Autor Thema: Daimonia - Einstiegszene  (Gelesen 823 mal)

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Offline Zitatus

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Daimonia - Einstiegszene
« am: 08 Januar 2018, 07:20:16 »
Guten Morgen, liebe Teufels!

Nachfolgend meine kurze Einfühhrungsszene in mein neues Projekt. Ich versuche hier auf sehr indirekte Weise meinen Protagonisten zu beschreiben. Ich weiß, dass das für ein komplettes Bild nicht ausreicht - da wird noch mehr kommen, im Laufe des folgenden Textes. Trotzdem würde es mich interessieren, welchen Eindruck ihr von der Figur bekommt.

------------------

Kennt ihr diese Tage, an denen die Sonne so heiß vom Himmel strahlt, als wäre es der letzte echte Sommertag? Aber dort hinten, am Horizont sammeln sich stahlgraue Wolken, mit Blitz und Donnergrollen, um so zu tun, als würden sie vom nahenden Inferno berichten? Kennt ihr diese Tage?
Nun ... Über mir strahlte die Sonne heiß vom Himmel. Es war der letzte Sommertag. Und am Horizont türmten sich im tiefsten Schwarz die Wolken auf. Sie kündigten das Ende der Welt an.
„Gleich ist es soweit“, krächzte der Rabe auf meiner Schulter. Seine Tonlage ließ keinen Zweifel daran, dass er sich auf den bevorstehenden Höhepunkt unserer kleinen Geschichte freute. Mit jeder Silbe, die ihm über scharfen Kanten seines Schnabels entkam, ruckte sein Kopf aufgeregt vor und zurück. Dabei wechselte sein Stand von einem Bein auf das andere. Ich spürte seine kleinen Krallen. Abwechselnd kratzten und bohrten sie sich in meine Haut. Vielleicht wollte er mich auf diese Weise zu einer Reaktion provozieren.
Demonstrativ gelassen drehte ich mich um.
„Eh“, beschwerte sich das Krähenvieh. Mit flatternden Flügeln hopste er auf mir herum. „Ich will das sehen.“ Mit einem Satz sprang er hinüber auf das Geländer des Balkons.
Ohne ihm zu antworten, schob ich die Glastür einen Spaltbreit auf und zwängte mich zurück in die Wohnung. Das kleine Wohnzimmer nahm ich kaum wahr. Meine Füße trugen mich in das Badezimmer bis zum Waschbecken. Ich kletterte auf das Höckerchen, hielt mich dabei am Rand des Porzellans fest und blickte in den Spiegel.
„Willst dich für den großen Tag noch rasieren?“ Wider Erwartens war mir der Rabe doch gefolgt. „Staatsmachen? Mit dem Waschlappen mal durch das Gesicht gehen? Und vielleicht die Haare schneiden?“ Er flog auf seinen angestammten Platz, lugte in mein Ohr. „Die in den Ohren? Etwas Schminke könntest du auch auftragen. Dein grüner Teint schlägt wieder durch.“
Eigentlich wollte ich nicht sprechen. Ich tat es trotzdem: „Ob ich die Sache noch schlimmer machen würde, wenn ich dir jetzt den Hals umdrehe?“
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Offline Xaranis

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #1 am: 08 Januar 2018, 10:52:26 »
Hmmm,
bis auf die Tatsache, dass er ziemlich abwesend wirkt und nen Vogel hat kann ich da noch wenig herauslesen.
Wortkarg ist er. Und ziemlich gleichgültig, irgendwie. Obwohl da draußen grade die Welt untergeht. Ich würde sogar sagen, apathisch, als hätte er etwas eingeworfen oder durchlebte eine tiefe Depression.
Ich kann mit ihm an der Stelle noch wenig anfangen, was bei seiner Passivität wohl auch kein Wunder ist. Im Gegensatz zum Vogel, der ganz klar nach Aufmerksamkeit verlangt und einen ziemlich vorwitzigen Eindruck macht, so wie kleine Kinder einem pausenlos am Ärmel zucken, wenn sie etwas wollen. Aber du wolltest ja gezielt eine indirekte Charakterisierung. 
Ich hoffe, das entspricht dem, was du vermitteln wolltest.
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Offline Rilyn

