Autor Thema: Nardirs erster Auftritt  (Gelesen 3224 mal)

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Offline SirJasonCrage

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Nardirs erster Auftritt
« am: 16 März 2016, 16:57:26 »
So. Nachdem die CheFFin letztens meinte, es wäre so ruhig, dass sie sich sogar über Spam freuen würde, lege ich stattdessen ein frisches Rösti auf den Grill.

Der Text ist in der Arbeit entstanden und soll einen Krieg beschreiben, der zwei Generationen vor meiner eigentlichen Geschichte gekämpft wurde.
Aber so weit sind wir noch nicht. Bis jetzt gibt es nur einen Spaziergang. Guten Appetit, Mitteufel:


Krieg der Schwingen

Der Rat von Sardhras

Nardirs dunkle, braune Augen warfen wachsame Blicke durch die Reihen der Menschen, die sich zu Fuß oder auf dem Rücken eines kleinen Wüstenesels durch die Menge schoben. Viele trugen Körbe mit Brot oder Früchten, andere brachten Wasser in Krügen von einem der vier Flüsse. Wieder andere gingen, wie auch er selbst, ohne Ladung durch die Stadt. Marktstände lehnten an den hohen weißen Wänden der Häuser und ihre Besitzer warteten schweigend darauf, dass ihnen jemand Schmuck, ihre Kleidung oder Waffen abkaufte. Obwohl das Gedränge dicht war, hielten die Leute immer ein paar Handbreit respektvollen Abstand von der Kette, die Nardirs Hals mit Meister Siirdyns Handgelenk verband. Aberglaube machte in den Gedanken der ungebildeten etwas mythisches aus der metallenen Fessel, als würde ein Dämon darin hausen, der ihre Seele schlucken könnte. Nardir war dieser Irrglaube nur recht, so musste er sich nicht mühsam einen Weg durch die Menge bahnen, um mit seinem Herrn Schritt zu halten.
Meister Siirdyn war in Eile, denn die anderen Mitglieder des Zentrums konnten auch ohne ihn bindende Entscheidungen treffen. Als er das letzte Mal verspätet erschienen war, hatten sie ein Verbot erlassen, den Suhranx nördlich seines Deltas abzuzweigen. Der neue Palast stand jetzt halb fertig in der Wüste, ein Grab für Gold und Marmor und seine großen Gärten starben einen trockenen Tod. Beinahe hätte Meister Siirdyn in seinem Zorn einen alten Käferschwarm auf die Felder des Großmagiers gejagt, der das Gesetz vorgeschlagen hatte, aber er fand rechtzeitig zu seiner berechnenden Kälte zurück. Der Zauber, der die Käfer in ihrer versiegelten Kiste am Leben hielt, war viel wertvoller als die kurze Befriedigung, die er durch einen Racheakt erfahren würde. Umso erpichter war er jetzt darauf, rechtzeitig zum Rat zu erscheinen und einem seiner Konkurrenten ein ähnliches gesetzlich bindendes Bein zu stellen.
Eine Abzweigung brachte sie durch eine enge Gasse in den Schatten des Spiralturms und die kühlere Luft hier umspielte sofort Nardirs Körper.  Sein weißes Hemd ließ den angenehmen Hauch zwischen den goldenen Knöpfen hindurch, sodass er sich über seine Brust hinweg ausbreiten und den engen Zwischenraum ausfüllen konnte, der den Stoff von seiner Haut trennte.  Hier war das Treiben schlagartig ruhiger. Die Marktstände waren gemäß Schattengesetz geschlossen, ihre Betreiber saßen bequem davor und tranken Laerys Tee oder Adersinensaft und warteten auf die Sonne.
Meister Siirdyn hatte keine Zeit für das Gesetz und rannte trotz Verbot weiter auf den Spiralturm zu. Die Marktstände wurden weniger, die Häuser größer und erste Gärten säumten die mit Sand bedeckten Straßen. Vier Soldaten der Stadtwache kamen ihnen entgegen und riefen ihnen schon zu, dass es Schattenzeit war und sie sofort aufhören sollten zu rennen, aber als sie das Muster auf Meister Siirdyns Tuch erkannten, wurden sie schnell still und taten so, als würden sie nichts sehen. Durch den Garten eines Fremden, vorbei an Apfelbäumen, Büschen mir reifen Beeren und einem Beet mit bunten Blumen, gelangten sie auf eine der wenigen gepflasterten Straßen in Sardhras.
Auch hier herrschte die angenehme Ruhe des Turmschattens.
„Meister Siirdyn, Ihr werdet doch nicht etwa auf der Südstraße gegen das Schattengesetz verstoßen und rennen.“  Meister Yarmot kam, gestützt auf seinen Stab, auf sie zu geschlurft. Das Artefakt faszinierte Nardir, denn das Holz hatte in seiner Gegenwart noch nie irgendeinen Boden berührt, obwohl sich der Alte Großmagier bei jedem Schritt darauf stützte. Dessen Novize lief mit seinen glasigen Augen hinter ihm her und studierte wie immer seine Kette.
„Die Gesetze scheinen es seit einer Weile darauf anzulegen, mich in allen Angelegenheiten zu bremsen.“
„Vergebt mir meine Weisheit, aber das Delta braucht sein Wasser. Ihr dürft gern große Paläste bauen, aber wenn tausende dafür leiden müssen, ist es die Aufgabe des Rates, dem entgegenzuwirken.“ Obwohl der Bart und das Tuch seinen Mund verdeckten, sah Nardir an seinen Augen, dass der Greis lächelte. „Ich hege keinen Groll gegen Euch, wenn Ihr Eure Ambitionen verwirklichen könnt, ohne dabei das Volk ins Unglück zu stürzen, würde ich sogar gerne dabei helfen.“
„Aber bis dahin nutzt Ihr den Groll und den Neid, den die anderen sehr wohl gegen mich hegen um eine Mehrheit zu bekommen, während ich nicht anwesend bin. Ich verstehe.“ Meister Siirdyns Augen verrieten Zorn und Unverständnis.
„Ihr seid so jung. Warum versucht Ihr Euch im Reichtum mit den anderen zu messen und nicht im Wissen? Ihr seid im Rat um die Macht der Gesetze zu nutzen, aber Ihr respektiert sie nicht. Und wenn Ihr es doch müsst, seid Ihr zornig.“ Nardir hörte nicht weiter zu. Er wusste, dass sein Meister dem Alten noch eine Weile entgegen reden würde, obwohl die Worte an dessen sturer faltiger Stirn abprallten. Stattdessen wandte er sich dem anderen Novizen zu, während sie beide hinter ihren Ketten her liefen.
„Hallo Fischauge.“ Der Junge sah nicht auf.
„Fischauge ist genauso wenig mein Name, wie deiner Nardir ist.“ Seine schwache Stimme klang immer niedergeschlagen und irgendwie unbeteiligt. Ohne zu fragen griff er nach Nardirs Kette und hielt eins der Gelenkstücke neben seines, das er gerade untersucht hatte.
Nardir versuchte es erneut. „Hallo Faryn.“ Der andere Junge sah auf und richtete seinen Blick scheinbar auf etwas, das weit hinter Nardir lag.
„Hallo Flinkfinger.“ Wahrscheinlich lächelte er. „Ich hatte gestern wieder eine Vision.“ Nardir wurde hellhörig.
„Was denn für eine?“
„Eine unheilvolle. Wahrscheinlich ist sie nutzlos. In ein Paar Tagen weiß sowieso jeder, was ich gesehen habe.“ Seine Augen hefteten sich wieder an die beiden Ketten.
„Wird es das Reich so stark beeinflussen?“, hakte Nardir nach.
„Du weißt, dass niemand die Zukunft sehen kann.“ Faryn sah wieder durch ihn hindurch. „Vielleicht irre ich mich und niemand erfährt davon. Aber was ich gesehen habe, ist geschehen und vielleicht ist es sogar der Grund für unsere Zusammenkunft heute.“
Nardir verdrehte die Augen. „Faryn, wenn es dir der Alte nicht verboten hat, sprich es aus.“
„Er hat es mir verboten.“ Es war schwer zu sehen, ob er darüber traurig war. „Aber ich habe gestern zufällig ein Gedicht geschrieben, das dich interessieren könnte.“
Der Schatten schreit, die Flügel breit, mit Tausend Stimmen und einer
Von Furcht befreit, nie mehr entzweit, denn der Triumph ist seiner
Doch Angst erwacht, Zorn wird entfacht, die Augen glühen rot
Ob seiner Macht, der Schatten lacht, und spricht ein Angebot
„Danke. Bei Gelegenheit trage ich dir auch mal ein Gedicht vor.“
„Bitte nicht.“ Faryn schüttelte sich vor gespieltem Grauen. „Aber du kannst mir eines Tages von deiner Heimat erzählen, das würde mich freuen.“
Als sie durch das Tor der Turmzitadelle gingen, sprang neben ihnen eine vierbeinige weiß-grau gestreifte Bestie von der Mauer in den Sand. Ihr Kopf war wölfisch, aber sie bewegte sich mit der Geschicklichkeit einer Raubkatze. Ihre Augen, die außer eines weißen Randes und eines schwarzen Zentrums keine weiteren Farben hatten, wanderten über die kleine Gruppe, bis sie an Meister Yarmot hängen blieben. Knurrend fing sie an, zu sprechen.
„Ich hoffe, dass es heute nicht wieder um politische Gehässigkeiten geht. Die letzte Zusammenkunft hat mich so gelangweilt, ich weiß gar nicht mehr, was es für ein Gesetz war, dem ich da zugestimmt habe.“ In seiner Wolfsform musste Garold Crage kein Tuch vor seinem Gesicht tragen, daher war sein Grinsen für jeden sichtbar. Die Reihen scharfer und spitzer Zähne waren ein bösartiger Gruß an Meister Siirdyn und der Blick zeigte deutlich, dass er sich sehr wohl an das Gesetz und seine Folgen erinnerte. Nardir musste das Gesicht seines Herrn nicht sehen um zu wissen, dass er vor Zorn kochte.
„Mag sein, dass Euch das Gesetz kein Tuch vorschreibt, aber wenn Ihr mich noch ein Mal so angrinst, schmelze ich Euer Gesicht und sorge dafür, dass Ihr Euch nie wieder nie wieder in das Licht der Sonne traut, ohne es zu verhüllen.“
Überraschend bekam er Unterstützung von Meister Yarmot. „Euch mag es fremd erscheinen, aber Ihr seid ein Gast und solltet euch zumindest aus Respekt etwas an unsere Gepflogenheiten anpassen. Unverhüllte Gesichter, besonders wenn sie Emotionen widerspiegeln, sind hier vulgär und gehören in die Schlafzimmer und Hurenhäuser! Wenn es heute nicht um weit wichtigeres ginge, würde ich  ein Gesetz vorschlagen, nach dem nicht nur jeder Mensch, sondern jedes denkende Wesen sein Gesicht zu verhüllen hat.“
„Wenn es Euch glücklich macht…“ Der Wolf richtete sich auf und veränderte sich. Die Knochen in seinen Beinen knackten fürchterlich, seine Brust verschob sich und seine Schnauze wurde kürzer, bis sie schließlich verschwunden war. Nardir dachte zu spät daran, sich die Verwandlung langsam anzusehen, so schnell war sie vorbei. Jetzt stand ein Mann mit kurzen schwarzen Haaren vor ihnen, die Augen noch immer stechend schwarz, der Rest seines Gesichts verhüllt von einem fransigen, schwarzen Tuch, das er aus seinem Bart gemacht hatte. Sein Körper war in das Fell der Bestie gehüllt, die er gerade noch gewesen war, seine muskulösen Arme waren jedoch frei. „Können wir jetzt hinein gehen? In dieser Kleidung lässt sich euer Wüstenland auch im Schatten nicht lange ertragen wenn ich sie aber ablege werft ihr mir wieder vulgäres Verhalten vor.“
Meister Yarmot seufzte. „Nicht ohne Euren Novizen. Unsere Ahnen dachten, es bräuchte kein Gesetz, das es verbietet, sich die Novizenkette aus dem Arm zu ziehen, sobald diese fest mit den Knochen verbunden ist. Auch dafür sollte ich demnächst plädieren.“ Crage lachte nur.
„Ihr mögt es nach all den Jahrzehnten gewohnt sein, immer und überall begleitet zu werden, aber ich jage allein. Der Junge würde sterben, wenn ich durch die Wüste sprinte und ihn hinter mir her schleife. Ich habe ihn vorne bei der Pforte des Turms angekettet.“
Sein Novize, ein dicklicher Junge, der so alt aussah wie Nardir, saß im Schneidersitz vor der Mauer eines Schlafhauses für die Diener des Spiralturms. Er hatte einen komplizierten Siegelkreis in den Sand gemalt und erklärte Teile davon einem Mädchen mit leuchtend hellen Haaren. Der Halsring des Mädchens war mit dem Handgelenk eines braunhaarigen Mannes verbunden, der an die Hauswand gelehnt auf sie wartete.
Gordon Rekkat war genauso ein Fremder wie Garold Crage, hatte aber weit bessere Manieren. Sein Tuch verhüllte Mund und Nase und anstatt von Fellen war er in ein luftiges, hellbraunes Gewand gekleidet, das dem Wetter hier angemessen war. Als die Gruppe ihn erreichte, grüßte er knapp, zog kurz an der Kette um seine Novizin zu sich zu rufen und fragte dann ebenfalls, was denn der Grund für die Zusammenkunft sei. Nardir hörte ihn jedoch kaum, denn er und die anderen Novizen sahen gebannt zu, wie Garold Crage die Hand aus der Wand zog, deren Knochen mit der Kette seines Novizen verschmolzen waren, seine jetzige rechte Hand auffraß und sich die alte Hand auf den blutenden Armstumpf setzte. Mit Faryns Augen fing die Faszination hier erst an, aber Nardir musste sich damit zufrieden geben, dass die Haut an der Oberfläche zusammenwuchs und sich die Finger nach ein paar Sekunden probeweise beugten und streckten. Als hätte er lediglich ein Kleidungsstück gewechselt, ging der Gestaltwandler voraus in den Spiralturm. Gordon Rekkat folgte ihm unbeeindruckt, Meister Yarmot mit mildem Interesse im Blick und Meister Siirdyn mit unverhohlenem Neid. Die drei Novizen bildeten den Schluss.



Welche Fragen wirft das angebrochene Worldbuilding auf?
Ich spare immer entweder zu viel mit Beschreibungen, oder platziere sie ungschickt. Wo fehlt euch die Visualisierung hier besonders?
Stört es, dass Nardir obwohl er Protagonist ist nur als Kamera für den Leser dient?
Trage ich irgendwo zu dick auf?^^

Über einen kurzen Kommentar zu den Dialogen würde ich mich auch freuen :)
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Offline Rilyn

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #1 am: 16 März 2016, 17:11:48 »
Hoi Sir Jason :)

Das röste ich gerne. Aber ich hab ein paar Frage vorab: ist es der Anfang der Story? Oder ist schon etwas von den Figuren, der Magie und der Region bekannt? (Dass Nardir das erste Mal auftritt, muss ja nicht bedeuten, dass alle Figuren bisher unbekannt sind. Vor allem Crage wäre hier interessant.)

Liebe Grüße,
Ril
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Offline eska

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #2 am: 16 März 2016, 23:54:11 »
Hi Sir Jason!

Hier meine Eindrücke:

Also, zunächst mal ein Lob: Ich habe gespannt gelesen und bin nur an wenigen Stellen aus dem Lesefluss gestolpert. Die Charaktere der Magier und Novizen unterscheiden sich deutlich voneinander, mich zumindest hat die Beziehung zwischen Herr und Novize gelockt. Mich amüsiert auch die Darstellung, wie die Entscheidungen des Rates von persönlichen Belangen beeinflusst sind.

Zu deinen Fragen:

1. Nardirs Perspektive: Daran hat mich nichts gestört. Und ganz nur Kamera ist er auch nicht, im Gespräch mit Faryn erhält er eigene Züge. Diesen Dialog fand ich schon mal gelungen.

2. zu dick aufgetragen: Ist mir nicht bewusst. Allerdings fand ich die Verwandlung des Wolfsmenschen vor aller Augen und ohne Not, ganz lässig, erstmal irritierend. Die Sache mit der Hand ist noch zu verschwommen: die echte Hand ist in der Wand verschmolzen? Oder wächst alles an ihm so schnell nach bzw. heilt? Das setzt enorme Energie = Magie voraus. Die muss irgendwoher kommen. Das kostet etwas. So ein Kunststück nur zur Beeindruckung seiner Zuschauer auszuführen, wirkt zwar sehr lässig, aber ein bisschen, als ob er mit Kostbarkeiten die Straße pflastert. Entsprechend reagiert Siirdyn mit Neid.
Weniger auffällig, aber ähnlich die Sache mit Yarmots Stock: Wozu schwebt der sozusagen? Welchem Zweck dient der Einsatz von Magie = Energie dabei?

3. Fragen:
- Manche Nahrungsmittel sind uns vertraut, manche deine Erfindung. Hast du dafür eine Erklärung bzw. ein System? Was davon ist vor Ort produziert, was eingeführt (wie sind die Handelsbeziehungen, Vorratslagerung etc.?), was alltäglich, was exotisch oder kostbar? Die Stadt liegt in der Wüste, an einem großen Fluss, nein, nachgelesen: vier Flüssen. Trotzdem: Wasser ist kostbar. (Wieso eigentlich? Versanden die nach kurzer Strecke oder so?). Obstanbau braucht meines Wissens eher viel Wasser.

 - Das Schattengesetz ist interessant, aber noch nicht klar genug: Geht es um den Schatten des Spiralturms? Und ist die gebotene Ruhe ein Gebot der Vernunft, Verehrung einer gottähnlichen Erscheinung oder notwendige Voraussetzung für etwas, das dort geschieht?

 - Wieso müssen Novizen (der Terminus bedeutet für mich so etwas wie Probezeitler) körperlich an ihre Mentoren gebunden sein? Wollen sie denn nicht lernen? Ist es ein Schicksalsschlag oder eine Strafe, Novize zu werden? Goldknöpfe lassen auf eine gewisse Ehre schließen. Wie werden sie ausgewählt? Was ist das Problem? Werden sie oder einige von ihnen jemals zu Meistern/Magiern?

 - Die Verschleierung könnte schon eher im Text aufscheinen als die normale, anständige Kleidung, vielleicht, indem sie jemandem verrutscht und sich Geschrei erhebt, ein Gegner im Streit sie jemandem herunterreißt als Entehrung o.ä. Nardir könnte angeekelt sein oder fasziniert oder eben irgendwie auf die Besonderheit reagieren, genauso gleich bei der ersten Erwähnung von Crages nacktem Gesicht.

Zitat
Unverhüllte Gesichter, besonders wenn sie Emotionen widerspiegeln, sind hier vulgär und gehören in die Schlafzimmer und Hurenhäuser!
Also emotional gleich vulgär gleich anstoßerregend gleich zu Sex gehörig? Schwierige Gleichung. Hat die auch irgendwo positive Vorzeichen? Also zum Beispiel könnte Enthüllen und Preisgeben von Emotionen einen hohen Stellenwert haben als Vertrauensbeweis. Schlafzimmer könnten ein geschützter Ort sein, wo andere Spielregeln gelten, wo Emotionen gewünscht sind. In einer Gesellschaft, die eine Seite des menschlichen Wesens so wegschiebt, gibt es üblicherweise eine ritualisierte Form dafür, sie auszuleben, einen besonderen Ort... Dann passt aber das abfällige Hurenhäuser nicht.

 - Wieso gehören Gäste zum Zentrum und treffen Entscheidungen über die Einwohner? Wie funktioniert das System?



4. Visualisierung: Auf dem Markt fehlt mir der bunte Eindruck des Gedränges: Einzelheiten, Mini-Szenen, Gerüche und vor allem Geräusche. Die Händler warten stumm (untypisches Verkaufsgebaren, warum? Verbot?), aber auch die Menschenmenge lässt nichts von sich hören.

5. Dialoge: Eigentlich gelungen. Bringen die Eigenheiten der Sprecher gut rüber. Auch die Animositäten zwischen ihnen.
Allerdings verstehe ich Siirdyn nicht wirklich: 1. Wieso baut er einen Palast, wenn die Wasserrechte nicht geklärt sind? Wo die doch das Wesentliche an einem Grundstück dort sein müssten. Voreilig, dumm oder nur von der eigenen Macht verblendet?
2.
Zitat
Ihr seid im Rat um die Macht der Gesetze zu nutzen, aber Ihr respektiert sie nicht. Und wenn Ihr es doch müsst, seid Ihr zornig.“
Was heißt 'um die Macht der Gesetze zu nutzen'? Mit welcher Zielsetzung gehört Siirdyn dem Rat an? Dessen Aufgabe ist Gesetzgebung und Entscheidung zum Wohle aller, wie ich es verstanden habe. Das ist nicht sein Beweggrund, aber was will er? Sich messen? Mitreden? Allianzen schließen?

3. Er geht gleich auf Crage los wegen des Grinsens. Ist er so jähzornig? Fühlt er sich beleidigt? Geekelt? Oder steckt mehr dahinter?


Erbsen:
Zitat
Wieder andere gingen, wie auch er selbst, ohne Ladung
'
Ladung': ohne Lasten ? Ladung klingt nach Munition oder so
Zitat
dass Ihr Euch nie wieder nie wieder in das Licht der Sonne traut
Zitat
Wenn es heute nicht um weit Wichtigeres ginge,
Zitat
Nardir dachte zu spät daran, sich die Verwandlung langsam anzusehen, so schnell war sie vorbei.
Der Wechsel von langsam anzusehen zu schnell vorbei irritiert mich. Vielleicht versucht er, genau hinzusehen, für Details geht aber alles viel zu schnell?
Zitat
kein Gesetz, das es verbietet, sich die Novizenkette aus dem Arm zu ziehen,
Die Formulierung verwirrt mich. Der Vorgang ist hier nicht klar, sollte vorher geklärt sein.

Zitat
Mit Faryns Augen fing die Faszination hier erst an
Was heißt mit Faryns Augen? In seinen Augen? Wir nehmen doch durch Nardirs Auge wahr und wissen gar nichts von Faryn. Warum heißt er eigentlich Fischauge?

Zitat
Die drei Novizen bildeten den Schluss.

Ähm, vier, oder?

Alles in allem ein spannender Text. Interessante Charaktere und Konstellation.  :cheerful:
Viel Spaß beim Weiterstricken!

eska  :wink:
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Offline SirJasonCrage

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #3 am: 17 März 2016, 12:34:38 »
Hoi Rilyn,

Zitat
Aber ich hab ein paar Frage vorab: ist es der Anfang der Story? Oder ist schon etwas von den Figuren, der Magie und der Region bekannt?

Du fängst gleich schon mit der schwierigsten Frage an...
Die Geschichte spielt vor meiner Hauptstory, soll aber eigentständig sein. Das mit der Information ist jetzt schwierig...
Garold Crage ist z.B. der Vater von Jason Crage, der ja die zentrale Figur meiner eigentlichen Geschichte ist. Meine Stammleser wissen allein am Namen schon, was es mit seinen Fähigkeiten auf sich hat, wo er her kommt, was es mit seinen Augen auf sich hat usw.
Das Textstück hier wäre aber rein theoretisch der Anfang eines eigenen Buches, das man auch unabhängig lesen können sollte.
Think Anakin/Palpatine in episode eins. Die Fans wissen, dass das die Sith Lords sind. Für Neulinge (wie mich damals) sind es Helden und Helfer.

Also nein, dem Leser ist an diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt, wenn er nicht sowieso in meiner Welt schon zuhause ist.



Hallo Eska,

Zu Punkt zwei:
Gut, das mit der Hand muss ich ausarbeiten. Zuerst mal sind die Transformationen an sich nicht energieaufwändig. Es gibt in meiner Welt natürliche Fähigkeiten, mit denen man geboren wird und tatsächlich eingesetzte, erlernbare Magie. Hier handelt es sich um eine Fähigkeit, angeboren und unfair allen anderen gegenüber.
"die echte Hand" ist hier komisch formuliert. Denk an eine Eidechse, der du den Schwanz abtrennst. Der Schwanz wächst nach und jetzt gibt es zwei. Beide sind "echt"
Wenn man im Spiralturm die Prüfung zum Großmagier besteht, bekommt man eine Kette in das Handgelenk hinein operiert, die davon nicht mehr zu trennen ist. Garold schummelt gewissermaßen, indem er sich die Hand abhackt, sie mit den Krallen voraus in die Wand rammt und sich eine neue wachsen lässt. Um in den Turm zu dürfen, muss er aber zumindest den Anschein wahren, also setzt er die alte Hand wieder dran.
Was den Energieaufwand des Stabes angeht, das würde zu tief in meine Regeln der Magie führen um hier zu erklären, warum er sich das leisten kann^^


Zitat
Manche Nahrungsmittel sind uns vertraut, manche deine Erfindung. Hast du dafür eine Erklärung bzw. ein System?

Ich arbeite noch am System, war aber bis jetzt nicht Priorität für mich, da in die Tiefe zu gehen.


Zitat
Das Schattengesetz ist interessant, aber noch nicht klar genug: Geht es um den Schatten des Spiralturms?

Ja, geht es. Gewissermaßen Sabbat. Kein rennen, keine Arbeit usw. so lang man im Schatten des Turms ist. War erst nur so eine Idee, wird aber spannender, je mehr ich über die Implikationen nachdenke. Welche Himmesrichtung ist jetzt bei wem besonders begehrt? Man muss immer einen Umweg machen, um Transporte vom Westen der Stadt in den Osten zu erledigen. Gibts im Süden keine Pause? Ich fasziniere mich hier gerade selbst  ;D


Zitat
- Wieso müssen Novizen (der Terminus bedeutet für mich so etwas wie Probezeitler) körperlich an ihre Mentoren gebunden sein? Wollen sie denn nicht lernen? Ist es ein Schicksalsschlag oder eine Strafe, Novize zu werden? Goldknöpfe lassen auf eine gewisse Ehre schließen. Wie werden sie ausgewählt? Was ist das Problem? Werden sie oder einige von ihnen jemals zu Meistern/Magiern?

Auch hier habe ich Ansätze, aber noch kein fertiges System.
Wieso Bindung: Im Spiralturm wird auch verbotene Magie gelehrt. Die Kette bindet gewissermaßen die Magier, die zu viel wissen an den Turm, bietet ihnen aber durch die Kette die Option, ihr verbotenes Wissen zu nutzen und dem Novizen seinen Körper zu stehlen. Das war der Ur-Gedanke.
Öffentlich soll der Novize durch die ständige Begleitung des Meisters von ihm lernen. And irgendeinem Punkt, wird er zum Magier, entweder über Zeit oder durch einen Test, bin mir noch nicht sicher. Der Magier darf sich frei bewegen und im Turm lernen, bis er eine der Großmagier-Prüfungen besteht, dann bekommt er seinen eigenen Novizen.
Ausgewählt werden sie... keine Ahnung wie^^ Der Großmagier darf sich aus einer Gruppe von Anwärtern einen aussuchen. Wie mn in diese Gruppe kommt, weiß ich noch nicht.
Segen oder Fluch: Beides. Du wirst Sklave mit Aussicht auf Freiheit. Ohne es zu wissen besteht die Gefahr, den Körper zu verlieren. Du kannst lernen und sehr schnell deinen Stand in der Gesellschaft verbessern, aber wenn dich dein Meister in den Popo ficken möchte, krempelst du die Hose hoch. Gordon hat z.B. genau deswegen ein junges blondes Mädchen zur Novizin. Bei dem ist es nicht seine Seele, die er in ihren Körper zwingen will.

Zitat
- Die Verschleierung könnte schon eher im Text aufscheinen

Hab ich auch überlegt, aber es sist sooooo selbstverständlich für Nardir... Ich will das eigentlich nicht mit einer extra dafür geschrieben Szene deutlich machen.


Zitat
Also emotional gleich vulgär gleich anstoßerregend gleich zu Sex gehörig? Schwierige Gleichung.

Gesichter vulgär und Gesichtsausdrücke umso mehr.
Du bringst da interessante Punkte, vielleicht nehme ich das mit den Hurenhäusern auch wieder raus. Gute Denkanstöße, danke.


Zitat
- Wieso gehören Gäste zum Zentrum und treffen Entscheidungen über die Einwohner? Wie funktioniert das System?

Weil der Turm regiert und im Turm jeder Großmagier eine Stimme hat. Gordon und Garold sind hier weil sie nicht ganz ohne Berechtigung denken, dass ihnen die anderen Einrichtungen magischer Bildung nichts mehr zu bieten haben.
Deswegen auch die Ketten, ein Großmagier bekommt freien Zugang zum verbotenen Wissen und Regierungsgewalt, da soll er auch gebunden sein an das Amt.
Meister Yarmot liegt falsch, wenn er denkt, dass der Turm dazu da ist, den Menschen das Leben zu erleichtern, die Menschen wohnen um den Turm herum um den Magiern das Leben zu erleichtern. Deswegen dürfen auch "Außenseiter" dort an der Regierung teilhaben. Die Magier waren anfangs alle "Ausßenseiter"


Zitat
4. Visualisierung: Auf dem Markt fehlt mir der bunte Eindruck des Gedränges: Einzelheiten, Mini-Szenen, Gerüche und vor allem Geräusche. Die Händler warten stumm (untypisches Verkaufsgebaren, warum? Verbot?), aber auch die Menschenmenge lässt nichts von sich hören.

Danke, notiert. Und ja, Verbot. War mir da auch wieder nicht sicher, wie ich das erklären soll und habe mich entschieden, es nicht zu tun :-/


Zitat
5. Dialoge: Eigentlich gelungen. Bringen die Eigenheiten der Sprecher gut rüber. Auch die Animositäten zwischen ihnen.
Allerdings verstehe ich Siirdyn nicht wirklich: 1. Wieso baut er einen Palast, wenn die Wasserrechte nicht geklärt sind? Wo die doch das Wesentliche an einem Grundstück dort sein müssten. Voreilig, dumm oder nur von der eigenen Macht verblendet?

Woo, thanks. Die Dialoge waren mir wichtig an dem Stück  :)
Die Wasserrechte waren geklärt. Dann wurden sie geändert. Das ist das dumme daran, wenn mehr als die hälfte der Legislative persönlich nicht mit dir auskommt^^


Zitat
Was heißt 'um die Macht der Gesetze zu nutzen'? Mit welcher Zielsetzung gehört Siirdyn dem Rat an? Dessen Aufgabe ist Gesetzgebung und Entscheidung zum Wohle aller, wie ich es verstanden habe. Das ist nicht sein Beweggrund, aber was will er? Sich messen? Mitreden? Allianzen schließen?

Mitreden, mehr Macht, mehr Reichtum, mehr Einfluss. Was wollen Politiker denn sonst?


Zitat
3. Er geht gleich auf Crage los wegen des Grinsens. Ist er so jähzornig? Fühlt er sich beleidigt? Geekelt? Oder steckt mehr dahinter?

Grinsen ist sowieso vulgär, und dann auch noch ein gezieltes "oh wie ungeschickt, ich habe glatt aus Versehen dazu beigetragen, dass dein schöner Palast nicht gebaut werden kann. Das tut mir aber leid."
Siirdyn war eh schon sauer darüber.


Zitat
Der Wechsel von langsam anzusehen zu schnell vorbei irritiert mich. Vielleicht versucht er, genau hinzusehen, für Details geht aber alles viel zu schnell?

Hängt mit Nardirs Fähigkeit zusammen, soll hier den Leser stutzig machen und erst später erklärt werden.


Zitat
Die Formulierung verwirrt mich. Der Vorgang ist hier nicht klar, sollte vorher geklärt sein.

Es gibt kein Gesetz dagegen, sichd er Kette zu entledigen, weil diese fest mit dem Knochen verschmolzen ist und es sowieso nicht möglich sein sollte. Das ist hier gemeint :-/


Zitat
Was heißt mit Faryns Augen? In seinen Augen? Wir nehmen doch durch Nardirs Auge wahr und wissen gar nichts von Faryn. Warum heißt er eigentlich Fischauge?

Hm. Ich dachte, die Hinweise wären genug. Bei Faryn liegt der Fokus immer auf seinen Augen und er sieht sogar Visionen. Seine Augen sehen Dinge anders, wie genau ist noch nicht erklärt, aber der Punkt hier soll sein, dass Faryn den Prozess anders/besser beobachten kann, als normale Zuschauer.


Zitat
Die drei Novizen bildeten den Schluss.

Ähm, vier, oder?

Ha, ungeschickt. In meinem Kopf ist der dicke gleich mit Crage rein und die anderen folgen dann ja. aber ich streiche "drei" einfach raus, dann kann jeder in seiner Fantasie das visualisieren, wie er will^^


Vielen dank fürs schnelle rösten, ich habe wieder gelernt dabei :)
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Offline Rilyn

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #4 am: 21 März 2016, 02:41:43 »
Hoi Sir Jason,

Zitat
Das Textstück hier wäre aber rein theoretisch der Anfang eines eigenen Buches, das man auch unabhängig lesen können sollte.
Okay, dann feedbacke ich es entsprechend. :)
Von unnötigen Wiederholungen in Folgebänden, etwa nochmal den Beruf einer bekannten Figur zu erwähnen etc, bin ich alles andere als überzeugt. Meistens wird das aber auch nur zu plump dargestellt, also rein mit der Info in den Text, aber eben unauffällig eingeflochten, nicht als Infodump. Soviel zu meiner Sicht von Informationsvermittlung in Folgebänden, ganz allgemein, noch nicht auf den Text bezogen.

Zitat
Nardirs dunkle, braune Augen warfen wachsame Blicke durch die Reihen der Menschen,
Nardir wirft die Blicke, denn er ist es auch, der sie wahrnimmt. Ein aktiver erster Satz ist stärker.
Ist seine Augenfarbe hier schon bzw überhaupt wichtig? Wenn nicht, lass sie weg. Sie verstärkt nur den Eindruck eines Blicks von außen auf die Figur statt durch die Augen dieser Figur (des Perspektivträgers!).

Zitat
die sich zu Fuß oder auf dem Rücken eines kleinen Wüstenesels durch die Menge schoben.
Erbsenzählerei: oder auf dem Rücken von kleinen Wüsteneseln

Zitat
Viele trugen Körbe mit Brot oder Früchten, andere brachten Wasser in Krügen von einem der vier Flüsse.
Wohin tragen sie die Körbe? Du kannst Beschreibung sparen, indem du das und die Marktstände in einen Satz packst.
Mit dem Wasser habe ich ein Problem, den Flusswasser ist nicht wirklich trinkbar, jedenfalls nicht ohne guten Grund. Schon gar nicht in einer Stadt, die offenbar sehr groß ist (Abwasser, Abfall, Ratten ...). Da wird es genug Brunnen geben. Ich vermute, du wolltest die vier Flüsse unterbringen. Könnten deine Protagonisten eine Brücke "über einen der vier Flüsse" überqueren und sich (um noch mehr Beschreibung in aktiver Betrachtung unterzubringen) durchs Gedränge schieben? Letzteres gibt dann guten Grund, die Esel und Fußgänger unterzubringen.

Zitat
Wieder andere gingen, wie auch er selbst, ohne Ladung durch die Stadt.
Ladung ist hier ein seltsames Wort.

Zitat
Marktstände lehnten an den hohen weißen Wänden der Häuser und ihre Besitzer warteten schweigend darauf,
Schweigend? Wirklich? Ich weiß nicht, ob du hier vom Klischee des orientalischen Händlers weg willst; dann ist es zu schwach. Wenn nicht, lass sie feilschen, rufen und den Kunden ihre Waren ins Gesicht halten. ;D

Zitat
dass ihnen jemand Schmuck, ihre Kleidung oder Waffen abkaufte.
Die sollen sie lieber anbehalten.

