Autor Thema: Der Knopf  (Gelesen 476 mal)

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Offline Zitatus

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Der Knopf
« am: 23 Mai 2018, 06:40:58 »
Hallo Teufels,

der nachfolgende Text ist schon Lesungserprobt. (Meine Große hat ihn für mich vorgetragen. Sie wollte auch mal auf einer Lesung auf die Bühne. Stolz wie Oskar hat sie ihren Job vor 50 Leuten bravourös gemeistert) Inhaltlich ist "Der Knopf" gut angenommen und verstanden worden. Trotzdem denke ich, dass er noch Feinschliff vertragen kann.

Außerdem weiß ich nicht, ob er langzeittauglich ist. Irgendwie ist er ja ziemlich aktuell - ob die Story auch noch in zehn Jahren verstanden wird?

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Der Knopf

„Eine Geschichte, bei der man das Ende schon kennt, die braucht man doch nicht zu erzählen“, flüsterte Donald. Dabei leckte er sich nervös über die Lippen. Er musste ein Kichern unterdrücken. Wenn sie ihn beobachten würden ... Was sollten sie von einem Chef denken, der kichert? Er blickte sich hektisch um. War da vielleicht irgendwo eine Kamera versteckt? Prüfte man ihn?
„Das ist so ... Klischee“, beschwerte er sich beim Schicksal. „Ich meine: Ein Knopf. Auch noch in rot.“ Jetzt hatte er doch kurz gekichert.
Das Pult stand inmitten eines ansonsten leeren Raumes. Und in der Mitte des Pults hatte man einen Knopf installiert. So einen großen Buzzer, wie man ihn aus Quizshows kennt. Aus Versehen konnte man in nicht drücken.
Neben dem Knopf hatte ein Assistent eben noch einen kleinen Zettel angebracht. Ein gelbes PostIt. Jemand hatte mit Kugelschreiber darauf geschrieben und mit pinkem Textmarker eine deutliche Linie darüber gezogen. Jetzt leuchtete die unmissverständliche Botschaft im Licht der Neonröhre: „Nicht drücken.“ Warum, das stand da nicht. Und den Assistenten konnte man auch nicht fragen, denn der hatte den Raum eiligen Schrittes wieder verlassen.
„Nicht drücken.“ Donald las den kurzen Satz zum bestimmt zehnten Mal. Klar! Nicht drücken. Das musste ein Test sein! Am liebsten wäre er zur Tür herausgelaufen. Der Assistent hatte abgesperrt.
„Natürlich werde ich den Knopf nicht drücken“, sagte Donald laut. Es bestand ja die Möglichkeit, dass unter dem Pult ein verstecktes Mikrophon seine Worte aufzeichnete. Demonstrativ streckte er den Rücken, schob energisch das Kinn vor und ... ballte die Hände zu Fäusten.
Der Knopf. Er war bestimmt nicht größer geworden. Plastik konnte sich nicht auf so unauffällige Weise ausdehnen. Er konnte gewiss auch nicht pulsieren.
Glaubten die anderen wirklich, dass sie ihn übertölpeln konnten? Mit einem Knopf seinen Willen brechen? Er war der Chef. Der starke Mann im Haus. Deshalb musste er sich auch von niemandem zwingen lassen. Das hatte er nicht nötig.
Er wischte sich eine Schweißperle von der Stirn.
Unter dem Pult war kein Mikrophon. Inzwischen hatte er nachgeschaut. Keine Kameras, kein Publikum. Nur er. Und dieser verdammte rote Knopf. Wofür er wohl gut war? Warum durfte er ihn nicht drücken? Warum machte man einen Knopf, den man nicht drücken durfte? Der Knopf verlangte es doch. Er forderte es.
Nein. Es war nur ein Knopf. Knöpfe konnten nichts fordern. Schon gar nicht vom Chef. Andererseits ...
Donald kicherte nicht; er lachte.
Niemand würde es erfahren. Wahrscheinlich würde auch nichts passieren. Es war ja auch nur ein Knopf. Außerdem konnte er ja auch immer noch behaupten, dass er es nicht gewesen sei. Oder es sei ihm ohne wirkliche Absicht passiert. Noch besser: Es waren die anderen. Sie! Sie würden den Knopf gedrückt haben. Das wäre doch plausibel.
Ein roter Knopf mit dem Hinweis „Nicht drücken“.
„Eine Geschichte, bei der man das Ende schon kennt, die braucht man doch nicht zu erzählen“, flüsterte Donald.
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Offline eska

