Autor Thema: the accountant revenge (AT)  (Gelesen 388 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Uli

  • Global Moderator
  • Oberdämon
  • **
  • Beiträge: 1.384
    • Uli Moll
the accountant revenge (AT)
« am: 21 November 2017, 01:08:29 »
Hallo, Hölle!
Ich habe endlich mal wieder etwas geschrieben, nach viel zu langer Flaute - und hier ist es:
(Fragen am Schluss ...)


Nichts
Die Welt ist voller Geheimnisse, heißt es.
Geheime Labore, Kampftruppen, Schaltzentralen, Arsenale und all das - weiß ja jeder.

Aber es stimmt nicht.

Weil es eben jeder weiß, oder zumindest jemand.

Und was jemand weiß, ist kein Geheimnis.

Es gibt nur ein einziges wirkliches Geheimnis auf dieser Welt, und ... ich kenne es nicht. Natürlich nicht. Niemand kennt es.

Weil es ein ... weil es das Geheimnis ist.
Klar, oder?

Nicht?

Also gut, mir ist das auch alles ein wenig, nun ...

Es ist kompliziert. Sehr kompliziert.
Oder auch nicht, wie man es nimmt: Ein paar Leute versuchen hinter das Geheimnis zu kommen - das ich, wie erwähnt, gar nicht kenne - und ich versuche, das zu verhindern.

Auch deswegen, weil diese Leute andauernd versuchen, mich abzuschießen, und das ist ziemlich lästig.

Das Geheimnis muss also ziemlich wichtig sein, ich meine, ganz objektiv wichtig.
Subjektiv, also für mich, ist es lebenswichtig.
Oder tödlich, je nach dem.

Glücklicherweise bin ich ziemlich gut darin, mich nicht umbringen zu lassen, wenn ich auch keine Ahnung habe, wo ich das gelernt habe. Wahrscheinlich ist das ein Teil des großen Rätsels.

Tja.

Angefangen hat das alles vor ein sechs Tagen, letzten Samstag. Nachts um viertel vor zwölf, in der UBahn.
Also im UBahnhof Mitte, ja, der immer noch gesperrt ist. Seitdem.
Wegen technischer Störungen, und es ist ja kein Geheimnis, was das bedeutet, oder?


Ich ging ganz locker die Treppe runter, dachte an nichts böses, lächelte ein wenig, weil ich dachte, die Lady vom Tresen bestimmt am Dienstag wiederzusehen und achtete nicht weiter auf die drei Typen auf dem Bahnsteig.
Und etwas machte pling in meinem Kopf, ich hüpfte über das Geländer, rollte ab und sprang in den Tunnel, rannte ein paar Schritte und griff nach dem Ding an der Tunnelwand.

Bis zu diesem Moment wusste ich gar nicht, was eine Thermo-Rak ist, wie man sie bedient und was sie anrichten kann, aber … egal.
Jetzt wusste  ich es, und konnte die Garben aus den Halbautomaten der drei Typen korrekt beantworten. Und rechtzeitig, bevor sie ran waren.

Nicht korrekt zu beantworten wären die Fragen der Polizei und womöglich anderer Stellen gewesen, klar. Aber das Problem stellte sich auch gar nicht, weil ich seitdem ... jemand anders bin. In einer anderen Stadt.


Und nachdem drei Dutzend Termitgeschosse von jeweils 300 Gramm die Station abgefackelt hatten, hat auch niemand nach dem Verursacher der - Gasexplosion sagen sie - groß gesucht, denke ich.

OK. Solche Sachen meine ich.
Dinge, von denen ich nie etwas gewusst habe, und die dann, ganz plötzlich, einfach da sind. Ehrlich, ich würde das für Wahnvorstellungen halten, wenn mir das jemand erzählen würde. Ein Fall für die Geschlossene, mindestens.

Andererseits … wem sollte ich das schon erzählen wollen?


***

Also ... Fragestellung
Die wichtigste ist wohl: Wie wirkt der Erzähler - besonders hinsichtlich seiner psychischen Verfassung?
Die blanke Szene in der UBahn ist eine reine Aktion-Geschichte, klar, und nicht so erzählt, als ginge es um die Aktion - weil es eben darum nicht geht. Wird das ersichtlich, oder wirkt es nur wie ˋnicht gut erzählte Aktionszene ´?
Und wenn es ersichtlich ist: Was vermutet ihr, ist das Thema, um das es geht?

