Autor Thema: Oliven  (Gelesen 2522 mal)

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Offline Rilyn

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Oliven
« am: 07 Mai 2016, 16:15:18 »
Hallo Hölle :)

Vorweg: es geht in dieser Szene nicht um Oliven. ;D
Es geht auch nicht um die Szene, denn die ist nicht vollständig. Es geht um zwei Dilemmata, die hier angerissen werden, und von denen eines mit dem Hauptkonflikt der Story zusammenhängt.
Details und Verständnisprobleme dürfen gerne geröstet werden.

Die Geschichte dahinter ist ein Krimi; kein Whodunit, sondern eine vom Ablauf her Whodunit-ähnliche Redeemer-Story, denn Meleann hat, als sie in einer Gasse zwei hilflose Menschen verteidigen wollte, den Angreifer erstochen. Dummerweise stellte der sich als sehr hohes Tier heraus. Die Zeugen sind verschwunden. Meleann ist zu gleichen Teilen unter Hausarrest gestellt / hat Zeugenschutz. Weiter muss ich das wohl nicht ausbreiten.

Der Soldat hier ist einer von mehreren, die für ihre Sicherheit und Anwesenheit sorgen sollen.
Meleann selbst ist eine Cavallera (Ritterin), achtzehn Jahre alt, und seit knapp einem Jahr im Dienst der Hauptstadt, also "eine bessere Stadtwache"; und ein vorschnelles Großmaul.
Ihre Hausdienerin, die mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde, frönt wieder selbigem und hat sich zuvor geweigert, heimlich aus dem Fenster zu klettern, um jemandem Informationen zu überbringen.
Arlyn dal Laética ist Meleanns frühere Mentorin.

Einer der erwähnten Konflikte wird hier nur im Hintergrund angerissen, der andere ist der große: Zauberei ist nicht generell verboten, aber für Kämpfe. Dahinter steckt ein selbstverständlich ziemlich fragiles Abkommen mehrerer Königreiche und anderer Herrscher, die bemerkt haben, wozu Kriegsführung wird, wenn man Zauberei einsetzt. Fragen am Ende.



[...]
Der Soldat stand vor ihrer Büchertruhe, streckte eine Hand aus und zog sie wieder zurück, als die Treppe unter ihren Schritten knarrte.
"Misshandle meine Bücher nicht, und ich misshandle dich nicht."
Sein Gesicht konnte sie im Schatten nicht sehen. Der Deckel der Truhe quietschte; er spähte hinein.
"'Des Feldschers Handbuch'?"
"Oh, er kann lesen", spottete sie und erntete einen Blick, so giftig wie ihre Worte. Er knallte die Truhe zu.
"Was meinte der Hauptmann mit Knochenflickerwissen?"
"Hübsch verdächtig, hm?" An ihm vorbei stiefelte sie zum Tisch. "Wenn du damit fertig bist, mich zu berauben, setz dich und bring den Krug vom Fenstersims mit."
Bis er mit dem vollen zurück war, drehte sie zwei der Becher um und füllte Öl in der Lampe nach. Diesmal saß sie mit dem Rücken zur Wand. Im Grunde war es nur eine weitere Befragung, denn wenn nicht von ihr, dann würde er es von seinen Kameraden erfahren, in der verdrehtesten Form, die bei der Wache kursierte; und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen. Weshalb hatte sie dann betrunken gekämpft? Oder gar Zauberei gemeinsam mit der Waffe genutzt? Der Vorwurf allein konnte tödliche Folgen haben.
"Meine Altvorderen waren der Meinung, ich sollte lernen, Leute zusammenzuflicken. Fürs Auseinanderschneiden reichte es."
"Mit Schwertern, oder auch mit Chirurgenmesserchen?"
"Skalpelle, du Banause. Schenk ein."
Er schnupperte am Krug. "Eh. Wasser."
"Ich bin nicht reich genug, um mich dauerhaft zu betrinken. Vielleicht hätte ich beim Zusammennähen von Menschen bleiben sollen."
Den Becher, den er gerade an die Lippen gehoben hatte, stellte er schnell wieder ab. "Haben sie Euch rausgeschmissen, weil Ihr kotzen musstet?"
"Nein, weil ich einem armen Kerl helfen wollte. Mit einer Klinge."
"Skalpell."
"Gnadendolch. Da war ein verstümmelter Söldner, hatte noch den Kopf, den linken Arm und das halbe rechte Bein. Überlebt hätte er's, aber er wollte nicht. Und weil kein Medicus einen Patienten umbringen wollte, auch, wenn der darum bettelt, hat er sich an die kleine Rotzgöre gewandt, die neue Verbände bereitlegen sollte."
"Und Ihr habt -"
"Ich hätte es vermasselt, wenn nicht Cavallera dal Laética zugegen gewesen wäre. Sie hat mir das Stilett weggenommen und ihm ein schnelles Ende gegönnt. Die Heilkundigen waren froh, dass sie mich als Ensifera mitgenommen hat. Ich auch."
Sie schob die Schale mit den Oliven in die Mitte des Tisches und steckte sich eine grüne in den Mund. Der Soldat fischte zwei schwarze heraus.
"Was bin ich froh, dass Ihr keine Knochenflickerin seid", frotzelte er. "Ich kenn' die Geschichte etwas anders."
"Ja, ich weiß, ich soll den Söldner in meiner Unfähigkeit so zugerichtet haben. Außerdem habe ich ihm die Beine eines Toten angenäht und ihn verzaubert, dass er um Mitternacht durchs Spital gewankt ist."
"Und, habt Ihr?"
"Natürlich. Achtjährige tun dergleichen ständig. Da ist ein Teller, spuck die Kerne ja nicht auf den Boden!"
Gerade noch drehte er den Kopf und sah ertappt drein. Ein Kern klapperte auf den Holzteller. An der zweiten Olive vorbei murrte er: "Ihr führt hier wohl 'ne Kaserne."
"Du bist schließlich im Dienst, Soldat", konnte sie sich nicht verkneifen, obwohl sie damit die eigenen Gedanken damit zurücklenkte auf das, worüber sie mit ihrem müden Schädel nicht nachdenken wollte. Nun saß ihr die Ungewissheit wieder im Nacken. "Verdammter Dreck."
"Allerdings", interpretierte ihr Gegenüber den Themenwechsel richtig. "Falls es Euch beruhigt: Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihr vorsätzlich mordet. Trotz ... dieser Geschichte."
Ob seiner plötzlichen Ernsthaftigkeit musste sie lächeln; ein ziemlich schiefes Lächeln.
"Bezeugst du das auch noch, wenn man einen Sündenbock braucht?"
Er runzelte die Stirn.
Meleann schnaubte. "Ein toter Königssohn, eine betrunkene Cavallera, keine Zeugen, keine Beweise", beantwortete sie die unausgesprochene Frage. "In Ungnade gefallen oder nicht, er war offenbar nicht dabei, sich zu rehabilitieren."
"Ihr meint, die königliche Familie will's nicht hinterfragen?"
Sie hob die Schultern. "In dem Fall hoffe ich, dass der Scharfrichter bestechlich ist."
"Ist er nicht."
"Verdammnis."
In der folgenden Stille fragte sie sich, wie sie darüber scherzen konnte, und ob ihrem Verstand nicht klar war, was auf sie wartete. Lag es am Wein? Oder einfach an der verrückten Situation? Zum Lachen war ihr nicht zumute; zur Angst reichte es auch nicht.
"Macht Euch erst einmal keine Sorgen." So, wie er sie nun ansah, wirkte er deutlich älter. "Der Hauptmann kennt Euch, und ich kenn' ihn, und ich sag Euch, er wird Euch nicht dem Hohen Gericht zum Fraß vorwerfen."
"Der nicht." Aber das Wort eines Wachhauptmanns hatte kein Gewicht gegen das eines Repräsentanten der Königsfamilie. "Ich wüsste zu gerne, was meine hochwohlgeborene Leiche vorhatte. Sucht ihr noch nach der alten Frau und dem Kind?"
Der Soldat nickte. Natürlich, Thierro; ihn hatte der Hauptmann dorthin geschickt.
"Und?"
"Darf ich Euch nicht sagen."
"Tu es lieber, sonst konfisziere ich meine Oliven."
Rasch griff er nochmals in die Schüssel. Ihr misslang ein Grinsen.
"Bitte. Was soll ich mit dem Wissen schon anfangen."
"Mich anschwärzen."
"Und mich damit noch verdächtiger machen, sicher doch."
Er fügte den Kernen auf dem Teller drei weitere hinzu, bevor er sich überwand. "Die Nachbarn sagen, die Alte wohnt seit Jahrzehnten dort, alleine. So sieht ihr Häuschen auch aus. Na Viera wird sie genannt."
"Na? Domna? Weshalb nennt man sie Herrin?"
"Vielleicht verarmter Adel. Oder sie stammt aus einer alten Bürgerfamilie." Die letzte schwarze Olive verschwand aus der Schale. "Eh, seht mich nicht an, als würde ich das für Euch rausfinden. Ich hab schon viel zu viel gesagt."
"Kein Wort hast du gesagt." Der Becher war leer; sie stand auf und gähnte. "Erfolgreiche Nachtwache. Lies das Buch, wenn du willst. Es hält hervorragend wach."

Noch lange hörte sie ihn in der Stille des Hauses durch Knochenbrüche, Wundversorgung, veraltete Rezepturen aus Schlangenaugen und andere Alpträume blättern. Die Katze war noch nicht zurückgekehrt. Ansonsten wusste sie nicht, wie viel Zeit vergangen war; Zeit, in der ihre Gedanken nur darum kreisten, wie tief sie in der Patsche steckte. Die Angst blieb aus, die Unruhe wuchs. Vielleicht sollte sie an Arlyn schreiben. Ohne Leumundszeugen mochte es vor Gericht übel für sie aussehen, und es war besser, sich dieser Zeugen zu versichern, bevor jemand anders ihr Zögern zu seinen Gunsten nutzte.
Jemand anders. Wer immer das sein mochte, es wäre niemand, dem eine landlose Cavallera das Geringste entgegenzusetzen hatte. Die Schwester des Condo dal Laética schon. Hoffentlich.
[...]



Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Idee dahinter ist schon alt; ich bin nicht sicher, ob ich damals schon von Johnny got his Gun wusste, aber es geht um genau das. Zauberei konnte den armen Kerl retten, aber sie kann keine verlorenen Gließmaßen nachwachsen lassen. Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?

Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?

Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.
Dahinter steckt Zauberei, die nichts mit Feuerbällen und Berechenbarkeit zu tun hat. Magie wird meistens auf geistiger Ebene eingesetzt denn die physische Welt zu manipulieren ist schlicht zu schwer, als dass ein Durchschnittsmagier einen Feuerball zustande brächte.
- Magie macht Formationen in Feldschlachten zu einer potentiellen Todesfalle, wenn die Formation aufgrund von Beeinflussung zerbricht oder sogar die eigenen Leute der eigenen Linie in den Rücken fallen. Soldaten sind nicht nur Soldaten, sie haben auch ein normales Leben, das meistens mit Feldarbeit und Nahrungsgewinnung zu tun hat.
- Magie macht jeden Strategen und Taktiker undurchschaubar. Es kommt regelmäßig zu Prozessen, in denen man herausfinden will, ob ein Feldherr schlicht unfähig war, oder ob er manipuliert wurde. Deshalb herrscht der allgemeine Konsens: keine Magie im Zusammenhang mit Kampfhandlungen.
Tjarun, das zu den liberaleren Königreichen gehört, erlaubt aber Magie zu Forschungszwecken (v.a. Naturwissenschaften) und Heilkunde.

Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?

Viel Spaß mit dem Rösti. :kaffee2:

Liebe Grüße!
Ril
« Letzte Änderung: 08 Mai 2016, 01:06:51 von Rilyn »
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

Offline SirJasonCrage

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Re: Oliven
« Antwort #1 am: 09 Mai 2016, 13:57:28 »
Hoi Rilyn.

Dann drehen wir mal den sprichwörtlichen Röstspieß um!
Und du hast auch gleich Beilagen mitgebracht *Olive kau*


Zitat
Im Grunde war es nur eine weitere Befragung, denn wenn nicht von ihr, dann würde er es von seinen Kameraden erfahren, in der verdrehtesten Form, die bei der Wache kursierte; und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen.

Mangelt es mir oder dem Satz am Deutsch? Nach dem letzten Komma steige ich aus, egal wie oft ich diesen Teil zu verstehen und in den Rest des Zitats einzugliedern versuche.

Zum Text selbst lässt sich sonst nicht so viel sagen, ich finde ihn solide.


Zitat
Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?

Wenn ich das einfach beantworten könnte, wäre es kein Dilemma.
Was zählt der Wille, was die Würde und was das Leben eines Menschen? Ich muss bei so etwas immer an den Anfang von "Der mit dem Wolf tanzt" denken.
Lebt man nach "never give up" und leidet, bis die Rettung kommt? Was wenn sie nicht kommt?
Ich persönlich würde auch als Krüppel noch leben wollen, das Internet bietet auch dann noch Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung.
Wenn es mich im Mittelalter erwischt, wäre der kalte Stahl wahrscheinlich ein Geschenk.
Kann ein Mensch selbst entscheiden, wann er nicht mehr leben will? Darf eine von Liebeskummer geplagte teenagerin das auch?
Meine Oma war vor zwei Jahren stark depressiv, Familie saß dann zusammen und debattierte zwischen "Wenn sie unbedingt zum Opa (seit Jahrzehnten tot) will, können wir sie nicht zwingen..." und "Egal wie viele Therapien und Psychologen wir brauchen, es ist es wert"

Du schreibst die Geschichte. Wäre der Soldat glücklich geworden? Hätte er seine Meinung geändert?
Allein dadurch ließe sich die Frage nach falsch oder richtig obejktiv beantworten, aber innerhalb der Geschichte weiß das keiner.

Noch eine andere Perspektive: Wie würde ein Alienwesen mit organischer Antenne unser Leben beurteilen? Sind wir Krüppel für diese Wesensart, weil wir nicht über galaktische Entfernungen Kontakt mit unseren Freunden aufnehmen können?
Ab wann ist Leid so groß, dass es ein Ende rechtfertigt? Keine Arme mehr? Nur noch ein Arm? Drei fehlende Finger? Keine Bio-Antenne?

Ich hätte dem Soldaten das Leid erspart. Aber das gilt objektiv in diesem Fall, als Entscheidung zwischen Not und größerem Elend und ich würde in jedem ähnlichen Fall neu darüber nachdenken.


Zitat
Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?

Ehrlicher und Kain haben nach einem Fall, der in jedem Fall nur ungerecht enden konnte, ihre Karriere als Kommissare an den Nagel gehängt. Absurd?
Wenn jemand einen Beruf anfängt, in dem man Menschen helfen möchte/soll/kann und dann in eine Situation kommt, die in jedem Fall scheiße ausgeht und obendrein dann nicht fähig ist, den Weg zu gehen, den man (ich denke jetzt mal, se hält es für "richtig" den Soldaten zu erlösen. Zumindest im Nachhinein.) für besser hält, dann prägt einen das.
Keineswegs absurd.


Zitat
Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.

Krankenhäuser einzuäschern ist auch verboten.
"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das Gleiche." (Hier wieder die Empfehlung, sich mal "Legends of the galactic heroes" anzusehen)

Ich finde das Verbot unsinnig. Ich finde es auch Unsinn, wenn Magie Gedanken manipulieren kann.
Dass sich ans Verbot niemand halten wird, zumal es so schwer ist, das nachzuweisen, liegt auf der Hand.

Die Existenz solcher Fähigkeiten an sich... macht mich sehr misstrauisch einer Geschichte gegenüber. Der einzige Fall, in dem ich so etwas gutheißen konnte, war Death Note und da auch nur wegen der Restriktionen, die damit verbunden waren. Star Wars ist schon grenzwertig.

Du verbietest sie ja selbst, weil es zu OP ist.


Zitat
Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?

Uff.
Ich denke an Warhammer 40k Geschichten, in denen Psyker nach dem Edikt in Situationen geraten, in denen ihre Fähigkeiten Kameraden aus ansonsten ausweglosen Todesfallen retten könnten.
Ja, wird sie. Du müsstest verdammt viel Arbeit in die Szene stecken, um mich davon zu überzeugen, dass sie es nicht tun würde. Zumal du eh eine Story draus machst, indem du sie in das Dilemma bringst. Ich denke nicht, dass du sie dafür sterben lässt.
(Außerdem hat sie ja eh schon ihre Fähigkeiten eingesetzt, um im Suff jemanden zu töten.)


So, danke für die Oliven. Schmecken auch gegrillt gut.
  • Ich schreibe gerade: Im Schatten des Mondes
Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das tun der Menschen das Gleiche.

Offline Rilyn

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Re: Oliven
« Antwort #2 am: 09 Mai 2016, 17:56:05 »
Hoi Sir Jason :)

Zitat
Zitat
Im Grunde war es nur eine weitere Befragung, denn wenn nicht von ihr, dann würde er es von seinen Kameraden erfahren, in der verdrehtesten Form, die bei der Wache kursierte; und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen.
Mangelt es mir oder dem Satz am Deutsch? Nach dem letzten Komma steige ich aus, egal wie oft ich diesen Teil zu verstehen und in den Rest des Zitats einzugliedern versuche.
Ugh, nein, der Satz ist grauenvoll lang und kaputteditiert. :hell:

Zum ersten Dilemma: eine eindeutige Antwort will ich auch gar nicht. :)
Danke für dein Feedback dazu! :cheerful:
Darauf kann ich auch gar nicht weiter eingehen, weil ich ähnlich denke; jeder Fall ist individuell, und ich könnte mir niemals abstrakt überlegen, was ich tatsächlich tun würde.

Zitat
Zitat
Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?
Ehrlicher und Kain haben nach einem Fall, der in jedem Fall nur ungerecht enden konnte, ihre Karriere als Kommissare an den Nagel gehängt. Absurd?
Wenn jemand einen Beruf anfängt, in dem man Menschen helfen möchte/soll/kann und dann in eine Situation kommt, die in jedem Fall scheiße ausgeht und obendrein dann nicht fähig ist, den Weg zu gehen, den man (ich denke jetzt mal, se hält es für "richtig" den Soldaten zu erlösen. Zumindest im Nachhinein.) für besser hält, dann prägt einen das.
Keineswegs absurd.
Interessanter Gedanke. Und ja, sie hält es für richtig, denn es ist seine Entscheidung, und diese Achtjährige wuchs mit einem sozialen Hintergrund auf, der freie Entscheidung und Eigenverantwortung sehr hoch wertet (im Kontrast mit Feudalismus, der selbigen stark einschränkt). Was sie stärker beeinflusst hat, ist wohl offensichtlich.
Es gibt noch mehr Gründe, weshalb sie diese Ausbildung an den Nagel hängt, aber die will ich hier gar nicht ausbreiten, weil sie ohnehin in dieselbe Richtung gehen: sie glaubt, auf andere Weise mehr erreichen zu können (Rittertum bedeutet letztendlich auch nicht nur, kämpfen zu können, sondern ist ihr Einstieg in die Politik und damit Einflussnahme auf einer anderen Ebene). Die Absurdität ist ihr zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mal bewusst.

Zitat
Zitat
Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.
Krankenhäuser einzuäschern ist auch verboten.
"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das Gleiche." (Hier wieder die Empfehlung, sich mal "Legends of the galactic heroes" anzusehen)
Ich finde das Verbot unsinnig.
Heh, ja. Und trotzdem gibt es die Genfer Konvention, und sie hat merklichen Einfluss, wenn er auch größer sein könnte. Taktische Atomwaffen werden nach wie vor genutzt. Aber der zusätzliche moralische Druck tut zusammen mit den Folgen von Hiroshima, Nagasaki, Mururoa und diversen Reaktorkatastrophen doch etwas ... ebenso, wie Bert The Turtle (Duck & Cover) zur Hirnwäsche in umgekehrter Richtung eingesetzt wurden.
Was in der Story vorkommt ist die große Katastrophe, die man dem Gebrauch von Zauberei anlastet, und die gerade mal etwas über zweihundert Jahre zurück liegt.

Zitat
Ich finde es auch Unsinn, wenn Magie Gedanken manipulieren kann.
Dass sich ans Verbot niemand halten wird, zumal es so schwer ist, das nachzuweisen, liegt auf der Hand.
So schwer ist es nicht nachzuweisen, aber die nötigen Infos habe ich blöderweise noch nicht einbezogen: man braucht einen verdammt guten Zauberwirker, der "gewaltsame" Manipulation von Gedanken durchziehen kann. Eine solche wird im Nachhinein hundertprozentig bemerkt, wenn der Manipulierte noch lebt. Subtilere Einflussnahme ist einfacher, aber gleichzeitig riskanter, denn es ist nicht sicher, ob man das gewünschte Ergebnis erzielt.
Dazu kommt physische Nähe als Notwendigkeit, idealerweise Sichtkontakt. Es wird also schwierig, den Zauberwirker nah genug an jemanden heranzubringen, und leicht, ihn im Nachhinein zu identifizieren.
In einem konkreten Kampf ist der Einfluss eindeutig: wenn eine ganze Gruppe von Kämpfern sich plötzlich gegen die eigenen Leute wendet, steckt mit ziemlicher Sicherheit anderes als Verrat dahinter. Es ist auch schwer genug, eine ganze Gruppe zu beeinflussen, das ist ein extremes Beispiel. Meleann könnte das nicht.

Obendrauf kommen zwei Aspekte:
Ich will, dass Magie nicht so leicht durchschaubar wird, weil darin der eigentliche Grund liegt, das man denjenigen, die sie nutzen, misstrauen kann.
Gleichzeitig weiß jeder in dieser Welt, dass Magie kein hanebüchener Quatsch ist, denn ihre Wirkung ist bekannt. Entsprechend gehen die Menschen damit um.
Magie ist nicht nur Sache von Magiern, im Grunde nutzt sie jeder, der für das Kleine Volk eine Schale Milch auf die Schwelle stellt oder ein besprochenes Pflanzengebinde in den Stall hängt. Der Übergang ist fließend, der Unterschied vor allem: was Magier tun, verstehen die meisten Menschen nicht, während die Schale Milch und das Gebinde jedem bekannt und gefahrlos sind.
Ein kruder Vergleich: Waffenbesitz ist in den USA ganz normal, aber die Vorstellung von taktischen Atomwaffen in Privatbesitz macht selbst den Befürwortern von frei erhältlichen Schnellfeuerwaffen Angst. Hierzulande gibt es dagegen nicht mal eine klare Definition von einem Schaukampfschwert als Sportgerät. ::)

Natürlich werden Menschen immer gegen ein solches Gesetz verstoßen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie. Solange Meleann beispielsweise mit Hilfe von Magie die Nachwirkungen ihres Saufgelages beseitigt, interessiert das niemanden. Wenn sie jemandem einen blöden Streich spielt und derjenige statt aus einem Kelch Wein plötzlich aus einem Kelch voller Spinnen trinkt, kommt es - in ihrer Heimat - darauf an, ob derjenige sie vor Gericht zerrt, und es wird mit einer Verwarnung und Entschädigung bzw Geldstrafe enden. Würde sie sich selbst in einer Kampfsituation damit stärken, und das käme heraus, wäre das auch kein eindeutiges Todesurteil; aber wenn sie ihren Gegner beeinflusst, ist sie dran. Im Nachbarland würde man sie für jede dieser Situationen ohne weitere Umstände hinrichten. Und auch dort gibt es lokale Herrscher, die ganz einfach die Klappe halten, weil sie den Nutzen von Zauberheilern in ihren Dörfern oder Städten kennen und bereit sind, das Risiko einzugehen, entlarvt zu werden. Ebenso nehme ich an, dass diese Geheimnisse in den wenigsten Fällen ein wirkliches Geheimnis sind, aber keine ausreichende Bedrohung, um deshalb größere Konflikte vom Zaun zu brechen.

Das Dilemma innerhalb der Story wäre keines, wenn Meleann nicht in aller Öffentlichkeit und absolut nachvollziehbar manipulative Magie nutzen würde, um etwas zu erreichen bzw zu verhindern. Damit trägt sie den Konflikt auf eine politische Ebene. Wenn ein Vertragspartner den Vertrag offensichtlich bricht, was hindert dann die anderen daran, ebenso zu handeln?

Zitat
Die Existenz solcher Fähigkeiten an sich... macht mich sehr misstrauisch einer Geschichte gegenüber. Der einzige Fall, in dem ich so etwas gutheißen konnte, war Death Note und da auch nur wegen der Restriktionen, die damit verbunden waren. Star Wars ist schon grenzwertig.
Du verbietest sie ja selbst, weil es zu OP ist.
Nein, nur, weil die Menschen zu viel Angst davor haben. ;)
Ich will in dieser Hintergrundwelt keine Magie, die extreme physische Auswirkungen hat. Dahinter stecken viele historische Vorbilder, obwohl ich den Monotheismus rausgeschmissen habe. Vergleiche das Spätmittelalter: alles, was als "Alltagsmagie" bis dahin Gang und Gebe war, wird mehr und mehr verboten. Dahinter steckt zwar die machtpolitische Durchsetzung des Christentums, aber die ist im Prinzip auf genau das reduzierbar und der weltlichen Macht in die Hände zu spielen (wo sie in dieser Welt liegt, da es keine geistliche Macht gibt): Magier sind mächtig und können viel Einfluss ausüben, also kontrolliert man sie besser. Das wird mal mehr, mal weniger restriktiv durchgesetzt. In einigen Gegenden, allerdings nicht dort, wo diese Story spielt, sind die Herrschenden üblicherweise Magier, und diese Länder sind auch nicht schlechter oder besser als Ort, an dem man leben könnte; einfach nur anders.

Zitat
Zitat
Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
Uff.
Ich denke an Warhammer 40k Geschichten, in denen Psyker nach dem Edikt in Situationen geraten, in denen ihre Fähigkeiten Kameraden aus ansonsten ausweglosen Todesfallen retten könnten.
Ja, wird sie. Du müsstest verdammt viel Arbeit in die Szene stecken, um mich davon zu überzeugen, dass sie es nicht tun würde. Zumal du eh eine Story draus machst, indem du sie in das Dilemma bringst. Ich denke nicht, dass du sie dafür sterben lässt.
Oh, ich habe einige Charaktere herumliegen, die durchaus eher sterben würden, als das zu riskieren. Aber du gehst richtig in der Annahme, dass Meleann nicht daran denkt, sich zu opfern. ;D

Zitat
(Außerdem hat sie ja eh schon ihre Fähigkeiten eingesetzt, um im Suff jemanden zu töten.)
Nö, dafür brauchte sie nichts weiter als ihr Schwert und ihre übliche Voreiligkeit. Sie hat den Mann getötet, weil sie betrunken war, nicht, weil sie ihn töten wollte.

Gegrillte Oliven muss ich ausprobieren. :voodoo: :kaffee2:

Liebe Grüße!
Ril
« Letzte Änderung: 09 Mai 2016, 20:49:42 von Rilyn »
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

Offline Nimmer

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Re: Oliven
« Antwort #3 am: 13 Mai 2016, 14:38:40 »
Hallo Rilyn,

ich will mich gleich um deine Fragen am Schluss kümmern.

Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Um diese Frage gehaltvoll beantworten zu können, brauche ich mehr Hintergrund. In der aktuellen philosophischen Debatte scheint mir die Frage kaum noch zu sein, ob Sterbehilfe erlaubt ist bzw. sein soll, sondern wie sie reguliert sein soll, um das Recht und Wohl aller beteiligten zu schützen - inklusive der Frage, welche Rechte gegeben sind; hat bspw. ein Arzt das Recht, die Bitte nach Sterbehilfe abzulehnen? Aber deine Welt hat vielleicht andere Werte als Grundlage als unsere; daher meine erste Rückfrage: wird das (menschliche) Leben als heilig betrachtet? Damit verbunden ist die zweite Rückfrage: wer wird als der Eigentümer des jeweiligen menschlichen Körpers angesehen? In manchen christlichen Auslegungen gilt als der Eigentümer jedes Körpers Gott, denn er hat den Körper geschaffen. Selbstmord ist vor diesem Hintergrund ein Verbrechen, weil der Selbstmörder etwas zerstört, was nicht ihm, sondern Gott gehört. In unserer Kultur, die ein Gemisch aus Säkularismus, Kapitalismus und Liberalismus ist, gehen die meisten Philosophen davon aus (unterstelle ich mal), dass der Mensch zu seinem Körper in einer Doppelbeziehung steht: er ist ein Körper und ihm gehört sein Körper. Da man mit seinem Eigentum machen darf, was man will, solange man nicht andere oder deren Eigentum schädigt, ist Selbstmord hier nicht unmoralisch (und der Begriff Selbst"mord" genau genommen falsch). Wie die Assistenz zum Selbst"mord" gehandhabt werden sollte, ist aber eine eigene Frage. Wie ist es in deiner Welt?

Zitat
Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?
Ob es absurd ist, kann ich nicht sagen, weil das Ereignis so knapp beschrieben ist. Einen direkten Begründunszusammenhang fände ich aber tatsächlich befremdlich. Mit direktem Begründungszusammenhang meine ich: Meleann beobachtet die Gnadentötung und will deswegen Soldatin werden. "Wieso?", würde ich fragen, "Verspricht sie sich, als Soldatin besonders viel Gelegenheit zu bekommen, Gnadentötungen an Verwundeten vorzunehmen? Eher wird sie doch normale Tötungen an Gesunden vornehmen." Wenn sie aber bspw. in dem Moment einfach merkte, dass das Arztdasein nichts für sie ist und sie daraufhin die nächstbeste Beschäftigung annahm, die sich ihr bot - hier Arlyn - fände ich das nicht absurd.

Zitat
Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
Selbstgewiss, über alle Zweifel erhaben; nonkonform; wenig Rücksicht auf Autorität (hier: der Ärzte) nehmend, obwohl sie militärisch ausgebildet worden sind.

Zitat
Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.

Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
Ja, siehe Eindruck.


Beste Grüße,
Nimmer
Ich schreibe gerade: etwas.

Offline Rilyn

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Re: Oliven
« Antwort #4 am: 13 Mai 2016, 17:54:42 »
Hoi Nimmer :)

Zitat
Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Um diese Frage gehaltvoll beantworten zu können, brauche ich mehr Hintergrund. In der aktuellen philosophischen Debatte scheint mir die Frage kaum noch zu sein, ob Sterbehilfe erlaubt ist bzw. sein soll, sondern wie sie reguliert sein soll, um das Recht und Wohl aller beteiligten zu schützen - inklusive der Frage, welche Rechte gegeben sind; hat bspw. ein Arzt das Recht, die Bitte nach Sterbehilfe abzulehnen? Aber deine Welt hat vielleicht andere Werte als Grundlage als unsere; daher meine erste Rückfrage: wird das (menschliche) Leben als heilig betrachtet? Damit verbunden ist die zweite Rückfrage: wer wird als der Eigentümer des jeweiligen menschlichen Körpers angesehen? In manchen christlichen Auslegungen gilt als der Eigentümer jedes Körpers Gott, denn er hat den Körper geschaffen. Selbstmord ist vor diesem Hintergrund ein Verbrechen, weil der Selbstmörder etwas zerstört, was nicht ihm, sondern Gott gehört. In unserer Kultur, die ein Gemisch aus Säkularismus, Kapitalismus und Liberalismus ist, gehen die meisten Philosophen davon aus (unterstelle ich mal), dass der Mensch zu seinem Körper in einer Doppelbeziehung steht: er ist ein Körper und ihm gehört sein Körper. Da man mit seinem Eigentum machen darf, was man will, solange man nicht andere oder deren Eigentum schädigt, ist Selbstmord hier nicht unmoralisch (und der Begriff Selbst"mord" genau genommen falsch). Wie die Assistenz zum Selbst"mord" gehandhabt werden sollte, ist aber eine eigene Frage. Wie ist es in deiner Welt?
Klasse, das ist genau die Frage, die ich im Text klären muss. :cheerful:
Die Beziehung Mensch - Körper entspricht ziemlich der modernen, wobei der Feudalismus (statt Kapitalismus) mit reinspielt, denn der jeweilige Lehensherr ist verpflichtet, sich um einen verkrüppelten Menschen zu kümmern, d.h. ein Dach überm Kopf und Grundversorgung. Das spielt hier aber nicht mit rein. Arlyn würde aus diesem Grund auch niemals jemanden aufgeben, weil ihre Familie sich das leisten kann und auch die entsprechende Reputation hat (kultiviertes Ehrverständnis, denn es ist schon gar nicht in Ordnung, jemanden des Geldes wegen sterben zu lassen). Ausschlaggebend für den Soldaten ist: will er ein solches Leben? Will er ständig auf jemanden angewiesen sein? Er wird wissen, welche Last das für seine Angehörigen ist; seine Welt hat zwar eine hochentwickelte Medizin, aber nicht den technologischen Level, um ihm ein halbwegs eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Der Glaube, der dahinter steckt, kennt keine Götter, die sich direkt um Menschen kümmern; eine konkrete Antwort auf ein Gebet (normalerweise eine Bitte um Anleitung, nicht um Hilfe) oder eine Vision, welcher Weg einzuschlagen sei, haben den Charakter von Wundern. Die Perfekten sind Ideale, nach deren Vorbild man sein Leben gestalten sollte. Es gibt mehrere Glaubensrichtungen: wem das gelingt, der geht in den göttlichen Idealen auf. Wer sich nicht darum kümmert, ist selbst schuld, denn er muss auch nach dem Tod noch lange daran arbeiten, und ohne Leben ist das schwierig bis unmöglich. Eine Strafanstalt wie die Hölle gibt es aber in keiner der Glaubensrichtungen, wobei im Volksglauben manchmal vorkommt, dass die Räbin (eine alte Gottheit, personifizierter Tod) diejenigen verschlingt, die es nicht zu den Perfekten schaffen. Die Vorstellungen reichen da von einem Gefolge der Perfekten und schlussendlicher Wiedergeburt bis zum Eingehen in die Gottheit. Aber alle haben Eigenverantwortung als großen gemeinsamen Nenner. Das Ideal kann eigentlich nur erreicht werden, wenn man nicht nur für sich selbst Verantwortung übernimmt, aber das ist das Mindeste.
Das ist auch der Grund, bzw ein Grund, weshalb die Heilkundigen den Soldaten nicht töten wollen; sie wollen ihm die Zeit geben, sich zurechtzufinden und seine Sicht der Dinge eventuell zu revidieren.

Arlyn hat die Erfahrung, was es für Soldaten bedeutet, eine Hand oder ein Bein zu verlieren, vielleicht kennt sie auch Blindheit und andere mögliche Kriegsverletzungen samt der Folgen. Sie kennt auch das Betteln eines Verwundeten um den Tod, und dass der vielleicht gar nicht mehr betteln wird, wenn er keine Schmerzen mehr leidet. Meleann hat von beidem keine Ahnung. Arlyn nimmt ihr den Dolch auch deshalb aus der Hand, weil sie sich selbst die Entscheidung und Verantwortung zutraut, aber diesem Kind nicht. Sie hat das oft genug getan; und sie weiß, dass in jedem einzelnen Fall die Verantwortung auch bei ihr liegt, egal, ob sie den Soldaten sterben lässt oder zum Leben zwingt, bis er vielleicht wieder Sinn darin findet. Wenn er ihn findet. Vielleicht entscheidet er jetzt, weil er ahnt, dass er es später nicht mehr fertig bringt (ich nehme an, Arlyn kennt einen solchen Fall).

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Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?
Ob es absurd ist, kann ich nicht sagen, weil das Ereignis so knapp beschrieben ist. Einen direkten Begründunszusammenhang fände ich aber tatsächlich befremdlich. Mit direktem Begründungszusammenhang meine ich: Meleann beobachtet die Gnadentötung und will deswegen Soldatin werden. "Wieso?", würde ich fragen, "Verspricht sie sich, als Soldatin besonders viel Gelegenheit zu bekommen, Gnadentötungen an Verwundeten vorzunehmen? Eher wird sie doch normale Tötungen an Gesunden vornehmen." Wenn sie aber bspw. in dem Moment einfach merkte, dass das Arztdasein nichts für sie ist und sie daraufhin die nächstbeste Beschäftigung annahm, die sich ihr bot - hier Arlyn - fände ich das nicht absurd.
Ich hoffe, der letzte Gedankengang hier ist der erste, der einem in den Sinn kommt, denn der trifft es weitgehend. ;D
Es ist aber nicht die nächstbeste Beschäftigung, sondern eine, die sie in eine Position bringt, in der sie tatsächlich etwas erreichen kann, nicht nur "die Symptome behandlen". Sie will in die Politik, aus Gründen.

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Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
Selbstgewiss, über alle Zweifel erhaben; nonkonform; wenig Rücksicht auf Autorität (hier: der Ärzte) nehmend, obwohl sie militärisch ausgebildet worden sind.
Über alle Zweifel erhaben nicht, aber ich denke, den Vorwurf kennt sie. Selbstgewiss auf jeden Fall. Mit den Folgen der Zweifel und deren Überbleibseln muss sie, nach eigenem Verständnis, auch selbst fertig werden.

Danke für den Feedback! :kaffee2:

Liebe Grüße,
Ril
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

Wolfsrufer

  • Gast
Re: Oliven
« Antwort #5 am: 14 Mai 2016, 17:31:52 »
Hallo Rilyn!

Die Zeitfresser haben mich fest im Griff, aber heute nehm ich mir Ohrenschmerzen und Olivenfrei  ;D
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Vorweg: es geht in dieser Szene nicht um Oliven. ;D
Oh, sie zeigen aber eine Menge und dienen der Erziehung :cheese: Nehmen tue ich aber keine. Igitt  :grinwech:

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Es geht auch nicht um die Szene, denn die ist nicht vollständig. Es geht um zwei Dilemmata, die hier angerissen werden, und von denen eines mit dem Hauptkonflikt der Story zusammenhängt.
Details und Verständnisprobleme dürfen gerne geröstet werden.
Naja, ohne Text kann ich nicht. Also
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Die Geschichte dahinter ist ein Krimi; kein Whodunit, sondern eine vom Ablauf her Whodunit-ähnliche Redeemer-Story, denn Meleann hat, als sie in einer Gasse zwei hilflose Menschen verteidigen wollte, den Angreifer erstochen. Dummerweise stellte der sich als sehr hohes Tier heraus. Die Zeugen sind verschwunden. Meleann ist zu gleichen Teilen unter Hausarrest gestellt / hat Zeugenschutz. Weiter muss ich das wohl nicht ausbreiten.
Au verflixt!
aber Grundlage. Sie verteidigt zwei hilflose Leben und tötet den Angreifer. soweit ich verstanden habe aber, weil sie betrunken ist. Sie hat also ihre Fähigkeiten nicht im Griff gehabt.
Ergebnis ist aber Leben retten = Leben töten.
Beim Soldaten ist es Leben als Krüppel auslöschen = bisheriges Leben gerettet. der Soldat kann als er selbst sterben und muss nicht dieses neue Leben als Krüppel führen.
Da ist ja eine deutliche Parallele zu meinem Lahe. Er wäre auch gestorben und hätte nichtmal bitten müssen, wie dieser Soldat. Dieser ist sich des drohenden neuen Ichs bewusst und will nicht. Das er ein Kind um den Tod bitten muss, ist grausam, das er es tut unterstreicht nochmal die verzweifelte Lage und die große Angst, die er hat.
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Der Soldat hier ist einer von mehreren, die für ihre Sicherheit und Anwesenheit sorgen sollen.
Meleann selbst ist eine Cavallera (Ritterin), achtzehn Jahre alt, und seit knapp einem Jahr im Dienst der Hauptstadt, also "eine bessere Stadtwache"; und ein vorschnelles Großmaul.[/quote
Das sie so verdammt jung ist, macht es für mich schwieriger. Auch acht Jahre finde ich verdammt jung für das was sie schon aushalten muss. Also Kriegsverletzte versorgen helfen. Deine Welt, zumindest der Teil in dem sie lebt, scheint keinen Begriff von Kindheit zu haben.