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Re: Der Knopf
« Antwort #1 am: 23 Mai 2018, 17:19:13 »
Lieber Zitatus,

so ganz hat mich die Story nicht reingezogen, weil nach dem Anfang schnell klar ist, worauf es hinausläuft. Trotzdem finde ich sie nett gemacht, amüsant, bzw. wäre sie es, wenn nicht die Aktualität...

Ich habe auch nicht viel gefunden, was zu verbessern ist, höchstens ein bisschen zu straffen in zwei Absätzen.
Was allerdings in zehn Jahren Leser dazu sagen werden, hängt weniger an deiner Geschichte als an der Weltgeschichte, fürchte ich.

Eine Frage stellte sich mir am Rande: Was macht Donald eigentlich in einem komplett leeren Raum, ganz allein und unbe(ob)achtet, nur der Versuchung ausgesetzt? Könnte glatt ein Psycho-Experiment sein, in einer Klinik, Forschungsanstalt oder so. (Das Setting liegt einem quasi auf der Zunge.)



Nun mein Senf:


Zitat
Ein Knopf. Auch noch in Rot.

Zitat
Aus Versehen konnte man ihn nicht drücken.

Zitat
Neben dem Knopf hatte ein Assistent eben noch einen kleinen Zettel ein gelbes PostIt angebracht, mit Kugelschreiber beschrieben und mit pinkem Textmarker markiert/. Jetzt leuchtete die unmissverständliche Botschaft im Licht der Neonröhre: „Nicht drücken.“ Mehr stand da nicht. Und den Assistenten konnte man auch nicht fragen, denn der hatte den Raum eiligen Schrittes wieder verlassen.
Ein Vorschlag für eine gekürzte Fassung. Ich habe die Frage, warum? abgewandelt zu 'mehr', weil der Leser sich selbst denkt, warum nicht?, was geschieht, wenn? und hoffentlich den inneren Drang zum Ausprobieren bezwingt. Es scheint mir so aktiver.

Zitat
den Assistenten konnte man auch nicht fragen,
Das 'man' nimmt den Leser mit in die Frage hinein, einerseits finde ich das gut, andererseits weiß ich nicht, ob du das hier beabsichtigst. Eigentlich ist es ja Donalds Perspektive.


Zitat
Inzwischen hatte er nachgeschaut.
Der Zeitsprung reißt mich raus. Gerade wird alles Stück für Stück erzählt, dann hier ein Stück Film übersprungen und zurückgeschaut. Kann er nicht unauffällig schauen, verbunden mit einer Geste oder so?

Zitat
Niemand würde es erfahren. Wahrscheinlich würde auch nichts passieren. Es war ja auch nur ein Knopf. Außerdem konnte er ja auch immer noch behaupten, dass er es nicht gewesen sei. Oder es sei ihm ohne wirkliche Absicht passiert. Noch besser: Es waren die anderen. Sie! Sie würden den Knopf gedrückt haben. Das wäre doch plausibel.
Das ist mir zu lang. Welchen Gedanken du wegkürzen würdest, weiß ich nicht. Gefällt es dir so?

Zitat
Wahrscheinlich würde gar nichts passieren. Niemand würde es erfahren. Zur Not konnte er behaupten, dass er es nicht gewesen sei. Genau: Es waren die anderen. Sie! Sie würden den Knopf gedrückt haben. Das wäre doch plausibel.
Das Ende ist noch offen. Obwohl sich die Waagschale sehr zum Drücken neigt.
Warum spricht Donald den ersten und letzten Satz?

Schau mal, was du brauchen kannst.
Lieben Gruß,
eska
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Offline Mondstern

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Re: Der Knopf
« Antwort #2 am: 24 Mai 2018, 03:36:58 »
Beim Namen Donald fallen mir gleich zwei Charaktere ein. Der eine ist eine Comicfigur, nun ja, der andere eigentlich auch.
Ich denke, das ist in zehn Jahren immer noch zeitgemäß, oder auch nicht. Wenn die Zivilisation sich nach 30-40 000 Jahren wieder erholt hat, fängt es ja wieder mit der Steinschleuder an.

