Autor Thema: Lucretias Traum - Anfang  (Gelesen 245 mal)

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Offline Taurussieben

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Lucretias Traum - Anfang
« am: 13 Juli 2018, 22:57:57 »
So, ich habe meinen Anfang komplett überarbeitet. Es wird eventuell doch eine Szene vor dieser geben, aber da bin ich noch unentschieden, ob oder ob nicht.
Im Allgemeinen habe ich so ziemliches alles vom Einstieg weggeschnitten und nur noch die für die Geschichte entscheidende Begegnung drinnen gelassen.

Jede Form von Kritik ist eigentlich willkommen, da mich interessiert ob die Szene einfach wirkt.

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Lucretia zitterte. Angst und Müdigkeit vermischten sich mit der Anstrengung zu einem gefährlichen Cocktail, der sie nicht mehr klar denken ließ. Immer wieder begannen verschiedene Muskelstränge nervös zu vibrieren, ein konstantes Zucken unter der rauen Oberfläche des Raumanzuges. Sie versuchte einen Moment zu ergründen, welche Entscheidung der letzten paar Stunden, sie in diese Lage gebrachte hatte. Wahrscheinlich alle, flüsterte eine Stimme in ihr, die verdächtig nach ihrer Schwester klang. Sie kroch auf dem Boden nach vorne und versucht vorsichtig um die Steinformation herum zu schauen. Mit einem Raumhelm war das mehr als schwierig. Aus den Augenwinkeln konnte sie noch immer Bewegung sehen. Die Schmuggler waren noch immer dabei ihre Rettungskaspel zu untersuchen. Sie haderte. Sie könnte ihn entgegen gehen, sie bitten mit zu nehmen. Konnte sich auf die stellaren Statuten beziehen. Doch hier im Asteroidengürtel, der Niemandszone, waren die Regeln anders. Sie kroch wieder zurück. Der Felsbrocken auf dem sie niedergegangen war, bestand aus Geröll und überraschend festem Untergrund. Ihre Fußspuren waren schnell nicht mehr erkennbar. Die Schmuggler oder waren es Piraten hatten die Umgebung abgesucht. Aber die Kapsel war wohl wertvoller, als ein potentiell gefährlicher Gefangener. Lucretia kontrollierte ihre Sauerstoffanzeige. Sie hatte noch zwei Stunden. Sie musste sich entscheiden. Die Schmuggler waren ihre beste Chance. Sie glaubte nicht, dass der Ortungsbeacon den Absturz überlebt hatte oder die Schmuggler ihn aktiv lassen würden.
Sie hielt inne. Ein Gleiter zog vorbei. Sie konnte ihn deutlich sehen. Kein Gleiter, ein Abfangjäger, die schlanke graue Gestalt, bohrte sich wie eine Nadel am Himmel entlang. Sie kroch wieder zum Ende der Steinwand und lugte herum. Die Schmuggler hielten inne. Einer schien etwas in ein Funkgerät zu sagen. Freund oder Feind? Freund oder Feind? Der Jäger, drehte ab. Sie sackte zusammen. Wohl Freund. Sie würde also keine weitere Chance bekommen-
Der Jäger kehrte zurück. Die Schmuggler hatten es plötzlich sehr eilig und begaben sich zu ihren Gleitern zurück. Ihr wahrscheinlicher Anführer, eine große breite Figur machte hektische Bewegungen. Wenige Minuten später waren sie verschwunden, die halb zerlegte Rettungskapsel glänzte wehmütig. Der Jäger landete. Lucretia suchte nach einem Erkennungszeichen. Freund oder Feind? An der Außenwand fand sie eine Flagge. Sie seufzte Arcon. Sie musste auf arconischer Grenzseite gelandet sein. Aber die Kennzeichnung war Militär, das Militär musste sich an die Statuten halten, oder? Sie fluchte, das Zittern kehrte zurück, sie hatte keine andere Wahl. Mehr Chancen würde sie nicht bekommen. Dies war kein Ort mit ständigem Traffic wie auf der Hauptpromenade von Barros Prime. Noch bevor sie sich weiter davon abhalten konnte, stand sie auf und trat hinter der Formation hervor. Mit erhobenen Händen machte sie sich deutlich sichtbar auf den Weg in Richtung des Jägers.
Nichts geschah. Der Pilot versuchte weder zu funken, noch öffnete er das Cockpit, als sie das Fahrwerk erreichte hatte, sah sie den Gleiter aus den Augenwinkeln über sie hinweg schweben. Kleiner, als die der Schmuggler. Fast zärtlich glitt er über dem Jäger vorbei und setzte hinter ihm auf. Die Eingangsklappe öffnete sich. Eine Gestalt im Raumanzug winkte ihr zu. Machte eine Geste, die andeutete das sie näherkommen sollte. Sie hatte keine Wahl. Sie trat um den Jäger herum, die Arme immer noch erhoben, auf den Gleiter zu. Starke Hände packten sie und zog sie nach oben. Die Klappe schloss sich und das einsetzende leichte Vibrieren machten deutlich, dass sie am Starten waren. Ein leises Zischen und die Person vor ihr löste den Helm. Sie tat es ihm gleich.
Weißgraue Haare, helle wache Augen, ein ernster Mund. Sie suchte in ihrem Gedächtnis nach Erinnerung. Suchte nach etwas Vertrautem. Doch ihre Kenntnisse des arconischen Militärs erschöpfte sich schnell. Sie schluckte. Ob er sie erkannte? In seinem Gesicht zeigte sich keine Regung, doch in seinen Augen lag etwas Seltsames. Sie richtete sich auf. Recto capite gladioque, “Erhobenen Hauptes, erhobenen Schwertes”, war ihr Familienmotto, und wenn sie auch kein Schwert in diesem Augenblick besaß, so konnte sie noch immer alles und jedem die Stirn bieten.
Ihr gegenüber lächelte plötzlich breit, amüsiert.
“Ich muss mich für die späte Ankunft entschuldigen. Doch wir haben nicht mit solch hohem Besuch gerechnet.” Das Grinsen wurde wölfisch. Natürlich hatte er sie erkannte, Arcon war das direkte Nachbarsystem zu Barros. “Doch sagt, was macht eine Lady so weit draußen?” Er trat einen Schritt auf sie zu. Er war groß. Der Raum um sie herum schien zu schrumpfen. Sie standen noch immer bei der Eingangsklappe. Sie konnte nicht ausweichen. Sie schluckte.
“Mein Schiff wurde abgeschossen.” Er hob eine Augenbraue. Er glaubte ihr nicht, stellte sie überrascht fest. Aber war es wirklich so überraschend? Sie alleine, irgendwo wo sie nicht sein sollte auf anscheinend arconischer Grenzseite.
“Welches Schiff?” Sie zuckte zusammen, die Stimme war harsch und kalt. Sie versuchte sich an den Namen des Schiffes zu erinnern.
“Blackwater.” Nun zog er beide Augenbrauen nach oben.
“Die Kapsel gehört der schwarzen Bestie, der Blackwater?” Er schnaubte. “Es steht zu bezweifeln, dass eines der Flaggschiffe der barrischen Galactica Flotte Euch einfach von A nach B transportiert, wie ein glorifiziertes Taxi, ohne das einen prekäreren Hintergrund gibt.” Er beugte sich nach vorne. Sein warmer Atem strich über ihr Gesicht.  “Sollte die Kapsel wirklich von der Blackwater stammen, was ich noch immer anzweifle, schließe ich, dass Ihr auf einer geheimen Mission unterwegs wart und an dieser Mission bin ich äußerst interessiert.” Jede Amüsiertheit war aus seinem Gesicht gewichen, alles an ihm war todernst. Sie schluckte. Panik begann sich über ihren Magen aus zu ihrem Herz auszubreiten, griff mit seinen Fingern nach ihren Gedanken. Ihre Hände festigten sich um den Helmrand, Schmerz gab ihr wieder einen Focus. Drängte die Panik zurück. Er musterte sie einen weiteren Moment, dann zog er sich zurück. Sie wich seinem Blick nicht aus. Etwas huschte über das Gesicht des Fremden, doch es war zu schnell, als dass sie es lesen konnte. “Ich stelle euch nach den Arconischen Statuten unter die Verantwortung meiner Familie. Ihr werdet auf meinem Familienanwesen unter Hausarrest gestellt. Dort werde ich entscheiden, wie weiter mit Euch zu verfahren sein wird, Lady de Veil.” Sie nickte. Noch vor wenigen Minuten hatte sie sich geschworen allem die Stirn zu bieten, doch bisher hatte sie keinen Laut von sich gegeben. Sie kratzte ihre letzte Willenskraft zusammen.
“Ihr kennt meinen Namen, doch mit wem habe ich die zweifelhafte Ehre?” Plötzlich lächelte ihre gegenüber und es wirkte so anders, als das kalte Äußere was er noch einen Moment zu vor an den Tag gelegt hatte.  Er deutete eine Verbeugung an.
“Robert von Holden, zu euren Diensten.”