Das hier steht unter ˋsonstige Texte ´, um Beeinflussung durch eine Genre-Zuordnung zu vermeiden. Ich hoffe halt, dass der Text selber das leistet, ohne Coverbild und Klappentext etc ...

viel Spass mit der Grillgabel!
cheers, Uli
« Letzte Änderung: 24 November 2017, 23:42:27 von Uli »

Offline eska

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 304
Re: Nichts (AT)
« Antwort #1 am: 21 November 2017, 22:39:21 »
Hi Uli!

Ich mache es mal kurz und beantworte nur deine Fragen.

Zitat
Wie wirkt der Erzähler - besonders hinsichtlich seiner psychischen Verfassung?
Erstaunlich wenig irritiert, würde ich sagen. Er konstatiert, dass ihm etwas sehr Seltsames passiert ist, grübelt aber nicht darüber nach, was genau und wieso und wovon ausgelöst und ob besser oder schlechter und wie zurück zu sich selbst und... Es gäbe eine Menge Fragen, die er sich aber nicht stellt.
Er ist cool. Nicht im Sinne von toll, sondern losgelöst. Dass sie ihn abschießen wollen, ist bloß lästig. Dass er jemand anders ist, also sein gesamtes Leben sich umgekrempelt hat, nimmt er locker. Er vermisst nichts und stört sich nicht an seinem Auftrag (oder seiner Funktion?), eben das Geheimnis vor Entdeckung zu bewahren, ist aber auch nicht neugierig, wofür er sein Leben einsetzt.
Individuelle Züge, Wünsche, Ängste sind ab der 'Verwandlung' wie weggeblasen.
Wenn ich raten sollte, würde ich sagen: fremdgesteuert, wie eine Art Automat. Was hat die Programmierung ausgelöst, da in der UBahn?

Zitat
Die blanke Szene in der UBahn ist eine reine Aktion-Geschichte, klar, und nicht so erzählt, als ginge es um die Aktion - weil es eben darum nicht geht. Wird das ersichtlich, oder wirkt es nur wie ˋnicht gut erzählte Aktionszene ´?
Und wenn es ersichtlich ist: Was vermutet ihr, ist das Thema, um das es geht?
Auf mich wirkt die UBahn-Szene nicht wie schlecht erzählt, sondern wie inzwischen schon fast nebensächlich, eine von vielen Kampfszenen oder ähnlichem, die sich seitdem dauernd abspielen. Er erzählt es als den Ausgangspunkt. Aber wie er sich selbst fragt: Wem erzählt er es eigentlich? Und warum? Er wirkt nicht wie jemand, der Kontakt oder Verständnis sucht, Belastendes loswerden will oder sich rechtfertigen, Anerkennung einsammeln o.ä. Eine Verhörsituation ist es auch nicht. Memoiren schreibt er nicht.
Am ehesten erklärt er Leuten die Geschehnisse, die nicht involviert sind, nicht mitspielen (eine Alternativgesellschaft? Rebellen im Untergrund?
Insofern weiß ich nicht wirklich, was das Thema ist, aber beim Lesen geht es mir um das Pling im Kopf. Was ist da eigentlich los? Wer manipuliert ihn und wozu? Wer ist gut, wer böse? Was steht auf dem Spiel? Um welches Geheimnis geht es? Was und wie genau machen die das? Kommt er wieder zu sich?

Was ich nicht verstehe, ist dein Arbeitstitel.

Hoffe, das nützt dir.

Gruß,
eska
  • Ich schreibe gerade: noch nichts Neues

Offline Uli

  • Global Moderator
  • Oberdämon
  • **
  • Beiträge: 1.384
    • Uli Moll
Re: Nichts (AT)
« Antwort #2 am: 22 November 2017, 00:13:14 »
ay eska

 :dops:  :dops:  :dops:

Deine Antwort macht Freude, danke schön!
Im Detail sage ich noch nichts dazu, wg Beeinflussung anderer Röster - das hole ich später nach.
Der Arbeitstitel allerdings … nun, der ist ein Problem. Weil ich nämlich genau gar keine Idee für einen Titel hatte, habe ich das gewählt, was mir als erstes eingefallen ist.  :cheese:

Nächste Woche gibt es den nächsten Teil, und ich hoffe, dass damit ein paar Dinge ein wenig ... nun, vielleicht klarer werden.

 :lover:

cheers, Uli

Offline Xaranis

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 100
Re: Nichts (AT)
« Antwort #3 am: 22 November 2017, 11:31:22 »
Hallo Uli,




ich denke, wer nach diesem Anfang keine Lust hat, bis zur U-Bahn-Szene weiterzulesen, der ist nicht von dieser Welt.

Um aber zunächst auf deine Fragen einzugehen:

Wie wirkt der Erzähler in seiner psychischen Verfassung:
Nun, er wirkt absolut gelassen, beinahe abgebrüht. Wie ein Profikiller. Ein wenig Verwirrung schwingt für mich mit, unterstützt durch den doch recht abgehackten Satzbau. Er kann sich nicht recht erklären, wie er zu seinen Fähigkeiten (und wohl auch zu seinem Wissen, das er zweifelsohne besitzt) eigentlich gekommen ist, weiß nur, es hängt mit den drei Männern zusammen, die "etwas" in ihm ausgelöst haben.

Die Aktionszene:
Wird ganz klar nicht als Aktionszene beschrieben. Die Beschreibung ist distanziert, kühl, eher analytisch. Eine bloße Erklärung einer Tatsache eben.
Für meinen Geschmack könntest du die Rückblenden durch entsprechende Wortwahl noch etwas feiner kaschieren, so dass sie sich nicht so als Rückblende aufdrängt sondern unauffälliger verschmilzt.
Konkret meine ich diesen Satz:
Zitat
Und nachdem drei Dutzend Termitgeschosse von jeweils 300 Gramm die Station abgefackelt hatten, hat auch niemand nach dem Verursacher der - Gasexplosion sagen sie - groß gesucht, denke ich.
Der gefällt mir irgendwie nicht so ganz. Liegt wohl daran, dass du dich hier schon in der Vergangenheit bewegtest und dann diesen Satz mit einem recht unangenehmen "hatten" noch hinterher geschoben hast. Jedenfalls springt er mir ins Auge.

Worum es bei der Geschichte meiner Meinung nach geht:

Nach dem, was ich herauslese geht es um irgend eine große Sache - welche ist noch unklar und wirft wunderbare Fragen auf. Geht es um eine Sache, die das Land gefährdet? Geht es um eine Verschwörung, in der die Politik ganz groß mit drin steckt? Geht es um die Weltsicherheit? Da ist alles drin.
Was es auch ist: Die Sache ist heikel. Heikel genug, um (so verstehe ich das) einen Agenten oder zumindest jemanden mit einer Spezialausbildung seiner Erinnerungen zu berauben und auf Knopfdruck auf seine Fähigkeiten zugreifen zu können ohne einen unangenehmen Mitwisser zu haben. Wenn er erwischt wird - schade für ihn. Anrichten kann er damit nichts.
Der Fairness halber wäre es wohl nett, ihm einfach nur wieder das Gedächtnis zu schrotten, wenn er seine Arbeit getan hat. Aber die Welt ist leider nicht nett. Und so gehe ich davon aus, dass man ihn dann womöglich am Ende noch "verräumen" will.
 

Ein paar Rechtschreibfehler sind drin. Aber die findest du ja auch selbst.

Zwei Dinge haben mich ein wenig verwirrt (meine rein subjektive Meinung - aber sind Meinungen das nicht immer?):

Zitat
Ein paar Leute versuchen hinter das Geheimnis zu kommen - das ich, wie erwähnt, gar nicht kenne - und ich versuche, das zu verhindern.

Woher will er denn dann wissen, dass es dieses Geheimnis gibt? Hat man ihm dieses Wissen irgendwie bei seiner Gehirnwäsche mit impliziert? Oder hatte er Kontakt mit jemandem, der ihm einen Hinweis gab?


Zitat
Bis zu diesem Moment wusste ich gar nicht, was eine Thermo-Rak ist, wie man sie bedient und was sie anrichten kann, aber … egal.
Jetzt wusste  ich es, und konnte die Garben aus den Halbautomaten der drei Typen korrekt beantworten. Und rechtzeitig, bevor sie ran waren.

Ganz ehrlich? Ich weiß auch nicht was eine Thermo-Rak ist. Mir genügt auch zu wissen, wofür er sie verwendet um mir den Rest zu denken. Aber ich frage mich doch ernsthaft, wie er an die so plötzlich rankam. Kriegt man sowas neuerdings im U-Bahn-Schacht?

