Autor Thema: Nabelschnur  (Gelesen 1099 mal)

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Offline Trippelschritt

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Re: Nabelschnur
« Antwort #20 am: 07 März 2018, 11:16:14 »
Ich versuche es noch einmal, dieses Mal zwar ebenso verwirrt wie beim ersten Mal, aber hoffentlich etwas hilfreicher.
Nabel schnur in der Überschrift oder nicht könnte mir egel sein. In dem augenblick, in dem sie abzureißen droht und mir klar wird, wo sie andockt, weiß ich, dass es eine Nabelschnur ist. Zumindest dann, wenn es keine andere Störinformation gibt.
Auch der Keller ist halbklar.  ;D Das ist das andere Ende der Schnur, voller Bedeutung und noch fest verzurrt, geheimnisvoll und mächtig. So weit ist es klar.

Ich gehe einmal davon aus, dass Du über das, was ich da schrieb, eine Idee hattest. Und danach suche ich jetzt. Aus dem Rahmen geht das nicht hervor. Als Leser kann ich nur den Handlungen und Gedanken der Person folgen. Aber ich habe keine Information über ihn, kann noch nicht einmal sein Alter schätzen. Erwachsen, das ist klar von der Sprache her. Aber sonst?
Bleibt noch, was er tut. Er will sich vor allem losreißen. Das aber sagt nichts über den Keller aus, sondern nur über die Person. Geht es also jetzrt ums Festhalten/Losreißen oder geht es um den Keller oder die Erkenntnis, dass man sich von einem Keller nicht losreißen kann.

Meine Verwirrung ein wenig geordnet, aber noch nicht mehr

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #21 am: 07 März 2018, 17:21:52 »
Hi felis!

Schade. Für mich hat die Nabelschnur als Symbol für die Situation des Protagonisten eine besondere Bedeutung. Dass Du das als Overkill empfindest, kann ich irgendwo sogar nachvollziehen. Aber in dieser Sache war mir genau diese Symbolik wichtig.
Über das unpersönliche "Er" habe ich lange nachgedacht. Auch da kann ich Deine Haltung nachvollziehen: So etwas wirkt irgendwie gewollt, und das ist nicht toll. Ich habe auch verschiedene Namen für den Prota ausprobiert, aber keiner erschien mir passend. Der Punkt bleibt also auf der Agenda.

Danke für Deine Rückmeldung!
:) nus

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #22 am: 07 März 2018, 17:24:24 »
@Trip: Es geht um Sich-Nicht-Losreißen-Können.

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #23 am: 07 März 2018, 17:31:29 »
Liebe Ril!

Zitat
Mein Hauptproblem mit der Geschichte im Augenblick ist die Unklarheit über Realität und Symbol oder Einbildung. Ich wäre am Anfang der Geschichte nie auf eine Nabelschnur gekommen, weil die offensichtlich viel zu lang ist. Weil sie einen Menschen nicht mit solcher Wucht zurückreißen könnte, wie sie es tut. Weil er erwachsen ist und seine Mutter Ma Bates (diese Assoziation hatte ich im Keller auch), und das bei Annahme einer realen Nabelschnur sowie unserer Realität (Essenslieferdienst, alles Eindringen der Außenwelt in seine, bis auf die Katze) binnen Stunden zu einer Sepsis und Tod führen würde. Die Logikbrüche lenken ab und überschatten den Grusel, der sowohl in dem Bild wie auch der Bedeutung der Nabelschnur liegt. Damit meine ich nicht, dass du sie eindeutig symbolisch darstellen müsstest oder eindeutig real, sondern dass die Welt deines Protagonisten nicht konsistent genug rüberkommt.

Verstehe. Und auch nicht.
Der Text ist als Groteske angelegt, ähnlich wie Kafkas "Verwandlung". Insofern ist das, was der Protagonist erlebt, für ihn real, aber diese Realität ist eben grotesk verzerrt. Wie kann ich - das vorausgesetzt - mehr Konsistenz herstellen?

