Autor Thema: Harry Potter and the cursed child  (Gelesen 1479 mal)

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Harry Potter and the cursed child
« am: 01 März 2017, 17:29:41 »
Eeeeeehhhhmmmmmnein.

Es gibt ja diverse Phänomene in der Literatur, denen man leider immer wieder begegnet. Eins davon ist das Artus-Syndrom, in dem dieselbe Geschichte immer und immer und immer wieder erzählt wird, nur aus unterschiedlichen Perspektiven. Oder das AnneMcCaffrey-Syndrom, in dem eine Autorin (leider sind es meistens Autorinnen) sich so unsterblich in eine von ihr geschaffene Figur verknallt, dass sie den Lebenszeitraum dieser Person nicht mehr verlassen kann, obwohl die Geschichte längst zu Ende erzählt ist. Dann gibt es das FanFiction-Syndrom, in dem irgendwer Figuren einer geliebten Serie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Und es gibt das Geldphänomen, bei dem eine Autorin selbst nur noch den Namen der Serie hergibt und das katastrophale Machwerk, das zwei absolut unfähige Napfnasen daraus gemacht haben, für ein Wahnsinnsgeld an unschuldige Leser verhökert, die sich einfach nur in eine gemütliche Fortsetzung kuscheln wollten.

Erkennt irgendwer hier meinen subtilen Hinweis?

Hint: Ja, ich habe mir HPatCC angetan.

Zumindest zur Hälfte. Gelesen habe ich es nicht, aber auf Youtube hat irgendein armer Mensch das Ding über sechs Stunden lang vorgelesen. Ich habe drei Stunden durchgehalten. Dann habe ich abgebrochen und mir stattdessen die Youtube-Rezensionen diverser Leser/innen angesehen. Die waren zum Teil recht amüsant, zum Teil nervig (amerikanisches Englisch sägt mir irgendwann die Ohrnerven durch), aber alle waren sich einig in ihrer entsetzten, niedergeschmetterten Fassungslosigkeit. Jede/r von ihnen hielt das für damals rund 40 Dollar gekaufte Buch vor die Kamera, und jede/r von ihnen starrte mich an und fragte:

WHAT THE FUCK DID I JUST READ???


Caveat: ich bin kein Harry Potter-Fan. Ich habe die Bücher gelesen und ein paar Filme angesehen, und ich halte JK Rowling zugute, dass sie eine großartige, vielfältige und genial durchdachte magische Welt und einige unvergessliche Charaktere erschaffen hat. Ich mag den Sprachwitz und den zum Teil absurden Humor. Was ich nicht mag, sind die Geschichte und die Art, wie JKR mit sadistischer Grausamkeit umgeht. Das Grundprinzip "Harry Potter, die einzige Hoffnung der Welt, weil seine Mami ihn ganz doll lieb hatte" finde ich für den Eimer.

Aber darum geht es jetzt nicht, und ich will auch nicht über Harry Potter reden. Sondern über "THE POTTER LEGACY".

In HPatCC geht es um nichts anderes als um ein Aufwärmen der Geschichte, die wir alle kennen und die mit "All was well" reichlich ungeschickt zu Ende gebracht wurde. Es gibt eine "next generation", ein paar handgewedelte Teenieprobleme und einen Timeturner, der "weiterentwickelt" wurde und es jetzt einem dummen Emoteenie und seinem besten Freund ermöglicht, in der Zeit zurückzureisen und Harrys "größten Fehler" zu verhindern, nämlich den Tod von Cedric Diggory.

Nicht, dass es bessere Figuren gegeben hätte, deren hirnrissig sinnlosen Tod Millionen von Fans betrauert haben. Fred. Tonks. Lupin. Nein, Cedric muss es sein. Weil.

Also reisen Harrys Sohn Albus und Dracos Sohn Scorpius VIERMAL in der Zeit zurück, um beim ersten Versuch etwas zu ändern und bei den nächsten Versuchen die durch ihre Änderungen ausgelösten Katastrophen irgendwie einzudämmen. Es passiert eine Menge nutzloser Blödsinn, untermalt von peinlichen Platitüden, snapescher Heldenverehrung, ronscher Idiotendarstellung und der kompletten Ent-Badass-isierung von Hermione und Ginnie und so ziemlich jeder Frau in diesem alternativen Universum. ALLE Charaktere verhalten sich a) schwachsinnig, b) niederträchtig und c) komplett entgegengesetzt zu ihrer Charakterisierung in den sieben Büchern. Da ich nach drei Stunden aufgegeben habe, kenne ich den Rest nur aus den Rezensionen, aber offenbar muss sich jeder mal irgendwie opfern, um die echte Realität wieder herzustellen. Am Schluss ist alles irgendwie doch nicht passiert, die Bösewichte sind besiegt, alle haben sich wieder liep, JKR kassiert ein paar weitere Millionen, und die Fans sitzen da und können nicht fassen, was sie da gerade gelesen haben. Und es ist offizieller Kanon. Voldemort hatte eine Tochter mit Bellatrix. Harry, der seine ganze Kindheit hindurch gemobbt wurde, ist ein Arsch, mobbt seinen Sohn und bedroht McGonagall. Hermione brauchte Ron, um nicht zu einer verbitterten, unverheirateten Schreckschraube zu werden, die ihre Karrierewünsche aufgegeben hat und Kinder hasst. Gerettet werden sie durch eine alte, gammelige Babydecke.

Das Ding ist nicht einmal ein Buch, sondern eine "Script Adaptation" für ein Theaterstück. Statt ganzer Sätze liest der arme Sprecher also vor:

"Albus. I wish you weren't my father. Harry. Sometimes I wish you weren't my son."

In exakt demselben angeödeten Tonfall, in dem ich es da hingetippt habe.

Ernsthaft jetzt: WHAT THE FUCK???

Dieses Machwerk macht ALLES falsch. Es verbindet schlechteste Fanfiction mit purer Geldgier und fauler Ignoranz. Handwerklich ist es eine Katastrophe. Es gibt weder Humor noch Originalität, stattdessen werden nur alte Versatzstücke und ein paar bekannte Namen zusammengeschmissen und durch einen absolut hanebüchenen Zeitreiseplot geprügelt.

Und JKR, die doch irgendwann selbst gemerkt hatte, dass die Timeturners ihre gesamte Geschichte kaputtmachen, hat dieses Ding durchgewunken und als Kanon autorisiert. Ich frage mich, ob sie es eigentlich gelesen hat.

Was für eine erbärmliche Verschwendung. Und was für ein erbärmlicher Betrug an den Fans.

Meine Bewertung: 1/10 feindseligen Zentauren
« Letzte Änderung: 01 März 2017, 18:18:10 von FF »
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Offline Uli

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #1 am: 01 März 2017, 17:49:59 »
Oh, mann ...

Wie gut, dass Potter mit dem Schlussatz für mich so gründlich 'rum' war, dass ich keines der Bücher noch einmal aufgeschlagen habe - und nicht einmal im Ansatz über den Erwerb dieses Teils nachgedacht habe.

Aber ernsthaft: Drei Stunden so etwas anhören?
Voldemort hat niemals alle Möglichkeiten, Leute zu quälen, erfasst ...
(solche Sachen zählen eindeutig zu den 'Unverzeihlichen' - das Ministerium sollte einschreiten!)

Offline FF

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #2 am: 01 März 2017, 18:19:20 »
Es waren sogar dreieinhalb Stunden.


:flenn:
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Offline Uli

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #3 am: 01 März 2017, 18:26:40 »
Trost-  :b5:

Und  :kaffee2:

Offline FF

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #4 am: 01 März 2017, 18:59:08 »
Danke. :cheese:

:lava:
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Offline Rilyn

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #5 am: 01 März 2017, 19:45:07 »
Oh wow ... das ist grausam. :wiejetzt:
Ich hab nach zwei Büchern und viereinhalb Filmen aufgegeben, fand den Unsinn immer unsinnig und als er plötzlich "ernsthaft" werden wollte, einfach nur noch unglaubhaft. Dass darauf so ein miserables Machwerk folgt, wundert mich leider nicht bis auf das Ausmaß des Grauens, wie du es darstellst (was ich unbesehen glaube).

 :kaffee2: und Musenfutter :b5:
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Quisille

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #6 am: 02 März 2017, 10:19:37 »
Die Potter-Reihe hat sich schon in ihren letzten Installationen von ihrem Erfolgsrezept gelöst. Das ist in der Öffentlichkeit nicht groß beredet worden, vermutlich, weil man sich noch darauf konzentriert hat, "wie es ausgeht". Nun ist der Hype vorbei, die Filme sind raus, und die interessante Frage rückt in den Vordergrund, wie das Franchise altern wird. Ich vermute, nicht gut. Und zwar aus folgenden Gründen.

  • Das Problem steckt schon im Begriff "Franchise". Früher gab es "Reihen", ausmaus. Der Begriff ist allerdings gerechtfertigt, weil er die inzwischen dominante Wertschöpfungskette beschreibt. Der Autor erschafft nicht mehr, sondern ist in erster Linie Lizenzgeber, damit andere ihre Plastikpüppchen (sorry: Action Figures) verkaufen können. Das ist ein Aspekt modernen Kulturschaffens, der mir zutiefst zuwider ist. Der Markt ist für mich ein hochwillkommenes Instrument, das einem Künstler erlaubt, sein Publikum zu finden (und sich vielleicht sogar von seinem Schaffen zu ernähren). So aufgefasst, stehen Künstler und Publikum im Zentrum. Hat man hingegen ein "Franchise", stehen Marketingabteilungen im Mittelpunkt. Nuff said. :blargh:
  • Ein Franchise ist nur dann sinnvoll, wenn es produktiv bleibt. (Siehe "Star Wars".) Bei Harry Potter waren es zunächst die Bücher, dann die Filme, dann die Metatexte ("Fantastic Beasts and Where to Find Them" nebst Verfilmung, etc.). Und nu? Nun wird es dünn, und man kann folgerichtig beobachten, dass Produkte niederer Qualität hinterhergefeuert werden.
  • JKR hat unter dem Pseudonym Robert Galbraith gezeigt, dass sie auch ziemlich durchschnittliches Zeugs produzieren kann. Offenbar war bei Harry Potter das "gewisse Etwas" dabei, und das war ein Glücksgriff. Aber Harry ist ja nun abgeschlossen. Und sein wir mal ehrlich: Es wurde Zeit. Die Idee war gut, hat aber (planmäßig!) nicht mehr hergegeben als die sieben Bände. => Es kann gar nichts mehr nachkommen, egal, wie viel Druck die Vermarktungsmaschine aufbaut.

Tja. Es bleibt die traurige Erkenntnis, dass mangelnder Mut, sich auf neues einzulassen, links und rechts die Landschaft planiert. Sogar rückwirkend. Betrug am Leser ist das nicht. Ich hab das Ding in der Hand gehabt: Schon der Klappentext schreit "Abklatsch". Der arme, arme Leser, der dafür $40 bezahlt, ist zu recht für seine geistige Trägheit gestraft. Rowling hat klugerweise entschieden, am Harry Potter nicht mehr weiterschreiben zu wollen. Warum lässt man sie nicht einfach in Ruhe?

Offline Rilyn

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #7 am: 02 März 2017, 19:46:54 »
Weil man ihr vermutlich schon mit den ersten Bänden vertraglich das Recht abgekauft hat, später grauenhaftes Zeug draus machen und den Namen draufkleben zu dürfen.
Habe ich mal erwähnt, dass ich den ver.di-Standardvertrag als einseitig zum Vorteil der Verlage sehe? Denn die einzige Leistung, die selbst für Laien nachweislich erbracht werden muss, liegt auf Künstlerseite. Und ich gehe davon aus, dass die meisten Autorenverträge weltweit nicht besser sind als der.
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Quisille

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #8 am: 03 März 2017, 16:08:42 »
Habe ich mal erwähnt, dass ich den ver.di-Standardvertrag als einseitig zum Vorteil der Verlage sehe?

Immerhin hast Du dann noch Enst.

Enst ist das, was nach ver.di vom Verdienst übrig bleibt. Vielleicht gründen wir lieber die Gewerkschaft Der Literaten. Obwohl... das Kürzel ist bereits besetzt.

Offline Tika

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Re: Harry Potter and the cursed child
« Antwort #9 am: 06 März 2017, 06:44:38 »
... omgh ...

ok, also ich selbst habe das Buch nicht gekauft, weil ich mir dachte: Theaterstück? Das ist doch im Gegensatz zu einem Roman nicht mal halbfertig und obendrein lieblos - lass mal stecken.

Für die Bücherei musste ich es einkaufen. Es ist sage und schreibe seit Erscheinungstag 5x ausgeliehen worden und innerhalb weniger Tage (Normale Ausleihdauer ist bei uns 4 Wochen + Verlängerung möglich) zurück gekommen. Auf Nachfrage hin lautete die Antwort immer gleich: "Nee, hatte keine Lust mehr weiter zu lesen. Ist blöd."

Ich bin ja ein erklärter Gegner der Büchervernichtung, aber dieser Schund gehört verbrannt!
  • Ich schreibe gerade: Nix - weil ich mich noch nicht entscheiden kann...
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Wenn ich mich kurz fassen könnte, würde ich keine Romane schreiben.