Für eine Satire ist es mir nicht bissig genug. Donald, immerhin der Herrscher der Welt, könnte durchaus zynischer dargestellt werde. Irgendein Niemand „befielt“ den Knopf nicht zu drücken. Ihm! Donald, dem Mächtigen …

Ansonsten hat mich die Story gut unterhalten. Details fielen mir jetzt nicht auf – könnte an der Uhrzeit liegen  :diablo:
LG Mondstern  :lava:

Offline Trippelschritt

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Re: Der Knopf
« Antwort #3 am: 24 Mai 2018, 14:14:54 »
Nein zu kritiseren habe ich nichts - außer der Geschichte selbst. Und das liegt daran, dass ich vor ein paar Tagen Birthday Girl von Haruki Murakami gelesen habe, was eine ausgesprochen unfaire Angelegenheit Dir gegenüber ist. Da hatte ein Mädchen, weil sie Geburtstag hatte, einen Wunsch frei. Jeden beliebigen Wunsch - und er würde erfüllt werden. Viele Jahre später erzählt die Frau einem Freund davon. Genial.

Der rote Knopf ist auch so eine Geschichte, aber ohne Entenhausen oder wie das große Land heißt. Und auch der Stil ist anders. Deiner ist für ganz junge Leute. Es passt, wenn Kinder die Geschichte vorlesen. Und es passt auch, wenn Erwachsene sie vorlesen, weil ihr das einen besonderen Reiz gibt.

Da ist etwas Redundanz in den Saätzen, aber ich weiß nicht, ob ich straffen würde. Es passt zu diesem erklärenden Erzählen alter Leute vor enkelhaftem Publikum.
Also nix ändern. Stil und Tonfall passen hervorragend zu Deinen anderen Kurz- und Küzestgeschichten.

Liebe Grüße
Trippelschritt

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Offline Taurussieben

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Re: Der Knopf
« Antwort #4 am: 24 Mai 2018, 19:34:58 »
Hi,
ich bin eine wenig hin und her gerissen, im Grunde hat mir die Geschichte gefallen, das Bild eines schwitzenden Donalds und eines ihn verspottenden roten Knopfes hat was. So können wir uns Normalsterbliche wahrscheinlich wirklich sein Kopfleben vorstellen.

Was mir fehlt ist der Hohn und Spott des Knopfes. Ich musste ein wenig an Poes "Das verräterische Herz" denken (das ich vermutlich nach all der Zeit falsch in Erinnerung habe), das seinen Protagonisten vollkommen in den Bann zieht. Der Knopf schafft das hier nicht ganz. Da fehlt für mich ein wenig Dramatik.

Eine Sache, die mir noch aufgefallen ist:

Zitat
Am liebsten wäre er zur Tür herausgelaufen. Der Assistent hatte abgesperrt.
Das fehlt mir der Anschluss zwischen den zwei Sätzen. Irgendwie...
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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #5 am: 27 Mai 2018, 19:28:47 »
Trotzdem finde ich sie nett gemacht, amüsant, bzw. wäre sie es, wenn nicht die Aktualität...
Ich denke, dass es auch den Zuhörern auf der Lesung so erging. Wenn das Schmunzeln (Lachen wäre zu viel verlangt) im Halse stecken bleibt, ist mein Ziel erreicht.

Zitat
Eine Frage stellte sich mir am Rande: Was macht Donald eigentlich in einem komplett leeren Raum, ganz allein und unbe(ob)achtet, nur der Versuchung ausgesetzt? Könnte glatt ein Psycho-Experiment sein, in einer Klinik, Forschungsanstalt oder so. (Das Setting liegt einem quasi auf der Zunge.)
Wenn sich so eine Gedankenspielkette beim Leser anschließt, hat ein Kurzgeschichten-Autor in meinen Augen einen guten Job gemacht.



Zitat
Ein Vorschlag für eine gekürzte Fassung. Ich habe die Frage, warum? abgewandelt zu 'mehr', weil der Leser sich selbst denkt, warum nicht?, was geschieht, wenn? und hoffentlich den inneren Drang zum Ausprobieren bezwingt. Es scheint mir so aktiver.
Den Vorschlag nehme ich mit. :)

Zitat
Zitat
Inzwischen hatte er nachgeschaut.
Der Zeitsprung reißt mich raus. Gerade wird alles Stück für Stück erzählt, dann hier ein Stück Film übersprungen und zurückgeschaut. Kann er nicht unauffällig schauen, verbunden mit einer Geste oder so?
Überlege ich mir noch.

Zitat
Zitat
Niemand würde es erfahren. Wahrscheinlich würde auch nichts passieren. Es war ja auch nur ein Knopf. Außerdem konnte er ja auch immer noch behaupten, dass er es nicht gewesen sei. Oder es sei ihm ohne wirkliche Absicht passiert. Noch besser: Es waren die anderen. Sie! Sie würden den Knopf gedrückt haben. Das wäre doch plausibel.
Das ist mir zu lang. Welchen Gedanken du wegkürzen würdest, weiß ich nicht. Gefällt es dir so?
Hm. Ich denke, das muss so bleiben. Es ist eine Gedankengang, wie man ihn bei *the real Donald* TM schon oft beobachten konnte. Er tut's. Streitet es hinterher ab. Sagt schließlich, andere wären schuld. Und zum Schluß bezichtigt er jeden, der auf das Offensichtliche hinweist, als Lügner.

Zitat
Das Ende ist noch offen. Obwohl sich die Waagschale sehr zum Drücken neigt.
Warum spricht Donald den ersten und letzten Satz?
Wirklich offen ist die Story nicht. Gerade durch den ersten und letzten Satz. Es wird nur nicht ausgesprochen. Aber erst dadurch funktioniert die Pointe. Donald muss die beiden Sätze sagen, da ja auch die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird. Er bewertet die Situation den ganzen Text über. Deswegen muss er auch das Endergebnis bewerten.

Danke für's Rösten.
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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #6 am: 27 Mai 2018, 19:40:09 »
Donald, immerhin der Herrscher der Welt, könnte durchaus zynischer dargestellt werde.
Zynismus setzt für mich eine gewisse Art von Intelligenz voraus.
3:)

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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #7 am: 27 Mai 2018, 19:50:20 »
Nein zu kritiseren habe ich nichts - außer der Geschichte selbst. Und das liegt daran, dass ich vor ein paar Tagen Birthday Girl von Haruki Murakami gelesen habe, was eine ausgesprochen unfaire Angelegenheit Dir gegenüber ist. Da hatte ein Mädchen, weil sie Geburtstag hatte, einen Wunsch frei. Jeden beliebigen Wunsch - und er würde erfüllt werden. Viele Jahre später erzählt die Frau einem Freund davon. Genial.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Namen erst googlen musste. Wenn ich irgendwann mal einen Literaturpreis (nur einen, bitte) gewinnen sollte, darfst Du mir gerne nochmals eine so hohe Messlatte anlegen. Aber so hohe Ansprüche stelle ich an (meine) Literatur gar nicht. Ich schwimme in ganz anderen Gewässern und das weißt Du auch. Mich würde aber interessieren, wo Du einen Bezug zwischen Birthday Girl und Der Knopf findest.

Zitat
Der rote Knopf ist auch so eine Geschichte, aber ohne Entenhausen oder wie das große Land heißt. Und auch der Stil ist anders. Deiner ist für ganz junge Leute. Es passt, wenn Kinder die Geschichte vorlesen. Und es passt auch, wenn Erwachsene sie vorlesen, weil ihr das einen besonderen Reiz gibt.
Hm. Denkst Du wirklich, dass sich die Geschichte an Kinder richtet? Die Zuhörer bei der Lesung hatten ein Alter ein Alter von 50+ ...

Danke für's Rösten.
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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #8 am: 27 Mai 2018, 19:55:46 »
Was mir fehlt ist der Hohn und Spott des Knopfes. Ich musste ein wenig an Poes "Das verräterische Herz" denken (das ich vermutlich nach all der Zeit falsch in Erinnerung habe), das seinen Protagonisten vollkommen in den Bann zieht. Der Knopf schafft das hier nicht ganz. Da fehlt für mich ein wenig Dramatik.
Ich verstehe, was Du meinst. Donald könnte den Kopf tatsächlich noch ein wenig personifizieren.