 :-\
nus

Offline Rilyn

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Re: Nabelschnur
« Antwort #24 am: 07 März 2018, 19:10:26 »
Hoi nus :)

Zu Kafka fällt mir spontan ein:
Die Absurdität wird für Gregor Samsa im ersten Satz Wirklichkeit. Es besteht kein Zweifel, dass dem so ist. Und jeder reagiert entsprechend darauf.
In "Das Schloss" gerät jemand Stück für Stück hinein in die groteske Welt, auf die wiederum jeder so reagiert, dass sie nicht in Zweifel steht, obwohl der Protagonist sie erst nach und nach vollumfänglich kennenlernt.
Das Groteske steht niemals in Frage - nicht zwischen Buch und Leser. Es steht in "Das Schloss" allenfalls kurzzeitig durch den Protagonisten in Frage, aber nie für die Bevölkerung. So nimmt auch er als gegeben hin, was innerhalb der Welt dieser Erzählung so ist, und er nimmt seine Leser mit in diese Wahrnehmung.

Dein Text beginnt mit einem Mann mit einer Schnur, die ich erstmal nicht als Nabelschnur einordne. Und einer Katze, die sich darauf nicht äußern wird. Ein erstmal ganz normales Bild; was kein Problem ansich darstellt, aber es vielleicht schwerer macht, diesem Eindruck von Normalität die Groteske nach und nicht bei ihrer Erschaffung hinzuzufügen.

Er sitzt in seinem Garten, und das wirft, selbst, wenn die Schnur sofort klar wäre, Fragen auf: Was, wenn er gesehen wird? Er macht sich keine Gedanken darum - was für ihn normal ist. Aber es gibt auch keinen Postboten oder Essensboten, der ganz normal reagiert, vielleicht den weißen Kiesel verschiebt, den der Mann daraufhin wieder akkurat platzieren muss, etwas in der Art. Das würde dieses Bild verfestigen. Im Moment bleiben sowohl zu viel Raum wie auch zu viel Grund für die Frage: Ist das echt? Und obwohl ich beim ersten Lesen stark davon ausging, war ich eben nicht sicher in dieser Annahme.

Ich hoffe, das hilft dir erstmal weiter. :)
Wann ich zum richtigen Rösten komme, kann ich grade nicht sagen, das könnten noch ein paar Tage sein.

Liebe Grüße,
Ril :kaffee2:
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Offline Nightingale

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Re: Nabelschnur
« Antwort #25 am: 07 März 2018, 19:15:24 »
Liebe nus,

ich hatte so meine Schwierigkeiten mit deiner Geschichte. Ich mag die Atmosphäre, die du aufbaust, fand aber zu wenig Ansatzpunkte, um diesen Text für mich schlüssig zu interpretieren. Der ursprüngliche Titel »Mutter« gab mir einen Schlüssel in die Hand, bloß fand ich nicht die Tür.

Da einige Teufel weniger Schwierigkeiten mit dem Text haben, wollte ich nicht unnötig Verwirrung stiften. Nun schriebst du, die Geschichte werde überarbeitet und lockst mich damit aus der Reserve.  ;D

Beim ersten Lesen erwartete ich zum Ende eine Auflösung, was den Protagonisten nun (an)bindet. Die Schnur deutete ich aufgrund des Titels als Band zur Mutter. Weiter nahm ich an, die Katze sei ein Symbol für Glück (»Glückskatze«) und die Unfähigkeit des Protagonisten Zufriedenheit und Glück zu empfinden. Sicher war ich mir nicht. Ebenso hätte ich die Katze als Stellvertreter für andere Menschen, seine Mutter oder eine unerreichbare Außenwelt deuten können.

Der Titel »Nabelschnur« würde mir weniger gefallen, da der Text dadurch noch unpersönlicher würde. Zudem entspricht die Schnur in ihrer geschilderten Beschaffenheit nicht einer Nabelschnur, wodurch dieser Titel zumindest bei mir noch mehr Unsicherheit beim Interpretieren ausgelöst hätte. Wahrscheinlich wäre ich zum Ergebnis gekommen, die Schnur sei die titelgebende Nabelschnur und symbolisiere Leben: als sie reißt, ist er tot. - Doch das schiene mir zu einfach für einen Text der nus.


Fragen:

Was ist mit der Mutter? Ist es ihre Anwesenheit oder Abwesenheit, die den Protagonisten so plagt?