Zusammengefasst:
Der Text hat mir sehr gut gefallen. Obwohl er nicht dick aufträgt sondern eher nüchtern bleibt (wohl eher gerade deshalb) erzeugt er ungeheure Wirkung. Du wirfst eine Menge Fragen auf, die alle unbeantwortet bleiben und - aaaaargh! Verdammt noch eins, ich kaue mir gleich die Fingernägel ab, wenn ich nicht sofort weiterlesen kann!!!
Die Dopplungen da und dort waren wohl bewusst gewählt um die Wirkung zu verstärken und erfüllen ihren Zweck. Die kurzen, abgehackten Sätze schaffen die richtige Atmosphäre und treiben das Tempo voran, der Stil ist gut.

Um es kurz zu machen:
Du enttäuschst mich.  :nudelholz:  Schäm dich.




« Letzte Änderung: 22 November 2017, 11:51:07 von Xaranis »
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Uli

  • Global Moderator
  • Oberdämon
  • **
  • Beiträge: 1.384
    • Uli Moll
Re: Nichts (AT)
« Antwort #4 am: 22 November 2017, 13:48:33 »
ay Xaranis,


 :whee:
danke schön!

Rechtschreibfehler ... :traurig: ... da habe ich eine echte Schwäche, leider. Und noch nicht wieder die früher mal eingeübte Routine, damit umzugehen. Sorry.

Deine Analyse ist so korrekt wie möglich, und das freut mich - bedeutet es doch auch, dass der Text an diesem Ende richtig läuft.  :victoria:

Und die beiden Irritationen:
Er fängt sechs Tage nach dieser Szene an zu erzählen, und bis dahin wird er zumindest wissen, dass es ein Geheimnis giibt und es sein Job ist dieses zu bewahren. Weil er das bis dahin herausfinden wird - und das ist ein Teil der Erzählung, damit die Leser auch was davon haben.

(Spoilerwarnung!)
Das mit der Thermo-Rak ist eine kleine nostalgische Gemeinheit: In dieser Welt wissen nur sehr, sehr wenige Leute, was das ist. Das Teil gehörte zur Standard-Ausrüstung der ZBV (K.H.Scheer, frühe 70ger Jahre), und diese Serie hat mich damals zum ersten Mal zum Schreiben animiert ... ein Hinweis also auf Genre und so.
(Spoiler zu Ende)

Über den Vergangenheits-Satz lässt sich reden - nach meinem Verständniss ist er korrekt (er erzählt, dass Leute in der Vergangenheit etwas unterlassen haben, weil in einer noch früheren Vergangenheit etwas passiert ist), aber ... nun, wie gesagt. Muss so nicht bleiben. Glaube ich.

Vielen Dank - und  :lava:
cheers, Uli

Offline Xaranis

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 100
Re: Nichts (AT)
« Antwort #5 am: 22 November 2017, 15:32:13 »
Aaaah, danke für den Spoiler.
Mich hat eher gewundert, wo er dieses "Ding" so plötzlich an der U-Bahn-Station her hat. Ich bin mir ziemlich sicher, der Kerl, der da gerade eben noch grinsend und mit unkeuschen Gedanken im Kopf durch die Gegend flaniert ist hatte wahrscheinlich nicht zufällig so ein Thermo-Dingsbums dabei. Oder hat er das dort unten irgendwo versteckt und sich gegabelt als er an den U-Bahn-Gleisen Ninja spielte? Dann fänd ich's geschickt, das irgendwie zu erwähnen.

Ja, das mit der Vergangenheit ist eigentlich korrekt so. Aber es trifft halt in dieser Passage recht fiel Vergangenheit aufeinander. Und wenn man dann inmitten einer Rückblende mit einem "hatte" nochmal einen Schritt zurück geht finde ich das - unschön. Es rückt unangenehm in den Vordergrund, dass man sich inmitten einer Rückblende befindet. Und eigentlich will man ja gerade die Rückblenden so kaschieren, dass sie gar nicht als solche wahrgenommen werden. Ich bin da immer etwas freier darin, in Ausnahmefällen wie diesen die Grammatik ein wenig zu beugen, um ein schönes Ergebnis zu erzielen - natürlich so, dass es keinem auffällt.  :cheese:

Aber hey! Einen kleinen Erfolg solltest du mir schließlich auch lassen. Nachdem ich diese hier  :g1: gar nicht schwingen konnte.

Freut mich, dass alles so aufging, wie du es dir vorgestellt hast.
Viele Grüße und nochmal Glückwunsch zu dem wirklich gelungenen Text.
« Letzte Änderung: 22 November 2017, 15:44:29 von Xaranis »
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Xaranis

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 100
Re: the accountant revenge (AT)
« Antwort #6 am: 25 November 2017, 12:54:13 »

The accountant revange.  :watchout:
Gefällt mir.  :applaus:
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman