Autor Thema: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1  (Gelesen 182 mal)

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Online SirJasonCrage

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Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« am: 12 November 2018, 22:11:21 »
So. Im Mantel des Lichtes. Ich habs ja schonmal angefangen, eingestellt und zugesehen wie es auf dem Grill zerrissen wurde. Wohlverdient.
Ich bildete mir ein, draus gelernt zu haben, schrieb die Szene um und stellte erneut ein. Boom, wieder zerlegt. Wieder wohlverdient. Die Figuren waren leer, der Kampf sinnlos und die Choreo nicht nachvollziehbar.

Ich habs nochmal versucht. Im Discord habe ich schon ein Bisschen gespoilert, was mir an der Szene so schwer gefallen ist... Ich lass hier mal manche blind und manche wissend an den Text rangehen und guck mir an, wie die Röstungen ausfallen.

Wer sich eventuell an meinen Prolog "Rylla" erinnert:
Dies wäre das erste Kapitel zu derselben Geschichte.



Im Mantel des Lichtes

Kapitel 1

Gariels Stimme zitterte, als er zum ersten Vers der Lulym Drielja ansetzte. Anstatt der heiligen Worte kam nur ein Krächzen aus seiner Kehle. Hunderte von Blicken ruhten auf ihm, beleuchtet vom Licht der Sonne das hinter ihm durch die gläserne Front des Tempels fiel. Einige sahen müde zu ihm, andere neugierig, wieder andere ungeduldig. Gemeinsam war ihnen allen die Erwartung. Eine Erwartung von der Gariel nicht wusste, ob er ihr gewachsen war.
Er kannte den Text. Sein ganzes Leben lang hatte er ihn jeden Tag zur Morgenandacht und zum Abendgebet gehört. Allein letzte Nacht hatte er ihn so oft aufgesagt, dass er kaum noch Zeit zum schlafen übrig geblieben war. Anstatt sich jedoch auf die Wörter zu konzentrieren, die er sprechen musste, wanderten seine Gedanken sprunghaft und ziellos vom schlafenden Greis in der dritten Reihe über die Proben mit seinen Brüdern hin zu den Folgen dieser Prüfung.
Seine Augen blieben an den Hohepriestern in der ersten Reihe hängen, die seine Predigt beurteilen würden. Sie sahen äußerst unzufrieden aus, zwei von ihnen tuschelten ungeduldig und schüttelten den Kopf. Mit dem Schreck ging ein Ruck durch Gariel und die Worte sprudelten plötzlich aus ihm heraus, auswendig von seinem Körper ausgeführt, ohne sein Zutun. Genauso wie er über seine Füße nicht nachdenken musste um zu laufen, sprachen seine Lippen von alleine das Gebet, wie er es geübt und geprobt hatte.

Die erste Strophe war bereits beendet, als ihm die angestrengten Mienen, die vorgebeugten Oberkörper und die Hände hinter den Ohrmuscheln auffielen. Er war zu leise. Die Worte kamen, aber sie kamen gemurmelt, genau wie er es in seiner kleinen Kammer geübt hatte. Das war für den großen Tempel des Lichts nicht genug. Gariel wollte im Boden versinken und er fragte sich, ob es besser war, von vorne anzufangen oder weiter zu machen. Seine Stimme stockte und versagte schließlich, als er wieder die Blicke seiner Prüfer auf sich spürte. Er fühlte sein Gesicht rot werden und wollte schon aufgeben und einfach gehen, damit ein erfahrener Priester die Messer leiten konnte. Es war keine Seltenheit, dass ein Sohn des Lichtes die erste Prüfung nicht bestand.
Dann sah er seine Brüder und die Novizen des Tempels im Gang stehen. Allein aus Faehrins Augen strahlte ihm der unumstößliche Glaube daran an, dass er heute die beste Messe seines Lebens sehen würde. Gariels Scham über seine Leistung wich einer weit schlimmeren Scham darüber, dass er beinahe aufgegeben hatte.
Seine Stimme wurde dadurch nicht plötzlich fest und sicher, aber es würde reichen um bis zum Ende der zweiten Strophe zu kommen. Ab dann sprachen ohnehin alle Anwesenden den Rest des Gebets gemeinsam und würden ihm damit Zeit verschafften, sich wieder zu fangen. Mit dieser neuen Hoffnung sprach er den letzten Vers der zweiten Strophe, jedes Wort dabei lauter als das vorherige.


So stehen wir beisammen, in Freud oder Leid

und erneuern an diesem Tag unseren Eid

Zumindest den Schluss hatte jeder vernommen. Hunderte von Stimmen fielen ein und intonierten gemeinsam die heiligen Worte. Handwerker, Händler, Ratsmitglieder, Ritter und Lords, alle schworen gemeinsam, ihre Kraft in den Dienst des Lichtes zu stellen. Auch Priester und Novizen anderer Tempel hatten ihre Hände gefaltet und sogar ein Paladin der Dunkelheit kniete andächtig im Schatten der Säulen.
Das gemeinsame Ritual verlieh Gariel Schwung und Mut und als hinterher wieder alles erwartungsvoll zu ihm blickte wusste er, dass er der Herausforderung gewachsen war. Er nahm sich kurz Zeit, im Kopf das erste Mantra der Entschlossenheit aufzusagen, trat  an den Altar heran und holte tief Luft.
„Als Thanrel in der Schlacht bei Larjand nach Srinja suchte, rief er ihren Namen laut genug, dass er das Getöse des Kampfes übertönte. Betet für mich, dass ich nie in einer Schlacht einen Freund finden muss.“
Die Gesichter lockerten sich, vereinzelt wurde gelacht. Seine übrige Nervosität von dieser Reaktion fortgespült, nahm Gariel zuversichtlich das Buch der Tugenden zur Hand und schlug die markierte Seite auf.