Und weil ich gerade dabei bin, packe ich mal einen Karton mit Fragen aus, von denen sich nicht alle direkt auf das bisher Geschriebene beziehen. Eine Beantwortung würde den Protagonisten persönlicher einfärben. Nur weiß ich nicht, ob das von dir gewünscht ist. Ich frag mal trotzdem munter drauf los:

Was hat es mit der Katze auf sich? Gehörte sie der Mutter und will nicht verschwinden? Oder handelt es sich beispielsweise um die Katze einer verehrten, doch fremd gebliebenen Nachbarin, die ihm einmal dieses spezielle Lächeln schenkte, das nur ihm und ihm allein gehörte.

Muss es ein weißer Kieselstein sein oder könnte an dieser Stelle beispielsweise ein Baumstumpf stehen, jenes Überbleibsel einer abgesägten Kastanie und einer überbehüteten Kindheit, wo der Protagonist einst geklettert und gestürzt war?
Oder anders gefragt: Warum ist der Markierungspunkt an dieser Stelle? Die Punkte bilden einen Kreis mit einer Mitte, aber die äußeren Punkte wären beliebig, also warum diese eine Stelle?

Hört er im Keller vielleicht die Schreie seiner Mutter, eingebildet oder real? Findet er dort Spielsachen aus seiner Kindheit: Das Fahrrad, das er nie benutzen durfte oder zu seiner Überraschung ein Sammelwerk aus unerfüllten (z. B. Weihnachts- und Geburtstags-) Wünschen, die sich stapeln wie die Anklageschrift einer vermeintlich besseren Kindheit?


Wenn der Protagonist bloß Archetyp ist, spare dir die Fragen. Auch würde ein Archetyp der Geschichte in meinen Augen nicht schaden, sofern das Thema stärker hervortritt. Allerdings würde ich in diesem Fall zu mehr Dringlichkeit raten, herausarbeiten, warum alles auf ein unabwendbares Ende zusteuert.
Ach ja, noch zur Namenlosigkeit des Protagonisten: Das konstante Er störte mich nicht, aber wenn du einen Namen willst und keiner dir passend erscheint, wäre vielleicht die Verwendung eines Nachnamens stimmig. Insbesondere bei einem Archetypen ließe sich vielleicht auf Schmidt, Müller, Meyer und Konsorten zurückgreifen.


Hoffentlich war das jetzt nicht vollkommen überflüssig und irgendwie hilfreich.  :grinwech:

Liebe Grüße
Nightingale

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #26 am: 10 März 2018, 08:03:39 »
Hi Ril!

Zitat
Er sitzt in seinem Garten, und das wirft, selbst, wenn die Schnur sofort klar wäre, Fragen auf: Was, wenn er gesehen wird? Er macht sich keine Gedanken darum - was für ihn normal ist. Aber es gibt auch keinen Postboten oder Essensboten, der ganz normal reagiert, vielleicht den weißen Kiesel verschiebt, den der Mann daraufhin wieder akkurat platzieren muss, etwas in der Art. Das würde dieses Bild verfestigen. Im Moment bleiben sowohl zu viel Raum wie auch zu viel Grund für die Frage: Ist das echt? Und obwohl ich beim ersten Lesen stark davon ausging, war ich eben nicht sicher in dieser Annahme.

Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, was Du meinst. Lilith hat diese Frage ähnlich thematisiert (Kafka ist anscheinend ein gutes Beispiel  ;)). Erst dachte ich, das, was Du meinst, bekomme ich nur hin, wenn ich die KG inhaltlich ausweite (z.B. noch eine Szene mit dem Lieferdienst hinzufüge). Aber nach dem, was Du schreibst, ist das vielleicht gar nicht nötig. Das Groteske muss sich ja nicht zwingend in der Reaktion Dritter spiegeln. Es geht ja im Grunde um das Erleben des Protagonisten. Wenn ich es hinkriege, seine Angst vor dem Entdeckt-Werden, seine Scham angesichts der entwürdigenden Situation aus seiner subjektiven Sicht zu schildern, dann müsste dieser Aspekt auch auf diese Weise transportierbar sein. Ich habe dazu sogar schon Ideen.

 :cheerful:
nus

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #27 am: 10 März 2018, 08:23:02 »
Liebe Nightingale!

