Autor Thema: Neseret - Auftritt des Bösen  (Gelesen 1681 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Ayira

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 353
Neseret - Auftritt des Bösen
« am: 09 Januar 2016, 16:26:43 »
Meine Arbeit an den Klappentexten hat mich auch noch mal für die Geschichte an sich beflügelt. Da ich derzeit ja gedenke, dem Bösen im Klappentext einen kleinen auftakt zu geben, sollte ich auch den anfänglichen "Frieden" im Buch etwas jäher zerstören, als ich es bisher hatte.

Davon abgesehen, entwickelt sich diese Figur hier - Adira - im Lauf der Geschichte so gut, dass ich sie fast in mein Herz schließen mag.  :cheese:

Das hier ist jedenfalls ihr allererster Auftritt. auch vom Bösen generell.

Was man wissen sollte, da es zuvor im Buch erwähnt worden ist:

Levin = Schülerin
Calizée Bélavard = Gründerin des Schlosses/der Schule im Berg
Elementenpfad = Das Schloss erkennt nur jene als Teil von sich, die es schaffen über diesen zu gehen. Ohne zu fallen. Das darf bitte wortwörtlich genommen werden!
Zân = wird hier zum ersten Mal genannt und auch nicht weiter erklärt. Die Figur dahinter erst recht nicht. Es soll auch so funktionieren.


Hoffe, ich habe nichts vergessen.
Viel Spaß.


----------------------------------------



Adira krampfte ihre Finger um den kalten Fels. Hielt sich daran fest. Die Ungewissheit vor dem, was in der Höhle auf sie wartete, bröckelte den Boden unter ihren Füßen weg. Unsicherheit ließ ihre Beine zittern.
Adira rang nach Atem - aber die Luft schien zu feige, sich in ihren Körper zu trauen. Sie biss ihre Zähne zusammen. Du elende Kreatur, mach endlich einen Schritt hinein, schimpfte sie sich im Geiste. Sie warten zu lassen, macht die Sache nicht besser!
Trotzdem hing die Angst wie Blei an ihren Gliedern. Dabei sollte sie keine Angst haben. Angst war ein Zeichen von Schwäche - und die kann ich mir nicht leisten, verflucht noch mal!
Ihre Lungen brannten. Ihr Herz polterte gegen die Brust. Adira schnappte nach Luft - zwang sie hinunter in ihre Lungen. Ich muss mich beruhigen. Mich sammeln. So elendig wie sie sich aufführte, konnte sie unmöglich in diese Höhle kriechen. Wie erbärmlich war das denn?
Ich habe gute Nachrichten, oder nicht? Der Gedanke sollte sie trösten; wackelte aber angesichts ihrer Furcht. Wie gut konnte etwas sein, das wie ein Tropfen in ein Flammenmeer fiel? Er ändert nichts an meinem Versagen. 
Das war doch der eigentliche Grund, warum sie sich nicht durch diesen Felsspalt zwängen wollte - oder nicht?
Adira wusste, wer da drin auf sie lauerte. Nur die Furcht vor dem, was sie erwartete, nachdem sie ihre Neuigkeiten überbracht hatte - das ließ ihre Gedärme verschrumpeln.
Aber es sind gute Nachrichten! Adira wischte sich den Schweiß von der Stirn. Mit ein bisschen Glück fand ihre Zân sie auch gut. Alles, was ich brauche, ist Glück. Nur ein einziges, verfluchtes Mal!
Ihr Herzschlag raste nicht mehr wie ein Stück Beute auf der Flucht. Stolperte nur mehr gelegentlich vor Unsicherheit. Das war besser, als ihre vorige Verfassung - und auf eine Steigerung davon konnte sie nicht mehr hoffen.
Adira zog den Bauch ein und schlüpfte durch den Felsspalt.
 
