Autor Thema: Dark Watch Kapitel 1 neue Version  (Gelesen 558 mal)

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Offline Lilith

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #20 am: 14 Juni 2018, 23:19:04 »
Hallo Schreibsuse,

gleich vorweg: Ich mag die Grundidee deines Thrillers in dem Abriss, den du jüngst gepostet hast. Ich finde da eine Menge Potenzial und bin gespannt auf deine Umsetzung. Bleib dran!

Ich verfolge die Ausschnitte, die du aus deinem Projekt postest, von Anfang an, komme aber jetzt erst dazu, auch etwas dazu zu sagen.

Auf mich wirkt es so – da bildet dieser Text keine Ausnahme –, als seist du noch auf der Suche. Der Anfang ist noch nicht rund, er wirkt wie das Gerüst einer Handlung. Als wärst du in einer sensiblen Schreibphase, in der es erst mal darum geht, genau das aufzustellen, um zu sehen, ob es deine Geschichte tatsächlich trägt.
Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so ist, aber wenn, dann möchte ich dir sagen: Mach erst mal so weiter und schere dich nicht um die Details! Solange sie noch umgestoßen und Szenen neu geschrieben und durchdacht werden, sind sie unwichtig.

Ich wollte es nur gesagt haben, weil das meine Röstung beeinflusst. Ich werde erst mal nicht am Stil oder ähnlichem herumkritteln, denn das lohnt sich nicht, solange alles noch der Veränderung unterworfen ist. Um im Bild zu bleiben: Das ganze Geschichtenhaus kannst du dann bauen, wenn du ein tragfähiges Gerüst hingestellt hast.
Und wenn ich mich irre, dann vergiss dieses Geschreibsel hier einfach. :)

Nun aber zum Wesentlichen. Ich finde diese Szene noch nicht in sich stimmig. Das hat mehrere Gründe: Zum Einen sind es Melissas Stimmungsschwankungen in Bezug auf ihren Mann, die andere Teufel auch kritisiert haben. Der zweite Punkt bezieht sich auf den Schatten am Ende, aber auch die allgemeine Darstellung von Eric als Figur.

Die Stimmungsschwankungen

Viele haben angemerkt, dass Melissa hier unglaubwürdig wirkt. Ich stimme dem zu. Du hast aber selbst geschrieben, dass sie »Lust beim Tun« entwickelt, was man als kritisch ansehen kann, wenn man ihren Charakter an ihrer bisherigen Wirkung in dieser Szene festpinnt. Sie kommt mir depressiv vor – und zwar als eine Frau, die noch mitten in ihrer Depression drinsteckt und sie keineswegs überwunden hat oder auf dem Weg draußen ist.
Ich glaube aber, du hast etwas anderes intendiert und das ist das, was du deine Figuren in dieser Szene sagen lässt: Melissa hat die Antidepressiva nicht aus Leichtsinn abgesetzt, sondern weil es ihr inzwischen besser geht. Melissa braucht die Selbsthilfegruppe nicht mehr und hat das Gefühl, die Gespräche drehten sich im Kreis, weil sie, wie Eric argumentiert, drüber hinweg ist.
In ihren Gedanken und Handlungen spiegelt sich jedoch das Gegenteil. Auf mich wirkt sie müde und erschöpft. Sie hat mit der Frage, wie sie angemessen um ihre Tochter trauern kann, nicht abgeschlossen. Das zeigt sich dann, wenn sie fragt:
Zitat
Ich schluckte schwer. So weit sein? Womit? Meine Tochter zu vergessen?
Wenn ihr das schwerfällt, was ihr der Arzt gesagt hat:
Zitat
»Das unterschiedliche Tempo bei der Verlustverarbeitung ist der Haupttrennungsgrund trauernder Paare. Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«, hörte ich in meinem Inneren Dr. Krämers Mahnung. Ich biss mir auf die Lippe. »Könnten wir wohl das Thema wechseln?«
Darin steckt, dass sie das eben nicht kann – sie kann nicht akzeptieren, im Gegenteil, es schmerzt sie so sehr, dass sie lieber das Thema wechselt als mit Eric darüber zu reden.
Zum Arzt nur eine ironische Bemerkung: wie einfühlsam! Nicht. Als Patientin würde mir dazu einfallen: »Ach, echt? Da wär ich ja im Leben nicht drauf gekommen!« Und es übergeht zudem Melissas eigentliches Problem – das besteht nämlich nicht darin, dass ihr Trauertempo langsamer ist als das ihres Mannes, sondern dass ihre Trauer sie so sehr überwältigt hat, dass sich aus einer überaus normalen und gesunden Reaktion auf einen schweren Verlust eine Depression entwickelt hat, eine ernsthafte Krankheit. Sonst hätte ihr kein verantwortungsbewusster Arzt dieser Welt Antidepressiva verschrieben.
Noch eine Anmerkung: Dr. Krämer scheint Psychiater zu sein. Psychiater führen in der Regel aber keine Psychotherapie durch, sondern verschreiben Medikamente. Die Therapie macht man bei einem Psychotherapeuten, der wiederum keine Psychopharmaka verschreibt, weil er kein Mediziner ist. Es gibt zwar auch ärztliche Psychotherapeuten, die beides anbieten, aber die sind in freier Wildbahn eher selten. Beim Psychiater sitzt man vielleicht für fünf oder zehn Minuten, um ihn über den aktuellen Zustand zu informieren und sich das neue Rezept abzuholen – beim Therapeuten führt man die tiefen Gespräche über die ganzen Probleme und Gefühle und arbeitet daran. Melissa braucht wohl beides: Jemand, bei dem sie die Antidepressiva bekommt, wie auch jemanden, der ihre Depression therapiert. Eine Depression ist nicht nur mit Medikamenten behandelbar, sie helfen jedoch enorm bei der Stabilisierung, die es leichter macht, in einer Therapie auch mitzumachen statt von der Depression gelähmt zu werden.
Antidepressiva ist übrigens der Plural von Antidepressivum. :) Weil man von den Biestern oft in der Mehrzahl spricht, passiert dieser Fehler leicht, kaum jemand benutzt jemals den Singular.


Zurück zur Trauer/Depression: Dass Melissa keine Lust auf Sex hat, deutet umso mehr auf eine (noch) tiefsitzende Depression hin – Anhedonie bzw. eine eingeschränkte bis gar keine Libido ist ein Symptom einer Depression.
Und diese Sorge spricht ebenfalls für eine:
Zitat
Es ist nur so, dass ich das Gefühl habe Kathlen zu verraten, wenn ich glückliche Momente zulasse. Ich fühle mich schlecht dabei. Immer noch!
Natürlich verrät sie Kathlen nicht, wenn sie auch wieder schöne Momente zulässt und dabei angenehme Gefühle erlebt. Aber sie hat Schuldgefühle und fühlt sich ihrer toten Tochter gegenüber geradezu verpflichtet, traurig zu sein, um sie nicht zu verraten bzw. sie nicht zu vergessen oder aus ihrem Leben zu drängen. Darauf deutet auch ihr trotziger Gedanke hin, den sie hat, als Eric ihr sagt, wie er mit dem Tod der Tochter umgeht: Sie hat Angst, sie würde ihre Tochter sonst vergessen und sie im übertragenen Sinne so noch einmal verlieren. Als Mutter, die ihr Kind geliebt hat, will sie das natürlich nicht. Und deshalb bekämpft sie ihre Trauer, indem sie sie nicht wirklich zulässt und nicht zulässt, dass sie damit »abschließen« kann und vergräbt ihre Gefühle in der Depression. Die quält sich zwar, aber das ist für sie immer noch »besser« als diesen Horror, das eigene Kind zu verlieren, noch einmal zu erleben.