„In diesen Zeiten, deren Neuigkeiten von Krieg und Verlust geprägt sind, möchte ich heute über die Rolle des Glaubens im Frieden sprechen, auf dass wir nicht vergessen wofür wir kämpfen. Es sind viele Ritter anwesend, einige dem Rat oder einem Lord verschworen, andere dem Glauben. Doch sie alle…“
Es klopfte laut an den Türen. Alle Köpfe drehten sich nach hinten und ein Kind in der zweiten Reihe fing zu schreien an. Gariel wusste nicht, ob er auf das Klopfen reagieren sollte. Seine Aufgabe war es, die heilige Messe zu leiten. Seine Priesterweihe hing davon ab. Schreiende Kinder waren gewissermaßen Teil der Prüfung. Auf Störenfriede wie den an der Tür wurde man nicht vorbereitet. Vielleicht war es ein Test. Gariel sah die Augen einiger Priester auf ihm ruhen und beschloss, weiter zu machen.
„Doch sie alle kämpfen im…“

Es klopfte erneut. Ohne eine Reaktion abzuwarten öffnete der ungebetene Gast einen Torflügel und betrat den Saal. An der leuchtenden roten Mähne erkannte Gariel über die gesamte Länge des Raumes, dass es Arithos Kathrogonn sein musste, arroganter Sohn des Fürsten und unverdienter Drachenreiter.
„Es sind einige Ratsmitglieder anwesend, aber Euren Vater werdet ihr hier nicht finden,“ rief Gariel unwirsch durch den Saal.
„Ich weiß, der hat mich geschickt. Vater beruft eine Notfallsitzung des hohen Rates ein. Ein Ork ist durch das Portal von Kodnath gekommen.“ Aufregung ging wie eine Welle durch die Versammelten. Selbst Gariel war kurz aufgewühlt, obwohl er wusste, dass sich das Portal dadurch selbst schließen würde und keinerlei Gefahr für Galiria bestand.
Tödlich war der Vorfall nur für seine Prüfung. Wortlos sah Gariel zu, wie die anwesenden Ritter und Geistlichen die Menge beruhigten und sich eine Gruppe von Beschützern und Begleitern bildete, mit denen die Ratsmitglieder den Tempel verließen. Ihnen voran gingen die Erzlords, dicht gefolgt von den Hohepriestern, die nach der Messe eigentlich entscheiden sollten, ob ihm die Priesterwürde zustand.

Auch andere gingen, weil sie nur wegen der Ratsherren gekommen waren oder weil sie mehr über den Ork und das Portal erfahren wollten. Als schließlich Ruhe einkehrte, saß nur noch ein kleiner Teil der anfangs Anwesenden auf den Bänken. Gariel seufzte, nahm das Buch wieder zur Hand und holte erneut Luft.
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Offline Lilith

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #1 am: 13 November 2018, 13:40:22 »
Hallo SirJasonCrage!

Dann will ich mich mal. *Röstgabel schnapp* :devwedelby2:
Das Problem dieser Szene sehe ich nicht im inneren Konflikt, sondern ihrer allgemeinen Konfliktlosigkeit. Zumal der einzige Konflikt, der stattfinden könnte, sich nicht im Inneren, sondern in der äußeren Welt abspielt.

Die Situation

Gariel muss erfolgreich die Messe leiten, um seine Prüfung zu bestehen. Die ganze Szene steuert auf den Moment hin, der ihn tatsächlich verlieren lassen könnte. Doch auf welcher Ebene? Jemand stört die Zeremonie - dringt von Außen ins Geschehen ein. Auf dieser äußeren Bühne muss der Feind bekämpft werden: Daran scheitert Gariel, weil es ihm an Souveränität mangelt, die Situation überhaupt richtig einzuschätzen. Das bleibt folgenlos.

Der Konflikt

Gariel könnte durch die Prüfung rasseln. Zu verlieren hat er aber: Nichts. Außer etwas angekratztem Stolz vielleicht. Aber eine Bedrohung gibt es nicht, denn
Zitat
Er fühlte sein Gesicht rot werden und wollte schon aufgeben und einfach gehen, damit ein erfahrener Priester die Messer leiten konnte. Es war keine Seltenheit, dass ein Sohn des Lichtes die erste Prüfung nicht bestand.
Im Prinzip wäre also auch im Falle des Scheiterns alles noch gut.

Die Fallhöhe ist extrem gering, das Konfliktpotenzial damit schwach und die Szene in Folge lasch. Es passiert tatsächlich nichts. Es gibt ein paar Unruhemomente, aber da ist nichts, das wachrüttelt. Alles geht seinen gewohnten Gang. Es klopft an der Tür. Getöse, der Saal leert sich. Alles ist wieder wie zuvor.

Die Figur

Entsprechend bleibt auch Gariel passiv. Er agiert nicht, er reagiert. Es gibt keine Veränderung, nicht im Inneren, höchstens im Äußeren, als die Hohepriester den Raum verlassen. Selbst die Angst, die Prüfung nicht zu bestehen, wird ihm am Ende noch von außen genommen, !!!als die Hohepriester den Raum verlassen!!!, um Kathrogonn wegen der Warnung zu folgen. Hier baut sich zwar eine Bedrohung im Hintergrund auf, die aber unsichtbar bleibt und wenn überhaupt, nur im Zusammenhang spürbar wird. Und wieder geht es um einen Eindringling von Außen.
Das Innere bleibt gewahrt, ohne dass ein Kampf darum stattfinden müsste.