Es hatte sich nicht viel geändert seit ihrem letzten Besuch. Die Höhle war noch genauso feucht und modrig, wie sie sie verlassen hatte - und ihre Zân stand auch noch am selben Fleck. Wo hätte sie auch hin sollen? Ohne mich?
"Nun, was bringst du mir?"
Adiras Blick fiel zu Boden. Bitte, Glück, nur dieses eine Mal … "Gute Nachrichten, meine Zân. Gute Nachrichten …." Das Blut stieg ihr ins Gesicht, aber Adira kämpfte ihre Nervosität nieder. Ließ sich nichts anmerken. "Sie ist über den Elementenpfad gekommen. Das Schloss hat sie als Levin anerkannt."
Keine Regung. Nichts rührte sich. Bis auf Adiras Herz, das aus ihrem Rachen springen wollte.
Ihr Blick klebte weiterhin am Boden, an ihren Füßen. Sie waren größer, als sie es bevorzugte. Aber ihre Auswahl war gering gewesen … Sie schüttelte den Kopf. Das tat jetzt nichts zur Sache. Sie schluckte. Sollte sie es wagen, ihre Zân anzusehen? Wartete sie darauf?
Adira würgte an ihrer Furcht. Aber ich kann nicht! Der Anblick ihrer Zân war furchterregender als jener ihrer Kreatur. Und bei Nashras ganzer Scheußlichkeit wollte das etwas heißen! Worauf wartet sie also?

Die Unsicherheit trieb Adira den Schweiß aus den Poren. Sie schmeckte ihre Furcht.
"Ist das alles?" Die Stimme troff vor Verachtung. "Was hätte das Schloss denn sonst tun sollen? Sie fallen lassen?"
Ja. Das hatte Adira zumindest befürchtet. Das Samenkorn des Bösen wurzelte in ihrer Seele, völlig egal, ob sich dieses Kind dessen bewusst war oder nicht. Es wartete darauf, gegossen zu werden. Das Schloss hätte das spüren müssen - oder nicht? Schließlich war es doch Calizée Bélavards Verdienst, dass keine finstere Macht einen Fuß über die Schwelle setzen konnte. Nicht einmal Nashra war es gelungen, ihre Dunkelheit in diesen Berg zu strecken. Wieso ist sie nicht gefallen?
Adira kratzte die Reste ihrer Selbstachtung zusammen. "Aber nun ist sie drinnen. Sie kann den Schlüssel finden. Und ich ihn mir holen."
"Nein", schnitt die Stimme ihrer Zân durch die Höhle. Adira fühlte ihre Schärfe in ihrem eigenen Fleisch brennen. Wagte es aber nicht, zusammenzuzucken. "Du hattest deine Chance."
Und du hast versagt. Ihre Zân sprach es nicht aus - aber das musste sie auch nicht. Die Schelte fraß Adira auch so am Magen.
"Er wird sich den Schlüssel dieses Mal selber holen."
Was? Er? Adira riss den Kopf hoch. Fast gleichzeitig zuckte sie zusammen. Die Leere ihrer Zân griff in ihre Seele, saugte an ihrem Leben. Nur die Furcht vor ihm war schlimmer. "Aber er … kann doch nicht …?" 
"Oh doch, er kann", säuselte ihre Zân. "Und er wird."
Adira riss ihren Blick weg, taumelte zur Seite. Schwäche zitterte in ihren Gliedern. Nackte Panik krallte sich in ihr Herz. Sie stieß gegen seinen Sarg. Den sie selber dort aufgebahrt hatte. Galle drängte ihre Kehle hoch. Sie würgte. "Nein … bitte …"
"Du holst ihn zurück, Adira", schnurrte ihre Zân. Ein Lächeln klang in ihrer Stimme mit, das wie eine Klinge in Adiras Herz stieß. "Das ist deine neue Aufgabe. Enttäusch' mich ja nicht."



Fragen:

1) Funktioniert die Szene? Auch wenn die Figuren im Halbdunklen gelassen werden? Denn das ist Absicht. Genauso wie die scheinbar nebenbei erwähnten Füße ... das klärt sich in Adiras nächstem Auftritt etwas. Wenn möglich, behaltet die Vermutung für euch ;-)

2) Das Wort "Zân" ist als Anrede für eine ihr übergeordnete Foigur gedacht - etabliert es sich?