In diesem Sinne sendet der Text zwei unterschiedliche Signale: Da sind zuerst mal die Behauptungen, Melissa habe ihre Depression überwunden (Antidepressiva abgesetzt, Selbsthilfegruppe überflüssig), aber von ihren Gefühlen und Gedanken her kommt sie so rüber, als wäre das Gegenteil der Fall. Ich bin mir nicht sicher, welchen Eindruck du mir als Leserin tatsächlich vermitteln willst, oder ob es dir auf diese Zwiespältigkeit ankommt.
Ich habe dazu aber ein paar Gedanken. Mir gefällt die Idee, dass Melissa auf den Tod ihrer Tochter nicht nur mit normaler Trauer reagiert, sondern in eine Depression abrutscht. Ob sie die nun überwunden hat oder nicht, erscheint da erst mal irrelevant, denn so oder so bietet das Feuer für den späteren Konflikt, als der Kommissar sie für »übergeschnappt« hält. Schließlich war sie ja auch vorher schon mal krank, also scheint es plausibel, dass sie sich das Komplott auch »nur einbildet« und völlig übertreibt. Das ist ein guter Aufbau!
Aber – und das ist das, was mich zum Grübeln bringt – dahinter verbirgt sich auch eine Falle. Eine Melissa, die den Tod ihrer Tochter nicht verwunden hat und immer noch tief, tief im Depressionssumpf steckt, wird es nicht nur den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn sie dann auch noch ihren Mann verliert, der ihr einziger Halt zu sein scheint. Insbesondere, wenn die Selbsthilfegruppe als Unterstützung wegfällt! Das wird ihr den letzten Schlag verpassen, bei dem ich Sorgen hätte, dass sie sich jemals wieder davon erholt. Zumindest würde ich danach erwarten, dass sie ernsthafte Suizidgedanken entwickelt, weil sie nun alles verloren hat, wofür es sich zu leben lohnt.
Nur ... Ich glaube, das willst du gar nicht. Ich glaube, du meinst das so, wie du das schreibst: Melissa ist auf dem Weg der Besserung und hat sich stabilisiert. Der Tod ihrer Tochter belastet sie natürlich noch immer! Aber ihre Depression hat sich inzwischen in eine normale Trauer umgewandelt. Melissa kann auch wieder Freude empfinden und darum bekommt sie auch »Appetit beim Essen«, als Eric mit ihr schlafen will. Sie kann ihr Leben langsam aber sicher wieder genießen.
Dramaturgisch gesehen ist das ein wichtiger Kontrast! Am Anfang sehen wir also die Melissa, die ihr Leben noch auf die Reihe kriegt und die sich freuen kann, die Hoffnung hat und langsam wieder zu atmen beginnt. Sie hat einen herben Verlust erlitten, der sie in eine schlimme Krankheit gestürzt hat, aber sie hat es auch wieder da rausgeschafft. Und dann passiert das Schlimmste, was sie sich hätte vorstellen können: Sie verliert auch noch ihren Mann. Natürlich wirft sie das erst mal zurück und die alten Symptome kommen wieder. Aber wie schon einmal wird sie es auch wieder schaffen, aus dem Loch zu krabbeln und, statt endgültig aufzugeben, wird sie die Kraft finden, sich der eigentlichen Bedrohung entgegenzustellen und das Verbrechen, das ihren Mann das Leben gekostet hat, aufklären.
Ihre Charakterentwicklung sieht dann so aus, dass sie nach anfänglichen Rückschlägen lernt, das, was Tochter und Mann passiert ist, zu akzeptieren und über ihre persönliche Aufklärung des Verbrechens einen Umgang mit dem findet, was sie früher in die Unbeweglichkeit (Depression) geführt hat. Find ich gut!

Am Ende hängt natürlich alles von der Geschichte ab, die du erzählen möchtest.
Das bringst mich direkt zum nächsten Punkt.

Eric

In diesem Romananfang lernen wir Eric nicht nur kennen, sondern erleben auch seine letzten Momente. Das stellt dich als Autorin vor eine wichtige Aufgabe: nämlich zu überlegen, wie du ihn und seine Beziehung zu Melissa darstellen willst. Das heißt, du entscheidest, welche Seite(n) du uns von ihm und der Ehe präsentierst, unabhängig davon, welche dreckige Wäsche im Laufe der Ermittlungen noch hervorgezerrt wird.
Erics Charakterisierung übernimmt eine zusätzliche Funktion: Er wird dem Leser entweder sympathisch oder eben nicht. Ganz unter Kontrolle hast du das letztlich nicht, aber es ist dennoch beeinflussbar und jede Form der Darstellung wird in dem Augenblick, in dem er ermordet wird, andere Gefühle beim Leser auslösen. Hat man ihn gemocht, wird man Melissas Entsetzen teilen und kann ihren Schock und ihre Trauer besser nachempfinden. Das heißt, Melissas Gefühle und die des Lesers gleichen sich an, wir identifizieren uns mit ihr. Bonuspunkt!
Oder aber er wird einem zuwider und dann ist es auch nicht mehr so tragisch, wenn er von der Bildfläche verschwindet. Vielleicht ist man am Ende sogar froh, wenn er stirbt, und wünscht Melissa, dass sie auch bald erkennen kann, dass dieser Mann nicht wirklich ein Verlust war.

Im Augenblick bleibt er mir als Leserin leider noch sehr egal. Man merkt aber, dass du ihn sympathisch machen willst. Du willst uns ein harmonisches Eheleben zeigen, das zwar vom Tod der Tochter erschüttert wurde, aber in seinen Grundfesten weiter stabil steht. Eric nimmt Rücksicht auf Melissa. Er geht auf ihre Sorgen ein und will sie zu nichts drängen. Dass sie keine Lust auf Sex hat(te), hat er angenommen, du schreibst von
Zitat
wochenlang aufgestaute Leidenschaft
Das heißt, er hat ihre Lustlosigkeit lange akzeptiert.
Und obwohl Dr. Krämer von Trennungsgründen spricht, stehen die beiden eben nicht kurz vor der Scheidung. Eric liebt Melissa.
Was schwierig bleibt, sind ihre Gefühle für ihn. Er versucht, sich um sie zu kümmern, sie zu trösten, aber sie kann das nicht annehmen. Wenn er hofft, dass es ihr besser geht, empfindet sie das als Angriff, als hätte er von ihr gefordert, ihre Tochter zu vergessen!
Zitat
»Wenn dir die Selbsthilfegruppe nicht mehr gut tut, geh nicht mehr hin. Es ist deine Entscheidung, Melissa. Vielleicht bist du jetzt einfach so weit
Ich schluckte schwer. So weit sein? Womit? Meine Tochter zu vergessen?
Und wenn er davon spricht, wie er mit der Trauer umgeht, denkt sie (indirekt) sofort an Scheidung, als sie sich an Dr. Krämers Erklärungen erinnert:
Zitat
»Das unterschiedliche Tempo bei der Verlustverarbeitung ist der Haupttrennungsgrund trauernder Paare. Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«
Das zeigt, dass zumindest auf ihrer Seite einiges im Argen ist. Ich bin nicht sicher, ob das gewollt ist. Natürlich kann es sein, dass mit dem Tod ihrer Tochter auch ein Teil der Gefühle für ihren Mann gestorben ist – und das bereitet ihr die Probleme. Willst du das so? Dann solltest du das ausbauen und diesen Konflikt von Melissa ganz eindeutig hervorheben. Wenn nicht, dann heißt das auch, dass dir noch der richtige Zugang zu Melissa fehlt. Das hat viel mit Figurennähe zu tun, mit Nähe zu Melissa, die im Text noch fehlt. Wie gesagt, für einen ersten Handlungsentwurf finde ich das nicht schlimm, dann ist das Stoff für eine spätere Überarbeitung. Oft fällt es leichter, sich als Autorin wirklich auf eine Figur einzulassen, wenn man erst mal weiß, wohin die Reise eigentlich geht und wie die einzelnen Stationen vom Anfang bis zum Ende nun genau aussehen. Wenn man geprüft hat, ob sie wirklich funktionieren und einen sicher ans Ziel bringen. Manchmal ist es schwer genug, diese ganzen Ideen einzufangen und aufs Papier zu bringen, sodass für den Rest keine Luft bleibt.
Dafür ist später Zeit.
Aber so ein ausgereifter Handlungsentwurf birgt auch immer die Botschaften in sich, die in die Richtung weisen, was man als Autor mit welcher Szene eigentlich gerade rüberbringen will. :)