Zitat
Nun schriebst du, die Geschichte werde überarbeitet und lockst mich damit aus der Reserve.
Natürlich wird die Geschichte überarbeitet - sonst bräuchte ich ja kein Feedback.  :)

Zitat
Weiter nahm ich an, die Katze sei ein Symbol für Glück (»Glückskatze«) und die Unfähigkeit des Protagonisten Zufriedenheit und Glück zu empfinden. Sicher war ich mir nicht. Ebenso hätte ich die Katze als Stellvertreter für andere Menschen, seine Mutter oder eine unerreichbare Außenwelt deuten können.
Die Katze ist der Gegenpol zum Protagonisten: Sie ist frei und unabhängig. Ihre Freiheit hat sie mit (einer) Verletzung(en) bezahlt, trotzdem gibt sie sie nicht auf. Hm. Ich dachte, ihre Rolle würde deutlich. Was meinst Du - was kann ich tun, um das klarer zu machen? Sollte ich vllt. eine normale Feld-Wald-und-Wiesen-Katze aus ihr machen anstelle einer Glückskatze? Weckt "Glückskatze" zu schnell falsche Assoziationen?

Zitat
Der Titel »Nabelschnur« würde mir weniger gefallen, da der Text dadurch noch unpersönlicher würde.
Ja, ich tendiere inzwischen auch dazu, bei "Mutter" zu bleiben.

Zitat
Wahrscheinlich wäre ich zum Ergebnis gekommen, die Schnur sei die titelgebende Nabelschnur und symbolisiere Leben: als sie reißt, ist er tot.
Das überrascht mich. Bei "Nabelschnur" denke ich nicht zuerst an Leben, sondern zuerst an Mutter-Kind-Bindung.

Zitat
Was ist mit der Mutter? Ist es ihre Anwesenheit oder Abwesenheit, die den Protagonisten so plagt?
Es ist nicht wichtig, ob die Mutter da ist oder nicht - nicht einmal, ob sie lebt oder tot ist. Was ihn plagt, ist die Bindung an sie.

Zitat
Was hat es mit der Katze auf sich? Gehörte sie der Mutter und will nicht verschwinden? Oder handelt es sich beispielsweise um die Katze einer verehrten, doch fremd gebliebenen Nachbarin, die ihm einmal dieses spezielle Lächeln schenkte, das nur ihm und ihm allein gehörte.
Nein, das würde die Katze zum Objekt machen, zum Gegenstand. Sie ist nicht die Katze von jemandem, der eine Bedeutung für den Protagonisten hat. Sie ist selbst jemand, der eine Bedeutung hat.

Zitat
Muss es ein weißer Kieselstein sein oder könnte an dieser Stelle beispielsweise ein Baumstumpf stehen, jenes Überbleibsel einer abgesägten Kastanie und einer überbehüteten Kindheit, wo der Protagonist einst geklettert und gestürzt war?
Der Protagonist markiert mit weißen Kieselsteinen seinen Radius. Also kann es kein Baumstumpf sein. Aber dieses Radius-Markieren ist den anderen Röstern auch nicht klar genug geworden. Das muss ich noch deutlicher herausarbeiten.

Zitat
Oder anders gefragt: Warum ist der Markierungspunkt an dieser Stelle? Die Punkte bilden einen Kreis mit einer Mitte, aber die äußeren Punkte wären beliebig, also warum diese eine Stelle?
Weil die Katze immer auf dem Gartenweg sitzt. Dieser spezielle Kieselstein markiert also den äußersten Punkt des Kreises auf dem Gartenweg.

Zitat
Hört er im Keller vielleicht die Schreie seiner Mutter, eingebildet oder real?
Warum sollte seine Mutter schreien?

Zitat
Findet er dort Spielsachen aus seiner Kindheit: Das Fahrrad, das er nie benutzen durfte oder zu seiner Überraschung ein Sammelwerk aus unerfüllten (z. B. Weihnachts- und Geburtstags-) Wünschen, die sich stapeln wie die Anklageschrift einer vermeintlich besseren Kindheit?
Das mit den Spielsachen passt nicht, aber ich verstehe, was Du meinst: Es geht darum, den Protagonisten und seine Geschichte besser kennenzulernen. Ich habe diesen Punkt schon auf meiner ToDo-Liste notiert, habe im Moment dazu aber noch keine Ideen.