Allgemein zum Anfang: Mir fehlt der Konflikt. Irgendetwas, das mein Interesse hält, abseits vom Alltagstreiben.
Zitat
Obwohl das Gedränge dicht war, hielten die Leute immer ein paar Handbreit respektvollen Abstand von der Kette, die Nardirs Hals mit Meister Siirdyns Handgelenk verband.
Das hier ist der Moment, in dem für mich zum ersten Mal Fliegenpapier ausgelegt ist. In Taschenbuchseiten wäre das eventuell schon Seite 2 - im Buchladen hättest du mich also vermutlich nicht überzeugt, ich bin peinlich ungeduldig geworden beim Anlesen von Büchern. Mit den meisten ebook-Settings sogar Seite 3. Da ein wirklich guter Hook auf den ersten vier Normseiten auftauchen sollte, bleibt dir kaum genug Platz, um dorthin zu kommen.
Wenn du mit diesem Detail hier anfangen kannst und mit etwas Marktatmosphäre - lass weg, was nicht wirklich sein muss - zum Konflikt übergehen, also Siirdyn, das anstehende Ratstreffen und Entscheidungen, dann sollte das klappen.
Allerdings bleibt Nardir ein Betrachter, kein Handlungsträger; das ist Siirdyn. Persönlich stört mich das nicht, zumal ich annehme, dass jemand, der an Siirdyn gekettet ist, auch dessen Wutausbrüche zu spüren bekommt, also ist es gut für Nardir, wenn sie nicht zu spät beim Rat erscheinen.

Zitat
ein Grab für Gold und Marmor und seine großen Gärten starben einen trockenen Tod.
Komma hinter Marmor, sonst ist der Sinn verzerrt (Sinn beim Lesen: ein Grab für Gold und Marmor und seine großen Gärten / tatsächlicher Sinn: seine großen Gärten starben einen trockenen Tod). Einer der bescheuerten Auswüchse der Rechtschreibreform. Immerhin darf man noch ein Komma setzen. :cheese:

Zitat
Beinahe hätte Meister Siirdyn in seinem Zorn einen alten Käferschwarm
Der "alte" Käferschwarm ist irritierend, auch mit der folgenden Erklärung mit der Koste. Lass das Adjektiv einfach weg. Es ist hier unwichtig.

Zitat
Eine Abzweigung brachte sie durch eine enge Gasse in den Schatten des Spiralturms und die kühlere Luft hier umspielte sofort Nardirs Körper. Sein weißes Hemd
Das Hemd kommt zu spät, jetzt ist er schon nackig. :grinwech:

Mit dem Schattengesetz kann ich nicht wirklich was anfangen, brauche hier aber auch noch keine vollständige Erklärung. Ich erwarte aber eine später im Text. Wichtig ist hier: was passiert, wenn man es missachtet?

Zitat
Meister Siirdyn hatte keine Zeit für das Gesetz und rannte trotz Verbot weiter auf den Spiralturm zu.
Bisher habe ich ihn nicht rennen sehen. Er könnte losrennen, als sie in die Gassen einbiegen. Was denkt sich Nardir dazu? Er hat ihn sicher schon rennen sehen, aber vielleicht grinsen sich die tee- und safttrinkenden Händler eins, sobald er vorbei ist. Auch die kannst du dann ins Geschehen einbinden: Nardir blieb keine Zeit, die Kühle zu genießen. Die Kette spannte sich, ein Ruck an seinem Hals. Meister Siirdyn begann zu rennen. An einer Kreuzung stieß mit einem Muli zusammen, fluchte, stolperte beinah über seine Roben, und scherte sich nicht um die Blicke der Menschen. Am Ende seiner Kette eilte Nardir an Händlern vorbei, die [Saft und so]. etc.
 :ups:

Zitat
„Meister Siirdyn, Ihr werdet doch nicht etwa auf der Südstraße gegen das Schattengesetz verstoßen und rennen.“
Ist die Südstraße irgendwie relevant? Sonst raus damit. Zu viel Info, das Wichtige geht daneben etwas unter.

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Meister Yarmot kam, gestützt auf seinen Stab, auf sie zu geschlurft. Das Artefakt faszinierte Nardir, denn das Holz hatte in seiner Gegenwart noch nie irgendeinen Boden berührt, obwohl sich der Alte Großmagier bei jedem Schritt darauf stützte.
Den Großmagier vielleicht einmalig anstelle von Meister Yarmot unterbringen.

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Dessen Novize lief mit seinen glasigen Augen hinter ihm her und studierte wie immer seine Kette.
Später nennt Nardir ihn "Fischauge", aber mit glasig verbinde ich spontan eher: hat sich betrunken oder leidet an den Folgen irgendeines alchemistischen Experiments. ;D

Die Tücher vorm Mund sind ein interessantes kulturelles Detail. Trägt Nardir auch eines? Es ist ja nicht ganz einfach, durch ein Tuch zu atmen, das dürfte er spätestens beim Rennen merken; vermutlich schon vorher, wenn es heiß ist.

Zitat
„Aber bis dahin nutzt Ihr den Groll und den Neid, den die anderen sehr wohl gegen mich hegen um eine Mehrheit zu bekommen,
Komma hinter "hegen".
Da sind noch so'n paar drin, aber dafür ist später Zeit. Den hier finde ich wichtig, weil er wieder den Sinn verdreht.

Das Gespräch von Nardir und Fischauge finde ich auch schwierig. Wie leise sprechen sie? Im Moment klingt das wie ein normales Gespräch, d.h. die Meister bekommen alles mit. Da wäre etwas mehr Vorsicht angebracht. :)

"Hallo" finde ich persönlich zu modern. Ein einfaches "He", vielleicht? Oder ein Wort in der örtlichen Sprache?

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In ein Paar Tagen weiß sowieso jeder, was ich gesehen habe.“
klein

Das Gedicht ist eine gute Idee - aber in Gegenwart von Yarmot? Der lässt sich doch sicher nicht gerne veräppeln und durchschaut eine solche Farce. Es sei denn, er erwartet, dass sein Novize so etwas versucht. Dann sollte das aber auch im Text angedeutet sein.

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„Aber du kannst mir eines Tages von deiner Heimat erzählen, das würde mich freuen.“
Da ich nicht vertraut bin mit der Namensgebung dieser Welt, habe ich Nardir nicht als jemanden begriffen, der nicht aus der Gegend stammt. Auch nicht umgekehrt. Es kommt hier trotzdem sehr plötzlich. Deute es an; er braucht nur daran zu denken, dass er die Hitze inzwischen besser aushält, und dass er keinen Sonnenbrand mehr bekommt, auf dem der Kragen der Kette scheuert. Was in der Art.

Zitat
Als sie durch das Tor der Turmzitadelle gingen, sprang neben ihnen eine vierbeinige weiß-grau gestreifte Bestie von der Mauer in den Sand. Ihr Kopf war wölfisch, aber sie bewegte sich mit der Geschicklichkeit einer Raubkatze.
Hundeartige und Raubkatze ... nee. Passt nicht zusammen.
Und ein paar Kürzungsvorschläge.

Zitat
Ihre Augen, die außer eines weißen Randes und eines schwarzen Zentrums keine weiteren Farben hatten,
Sieht zwar interessant aus, ist aber ein uninteressantes Detail, das zu schnell wieder vergessen ist, um hier vorzukommen.
Das Auftauchen des Wesens ist auch sehr indifferent, bzw Nardir ist zu indifferent. Wenn er das Biest kennt, kann er das sein, aber er muss irgendwie drauf reagieren (und wenn ihn diese seltsamen Augen auf die Palme bringen oder sowas); du bist vollkommen weg von seiner Perspektive. Oder er kennt es nicht, und dann erwarte ich eine deutlichere Reaktion.

Zitat
wanderten über die kleine Gruppe, bis sie an Meister Yarmot hängen blieben.
Wirklich? Das Wesen sieht die Leute ja nicht jetzt erst. Wenn es von der Mauer springt, nehme ich an, dass es nicht erst lange über die Leute guckt. Das ist ne vremsende Floskel.

Zitat
Knurrend fing sie an, zu sprechen.
Das geht eleganter. :)
Denn hier ist leider nicht klar, ob der Tonfall oder die Stimme "knurrend" ist.
Die Stimme, mit der das Wesen Yarmot ansprach, klang wie ...

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Nardir musste das Gesicht seines Herrn nicht sehen um zu wissen, dass er vor Zorn kochte.
Ich auch nicht. Lass den Satz raus. Wenn überhaupt, dann könnte Nardir sich die Folgen für sich vor Augen rufen.

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schmelze ich Euer Gesicht und sorge dafür
Fratze? Schließlich ist er stinksauer. :)

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Unverhüllte Gesichter, besonders wenn sie Emotionen widerspiegeln, sind hier vulgär und gehören in die Schlafzimmer und Hurenhäuser!
Das ist eine unbedingt nötige Info! Aber an dieser Stelle ist es Infodump. Mindestens der fette Teil muss raus, den Rest kann Yarmot problemlos sagen. Schließlich klatscht er dem Wesen ja seine Meinung damit ins Gesicht.
Für den Rest - die Emotionen - könnte Nardirs Reaktion auf das Wolfsgrinsen herhalten. Wenn er inzwischen diese Kultur gewöhnt ist, könnte es auch ihm unverschämt vorkommen, obwohl er vor sich ein Tier sieht. Oder sowas.
Siehe auch die Tücher vorm Gesicht wie weiter oben erwähnt. Die Händler, die Teetrinker, Siirdyn, Nardir, tragen alle keine in meiner Vorstellung, bis zu dieser Zeile; einfach, weil sie nie erwähnt werden, dabei ist das ein prägendes Merkmal der Kultur. Zeig die Tücher einfach schon früher. :)

Zitat
Nardir dachte zu spät daran, sich die Verwandlung langsam anzusehen, so schnell war sie vorbei.
Denkt er nur daran, sich das anzusehen, oder tut ihm das Zusehen und dieses Knacken beinahe selbst weh?

Zitat
der Rest seines Gesichts verhüllt von einem fransigen, schwarzen Tuch, das er aus seinem Bart gemacht hatte.
Wie das aussieht, ist mir nicht wirklich klar. :wiejetzt:

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Sein Körper war in das Fell der Bestie gehüllt, die er gerade noch gewesen war,
Ich hab ihn mir wolfsgroß vorgestellt, da dürfte das Fell nicht weit reichen.

Zitat
Sein Novize, ein dicklicher Junge, der so alt aussah wie Nardir,
Wenn es irrelevant ist, ob er nur so alt aussieht oder ist, dann kürz das ab: in Nardirs Alter

Zitat
saß im Schneidersitz vor der Mauer eines Schlafhauses für die Diener des Spiralturms.
Ich glaub, die Info wird hier wirklich nicht benötigt. :)

Zitat
Er hatte einen komplizierten Siegelkreis in den Sand gemalt und erklärte Teile davon einem Mädchen mit leuchtend hellen Haaren. Der Halsring des Mädchens war mit dem Handgelenk eines braunhaarigen Mannes verbunden, der an die Hauswand gelehnt auf sie wartete.
Gordon Rekkat war genauso ein Fremder wie Garold Crage, hatte aber weit bessere Manieren.
Hier bin ich beim ersten Lesen gestolpert: ist Rekkat der Junge oder der Magier?
Da Nardir ihn kennt, kannst du den Namen auch direkt mit der Beschreibung bringen.

Zitat
Sein Tuch verhüllte Mund und Nase und anstatt von Fellen war er in ein luftiges, hellbraunes Gewand gekleidet, das dem Wetter hier angemessen war.

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Als die Gruppe ihn erreichte, grüßte er knapp, zog kurz an der Kette um seine Novizin zu sich zu rufen und fragte dann ebenfalls, was denn der Grund für die Zusammenkunft sei.
Die Gruppe ist schon da, sonst könntest du die Zeichnung im Sand nicht bringen (Nardirs Perspektive!). Deshalb ne Menge Potential zum Kürzen. :)

Zitat
Nardir hörte ihn jedoch kaum,
Dann lass ihn nicht fragen, denn ich will es jetzt wissen und komme mir veräppelt vor, wie in einer aufgezwungenen Cutscene in einem beliebigen Spiel. ;D

Zitat
denn er und die anderen Novizen sahen gebannt zu, wie Garold Crage die Hand aus der Wand zog, deren Knochen mit der Kette seines Novizen verschmolzen waren, seine jetzige rechte Hand auffraß und sich die alte Hand auf den blutenden Armstumpf setzte. Mit Faryns Augen fing die Faszination hier erst an, aber Nardir musste sich damit zufrieden geben, dass
Wait, what? Faryns Augen? Gerade, weil er Fischauge heißt, ist das hier eine verwirrende Formulierung. Und warum muss Nardir sich mit etwas zufrieden geben? :wiejetzt:

Allgemein: Mehr Zeilenumbrüche. :)
Z.B. Yarmot spricht, Crage lacht. Sprecherwechsel, neue Zeile.

Vieles hier ist schon Erbsenzählerei. Der Test lässt sich ziemich flüssig lesen. Aber ich finde die Menge der Erbsen und bisweilen das Potential zu Missverständnissen zu groß, um sie nicht rauszupicken.

Mit der Spannung habe ich ein kleines Problem, denn Garold Crage überschattet mit seinem Auftritt die Wirkung des Gedichts. Ich nehme an, dass die nächste Szene die Bedrohung aufgreift, und würde hier nicht aufhören, zu lesen. Du könntest vielleicht auch damit spielen, dass Faryn eben nichts preisgibt, Nardir ihn immer wieder piesakt, aber nichts erfährt. Auch das kann als Fliegenpapier taugen. Kann aber auch sein, dass ich einfach zu müde bin, um Spannungsbögen brauchbar zu feedbacken.

Liebe Grüße! :kaffee2:
Ril
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

verbumclemens

  • Gast
Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #5 am: 24 März 2016, 08:02:04 »
Hey, ich hoffe ich bin nicht zu spät :)

Marktstände lehnten an den hohen weißen Wänden der Häuser und ihre Besitzer warteten schweigend darauf, dass ihnen jemand Schmuck, ihre Kleidung oder Waffen abkaufte.
...
Der neue Palast stand jetzt halb fertig in der Wüste, ein Grab für Gold und Marmor und seine großen Gärten starben einen trockenen Tod.
Eine Abzweigung brachte sie durch eine enge Gasse in den Schatten des Spiralturms und die kühlere Luft hier umspielte sofort Nardirs Körper.
"umspielte" finde ich wenig gelungen, ein bisschen zu körperlich. Vielleicht "umwehte"?
Zitat
Hier war das Treiben schlagartig ruhiger.
Ich weiß das bezieht sich auf den Spiralturm, aber es klingt als bezöge es sich auf den ausgiebig beschriebenen Zwischenraum zwischen Brust und Hemd.
...
Das Artefakt faszinierte Nardir, denn das Holz hatte in seiner Gegenwart noch nie irgendeinen Boden berührt, obwohl sich der Alte Großmagier bei jedem Schritt darauf stützte. Dessen Meister Yarmots Novize lief mit seinen glasigen Augen hinter ihm her und studierte wie immer seine Kette.
...
„Hallo Flinkfinger.“ Wahrscheinlich lächelte er. [/quote] Mag mein Fehler sein, aber hier weiß ich nicht mehr, wer spricht. Ich vermute letztlich Faryn, aber ich bin mir immer noch nicht sicher.

Zitat
„Bitte nicht.“ Faryn schüttelte sich vor gespieltem Grauen. „Aber du kannst mir eines Tages von deiner Heimat erzählen, das würde mich freuen.“
Letzteres finde ich etwas merkwürdig. Sie scheinen sich ja schon etwas zu kennen. Wenn es Faryn so interessiert, warum hat Nadir ihm davon noch nie erzählt? Vielleicht kannst Du das einbauen im Sinne von "Aber Du kannst mir vielleicht endlich mal von Deiner Heimat erzählen, wenn Meister X uns nicht über die Schulter guckt." o.ä.
Zitat
Nardir dachte zu spät daran, sich die Verwandlung langsam anzusehen, so schnell war sie vorbei.
Den Satz finde ich genial, weil er eine besondere Fähigkeit auf so spannende und subtile Art und Weise einführt.

Zitat
Sein Novize, ein dicklicher Junge, der so alt aussah wie Nardir,
Ich weiß doch zu diesem Zeitpunkt gar nicht, wie alt Nadir aussieht, oder? Dann hilft mir dieser Vergleich nur wenig. Vielleicht einfach "im selben Alter wie Nadir" oder "der ebenso jugendliche/greise Züge trug wie Nadir"
Zitat
Welche Fragen wirft das angebrochene Worldbuilding auf?
Ich spare immer entweder zu viel mit Beschreibungen, oder platziere sie ungschickt. Wo fehlt euch die Visualisierung hier besonders?
Stört es, dass Nardir obwohl er Protagonist ist nur als Kamera für den Leser dient?
Trage ich irgendwo zu dick auf?^^
Holy shit. Da eiert man so in den Foren rum und liest plötzlich einen Text, zu dem man gerne ein Buch hätte. Ist jetzt meine erste Röstung hier, deswegen kannst Du das nicht wissen, aber ich bin sonst echt streng. Natürlich habe ich auch hier kleine Sachen anzumerken, aber insgesamt bin ich total beeindruckt. Wieso schreibst Du denn noch so Quasi-Prequel-Texte, wenn Du das Handwerk schon so gut beherrschst? Also offenbar gibt es da eine Haupt-Geschichte, aber ist der erste Band schon raus und ich weiß es nur nicht? Weil dann hast Du auf jeden Fall schonmal ein Buch verkauft ;)

Jetzt aber zu den Fragen. Nur kurz vorab: ich habe die anderen Kritiken und Deine Antworten überflogen, aber wenn mir doch was durchrutscht, tut es mir Leid.

Ich fand die Dialoge klasse, insbesondere zwischen den Meistern. Einzige Ausnahme vllt der zwischen Nadir und Faryn. Ich finde das Gedicht nicht sehr gut (aber ok), das kann natürlich aber an Faryn liegen. Und ich finde es merkwürdig, dass Nadir sich diese ominösen Anspielungen bieten lässt...ist aber wie gesagt ne Charakterfrage, die Schreibe ist top.

Ich finde gerade die Visualisierung sehr gelungen. Da Rylin ja schon viel Kürzungsbedarf angemeldet hat, habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Ich finde sogar eher, dass manchens (z.B. das mit den Emotionen) drin bleiben könnte. Das klingt nur so wie es da jetzt steht sehr abstrakt. Vielleicht eher "besonders wenn Sie so aufgeregte Fratzen machen wie Ihr", oder etwas ähnliches mit in-universe-Charakter.
Die ganze Sache mit der Hand fand ich aber super. So ne gute Beschreibung von Magie habe ich lange nicht gelesen.

Mir ist Nadir - noch - nicht zu passiv, der Text ist ja kurz. Ändert sich ggf. wenn er noch länger nichts macht.

Zum Worldbuilding. Das wirft natürlich tausend Fragen auf, von denen einige hier schon gestellt - und beantwortet - wurden.
Meine Top 5 sind:
1. Warum braucht es in einem offenbar heißen Wüstenstaat ein Verbot, mittags zu arbeiten? Oder ist das gar nicht mittags? Wann gilt dieses Verbot eigentlich? Bzw. warum? Wollen die Magier ihre Ruhe?
2. Ich finde Deinen Ansatz an Gesetze ganz interessant. Insbesondere sind sie scheinbar sehr wörtlich (also das Gesetz zur Verhüllung gilt offenbar nur für "Menschen", nicht für "Tiere". Ein Gericht heute (mal abgesehen von einem konservativen US-Supreme Court) würde heute wahrscheinlich nach Sinn und Zweck des Gesetzes auch solche Tiere unter das Gesetz fallen lassen, die mit menschlicher Intelligenz beseelt sind. Denn jedenfalls dann sind die Gesichter, die das Tier macht, ebenso vulgär. Und da kommt noch eine Frage: sind die Gesetze magischer Natur oder gelten die so wie bei uns und müssen ggf. auch mit Zwang durchgesetzt werden? (die Szene mit den Wachen lässt das ja vermuten, aber gleichzeitig sind die Wachen offenbar nicht in der Lage, z.B. das Schattengesetz gegenüber den Magiern selber durchzusetzen - wieso also muss er sich an das Wasser-Abzweigungs-Verbot halten?)
Ach, und: können Gesetze nicht rückgängig gemacht werden? Also könnte ein neuer Rat nicht sein Gesetz von letzter Woche wieder umschmeißen? lex posteriori derogat lex priori wie der Lateiner sagt. Vllt bietet sich da ja ne Chance für ne Flussabzweigung ;)
3. Die Sache mit den Ketten ist natürlich spannend. Sind die Novizen gefährlich? Oder die Meister? Oder sollen die einfach zusammengehalten werden? Wenn ja, welche Fliehkräfte machen eine Kette nötig? Wer zwingt die Meister eigentlich, sich einen Novizen zu suchen? (geht in Richtung von 2. - wer besitzt eigentlich die Macht, die Meister zu etwas zu zwingen? Nur der Rat insgesamt?)
4. Die Novizen scheinen sich ja alle zu kennen - reden die nur miteinander wenn die Meister zusammenkommen? Oder gibt´s besondere Umstände unter denen die Novizen von ihren Meistern gelöst werden?
5. Fähigkeiten, Fähigkeiten, Fähigkeiten. Ich liebe sie ja, aber Balance ist natürlich schwierig. Wir haben bisher glaube ich einen Changeling, einen Seher, einen Telekinetiker und einen Zeitverlangsamer (Nadir?). Was können Sie, was nicht? Energieerhaltungssatz wie beim Namen des Windes oder eher Magie kommt wenn sie kommt a lá Herr der Ringe? Ich bin gespannt.

Insgesamt also echt top, hoffe die Fragen helfen bei der Weiterentwicklung und bin gespannt auf die weiteren Abenteuer Deiner Bande.

PS: Warum der Käferschwarm alt sein muss verstehe ich auch nicht...

Ich finds im Übrigen nicht schlimm, wenn Du Dir nicht zu dem bisschen Obst und Wasser eine origin story ausgedacht hast. Ich glaube so genau lesen fast nur Schreiberlinge. Ist doch erstmal egal, ob Flusswasser trinkbar ist oder nicht, vllt soll es ja nicht zum Trinken (durch Menschen) eingesetzt werden, sondern zum Waschen, Pferdetränke, whatever. Klar müssen die Dinge am Ende Sinn machen, aber niemand wird Deinen Wirtschaftskreislauf hier volkswirtschaftlich untersuchen, während er die Geschichte liest...

Quisille

  • Gast
Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #6 am: 24 März 2016, 14:18:22 »
Hallo Sir Jason!

Bevor ich rumgabele, eine Vorbemerkung: Der Text ist hilfreich. So wie er ist, ist er genau richtig, und er wird Dein Romanprojekt voranbringen. Ich will Dich also in keinem Fall von Deinem Tun abbringen.

Aber der Text ist nix für Leser.

Um sich in Stimmung zu schreiben, um Figuren auszutesten, um das Setting zu beleuchten, Hintergrunde testzufahren, ist diese Art von Metatexten genau richtig, aber genausowenig, wie man Konzertkarten für einen Soundcheck verkauft, finden Metatexte ihren Weg in das Endprodukt. (OK, manchmal schon, aber das ist dann eher eine Ausnahme, oft ein Versehen.)

Da man Metatexte nicht kritisieren kann, gehe ich spaßeshalber davon aus, ich hätte diesen Text im fertigen Roman gelesen. Das ist das falsche Kriterium, aber vielleicht illustriert es meine Auffassung, warum dieser Text ein Metatext ist.

Dann mal los.

Zunächst zu Deinen Fragen:

Welche Fragen wirft das angebrochene Worldbuilding auf?
Man sieht Andeutungen von Konfliktpotenzial. Das ist gut. Mir drängen sich keine Fragen auf, denn "Fragen" stelle ich mir im Kontext eines Konflikts, einer Dramaturgie. Konflikt bedeutet (und jetzt bitte alle im Chor):
 :chor: Eine Figur verfolgt ein Ziel gegen einen Widerstand.

Was fehlt dem Text? So in etwa alles.

  • "Eine Figur...": Wer ist der Protagonist, d.h. wer treibt die Handlung voran? Nardir ist zu passiv für diese Rolle, alle anderen bekommen nicht genug Screentime.
  • "...verfolgt ein Ziel...": Nehmen wir einmal an, Nardir wäre der Protagonist. Welches Ziel hat er? Was tut er, um es zu erreichen?
  • "...gegen einen Widerstand.": Wer oder was ist die treibende Kraft, die Nardir daran hindert, sein Ziel zu erreichen?

Wohl gemerkt: Gemeint ist hier noch nicht der Konflikt der gesamten Erzählung, sondern nur der Konflikt, der die Szene dramaturgisch bündelt. Im Kontext der Dramaturgie ergeben sich einige Gelegenheiten, Fragen zu provozieren im Sinne von "ich-muss-das-weiterlesen-um-die-Antwort-zu-erfahren":

  • Wichtigstes Element: die dramatische Frage. Sie gibt uns Ziel, Widerstand und Protagonist. In etwa: "Schafft es Nardir, blablabla, obwohl blablabla? (J/N)?" Es ist IMMER eine Ja-Nein Frage. Die dramatische Frage einer Szene wird innerhalb der Szene beantwortet. Und die Antwort ist fast immer "NEIN!" oder zumindest "Ja, aber".
  • Vorwärtsprojektion: Ein optionales Mittel, das aber extrem wichtig ist, um dem Leser das Navigieren durch den Text zu erleichtern. Es ist so eine Art Leservertrag: Ich, der Autor, garantiere dir, dem Leser, dass du in dieser Szene/diesem Kapitel/diesem Teil/diesem Roman noch folgendes zu sehen bekommst. Beispiel: Hängt in Akt I eine Pistole an der Wand, wird sie in Akt III abgefeuert. Die Erwähnung der Pistole stellt die Vorwärtsprojektion dar: Da jedes(!) hervorgehobene Detail eine Bedeutung für die Handlung hat, weiß der gewitzte Leser, dass es später noch einmal zum Einsatz kommt. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten der Vorwärtsprojektion.
  • Szenen, die zu Anfang einer Erzählung stehen, weisen über sich hinaus. Sie stellen also dramatische Fragen für übergeordnete Konflikte, zumindest aber enthalten sie Vorwärtsprojektionen. Ansonsten bricht die Handlung am Szenenende ab, und der Wunsch weiterzulesen ist dahin. Das ist trivial, außerdem macht man's meistens instinktiv richtig. In Metatexten fehlt dieses Element meistens, oder tritt zumindest in den Hintergrund. So auch in Deinem. Die wichtigste Vorwärtsprojektion ist Meister Siirdyns Zwist. Aber der Text weckt keine Erwartungen, wie sich dieser Zwist entwickeln wird. Man kann nichts befürchten, nichts hoffen. Dadurch verkommt der Zank zwischen den Figuren zu undramatischem Genöcker.

Ich spare immer entweder zu viel mit Beschreibungen, oder platziere sie ungschickt. Wo fehlt euch die Visualisierung hier besonders?
Hilfe, ich bin blind. Beschreibungen erhalten ihre Bedeutung im Kontext eines Konflikts. "Kein Konflikt"="Jede Beschreibung ist zu viel". Ich merke mir einfach nix. Wozu auch? Erst der Konflikt gibt mir den Kontext, wichtig von unwichtig zu unterscheiden. Ohne Kontext ist ALLES unwichtig und wird sofort rausgefiltert. Menschliche Köpfe sind verdammt gut in sowas. Bei Dir als Autor greift dieser Filter nicht, denn Du kennst den Kontext Deines Werks, und darum ist für Dich alles bedeutungsvoll. Der einzige Weg, aus diesem Dilemma herauszukommen, ist sorgfältig gestaffelte Exposition: ALLES, was beim Leser hängenbleiben soll, wird im Kontext eines Konflikts präsentiert. Alles andere wird gestrichen. Wenn nicht von Dir, dann spätestens von Deinem Leser.

Stört es, dass Nardir obwohl er Protagonist ist nur als Kamera für den Leser dient?
Ja. Nein. Kannichnichtsagen, denn Nardir ist kein Protagonist, denn es gibt keine Handlung. Nebenbei: Ein Protagonist, der wirklich nur Kamera ist, wäre ein Widerspruch in sich. In diesem Fall hat man einen Perspektivträger (Kamera), die NICHT Protagonist ist. Die Rolle des Protagonisten füllt dann eine andere Figur. Wer Protagonist ist, kann sich von Konflikt zu Konflikt ändern (und sollte es vielleicht sogar).

Trage ich irgendwo zu dick auf?^^
Jein. In einem Metatext hast Du die offizielle Lizenz, dem Affen beliebig viel Zucker zu geben. Da Du uns nun schon einmal Einblick in Dein schriftstellerisches Schlafzimmer gewährt hast: Der Wolftiger-Mensch-Shapeshifter, der da gerade Deine Hausschuhe verspeist, hat Talent zur Mary Sue. AUS! PLATZ! Und BITTEBITTE keine coolen Augenfarben. Nicht mal dann, wenn Du "violett" haarscharf vermieden hast.

Über einen kurzen Kommentar zu den Dialogen würde ich mich auch freuen :)
Öh... sicher? Die Dialoge sind extrem hölzern. Vorwiegend deshalb, weil sie reine Expositionscontainer sind. Die Figuren reden fast nur über Backstory und andere Hintergründe. Ein Ziel hat keine der verbalen Äußerungen. An den Dialogen erkennt man am deutlichsten, dass Du diesen Text nicht für einen Leser geschrieben hast. Das kann ich nur in Detailarbeit am Text erhärten:

Zitat
„Meister Siirdyn, Ihr werdet doch nicht etwa auf der Südstraße gegen das Schattengesetz verstoßen und rennen.“  Meister Yarmot kam, gestützt auf seinen Stab, auf sie zu geschlurft.

Why do they even have that law? Welche dramaturgische Funktion hat das Gesetz? Wie interagiert es mit den Zielen der handelnden Figuren? Ein Hindernis für Siirdyns Eile, das war's auch schon. In dem Moment, wo ich mich gerade daran gewöhne, dass Siirdyns Verspätung vielleicht irgendeinen Nachteil für ihn bedeuten könnte, macht Siirdyn jeden Eindruck von Eile zunichte, indem er seitenlang mit irgendwelchen Leuten quatscht, statt weiter zur Versammlung zu eilen:

Zitat
„Die Gesetze scheinen es seit einer Weile darauf anzulegen, mich in allen Angelegenheiten zu bremsen.“
„Vergebt mir meine Weisheit, aber das Delta braucht sein Wasser. Ihr dürft gern große Paläste bauen, aber wenn tausende dafür leiden müssen, ist es die Aufgabe des Rates, dem entgegenzuwirken.“ Obwohl der Bart und das Tuch seinen Mund verdeckten, sah Nardir an seinen Augen, dass der Greis lächelte. „Ich hege keinen Groll gegen Euch, wenn Ihr Eure Ambitionen verwirklichen könnt, ohne dabei das Volk ins Unglück zu stürzen, würde ich sogar gerne dabei helfen.“
„Aber bis dahin nutzt Ihr den Groll und den Neid, den die anderen sehr wohl gegen mich hegen um eine Mehrheit zu bekommen, während ich nicht anwesend bin. Ich verstehe.“ Meister Siirdyns Augen verrieten Zorn und Unverständnis.
„Ihr seid so jung. Warum versucht Ihr Euch im Reichtum mit den anderen zu messen und nicht im Wissen? Ihr seid im Rat um die Macht der Gesetze zu nutzen, aber Ihr respektiert sie nicht. Und wenn Ihr es doch müsst, seid Ihr zornig.“

Übrigens steht Siirdyn hier die ganze Zeit rum. Woher ich das weiß? Dieser Satz hier hat es mir gesagt:

Zitat
Meister Yarmot kam, gestützt auf seinen Stab, auf sie zu geschlurft.

Langsame Bewegung auf mich zu impliziert, dass ich stehe. Und da die beiden Kombattanten reden, reden, reden, aber wenig handeln, kommt auch nie der Eindruck auf, sie hätten ihren Weg fortgesetzt. Aber selbst wenn: Sie SCHLURFEN jetzt. Wo bleibt die Eile? => Das wenige, was an Konflikt da war, führt sich hier selbst ad absurdum.

Zum Dialog selbst: Abgesehen davon, dass die Umstände unpassend sind: Wozu reden die miteinander? Welche Ziele verfolgen sie? Welchen Grund hat Yarmot, mit Siirdyn über ein Thema zu reden, dass er gerade vor kurzem erfolgreich abgehakt hat? Spott? Warum spottet er? Warum geht Siirdyn darauf ein? Will er Yarmots Meinung revidieren? Welche Hoffnungen könnte er sich machen? Ich zermartere mir mein Hirn, aber auf die Motivation der Figuren kann ich einfach nicht schließen.

Auf DEINE kann ich aber sehr gut schließen: Backstory. Hier wird die Kamelle mit der verpatzen Abstimmung mit Details hinterlegt. Hier redet als nicht Yarmot mit Siirdyn, sondern der Autor mit dem Leser. Schlimmer noch, es werden Details ausgewalzt, deren Relevanz sich dem Uneingeweihten nicht erschließt. In einem Metatext ist das OK. Im Endprodukt nennt man es Infodump und meidet es wie die Pest.

Soviel dazu, WAS sie sagen. Nun dazu, WIE sie es sagen. Yarmot mag heiter und gelassen über seinen Gegner spotten, aber Siirdyn ist verärgert. Trotzdem spricht er in verschnörkelten Phrasen, fehlerlos, Hypotaxe, bis der Arzt kommt. So klingt kein Mensch, der sich gerade aufregt. Wohlgemerkt: Vulgär wird Siirdyn sicher nicht werden. Aber knapp. Wut macht Dumm. Und Dummheit fährt das Sprachzentrum runter. Wenn ein wütender Mensch zu komplizierte Sätze drechselt, klingt der Dialog unecht. Man sagt auch "gestelzt".

Ein Teil dieser Stelzerei ließe sich verhindern, wenn Du darauf verzichtetest, das, was an Hintergrundwissen eh schon etabliert ist, auch nochmal im Dialog zu bringen, etwa:

Zitat
„Meister Siirdyn, Ihr werdet doch nicht etwa auf der Südstraße gegen das Schattengesetz verstoßen und rennen.“

Was wissen wir bereits? Wir sind auf einer Straße, wir kennen das Schattengesetz, wir wissen, dass man nicht rennen darf. Was bleibt von diesem Satz übrig, wenn man dieses Wissen rausstreicht? Das hier:

"Meister Siirdyn, -- Süd --."

OK. Wie wichtig ist der Name bzw. der Ort der Straße? Für mich gerade gar nicht, denn was spielt's für die Handlung für eine Geige? Das "Ihr werdet doch nicht rennen" ist immerhin der Anknüpfungspunkt für den folgenden Schlagabtausch. Nich schön, aber muss dann ja wohl, ne? Aber dann bitte kurz:

"Meister Siirdyn! Ihr werdet doch jetzt wohl nicht rennen."

Das hört sich halbwegs authentisch an, im Gegensatz zu einem Wortschwall, der Dinge verkündet, die sowohl der Leser als auch alle handelnden Figuren bereits wissen. Ist schlimm genug, wenn die Figuren alles wissen und nur der Leser ins Bild gesetzt wird, aber das hier? Wie eines dieser Händigespräche in der S-Bahn: "Hallo Getrud? Ja? Du, ich sitze hier gerade in der S-Bahn."

Aaaah! Ich sitz da auch, und ich muss das mitanhören. Und dann steht auch noch Gertrud auf und nuschelt in ihr eigenes Händi: "Ja, Mathilda. Ich sitze auch in der S-Bahn, wie du sehr wohl weißt, denn Du sitzt mir ja gegenüber."

Bitte einen Arzt, ich blute.

Aber Gertrud und Mathilda sind in Deinem Text noch lange nicht fertig. Wie zwei Dämonen gehen sie reihum, und die von ihnen besessenen Figuren können nicht anders, als Exposition in ihre Händis zu hauchen:

Zitat
„Hallo Fischauge.“ Der Junge sah nicht auf.
„Fischauge ist genauso wenig mein Name, wie deiner Nardir ist.“ Seine schwache Stimme klang immer niedergeschlagen und irgendwie unbeteiligt. Ohne zu fragen griff er nach Nardirs Kette und hielt eins der Gelenkstücke neben seines, das er gerade untersucht hatte.
Nardir versuchte es erneut. „Hallo Faryn.“ Der andere Junge sah auf und richtete seinen Blick scheinbar auf etwas, das weit hinter Nardir lag.
„Hallo Flinkfinger.“ Wahrscheinlich lächelte er. „Ich hatte gestern wieder eine Vision.“ Nardir wurde hellhörig.