Damit meine ich nicht, dass du Melissa nicht kennst! Aber in diesem Text erzählst du mehr über sie statt dass du sie selbst zu Wort kommen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass du deshalb aus der Ich-Perspektive in direkte Gedanken springst und kursive Einschübe bringst. Die sind in dieser Form tatsächlich überflüssig, weil ein Ich-Erzähler schon aus sich heraus spricht. Aber ich glaube, das ist die »echte Melissa«, die sich da meldet und die sich dringend mitteilen will. Sie hat also eine eigene Stimme, jetzt kommt es nur noch darauf an, dass du sie im ganzen Text klingen lässt!

Das gilt selbstverständlich auch für Eric, aber gerade weil du eine Ich-Erzählerin gewählt hast, erleben wir ihn ganz stark in der Farbe, in der die Brillengläser getönt sind, mit denen sie auf ihn blickt.
Das ist unabhängig davon, als welcher Typ er sich im Laufe des Romans entpuppt, aber es entscheidet umso stärker über die Wirkung, die die ersten Szenen zwischen Einführung und dem Stein, der die Handlung ins Rollen bringt, haben.

Das ist der Mord.

Der Schatten

Zitat
Und da sah ich es.
Etwas, das weit außerhalb dessen lag, was mein Verstand in diesem Moment zu erfassen vermochte.
In der Nähe der Tür befand sich etwas Großes, Schwarzes.
Ein Schatten.
Etwas? Jemand?
Im ersten Moment dachte ich, eine der Kleiderschranktüren würde offen stehen. Doch dann nahm ich eine Bewegung wahr und trotzdem dauerte es noch Sekunden bis sich mein Schrei gelöst hatte.

Nimm's mir nicht übel, aber das wirkt auf mich klischeehaft und die Spannung gekünstelt.
Klischeehaft ist der große, dunkle Schatten, der im Verborgenen lauert, um sich gleich auf sie zu stürzen und der Schrei, der sich in Melissas Kehle löst.
Die Künstlichkeit entsteht, weil ab »Und da sah ich es« klar ist, dass jetzt gleich etwas Unerwartetes und Unglaubliches passieren wird. Du forderst mich als Leserin quasi indirekt auf, jetzt gefälligst Herzrasen zu kriegen, aber das stellt sich allein deshalb schon nicht ein, weil mich eine Überraschung, die angekündigt wird, nicht mehr überraschen kann. Noch dazu bist du damit sehr weit weg von Melissa.

So, welches Problem habe ich mit den Klischees? Natürlich darf ein Mörder auch mal im Schatten lauern und aus dem Schutz der Nacht heraus aus angreifen, das würde auch nicht zum ersten Mal passieren. Und natürlich darf Melissa dabei schreien. Nur: Ich glaube, soweit kommt sie nicht, weil sie vor Schreck entweder erstarrt oder so zusammenzuckt, dass sie eher Eric ungewollt einen Tritt verpasst, als dass sie zu schreien beginnt. Wenn man sich erschreckt, dann gibt das in der Regel unwillkürliche Bewegungen. Wenn wir Angst haben, reagieren wir blitzschnell, das müssen wir auch, damit wir in der Gefahrensituation angemessen handeln können!
Beim Mörder im Schatten stellt sich mir eher die Frage: Warum lungert der da – für Melissa so deutlich sichtbar – rum? Von dem, was ich bisher von deinem Plot gelesen habe, ist diese Tat keine Impulshandlung, sondern geplant. Das heißt, dieser Schatten steht mit voller Absicht da, wo er gerade aufhält. Nur warum geht er dabei das Risiko ein, sich von Melissa erwischen zu lassen?
Ich weiß nicht, wie genau du den Mord schon durchdacht hast. Damit meine ich nicht den Hintergrund und die Motive, sondern den genauen Ablauf. Der ist deshalb wichtig, weil der es ist, der der Polizei Hinweise gibt, die es ihnen leicht oder schwer machen, den Fall zu lösen. Du willst es ihnen schwer machen, damit Melissa das mehr oder weniger im Alleingang aufdecken kann. Und der Mörder will möglichst nicht erwischt werden, also alles dafür tun, dass es wenig oder irreführende Spuren gibt und dass niemand etwas mitbekommt. Melissa ist ganz klar ein Risiko. Das heißt, sie muss auch weg und nicht erst später, sondern jetzt.

« Letzte Änderung: 14 Juni 2018, 23:42:48 von Lilith »
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Offline Lilith

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #21 am: 14 Juni 2018, 23:19:24 »
Versteh mich nicht falsch, ich will dir nicht unterstellen, du hättest keinen Plan. Das kann ich gar nicht beurteilen. Aber auf mich wirkt das hier nicht durchdacht, das mag an der Art der Darstellung liegen.
Darum würde ich ganz allgemein empfehlen: Spiel selbst für einen Augenblick Fallanalytikerin und versuche, dich wie eine Polizistin in den Täter hineinzuversetzen und wie er zu denken, um herauszufinden, warum er so vorgegangen ist, wie er es getan hat. Welche Ziele er womit verfolgt hat. Das dürfte es dir auch erleichtern, später über die Ermittlungsarbeit zu schreiben, weil du genau weißt, worauf die Leute von der Mordkommission und die Spusi stoßen, aber auch achten werden oder was sie gar nicht bemerken können, weil der Täter selbst falsche Spuren gelegt hat.

Nur ein Gedanke, kein Vorschlag, weil ich dazu nicht genug in deiner Geschichte drinstecke, aber: Was wäre, wenn Eric der sichtlich angespannten Melissa ein Bad anrät, bei dem sie sich entspannen kann und sobald sie weg ist ... schlägt der Mörder zu und als sie, aufgescheucht durch die Geräusche, panisch aus der Wanne klettert, sieht sie Eric da liegen – das Fenster eingeschlagen, Scherben überall und Blut! Schock. Vom Täter fehlt jede Spur. Alles, was sie hört, sind Schritte, eine Tür, die zuklappt, und ein Motor, der aufheult. Aber das ist längst nicht mehr wichtig. Melissa bricht zusammen. Wie lange es dauert, bis sie schließlich die Polizei ruft, weiß sie selbst nicht. Oder waren es die Nachbarn, die sie alarmiert haben, als sie den Lärm hörten? Melissa bricht zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht.