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Offline Schreibsuse

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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #1 am: 14 Juli 2018, 11:23:57 »
Hallo Taurussieben!

Ich versuche mal, dir meinen Leseeindruck zu vermitteln. Science Fiction ist allerdings nicht mein Genre, daher schildere ich einfach ganz subjektiv meine Empfindungen während des Lesens.

Ganz unabhängig vom Genre tue ich mich schwer mit der Atmosphäre, die du erzeugst und auch damit, mich in Lucretia einzufühlen. Die Umgebung will einfach nicht auf meiner inneren Kinoleinwand erscheinen. Die Beschreibung ist mir hierfür zu oberflächlich und teils auch in den Aussagen zu gegensätzlich.
Zitat
Der Felsbrocken auf dem sie niedergegangen war, bestand aus Geröll und überraschend festem Untergrund. Ihre Fußspuren waren schnell nicht mehr erkennbar.
Da hatte ich kurz das Bild von Geröll auf hartem Untergrund (welcher Beschaffenheit auch immer) und im nächsten Moment zerplatzt diese Vorstellung bereits wieder, weil ich mich frage, wodurch denn ihre Fußspuren so schnell unkenntlich wurden. Konnten auf diesem Untergrund denn überhaupt Spuren ihrer Fußabdrücke zu sehen sein? Und wenn ja, was hat sie dann unkenntlich gemacht?

Lucretia bleibt mir fremd. Vermutlich ist der nüchterne Erzählstil von dir gewollt und vielleicht auf typisch für dies Genre. Aber mir fehlt, um mich in sie hineinzuversetzen, der persönliche Erzählstil. Ganz am Anfang der Szene konnte ich noch ein bisschen etwas von Lucretias Emotionen aufschnappen. Aber ab hier:
Zitat
Sie kroch auf dem Boden nach vorne . . . 
verliert sich dies.

Ist dieses Kapitel der Romananfang? Dann fühle ich mich auch von den vielen Informationen, die ich an dieser Stelle noch nicht einordnen kann, überfordert. Lucretia ist wer? Ich würde sie gerne erst mal kennenlernen, bevor ich mich mit weiteren Fragen beschäftigen muss, wie: Welche anderen Regeln gelten in der Niemandszone? Wieso ist Lucretia eine potentiell gefährliche Gefangene (oder hab ich diesen Satz auch schon falsch verstanden?)? Was ist das arconische Militär? usw.
Ein bisschen viel angerissene Exposition auf einmal, finde ich.

Wenn dieser Stil im Science Fiction so üblich ist, dann hat dir mein Ersteindruck sicherlich nicht weitergeholfen. Ansonsten würde ich empfehlen, dichter bei deiner Prota zu bleiben und mehr aus ihrer Sicht zu schildern; dem Leser erstmal erlauben, deiner Prota näher zu kommen, bevor all die anderen Infos dazukommen. Dafür reichen mir die ersten 3, 4 Sätze nicht aus.

Dennoch, ich kann es nicht anders sagen, klingt es interessant und fantasievoll.

Hier noch ein paar Erbsen:

Zitat
[Sie könnte ihn entgegen gehen, sie bitten mit zu nehmen./quote]
Sie könnte ihnen . . .