Nardir kennt also Fischauge so gut, dass er dessen richtigen Namen weiß? Aber er kennt ihn nun wieder doch nicht gut genug, um zu wissen, dass Fischauge lieber mit Faryn angeredet werden will? Aber andererseits erzählen sie sich gegenseitig ihre Visionen? Ich will Dich nicht zu weiteren Rückblenden anregen, aber wie zum Henker ist diese merkwürdige Situation zustandegekommen? Hat Faryn ein Typenschild auf der Brust? "Mein Name ist Faryn, aber alle nennen mich Fischauge. Obwohl ich das hasse. Wenn du mein Freund sein willst, dann vergiss das sofort. Dieses Typenschild wird sich in drei Sekunden selbst vernichten. Und nun zu meiner aktuellen Vision."

Und da wir gerade dabei sind: Wozu brauchen Faryn und Flinkfinger eigentlich jeweils zwei Namen? Schon in ihrer ersten Szene? Da sind weitere Anwärter für einen Mary-Sue-Alarm. Das Anhäufen von Attributen ohne dramaturgische Motivation bei zentralen Figuren hat eine ganz schlechte Prognose. Besonders ätzend ist, dass Nardir hier Perspektivträger ist, sich aber selbst immer als "Nardir" tituliert. Mag er sein Pseudonym mehr, als Faryn das seine mag? Und wenn ja, warum WEISS Faryn das nicht und bezeichnet ihn ebenfalls als "Nardir"? Und noch einmal: Die beiden kennen sich. Gut offenbar. Warum zum Henker ist das überhaupt ein Thema?

Da wir gerade beim Thema Mary-Sue sind:

Zitat
Als sie durch das Tor der Turmzitadelle gingen, sprang neben ihnen eine vierbeinige weiß-grau gestreifte Bestie von der Mauer in den Sand. Ihr Kopf war wölfisch, aber sie bewegte sich mit der Geschicklichkeit einer Raubkatze. Ihre Augen, die außer eines weißen Randes und eines schwarzen Zentrums keine weiteren Farben hatten, wanderten über die kleine Gruppe, bis sie an Meister Yarmot hängen blieben. Knurrend fing sie an, zu sprechen.
„Ich hoffe, dass es heute nicht wieder um politische Gehässigkeiten geht. Die letzte Zusammenkunft hat mich so gelangweilt, ich weiß gar nicht mehr, was es für ein Gesetz war, dem ich da zugestimmt habe.“ In seiner Wolfsform musste Garold Crage kein Tuch vor seinem Gesicht tragen, daher war sein Grinsen für jeden sichtbar. Die Reihen scharfer und spitzer Zähne waren ein bösartiger Gruß an Meister Siirdyn und der Blick zeigte deutlich, dass er sich sehr wohl an das Gesetz und seine Folgen erinnerte.

Was haben wir denn da nettes? Einen Shapeshifter, der zwischen was Wölfischem und Mensch wählen kann, der aber irgendwie noch nicht genug von einer Raubkatze an sich hat, als das man das so stehenlassen könnte, und der (Überraschung) vier Beine besitzt. Die Augen sind irgendwie besonders, offenbar, denn sonst müssten sie ja nicht beschrieben werden. Um den Eindruck der Übercoolness zu mildern, ist das Kerlchen ein Tolpatsch-- Äh... nein, sorry, verlesen. Geschickt ist er auch noch. Dafür wählt er einen eher unscheinbaren Auftritt, äh... ne, auch nicht. Statt die Straße zu benutzen, was auch für Vierbeiner ein echter Vorteil ist, spielt er am hellichten Tage während der Schattengesetzdingsda Parcour mit Mäuerchen. Dann sagt er was, und gleich danach grinst er das Gegenteil, und das Grinsen hat Zähne, die auch nicht unbedingt bei einem Wettbewerb für unauffällige Props den ersten Platz belegen würden.

Zufälligerweise hat das Tierchen einen Namen, der entfernt an Deinen Nick erinnert.

Nuff said.

In einem Metatext kann sowas segensreich sein, wenn es Dir hilft, die Figur zu finden. Figuren MÜSSEN cool sein. Und es ist legitim, in der Sicherheit des eigenen schriftstellerischen Schlafzimmers den Gedanken freien Lauf zu lassen. Aber wenn man das hinter sich hat, ist man gut beraten, die Coolness runterzudimmen. Das Aussehen von Figuren stellt keinen Leser zufrieden. Posen auch nicht. Wie Figuren sich unter Stress verhalten, das definiert sie viel stärker. Stress hat man nur, wenn ein Konflikt da ist, in dem was wichtiges auf dem Spiel steht.

Kurzum: Wenn Du feststellst, dass Figuren in einer Szene nicht handeln, wenn sie kein Ziel verfolgen, nicht gegen Widerstände kämpfen müssen, wenn das Auge des Lesers keinen Halt findet bei dem Versuch, in die Zukunft zu schauen, wenn stattdessen alle cool rumstehen und der Nachwelt hochtrabende Sätze diktieren, dann ist die Szene entweder Murks, oder Du hast einen Metatext vor Dir.

Keins von beiden ist übrigens ehrenrührig. ;)

Grüße
Quisille
« Letzte Änderung: 24 März 2016, 14:35:02 von Quisille »

Offline SirJasonCrage

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #7 am: 26 März 2016, 02:21:44 »
So, danke gleich mal für die Röstungen.

Ich antworte in der Reihenfolge eurer Röstungen, euer Name immer fett und groß um die Suche leichter zu machen.




@Rilyn:

Zitat
Von unnötigen Wiederholungen in Folgebänden, etwa nochmal den Beruf einer bekannten Figur zu erwähnen etc, bin ich alles andere als überzeugt.

Ich bin ja eh knausrig mit meinen Beschreibungen und Erklärungen, von daher mache ich mir zumindest hier keine Sorgen^^


Zitat
Nardir wirft die Blicke

Es sind augenöffnende Momente wie dieser, in denen ich wieder sehe, warum ich meine Texte rösten lassen. Ob jetzt Nardir die Blicke wirft, oder seine Augen die Blicke werfen macht einen Unterschied. Und ich habe mir nie vorher Gedanken darüber gemacht  :o
Dazu kommt, dass ich mit der Augenfarbe schon wieder Dinge beschreibe, die der Charakter nicht wahrnimmt, aber da mangelts mir nicht an Erkenntnis, sondern ich bin einfach zu doof, meine eigenen Vorsätze umzusetzen...

Zitat
Erbsenzählerei: oder auf dem Rücken von kleinen Wüsteneseln

Wie lang ich an dem Satz herumüberlegt habe... Ich wollte die Wüste erwähnen, ohne über Sand zu sprechen. Aber wenn die Esel im Plural sind und ihre Rücken damit auch, sollte es dann nicht "auf den Rücken kleiner Wüstenesel" heißen?

Zitat
Ladung ist hier ein seltsames Wort.

Das ist so die Sorte Erbse, die mir noch durch ein paar Matratzen hindurch den Schlaf versauen würde...

Zitat
Schweigend? Wirklich? Ich weiß nicht, ob du hier vom Klischee des orientalischen Händlers weg willst; dann ist es zu schwach. Wenn nicht, lass sie feilschen, rufen und den Kunden ihre Waren ins Gesicht halten. ;D

Grr. Du hast vollkommen recht, aber ich wollte mir nicht ewig an dem Detail den Kopf zerbrechen... Es ist den Händlern verboten zu schreien, weil das die Magier so tierisch nervt (zumal es auch keinem schadet und ganz im Gegenteil jedem die Arbeit erspart, sich Tag für Tag heiser zu brüllen). Aber das kriege ich nicht erklärt, ohne dass es offensichtlich der Autor dem Leser sagt.
Natürlich stellt sich daraufhin die Frage, warum ich überhaupt erwähne, dass Marktschreier hier das falsche Wort wäre. Das liegt daran, dass ich so vernarrt in meine eigene Welt bin, dass ich mich an jeder Stelle an ihre Regeln halte und dafür eben manchmal die Regeln unseres Handwerks vergesse -.-' Es ist so, also zeige ich es. Ich kann es nicht ohne Infodump erklären, also erkläre ich es nicht. Wenn ich es nicht erkläre, macht es keinen Sinn.
Well, fuck. Immerhin trennen solche Stellen die Leser von den Überlesern...

Zitat
Die [Kleidung] sollen sie lieber anbehalten.

Kennst du das, wenn man über die eigene Blödheit lacht   ;D


Bezüglich Hook und nicht-Hook:
Ich bin immerhin froh, dass du mich in der Hinsicht nicht für ganz so unzurechnungsfähig erklärst wie Quisille  ;D
Spannungsbogen, Fliegenpapier, Konflikte, das sind alles Sachen, die für mich noch wie Zauberei sind. Manchmal sind sie in meinen Texten, manchmal nicht, aber bis ich sie verstehe und obendrein richtig nutzen kann, werd ich mir noch ein paar mal die Finger an einer Röstung verbrennen...
Ich denke aber, ich sehe am konkreten Beispiel dein Problem. Wenn ich einfach gleich mit der Kette anfange und weniger beschreibe, oder eben erst später, kette ich den Leser auch schneller ans Buch.

Zitat
Wichtig ist hier: was passiert, wenn man es missachtet?

Öh... Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht :O Strafzettel? Öffentliches auspeitschen? Zwei Wochen Sozialarbeit? Mir war eher wichtig zu zeigen, dass Siirdyn sich wegen des Standesunterschiedes um Gesetze nur scheren muss, wenn jemand seines Ranges ihn darauf hinweist, weil sich normale Polizisten ja auch nicht trauen, Horst Seehofer einen Strafzettel zu geben.

Zitat
Später nennt Nardir ihn "Fischauge", aber mit glasig verbinde ich spontan eher: hat sich betrunken oder leidet an den Folgen irgendeines alchemistischen Experiments.

Ich bekomme hier generell den Eindruck, dass das mit seinen Augen anders beschreiben muss. Auch sein Spitzname könnte präziser sein.

Zitat
Die Tücher vorm Mund sind ein interessantes kulturelles Detail. Trägt Nardir auch eines? Es ist ja nicht ganz einfach, durch ein Tuch zu atmen, das dürfte er spätestens beim Rennen merken; vermutlich schon vorher, wenn es heiß ist.

Hier wollte ich wieder die Figur nicht über etwas nachdenken lassen, das für sie offensichtlich ist. Damit es trotzdem mal erwähnt wird, bevor Crage der Vorwurf gemacht wird, erwähne ich es bei den Wachen, die Siirdyn am Muster drauf als Großmagier erkennen und bei Meister Yarmot mal kurz. Dass Nardir natürlich durch sein Tuch atmen muss, macht das ganze leichter. Dumm nur, dass ich ohne Hilfe nicht auf so etwas naheliegendes komme -.-

Zitat
Das Gedicht ist eine gute Idee - aber in Gegenwart von Yarmot?

Der Sinn soll sein, dass die beiden Großmagier zu sehr in ihre Debatte vertieft sind um etwas zu merken. Außerdem hat Yarmot die Kette benutzt um Faryn buchstäblich daran zu hindern, den Inhalt seiner Vision zu beschreiben und denkt daher nicht daran, dass dieser die Formulierungen des Banns umgehen könnte. Ich war aber so auf das Gespräch fixiert, dass ich das gar nicht erst beschrieben habe :-/ Mal sehen, wie ich die Erklärung flüssig eingebaut bekomme...

Zitat
Hundeartige und Raubkatze ... nee. Passt nicht zusammen.

Ich hatte folgendes Bild dabei im Kopf:
http://i.ebayimg.com/t/Dire-Wolf-Creature-Conquest-of-Kumanjaro-Mage-Wars-/00/s/Njg1WDQ5MQ==/z/yNIAAOSwv0tVFhcg/$_35.JPG
Bei der Beschreibung war ich allerdings tatsächlich faul, wenn ich mir die nochmal so ansehe.

Zitat
Da ich nicht vertraut bin mit der Namensgebung dieser Welt, habe ich Nardir nicht als jemanden begriffen, der nicht aus der Gegend stammt.

Nardir ist sehr wohl ein lokaler Name, aber er ist Teil seiner Tarnung. Faryns Augen sehen etwas, das Nardirs Herkunft verrät, deswegen errät er, dass Nardir nur ein Deckname sein kann.

Zitat
Sieht zwar interessant aus, ist aber ein uninteressantes Detail, das zu schnell wieder vergessen ist, um hier vorzukommen.

Hm. Mondaugen spielen eine wichtige Rolle in meiner Haupt-Story. Hier kommt wieder das Vorwissen ins Spiel, das der Leser haben könnte. Wer meine Welt kennt, hat von Garold Crage schon viel gehört und weiß auch, dass eine Augen immer dunkler wurden, bis sie schließlich komplett schwarz waren. Die Beschreibung hier gibt jemandem, solchen Lesern ein Gefühl dafür, wie alt Garold hier ist, wann die Story spielt usw.

Zitat
Das ist ne vremsende Floskel.

Kann man mir nicht oft genug aufzeigen. Keine Ahnung, was mich immer überkommt, das mich dazu bringt lose Füllworte zu schreiben, aber sie sind immer wieder in meinen Texten und fallen mir oft auch nach mehrmaligem Drüberlesen nicht auf...

Zitat
Ich auch nicht. Lass den Satz raus. Wenn überhaupt, dann könnte Nardir sich die Folgen für sich vor Augen rufen.

Wieder so etwas, das mir die Augen öffnet. Natürlich ist er zornig. Das weiß auch der Leser  :kopfwand:

Zitat
Denkt er nur daran, sich das anzusehen, oder tut ihm das Zusehen und dieses Knacken beinahe selbst weh?

Ein Glück, dass Verbumclemens unten drauf gekommen ist. Nardir kann seine Wahrnehmung verlangsamen oder beschleunigen. Er hat die Fähigkeit, die Wartezeit beim Arzt wie ein Fingerschnippen zu erleben, ohne in den Klatsch-Magazinen Blättern zu müssen, oder andererseits die fünf Minuten bis der Wecker klingelt wie eine Ewigkeit erscheinen zu lassen. Hier geht es ihm darum, dass Garolds Verwandlung ihn fasziniert und er sie eben gern in Zeitlupe gesehen hätte, aber nicht daran gedacht hat, seine Fähigkeit zu nutzen.

Zitat
Wenn es irrelevant ist, ob er nur so alt aussieht oder ist, dann kürz das ab: in Nardirs Alter

Katze aus dem Sack: Nardir ist ein Elf, der schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Tatsächlich sehen die anderen nur so aus, als wären sie so alt wie er, sie sind es definitiv nicht. Zu aufwändige Wortakrobatik um das zu verschleiern?

Zitat
Wait, what? Faryns Augen? Gerade, weil er Fischauge heißt, ist das hier eine verwirrende Formulierung. Und warum muss Nardir sich mit etwas zufrieden geben? :wiejetzt:

Faryns Augen sehen andere Dinge als normale Augen. Aber gut, dass ich Faryns ersten Auftritt ändern muss wurde vorher schon klar. Jedenfalls kann er auch sehen, was unter der Haut geschieht. Nardir dagegen muss sich damit zufrieden geben, das sichtbare zu beobachten.

Danke für die Röstung. Du hast mir viele brauchbare Details gezeigt und vor allem etwas seelischen Puffer gegeben, um Quisilles Angriff auf mein Selbstvertrauen abzuschwächen  ;D



@Verbumclemens:

Zitat
"umspielte" finde ich wenig gelungen, ein bisschen zu körperlich. Vielleicht "umwehte"?

Ich wollte das angenehme daran herausklingen lassen. Ich behalte das mal im Hinterkopf, falls noch mehr Leute drüber stolpern, lasse die Stelle aber fürs erste so.

Zitat
Letzteres finde ich etwas merkwürdig. Sie scheinen sich ja schon etwas zu kennen. Wenn es Faryn so interessiert, warum hat Nadir ihm davon noch nie erzählt? Vielleicht kannst Du das einbauen im Sinne von "Aber Du kannst mir vielleicht endlich mal von Deiner Heimat erzählen, wenn Meister X uns nicht über die Schulter guckt." o.ä.

Fühle mich fast schlecht, dich zu spoilern, aber ich werd eh selten dazu kommen, das hier weiter zu schreiben und dieses Forum ist obendrein nicht dafür gedacht, ganze Geschichten einzustellen.
Nardir ist ein Elf und Nardir ist sein Deckname. Faryns Augen sehen etwas, das seine Rasse verrät und der Satz ist darauf bezogen, dass er im Gegenzug für die Visionen gern mehr über Nardirs Geheimnisse erfahren würde.

Zitat
Den Satz finde ich genial, weil er eine besondere Fähigkeit auf so spannende und subtile Art und Weise einführt.

Ich liebe es, wenn jemand meine kleinen Hinweise entdeckt.
Meine Elfen haben die Fähigkeit, ihre Wahrnehmung von Zeit zu manipulieren. Die Idee ist mir im Wartezimmer beim Arzt gekommen, als ich mir wünschte, ich könnte die zwanzig Minuten erleben, als wäre es nur eine. Nun, meine Elfen können das. Andererseits können sie den Fall eines Regentropfens studieren oder Verwandlungen eines Shapeshifters in Zeitlupe sehen. Bewegen können sie sich dadurch allerdings nicht schneller, deswegen fürchten Elfen auch den Tod: Den Pfeil, der sie ins Herz treffen wird, sehen sie jahrelang auf sich zu kommen, weil sie in der Hoffnung, doch noch einen Ausweg zu finden die Sekunden zu gefühlten Monaten dehnen. (Falls du Bleach kennst, denk an Mayuri vs Szayel)

Zitat
Ich weiß doch zu diesem Zeitpunkt gar nicht, wie alt Nadir aussieht, oder? Dann hilft mir dieser Vergleich nur wenig. Vielleicht einfach "im selben Alter wie Nadir" oder "der ebenso jugendliche/greise Züge trug wie Nadir"

Das war wieder als Hinweis gedacht, aber dafür war die Formulierung trotzdem noch ungeschickt. Nardir hat schon ca. 50 Jahre auf dem Buckel, sieht aber wie ein Teenager aus. Die anderen Novizen sehen also aus, als wären sie in seinem Alter. Mein größter Fehler hier ist aber, dass ich vorher nie Beschreiben konnte, wie alt Nardir aussieht/wirkt und der Leser hier eher denkt "das bringt mir doch nix, ich weiß eh nicht wie alt Nardir aussieht" als "wieso formuliert er das hier so?"