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Ihre Hausdienerin, die mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde, frönt wieder selbigem und hat sich zuvor geweigert, heimlich aus dem Fenster zu klettern, um jemandem Informationen zu überbringen.
Arlyn dal Laética ist Meleanns frühere Mentorin.
Oh, so ist die chance gar nicht mehr präsent? Kann sie nicht Nachrichten verschicken, offiziell?

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Einer der erwähnten Konflikte wird hier nur im Hintergrund angerissen, der andere ist der große: Zauberei ist nicht generell verboten, aber für Kämpfe. Dahinter steckt ein selbstverständlich ziemlich fragiles Abkommen mehrerer Königreiche und anderer Herrscher, die bemerkt haben, wozu Kriegsführung wird, wenn man Zauberei einsetzt. Fragen am Ende.
Okay dann beschäftige ich mich unten damit. Generell wirkt das natürlich befremdlich. Man ist bereit Leben auszulöschen, aber bitte nicht mit Magie?
Auch da fühle ich mich an meinen Text erinnert. Ich habe ja ein ähnliches Problem. Meine Schp'tar setzen ihre Magier ja auch nciht gegen das Leben ein, was ihnen die beherrschende Menschheit einfach nicht abkauft. Bei ihnen ist es die Verbundenheit mit allem lebenden, das ihnen diese Idee gar nicht eröffnet. Diese Verbundenheit können die Menschen nicht nachvollziehen, weshalb das Misstrauen bleibt und auch die Tatsache, das sie diese mächtigen Wesen töten können, lässt sie nicht nachdenken, das da irgendwas nicht stimmen kann mit der gefährlichkeit. Sie schieben das wohl einfach auf die Macht ihres Gottes.
Also was lässt Menschen in den Kriegswirren glauben, am Ende würde noch jemand da sein, der Ermittlungen aufnimmt, um Zauberwirker zu entdecken und zu richten? Dürfen Gesichter nicht verhüllt werden, sonst wäre es ja nun ein leichtes, sich unter uniformen zu verbergen. Wird Magiefähigkeit irgendwie geprüft? Gibts Eide, die geleistet werden müssen, magisch abgesichert?
Genfer Konvention betrifft, vorallem die, die nicht mehr an Kampfhandlungen teilnehmen können. Überwacher ist da das Rote Kreuz.
Atomwaffen sind deshalb so unbeliebt, weil die Effekte über eine unabsehbare Zeit die ganze Welt betreffen, ergo auch den Anwender. Das hält die Anwendung im Zaum.
Also, wie machen die das in deiner Welt? wie wird dieses Abkommen durchgesetzt?



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[...]
Der Soldat stand vor ihrer Büchertruhe, streckte eine Hand aus und zog sie wieder zurück, als die Treppe unter ihren Schritten knarrte.
"Misshandle meine Bücher nicht, und ich misshandle dich nicht."
Interessant, das sie nicht sagt, misshandelst du meine Bücher, misshandele ich dich! sie ist also auf der Seite, ich will nicht.
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Sein Gesicht konnte sie im Schatten nicht sehen. Der Deckel der Truhe quietschte; er spähte hinein.
"'Des Feldschers Handbuch'?"
"Oh, er kann lesen", spottete sie und erntete einen Blick, so giftig wie ihre Worte. Er knallte die Truhe zu.
"Was meinte der Hauptmann mit Knochenflickerwissen?"
Wieso weckt das sein Misstrauen? Sie hat Fachbücher für Medizin und ist medizinisch gebildet, das passt doch super. Also müsste das Buch etwas anderes sein um verdächtig zu sein.
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"Hübsch verdächtig, hm?" An ihm vorbei stiefelte sie zum Tisch. "Wenn du damit fertig bist, mich zu berauben, setz dich und bring den Krug vom Fenstersims mit."
vorbeistiefeln find ich zu auffällig. Warum? Und wieso berauben? Er hat die Truhe zugeknallt.
Und Erziehung, sie bremst ihn aus, er gehorcht
Sie sagt ihm er soll was bringen, er tuts
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Bis er mit dem vollen zurück war, drehte sie zwei der Becher um und füllte Öl in der Lampe nach. Diesmal saß sie mit dem Rücken zur Wand. Im Grunde war es nur eine weitere Befragung, denn wenn nicht von ihr, dann würde er es von seinen Kameraden erfahren, in der verdrehtesten Form, die bei der Wache kursierte; und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte(fehlt da ein er? ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen.
Rücken zur Wand schützt den Rücken zumindest, in den Rücken fallen, sagt aber das der Rücken und geschützt ist, die beiden Redewendungen beharken sich
Allgemeine Überlegung, oder will sie ihn dazu bringen, ihre Nachricht weiterzuschicken, wo die Hausdienerin sich weigerte? (Dann sollte da ein er hin eventuell)
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Weshalb hatte sie dann betrunken gekämpft? Oder gar Zauberei gemeinsam mit der Waffe genutzt? Der Vorwurf allein konnte tödliche Folgen haben.
Also Zauberei hätte sie benutzen sollen, um nicht betrunken zu sein, aber es dann im Kampf genutzt. also in jedem Fall ist man gegen sie eingestellt?

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"Meine Altvorderen waren der Meinung, ich sollte lernen, Leute zusammenzuflicken. Fürs Auseinanderschneiden reichte es."
Also daraus spricht Versagen. Soldat sein als schlechtere Wahl, der Tod des Mannes frustrierend. Aber es reicht für so einen offenen Kommentar. Meleann ... Typisch, Klappe ist schnell
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"Mit Schwertern, oder auch mit Chirurgenmesserchen?"
Hier fehlt mir der Kontext. Er weiß doch in welchen Schwierigkeiten sie hier ist. Ist das ein aufmunternder Scherz oder ist er deppert?
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"Skalpelle, du Banause. Schenk ein."
Kompetenz darstellen? War sie mit acht schon bei Skalpellen?
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Er schnupperte am Krug. "Eh. Wasser."
Ja, warum sollte er sich mit ihr zusammen zum Wassertrinken hinsetzen? Da fehlt mir dann das drumherum, das es heiß ist und er darf eigentlich nichts trinken? Dann wäre es wieder ein, ihn sich zum Freund machen
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"Ich bin nicht reich genug, um mich dauerhaft zu betrinken. Vielleicht hätte ich beim Zusammennähen von Menschen bleiben sollen."
sie ist nicht reich genug? Und war sie schon soweit Menschen zusammen zu nähen. Dadurch das sie da erst acht ist, das ist mir einfach zu jung, auch was die Fingerfertigkeit angeht.
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Den Becher, den er gerade an die Lippen gehoben hatte, stellte er schnell wieder ab. "Haben sie Euch rausgeschmissen, weil Ihr kotzen musstet?"
wieso stellt er ihn schnell ab? Und sie ist Soldatin. Wie kommt er da auf kotzen?
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"Nein, weil ich einem armen Kerl helfen wollte. Mit einer Klinge."
"Skalpell."
Da ist er mir zu sehr Stichwortgeber. Statt Skalpell, höchstens "versagt" sich zu viel vorgenommen?
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"Gnadendolch. Da war ein verstümmelter Söldner, hatte noch den Kopf, den linken Arm und das halbe rechte Bein. Überlebt hätte er's, aber er wollte nicht. Und weil kein Medicus einen Patienten umbringen wollte, auch, wenn der darum bettelt, hat er sich an die kleine Rotzgöre gewandt, die neue Verbände bereitlegen sollte."
Es ist schon sehr eindeutig, das er kein Lebenswertes Leben mehr haben kann. Ich finde den größeren Skandal, dass er ein Kind bitten muss. ich habe deine Antwort an Nimmer gelesen. Welche Religion hatte Melann als Kind damals? Wieso ist sie bereit es zu versuchen? Und wieso lässt du sie als Autorin es nicht tun?
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"Und Ihr habt -"
"Ich hätte es vermasselt, wenn nicht Cavallera dal Laética zugegen gewesen wäre. Sie hat mir das Stilett weggenommen und ihm ein schnelles Ende gegönnt. Die Heilkundigen waren froh, dass sie mich als Ensifera mitgenommen hat. Ich auch."
Hätte sie es gekonnt? Warum denkt sie, sie hätte es vermasselt?
Die Cavallera kann, was sie nicht konnte. Erlösen. Das war ihr wichtiger als leben retten, wenn du das mehr in den Text kriegen willst, würde ich den unterstrichenen Teil etwas mehr darauf beziehen, lebendiger machen, wie er sie gebeten hat, wie die Medicus sein Bitten abgelehnt haben und wie die das empfunden hat. Also durch die art wie sie es sagt, ein zögern ... Denkpause. Es ist der Wendepunkt ihres Lebens, den sie da so daherplaudert. Klar sie ist Meleann, aber so ein bisssschen mehr ...
Für mich wirkt es jetzt so, als sei sie rausgeworfen worden, weil sie das tun wollte, eignet sie sich nicht zum Medicus, sondern eher zum Todesengel und deshlb muss die Cavallera sie mitnehmen. Nur, welche Strafe hatte denn die Cavalera zu erwarten, warum durfte sie das tun?
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Sie schob die Schale mit den Oliven in die Mitte des Tisches und steckte sich eine grüne in den Mund. Der Soldat fischte zwei schwarze heraus.
Sie bietet ihm jetzt was zu essen an, schauen, ob er es nimmt nach der Geschichte. Sie isst zuerst, er nimmt jedoch zwei mit einer anderen Farbe.
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"Was bin ich froh, dass Ihr keine Knochenflickerin seid", frotzelte er. "Ich kenn' die Geschichte etwas anders."
"Ja, ich weiß, ich soll den Söldner in meiner Unfähigkeit so zugerichtet haben. Außerdem habe ich ihm die Beine eines Toten angenäht und ihn verzaubert, dass er um Mitternacht durchs Spital gewankt ist."
Wieso kennen sie eine 10 Jahre alte Geschichte von sonstwoher (oder ist sie da Zuhause und eine Berühmtheit?)
Wer sollte die Geschichte weitererzählt haben, wieso sollte die Geschichte überhaupt wichtig genug sein, um weitererzählt zu werden. Das kann doch nur die Cavallera gewesen sein oder die Medici von damals... oder sie selbst ...
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"Und, habt Ihr?"
"Natürlich. Achtjährige tun dergleichen ständig. Da ist ein Teller, spuck die Kerne ja nicht auf den Boden!"
Ironisch und Erziehung. Beharren auf der Rolle als Kommandierende, als Soldatin.
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Gerade noch drehte er den Kopf und sah ertappt drein. Ein Kern klapperte auf den Holzteller. An der zweiten Olive vorbei murrte er: "Ihr führt hier wohl 'ne Kaserne."
Er murrt die Ablenkung hat funktioniert.
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"Du bist schließlich im Dienst, Soldat", konnte sie sich nicht verkneifen, obwohl sie damit die eigenen Gedanken damit zurücklenkte auf das, worüber sie mit ihrem müden Schädel nicht nachdenken wollte. Nun saß ihr die Ungewissheit wieder im Nacken. "Verdammter Dreck."
Das hinaus aus dem Soldat sein, hab ich in der szene nicht so gefühlt. was ist er für sie? Wie alt kann er überhaupt sein. Sie behandelt ihn wie einen noch jüngeren und er benimmt sich auch so, wie jung kann er sein? Wie korrespondiert sein Alter mit dem des Söldners.
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"Allerdings", interpretierte ihr Gegenüber den Themenwechsel richtig. "Falls es Euch beruhigt: Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihr vorsätzlich mordet. Trotz ... dieser Geschichte."
Das Satz fällt aus dem Rahmen des Tons und macht auch diese Ebene auf, das ihr bewusst ist, das sie einen THemenwechsel vollzieht und er wirkt auch erwachsener auf einmal.
Und der Satz ist seltsam. Es ist ihr Beruf vorsätzlich zu morden. Oder sorgen sie im Kampf immer dafür, das der Gegner eine Möglichkeit hat sich zu wehren, keine Pfeile, kein ... Also steht wirklich zur Debatte, sie hätte diesen Prinzen vorsätzlich ermordet? Welches Motiv?
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Ob seiner plötzlichen Ernsthaftigkeit musste sie lächeln; ein ziemlich schiefes Lächeln.
"Bezeugst du das auch noch, wenn man einen Sündenbock braucht?"
Er runzelte die Stirn.
Meint er, sie meint ihn als Sündenbock? Oder das man überhaupt einen Sündenbock braucht. ansonsten sollte ihm doch klar sein, dass er sie hier bewacht und das aus einem Grund. Auch die Politische Tragweite eines Prinzentods müsste ihm doch klar sein. Also ist die Frage, wieviel zutrauen hat er warum in das Rechtssystem?

Wolfsrufer

  • Gast
Re: Oliven
« Antwort #6 am: 14 Mai 2016, 17:32:19 »
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Meleann schnaubte. "Ein toter Königssohn, eine betrunkene Cavallera, keine Zeugen, keine Beweise", beantwortete sie die unausgesprochene Frage. "In Ungnade gefallen oder nicht, er war offenbar nicht dabei, sich zu rehabilitieren."
"Ihr meint, die königliche Familie will's nicht hinterfragen?"
Hm, wieder Stichwortgeber, oder Hintergrund?
Zitat
Sie hob die Schultern. "In dem Fall hoffe ich, dass der Scharfrichter bestechlich ist."
"Ist er nicht."
"Verdammnis."
Oh, nett, dass er ihn kennt, das kommt ja wie aus der Pistole Armbrust geschossen.
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In der folgenden Stille fragte sie sich, wie sie darüber scherzen konnte, und ob ihrem Verstand nicht klar war, was auf sie wartete. Lag es am Wein? Oder einfach an der verrückten Situation? Zum Lachen war ihr nicht zumute; zur Angst reichte es auch nicht.
sie hat Wasser getrunken. Es reicht nicht zur Angst? Die Geschichte mit dem Söldner, wäre hier so viel schöner tiefer ausgebaut. Hatte er Angst? Was wäre, wenn sie nun nicht mehr Cavallera sein könnte? Was sind die Strafen, kann sie auch nur ihre Schwerthand verlieren, weil sie betrunken Totschlag begangen hat?
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"Macht Euch erst einmal keine Sorgen." So, wie er sie nun ansah, wirkte er deutlich älter. "Der Hauptmann kennt Euch, und ich kenn' ihn, und ich sag Euch, er wird Euch nicht dem Hohen Gericht zum Fraß vorwerfen."
Lauter anständige Leute, in seiner Welt? Oder tatsächlich?
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"Der nicht." Aber das Wort eines Wachhauptmanns hatte kein Gewicht gegen das eines Repräsentanten der Königsfamilie. "Ich wüsste zu gerne, was meine hochwohlgeborene Leiche vorhatte. Sucht ihr noch nach der alten Frau und dem Kind?"
Der Soldat nickte. Natürlich, Thierro; ihn hatte der Hauptmann dorthin geschickt.
Ist der Name später wichtig und einer sucht nur ... in so einer wichtigen Sache. Das stinkt schon ...
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"Und?"
"Darf ich Euch nicht sagen."
"Tu es lieber, sonst konfisziere ich meine Oliven."
Rasch griff er nochmals in die Schüssel. Ihr misslang ein Grinsen.
"Bitte. Was soll ich mit dem Wissen schon anfangen."
"Mich anschwärzen."
"Und mich damit noch verdächtiger machen, sicher doch."
Versteh ich nicht, aber er muss es ja nur glauben.
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Er fügte den Kernen auf dem Teller drei weitere hinzu, bevor er sich überwand. "Die Nachbarn sagen, die Alte wohnt seit Jahrzehnten dort, alleine. So sieht ihr Häuschen auch aus. Na Viera wird sie genannt."
"Na? Domna? Weshalb nennt man sie Herrin?"
"Vielleicht verarmter Adel. Oder sie stammt aus einer alten Bürgerfamilie." Die letzte schwarze Olive verschwand aus der Schale. "Eh, seht mich nicht an, als würde ich das für Euch rausfinden. Ich hab schon viel zu viel gesagt."
"Kein Wort hast du gesagt." Der Becher war leer; sie stand auf und gähnte. "Erfolgreiche Nachtwache. Lies das Buch, wenn du willst. Es hält hervorragend wach."
Ein Hinweis nehme ich an. Das Buch ist ja noch in der Truhe. hier fehlt er mir auch wieder ein bisschen, wie er kuckt ...

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Noch lange hörte sie ihn in der Stille des Hauses durch Knochenbrüche, Wundversorgung, veraltete Rezepturen aus Schlangenaugen und andere Alpträume blättern. Die Katze war noch nicht zurückgekehrt. Ansonsten wusste sie nicht, wie viel Zeit vergangen war; Zeit, in der ihre Gedanken nur darum kreisten, wie tief sie in der Patsche steckte. Die Angst blieb aus, die Unruhe wuchs. Vielleicht sollte sie an Arlyn schreiben. Ohne Leumundszeugen mochte es vor Gericht übel für sie aussehen, und es war besser, sich dieser Zeugen zu versichern, bevor jemand anders ihr Zögern zu seinen Gunsten nutzte.
Jemand anders. Wer immer das sein mochte, es wäre niemand, dem eine landlose Cavallera das Geringste entgegenzusetzen hatte. Die Schwester des Condo dal Laética schon. Hoffentlich.
Hat sie wirklich keine Angst, oder will sie sich das einreden? Die Geschichte des Söldners hat so kein Echo in der Szene. Das finde ich schade, weil es eben ein Wendepunkt in ihrem Leben war, wie auch dieser wohl ein Wendepunkt sein wird. Ist natürlich die Frage, wieviel sie schon vorher gedacht hat. Aber die ERinnerung an das Leben, das sie nun Cavallera ist und ihr Ehrgefühl sie in diese Situation gebracht hat, neben ihrem Leichtsinn zu trinken und zwar zuviel.
[...]


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Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Verletzungen sind schon drastisch für einen Mann, der Soldat ist. Andererseits bietest du ja den Ausblick auf ein anderes Leben, da es sowas wie Wohlfahrt gibt. Aber das ist nicht wirklich eine Alternative und vorallem konnte er ja sprechen und entscheiden. sie entscheiden sich also bewusst gegen den Wunsch des Patienten und das mit Magie.
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Die Idee dahinter ist schon alt; ich bin nicht sicher, ob ich damals schon von Johnny got his Gun wusste, aber es geht um genau das. Zauberei konnte den armen Kerl retten, aber sie kann keine verlorenen Gließmaßen nachwachsen lassen. Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?
Es wirkt nicht so als ob sie sich entscheidet, sondern als ob sie rausgeworfen wurde, da sie um Medicus nicht taugt, wenn sie den Bitten Verletzter schon in dem Alter nachkommen will, statt unbedingt auf der Seite des Lebens zu stehen. Es muss also so eine Art hippokratischen Eid geben.
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Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
Arylin hat in jedem Fall ihr Potential erkannt und ihre Entscheidung für den Gnadentod ja geteilt. sie teilen also eine Einstellung. Nur ist die Frage eben, wieso durfte sie das? Wenn er leben sollte und das gesetzeskonform ist, dann würde ihn zu töten, auch auf verlangen, doch ein Gesetzesverstoß sein. Oder gehörte er ihren Männern an und durfte sie deshalb die Ärzte überstimmen?

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Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.
Dahinter steckt Zauberei, die nichts mit Feuerbällen und Berechenbarkeit zu tun hat. Magie wird meistens auf geistiger Ebene eingesetzt denn die physische Welt zu manipulieren ist schlicht zu schwer, als dass ein Durchschnittsmagier einen Feuerball zustande brächte.
- Magie macht Formationen in Feldschlachten zu einer potentiellen Todesfalle, wenn die Formation aufgrund von Beeinflussung zerbricht oder sogar die eigenen Leute der eigenen Linie in den Rücken fallen. Soldaten sind nicht nur Soldaten, sie haben auch ein normales Leben, das meistens mit Feldarbeit und Nahrungsgewinnung zu tun hat.
Du meinst sie sind deshalb leichter beeinflussbar die eigenen Leute anzugreifen? Wegrennen nach Hause wäre da eine Option, die eigenen Leute angreifen noch wenig willig als den Feind. (Eingedenk dieser Untersuchungen vom danebenschießen in Kriegssituationen.)

Zitat
- Magie macht jeden Strategen und Taktiker undurchschaubar. Es kommt regelmäßig zu Prozessen, in denen man herausfinden will, ob ein Feldherr schlicht unfähig war, oder ob er manipuliert wurde. Deshalb herrscht der allgemeine Konsens: keine Magie im Zusammenhang mit Kampfhandlungen.
Hm, wäre dann ja die Perfekte Ausrede für jede Niederlage. Und das herausfinden ist nun leicht oder schwer? Und ich kann dieses Argument nicht so recht nachvollziehen. Wenn es so machtvoll ist, wäre das bestreben, besser zu sein darin als der Feind, Abwehrzauber und mentale Trainings zu entwickeln, dem zu widerstehen. Eher wettrüsten als so einen vorteil tatsächlich unter Feinden vertraglich verbieten lassen. Sinn ergibt das für mich höchstens offiziell, aber inoffiziell ... wäre das schön blöd und völlig wider die menschliche Natur. Man schützt die eigenen Leute und will mit möglichst wenigen Verlusten gewinnen, nicht "anständig".

Zitat
Tjarun, das zu den liberaleren Königreichen gehört, erlaubt aber Magie zu Forschungszwecken (v.a. Naturwissenschaften) und Heilkunde.
Forschungszwecken ... da denk ich sofort an die Rüstungsindustrie  ;D
Zitat
Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
die Genfer Konvention soll Leute schützen, die aus der Kriegshandlung fallen, Zivilisten, Verwundete, Gefangene. Das ist der schutz der schwächsten udn macht für beide Seiten sinn, ein brechen deR Konventionen, würde gleiches nach sich ziehen für eigene Hilflose. Da ist die Grenze. sowas subtiles innerhalb einer Krieghandlung, wo es ums gewinnen geht. Macht keinen sinn. Hier wirkt Meleann auf mich so, als ob sie gar keine Optionen hat, den Scharfrichter nur bestechen könnte, nicht manipulieren, diesen Soldaten auch nicht. Ihre Fähigkeiten spielen gar keine Rolle in dem Stück. Sie manipuliert ihn ja auch nicht, um Infos zu bekommen, oder lässt ihn vergessen, was er gesagt hat, oder doch? sidn die Oliven doch mehr? Ich bin ja in ihrem Kopf. Also was Scharfrichter oder verschwinden. Das Gericht aushalten, wieso? Will sie Cavallera bleiben, hat sie keinen weiteren Lebensentwurf? Was denkt sie das Arylyn von ihr denken wird? Sie hat betrunken einen Mann getötet, den sie hätte nüchtern einfach gefechtsunfähigk hätte machen können? Ja oder nein? Weiß sie das? Vermutet sie das?
Beim Söldner hat sie ehrenvoll gehandelt. Bei diesem Prinzen hat sie das nur versucht und hat ein Leben genommen. Offensichtlich kein so arg wertvolles und du machst es moralisch auch eher einfach, eine Alte Frau und ein Kind. Da hatte sie keine Wahl. Oder wird sich herausstellen, das dort Magie am Werk war und die Alte den Prinzen manipulierte? Merkt ein Zauberkundiger, wenn Magie gewirkt wird?
Hach, ich liebe deine Texte, könnte ewig drin rumspazieren. Hätte ich nur im Moment einen 48 Stunden Tag. Ich hoffe, ich habe nur ein bisschen andere Aspekte angesprochen ...
Schreib bloss schneller weiter! (Ja ich weiß, sagt die richtige. Aber du WIRST veröffentlichen  :cheerful: )

Ganz Liebe Grüße!!!

Offline Lilith

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Re: Oliven
« Antwort #7 am: 17 Mai 2016, 19:45:34 »
Hallo Rilyn!


Da ich beschlossen habe, mein Hirn aus seiner aktuellen Schlafstarre mal wieder ein bisschen aufzuwecken, dachte ich, ich versuche mich mal an einem Kommentar zu deinem Text. Gelesen habe ich ihn schon vor einer Weile, die Röstungen, die folgten, ebenso, von daher hatte ich nicht nur Zeit, etwas darüber nachzudenken, sondern bin in meinen Gedanken sicher auch beeinflusst von dem, was du und die anderen dazu geschrieben haben.

Wie dem auch sei - gehen wir zu Werke. :devsmile:
Und ich fange direkt mit deinen Fragen an.

Zitat
Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Idee dahinter ist schon alt; ich bin nicht sicher, ob ich damals schon von Johnny got his Gun wusste, aber es geht um genau das. Zauberei konnte den armen Kerl retten, aber sie kann keine verlorenen Gließmaßen nachwachsen lassen. Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?

Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
An sich finde ich die Frage danach, ob man den Soldaten umbringen sollte, spannend, auch wenn sie für mich eigentlich die klassische Frage nach Befürwortung aktiver Sterbehilfe ist. (M)Ein Problem meiner Ansicht nach in dieser Szene ist, dass das viel zu kurz kommt, um gewichtig zu wirken. Es wird sehr schnell abgehandelt und die unterschiedlichen Positionen dazu kommen kaum zum Ausdruck. Dadurch, dass der Soldat nur die späteren Horror- und Lästervarianten dieser Geschichte kennt und Meleann ihn über die Wahrheit aufklären muss, bekommen wir zudem noch ihre Sicht der Dinge auf dem Silbertablett serviert, die nochmals dadurch verstärkt (und die gegenteilige Ansicht abgeschwächt) wird, dass sie doch ein recht meinungsstarker Charakter ist; eine, die sich durchzusetzen weiß, auf alles eine Antwort hat (Großmaul) und irgendwie abzuwiegeln weiß - viel schöner finde ich also hier tatsächlich ihre Unsicherheit darüber, dass sie nicht weiß, was sie tun kann und soll, weil sie wirklich tief, tief in der Patsche sitzt. Aber sie funktioniert noch auf ziemlich hohem Niveau.

Ahem. Zurück zu den Fragen.
Zitat
Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Ärzte wirk(t)en auf mich erst einmal, als handelten sie nach einem wie auch immer genau in deiner Welt gearteten hippokratischen Eid. Ich denke, ein Problem ist, dass ihre Position nicht so recht herauskommt ... also von niemandem richtig verteidigt wird. Der Soldat wirkt auf mich recht jung und auch unerfahren - könnte der nicht auch als eine Art Sprachrohr für die andere Seite fungieren und Meleann damit etwas herausfordern, ihre eigene Ansicht noch zu unterstreichen? Es muss ja nicht auf eine tiefe philosophische Diskussion hinauslaufen, sondern kann durchaus auch in dem frotzelnden Tonfall bleiben, den sie jetzt schon anschlagen.
Wer "richtig" gehandelt hat ... Huh ... Ich persönlich befürworte aktive Sterbehilfe durchaus und in diesem Fall ist die Notlage des Verwundeten sehr eindeutig und sein Leid und Betteln einfach nachvollziehbar, man kann sich leicht hineinversetzen - und die Frage danach, ob das, was einem nach den Schmerzen und dem (oberflächlichen) Verheilen der Wunden noch bleibt, noch ein Leben ist, das man leben möchte. Er will offensichtlich nicht - kann ich verstehen. Dass Arlyn ihm dann die Gnade gewährt, im Gegensatz zu den Ärzten, macht sie auf jeden Fall nicht unsympathisch. Ich weiß nicht, was mir auch etwas fehlt, ist auf der anderen Seite die Frage danach, inwiefern der Verwundete in seiner Wahrnehmung und seinem Urteilsvermögen vom Leser als "beeinträchtigt genug" verstanden werden kann, um sich auf die Seite der Ärzte zu stellen und zu sagen: "Warten wir lieber noch ein Weilchen, dann sieht die Welt auch wieder anders aus und du bist eventuell sogar froh, überlebt zu haben." Um des Dilemmas willen würde ich diese Episode also eher noch ausbauen. Kommt das später noch einmal vor, wird das irgendwo angeschnitten? Vielleicht kann man es dort vertiefen. Wenn nicht, wäre ich dafür, das an dieser Stelle etwas zu tun und sei es "nur" über das, was Meleann und der Soldat darüber im (Streit-)Gespräch reflektieren können.

Ob Meleann richtig gehandelt hätte, wäre Arlyn nicht gewesen ... die Antwort verbietet sich mir fast - allein aufgrund ihres Alters. Mit acht ist man noch verdammt manipulationsanfällig - damit meine ich nicht zwingend naiv. Über "naiv" dürfte Meleann bei ihrer Hintergrundgeschichte deutlich hinaus sein. Aber aufgrund des Alters spreche ich ihr eine vernünftige und sichere Entscheidungsfindung von vorneherein ab; da ist von der möglichen Entwicklung in dem Alter einfach zu wenig gegeben, um Meleann zur Rechenschaft ziehen zu können. Kennst du eins der Giftschrank-Märchen "Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben" von den Gebrüdern Grimm? (Falls nicht: klick.) Das hauptsächlich als Denkanstoß über Ansichten zu kindlicher Schuld und Unschuld.
Die Frage ist also auch, wie weit Meleann ist. Und, sorry, bei acht Jahren kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass da schon soviel Reflexionsfähigkeit vorhanden ist. Was ich mir aber vorstellen kann, ist, dass sie diese Frage nach der Richtigkeit ihres Tuns (bzw Lassens) für sich selbst in den darauffolgenden Jahren wieder und wieder gewälzt hat, vielleicht sogar mit Arlyn zusammen, um (auch identitätsbildend) zu einem Abschluss für sich zu kommen.

Zitat
Und Meleann entscheidet in Folge dieses Geschehens, eine Cavallera zu werden, statt ihre Ausbildung zu vollenden. Absurd?
An sich: Nein.
Auch hier kommt aber wieder das Alter ins Spiel: Wie gefestigt kann so ein Entschluss einer Achtjährigen sein? Klar, der Entschluss war wohl richtig bzw wird er ihre gesamte spätere Laufbahn beeinflussen und sie an den Punkt bringen, an dem sie jetzt ist. Dass es ein Schlüsselmoment für sie ist, um zu merken, dass sie der Aufgabe als Heilerin/Knochenflickerin so nicht gewachsen ist, ja, dafür ist das hier als Grundlage stark genug. Oh, und das fällt mir erst jetzt auf: Gewissermaßen kann sie diesen Schlüsselmoment später selbst noch einmal referenzieren, in der Frage danach, ob, wenn sie sich damals anders entschieden hätte, sie dann nie in diese Lage gekommen wäre. Für eine achtzehnjährige Meleann finde ich das noch durchaus legitim, so zu zweifeln, denn, nun ja, die aktuelle Lage ist ja auch verdammt bedrohlich für sie und zwingt sie zu handeln (also eine starke Ausgangslage).
Um noch mal zur Entschlussfestigkeit und den Zukunftsvorstellungen einer Achtjährigen zurückzukommen: Natürlich kann ihr in dem Alter schon bewusst sein, auf welcher Lebensseite sie sich eher sieht. Es ist ja nicht so, dass alle Zukunftswünsche von Achtjährigen grundsätzlich Schwachsinn sind (nur mal als Beispiel: ich wollte mit acht unbedingt Autorin werden - und jetzt schau mal einer guck, wo ich gelandet bin ;D), soll heißen: Das kann in dem Alter schon über "Pulizist" (Ritter?) und "Tierärztin" (Heilerin?) hinausgehen. Aber ich glaube da einfach nicht, dass sie in der Lage ist, zu einer tiefgreifenden moralischen Entscheidung zu kommen, eher, dass sie - abgesehen davon, dass sein Flehen und Betteln gegenüber einem Kind schon sehr manipulativ einschlagen muss; dass er das so tut, zeigt auf jeden Fall sehr deutlich seine abgrundtiefe Verzweiflung; es ihr vorkommen muss, als habe sie gar keine Wahl, als ihm beim Sterben zu helfen - einem Gefühl folgt, wenn, nun ja, der andere Aspekt nicht wäre.
Am Rande: Aus einem ähnlichen Grund habe ich mich beispielsweise als Designerin bei "Away With The Fairies" sehr stark dafür eingesetzt, den Großteil der (handelnden) Kinder über zehn Jahre alt sein zu lassen; denn es geht im Spiel schon eindeutig um schwierige moralische Entscheidungen. Mit einer Ausnahme - und bei der greift entsprechend der Manipulationsfaktor auch viel, viel stärker. Sind, nebenbei, auch keine behütet aufgewachsenen, sondern alles auf irgendeine Weise kriegsgeschädigte Kinder ("War and Peace" war ja auch das Thema) ...

Du siehst also auch, obwohl ich bemängelt habe, dass das Dilemma in der Szene etwas zu kurz käme, rührt es mich auf eine Weise durchaus an, wenn ich so darüber nachdenke.

Zitat
Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.
[...]

Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?

Da ich Meleann ja nun auch schon etwas länger kenne und von ihrer opportunistischen Grundhaltung weiß: Auf jeden Fall! Abgesehen davon kommt ihre Verzweiflung für mich schon stark genug rüber, das Abwägen darüber, es nicht zu tun, allerdings zu schwach, um nicht zu glauben, dass sie es nicht zumindest versuchen würde.

Am deutlichsten wird das für mich schon hier:
Zitat
und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen. Weshalb hatte sie dann betrunken gekämpft? Oder gar Zauberei gemeinsam mit der Waffe genutzt? Der Vorwurf allein konnte tödliche Folgen haben.
Der unterstrichene Teil wird wohl am ehesten dazu taugen, sie so lange wie möglich erst einmal (!) davon abzuhalten. Aber da ihr auch jetzt schon "tödliche Folgen" drohen können, ist die Frage eigentlich nur noch, was als Grund für sie schwerer wiegt bzw eine Kosten-Nutzen-Rechnung (und für Kosten-Nutzen-Rechnungen ist Meleann absolut der Typ) darüber, was passiert, wenn sie's nicht tut.

Was ich mich hier u.a. die ganze Zeit frage, ist, wieso sie nicht darauf kommt, dass bei dem, was sie erst in den Schlamassel geführt hat, nicht auch eventuell Zauberei im Spiel war?

Allgemein gehe ich davon aus, dass dieses Verbot von Zauberei im Kampf an anderen Stellen noch ausgeführt und gedanklich umrundet wird, um zu verdeutlichen wie schwer ein Verstoß dagegen wiegt - mit allen Folgen. Was das Verbot selbst angeht, haben das ja schon andere hier und da kritisiert, und ich möchte dazu noch anmerken, dass ich bislang deine Erklärung darüber, wie verdammt schwierig so etwas ist, am einleuchtendsten fand.

So weit, so (un?)gut.
Ich hoffe, meine Gedanken konnten irgendetwas zur Erhellung beitragen. :)

Liebe Grüße!
Lilith

EDIT: Einen unvollständigen Satz beendet und zwei, drei Tippfehler ausgebessert.
« Letzte Änderung: 17 Mai 2016, 23:18:07 von Lilith »
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- Bodo Kirchhoff

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Re: Oliven
« Antwort #8 am: 18 Mai 2016, 01:43:50 »
Hoi Wolfsrufer :)

Zitat
Zitat
Vorweg: es geht in dieser Szene nicht um Oliven. ;D
Oh, sie zeigen aber eine Menge und dienen der Erziehung :cheese: Nehmen tue ich aber keine. Igitt  :grinwech:
:cheese:
Hoffentlich haben sich dei Ohrenschmerzen verzogen. :wiejetzt:

Zitat
Sie verteidigt zwei hilflose Leben und tötet den Angreifer. soweit ich verstanden habe aber, weil sie betrunken ist. Sie hat also ihre Fähigkeiten nicht im Griff gehabt.
Ergebnis ist aber Leben retten = Leben töten.
Beim Soldaten ist es Leben als Krüppel auslöschen = bisheriges Leben gerettet. der Soldat kann als er selbst sterben und muss nicht dieses neue Leben als Krüppel führen.
Da ist ja eine deutliche Parallele zu meinem Lahe. Er wäre auch gestorben und hätte nichtmal bitten müssen, wie dieser Soldat. Dieser ist sich des drohenden neuen Ichs bewusst und will nicht. Das er ein Kind um den Tod bitten muss, ist grausam, das er es tut unterstreicht nochmal die verzweifelte Lage und die große Angst, die er hat.
Jau, die Parallele ist eine, die mich auf diese Szene brachte. :)
Innerhalb der Story wird sich die kleine Geschichte aus ihrer Vergangenheit in etwas weit größerem widerspiegeln, das hier noch gar nicht absehbar ist. Es hängt mit dem gesamten Plot zusammen, und mit der zweiten Frage, denn sie fragt sich noch mehrfach: hätte sie den Mann getötet, wenn sie gewusst hätte, was hinter der Sache steckt? Sie hätte Grund gehabt. Aber gleichzeitig trifft sie dieselbe Wahl und nutzt Zauberei im Kampf, wenn auch vor einem anderen Hintergrund.

Zitat
Zitat
Der Soldat hier ist einer von mehreren, die für ihre Sicherheit und Anwesenheit sorgen sollen.
Meleann selbst ist eine Cavallera (Ritterin), achtzehn Jahre alt, und seit knapp einem Jahr im Dienst der Hauptstadt, also "eine bessere Stadtwache"; und ein vorschnelles Großmaul.
Das sie so verdammt jung ist, macht es für mich schwieriger. Auch acht Jahre finde ich verdammt jung für das was sie schon aushalten muss. Also Kriegsverletzte versorgen helfen. Deine Welt, zumindest der Teil in dem sie lebt, scheint keinen Begriff von Kindheit zu haben.
Doch, schon. Aber Tod ist so lebensnah wie im Mittelalter, wenn auch nicht ganz so gefürchtet, weil die Medizin mehr abkann. Meleanns Hintergrund erlaubt es sogar kaum, dass sie nicht mit dem Tod konfrontiert wurde; beinahe die Hälfte aller geborenen Zauberwirker schafft es nie über die Kindheit hinaus. Krankheiten kriegen so ein Kind kaum klein, aber die eigene Neugier zusammen mit Unerfahrenheit sehr schnell (das hängt mit der Art der Magie zusammen). Traurig, und der Grund, weshalb es so wenige davon gibt.