Zitat
Wenn der Protagonist bloß Archetyp ist, spare dir die Fragen. Auch würde ein Archetyp der Geschichte in meinen Augen nicht schaden, sofern das Thema stärker hervortritt. Allerdings würde ich in diesem Fall zu mehr Dringlichkeit raten, herausarbeiten, warum alles auf ein unabwendbares Ende zusteuert.
Ja, das stimmt. Auch wenn der Protagonist nicht nur Archetyp ist, muss das deutlicher werden. Habe ich auch auf meiner ToDo-Liste notiert.

Zitat
Ach ja, noch zur Namenlosigkeit des Protagonisten: Das konstante Er störte mich nicht, aber wenn du einen Namen willst und keiner dir passend erscheint, wäre vielleicht die Verwendung eines Nachnamens stimmig. Insbesondere bei einem Archetypen ließe sich vielleicht auf Schmidt, Müller, Meyer und Konsorten zurückgreifen.
Hmnein. Wenn ich ihm einen Namen gebe, dann einen Vornamen. Ein Nachname würde m.E. wieder neue Distanz zwischen Leser und Protagonist schaffen.

Zitat
Hoffentlich war das jetzt nicht vollkommen überflüssig und irgendwie hilfreich.
Hilfreich!

Vielen lieben Dank!
 :bluemelein:
nus
« Letzte Änderung: 11 März 2018, 08:41:33 von nus »

Offline Nightingale

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Re: Nabelschnur
« Antwort #28 am: 10 März 2018, 13:09:35 »
Liebe nus!

Zitat
Die Katze ist der Gegenpol zum Protagonisten: Sie ist frei und unabhängig. Ihre Freiheit hat sie mit (einer) Verletzung(en) bezahlt, trotzdem gibt sie sie nicht auf. Hm. Ich dachte, ihre Rolle würde deutlich. Was meinst Du - was kann ich tun, um das klarer zu machen? Sollte ich vllt. eine normale Feld-Wald-und-Wiesen-Katze aus ihr machen anstelle einer Glückskatze? Weckt "Glückskatze" zu schnell falsche Assoziationen?
Nicht unbedingt. Falsche Assoziationen entstehen ja meist, weil dem Leser die gewünschten nicht klar werden. Die Katze ist wichtig, das erkennt der Leser und so reimt er sich was zusammen. Lilith verlieh den Augen Bedeutung, ich der Bezeichnung Glückskatze ...
In deiner Antwort finde ich etwas, das mir im Text nicht derart bewusst wurde: Die Katze ist frei und unabhängig. Für ihre Freiheit zahlte sie einen hohen Preis: ein Bein. Trotzdem gibt die Katze ihre Freiheit nicht auf.
Wenn es dir gelänge, den Protagonisten diese Sichtweise vermitteln zu lassen, sähe ich die Katze in einem anderen Licht.


Zitat
Zitat
Wahrscheinlich wäre ich zum Ergebnis gekommen, die Schnur sei die titelgebende Nabelschnur und symbolisiere Leben: als sie reißt, ist er tot.
Das überrascht mich. Bei "Nabelschnur" denke ich nicht zuerst an Leben, sondern zuerst an Mutter-Kind-Bindung.
Oh, das geht mir nicht anders.  ;D
Aber da sich nicht einmal mehr im Titel ein Hinweis auf die Mutter finden lassen würde, hätte ich ihr auch keine Rolle in der Geschichte zugedacht. Wie sollte ich die Mutter mit dem Protagonisten in Bezug setzen können, wenn sie nicht auftaucht. Damit meine ich nicht, dass die Mutter persönlich in Erscheinung treten sollte. Doch wenn es in dieser Geschichte um Bindung geht, muss da in meinen Augen mehr sein, als ein bindendes Objekt (die Schnur) oder ein Titel. Bindung ist emotional. Insbesondere eine Bindung, die ein Leben prägt und letztlich dessen Ende bedingt.
 

Zitat
Zitat
Was ist mit der Mutter? Ist es ihre Anwesenheit oder Abwesenheit, die den Protagonisten so plagt?
Es ist nicht wichtig, ob die Mutter da ist oder nicht - nicht einmal, ob sie lebt oder tot ist. Was ihn plagt, ist die Bindung an sie.
Wenn die Randbedingungen unwichtig sind, brauchst du die kleinen Details dieser Bindung. Die können persönlich, individuell oder aber sehr gut beobachtete Allgemeinplätze sein (hier würd mir spontan wenig einfallen).


Zitat
Zitat
Was hat es mit der Katze auf sich? Gehörte sie der Mutter und will nicht verschwinden? Oder handelt es sich beispielsweise um die Katze einer verehrten, doch fremd gebliebenen Nachbarin, die ihm einmal dieses spezielle Lächeln schenkte, das nur ihm und ihm allein gehörte.
Nein, das würde die Katze zum Objekt machen, zum Gegenstand. Sie ist nicht die Katze von jemandem, der eine Bedeutung für den Protagonisten hat. Sie ist selbst jemand, der eine Bedeutung hat.
Schwierig in dieser KG umzusetzen, wie ich finde. Wenn die Katze zu viel Persönlichkeit bekommt oder du herausarbeitest, wofür sie für den Protagonisten steht (Freiheit, Lebenslust, Mut, was auch immer), benötigst du ein ähnlich prägnantes Gegengewicht, das die Mutter-Kind-Bindung in den Vordergrund rückt, damit dein eigentliches Thema nicht verwässert. Das geht, denke ich, aber leicht ist das nicht. Persönlichkeiten werden stärker wahrgenommen als die kleinen Details oder auch Objekte wie die Schnur. Aber da die Schnur das Ungewöhnlichste an der Geschichte ist, sollte sich das machen lassen.


Zitat
Zitat
Muss es ein weißer Kieselstein sein oder könnte an dieser Stelle beispielsweise ein Baumstumpf stehen, jenes Überbleibsel einer abgesägten Kastanie und einer überbehüteten Kindheit, wo der Protagonist einst geklettert und gestürzt war?
Der Protagonist markiert mit weißen Kieselsteinen seinen Radius. Also kann es kein Baumstumpf sein. Aber dieses Radius-Markieren ist den anderen Röstern auch nicht klar genug geworden. Das muss ich noch deutlicher herausarbeiten.

Zitat
Oder anders gefragt: Warum ist der Markierungspunkt an dieser Stelle? Die Punkte bilden einen Kreis mit einer Mitte, aber die äußeren Punkte wären beliebig, also warum diese eine Stelle?
Weil die Katze immer auf dem Gartenweg sitzt. Dieser spezielle Kieselstein markiert also den äußersten Punkt des Kreises auf dem Gartenweg.
Hm. Ich denke schon, dass den meisten klargeworden ist, der Protagonist markiert da seinen Radius. Problem scheint mir vielmehr das Motiv zu sein. Warum kann er nicht weiter - weil die Schnur das nicht hergibt. Aber warum? Daher auch meine Beispielfragen.
Das Austesten seiner Grenzen erfolgt in bisheriger Form technisch, da fehlt die Rolle von Emotionen, die Grundlage jeder Beziehung sind.

Zitat
Zitat
Hört er im Keller vielleicht die Schreie seiner Mutter, eingebildet oder real?
Warum sollte seine Mutter schreien?
Ach, das soll die gar nicht unbedingt. Aber wie ich dir schrieb: Der Titel "Mutter" gab mir einen Schlüssel in die Hand, bloß fand ich nicht die Tür.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, das mir nichts über die Mutter-Kind-Bindung klar geworden ist. Ich weiß weder wie er über sie denkt, noch was diese Person ausmachte und erst recht nicht, warum diese Bindung einen tödlichen Ausgang nimmt.
Klar ist mir nur, dass die Schnur ihn festhält und der Protagonist darauf bedacht ist, die Schnur nicht reißen zu lassen. Für eine Bewertung, Verständnis und ja, auch Akzeptanz dieser Tatsache fehlt mir das Fundament im Text.

Zitat
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Findet er dort Spielsachen aus seiner Kindheit: Das Fahrrad, das er nie benutzen durfte oder zu seiner Überraschung ein Sammelwerk aus unerfüllten (z. B. Weihnachts- und Geburtstags-) Wünschen, die sich stapeln wie die Anklageschrift einer vermeintlich besseren Kindheit?
Das mit den Spielsachen passt nicht, aber ich verstehe, was Du meinst: Es geht darum, den Protagonisten und seine Geschichte besser kennenzulernen. Ich habe diesen Punkt schon auf meiner ToDo-Liste notiert, habe im Moment dazu aber noch keine Ideen.
Freut mich, zu sehen, das sich die Geschichte in eine solche Richtung bewegen soll. Je nachdem, wie sehr du inhaltlich änderst, ließen sich an zahlreichen Stellen Hinweise einbauen. Es ist eine Groteske, das gibt eine Menge her. Was findet er im Kühlschrank, wie sieht sein Haus aus, was verbrennt er im Feuer, etc.

Gutes Gelingen!  :kraul:


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Re: Nabelschnur
« Antwort #29 am: 10 März 2018, 13:28:59 »
Auf Mutter-Kind Beziehung wäre ich deshalb nie gekommen, weil ich keine Assoziation von Mutter zu Keller habe. Liegt vielleicht an den Kellern, die ich so kenne. Und die Katze als Symbol für Freiheit würde bei mir fuktionieren, wenn das später käme und ich etwas mehr verstanden hätte. Es kann aber auch sein, dass ich der falsche Leser für diese Art von Geschichten bin.

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Offline Zitatus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #30 am: 12 März 2018, 07:51:57 »
Hallo nus!

Die Geschichte ist echt problematisch. Ich konnte sie mehr fühlen als verstehen. Außerdem muss ich zugeben, dass ihr Sinn erst durch die neue Überschrift für mich verständlich wurde - und durch die folgenden Röstungen. Der Text für sich allein genommen, funktioniert nicht richtig.

Im ersten Viertel dachte ich noch, dass der Protagonist ein Hund sein könnte, der an der Kette gefesselt von einer Katze genervt ist. Erst als die Bekleidung erwähnt wurde, begann ich umzudenken. Huch! Kein lustiger Text. Was Ernstes!

Was folgt, wirkt sehr psychedelisch ... wie eine Traumsequenz. Doch wenn ich diese als solche lese, brauche ich den Schlüssel zum Verständnis. Der kommt erst mit dem Wort "Nabelschnur". Trotzdem wird nicht jede Symbolik für mich verständlich (dreibeinige Katze z.B. hat bestimmt was zu bedeuten. Nur was?) und deshalb bleibt mit dem Schluss des Textes auch eine gehörige Portion Ratlosigkeit bei mir zurück, weil die Auflösung an sich keine ist.
  • Ich schreibe gerade: Der Letzte macht dein Licht aus / Daimonia

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #31 am: 16 März 2018, 12:00:17 »
Liebe Nightingale!

Zitat
Glückskatze:
Falsche Assoziationen entstehen ja meist, weil dem Leser die gewünschten nicht klar werden. Die Katze ist wichtig, das erkennt der Leser und so reimt er sich was zusammen. Lilith verlieh den Augen Bedeutung, ich der Bezeichnung Glückskatze ...
In deiner Antwort finde ich etwas, das mir im Text nicht derart bewusst wurde: Die Katze ist frei und unabhängig. Für ihre Freiheit zahlte sie einen hohen Preis: ein Bein. Trotzdem gibt die Katze ihre Freiheit nicht auf.
Wenn es dir gelänge, den Protagonisten diese Sichtweise vermitteln zu lassen, sähe ich die Katze in einem anderen Licht.
Ah, verstanden. Das kriege ich hin.

Zitat
Mutter-Kind-Bindung:
Oh, das geht mir nicht anders.  ;D
Aber da sich nicht einmal mehr im Titel ein Hinweis auf die Mutter finden lassen würde, hätte ich ihr auch keine Rolle in der Geschichte zugedacht. Wie sollte ich die Mutter mit dem Protagonisten in Bezug setzen können, wenn sie nicht auftaucht. Damit meine ich nicht, dass die Mutter persönlich in Erscheinung treten sollte. Doch wenn es in dieser Geschichte um Bindung geht, muss da in meinen Augen mehr sein, als ein bindendes Objekt (die Schnur) oder ein Titel. Bindung ist emotional. Insbesondere eine Bindung, die ein Leben prägt und letztlich dessen Ende bedingt.
Auch verstanden. Und inzwischen verstehe ich immer mehr das grundsätzliche Problem des Textes. Ich bleibe darin zu vage. Aber diese Erkenntnis gibt mir sehr gute Anhaltspunkte für die Überarbeitung.

Zitat
Rolle der Katze:
Schwierig in dieser KG umzusetzen, wie ich finde. Wenn die Katze zu viel Persönlichkeit bekommt oder du herausarbeitest, wofür sie für den Protagonisten steht (Freiheit, Lebenslust, Mut, was auch immer), benötigst du ein ähnlich prägnantes Gegengewicht, das die Mutter-Kind-Bindung in den Vordergrund rückt, damit dein eigentliches Thema nicht verwässert. Das geht, denke ich, aber leicht ist das nicht. Persönlichkeiten werden stärker wahrgenommen als die kleinen Details oder auch Objekte wie die Schnur. Aber da die Schnur das Ungewöhnlichste an der Geschichte ist, sollte sich das machen lassen.
Herausforderung angenommen!  :cheerful:

Zitat
Hm. Ich denke schon, dass den meisten klargeworden ist, der Protagonist markiert da seinen Radius. Problem scheint mir vielmehr das Motiv zu sein. Warum kann er nicht weiter - weil die Schnur das nicht hergibt. Aber warum? Daher auch meine Beispielfragen.
Das Austesten seiner Grenzen erfolgt in bisheriger Form technisch, da fehlt die Rolle von Emotionen, die Grundlage jeder Beziehung sind.
Finger auf einer weiteren Schwachstelle des Textes *autsch*: fehlende Emotionen.  :blush:
Weißt Du, ich glaube, ich habe mich bisher einfach nicht da rangetraut. Aber das kann ja noch werden. Schriftstellerei bedeutet letztlich auch Mut ...

Zitat


Zitat
Die Mutter:
Der Titel "Mutter" gab mir einen Schlüssel in die Hand, bloß fand ich nicht die Tür.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, das mir nichts über die Mutter-Kind-Bindung klar geworden ist. Ich weiß weder wie er über sie denkt, noch was diese Person ausmachte und erst recht nicht, warum diese Bindung einen tödlichen Ausgang nimmt.
Klar ist mir nur, dass die Schnur ihn festhält und der Protagonist darauf bedacht ist, die Schnur nicht reißen zu lassen. Für eine Bewertung, Verständnis und ja, auch Akzeptanz dieser Tatsache fehlt mir das Fundament im Text.
Da sind sie wieder, die Schwachstellen. Kümmeremichdrum ...  ;)

Zitat
Gutes Gelingen!  :kraul:

Danke! Das kann ich gebrauchen ...
 :-*

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #32 am: 16 März 2018, 12:02:22 »
Lieber Trip

Zitat
Es kann aber auch sein, dass ich der falsche Leser für diese Art von Geschichten bin.

Nun gib mich und meine Geschichte doch nicht so schnell auf. Ich denke, Dein fehlendes Verständnis hat erst mal mit den Schwachstellen des Textes zu tun. Ich arbeite dran ...

 :) nus

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #33 am: 16 März 2018, 12:06:39 »
Lieber Zit!

Zitat
Die Geschichte ist echt problematisch. Ich konnte sie mehr fühlen als verstehen.
(...)
Was folgt, wirkt sehr psychedelisch ... wie eine Traumsequenz. Doch wenn ich diese als solche lese, brauche ich den Schlüssel zum Verständnis. Der kommt erst mit dem Wort "Nabelschnur". Trotzdem wird nicht jede Symbolik für mich verständlich (dreibeinige Katze z.B. hat bestimmt was zu bedeuten. Nur was?) und deshalb bleibt mit dem Schluss des Textes auch eine gehörige Portion Ratlosigkeit bei mir zurück, weil die Auflösung an sich keine ist.

Ich denke, der Kern ist, dass für mich das Bild der Nabelschnur so stark und so klar ist, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie kryptisch das alles für den Leser rüberkommen muss. Die Rückmeldungen haben mir das Problem aber sehr deutlich aufgezeigt.
lg
nus

Offline nus

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Re: Nabelschnur
« Antwort #34 am: 16 März 2018, 12:07:57 »
@all:

An alle Röster noch mal herzlichen Dank!
Für die nächste Überarbeitungsrunde habe ich eine große Schachtel voller allerfeinster Hinweispralinen. Kann es kaum erwarten, sie aufzumachen.

 :lover:
nus