Zitat
Wieso schreibst Du denn noch so Quasi-Prequel-Texte, wenn Du das Handwerk schon so gut beherrschst?

Weil ich in der Arbeit nicht an der Hauptstory schreiben möchte. Weil ich Sardhras zwar auf meiner gedanklichen Landkarte vermerkt habe, aber noch vor zwei Wochen nichts weiter darüber "wusste" als dass der Spiralturm dort steht. Weil ich noch nicht finde, dass ich das Handwerk allzu gut beherrsche. Lies mal Quisilles Röstung  ;D
Freut mich aber fett, dass es dir so getaugt hat.
Die Haupt-Geschichte ist unfertig und hat ca 147 Seiten, aber ich bin derzeit dabei, vier Kapitel neu zu schreiben. Schreib ne PN, wenn dich die "alte" Fassung interessiert. Das Niveau kann halt leider erst recht spät mit dem Text hier mithalten...

Zitat
Die ganze Sache mit der Hand fand ich aber super. So ne gute Beschreibung von Magie habe ich lange nicht gelesen.

Danke, das ist tatsächlich ein Punkt, der mir sehr wichtig ist.

Zitat
1. Warum braucht es in einem offenbar heißen Wüstenstaat ein Verbot, mittags zu arbeiten? Oder ist das gar nicht mittags? Wann gilt dieses Verbot eigentlich? Bzw. warum? Wollen die Magier ihre Ruhe?

Das Verbot gilt immer nur dort, wo der Schatten des Spiralturms gerade hin fällt. (lol, ich merk erst jetzt, dass die Südstraße dem hart widerspricht, weil die Sonne Mittags ja im Süden ist und der Schatten, in dem die Charaktere sich befinden, damit im Norden  :kopfwand:  )   Tatsächlich existieren einige Gesetze nur wegen der Launen unserer Magier, z.B. dürfen die Besitzer der Marktstände nicht schreien, wie sonst üblich, sondern warten eben stumm auf Kundschaft.

Zitat
sind die Gesetze magischer Natur oder gelten die so wie bei uns und müssen ggf. auch mit Zwang durchgesetzt werden? (die Szene mit den Wachen lässt das ja vermuten, aber gleichzeitig sind die Wachen offenbar nicht in der Lage, z.B. das Schattengesetz gegenüber den Magiern selber durchzusetzen - wieso also muss er sich an das Wasser-Abzweigungs-Verbot halten?)
Ach, und: können Gesetze nicht rückgängig gemacht werden? Also könnte ein neuer Rat nicht sein Gesetz von letzter Woche wieder umschmeißen? lex posteriori derogat lex priori wie der Lateiner sagt. Vllt bietet sich da ja ne Chance für ne Flussabzweigung ;) 

Die Gesetze werden genauso erzwungen wie in der realen Welt. Genau wie die meisten Politessen sich nicht trauen, dem Oberbürgermeister ein Knöllchen zu verpassen, hatten die Wachen zwar das Recht, aber nicht die Eier, Siirdyn fürs rennen zu bestrafen. Yarmot hingegen könnte das jederzeit "zur Anzeige bringen", weil er sowohl politisch als auch als Magier keine wirkliche Furcht davor haben muss.
Ja, neue Gesetze schlagen alte Gesetze, Siirdyn würde natürlich dafür kämpfen, den Fluss wieder abzweigen zu dürfen. Davon werden aber seine Bäume nicht wieder lebendig.

Zitat
3. Die Sache mit den Ketten ist natürlich spannend. Sind die Novizen gefährlich? Oder die Meister? Oder sollen die einfach zusammengehalten werden? Wenn ja, welche Fliehkräfte machen eine Kette nötig? Wer zwingt die Meister eigentlich, sich einen Novizen zu suchen? (geht in Richtung von 2. - wer besitzt eigentlich die Macht, die Meister zu etwas zu zwingen? Nur der Rat insgesamt?)
4. Die Novizen scheinen sich ja alle zu kennen - reden die nur miteinander wenn die Meister zusammenkommen? Oder gibt´s besondere Umstände unter denen die Novizen von ihren Meistern gelöst werden?

Die Meister sind für den Rat gefährlich, weil der Spiralturm auch Dinge lehrt, die das Großreich Galiria eigentlich verbietet, zu dem auch Sardhras gehört. Die Novizen kommen erst dann aus der Kette raus, wenn sie zum Magier ernannt werden. Zum Prozedere ist mir aber noch nichts fertiges eingefallen.

Zitat
5. Fähigkeiten, Fähigkeiten, Fähigkeiten. Ich liebe sie ja, aber Balance ist natürlich schwierig. Wir haben bisher glaube ich einen Changeling, einen Seher, einen Telekinetiker und einen Zeitverlangsamer (Nadir?). Was können Sie, was nicht? Energieerhaltungssatz wie beim Namen des Windes oder eher Magie kommt wenn sie kommt a lá Herr der Ringe? Ich bin gespannt.

Ich habe aus Eragon viel darüber gelernt, wie man Magie lang richtig machen und dann doch so grundlegend verkacken kann, dass zukünftige Generationen noch in hunderten von Jahren facepalmen werden, wenn sie an das Potential denken, das jeder weitere Band verbrannt hat. Über all meine Gesetze der Magie hier zu reden, würde den Rahmen des Freds leider sprengen. Ich versichere dir aber, dass ich als gamer sehr viel über Balance nachdenke und mein System komplex genug ist, um nicht nur innerhalb meiner Welt Jahre mit seinem Studium zuzubringen  ;)

Zitat
PS: Warum der Käferschwarm alt sein muss verstehe ich auch nicht...

Weil keiner mehr die alte Sprache beherrscht und einen solchen Zauber schreiben könnte. Hast aber recht, an der Stelle verwirrt die Erwähnung nur.

Danke, dass du dir die Zeit für meinen text genommen hast :)
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Offline SirJasonCrage

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #8 am: 26 März 2016, 02:22:02 »
@Quisille:

Es ist immer wieder faszinierend, dabei zuzusehen, wie du die Mistgabel wie einen Vorschlaghammer schwingst. Und dabei stört mich nichtmal, dass es meine Wände sind, die du dabei bulldozerst  :neuteufel:


Zitat
Eine Figur verfolgt ein Ziel gegen einen Widerstand.

Ritze ich mir sofort in den metaphorischen Arbeitstisch. Hier wieder: Ich bin gekommen um zu lernen. Falls so etwas jemals in einem meiner Kapitel geklappt hat, war es reiner Zufall, weil ich mir solcher Regeln schlicht nie bewusst war.

Zitat
Alles andere wird gestrichen. Wenn nicht von Dir, dann spätestens von Deinem Leser.

Ich begreife gerade einiges auch über meinen Leseprozess.

Zitat
Der Wolftiger-Mensch-Shapeshifter, der da gerade Deine Hausschuhe verspeist, hat Talent zur Mary Sue.

Meines Wissens spricht man bei männlichen Figuren von einem Gary Stu, zumindest wird Kirito aus SwordArtOnline permanent mit dem Wort beworfen. Und warte erst, bis er fliegen kann und Leute beißt, um sein Mana aufzufüllen. Immerhin läuft er zur Seite der Dämonen über und verbringt den größten Teil des kommenden Krieges als Antagonist.
Was die Augen angeht, steckt für Leser, die meine Welt kennen Information dahinter. Sein Bruder reißt ihm die nämlich raus und bewahrt sie in einem Glas auf, zu dem Zeitpunkt sind die komplett schwarz. Dass sie hier noch größtenteils weiß sind, gibt dem informierten Leser damit ein Gefühl dafür, wie alt/jung Crage hier ist und in welcher Zeit wir uns ungefähr befinden.

Zitat
In dem Moment, wo ich mich gerade daran gewöhne, dass Siirdyns Verspätung vielleicht irgendeinen Nachteil für ihn bedeuten könnte, macht Siirdyn jeden Eindruck von Eile zunichte, indem er seitenlang mit irgendwelchen Leuten quatscht, statt weiter zur Versammlung zu eilen

Meh. Der Grund für seine Eile war die Angst, später als Yarmot zu kommen. Stell dir vor, du bist zu spät zum Unterricht und siehst aber dann deinen Lehrer auf dem Gang, der dich anspricht. Da brauchst du auch nicht mehr zu rennen.

Zitat
OK. Wie wichtig ist der Name bzw. der Ort der Straße? Für mich gerade gar nicht, denn was spielt's für die Handlung für eine Geige?

Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass ich mir diese Frage vieeel zu selten stelle...

Zitat
Das hört sich halbwegs authentisch an, im Gegensatz zu einem Wortschwall, der Dinge verkündet, die sowohl der Leser als auch alle handelnden Figuren bereits wissen.

Das frustrierende hier ist, dass ich eigentlich weiß, dass ich sowas nicht machen sollte und mir auch vorgenommen habe, es zu meiden. Aber während ich schreibe, scheint mir das immer der Weg des geringsten Widerstandes... Dabei hasse ich das in anderen Geschichten  :kopfwand:
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AsYouKnow   (Vorsicht, Link geht zu TVtropes)

Zitat
Zufälligerweise hat das Tierchen einen Namen, der entfernt an Deinen Nick erinnert.

Reich mir doch mal kurz deinen Rösthammer und einen Nagel, ich lobotomisiere schnell mein Knie für dich:
Jason ist in der Hauptstory Garolds Sohn, der all dessen Fähigkeiten erbt und obendrein zum Halbdämon wird, der ein Drachenzähne-Schwert bekommt.   ;D

Zitat
Grüße
Quisille

Wenn ich deine Röstungen lese, fühle ich mich immer, wie nach nem 13-Stunden Arbeitstag. Ich frage mich, warum ich den Scheiß mit mir machen lasse, fühle mich gleichzeitig aber irgendwie stolz darauf, es durchgestanden zu haben.

Du zählst keine Erbsen, sondern gräbst gleich das ganze Beet mit dem Mähdrescher um und hinterlässt dabei fruchtbaren Boden in meinem Hirn.

Dumm nur, dass ich bei dir immer das Gefühl bekomme, mein ganzes bisheriges Werk wegwerfen und neu schreiben zu müssen  ;D



Nevertheless: Danke. Sehr. Euch allen. Ich fühle mich, als hätte ich seit dem Beitritt zum Forum hier mehr gelernt als in den letzten paar Jahren.
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Offline Rilyn

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #9 am: 26 März 2016, 06:05:27 »
Hoi Sir Jason :)

Ich lese hier grade die Röstis und Antworten quer und freue mich höllisch über höllischen Humor. :)

Zitat
Zitat
Nardir wirft die Blicke
Es sind augenöffnende Momente wie dieser, in denen ich wieder sehe, warum ich meine Texte rösten lasse
[...]
sondern ich bin einfach zu doof, meine eigenen Vorsätze umzusetzen...
Bist du nicht. Das macht die Übung. :)
Mir hat bei meinen Texten in dieser Hinsicht sehr geholfen, sie in ungewohntem Format (z.B. Reader statt Schreibprogramm) und idealerweise mit etwas zeitlichem Abstand zu lesen.

Zitat
Zitat
Erbsenzählerei: oder auf dem Rücken von kleinen Wüsteneseln
Wie lang ich an dem Satz herumüberlegt habe... Ich wollte die Wüste erwähnen, ohne über Sand zu sprechen. Aber wenn die Esel im Plural sind und ihre Rücken damit auch, sollte es dann nicht "auf den Rücken kleiner Wüstenesel" heißen?
:ups:
Stimmt. :blush:
Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, ob ich vorher schon den Eindruck "Wüstenstadt" hatte, aber ich bin ziemlich sicher, dass sehr früh im Text das orientalische Setting rüberkommt.

Zitat
Grr. Du hast vollkommen recht, aber ich wollte mir nicht ewig an dem Detail den Kopf zerbrechen... Es ist den Händlern verboten zu schreien, weil das die Magier so tierisch nervt (zumal es auch keinem schadet und ganz im Gegenteil jedem die Arbeit erspart, sich Tag für Tag heiser zu brüllen). Aber das kriege ich nicht erklärt, ohne dass es offensichtlich der Autor dem Leser sagt.
Oh, aber das ist klasse, weil es zeigt, wie die Magier in dieser Stadt stehen. Vielleicht kommt damit auch das Schattengesetz z.B. deutlicher rüber, ohne, dass du es erklären musst. Händler, die von außerhalb kommen, könnten Siirdyn angepisst anstarren. Nardir wiederum könnte das kommentieren mit "als ahnten sie, dass er sie für die Blicke nicht in Kröten verwandeln würde; für das laute Anpreisen ihrer Waren hingegen schon." Oder so.

Zitat
Zitat
Die [Kleidung] sollen sie lieber anbehalten.
Kennst du das, wenn man über die eigene Blödheit lacht   ;D
Solche Dinger wurden aus meinen Texten des Öfteren rausgepickt. :cheese:

Zitat
Bezüglich Hook und nicht-Hook:
Ich bin immerhin froh, dass du mich in der Hinsicht nicht für ganz so unzurechnungsfähig erklärst wie Quisille  ;D
;D
Nach einigen Jahren Federfeuer habe ich angefangen, alles, ALLES mit Rotstift zu lesen / sehen / spielen, bis auf ganz wenige Ausnahmen.
Dann fiel mir auf, dass speziell diese Ausnahmen - Bestseller ebenso wie Betalesestoff - zwar wunderbar geschrieben sind, aber keine perfekten Spannungsbögen haben oder diesen nicht in idealer Weise transportieren. Und ich habe trotzdem nicht, oder so gut wie nie, mal an den Rotstift gedacht. Deshalb gehe ich da inzwischen rein nach Wirkung, mit dem Nachteil, dass es eben nur die Wirkung ist, die der Text auf mich hat.
Womit ich Quisille nicht widerlegen will; ich kenne die Theorie, theoretisch ;D wende sie aber selten bewusst an, normalerweise nur zur Analyse.

Zitat
Spannungsbogen, Fliegenpapier, Konflikte, das sind alles Sachen, die für mich noch wie Zauberei sind.
Das Fliegenpapier ergibt sich aus den anderen. Man kann noch mehr Kleber drauf packen, muss aber nicht. :)

Zitat
Zitat
Die Tücher vorm Mund sind ein interessantes kulturelles Detail. Trägt Nardir auch eines? Es ist ja nicht ganz einfach, durch ein Tuch zu atmen, das dürfte er spätestens beim Rennen merken; vermutlich schon vorher, wenn es heiß ist.
Hier wollte ich wieder die Figur nicht über etwas nachdenken lassen, das für sie offensichtlich ist.
Hehe, das sind die kleinen Herausforderungen in Dingen, die für deine Leser ungewöhnlich sind und kommuniziert werden wollen. :)
Nardir ist es vielleicht gewöhnt, aber er könnte beim Rennen trotzdem einen Fluch drauf verschwenden. Auch interessant wäre, wie die Leute in den Gassen Tee trinken; heben sie die Tücher an, oder haben sie sie sogar abgelegt? (Ist natürlich keine Betrachtung wert, wenn Nardir rennen muss.) Oder du kannst due Menschenmenge am Anfang nutzen, um sie zu zeigen; Nardir könnte feststellen, dass er selbst davor zurückprallt, dass irgendjemand von Außerhalb ohne Tuch rumläuft und auch noch schallend lacht.

Zitat
Dumm nur, dass ich ohne Hilfe nicht auf so etwas naheliegendes komme -.-
Auch Übungssache, ebenso wie Füllworte und der ganze Kram. :)

Zitat
Zitat
Hundeartige und Raubkatze ... nee. Passt nicht zusammen.
Ich hatte folgendes Bild dabei im Kopf:
http://i.ebayimg.com/t/Dire-Wolf-Creature-Conquest-of-Kumanjaro-Mage-Wars-/00/s/Njg1WDQ5MQ==/z/yNIAAOSwv0tVFhcg/$_35.JPG
Bei der Beschreibung war ich allerdings tatsächlich faul, wenn ich mir die nochmal so ansehe.
Hmm, beschreib nicht zu viel.
Als Kreatur kann ich mir das Viech durchaus vorstellen (aber es ist ja auch Teil meiner Arbeit, so etwas darstellen zu können). Was mich hier irritiert hat, ist die raubkatzenartige Bewegung, obwohl das Wesen mir hundeartig erschien. Ersteindruck. Vielleicht bin ich auch einfach zu pingelig.

Zitat
Zitat
Sieht zwar interessant aus, ist aber ein uninteressantes Detail, das zu schnell wieder vergessen ist, um hier vorzukommen.
Hm. Mondaugen spielen eine wichtige Rolle in meiner Haupt-Story. Hier kommt wieder das Vorwissen ins Spiel, das der Leser haben könnte. Wer meine Welt kennt, hat von Garold Crage schon viel gehört und weiß auch, dass eine Augen immer dunkler wurden, bis sie schließlich komplett schwarz waren. Die Beschreibung hier gibt jemandem, solchen Lesern ein Gefühl dafür, wie alt Garold hier ist, wann die Story spielt usw.
Uff, schwierig. :o
Statt Beschreibung lieber die Wirkung auf die Figuren: Nardir findet diese Augen ... wie? Immer wieder beunruhigend, obwohl er Crage schon oft genug begegnet ist? etc.