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Ihre Hausdienerin, die mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde, frönt wieder selbigem und hat sich zuvor geweigert, heimlich aus dem Fenster zu klettern, um jemandem Informationen zu überbringen.
Arlyn dal Laética ist Meleanns frühere Mentorin.
Oh, so ist die chance gar nicht mehr präsent? Kann sie nicht Nachrichten verschicken, offiziell?
Sie wird sich nicht auf offizielle Nachrichten verlassen. :)
Aber sorry, Verwirrspiel: "jemand" ist hier eine andere Person, die im nächsten Kapitel auftaucht.

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Einer der erwähnten Konflikte wird hier nur im Hintergrund angerissen, der andere ist der große: Zauberei ist nicht generell verboten, aber für Kämpfe. Dahinter steckt ein selbstverständlich ziemlich fragiles Abkommen mehrerer Königreiche und anderer Herrscher, die bemerkt haben, wozu Kriegsführung wird, wenn man Zauberei einsetzt. Fragen am Ende.
Okay dann beschäftige ich mich unten damit. Generell wirkt das natürlich befremdlich. Man ist bereit Leben auszulöschen, aber bitte nicht mit Magie?
Uff, das ist nochmal ein anderer Hintergrund. Töten mit Hilfe von Magie ist schwer. Sogar sich selbst umbringen mit Magie ist schwer bis unmöglich (dass unerfahrene Kinder es tun, ist leicht möglich, weil sie die Gefahr nicht kennen und damit nicht fürchten). Aber jemandes Gedanken manipulieren oder beherrschen und versuchen, denjenigen ins eigene Schwert zu stürzen, ist für den Zaubernden mindestens so gefährlich wie für das Opfer, falls es überhaupt klappt. Zauberei ist sehr manipulativ und indirekt, aber wenn man weiß, wie sie einzusetzen ist, auch entsprechend effektiv: es gibt keinen Feuerball, aber eine Gruppe Kämpfer, die einen Drachen auf sich zu fliegen sieht, macht trotzdem die Socken scharf und bricht damit eine Formation. Die zweite Reihe Pikeniere kann der ersten in den Rücken fallen, für einen ähnlichen und deutlich tödlicheren Effekt. Weniger disziplinierte Soldaten können einfach dazu gebracht werden, ihre Gegner mehr zu fürchten als die eigenen Offiziere, oder die Speerspitzen, die sie vor Augen haben, mehr als den Galgen für Deserteure, den sie nicht vor Augen haben, etc.
Magie tötet selten direkt. Aber die Effekte, die sie in einer Schlacht bewirken kann, sind verheerend. Schlacht bedeutet nicht, dass von zweitausend Kriegern tausend tot sind, sondern vielleicht zweihundert, wenn es schlecht läuft oder ein Feldherr gar nicht bereit ist, aufzugeben. Wäre die Hälfte tot, und die Ernte noch nicht eingebracht, dann fröhliches Hungern.
Der zweite Grund, und der eigentliche, der Zauberei zu etwas erklärt, das man fürchten muss, wirkt sich nicht auf eine einzelne Schlacht aus: ein oder mehrere Magier von gewisser Erfahrung und Macht können mehr bewirken als ein paar panische Speerkämpfer. Der Untergang des Handelsreiches Myrtinae (wenn man auf die Karte guckt, gibt es geologische Gründe, weshalb eine Tiefebene geflutet wurde) wird einer einzelnen Magierin zugeschrieben, und das ist kaum mehr als zwei Jahrhunderte her. Diese Magierin hat ganz banal einen Workaround dafür gefunden, wie sie größere physische Veränderungen einer bestimmten Art bewirken kann.
Tatsächlich war sie nicht alleine, aber es waren auch nicht viele, die dahinter stecken, und sie hatten verflucht viel Wissen; aber zu wenig, um zu sehen, wie massiv die Auswirkungen sein würden. Das Ereignis wurde ziemlich mystifiziert, Zauberei bzw deren Missbrauch ist der Sündenbock. Da Zauberei zudem für die Mehrheit der Bevölkerung völlig unverständlich ist, nistet sich negativ konnotierter Aberglaube schnell ein.

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Also was lässt Menschen in den Kriegswirren glauben, am Ende würde noch jemand da sein, der Ermittlungen aufnimmt, um Zauberwirker zu entdecken und zu richten? Dürfen Gesichter nicht verhüllt werden, sonst wäre es ja nun ein leichtes, sich unter uniformen zu verbergen. Wird Magiefähigkeit irgendwie geprüft? Gibts Eide, die geleistet werden müssen, magisch abgesichert?
Völlig unterschiedlich. Valierre hat Magie komplett verboten. In Tjarun und den meisten anderen Ländern wird sie toleriert und reguliert. Die Meisten gehen nicht so weit, dass sie zu Denunziation als Mittel greifen, um alle aufzuspüren, aber ein "heimlicher" Zauberer zieht Misstrauen auf sich. In den meisten dieser Länder ist das Unterrichten von Magie streng reglementiert und illegales unter Strafe gestellt. (Unterricht: Meister / Adept, keine Schulen oder dergleichen).

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Atomwaffen sind deshalb so unbeliebt, weil die Effekte über eine unabsehbare Zeit die ganze Welt betreffen, ergo auch den Anwender. Das hält die Anwendung im Zaum.
Also, wie machen die das in deiner Welt? wie wird dieses Abkommen durchgesetzt?
Durch die Angst, die viele Menschen vor Zauberei und ihren Folgen haben. Obwohl niemand glaubt, dass eine Dorfhexe mal eben das reproduzieren kann, was Myrtinae ersäuft hat, sind die politischen Hintergründe bekannt: Myrtinae, sehr magie-affin, hat dem ähnlich mächtigen Nachbarreich Calthyr den Stinkefinger gezeigt, als Magie dort verpönt und der Botschafter freundlichst gegen einen Nicht-Magier ausgetauscht wurde, und ein Handelsembargo auf die Beine gestellt. Calthyr passte das gar nicht, weshalb es seine Expansionspolitik gen Myrtinae gelenkt hat.
Tjarun, ein früher "Ableger" und direkter Nachbar von Calthyr, hat dessen Untergang zwar relativ unbeschadet überstanden und ist ganz froh darüber, aber es hat dennoch mehrere Jahrhunderte unter dessen subtilem Einfluss hinter sich, der sagt: Zauberei ist nicht gut. Darauf das Ende von zwei Hochkulturen. Die verbleibenden Königreiche im Umkreis sind deutlich stärker von Calthyr beeinflusst, ergo ist Zauberei umso mehr gefürchtet.
Vielleicht überlege ich mir noch ein paar lustige Events wie eine lokale Zombie-Apokalypse (okay, eher körperlose Untote) und dergleichen. :cheese:

In realitas brauchte es nicht mal das; nur ein bisschen "working the crowds" mit den Methoden von Bernardo Gui über ein, zwei Jahrhunderte in einem relativ kleinen Bereich - der Rest folgte sich von allein - und den Glauben, dass der Teufel seine Armeen sammelte.




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[...]Der Soldat stand vor ihrer Büchertruhe, streckte eine Hand aus und zog sie wieder zurück, als die Treppe unter ihren Schritten knarrte.
"Misshandle meine Bücher nicht, und ich misshandle dich nicht."
Interessant, das sie nicht sagt, misshandelst du meine Bücher, misshandele ich dich! sie ist also auf der Seite, ich will nicht.
Nö, er ist ein Kollege von der Wache, wenn auch ein nur entfernt bekannter. Sie ist nur angepisst wegen der Hausdurchsuchung. Aber das ist nicht Thierros Schuld.

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Sein Gesicht konnte sie im Schatten nicht sehen. Der Deckel der Truhe quietschte; er spähte hinein.
"'Des Feldschers Handbuch'?"
"Oh, er kann lesen", spottete sie und erntete einen Blick, so giftig wie ihre Worte. Er knallte die Truhe zu.
"Was meinte der Hauptmann mit Knochenflickerwissen?"
Wieso weckt das sein Misstrauen? Sie hat Fachbücher für Medizin und ist medizinisch gebildet, das passt doch super. Also müsste das Buch etwas anderes sein um verdächtig zu sein.
Das gehört mit dem Anfang der Story zusammen; sie hat ihr medizinisches Halbwissen raushängen lassen.

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"Hübsch verdächtig, hm?" An ihm vorbei stiefelte sie zum Tisch. "Wenn du damit fertig bist, mich zu berauben, setz dich und bring den Krug vom Fenstersims mit."
vorbeistiefeln find ich zu auffällig. Warum? Und wieso berauben? Er hat die Truhe zugeknallt.
stiefeln mach ich zu gehen.
Berauben: alle Waffen und ihr Geld wurden vorläufig konfisziert.

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Und Erziehung, sie bremst ihn aus, er gehorcht
Sie sagt ihm er soll was bringen, er tuts
Der Hauptmann, dem er unterstellt ist (und der ihrer Version glaubt), setzte durch, dass sie ebenso Zeugin wie Verdächtige ist; dazu kommt, dass er ein einfacher Wachsoldat ist und sie eine Cavallera. Das bringt sie unter die oberen 2% der Gesellschaft. Deshalb konnte sie bisher auch keiner in den Kerker stecken, aber das könnte sich schon tags drauf ändern. Es gibt mehrere Stadtritter; und selbstverständlich macht eine Meleann sich ganz dolle Freunde unter denen, die sie überhaupt nicht hassen. :cheese:

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Bis er mit dem vollen zurück war, drehte sie zwei der Becher um und füllte Öl in der Lampe nach. Diesmal saß sie mit dem Rücken zur Wand. Im Grunde war es nur eine weitere Befragung, denn wenn nicht von ihr, dann würde er es von seinen Kameraden erfahren, in der verdrehtesten Form, die bei der Wache kursierte; und mit dieser die deutliche Ahnung, dass sie es mit einer Zauberkundigen zu tun hatten, konnte(fehlt da ein er? ihr im Augenblick nur in den Rücken fallen.
Rücken zur Wand schützt den Rücken zumindest, in den Rücken fallen, sagt aber das der Rücken und geschützt ist, die beiden Redewendungen beharken sich
Uups.
Ich habe erstmal die ganze Überlegung mit der Zauberei in eine frühere Szene verschoben bzw aufgeteilt.
Der Rücken zur Wand bezieht sich auf die Vernehmung auf der Wache: da saß sie zum ersten Mal auf der Bank mit dem Rücken zum Raum, auf der normalerweise Verdächtige sitzen. Der Hauptmann saß ihr gegenüber an der Wand. Sie wollte da vor allem deshalb vor der Wand sitzen, um ihren Suffkopf dranzulehnen.

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Weshalb hatte sie dann betrunken gekämpft? Oder gar Zauberei gemeinsam mit der Waffe genutzt? Der Vorwurf allein konnte tödliche Folgen haben.
Also Zauberei hätte sie benutzen sollen, um nicht betrunken zu sein, aber es dann im Kampf genutzt. also in jedem Fall ist man gegen sie eingestellt?
Nö, wenn sie sich nur selbst entalkoholisiert, betrifft das nur sie und in einer Weise, die anderen nicht schadet. Zudem fällt das unter "Heilkunde". Deshalb habe ich den Teil des Absatzes verschoben, hier fehlt einfach zu viel Kontext, für den kein Platz ist. :blush:

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"Meine Altvorderen waren der Meinung, ich sollte lernen, Leute zusammenzuflicken. Fürs Auseinanderschneiden reichte es."
Also daraus spricht Versagen. Soldat sein als schlechtere Wahl, der Tod des Mannes frustrierend. Aber es reicht für so einen offenen Kommentar. Meleann ... Typisch, Klappe ist schnell
Bessere Wahl, für sie, weil Cavallera. Soldatin wäre sie vermutlich nicht geworden. Ein Rädchen im Getriebe, kein Sinn dahinter; Cavallera, eine wenn auch niedere Adlige mit gewissem Einfluss. Reichtum und Prestige sind ihr schnurz - was sie nicht daran hindert, Thierro aus mieser Laune heraus herumzukommandieren - aber Einfluss ist wichtig. Das muss hier aber nicht rüberkommen. "Versagen" in dieser Situation ist auch keine falsche Assoziation.

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"Mit Schwertern, oder auch mit Chirurgenmesserchen?"
Hier fehlt mir der Kontext. Er weiß doch in welchen Schwierigkeiten sie hier ist. Ist das ein aufmunternder Scherz oder ist er deppert?
Scherz und etwas Zynismus. Eventuell auch verbaler Tritt ans Knie; sie hat ihm eine schlaflose Nacht verschafft.

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"Skalpelle, du Banause. Schenk ein."
Kompetenz darstellen? War sie mit acht schon bei Skalpellen?
Ne, aber genauso klugscheißerisch wie hier. ;D

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Er schnupperte am Krug. "Eh. Wasser."
Ja, warum sollte er sich mit ihr zusammen zum Wassertrinken hinsetzen? Da fehlt mir dann das drumherum, das es heiß ist und er darf eigentlich nichts trinken? Dann wäre es wieder ein, ihn sich zum Freund machen
Ups, hier ist mir wirklich die Atmosphäre verloren gegangen. Es ist Sommer; und was sie tut ist tatsächlich, einem Gast etwas anzubieten. Letzteres ging mir nicht wirklich auf, weil's so sehr ihr Charakter ist, dass ich nicht darüber nachdenke. Klar, er sollte nicht verdursten, aber sie bietet das von sich aus an.

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"Ich bin nicht reich genug, um mich dauerhaft zu betrinken. Vielleicht hätte ich beim Zusammennähen von Menschen bleiben sollen."
sie ist nicht reich genug? Und war sie schon soweit Menschen zusammen zu nähen. Dadurch das sie da erst acht ist, das ist mir einfach zu jung, auch was die Fingerfertigkeit angeht.
Ich glaube nicht, dass man sie irgendwas Lebendiges zusammennähen ließ. :uhoh:
Die Ausbildung zum Medicus (das wäre nicht ihr Metier, aber Zauberheiler sind ähnlich gebildet) fängt mit spätestens neun Jahren an, manchmal früher, weil sie sehr lang dauert.

Zitat
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Den Becher, den er gerade an die Lippen gehoben hatte, stellte er schnell wieder ab. "Haben sie Euch rausgeschmissen, weil Ihr kotzen musstet?"
wieso stellt er ihn schnell ab? Und sie ist Soldatin. Wie kommt er da auf kotzen?
Sie hat nach der Befragung in der Kaserne im Hof an die Wand gereihert, als sie dran dachte, wie sie den Angreifer in der Gasse erstochen hat. Er ist nicht ihr erstes Opfer, aber sie kann's noch an einer Hand abzählen.

Zitat
Zitat
"Nein, weil ich einem armen Kerl helfen wollte. Mit einer Klinge."
"Skalpell."
Da ist er mir zu sehr Stichwortgeber. Statt Skalpell, höchstens "versagt" sich zu viel vorgenommen?
Hmm, das würde er ihr nicht vorwerfen, und sei's nur aufgrund des Standesunterschiedes. Oder stehe ich einfach auf der Leitung? :wiejetzt:

Zitat
Zitat
"Gnadendolch. Da war ein verstümmelter Söldner, hatte noch den Kopf, den linken Arm und das halbe rechte Bein. Überlebt hätte er's, aber er wollte nicht. Und weil kein Medicus einen Patienten umbringen wollte, auch, wenn der darum bettelt, hat er sich an die kleine Rotzgöre gewandt, die neue Verbände bereitlegen sollte."
Ihre Religion war weniger mit den Perfekten verknüpft als mit den alten Göttern (personifizierte Naturkräfte, da wird nix angebetet), und sie hat viel Zeit beim Wilden Volk verbracht, wenn auch nur sporadisch und als Gast zusammen mit ihren Eltern. Beide sind bzw waren Gelehrte, ihre Mutter ein Koboldskind; Meleann selbst ist eins in zweiter Generation, was man ihr nicht mehr ansieht. Daher die Veranlagung zur Zauberei. Sie ist vergleichsweise rational erzogen worden und zugleich im Sinn ihrer Mutter in der individuelle Denkweise des Wilden Volks: denk selbst nach, denn du bist für alles verantwortlich, was du tust. Entscheide für dich selbst. etc. (Natürlich vor dem Hintergrund, dass sie in einer Feudalgesellschaft zurechtkommen muss.)
Zitat
Es ist schon sehr eindeutig, das er kein Lebenswertes Leben mehr haben kann. Ich finde den größeren Skandal, dass er ein Kind bitten muss. ich habe deine Antwort an Nimmer gelesen. Welche Religion hatte Melann als Kind damals? Wieso ist sie bereit es zu versuchen? Und wieso lässt du sie als Autorin es nicht tun?
Meleann versucht es auch; Arlyn ist glücklicherweise zur Stelle, sonst wären die Folgen sicher andere gewesen als eine neue Ensifera. :uhoh:
Klein Meleann hatte in der Theorie Ahnung von Anatomie, aber praktisch nicht sehr viel. Deshalb "vermasselt".

Zitat
Die Cavallera kann, was sie nicht konnte. Erlösen. Das war ihr wichtiger als leben retten, wenn du das mehr in den Text kriegen willst, würde ich den unterstrichenen Teil etwas mehr darauf beziehen, lebendiger machen, wie er sie gebeten hat, wie die Medicus sein Bitten abgelehnt haben und wie die das empfunden hat. Also durch die art wie sie es sagt, ein zögern ... Denkpause. Es ist der Wendepunkt ihres Lebens, den sie da so daherplaudert. Klar sie ist Meleann, aber so ein bisssschen mehr ...
Puh, ich fürchte, dadurch, dass die Szene für sich allein steht, haut der Kontext nicht so hin. Das Wichtigste, was Meleann aus diesem Erlebnis mitgenommen hat, ist: ich will nicht aufräumen müssen, nachdem etwas passiert ist, ich will es vorab verhindern. Und das kann sie als Zauberheilerin nicht. Klar, sie kann auch als solche als Adlige eine wichtige Stellung einnehmen, müsste aber heiraten und / oder erben. Ersteres fand sie damals sicher noch nicht so schlimm, letzteres ist für eine Zauberheilerin aber unmöglich, denn ihre Familie ist in Valierre.

Zitat
Für mich wirkt es jetzt so, als sei sie rausgeworfen worden, weil sie das tun wollte, eignet sie sich nicht zum Medicus, sondern eher zum Todesengel und deshlb muss die Cavallera sie mitnehmen. Nur, welche Strafe hatte denn die Cavalera zu erwarten, warum durfte sie das tun?
Es gab genug Zeugen, die den Soldaten gehört hatten, da droht ihr keine Strafe. Ich nehme an, die Heilkundigen haben sie trotzdem mit wenig feinen Worten bedacht. :)

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Zitat
Sie schob die Schale mit den Oliven in die Mitte des Tisches und steckte sich eine grüne in den Mund. Der Soldat fischte zwei schwarze heraus.
Sie bietet ihm jetzt was zu essen an, schauen, ob er es nimmt nach der Geschichte. Sie isst zuerst, er nimmt jedoch zwei mit einer anderen Farbe.
Verflixt, ungewollte Symbolik ;D
Die zwei sind wichtig für seine Charakterisierung, nicht die Farbe. Wenn, dann wäre deren Symbolik: Thierro ist der Einheimische. Er isst die reifen Früchte, nicht das Grünzeug. Oder: Meleann ist das Greenhorn der beiden.
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

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Re: Oliven
« Antwort #9 am: 18 Mai 2016, 03:20:06 »
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Zitat
"Ich kenn' die Geschichte etwas anders."
Wieso kennen sie eine 10 Jahre alte Geschichte von sonstwoher (oder ist sie da Zuhause und eine Berühmtheit?)
Sie hat im Spital in Asantir gelernt, die Geschichte ist aufgrund des Soldaten, und weil eine Cavallera eine kleine Rotzgöre aus einem anderen Land als Ensifera annahm, bekannt geworden. Vermutlich hat Meleann selbst sie mit ihrer vorlauten Klappe wieder entstaubt.

