Autor Thema: Karos und der Käse  (Gelesen 2923 mal)

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Offline SirJasonCrage

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Karos und der Käse
« am: 02 Februar 2016, 17:05:32 »
Als Einstieg etwas kurzes.
Es handelt sich im den Beginn eines Kapitels, das einen neuen Handelsstrang und damit viele neue Charaktere vorstellt. Mehr Vorwissen, als dass es kein Vorwissen gibt, braucht ihr auch nicht.


Karos hatte noch immer den widerlichen Gestank von geschmolzenem Käse in der Nase. Wenn
seine Mutter Grund zur Freude hatte, ließ sie sich eine Schale mit der zähflüssigen Masse bringen,
tunkte abgerissene Stücke des Brotes hinein, das sie eigens dafür backen ließ und führte diese dann
tropfend zu ihrem Mund um sie genüsslich zu verzehren. Das hob ihre Stimmung noch weiter und
machte sie mit ihrem strahlenden Gesicht, das von goldenen, schulterlangen Locken umrahmt wurde
zu einem starken Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung im Rest des Saals. Dennoch erlaubte
seine Nase es Karos nicht, sich in ihrer Nähe aufzuhalten.
Tatsächlich fragte er sich, ob er sich nicht lieber noch weiter weg vom Tisch seines Lord Vaters am
südlichen Ende der Halle hätte setzen sollen, aber einerseits bildete er sich wahrscheinlich nur
noch ein, die zähflüssige goldgelbe Masse bis hier her zu riechen und andererseits saßen einige seiner
Freunde hier am Tisch der jungen Ritter.
Gerade tippte ihm Bastian Rohrholdt auf die Schulter, der zu seiner rechten saß. Nachdem sich Karos
zu ihm umgedreht hatte und ihm auf die Lippen sehen konnte, fragte der ihn, ob er sehen könnte,
worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten. Karos
ließ daraufhin seinen Blick über die Halle schweifen.
Jeweils vier Tische standen in mehreren Reihen zwischen den beiden länglichen, mit hohen schmalen
Fenstern übersäten Wänden. Da sein Vater all seine Vasallen zum Festmahl eingeladen hatte, war
jeder dieser Tische voll besetzt mit den Lords und Rittern der Schuppenländer, sowie deren Familien. Die
meisten davon hatte Karos, in den zwanzig Jahren seines Lebens, schon des Öfteren unter den
hölzernen Balken dieses Saals gesehen, einige bei ähnlichen Festen, andere wenn sie seinen Vater um
die Erlaubnis zu einer Hochzeit oder einem Duell bitten mussten. Wieder andere kannte er von
Turnieren, wie den blonden Hünen Sandor Löwenhart, der bekanntermaßen weniger an Frauen als an
anderen Hünen interessiert war oder Reginald Hammel, dessen eisernen Schild noch immer die Delle
zierte, die Sandors Hammerschlag darin hinterlassen hatte. Seine Schwestern würde er unter den
Gästen allerdings nicht finden, also drehte Karos seinen Kopf zum südlichen Ende der Halle. Dort saß
an einem langen Tisch seine Familie, dem Rest des Fests zugewandt.



Welches Handicap hat Karos?
(Allgemeine Kritik an meiner fehlenden Sprachgewandtheit ist natürlich auch erwünscht^^)
  • Ich schreibe gerade: Im Schatten des Mondes
Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das tun der Menschen das Gleiche.

Wolfsrufer

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #1 am: 02 Februar 2016, 19:50:13 »
Oh, Grillkäse * draufstürz *
Aber anzumerken ist, dass du eigentlich erst nach 5 gezählten Beiträgen einen Text einstellen darfst. Hier ist aber recht wenig los, also bin zumindest ich mal nicht so ... Höllische Strafen werden aber sicherlich folgen  :party3::grinwech:

Als Einstieg etwas kurzes.
Es handelt sich im den Beginn eines Kapitels, das einen neuen Handelsstrang und damit viele neue Charaktere vorstellt. Mehr Vorwissen, als dass es kein Vorwissen gibt, braucht ihr auch nicht.

Zitat
Karos hatte noch immer den widerlichen Gestank von geschmolzenem Käse in der Nase. Wenn
seine Mutter Grund zur Freude hatte, ließ sie sich eine Schale mit der zähflüssigen Masse bringen,
tunkte abgerissene Stücke des Brotes hinein, das sie eigens dafür backen ließ und führte diese dann
tropfend zu ihrem Mund um sie genüsslich zu verzehren.
Okay Käsefondue für den Bösewicht ... Spätestens seit Nero sind Essensexzesse ja nun das Vorrecht eines widerlichen Charakters. Geschmackssache  :cheese:
Aber die Art wie du es in Szene setzt ist behäbig. Jeder kennt geschmolzenen Käse, da muss die Schale mit zähflüssiger Masse nicht sein und das sie es zum Mund führt, um es ... zu verzehren ... nicht überraschend, und als i-Tüpfelchen das Brot, dass sie eigens dafür Backen ließ ... nun. ... seit Hannibal Lecter sind da ganz andere Maßstäbe an die Essenskultur von Figuren angelegt worden. So hat das eher was komödiantisches, dafür aber wiederum nicht pointiert genug ... kurz gesagt, ne gefällt mir nicht. Kann man schon drüber grinsen, die Königin(?) und ihre Käsemacke ... aber ...

Zitat
Das hob ihre Stimmung noch weiter und
machte sie mit ihrem strahlenden Gesicht, das von goldenen, schulterlangen Locken umrahmt wurde (Komma)
zu einem starken Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung im Rest des Saals.
Das ist eben auch so ein Klassiker. Die Machthaberin, die Freude hat, während das Volk leidet ... Kommt vor, ist für viele Plots zwingend. Aber wie gesagt, der Nerostyle gefällt mir nicht so.
Zitat
Dennoch erlaubte
seine Nase es Karos nicht, sich in ihrer Nähe aufzuhalten.
Dennoch bezieht sich auf den Kontrast zur Niedergeschlagenheit des volkes, ist das gewöhnlicherweise ein Grund, sich in ihrer Nähe aufzuhalten? Ich denke nein. Das Dennoch klebt also zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen und offenbart, dass der Text weiß, dass er da eine Lücke hat, durch die der Leser aus dem Text fallen könnte.
Zitat
Tatsächlich fragte er sich, ob er sich nicht lieber noch weiter weg vom Tisch seines Lord Vaters am
südlichen Ende der Halle hätte setzen sollen,
Puh ja ... das südliche Ende der Halle trägt nichts zum Inhalt bei und auch nichts zu einem im Kopf des Leser zu erschaffenden Bildes, da südlich hier keine Rolle spielt und es hier auch keine Relation gibt, wo sich sein Tisch befindet. Die Info: "weit weg, aber nicht weit genug" trägt schon der andere Teil des Satzes.

Zitat
aber einerseits bildete er sich wahrscheinlich nur
noch ein, die zähflüssige goldgelbe Masse bis hier her zu riechen
Einerseits ein netter Hinweis zu seinem Taubheitsproblem (andere Sinne sind ausgeprägter)
Beziehung zur Mutter (übel)
andererseits ... ja ...
Zitat
und andererseits saßen einige seiner
Freunde hier am Tisch der jungen Ritter.
Klingt das wie der Kindertisch bei einer normalen Familienfeier ...
Ich bin da einfach unschlüssig. Es ist schon ... Humor da drin. Aber wenn das kein Pratchett werden soll (dann muss da aber noch eine Schippe drauf), weiß ich nicht, ob das einer Geschichte guttut ... Bringt der Käse mich rein, oder lässt er mich auf der klebrigen Masse am Text vorbeischlittern ...?
Ich denke, dass die Sprache das dann für mich reißen müsste ... diesen Spagat zu schaffen ...
Zitat
Gerade tippte ihm Bastian Rohrholdt auf die Schulter, der zu seiner rechten (Rechten)saß.

Krude Namensmischung. Karos klingt Fantasylike oder ... griechisch? (Oder Schottisch, je nach Humorgrad  :cheese:) und das klingt nach Nibelungennacherzählungsstile plus unendliche Geschichte ...
Also mal nachforschen, ob mein Gefühl da übertreibt ...
wiki zu Bastian zeigt, dass die meisten Bastians sich im mittelspäten 20.Jahrhundert  rumtreiben, nicht im Spätmittelalter ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Bastian
Der eine Ausreißer
Bastian Gugel († 1514), deutscher Steinmetz und Anführer eines Bauernaufstands
reißt es nicht raus.
Namen gestalten ist eine Kunst für sich. Die Namensgebung ist tiefgreifend in die Kultur eines Volkes eingebettet und sollte das auch in einer sich realistisch anfühlenden Fantasywelt sein.
Für mich handelt es sich bei einer Fantasywelt, sofern nicht mit der realen verknüpft um "Ausland". Dass ich deutsch schreibe, bedeutet nicht, dass dort deutsch gesprochen wird. Weshalb deutsche Namen unwahrscheinlich sind. Es sei denn ich lehne mich in einem Parallel oder Alternativweltszenario direkt daran an.
Also warum heißt Karos, Karos und Bastian, Bastian? Wenn die Innerweltliche Erklärung nicht wirklich gut ist, schiebt sich der Text für mich einfach weiter Richtung Humor, oder eben noch nicht ganz durchdacht.

Wäre es ein Buch in einer Buchhandlung, würde ich nochmal auf den Umschlag schauen. In welchem Genre bin ich denn nun gelandet?

Zitat
Nachdem sich Karos
zu ihm umgedreht hatte und ihm auf die Lippen sehen konnte, fragte der ihn, ob er sehen könnte,
worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten. Karos
ließ daraufhin seinen Blick über die Halle schweifen.
Über die Halle wohl nicht, eher durch die Halle oder über die Menschen ...
Wieder kommen mehrere Bedürfnisse bei dir in Konflikt.
1. Handlung (Bisher keine)
2. Charakterisierung. Karos ist taub, kommt aber gut damit zurecht und ist anerkannt damit
3. Zeigen, dass du viiiiel Personal hast (Da höre ich Eis und Feuer Knistern, ist einfach heutzutage so  ::) Dabei habe ich selbst eine Menge Personal  :cheese:)
4. Bedürfnis Szenerie zu zeigen und das bricht dir den Text etwas auseinander. Er hat einen konkreten Auftrag/Vorsatz: Die vier Leute finden und was macht der Autor. Tische zählen

Zitat
Jeweils vier Tische standen in mehreren Reihen zwischen den beiden länglichen, mit hohen schmalen
Fenstern übersäten Wänden.
A Das sollte ihn, schon gar da dort zuhause, gar nicht interessieren.
B Sollte Bastian doch mit einem Blick die Position der zu "belauschenden" Personen angedeutet haben. Machen Menschen so.
 
Zitat
Da sein Vater all seine Vasallen zum Festmahl eingeladen hatte, war
jeder dieser Tische voll besetzt mit den Lords und Rittern der Schuppenländer, sowie deren Familien. Die
meisten davon hatte Karos, in den zwanzig Jahren seines Lebens, schon des Öfteren unter den
hölzernen Balken dieses Saals gesehen, einige bei ähnlichen Festen, andere wenn sie seinen Vater um
die Erlaubnis zu einer Hochzeit oder einem Duell bitten mussten.
Wieder wird die vermeintliche Handlung (Leute belauschen) entlarvt als Vorwand. Und ein Erzähler schubst mich immer weiter weg von Karos Perspektive, da er mich mit Sachen füttert, die Karos hier nicht beachten oder denken würde. Ich werde mit Infos gefüttert, die ich im Grunde schon hatte in dem Moment als die Worte Lord und Ritter und Halle fielen.
Wieder Namen ... Schuppenländer ... Haarprobleme oder Drachen?
Und Titelverwirrung ... Sein Lordvater wird von anderen Lords um Erlaubnis gefragt, für Hochzeiten oder Duelle ...
Lord ist zwar im englischen so eine Universalansprache ... aber hmm. Muss man sehen, ob da wirklich eine Anlehnung stattfindet (und ein Duke noch auftaucht) oder es nur übliche Fantasy ist ...
-
Zitat
Wieder andere kannte er von
Turnieren, wie den blonden Hünen Sandor Löwenhart, der bekanntermaßen weniger an Frauen als an
anderen Hünen interessiert war oder Reginald Hammel, dessen eisernen Schild noch immer die Delle
zierte, die Sandors Hammerschlag darin hinterlassen hatte.
Reginald Hammel ... endgültig Humorschiene ...

Zitat
Seine Schwestern würde er unter den
Gästen allerdings nicht finden, also drehte Karos seinen Kopf zum südlichen Ende der Halle. Dort saß
an einem langen Tisch seine Familie, dem Rest des Fests zugewandt.
Und der endgültige Beweis, das selbst die Figur Karos weiß, dass sie vom autor und allwissenden Erzähler nur dazu gezwungen wurde durch den Saal zu kucken, damit der Leser informiert werden kann. Denn wieso sollte er sonst dahin schauen, obwohl er weiß, dass seine Schwestern dort nicht sitzen?
Kööönnte ein witziges Element sein, aber irgendwie habe ich den leisen Verdacht, dass du das so nicht beabsichtigt hast, da deine Frage sich leider gar nicht mit dem Humoraspekt beschäftigt.
Also die Taubheit darzustellen ist nicht das Problem des Textes, sondern das dein Humor da noch ziemlich destruktiv durch den Text springt und keine Stimmung zulässt, die zumindest mich einfach in den Text zieht, in die Halle setzt und mich gespannt der Dinge harren lässt, die da kommen sollen.
Also ergeben sich für mich die Fragen
Welches Genre schreibst du? Daraus folgend, wie real soll ich die Welt nehmen?
Welche Perspektive willst du einnehmen und zu welchem Zweck hast du sie gewählt?

Anhand der Entscheidungen sind dann Feinjustierungen in die ein oder andere Richtung nötig, meiner Ansicht nach ...
Nun musst du entscheiden, ob das alles Käse ist, was ich schreibe * blonde Locken zurückwerf *
 :devgrin

Und Liebe Grüße :b2:
Wolfsrufer

Offline SirJasonCrage

  • Röstknecht
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Re: Karos und der Käse
« Antwort #2 am: 03 Februar 2016, 12:37:57 »
Boah. Gestern schon auf dem Handy gelesen, heute extra früh in die Arbeit, daheim is immernoch kein Internet, sonst wär die Antwort schon viel früher gekommen.
Egal, so hatte ich eine Nacht Zeit, drüber zu schlafen und mich elend zu fühlen. Hier wird ja echt nicht lang gefackelt, dafür umso brutzliger...


Zitat
Aber anzumerken ist, dass du eigentlich erst nach 5 gezählten Beiträgen einen Text einstellen darfst. Hier ist aber recht wenig los, also bin zumindest ich mal nicht so ... Höllische Strafen werden aber sicherlich folgen

Wer vorschnell mit der Gabel droht... hat hinterher hoffentlich nachgezählt  :aetsch:



Zitat
Okay Käsefondue für den Bösewicht ... Spätestens seit Nero sind Essensexzesse ja nun das Vorrecht eines widerlichen Charakters. Geschmackssache

Die Inspiration war eher Ofenkäse als Fondue, aber das darf sich jeder Leser natürlich selbst vorstellen.
Ich störe mich allerdings ein Bisschen an "Bösewicht", aber dazu später mehr.


Zitat
Aber die Art wie du es in Szene setzt ist behäbig. Jeder kennt geschmolzenen Käse, da muss die Schale mit zähflüssiger Masse nicht sein und das sie es zum Mund führt, um es ... zu verzehren ... nicht überraschend, und als i-Tüpfelchen das Brot, dass sie eigens dafür Backen ließ ... nun. ... seit Hannibal Lecter sind da ganz andere Maßstäbe an die Essenskultur von Figuren angelegt worden. So hat das eher was komödiantisches, dafür aber wiederum nicht pointiert genug ... kurz gesagt, ne gefällt mir nicht. Kann man schon drüber grinsen, die Königin(?) und ihre Käsemacke ... aber ...

Mal vorweg: Im ganzen Rösti war nichts komödiantisch gedacht. Von daher ist deine Kritik dann doch eher niederschmetternd  ;D
Ich fange mit dem Käse an, weil ich mit etwas bildlichem anfangen wollte, ein Eindruck, ein kleiner Kern an dem man seine Fantasie aufhängen kann, um dann darum herum aufzubauen. Dazu kommt, dass eigens in Auftrag gegebenes Brot und Schmelzkäse doch irgendwo ein Zeichen von Wohlstand sind, der gleich zeigt, in welcher sozialen Schicht wir uns bewegen. So viel zum Plan :-/


Zitat
Das ist eben auch so ein Klassiker. Die Machthaberin, die Freude hat, während das Volk leidet ... Kommt vor, ist für viele Plots zwingend. Aber wie gesagt, der Nerostyle gefällt mir nicht so.

Sie ist nicht die Machthaberin, kein Bösewicht und das Volk leidet nicht.
Im Lauf des Kapitels kommt raus, dass wir uns auf dem Todesschmaus ihrer (geisteskranken) Schwiegermutter befinden, die ihr schon lange ein Dorn im Auge war. Die Stimmung im Saal ist dem Anlass entsprechend gedrückt. Viele empfinden es aber als Erleichterung (Karos z.B. hat gemischte Gefühle) und die Mutter macht daraus eben keinen Hehl.


Zitat
Dennoch bezieht sich auf den Kontrast zur Niedergeschlagenheit des volkes, ist das gewöhnlicherweise ein Grund, sich in ihrer Nähe aufzuhalten? Ich denke nein. Das Dennoch klebt also zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen und offenbart, dass der Text weiß, dass er da eine Lücke hat, durch die der Leser aus dem Text fallen könnte.

Hier fühle ich mich zu einer Änderung veranlasst. "Obwohl ihre gute Laune geradezu ansteckend war..." sollte hier rüber kommen. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das Blödsinn...


Zitat
Puh ja ... das südliche Ende der Halle trägt nichts zum Inhalt bei und auch nichts zu einem im Kopf des Leser zu erschaffenden Bildes, da südlich hier keine Rolle spielt und es hier auch keine Relation gibt, wo sich sein Tisch befindet. Die Info: "weit weg, aber nicht weit genug" trägt schon der andere Teil des Satzes.

Mit solchen Informationen weiß ich nie so recht, wo ich sie anbringen soll. Ich wünsche mir ja, dass ein Leser aus dem Text heraus eine Karte erstellen kann, deswegen kommen immer mal wieder ausschweifende Beschreibungen oder wild gestreute Himmelsrichtungen an Stellen, an denen sie den Lesefluss stören. Bin mir dieser großen Schwäche bewusst, werde ihr aber nur sehr langsam Herr.


Der Spagat vom Käse der Mutter zum Tisch der jungen Ritter ist tatsächlich rutschig... Tatsächlich ist Karos noch nicht so lange taub, dass er besser ausgeprägte Sinne haben könnte, er bildet sich das wirklich nur ein. Den Absatz sollte ich evtl ersatzlos streichen... Damit werde ich den südlichen Tisch und den Spagat los. Und verliere eigentlich nichts wichtiges.


Brr, über die Namen denke ich jetzt nicht immer sooo viel nach. Ich mische zumindest bei den Menschen Fantasienamen mit Normalnamen. Karos ist jedoch tatsächlich mit Bedeutung verbunden, weil die Person, nach der er benannt ist, aus einer Familie stammt, die ausschließlich Fantasienamen mit Endung -os oder -as trägt.
Generell habe ich mir bis jetzt keine Gedanken darüber gemacht, wann welche Namen im realen Mittelalter aufgekommen sind... Bin auch noch nicht davon überzeugt, dass das nötig ist :-/
Für meine Namensgebung habe ich grobe Regeln, aber ganz ausgefleischt ist es noch nicht.

Sprache ist definitiv nicht deutsch, ich versuche nach dem Konzept zu arbeiten, dass alles was der Charakter versteht in der Sprache des Lesers niedergeschrieben ist. Alles andere wird nicht als "der fremde Schamane murmelte unverständliches Zeug vor sich hin" umschrieben, sondern in der jeweiligen Sprache ausformuliert.


Zitat
Über die Halle wohl nicht, eher durch die Halle oder über die Menschen ...
Wieder kommen mehrere Bedürfnisse bei dir in Konflikt.

Da kommt wieder das Problem auf, das ich vorhin schon kurz erwähnte: Ich weiß nie so recht, wie ich meine Beschreibungen anbringen soll... Mir wurde oft gesagt, dass ich zu sehr die Story voranpresche und sich keiner meine Räume/Hintergründe vorstellen kann. Mittlerweile bringe ganz viel davon, füge es aber (wie mir öfter gesagt wird...) mit der Anmut und Grazie einer Shotgun in den Text ein -.-'

Zitat
A Das sollte ihn, schon gar da dort zuhause, gar nicht interessieren.
B Sollte Bastian doch mit einem Blick die Position der zu "belauschenden" Personen angedeutet haben. Machen Menschen so.

A: Grr. Du bist der erste Mensch, der es zu schätzen weiß, wenn der Charakter Dinge ignoriert, die für ihn alltäglich sind und dann poste ich eine Stelle, in der ich das nicht so gemacht habe -.-
B: Mist. Müsste ich ändern, reißt mir aber den Abschnitt in Stücke -.- Ich schlaf mal drüber.