Das ist nur eine Variante, die Hinweise gibt, ohne viel zu verraten, die Melissa zu einer wichtigen Zeugin machen, die der Täter übersehen haben könnte, weil sie gar nicht anwesend war, als er zugeschlagen hat. Aber ihr Überleben ist Grund genug, sie später aus dem Weg zu räumen, damit sie bloß nicht den Mund aufmacht. Und Melissa kann sich bei ihren Aussagen in Widersprüche verstricken, weil sie in der Situation so überfordert war, dass es ihr schwer fällt, zusammenhängend davon zu erzählen. Vielleicht blendet sie einen Teil der Erlebnisse in einer ersten Schockreaktion auch aus und kann sich gar nicht erinnern. Der Kommissar wird skeptisch, nicht nur, weil ihr Angaben nicht verlässlich sind, sondern weil sie auch zu unrealistisch scheinen (bei traumatischen Erlebnissen ist es »normal«, dass der Schrecken in der Erinnerung überhöht wird, eine Pistole z.B. größer wirkt als sie war und solche Sachen).

Aber wie gesagt, das musst du nicht so machen! Alles, womit ich dich damit ermuntern will, ist, dir das alles sehr genau zu überlegen und das so überzeugend wie möglich in den Text zu bringen. Das ist wahnsinnig schwer, aber dann brauchst du auch keine künstlichen Mittel mehr, um die Spannung zu strecken, sondern dann entsteht sie von ganz allein. :)

Zum Schluss

Das war's erst mal von meiner Seite. Ich habe nur noch eine Frage, die mich umtreibt, seit du den ersten Text eingestellt hast: Warum hast du einen englischen Arbeitstitel gewählt? Reine Neugier. Spontan würde mich (!) ein deutscher Titel mehr ansprechen, denn du schreibst ja auch auf Deutsch über Geschehnisse, die sich in Deutschland abspielen (also sowas wie »Dunkle Wacht« oder was halt zur Geschichte passt) ... Das ist keine Kritik, es verwirrt mich nur. Später kam ich darauf, dass das vielleicht der Name des Darknet-Forums ist, das in der Geschichte eine große Rolle spielt (ich meine das aus dem mittlerweile gestrichenen Prolog). Dazu fällt mir nur ein, dass die meistens »unauffälligere« Namen zu haben scheinen wie diese Kinderporno-Plattform, die vor einem Jahr oder so stillgelegt wurde: »Elysium«. Ein Name, der erst mal harmlos klingt, aber bei dem es einen gruselt, wenn man erst mal weiß, was dahintersteckt. Aber da ich zu wenig Ahnung davon habe, bin ich auch wieder still.
Ich wollte nur sagen, dass mich das irritiert und ich zu gespannt auf eine Antwort bin. :wiejetzt:

Soweit meine Gedanken. Ich hoffe, es war etwas Hilfreiches dabei und du kannst etwas damit anfangen. Wenn etwas unklar ist, frag ruhig nach.

Liebe Grüße,
Lilith
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Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #22 am: 15 Juni 2018, 12:04:57 »
Hallo Lilith,

Danke für diese Info - die klau ich mir.  :diablo:

Zitat
Beim Psychiater sitzt man vielleicht für fünf oder zehn Minuten, um ihn über den aktuellen Zustand zu informieren und sich das neue Rezept abzuholen – beim Therapeuten führt man die tiefen Gespräche über die ganzen Probleme und Gefühle und arbeitet daran.

Irgendwo in meinem Taxt hab ich auch einen "Psychiater" drin, aber aufgrund seiner Tätigkeit passt das nicht zu mir in den Text hinein.

Sehr wertvolle Röstung.  :hach:
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #23 am: 15 Juni 2018, 15:06:18 »
Hallo Lilith,

ganz lieben Dank, dass du dir soviel Zeit für meinen Text genommen hast! So viele wertvolle Denkanstöße!!

Ich will mal versuchen darauf näher einzugehen.
Das Einfachste vorweg: Der Schatten:

Zum Einen ist es so, dass die Person(en) dort nicht im Dunklen gelauert haben, sondern unbemerkt das Schlafzimmer betreten haben. Sie waren nämlich bereits in der Wohnung und dieser Punkt ist auch imens wichtig für die Handlung. Diese Person hat dann einen Moment an der Tür verweilt und den Beiden zugesehen, bis sie von Melissa entdeckt wurde.

Tatsächlich habe ich diese Szene in der Praxis ausprobiert! Ohne die Sexszene natürlich, denn ich wollte mich ja nicht ablenken lassen  :cheese:
Ich habe in unserem Schlafzimmer die Jalousien heruntergelassen, habe eine Kerze auf den Nachttisch gestellt und meinen Mann gebeten, sich auf mich zu legen. Mein Sohn hat dann kurz darauf unser Schlafzimmer betreten. Ich hab die Augen geschlossen und als ich sie wieder geöffnet hab und meinem Mann knapp über die Schulter geschaut habe, hatte ich genau diesen Eindruck, den ich auch in meinem Text wiedergegeben habe. Im ersten Moment war nicht eindeutig zu erfassen, um was für ein Objekt/Subjekt es sich dort an der Tür handelt. Ich habe mich erschrocken, obwohl ich damit gerechnet habe, dass dort gleich Jemand steht. Die Person im Roman ist komplett schwarz gekleidet. Das verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Alles Weitere ergibt sich aus dem Folgekapitel. Daher möchte ich diese Szene im Grunde so belassen. Und noch mal ganz dringend zum Verständnis: Es geht in dem Roman nicht um die Ermittlungsarbeit! Die ist absolut sekundär. Es ist an dieser Stelle schwer zu erklären, was die Täter im Schilde führen, da der Mord an Eric nur ein kleiner Baustein eines perfiden Spiels ist.

Zu Melissas Stimmungsschwankungen:
Du hast da absolut Recht!! Melissas Zustand ist von mir noch nicht gründlich genug herausgearbeitet. Ja, Melissa hatte eine Depression und war fast 2 Jahre lang in dieser so stark gefangen, dass sie kaum etwas anderes getan hat, als auf dem Sofa zu sitzen und zu weinen und zu grübeln. Sie konnte nicht mehr essen und da sie schon immer sehr schlank war, ist sie nun eher untergewichtig. Vor gut einem Jahr haben Melissa und Eric dann ihr Haus, in dem sie mit ihrer Tochter gewohnt hatten, verkauft und haben die Eigentumswohnung in Winterhude gekauft. Seit dem Umzug ist Melissas Zustand stetig besser geworden. Sagen wir es mal so: Melissa ist auf gutem Wege wieder im Leben anzukommen. Dennoch hat sie Schuldgefühle (die nicht logisch begründbar sind, denn sie kann nichts für den Tod ihrer Tochter). Aber sie hat das Gefühl, als wäre ihre Tochter jetzt allein und vom Leben ausgegrenzt. Daher fällt es ihr immer noch schwer, das Leben mit Eric zu genießen, als hätte es die Tochter nie gegeben. Hier habe ich mich auf die Erfahrungen einer Freundin gestützt, die ihr Kind verloren hat (das allerdings wesentlich jünger war als Kathlen). Meine Freundin hatte ähnliche Gefühle in der Trauer.
Melissa liebt Eric und die Beiden führen eine sehr gute Ehe. Das Sexualleben war bis zum Tod der Tochter absolut intakt.

Mir ist dieser Aspekt des Schuldgefühls auch für die Folgehandlung sehr wichtig! Später wird sich Melissa selber die Frage stellen, wie es sein kann, dass sie so gefasst mit Erics Tod umgehen kann. Es ist einfach das Gefühl, dass Kathlen "gefühlt" nun nicht mehr allein ist. Ihr Vater ist bei ihr! Das gibt mir die Möglichkeit Melissa die folgenden seelischen Torturen ohne Selbstmord überstehen zu lassen und etwa ab der Hälfte sogar kämpferisch aufzustellen.