Zitat
Kein Gleiter, ein Abfangjäger, die schlanke graue Gestalt, bohrte sich wie eine Nadel am Himmel entlang.
Bei diesem Satz gerate ich ins Straucheln. Den ersten Teil des Satzes würde ich umgestalten in: Kein Gleiter, sondern ein Abfangjäger . . .
Ja und dann bin ich raus, denn mit der Beschreibung komme ich leider nicht zurecht. Eine sich am Himmel entlangbohrende Nadel . . . weiß nicht  :weissnicht:

Leider fehlt mir die Zeit noch nach weiteren Erbsen zu fahnden. Ich hatte beim Lesen einige aufgedeckt. Aber ich mich jetzt erstmal ans Essen kochen machen.
Ich hoffe, dass dir mein Eindruck etwas weiter hilft. Falls nicht . . . ab in die Tonne damit.  :wink:




Offline Schreibsuse

  • Höllenhund
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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #2 am: 14 Juli 2018, 11:27:36 »
Sorry, beim letzten Zitat ist mir ein Teil aus einem anderen Zusammenhang mit hineingerutscht.
Zitat
[Sie könnte ihn entgegen gehen, sie bitten mit zu nehmen./quote]
Sie könnte ihnen . . .
Das gehörte nicht dorthin  :o

Offline Trippelschritt

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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #3 am: 14 Juli 2018, 15:57:52 »
Ich mache es ganz kurz für heute, Taurus. Ein paar Dinge funktionieren, andere nicht. Das Unangenehme ist, dass Dein Text so schlecht nicht ist, er ist einfach nicht gut. Und das herauszuarbeiten macht Mühe. Das zu verbessern macht noch mehr Mühe. Du wirst mindestens so viel Arbeit haben wie ich bei meiner Szene 2. Aber nun genug geschwafelt. Ich gebe Dir zumindest für den Anfang (Erster Absatz) ein paar Tipps. Vielleicht reichen die bereits für einen Neustart. Wenn nicht, frag einfach.

Ein Absatz ist eine Einheit. Dein Absatz wirkt auf mich aber sprunghaft und zerrissen. Überkeg Dir einfach noch mal, was Du überhaupt sagen willst. Das, was Lucretia tut und denkt, charaktersiert Deine Heldin. Ich bekomme aber kein Bild von ihr. Außerdem erzählst Du über sie anstatt etwas zu zeigen. Kurzum: Da ist nichts aus einem Guss, obwohl auf der Oberfläche Deine Sätze durchaus einen Sinn ergeben. Ich hoffe, Du kannst mir folgen, denn es fällt mir schwer, mein Unbehagen in die rechten Worte zu kleiden.

Nehmen wir mal den Anfang. Lukretia ist in einer gefährlichen Situation. Das ist es, was Du mir sagst. Im Augenblick ist sie ein zuckendes Wrack. Ende erstes Bild. Dann macht sie Ursachenanalyse und wird von ihrer Schwester heimgesucht. Zwei neue bilder, die mit dem ersten nichts zu tun haben. Dann folgte eine nichtssagende Bewegung, die keinen anderen Sinn macht, um zu den Schmugglern überzuleiten. Das ist das nächste Bild.
Dann wird es schlimmer. Sie denkt über einen Schwachsinn nach. Dass es Schwachsinn ist, erkennt man daran, wie sie ihn selbst sofort widerlegt. Schnell noch etwas Info gedumpt. Dann kommt etwas Unverständliches über Fußspuren.
Besser ist der Abschluss. Die Zeit wird knapp (klassisches Spannungselement). Sie hat nur eine Chance (Wirklich? Nö!).
Dann verändert sich die Szenerie, aber im Prinzip geht es ähnlich weiter.

Deshalb ist meine Empfehlung, zunächst einmal Deine Gedanken zu sortieren und sie in eine Abfolge zu bringen oder herauszufinden, was Du eigentlich im Detail schreiben möchtest. Das Ende ist übrigens zwar konventionell, funktioniert aber immer wieder mit der kleinen Überraschung einer Erleichterung. Mehr Wirkung hätte aber, wenn der Typ ein Erzfeind wäre. ;)

Ich hoffe, ich war nicht zu hart, die nus war einmal viel feinfühlender mit mir als ich es jetzt mit dir war. Die Aussage war ähnlich. Und bei mir damals äußerst wirkungsvoll. Das würde ich mir auch wünschen.

Übrigens, wenn Du wirklich begreifen solltest, was ich hier erzählt habe - also so richtig tief bis in den Bauch - dann hast Du ein Riesenpaket Schreibhandwerk gelernt, das Dir immer helfen wird. Bei allen späteren Texten.

Und jetzt ran!

Trippelschritt
(bastelte immer noch an Szenen2)  :kopfwand:

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Womit kann der alte Vol Jin euch helfen

Offline eska

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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #4 am: 15 Juli 2018, 12:15:10 »
(Vorweg: Ich habe die obigen Röstungen noch nicht gelesen.)

Liebe Taurussieben!
Du hast da eine in verschiedenster Hinsicht sehr verwirrende und sehr stressige Situation für deine Protagonistin am Wickel. Das teilt sich dem Leser mit. Allerdings ist es mir etwas zuviel auf einmal. Und ich kann Lucretia, die ich ja gerade erst kennenlerne, noch nicht so verstehen, wie es gut wäre, um mit ihr mitzufiebern. Das sind die beiden Probleme, die ich hier sehe.

Ich sehe verschiedene Ansätze, um aus dem Text alles rauszuholen: 1. Auf Satzbasis kann man verknappen, schließlich ist es eine Notsituation und emotional heftig, aber das stelle ich mal hintenan. 2. In der personalen Darstellung würde ich näher rangehen, das nimmt den Leser mehr rein, allerdings möglichst nicht in allzuviel Verwirrung. 3. Im Moment kann ich die Infos über die Hintergründe noch nicht gut sortieren. (Vorschlag zur Klärung siehe unten.) Dazu aber zum Trost: Das ist alles kein Drama, sondern nur Verfeinerung/Kanten schleifen. Und eine erste Szene hat so viele Aufgaben, die man gleichzeitig in den Griff kriegen muss, dass sie immer viel Aufmerksamkeit und Polieren braucht!

Also zur Story: Du hast eine Protagonistin, die abgestürzt ist mit einer Rettungskapsel, irgendwo im Grenzgebiet, könnte heißen: Feindesland, denn sie überlegt bei dem Gleiter, ob Freund oder Feind. Da sind Leute, die ihre Kapsel auseinandernehmen, scheinbar ohne nach Überlebenden oder Leichen zu schauen. Schließt sie daraus auf Schmuggler? Oder haben die keine typische Einheitskleidung an oder ein Schiff ohne Kennzeichnung oder geben sonstige Hinweise für ihre Einordnung?
Vergleichbar einem Schiffbruch auf der Erde würde alles, was angespült wird oder aus den Wellen geborgen den Findern gehören, dafür gilt aber auch, dass jeder gerettet und ihm geholfen wird, der es an Land bzw. zu den Helfern/Plünderern schafft.
Lucretia ist sich aber nicht sicher, ob und welche Regeln eingehalten werden. Eine unsichere Gesellschaft also, die mindestens Lücken lässt für Gesetzlosigkeit und Gewalt, ob Schmuggel oder Terrorakte wie den Abschuss eines zivilen Schiffes.

Dass der Arconier sie erkennt, sie ihn aber nicht, ist interessant: Sie scheint wichtig zu sein oder einer der führenden Familien von Barros anzugehören, er ist Militär, und nicht ganz hohe Hierarchie, als Individuum also uninteressant. Bisher fühlte sie sich nicht so an. Und sie hat beim Ergeben keinen Gedanken daran verschwendet, dass man sie als Geisel oder so benutzen könnte, dass ihre Gefangennahme ihrer Familie politische Schwierigkeiten machen könnte, so in der Richtung. Bis auf eine (beherrschende) Schwester wissen wir noch von keiner Familie der Bindungen. Das ist für mich ein Signal, dass Lucretia mit den Ihren nicht glücklich ist, sonst würde sie voll Kummer an die denken, die sich Sorgen um sie machen oder befürchten, sie nicht wiederzusehen.

Zitat
“Die Kapsel gehört der schwarzen Bestie, der Blackwater?” Er schnaubte. “Es steht zu bezweifeln, dass eines der Flaggschiffe der barrischen Galactica Flotte Euch einfach von A nach B transportiert, wie ein glorifiziertes Taxi, ohne das einen prekäreren Hintergrund gibt.”

Erstens: Trägt die Kapsel nicht ein Label, das sie dem Mutterschiff zuordnet? Okay, das kann nicht sichtbar sein, aber ihre Aussage sollte überprüfbar sein, eine Lüge also nicht sinnvoll. Warum glaubt er das also? Sind alle Barraner (?) für ihn automatisch Lügner?
Zweitens: Seine Sprechweise ist sehr hochgestochen. Macht er sich dmit über die 'Lady' lustig? Inhaltlich würde: "Ich bezweifele, dass eines der Flaggschiffe der barrischen Galactica Flotte Euch als Privattaxi von A nach B dient" völlig ausreichen.
Drittens: Wenn die Blackwater ein Flaggschiff ist, sollte sie den Namen ohne Schwierigkeit erinnern.

Zur Personenzeichnung: Dass von Holden zwiespältig rüberkommt, ist wahrscheinlich beabsichtigt und passt durchaus zu Lucretias Situation und Ängsten. Unsicherheit lässt einen alles interpretieren, manches möglicherweise auch falsch. Du hast also deutlich Spielraum, ihn später anders wirken zu lassen. Ihre Ängste könntest du aber konkretisieren. Wir wissen fast nichts über ihre Stellung und damit eine mögliche Verwendung in politischen Zusammenhängen, im Krieg ... Weiß sie selbst so wenig? An manchen Stellen wirkt sie sehr naiv. Oder bewusst uninformiert, z.B. über die arconischen Entscheidungsträger/großen Familien (offenbar ist ihr Gegner ja doch nicht ohne individuelle Macht). Hat man ihr zu Hause Wichtiges vorenthalten oder hat sie oberflächlich gelebt (mein Eindruck vom ersten Text) und sich rausgehalten und das wird ihr jetzt zum Verhängnis? Auch das könnte sie kurz bedauern oder andenken.
Abgesehen davon schwankt sie mir sehr zwischen Panik und anerzogener Tapferkeit. Da bin ich noch nicht genug bei ihr, um sie zu verstehen. Vielleicht hilft es, wenn du ihre Panik am Anfang, als sie noch allein ist, unterstreichst und mit Infos fütterst: Worum fürchtet sie, was ist los, was macht das mit ihr...? Und dann redet sie sich gut zu und strafft den Rücken zu 'recto capite'. Sie ist doch auch stolz, dieser Familie anzugehören?

Zur generellen Entscheidung, ob du mit diesem Textstück beginnen solltest: Du hast hier den inciting incident, der ihr bisheriges Leben verändert und die Story lostritt. Da du uns aber eine ganze unbekannte Welt präsentieren musst, fände ich es einfacher, Lucretia vorher in einem Stück ihres normalen Lebens zu zeigen und dabei Gesellschafts-Infos, Status, Bindungen etc. unterzubringen. Es muss natürlich trotzdem spannend sein (mit Konfliktpotential), nicht unbedingt mit Action. In deinem ersten Rösttext gab es doch ein Stück Lucretia. Vielleicht so? Den Absturz kannst du ja auslassen, sie sich den Kopf anschlagen lassen o.ä.

Zur Idee: Die Situation ist durchaus kribbelig: in Feindeshand in Gewahrsam genommen und gegen seine Familie/sein Land benutzbar, eventuell noch ohne genügend Verständnis der Lage, so dass man ständig etwas Fatales falsch machen kann...
ja, das lohnt einiges Feilen!

Viel Erfolg und Spaß dabei!

eska  :wink:


  • Ich schreibe gerade: an den letzten Lücken in Brenda 2, hoffentlich

Offline Taurussieben

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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #5 am: 15 Juli 2018, 14:34:56 »
Schreibsue, Trippelschritt und eska, ich danke euch schon mal von Herzen für eure Eindrücke und Röstungen. Sie erwecken in mir den Eindruck, das ich zwar noch einiges Verbessern kann, aber die Szene an sich schon mal eine gute Grundlage ist.

