Autor Thema: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-  (Gelesen 2608 mal)

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Offline Tika

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Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« am: 04 Februar 2016, 09:22:09 »
Geht es nur mir so, oder auch anderen?
Ich war einmal eine absolute Viel-Leserin. Ob kleines Büchlein oder schwerer Schinken, egal. Ich habe sie gelesen, wenn mich der Klappentext halbwegs ansprach. Mit der Zeit fand ich auch Lieblingsautoren, von denen ich unabhängig vom Klappentext grundsätzlich alles las, was ich von ihnen in die Finger bekam.
Das hat mir nie geschadet, denn wer AutorIn werden will, der sollte sowieso lesen, lesen, lesen...

ABER

Seit ich Autorin BIN habe ich damit so meine Probleme. Was mir früher Freude bereitet hat, ödet mich inzwischen an. Nicht, weil ich keine Lust hätte zu lesen, sondern weil ich inzwischen kaum noch etwas finde, das mich wirklich interessiert.

Wie ihr inzwischen wahrscheinlich wisst, arbeite ich ehrenamtlich in der hiesigen Bücherei. Gestern hatte ich Dienst. Also wanderte ich durch die Regale und suchte nach einem Lesestoff, der mich eventuell vom Hocker reißt. Ja, ich weiß, es klingt verzweifelt - das bin ich inzwischen auch.
Aber zurück zur Situation.

Ich wende mich also zunächst an das Krimi / Thriller Regal, nehme verschiedene Bücher zur Hand und lese den jeweiligen Klappentext.

Was ich finde sind diverse Leichen, auf verschiedenste Arten verstümmelt oder schlicht um die Ecke gebracht - alle haben sie eines gemeinsam - sie sind tot. Nun gut, gibt das Genre halt vor. Dazu kommt dann ein Kommissar, Männlein oder Weiblein, meist mit Partner, oder ein neugieriger Journalist, eine Journalistin, manchmal ein Schriftsteller... oder auch eine normale Privatperson, die mit dem Leblosen konfrontiert wird.
Alles schon dagewesen - gähn.
Das Ermittlerteam findet natürlich den Mörder, auf X-beliebige Art die meistens auch keine Überraschung mehr ist - die Motive sind meist auch gängig - Eifersucht, Gier, verschleierter Unfall was auch immer, Der Journalist schreibt am Ende seinen ach so tollen AHA Artikel - weil ja sonst niemand drauf gekommen wäre. Der Schrifsteller überwindet seine Schreibblockade und wenn es eine Privatperson war, dann hat der Tote am Ende immer was mit ihr direkt zu tun, was während der Geschichte aufgedeckt wurde. Sei es der vermisste Bruder, der genetisch echte Vater oder der ex-Liebhaber der Mutter aus alter Zeit und ach, jetzt hat der/die Prota am Ende eine neue Familie, eine Stiefschwester oder was weiß ich.
ÖDE - Vorhersehbar - um das Ende zu kennen, muss ich mich nicht durch 500 Seiten quälen - Danke.

Beim Thriller sind es die ewigen Nerds, die psychisch kranken, die Massenmörder, die auf immer grausamer werdende Arten morden, verstümmeln, vergewaltigen, entführen, essen...
Ich kanns nicht mehr hören - ähm, lesen - Nerv

Ok, denke ich mir, Thriller/Krimi ist einfach nicht mehr meins und gehe weiter zu Familie/Liebe/Humor

Pffft - seichte Geschichten ohne Tiefgang, teilweise mit Humor, der aber leider nicht meiner ist, die Verschollene Person, die zurückkehrt, das Geheimnis der Mutter/Großmutter/Tante/Vater... sonstiger bekannter oder auch unbekannter Verwandten. Fehlt nur noch, dass es ums Geheimnis der Katze geht, dann ist das Genre endgültig tot.
Dreiecksgeschichten, Vierecksbeziehungen, Zig-ecksgeschichten, die Verflossene und doch wieder entdeckte Liebe, die unnahbare, die Zicke und doch liebenswert, sieh einer an - was für eine Überraschung.
Der/die/das verschollene Garten, Ring, Gemälde, Manuskript, Tagebuch, Tonband, Erbe, sonstige Gegenstände... Pantoffel, Kleiderbürste, Nagelknipser, Absatz, Hutschnur - letztere geht mir gerade hoch. Danke, aber - Nein, Danke!

