstellen. Nach welchen Motiven handelt sie? Warum putzt sie freiwillig für den Ich-Erzähler und leert den Aschenbecher? Warum schenkt sie ihm ein Smartphone?

Die Stelle mit dem Friseur und dem "schick Machen" von Aischa hat m.E. Potenzial. Da könntest du die Dame noch etwas mehr beschreiben und die Szene ausbauen.
Zitat
Ich habe das dann erwähnt, das mit dem Friseur und so, und Aischa hat mich angeschaut, als wollte sie etwas sagen
Das würde ich ausschmücken. Ist es eine Konfliktsituation (schließlich leben Geschichten davon)? Was wollte sie sagen? Sich beschweren? Auf welche Art hat der Ich-Erzähler "das dann erwähnt"? Vielleicht eher abwertend, ohne es selbst zu bemerken?

Zu "Woche 9":
Zitat
aber echt mal, so etwas ist doch furchtbar. Trotzdem war das Gespräch ganz gut
Was ist furchtbar und warum? Dass sie mit der Technik nicht klar kommt? Dass sie den Ich-Erzähler vergessen hat? Dass sie Jochen angerufen hat? Und warum war das Gespräch trotzdem ganz gut? Worüber wurde gesprochen?

Wie gesagt, das ist das erste Mal, dass ich etwas aus deinem Blog lese.

m.E. sind die Texte stimmig in dem Sinne, dass sie gut im "Tagebuch eines Untätigen" stehen könnten. Ich stelle mir den Ich-Erzähler als jemanden vor, der wenig Mehrwert für andere schafft, aber gleichzeitig Ansprüche an andere stellt, dabei mitunter unverschämt rüberkommt, mit sich allerdings im Reinen ist. Außerdem ist er technikscheu (was sympatisch ist ;D)

Weniger klar ist mir, wie selbstironisch der Ich-Erzähler auf sein eigenes Leben blickt bzw. wie ernst er sich selbst nimmt.

Hoffe, du kannst etwas damit anfangen,
Gruß, Ben

Offline Uli

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Re: Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« Antwort #2 am: 13 März 2019, 20:00:19 »
ay Ben,

Danke und herzlich willkommen in der Hölle der Textkritik!

Anstelle diverser Erklärungen zu dem Text: Der Grund, warum ich nur nach dem Video gefragt habe ist einfach - Das ist ein Stück ˋmitten raus ´ und für viele Sachen wäre langwierige Erklärung / Vorwissen erforderlich.
Das ist ein immer mal auftretendes Problem bei Ausschnitten aus Romanen: Wenn man die x Seiten vorher nicht kennt, ist z.B. die Reaktion einer Figur manchmal nicht zu verstehen.

Und ja, ich kann mit deinen Anmerkungen etwas anfangen, teilweise bestätigen sie mir, dass Sachen richtig rüberkommen, teilweise zeigen sie aber auch, dass es eine Gratwanderung bleibt ...
Danke schön!

cheers, Uli