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"Du bist schließlich im Dienst, Soldat", konnte sie sich nicht verkneifen, obwohl sie damit die eigenen Gedanken damit zurücklenkte auf das, worüber sie mit ihrem müden Schädel nicht nachdenken wollte. Nun saß ihr die Ungewissheit wieder im Nacken. "Verdammter Dreck."
Das hinaus aus dem Soldat sein, hab ich in der szene nicht so gefühlt. was ist er für sie? Wie alt kann er überhaupt sein. Sie behandelt ihn wie einen noch jüngeren und er benimmt sich auch so, wie jung kann er sein? Wie korrespondiert sein Alter mit dem des Söldners.
Er ist nicht viel älter, und sie ziemlich geübt in Selbstüberschätzung.
Ich nehme an, ihr geht's hier um Kontrolle: nicht herumsitzen und Dinge geschehen lassen, sondern etwas tun. Das ist ihr nicht wirklich bewusst. Sie hatte sich nicht unter Kontrolle -> shit happened. Hier spielt sie aus, dass sie keine Gefangene ist. Theoretisch.

Zitat
Zitat
"Allerdings", interpretierte ihr Gegenüber den Themenwechsel richtig. "Falls es Euch beruhigt: Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihr vorsätzlich mordet. Trotz ... dieser Geschichte."
Das Satz fällt aus dem Rahmen des Tons und macht auch diese Ebene auf, das ihr bewusst ist, das sie einen THemenwechsel vollzieht und er wirkt auch erwachsener auf einmal.
Und der Satz ist seltsam. Es ist ihr Beruf vorsätzlich zu morden. Oder sorgen sie im Kampf immer dafür, das der Gegner eine Möglichkeit hat sich zu wehren, keine Pfeile, kein ... Also steht wirklich zur Debatte, sie hätte diesen Prinzen vorsätzlich ermordet? Welches Motiv?
Morden und im Kampf töten sind völlig verschiedene Dinge. Ritter sind zwar die "Kampfmaschinen" dieser Epoche, aber sie sind vor allem kampffähige Leute, die von anderen aus dem einfachen Grund mitversorgt werden, sie zu verteidigen. Das steckt als ursprünglicher Grund dahinter. Als bessere Stadtwache ist sie ganz in dieser Rolle. Aber ohne Zeugen jemanden erstechen führt selbstverständlich zu Fragen, ganz besonders, wenn es ein Hochadliger ist, und wenn sämtliche Zeugen wie auch das Messer des Toten verschwinden. Oder nie da waren.

Zitat
Zitat
Ob seiner plötzlichen Ernsthaftigkeit musste sie lächeln; ein ziemlich schiefes Lächeln.
"Bezeugst du das auch noch, wenn man einen Sündenbock braucht?"
Er runzelte die Stirn.
Meint er, sie meint ihn als Sündenbock? Oder das man überhaupt einen Sündenbock braucht. ansonsten sollte ihm doch klar sein, dass er sie hier bewacht und das aus einem Grund. Auch die Politische Tragweite eines Prinzentods müsste ihm doch klar sein. Also ist die Frage, wieviel zutrauen hat er warum in das Rechtssystem?
[/quote]
Hmm stimmt, das kann weg.
Ich denke mal, er ist auch noch idealistisch genug, um ein gewisses Vertrauen ins Rechtssystem zu haben. Vermutlich mehr als Meleann selbst.

Zitat
"Ihr meint, die königliche Familie will's nicht hinterfragen?"
Hm, wieder Stichwortgeber, oder Hintergrund?
Roter Faden :)
Irgendwo musste es wörtlich erwähnt werden, und ich will es lieber jemanden aussprechen lassen, als nur in ihre Gedanken packen.

Zitat
Zitat
Sie hob die Schultern. "In dem Fall hoffe ich, dass der Scharfrichter bestechlich ist."
"Ist er nicht."
"Verdammnis."
Oh, nett, dass er ihn kennt, das kommt ja wie aus der Pistole Armbrust geschossen.
:) Schuld ist ein kleines plotrelevantes Detail aus Road Into Dusk: er muss diesen Scharfrichter kennen.
Ansich ist das nur Wortgeplänkel mit der Information, dass es für Meleann wirklich nicht um eine Geldstrafe oder Verbannung geht.

Zitat
Zitat
Lag es am Wein? Oder einfach an der verrückten Situation? Zum Lachen war ihr nicht zumute; zur Angst reichte es auch nicht.
sie hat Wasser getrunken. Es reicht nicht zur Angst? Die Geschichte mit dem Söldner, wäre hier so viel schöner tiefer ausgebaut. Hatte er Angst? Was wäre, wenn sie nun nicht mehr Cavallera sein könnte? Was sind die Strafen, kann sie auch nur ihre Schwerthand verlieren, weil sie betrunken Totschlag begangen hat?
Den Wein hat sie immer noch intus, das ist noch dieselbe Nacht.
Betrunken jemanden töten: schlimmer als nüchtern jemanden töten, denn wer sich betrinkt, tut das im Wissen darum, was Alkohol mit einem anstellt. (Das ist ehrlich gesagt ein Detail, das ich als Autorin drin haben will, weil es mich ankotzt, das Alkoholeinfluss in realitas strafmindernd ausgelegt wird; und ich weiß, dass das hier in beiderlei Hinsicht etwas zu vereinfacht steht). Hätte sie den Mann auf dem Marktplatz vor allen Leuten angegriffen und erschlagen, weil er sie beleidigt hat, käme sie besser davon als mit ungeklärtem Motiv bei Nacht in einer Gasse, und hinterrücks. Das genügt für Kopf ab. Hängen, wenn's ehrloser sei soll. Kopf ab wäre ihr lieber; soviel hat sie bei den Heilkundigen noch gelernt. :heilig:

Zitat
Zitat
"Macht Euch erst einmal keine Sorgen." So, wie er sie nun ansah, wirkte er deutlich älter. "Der Hauptmann kennt Euch, und ich kenn' ihn, und ich sag Euch, er wird Euch nicht dem Hohen Gericht zum Fraß vorwerfen."
Lauter anständige Leute, in seiner Welt? Oder tatsächlich?
Der Hauptmann kam direkt vor, er hat bewiesen, dass er anständig ist. Leider ist er einer von wenigen.
Der Hauptmann erhob sich und stützte sich auf die Knöchel. "Cavallera, habe ich Euer Wort, dass Ihr mir keine Schwierigkeiten machen werdet?"
[...] Er glaubte ihr, er hielt den Kopf für sie hin; und sie dachte über die beste Fluchtroute nach, falls es zum Schlimmsten kam ... Verdammnis!
"Ihr habt mein Wort."

(Ende Kapitel 1)
Ich kann sie schließlich nicht ohne Gewissenskonflikte herumrennen lassen. :)
Savar hat sie hier vor einem Hofbeamten "gerettet", der sie sofort in den Kerker stecken wollte.

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"Der nicht." Aber das Wort eines Wachhauptmanns hatte kein Gewicht gegen das eines Repräsentanten der Königsfamilie. "Ich wüsste zu gerne, was meine hochwohlgeborene Leiche vorhatte. Sucht ihr noch nach der alten Frau und dem Kind?"
Der Soldat nickte. Natürlich, Thierro; ihn hatte der Hauptmann dorthin geschickt.
Ist der Name später wichtig und einer sucht nur ... in so einer wichtigen Sache. Das stinkt schon ...
Der Name ist wichtig. Er war Teil der Patrouille, die den Toten gefunden hat, bevor Meleann dorthin zurück kehrte. Sie hatte die Zeugen nach Hause begleitet. Dort sind sie aber nicht mehr, als Thierro auftaucht. Später suchen noch mehr Leute, finden aber niemanden.
Und jep, er ist eine wichtige Figur in diesem Plot.

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"Bitte. Was soll ich mit dem Wissen schon anfangen."
"Mich anschwärzen."
"Und mich damit noch verdächtiger machen, sicher doch."
Versteh ich nicht, aber er muss es ja nur glauben.
Er darf's nicht sagen, er sagt es trotzdem, und fürchtet, sie würde diese Insubordination vielleicht ausnutzen.

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"Erfolgreiche Nachtwache. Lies das Buch, wenn du willst. Es hält hervorragend wach."
Ein Hinweis nehme ich an. Das Buch ist ja noch in der Truhe. hier fehlt er mir auch wieder ein bisschen, wie er kuckt ...[/quote]
Das Buch ist Meleanns running gag, es kommt später auch im Duell vor.
Ich suche noch nach einem Weg, es hier sinnvoller einzubauen, damit es nicht nur running gag bleibt. Sie könnte aus den Texten rund um die Schlangenaugen und andere eklige Gebräue ein paar Informationen ziehen, die ihr später zu einem Geistesblitz verhelfen. Aber wie ich das einbaue und ob es in dieser Weise klappt, weiß ich noch nicht.

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Hat sie wirklich keine Angst, oder will sie sich das einreden? Die Geschichte des Söldners hat so kein Echo in der Szene. Das finde ich schade, weil es eben ein Wendepunkt in ihrem Leben war, wie auch dieser wohl ein Wendepunkt sein wird. Ist natürlich die Frage, wieviel sie schon vorher gedacht hat. Aber die ERinnerung an das Leben, das sie nun Cavallera ist und ihr Ehrgefühl sie in diese Situation gebracht hat, neben ihrem Leichtsinn zu trinken und zwar zuviel.
[...]
Sie hat Angst. Etwa in der Weise, in der man Angst hat, wenn man morgen in der ersten Stunde das Mathe-Abi schreibt und genau weiß, dass man nichts weiß; nur, dass die Folgen nicht "kein Abi", sondern "Kopf ab" sind. Meleann ist gut darin, Gedanken an Unvermeidliches mit anderen Gedanken zu verdrängen, statt sich mit Was Wäre Wenn im Kreis zu drehen (wie sie dazu kam, kann ich dir gerne per PN schreiben, hier ist das zuviel)



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Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Verletzungen sind schon drastisch für einen Mann, der Soldat ist. Andererseits bietest du ja den Ausblick auf ein anderes Leben, da es sowas wie Wohlfahrt gibt. Aber das ist nicht wirklich eine Alternative und vorallem konnte er ja sprechen und entscheiden. sie entscheiden sich also bewusst gegen den Wunsch des Patienten und das mit Magie.[/quote]
Sie können keine fehlenden Gliedmaßen nachwachsen lassen. Heilung ja, Narben lassen sich relativ gut vermeiden, sehr gute Zauberwirker können sogar einem Erwachsenen neue Zähne verschaffen, aber fehlende Körperteile fehlen nunmal.

Es wirkt nicht so als ob sie sich entscheidet, sondern als ob sie rausgeworfen wurde, da sie um Medicus nicht taugt, wenn sie den Bitten Verletzter schon in dem Alter
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nachkommen will, statt unbedingt auf der Seite des Lebens zu stehen. Es muss also so eine Art hippokratischen Eid geben.
Hmm. Sie sagt hier "rausgeworfen" und weiß genau, dass es nicht stimmt; mal sehen, ob ich das lieber umschreibe.

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Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
Arylin hat in jedem Fall ihr Potential erkannt und ihre Entscheidung für den Gnadentod ja geteilt. sie teilen also eine Einstellung. Nur ist die Frage eben, wieso durfte sie das? Wenn er leben sollte und das gesetzeskonform ist, dann würde ihn zu töten, auch auf verlangen, doch ein Gesetzesverstoß sein. Oder gehörte er ihren Männern an und durfte sie deshalb die Ärzte überstimmen?
Er hat sie überstimmt, das genügt. Vom Gesetz her kann er die Heilkundigen nicht zwingen, ihn zu töten, und sie können ihn nicht zwingen, zu leben, wenn er einen Weg findet. Vielleicht wäre in einem anderen Spital auch einer unter ihnen gewesen, der's getan hätte (im Feldlazarett nach einer Schlacht ziemlich sicher, nur war das weder in einem Feldlazarett noch nach einer Schlacht), aber die Hemmschwelle ist schon gewaltig.

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Dilemma 2: Zauberei im Kampf einzusetzen ist verboten.[...]Soldaten sind nicht nur Soldaten, sie haben auch ein normales Leben, das meistens mit Feldarbeit und Nahrungsgewinnung zu tun hat.
Du meinst sie sind deshalb leichter beeinflussbar die eigenen Leute anzugreifen? Wegrennen nach Hause wäre da eine Option, die eigenen Leute angreifen noch wenig willig als den Feind. (Eingedenk dieser Untersuchungen vom danebenschießen in Kriegssituationen.)
Siehe vorangehendes Posting :)
Wegrennen ist die leichteste Option, und sie genügt schon, um taktisch sinnvoll eine Formation aufzubrechen und mit einem passenden Angriff ein Blutbad zu ermöglichen, das sonst nicht drin wäre.
Vor allem sind Soldaten Teil derjenigen, die für Nahrung sorgen. Vergleiche Wikinger: ein Boot mit einer Besatzung von 20 kann sich den Verlust von höchstens sechs Ruderern erlauben, sonst ist die Rudermannschaft zu klein; mal davon abgesehen, dass jeder Krieger auch ein paar Hände fürs Holzhacken, Haus reparieren, neue Schiffe bauen und Acker umgraben ist. Wenn ein Überfall also auf Widerstand mit Forken und Fackeln trifft, versucht man's lieber im nächsten Dorf, statt Tote und Verletzte zu riskieren.
Stehende Heere und hohe Bevölkerungszahlen in der Antike, Kreuzfahrerheere, Söldnerheere in der Frühen Neuzeit, und die billige Ressource Mensch in der Neuzeit lassen das leider leicht in Vergessenheit geraten.

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- Magie macht jeden Strategen und Taktiker undurchschaubar. Es kommt regelmäßig zu Prozessen, in denen man herausfinden will, ob ein Feldherr schlicht unfähig war, oder ob er manipuliert wurde. Deshalb herrscht der allgemeine Konsens: keine Magie im Zusammenhang mit Kampfhandlungen.
Hm, wäre dann ja die Perfekte Ausrede für jede Niederlage. Und das herausfinden ist nun leicht oder schwer? Und ich kann dieses Argument nicht so recht nachvollziehen. Wenn es so machtvoll ist, wäre das bestreben, besser zu sein darin als der Feind, Abwehrzauber und mentale Trainings zu entwickeln, dem zu widerstehen. Eher wettrüsten als so einen vorteil tatsächlich unter Feinden vertraglich verbieten lassen. Sinn ergibt das für mich höchstens offiziell, aber inoffiziell ... wäre das schön blöd und völlig wider die menschliche Natur. Man schützt die eigenen Leute und will mit möglichst wenigen Verlusten gewinnen, nicht "anständig".
Anständig und mit wenigen Verlusten gehen hier Hand in Hand. :)
Magie ist im Nachhinein nicht nachweisbar, aber sie kann bemerkt werden, während sie ausgeübt wird. In Frage kommt eher kein versteckter Magier irgendwo im Feldlager, sondern jemand im direkten Umfeld des Kommandanten. Zauberwirker führen auch keine Unterhaltungen oder können anderweitig von dem ablenken, was sie tun; ihr Verhalten kann auffallen.
Magisches Wettrüsten gab es, sowohl als ständiges Streben nach mehr Möglichkeiten und persönlicher Macht (<- gefährlich für Herrschende in einer feudalen Gesellschaft), was zum Ende von Myrtinae führte, wie auch als tatsächliches "Wettrüsten" in einer anderen Ecke der Welt, in der es aus ebendiesem Grund keine Herrscher mehr gibt (bis sich die Handelsgesellschaften still und heimlich unentbehrlich gemacht haben).
Man kann auch niemanden zwingen, Zauberei zu pauken. Theoretisch könnte es jeder, aber man muss vor allem willens sein, sich darauf einzulassen. Da in realitas verdammt viele Menschen nicht mal willens sind, ab und an ein Buch zu lesen oder unbekanntes Essen zu probieren, gehe ich davon aus, dass noch weniger willens wären, sich mit etwas zu befassen, dass in In-World-Begriffen "the Void, the Spirit Realm, the Dark, the Netherworld, the place where the minds of the dead go" und andere nette Termini samt gruseliger Konnotation vorausschickt. ;D
Wenn dann noch jemand Geschichten erzählt, dass jemand "nicht aus der Leere zurückkam" oder dergleichen, halten sich die Leute lieber an harmlose Gebinde und Schutzzeichen und lassen die Finger von höherer Magie. Außerdem lernt man viel schneller, mit einem Speer umzugehen.
Schutz gegen Verzauberung und Abwehr von allem Möglichen sind ganz banal Amulette. Die Mehrheit der Menschen kann mit Magie nichts anfangen. Makabererweise ist ihr Glaube an die Wirkung der Amulette auch Zauberei.

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Tjarun, das zu den liberaleren Königreichen gehört, erlaubt aber Magie zu Forschungszwecken (v.a. Naturwissenschaften) und Heilkunde.
Forschungszwecken ... da denk ich sofort an die Rüstungsindustrie  ;D
Hihi :)
Magie hat meistens mit Leben und Geist zu tun, also eher Medizin, Biologie, Analysekrams, Magie nutzen zur Verstärkung und Kontrolle der eigenen Sinne und die damit verbundenen Möglichkeiten (mehr Sterne erkennen, magischer "Mondfilter", Kartographie mit Hilfe zahmer Vögel, etc).

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Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
die Genfer Konvention soll Leute schützen, die aus der Kriegshandlung fallen, Zivilisten, Verwundete, Gefangene. Das ist der schutz der schwächsten udn macht für beide Seiten sinn, ein brechen deR Konventionen, würde gleiches nach sich ziehen für eigene Hilflose. Da ist die Grenze. sowas subtiles innerhalb einer Krieghandlung, wo es ums gewinnen geht. Macht keinen sinn.
Hmm, ich habe die GK speziell aufgrund der Atomwaffen als Beispiel gewählt. Magie hätte Folgen für Unschuldige bzw hatte sie in jüngerer Vergangenheit. (Ob tatsächlich die Kontinentaldrift ganz allein schuld war, lasse ich mal offen, denn von der weiß innerhalb der Welt niemand).
In dieser speziellen Story finden keine Kampfhandlungen statt, es herrscht Frieden in Tjarun.

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Sie manipuliert ihn ja auch nicht, um Infos zu bekommen, oder lässt ihn vergessen, was er gesagt hat, oder doch?
Sie könnte das versuchen, sie kennt die Theorie, und sie kennt die Gefahr. Sich selbst zu stärken, eigene Wundheilung beschleunigen, solche Grundlagen hat sie gelernt und als nützlich befunden. Aber jemandes Geist zu manipulieren ist schon ziemlich schwer. Sie würde bemerkt und hat nur geringe Erfolgsaussichten; da zieht sie ihn lieber mit Oliven auf ihre Seite.