3) Meine Absicht mit dieser Szene ist, schaurige Erwartung zu schüren. Sie steht im Text zwischen zwei Szenen, die gut und friedlich verlaufen. Von daher dachte ich ... etwas Unfrieden stiften zu müssen ;-)


Über Erbsen und Anregungen aller Art freue ich mich natürlich.

lieben Dank,
Ayira
  • Ich schreibe gerade: Neseret - Atem des Feuergottes

Offline Wave

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 315
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #1 am: 14 Januar 2016, 16:43:00 »
Hi, Ayira,

auf einzelne Textstellen werde ich diesmal noch gar nicht eingehen, weil ich denke, dass die schaurige Erwartungshaltung, die Du beim Leser wecken möchtest erst einmal  - ähm - geweckt werden muss  :kraul:. Jedenfalls bei mir.


1)   Funktioniert die Szene? Auch wenn die Figuren im Halbdunklen gelassen werden? Denn das ist Absicht. Genauso wie die scheinbar nebenbei erwähnten Füße ... das klärt sich in Adiras nächstem Auftritt etwas. Wenn möglich, behaltet die Vermutung für euch ;-)

Ich habe keine Vermutung. Ich erfahre sonst nichts von der Zân, was mich bis hierhin auch nicht weiter stört. Aber dann interessiert mich ihre Schuhgröße wirklich am Allerwenigsten. ;D
 
Und nebenbei erwähnt kommen mir ihre Füße auch nicht vor, im Gegenteil: Sie hinterlassen bei mir den Eindruck riesengroßer Latschen, zudem dies hier:

Zitat
Ihr Blick klebte weiterhin am Boden, an ihren Füßen. Sie waren größer, als sie es bevorzugte. Aber ihre Auswahl war gering gewesen …

bei mir leider nur den Eindruck eines Schuhgeschäftes erweckt.

Zu "Funktioniert die Szene?" s. unter Punkt 3.

Zitat
2)   Das Wort "Zân" ist als Anrede für eine ihr übergeordnete Foigur gedacht - etabliert es sich?
Ja, der Begriff, so wie er verwendet werden soll, ist für mich kein Problem. Kann ich ohne Weiteres so annehmen.

Zitat
3)   Meine Absicht mit dieser Szene ist, schaurige Erwartung zu schüren. [...]

Nein, bei mir wird leider überhaupt keine schaurige Erwartung geweckt.

Und das hat gleich mehrere Gründe.

Einer davon ist, dass die Zân für mich atmosphärisch nicht stimmig rüberkommt. 
Bei einem derart furchterregendem Wesen, das nur noch von einem einzigen noch furchterregenderem Wesen übertroffen werden kann, gehe ich mal davon aus, dass dieses Wesen als äußerst ungewöhnlich und schon fast außerhalb der natürlichen Welt, des natürlichen Lebens, außerhalb der Natürlichkeit selbst schon fast betrachtet werden könnte – das nehme ich an, aber durch den Text kommt das leider ganz und gar nicht raus. Und dann haperts natürlich mit der schaurigen Erwartung.
Das liegt daran, dass die Zân auf der einen Seite als außerhalb des Gewöhnlichen und zwar weit außerhalb des Gewöhnlichen stehend anskizziert wird, die Ausarbeitung dessen aber und die Reaktion auf sie im üblichen Bereich des Gewöhnlichen bleiben:

Die gleiche Angst (nicht die, die Du darzustellen versuchst (diese Art der Angst ist für mich im Text überhaupt nicht vorhanden), sondern die, die aus dem Text heraus bei mir ankommt) hätte Adira vermutlich auch in irgendeiner für sie lebens- und/oder seelenbedrohlichen Situation.

Ja, sie hat große Angst. Aber das ist es auch. Große Angst reicht aber nicht, wenn Du eine schaurige Erwartungshaltung gegenüber einem kaum noch zu überbietendem grauenerregendem Wesen schüren willst. Und so groß ist die Angst bei der Protagonistin ja auch wieder nicht als dass sie sie nicht noch irgendwie bezwingen könnte (Sie wirkt auf mich auch eher trotzig als angstgebeutelt,  und wenn Angst, dann eher ängstlich als vor Angst halb wahnsinnig oder so ...)

