Autor Thema: Die Goldkugel  (Gelesen 127 mal)

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Offline Uli

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Die Goldkugel
« am: 01 November 2018, 21:57:27 »
Hallo Hölle,

ich überarbeite grade eine alte Geschichte, um daraus (endlich) ein eBook zu machen - und dachte mir, dass das als Röstgut auch taugt.
Wobei ich eher an Erbsen und Feinheiten interessiert bin, aber Grundlagenforschung ist auch gern gesehen.
Die Geschichte ist eher fröhlich, nicht so düster wie die jüngeren Sachen - und ich möchte an diese Art wieder anknüpfen.
Viel Spass beim Lesen!

die Goldkugel

An einem Spätfrühlingsmorgen, kurz vor Sonnenaufgang war sie plötzlich da, die Kugel.


Niemand hatte beobachtet, wie das Gebilde auf die Kreuzung gelangt war, und das allein war erstaunlich – immerhin sollte eine goldglänzende Kugel von fünfundzwanzig Metern Durchmesser selbst dann auffallen, wenn sie aus heiterem Himmel erscheint – oder gerade dann.

Doch die erste Meldung berichtete keineswegs von der Ankunft der Kugel oder ihrer Annäherung, sondern hatte die Anwesenheit des Objekts zum Inhalt: Keine Veränderung, sondern eine vollendete Tatsache.

Die Meldung stammte von einem frühen Autofahrer, der gegen fünf Uhr dreißig die Königstraße, eine vierspurige Bundesstrasse, in Richtung Westen befuhr, und durch die goldene Kugel, die sich offenkundig mitten auf der Kreuzung niedergelassen hatte ohne irgendwelche Aufmerksamkeit zu erregen, an seiner Weiterfahrt gehindert wurde.

Die Kreuzung ist blockiert, meldete der Mann telefonisch der Straßenpolizei, und erst als er zum dritten Mal anrief, wurde ein Streifenwagen in Gang gesetzt. Nicht etwa, um die gemeldete Blockade durch eine goldene Kugel von den Ausmaßen eines achtstöckigen Hauses zu untersuchen, sondern um einen offenbar Irren oder wenigstens Angetrunkenen von der Straße zu holen.


Die eintreffenden Ordnungshüter überzeugte indes der Augenschein, dass das angezeigte Objekt in der Tat die Kreuzung der Bundesstraße blockierte und im übrigen keinerlei Wesensverwandtschaft mit weißen Mäusen oder rosa Elefanten aufwies, eine Vermutung, die der Wachmeister Fritz Hiller während der Anfahrt geäußert hatte.

Im Gegenteil, die Kugel zeichnete sich bei näherer Inaugenscheinnahme durch geradezu erschütternde Realität aus, was Hiller gehörig aus der Fassung brachte:

Die Frage, wie ein derart großes Objekt die Kreuzung, die mitten in der Stadt lag, unbemerkt hatte erreichen können, brannte sich in seinem Gemüt fest und blockierte sämtliche anderweitigen Gedanken.

Somit blieb es dem Kollegen Hillers, Georg Baumann, überlassen, zunächst die unbefahrbare Kreuzung zu sichern, und dann die Zentrale zu informieren – und zwar erstens, dass es eines höheren Dienstgrades bedürfe, um der Situation Herr zu werden, am besten eines Staatsanwaltes oder wenigstens des Polizeidirektors, und zweitens, des  Kollegen Fritz Hillers Verfassung unter der Last des Anblicks offenbar den Dienst versagte – man möge doch baldestmöglich einen Sanitätswagen, wenn möglich mit etlichen Beruhigungsmitteln ausgestattet, entsenden.

Mittlerweile war das Phänomen der kreuzungsblockierenden Goldkugel von zahlreichen weiteren Personen bemerkt worden, nicht zuletzt befördert durch die fortwährenden diskantenen Schreie des Wachmeisters Fritz Hiller, der abwechselnd Gott, alle Heiligen und den Teufel fragte, wie um alles in der Welt dieses Ding an diesen Platz hatte gelangen können – und da die meisten der Angesprochenen sich normalerweise in weiterer Entfernung aufhielten, stellte er diese Frage in entsprechender Lautstärke.

Die Situation verschärfte sich durch den allmählich einsetzenden Berufsverkehr erheblich – die Kreuzung war das Herzstück des Verkehrs in die Stadt hinein und aus ihr heraus. Und weil Menschen nun einmal dazu neigen, fernab von ihrer Wirkungsstätte leben zu wollen – eine Marotte, die nie hinreichend erforscht worden ist – überquerten Tag für Tag zehntausende Wagen, hunderte Busse und eine erkleckliche Anzahl Fahr– und Motorräder, und sogar vereinzelte Fußgänger, diesen Ort. Bisher.

Nun aber lag dort die Kugel und glänzte im Morgenlicht – ein nachgerade harmonischer Anblick, nicht nur verglichen mit den Szenen, die durch ihre Präsenz hervorgerufen wurden.

Die Polizeizentrale, mittlerweile nicht nur über das störende Objekt informiert, sondern auch von der Wahrhaftigkeit der Meldung überzeugt, leistete Großartiges:

Innerhalb weniger Stunden gelang es, unter  Inanspruchnahme von Amtshilfe benachbarter Direktionen, der Feuerwehr und des technischen Hilfswerkes, den Stau aufzulösen und weiträumige Umgehungsstrecken auszuschildern –  nicht mehr als vierzehn verletzte Polizisten und achtundfünfzig vorläufig festgenommene Autofahrer, die angesichts der Situation und ihres Verursachers die Nerven verloren hatten, waren auf der Verlustseite zu verbuchen.

Das Krankenhaus improvisierte eiligst eine Goldkugelstation und versicherte sich der Unterstützung aller verfügbaren Nervenärzte und anderer infrage kommender Helfer, darunter auch mehrerer buddhistischer Mönche, die eigentlich einer Veranstaltung anlässlich des Vesakh–Festes in der Stadthalle beizuwohnen gedachten, sich aber angesichts der Situation bereitwillig zur Verfügung stellten.

Wesentlich größere Probleme als die Ab– und Umleitung des Verkehrs bereiteten die Schaulustigen, vor allem deren professionelle Fraktion:
Während der Normalbürger, vom Aufruhr und den einsetzenden Gerüchten  zum Ort des Geschehens gelenkt, nach vergleichsweise kurzer Zeit des Anblickes eine gewiss beeindruckenden Kugel, die aber gleichwohl keinerlei Aktivität zeigte außer in der Sonne golden zu glänzen, überdrüssig wurde und sich zurückzog, um diese Sache ausführlich zu diskutieren – vorzugsweise in einer der zahlreichen Gaststätten – bezogen die Abgesandten verschiedener Radio– und Fernsehanstalten dauerhaft Stellung.

Übertragungswagen drängten sich auf die gerade geräumten Parkplätze, Kameras wurden aufgebaut, Reporter klingelten an Wohnungstüren um Augenzeugen zu befragen oder aus den Fenstern heraus filmen zu können – einige mieteten sogar Zimmer an – und Jonas Gruker, Fotograf im Dienste einer großen Zeitung, verliebte sich in die Mieterin der Mansardenwohnung im Haus Nummer 56, anstatt auftragsgemäß die Kugel aus dem Küchenfenster heraus abzulichten.

Was kein großer Verlust für die Masse der Neugierigen war, denn eine Kugel, golden oder nicht, sieht aus jedem Blickwinkel gleich aus – rund, nämlich.

Diesen Umstand bestätigten dann auch die gut sechzehntausend Fotos, die in den nächsten Stunden bei den Presseagenturen eingereicht, oder, von weniger gewinnorientierten Personen, im Internet veröffentlicht wurden.

Zu diesem Material gesellten sich etliche tausend Minuten Videoaufnahmen in allen erdenklichen Formaten und Qualitäten und, natürlich, eine Unzahl Kommentare, Anmerkungen und Spekulationen – lediglich die buddhistischen Mönche enthielten sich jeder Äußerung zu dem Thema und versahen ihren Dienst im Krankenhaus schweigend.
Auch die von einem Polizeihubschrauber angefertigten Infrarot–Aufnahmen, und die später von militärischen Stellen mit Radar– und Röntgen sowie Gammastrahlung geschossenen Bilder belegten: Die Kugel war rund, golden und groß. Und lag unbeeindruckt mitten auf der Kreuzung.

So weit die gesicherten Fakten.
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Im Laufe der nächsten Tage gesellten sich weitere Fakten hinzu: Der genaue Durchmesser der Kugel, ihr Volumen und die Oberfläche, deren Härtegrad (der außerordentlich war) sowie ihre Eigenschaften bezüglich der Reflexion von Licht – und eine ganze Reihe mehr.

Einige dieser Tatsachen waren einigermaßen erstaunlich, zum Beispiel die vollkommene Ebenmäßigkeit der Kugelgestalt, der Umstand, das nichts, aber wirklich gar nichts an ihrer Oberfläche haften blieb, dass kein Werkzeug, nicht einmal ein schweres Geschütz, einen Kratzer verursachen konnte – alles ebenso unerklärlich wie das Auftauchen der Kugel, wenn auch etwas weniger plakativ.

Das Experiment mit der Panzerhaubitze allein sorgte für einige Aufregung, denn gegen das Abfeuern einer Kriegswaffe im Stadtgebiet regte sich sogleich erheblicher Widerstand – was, wenn das Geschoß von der Kugel abprallte und vielleicht in das nahegelegene Rathaus einschlug?

Dergleichen Sorge teilte der inzwischen genesene Wachmeister Hiller nicht, denn er hatte den Versuch in kleinerem Maßstab mit Hilfe seiner Dienstpistole bereits unternommen, was Gegenstand einer disziplinarischen Untersuchung geworden war.

Da aber keine Dienstvorschriften existierten über den Einsatz von Schusswaffen in Bezug auf mysteriöse Riesenkugeln, die sich eindeutig des Eingriffes in den Straßenverkehr schuldig gemacht hatten, blieb das Verfahren ohne Folgen für Hiller.


Die Projektile aus Hillers Dienstwaffe allerdings hatten durch ihr eigenartiges Verhalten Aufsehen erregt unter den angereisten Wissenschaftlern und sie zu dem Versuch mit der Haubitze veranlasst:

Entgegen jeder Erwartung oder Erfahrung waren die Geschosse keineswegs abgeprallt, sondern schlicht an der Stelle, an der sie auf die glänzende Hülle getroffen waren, zu Boden gefallen. Und zwar ohne eine sichtbare Deformation erfahren zu haben, was, wie jeder Physiker bestätigen wird, ebenso unwahrscheinlich oder unmöglich ist, wie das unbemerkte Auftauchen einer goldglänzenden Kugel von fünfundzwanzig Metern (und 37.137 Zentimetern) Durchmesser auf einer vielbefahrenen Kreuzung.
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(weiter im nächsten Post ...)

Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #1 am: 01 November 2018, 22:09:31 »
Es gab tausend Vorschläge, wie die Kreuzung von dem Hindernis zu befreien sei, und zehntausend Diskussionen darüber, zuzüglich jener, die jeglichen diesbezüglichen Versuch ablehnten.

Doch die Stimmen, die in der Kugel eine Botschaft oder ein Geschenk entweder irgendeines Gottes oder einer außerirdischen Macht zu sehen beliebten, erfuhren wieder einmal das bekannte Schicksal:
Etliche besonders eifrige Verfechter derartiger Thesen lernten die Fürsorge der buddhistischen Mönche in der inzwischen erweiterten Abteilung des Krankenhauses kennen und schätzen.

Denn noch immer enthielten sich die Mönche jeglichen Kommentars über das Objekt, und gerade das bewirkte bei vielen Patienten eine deutliche Besserung ihres Zustandes.

Fritz Hiller, der einige Zeit in der Obhut der Station verbracht hatte, meinte dazu, dass "das Irrenhaus der einzige Platz ist, wo man vor diesem Wahnsinn seine Ruhe" habe.

Letztendlich entschied man, den Widerstand ignorierend, die Kugel über die leicht abschüssige Straße in nördlicher Richtung bis zu den tiefer gelegenen Flußauen rollen zu lassen, und sie dortselbst zu belassen, bis jemand einen gangbaren Weg zu ihrer endgültigen Beseitigung fände.


Eine Fußgängerunterführung wurde aufwändig gesichert,  entlang der geplanten Rollbahn wurden tonnenschwere Betonsperren installiert, die der rollenden Kugel jede Abweichung vom Wege unmöglich machen sollten und an der geplanten Absturzkante wurden die Geländer abmontiert.
Dann begannen mehrere Bagger, eine Rinne in die Flussauen zu graben, damit die Kugel von der Straße fortrollen, keinesfalls aber das Flussbett erreichen könnte – all diese Arbeiten wurden unter fortgesetztem Protest von verschiedenen Seiten zügig realisiert. Und schließlich, nachdem die Sitzblockaden der Kugelschützer sanft aber energisch (wie es die Presse formulierte) aufgelöst worden war, erschienen vier Bergepanzer auf dem Schauplatz.

Fritz Eller hatte ausdrücklich darum gebeten, an diesem Tag zum Einsatz zu kommen, und als Mann der ersten Stunde im Kugeldrama wurde ihm dies selbstredend gewährt.
Jonas Gruker, der mittlerweile in der Mansarde Nummer 56 fest wohnhafte und frisch verlobte Fotograf, installierte gleich mehrere Kameras, um keine Einzelheit des erwarteten Schauspiels zu versäumen. Denn bereits mit den Dokumentationen von Protest und Räumaktion war er zu einer gewissen Bekanntheit gelangt, und die Aufzeichnung von der "größten Kugelbahn Europas in Aktion“ sollten – rein finanziell – den Grundstein für den gemeinsamen Haushalt der Grukers bilden.

Auch die buddhistischen Mönche waren eingeladen worden, auf der Ehrentribüne zu erscheinen und das Schauspiel zu bestaunen, weigerten sich aber, den Dienst an ihren Schützlingen zu unterbrechen.
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Die Bergepanzer positionierten sich auf der Südseite der Kugel, ein Tausendtonner– Autokran hievte das aufwändig gearbeitete Formteil, dass die Kraft der Panzer auf die Kugel zu übertragen hatte, in sorgsam berechnete Position, vier gigantische Motoren entfalteten unter infernalem Lärm ihre Titanenkraft, Gleisketten fraßen sich in den Asphalt und Fritz Heller warf seine halbgerauchte Zigarette zu Boden, trat sie aus und sagte "Das war nichts – hab ich´s doch gewusst".

Tatsächlich wurde auch dem optimistischsten Kugelräumer alsbald klar, dass die Aktion von keinem Erfolg gekrönt werden sollte: Völlig unbeeindruckt verharrte das goldene Objekt in der Mitte der Kreuzung.
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Die Bürger der Stadt, seit alters her bekannt für ihr pragmatisches Wesen und ihre an Schwerfälligkeit grenzende Gelassenheit, fingen an, sich mit der Situation zu arrangieren:

Ein nahegelegenes Gasthaus benannte sich um zur "Goldenen Kugel" und servierte auf der Kugel–Terrasse Gugelhupf zu überhöhten Preisen, das Hotel "An der Kugel" konkurrierte mit der Pension "Zur ruhigen Kugel", die bessere Aussicht auf den Platz bot, und der Keglerverein "Goldkugelschieber" führten als Symbol die Karikatur eines erschöpft wirkenden Panzers.