Zitat
Also was Scharfrichter oder verschwinden. Das Gericht aushalten, wieso? Will sie Cavallera bleiben, hat sie keinen weiteren Lebensentwurf? Was denkt sie das Arylyn von ihr denken wird? Sie hat betrunken einen Mann getötet, den sie hätte nüchtern einfach gefechtsunfähigk hätte machen können? Ja oder nein? Weiß sie das? Vermutet sie das?
Genau. Die Meisten dieser Gedanken hat sie schon gewälzt, und sie steht vor einer ziemlich schweren Entscheidung, was Flucht angeht, denn der Hauptmann hält wortwörtlich den Kopf für sie hin. Im Gegensatz zum Duell hat sie noch ein Ehrverständnis, das den Namen verdient. :)

Zitat
Beim Söldner hat sie ehrenvoll gehandelt. Bei diesem Prinzen hat sie das nur versucht und hat ein Leben genommen. Offensichtlich kein so arg wertvolles und du machst es moralisch auch eher einfach, eine Alte Frau und ein Kind. Da hatte sie keine Wahl. Oder wird sich herausstellen, das dort Magie am Werk war und die Alte den Prinzen manipulierte? Merkt ein Zauberkundiger, wenn Magie gewirkt wird?
Ein sehr wichtiges Leben. ;D wenn es darum geht, wie Titel und Prestige der Königsfamilie von selbiger bewertet werden. Moralisch ist die Sache einfach - aber sie muss sich rausfinden. Meleann ist nicht mal sicher, ob der Mann wirklich "der Böse" war oder ob er das Kind vor der Alten retten wollte, weshalb auch immer. Sie kam dazu, interpretierte den Augenblick und handelte sofort. Das kommt auch noch im weiteren Text vor.

Zitat
Ich hoffe, ich habe nur ein bisschen andere Aspekte angesprochen ...
Ja, Volltreffer mal wieder! :cheerful:
Das hilft mir bei einem Haufen kleiner und großer Plotlöcher weiter.

Zitat
Schreib bloss schneller weiter! (Ja ich weiß, sagt die richtige. Aber du WIRST veröffentlichen  :cheerful: )
Uh, hoffe ich ... meine Arbeitsmoral und so. :ups:
Schreip! :nudelholz:

Alles Liebe! :kaffee2:
Ril
« Letzte Änderung: 18 Mai 2016, 07:21:45 von Rilyn »
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

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Re: Oliven
« Antwort #10 am: 18 Mai 2016, 06:36:58 »
Hoi Lilith!

Zitat
Da ich beschlossen habe, mein Hirn aus seiner aktuellen Schlafstarre mal wieder ein bisschen aufzuwecken
:cheerful: :kaffee2:

Zitat
An sich finde ich die Frage danach, ob man den Soldaten umbringen sollte, spannend, auch wenn sie für mich eigentlich die klassische Frage nach Befürwortung aktiver Sterbehilfe ist. (M)Ein Problem meiner Ansicht nach in dieser Szene ist, dass das viel zu kurz kommt, um gewichtig zu wirken. Es wird sehr schnell abgehandelt und die unterschiedlichen Positionen dazu kommen kaum zum Ausdruck. Dadurch, dass der Soldat nur die späteren Horror- und Lästervarianten dieser Geschichte kennt und Meleann ihn über die Wahrheit aufklären muss, bekommen wir zudem noch ihre Sicht der Dinge auf dem Silbertablett serviert, die nochmals dadurch verstärkt (und die gegenteilige Ansicht abgeschwächt) wird, dass sie doch ein recht meinungsstarker Charakter ist; eine, die sich durchzusetzen weiß, auf alles eine Antwort hat (Großmaul) und irgendwie abzuwiegeln weiß - viel schöner finde ich also hier tatsächlich ihre Unsicherheit darüber, dass sie nicht weiß, was sie tun kann und soll, weil sie wirklich tief, tief in der Patsche sitzt. Aber sie funktioniert noch auf ziemlich hohem Niveau.
Sie redet sich hier ziemlich effektiv um die Patsche herum, aber sie wird unweigerlich merken, dass sie drin sitzt. Was das angeht, sollte ich mal die drumherum liegenden Szenen schreiben. :)
Ich glaube, ich werde Thierro etwas mehr stochern lassen. Er hat sowohl persönlichen wie vielleicht auch "dienstlichen" Grund, herauszufinden, ob sie zaubern kann. Und sie ist ausreichend durch den Wind, um sich entweder zu verplappern oder hier extra nichts zu sagen und sich dann erwischen zu lassen, als sie den Alkohol aus ihrem Hirn beseitigt.
:denk:
Meleann wird zweifellos auf die Episode mit dem verwundeten Soldaten zurück kommen. Später in der Story wird sie sich über ihr Handeln damals nicht mehr so sicher sein, falls sie es je war. Auf der einen Seite glaubt sie, dass sie ebenso wie der Soldat so nicht hätte leben wollen, auf der anderen Seite ist da ihre gib-nie-auf-Mentalität. Gerade, weil sie diese für sich in Anspruch nimmt, tritt sie ihrem Gewissen mit der damaligen Entscheidung nochmal vors Schienbein.

Zitat
Zitat
Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
Die Ärzte wirk(t)en auf mich erst einmal, als handelten sie nach einem wie auch immer genau in deiner Welt gearteten hippokratischen Eid. Ich denke, ein Problem ist, dass ihre Position nicht so recht herauskommt ... also von niemandem richtig verteidigt wird. Der Soldat wirkt auf mich recht jung und auch unerfahren - könnte der nicht auch als eine Art Sprachrohr für die andere Seite fungieren und Meleann damit etwas herausfordern, ihre eigene Ansicht noch zu unterstreichen? Es muss ja nicht auf eine tiefe philosophische Diskussion hinauslaufen, sondern kann durchaus auch in dem frotzelnden Tonfall bleiben, den sie jetzt schon anschlagen.
Ja, unbedingt! :schreib:
Einen hippokratischen Eid gibt es nicht, aber wie sollte man einen Arzt, oder irgendjemanden, dazu verpflichten können, Sterbehilfe zu leisten? Töten kann nicht jeder, auch nicht, wenn jemand darum bittet. Ich denke mal, dass Meleanns Bereitschaft dazu ein Grund für Arlyn war, in ihr eine potentielle Cavallera zu sehen.

Zitat
Ich weiß nicht, was mir auch etwas fehlt, ist auf der anderen Seite die Frage danach, inwiefern der Verwundete in seiner Wahrnehmung und seinem Urteilsvermögen vom Leser als "beeinträchtigt genug" verstanden werden kann, um sich auf die Seite der Ärzte zu stellen und zu sagen: "Warten wir lieber noch ein Weilchen, dann sieht die Welt auch wieder anders aus und du bist eventuell sogar froh, überlebt zu haben." Um des Dilemmas willen würde ich diese Episode also eher noch ausbauen. Kommt das später noch einmal vor, wird das irgendwo angeschnitten? Vielleicht kann man es dort vertiefen. Wenn nicht, wäre ich dafür, das an dieser Stelle etwas zu tun und sei es "nur" über das, was Meleann und der Soldat darüber im (Streit-)Gespräch reflektieren können.
Yay! Das ist der perfekte Grund.
Ich dachte, es genügt, dass er noch im Spital liegt. Das ist zwar absolut kein Hôtel Dieu, aber sicher nicht dem Lebenswillen des Soldaten förderlich.
Thierro ist ähnlich beharrlich wie Meleann, es macht Sinn, dass er ihr widerspricht und wissen will, wie sie dazu kam, eine mögliche spätere Entscheidung vorweg zu nehmen.

Zitat
Ob Meleann richtig gehandelt hätte, wäre Arlyn nicht gewesen ... die Antwort verbietet sich mir fast - allein aufgrund ihres Alters. Mit acht ist man noch verdammt manipulationsanfällig - damit meine ich nicht zwingend naiv. Über "naiv" dürfte Meleann bei ihrer Hintergrundgeschichte deutlich hinaus sein. Aber aufgrund des Alters spreche ich ihr eine vernünftige und sichere Entscheidungsfindung von vorneherein ab; da ist von der möglichen Entwicklung in dem Alter einfach zu wenig gegeben, um Meleann zur Rechenschaft ziehen zu können. Kennst du eins der Giftschrank-Märchen "Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben" von den Gebrüdern Grimm? (Falls nicht: klick.) Das hauptsächlich als Denkanstoß über Ansichten zu kindlicher Schuld und Unschuld.
Die Frage ist also auch, wie weit Meleann ist. Und, sorry, bei acht Jahren kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass da schon soviel Reflexionsfähigkeit vorhanden ist. Was ich mir aber vorstellen kann, ist, dass sie diese Frage nach der Richtigkeit ihres Tuns (bzw Lassens) für sich selbst in den darauffolgenden Jahren wieder und wieder gewälzt hat, vielleicht sogar mit Arlyn zusammen, um (auch identitätsbildend) zu einem Abschluss für sich zu kommen.
Mit Sicherheit. Den Abschluss dieser Sache packt sie aber erst innerhalb dieser Story. :)
Meleann ist zwar nicht ganz so rigide erzogen worden wie mittelalterliche Kinder (ab sechs Page etc), aber ähnlich früh mit Bildung vollgestopft: wo heute Fünftklässler mit Englisch anfangen, hatte sie schon zwei Jahre mit dem Latein-Äquivalent dieser Welt zu tun und Zugang zu einem Haufen Wissen. Dazu kommt eine gewisse Zeit beim Wilden Volk und damit frühe Eigenverantwortlichkeit.
Das Giftschrank-Märchen kannte ich irgendwoher, hatte es aber bis auf die Wahl zwischen Apfel und Gold vergessen. Meleanns Kommentar wäre: "Kinder sind nicht so dämlich." Ich hoffe, sie hat recht. ;D "... das Goldstück zu nehmen, den Trick durchschaut doch jeder."
Aha. :watchout:

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Wie gefestigt kann so ein Entschluss einer Achtjährigen sein? Klar, der Entschluss war wohl richtig bzw wird er ihre gesamte spätere Laufbahn beeinflussen und sie an den Punkt bringen, an dem sie jetzt ist.
Sie hatte als Kind alles durch von "ich will ein Kobold werden, wenn ich groß bin" über "ich will Ritter werden, krieg ich ein Pony?" und "ich will Entdeckerin werden" zu "ich will zaubern lernen", was sie letztendlich nach Tjarun brachte. Ein gefestigter Entschluss ist das nicht, aber ein üblicher Beginn einer Laufbahn. Eigentlich hätte sie mit sechs Jahren schon zur Erziehung in einen anderen Haushalt sollen, aber ihre Mutter war nicht so leichtfertig, eine neugierige, magiebegabte und unerfahrene Rotzgöre aus den Augen zu lassen.

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Dass es ein Schlüsselmoment für sie ist, um zu merken, dass sie der Aufgabe als Heilerin/Knochenflickerin so nicht gewachsen ist, ja, dafür ist das hier als Grundlage stark genug. Oh, und das fällt mir erst jetzt auf: Gewissermaßen kann sie diesen Schlüsselmoment später selbst noch einmal referenzieren, in der Frage danach, ob, wenn sie sich damals anders entschieden hätte, sie dann nie in diese Lage gekommen wäre. Für eine achtzehnjährige Meleann finde ich das noch durchaus legitim, so zu zweifeln, denn, nun ja, die aktuelle Lage ist ja auch verdammt bedrohlich für sie und zwingt sie zu handeln (also eine starke Ausgangslage).
Was die achtzehnjährige Meleann ankotzt ist das, was sie achtjährige wollte und auch nicht hatte: Einfluss. Damals ging ihr auf, dass sie im Nachhinein nichts wiedergutmachen kann, aber sie kann Dinge von vornherein beeinflussen. Dass sie für höfische Politik nicht taugt, weiß sie, aber als Cavallera kann sie das verhindern, was ihrer Mutter zugestoßen ist, sowohl rechtlich wie auch persönlich.
Im Totentanz geht sie noch einen Schritt weiter und komplett in die Politik, hinter den Kulissen.

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Um noch mal zur Entschlussfestigkeit und den Zukunftsvorstellungen einer Achtjährigen zurückzukommen: Natürlich kann ihr in dem Alter schon bewusst sein, auf welcher Lebensseite sie sich eher sieht. Es ist ja nicht so, dass alle Zukunftswünsche von Achtjährigen grundsätzlich Schwachsinn sind (nur mal als Beispiel: ich wollte mit acht unbedingt Autorin werden - und jetzt schau mal einer guck, wo ich gelandet bin ;D),
:victoria:
Ich glaube, ich wollte Sachbücher schreiben. ::) Und Dinosaurier ausgraben natürlich, weil das ja niemand sonst wollen würde. ::) ::)

Zitat
soll heißen: Das kann in dem Alter schon über "Pulizist" (Ritter?) und "Tierärztin" (Heilerin?) hinausgehen. Aber ich glaube da einfach nicht, dass sie in der Lage ist, zu einer tiefgreifenden moralischen Entscheidung zu kommen, eher, dass sie - abgesehen davon, dass sein Flehen und Betteln gegenüber einem Kind schon sehr manipulativ einschlagen muss; dass er das so tut, zeigt auf jeden Fall sehr deutlich seine abgrundtiefe Verzweiflung; es ihr vorkommen muss, als habe sie gar keine Wahl, als ihm beim Sterben zu helfen - einem Gefühl folgt, wenn, nun ja, der andere Aspekt nicht wäre.
Jetzt frage ich mich, ob Meleann jemals ein Verständnis von Moral hatte. Ethische Grundlagen, klar. Andere verletzen und töten ist nicht okay. Ein Tier leiden lassen ist nicht okay (das kommt vom Wilden Volk, da schneidet kein Metzger dem Tier die Kehle durch und lässt es verbluten, das geht schneller ... Empathen sind nicht "blind" gegenüber Tieren. Meleann ist kein Empath, ihre Mutter war's). Dass man einen Mensch nicht leiden lässt, folgert sie daraus selbst. Zu dem Widerspruch gesellt sich die Individualität des Wilden Volks, die sie stark beeinflusst hat, und damit zählt für sie die Entscheidung des Soldaten. Es ist sein Leben. Die Verantwortung, die sie dabei übernimmt, kann ihr wirklich nicht voll bewusst sein.

Zitat
Am Rande: Aus einem ähnlichen Grund habe ich mich beispielsweise als Designerin bei "Away With The Fairies" sehr stark dafür eingesetzt, den Großteil der (handelnden) Kinder über zehn Jahre alt sein zu lassen; denn es geht im Spiel schon eindeutig um schwierige moralische Entscheidungen. Mit einer Ausnahme - und bei der greift entsprechend der Manipulationsfaktor auch viel, viel stärker. Sind, nebenbei, auch keine behütet aufgewachsenen, sondern alles auf irgendeine Weise kriegsgeschädigte Kinder ("War and Peace" war ja auch das Thema) ...
:dops:
Mit Zehn war ich überzeugte Pazifistin und viel zu naiv für moralische Entscheidungen; ich glaube, behütet aufgewachsenen Kindern fällt es vielleicht sogar schwerer, solche zu treffen, weil sie nicht so leicht mit entsprechenden Situationen konfrontiert werden. Nicht, dass ich's wüsste. :wiejetzt:

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Du siehst also auch, obwohl ich bemängelt habe, dass das Dilemma in der Szene etwas zu kurz käme, rührt es mich auf eine Weise durchaus an, wenn ich so darüber nachdenke.
:whee:

Zitat
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Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
Da ich Meleann ja nun auch schon etwas länger kenne und von ihrer opportunistischen Grundhaltung weiß: Auf jeden Fall! Abgesehen davon kommt ihre Verzweiflung für mich schon stark genug rüber, das Abwägen darüber, es nicht zu tun, allerdings zu schwach, um nicht zu glauben, dass sie es nicht zumindest versuchen würde.
:)
An dieser Stelle hier ist das noch nicht so relevant, später wird sie's tun und sich der Konsequenzen voll bewusst sein. Vielleicht füge ich auch etwas hinzu wie die Manipulation eines Hofbeamten, von dem sie ein Siegel braucht, das sie nie bekommen würde, oder eines Sekretärs zwecks Korrespondenz, die eine neugierige Ratte nie zu Gesicht bekommen sollte; etwas, das im Grunde gegen ein nicht mal magiespezifische Gesetz verstößt: Sklaverei, bzw den Willen einer andere Person brechen, ist verboten. (Folter im Namen des Gesetzes außen vor, auch diese Welt hat ihre selbstgerechten Rechtssysteme.) Als Zauberwirkerin hat sie das "Glück", dass man sie nicht lang genug am Leben lassen würde, um die übliche Strafe zu vollziehen.

Zitat
Was ich mich hier u.a. die ganze Zeit frage, ist, wieso sie nicht darauf kommt, dass bei dem, was sie erst in den Schlamassel geführt hat, nicht auch eventuell Zauberei im Spiel war?
Hmm. :denk:
Sie könnte später drauf kommen, dass die alte Frau vielleicht zaubern kann. Aber ihre angeborene Affinität zur Magie macht sie zu einem Ziel, das für andere Zauberwirker - auch solche mit gleichem Hintergrund - schwer zu beeinflussen ist, weil sie sich sämtlicher Methoden bewusst ist und sie auch aktiv anwendet (wenn sie etwa die Schmerzen einer kleineren Verletzung nicht spüren oder die eklige Aalpastete bei Hofe mit Genuss verzehren will, veräppelt sie auch nur den eigenen Verstand). Vor allem würde sie es ziemlich sicher merken, solange sie nicht völlig blau in einer Ecke liegt und auf den Teppich sabbert.
Sie geht von der einfachsten möglichen Lösung aus: sie hat's höchstselbst verbockt.

Zitat
Allgemein gehe ich davon aus, dass dieses Verbot von Zauberei im Kampf an anderen Stellen noch ausgeführt und gedanklich umrundet wird, um zu verdeutlichen wie schwer ein Verstoß dagegen wiegt - mit allen Folgen. Was das Verbot selbst angeht, haben das ja schon andere hier und da kritisiert, und ich möchte dazu noch anmerken, dass ich bislang deine Erklärung darüber, wie verdammt schwierig so etwas ist, am einleuchtendsten fand.
Ich glaube, das Verbot muss ich seeehr deutlich umreißen, da es zum roten Faden gehört. :uhoh:
Das wird interessant.

Dank dir fürs Feedback und die vielen Denkanstöße! :cheerful: :kaffee2:

Alles Liebe,
Ril
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Offline Uli

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Re: Oliven
« Antwort #11 am: 11 September 2016, 04:15:28 »

ay rilyn,
Dann versuch' ich es mal - bin zwar ziemlich eingerostet, was rösten angeht, aber dies ist wohl der richtige Text zum einrösten ...
Auch, weil es dir (mal wieder) um Inhaltliches geht.
Wie fast immer: Kein Mecker am Text, dein Stil gefällt mir immer noch ausnehmend gut, und ich hatte keine Stolperer.

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Zitat
Dilemma 1: Hat Arlyn "richtig" gehandelt (bzw hätte Meleann es getan, wenn Arlyn ihr nicht den Dolch weggenommen hätte)? Oder haben die Heilkundigen recht damit, ihn nicht umzubringen?
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Gute Frage ...
Eine Antwort ist: Meiner Meinung nach hat Arlyn richtig gehandelt, ja.
Eine weitere: Meiner Meinung nach taten die Heilkundigen das allerdings auch.
Was sich (scheinbar) ausschließt, ich weiß. Tut es aber nicht: Da spielen individuelle Hintergründe eine wichtige Rolle, der Unterschied zwischen Heiler/in und Kämpfer/in, Erfahrungen, Berufung ... all sowas. Und auch Ängste.
Und genau deswegen führt diese Sache ja ganz logisch dazu, dass Meleann den Beruf wechselt: Sie hält, ihrem Wesen nach, etwas für richtig, was Heiler für falsch halten (sollten).

Oh, und es gibt auch Gegenfragen, z.B:
Gibt es eine Variante des hippokratischen Eides in dieser Welt? Dann wären die Heiler *zusätzlich* auch dadurch gebunden.
Auch vorstellbar wäre eine Art "Exklusivrecht" auf das Töten, dass an entsprechende Berufe gebunden sein könnte, während da sonst ein Tabu herrscht. Was m.E. beides nicht nötig ist, um die Sache darzustellen und den Berufswechsel für praktisch unausweichlich zu halten.

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Welcher Eindruck entsteht aufgrund dieser Vorgeschichte von Meleann (und Arlyn)?
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Oh.
Meleann macht - wenn ich nur diese Vorgeschichte betrachte - den Eindruck einer eher wilden Natur, die bis dahin durch irgendetwas gebändigt wurde, aber sich in diesem Moment Bahn brach - um das zu werden, was sie ist.
Und Arlyn ist eine kluge Person, die die " wahre Bestimmung" von Meleann erkannt hat, und dementsprechend handelt, indem sie sie in Ausbildung nahm.
Beiden gemeinsam ist, dass ihr Wertesystem nicht ganz zu dem ihres Umfeldes zu passen scheint, dass sie "unkonventionelle) Ansichten haben.

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Zitat
Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
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Hmmm ...
Das ist etwas schwieriger zu beantworten.
Also: Ich denke, dass sie so etwas ohne weiteres tuen würde, wenn es sich schlicht um die Genfer Konvention handeln würde - allerdings würde sie auf keinen Fall gegen eine Sache verstoßen, die sie selbst akzeptiert und als sinnvoll anerkannt hat.
Hängt jetzt genau daran, wie sie darüber denkt.
Ziemlich klar ist aber, dass sie wenigstens einmal gegen das Verbot verstoßen wird (oder schon hat), wobei ich da eher an "Nothilfe" als an "(direkten) Eigennutz" denke. Wobei ich da fragen muss: Ist der Einsatz von Magie
a) in einer direkten Kampfhandlung überhaupt möglich?
und b), funktioniert die Anwendung von Magie eher 'intellektuell', oder so ähnlich wie Reflexe?
Das macht dann einen wesentlichen Unterschied, rein praktisch. Wobei das an meiner Einschätzung der Person nicht so viel ändert.

Offline Rilyn

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Re: Oliven
« Antwort #12 am: 11 September 2016, 06:08:39 »
Hoi Uli!

Was soll ich sagen, du triffst es auf den Punkt. :cheese:

Zitat
Oh, und es gibt auch Gegenfragen, z.B:
Gibt es eine Variante des hippokratischen Eides in dieser Welt? Dann wären die Heiler *zusätzlich* auch dadurch gebunden.
Auch vorstellbar wäre eine Art "Exklusivrecht" auf das Töten, dass an entsprechende Berufe gebunden sein könnte, während da sonst ein Tabu herrscht. Was m.E. beides nicht nötig ist, um die Sache darzustellen und den Berufswechsel für praktisch unausweichlich zu halten.
Es gibt sicher in einigen Gegenden eine Art hippokratischen Eid, aber in dieser speziellen ist er zu rigide. Das Glaubenssystem mit den Perfekten - göttlichen Idealen, die selbst nichts tun, sondern eben nur Ideale sind, denen man nachstreben sollte - erledigt den Rest. Für Heilkundige wichtig ist vor allem Eliarra, die Gnadenvolle. Töten ist nicht gerade ihr Resort, aber ein Heilkundiger, der an Eliarra glaubt, hätte niemals den originalen Johnny aus Prinzip am Leben erhalten, denn das wäre grausam. In diesem Fall hier stehen sich einfach widerstreitende Meinungen gegenüber; die erfahrenen Heilkundigen kennen schon so viele, die es sich doch nochmal anders überlegten, nachdem sie erstmal mit einer Behinderung klarzukommen gelernt hatten. Vielleicht hätte jemand einer späteren Bitte stattgegeben ... aber das bleibt ein Vielleicht. Bisher hat der Soldat offenbar kein solches Angebot gehört, da er sich ausgerechnet an ein Kind wendet.
Berufe mit einem "Exklusivrecht" aufs Töten gibt es nicht. Um den Gedanken im Zusammenhang weiterzuspinnen, könnte ein Heilkundiger, der dem verstümmelten Soldaten seinen Wunsch erfüllen will, aber es selbst nicht kann, sich Hilfe holen, dann idealerweise bei jemandem, der sich drauf versteht und außerdem keinen Ärger bekommt; also nicht grade die Stadtwache, sondern den Scharfrichter. Das wäre, da der Beruf nicht vollkommen geächtet ist wie der historische, auch nicht entehrend.
Arlyn fragt nicht erst nach, da sie der Meinung ist, dass ihr niemand ans Bein pinkeln kann, wenn sie im Spital etwas tut, das sie auf dem Schlachtfeld ebenso tun würde, wenn ein Verwunderter sie darum bittet. Der Wunsch des Soldaten ist ja bereits vielfach bezeugt durch all die Medici und Zauberheiler, die er gebeten hat.

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Meleann macht - wenn ich nur diese Vorgeschichte betrachte - den Eindruck einer eher wilden Natur, die bis dahin durch irgendetwas gebändigt wurde, aber sich in diesem Moment Bahn brach - um das zu werden, was sie ist.
Das trifft sie sehr gut. Gebändigt, hmm ... sie hatte immer etwas zu tun, zu lernen, zu erforschen, Leute zu veräppeln und zum Verkloppen, wenn sich eine Bande Dorfjungen gegen das "Wechselbalg" zusammenrottet, und es ist ziemlich beschissen, wenn letzteres darin endet, dass die Rotzgöre - die zum eigenen Schutz so wie fast jedes adlige Mädchen mit bloßen Händen zu kämpfen lernt - einem oder zweien etwas weh tut, die plärrend zu ihren Eltern laufen und Dinge über das Wechselbalg erzählen, die letztendlich dazu führen, dass die Mutter des Wechselbalgs dieses vor einem Mob mit Forken rettet und dabei stirbt. Infolgedessen wurde Meleann von ihrem Vater nach Tjarun geschickt. Sie glaubt zunächst, dass sie die Heilkunst lernen will, bemerkt diesen Irrtum aber spätestens hier und vor allem bisher unbewusst. Sie will Einfluss. Ihr Name bringt ihr den nicht (nicht ausreichend), als Zauberheilerin wäre sie gerade in ihrem Heimatland eine Geächtete und hätte mindestens "Berufsverbot", Zauberei ist gefürchtet. Also genau die Situation, in der ihre Mutter steckte. Aber ich denke, ihr ist bewusst, dass sie mit einem Schwert in der Hand nicht sicherer lebt ... sie hat ganz einfach mehr Möglichkeiten.

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Und Arlyn ist eine kluge Person, die die " wahre Bestimmung" von Meleann erkannt hat, und dementsprechend handelt, indem sie sie in Ausbildung nahm.
Beiden gemeinsam ist, dass ihr Wertesystem nicht ganz zu dem ihres Umfeldes zu passen scheint, dass sie "unkonventionelle) Ansichten haben.
;D Ja, durchaus ... Arlyn mit viel Wissen, wie sie sich in der politischen Gesellschaft zu bewegen hat, und mit beiden Beinen auf dem Boden. Meleann hitzköpfig und mit beiden Beinen im nächsten Fettnäpfchen.

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Macht Meleann hier den Eindruck, als werde sie ihre Möglichkeiten sehr wohl für sich einsetzen, auch, wenn sie damit das Äquivalent der Genfer Konvenion bricht?
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Hmmm ...
Das ist etwas schwieriger zu beantworten.
Also: Ich denke, dass sie so etwas ohne weiteres tuen würde, wenn es sich schlicht um die Genfer Konvention handeln würde - allerdings würde sie auf keinen Fall gegen eine Sache verstoßen, die sie selbst akzeptiert und als sinnvoll anerkannt hat.
Hängt jetzt genau daran, wie sie darüber denkt.
Ziemlich klar ist aber, dass sie wenigstens einmal gegen das Verbot verstoßen wird (oder schon hat), wobei ich da eher an "Nothilfe" als an "(direkten) Eigennutz" denke.
:cheerful:

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Wobei ich da fragen muss: Ist der Einsatz von Magie
a) in einer direkten Kampfhandlung überhaupt möglich?
und b), funktioniert die Anwendung von Magie eher 'intellektuell', oder so ähnlich wie Reflexe?
Das macht dann einen wesentlichen Unterschied, rein praktisch. Wobei das an meiner Einschätzung der Person nicht so viel ändert.
Ich denke mal, den Eindruck beeinflusst das wirklich nicht.
zu a): Ist möglich. Die banalste Methode, die sogar Stümper wie Meleann hinbekommen, ist, die eigenen Sinne zu schärfen und zu fokussieren. Etwas schwieriger - für sie möglich, weil's ihr einfach entspricht - Intuition über die normale hinaus, das eigene Denken bewusst und vor allem unbewusst mit magischer Hilfe komplementieren und dadurch immer etwas schneller sein, immer einen Schritt voraus, wenn auch nicht mit allzu großer Sicherheit. Dieser Teil ist für jemanden, der tatsächlich darin ausgebildet wird, relativ leicht (Meleann ist Autodidaktin, abgesehen von ein paar grundlegenden Lektionen durch ihre Mutter), langfristig und / oder häufig hintereinander möglich, ohne den Zaubernden auszulaugen.
weiter dazu, und zu b):
Kampfmagier, von denen es seeeehr wenige gibt, sind ausgebildete Soldaten mit zauberischen Fähigkeiten, die sie beliebig erweitern können; gelehrt werden die Grundlagen, dazu das "Erkennen" vom Geist eines anderen, angefangen mit aktuellen Gefühlen, hin zu oberflächlichen Gedanken (das ist schon schwierig) und das Manipulieren dieser. Man kann Gedanken anderer nicht "lesen", man kann sie nur miterleben, was bedeutet: das, was man mitbekommt, beeinflusst man auch selbst. Es ist außerdem scheiß gefährlich, sich so weit ins geistige Wesen eines anderen vorzuwagen, denn sobald der sich wehrt, hat er die Oberhand, Magier oder nicht. Dann bleibt nur Rückzug.
Geistige Beherrschung ist dementsprechend irre schwer und gelingt normalerweise nur Magiegeborenen (grob umrissen alle nicht sterblichen, aber körperlichen Wesen) und damit kaum einem Menschen. Solche Wesen sind meistens auch nur dann extrem mächtig, wenn sie kaum oder gar nicht mehr körperlich existieren. Besessenheit wäre eine Folge. Die kann ein waghalsiger Magier auch mal bewusst nutzen. Sie macht fertig, aber mit dem richtigen Wesen kann auch aus einem Kampfmagier-Lehrling für eine kurze Zeit eine Kampfmaschine werden, der niemand begegnen will.
Deshalb ist Magie gefürchtet und in vieler Hinsicht  unter drakonischen Strafandrohungen verboten. Es würde aber schon genügen, dass ein Zauberkundiger aus einer Schlachtformation heilloses Chaos machen kann, wenn sich nur ein einziger beeinflusster Soldat gegen die eigenen Leute wendet. Ein durchbrochener Schildwall ist schon übel, schlimmer wird ein Flankenangriff auf die eigene Formation. Und normalerweise bleibt es nicht bei einem Soldaten.

Intellektuell oder Reflexe ... eigentlich beides. Intuition, Willenskraft, Kreativität, Empathie, und eine gehörige Portion Mumm. Oder Wahnsinn. Man sagt den meisten Zauberwirkern nach, dass sie nicht besser, sondern verrückter werden. :cheese:
(Das ist wahr, aber übertrieben. Sagen die Verrückten.)

Dank dir, und liebe Grüße! :b5: :kaffee2:
Ril
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Offline Uli

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Re: Oliven
« Antwort #13 am: 11 September 2016, 14:32:11 »
ay Rilyn,

OK ... verstehe. Das magische System ist, wie es ausschaut (und wie ich das von dir halt kenne und erwarte) schlüssig und vor ammen anwendbar.
Nur:
Beim Thema "Magie im Kampf" bzw des Verbotes derselben stolpere ich noch ein wenig:
Die grundlegenden Technicken erinnern mich sehr an verschiedene asiatische Techniken bzw deren Effekte - Fokussieren, Sinne schärfen, auch "erweiterte Ituition" - alles auch unmagisch erreichbar, mehr oder weniger.
Und damit wird es ziemlich schwer, dieses Verbot zu kontrollieren oder einzuhalten: Ist das jetzt schon Magie-Einsatz oder ist die Kämpferin nur verdammt gut?

Das Verbot einzuhalten wird außerdem recht erschwert, wenn der Einsatz "in Aktion" möglich ist: Das Schwert aufhalten, dass einen sonst treffen müsste, als Reflexhandlung - das nicht mit *allen* zur Verfügung stehenden Mitteln zu tun, wiederspricht so ziemlich allem, was Kämpfer so an Eigenschaften haben müssen.

Deshalb: Für den magisch begabten Kämpfenden ist klar, dass diese Sache permanent übertreten wird, und es geht deshalb nicht um ein absolutes Verbot - sondern darum, dass es nicht zu augenscheinlich wird.
Also, eine Beruhigungspille für die Nicht-Magischen, und ein Instrument, ggf jemanden anklagen zu können.
Für jemanden in diesem Geschäft geradezu eine Herausforderung, die Sache zu umgehen, mindestens - und sich ernstlich Gedanken zu machen, wie man das (unabweisbare) Problem des "bösen" Magieeinsatzes löst.

Ich würde vermuten, dass es so etwas wie einen "Magier-Kodex" gibt, eine Philosophie oder so, mit dem das versucht wird(oder wurde). Einfach, um Wissen um solche Sachen weiterzugeben, um dem Nachwuchs Probleme zu ersparen ...

Tja. Denk ich mir halt so.

Dazu kommt noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass den magisch Begabten die Situation auf den Keks geht: He, andauernd retten wir den König und werden dann hingerichtet, weil wir das gründlich machen ...

Hmm.
Also, ich wäre da ganz schön sauer.
Glaube ich.

Offline Rilyn

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Re: Oliven
« Antwort #14 am: 11 September 2016, 18:57:03 »
Hoi Uli,

Zitat
Die grundlegenden Technicken erinnern mich sehr an verschiedene asiatische Techniken bzw deren Effekte - Fokussieren, Sinne schärfen, auch "erweiterte Ituition" - alles auch unmagisch erreichbar, mehr oder weniger.
Und damit wird es ziemlich schwer, dieses Verbot zu kontrollieren oder einzuhalten: Ist das jetzt schon Magie-Einsatz oder ist die Kämpferin nur verdammt gut?
Hihi, jau ... der Übergang ist fließend, die magische Unterstützung reicht noch viel weiter als alles, was ein trainiertes Hirn so zustande bringt.
Das ist so schwierig, dass die meisten Gerichte die Finger davon lassen, einen Beschuldigten, der nur sich selbst geholfen haben soll, zu verurteilen. Falls es jemals dazu kommt. Interessant wird das an einer Stelle im Duell, wo es um selbiges geht und eine der Personen Magie anwenden könnte und auch Grund hat.

Zitat
Das Verbot einzuhalten wird außerdem recht erschwert, wenn der Einsatz "in Aktion" möglich ist: Das Schwert aufhalten, dass einen sonst treffen müsste, als Reflexhandlung - das nicht mit *allen* zur Verfügung stehenden Mitteln zu tun, wiederspricht so ziemlich allem, was Kämpfer so an Eigenschaften haben müssen.
Jep. Deshalb nehmen die meisten Heere, Stadtwachen etc auch gar nicht erst Zauberkundige auf. Zauberei zum Zusammenflicken der Verwundeten ist prima, aber im Kriegseinsatz führt sie nur zu noch mehr Einsatz von beiden Seiten, und die Folgen dessen sind hinreichend bekannt. Irgendjemand wird es immer wieder auch im großen Maßstab tun. Irgendjemand wird irgendwann eine "Inquisition" anstoßen, um das endgültig (haha) zu unterbingen.

Zitat
Für jemanden in diesem Geschäft geradezu eine Herausforderung, die Sache zu umgehen, mindestens - und sich ernstlich Gedanken zu machen, wie man das (unabweisbare) Problem des "bösen" Magieeinsatzes löst.
Aus einem anderen Plot: ein Gesetzesentwurf, um in einem Land, in dem Zauberei bisher komplett verboten war, die nützlichen Aspekte wieder zum Einsatz zu bringen; geschrieben von einem, der nicht mal die Theorie völlig versteht. ;D
Die Zauberei sei nicht als Übel zu verdammen, wo sie keinen Schaden bringt, wo ein kundiger Geist sie in bestem Willen leitet zum Nutzen von Mensch und Tier, und wo ein Zauberer handelt im Sinne von Bronvère, Rounac, Relièl und den Perfekten.
Wo aber ein Zauberer dieses Gesetz oder ein anderes verletzt, ohne Schaden zuzufügen, soll man ihn öffentlich anklagen und vor Gericht bringen. Der Strafen sei eine das Verbot von Ausübung der Zauberei. Dagegen soll man, zur Sicherheit aller, einen Zauberer niemals peinlich befragen oder am Leibe strafen.
Wo ein Zauberer Schaden verursacht, doch nicht in böser Absicht, soll man ihn binden und vor Gericht bringen. Das Gericht soll ihn anhören, und drei Speere sollen auf ihn zielen, dass er keinen weiteren Schaden anzurichten vermag.
Wo ein Zauberer aber seine Kunst im Kampfe einsetzt oder in böser Absicht Mensch und Tier schadet, soll man ihn rasch und sicher töten. Hernach soll ein Gericht sorgfältig entscheiden, ob dies rechtens geschah. Jedem Gericht, das über einen Zauberer urteilt, soll auch ein solcher beisitzen.

Die Carolina-mäßige uneindeutige Formulierung soll so sein. "In böser Absicht" z.B. nochmal durch drei weitere Gesetzesbücher zu definieren wie in der modernen Justiz fiele diesen Leuten nicht im Traum ein. Sie wollen die Gerichtsverhandlung nicht erst durch den natürlichen Tod der Beteiligten beenden. Außerdem gibt es zu viele aufeinandertreffende Sprachen, so dass der exakte Wortlaut nichts bedeutet, sondern der Sinn. Und ... ja, interpretierbar ist das alles, wie jedes Gesetz zu jeder Zeit. :weissnicht:

Zitat
Ich würde vermuten, dass es so etwas wie einen "Magier-Kodex" gibt, eine Philosophie oder so, mit dem das versucht wird(oder wurde). Einfach, um Wissen um solche Sachen weiterzugeben, um dem Nachwuchs Probleme zu ersparen ...
Jau. Dort, wo Magie im großen Stil weitergegeben wird (also fast jeder Zauberwirker auch einen Schüler hat), gibt es entsprechende Modelle. Gesetze sind das nicht; die Magier selbst wissen zu gut, wie sehr man sich an die halten wird, und setzen auf Verstand statt Zwang. Die Herrschenden nicht.

Zitat
Dazu kommt noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass den magisch Begabten die Situation auf den Keks geht: He, andauernd retten wir den König und werden dann hingerichtet, weil wir das gründlich machen ...
:cscreen:
Kam bisher nicht vor. Vermutlich auch, weil sich Zauberkundige sagen, dass so ein König ruhig erdolcht werden kann.

 :kaffee2:
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