Jungendbuch! Ja, genau. Ich schaue beim Jugendbuch nach - da werde ich vielleicht fündig. Hoffnung keimt in mir auf.

Ich treffe auf: Vampir-Liebe, Engel-Liebe, Götter-aller-Arten-Liebe, Tier-Liebe - ok, eine andere Art von Liebe aber immer noch Liebe zum Pferd, Hund, Katze, Maus, Huhn... *gnah
Erfolgsgeschichten vom Mauerblümchen zum Super... - Sänger, Tänzer, Reiter, Sportler, Model, Schreiber... Diktierer, Häkeldeckchenhäkler, Hüpfkästchenchampion - sorry es geht ein wenig mit mir durch.
Dann gibts noch die Besonderen, die Übernatürlichen, wie die Gedankenleser, Zauberer, Zeitreisenden, sich in Luft auflösende, Genmutierte, sonstwie supertollen.... *seufz
Alles folgt der einen Botschaft: Jeder kann was, hat was, weiß was, wird was - du musst nur deinen Platz finden und schon bist du ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft und trägst deinen Teil dazu bei. Und sei es nur, dass du am Ende reich bist und wir dich anschließend mit der Moralkeule totschlagen können.
Auch nicht meins - Danke.

Ein Schritt weiter und ich stehe vor dem Fantasy Regal.

Ohje... OHJE... OhOhjemine... *kopfschüttel *weitergeh
Ich blicke nochmal zurück *kopfschüttel

Meine Gedanken behalte ich lieber für mich - OH-JE-MI-NE

Historisches

Geschichte zum Anfassen - sollte man meinen. Ich finde hier schon mal zum Großteil Frauen! Die Baderin, Heilerin, Pafümeurin, ex Hure, noch Hure, wieder Hure... Meist dreht es sich um Anerkennung im patriarchischen System - die verkannte Ärztin, Studentin, Kräuterkundige, Nonne, Geschäftsfrau oder sonstwas. Die Frau als unterdrücktes Lustobjekt, Punchingball, Zierobjekt, die gegen ihren Willen, verheiratet, verschenkt, irgendwohin verschickt, verschifft, verbrannt, ver-sonstwas wird. Der Rest ist klassische Intrige, Verrat, Mord um Thron, Macht, Geld und sonstige Güter...
Schön - öhm, nicht schön... aber auch nichts Neues. Dazu kommt, dass diese Bücher grundsätzlich ausufern. Ein historischer Roman unter 800 Seiten ist nach dafürhalten der Verlage wohl wie ein halbes Steak auf dem Teller...
Ich glaube ich bleibe bei Bratwurst.

Sci-Fy

Neue Welten gibt es zu entdecken. Jawoll.
Ob Mit einem Raumschiff oder gleich einer ganzen Armada, per Anhalter, durch Portale, die geheim oder auch inzwischen nicht mehr ganz so geheim sind, wissenschaftlich möglich gemachte Zeitreisen, Wurmlöcher, wie auch immer auf fremde Planeten, Sytheme, ganze Gakaxien, Paralleluniversen, Zeitstrahlen reisen und diverse extraterrestrichen Lebewesen mit Schuppen, Fühlern, Panzern, Ganzkörperbehaarung, roter, grüner, lila, karierter Haut, kennenlernen, bekämpfen, vernichten, rasieren - eins weiß ich genau: Es gewinnen immer die Amerikaner!

Bionik, Kinetik, KI, diverse Bedrohungen für unseren Eigenen Planeten, wie Meteorite, Gammablitze, Supanova, Erderwärmung, Eiszeit, Viren wir driften langsam in die Apokalypse ab... Vielleicht werden wir ja eines Tages auch einfach zu Tode geschmust von einem yetiartigen Riesen vom fernen Planeten Plüschingen mit dem Namen Norbert.

Ich nehme einen tiefen Atemzug der Verzweiflung, schließe die Augen und drehe mich im Kreis. Gedanklich sehe ich die gefüllten Regale der einzelnen Genres an mir vorüberziehen. Ich halte an, strecke den Arm aus und greife blind zu - ich will lesen, lesen, lesen...

Tatsächlich halte ich ein Buch in der Hand, dessen Cover interessant aussieht. Ich sehe den Rücken eines kleinen blonden Mädchens. Es hält die Hand seines Ebenbildes, das seltsam verschwommen abgebildet ist, vor einer Küstenlandschaft. Eisige Zwillinge.
Interessant. Ja. Das kann was werden.

Ich lese den Klappentext NICHT! Ich will es mir nicht verleiden.
Zuhause beginne ich mit dem ersten Kapitel. Gut geschrieben, nichts zu mäkeln, immer noch interessant.



ACHTUNG SPOILER

Es geht um ein vormals reiches Ehepaar dass sich nach dem Tode eines ihrer Zwillingsmädchen entfremdet hat. Der Mann hat begonnen zu trinken und seinen Job verloren (ich sehe darüber hinweg und lese weiter), dadurch sind sie obendrein in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Er hat eine Insel im Norden Schottlands geerbt, die sein Bruder (ebenfalls und immer noch wohlhabend) nicht übernehmen will, weil sie ein finanzielles Risiko darstellt. Nun gut, wer nix mehr hat, kann nix mehr verlieren außer vielleicht die zweite Tochter - aber das deutet sich aus dem Text nicht an. Ein verzweifelter Neuanfang wird gewagt, das Stadthaus in London verkauft und bald werden sie sich auf die Socken machen - da zeichnet sich schon ein Geheimnis ab. Das Zwillingsmädchen verhält sich eigenartig (*freu, *freu, *ja wie fein, ich will mehr). Es folgen Vergleiche der beiden Mädchen, wie sie waren und sind. Seltsam nur, dass das eine Mädchen sich neuerdings verhält wie das andere, dass gestorben ist... (Nachtigall ich hör dir trapsen). Die Protagonistin sinniert über eine vage Möglichkeit... kann es sein, nein, sie will nicht zuende denken, das wäre eine Katastrophe (mir ist schon klar, woran sie denkt: hat sie vielleicht den falschen Zwilling beerdigt... hmpf - nagut ich lese weiter). Und dann kommt DIE Szene. Der Hund der beiden Mädchen (nennen wir ihn Jack) wird beobachtet. Er verhält sich dem lebenden Zwilling gegenüber genau so, wie er sich zuvor der toten Schwester gegenüber verhalten hat!

SPOILER ENDE



Ich schlage das Buch zu! Danke! Hälst du "Autor" mich eigentlich für vollkommen verblödet?
Damit weiß ich die Lösung nach knappen 20 Seiten und wenn du mir am Ende dann doch verkaufen willst, dass sich  Jack irrt, dann nehme ich dir das niemals ab.

*Heul!
Was ist nur los mit mir?










« Letzte Änderung: 04 Februar 2016, 10:29:27 von Tika »
  • Ich schreibe gerade: Nix - weil ich mich noch nicht entscheiden kann...
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Wenn ich mich kurz fassen könnte, würde ich keine Romane schreiben.

Quisille

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #1 am: 04 Februar 2016, 09:50:56 »
Geht es nur mir so, oder auch anderen?

Nö, bist nicht allein, geht mir ganz genauso. Willkommen in der bunten Welt der Genreliteratur. Vermutlich sind deshalb fickende Untote mit spitzen Zähnen so in Mode: Da ist nun wirklich alles zusammengemanscht, was sich irgendwie verkauft. Wenn Du Abwechslung brauchst, lies die Anleitung zur Einkommensteuererklärung. Die ist jedes Jahr komplett anders.