Zitat
Wieder wird die vermeintliche Handlung (Leute belauschen) entlarvt als Vorwand. Und ein Erzähler schubst mich immer weiter weg von Karos Perspektive, da er mich mit Sachen füttert, die Karos hier nicht beachten oder denken würde. Ich werde mit Infos gefüttert, die ich im Grunde schon hatte in dem Moment als die Worte Lord und Ritter und Halle fielen.
Wieder Namen ... Schuppenländer ... Haarprobleme oder Drachen?
Und Titelverwirrung ... Sein Lordvater wird von anderen Lords um Erlaubnis gefragt, für Hochzeiten oder Duelle ...
Lord ist zwar im englischen so eine Universalansprache ... aber hmm. Muss man sehen, ob da wirklich eine Anlehnung stattfindet (und ein Duke noch auftaucht) oder es nur übliche Fantasy ist ...

Meine Beschreibungen sind wieder fehl am Platz...  :(
Schuppen bezieht sich hier tatsächlich auf Fische, das Land ist von Flüssen durchzogen und Nachrichten werden hier per Fischpost überbracht. Dazu kommt, dass in dieser Burg immer der Kronprinz mit seinem Drachen lebte, bis diese Regelung abgeschafft wurde.
Hier noch zu den Namen: Die fünf Länder des Großreichs Galiria heißen Steinländer, Sandländer, Südländer, Scherbenländer und Sturmländer. die Sturmländer wurden in der Geschichte politisch gestalten in den Stadtstaat Antury und die Schuppenländer. Hier mit Absicht keine Fantasienamen, weil das Volk die Länder in seiner Sprache so benannt hat. (Während das Großreich selbst nach der Hauptstadt benannt ist, die ihren Namen von den Göttern hat)
Titel: Alle Adelsfamilien tragen den titel Lord, aber die sechs direkten Vasallen des Königs haben eigene Titel: Herzog von Antury, Fürst der Schuppenländer, Baron der Südländer, Emir (bin ich noch unzufrieden) der Sandländer und Marschall der Steinländer. Die Scherbenländer haben derzeit keinen großen Lord, den hatte ich bis jetzt als Graf der Schuppenländer notiert. Bin ich aber auch noch nciht zufrieden mit.


Zitat
Reginald Hammel ... endgültig Humorschiene ...
Wieso denn nicht? Du raubst mir meinen Bastian aufgrund von Realwelt Mittelalter, ich kontere bei meinem Reginald hiermit:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hammel
*schmoll*
In Antury und den Schuppenländern sind oft Tiere im Wappen, irgendwann gehen mir halt die Wölfe, Löwen und Hirsche aus...



Zitat
Welches Genre schreibst du? Daraus folgend, wie real soll ich die Welt nehmen?

Anfangs war meine Antwort immer High Fantasy, eine "Mischung aus Eragon, Warcraft und LotR". Mittlerweile versuche ich natürlich auch noch, eine Prise George drüber zu streuen, das Knistern hast du richtig gehört.
So real wie eine von Magie durchtränkte Welt eben genommen werden kann. Ich versuche Charaktere mit Schwächen zu erschaffen und sie in diese Welt zu stoßen, in der sehr schnell sehr apokalyptische Kriege losgetreten werden.

Zitat
Welche Perspektive willst du einnehmen und zu welchem Zweck hast du sie gewählt?

In dem Fall habe ich Karos gewählt, weil seine Taubheit ihm ermöglicht, Dinge zu hören, die andere nicht hören. (Oh Wunder.) Das Kapitel soll einerseits eine der wichtigsten Familien/Fraktionen vorstellen, die im kommenden Krieg kämpft, andererseits Karos als Charakter, der auf eine Art "Werft den Ring ins Feuer" - Mission gehen wird und gewissermaßen den Ring hören kann. Ich denke mal, dass ich zumindest bei der Wahl der Perspektive mal keinen großen Fehler begangen habe :O


So. Boah. Und ich dachte, das wäre eins meiner stärkeren Kapitel. Ja gut, für sowas bin ich her gekommen. Fühle mich sehr geröstet und denke nicht mehr, dass es Stellen im Buch gibt, die hier Lob bekämen D:
Vielen Dank. Und immerhin, man merkt, dass er taub ist, auch wenn der Text ansonsten gegen unlesbar tendiert :D
  • Ich schreibe gerade: Im Schatten des Mondes
Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das tun der Menschen das Gleiche.

Quisille

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #3 am: 03 Februar 2016, 12:59:37 »
Moin!

Welches Handicap hat Karos?

Hm. *fiesgrins* Wer ist Karos?

Scherz beiseite, der gute ist offenbar taub. Aber ich musste insgesamt dreimal drüberlesen, bis ich die Stelle wahrgenommen habe, denn offengestanden, mein Handicap ist: Ich bin blind. Soll heißen, was diesen Text angeht. Das beginnt damit, dass ich eine ganze Menge Zeugs über Leute erfahre, die ich nicht kenne, und zu denen ich auch keine Beziehung aufbaue, gar nicht aufbauen kann, weil zu viele neue Eindrücke auf mich einstürmen. Aber das fällt mir erst beim zweiten Durchlesen auf. Beim ersten pralle ich am Text an sich ab. Ein kurzes Protokoll meiner Eindrücke:

Zitat
Karos hatte noch immer den widerlichen Gestank von geschmolzenem Käse in der Nase.

Treffer. Ich lerne was über Karos, und der Satz hat einen inneren Konflikt. Das weckt Interesse, allerdings ist dieser Konflikt von seiner Natur her kurzlebig, eignet sich also nur als Hook. Ich hoffe, da wird einer nach ihm kommen. Mal sehen. Aber zunächst mal animiert die Sache zum Weiterlesen.

Zitat
Wenn seine Mutter Grund zur Freude hatte, ließ sie sich eine Schale mit der zähflüssigen Masse bringen, tunkte abgerissene Stücke des Brotes hinein, das sie eigens dafür backen ließ und führte diese dann tropfend zu ihrem Mund um sie genüsslich zu verzehren.

Nutzlast: Fondue schmeckt Mama. Zugegeben, Fondue wird nicht unbedingt mit Hast assoziiert, aber 42 Wörter für einen Bissen Brot im Käseschmelz ist selbst für Berner Verhältnisse extrem langsam. [/klischee] Das Problem besteht hier unter anderem darin, dass ich über Mama fast nix lerne, dafür aber in epischer Breite einen Vorgang nachlesen muss, den ich bereits gründlich kenne.

Zitat
Das hob ihre Stimmung noch weiter und machte sie mit ihrem strahlenden Gesicht, das von goldenen, schulterlangen Locken umrahmt wurde zu einem starken Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung im Rest des Saals.

Nutzlast: Mama ist blond und hat als einzige gute Laune. Dass sie blond ist, vergesse ich sofort wieder, denn ich kenne sie nicht, und Leute, die ich nicht kenne, bleiben mir nicht im Gedächtnis haften. Das mit der guten Laune bleibt mir etwas länger im Gedächtnis haften, denn es verspricht den szenentragenden Konflikt, auf den ich seit dem Hook schon viel zu lange warte. Mal sehen, was noch kommt. Übrigens droht der Satz unter dem Druck seiner Adjektive zu kollabieren (siehe Unterstreichungen). Vermutlich wird ein schwarzes Loch draus, womit wir im Käsebild bleiben.

Außerdem ist da eine Passivkonstruktion, von der Mamas Beschreibung umrahmt wird. Das handlungstragende Verb ist ein Hilfsverb: "machte". Meh. Da sind so viele Sägespäne drin, dass mir der Appetit an dieser Stelle vergangen ist. Ab da fiel es mir schwer, den Text überhaupt aufzunehmen. Ich blicke auf die Sätze, aber ich sehe nicht, was drinsteht. Dann fange ich an, die Sätze mehrfach zu lesen, aber irgendwie löst nach ein paar Wörtern die Notabschaltung meines Hirns aus. Das liegt nur zum Teil daran, dass tatsächlich nix drinsteht, was mich interessiert, sondern zum anderen Teil auch daran, dass die Sätze keine innere Dramaturgie haben. Der Satzanfang baut keine Spannung auf, und das Satzende überrascht nicht.

Zitat
Dennoch erlaubte seine Nase es Karos nicht, sich in ihrer Nähe aufzuhalten.

Dennoch? Wozu dennoch? Bezog sich das auf Mamas gute Stimmung? Seit wann ist Passivrauchen von guter Laune ein Heilmittel gegen Gestank? "Der Käsemief vertrieb Karos" käme ohne "dennoch" aus. Das explizite Konstatieren von kausalen Zusammenhängen schwächt den Text. Stichwort: Show, don't tell. Kausale Zusammenhänge werden möglichst dargestellt, nicht benannt. Der Leser soll den Zusammenhang feststellen, das hält ihn im Text, statt mit dem Urteil des Autors abgespeist zu werden.

Zitat
Tatsächlich fragte er sich, ob er sich nicht lieber noch weiter weg vom Tisch seines Lord Vaters am südlichen Ende der Halle hätte setzen sollen, aber einerseits bildete er sich wahrscheinlich nur noch ein, die zähflüssige goldgelbe Masse bis hier her zu riechen und andererseits saßen einige seiner Freunde hier am Tisch der jungen Ritter.

Hä? :cheese: Für mich mal mit dem sinnrettenden Komma:

Zitat
Tatsächlich fragte er sich, ob er sich nicht lieber noch weiter weg vom Tisch seines Lord Vaters am südlichen Ende der Halle hätte setzen sollen, aber einerseits bildete er sich wahrscheinlich nur noch ein, die zähflüssige[da gehört eigentlich auch ein Komma rein] goldgelbe Masse bis hier her zu riechen[KOMMA] und andererseits saßen einige seiner Freunde hier am Tisch der jungen Ritter.

Und nun zum Inhalt. Nutzlast: Schnörkel. Karos handelt nicht, er bereitet keine Handlung vor, er liefert nur Gründe für etwas, was er nicht tut, und wägt sie gegen Gründe ab, warum sich nix daran ändern wird. Wenn's wenigstens einigermaßen geradeaus geschrieben wäre, könnte man vielleicht noch ein bisschen Setting mitnehmen, aber so geht alles in müßigem Für und Wider unter.

Zitat
Gerade tippte ihm Bastian Rohrholdt auf die Schulter, der zu seiner rechten saß. Nachdem sich Karos zu ihm umgedreht hatte und ihm auf die Lippen sehen konnte, fragte der ihn, ob er sehen könnte, worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten.

Uff. Es wird Zeit, über narrative Zusammenfassung zu reden. Zunächst mal: Warum schreibst Du hier narrativ, nicht szenisch? Für gewöhnlich nutzt man narrative Zusammenfassung, um längere Zeiträume zu raffen. Manchmal auch, um einem auktorialen Erzähler tiefschürfende oder zumindest unterhaltsame Kommentare abzulocken. Diese Passage leistet weder das eine, noch das andere. Zum Vergleich eine szenische Variante.

Bastian Rohrholdt tippte Karos auf die rechte Schulter.
Karos drehte sich um und sah ihm auf die Lippen.
Bastian wies mit einer Kopfbewegung zu den Kathrogonn Zwillingen hinüber. "Was haben die mit Cora und Micha zu reden?".

= 37 Wörter, im Vergleich zu 46 Wörtern in der narrativ "gerafften" Version.

Und welche tiefschürfenden oder unterhaltsamen Erkenntnisse liefert hier der Erzähler (der sich nicht recht entscheiden kann, ob er personal oder auktorial daherkommern will)? Antwort: Infodump. Es folgt eine ausführliche Liste:

"Bastian Rohrholdt": Stellt die Figur mit vollem Namen vor. Das ist die einzige Funktion dieser Namensnennung, und sie ist unnötig. Zwei Wörter später ist das für mich nur noch "generischer Freund Nummer eins". Außerdem scheinen wir die Szene aus Karos' Perspektive wahrnehmen zu wollen. Dann ist die Nennung des vollen Namens ein Perspektivbruch, denn Karos würde von seinen Freund nicht als "Bastian Rohrholdt" denken, sondern als "Bastian", oder eventuell auch "der Rohrholdt".

"der zu seiner rechten saß": Was soll ich mit der Information? Was würde geschehen, wenn Bastian zu Karos' Linken säße? Übrigens saß er in meiner Vorstellung links von Karos, damit musste ich mein Kopfkino korrigieren, das reißt mich aus dem Lesefluss. Und was hab ich davon? Nix, nur Verdruss.

"Kathrogonn Zwillinge": Naja, geht gerade noch so durch in Karos' Perspektive. Aber was soll ich jetzt mit noch mehr Figuren? Ich hab schon vergessen, wie der "generische Freund Nummer eins" hieß, und jetzt kommen auch noch die Kath... äh... Dingsda-Zwillinge, die mit "Ka-" anfangen, genauso wie der Perspektivträger, und ansonsten fast nur aus Konsonanten bestehen, die ich erst sortieren muss, bevor ich den Namen endlich vergessen darf, der für die Szene absolut irrelevant ist, weil dessen Träger nicht mehr auftreten.

"beiden Halbschwestern Cora und Micha": Ich weiß nicht genau, was das "beiden" da zu suchen hat, denn bis zwei kann ich auch ohne Hilfe zählen. Offenbar sind es seine einzigen Halbschwestern, und das soll betont werden? Du siehst mich ratlos. Und was hat das jetzt mit der Szene zu tun? Übrigens, da fällt mir ein, ich warte noch immer auf den szenentragenden Konflikt. Bisher hab ich nur Figuren übereinander klatschen sehen, und ich kenne noch keine einzige davon näher. Karos Namen musste ich bereits mehrfach nachschlagen, damit ich ihn in der Röstung benennen kann. Daraus schließe ich, wie sehr er mich interessiert.

Noch mal zur narrativen Zusammenfassung: Die Passage rafft nicht, die Erzählweise ist nicht so interessant, dass sie die narrative Passage rechtfertigen könnte, und noch dazu erzählst Du dem Leser ständig, in welche Richtung sich der Zeitstrahl bewegt: "Gerade", "Nachdem", Plusquamperfekt, eieiei. Auch in narrativer Zusammenfassung reicht die Erzählreihenfolge aus, um zu kennzeichnen, was vorher und was nachher geschieht.

Zitat
Karos ließ daraufhin seinen Blick über die Halle schweifen.

Siehe oben. "Daraufhin" konstatiert sowohl Kausalität als auch eine zeitliche Reihenfolge.

Zitat
Jeweils vier Tische standen in mehreren Reihen zwischen den beiden länglichen, mit hohen schmalen Fenstern übersäten Wänden.

Ich habe eben mal ernstlich versucht, mir das vorzustellen. Mir ist schwindelig. Und spätestens bei den mit Fenstern "übersäten" Wänden habe ich lieber aufgegeben. Etwas drollig auch, dass es wichtig ist, dass in jeder Reihe genau vier Tische stehen, aber die Anzahl der Reihen komplett nebensächlich ist, das sind nur "mehrere", also deutlich mehr als eine, was man schon aus dem "jeweils" und dem Plural schließen kann. Und dass die Wände "länglich" sind, finde ich beruhigend. Man macht sich gar keinen Begriff davon, wie störend, sagen wir, kugelförmige Wände auf das Ambiente wirken können. Etwas verstörend ist die Tatsache, dass es nur zwei Wände sind. Entweder ist die Halle an den anderen beiden Enden offen, oder sie ist linsenförmig. Wenn ich es recht bedenke, solltest Du den Satz vielleicht lieber streichen.

Zitat
Da sein Vater all seine Vasallen zum Festmahl eingeladen hatte,

*seufz* Schon wieder Begründungen.

Zitat
war jeder dieser Tische voll besetzt mit den Lords und Rittern der Schuppenländer, sowie deren Familien.

Noch mehr Namen. Und wieder keinerlei Bezug zu irgendeiner Handlung, auf die ich noch immer vergeblich warte. Das "sowie" ist drollig. Warum nicht einfach "und"? Offenbar ist es wichtig, dass wirklich JEDER der Tische voll besetzt ist, ansonsten hätte das unprätenziösere "die Tische waren voll besetzt..." ausgereicht. Die englischen "Lords" wirken neben den deutschen "Rittern" etwas fremd.

Zitat
Die meisten davon hatte Karos, in den zwanzig Jahren seines Lebens, schon des Öfteren unter den hölzernen Balken dieses Saals gesehen, einige bei ähnlichen Festen, andere wenn sie seinen Vater um die Erlaubnis zu einer Hochzeit oder einem Duell bitten mussten.

Man vermeide Kollektiva wie "die meisten". Das ist eine der Stellen, wo mich der Text regelrecht blind macht. "Die meisten" kann ich nicht sehen, nur jeden einzelnen. Der übliche Kniff wäre, sich einen typischen Vertreter der "meisten" rauszusuchen und ihm etwas mehr Platz zu gönnen. Ähnliches gilt für "des öfteren", ähnliches gilt für die "ähnlichen Feste", ähnliches gilt für "andere".

Karos ist also zwanzig. Infodump, und an dieser Stelle störend, wenn man sich ihn bis dato anders vorgestellt hat. Man kommt als Schreiberling immer wieder in Versuchung, derartiges Einflechten von Informationen "nebenbei" für elegant zu halten. Ist es nicht. Es ist ein durchsichtiges Manöver, und es führt nicht dazu, dass die Information hängenbleibt, denn sie steht nicht in einem Kontext, der ihre Wichtigkeit beweist. Die Wichtigkeit in einem dramatischen Werk wird in genau einer Währung gemessen: Konflikt. Information, die nicht im Kontext eines Konflikts etabliert wird, bleibt nicht hängen. Ich weiß, der Satz kann Anlass zu Grundsatzdiskussionen bieten. Daher die Einladung, es einfach auszuprobieren. Im Buchladen die erste Seite eines Romans lesen, kurz rekapitulieren: Was ist hängengeblieben? Dann noch einmal lesen und alles identifizieren, was eben NICHT hängengeblieben ist. Woran lag es? "Langweilig" gilt nicht, es geht um Textanalyse.

Aprops: Noch immer keine Handlung. Keine der Figuren tut irgendwas. "Die meisten" sitzen hier noch nicht mal rum, sondern verwesen in einem Flashback vor sich hin. Hier stinkt's nicht nur nach Käse.

Zitat
Wieder andere kannte er von Turnieren, wie den blonden Hünen Sandor Löwenhart, der bekanntermaßen weniger an Frauen als an anderen Hünen interessiert war oder Reginald Hammel, dessen eisernen Schild noch immer die Delle zierte, die Sandors Hammerschlag darin hinterlassen hatte. Seine Schwestern würde er unter den Gästen allerdings nicht finden, also drehte Karos seinen Kopf zum südlichen Ende der Halle. Dort saß an einem langen Tisch seine Familie, dem Rest des Fests zugewandt.

Schon wieder ein... ja, was? Flashback kann man das schon nicht mehr nennen, dazu dauert es einfach zu lange. Sandor ist schwul, außerdem hat er Reginald mit dem Hammer genagelt, und dann erfahren wir doch allen ernstes, dass Karos Rundumblick auch noch völlig überflüssig war, weil er seine Schwestern gesucht hat, und die sitzen wo ganz wo anders, was er selbst auch weiß. Aua.

Dazwischen Kollektiva ("wieder andere", "Rest seiner Familie"), benennen von kausalen Zusammenhängen ("allerdings", "also"), statische Verben und Hilfsverben ("kannte", "war", "saß"), Plusquamperfekt (klar, ist ja von Rückblenden durchsetzt).

Welches Handicap hat Karos?

Der Kreis schließt sich. Karos Handicap ist, dass er absolut belanglos bleibt, weil er nichts tut. Figuren charakterisiert man vielleicht zu 10% durch Aussehen, der Rest ist Handlung unter Stress. Man könnte sagen, Karos ist "dramatically challenged". Noch nicht mal sein Name bleibt haften. Und in der ganzen Ursuppe von Figuren, die allesamt Karos Handicap teilen, wird das ganze zu einer Art "Where's Waldo" für Leser, ein wortbasiertes Wimmelbild. Und das merkt man verteufelt früh: Schon nach den ersten paar Sätzen ist klar, dass nichts Relevantes mehr kommt. Der Text ist wie einer dieser Partygäste, die mich kaum in die Finger gekriegt haben, als sie mich auch schon in die Ecke drängen und mich mit den Familiengeschichten ihrer verblichenen Großtante volllabern. Und die Bierkiste steht zwei Meter weit weg, und ich komm einfach nicht ran. Gut, dass ich aus beruflichlichen Gründen immer eine Zyankalikapsel dabei habe (ich bin Informatiker).

Ich habe den Text jetzt dreimal gelesen, UND ihn dann noch Satz für Satz analysiert. Und ich hab schon wieder vergessen, wie die "Ka..."-Zwillinge hießen, wie der Name von dem schwulen Hammerschwinger ist, wie der B-irgendwas-Freund des Protagonisten hieß. Und was zum Henker eigentlich los ist, habe ich nie erfahren.

Also, wat nu? Ein kurzes Listchen mit Anregungen:
  • Melee-Exposition funktioniert in den seltensten Fällen. OK, eigentlich gar nicht. Wen ich vor einer Massenszene nicht kenne, kenne ich danach auch nicht, es sei denn, es sind einige wenige Figuren, die sich in der Szene im Konflikt hervorgetan haben.
  • Ohne Konflikt keine Szene. Natürlich gibt es zwischen den Szenen immer mal wieder Leim, der sie zusammenhält, aber der Text hier liegt am Kapitelanfang. Ich möchte auf der Oberfläche eines Möbels nicht riesige Nasen von eingetrocknetem Weißleim sehen müssen.
  • Perspektive überdenken: Wir sind nicht konsequent in Karos' Perspektive, dazu ist zu viel (aus seiner Sicht unmotivierter) Infodump drin, und etliche von Karos' Beobachtungen kommen eher auktorial daher, schon allein deswegen, weil Karos keinen Anlass hat, in seiner Situation darüber nachzudenken.
  • Narrative Zusammenfassung: Wie viel ist gerechtfertigt durch Kürze oder Brillanz? Warum nicht szenisch?
  • Ich weiß: Es macht Spaß, einen Text zu schreiben, in dem ich meine Figuren skizziere. Aber was könnte Spaß daran machen, diesen Text zu lesen?
  • Allgemein: Was dient dem Leser? Was dient meinem Vergnügen als Autor? Wie schaffe ich einen großen Überlapp zwischen beiden Kategorien?
  • Figuren beweisen sich durch Handeln im Konflikt. Was ist der Konflikt? Was lehrt mich der Konflikt über die handelnden Figuren?
  • Szenen sind Einbahnstraßen: Man kann nicht mehr zurück. Was ändert die Szene? Unwiderruflich? Welche Information tritt hinzu? Was zerstören die Figuren durch ihr Handeln? Welche Möglichkeiten verbauen sie sich, wie legen sie sich fest? Was ist aufgrund der Szene für die Zukunft zu befürchten (=Stakes)?

Das war jetzt ein ziemlicher Platzregen. Hat der Text auf positive Eigenschaften?

Ja.

Den ersten Satz zum Beispiel. Die Ideen an sich haben Witz. Das Setting scheint gut ausgearbeitet zu sein. Die Bühne ist bereit, der Vorhang ist offen. Fehlt nur noch das Stück, das gegeben werden soll.

Viele Grüße
Quisille
« Letzte Änderung: 03 Februar 2016, 13:30:08 von Quisille »

Quisille

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #4 am: 03 Februar 2016, 13:09:18 »
Zitat
Aber anzumerken ist, dass du eigentlich erst nach 5 gezählten Beiträgen einen Text einstellen darfst. Hier ist aber recht wenig los, also bin zumindest ich mal nicht so ... Höllische Strafen werden aber sicherlich folgen

Wer vorschnell mit der Gabel droht... hat hinterher hoffentlich nachgezählt  :aetsch:

Fünf gezählte Beiträge. Wirf mal einen Blick auf die Statistik unter Deinem Avatar neben Deinen Beiträgen.

WolfsrufervsJason
763:2

Go Wolfsrufer, go!

;)

Ernst beiseite: Der Sinn dieser Regelung besteht darin, dass man erst einmal was für andere tut, bevor man Texte zum Rösten einstellt. Ich weiß, das wird in anderen Foren anders gehandhabt, da gehört der Ersttext quasi zur Vorstellung dazu. Also nix für ungut. Der Sinn unserer Regelung besteht darin, dass wir schlechte Erfahrungen mit "Eintagsfliegen" gemacht haben, die sich ein paarmal rösten ließen und dann auf nimmerwiedersehen verschwunden sind.

Offline SirJasonCrage

  • Röstknecht
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  • Beiträge: 81
Re: Karos und der Käse
« Antwort #5 am: 03 Februar 2016, 13:59:40 »
Zitat
Fünf gezählte Beiträge

Ups, mit der eigenen Gabel vorschnell ins Knie... Bitte hiermit um Entschuldigung.


Rösten ist langwieriger als mit CopyPaste seinen Text einzustellen. Nicht dass ich ein persönliches Problem damit habe, aber bis das verflixte Internet in der Wohnung wieder geht, sind meine Optionen auf In der Arbeit ins Federfeuer und Am Handy ins Federfeuer beschränkt.

Ich biete meine Seele als Pfand dafür, dass ich mich zumindest in gleichen Teilen an aktivem und passivem rösten beteiligen werde, sobald ich dazu in der Lage bin, ohne in Angst vor dem Chef leben zu müssen. (Manchmal denke ich, der hat auch eine rot glühende große Gabel zuhause D:  )

Zur Kritik: Danke. Werde definitiv noch näher drauf eingehen, aber zumindest heut wird das nix mehr.
Das beschriebene Problem ist fundamentaler Natur und rüttelt dann doch stark an mir...
  • Ich schreibe gerade: Im Schatten des Mondes
Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das tun der Menschen das Gleiche.

Quisille

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #6 am: 03 Februar 2016, 14:17:39 »
Ich biete meine Seele als Pfand dafür, dass ich mich zumindest in gleichen Teilen an aktivem und passivem rösten beteiligen werde, sobald ich dazu in der Lage bin, ohne in Angst vor dem Chef leben zu müssen. (Manchmal denke ich, der hat auch eine rot glühende große Gabel zuhause D:  )

Da weder CheFFin noch Moderatoren mit der Lavawalze über Dich drübergefahren sind, nehme ich an, das ist schon in Ordnung, sonst hätte ich ja auch nicht geröstet. :cheese: Kann natürlich sein, dass die irgendwann doch noch mit der Lavawalze über Dich drüberfahren, nur mal so zwischendurch, ohne äußeren Anlass. Wir benutzen hier einfach die Lavawalze sehr gerne. Kannst jederzeit das Pflaster fragen.

Offline felis

  • Grillmeister
  • *
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    • Das Minimalismusexperiment
Re: Karos und der Käse
« Antwort #7 am: 03 Februar 2016, 19:01:53 »
Hi,
 Ich hab die anderen Röstungen nicht gelesen - also nicht über eventuelle Dopplungen wundern:

(Allgemeine Kritik an meiner fehlenden Sprachgewandtheit ist natürlich auch erwünscht^^)
:diablo: Du willst es: du kriegst es.
Was mich an diesem kurzen Ausschnitt massiv gestört hat, war die immer gleiche Satzkonstruktion. passiv, passiv paassiv, Gefühlt Jeder 2. Satz beginnt mit einem Adjektiv/Adverb/Vorgestellten Nebensatz und es ist immer der gleiche Rhytmus. Selbst auf so ein kurzes Stück ist das schon langatmig ohne Ende.

Besonders in Schachtelsätze verpackt, wie hier z. B.
Zitat
Wenn seine Mutter Grund zur Freude hatte, ließ sie sich eine Schale mit der zähflüssigen Masse bringen,
tunkte abgerissene Stücke des Brotes hinein, das sie eigens dafür backen ließ und führte diese dann
tropfend zu ihrem Mund um sie genüsslich zu verzehren. Das hob ihre Stimmung noch weiter und
machte sie mit ihrem strahlenden Gesicht, das von goldenen, schulterlangen Locken umrahmt wurde
zu einem starken Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung im Rest des Saals. Dennoch erlaubte
seine Nase es Karos nicht, sich in ihrer Nähe aufzuhalten.
Ist nicht nur sprachlich unbeholfen, sondern die Nase, die etwas nicht erlaubt hat auch eine unfreiwillige Komik.

Mal ab davon, dass das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die umständlichste Beschreibung eines Käsefondues ist, die ich je in meinem Leben zu Gesicht bekommen werde. :devwink:

Auch einen Dialog zu beschreiben, statt direkt darzustellen, wie hier:
Zitat
Nachdem sich Karos zu ihm umgedreht hatte und ihm auf die Lippen sehen konnte, fragte der ihn, ob er sehen könnte,
worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten.

ist - sorry - unbeholfen.

Ich hab zwar erraten, dass der Typ anscheinend taub ist, aber nur deshalb, weil du unten die Frage nach dem Handicap gestellt hast. Unbefangen gelesen, hab ich das ehrlich gesagt nur für eine weitere schräge Formulierung gehalten.

Über Karos erfahre ich leider sonst nichts, außer dass er Käsefundue verabscheut. Das macht iihn mir spontan unsympathisch. :devgrin: (Ich liebe nämlich Käsefondue)

Die ganzen Namen, Positionen und Länder, die dann noch aufgezählt werden interssieren mich erst recht nicht.

Was dieser Text braucht ist etwas, was das Interesse seines Lesers weckt und (falls Karos nicht zufällig der Bösewicht sein sollte), etwas was ihn dem Leser näher bringt.

Das hier ist jedenfalls noch stark verbesserungsbedürftig.

PS: und wie ich gerade lesen musste, hat Qsuisille mal wieder exakt meine Kritikpunkte in unnachahmlicher Eleganz sehr viel pointierter zur Sprache gebracht, als mir das gelingt. Ich verneige mich in neiderfüllter Ehrfurcht vor meinem vorröster und hoffe, wir haben dich jetzt nicht abschließend verschreckt.





« Letzte Änderung: 03 Februar 2016, 19:24:10 von felis »
Ich schreibe gerade mein Blog

"Dunkelwelt" reloaded

Wolfsrufer

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #8 am: 03 Februar 2016, 19:37:55 »
Hey Jason
Zitat
Boah. Gestern schon auf dem Handy gelesen, heute extra früh in die Arbeit, daheim is immernoch kein Internet, sonst wär die Antwort schon viel früher gekommen.
Egal, so hatte ich eine Nacht Zeit, drüber zu schlafen und mich elend zu fühlen. Hier wird ja echt nicht lang gefackelt, dafür umso brutzliger...
Ja, hier ist es heiß  :voodoo: Aber es gibt immer Lava :kaffee2: und  :b2: :b2: :b2: :b2: dazu  :hoern:


Zitat
Aber anzumerken ist, dass du eigentlich erst nach 5 gezählten Beiträgen einen Text einstellen darfst. Hier ist aber recht wenig los, also bin zumindest ich mal nicht so ... Höllische Strafen werden aber sicherlich folgen

Zitat
Wer vorschnell mit der Gabel droht... hat hinterher hoffentlich nachgezählt  :aetsch:
Dass ich nicht zählen muss, wurde dir ja schon erklärt * Pflaster reich *  :devgrin:



Zitat
Okay Käsefondue für den Bösewicht ... Spätestens seit Nero sind Essensexzesse ja nun das Vorrecht eines widerlichen Charakters. Geschmackssache

Zitat
Die Inspiration war eher Ofenkäse als Fondue, aber das darf sich jeder Leser natürlich selbst vorstellen.
Ich störe mich allerdings ein Bisschen an "Bösewicht", aber dazu später mehr.
Ein Text fängt an ... Die erste Stelle, IST die erste Stelle. Also wer steht an erster Stelle? (Neben Laaandschaftbeschreibungen und so). Relativ häufig Protagonist oder Antagonist ... oder zumindest ein Aufhänger ... Du wählst hier halt eine Person, die du durch Käse unsympathisch machst. (Armer Käse, aber ist er ja gewohnt. Alles Käse nichtwahr  :cheese:)


Zitat
Mal vorweg: Im ganzen Rösti war nichts komödiantisch gedacht. Von daher ist deine Kritik dann doch eher niederschmetternd  ;D
Sieh deine Vorstellung, du hast dafür Talent, es leeebt in dir ... Nun musst du es nur * hust* noch von Käse in Gold verwandeln. Ein humoriger Tonfall ist viel schwerer zu erzeugen, als eine getragene blutschweißtränen Stimme.

Zitat
Ich fange mit dem Käse an, weil ich mit etwas bildlichem anfangen wollte, ein Eindruck, ein kleiner Kern an dem man seine Fantasie aufhängen kann, um dann darum herum aufzubauen. Dazu kommt, dass eigens in Auftrag gegebenes Brot und Schmelzkäse doch irgendwo ein Zeichen von Wohlstand sind, der gleich zeigt, in welcher sozialen Schicht wir uns bewegen. So viel zum Plan :-/
Käse und Brot gleich Adel? Interessant. Dass sie speziell Brot eigens für diese Käseorgien backen lässt, macht sie exzentrisch. Käse gehört zur Haltbarmachung von im Überfluss vorhandener Ressource Milch, die bei der Viehhaltung so anfällt und das ohne großes Opfer, was die Schlachtung eines Tieres wäre. Also ist Käseessen weniger verschwenderisch als Fleisch essen. Neben klassischen Statuserhöhungen wie etwa sich das vorrecht der Jagd zu sichern, ist Verschwendung ein Kennzeichen von Wohlstand. Daher sind Brot und Käse nicht so geeignet für dein Vorhaben wie anderes eventuell.

Zitat
Das ist eben auch so ein Klassiker. Die Machthaberin, die Freude hat, während das Volk leidet ... Kommt vor, ist für viele Plots zwingend. Aber wie gesagt, der Nerostyle gefällt mir nicht so.
Zitat
Sie ist nicht die Machthaberin, kein Bösewicht und das Volk leidet nicht.
Dann schau dir an, weshalb ich darauf komme, steht im Text.
Zitat
Im Lauf des Kapitels kommt raus, dass wir uns auf dem Todesschmaus ihrer (geisteskranken) Schwiegermutter befinden, die ihr schon lange ein Dorn im Auge war. Die Stimmung im Saal ist dem Anlass entsprechend gedrückt. Viele empfinden es aber als Erleichterung (Karos z.B. hat gemischte Gefühle) und die Mutter macht daraus eben keinen Hehl.
Da hätten wir doch schonmal was viel interessanteres als Käse, bzw würde den Käse aufpeppen. Es ist ein Totenschmaus. Schwiegermuttern hat einen Abgang gemacht. Also ist der Blick auf den Vater, dessen Mutter tot ist, der spannendere Blick. Wie er das Käsefest seiner Frau betrachtet auch. wie hat der Tod nun die Machtverhältnisse am Hof geändert? Wie sind die Totenrituale in deiner Welt bei dieser Gesellschaft?

Zitat
Dennoch bezieht sich auf den Kontrast zur Niedergeschlagenheit des volkes, ist das gewöhnlicherweise ein Grund, sich in ihrer Nähe aufzuhalten? Ich denke nein. Das Dennoch klebt also zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen und offenbart, dass der Text weiß, dass er da eine Lücke hat, durch die der Leser aus dem Text fallen könnte.

Zitat
Hier fühle ich mich zu einer Änderung veranlasst. "Obwohl ihre gute Laune geradezu ansteckend war..." sollte hier rüber kommen. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das Blödsinn...
Ja, wahrscheinlich, gerade da Totenschmaus. Auch wenn der Tod einer geistig umnachteten Person Erleichterung auslöst, ist so ein Fressanfall zur Feier des Tages einfach ... nerohaft. Wenn die Mutter nicht so sein soll ... ungünstig.

Zitat
Mit solchen Informationen weiß ich nie so recht, wo ich sie anbringen soll. Ich wünsche mir ja, dass ein Leser aus dem Text heraus eine Karte erstellen kann, deswegen kommen immer mal wieder ausschweifende Beschreibungen oder wild gestreute Himmelsrichtungen an Stellen, an denen sie den Lesefluss stören. Bin mir dieser großen Schwäche bewusst, werde ihr aber nur sehr langsam Herr.
Erster Heilungsansatz wäre. Streich das! Du willst nicht, dass die Leser eine Karte anfertigen können, das brauchen Rollenspieler (und ich war Rollenspielmeister und nein, nichtmal da ist das nötig). sie sollen ein Bild vor Augen haben und das ist heutzutage nun relativ leicht anzutriggern. Gib ihm ein paar Stichworte und er hat Game of Thrones vor Augen. Fertisch. Da reicht fast schon Halle. Das, was du willst, ist Gefühle erzeugen, Atmosphäre schaffen, nicht Tische zählen.
Und da führt der Weg eben für mich nur über die Kultur und den Inhalt der Szene.
Dass du mir nicht verrätst, dass es ein Leichenschmaus ist, verrät mir über dich, dass du eher filmisch denkst (heute wahrlich die häufigste Art, sie sind nunmal allgegenwärtig)
Bücher funktionieren aber tatsächlich anders. Was im Film mit dem Setting, den Gesichtern und der Musik gemacht wird, musst du mit Worten malen.
Du möchtest als erstes, dass ich mit Karos in dieser Halle sitze und all den Adel sehe, der seinem Vater unterstellt ist. du möchtest, dass ich sie beim Fressen sehe, dass ich die Unterschiedlichen Gruppierungen vor mir habe ... im Film kein Problem, im Text... Schwierig.
Martin muss das öfter gemacht haben. Schau dir an, wie er das gelöst hat.
Welche Perspektive wählt er, welche Marker setzt er für den Leser, welche Details wählt er aus? Ein Bild zu malen, ist etwas anderes als es zu beschreiben. und deine Hauptfarbe ist das Gefühl. Also was empfindet Karos? Ist er der Erstgeborene? wird er einmal über diesen Haufen herrschen müssen? Gibt es Kulturunterschiede, die unterschiedlich auf seine Behinderung reagieren? Es ist jemand gestorben, eine Generation gegangen. Wie steht es um die Macht im Haus. Welchen Status hat sein Vater, nun mit beschädigtem Nachwuchs. Die Mutter irrsinnig geworden, die Frau üble Tischmanieren und Respektlos, er behindert, schlechtes Blut in der Familie. bisher sitzt Karos da so unbeteiligt, wir wir es eben tun würden bei einer Familienfeier am Kindertisch. Aber er lebt in einer Welt, in der das nicht so sein kann.
Zitat
Der Spagat vom Käse der Mutter zum Tisch der jungen Ritter ist tatsächlich rutschig... Tatsächlich ist Karos noch nicht so lange taub, dass er besser ausgeprägte Sinne haben könnte, er bildet sich das wirklich nur ein. Den Absatz sollte ich evtl ersatzlos streichen... Damit werde ich den südlichen Tisch und den Spagat los. Und verliere eigentlich nichts wichtiges.
Nein, aber das ist nicht das eigentliche Problem. Löse dich von dem Text, tauche ein in deine Geschichte! Betrachte Karos nicht auf der Leinwand, sei er!


Zitat
Brr, über die Namen denke ich jetzt nicht immer sooo viel nach. Ich mische zumindest bei den Menschen Fantasienamen mit Normalnamen. Karos ist jedoch tatsächlich mit Bedeutung verbunden, weil die Person, nach der er benannt ist, aus einer Familie stammt, die ausschließlich Fantasienamen mit Endung -os oder -as trägt.
Generell habe ich mir bis jetzt keine Gedanken darüber gemacht, wann welche Namen im realen Mittelalter aufgekommen sind... Bin auch noch nicht davon überzeugt, dass das nötig ist :-/
Für meine Namensgebung habe ich grobe Regeln, aber ganz ausgefleischt ist es noch nicht.
Das merkt man deinen Namen eben auch an. Es geht nicht darum, ob das im Mittelalter so war. sondern die Namen tragen erstmal gefühl. Bastian, ist so ein Siebziger Jahre Spaddel. Oder eben aus der unendlichen Geschichte. Übertrage das mal in einen Roman "von heute" unsere Welt. Ganz normale Nordeutsche Schule, achte Klasse und ein Mädchen heißt Clothilde ... ein ganz normaler Name ... im vorletzten Jahrhundert. Heute läuft das Unter Kinderquälen und man fragt sich, warum haben die Eltern dieses Kind so genannt? Dass sie sich Klowitze anhören muss, bis zum erbrechen ist auch klar. Wenn dieser Name keine Bedeutung für die Geschichte hat, die Eltern den namen halt nur hübsch fanden, ist dieser Name verkehrt in der Geschichte.
Eine Fantasywelt wird im Kopf eines Autors geboren. Aber im real zu sein, muss sie eben eine Kulturgeschichte haben, die sie bis an den Punkt geführt hat, wo der Autor die Tür in seinem Hinterstübchen geöffnet hat und dazu gehört auch eine Namensentwicklung.
Wenn ein Junge Per heißt und keiner das ungewöhnlich findet, kommt und lebt er im Norden. Alois wirst du bei mir um die Ecke eher nicht finden. Der langen Rede kurzer Sinn. Die Namen sind wichtig, sie können der Welt einen Anstrich von Realität geben, oder ihn zerstören.

Zitat
Sprache ist definitiv nicht deutsch, ich versuche nach dem Konzept zu arbeiten, dass alles was der Charakter versteht in der Sprache des Lesers niedergeschrieben ist. Alles andere wird nicht als "der fremde Schamane murmelte unverständliches Zeug vor sich hin" umschrieben, sondern in der jeweiligen Sprache ausformuliert.
Und wieso heißt dann einer Rohrholdt mit dt wie ein richtiger deutscher Name (abgesehen vom Rohrhalter ...)?
angelehnt an Eis und Feuer, was für ein aufschrei als die Namen übersetzt wurden. Jon Schnee, geht gaaar nicht. Warum, weil wir das Englische als zur Welt gehörend empfunden haben als Deutsche, die Namen gehörten der anderen Welt, obwohl das nicht logisch ist. So ist es aber auch in der Fantasy, die Namen sollten nicht "Übersetzt werden", und wenn sie eben so arg deutsch klingen, chrashen sie das "andere Welt Gefühl".