Es ist auf jeden Fall lobenswert, dass Du Dich zwischendurch um einen kräftigeren Angstausdruck bemühst (verschrumpelte Gedärme), aber leider kommt bei mir nur genau das an: Das Bemühen. Zudem werden die stärkeren Ausdrücke wiederum mit Allerweltsformulierugen vermischt -  im Zusammenhang damit, wie die Protagonistin ihre Angst handhabt, bleibt diese innerhalb eines gewöhnlichen und – ja – handhabbaren Rahmens.

In solchen Bereichen würde ich wohl mit eher abstrus erscheinenden Reaktionen, scheinbar unpassenden Reaktionen arbeiten.
Wahrnehmungsverschiebung, massive Gedächtnisstörungen (was mache ich hier? Ach so ... wieder weggleiten ... wieder hin ...)
oder eine unvermittelt starke Wahrnehmung von
Harmlosigkeiten in ihrer Umgebung, die sich ihr plötzlich ins Blick- oder Hörfeld oder so drängen, so prägnant, dass für einen Sekundenbruchteil ihre wirkliche Situation überschrieben wird, und sie dann wieder übergangslos in ihre Realität zurückgezerrt wird. Also die Darstellung eines ganz erheblichen Ungleichgewichtes in Deiner Protagonisten, weil Körper, Geist und Seele kaum noch Ressourcen des Standhaltens haben.
Deine Protagonistin aber weiß noch viel zu gut, wie sie mit ihrer Angst umgehen soll. Sie kann denken, sie kann Entschlüsse fassen, analysieren, zornig werden etc. etc.

Überzeugender wäre es für mich auch, wenn die Zân selber nicht wie ein irgendein gefühlskalter Mensch reden würde, sondern – gar nicht oder so gut wie nicht. Einen Ansatz dazu hast Du ja:
Zitat
"Gute Nachrichten, meine Zân. Gute Nachrichten …." Das Blut stieg ihr ins Gesicht, aber Adira kämpfte ihre Nervosität nieder. Ließ sich nichts anmerken. "Sie ist über den Elementenpfad gekommen. Das Schloss hat sie als Levin anerkannt."
Keine Regung. Nichts rührte sich.

Diese Gegenüberstellung von eifrigem, angstorientiertem *plapper, plapper, plapper* – und als Reaktion die Betonwand aus Schweigen. Herrlich!

Wenn das so weit wie möglich fortgesetzt werden könnte, dass alleine die Angst ausreicht, um das zu sagen und zu beantworten, was die Zân wissen will (und keine Chance zu haben, auch nur irgendetwas zu verschweigen oder eigene Ansichten zu äußern, wenn sie die Zân nicht interessieren, so stark wirkt die Angst), während die armselige Kreatur vor der Zân plappert und plappert und alles ausplaudert, was sie wissen will, ohne dass die Zân auch nur mit der Wimper zuckt ... das ginge schon eher in Richtung schaurige Erwartungshaltung, weil sich hier die Angst in einer ganz konkreten wirklichen Hilflosigkeit ausdrückt, die zur Auslieferung wird.

Uff, das war jetzt viel an Meckerei, nich' wahr? :umarm: *kraul und Lava  :lava: und BBs  :b5:  :b5: :b5: zur Stärkung reich*

Aber Du machst das schon!  :kunst:

Liebe Grüße

Wave
Es ist unmöglich, zweimal in denselben Fluss zu springen. Auch wenn wir in dieselben Flüsse steigen, fließt immer anderes Wasser herbei.
(Heraklit)

Offline eska

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 312
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #2 am: 14 Januar 2016, 21:58:44 »
Hi Ayira!

Ich hab gerade den Anfang von Waves Antwort gelesen. Dazu will ich dann auch mal kurz senfen:
Das mit den Füßen war eine Stelle, die mir gerade gut gefallen hat. Ja, ich habe eine Vermutung, eine ziemlich genaue, und ich finde das sehr schön nebenbei eingeflochten. :klatsch:

Schaurig fand ich es leider auch nicht; dass Adira große Angst hat, ist klar (im ersten Absatz sogar zu sehr ausgeführt für meinen Geschmack), dass die Zan Macht hat, gefährlich ist usw. auch, aber nachempfinden konnte ich das noch nicht.
Zitat
"Nein", schnitt die Stimme ihrer Zân durch die Höhle. Adira fühlte ihre Schärfe in ihrem eigenen Fleisch brennen.
Hier gelingt es ansatzweise, hier nimmt nämlich Adira mal etwas Konkretes wahr. Es ist aber zu schnell wieder weg, statt sich zu steigern.