Offline sternsucher

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #2 am: 04 Februar 2016, 11:27:18 »
Geht mir ebenso.  :kraul:
"Einfache" Leser lesen eben anders als Autoren. Zudem wird anscheinend auch viel Müll auf den Markt geworfen.
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Offline Shanaja

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #3 am: 04 Februar 2016, 13:05:43 »
Es geht mir ähnlich, auch wenn ich weit davon entfernt bin, selbst etwas zu veröffentlichen. Ich bin wählerischer geworden, ich habe schon alles irgendwo gelesen.
Dabei trifft das meiner Meinung nach nicht nur auf Bücher zu. Jedes Sujet wurde auch schon irgendwie irgendwo gemalt oder auf Leinwand gekleckst. Jeder Song besteht aus Noten, die schon in Millionen anderer Songs zu finden sind. Und wir müssen nicht beim Künstlerischen bleiben, auch das Banale ist eben ... banal. Die Möglichkeiten, womit man sein morgendliches Brötchen belegen bzw. bestreichen kann, sind ebenfalls begrenzt. Alles schon mal gehabt.
Vielleicht sollte es bei der Buchwahl nicht unbedingt darum gehen, WAS erzählt wird, sondern WIE es erzählt wird.
(oder eben wahlweise wie es gemalt, vertont oder geschmiert wird)

Offline SirJasonCrage

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #4 am: 04 Februar 2016, 13:20:54 »
Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber das Zitat lief ungefähr so:

"Die Anzahl der Geschichten, die Menschen erzählen können, ist leider nicht unendlich."


Deswegen lieben wir GRRM so. Weil er unvorhersehbar ist. Im Kern folgt auch er den Standard-Storylines, aber er begräbt sie so unter fluff, dass wir es kaum merken.

Ab hier wirds ein Bisschen Spoilery:

Ich habe "Schwert der Wahrheit" gelesen, oder zumindest das erste Buch der Reihe. Die Abweichungen von der Heldenreise waren nur schwer zu entdecken. Der "Twist" gegen Ende, war mir seit dem ersten Zehntel des Buches klar und vom "Endkampf" möchte ich gar nicht erst reden.

Während ich Machtwechsel und Umstürze in Verbindung mit Verfassungswechsel liebe, unterscheiden sich Adolf, Palpatine und Cäsar, sowie Reinhardt von Lohengramm untereinander auch kaum.

Plot ist mittlerweile entweder abstrus, langweilig oder vorhersehbar, der Grat dazwischen schmal und schwer zu finden. Suzanne Collins konnte sich lang halten, bevor sie abgeschmiert ist.

Tatsächlich bin ich, was meinen Konsum angeht, von Büchern zum eher visuellen abgewandert. Was stört mich die seichte Story bei Pacific Rim, wenn mich der Soundtrack vom Hocker reißt und die Action stimmt?
Shoot 'em up könnte ich noch zig mal sehen und es wird nicht langweilig.

Dagegen finde ich Tatort nur noch erträglich, wenn Börne und Thiel rumblödeln und der Fall in den Hintergrund gerät. Sogar Til Schweiger ist mir lieber als Klara Blum, die am Tatort eine Spur nach der anderen findet, im Laufe der Story herausfindet dass jeder einzelne Verdächtige irgendwann in der Tatnacht am Tatort war, vier Motive im Familienkreis ausbuddelt und am Ende feststellt, dass es doch nur ein tragischer Unfall war.

Es ist aber auch ein Kreuz mit dem Krimi. Wenn ich den Mörder zu früh errate, ist der Rest langweilig, aber wenn er sich nach der Auflösung als unerratbar herausstellt, werfe ich das Buch gegen die Wand. Wieder eine Gratwanderung.


Es geht also nicht nur dir so.

Jedes Werk ist eine Gratwanderung zwischen Originell und Sinnvoll. Je mehr wir lesen und je mehr geschrieben wird, desto knapper wirds auf der Originell-Seite. Die Sinnvoll-Grenze ist relativ konstant: Sehr originell wäre es, wenn Bilbo von Gollum gefressen wird und die Zwerge ohne ihn ins Verderben laufen. Sinnvoll leider nicht.
Damals war glücklicherweise auch die niedergeschriebene Version noch originell. Früher war alles besser :D

Meine zwei Cent also:
Wir werden älter und das Kollektiv durch die immer fortwährende Entstehung neuer Geschichten auch. Ich wäre sehr überrascht, wenn es jemandem dabei nicht so ginge, wie dir und mir.
Wir suchen nach Röstgabeln im Heugabelhaufen und während wir zwischendurch eine Röstgabel aus dem Haufen holen, kommen immer mehr Heugabelladungen und immer weniger Röstgabeln dazu.
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Offline eska

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #5 am: 04 Februar 2016, 16:52:12 »
Uff.
Ein ganz schöner Rundumschlag, Tika.
Aber manchmal geht's mir ähnlich (ich hab nur nie viel Zeit in der Bibliothek).
Und ich lese meistens Bücher, die mir jemand empfohlen hat, von dessen Urteil ich etwas halte.

Genreliteratur und vorhersehbare Geschichten - wie soll es anders sein, wenn Verlage auf der sicheren Seite stehen und nur verlegen wollen, was sich sicher verkauft? Keine Experimente - also keine neuen Wege. Abgesehen von der Frage, ob es neue Geschichten überhaupt gibt oder nur die alten in neuem Gewand. Und davon pro Jahr 90.000 neue Bücher?
Aber ich hätte gar nichts gegen Shakespeare in Neuauflage, wenn sie gut ist.
Was ist denn gut, wenn eben nicht dem gängigen Muster entsprechend?

Wenn ich darüber nachdenke, welche Bücher mir ziemlich spontan einfallen, weil sie etwas in mir angerührt haben, irgendwie etwas Besonderes waren, sind durchaus auch neuere dabei. Was nicht heißt, dass alle jedem Kriterium von gut entsprechen.
Konkret: Ich habe mehrmals verblüfft und erfreut gelacht, als ich 'Die Analphabetin, die rechnen konnte' gelesen habe.
So absurd ist meine Welt glücklicherweise noch nicht.
Ich mochte 'Unterwegs nach Cold Mountain', um des Überlebenskampfes der zurückgebliebenen Frau wegen, aber der Rest war auch gut (bis aufs Ende vielleicht).
'Kleine Vogelkunde Ostafrikas' von Nicholas Grayson ist ein liebenswerter Liebesroman zwischen älteren Menschen, bei dem es sehr wenig um die Liebe geht.
'King Hereafter' von Dorothy Dunnett ist der beste historische Roman, den ich je gelesen habe (und ich verstehe nicht, wieso der nicht übersetzt wurde, aber naja. Original ist schöner. Wikinger übrigens!) Ihre drei Serien sind auch ziemlich gut.  :cheerful:
Vieles von Ann Fine (Mrs.Doubtfire-Autorin).
Das meiste von Marie-Aude Murail. (für Jugendliche, trotzdem, z.B. 'Drei für immer')
Krimis sind nicht so meins, aber z.B. die von Anne Holt (Norwegen). Oder die (früheren) von Fred Vargas.
Sci-Fi: Alt, aber geliebt: Cherryh 'Kauffahrers Glück' (wieder geht es eher um menschliche Beziehungen).
Fantasy: In letzter Zeit vielleicht 'Die Chroniken vom Anbeginn', John Stephens (für Kinder oder Jugendliche).

Bevor ich mich hier verliere und verzettel (es gibt ja noch die Rubrik Leseempfehlungen) - ich lese zwischen den Sparten und suche Geschichten um liebenswerte oder skurrile oder irgendwie interessante Charaktere. Kann auch real life sein (die Frau, die im papuanischen Urwald aufwuchs, die Frau, die beschreibt, wie es sich mit Schizophrenie lebt, der Mann, dessen kleiner Sohn spurlos entführt wird und wie er weiterlebt (äh, das war wieder ein Roman), die Halbjüdin, die erzählt, wie sie in Berlin den Krieg überlebt hat...).
Um einen solchen Charakter erschaffen zu können, muss man aber, tja, was?, eine besondere Sicht auf die Menschen haben? Besondere Menschen kennen?
Die Story ist dann eher nebensächlich. (Behaupte ich jetzt mal, keine Zeit zum Überprüfen.) Und ich will gar nicht immer Dramatik. Der Blick in die Banalität und der Kampf mit alltäglichen Schwierigkeiten kann es auch sein.
Bücher, die mich schnell langweilen, lege ich eben weg. Bei Filmen merke ich viel schneller, wie mich die Fehler nerven, rausholen, lange ärgern. Ich guck auch kaum noch was.


Zitat
Wenn Du Abwechslung brauchst, lies die Anleitung zur Einkommensteuererklärung. Die ist jedes Jahr komplett anders.
:cscreen: Wundervoll - man entschuldige das bewertende Adjektiv. Mir war grad so.
Quisilles Tipp habe ich noch nicht probiert, aber der fällt unter skurril, passt also. (A propos, ich hab da eine Liebesgeschichte gelesen von einem sehr gewissenhaften Steuerbeamten, die fängt sehr nett an - dann wird's naja. 'Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung')

Vielleicht findest du erstens unter den Beispielen etwas und zweitens ein Suchkriterium?
Ich wünsche dir bald mal wieder eine gute Lektüre,

eska

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Offline Rilyn

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #6 am: 04 Februar 2016, 18:17:21 »
Meh, das geht mir ganz genau so. Auch mit Spielen, Filmen, eigentlich allem, was mit Geschichten zu tun hat.
Außerdem kommen Firmenchefs in der Gamesbranche immer wieder auf den Trichter, dass man alles, ALLES gespielt haben muss, und zwar JETZT, aber sie bezahlen nicht ausreichend und geben auch viel zu wenig Urlaub. Auch ein ganzes Jahr Urlaub wäre nebenbei bemerkt zu wenig. Selbst spielen die werten Herren so gut wie nichts, glauben aber, dass man daraus lernen könnte; obwohl Spieleschmiedengenau wie Bestsellerautoren zum größten Teil denselben Mist immer wieder und wieder raushauen (selbst gute Spiele haben immer wieder dieselben peinlichen Macken; kein Wunder, denn bis auf die eigenständigen Firmengründer werden die - gutbezahlten - alten Hasen mit 15+ Jahren Erfahrung gnadenlos aus der Branche gekickt, damit ja niemand von ihnen lernen kann; und nein, es genügt nicht, die Bücher von und über die Koryphäen zu lesen, nicht einmal Stephen Kings Bücher über das Schreiben ... wenn man nicht SCHREIBT).
Die wahren Perlen in egal welchem Medium zeichnen sich erst nach einiger Zeit ab. Aber deshalb muss man den Rest nicht ertragen.

Bücher lese ich fast nur noch auf Empfehlung. Zum Glück gibt's eine Menge.
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Offline felis

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #7 am: 05 Februar 2016, 14:26:08 »
@Tika, du hast recht. 99,9% aller Neuerscheinungen sind abgedroschener Schrott, der sich an einen vermuteten Massengeschmack richtet.
Die Juwelen aus den einzelnen Gernres muss man mit der Lupe suchen. Oder man liest halt Klassiker. Was sich Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hält ist qualitätativ eben hochweertiger als der Massenramsch. Schade dass die wenigen Juwelen in der Masse der Neuerscheinungen immmer untergehen (und vermutlich nie den Weg auf die Bestsellerlisten schaffen).

Mit schwirrt schon seit längerem sowas im Kopf rum, dass es eigentlich dringend eine Plattform mit Empfehlungen für anspruchsvolle Leser (wie es wir Schreiberlinge numal zwangsläufig sind, weil wir schon zu viel vom Handwerk verstehen) geben sollte.
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Offline SirJasonCrage

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #8 am: 05 Februar 2016, 14:48:11 »
Zitat
Mit schwirrt schon seit längerem sowas im Kopf rum, dass es eigentlich dringend eine Plattform mit Empfehlungen für anspruchsvolle Leser (wie es wir Schreiberlinge numal zwangsläufig sind, weil wir schon zu viel vom Handwerk verstehen) geben sollte.


Das funktioniert genauso wenig wie Kommunismus. Sollte da z.B. die unendliche Geschichte drin stehen?
Klar, das Buch ist grandios, aber anspruchsvoll? Als Kind habe ich es geliebt.
Was ist mit dem Anhalter und Pratchett? Beides ist pure Geschmacksache.

Es kann keinen literarischen Kanon geben.

Eine Empfehl-Plattform bräuchte gleich noch ein soziales Gefüge, bei dem erkennbar ist, von wem die Empfehlung stammt und was er sonst so empfiehlt. Oder mann kann Empfehler bewerten, aber dann sind wieder die Bestseller ganz oben und sonst gar nichts, weil Masse gegen Klasse gewinnt.

Auf Ideal-Ideen wie dieser lassen sich immer schöne Geschichten aufbauen, die aber grundsätzlich mit dem großen Scheitern enden :(
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Offline felis

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #9 am: 05 Februar 2016, 17:01:46 »
Jepp das ist des Kernprblen Jason, die berühmt-berüchtigte schwarmintelligenz nutzt hier gar nix.
Aber ectl. Empfehlungen von Schreibern für Schreiber?
Wenn wir sowas Federfeuerbasiert machen würden wärs vielelicht ein Ansatz?
Wahrscheolich braucht aber  man eine kleine Handverlesene Gruppe und muss das so organisieren, wie Verlage früher bestendalls mal waren.
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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #10 am: 05 Februar 2016, 19:11:26 »
Das passiert doch schon überall, hier über den Bücherthread auch. Man hofft, dass jemand, dessen Geschmack man kennt und schätzt, eine Entdeckung macht.
Ich lese auch schon länger eher zur Recherche, Fachbücher und eben Beta, wo der Arbeitsaspekt im Vordergrund steht und die Freude daran, jemanden bei seinem Traum zu unterstützen.

Offline eska

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #11 am: 06 Februar 2016, 09:26:13 »
Moin.

Einzelne Bücher kann man empfehlen, siehe Büchertthread.
Themenbasiert geht das auch noch, aber schon genrebasiert sprengt m.E. den Rahmen, übergreifend sowieso.

Als Beispiel: In der Kinder-und Jugendliteratur habe ich jahrelang den Versandkatalog einer Buchhandlung benutzt (also deren Vorauswahl mit knappen Inhaltsangaben und manchmal einer besonderen Bewertung), um über den Markt informiert zu bleiben und davon einzelnes zu kaufen oder auszuleihen (zum Weiterlesen und Verschenken). Damit hatte ich aber Kleinverlage und so eben nicht oder kaum, und es waren immer viele Seiten. Also viel Arbeit - aber die verdienen so ihr Geld.

eska (gerne bereit, über Bücher zu plaudern)
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Offline Tika

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Re: Als AutorIn soll man lesen, lesen, lesen... ABER-
« Antwort #12 am: 18 Februar 2016, 20:31:14 »
... ich bin jedenfalls froh, dass es mir nicht nur alleine so geht. Ja, ich weiß, ich habe zu einem wahnsinns Rundumschlag ausgeholt - absichtlich.

Es ist wohl einfach so, dass man das Rad nicht neu erfinden kann. Was mich nur maßlos ärgert, sind dann solch an den Haaren herbeigezogene Dinge, wie ein BMW X5 (Offroader), der sich auf flachem Feld 5x überschlägt und dann gleich in Flammen aufgeht, weil der Plot es verlangt. Sorry, aber sowas glaube ich dem Autor nicht.

Oder diese ständigen Wiederholungen auf gerade mal zwei Buchseiten - der Autor erklärt einem, dass der Flur nur schwach von zwei Fackeln beleuchtet wurde, wenig später wandert der Prota durch den Flur, der ja (wie bereits gesagt) nur schwach von zwei Fackeln beleuchtet wurde und zwei Absätze später will der Prota sich irgendwas genauer ansehen, aber er kann ja nicht jedes Detail genau erkennen, weil... AHHHH - ja, ich weiß ich habs schon beim ersten Mal begriffen.

DAS Nervt mich.

Vor lauter Verzweiflung habe ich jetzt für unsere Bücherei ein Buch geordert. Wenn ich DAS nicht mehr lesen kann, dann stimmt mit mir wirklich was nicht... aber ich bin guter Hoffnung. Der Altmeister hat mich noch nie enttäuscht, trotz seiner altbekannten Neigung zu diversen Längen.

Finderlohn von Stephen King. Ich bin mal gespannt.
  • Ich schreibe gerade: Nix - weil ich mich noch nicht entscheiden kann...
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Wenn ich mich kurz fassen könnte, würde ich keine Romane schreiben.