Zitat
Zitat
Am liebsten wäre er zur Tür herausgelaufen. Der Assistent hatte abgesperrt.
Das fehlt mir der Anschluss zwischen den zwei Sätzen. Irgendwie...
Hm, ja. Ich könnte ein "Doch" einfügen. Das stand da auch ursprünglich. Aber irgendwie gefiel es mir so besser. Ich kann noch nicht mal begründen warum. Es war für mich, wie ein erzählerisches Schulterzucken. Vermutlich muss das "Doch" wieder zurück an seinen Platz.
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Offline Trippelschritt

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Re: Der Knopf
« Antwort #9 am: 28 Mai 2018, 12:09:14 »
Das will ich Dir gerne erläutern, Zitatus.
Du hast zwei alte Topoi (schreibt man das so?) aufgegriffen. Einmaldass etwas, das laut verboten wird auf das kindliche Gemüt einen großen Reiz ausübt, es doch zu tun. Und der "Rote Knopf" an sich ist noch mam ein eigenes Thema.
Genauso handelt es sich mit dem Geschenk der drei (des einen) Wünsche und der guten Fee. In diesem Fall ist die gute Fee ein alter Mann. Das Ergebnis ist in jedem Fall bekannt und daher nichr einfach für einen Autor ein neues Ende zu schreiben (Oder darauf zu verzichten). Mir hat Deine Lösung gut gefallen. Es war unser persönliches Pech, dass ich mich mit der Geschichte von Murakami jeglicher Objektivität beraubt habe. Das war das Pech. Denn Murakami ist jemand, wo man sich jedes Jahr fragt, warum er denn noch nicht den Nobelpreis für Literatur beommen hat.

Dass Du einen kindlichen Stil gewählt hast, bedeutet nicht, dass es eine Kindergeschichte ist. Dafür habe ich sie nie gehalten. Du hast das Wolf im Schafspelz-Prinzip gewählt. Tödliche Ebtscheidung in einem kindlichen Hirn. Aber das beherrscht du ja. Mit dem Schamhaar hast Du das ja auch praktiziert, obwohl die Geschichte eine ganz andere Stoßrichtung hat.

Noch einen schönen Tag
Trippelschritt

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Offline Ayira

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Re: Der Knopf
« Antwort #10 am: 29 Mai 2018, 10:41:52 »
Zitat
Am liebsten wäre er zur Tür herausgelaufen. Der Assistent hatte abgesperrt.


Das fehlt mir der Anschluss zwischen den zwei Sätzen. Irgendwie...


Hm, ja. Ich könnte ein "Doch" einfügen. Das stand da auch ursprünglich. Aber irgendwie gefiel es mir so besser. Ich kann noch nicht mal begründen warum. Es war für mich, wie ein erzählerisches Schulterzucken. Vermutlich muss das "Doch" wieder zurück an seinen Platz.

Erbseneinstreuung am Rande:
Wenn du statt "doch" schreibst: Nur das ging nicht. Der Assistent hatte abgesperrt"?
« Letzte Änderung: 06 Juni 2018, 10:29:27 von Ayira »
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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #11 am: 08 Juni 2018, 07:57:23 »
Mit dem Schamhaar hast Du das ja auch praktiziert, obwohl die Geschichte eine ganz andere Stoßrichtung hat.

 :cscreen:
Alle, die hier mitlesen und die Kurzgeschichte (wurde von mir auf der FF-Lesung vorgetragen) nicht kennen, dürften jetzt wegen "Stoßrichtung" und "mit dem Schamhaar praktizieren" gewisse Bilder im Kopf haben. Danke, Trip!
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Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #12 am: 08 Juni 2018, 07:58:17 »

Wenn du statt "doch" schreibst: Nur das ging nicht. Der Assistent hatte abgesperrt"?
Das mops ich mir. Danke.
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Offline Ayira