Zitat
Die Leere ihrer Zân griff in ihre Seele, saugte an ihrem Leben.
Hier dagegen entsteht kein Bild und keine Emotion, obwohl du etwas ziemlich Gruseliges nennst: ein leeres Wesen.

Zitat
Der Anblick ihrer Zân war furchterregender als jener ihrer Kreatur. Und bei Nashras ganzer Scheußlichkeit wollte das etwas heißen!
Kannst du uns das zeigen?

Ich habe nicht besonders viel Ahnung von Horror, aber ich denke, den erzeugst du am ehesten durch Ungewißheit und Ängste des Lesers. Wenn die Andeutungen ausreichen, dass ich mir vorstellen kann (oder muss), was gleich Furchtbares geschehen wird, und du mich dann gespannt hängen lässt .... aber hier hast du das Problem, dass Adira ja weiß, wie und was die Zan ist, also keine Ungewißheit. Und vor der Reaktion auf ihr Versagen (mir ist nicht klar, worin sie versagt hat) hat sie zwar nachvollziehbare Angst, aber wir wissen nicht, was ihr denn an Konsequenzen blüht. Und im Endeffekt passiert ihr auch gar nichts (in dieser Szene).

Nebengedanke: Wenn Adira die handelnde Böse ist, also die Antagonistin, sollen wir dann mit ihr Mitleid haben? Oder nur nachvollziehen können, was sie antreibt?

Muss für heute Schluss machen, sorry.

Liebe Grüße,

eska
  • Ich schreibe gerade: noch nichts Neues

Offline Ayira

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 353
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #3 am: 14 Januar 2016, 22:25:45 »
Hallo!

Danke ihr beiden!

Also MITLEID ist die falsche Emotion. Adira spielt im Verlauf des Buches noch ein paar ... entscheidende Rollen; sie taucht also mehrmals auf. Ich will sie absichtlich noch nicht gleich ins Licht stellen, gleiches gilt für ihr Versagen. Das spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle; die der Leser an dieser Stelle noch nicht wissen soll  :cheese:

Vielleicht war "schaurig" auch das falsche Wort von mir. Ich brauche/will einfach einen Hauch der Gefahr, der sich zu der "Idylle" bzw. "Mias weltlichen Problemen" mischt und erahnen lässt ... das Böse schläft nicht. Der Showdown in seiner ganzen Pracht kommt bald genug, wo keine Zeit mehr zum Luftholen bleibt.

Ich denke über eure Anregungen nach. Gründlichst. Und Laaaange. Da ich außer Lernen keinen Lebensinhalt habe im Momenht.  :klugklo:

Noch kurz: Den Anblick der Zân kann ich nicht zeigen ... *hust* Eska trifft es ganz gut. Diese Stelle ist auch nicht der Ort, sie genauer vorzustellen. Auch das kommt. Und es wird eine Überraschung. Bzw. soll es auch bleiben. Ich hätte mich echt bemüht, alles nicht geradlinig darzustellen ...  :diablo:

Waves Anmerkungen mit der "Stille" überdenke ich; vielleicht soll die gute Zân etwas mehr schweigen und Adira mehr Monologe führen.

Die Füße sind mir wichtig. Auch das spielt in der nächsten Rolle von Adira eine wesentliche Rolle; die die Sache noch etwas klarer zeigt ;-)

Danke schon mal =)
lg
  • Ich schreibe gerade: Neseret - Atem des Feuergottes

Offline Nimmer

  • Röstknecht
  • *
  • Beiträge: 59
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #4 am: 01 März 2016, 16:58:00 »
Hallo Ayira,

dein Text steht zwar schon etwas länger hier, aber vielleicht kannst du trotzdem noch eine weitere Rückmeldung brauchen?

Ich würde zuerst gerne deine Fragen beantworten, habe mit denen aber ein, zwei Schwierigkeiten.
Du fragst erstens, ob die Szene funktioniert, sagst aber nicht, was die Funktion sein soll. Ist es, die schaurige Erwartung zu schüren, wovon du in der dritten Frage sprichst? Solche Fragen zu beantworten, fällt mir generell nicht leicht, da ich beim kritischen Lesen Atmosphäre nicht so gut aufnehmen kann, wie beim vergnüglichen Lesen; ich habe aber nach Waves Kritik geschielt und kann mich ihrer Kritik bezüglich der schaurigen Erwartung im Großen und Ganzen anschließen. Ich sehe aber auch die Schwierigkeit, Grauen von einer Figur ausgehen zu lassen, die, genau genommen, nur dasteht. Die Unmenschlichkeit der Zan aber z. B. über deren Schweigen zu präsentieren, halte ich, wie Wave, für eine Möglichkeit.

Zur zweiten Frage aber kann ich etwas sagen: Das Verhältnis zwischen Adira und der Zan habe ich aus dem Text heraus verstanden - man sieht es ja einfach daran, wer sich vor wem rechtfertigen muss, und wer Befehle gibt und wer sie empfängt. Was ich aber aus dem Text heraus nicht weiß, ist, ob "Zan" ein Titel ist wie "Herrin", oder ob sich die Hierarchie der beiden Figuren aus einem anderen Umstand heraus ergibt. Ausdrücke wie "meine Zan" legen allerdings ersteres nahe ...

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz meinen eigenen Geschmack ins Spiel bringen. Ich persönlich mag solche Wortschöpfungen nicht so sehr. Ich möchte dir aber meinen Geschmack nicht aufdrängen, sondern dich fragen, worin du den Gewinn dieser Schöpfungen siehst. Bei "Zan" bspw. kann ich vermuten, dass es soetwas wie "Herrin" meint, aber wenn du nicht selbst an den Anfang des Textes geschrieben hättest, dass "Levin" einfach "Schüler" bedeutet, hätte mich der Satz
Zitat
"Sie ist über den Elementenpfad gekommen. Das Schloss hat sie als Levin anerkannt."
verwirrt. "Levin" hätte hier durchaus "Ritterin", "Magd", "Braut", o. a. heißen können. Welcher Vorteil wiegt deiner Meinung nach den Nachteil dieser potentiellen Verwirrung auf?

Eine andere Sache, die sich ebenfalls aus meinen eigenen Vorlieben ergibt, die du aber vielleicht dennoch überdenken magst, ist deine Verwendung von kursiv geschriebenen Gedanken. Ich finde diese Gedanken oft redundant und sie provozieren immer die Frage: würde man in dieser Situation wirklich so denken? Ein, zwei Beispiele:

Zitat
Angst war ein Zeichen von Schwäche - und die kann ich mir nicht leisten, verflucht noch mal!
Wer kann sich schon Schwäche leisten? Allein schon Angst als Schwäche zu bezeichnen, impliziert, dass sie nicht gewollt ist (niemand will seine Schwächen). "Das kann ich mir nicht leisten" ist darüber hinausgehend ein sehr abstrakter und generische Ausdruck; Dass deine Figur selbst sagt, Angst sei ein Zeichen von Schwäche, ist eine deutlich stärkere Charakterisierung, die, meinem Empfinden nach, durch die schwächere und überflüssige Aussage, dass Adira sie sich nicht leisten könne, verwischt wird.

Zitat
"Du hattest deine Chance."
Und du hast versagt. Ihre Zân sprach es nicht aus - aber das musste sie auch nicht. Die Schelte fraß Adira auch so am Magen.
Du, die Autorin, hättest es meiner Meinung nach auch nicht aussprechen müssen. "Du hattest deine Chance" impliziert alles: dass die Sache nicht erledigt ist, dass Adira keinen zweiten Versuch bekommt, und dass die Zan keine Geduld mehr hat. Mehr steckt in dem, was danach kommt, auch nicht drin; es ist also überflüssig.

Ich will das Stilmittel nicht pauschal verwerfen, ich werbe aber für sparsameren Gebrauch.