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Über die Halle wohl nicht, eher durch die Halle oder über die Menschen ...
Wieder kommen mehrere Bedürfnisse bei dir in Konflikt.
Zitat
Da kommt wieder das Problem auf, das ich vorhin schon kurz erwähnte: Ich weiß nie so recht, wie ich meine Beschreibungen anbringen soll... Mir wurde oft gesagt, dass ich zu sehr die Story voranpresche und sich keiner meine Räume/Hintergründe vorstellen kann. Mittlerweile bringe ganz viel davon, füge es aber (wie mir öfter gesagt wird...) mit der Anmut und Grazie einer Shotgun in den Text ein -.-'
A Du kannst es nie allen Recht machen
B Shotgun einstecken und in den Text eintauchen, voallem die Perspektive klären, dann kommt das schon, eine Beschreibung muss immer drei Herren dienen Erstens! Der Handlung! Zweitens der Atmosphäre! Drittens der Orientierung/dem inneren Auge des Lesers. Gleichzeitig, nicht nacheinander.
Schau in diene Lieblingsbücher und kuck wie die das machen.

Zitat
A Das sollte ihn, schon gar da dort zuhause, gar nicht interessieren.
B Sollte Bastian doch mit einem Blick die Position der zu "belauschenden" Personen angedeutet haben. Machen Menschen so.
Zitat
A: Grr. Du bist der erste Mensch, der es zu schätzen weiß, wenn der Charakter Dinge ignoriert, die für ihn alltäglich sind und dann poste ich eine Stelle, in der ich das nicht so gemacht habe -.-
B: Mist. Müsste ich ändern, reißt mir aber den Abschnitt in Stücke -.- Ich schlaf mal drüber.
1. Ich bin hier Dutzendware. Perspektive ist das Zauberwort. In der personalen Perspektive ist das nicht nur schätzenswert sondern Bedingung für diese. Willst du den auktorialen Erzähler wiederbeleben, ist das was ganz anderes, dann steigen die Ansprüche an die Trennung von Figur und Erzählstimme und an den Ton an sich, der muss schon richtig gut sein, um heute noch besagte Trennung von der Figur in Kauf zu nehmen.


Zitat
Wieder wird die vermeintliche Handlung (Leute belauschen) entlarvt als Vorwand. Und ein Erzähler schubst mich immer weiter weg von Karos Perspektive, da er mich mit Sachen füttert, die Karos hier nicht beachten oder denken würde. Ich werde mit Infos gefüttert, die ich im Grunde schon hatte in dem Moment als die Worte Lord und Ritter und Halle fielen.
Wieder Namen ... Schuppenländer ... Haarprobleme oder Drachen?
Und Titelverwirrung ... Sein Lordvater wird von anderen Lords um Erlaubnis gefragt, für Hochzeiten oder Duelle ...
Lord ist zwar im englischen so eine Universalansprache ... aber hmm. Muss man sehen, ob da wirklich eine Anlehnung stattfindet (und ein Duke noch auftaucht) oder es nur übliche Fantasy ist ...

Zitat
Meine Beschreibungen sind wieder fehl am Platz...  :(
Schuppen bezieht sich hier tatsächlich auf Fische, das Land ist von Flüssen durchzogen und Nachrichten werden hier per Fischpost überbracht.

Pratchett springt mich an ... Fischpost ... Du bist sicher, dass du im richtigen Genre unterwegs bist? :cheese:
Dazu kommt, dass in dieser Burg immer der Kronprinz mit seinem Drachen lebte, bis diese Regelung abgeschafft wurde.
Zitat
Hier noch zu den Namen: Die fünf Länder des Großreichs Galiria heißen Steinländer, Sandländer, Südländer, Scherbenländer und Sturmländer. die Sturmländer wurden in der Geschichte politisch gestalten in den Stadtstaat Antury und die Schuppenländer. Hier mit Absicht keine Fantasienamen, weil das Volk die Länder in seiner Sprache so benannt hat. (Während das Großreich selbst nach der Hauptstadt benannt ist, die ihren Namen von den Göttern hat)
Hmmmm schau dir die Benennung von Ländern in unserer Welt an. Für mich klingt das arg nach, wie viele Namen kann ich für Länder noch finden ... Denk mal nur an das kleine Deutschland mit seinen Ländern. (Ostfriesland, Nordfriesland, Frankenland, das Alte Land ....) In welchem Umkreis Kultur sich ausbildet, hängt von der Mobilität deR Menschen ab, Kriegen, Landnahmen. Ect. (Man denke an die Sachsen oder die Hanse oder ... die Römer ...)
Der langen Rede kurzer Sinn, zu viel Ähnlichkeit in der Namensnennung sagt mir wieder, dass das Land nicht viel Geschichte hat.
Zitat
Titel: Alle Adelsfamilien tragen den titel Lord, aber die sechs direkten Vasallen des Königs haben eigene Titel: Herzog von Antury, Fürst der Schuppenländer, Baron der Südländer, Emir (bin ich noch unzufrieden) der Sandländer und Marschall der Steinländer. Die Scherbenländer haben derzeit keinen großen Lord, den hatte ich bis jetzt als Graf der Schuppenländer notiert. Bin ich aber auch noch nciht zufrieden mit.
Wenn schon weltliche Titel, würde ich mich dann einfach auch an die Titelvergabe halten.
Emir, klingt dann schon arg nach DSA wo Länder und Kulturen halt aus der Menschenwelt übertragen wurden. Aber wieso sollte ein damit implizierter getrennter Kulturkreis zu einem Großreich gehören? Wir kam es dazu? Zusammenschluss wie die EU? Vereinnahmt wie bei den Römern, oder oder oder.


Zitat
Reginald Hammel ... endgültig Humorschiene ...
Zitat
Wieso denn nicht? Du raubst mir meinen Bastian aufgrund von Realwelt Mittelalter, ich kontere bei meinem Reginald hiermit:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hammel
*schmoll*
In Antury und den Schuppenländern sind oft Tiere im Wappen, irgendwann gehen mir halt die Wölfe, Löwen und Hirsche aus...
Weil die Assoziation nunmal du blöder Hammel ist, zusammen mit Reginald, kann man ihn einfach nur als Dummdoofsidekick betrachten. Keiner wählt ein kastriertes Tier als Wappen.  :nudelholz:Also wenn schon Widder :cheese:



Zitat
Welches Genre schreibst du? Daraus folgend, wie real soll ich die Welt nehmen?

Zitat
Anfangs war meine Antwort immer High Fantasy, eine "Mischung aus Eragon, Warcraft und LotR". Mittlerweile versuche ich natürlich auch noch, eine Prise George drüber zu streuen, das Knistern hast du richtig gehört.
So real wie eine von Magie durchtränkte Welt eben genommen werden kann. Ich versuche Charaktere mit Schwächen zu erschaffen und sie in diese Welt zu stoßen, in der sehr schnell sehr apokalyptische Kriege losgetreten werden.
Das ist das was Martin gelehrt hat, in solchen Welten wird gestorben und gelitten und gestorben und das von der Geburt der Figuren an, die kannst sie also nicht mir Schwächen ausstatten und in diese Welt stoßen, diese Schwächen müssen aus der Welt geboren werden.

Zitat
Welche Perspektive willst du einnehmen und zu welchem Zweck hast du sie gewählt?
Zitat
In dem Fall habe ich Karos gewählt, weil seine Taubheit ihm ermöglicht, Dinge zu hören, die andere nicht hören. (Oh Wunder.) Das Kapitel soll einerseits eine der wichtigsten Familien/Fraktionen vorstellen, die im kommenden Krieg kämpft, andererseits Karos als Charakter, der auf eine Art "Werft den Ring ins Feuer" - Mission gehen wird und gewissermaßen den Ring hören kann. Ich denke mal, dass ich zumindest bei der Wahl der Perspektive mal keinen großen Fehler begangen habe :O
Du hast die Perspektive nicht gewählt, denn du steckst nicht in Karos drin, du als Autor beachtest ihn nur am meisten, das ist ein Unterschied. Wenn du wirklich in ihm drin bist, kann dir das mit den Beschreibungen nicht passieren. Natürlich ist personal nicht gleich personal, da gibts viele Varianten. Dies ist in jedem Fall recht weit weg plus diesem Kardinalfehler mit dem die Figur schaut woanders hin, damit der Autor den Saal zeigen kann und sagt! das auch noch.
Spiel doch mal genau mit der Szene. Weiter rein in Karos, mehr auktorial ...
Zitat
So. Boah. Und ich dachte, das wäre eins meiner stärkeren Kapitel. Ja gut, für sowas bin ich her gekommen. Fühle mich sehr geröstet und denke nicht mehr, dass es Stellen im Buch gibt, die hier Lob bekämen D:
Vielen Dank. Und immerhin, man merkt, dass er taub ist, auch wenn der Text ansonsten gegen unlesbar tendiert :D
Nun, das geht doch (fast) jedem hier so. Ich muss dringend was auf den Grill werfen, dann fühlst du dich nicht allein bekokelt  ;D Vielleicht was sehr personales, das zerreißt man in der Regel bei mir so arg gern in winzige Stückchen.

Echt, nimm die Gedanken anderer als Arbeitshypothese und schau, ob du damit deinem! Ergebnis näher kommst. Lob bekommen wollen, ist keine Motivation, um hier Texte einzustellen. Hier bekommst du den Schleifstein für dein eigenes Seziermesser, wie du es dann letztlich an deinen Texten verwendest, wirst du entscheiden. :oma:

Liebe Grüße
Wolfsrufer

Quisille

  • Gast
Re: Karos und der Käse
« Antwort #9 am: 04 Februar 2016, 10:05:16 »
Zitat
Reginald Hammel ... endgültig Humorschiene ...
Zitat
Wieso denn nicht? Du raubst mir meinen Bastian aufgrund von Realwelt Mittelalter, ich kontere bei meinem Reginald hiermit:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hammel
*schmoll*
In Antury und den Schuppenländern sind oft Tiere im Wappen, irgendwann gehen mir halt die Wölfe, Löwen und Hirsche aus...
Weil die Assoziation nunmal du blöder Hammel ist, zusammen mit Reginald, kann man ihn einfach nur als Dummdoofsidekick betrachten. Keiner wählt ein kastriertes Tier als Wappen.  :nudelholz: Also wenn schon Widder :cheese:

Kann dem nur zustimmen, insbesondere, wenn der Hammel gleich nach dem hammerschwingenden Hühnen steht, der auch noch eine Delle in den Hammel gehämmert hat:

Zitat
Wieder andere kannte er von Turnieren, wie den blonden Hünen Sandor Löwenhart, der bekanntermaßen weniger an Frauen als an anderen Hünen interessiert war oder Reginald Hammel, dessen eisernen Schild noch immer die Delle zierte, die Sandors Hammerschlag darin hinterlassen hatte.