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Re: Der Knopf
« Antwort #13 am: 08 Juni 2018, 09:19:22 »
hihi, gern. Freut mich  :dops:
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Re: Der Knopf
« Antwort #14 am: 08 Juni 2018, 13:21:02 »
Nur eine Erbse von mir: Wenn er den Raum verlässt, läuft er HINaus.
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Offline Schreibsuse

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Re: Der Knopf
« Antwort #15 am: 08 Juni 2018, 18:11:14 »
Also ich hatte tatsächlich einen nicht unerheblichen Überraschungsmoment. Er mag aber durchaus meiner hitzebedingten, langen Leitung geschuldet sein  :schwitz:

Ich war nicht sofort bei DEM Donald, sondern bei irgendeinem Vorgesetzten, der offenbar in ein Experiment eingewilligt hatte und sich herfür von seinem Assistenten in einem Raum einschließen ließ.
Ja und der Knopf . . . weiß der Geier warum . . . aber ich hatte da sofort einen roten Jackenkopf im Kopf.
Ich war also komplett auf dem Holzweg. Wie gesagt: Die Hitze  :cheese:!

Dann musste ich an die Werbung denken, in der Kinder mit einem Ü-Ei in einem Raum allein gelassen werden und das Ei nicht öffnen (oder nicht mal berühren) dürfen. Eine Weile geht das gut und dann fallen die Hemmungen und das Ü-Ei wird erst schüchtern geschüttelt und am Ende gierig verspeist. Ich fand die Parallele witzig . . . bis der Groschen bei mir endlich gefallen ist!
Dann hat Beklemmung eingesetzt.

Also auch wenn ich nicht sofort erkannt habe, um wen und was es geht, hat es mir gefallen! Dein Schreibstil sowieso!
So und jetzt nehm ich hitzefrei!!
 :wink:

Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #16 am: 09 Juni 2018, 08:17:46 »
Nur eine Erbse von mir: Wenn er den Raum verlässt, läuft er HINaus.

Das ist so ein Lektoratzeux, den ich immer erst dann verstehe, wenn's mir vor die Nase gehalten wird. Stimmt: hinaus und heraus macht einen Unterschied. Bei sowas bin ich schneeblind.

Dann musste ich an die Werbung denken, in der Kinder mit einem Ü-Ei in einem Raum allein gelassen werden und das Ei nicht öffnen (oder nicht mal berühren) dürfen.
Ja. Das ist die Situation. Ein wunderbares Klischee! Ich liebe Klischees und verwende sie gerne in Kurzgeschichten.

Zitat
Ich fand die Parallele witzig . . . bis der Groschen bei mir endlich gefallen ist!
Dann hat Beklemmung eingesetzt.

Das ist das, was ich mit der Story ein bisschen erreichen wollte. Ein Schmunzeln, das im Hals stecken bleibt.

Danke für Dein Feedback!
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ruskoni

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Re: Der Knopf
« Antwort #17 am: 04 Juli 2018, 19:35:06 »
Hallo Zitatus,

ich konnte mit der recht kurzen Geschichte nicht warm werden, erwarte ich von einer Kurzgeschichte doch zunächst einen Protagonisten, den ich kennenlerne, eine Handlung, einen Konflikt und vielleicht eine Wendung etc.

Für den Anfangs- und Schlussatz finde ich auch nach dreimaligem Lesen keinen Bezug, aber wer weiß, vielleicht bin ich etwas schwerfällig. Mir wird nicht klar, wer die Person ist und warum sie sich dort aufhält, auch wenn ich aus den Kommentaren entnehme, dass es sich um Trump handeln könnte.

Für mich sieht es so aus, als vermute er, dass seine Angestellten ihn überwachen könnten, um ihn zu „prüfen“? Da stellt sich mir die Frage nach dem Zweck und ob seine Untergebenen über die Befugnisse dazu verfügen. Wie auch später erwähnt, er ist der Chef und der starke Mann im Hause.

Ein Mann steht in einem Raum, kichert, und erwähnt einen roten Knopf. Nun wird ein Pult inmitten eines leeren Raumes erwähnt. Ob er an dem Pult steht oder auf es blickt, ist nicht klar.

„Und in der Mitte des Pults hatte man einen Knopf installiert.“ Das klingt, als wäre der Knopf nachträglich installiert worden.

„Neben dem Knopf hatte ein Assistent eben noch einen kleinen Zettel angebracht.“ Einer seiner Assistenten oder von wem?  Sorry, das ist mir zu vage.

„Jemand hatte mit Kugelschreiber darauf geschrieben und mit pinkem Textmarker eine deutliche Linie darüber gezogen.“ Das „deutlich“ könnte man einsparen, ein Marker sollte es breit hervorheben.

„Jetzt leuchtete die unmissverständliche Botschaft im Licht der Neonröhre:“ Da er sich wohl in einem größeren Raum befindet, wäre bei Neonröhre die Mehrzahl wahrscheinlicher.

„Am liebsten wäre er zur Tür herausgelaufen. Der Assistent hatte abgesperrt.“ Hier fehlt ein sauberer Zusammenhang für mich, wie: doch der Assistent hatte sie hinter sich verschlossen. Hier stellt sich durchaus die Frage nach dem warum und wie/ob er es überhaupt mitbekommen hat. Schließt der Assistent seinen Chef ein?

Nun folgt für mich der interessante Teil der Geschichte, der Konflikt mit dem Knopf bzw der Verbotsanweisung und dem Reiz, es trotzdem oder gerade deshalb zu tun. Und hier finde ich, hast du das eigentliche Potential der Geschichte verschenkt. Ich hätte gern mehr erfahren über seinen unwiderstehlichen Reiz, es doch zu tun, über Befürchtungen, die ihn abhalten und über ein Abwägen, ob er es doch tun soll und welche Konsequenzen er vermutet und wie er zu ihnen steht. Der ganze Rahmen passt für mich auch nicht. Ich hätte mehr damit anfangen können, wenn man einen Stellenbewerber in diesen Raum vor das Pult stellt und ihn auffordert, dort zu warten.

Liebe Grüße

ruskoni

Offline Zitatus

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Re: Der Knopf
« Antwort #18 am: 06 Juli 2018, 09:09:09 »
Hallo Zitatus,

ich konnte mit der recht kurzen Geschichte nicht warm werden, erwarte ich von einer Kurzgeschichte doch zunächst einen Protagonisten, den ich kennenlerne, eine Handlung, einen Konflikt und vielleicht eine Wendung etc.

Hallo ruskoni,

Du hast ein sehr klassisches Bild einer Kurzgeschichte. Einleitung, Mittelteil, Höhepunkt. Gerade in der Gattung Kurzgeschichte gibt es sehr viele andere Modelle. Ich bin mehr in der Kürzestgeschichte oder auch Mikrofiktion (die Begriffe habe ich mir nicht ausgedacht) zuhause. Das muss ich Dir zum Grundverständnis vorausschicken.

Zitat
Für den Anfangs- und Schlussatz finde ich auch nach dreimaligem Lesen keinen Bezug, aber wer weiß, vielleicht bin ich etwas schwerfällig. Mir wird nicht klar, wer die Person ist und warum sie sich dort aufhält, auch wenn ich aus den Kommentaren entnehme, dass es sich um Trump handeln könnte.
Ich spiele hier mit dem Klischee. Ein Knopf, wo "nicht drücken" dransteht. Ich denke schon, dass jeder weiß, was passieren wird. Ein Klischee, dass ich mit dem sogenannten Roten Knopf des US-Präsidenten verknüpft habe. Ist das wirklich so unverständlich?

Zitat
„Jetzt leuchtete die unmissverständliche Botschaft im Licht der Neonröhre:“ Da er sich wohl in einem größeren Raum befindet, wäre bei Neonröhre die Mehrzahl wahrscheinlicher.
stimmt

Zitat
Der ganze Rahmen passt für mich auch nicht. Ich hätte mehr damit anfangen können, wenn man einen Stellenbewerber in diesen Raum vor das Pult stellt und ihn auffordert, dort zu warten.
Hm, ich denke, dass es der Geschichte nicht gut tut, wenn ich ein zu "reales Gewand" anziehe. Das abstruse, groteske, überzeichnete macht in meinen Augen erst den Reiz aus. Ursprünglich hatte ich wirklich vor, die Story ins Oval Office zu legen. Erster Arbeitstag des Präsidenten mit Arbeitseinweisung. Aber das funktionierte nicht.


Danke für's Rösten
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