@Schreibsuse, ich habe den Stil warscheinlich extra ein wenig nüchtern gewählt, da ich mal eine sehr ausschweifende Art hatte und momentan mehr nach der Art schreibe, weniger ist mehr. Und ich ergänze lieber Sachen, als welche zu löschen  :cheese: obwohl, dieser Roman musste in der letzten Woche rund 10k Wörter einbüßen  :watchout: Du hast mir jedenfalls ein / zwei Denkanstöße gegeben, die einen oder anderen Moment zu verbessern (aka DIE Fußspuren ;) )
Die fehlende Einfühlung für Lucretia werde ich mir auch noch mal anschauen.

@Trippelschritt, jaja, da sind wir schon zwei  ;D Haben an sich eine gute Szene, aber so recht will sie nicht überzeugen. Das mit dem zu Sprunghaft ist interessant, das habe ich so noch nicht gesehen, das werde ich wohl auf Analyse gehen müssen :lupe: Ich denke aber, ich weiß, was du meinst. Zumindest glaube ich das, aber dafür werde ich mir den Text noch einmal genau anschauen.

@eska, die Schmuggler Szene werde noch mal überarbeiten. An sich sind es halt Gesetzlose, die mehr an den Materialien der Kapsel interessiert sind, als an jemanden, der eventuell so gefährlich ist (aber vielleicht lass ich doch welche nach ihr suchen, die immer näher kommen, bis von Holden auftaucht und sie vertreibt). Gedanken muss ich mir darüber machen, wie Lucretia sie erkennen kann als das was sie sind.

Zu Lucretia und von Holden.
In der tat ist Lucretia eher naiv, sie kommt aus DER Familie in Barros, ihr Vater ist der letzte König, ihre ältere Schwester Flottenkommandeur. Da sie um einiges jünger war als ihre Schwester, und Barros bald keinen König mehr hat oder eine Königsfamilie, sah sie es nicht als wichtig, sich wirklich mit den Geschehnissen (politisch, militärisch) auseinander zu setzen. Daher kennst sie auch nicht wirklich die Flaggschiffnamen (aber vielleicht besser ich hier noch mal nach).

Zitat
Erstens: Trägt die Kapsel nicht ein Label, das sie dem Mutterschiff zuordnet? Okay, das kann nicht sichtbar sein, aber ihre Aussage sollte überprüfbar sein, eine Lüge also nicht sinnvoll. Warum glaubt er das also? Sind alle Barraner (?) für ihn automatisch Lügner?

Ah, ein interessante Stelle, die erst später klar wird. Von Holden selbst lügt. Er weiß sehr genau, das sie von der Blackwater kommt und was ihr Ziel war. Und theoretisch ist er nicht Militär, er hat sich den Jäger... ausgeliehen... Das Emblem sorgt dafür, das die Schmuggler nicht groß fragen stellen, sondern sofort verschwinden.

Die Probleme mit Lucretia an sich haben auch schon Trippelschritt und Schreibsuse angesprochen, da werde ich noch mal nachfassen.

Zitat
In deinem ersten Rösttext gab es doch ein Stück Lucretia.

Das war direkt auf dem Schiff mit dem Absturz und dann dem Abschuss der Kapsel. Meinst du dann den Teil danach, als sie gelandet ist? Also in der Szene ein wenig früher einsetzen?


Noch einmal vielen Dank!

 :b2:
  • Ich schreibe gerade: Lucretias Traum, Ewigkeit

Offline eska

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Re: Lucretias Traum - Anfang
« Antwort #6 am: 16 Juli 2018, 20:41:04 »
Nur zur Klärung:
Zitat
     In deinem ersten Rösttext gab es doch ein Stück Lucretia.


Das war direkt auf dem Schiff mit dem Absturz und dann dem Abschuss der Kapsel. Meinst du dann den Teil danach, als sie gelandet ist? Also in der Szene ein wenig früher einsetzen?

Ich erinnerte mich nicht genau, aber ich denke eher an den Teil auf dem Schiff, quasi als Einführung in ihre Normalität plus ein Teil Hintergrundinfos, dann hast du nach dem Absturz die Feder frei für ihre Gefühle, Ängste etc.

Schön, dass wir dir helfen konnten.
Gruß,
eska
  • Ich schreibe gerade: an den letzten Lücken in Brenda 2, hoffentlich