Und der heißt auch noch LöwenHART. Es könnte nicht schlimmer sein, wenn er HAMMERHART hieße. Es ist zwar irgendwie zynisch, aber wenn man einen Schwulen mit dem Hammer eine Delle in ein kastriertes Schaf machen lässt, dann ist das Humor. Sorry, da sind die Assoziationen doch allzusehr Richtung Schäfer und zu viel Freizeit auf der Weide gelenkt. In einer besseren Welt wäre Homosexualität nicht per se ulkig, und die Schafe müssten auch nicht für Dingsdaduweißtschonwas herhalten, aber bis die Welt so weit ist, wird man lachen.

Und Du bist ganz sicher, dass Du das nicht mit Absicht so geschrieben hast? :watchout: "Humor" war für mich absolut unstrittig, ich fand es eher etwas zu dick aufgetragen.

Offline SirJasonCrage

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #10 am: 04 Februar 2016, 14:04:16 »
Äh, harter Fall von Blindheit gegenüber dem unbeabsichtigten...

Tatsächlich war die Absicht hier, dass Sandor was von Reginald wollte und abgewiesen wurde. Englisch "Crush" -->
So he crushed the shield.


Der Hammel als Name kam daher, dass ich für Nebencharaktere nicht so lang herumschustern wollte und einfach leicht abgeänderte Namen aus dem Bekanntenkreis genommen habe. Sandors reales Gegenstück ist z.B. weiblich, daher die sexuelle Orientierung.
Reginalds real-Gegenstück heißt tatsächlich Hammel. Zur In-World Erklärung hatte ich rudimentär immer eine Geschichte von Zwillingen im Kopf, die sich ums Erbe stritten. Am Ende liefs auf einen Zweikampf hinaus, den nur einer der beiden in fruchtbarem Zustand überlebte.   :diablo:
(Bastian ist auch Opfer der Realwelt-Inspiration, sein reales Gegenstück heißt Basti und hat auch "Rohr" im Namen. Wie beim Hammel habe ich mir da die Hintergrundgeschichte erst zusammengezimmert, als der Name schon stand: Die Burg seiner Familie hat warme Wasserleitungen in den Wänden.)
Frei nach Nomen est Omen gebe ich den Charakteren meistens erst Namen und dann eine Geschichte, die sich am Namen orientiert. Dabei kommen manchmal unbeabsichtigte Zusammenhänge raus und im Nachhinein kann ich mich hier nicht gegen die Anschuldigung der aufgedrängten Assoziation wehren...


Mea Culpa.
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Quisille

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #11 am: 04 Februar 2016, 17:34:48 »
Reginalds real-Gegenstück heißt tatsächlich Hammel.

AaaaAAah! :glotz: Ich bin heilfroh, nicht die Rechtsabteilung Deines (zukünftigen?) Verlags zu sein. Denn erstens wäre ich dann mehr als einer, zweitens hat keiner von mir einen Abschluss in Jura, und bei "Jura" fällt mir ein, dass ich auch kein Geologe bin. Was zum Teufel wollte ich jetzt gleich damit sagen?

Offline SirJasonCrage

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #12 am: 05 Februar 2016, 08:47:36 »
Nach Jura kommt soweit ich weiß Kreide. Oder wars vorher? Jedenfalls malst du grad nen üblen Teufel an die Wand.

Srsly tho, gibt sowas echt Schwierigkeiten? Am Ende gibt es doch für jeden Namen irgendwo jemanden,der sich in einem Anagramm dazu selbst wiederfindet. Wie viele Harald Töpfer dieser Welt haben JKR verklagt?
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Quisille

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #13 am: 05 Februar 2016, 10:23:00 »
Das gibt nur dann Ärger, wenn die "Vorlage" Dir nachweisen kann, dass Du diejenige Person erkennbar portätiert hast. Das gilt sogar dann, wenn du einen anderen Namen verwendest. Und ja, auch bei Harry Potter gab's dergleichen Rechtshändel, weniger bezüglich des Namens, dafür aber wegen des Aussehens.

Eine reale Person als Vorlage zu verwenden UND dann auch noch ihren Namen zu nehmen, halte ich für riskant.

Wolfsrufer

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #14 am: 05 Februar 2016, 15:38:32 »
Naja, ich denke Freunde(?) fühlen sich dann eher geschmeichelt, wenn sie den gleichen Humor haben ... bis das Buch ein Bestseller ist  :cheese: Bei Geld hört Freundschaft bekanntlich auf.

Aber ich sehe die juristischen Fettnäpfchen eher in zweiter Reihe, davor steht eben der Riesenbottich unfreiwilligen Humors und einer Namenswahl, die eben nicht in einer soliden Weltenkonstruktion fußt, sondern halt in dem Bekanntenkreis des Autors.
Das ist dann witzig für eventuelle Interviews, aber hilft dem Leser eben nicht tiefer in die Welt einzutauchen und sie als real zu empfinden. Ob es "die Leser" dabei stört? Musst du entscheiden.

Nebenbei, der Arme Hammel. Ich habe auch zwei Jahre gebraucht um festzustellen, dass der Freund meines Freundes nicht wegen seiner Vorliebe Biermann gerufen wurde (was ich echt blöd fand!) sondern, weil das sein Nachname ist. ::)

Auch da musst du entscheiden, ob der Blick den Fremde auf solche Figuren werfen wird, den Vorlagen wirklich gefällt. Unter Freunden grinsen ist etwas anderes, als wenn es Fremde tun.

* Mamamodus aus *

Liebe Grüße!


Offline Rilyn

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #15 am: 07 Februar 2016, 02:14:14 »
Holla!

Viel Muße zum Rösten habe ich gerade nicht (Arbeit wartet), aber in bisschen stochern und rumnerden muss ich. :)

Zitat
Das hob ihre Stimmung noch weiter und machte sie mit ihrem strahlenden Gesicht, das von goldenen, schulterlangen Locken umrahmt wurde zu einem starken Kontrast zur niedergeschlagenen Stimmung im Rest des Saals.
Hier ist ein Schwenk von der allgemeinen Beschreibung ihres Käseessens hin zur aktuellen Situation, über den ich stolpere.

Zitat
Gerade tippte ihm Bastian Rohrholdt auf die Schulter,
Kein Adelstitel für den jungen Ritter? Falls das von und zu erst nach dem Nachnahmen steht, bitte ignorieren. Falls das aber nicht schon bekannt ist, wirkt der Name hier beinahe modern.

Zitat
Nachdem sich Karos zu ihm umgedreht hatte und ihm auf die Lippen sehen konnte, fragte der ihn, ob er sehen könnte, worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten.
Hier hast du Chekov's Gun platziert: jetzt muss Karos auch versuchen, den Zwillingen von den Lippen zu lesen.

Zitat
Karos ließ daraufhin seinen Blick über die Halle schweifen.
Jeweils vier Tische standen in mehreren Reihen ...
Aber hier wird der Grund, sich umzublicken, zur Ausrede dafür, die Halle zu beschreiben, und es geht nicht - oder erst nach einer langen und für die Situation unmaßgeblichen - Beschreibung der Festivität.

Zitat
zwischen den beiden länglichen, mit hohen schmalen Fenstern übersäten Wänden.
Längliche Wände finde ich seltsam. Lang kann eine Wand sein, auch im Gegensatz zur jeweils kurzen Wand eines "normalen" viereckigen Raumes. "Übersät" ist auch ein seltsames Wort, denn Fenster pflegen angeordnet zu sein, obwohl "übersät" eher eine zufällige Verteilung suggeriert. :)

Insgesamt: versuch, von der Beschreibung wegzukommen, wo es geht. Karos könnte ... zwischen all den Vasallen, die sich an den Festtafeln in der Halle seines Vaters auf die Bänke drängten, nach den Zwillingen suchen. Die Bediensteten hatten sich tagsüber bemüht, eine vierte Reihe Tische längs in den Saal zu quetschen. Ein paar Knappen, die keinen Platz mehr gefunden hatten, kauerten auf Strohkissen in den hohen, schmalen Fensternischen. etc.

Zitat
dessen eisernen Schild noch immer die Delle zierte, die Sandors Hammerschlag darin hinterlassen hatte.
Es wäre sehr dumm, diesen Schild verbeult zu lassen, wenn er ihn noch nutzen will. :)
Eisenschilde sind auch eher eine Erfindung der Fantasy. Schwer, teuer, und dabei von geringer Wirkung. Ein guter Schild ist schnell und leicht und federt einen Schlag eher ab, als ihm eine Mauer entgegenzusetzen. Holz, oft mit Leder beschlagen oder bezogen, manchmal auch mit einer weiteren Lage Stoff. Rosshaar hat hervorragende schützende Eigenschaften (deshalb auch im Gambeson verwendet). Aber ich nehme an, dass es wegen des Gewichts nicht so oft bei Schilden Verwendung fand.

Handicap: Karos ist taub und kann Lippenlesen, nehme ich an. Es kommt im relevanten Satz aber erstmal etwas seltsam rüber: "ob er sehen könne, was sie redeten" liest sich zu leicht wie eine vermurkste Formulierung. Bring das ruhig noch etwas deutlicher.

Liebe Grüße, :kaffee2:
Ril
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Galaxius222

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Re: Karos und der Käse
« Antwort #16 am: 15 November 2016, 16:40:56 »
Hallo
Als Neuling versuch ich mich auch mal an einer kleinen Röstung.

Um den Protagonisten Karos kennen zu lernen, lässt der Autor mich an einer Tafelrunde teilnehmen. In seinem Blickfeld –und auch im Geruchsfeld- sitzt seine Mutter und verspeist mit viel Genuss eine Schale geschmolzenen Käse, dessen Geruch Karos nicht mag.
Zudem erfahre ich, dass sein Vater der Lord ist, an dessen Hof viele Teilnehmer dieser Tafelrunde schon zu Gast waren.
Dass Karos taub ist, erfahre ich eher nebenbei.
Mit den Namen stehe auch ich auf Kriegsfuß, denn Sandor Löwenhart, Bastian Rohrholdt und Reginald Hammel sind eher deutsche Namen, wohingegen die Kathrogonn Zwillinge vom Namen her eher englisch sind.
Insgesamt lässt mich der Text eher ratlos zurück. Ich weiß nicht, warum man im Festsaal zusammengekommen ist, ich erfahre nicht, was denn nun die Zwillinge mit seinen Halbschwestern reden und ich weiß nicht, ob Reginald und Sandor etwa als Paar zusammenkommen.
Im Übrigen fällt mir noch eine Kleinigkeit auf.
du schreibst
 
Zitat
worüber die Kathrogonn Zwillinge mit seinen beiden Halbschwestern Cora und Micha redeten.
Wenn das Halbschwestern sind, ist da entweder die Mutter eine Stiefmutter oder der Vater ein Stiefvater. Das wird aber an keiner Stelle erwähnt.
Eine andere Möglichkeit, Halbschwestern zu haben, ist dass der Vater Zauberer ist und das Kunststück mit der zersägten Jungfrau nicht beherrscht.