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #2 am: 08 Januar 2018, 12:03:14 »
Hoi Zitatus,

Da es explizit um die Charakterisierung geht:

Zitat
Kennt ihr diese Tage, an denen die Sonne so heiß vom Himmel strahlt, als wäre es der letzte echte Sommertag? Aber dort hinten, am Horizont sammeln sich stahlgraue Wolken, mit Blitz und Donnergrollen, um so zu tun, als würden sie vom nahenden Inferno berichten? Kennt ihr diese Tage?
Nun ... Über mir strahlte die Sonne heiß vom Himmel. Es war der letzte Sommertag. Und am Horizont türmten sich im tiefsten Schwarz die Wolken auf. Sie kündigten das Ende der Welt an.
Falls es um einen Roman ginge, hätte der Ich-Erzähler mit den fett geschriebenen Teilen des Absatzes schon so gut wie vergrault, denn ich kann diesen Tonfall nicht ausstehen. Ich muss zwar eine Romanfigur nicht mögen, um mit ihr zu fühlen, aber er nervt mich. Grund dafür ist nur bedingt die direkte Ansprache; vor allem liegt's an den Wiederholungen, die einfach nicht nötig sind, das Bild ist obendrein noch schief, weil sie einander nicht genau entsprechen, und dazu vier Fragezeichen, nach denen er für mich nur noch klingt wie "na, kennst du das? Na? Naaaaa? ... und darunter geht der Weltuntergang völlig unter.

Eindruck von der Figur: 60+ und jovial.

Dann sind ein paar Erbsen drin wie das Kopfrucken des Raben mit jeder Silbe. Der Arme bekommt ja ein Schleudertrauma. :grinwech:
Und das "Krähenvieh" ... zwar auch Rabenvögel, aber bleibt bei einem: was ist er nun, Rabe oder Krähe? "Rabenaas" fällt mir als mögliche Alternative ein.

Eindruck von der Figur: verschiebt sich etwas Richtung Zyniker, aber immer noch gehobenen Alters.

Zitat
schob ich die Glastür einen Spaltbreit auf und zwängte mich zurück in die Wohnung.
Weshalb zwängen? Geht die nicht weiter auf?
Das ergibt nur Sinn vor dem Hintergrund des Eindrucks, den ich erst am Ende des Abschnitts gewinne, siehe dort.

Und:
Zitat
Das kleine Wohnzimmer nahm ich kaum wahr.
Ist es wichtig? Denn es bekommt fürs Beinahenichtwahrnehmen einen kompletten Satz für sich. Damit stolpere ich noch mehr über die Charakterisierung der Figur.

Zitat
Ich kletterte auf das Höckerchen, hielt mich dabei am Rand des Porzellans fest und blickte in den Spiegel.
Warte - ein Kind?
Oder aus anderen Gründen klein?

Rasieren: Okay, also doch ein Mann.

Grüner Teint: ein Zombie? Ein Ork, ein Dämon ...?

Und ja, er würde die Sache aus meiner Sicht schlimmer machen, denn ich mag den Raben. :grinwech:

Vielleicht liegt es an mir und meinem Erkältungsschädel, aber ich bekomme keinen Eindruck von der Figur; dafür verstricke ich mich zu sehr im Rätselraten und widersprüchlichen Ansätzen eines Eindrucks. Eine weitere Schwierigkeit ist dabei, dass zwar das Weltende angekündigt wird, aber über den gesamten Text nichts von Interesse geschieht; nicht, wie die Figur dazu steht, nicht einmal, was sie vor dem Spiegel will. Das stellt der Rabe ganz zurecht in Frage. Käme jetzt eine Spiegelszene des Aussehens wegen, wäre ich komplett raus, falls mich der Rabe bis hier bei der Stange gehalten hätte.

Aufgrund der mangelnden Story bin ich auch noch nicht wirklich interessiert, worum es geht, aber als Teufelchen und Rabenaas schon. :cheese:

Liebe Grüße, :kaffee2:
Ril
« Letzte Änderung: 08 Januar 2018, 12:22:13 von Rilyn »
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Offline Uli

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #3 am: 08 Januar 2018, 15:42:18 »
oy ... eine echte Herausforderung (zumindest meldet das Schnupfenhirn ein Das-ist-nicht-einfach)

Also ... erst mal die Antwort, die mir spontan eingefallen ist:

Ein Gott, der nicht mehr an sich glaubt. Nicht an sich, nicht an das, wofür er ˋsteht ´, nicht an das Schicksal, dass er selber bestimmt.
Ein Gott mit Burnout-Syndrom, kurz vor der Erfüllung der letzten Prophezeiungen.
Der den letzten Teil der Show noch durchzieht, weil sein Hausarzt ihn nicht krankschreiben wollte oder weil ihm einfach nichts anderes mehr einfällt - Spass macht das jedenfalls schon lange nicht mehr.
Diese ganze Vorsehungs-Geschichte ist viel zu ... vorhersehbar geworden.
Echt mal, dass dafür immer noch Leute Eintritt bezahlen - unfassbar.
Aber OK, ist ja egal - machen wir die Nummer halt noch ...

Der Rabe ist mittlerweile lästig - ja, damals, da war er ein Ratgeber, ein kluger Kopf, der auf all die kleinen Feinheiten geachtet hat. Und? Welchen Rat braucht es denn jetzt noch? Die Sache läuft, die Show ist durchgeplant, und keine Sau wird bemerken, dass der Hauptakteur nicht so richtig gut drauf ist.

Game over, Punktestand ... ach, egal.
Also noch den Rest geben.
Wie langweilig.
Und es ist nichtmal irgendwelcher Schnaps in der Garderobe zu erwarten, weil ... eben: Es gibt keine Garderobe mehr. dann.
Und auch keine Kritiken.
(An wen stellt sich die Frage, ob man diese Art Tage kennt? An niemand ... es gibt niemand, auf dessen Antwort er noch wert legen würde.

Nur der Rabe hat noch einen winzigen Zugang, erreicht noch etwas, was früher vielleicht mal Gefühle waren ...
Vielleicht, weil er schon so lange bei ihm ist? Vielleicht, weil ...
Vielleicht ist der Rabe der, der die Handlung trägt, der Protagonist.

....
OK, unsortiert und ohne weitere Analyse daherinterpretiert.
Und ... ja. Interessiert mich. Genug, um weiter zu lesen.

cheers, Uli

Offline Ayira

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #4 am: 08 Januar 2018, 16:35:09 »


Nachfolgend meine kurze Einfühhrungsszene in mein neues Projekt. Ich versuche hier auf sehr indirekte Weise meinen Protagonisten zu beschreiben. Ich weiß, dass das für ein komplettes Bild nicht ausreicht - da wird noch mehr kommen, im Laufe des folgenden Textes. Trotzdem würde es mich interessieren, welchen Eindruck ihr von der Figur bekommt.



Ich finde es eine interessante Art und Weise, einen Ich-Erzähler vorzustellen. Die Assoziation mit Gott kam mit dem Text, der Rabe leistete seinen Beitrag - irritiert hat mich nur der grüne Teint. Weckt aber Interesse, um weiterzulesen, ob Gott eine Art Oger á la Schreck ist. Keine Ahnung, ob du das beabsichtigt hast?

Deine Texte lesen sich ja immer flüssig, allerdings bin ich über diesen Begriff gestolpert: Staatsmachen.
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Offline Trippelschritt

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #5 am: 09 Januar 2018, 07:07:18 »
Ich will ja nicht bösartig sein  :diablo: (oder vielleicht doch?) ...
Der Protagonist der Geschichte ist ein Vogel, der in einer Rahmenhandlung von einem grüngesichtigen Ich-Erzähler vorgestellt wird.
Aber so schreibt der Zitatus normalerweise nicht.

Über das "Ich" erfahre ich so gut wie nichts. Nur, dass er schwarze Wolken für Vorboten eines Weltuntergangs hält und mit einem Raben befreundet ist. Und selbst das "er" ist eine Annahme von mir.

Liebe Güße
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #6 am: 09 Januar 2018, 20:31:32 »
Morgen antworte ich einzeln. Aber: Mit den Reaktionen bin ich echt zufrieden, da ich im Großen und Ganzen euch da habe, wo ihr an der Stelle sein sollt. Supi!
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #7 am: 10 Januar 2018, 08:17:47 »
ziemlich gleichgültig, irgendwie. Obwohl da draußen grade die Welt untergeht.
Die bei Dir erzeugte Stimmung passt schon mal. Hattest du am Ende des Textes das Gefühl, dass "ich" äußerlich ein normaler Mensch ist?
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Offline Xaranis

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #8 am: 10 Januar 2018, 08:43:39 »

Die bei Dir erzeugte Stimmung passt schon mal. Hattest du am Ende des Textes das Gefühl, dass "ich" äußerlich ein normaler Mensch ist?

Normale Menschen haben selten einen sprechenden Raben. Außerdem hast du am Ende erwähnt, dass er grün im Gesicht ist - und das stach für mich im Text so hervor, dass ich denke, es ist schwer, das zu übersehen.
Ein Problem habe ich allerdings. Da der Rabe den aktiven Part spielt und dein Prota einen passiven Part, habe ich mich statt mit dem Prota mit seinem Raben identifiziert.
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #9 am: 10 Januar 2018, 08:51:38 »
Falls es um einen Roman ginge, hätte der Ich-Erzähler mit den fett geschriebenen Teilen des Absatzes schon so gut wie vergrault, denn ich kann diesen Tonfall nicht ausstehen.
Hm. Der Tonfall ist durchaus beabsichtigt. Legst Du Deine Sympathien zu einem Buch immer in die ersten Zeilen?

Zitat
Ich muss zwar eine Romanfigur nicht mögen, um mit ihr zu fühlen, aber er nervt mich. Grund dafür ist nur bedingt die direkte Ansprache; vor allem liegt's an den Wiederholungen, die einfach nicht nötig sind, das Bild ist obendrein noch schief, weil sie einander nicht genau entsprechen, und dazu vier Fragezeichen, nach denen er für mich nur noch klingt wie "na, kennst du das? Na? Naaaaa? ... und darunter geht der Weltuntergang völlig unter.
Würde der Text ohne die direkte Ansprache denn für Dich besser funktionieren? Die Darstellung der Zukunft abgeleitet aus einem Klischee möchte ich unbedingt einsetzen.

Zitat
Eindruck von der Figur: 60+ und jovial.
Warum das Alter?

Zitat
Eindruck von der Figur: verschiebt sich etwas Richtung Zyniker, aber immer noch gehobenen Alters.
Zyniker wäre ein Volltreffer für mich. Nur das Alter nicht.

Zitat
Zitat
schob ich die Glastür einen Spaltbreit auf und zwängte mich zurück in die Wohnung.
Weshalb zwängen? Geht die nicht weiter auf?
Das ergibt nur Sinn vor dem Hintergrund des Eindrucks, den ich erst am Ende des Abschnitts gewinne, siehe dort.

Und:
Zitat
Das kleine Wohnzimmer nahm ich kaum wahr.
Ist es wichtig? Denn es bekommt fürs Beinahenichtwahrnehmen einen kompletten Satz für sich. Damit stolpere ich noch mehr über die Charakterisierung der Figur.

Zitat
Ich kletterte auf das Höckerchen, hielt mich dabei am Rand des Porzellans fest und blickte in den Spiegel.
Warte - ein Kind?
Oder aus anderen Gründen klein?

Rasieren: Okay, also doch ein Mann.

Grüner Teint: ein Zombie? Ein Ork, ein Dämon ...?

100 Punkte. Die Story heißt "Daimonia".  :whee:

Zitat
Und ja, er würde die Sache aus meiner Sicht schlimmer machen, denn ich mag den Raben. :grinwech:
Der Rabe ist erst mal angelegt wie ein Sidekick. Er wird meinem Prota in Hassliebe begleiten.