Zitat
Ein Glück, dass Verbumclemens unten drauf gekommen ist. Nardir kann seine Wahrnehmung verlangsamen oder beschleunigen. Er hat die Fähigkeit, die Wartezeit beim Arzt wie ein Fingerschnippen zu erleben,
Irgend sowas habe ich mir gedacht :)
(geht das auch für den Zahnarztbesuch ansich? :flenn: )
Was ich hiermit meinte ist eher die Wirkung, die du im Text transportieren kannst. Wenn Nardir so abgebrüht ist, dass er das nur neugierig betrachten würde, ist das auch eine Info, die ganz unauffällig im Text stecken kann. Wenn nicht, dann auaaa :uhoh:

Zitat
Katze aus dem Sack: Nardir ist ein Elf, der schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Tatsächlich sehen die anderen nur so aus, als wären sie so alt wie er, sie sind es definitiv nicht. Zu aufwändige Wortakrobatik um das zu verschleiern?
Ich glaube, die Wortakrobatik ist gar nicht nötig. Bisher stelle ich mir alle Novizen im etwa gleichen Alter vor, ohne zu wissen, wie alt Nardir wirklich ist, oder wie alt er zu sein vorgibt, etwa 15-17. Gehirne sind faul: wenn du keine Vorgaben machst, gehen sie den einfachsten möglichen Weg und halten sich an gängige Informationen und Stereotype. Novize -> Jugendlicher. Mehr Novizen -> auch Jugendliche. :denk:
Ähnlich mit dem Tuch: Kein Tuch im Text, kein Tuch vorm Gesicht.

Liebe Grüße!
Ril
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Offline Nimmer

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #10 am: 28 März 2016, 12:55:22 »
Hallo SirJasonCrage,

Quisille hat schon gründliche Arbeit an deinem Text geleistet, die ich nicht wiederholen möchte; ich beschränke mich deshalb auf ein paar Detail-Anmerkungen.

Bezüglich der Fragen nach der Beschreibungsdichte, der Kamerahaftigkeit Nardirs und der Qualität der Dialoge verweise ich auf Quisilles entsprechende Antworten.

Zum worldbuilding habe ich eigene Fragen:

1.
Zitat
[...]warteten schweigend darauf, dass ihnen jemand Schmuck, ihre Kleidung oder Waffen abkaufte.
Ist es in deiner Welt wirklich ein gewinnbringendes Geschäft, sich auf den Verkauf von Waffen zu spezialisieren?  Ist es wie in Amerika, wo jeder Bürger meint, sich bewaffnen zu müssen, falls die bösen Sozialisten kommen? Ich würde meinen: wer weder Soldat ist noch Abenteurer, der kauft auch keine Waffe. Soldaten haben vermutlich sogar eine eigene Schmiede, sodass sie nicht auf dem Markt einkaufen müssen - bleiben die Abenteurer; aber dass es so viele Abenteurer gibt, dass sich jemand auf den Waffenverkauf spezialisieren kann, ist eigentlich nur in MMOs der Fall (du erwähntest deinen "gamer"-Hintergrund). Wenn es aber doch so ist, dass sich jeder Bürger bewaffnet, wie stehen die Magier dazu? Ist es ihnen egal, weil Schwerter und Lanzen ihnen eh nichts anhaben können, oder stört es sie? Wenn es sie stört, wieso verbieten sie es nicht? Wenn es sie nicht stört, weil die Waffen nutzlos sind, wieso bewaffnen sich die Bürger trotzdem?

2.
Zitat
Der Zauber, der die Käfer in ihrer versiegelten Kiste am Leben hielt, war viel wertvoller als die kurze Befriedigung, die er durch einen Racheakt erfahren würde.
Wieso wertvoll? Lassen sich Zauber nicht beliebig oft und ohne Kosten wiederholen? Wenn nicht, dann wäre das interessant (ich würde es aber nicht in Form von Infodump erfahren wollen).

3.
Zitat
Hier war das Treiben schlagartig ruhiger. Die Marktstände waren gemäß Schattengesetz geschlossen, ihre Betreiber saßen bequem davor und tranken Laerys Tee oder Adersinensaft und warteten auf die Sonne.
Wie andere schon fragten: was soll dieses Gesetz überhaupt regeln? Mir scheint es pure Schikane zu sein - die Magier haben es erlassen, because they can, und die Bevölkerung ist zu machtlos oder dumm, um sich zu wehren. Das kann natürlich Gegenstand deiner Geschichte sein!

4.
Faryns Kosename ist Fischauge und Flinkfingers Kosename ist Nardir - das überrascht mich, weil "Faryn" und "Nardir" in dieselbe Kategorie zu gehören scheinen und "Fischauge" und "Flinkfinger" gemeinsam in eine andere. Warum heißt Nardir nicht in Wirklichkeit Nardir und sein Kosename ist Flinkfinger? Warum sollte man sein neugeborenes Kind Flinkfinger nennen? Babys sind nicht flink, sie liegen herum - und ob Kind als Erwachsener flinke Finger haben wird, weiß man zum Zeitpunkt der Geburt ja nicht. Oder wurde Flinkfinger erst später dieser Name gegeben - aber wie hat man ihn dann bis dahin genannt?

5.
Garold Crage ist Gast im Land, kennt nicht einmal die Sitten, darf aber trotzdem bei Gesetzesvorlagen mitabstimmen. Warum? Wenn ein ausländischer Minister den Bundestag besucht, dann nimmt der doch auch nicht an der Gesetzeslesung teil.

6.
Zitat
Nardir hörte ihn jedoch kaum, denn er und die anderen Novizen sahen gebannt zu, wie Garold Crage die Hand aus der Wand zog, deren Knochen mit der Kette seines Novizen verschmolzen waren, seine jetzige rechte Hand auffraß und sich die alte Hand auf den blutenden Armstumpf setzte.
Nein. das ist so übertrieben, dass es unfreiwillig komisch wirkt. Jede Immersion wäre an dieser Stelle bei mir zu Ende. Du hast zuvor geschrieben, dass sich Crage in einen Menschen verwandelt (keine Schnauze mehr) und lässt ihn sich dann die eigene Hand auffressen - mit Menschenzähnen, obwohl Hände vor allem aus Knochen bestehen, und ohne, dass er dabei vor Schmerzen oder Blutverlust ohnmächtig wird. Hätte es da wirklich keine Alternative zu gegeben? Weiter oben hast du geschrieben, dass die Kette nicht magisch sei - trotzdem scheint nie ein Novize zu fliehen. Hätte es also nicht gereicht, die Leine des dicklichen Jungen einfach irgendwo anzubinden? Hätte es keinen Zauber geben können, oder einfach nur die Einsicht des Jungen: wenn ich weglaufe, dann findet mich der Wolfsmensch mit seiner Nase sowieso?

Das sind meine Fragen zum worldbuilding.

Was deine Sorge anbelangt, zu dick aufzutragen, möchte ich deinen Crage gegen den Mary-Sue-Vorwurf verteidigen: so weit ist es noch nicht. Die "rule of cool" ist sicher gegeben und wird deine Geschichte vermutlich auch durchweg mitgestalten, zur Mary-Sue muss aber wesentlich hinzukommen, dass Crage a) in den Augen der anderen Figuren makellos ist und b) in den Augen der Leser makellos sein soll. Ein Autor macht eine Figur dann zur Sue, wenn er seine anderen Figuren zwingt, die Sue zu lieben, und wenn er auch den Leser dazu nötigen will.
Meine Bedenken liegen eher bei Nardirs Fähigkeit, seine Zeitwahrnehmung zu manipulieren, da die Grenzen dieser Fähigkeit unklar sind. Er kann in Zeitlupe betrachten, wie ein Pfeil auf ihn zufliegt, aber kann er auch in Zeitlupe ausweichen? Wie verhalten sich Wahrnehmung und Körperreflexe zueinander? Meine Intuition ist, dass sein Körper nicht hinterherkommen können sollte. Habe gerade bei deiner Antwort auf verbumclemens nachgeschaut. Ok.

Die Frage, die sich aber natürlich aufdrängt, ist die, welche Physik in deiner Welt herrschen muss, um alle diese Fähigkeiten widerspruchsfrei zu ermöglichen. Ich bin nämlich generell der Ansicht, dass, je vordergründiger die "Magie" in einer Welt ist, desto mehr sie auch erklärbar sein sollte; je weniger sie im Vordergrund steht, desto mysteriöser darf sie sein. Klare Regeln helfen auch der Balance der Fähigkeiten, von der du ja sagtest, sie sei dir sehr wichtig.


Beste Grüße,
Nimmer
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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #11 am: 28 März 2016, 15:07:45 »
Hoi Rilyn,

Zitat
Hmm, beschreib nicht zu viel.

Egal wie ich es mache, es gibt immer jemanden, der meint, es wäre zu viel und jemanden, der es sich nicht genau genug vorstellen kann...
Ich schließe jetzt einfach daraus, dass ich immer dann einen Fehler mache, wenn ich versuche, es jemandem recht zu machen, anstatt auf meinen Instinkt zu hören.


Zitat
(geht das auch für den Zahnarztbesuch ansich? :flenn: )

Ohne hier jetzt Zahnärzten zu nahe treten zu wollen, ja, ich habe über den Effekt dieser Fähigkeit auf Folter nachgedacht.
In world denken viele, dass man Elfen nicht foltern kann, weil sie wie Indianer "keinen Schmerz kennen"
Tatsächlich spulen sie einfach vor bis zu ihrer Befreiung und bekommen daher den Schmerz eines glühenden Eisens auf ihrer Haut nur wie einen kurzen Nadelstich mit.
Extrem wenige wissen von der Fähigkeit des Volkes und noch weniger sind auf den Gedanken gekommen, sie über lange Zeit mit stetig steigenden Schmerzleveln zu malträtieren, sodass das "vorspulen" damit verbunden wird, dass die Schmerzen grausamer werden.


Zitat
Ich glaube, die Wortakrobatik ist gar nicht nötig. Bisher stelle ich mir alle Novizen im etwa gleichen Alter vor, ohne zu wissen, wie alt Nardir wirklich ist, oder wie alt er zu sein vorgibt, etwa 15-17. Gehirne sind faul: wenn du keine Vorgaben machst, gehen sie den einfachsten möglichen Weg und halten sich an gängige Informationen und Stereotype. Novize -> Jugendlicher. Mehr Novizen -> auch Jugendliche. :denk:

Genau damit habe ich mir faul gerechtfertigt, dass ich nie einen wahren Hinweis auf das Alter der Novizen gebe. "Die Leser werden sich das schon richtig vorstellen"




Hallo Nimmer,

Zitat
Ist es in deiner Welt wirklich ein gewinnbringendes Geschäft, sich auf den Verkauf von Waffen zu spezialisieren?

Öh... Damn. Guter Punkt.
Mit dem ausarbeiten von Handel und Wirtschaft habe ich immer das Problem, dass ich in der realen Welt schon nicht verstehe, wie die Menschen es geschafft haben, im Mittelalter ihre Städte zu versorgen. Wie zum Fick hat es Rom in der Antike auf eine Million Bewohner in der Hauptstadt geschafft? Wie zur Hölle schaffen es die Türken, Istanbul heute zu versorgen?
Bezüglich Waffen: Du hast recht. Die werden nur von "staatlichen" Wachen und den angeheuerten Männern der adeligen Familien gebraucht. Es sollte keinen Markt dafür geben... Zumindest keinen spezialisierten. Dennoch hat jeder irgendwo einen Dolch oder ein Schwert in seiner Auslage, weil es in den Sandländern kein Eisen gibt. Waffen sind also immer importierte Handelsware und das Angebot passt zur Nachfrage. Darüber nachgedacht habe ich aber gerade zum ersten Mal.


Zitat
Wieso wertvoll? Lassen sich Zauber nicht beliebig oft und ohne Kosten wiederholen? Wenn nicht, dann wäre das interessant (ich würde es aber nicht in Form von Infodump erfahren wollen).

Ich freue mich, dass du dir die Gedanken machst, nehme dir aber fast übel, dass du mir nicht zutraust, dass genau das die Informationen sind, die ich hier preisgebe.
Magie ist nicht immer und in jeder Form leicht verfügbar. Das war die Information, die ich hier Dump-frei rüberbringen wollte :-/


Zitat
Wie andere schon fragten: was soll dieses Gesetz überhaupt regeln? Mir scheint es pure Schikane zu sein - die Magier haben es erlassen, because they can, und die Bevölkerung ist zu machtlos oder dumm, um sich zu wehren. Das kann natürlich Gegenstand deiner Geschichte sein!

Das ist als würdest du sagen, es ist Schikane, dass man seinen Arbeitern eine Mittagspause gewähren muss und dass wir Sonntags nicht arbeiten.
Hier richtet es sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach dem Stand des Turmschattens. Wo der hinfällt, ist Ruhe. Das Schattengesetz gilt nur im Schatten des Turms.
Tatsächlich können die Magier hier schikanieren wie sie wollen, der Turm existiert nicht zum Schutz des Volkes, das Volk lebt dort um den Magiern das Leben zu erleichtern/ermöglichen. Ursprünglich zumindest.


Das mit den Kosenamen muss ich wohl noch ändern. Nardir nennt ihn Fischauge, weil ich hervorheben wollte, dass Faryns Augen wichtig sind. Faryn antwortet, dass er genau weiß, dass "Nardir" ein Deckname ist. Beide drehen jetzt also um, Faryn wird beim richtigen Namen genannt und Nardir bekommt selbst einen Kosenamen, der wieder gewissermaßen zeigen soll, dass Faryn über Nardirs "Eigenschaften" bescheid weiß, gleichzeitig aber bedeutet, dass er seinen wirklichen Namen trotz allem nicht kennt.

"Ich kenne deine Fähigkeiten und weiß, wer du bist. Ich nenne dich bewusst beim Spitznamen, den du nicht magst." Nardir will Dominanz zeigen.
"Schön für dich, aber hör auf damit. Ich weiß, dass du ein Geheimnis hast. Gib mal deine Kette her, zumindest in der Hinsicht sitzen wir im selben Boot." Faryn wehrt sich gegen Dominanz und droht selbst ein Bisschen.
"Ok, ich höre auf, vielleicht sind wir ja gleichberechtigt."
"Ich weiß sogar noch ein Bisschen mehr (flinke Finger), aber nicht alle Details (Spitzname statt wahrer Name)."

Die tatsächlichen Spitznamen könnte ich aber noch abändern. Weil die beiden nicht nur miteinander, sondern auch mit dem Leser kommunizieren, wollte ich nicht gleich "Durch-Seher" und "Spitzohr" nehmen^^


Zitat
Garold Crage ist Gast im Land, kennt nicht einmal die Sitten, darf aber trotzdem bei Gesetzesvorlagen mitabstimmen. Warum? Wenn ein ausländischer Minister den Bundestag besucht, dann nimmt der doch auch nicht an der Gesetzeslesung teil.

Die Magier herrschen über die Stadt und damit die Sandländer. Jeder Magier, der eine der Großmagier-Prüfungen besteht und sich die Kette an die Knochen schmelzen lässt, wird zum Großmagier ernannt und hat eine Stimme im Rat.
Hier auch wieder: Die Menschen leben dort, weil die Magier da nicht komplett allein leben können. Dennoch geht es um den Turm. Natürlich geben wie immer alle Regeln nur das Grundgerüst vor und die Menschen selbst machen sich ihre Konventionen, daher sind ortsansässige Adelshäuser entstanden, die sich ihr talentiertes Blut rein halten und regelmäßig Familienmitglieder in den Rat bekommen, aber im Endeffekt kann jeder an der Regierung teilnehmen, der genug... Engagement zeigt, sich symbolisch durch die Kette an den Turm zu binden.


Dass dich die Hand-Fresserei stört, nehme ich mal zur Kenntnis, da werde ich evtl noch was ändern.
Was den Gary Stu angeht: Crage wird ein Antagonist der Geschichte sein. Je perfekter er jetzt scheint, desto furchteinflößender ist er als Feind.

Zu Physik und Balance mache ich evtl mal nen eigenen Fred auf. Tatsächlich kann man sogar an einigen Stellen mit Mathematik ansetzen.

Grüße zurück und danke sehr :)
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Offline Nimmer

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #12 am: 28 März 2016, 18:02:25 »
Hallo,

noch ein paar kurze Anmerkungen:

Dennoch hat jeder irgendwo einen Dolch oder ein Schwert in seiner Auslage, weil es in den Sandländern kein Eisen gibt. Waffen sind also immer importierte Handelsware und das Angebot passt zur Nachfrage. Darüber nachgedacht habe ich aber gerade zum ersten Mal.
Dass es in den "Sandländern" keine eigenen Eisenquellen gibt, finde ich erst einmal nachvollziehbar. Eventuell könnten deine Leute ein bisschen Erz aus dem Fluss sieben, da der ja irgendwo Stromaufwärts aus einem Berg kommen wird. Wenn du diese Prämisse aber ganz ernst nimmst und Handel erst einmal ausklammerst, stellt sich die spannende Frage, worauf die Leute ohne Eisen alles verzichten müssen und wofür sie vielleicht Ersatz finden. Woraus bspw. ist ihr Besteck gemacht, wenn nicht aus Eisen? Holz ist in der Wüste bestimmt auch selten - Knochen, vielleicht? Wenn nun Handel ins Spiel kommt, ist die Frage, ob deine Leute spezielle Gegenstände wollen, oder Rohmaterial wie Eisenerz, damit sie sich je nach Gebrauch ihre Sachen selbst schmieden können.


Zitat
Zitat
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Ich freue mich, dass du dir die Gedanken machst, nehme dir aber fast übel, dass du mir nicht zutraust, dass genau das die Informationen sind, die ich hier preisgebe.
Magie ist nicht immer und in jeder Form leicht verfügbar. Das war die Information, die ich hier Dump-frei rüberbringen wollte :-/
Oh, ich möchte nicht, dass du mir etwas fast übel nimmst. Was ich meinte war wohl, dass ich gerne mehr wissen würde, aber nicht unbedingt an dieser Stelle.

Zitat
Zitat
Wie andere schon fragten: was soll dieses Gesetz überhaupt regeln? Mir scheint es pure Schikane zu sein - die Magier haben es erlassen, because they can, und die Bevölkerung ist zu machtlos oder dumm, um sich zu wehren. Das kann natürlich Gegenstand deiner Geschichte sein!

Das ist als würdest du sagen, es ist Schikane, dass man seinen Arbeitern eine Mittagspause gewähren muss und dass wir Sonntags nicht arbeiten.
Auf diesen Zusammenhang bin ich gar nicht gekommen. Aber ist es schlau, Pausen nach Sonnenstand zu gewähren? Das hieße ja, dass manche früh morgens ihre "Mittagspause" hätten und dann den Rest des Tages durcharbeiten müssten. Hm.


Zitat
Das mit den Kosenamen muss ich wohl noch ändern. Nardir nennt ihn Fischauge, weil ich hervorheben wollte, dass Faryns Augen wichtig sind. Faryn antwortet, dass er genau weiß, dass "Nardir" ein Deckname ist. Beide drehen jetzt also um, Faryn wird beim richtigen Namen genannt und Nardir bekommt selbst einen Kosenamen, der wieder gewissermaßen zeigen soll, dass Faryn über Nardirs "Eigenschaften" bescheid weiß, gleichzeitig aber bedeutet, dass er seinen wirklichen Namen trotz allem nicht kennt.
Ah, ich verstand es so, dass "Flinkfinger" Nardirs echter Name sei.

Zitat
Zitat
Garold Crage ist Gast im Land, kennt nicht einmal die Sitten, darf aber trotzdem bei Gesetzesvorlagen mitabstimmen. Warum? Wenn ein ausländischer Minister den Bundestag besucht, dann nimmt der doch auch nicht an der Gesetzeslesung teil.

Die Magier herrschen über die Stadt und damit die Sandländer. Jeder Magier, der eine der Großmagier-Prüfungen besteht und sich die Kette an die Knochen schmelzen lässt, wird zum Großmagier ernannt und hat eine Stimme im Rat.
Okay, aber es ist doch trotzdem irgendwie dämlich, dass jemand über die Belange des Landes entscheiden kann, ohne das Land zu kennen, oder? Ich kann verstehen, dass jeder Magier für sich eine Stimme in allen Belangen haben möchte, aber jeder Magier müsste doch auch ein Interesse daran haben, Außenseiter daran zu hindern, sich in ihre Belange einzumischen.

Zitat
Was den Gary Stu angeht: Crage wird ein Antagonist der Geschichte sein. Je perfekter er jetzt scheint, desto furchteinflößender ist er als Feind.
Das ist ein guter Hinweis. Wenn es um power geht, muss man Protagonisten und Antagonisten an verschiedenen Maßstäben messen. Ob Antagonisten auch Sues sein können, weiß ich gerade gar nicht, aber ich habe auch nicht den Eindruck, dass Crage da in Gefahr ist.


Beste Grüße,
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Quisille

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #13 am: 29 März 2016, 10:04:51 »
Nochmal zur Mary-Sue-Diskussion:

http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/MarySueTropes

Da gibt es viele Spielarten, und der Übergang ist natürlich fließend. Eine Definition gibt es nicht. (Mal wieder. ::)) Aber der Infektionsweg scheint mir immer derselbe zu sein: Wenn der Autor die Figur mehr liebt als seine Handlung, ist Gefahr im Verzug. Crage muss noch nicht auf die Isolierstation, aber bereits jetzt laufen alle Figuren in seiner Umgebung mit Mundschutz rum.

Zitat
„Mag sein, dass Euch das Gesetz kein Tuch vorschreibt, aber wenn Ihr mich noch ein Mal so angrinst, schmelze ich Euer Gesicht und sorge dafür, dass Ihr Euch nie wieder nie wieder in das Licht der Sonne traut, ohne es zu verhüllen.“
Überraschend bekam er Unterstützung von Meister Yarmot. „Euch mag es fremd erscheinen, aber Ihr seid ein Gast und solltet euch zumindest aus Respekt etwas an unsere Gepflogenheiten anpassen. Unverhüllte Gesichter, besonders wenn sie Emotionen widerspiegeln, sind hier vulgär und gehören in die Schlafzimmer und Hurenhäuser! Wenn es heute nicht um weit wichtigeres ginge, würde ich  ein Gesetz vorschlagen, nach dem nicht nur jeder Mensch, sondern jedes denkende Wesen sein Gesicht zu verhüllen hat.“

:cheese:

Ernst beiseite. Wenn man die Figur nebst Coolness noch durchtestet, kann es durchaus förderlich sein, alles ungefähr 20% cooler zu machen. ;)

Wenn ich deine Röstungen lese, fühle ich mich immer, wie nach nem 13-Stunden Arbeitstag. Ich frage mich, warum ich den Scheiß mit mir machen lasse, fühle mich gleichzeitig aber irgendwie stolz darauf, es durchgestanden zu haben.

Bin erleichtert, dass ich es (offenbar?) nicht übertrieben habe.

Liebe Grüße
Quisille

Edit: Smyly korrigiert. Sowas ist WICHTIG, verdammt.

Offline Rilyn

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #14 am: 29 März 2016, 13:02:50 »
Zitat
Was den Gary Stu angeht: Crage wird ein Antagonist der Geschichte sein. Je perfekter er jetzt scheint, desto furchteinflößender ist er als Feind.
Das ist schon beinahe ein eigenes Thema ;D

"Perfekt" kann er sein. Aber was ist perfekt? Seinen potentiellen Gegnern seine volle Macht zu zeigen, oder If I Were An Evil Overlord gelesen zu haben und sich entsprechend zu verhalten? :denk:
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/EvilOverlordList
(Die Originalseite findest du, indem du den kursiven Titel oben googlest. Bei mir lädt grade gar nichts, deshalb kein direkter Link.)

Crage gibt hier zu sehr an, das bedingt den Sue-Faktor. Es kann natürlich sein, dass er so drauf ist, aber es ist für einen Antagonisten ein sehr ungesunder und eher schwächender Zug, der nicht dazu beiträgt, ihn furchteinflößend zu machen. Die schlimmsten / besten Züge eines Antagonisten sind aus meiner Sicht Selbstbeherrschung und Unberechenbarkeit, oder aber falsche Bereichenbarkeit, d.h. er manipuliert vom Feinsten.
Wenn er furchteinflößend sein soll, zeig nicht, wozu er fähig ist. Ein Antagonist braucht keinen Show-off in der ersten Szene. :)

Würde er sich sogar eher noch auf die Seite der good guys stellen und erst später sein wahres Gesicht zeigen?´Danach sieht es ja aus.
« Letzte Änderung: 29 März 2016, 15:21:08 von Rilyn »
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Offline SirJasonCrage

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #15 am: 31 März 2016, 17:40:34 »
Flaute auf Arbeit, endlich wieder Zeit, Hörner und Gabel auszupacken  :neuteufel:


Zitat
Dass es in den "Sandländern" keine eigenen Eisenquellen gibt, finde ich erst einmal nachvollziehbar. Eventuell könnten deine Leute ein bisschen Erz aus dem Fluss sieben, da der ja irgendwo Stromaufwärts aus einem Berg kommen wird.

Öh... Tut er nicht. Der Turm saugt alles Wasser aus der Luft. Die Götter hat vor tausenden von Jahren mal tierisch genervt, dass immer das schlechte Wetter vom westlichen Ozean über das Reich geschwappt ist, also haben sie im Westen den Spiralturm hingestellt. Der saugt die Wolken zu seiner Spitze und lässt sie dann in Rillen an seiner Außenwand entlang nach unten fließen, wo es sich in die vier Flüsse ergießt, die die Sandländer mit Leben speisen.
Bevor dort der Turm stand, war das keine Wüste.


Zitat
Oh, ich möchte nicht, dass du mir etwas fast übel nimmst. Was ich meinte war wohl, dass ich gerne mehr wissen würde, aber nicht unbedingt an dieser Stelle.

Dann muss ich mich ja... fast entschuldigen?  :watchout:

Klar kommt noch mehr zur Magie, aber je mehr Info auf einmal, desto dump^^

Ich könnte Nardir jederzeit daran denken lassen, dass Magie fast nur noch aus der Anwendung alter Zauber besteht und nicht mehr aus dem erschaffen neuer Zauber. Dass die Zauberer früher die Sprache der Magie beherrschten und ständig neue Zauber formulierten, bis irgendwann die faulen unter ihnen einfach Ringe, Stäbe und andere Gegenstände schufen, in die sie die Zauber einbrannten. Dass deren Schüler nur noch die Gegenstände wollten, nicht aber das Wissen und dass diese dann aber umso besser darin waren, die bereits gewirkten Zauber noch zu nutzen. Dass die Zauberer mit Verachtung das Wort Magier für die nutzten, die nicht am Wissen, sondern nur an der Macht und der Kampfkraft interessiert waren. Dass die jungen Magier den alten Zauberern irgendwann zeigten, wie viel effektiver man im schleudern von Feuerbällen wird, wenn man das Zielen damit übt, anstatt zwischen Büchern zu sitzen und neue Formulierungen zu suchen.
Obendrein weiß Nardir nicht, dass ein unsterblicher Wächter sehr daran interessiert war, dass die alte Sprache ausstirbt und im Laufe der Jahrhunderte einiges an Wissen darüber zerstörte.
Es ist, als würde man zwischen App-Programmierern und Handy-Nutzern unterscheiden.

Aber das führte an der Stelle zu weit ;-)

No shit tho, ich hatte ein ernstes Problem damit, die Menge an Info zu drosseln, die ich preisgebe. An vielen Stellen der Geschichte branden seitenweise Backstory gegen den Damm in meinem Gehirn und verlangt, durch meine Finger in die Tastatur gelassen zu werden. Mittlerweile habe ich mir einfach angewöhnt, immer nur kurz an einem winzigen Ventilchen zu drehen und das Bisschen Info preiszugeben, das es durch die Leitung schafft.


Zitat
Auf diesen Zusammenhang bin ich gar nicht gekommen. Aber ist es schlau, Pausen nach Sonnenstand zu gewähren? Das hieße ja, dass manche früh morgens ihre "Mittagspause" hätten und dann den Rest des Tages durcharbeiten müssten. Hm.

Mir kommen noch andere Bedenken. Wie kann beispielsweise im Süden der Schatten sein, wenn wir auf der Nordhalbkugel sind?^^ (bis jetzt übernehme ich größtenteils die Physik unserer realen Welt auch in meine.)


Zitat
Okay, aber es ist doch trotzdem irgendwie dämlich, dass jemand über die Belange des Landes entscheiden kann, ohne das Land zu kennen, oder? Ich kann verstehen, dass jeder Magier für sich eine Stimme in allen Belangen haben möchte, aber jeder Magier müsste doch auch ein Interesse daran haben, Außenseiter daran zu hindern, sich in ihre Belange einzumischen.

Großmagier wird man, indem man eine der fünf Prüfungen Besteht: Feuer, Wasser, Erde, Wind, Kampf.
Ja ich weiß, klischeehafte Elemententeilung. Die Story ist voll davon.
Jedenfalls wählen alle Wind-Großmagier einen Vorstand, alle Erd-Großmagier usw. Die fünf Vorstände haben jeweils vier Stimmen in Entscheidungen und müssen bei jeder Besprechung anwesend sein. Außerdem kann jeder auch die anderen Prüfungen noch bestehen, für jedes bestandene Element bekommt man eine Stimme mehr in Entscheidungen.
Die Fremden hier können also an den Sitzungen teilnehmen, entscheiden können sie deshlab noch lange nichts. Die "einheimischen" Großmagier würden den Teufel tun, einen Fremden in eins der Vorstandsämter zu wählen. Dennoch, jeder der dazu in der Lage ist, alle fünf Prüfungen zu bestehen, hat sich nach den uralten Gesetzen verdient, mehr Stimmen zu haben als ein Vorstand.


Zitat
Das ist ein guter Hinweis. Wenn es um power geht, muss man Protagonisten und Antagonisten an verschiedenen Maßstäben messen. Ob Antagonisten auch Sues sein können, weiß ich gerade gar nicht, aber ich habe auch nicht den Eindruck, dass Crage da in Gefahr ist.

Dass man da unterscheiden muss, finde ich nicht. Ich versuche bewusst damit zu brechen, dass die Gegner immer ultra sind und unsere Figur mit List/Poweroffriendship/HardcounterfromtheProphecy den Unterschied ausgleicht.





Zitat
Ernst beiseite. Wenn man die Figur nebst Coolness noch durchtestet, kann es durchaus förderlich sein, alles ungefähr 20% cooler zu machen. ;)

Sorry, der Sinn erschließt sich mir auch nach mehrmaligem Durchlesen nicht :-/

Zitat
Bin erleichtert, dass ich es (offenbar?) nicht übertrieben habe.

Du übertreibst komplett, aber so schön flächendeckend, dass man es dir überhaupt nicht übel nehmen kann  ;D

Den Mundschutz-Joke hätte ich dann allerdings doch auch ohne Zitat der Textstelle begriffen^^




Zitat
Würde er sich sogar eher noch auf die Seite der good guys stellen und erst später sein wahres Gesicht zeigen?´Danach sieht es ja aus.

Please. There are no good guys.
Das ist, als würdest du versuchen, zwischen Anthony, Octavian, Cicero und Brutus einen "guten" zu suchen. Zumindest hoffe ich, dass es so ein wird, wenn ich es annähernd schaffe, dass die Geschichte meinen Ansprüchen an mich selbst genügt.


So, genug für heut. Ich kannd em Chef ja schelcht sagen, dass ich überstunden mache, um in der Hölle zu schreiben :D
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Offline Rilyn

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #16 am: 31 März 2016, 18:06:56 »
Hoi Sir Jason :)

Zitat
Please. There are no good guys.
Das ist, als würdest du versuchen, zwischen Anthony, Octavian, Cicero und Brutus einen "guten" zu suchen. Zumindest hoffe ich, dass es so ein wird, wenn ich es annähernd schaffe, dass die Geschichte meinen Ansprüchen an mich selbst genügt.
:cheese:

Umso besser. Aber das Prinzip ist das gleiche: würde er sich auf die Seite seiner Gegner stellen, zumindest nach außen hin, um diese in Sicherheit zu wiegen? Oder würde er sagen: "Hey, ich komme zu eurem Meeting. Hier sind mein Bleistift, mein Kuli, mein Notizblock, mein Laptop und mein Klappmesser. Ich zeig es euch, aber ich sage nicht dazu, ob ich euch alle ausweiden werde."
 :watchout:
Ich bin ziemlich sicher, dass er das Messer nie erwähnen würde, sondern einen Fussel von seiner Manschette schnippt, kommentarlos Schreibzeug und Laptop auf den Tisch packt und abwartet, bis er sinnvoll agieren kann. Das ist die gefährliche Art Antagonist; nicht der, von dem man weiß, was er drauf hat. Es gibt nichts Bedrohlicheres als eine nicht einschätzbare Gefahr. "Das Unbekannte", von dem du nicht weißt, ob, wann, wie, wo und warum es zuschlagen wird, oder ob du vielleicht schon in seinem Intrigennetz drin hängst und es gar nicht weißt. Vorbereitung auf eine Konfrontation ist beinahe nicht möglich.

Sprich Ängste an, wenn du einen Antagonisten gefährlich machen willst, und fang bei den größten und subtilsten an. "Er ist stärker / ein besserer Magier als ich" ist ne ziemlich schwache und einschätzbare Angst. Werwesen? Get silver sword (oder geh in die Bibliothek und lies, bis du eine Methode findest, Werwesen plattzumachen, die deinen Kopf essen wollen). Wenn er sich zeigt, wird er angreifbar, da andere sich gegen eine bekannte Bedrohung zusammenschließen werden - da reicht schon eine vermeintliche Bedrohung. Politiker in jedem Parlament zerfleischen sich ständig, weil sie meinen, ein anderer bedrohe ihre Karriere, ob das nun stimmt oder nur Paranoia der Mächtigen sind. Jemandes konkretes Ziel nicht zu kennen ist kein Grund, ihn nicht plattzumachen (lies: alles zwischen Rausekeln und ins All schießen), wenn er als Bedrohung wahrgenommen wird.

Anfangs mag es genügen, dass Nardir - indirekt - das Gefühl rüberbringt: "Ich traue dem Kerl nicht."
Aber das ist vor dem Hintergrund der zerstrittenen Magier schwierig. Da traut auch keiner einem anderen, möglicherweise nicht mal dem eigenen Novizen. Die Kette vermittelt, dass dieses ganze Gefüge nicht auf Vertrauen basiert, nur auf Kalkulation und Kontrolle.

Eigentlich hätte mir das früher auffallen sollen, aber mein Hirn bemüht sich derzeit um Quad Core-Qualitäten und übersieht daher manches. :muehle:

Eventuell brauchst du in dieser Szene nur zwei der drei großen Punkte:
- Welt andeuten und Nardir zeigen (klar).
- Crage (passt er auch in die nächste Szene? Tritt er vielleicht mit gutem Rat oder als Schlichter auf, während er mit dieser vermeintlichen Hilfe seine eigenen Interessen vertritt? <- was nicht gleich klar werden sollte.)
- Die Große Bedrohung aus Fischauges Gedicht. Das ist leider etwas schwierig, weil es den Beigeschmack von "Fantasyroman beginnt mit Prophezeihung" hat. Prophezeihungen sind okay, wenn sie hinterfragt werden können, und Fischauges Traum ist hier keine blatante Wahrheit, sondern eben unzuverlässig.

Huh. Es fällt mir inzwischen schwer, diese Szene ohne Kenntnis der nächsten zu feedbacken (bzw der Beratung der Magier). Damit warte ich mal, bis du sie auf den Grill haust; falls nicht, gerne per PN. Antwort kann halt ein paar Tage dauern. :)

Liebe Grüße! :kaffee2:
Ril
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Quisille

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Re: Nardirs erster Auftritt
« Antwort #17 am: 01 April 2016, 10:39:03 »
Zitat
Ernst beiseite. Wenn man die Figur nebst Coolness noch durchtestet, kann es durchaus förderlich sein, alles ungefähr 20% cooler zu machen. ;)

Sorry, der Sinn erschließt sich mir auch nach mehrmaligem Durchlesen nicht :-/

Wollte damit sagen, dass es nützlich sein kann, die Figur übertrieben cool zu machen, so lange man sie noch sucht. Das hebt die Laune beim Schreiben. Aber im finalen Produkt sollte man die Coolness auf ein Maß reduzieren, dass sie nur noch unterbewusst auf den Leser wirkt. Merkt man beim Lesen, dass die Figur cool sein SOLL, dann lehnt man sie als gewollt oder maniriert ab. "20% cooler" ist ein Zitat aus... *räusper*... einer gewissen Serie, die sich natürlich AUSSCHLIESSLICH meine fünfjährige Tochter ansieht.