Der Mobiltelefon–Laden an der Straßenkreuzung erweiterte zunächst sein Sortiment, um es schließlich gänzlich zu ersetzen:

Goldene Kugeln in allen Größen und Preisklassen, mit und ohne Vertragsbindung, wurden fortan hier angeboten, dazu Postkarten, Videos und Dokumentationen, Denkschriften sowie Devotionalien aller Art:

Von Badezusätze in goldglänzenden Kugelflaschen über Präservative in entsprechenden Behältnissen bis zu quaderförmigen Plexiglas–Blöcken, in deren Innerem ein kugelförmiger Hohlraum ausgespart worden war.
Kugelmützen wurden modern, am Ende der Absätze von Damenschuhen wurden goldene Kugeln angebracht und, natürlich, boten blattvergoldete Rumkugeln ebenso erlesenen wie kostspieligen Genuss.

Im Rat der Stadt wurde diskutiert, ob man den Platz entsprechend beschallen sollte, Mozart böte sich an – wegen der bekannten Mozartkugeln  –  aber das Vorhaben scheiterte am erbitterten Widerstand der Bürgerinitiative "Kugelland", die Aussicht hatte, bei der nächsten Wahl mehrere Sitze zu erobern, sowie am energischen Protest der Stadt Wien:

Mozart, so argumentierte die Kulturstadt an der Donau, gehöre, Kugel hin oder her, allein von entsprechend geführten Orchestern gespielt und nicht von Band – man sei aber bereit, der Kugelstadt zu besonderen Anlässen ein solches auszuleihen, wenn man sich über die Modalitäten einigen könne.

Derweil spielten sich hinter den Kulissen erbitterte Grabenkämpfe ab: Sowohl die Bundes– als auch die Landesregierung gedachten, die Nutzungsrechte an der Kugel der Stadt streitig zu machen.
Gebrauchsmuster– und andere Rechte wurden heiß umkämpft, Ober– und Bundesverwaltungsgerichte angerufen, und ein Heer von Gutachtern, Anwälten und ähnlichem Volk in die Schlacht geschickt – aus der, zu nicht geringem Erstaunen aller Beteiligten, die Stadt als unangefochtene Siegerin hervorging.

Denn eine eigens gebildete europäische Kommission hatte letztinstanzlich befunden, dass, sollte irgendeine Stelle die Eigentumsrechte an dem strittigen Objekt für sich beanspruchen, diese Stelle alle aus der Anwesenheit eben dieses Objektes resultierenden Kosten zu tragen hätte.
Wahlweise sei das Objekt umgehend zu entfernen und an einen passenden Standort zu verbringen – an dieser Stelle wurde ausdrücklich die Theresienwiese erwähnt, was die Staatsregierung zur Aufgabe ihres Ansinnens bewegte.

Die Bundesregierung erwog, die Auflagen zu akzeptieren, wurde aber durch eine bevorstehende Wahl daran erinnert, dass die Anschaffung von Prestigeobjekten in relativ abgelegenen Gegenden eventuell den sonst rigoros vertretenen Sparkurs in einen unerwünschten Zusammenhang setzten könnte, und verzichtete gleichfalls.
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Der Stadtrat beschloss gegen zwei Stimmen, einen Kugelausschuss mit zwölf Mitgliedern zu besetzen, und, sobald es die Haushaltslage erlauben sollte, einen Referenten für Kugelfragen zu benennen. In der Bürgerberatung wurden zwei weitere Stellen geschaffen und mit der Bearbeitung von Kugelfragen betraut – denn der Beratungsbedarf war riesig.

Einige Monate später gab die Bundesregierung ihre Zustimmung, als Sofortmaßnahme eine Umgehungsstraße bauen zu lassen, was die Grundstückswerte an der ehemals stark befahrenen Ortsdurchfahrt erheblich in die Höhe trieb – vor allem Familien mit Kindern zog es in die Stadt, in der jetzt kein Durchgangsverkehr mehr möglich war.

Der Alternativplan, die bekugelte Kreuzung zu untertunneln, wurde einstimmig abgelehnt – zu groß schätzte man die Gefahr eines Einbruchs der Kugel in die Tunnel, und zu schwer wogen die Interessen der Hausbesitzer entlang der nun stillen Strecke.

Die ehemalige Kreuzung wurde zu einem hübschen Platz umgebaut, Bänke luden zum Verweilen ein, gelegendlich bekamen Straßenmusikanten die Erlaubnis, auf dem Kugelplatz ihr Repertoire vorzutragen – besonders hervor tat sich ein Pianist, der unter anderem ein Stück namens Kugelwalzer komponierte, sowie ein Sänger, der ein Subgenre des Country–Rock, den KugelBlues, kreierte.

Reisebusse strömten in die Stadt, die allein an Parkplatzgebühren einen erklecklichen Gewinn machte – die Kugelfahrten wurden von findigen Geschäftsleuten angeboten, die neben der Besichtigung der Kugel allerlei Waren zu verkaufen trachteten – aber erst, als die europäische Kommission der Kugel einen umfassenden Schutz als regionale Besonderheit einräumte und somit der Stadt ermöglichte, Lizenzgebühren auf Kugelprodukte zu erheben, waren die ortsansässigen Unternehmer versöhnt.

Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass ein traditioneller Hersteller von Kugellagern durch diese Gebühr in den Konkurs getrieben worden sei, aber die entbehrte jeder Grundlage – lediglich Fehler im Management waren dafür verantwortlich.
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Bei der folgenden Stadtratswahl brachte es die konservative CBK, die Christliche Bürger Kugel auf beachtliche sieben Prozent, musste sich aber der KfA, Kugel für Alle, die ihre Ursprünge im Rechten Flügel der Linken Parteien und bei den Umweltschützern hatte, geschlagen geben – gut ein Viertel der Wahlberechtigten entschieden sich für diese Partei.

Nur dem Umstand, dass eine Stadtregierung sich gelegentlich auch um  Dinge zu kümmern hat, die mit der Anwesenheit einer Goldkugel wenig zu tun haben, verdanke es die bisherige Mehrheitspartei, erneut stärkste Kraft in der Stadt geworden zu sein – allerdings sah man sich der Notwendigkeit ausgesetzt, mit den KfA zu kooperieren, die daher das Kugelreferat für sich beanspruchen konnte.

Beide Kugelparteien hatten übrigens die gleiche Werbeagentur beauftragt, um ihren Wahlkampf zu optimieren, und aufgrund eines bedauerlichen Versehens wurden die die Slogans verwechselt – so warb die CBK mit dem für die KfA entworfenen "Die Dinge ins Rollen bringen" , währen umgekehrt die KfA mit "Eine runde Sache" warb – ob dadurch das Ergebnis maßgeblich beeinflusst worden war, ist allerdings zweifelhaft.

Gänzlich außer Zweifel hingegen stand der positive Einfluss der Kugel auf die Stadtentwicklung: Einem in der Esoterik–Szene bekanntem Versandhändler wurde die Lizenz verkauft, die Kugel zweimal monatlich, bei Neu– und Vollmond mit Wasser zu übergießen und die aufgefangene Flüssigkeit zu verkaufen – kurz darauf meldeten die Nachrichtenagenturen wundersame Heilungen nach dem Genuss des Kugelwassers.

Auch das Recht, die Kugel zu berühren, wollte sich der Anbieter exklusiv sichern, stieß aber mit dem Ansinnen auf erheblichen Widerstand – die Kugel, so argumentierte die KfA erfolgreich, sein ein freies Gut und gehöre nicht in die Hände von Spekulanten.
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Die Kugel wurde als Symbol populär, besonders, als der örtliche Fußballmannschaft mit den neuen Trikots endlich der Aufstieg glückte – das Stadion wurde umgehend zur Goldkugel–Arena umbenannt – und als in der folgenden Saison auch der Meistertitel von den Kugelspielern errungen wurde, gab es kein Halten mehr:

In der Stadt mussten Gewerbegebiete ausgewiesen werden, denn nur Firmen mit Sitz in der Stadt war es erlaubt, das Kugelsymbol zu nutzen – ganze Straßenzüge entstanden, in denen die Geschäftsstellen vor allem asiatischer Konzerne in Kompaniestärke residierten.

Im Gelände des Krankenhauses entstand der Neubau der psychologischen Abteilung, die weltweit als erste Adresse bei Managerkrankheiten gehandelt wurde, nicht zuletzt wegen der immer noch dort wirkenden buddhistischen Mönche, denen ein eigenes Schulungszentrum in vierzehnten Stock zugebilligt worden war.

Fritz Heller versah getreulich seinen Dienst und wurde schließlich befördert, Jonas Gruker feierte die Geburt seiner zweiten Tochter, Annelie Kugel Grunker, auf der Terrasse der "goldenen Kugel", die "Kugelblitze" errangen den Weltmeistertitel im Mannschaftskegeln und die Eingemeindung der Nachbarstadt stand unmittelbar bevor.
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In Erwartung des fünfundzwanzigsten Erscheinungstages der Kugel wurde überall in der Kugelstadt gefeiert, Huldigungen formuliert und Theaterstücke aufgeführt, der Roman "Gebt mir die Kugel" eroberte die Bestsellerlisten und der Kugel– Quiz wurde live aus der Stadthalle übertragen:
Im Finale ging es um eine Gewinnsumme in zweistelliger Millionenhöhe, eine runde Summe um die fünf Kandidatinnen wetteiferten.
Polizeiobermeister Fritz Hiller, der als Mann der ersten Stunde die Sendung co–moderierte, war voll des Lobes über das geballte Fachwissen, merkte aber in einer seltsamen Anwandlung an, dass niemand bislang die Frage geklärt habe, wie um alles in der Welt die Kugel habe erscheinen können, ohne das dies bemerkt worden wäre.

Delegationen aus aller Welt besuchten die Stadt, vor allem die Abordnungen der Konzerne, die das Kugellogo erfolgreich für ihr Marketing eingesetzt hatten und getreulich erhebliche Summen an Gewerbesteuer zahlten.

Für den Feiertag hatte sich das Kugelreferat etwas Besonderes einfallen lassen:
Um die goldene Mitte der Stadt herum war ein Gerüst aufgestellt und mit aufwändig bedruckten Planen, die Fotos der umgebenden Straßenzüge vor dem Erscheinen der Kugel dokumentierten, verhängt worden. Die aufwändige und kostspielige Konstruktion sollte es ermöglichen, zum richtige Zeitpunkt, nämlich der exakten Uhrzeit des seinerzeit eingehenden Anrufes bei der Verkehrspolizei, die Kugel zu enthüllen, und so ihr überraschendes Erscheinen gewissermaßen zu wiederholen.

Zudem sollte der POM Fritz Heller mit dem originalen, inzwischen sorgfältig restauriertem Streifenwagen vorfahren, und das Fest offiziell eröffnen.

In der Mansarde Nummer 56 machte Jonas Gruker ein Arsenal Kameras bereit, viele davon mit Standleitungen zu verschiedenen Sendeanstalten versehen, die buddhistischen Mönche schlugen erneut eine Einladung auf die Ehrentribüne aus und boten stattdessen an, alle Kollegen, die dem Ereignis beiwohnen wollten zu vertreten, die Schulen gaben unterrichtsfrei – kurzum, alles und jeder fieberte dem Moment entgegen.

Wie damals befuhr ein Automobil – anhand der Unterlagen war sogar das originale Kennzeichen ermittelt und an den Nachbau angebracht worden – die ehemalige Bundesstraße in westlicher Richtung entlang, allerdings mit wesentlich geringerer Geschwindigkeit als der Originalfahrer die getan hatte.

Das Fahrzeug näherte sich der für diesen Anlass wiederaufgebauten Ampel, stoppte, die verhüllenden Planen sanken zu Boden und offenbarten … Nichts.

Die Kugel war fort!
Ein entsetztes Schweigen legte sich über die Stadt, nur Fritz Heller, der aus dem ankommenden Dienstwagen sprang, noch bevor der vollends zum Stillstand gekommen war, brüllte mit sich überschlagender Stimme Verwünschungen der übelsten Sorte, fragt Teufel, Gott und alle Heiligen, wie ein Objekt wie die Kugel unbemerkt aus seiner Verpackung entfernt werden konnte und musst von herbeieilenden Sanitätern mit einer großzügigen Dosis künstlicher Morphine beruhigt werden.

Während seines anschließenden Aufenthaltes in der Obhut der buddhistischen Mönche erfuhr Hiller, dass bereits Pläne gefasst wurden, einen Nachbau der Kugel zu errichten. Mitgeteilt wurde ihm das vom Kugelrefernt, der es sich nicht hatte nehmen lassen, Hiller an seinem Krankenbett zu besuchen, und offenbar war es als ein Trost gedacht. Darüber hinaus eröffnete der Referent ihm, dass eine Sonderkommission der Polizei eingerichtet würde und man nur auf seine, Hillers, Genesung warte, damit er die Leitung übernehmen könne. Was natürlich verbunden war mit einer Beförderung, versteht sich.
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Viele Jahre danach schrieb Hauptkommissar Fritz Hiller, langjähriger Leiter der SoKo Kugel, anlässlich seiner Pensionierung:

"Wir haben trotz aller Anstrengungen nie herausgefunden, wie und wohin die Kugel, die so prägend war für unsere Stadt, letztlich verschwunden ist. Aber, und das ist mir besonders wichtig zu erwähnen: Wir haben nicht einmal versucht zu verstehen, was sie war und wie sie hierherkommen konnte. Wir waren zu beschäftigt damit sie zu feiern, zu loben und zu vermarkten, als dass die Herkunft eine Rolle gespielt hatte. Sie war einfach da, so wie die Mönche oben im Krankenhaus. Aber im Gegensatz zu diesen stand die Kugel einfach nur herum, und ganz offen gesagt:

Sie stand im Wege ..."


danke fürs Lesen!

Offline eska

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #2 am: 02 November 2018, 14:10:17 »
Lieber Uli,

ich hab's noch nicht gelesen (Ferien=rundum Kinder). Ich versuch's am Wochenende.

Gruß, :wink:

eska
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Offline eska

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #3 am: 03 November 2018, 10:43:19 »
Lieber Uli;

fröhlich finde ich gut!  :D
Ich mach mich mal ans Werk.

Du hättest ja gerne Erbsen und anderes Gemüse. Na dann: Topf auf!  :cheese:
Du kriegst alles, wie ich es beim fortlaufenden Lesen notiert habe. Inhaltliches habe ich irgendwann weggelassen, siehe Kommentar.




Zitat
und im übrigen keinerlei Wesensverwandtschaft mit weißen Mäusen oder rosa Elefanten aufwies, eine Vermutung, die der Wachmeister Fritz Hiller während der Anfahrt geäußert hatte.

Wachtmeister, und ich würde den Artikel weglassen.
Außerdem ist, wenn man es genau nimmt, der Bezug nicht ganz richtig: Seine Vermutung ist ja eben, dass die Kugel wesensverwandt ist, nicht dass nicht. Vorschlag: Beide Sätze trennen, "Derartiges hatte nämlich Wachtmeister Fritz Hiller während der Anfahrt laut vermutet."
Hast du im Blick, dass weiße Mäuse auch ein Synonym für Verkehrspolizisten sind? In diesem Zusammenhang (Kreuzung, Polizei im Anmarsch) denke ich zuerst daran (real), dann irritieren mich die rosa Elefanten (irreal). Ich weiß allerdings nicht, ob man sie polizeiintern inoffiziell auch so bezeichnet.


Zitat
Im Gegenteil, die Kugel zeichnete sich bei näherer Inaugenscheinnahme durch geradezu erschütternde Realität aus, was Hiller gehörig aus der Fassung brachte:
erschütternd - aus der Fassung: Doppelung
Und was erschüttert die Realität der Kugel außer im Moment Hiller? Und bald jeglichen Verkehr? Übrigens muss das eine Riesenkreuzung sein - oder zumindest mit viel Platz in 10 Metern Höhe. Sind da nicht eher höhere Gebäude drumrum, nichts, was kaputt gegangen ist? Niemand war da, der etwas bemerkt hätte? Du merkst, Zweifel stellen sich ein. Beschreibung könnte helfen.

Zitat
Die Frage, wie ein derart großes Objekt die Kreuzung, die mitten in der Stadt lag, unbemerkt hatte erreichen können, brannte sich in seinem Gemüt fest und blockierte sämtliche anderweitigen Gedanken.

Hier wäre mir ein bisschen show sehr sympathisch: Murmelt Hiller immerfort dasselbe vor sich hin, nimmt seine Brille ab und putzt und putzt, starrt mit offenem Mund nach oben...? Wie hell ist es schon? Reflektiert die Kugel (Gold)? Wo steht oder sitzt Hillre? Wie gehen er und Baumann vor, so wie sie es gelernt haben: Fakten aufnehmen, Routine greifen lassen, z.B. Kofferraum auf, Signalhütchen raus und verteilen (unter der überkragenden Kugel?), Streifenband spannen...?

Zitat
Somit blieb es dem Kollegen Hillers, Georg Baumann, überlassen,
seinem Kollegen überlassen
Zitat
und zwar erstens, dass es eines höheren Dienstgrades bedürfe, um der Situation Herr zu werden, am besten eines Staatsanwaltes oder wenigstens des Polizeidirektors, und zweitens, des  Kollegen Fritz Hillers Verfassung unter der Last des Anblicks offenbar den Dienst versagte – man möge doch baldestmöglich einen Sanitätswagen, wenn möglich mit etlichen Beruhigungsmitteln ausgestattet, entsenden.
Gibt es einen Grund für die Form der Narrative? Ich als Leser bleibe dadurch auf Distanz. Mehr noch durch dien ironischen Ton. Ein bisschen Mithören beim Funkgespräch würde mich reizen: Womit überzeugt Baumann die Ungläubigen am anderen Ende? Wie kommt seine eigene Nervosität raus, oder wie hat er sie gemeistert?

Zitat
von zahlreichen weiteren Personen bemerkt worden
So friedlich? Nur Hiller tickt aus?
Wer steht da (oder rennt oder kniet oder fällt in Ohnmacht), wieviele, wie laut, wer fotografiert oder filmt (per Handy), wer fängt an zu predigen oder pseudo-wissenschaftliche Vorträge zu halten, wer ruft nch Arzt, Feuerwehr, der Armee...?
Schnappt Baumann sich sein Megaphon und 'regelt den Verkehr'? FUTTER für meine Vorstellung bitte!

Zitat
Mittlerweile war das Phänomen der kreuzungsblockierenden Goldkugel von zahlreichen weiteren Personen bemerkt worden, nicht zuletzt befördert durch die fortwährenden diskantenen Schreie des Wachmeisters Fritz Hiller, der abwechselnd Gott, alle Heiligen und den Teufel fragte, wie um alles in der Welt dieses Ding an diesen Platz hatte gelangen können – und da die meisten der Angesprochenen sich normalerweise in weiterer Entfernung aufhielten, stellte er diese Frage in entsprechender Lautstärke.

Wenn du das ausbaust wie vorgeschlagen, gibt es meines Erachtens einen interessanten Kontrast zwischen der sich sammelnden Menge draußen, die man in einzelnen Momentaufnahmen sieht/hört, und dem (im Auto sitzenden?) Kollegen Hiller, an dem man näher dran sein kann, z.B. ihn berühren, ihn riechen, aber auch die fortschreitenden Stadien der Verwirrung oder das Scheitern verschiedener Bewältigungsmuster verfolgen. Falls Baumann dein Perspektivträger wird, könnte er hin und her eilen (oder nur gucken) und beides abwechselnd wahrnehmen. Und sein Stresslevel?

Zitat
ein nachgerade harmonischer Anblick, nicht nur verglichen mit den Szenen, die durch ihre Präsenz hervorgerufen wurden.
Wer hat die Perspektive?
Nur ein allwissender Erzähler kann so abgehoben im wahrsten Sinne überm Chaos schweben und dabei Harmonie wahrnehmen. Und es wirkt zynisch: Die unbelebte, goldene Kugel (Symbolcharakter) erscheint nicht als das Problem, sondern die hektisch agierenden, ameisengleichen Menschen und ihre falschen Prioritäten.

Der Erzähler-Kommentar kurz davor verstärkt diesen Eindruck:
Zitat
Und weil Menschen nun einmal dazu neigen, fernab von ihrer Wirkungsstätte leben zu wollen – eine Marotte, die nie hinreichend erforscht worden ist
Also, soweit ich weiß, hat sich das erst mit den großen Städten entwickelt, hängt mit Grundstückspreisen und Mieten zusammen, mit der Trennung von Arbeit und häuslichem Leben durch Spezialisierung... hat also wirtschaftliche Gründe, nicht wesensgebundene.
Und das verwirrt mich im Zusammenhang mit der positiven Sicht auf die goldene Kugel (in mir klingt schon die ganze Zeit der Vergleich mit dem goldenen Kalb): Ist das Gold/Geld jetzt eine unverständliche Motivation der Menschen oder ein Wert an sich, der völlig unnötige Panik auslöst oder ganz etwas anderes? Oder soll keine dieser Assoziationen drin stecken?

Zitat
die eigentlich einer Veranstaltung anlässlich des Vesakh–Festes in der Stadthalle beizuwohnen gedachten,
Eine Zeitebene früher? ...gedacht hatten, ... beizuwohnen

Zitat
des Anblickes eine gewiss beeindruckenden Kugel,
einer

Zitat
Während der Normalbürger, vom Aufruhr und den einsetzenden Gerüchten  zum Ort des Geschehens gelenkt, nach vergleichsweise kurzer Zeit des Anblickes eine gewiss beeindruckenden Kugel, die aber gleichwohl keinerlei Aktivität zeigte außer in der Sonne golden zu glänzen, überdrüssig wurde und sich zurückzog, um diese Sache ausführlich zu diskutieren – vorzugsweise in einer der zahlreichen Gaststätten – bezogen die Abgesandten verschiedener Radio– und Fernsehanstalten dauerhaft Stellung.

Nett beobachtet. ;)
Aber in der Analyse passt es nicht: Wenn der Normalbürger binnen Kurzem wieder geht, braucht keiner die Berichterstattung der Medien, weil die anderen Normalbürger das ebenfalls nicht lange sehen wollen. So ist es aber nie. Manche gehen, manche gaffen, andere nutzen das für ihre Zwecke aus...

Zitat
Radar– und Röntgen sowie Gammastrahlung
Röntgen-

A propos: Ist das Ding eigentlich aus Gold? Das probieren doch bestimmt Leute. Und dann bricht die totale Gier aus. In Null komma nichts wird sie zerkloppt, außer sie wird massiv geschützt, schon im Sinne der Aktienmärkte... Ah, okay, weitergelesen...Ist sie nicht. :)
Zitat
nicht einmal ein schweres Geschütz
Das können sie nicht ausprobiert haben. Dazu müssten sie die Stadt evakuieren. und Beschädigungen an den umliegenden Gebäuden in Kauf nehmen und später Schadensersatz leisten. Diese Entscheidung trifft keiner.
Offensichtlich doch. Spätestens hier bin ich raus und lege die Story als amüsant, satirisch, aber in sich nicht schlüssig beiseite, sorry.
Zitat
Es gab tausend Vorschläge
unzählige? 1000 ist so konkret.

Zitat
erfuhren wieder einmal das bekannte Schicksal:
'Wieder einmal' wirft sofort die Frage auf, wann denn Ähnliches geschehen ist, also womit du vergleichst.

Zitat
Letztendlich entschied man, den Widerstand ignorierend, die Kugel über die leicht abschüssige Straße in nördlicher Richtung bis zu den tiefer gelegenen Flußauen rollen zu lassen,
Bis hierhin wirkte sie für mich unverrückbar. Dass sie beweglich sein könnte, macht sie plötzlich aus sich heraus gefährlich.

Zitat
zu ihrer endgültigen Beseitigung
Nanu? Ich hätte eher an das Einrichten einer Kultstätte, organisierten Tourismus oder so gedacht.
Zitat
Fritz Eller
oben Hiller
Übrigens hat der Name mindestens grafisch große Ähnlichkeit mit Hitler. Beabsichtigt?
Zitat
die Aufzeichnung von der "größten Kugelbahn Europas in Aktion“ sollten – rein finanziell – den Grundstein für den gemeinsamen Haushalt der Grukers bilden
sollte
Zitat

das aufwändig gearbeitete Formteil, dass die Kraft der Panzer auf die Kugel zu übertragen hatte,
das statt dass
Zitat
der Keglerverein "Goldkugelschieber" führten
führte

Zitat
Goldene Kugeln in allen Größen und Preisklassen, mit und ohne Vertragsbindung,
An welche Art Verträge denkst du?
Zitat
Von Badezusätze in goldglänzenden Kugelflaschen über Präservative in entsprechenden Behältnissen bis zu quaderförmigen Plexiglas–Blöcken, in deren Innerem ein kugelförmiger Hohlraum ausgespart worden war.
Badezusätzen
Satzende fehlt: ...war alles im Angebot.
Zitat
nicht von Band
vom Band
Zitat
Ober– und Bundesverwaltungsgerichte angerufen,
Über welche Zeiträume reden wir? Schon die ersten Instanzen brauchen Jahre.
Zitat
gelegendlich bekamen Straßenmusikanten die Erlaubnis,
gelegentlich
Zitat
Nur dem Umstand, dass eine Stadtregierung sich gelegentlich auch um  Dinge zu kümmern hat, die mit der Anwesenheit einer Goldkugel wenig zu tun haben, verdanke es die bisherige Mehrheitspartei, erneut stärkste Kraft in der Stadt geworden zu sein – allerdings sah man sich der Notwendigkeit ausgesetzt, mit den KfA zu kooperieren,
verdankte
mit der KfA
Zitat
aufgrund eines bedauerlichen Versehens wurden die die Slogans verwechselt

ein die raus
Zitat
ob dadurch das Ergebnis maßgeblich beeinflusst worden war
wurde?
Zitat
als der örtliche Fußballmannschaft mit den neuen Trikots endlich der Aufstieg glückte
örtlichen
Zitat
ein eigenes Schulungszentrum in vierzehnten Stock
im
Zitat
Annelie Kugel Grunker
Gruker

Zitat
In Erwartung des fünfundzwanzigsten Erscheinungstages der Kugel
des 25. Jubiläums/Jahrestages der Erscheinung der Kugel?

Zitat
der Kugel– Quiz

das Quiz

Zitat
eine runde Summe um die fünf Kandidatinnen wetteiferten.
Summe Komma
Zitat
zum richtige Zeitpunkt
richtigen
Zitat
Zudem sollte der POM Fritz Heller mit dem originalen, inzwischen sorgfältig restauriertem Streifenwagen vorfahren, und das Fest offiziell eröffnen.
mit dem originalen, restaurierten Wagen ... vorfahren und (ohne Komma)

Zitat
mit wesentlich geringerer Geschwindigkeit als der Originalfahrer die getan hatte.
dies
Zitat
offenbarten … Nichts.
nichts

Zitat
fragt Teufel, Gott und alle Heiligen, wie ein Objekt wie die Kugel unbemerkt aus seiner Verpackung entfernt werden konnte und musst von herbeieilenden Sanitätern mit einer großzügigen Dosis künstlicher Morphine beruhigt werden.
fragte
musste
Zitat
Mitgeteilt wurde ihm das vom Kugelrefernt,
vom Kugelreferenten

Zitat
Was natürlich verbunden war mit einer Beförderung, versteht sich.
Doppelung natürlich - versteht sich
Zitat
als dass die Herkunft eine Rolle gespielt hatte.
hätte

Zitat
Sie war einfach da, so wie die Mönche oben im Krankenhaus.
Wie kommt Hiller auf den Vergleich, noch dazu in einem Abschlussbericht?

Puh, lang. :schwitz:
Kurzer Gesamteindruck: Die Idee gefällt mir, etwas mehr Szenisches würde mich locken, die Satire ist sehr breit ausgearbeitet und verliert für mich zwischendrin den Reiz, vor allem, weil ich keine zusammenhängende Aussage damit verbinde.
Eine Identifikationsfigur würde es mir vielleicht leichter machen - Hiller? Dann müsste er zu Anfang noch Anstrengungen unternehmen, das Ganze mit Vernunft in den Griff zu kriegen. Die Mönche sind wohltuend unbeleckt, aber so blass, dass man sich mit ihnen nicht identifizieren kann. Na, nur wenige von uns sind schließlich zum buddhistischen Mönch berufen.  :heilig:

Ich denke, mein Senf wird dich ein Weilchen beschäftigen.  ;D Oder tritt ihn in die Tonne. Falls Fragen auftauchen, hak ruhig nach.

Schönes Wochenende!

eska

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Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #4 am: 04 November 2018, 13:13:28 »
ay Eska,

danke schön!

Ein paar Antworten habe ich:

Also, die Kreuzung ... die gibt es wirklich, und sie bietet reichlich Platz für die Kugel. Gute 45 Meter im Quadrat (und ich habe die Größe der Kugel erst festgelegt, nachdem ich das gemessen hatte  :cheese: )

Die ˋNormalbürger ´, die sich etwas anders verhalten als andere, die gibt es auch - die Geschichte ist (auch) eine Art Liebeserklärung an diese Stadt und ihre ganz speziellen EinwohnerInnen.

Und nein, die Geschichte soll keineswegs ˋrealistisch´ sein (oder wenn, dann auf die sehr spezielle Art, die es nur hier gibt). Was auch einigen Einfluss auf die Erzählperspektive hat: Das geht nur mit dem allwissenden, kommentierenden Erzähler. Nachvollziehen in szenischer Darstellung kann man das eher nicht.
(OK, heutzutage würde man hier wohl keine Panzerhaubitze in der Stadt einsetzen, wirklich nicht - aber es gab in der Vergangenheit Planungen aller Art, die ganz ähnliche Qualitäten hatten ... )

Für die vielen (ogottogott) Erbsen noch ein Extra-Danke, und  :b5: :lava:  :danke2:!

In dieser Geschichte werde ich wohl nicht viel an den Grundzügen ändern, aber die Hinweise mitnehmen für die nächsten Geschichten.

alles Liebe, Uli

Offline Lilith

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #5 am: 05 November 2018, 11:53:08 »
Hallo Uli,

mir hat's gefallen im Großen und Ganzen. :cheerful:
Habe gegrinst und auch gelacht. :cheese:

Im zweiten Drittel sind ein paar Längen drin, schau mal, wo du da kürzen kannst, ansonsten sind mir Erbsen ins Auge gesprungen und zwei Marotten.

Marotte Nr. 1: Du nutzt sehr viele passive Formulierungen, da "wird" viel und wird noch mehr "geworden". Insgesamt finde ich das Passiv für diese Geschichte genauso stimmig wie den auktorialen Erzähler, denn es drückt die Machtlosigkeit der Einwohner gegenüber dieser Kugel aus, die einfach macht, was sie will, während die Menschen versuchen, mit der Situation fertig zu werden und dadurch ihre Wenden im Leben erfahren.

Marotte Nr. 2: Sehr viele Doppelpunkte, meist gefolgt von einem Absatz. Kann man mal machen, aber in dieser Überzahl fällt es auf und dadurch wirkt der Text gleichförmig. In der Regel gehört hinter einen Doppelpunkt auch kein Absatz, weil er den Satz ja nicht abschließt. Schau einfach mal, welche von den Doppelpunkten und Abständen du wirklich brauchst. Einige kann man getrost durch einen Punkt ersetzen, ohne dass etwas verloren geht.

An die Erbsen hat eska sich ja schon gesetzt, von daher noch eine Ergänzung von mir.
Zitat
Im Gelände des Krankenhauses entstand der Neubau der psychologischen Abteilung, die weltweit als erste Adresse bei Managerkrankheiten gehandelt wurde, nicht zuletzt wegen der immer noch dort wirkenden buddhistischen Mönche, denen ein eigenes Schulungszentrum in vierzehnten Stock zugebilligt worden war.
"Auf dem Gelände" und "psychiatrische Abteilung" statt "psychologische".
:klugklo: Die Psychologie an sich hat erst mal nichts mit irgendwelchen Störungen zu tun, sondern mit der Erforschung psychischer Phänomene beim Menschen, kurz und sehr, sehr grob gefasst. Die klinische Psychologie ist nur ein Teilgebiet. Und in der Medizin gibt es nur zwei Formen der Spezialisierung, wenn man das behandeln möchte: Psychiatrie und Psychosomatik. Darum heißen solche Krankenhäuser auch immer entweder "Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie" (Allgemeinpsychiatrie) oder "Klinik für Psychosomatik/Psychosomatische Medizin und Psychotherapie". /Ende :klugklo:

Eine Überlegung meinerseits: den POM auszuschreiben als Polizeiobermeister statt es bei der Abkürzung zu belassen. Nicht der Verständlichkeit wegen, sondern der Betonung von "Recht und Ordnung" und auch des Stolzes auf seinen Beruf und seinen Rang.
Allgemein gefällt mir das Motiv des Ordnungshüters, der wahnsinnig wird, sobald etwas passiert, das außerhalb der Ordnung steht, sehr. ;D

Den Schluss finde ich ehrlich gesagt zu deutlich - er wirkt, als wolltest du die Pointe der Geschichte noch mal erklären, damit sie wirklich jeder versteht, aber ich denke, das hast du gar nicht nötig. Wäre nicht der letzte Satz gewesen, hätte ich wohl dazu geraten, ihn komplett zu streichen, so plädiere ich eher für eine andere Fassung, die näher an Fritz Hiller herankommt.

Zitat
Viele Jahre danach schrieb Hauptkommissar Fritz Hiller, langjähriger Leiter der SoKo Kugel, anlässlich seiner Pensionierung:

"Wir haben trotz aller Anstrengungen nie herausgefunden, wie und wohin die Kugel, die so prägend war für unsere Stadt, letztlich verschwunden ist. Aber, und das ist mir besonders wichtig zu erwähnen: Wir haben nicht einmal versucht zu verstehen, was sie war und wie sie hierherkommen konnte. Wir waren zu beschäftigt damit sie zu feiern, zu loben und zu vermarkten, als dass die Herkunft eine Rolle gespielt hatte. Sie war einfach da, so wie die Mönche oben im Krankenhaus. Aber im Gegensatz zu diesen stand die Kugel einfach nur herum, und ganz offen gesagt:
Sie stand im Wege ..."
Das klingt doch sehr nach Erklärbär.
Also: Was denkt Fritz wirklich? Wie hat er versucht, sich dieses Ereignis erklärbar zu machen? Abgesehen davon, dass er dank der buddhistischen Mönche gelernt hat, sie einfach anzunehmen, wie sie ist. ;D Was ist seine Sicht auf die Kugel, solange sie noch da ist, eine, die es in sich hat, ihn rückfällig werden zu lassen, als die Kugel wieder verschwindet, und wie verändert die sich später noch einmal, als er es auch aus dieser Krise wieder rausschafft?
Wenn du es näher an die Figur heranbringst oder, alternativ, ganz in leicht persiflierte Polizeiberichtssprache fasst (sowas wie "die örtliche Verlagerung der Kugel an einen unbekannten Ort", wäre das ein gangbarer Weg?

Die buddhistischen Mönche finde ich übrigens gerade in ihrer Anonymität und Un-Fassbarkeit sehr richtig und wichtig. Ich mag diese Satire auf den gegenwärtigen Achtsamkeitshype. Sehr. :cheerful:

Ich hoffe, das hilft dir weiter. :)

Liebe Grüße,
Lilith
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"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #6 am: 05 November 2018, 15:38:13 »
 :dops:
Danke, Lillith!

Das mit der Psychatrischen Klinik ist gekauft (logisch), die anderen Sachen verstanden ...
ein wenig hänge ich an diesem POM Fritz, aber ok ... der Neigung zu Flachwitzen muss man nicht immer nachgeben, und deine Sicht darauf ist schlüssig.
Der Abspann-Monolog ist reines Blafasel, da ist nur der Nebensatz mit den Buddistischen Mönchen wichtig, der Rest kann durch ... ein anderes Blafasel ersetzt werden. Mal sehen, ob mir was einfällt, was wenigstens kein Erklärbär ist.

 :danke2:

Offline Rilyn

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #7 am: 10 November 2018, 00:18:29 »
Hoi Uli :)

Ich fühlte (und fühle) mich sehrst amüsiert, nicht nur unterhalten. :cheese:

Die Geschichte liest sich für mich zum einen sehr typisch für dich, zum anderen sehr anders, flüssiger als die sehr kurzen; sie nutzt den Raum, den du ihr gibst, und insgesamt finde ich sie trotz aller folgenden Punkte vom Gesamteindruck her rund. Pun not really intended, ahem. :grinwech:

Lilith nannte die Formulierungen ja schon, und die Zeichen sind mir auch besonders aufgefallen. Hier etwa sogar gleich aussehende Zeichen in unterschiedlicher Funktion:

Zitat
Die Situation verschärfte sich durch den allmählich einsetzenden Berufsverkehr erheblich – die Kreuzung war das Herzstück des Verkehrs in die Stadt hinein und aus ihr heraus. Und weil Menschen nun einmal dazu neigen, fernab von ihrer Wirkungsstätte leben zu wollen – eine Marotte, die nie hinreichend erforscht worden ist – überquerten Tag für Tag zehntausende Wagen, hunderte Busse und eine erkleckliche Anzahl Fahr– und Motorräder, und sogar vereinzelte Fußgänger, diesen Ort. Bisher.
Nun aber lag dort die Kugel und glänzte im Morgenlicht – ein nachgerade harmonischer Anblick, nicht nur verglichen mit den Szenen, die durch ihre Präsenz hervorgerufen wurden.
Das erste und das vierte könnte auch ein Doppelpunkt ersetzen. Natürlich ist der mindestens in Nuancen anders, daher ist das auch kein Vorschlag. Die Marotte hingegen als Einschub finde ich so prima.

Keine Kritik, nur eine Anmerkung:
Zitat
denn eine Kugel, golden oder nicht, sieht aus jedem Blickwinkel gleich aus – rund, nämlich.
Das hier liest sich sehr ulimäßig. Ich finde es durchaus passend und dem gesamten Tonfall der Geschichte angemessen und möchte es nur erwähnen, weil mir dazu ein Überarbeitungsschritt einfällt, der auch mit einigen der Gedankenstriche helfen könnte, und zwar, alle solchen Kleinigkeiten mal zu markieren und gegebenenfalls rauszuschmeißen, wenn sie sich häufen oder du meinst, dass eine Pointe sogar ohne sie stärker wirken könnte.

An einigen Stellen, insbesondere im hinteren Teil der Geschichte, kannst du so einiges straffen.
Noch ein Beispiel:
Zitat
Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass ein traditioneller Hersteller von Kugellagern durch diese Gebühr in den Konkurs getrieben worden sei, aber die entbehrte jeder Grundlage – lediglich Fehler im Management waren dafür verantwortlich.
Der kursive Teil stärkt den Witz nicht, er zieht ihn nur in die Länge und kann ihn am Ende sogar noch schwächen, da die zusätzliche Information von der Pointe weg führt. Interessant wäre für mich ein weiterer Zusammenhang zwischen Kugel und Konkurs: Dem Management kam das Gerücht sehr zupass. Oder so.

Oder hier, eine Kleinigkeit:
Zitat
deren Härtegrad (der außerordentlich war)
Das wird nochmal aufgegriffen, die Klammer samt Inhalt kann also weg, weil der Vorgriff auch wieder schwächt, was du danach aufbaust.

Zitat
die Karikatur eines erschöpft wirkenden Panzers.
die erschöpft wirkende Karikatur eines Panzers? ... Nee. Aber hier stolpere ich trotzdem über die Reihenfolge.

Zitat
an dieser Stelle wurde ausdrücklich die Theresienwiese erwähnt, was die Staatsregierung zur Aufgabe ihres Ansinnens bewegte.
Ich mag diesen ganzen Abschnitt, aber er beißt sich ein wenig mit dem vorangegangenen Räumversuch, der sie leider für von vornherein absurd erklärt, zumal diese Absurdität im Text nicht aufgegriffen wird: Die Kugel kann sowieso nicht umquartiert werden. Ich trau es den Profitgeiern und Paragraphenreitern aber zu, das außer Acht zu lassen.

Kurz vor dem Ende eiert die Geschichte ein bisschen, finde ich. Es ist keine deutliche Steigerung mehr drin, die Luft ist leichter raus sogar aus Stellen, die in sich zum Schießen sind, ausgerechnet hier, wo es auf die Zielgerade zu geht. Aber möglicherweise genügt schon ein kleines Bisschen umstellen, eventuell stellenweise auch kürzen.
Ein Gedanke dazu:
Zitat
merkte aber in einer seltsamen Anwandlung an, dass niemand bislang die Frage geklärt habe, wie um alles in der Welt die Kugel habe erscheinen können, ohne das dies bemerkt worden wäre.
Hillers Frage deutet die Wendung voraus. Aber, und das ist mir bisher beinahe zu subtil, niemand geht darauf ein, er könnte vielleicht noch kleingemacht werden, erhält später doch aus den üblichen nostalgischen und profitablen Gründen seine Rolle, und - pöff.

Ich glaube, dass das insgesamt nicht so viel zu ändern ist, und gleichzeitig nicht so einfach, aber in jedem Fall die Arbeit wert. :victoria:

Ein Typo? noch ... das Fragezeichen deshalb, weil ich gestehen muss, das i vor Jahren mal aus dem Psychiater rausgekürzt und das nicht bemerkt zu haben. :blush:
Ergo psychiatrische Klinik.

Liebe Grüße!
Ril
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Offline Mondstern

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #8 am: 10 November 2018, 01:05:36 »
Oh Mann, gelesen hab ich es schon vor Tagen ... was schreiben wollte ich auch gern dazu ... ist irgendwie untergegangen.

Die Geschichte ist absolut vorhersehbar.

Und das ist (in diesem Fall) gut so  :diablo:

Schon nach wenigen Sätzen bin ich ausgestiegen - aus dem Röstmodus - und einfach eingetaucht.
Hab die anderen Röstungen gelesen und finde die Tipps ganz gut. Die Längen gegen Ende etwas feilen, und es passt.

LG Mondstern  :lava:


Offline Trippelschritt

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #9 am: 10 November 2018, 14:46:28 »
Gute Geschichte, aber mich stören ein paar Kleinigkeiten grunsätzlicher Art.

Du schreibst das ganze in einem Berichtsstil. Gleichzeitig schweifst du in Einzelsätzen immer wieder ab, wodurch die Sache etwas zerfasert. Und am Ende wird es langsam anstatt schnell.

All das kann man machen, aber mir wäre lieber ein klarerer Standpunkt des Beobachters gewesen. Wo möchtest du deinen Schwerpunkt hinlegen. Möchstest Du eine Dynamik haben mit Zunahme, Abnahme oder doch lieber Stillstand wie die Kugel selbst?

Ich würde etwas kürzen, aber das ist Geschmacksache.

Mein vorschlag ist: Lass sie liegen und lies sie in ein paar Monaten noch einmal. Die Substanz ist gut.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #10 am: 10 November 2018, 17:47:09 »
ay Trippelschritt,

danke schön!
Die Geschichte ist schon recht abgehangen, gute zehn Jahre - die entstand ziemlich genau zu der Zeit, als wir die Schreibkrampf-Sachen gesammelt haben.
Und jetzt ist sie halt endlich fällig zum Rundmachen.
(Überarbeiten ist nicht meine Stärke ...)

Danke für die Hinweise, ich werde dran denken!
(Bei dem nachlassenden Tempo fällt mir allerdings ein, dass das dem Verlauf der Sache entspricht: Am Anfang neu und interessant und voller (scheinbarer) Möglichkeiten, und am Ende eher zäh und traditionell ... )

 :b2:
cheers, Uli

Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #11 am: 10 November 2018, 17:59:37 »
ay mondstern,


 :jubel:

danke!

das freut mich sehr.
alles Liebe, Uli

Offline Uli

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #12 am: 10 November 2018, 18:05:05 »
oy, Rilyn,

das ist wirklich aufbauend - danke schön!
Ich lasse jetzt erstmal alles sacken und schleife dann das Überarbeitungsbesteck - wobei, wie ich schon Trippel antwortete: Die Verlangsamung und Verflachung gegen Schluss hin kommt mir eher passen zum Inhalt vor. Da werde ich auf keinen Fall ˋschneller´ werden, glaube ich - das Thempo halten muss reichen.
Obwohl das schon wieder dem Gelernten widerspricht, aber das geht mir grad häufig so ...

 :lava: :b5:
alles Liebe! Uli

Offline Trippelschritt

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Re: Die Goldkugel
« Antwort #13 am: Gestern um 11:10:53 »
ay Trippelschritt,

danke schön!
Die Geschichte ist schon recht abgehangen, gute zehn Jahre - die entstand ziemlich genau zu der Zeit, als wir die Schreibkrampf-Sachen gesammelt haben.
Und jetzt ist sie halt endlich fällig zum Rundmachen.
(Überarbeiten ist nicht meine Stärke ...)

Danke für die Hinweise, ich werde dran denken!
(Bei dem nachlassenden Tempo fällt mir allerdings ein, dass das dem Verlauf der Sache entspricht: Am Anfang neu und interessant und voller (scheinbarer) Möglichkeiten, und am Ende eher zäh und traditionell ... )

 :b2:
cheers, Uli

Ja, das ist so im real life. Aber in einer Geschichte sollte es zum ende hin dramatischer werden. Wenn es langsam wird, könnte es über die Erwartung gehen, weil die Stadtverwaltung, die kirche oder wer was auch immer, dicke und dickere Pläne schmiedet. Es gibt viele Wege, aber die Pointe sollte ja zünden und sich nicht selbt abschaffen.

Trippelschritt
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