Zitat
Käme jetzt eine Spiegelszene des Aussehens wegen, wäre ich komplett raus, falls mich der Rabe bis hier bei der Stange gehalten hätte.
Die Spiegelszene wollte ich eben vermeiden und über Andeutungen zeigen, dass der Prota (und auch sein Rabe) kleine Zyniker sind, die das Ende zwar kommen sehen, aber diesbezüglich nicht gerade in Panik verfallen. Der Roman wird ein Rückblick, wie es dazu kommt.
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #10 am: 10 Januar 2018, 08:55:37 »
@Uli.
Die Stimmung, die Du einfängst, trifft's. Deshalb bin ich sehr zufrieden.
Die Story, die Du dazu formulierst, würde ich gerne lesen. Hast Du nicht Lust, diese Kurzgeschichte fertigzuschreiben? (Das wäre was für die FF-Lesung)
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #11 am: 10 Januar 2018, 08:58:36 »
Hallo Ayira,
auch bei dir hat mein Text das gesteckte Ziel erreicht. Danke.

allerdings bin ich über diesen Begriff gestolpert: Staatsmachen.
Habe ich noch nie gehört und sagt mir gar nix ...
Staatsmachen = sich herausputzen für einen förmlichen Anlass
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #12 am: 10 Januar 2018, 09:05:06 »
Ich will ja nicht bösartig sein  :diablo: (oder vielleicht doch?) ...
Der Protagonist der Geschichte ist ein Vogel, der in einer Rahmenhandlung von einem grüngesichtigen Ich-Erzähler vorgestellt wird.
Aber so schreibt der Zitatus normalerweise nicht.
Ähm. Räusper. In Buchland ist Beatrice die Prota und Herr Plana (der Ich-Erzähler).
In "Der Letzte beißt die Hunde" ist Mimi die Prota und ihre Enkelin die Ich-Erzählerin.
Nur so angemerkt.
Der Ich-Erzähler im aktuellen Projekt wird nach dieser Einführungsszene aber noch aktiver. ;)

Zitat
Über das "Ich" erfahre ich so gut wie nichts. Nur, dass er schwarze Wolken für Vorboten eines Weltuntergangs hält und mit einem Raben befreundet ist. Und selbst das "er" ist eine Annahme von mir.
Du solltest etwas über seine Stimmung erfahren, seine Körpergröße (Hocker), seine Kraft (Schiebetür), sein Aussehen (Haut) und sein Verhältnis zum Raben. Eigentlich viel Infodump für den kurzen Text. Wenn's beim Leser nur unterbewusst stattfindet, ist es eigentlich gut verpackt.
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Offline Zitatus

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #13 am: 10 Januar 2018, 09:07:06 »

Die bei Dir erzeugte Stimmung passt schon mal. Hattest du am Ende des Textes das Gefühl, dass "ich" äußerlich ein normaler Mensch ist?

Normale Menschen haben selten einen sprechenden Raben. Außerdem hast du am Ende erwähnt, dass er grün im Gesicht ist - und das stach für mich im Text so hervor, dass ich denke, es ist schwer, das zu übersehen.
Ein Problem habe ich allerdings. Da der Rabe den aktiven Part spielt und dein Prota einen passiven Part, habe ich mich statt mit dem Prota mit seinem Raben identifiziert.
Das dürfte sich rasch ändern, wenn der Prota in den kommenden Szenen aktiver wird.
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Offline Trippelschritt

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #14 am: 10 Januar 2018, 12:52:56 »
Den Herrn Plana hast du ganz anders angelegt. Der ist recht aktiv und zieht sich dann aus dem Geschehen etwas zurück, um Beatrice Raum zu geben. Der einfachste Weg, jemanden zu charakterisieren ist immer noch, ihn agieren zu lassen. Das vielleicht mit zwei Gedanken gewürzt, einmal, was er gewohnt ist und einmal, was er gern tun würde (Vergangenheit und Zukunft), hast Du mit drei kurzen Sätzen bereits einen Kosmos aufgespannt.
Du hast etwas ganz anderes gewählt. In Deinem Text tritt der Erzähler aus dem Text heraus, bevor überhaupt eine Leserbindung eingetreten ist. Da geht es mir wie Ril. Ich gehe einen Schritt zurück und sehe mir den Text aus weiter Ferne an. Und dann brauche ich starkes Futter, um mich ihm wieder zu nähern. Das bekomme ich auch. Aber vom Raben. Der Rest ist für mich nicht weiter beachtenswert.
Kurzum: Wenn es nicht um den Raben gehen sollte, hast Du mich verloren. Kann aber sein, dass andere Leser das anders sehen. Man kann ja nie alle einfangen. Aber jetzt weißt Du jedenfalls, warum es Dir bei mir nicht geglückt ist.

Liebe Grüße
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Offline Rilyn

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #15 am: 10 Januar 2018, 14:53:48 »
Hoi Zitatus,

Falls es um einen Roman ginge, hätte der Ich-Erzähler mit den fett geschriebenen Teilen des Absatzes schon so gut wie vergrault, denn ich kann diesen Tonfall nicht ausstehen.
Hm. Der Tonfall ist durchaus beabsichtigt. Legst Du Deine Sympathien zu einem Buch immer in die ersten Zeilen?
Hmm, wenn sie mich dermaßen abschrecken: ja. Denn die ersten Zeilen sollten ja sehr durchdacht sein, weniger im Hinblick auf Sympathien als in Bezug auf die gesamte Geschichte, Figuren, Stimmung.

Zitat
Zitat
Ich muss zwar eine Romanfigur nicht mögen, um mit ihr zu fühlen, aber er nervt mich. Grund dafür ist nur bedingt die direkte Ansprache; vor allem liegt's an den Wiederholungen, die einfach nicht nötig sind, das Bild ist obendrein noch schief, weil sie einander nicht genau entsprechen, und dazu vier Fragezeichen, nach denen er für mich nur noch klingt wie "na, kennst du das? Na? Naaaaa? ... und darunter geht der Weltuntergang völlig unter.
Würde der Text ohne die direkte Ansprache denn für Dich besser funktionieren? Die Darstellung der Zukunft abgeleitet aus einem Klischee möchte ich unbedingt einsetzen.
Ohne direkte Ansprache: ja, definitiv, aber das reißt meinen Gesamteindruck nicht raus.

Zitat
Zitat
Eindruck von der Figur: 60+ und jovial.
Warum das Alter?
Das liegt an der Ausdrucksweise sowie der direkten Ansprache. Dieser Eindruck ist nicht besonders festgeklopft, nur ausreichend, dass ich über eine spätere Klarstellung als sehr jung stolpern würde.

Zitat
Zitat
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schob ich die Glastür einen Spaltbreit auf und zwängte mich zurück in die Wohnung.
Weshalb zwängen? Geht die nicht weiter auf?
Das ergibt nur Sinn vor dem Hintergrund des Eindrucks, den ich erst am Ende des Abschnitts gewinne, siehe dort.

Und:
Zitat
Das kleine Wohnzimmer nahm ich kaum wahr.
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Zitat
Ich kletterte auf das Höckerchen, hielt mich dabei am Rand des Porzellans fest und blickte in den Spiegel.
Warte - ein Kind?
Oder aus anderen Gründen klein?

Rasieren: Okay, also doch ein Mann.

Grüner Teint: ein Zombie? Ein Ork, ein Dämon ...?

100 Punkte. Die Story heißt "Daimonia".  :whee:
Hm, leider war das der einzige Grund, der mich auf "Dämon" brachte. ;)
Mein erster Eindruck war "Zombie", ohne weiteren Input hätte ich damit weitergelesen oder angenommen, dass der Rabe auf etwas anspielt, weswegen dem Charakter speiübel ist.
Die 100 Punkte kriege ich nicht wirklich, denn ich hätte sie nicht reingelesen, ich habe sie reingeröstet, überlegt und nachgelesen. Das würde ich im Buchladen nicht tun, ich würde mich bestenfalls wundern und schlimmstenfalls das Buch weglegen.

Zitat
Zitat
Käme jetzt eine Spiegelszene des Aussehens wegen, wäre ich komplett raus, falls mich der Rabe bis hier bei der Stange gehalten hätte.
Die Spiegelszene wollte ich eben vermeiden und über Andeutungen zeigen, dass der Prota (und auch sein Rabe) kleine Zyniker sind, die das Ende zwar kommen sehen, aber diesbezüglich nicht gerade in Panik verfallen. Der Roman wird ein Rückblick, wie es dazu kommt.
[/quote]
Hmm, die Szene wirkt nicht wie "fünf vor Zwölf", da alles noch still und friedlich ist. Die beiden reden nur darüber, es bedeutet ihnen nichts bis wenig. Beim Raben weiß ich es nicht, der scheint über den Dingen zu stehen, die Hauptfigur bleibt mir fremd ...
Versuch's vielleicht nochmal ganz neu mit einem aktiven Protagonisten. Denn da schon wenig geschieht, darf er ruhig selbst denken und handeln können. :)
Und zwar von Anfang an. Einen wirklichen Grund für eine Fremdcharakterisierung sehe ich bisher nicht, was, wenn der Charakter aktiver wird und der Text näher an seine Perspektive heranrückt, einen Bruch erzeugt, denn bis dahin bin ich entweder sehr weit weg von ihm oder schon beim Raben.

Wozu tut der kleine Dämon im Moment, was er tut? Gleich geht die Welt unter. Ich erwarte keine Panik, aber Motivation: was bringt ihn dazu, in den Spiegel zu schauen, würde er nicht lieber draußen warten wie der Rabe, weshalb nicht ...?


Liebe Grüße :kaffee2:
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Offline Xaranis

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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #16 am: 11 Januar 2018, 09:21:32 »
Möchte mich kurz einmischen.  :cheese:
Den Eindruck, der Prota sei ein alter Mann hatte ich auch.
Bei mir rührte der Eindruck aber eher aus der Resignation heraus.
Typischerweise haben junge Menschen (oder Kinder) ja noch viel Antrieb und stecken voller Tatendrang. Resignation findet man eher bei der älteren Generation (genug gekrückt, geschuftet, gebuckelt; negative Erfahrungen gemacht und enttäuscht worden)

Auch sonst muss ich Rilyn Recht geben. Die Szene wirkt nicht wie "fünf vor zwölf" sondern eher wie: "Ich hab keinen Bock mehr. Ich hör jetzt auf."
Du kannst kein "fünf vor zwölf"-Szenario schaffen, wenn du gegenüber dem Weltuntergang völlige Gleichgültigkeit ausdrückst. Das beißt sich. Wenn es den Prota nicht juckt - warum sollte es den Leser dann jucken?
Wenn du also vorhattest, durch die Szene einen übergeordneten Spannungsbogen zu zaubern, der über dem ganzen Rest des Buchs liegt (wie kam es dazu?) dann verfehlst du leider ganz klar die Wirkung.
« Letzte Änderung: 11 Januar 2018, 09:29:08 von Xaranis »
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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #17 am: 12 Januar 2018, 06:09:30 »
Die Szene wirkt nicht wie "fünf vor zwölf" sondern eher wie: "Ich hab keinen Bock mehr. Ich hör jetzt auf."
Ähm. Das ist die Wirkung, die ich erziehlen möchte.
Zitat
Du kannst kein "fünf vor zwölf"-Szenario schaffen, wenn du gegenüber dem Weltuntergang völlige Gleichgültigkeit ausdrückst.
Die Frage, die sich stellen soll, ist: "Ey, da steht der Weltuntergang bevor. Wieso ist dem Prota das so vollkommen Gleichgültig?"
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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #18 am: 12 Januar 2018, 06:58:50 »
Die Frage, die sich stellen soll, ist: "Ey, da steht der Weltuntergang bevor. Wieso ist dem Prota das so vollkommen Gleichgültig?"

Damit sich der Leser eine slche Frage stellt, muss er vorher ein Mindestmaß an Interesse an dem ganzen Szenario aufbauen oder Empathie für eine der Figuren. Wir hatten einmal im alten FF eine Diskussion über genau diesen Punkt und Uli hatte ein schönes Beispiel wie etwas wirkt und wie es nicht wirkt. Eine Schlacht am Anfang eines Buches hat viel Action und kann trotzdem völlig belanglos sein, wenn der Leser keine Möglichkeit hatte eine Seite oder einen standpunkt zu wählen. Eine Schlacht an sich ist nicht unbedingt interessant.
Ein Weltuntergang an sich ist auch nicht interessant. Es ist ja noch nicht einmal gesagt, dass es sich um meine Welt handelt. Alles, was ich sehe, ist ein aufgeregter Vogel, der einen Begleiter hat, über den man fast nichts erfährt. Da möchtest Du wahrscheinlich auch Rätselhaftigkeit aufbauen, aber es fehlt die Stelle die dieses Rätsel zu meinem Rätsel macht. Rätselhaftigkeit an sich hat keinen Wert. Und so komme ich immer wieder auf den Vogel als dem einzigen Fixpunkt zurück.

Ein schöner Beispielsatz, wie man so etwas anstellt ist folgender:
Die Bücher um mich herum, die sich unter einem staubigen Mantel zu verbergen suchten, schienen leise zu wispern.

Ein schöner Satz. Ich Leser fühle mich sofort verortet. Um mich herum sind Bücher. In der Luft ist Staub. Etwas passiert, das das Licht der Öffentlichkeit scheut. Und jetzt will ich wissen, was da los ist. Dieser Satz hat Sog.
In Deiner Dämoneneinstiegszene höre ich zunächst eine Stimme, die mich nicht abholt, sondern mir etwas verkaufen will oder ihr Thema aufs Auge drücken will. Huch? Dabei bin ich doch mit meinen gEdanken ganz woanders. Wo? Habe ich vergessen. Aber es war kein Weltuntergang. Also gehe ich erst einmal einen Schritt zurück. Suche Abstand. Fühle keinen Sog, sondern einen Push. Und das Thema? Weltuntergang. Davon verstehe ich nichts. Ich bin kein Fachmann für Weltuntergänge, weil ich noch keinen mitgemacht habe. Na ja, klingt aber irgendwie. Weltuntergang. Was ist damit? Ah, es ist ein Wetterphänomen. Wolken! Nein, kweine Wolken, sondern ein Rätsel. Aber warum sollte ich jetzt vor mich hin rätseln?
Und so könnte ich jetzt noch ewig so weiter herummaulen. Ich befürchte, was Du Dir da ausgedacht hast, ist eine zu komplizierte Konstruktion und der Leser wird Dir nicht auf diesem Weg folgen. Jedenfalls nicht, wenn ich von mir auf andere schließe. Aber um das herauszufinden, haben wir ja diesen Thread, und meine Stimme ist ja nur eine einzige.

Liebe Grüße
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Re: Daimonia - Einstiegszene
« Antwort #19 am: 12 Januar 2018, 07:48:45 »
Zitat
Ähm. Das ist die Wirkung, die ich erziehlen möchte.

Nein. Das, was du erzielen willst, ist nicht das, was passiert. "Ich hab keinen Bock mehr" heißt: Es ist mir egal. Und wenn es dem Prota schon egal ist, ist es das dem Leser erst Recht, wenn er nicht zuvor die Möglichkeit hatte, sich mit dem Prota zu identifizieren und jetzt um ihn zu bangen. So wie es jetzt steht, ist mir der Weltuntergang egal. Auch der Prota ist mir egal. Es interessiert mich nicht, wie es dazu kam, es interessiert mich auch nicht, was daraus wird. Höchstens um den Raben tät's mir vielleicht ein bisschen leid. Den mag ich.  :cheese:

Wenn ich dir sage, dass sich Frau Müller aus München von einer Brücke gestürzt hat, dann sagst du: Na und? Was interessiert mich das? Soll sie doch machen.
Das Ganze sieht aber ganz anders aus, wenn du Frau Müller kennst und etwas mit ihr verbinden kannst.

  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman