Autor Thema: Was lest ihr gerade? (2018)  (Gelesen 3284 mal)

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Offline Nimmer

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Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Antwort #40 am: 25 Oktober 2018, 20:52:25 »
"Dark Orbit" von  Carolyn Ives Gilman habe ich inzwischen seit einiger Zeit durch - der generelle Eindruck ist geblieben: es gibt interessante Ideen, die leider nicht interessant umgesetzt werden. Es baut sich keine Spannung auf, die Charaktere kümmern mich wenig und die "science" dieser science fiction Geschichte macht recht schnell einer Mystik platz (die nicht uninteressant ist, aber wie alles recht zahm bleibt).

Dafür habe ich endlich mit "Metro 2033" angefangen. Zu viel Exposition, nach meinem Geschmack. Der Protagonist wird auf ungefähr Seite 120 aktiv - dafür weiß ich aber schon recht viel darüber, was alles Interessantes passiert, wo der Protagonist nicht ist. Aber das Setting ist cool.
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Offline Lilith

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Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Antwort #41 am: 29 Oktober 2018, 10:13:21 »
Gerade lese ich The Hero With A Thousand Faces von Joseph Campbell, der beste Zufallsfund, den ich auf einem Bücherflohmarkt gemacht habe. :cheerful: Gut, war ein Uni-Flohmarkt, das erklärt's, aber trotzdem.

Davor, unsortiert:
Die Mansarde von Marlen Haushofer. Ich liebe Haushofer ja, seit ich vor zehn Jahren Die Wand gelesen habe. Aber Die Mansarde übertrifft das noch mal an Intensität.
Die Therapie von Sebastian Fitzek. Oh je. Ich schweige dazu lieber. ;D
Tipps und Tricks bei Schreibblockaden von Helga Esselborn-Krumbiegl, das weit über seinen Titel hinausgeht und allgemein unglaublich viele Aspekte des Schreibprozesses beleuchtet und dabei auf die Schreibgewohnheiten diverser bekannter Autoren eingeht.
Checkliste Schreibprozess von Christian Wymann und Franz Neff.
Trauma und Gedächtnis von Peter A. Levine.
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"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Offline Uli

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Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Antwort #42 am: 01 November 2018, 23:36:33 »
leider nur angelesen:

Johann August Schülein, Psychotechnik als Politik.

Ich war bei meinen Leihenkeln, die schliefen, deren Mutter (studiert soziale Arbeit) musste eine neue Gasflasche besorgen und das Buch lag rum, also schaute ich rein ...

und war begeistert!
Von dieser hochkomplexen Sprache, den endlos langen Sätzen, und all dem ...
Ein Satz, der etwas zusammenfassen soll und mit den Worten ˋmit einem Wort:´ beginnt und sich dann über mehrere Zeilen erstreckt ... hach  :cheese:

Zudem traf das Ganze auch noch inhaltlich auf einen Nerv: Der gute Mann zerlegt den Watzlawick (der mit dem ˋman kann nicht nicht Kommunizieren ´ auf eine gründliche, aber letztlich durchaus wohlwollende Art - und schon die ersten paar Seiten waren ... lehrreich und erhellend.

Tja.
Dann wurde Adam (3) wach und war gar nicht begeistert von Mutters Abwesenheit und ich musste das Ding weglegen.
Vorerst.
Aber nach der Semesterarbeit bekomme ich das Tel ausgeliehen und freue mich schon darauf.

Offline eska

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Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Antwort #43 am: 02 November 2018, 13:58:53 »
Zwischendurch immer mal wieder 'Story' von R. Mc Kee. Das wundert wahrscheinlich keinen.  ;D

Dann Ian Mortimer: Im Mittelalter. Handbuch für Zeitreisende.
sowie: Zeiten der Erkenntnis. Wie uns die großen historischen Veränderungen bis heute prägen.
Locker und interessant, vor allem die Auswahl (mit Begründung) spannend.

Stückchen aus: Manfred Hausmann, Allem danke ich und allen. Prosa, Briefe, Gedichte.
Hat mich sehr berührt. Ein Autor, der von sich selber sagt, er stehe "ratlos und bestürzt vor der Gebrochenheit des Lebens in all seinen Erscheinungen" und doch "zu seiner unaufhörlichen Verwunderung nicht ohne Vertrauen zum Leben, zu sich selbst, zu den Menschen und (...) zu Gott".

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger. (Life of Pi)
Gefiel mir, vor allem allerdings am Anfang, die Geschichten um den Zoo, die wunderbare Vereinbarkeit dreier Religionen in einem Herzen...

Anne Müller: Sommer in Super 8.
Neuerscheinung 2018.
Sympathisch und manchmal hintergründig geschriebene Familiengeschichte aus dem hohen Norden, wo gar nicht alles so friedlich ist, wie es aussieht.

Neulich nachts: Kate Di Camillo: Die wundersame Reise des Edward Tulane. (Kinder- und Jugendbuch mit Tiefgang, wer 'Winn-Dixie' von der Autorin mag  :ichich:, hat gute Chancen, dieses auch zu mögen)

Gestern (zu einem Drittel): Eric Vuillard, L'ordre du jour. (dtsch. Die Tagesordnung) Hat den Prix Goncourt 2017 bekommen. Liest sich hervorragend und beklemmend. Deutliche Empfehlung!
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Offline FF

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Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Antwort #44 am: 02 November 2018, 16:57:44 »
"Im Land der Tschuktschen" von Tichon Sjomuschkin.

Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1952. Das hat mich schon ein wenig vorgewarnt: Zu lesen gab es nicht etwa eine spannende Geschichte aus dem Alltagsleben der Rentierhirten und Seehundjäger im fernen Sibirien, sondern die Geschichte ihrer Umerziehung zu normgerechten Sowjets in den Jahren 1928 bis 1938. Ihre Kinder lernten lesen und schreiben, durften sich fürLenin und Stalin begeistern, lernten sich zu waschen, in Betten zu schlafen und gesalzenes Zeug zu essen, und alle wurden nach und nach gegen ihre Schamanen aufgehetzt, bis sie am Schluss allesamt glücklich und gleichgeschaltet am Jahrestag der Oktoberrevolution sowjetisches Liedgut sangen und jeden Beschluss nur noch in moskaugesteuerten Kommittees fassen konnten. Das verkaufte man ihnen unter dem Stichwort "Endlich könnt ihr selbst über euer Leben entscheiden".


Warum habe ich das überhaupt gelesen? Weil immerhin am Anfang viel ursprüngliche Kultur gezeigt wird, die dann zwar systematisch ausgemerzt wird, mir aber trotzdem Hinweise für "Die Geister von Talarea" gibt. Aber die ideologische Schönfärbung durch den Autor ist schon ziemlich unerträglich. Alles war super, alle sind glücklich, dass sie jetzt endlich eine zivilisierte Gesellschaft sind, und die bösen Schamanen werden für ihre Anmaßung, das Volk beherrschen zu wollen, übel bestraft.


Meine Wertung:
3/10 Kindern, die erstmal unter dem Bett schlafen



Nachdem ich mit dem Lesen fertig war, hab ich mal im Netz geguckt, wie es denn den sowjetifizierten Tschuktschen heute so geht. Und siehe da, es geht ihnen genauso wie allen anderen indigenen Völkern, die wahlweise von den Sowjets oder vom Klassenfeind zivilisiert wurden: Sie hausen in Baracken, sind von Strom und Öl abhängig, müssen Konservenfraß essen und haben extreme Alkohol- und Drogenprobleme. Aber viele Jüngere sind bereits wieder zur alten Lebensweise zurückgekehrt. Nur gibt es dank der Fürsorge und Weitsicht der großen Staaten bald kein Eis, keine Seehunde, keine Walrösser und für diese Menschen keine Lebensgrundlage mehr.
« Letzte Änderung: 02 November 2018, 17:09:15 von FF »
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