Von diesen generellen Anmerkungen unabhängig hat es einzelne Sätze gegeben, die für sich genommen verbesserungsfähig sind.

Zitat
Die Ungewissheit vor dem, was in der Höhle auf sie wartete, bröckelte den Boden unter ihren Füßen weg. Unsicherheit ließ ihre Beine zittern.
Mithilfe des zweiten Satzes kann ich erahnen, was du damit meinst, dass Ungewissheit den Boden wegbröckeln ließ; ich finde das aber unglücklich formuliert, weil ich mir, nur diesen Satz lesend, nicht vorstellen kann, wie das gehen soll. "Vor" scheint mir auch nicht wirklich die passende Präposition für "Ungewissheit" zu sein.

Zitat
Wie erbärmlich war das denn?
Das ist mir zu umgangssprachlich. - oder redet Adira in Dialogen auch so?

Zitat
Das war besser, als ihre vorige Verfassung - und auf eine Steigerung davon konnte sie nicht mehr hoffen.
Den Satz halte ich für überflüssig, weil man niemandem sagen muss, dass ein ruhigerer Puls besser ist als ein rasender - das ist klar.

Zitat
Ihr Blick klebte weiterhin am Boden, an ihren Füßen. Sie waren größer, als sie es bevorzugte. Aber ihre Auswahl war gering gewesen … Sie schüttelte den Kopf. Das tat jetzt nichts zur Sache.
Du hattest in deinen Anmerkungen geschrieben, dass die Füße wichtig werden, ich finde ihre Erwähnung an dieser Stelle aber leicht störend, weil sie von der Furchtsituation ablenken. "Das tat jetzt nichts zur Sache" schreibst du und ich habe mir dasselbe gedacht. Vielleicht kannst du im weiteren Verlauf der Geschichte eine passendere Situation für diese Information finden.

Zitat
Adira riss ihren Blick weg, taumelte zur Seite. Schwäche zitterte in ihren Gliedern. Nackte Panik krallte sich in ihr Herz. Sie stieß gegen seinen Sarg. Den sie selber dort aufgebahrt hatte. Galle drängte ihre Kehle hoch. Sie würgte. "Nein … bitte …"
"Du holst ihn zurück, Adira", schnurrte ihre Zân. Ein Lächeln klang in ihrer Stimme mit, das wie eine Klinge in Adiras Herz stieß. "Das ist deine neue Aufgabe. Enttäusch' mich ja nicht."
Zu diesen letzten Sätzen habe ich gemischte Gefühle. Zuerst die "nackte Panik" und das Stoßen gegen den Sarg: das befremdet mich, da ich folgendes Bild imKopf habe: Adira befindet sich in einer kleinen Höhle, außer ihr befinden sich nur eine scheinbar bewegungsunfähige Zan und ein Sarg, der sich ebenfalls nicht bewegen kann; die einzige, die sich überhaupt bewegen kann, ist Adira, aber bis eben hat auch Adira still gestanden. Jetzt plötzlich taumelt sie gegen den Sarg. Wenn ich mir vorstelle, dass sie aus dem Stand heraus plötzlich zu taumeln beginnt, wirkt das unfreiwillig komisch. Seltsam ist auch, dass die Zan, deren Stimme vorher nach Verachtung troff, jetzt "schnurrt" - wie eine Katze? Diesen Kontrast finde ich aber interessant und denke, er lässt sich zu einem Charaktermerkmal ausbauen. Dazu müsste er aber noch ein bisschen stärker oder ausgiebiger gezeichnet werden.

Damit bin ich fertig. Ich hoffe, dass dir meine Anmerkungen nützen. Sollte ich an irgendeiner Stelle unklar gewesen sein, hake bitte einfach nach.


Beste Grüße,
Nimmer
Ich schreibe gerade: etwas.

Offline Ayira

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 353
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #5 am: 28 Mai 2016, 11:39:54 »
Hallo Nimmer,

Meine Antwort ist leider fast schon drei Monate überfällig, aber als ich deinen Post damals las, hatte ich gerade keine Zeit zu antworten - und die Verbindung zu meinem Buch war auch nicht vorhanden. Danach hab ich ganz drauf vergessen.  :cheese:

Aber gut, lieber spät als nie.

Ich habe mir von Waves Kritik schon viel mitgenommen und den Text dementsprechenend umzubessern versucht.

Zitat
Zur zweiten Frage aber kann ich etwas sagen: Das Verhältnis zwischen Adira und der Zan habe ich aus dem Text heraus verstanden - man sieht es ja einfach daran, wer sich vor wem rechtfertigen muss, und wer Befehle gibt und wer sie empfängt. Was ich aber aus dem Text heraus nicht weiß, ist, ob "Zan" ein Titel ist wie "Herrin", oder ob sich die Hierarchie der beiden Figuren aus einem anderen Umstand heraus ergibt. Ausdrücke wie "meine Zan" legen allerdings ersteres nahe ...

Dass du vermutest, dass "Zân" mit Herrin gleichzusetzen ist, reicht mir. Genau diese Vermutung will ich nämlich wecken, ohne sie explizit zu nennen. "Herrin" wäre mir viel zu konkret. Ich will sie einige Zeit im Schatten wissen - ihr Auftritt kommt erst später. Bis dahin darf sich der Leser ruhig etwas den Kopf zerbrechen bzw. Vermutungen anstellen. Das ist mir bei der Geschichte sehr wichtig - die Vermutungen  ;)

Zitat
In diesem Zusammenhang möchte ich kurz meinen eigenen Geschmack ins Spiel bringen. Ich persönlich mag solche Wortschöpfungen nicht so sehr. Ich möchte dir aber meinen Geschmack nicht aufdrängen, sondern dich fragen, worin du den Gewinn dieser Schöpfungen siehst. Bei "Zan" bspw. kann ich vermuten, dass es soetwas wie "Herrin" meint, aber wenn du nicht selbst an den Anfang des Textes geschrieben hättest, dass "Levin" einfach "Schüler" bedeutet, hätte mich der Satz
Zitat

    "Sie ist über den Elementenpfad gekommen. Das Schloss hat sie als Levin anerkannt."

verwirrt. "Levin" hätte hier durchaus "Ritterin", "Magd", "Braut", o. a. heißen können. Welcher Vorteil wiegt deiner Meinung nach den Nachteil dieser potentiellen Verwirrung auf?
Dass Leven = Schüler sind, wird in der Geschichte vorher explizit erwähnt. Von daher kennt der Leser diesen Ausdruck und versteht. Der "Vorteil" liegt darin, dass wir uns hier in einer anderen Welt befinden. Es gibt Gemeinsamkeiten mit unserer Welt, aber sowohl Verhalten als auch manche Bezeichnungen weichen einfach voneinander ab, da sich Sprache unterschiedlich entwickelt. Ich kratze dabei an einem minimalen Bereich, sodass man durchaus leicht versteht, was gemeint ist - aber ich mag ein paar markante Unterschiede ;-) Dezent gestreut finde ich, dass der Leser damit klarkommt und sie die Welt auch glaubaft machen.

Zitat
    Wie erbärmlich war das denn?

Das ist mir zu umgangssprachlich. - oder redet Adira in Dialogen auch so?
Ja, die Umgangssprache passt zu Adiras Charakter. Das ist sie ;-)


Danke für deine Röstung. Wenn ich wieder an den text zurückgehe, werde ich schauen, ob ich von deinen anderen Anmerkungen noch etwas ändern kann oder muss. Die Szene habe ich bereits umgeschrieben, aber ich hab sie im Detail nicht im Kopf. Ich weiß nur, dass die Zân schweigsamer geworden ist und ich einen großen Teil von den anderen Röstungen bereits miteinbezogen habe.

 :kaffee2:  :b2:

  • Ich schreibe gerade: Neseret - Atem des Feuergottes

Offline Nimmer

  • Röstknecht
  • *
  • Beiträge: 59
Re: Neseret - Auftritt des Bösen
« Antwort #6 am: 28 Mai 2016, 14:44:59 »
Hallo Ayira,

kein Problem - jeder wie es ihm passt und wie er will :)
(Deadlines gibt es außerhalb des Forums ja mehr als genug.)


Beste Grüße,
Nimmer
Ich schreibe gerade: etwas.