Als Einstiegsszene ist das schwierig, weil keine Charakterisierung stattfinden kann. Figuren charakterisieren sich durch charakteristisches Handeln in Stresssituationen. Man könnte diesen Aufbau nutzen, um die Dimension des äußeren Konflikts (hier: der Krieg, die Bedrohung durch die Orks) auszugestalten. Da ginge es weniger um Gariels Prüfungsangst, sondern um den Spannungsmoment, wenn der Leser mehr weiß als die Figur und deshalb um deren Leben bangen muss. Gariel selbst bringt einem das dann nicht näher, aber zumindest wären die Konfliktparteien damit deutlich auseinandergehalten: auf der einen Seite die braven Mönche, auf der anderen Seite die kriegerischen Orks, um es mal plakativ auszudrücken.

Aber von dem ausgehend, was ich bisher vom "Mantel des Lichts" gelesen habe, scheint mir das nicht das Ziel zu sein, das du anstrebst. Vielmehr möchtest du Gariel dem Leser nahebringen. Liege ich da richtig?
Leider kommt auch da nichts rüber und das macht es langweilig.

Die Szene

Zitat
Gariels Stimme zitterte, als er zum ersten Vers der Lulym Drielja ansetzte. Anstatt der heiligen Worte kam nur ein Krächzen aus seiner Kehle. Hunderte von Blicken ruhten auf ihm, beleuchtet vom Licht der Sonne das hinter ihm durch die gläserne Front des Tempels fiel. Einige sahen müde zu ihm, andere neugierig, wieder andere ungeduldig. Gemeinsam war ihnen allen die Erwartung. Eine Erwartung von der Gariel nicht wusste, ob er ihr gewachsen war.

Gariel hat Angst. Lampenfieber. Prüfungsangst.
Abgesehen von Äußerlichkeiten (Gariel will offenbar Priester werden, dazu ein paar kulturspezifische Details) erfahren wir über ihn nichts. Das ist so allgemein, dass sich immerhin jeder damit identifzieren kann, denn sowohl Lampenfieber als auch Prüfungsangst haben wir alle schon mal gehabt. Was für Gariel davon abhängt und wie er mit dieser klassischen Situation umgeht, beantwortet der Text nicht.

Ausgangssituation: Irgendjemand versucht, eine Prüfung zu schaffen und ist dabei unsicher.

Zitat
Die erste Strophe war bereits beendet, als ihm die angestrengten Mienen, die vorgebeugten Oberkörper und die Hände hinter den Ohrmuscheln auffielen. Er war zu leise. Die Worte kamen, aber sie kamen gemurmelt, genau wie er es in seiner kleinen Kammer geübt hatte. Das war für den großen Tempel des Lichts nicht genug. Gariel wollte im Boden versinken und er fragte sich, ob es besser war, von vorne anzufangen oder weiter zu machen. Seine Stimme stockte und versagte schließlich, als er wieder die Blicke seiner Prüfer auf sich spürte. Er fühlte sein Gesicht rot werden und wollte schon aufgeben und einfach gehen, damit ein erfahrener Priester die Messer leiten konnte. Es war keine Seltenheit, dass ein Sohn des Lichtes die erste Prüfung nicht bestand.

Die Unsicherheit lässt ihn leise sprechen, dafür schämt er sich, kurz blitzt die Angst vor dem Versagen auf, nur um sofort wieder beruhigt zu werden. Er wäre ja keine Ausnahme, das kommt häufiger vor, dass Leute die Prüfung nicht bestehen und Konsequenzen scheint es keine zu geben.
Der Absatz, der übrigens ein bisschen Interesse meinerseits an Gariel weckt, ist der über seinen Bruder. Warum ermutigt es ihn nicht, wenn dieser ihm zulächelt, sondern löst noch mehr Scham aus? Aber im Kontext dieser Szene ist das geradezu irrelevant und könnte genauso gut überlesen werden.
Immerhin findet Gariel etwas Schutz in der Menge. Also alles glatt gegangen, die Angst hat sich in Wohlgefallen aufgelöst.

Risiko: Keins. Er könnte durch die Prüfung fallen, aber wenn's passierte, wär es auch kein Weltuntergang.
Das ist das größte Manko des gesamten Textes - es steht nichts auf dem Spiel.

Zitat
Zumindest den Schluss hatte jeder vernommen. Hunderte von Stimmen fielen ein und intonierten gemeinsam die heiligen Worte. Handwerker, Händler, Ratsmitglieder, Ritter und Lords, alle schworen gemeinsam, ihre Kraft in den Dienst des Lichtes zu stellen. Auch Priester und Novizen anderer Tempel hatten ihre Hände gefaltet und sogar ein Paladin der Dunkelheit kniete andächtig im Schatten der Säulen.

Selbstvertrauen gewinnt. Die Frömmigkeit der Anwesenden nimmt Gariel die Angst und rettet ihn und die Prüfung. Am Ende kann man sogar lachen. Trotz leichter Startschwierigkeiten, läuft am Ende alles prima.

Spannung: gelöst. Selbst das kleinste Risiko wurde erfolgreich eliminiert. Ohne dass Gariel selbst etwas dazu hätte tun müssen.
Der Protagonist scheitert nicht an einer Herausforderung, er hat gar keine.

Zitat
„In diesen Zeiten, deren Neuigkeiten von Krieg und Verlust geprägt sind, möchte ich heute über die Rolle des Glaubens im Frieden sprechen, auf dass wir nicht vergessen wofür wir kämpfen. Es sind viele Ritter anwesend, einige dem Rat oder einem Lord verschworen, andere dem Glauben. Doch sie alle…“
Es klopfte laut an den Türen. Alle Köpfe drehten sich nach hinten und ein Kind in der zweiten Reihe fing zu schreien an. Gariel wusste nicht, ob er auf das Klopfen reagieren sollte. Seine Aufgabe war es, die heilige Messe zu leiten. Seine Priesterweihe hing davon ab. Schreiende Kinder waren gewissermaßen Teil der Prüfung. Auf Störenfriede wie den an der Tür wurde man nicht vorbereitet. Vielleicht war es ein Test. Gariel sah die Augen einiger Priester auf ihm ruhen und beschloss, weiter zu machen.
„Doch sie alle kämpfen im…“

Da kommt die Störung und Gariel ist überfordert. Er weiß nicht, was er tun soll. Für mich als Leserin war das übrigens der Moment, in dem ich dachte, dass er durch die Prüfung fallen würde, weil er offenbar nicht fähig ist, wichtige von unwichtigen Störungen zu unterscheiden (schreiendes Kind vs. Türklopfen).

Unser Irgendjemand bleibt also nicht nur blass, sondern verliert zusätzlich an Kontur, weil er der einzigen Herausforderung nicht gewachsen ist und seine Entscheidung vom Außen (Priester) abhängig macht, statt auf einen inneren Wert vertrauen zu können.
Wenn du Gariel als unreif charakterisieren möchtest, wäre das okay, aber da müsstest du insgesamt noch schwerere Geschütze auffahren, um ihn an den Aufgaben des Erwachsenwerdens scheitern zu lassen.

So ist er für mich erst mal eine unbedarfte Napfnase, deren herausragendste Eigenschaft zu sein scheint, dass sie sehr jung ist. Was Gariel unsicher macht. Immerhin scheint er sicher genug gebunden (siehe Bruder), um daraus keinen Nachteil zu erhalten. Gähn.
Das ist so glatt, selbst die Kanten sind abgeschliffen. :weissnicht:

Zitat
Es klopfte erneut. Ohne eine Reaktion abzuwarten öffnete der ungebetene Gast einen Torflügel und betrat den Saal. An der leuchtenden roten Mähne erkannte Gariel über die gesamte Länge des Raumes, dass es Arithos Kathrogonn sein musste, arroganter Sohn des Fürsten und unverdienter Drachenreiter.

Eine dieser Kanten blitzt auf, denn Gariel mag Kathrogonn nicht, weil er allein wegen seines Standes an seine Position gekommen ist und keine Prüfung ablegen musste (wie er). Im Kontext wirkt das auf mich aber eher wie ein kurzes Schmollen, denn ein tiefgreifender Konflikt scheint zwischen den beiden nicht zu herrschen. Gariel gegen die Ungerechtigkeit der Welt.
Er erscheint mir immer noch sehr jung und dabei so durchschnittlich, dass er wirklich in der restlichen Menge untertauchen könnte, wäre er nicht benamst.
Nebenbei:
Zitat
„Es sind einige Ratsmitglieder anwesend, aber Euren Vater werdet ihr hier nicht finden,“ rief Gariel unwirsch durch den Saal.
Das wirkt hier nur pampig und der eigentlichen Ernsthaftigkeit der Situation nicht angemessen. Stell dir vor, du schreibst gerade deine Abiturprüfung und der Lehrersohn aus dem parallel schreibenden LK platzt rein - wäre das deine erste Sorge, die bekannte Arroganz des anderen außen vor?

Zitat
Auch andere gingen, weil sie nur wegen der Ratsherren gekommen waren oder weil sie mehr über den Ork und das Portal erfahren wollten. Als schließlich Ruhe einkehrte, saß nur noch ein kleiner Teil der anfangs Anwesenden auf den Bänken. Gariel seufzte, nahm das Buch wieder zur Hand und holte erneut Luft.

Und alles geht weiter wie bisher. Eigentlich ist nichts passiert. Ein Zwischenfall.

Rein handwerklich klappert da noch jede Menge Tell statt Show am Gerüst und Infodump liegt auch herum.
Ein paar Beispiele für "Show don't tell":
Zitat
Anstatt sich jedoch auf die Wörter zu konzentrieren, die er sprechen musste, wanderten seine Gedanken sprunghaft und ziellos vom schlafenden Greis in der dritten Reihe über die Proben mit seinen Brüdern hin zu den Folgen dieser Prüfung.
Zitat
Das gemeinsame Ritual verlieh Gariel Schwung und Mut und als hinterher wieder alles erwartungsvoll zu ihm blickte wusste er, dass er der Herausforderung gewachsen war. Er nahm sich kurz Zeit, im Kopf das erste Mantra der Entschlossenheit aufzusagen, trat  an den Altar heran und holte tief Luft.
Zitat
Seine übrige Nervosität von dieser Reaktion fortgespült, nahm Gariel zuversichtlich das Buch der Tugenden zur Hand und schlug die markierte Seite auf.
Zitat
Seine Aufgabe war es, die heilige Messe zu leiten. Seine Priesterweihe hing davon ab. Schreiende Kinder waren gewissermaßen Teil der Prüfung. Auf Störenfriede wie den an der Tür wurde man nicht vorbereitet. Vielleicht war es ein Test. Gariel sah die Augen einiger Priester auf ihm ruhen und beschloss, weiter zu machen.

Infodump, exemplarisch herausgepickt:
Zitat
An der leuchtenden roten Mähne erkannte Gariel über die gesamte Länge des Raumes, dass es Arithos Kathrogonn sein musste, arroganter Sohn des Fürsten und unverdienter Drachenreiter.
„Es sind einige Ratsmitglieder anwesend, aber Euren Vater werdet ihr hier nicht finden,“ rief Gariel unwirsch durch den Saal.
„Ich weiß, der hat mich geschickt. Vater beruft eine Notfallsitzung des hohen Rates ein. Ein Ork ist durch das Portal von Kodnath gekommen.“ Aufregung ging wie eine Welle durch die Versammelten. Selbst Gariel war kurz aufgewühlt, obwohl er wusste, dass sich das Portal dadurch selbst schließen würde und keinerlei Gefahr für Galiria bestand.
Tödlich war der Vorfall nur für seine Prüfung
. Wortlos sah Gariel zu, wie die anwesenden Ritter und Geistlichen die Menge beruhigten und sich eine Gruppe von Beschützern und Begleitern bildete, mit denen die Ratsmitglieder den Tempel verließen. Ihnen voran gingen die Erzlords, dicht gefolgt von den Hohepriestern, die nach der Messe eigentlich entscheiden sollten, ob ihm die Priesterwürde zustand.

So wie sie sich gerade liest, würde ich sagen, du brauchst die Szene nicht, man könnte sie ersatzlos streichen. Eine ganz gute Faustregel für die Frage, wann man anfangen sollte, lautet: "So früh wie nötig und so spät wie möglich."
Schnapp dir mal Gariel und nimm ihn auseinander: Was ist seine größte Angst? Was zeichnet ihn aus? Welche Widersprüche vereint er in sich? Und anhand dieser Kontrapunkte entwirf eine Szene, in der er mit diesen Mängeln seiner selbst konfrontiert ist (ganz gleich, wo sich der Konflikt am Ende abspielen wird, innen oder außen :)) und trotzdem klarkommen muss. Setz ihn unter Druck, lass ihn an sich selbst scheitern! Am Anfang ist der Held immer ungeschliffen, er soll ja im Laufe der Handlung erst noch reifen.

Für's Erste belass ich's mal dabei und hoffe, das hilft dir nicht nur bei deiner ursprünglichen Frage weiter, sondern bringt dich auch etwas näher an deine Geschichte.
An den Ideen soll's nicht scheitern.

Liebe Grüße,
Lilith
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- Bodo Kirchhoff

Offline Uli

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #2 am: 13 November 2018, 16:24:43 »
ay SJC,

in Kürze:
Ja, du hast am Anfang eine Szene, in der der Prota aus seiner Angst herauskrabbelt. Und das ist ein guter Einstieg. Fast.
Dass unmittelbar nach dem ˋcoming out´ des Protas die Sache von außen kaputtgemacht wird, ist ganz OK, und wahrscheinlich sogar richtig so. Nur: Durch den beinahe bruchlosen Übergang verflacht die Sache leider.

Sehr hübsch fand ich den kleinen Scherz mit dem Rufen auf dem Schlachtfeld - ein Wendepunkt in dieser Szene. Die zunehmende Sicherheit, der ˋFlow´ danach, alles gut.
Nur ... zu wenig deutlich, daher ist die Unterbrechung auch bestenfalls ärgerlich, keine Katastrophe. Ein wenig mehr ... Erleichterung, Freude, beginnender Triumpf, dazu vielleicht noch etwas mehr Bedeutung dermPrfung (die du abschwächst mit der Feststellung, das Versagen hier gar nicht ungewöhnlich sein), und das ist OK.

Ach ja: Ich vermute, dass der Prota einen Grund hat, die Prüfung unbedingt jetzt bestehen zu müssen und nicht erst in einem halben Jahr. Das sollte deutlich gemacht werden (wenn es so ist), wobei der Grund nicht unbedingt genannt (und schon gar nicht erklärt) werden muss.

Kleinkram schenke ich mir ...

cheers, Uli

Online SirJasonCrage

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #3 am: 13 November 2018, 22:47:15 »
Hallo ihr beiden.

Ich mach erst den Uli, weils schneller geht:

Hm. Ich wollte die Predigt eigentlich nicht länger laufen lassen, weils wenig langweiligeres als Predigten gibt.

Tatsächlich hat er außer sich vor den mächtigsten Leuten im Reich zu blamieren keinen Grund dringend hier und jetzt zu bestehen.
Ein paar Seiten später beißt er sich noch in den Arsch deswegen, aber das hilft der Szene jetzt an sich nicht viel.

Freut mich, dass der kleine Scherz gut ankommt. Das kann ich so gar nicht einschätzen wie sowas für den Leser wirkt ^^



Ich mach gleich mit Lilith weiter:

Das ist total schwer dir hier sinnvoll zu antworten, weil du in allen Punkten recht hast, mir aber nicht das Gefühl gibst, dass ich eine schlechte Szene geschrieben habe.
Der Text reißt einen nicht vom Hocker, aber er scheint dich jetzt auch nicht dazu zu bringen, das Buch wegzulegen. Die Szene ist eher lauwarm als heiß gefährlich, aber Gefahr hatte man zu dem Zeitpunkt gerade im Prolog mit Rylla, da nehm ich es mir raus, dem Leser eine Verschnaufpause zu gönnen.
Gariel lernt man noch nicht wirklich kennen, aber der Rest des Buches kommt aus seiner Perspektive, ich habe Zeit ihn weiter auszubauen. Zumal du erst kritisierst, dass er zu blass ist, dann kommentierst, dass seine patzige (unprovozierte) Reaktion auf Kathrogonn etwas pampig ist. Ja, es ist pampig. Soll es auch sein.
Die Show-don't-tell Beispiele verstehe ich noch nicht alle, überlege mir aber für alle gerade, wie ich sie anders beschreiben könnte.

Ich komm mir irgendwie dumm vor, dass ich nach Kritik frage, Kritik bekomme und dann entscheide, dass keiner der Punkte mir die Szene madig macht. Irgendwie kommt bei mir an, dass der Text "ok" ist. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Und das reicht mir an der Stelle momentan.


So wie sich die Story gerade entwickelt ist genau das meine Anfangsszene für Gariel.

Danke dir fürs rösten. Total ungewohnt, dass ich nach einer Röstung nicht den gerösteten Text neu schreiben, sondern die Story dazu weiterschreiben will  :)
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Offline eska

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #4 am: 14 November 2018, 18:20:28 »
Hi SirJason!
Schön, mal wieder was von dir zu lesen! Denn genau so soll es ja sein: schreiben, merken oder um die Ohren gefetzt kriegen, was nicht stimmt, umschreiben, dabei lernen, Neues merken oder um die Ohren kriegen, wieder umschreiben... Und letztens klangst du leider so, als habest du es satt.
Aber der Schreibdrang hat triumphiert! Gratuliere! Und schwupp, eine neue Version deines ersten Kapitels. :D

Nur mal nebenbei: So drastisch, wie du es hier zusammenfasst, habe ich die Kritik damals nicht empfunden.
Zitat
Die Figuren waren leer, der Kampf sinnlos und die Choreo nicht nachvollziehbar.
Natürlich tut es am eigenen Text mehr weh, klar. Aber vergiss nicht, gerade erste Szenen haben einen besonderen Auftrag und eine besondere Last: Den Leser einfangen, das Thema der Geschichte vorausdeuten und die richtige Menge Exposition bieten, nicht zu viel (s. Infodump), nicht zu wenig, damit man das Setting und die Situation der Figuren mitkriegt. Deshalb kriegt man die Anfänge hier öfter um die Ohren als andere Szenen, bei denen man schon etwas voraussetzen kann.


Mal sehen, was ich so sehe:

Zitat
Hunderte von Blicken ruhten auf ihm, beleuchtet vom Licht der Sonne das hinter ihm
Die Blicke sind beleuchtet?
Komma vor das

Zitat
dass er kaum noch Zeit zum schlafen übrig geblieben war
er raus
Schlafen groß

Zitat
Anstatt sich jedoch auf die Wörter zu konzentrieren, die er sprechen musste, wanderten seine Gedanken sprunghaft und ziellos vom schlafenden Greis in der dritten Reihe über die Proben mit seinen Brüdern hin zu den Folgen dieser Prüfung.
Seine Augen blieben an den Hohepriestern in der ersten Reihe hängen, die seine Predigt beurteilen würden.


Ich finde, diese Sätze bieten sich hervorragend an für ein bisschen mehr show: Irgendwie so: Komm schon, Mann, ganz ruhig. Konzentrier dich! Aber das war schwer, wenn die Augen hilfesuchend über die Gemeinde huschten, den schlafenden Greis in der dritten Reihe registrierten, die Gedanken dabei zu den Proben mit seinen Brüdern abwanderten - "Denk dran, dich gerade zu halten, damit die Falten richtig fallen"- fielen die Falten richtig? War das entscheidend fürs Bestehen? Und was wäre, wenn er nicht bestünde? Und was, wenn doch? Da, die Hohepriester. Sie sahen äußerst unzufrieden aus...

Es darf ein bisschen springen, wie die Gedanken, ein bisschen gehetzt wirken, wie seine Nervosität... Und es lockert auf und enthebt dich der Notwendigkeit, das alles aussprechen zu müssen.

Zitat
damit ein erfahrener Priester die Messer leiten konnte
Messe

Zitat
Allein aus Faehrins Augen strahlte ihm der unumstößliche Glaube daran an, dass er heute die beste Messe seines Lebens sehen würde.
Finde ich missverständlich: Nur aus Faehrins Augen? Also glaubt niemand sonst an ihn? Oder schon allein aus Faehrins Augen? Also glauben alle fest an ihn?

entweder strahlte ihn an oder strahlte ihm entgegen

Zitat
als hinterher wieder alles erwartungsvoll zu ihm blickte
'Alles' klingt mir hier zu salopp, ihm geht es um die Menschen und wie sie ihn sehen, ich plädiere für 'alle'. 

Zitat
Seine übrige Nervosität von dieser Reaktion fortgespült, nahm Gariel
Das klingt nach englischer Satzstellung. ;) Vielleicht: Seine übrige Nervosität wurde von einer Welle der Erleichterung fortgespült. Gariel nahm...?

Zitat
„Es sind einige Ratsmitglieder anwesend, aber Euren Vater werdet ihr hier nicht finden,“ rief Gariel unwirsch durch den Saal.
Das passt nicht zu seiner Rolle als Priester. Bei Arithos' lautem und störendem Eintritt würde mir zunächst eine Rüge einfallen, so à la 'Wir feiern hier eine Messe, Prinz! Setzt Euch zu uns oder lasst uns fortfahren." Wenn die Vermutung, er suche den Fürsten, wichtig ist, kann 'Euer Vater ist nicht hier.' noch hintenran. Oder als Gedanke, der auf suchende Blicke Arithos' folgt.

Zitat
Selbst Gariel war kurz aufgewühlt, obwohl er wusste, dass sich das Portal dadurch selbst schließen würde und keinerlei Gefahr für Galiria bestand.

Er ist also aufgewühlt. Gut, zeig uns das! 'Was, ein Ork in Kodnath? Wie konnte das geschehen? Ob das Portal einen Fehler hatte? Jetzt würde es doch sicher geschlossen sein? Aber Arithos zeigte keine Anzeichen von Panik, Galiria war also nicht in akuter Gefahr.

Zitat
wie die anwesenden Ritter und Geistlichen die Menge beruhigten und sich eine Gruppe von Beschützern und Begleitern bildete, mit denen die Ratsmitglieder den Tempel verließen.
Auch das schreit in meinen bildergierigen Augen nach Illustration durch Beispiele.;)
Zitat
Auch andere gingen, weil ...
Das kann er nicht genau wissen. Eher: Auch andere gingen, wahrscheinlich aber nicht seinetwegen, sondern weil ...


Insgesamt: Mir gefällt die Szene.
1. finde ich die Situation interessant: Der Protagonist ist in einer Prüfungssituation, sein Körper (Stimme) lässt ihn im Stich. Die Prüfer schauen unzufrieden.
Er kämpft also schon gegen zwei Hindernisse, von innen und von außen.
Er verändert sein Verhalten Schritt für Schritt, ist also lernfähig und kann mit schwierigen Situationen umgehen, das macht ihn sympathisch und als Identifikationsfigur geeignet.
Dann kommt eine ernsthafte Störung von außen, die alle Pläne über den Haufen wirft. dagegen kann er nichts machen, er reagiert aber auch nicht kindisch, sondern besinnt sich auf seine Rolle und predigt vor den wenigen verbliebenen Zuhörern, obwohl die Prüfung verdorben ist. Er ist also pflichtbewusst, nicht nur auf Erfolg aus. Er nimmt die Sache (die Messe) ernst, hat also eine übergeordnete Überzeugung (Glauben).
Das sind gute Eigenschaften, auf denen Konflikte aufbauen können, nach außen wie nach innen, wie diese erste Szene ja schon andeutet.

2. wird man gleich in die besonderen Verhältnisse eingeführt (verschiedene Rassen -Menschen und Orks, offenbar in feindlichem Verhältnis, Regierungsstrukturen mit Fürst und Ratsmitgliedern, Gesellschaftsstrukturen (alle Schichten vertreten), und eine gemeinsame Überzeugung, wahrscheinlich mit moralischen Lehren dahinter, anklingt nur Frieden als Ziel auch des Kampfes), und zwar ohne damit überladen zu werden, sondern schön in die Handlung eingebaut! Nicht zuviel, nicht zu wenig (s.o.). :applaus:

Wie im Detail angedeutet, noch ein bisschen bildlich aufpeppen, dann habe ich nichts zu meckern. :)


Nachtrag: Ich habe gerade Liliths Rösti gelesen. Das hat mich nochmal auf manches gucken lassen.
Ich stimme ihr zu, dass es Konflikt rausnimmt, wenn Gariel ohne echte Konsequenzen durchfallen kann. Ok, wenn es öfter vorkommt, dass Leute durchfallen, dann mach es für ihn trotzdem fies. Was hängt von der bestandenen Prüfung ab? Irgendeine Form von Verlust? (Geld wegen einer Wette, Ehre wegen eines Schwurs, Beziehung wegen eines Freundes/einer Frau/..., für den/die nur erste Klasse zählt, Zeit, die er nicht erübrigen kann, bis er fertig ist...) Wenn das noch geheim ist, umso besser, nur andeuten.
Falls Zeitdruck wegen einer wichtigen Aufgabe das Problem ist, ist das Aufschieben der Prüfung durch Abbruch möglicherweise genauso schlimm wie ein Durchfallen. *fieses Grinsen*

Das mit dem Grundkonflikt der Szene sehe ich anders, und damit auch Gariels Entwicklung (innerer Konflikt, Kampf gegen seine Nervosität, seine Neigung, schnell aufzugeben, seine fehlende Selbsteinschätzung, vielleicht auch ein Hang, sich von der Meinung anderer abhängig zu machen ). Aber vielleicht musst du die Passagen noch ausbauen, damit es deutlicher wird.

Einen Sieg kann er in meinen Augen also verbuchen, wenn er in Sachen Prüfung auch nichts ausrichten kann (noch unentschieden). Und der Krieg kommt noch später. Man sieht also bereits hier eine Steigerung der Anforderungen voraus.

Ich sehe an der ersten Herausforderung (sich selbst zu besiegen und weiterzumachen) einen anderen Winkel als Lilith: Ja, Gariel muss nicht alles aus eigener Kraft schaffen, sondern nur die ersten Schritte, dann unterstützt ihn die Gemeinschaft aller. Aber erstens braucht es dazu diese ersten Schritte und seinen Mut, zweitens kommt keiner ohne diese Unterstützung zu der Kraft, ganz alleine zu handeln. Und dazu wird es wohl noch kommen, schätze ich. Also sehe ich hier daran nichts Falsches. Und die Beruhigung der Situation dauert ja nicht lange genug, um langweilig zu werden, mir jedenfalls nicht.

Da hast du nun den schwarzen Peter, dir zu überlegen, wieviel du ändern willst. Aber den hat man ja eigentlich immer.  :diablo:

Bleib dran!

Gruß, :wink:
eska
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Offline Lilith

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #5 am: 14 November 2018, 19:11:17 »
eska, wir rösten hier keine Röstungen. Es mag ja sein, dass du die Dinge anders siehst, aber ich habe meine Meinung zu dem Text und die brauchst du nicht zu entkräftigen. Die Entscheidung, was er annehmen möchte, überlass doch bitte SirJason, denn der wird am besten wissen, was seine Geschichte braucht.

Danke,
Lilith
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Offline Lilith

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #6 am: 14 November 2018, 21:52:53 »
Hallo SirJasonCrage!

Das ist total schwer dir hier sinnvoll zu antworten, weil du in allen Punkten recht hast, mir aber nicht das Gefühl gibst, dass ich eine schlechte Szene geschrieben habe.
Der Text reißt einen nicht vom Hocker, aber er scheint dich jetzt auch nicht dazu zu bringen, das Buch wegzulegen.
Doch, tut er. Komplett.

Zitat
Die Szene ist eher lauwarm als heiß gefährlich, aber Gefahr hatte man zu dem Zeitpunkt gerade im Prolog mit Rylla, da nehm ich es mir raus, dem Leser eine Verschnaufpause zu gönnen.
Eine Verschnaufpause bzw. in ruhige Szenen einzutauchen, ist nicht gleichbedeutend damit, jetzt Konflikt und Spannung über Board zu werfen. Spannung kann auch genau durch so etwas entstehen, aber dafür müssen Kontraste spürbar und Stilmittel sinnvoll eingesetzt werden. Das hier ist die erste Szene deines Romans - ein Prolog dient eher dem Vorlauf, manche Leser überspringen ihn sogar - und damit eine der wichtigsten des ganzen Romans. Sie soll den Leser angeln und ihn bei der Stange halten. Sie hat nicht nur die Aufgabe der ersten zarten Exposition (worum geht's mit wem wann warum), sondern soll dramaturgisch gleich den Grundstock für das ganze restliche Geschehen liefern. Möglichst subtil. Ruhig heißt nicht Leerlauf. Hier herrscht weitgehend Leerlauf. Konfliktlosigkeit kannst du dir nicht leisten, weil es hier nicht mal einen übergeordneten Konflikt im Sinne der Suspense geht (siehe auch plakative Darstellung weiter oben).

Zitat
Gariel lernt man noch nicht wirklich kennen, aber der Rest des Buches kommt aus seiner Perspektive, ich habe Zeit ihn weiter auszubauen. Zumal du erst kritisierst, dass er zu blass ist, dann kommentierst, dass seine patzige (unprovozierte) Reaktion auf Kathrogonn etwas pampig ist. Ja, es ist pampig. Soll es auch sein.
Ja, sie ist pampig. Aber das ist keine Charakterisierung. Ich kann auch pampig reagieren, aber das zeichnet kein grundsätzliches Bild von meinem Charakter. Ich kann Angst haben, aber darum bin ich nicht gleich introvertiert. Wir alle können patzig werden, wenn wir angespannt sind (wie Gariel, siehe Prüfungsangst) und wir alle haben Prüfungsangst und Lampenfieber (ja, auch "Stars", die es gewohnt sind, auf der Bühne zu stehen, und auch der Einserschüler). Das ist so dermaßen durchschnittlich, dass nichts hängen bleibt. Zur Darstellung Gariels schwebt mir die Formulierung im Hinterkopf herum, die ich vor einigen Jahren in einer Musikreview gelesen habe: "[...] so unpersönlich und profillos, daß sich da wahrscheinlich auch die Charaktere aus einer ARD-Telenovela mit identifizieren könnten."
Charakteristik bedeutet eben auch, dass die Figur in irgendeiner Weise besonders für den Leser hervorstechen muss. Gariel ist ein Niemand und von einem Text, der so beginnt, erwarte ich weniger als nichts und habe keinerlei Ambitionen weiterzulesen, auch bzw. gerade im Kontrast zu Rylla nicht, weil mir das vor allem zeigt, dass der Autor nicht weiß, was er tut.

Zitat
So wie sich die Story gerade entwickelt ist genau das meine Anfangsszene für Gariel.
Es sollte eben nicht nur deine Anfangsszene für Gariel sein, sondern die treffende Anfangsszene für die ganze Geschichte. Diese Szene ist enorm wichtig, denn sie legt den Grundstein für den Ton, das Genre, die Erzählhaltung und die grundlegende Dramaturgie. Das ist ein ganzer Batzen, also sollte man nicht an Hirnschmalz dazu sparen, wie man sie gestaltet und was man dem Leser vermitteln möchte.

Der Einblick, den ich an dieser Stelle in deine Welt und deine Figuren erhalte, ist von fundamentaler Natur, alles, was folgt, dient nur der Vertiefung. Insofern solltest du mich hier schon einigermaßen vom Hocker reißen können, das kann man auch problemlos mit ruhigen Szenen (ein Beispiel aus dem Forum wäre der Anfang von FFs "Rabenzeit").

Zitat
Danke dir fürs rösten. Total ungewohnt, dass ich nach einer Röstung nicht den gerösteten Text neu schreiben, sondern die Story dazu weiterschreiben will  :)
Tu das. :)
Wenn die Story im großen Ganzen ohnehin noch nicht vollständig feststeht (darauf scheint mir die noch offene Entwicklung, von der du schreibst, zu deuten), ist es auch schwer, den idealen Anfang zu finden. Immerhin muss der einen Rahmen für das Gesamte bieten.

Liebe Grüße,
Lilith
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Offline Trippelschritt

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Re: Im Mantel des Lichtes - xtausendste Version von Kapitel 1
« Antwort #7 am: 15 November 2018, 10:41:12 »
Also mir gefällt diese Szene. Um den Haufen Erbsen kümmere ich mich mal nicht, denn die können da liegen bleiben bis zum Feinschliff.

Der Protagonist hat Lampenfieder und fängt sich am Ende. Für mich ist das kurzweilig geschrieben und ich bekomme ein gutes Bild von dieser Figur. Das gefällt mir, weil ich mich verortet fühle.
Dann kommt der Anlass für den ganzen Ärger der wohl noch folgt. Das passiert kurz und knapp, und unser Held steht da jetzt dumm rum. Das ist bestimmt suboptimal geschrieben, aber nicht schlecht. Suboptimal für mich ist, dass der Autor hier etwas erklärt, das jeder verstehen sollte, der mehr als 2 Gramm Grips zwischen seinen Ohren hat. Die Unterbrechung macht die Prüfung zunichte. Vielleicht könnte man an dieser Stelle in den Kopf des Helden gehen und an seinen Gedanken teilhaben. Die sollten dann aber überraschend sein und dafür gibt es hundert Möglichkeiten.

Ich habe mich nicht gelangweilt. Dafür war die Szene zu kurz. Aber nun erwarte ich etwas. Nach der Störung muss es losgehen. In Szene 2!

Trippelschritt
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Womit kann der alte Vol Jin euch helfen