Ohne Zweifel ist die Szene trotzdem nicht gelungen! Der Konflikt, den Melissa hat, sich auf Eric einzulassen und das schnelle Nachgeben passen nicht zueinander. Ich bin mir auch noch nicht richtig darüber klar, wie ich Melissas derzeitigen seelischen Zustand (auf dem Wege der Besserung, aber noch von dem Schuldgefühl befallen) darstellen soll. Man kann ja durchaus Schuldgefühle haben und muss deshalb nicht zwangsläufig grundsätzlich depressiv sein. Eine schwierige Aufgabe Melissas Zustand rauszuarbeiten!!!   :traurig:  :confused:

Dr. Krämers (Dipl. Psychologe Dr. Jan Krämer) Mahnung möchte ich so belassen. Dr. Krämer ist kein guter Psychologe.
Dazu auch gleich noch eine Frage. Kann auch ein Hausarzt ein Antidepressivum verschreiben? Vom Hausarzt kommt doch die Überweisung zum Psychologen, oder? Wer überweist denn dann an den Psychiater? Damit hab ich mich wohl noch nicht genug beschäftigt.

Noch zu deiner Frage wegen des englischen Arbeitstitels:
Dark Watch ist der Kern des Romans. Darauf möchte ich an dieser Stelle allerdings noch nicht weiter eingehen. Bitte um Verständnis.

Liebe Lilith, ein ganz, ganz tolles, hilfreiches Feedback von dir!! Hab ganz lieben Dank!



Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #24 am: 17 Juni 2018, 10:39:51 »
Hallo Eska,

ich bin gerade dabei die ausgedruckte Röstung meines Textes durchzuarbeiten und da habe ich festgestellt, dass ich auf dein Feedback noch gar nicht eingegangen bin. Dabei stecken in deiner Röstung doch so viele wertvolle Tipps!

Zitat
»Es ist Freitag und wir haben sturmfrei.«

Wirkt komisch: Beide wissen doch, dass es Freitag ist, ist es schon den ganzen Tag und Abend. Und sturmfrei, weil der Kater raus ist? Mischt der sich sonst ein? Ich würde eher denken: "So, jetzt haben wir unsere Ruhe. Nur wir zwei." Oder sonstige Formulierungen, die ihre Vertrautheit zeigen.

Nachdem ich deinen Hinweis gelesen habe, finde ich Erics Bemerkung auch nicht mehr passend. Willow ist für die Beiden wie ein Familienmitglied und die Bemerkung sollte in etwa so rüberkommen, als wenn Eltern sagen: "Hey, Wochenende und die Kidds sind auf Klassenfahrt. Wir lassen jetzt die Puppen tanzen." Aber nee . . . passt nicht! Wird überarbeitet!

Zitat
griff lächelnd nach der Weinflasche, die er gleich nach Feierabend dem Weinregal im Abstellraum neben der Küche entnommen und demonstrativ auf den Esstisch gestellt hatte.
Die so genaue Beschreibung lenkt meine Aufmerksamkeit nur noch auf das Weinregal (Wofür muss ich das wissen? Was hat es mit dem Abstellraum auf sich?) Schadet es, wenn du kürzt: 'Weinflasche, die er gleich nach Feierabend demonstrativ auf den Esstisch gestellt hatte.'?.

Nein, schadet nicht! Wird gekürzt.

Zitat
eine qualvolle Sehnsucht, die mir ins Herz schnitt.
Das kommt überraschend heftig. Bisher wirkte sie eher gegen ihren Willen gefühlsbetäubt, reagierte nicht auf seine Aufforderungen, ließ keine Freude/Wohligkeit/Erregung oder so erkennen. Dass sie ihn leiden sieht und ihm gerne entgegenkäme, wenn sie könnte, kannst du aber leicht vorher einbauen.

Ja, der gesamte Konflikt, in dem Melissa steckt (hin und hergerissen zwischen Hingabe und Schuldgefühl) ist ungenügend bearbeitet. In diesem Punkt herrschte in den Röstungen auch Einigkeit. Daher muss ich mich hiermit jetzt mal grundsätzlich besser auseinander setzen.

Zitat
Dann rollte er sich auf mich. Ich schloss die Augen und streichelte seinen Rücken. Die Leidenschaft vernebelte meinen Geist mehr als es der Wein vermocht hatte.
Da glaube ich dir endgültig nicht mehr. Ihre Reaktion und der Mangel an mitgeteilten Gefühlen lässt mich alles andere als Leidenschaft nachempfinden. Woher sollte die auch kommen? Außer stahlblauen Augen (gut?schlecht?gruselig?) habe ich vom Erics Körperlichkeit und Anziehungskraft auf Melissa noch nichts mitbekommen, kein Gefühl von Vertrautheit oder Geborgenheit in seinen Armen, kein Geruch nach ihm (nicht dem Parfum, außer es hat eine besondere intime Bedeutung), kein Erschauern oder so. Und vernebelte Sinne sind Leidenschaft eher abträglich. Das sinnvolle Pensum ist entspannend, enthemmend, nicht benebelnd. Hat er sich verrechnet oder klappt es nur so, in benebeltem Zustand?
Ich frage so genau, weil die Art, wie sie aufeinander reagieren oder er mit ihr umgeht, deutlich zeigt, dass noch mehr nicht stimmt, als nur der nicht verarbeitete Tod ihres Kindes. Und gerade, weil dies die Anfangsszene sein soll, legst du damit Lockspuren für die tragenden Konflikte des ganzen Romans. Also müssen es genau die richtigen sein.

Ja, Eska, da hast du auch etwas ganz Wichtiges freigelegt! Tatsächlich ist das ein (Kern-)Problem für mich, dies in der kurzen Szene rüber zubringen. Melissa steht eigentlich total auf ihren Mann! Eric war ein echt heißer Typ, als sie sich kennengelernt haben. Selbst jetzt, 22 Jahre später, ist er immer noch sehr gut aussehend, wenn auch etwas angegraut an den Schläfen. Eric ist zudem bodenständig, beruflich erfolgreich und ist und war Melissa immer treu. Also ein echter Hauptgewinn der Mann! (Ein ganz wichtiger Punkt in der späteren Handlung!) Würden Melissa die unsinnigen Schuldgefühle nicht im Weg stehen, dann würde sie sich Eric sofort hingeben. Das ist also die Ausgangssituation zwischen Melissa und Eric. Ich habe gerade keinen blassen Schimmer wie ich das in dem Kapitel verarbeiten soll. Was für eine toller Typ Eric ist, erfährt man in späteren Kapiteln noch ausreichend. Aber wie zeige ich einem Leser, der die Beiden ja gerade erst kennenlernt, das Melissa auf ihren Mann steht, aber noch mit dem Schuldkonflikt ringt?  :weissnicht: Depressiv ist Melissa nicht mehr. Aber die Schuldgefühle hocken da noch irgendwo in ihrem Inneren. Melissa war eine sehr engagierte Mutter (heute nennt man sowas ja Propellermutter; ich mag den Begriff nicht!) und das Sorgen um und für ihr Kind ist ihr in den 18 Jahren Muttersein  in Fleisch und Blut übergegangen. Sie findet den Schalter nicht, mit dem sie dies ausstellen kann.
Ich habe keine Ahnung, ob und wie man so eine Situation in den wenigen Seiten eines Kapitels rausarbeiten kann  :flenn:

Auf jeden Fall auch dir ganz lieben Dank für deine Hilfe!
Ich mach mich mal ans Werk und gehe den Ausdruck durch. Der Textmarker kam schon großzügig zum Einsatz!
Viel Arbeit!  :cscreen:
Einen schönen Sonntag wünsche ich!


Offline Ayira

  • Röstdämon
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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #25 am: 18 Juni 2018, 07:54:09 »
Zitat
Nachdem ich deinen Hinweis gelesen habe, finde ich Erics Bemerkung auch nicht mehr passend. Willow ist für die Beiden wie ein Familienmitglied und die Bemerkung sollte in etwa so rüberkommen, als wenn Eltern sagen: "Hey, Wochenende und die Kidds sind auf Klassenfahrt. Wir lassen jetzt die Puppen tanzen." Aber nee . . . passt nicht! Wird überarbeitet!

Idee: Wenn es wichtig ist, Willow diesen Familienmitgliedsstatus zu verpassen, kannst du die Szene damit beginnen, wie Melissa mit ihm kuschelt. Vielleicht auch mit einer Bemerkung von Eric, zum "Kind" Willow. Und dann springt er von ihrem Schoß und verlangt, in die Nacht hinaus gelassen zu werden?
Irgendwie so.

So wie es jetzt noch steht, erschließt sich dieser Sinn der Katze nicht für mich. Er erscheint mir nicht wichtig und ich bin nur verwirrt.  :kraul:

lg Ayira
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #26 am: 18 Juni 2018, 09:11:43 »
Hallo Ayira,



Idee: Wenn es wichtig ist, Willow diesen Familienmitgliedsstatus zu verpassen, kannst du die Szene damit beginnen, wie Melissa mit ihm kuschelt. Vielleicht auch mit einer Bemerkung von Eric, zum "Kind" Willow. Und dann springt er von ihrem Schoß und verlangt, in die Nacht hinaus gelassen zu werden?
Irgendwie so.


Na ja . . . Familienmitglied ist nicht unbedingt =  Kindersatz. So drastisch wollte ich das eigentlich nicht rüberbringen. Willow ist schon ein eher Haustier als Kind. Wie sehr Melissa an dem Kater hängt, kommt in einem der Folgekapitel noch zum Tragen. Das wäre mir an dieser Stelle zu viel.  Aber trotzdem eine gute Idee! Danke dir!   :wink:



Offline Lilith

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #27 am: 18 Juni 2018, 09:50:31 »
Hallo Schreibsuse,

freut mich immer, wenn es hilft!

Das Einfachste vorweg: Der Schatten:

Zum Einen ist es so, dass die Person(en) dort nicht im Dunklen gelauert haben, sondern unbemerkt das Schlafzimmer betreten haben. Sie waren nämlich bereits in der Wohnung und dieser Punkt ist auch imens wichtig für die Handlung. Diese Person hat dann einen Moment an der Tür verweilt und den Beiden zugesehen, bis sie von Melissa entdeckt wurde.

Tatsächlich habe ich diese Szene in der Praxis ausprobiert! Ohne die Sexszene natürlich, denn ich wollte mich ja nicht ablenken lassen  :cheese:
Ich habe in unserem Schlafzimmer die Jalousien heruntergelassen, habe eine Kerze auf den Nachttisch gestellt und meinen Mann gebeten, sich auf mich zu legen. Mein Sohn hat dann kurz darauf unser Schlafzimmer betreten. Ich hab die Augen geschlossen und als ich sie wieder geöffnet hab und meinem Mann knapp über die Schulter geschaut habe, hatte ich genau diesen Eindruck, den ich auch in meinem Text wiedergegeben habe. Im ersten Moment war nicht eindeutig zu erfassen, um was für ein Objekt/Subjekt es sich dort an der Tür handelt. Ich habe mich erschrocken, obwohl ich damit gerechnet habe, dass dort gleich Jemand steht. Die Person im Roman ist komplett schwarz gekleidet. Das verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Alles Weitere ergibt sich aus dem Folgekapitel. Daher möchte ich diese Szene im Grunde so belassen. Und noch mal ganz dringend zum Verständnis: Es geht in dem Roman nicht um die Ermittlungsarbeit! Die ist absolut sekundär. Es ist an dieser Stelle schwer zu erklären, was die Täter im Schilde führen, da der Mord an Eric nur ein kleiner Baustein eines perfiden Spiels ist.
Ich fürchte, da hast du mich missverstanden. :)
Mir ging es gar nicht so sehr um Melissas Reaktion (bis auf das Detail mit dem Schrei), sondern um die Form und den sonstigen Hintergrund. Auch wenn der Schwerpunkt im Roman nicht auf Ermittlungsarbeit liegt, finden die dennoch im Hintergrund statt und Melissa wird zwangsläufig mit der Kriminalpolizei in Berührung kommen - schließlich ist sie Zeugin. Mit dem Vorschlag, einmal selbst "Polizistin zu spielen" und dich in den Täter hineinzuversetzen, wollte ich vielmehr darauf hinaus, dass das Vorgehen des Täters in sich schlüssig sein muss, um Spannung zu generieren. Für ihn (!) schlüssig. Warum steht er da, wo er steht? Wieso tut er genau das, was er tut? Wieso lässt er Melissa am Leben (als Zeugin ist sie ein Risiko, das er sich nicht leisten kann) bzw. was geht schief? Wieso riskiert er, dass sie ihn sieht? Usw.
In dieser Hinsicht kommt mir die Szene einfach noch zu klischeehaft vor, was durch die Form (Foreshadowing, Dramatisierung, Zeitlupe) verstärkt wird.
(Wie der Täter vorgegangen ist, jedes noch so kleine Detail gibt schließlich Aufschluss darüber, was passiert ist (im Nachhinein), dessen sind sich die meisten Täter, die planvoll vorgehen, auch bewusst und es spielt eine große Rolle, wenn man dafür hinterher nicht im Knast sitzen möchte.)
Sprich: Deine Übeltäter haben ja auch einen Hintergrund und werden so handeln, wie sie sich davon den größten Vorteil versprechen.

Zitat
Zu Melissas Stimmungsschwankungen:
Du hast da absolut Recht!! Melissas Zustand ist von mir noch nicht gründlich genug herausgearbeitet. Ja, Melissa hatte eine Depression und war fast 2 Jahre lang in dieser so stark gefangen, dass sie kaum etwas anderes getan hat, als auf dem Sofa zu sitzen und zu weinen und zu grübeln. Sie konnte nicht mehr essen und da sie schon immer sehr schlank war, ist sie nun eher untergewichtig. Vor gut einem Jahr haben Melissa und Eric dann ihr Haus, in dem sie mit ihrer Tochter gewohnt hatten, verkauft und haben die Eigentumswohnung in Winterhude gekauft. Seit dem Umzug ist Melissas Zustand stetig besser geworden. Sagen wir es mal so: Melissa ist auf gutem Wege wieder im Leben anzukommen. Dennoch hat sie Schuldgefühle (die nicht logisch begründbar sind, denn sie kann nichts für den Tod ihrer Tochter). Aber sie hat das Gefühl, als wäre ihre Tochter jetzt allein und vom Leben ausgegrenzt. Daher fällt es ihr immer noch schwer, das Leben mit Eric zu genießen, als hätte es die Tochter nie gegeben. Hier habe ich mich auf die Erfahrungen einer Freundin gestützt, die ihr Kind verloren hat (das allerdings wesentlich jünger war als Kathlen). Meine Freundin hatte ähnliche Gefühle in der Trauer.
Mir kommt es im Text eben so vor, als hättest du versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sowohl diese (frühere) Depressivität als auch ihr ganz normales Leben irgendwie einzufangen. Das Problem dabei ist, dass die Depression damit weniger vergangen als aktuell wirkt - Melissa bleibt belastet. Der Gedanke an ihre Tochter ist noch ständig da, die Schuldgefühle (der große Motor für die Depression) ringen sie noch nieder, sie wirkt lustlos und apathisch, muss sich zu Vergnügen mehr zwingen als dass sie sich darauf einlassen kann und bedauert das, was sie zusätzlich verloren hat (wie z.B. das Untergewicht). Sie lenkt ihre Gedanken auf die Belastungen in ihrem Leben, fokussiert all das, was es ihr schwer macht, und nicht das, was sie davon noch hat (auch ohne ihre Tochter).
Eine große Schwierigkeiten gerade bei Romananfängen ist, dass man oft zu viel auf einmal will. Klar! Man hat als Autor auch die Aufgabe, den Leser in die fiktive Welt, die man sich ausgedacht hat, einzuführen, aber das geht nun mal am besten, indem man einen Schritt nach dem anderen macht und sich nacheinander auf die verschiedenen Aspekte konzentriert.
Du willst hier: Melissa und Eric vorstellen und dem Leser sympathisch machen, ein Stück ihrer Geschichte darstellen, das glückliche Eheleben zeigen, schon mal den Konflikt mit der Tochter und dem früheren (?) Therapeuten anreißen und nebenbei noch die Tat einleiten, die das ganze Geschehen erst in Gang setzt. Uff.
Pick dir mal ein, zwei Sachen davon raus und entscheide dann, was der Leser zu diesem Zeitpunkt wirklich (!) wissen muss, um das, was als nächstes passiert, verstehen zu können. Darüber schreibst du dann - und alles andere hebst du dir für später auf.

Zitat
Mir ist dieser Aspekt des Schuldgefühls auch für die Folgehandlung sehr wichtig! Später wird sich Melissa selber die Frage stellen, wie es sein kann, dass sie so gefasst mit Erics Tod umgehen kann. Es ist einfach das Gefühl, dass Kathlen "gefühlt" nun nicht mehr allein ist. Ihr Vater ist bei ihr! Das gibt mir die Möglichkeit Melissa die folgenden seelischen Torturen ohne Selbstmord überstehen zu lassen und etwa ab der Hälfte sogar kämpferisch aufzustellen.
Du sollst die Schuldgefühle auch nicht streichen, die darf sie schon haben. :)
Mein Kritikpunkt bezog sich eher darauf: Melissa hat die Trauer um ihre Tochter zunächst nicht akzeptieren können. Das hat sie in eine tiefe Depression gestürzt. Wenn die Schuldgefühle zu (!) präsent sind, sie darin zu (!) verwickelt und verloren wirkt, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie noch nicht gelernt hat, Trauer zuzulassen und in ihr Leben zu integrieren (wie Eric). Wenn sie dann mit dem nächsten Trauerfall konfrontiert wird, wird sie an dieser Krise nicht derart wachsen können, dass sie daraus gestärkt hervorgeht. Wir Menschen reagieren in Krisen nun einmal immer erst so, wie es sich eingefahren hat. Um mit den Widrigkeiten, die uns das Leben entgegenstellt, fertigzuwerden, greifen wir immer zuerst auf das zurück, wie wir gelernt haben, mit Schwierigkeiten umzugehen. Bei Schicksalsschlägen fällt das oft schwer, die werfen uns komplett aus der Bahn. Wenn sie uns so sehr aus der Bahn werfen, dass unser ganzes Leben stillsteht (und das war bei Melissa der Fall), müssen wir früher oder später neue Strategien entwickeln, um damit umzugehen, damit es wieder weitergeht. Wenn du den Fokus hier also auf Melissas Depression, Schuld und nicht verarbeitete Trauer lenkst, passiert genau das: Sie wirkt immer noch gelähmt und versucht nur, irgendwie zurechtzukommen, weiß aber nicht wirklich wie sie das anstellen soll, denn die Gefühle gehen ja nicht weg (wie soll der Verlustschmerz um ihre Tochter auch je aufhören? Sie bleibt verloren - er soll nur nicht mehr ihr ganzes Leben beherrschen). Dann der nächste Schicksalsschlag: Eric stirbt. Was hat sie dem dann entgegenzusetzen? Genau, erst mal nichts. Das stürzt sie nur tiefer in Verzweiflung.
Das war das, was ich meinte.

Du willst aber in eine andere Richtung (Melissa hat begonnen, ihre Trauer zu akzeptieren und lernt langsam, damit umzugehen, ist aber noch nicht ganz "raus") ... Dafür stimmt das Set-up noch nicht. Also zeig mir Melissa, wie sie versucht, mit den Schuldgefühlen umzugehen. Was sie macht, wenn sie da sind. Wie sie es schafft, ihr Leben langsam, Schritt für Schritt wieder zu genießen. Worauf sie später bauen kann, wenn Eric weg ist, und es ihr noch mal den Boden unter den Füßen wegzieht.

Zitat
Dr. Krämers (Dipl. Psychologe Dr. Jan Krämer) Mahnung möchte ich so belassen. Dr. Krämer ist kein guter Psychologe.
Dazu auch gleich noch eine Frage. Kann auch ein Hausarzt ein Antidepressivum verschreiben? Vom Hausarzt kommt doch die Überweisung zum Psychologen, oder? Wer überweist denn dann an den Psychiater? Damit hab ich mich wohl noch nicht genug beschäftigt.

Können sie für den Anfang, machen sie in der Regel aber, wenn sie einigermaßen verantwortungsbewusst sind, nicht dauerhaft, sondern überweisen an den dafür zuständigen Spezialisten - und das ist nun mal der Psychiater. Für einen Therapeuten braucht man eigentlich keine Überweisung (Therapeuten sind keine Ärzte), sondern kann auch so einen Termin bekommen. Den Besuch beim Hausarzt braucht es nur später für den Therapieantrag und den dafür erforderlichen Konsiliarbericht, der feststellt, dass die psychischen Beschwerden nicht auf körperlichen fußen (wie z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion o.ä.). Das Ganze ist aber recht komplex und wenn du mehr zur Causa Dr Krämer wissen willst, schreib mir einfach eine PN, sonst sprengt das noch den Thread mit Details, die hier nicht hergehören.

Zu Dr. Krämer allgemein: Ich ging von einem Arzt aus wegen des Doktortitels - nicht, dass ein selbstständiger Psychotherapeut keinen haben könnte, es ist nur selten (liegt am Aufbau des Systems - nach dem Psychologiestudium kommt die teure Therapeutenausbildung, die selbst gezahlt werden muss und über einige Jahre geht ... die Wenigsten haben Lust, vorher noch den Doktor zu machen und wenn sie ihn haben, machen sie nicht unbedingt die Ausbildung, weil die Karrierepläne anders aussehen). Das nur allgemein ... Der zweite Punkt ist, dass das, was er Melissa hier "mitgibt", eher nach Ratgebergeschreibsel klingt als nach ernstzunehmendem Therapievorschlag. Ob er jetzt gut war oder nicht, in dem, was er getan hat, sei dahingestellt, aber der erste Eindruck sollte einfach stimmen. Wie gesagt, alles andere kannst du dir auch für später aufheben, du hast einen ganzen Roman lang Zeit. :)

Zitat
Noch zu deiner Frage wegen des englischen Arbeitstitels:
Dark Watch ist der Kern des Romans. Darauf möchte ich an dieser Stelle allerdings noch nicht weiter eingehen. Bitte um Verständnis.
Klar. :)
Ich wollte es nur ansprechen, denn mich hatte es irritiert und schlicht und ergreifend neugierig gemacht. ;D

Liebe Grüße,
Lilith
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"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Offline eska

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #28 am: 18 Juni 2018, 10:23:12 »
Hi Schreibsuse;

schön, dass dir meine Anmerkungen hilfreich vorkommen.  :)
Dann gleich noch eine  :klugklo: auf Folgendes hin:

Zitat
Ich habe keine Ahnung, ob und wie man so eine Situation in den wenigen Seiten eines Kapitels rausarbeiten kann  :flenn:
Muss ja nicht alles gleich zu Anfang klar sein. Gerade, wenn du Melissa noch genauer erfühlst und dann beschreibst, kannst du damit einiges andeuten. Ansonsten finde ich es immer hilfreich, in die Gedanken der Leute reinsehen zu können. Hieße hier zum Beispiel: Melissa lächelte vorsichtig zurück. Ob es endlich mal wieder funktionieren könnte? Eric sah genauso sehnsüchtig aus, wie sie sich fühlte, immer dann, wenn sie ihn von der Seite ansah, so XXX (was auch immer sie attraktiv findet). Seine Hände spüren, das Kribbeln dabei, seine Lippen auf ihrer Haut, ..., sich vergessen, alles vergessen, nicht mehr daran denken, dass ... (Zwischenspiel, z.B. die Frage nach ihrer Therapie)
Vielleicht konnte sie es inzwischen. Weil er sie brauchte. Und sie ihn. Der Wein war eine gute Idee. Sie griff nach ihrem Glas, um das Zittern in ihren Fingern zu stillen, und trank. Los, Melissa, enttäusche ihn nicht! Konzentriere dich! Auf XXX (körperliche Details, die sie besonders mag)...

Dies nur als Beispiel, wie ich als Leserin ihren inneren Kampf besser mitbekomme.
Und gönn deinen Beiden ein bisschen Zeit, in der sich dieser entfalten kann und zu einem Abschluss kommen, das ist glaubwürdiger, auch für die äußere Situation: Nach monatelanger Abstinenz und in schwieriger psychischer Situation würden Menschen, die seit 20 Jahren eine liebevolle Ehe führen, sich m.E. nicht sofort aufeinander stürzen, sondern erst sondieren, wie der/die andere drauf ist, um nichts kaputt(er) zu machen. 

Ich bin gespannt, wie deine nächste Version aussehen wird!

Gruß,
eska
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #29 am: 18 Juni 2018, 13:59:18 »
Hallo Lilith,

hab vielen Dank, dass du mir deine Sichtweise noch mal näher erläutert hast. Ich kann jetzt wirklich besser nachvollziehen, worum es dir ging  :cheerful:!

Auch wenn der Schwerpunkt im Roman nicht auf Ermittlungsarbeit liegt, finden die dennoch im Hintergrund statt und Melissa wird zwangsläufig mit der Kriminalpolizei in Berührung kommen - schließlich ist sie Zeugin. Mit dem Vorschlag, einmal selbst "Polizistin zu spielen" und dich in den Täter hineinzuversetzen, wollte ich vielmehr darauf hinaus, dass das Vorgehen des Täters in sich schlüssig sein muss, um Spannung zu generieren. Für ihn (!) schlüssig. Warum steht er da, wo er steht? Wieso tut er genau das, was er tut? Wieso lässt er Melissa am Leben (als Zeugin ist sie ein Risiko, das er sich nicht leisten kann) bzw. was geht schief? Wieso riskiert er, dass sie ihn sieht? Usw.

Einiges hiervon klärt sich bereits im nächsten Kapitel . . . bis auf die wesentlichen Fakten (Warum wurde Eric ermordet und Melissa am Leben gelassen?). Die Hintergründe sollen dem Leser an dieser Stelle noch nicht klar werden . . . denn darum geht es in dem Roman und dann wäre die Spannung ja schon nach den ersten Seiten weg. Ich weiß natürlich warum die Täter dort stehen und worum es ihnen geht  ;). Von den Tätern ist alles ganz genau und aufwendig durchgeplant (von langer Hand). Ihr Verhalten ist schlüssig, aber wie Alles in einander greift soll der Leser an dieser Stelle noch nicht erfahren.

Was du zu Melissas seelischer Situation sagst, ist ein wirklich sehr interessanter Punkt:


Mir kommt es im Text eben so vor, als hättest du versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sowohl diese (frühere) Depressivität als auch ihr ganz normales Leben irgendwie einzufangen. Das Problem dabei ist, dass die Depression damit weniger vergangen als aktuell wirkt - Melissa bleibt belastet. Der Gedanke an ihre Tochter ist noch ständig da, die Schuldgefühle (der große Motor für die Depression) ringen sie noch nieder, sie wirkt lustlos und apathisch, muss sich zu Vergnügen mehr zwingen als dass sie sich darauf einlassen kann und bedauert das, was sie zusätzlich verloren hat (wie z.B. das Untergewicht). Sie lenkt ihre Gedanken auf die Belastungen in ihrem Leben, fokussiert all das, was es ihr schwer macht, und nicht das, was sie davon noch hat (auch ohne ihre Tochter).

. . .

Du willst aber in eine andere Richtung (Melissa hat begonnen, ihre Trauer zu akzeptieren und lernt langsam, damit umzugehen, ist aber noch nicht ganz "raus") ... Dafür stimmt das Set-up noch nicht. Also zeig mir Melissa, wie sie versucht, mit den Schuldgefühlen umzugehen. Was sie macht, wenn sie da sind. Wie sie es schafft, ihr Leben langsam, Schritt für Schritt wieder zu genießen. Worauf sie später bauen kann, wenn Eric weg ist, und es ihr noch mal den Boden unter den Füßen wegzieht.

Du hast mein Problem genau auf den Punkt getroffen! Ja, ich wollte beide Zustände einfangen, die "vergangene" Depression ebenso wie die noch immer währenden Schuldgefühle. Und das hat nicht funktioniert. An diesem Punkt muss ich nun noch herumfeilen. Deine Anmerkungen haben mir auf jeden Fall die Augen geöffnet und sehr geholfen! Ganz lieben Dank!!  :-*




Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #30 am: 18 Juni 2018, 14:10:48 »
Hallo Eska,



Und gönn deinen Beiden ein bisschen Zeit, in der sich dieser entfalten kann und zu einem Abschluss kommen, das ist glaubwürdiger, auch für die äußere Situation: Nach monatelanger Abstinenz und in schwieriger psychischer Situation würden Menschen, die seit 20 Jahren eine liebevolle Ehe führen, sich m.E. nicht sofort aufeinander stürzen, sondern erst sondieren, wie der/die andere drauf ist, um nichts kaputt(er) zu machen. 


Ja, ich glaube auch, dass das Kapitel ein paar zusätzliche Seiten braucht. Inzwischen denke ich auch, dass es nicht schadet, wenn der Leser Eric ein wenig besser kennenlernt, bevor er durch den Mord schon wieder von uns scheidet. Dann leidet es sich ja auch viel besser mit. Bei der jetzigen Version hat Eric ja nicht allzu viele Sympathiepunkte eingeheimst  :(
Dein Vorschlag, mehr von Melissas Gedanken einfließen zu lassen, gefällt mir sehr gut. Hab vielen Dank!

Ich mach mich mal ans Werk  :grinwech: