Autor Thema: Was lest ihr gerade? (2013)  (Gelesen 42189 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Forticus

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 169
Re: Was lest ihr gerade? (2013)
« Antwort #460 am: 12 Dezember 2013, 21:22:10 »
Ich las zuletzt:
Masteron, Pledge - Your Masterplan for an Abundant Life
Altucher, Choose Yourself
Rommert, Ordnung ohne Stress
Symader, Was machen Sie eigentlich mit Ihren Gedanken?

Nach solch geballter Sachinformation und Anregung steht als nächstes (und seit heute wieder) auf dem Regal:
Der Silberrücken Number One, Perry Rhodan.

Offline felis

  • Grillmeister
  • *
  • Beiträge: 777
    • Das Minimalismusexperiment
Re: Was lest ihr gerade? (2013)
« Antwort #461 am: 13 Dezember 2013, 21:04:15 »
Andreas Eschbach "Herr aller Dinge"

Der Mann ist einfach gut...   :anbet1:
*Einkleinwenigneidischbin*
Ich schreibe gerade mein Blog

"Dunkelwelt" reloaded

Offline Forticus

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 169
Was macht ihr eigentlich mit euren Gedanken?
« Antwort #462 am: 31 Dezember 2013, 04:16:57 »
Letzte Worte ... ein Fazit zum o.g. Buch von Symader und ein Fazit. Einmal gut durch(lesen) bitte, und ja, eine Frage habe ich auch, aber diesmal behalte ich sie für mich.


Liebe Gemeinde,
zum Ausstand gäbe es sicherlich einiges zu sagen. Aber wir sind hier ja nicht zum Reden gewesen, sondern zum Schreiben. Und darüber habe ich mir in den vergangenen fünf Jahren viele Gedanken gemacht.

Wolfhard Symader: ”Was machen Sie eigentlich mit Ihren Gedanken?”, BOD 2007. (1)

Es handelt sich um ein Sachbuch Komma Aber …

“Wenn Sie das lesen, wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.” (frei nach 6)

Bis zu diesem Jahr habe ich meine Gedanken im Kopf sortiert. Wenn genug für einen bestimmten Zweck vorhanden war, dann verließen sie ihn, und gingen als Brief, Aufsatz, Paper oder posting zunächst hinaus in die Welt und irgendwann vermutlich den Weg alles Vergänglichen. An Tagebüchern habe ich mich ein paar Mal in der Jugend versucht, doch nach wenigen Seiten kam immer wieder die Einsicht, dass ich während des Schreibens, was ich erlebt habe, nichts erlebe – mir also Zeit stehle.

Und hier kommt der Symader (1) ins Spiel. Er befasst sich mit der Technik des Logbuchschreibens (amerikanisch: journalwriting). Gut die Hälfte des Buches befasst sich mit dem Verkauf: was ist Logbuchschreiben und welchen Mehrwert bietet es gegenüber dem Tagebuchschreiben. Man schreibt nicht (nur) auf, was man tut bzw getan hat, sondern was man denkt bzw. was man sich eigentlich dabei gedacht hat, wobei man einer Frage nachgeht und ein Ziel vor Augen hat. Die Idee ist, seine Ideen irgendwann wieder zu finden, zu rösten und eventuell zusammen mit anderen Ideen die seither aufgeschrieben wurden zu verknüpfen und zu neuen Ideen weiter zu spinnen. Ich hoffe, ich dichte dem Autor hier nichts an, denn ähnliche Ausführungen fand ich wenige Tage zuvor in Zusammenhang mit dem ”Luhmannschen Zettelkasten” (2) und in Erläuterungen zu dessen digitaler Umsetzung von Daniel Lüdecke (3). Auseinander bekomme ich meine Gedanken zu den drei nicht mehr. Hätte ich sie mir mal aufgeschrieben!

Zunächst sah ich Symader, Luhmann und Lüdecke nur im Zusammenhang mit der Erstellung akademischer Sachliteratur. Den Zettelkasten hatte ich bis dahin lediglich als Notizdatenbank, als digitale Gruft für meine handschriftlichen Sachnotizen genutzt. In der zweiten Hälfte gibt der Symader dann aber konkrete Hinweise, wie man ein Logbuch zur Erreichung seiner Ziele nutzt bzw. seine Ziele findet. Und sollte man kein Ziel haben, lassen sich mit dem Logbuch entsprechende Fragen finden, aus denen sich dann Ziele ergeben. An dieser Stelle hatte mich der Symader am Haken. Ich war nämlich gerade auf der Suche nach einem 10-Jahresziel samt Fragen. Recht praktisch wurde das Buch dann in der dritten Hälfte (es gibt immer drei, mindestens), in welcher der Autor über seine Variante, ein Logbuch zu schreiben und die Gedanken weiterzuverarbeiten berichtet. Ich selbst arbeite derzeit noch experimentell mit einer Textdatei, einem Buch mit weißen Seiten und dem Zettelkasten. Wichtig ist, dass man im ersten Schritt nur seine Gedanken aufschreibt und während des Schreibens keine Entscheidung über Zuordnungen zu Sachgebieten trifft, oder Schlagwörter und Querverweise zu Nachbarthemen festlegt. Dieser Schritt folgt erst Tage oder Wochen später, um den freien Gedankenfluss nicht zu stören.

Während des Aufschreibens meiner Gedanken keine Entscheidungen treffen ?!?

Das war seltsam. Denn ich kannte das Aufschreiben meiner (sortierten) Gedanken, wie bereits erwähnt, nur in Zusammenhang mit Briefen und Sachtexten. Es passierte nach einigen Tagen, daß ich nur kurz zum Logbuch-Programm wechseln wollte, um einen Gedanken fest zu halten, der mir unverfrorenerweise während der Arbeitszeit hinterrücks auflauerte. Ich begann also einige Wörter zu notieren ... und wachte nach ca. 15 Minuten Bauchschreiben wieder.
”Es dämmerte.” (Zitat aus 4)
Bauchschreiben?! Das hatte ich als junger Teufel im November 2008 bei einem einmonatigen Betriebsausflug des Federfeuers in bisher völlige fremde Gefilde kennengelernt. Es war so interessant, dass ich mich im November 2010 einer weiteren Expedition zum nanowrimo (4a) anschloss: Die Protagonisten liefen durch die Gegend und ich schrieb so schnell ich konnte mit, was sie mir berichteten oder mit anderen Figuren zu besprechen hatten. Aber Tagträume oder Selbstgespräche mitschreiben? Das war neu!

Inzwischen habe ich etliche Seiten geLoged, im Nachgang viele Zettel im Zettelkasten erzeugt, durch Schlagworte vernetzt und daraus schon einiges produziert. Dieser Text hier ist z.B. aus mehreren Einträgen im Logbuch entstanden. Doch wäre so ein Logbuch oder Zettelkasten auch geeignet, um einen Roman zu schreiben? (Eine Frage für das Logbuch!) Für die Konzeption und Recherche sicherlich. Es finden sich im Internet Seiten über Autoren, die Romane aus Karteikarten zusammengestellt haben, ebenso wie es hier im Federfeuer in Zusammenhang mit Plotten erwähnt wurde. Aber die eigentliche Geschichte? Ich weiß es nicht. Bei meinen Nano2010-Christbaumkugeln bin ich immerhin einen Schritt im Konzept weiter gekommen: die Schlagworte zweier Zettel unterschiedlicher Themenkreise standen im Schlagwortverzeichnis übereinander. Dadurch erleuchteten die Christbaumkugeln plötzlich als Symbol für eine mögliche dystopische Seite des Projektes, den gläsernen Menschen. Es war vermutlich im Unterbewusstsein vorhanden. Dystopien sind eine alte Leidenschaft(4b). Dies, so vermute ich, war eine ”Unterhaltung mit dem Zettelkasten” (5), infolge des Logbuchschreibens (1).
 
Der Gedankenfluss soll beim Logbuchschreiben nicht durch Entscheidungen des Zuordnens gestört werden. Nach der 15-Minuten-Erfahrung machte es Klick: Warum habe ich beim nanowrimo keine Konflikte in meine Texte hinein bekommen, geschweige denn welche lösen können? Damals spekulierte ich (außerhalb des Bauchschreibens), dass mein reales Leben vielleicht konfliktreich genug sei und ich insgeheim Heile-Welt-Geschichten wollte, bei denen vielleicht am Ende eine dystopische Heule-Welt-Geschichte allenfalls hervorschimmern würde, sich aber in der Welt und für die Protas nichts verändern soll. Aber jetzt erinnerte mich auch, dass ich seinerzeit während des Bauchschreibens merkte, dass ich um Entscheidungen drum herum schrieb. Der vermeintlich Gute und der vermeintlich Böse wechselten ständig das Lager. Das Bauchschreiben war so stark, dass jeder Konflikt oder dessen Lösung Tabu waren (5a). Jetzt weiß ich, und das müßte ich eigentlich noch ins Logbuch schreiben, dass die Protagonisten Fragen und Ziele brauchen, die über ein Kapitel hinaus gehen. Der eine hatte sein Lebensziel nach dem ersten Kapitel erreicht. Ja, ich denke, das Logbuchschreiben kann mir helfen, Fragen und Ziele für die Protas zu finden.

Der Symader ein Buch, das man unbedingt gelesen haben muß?
Ich schon, ebenso wie ein weiteres Buch vergangene Woche, welches ich vor drei Jahren geschenkt bekam. Gefunden hat es mich erst jetzt: Einst versicherte mir ein Freund ”aus eigener Erfahrung, es sei nicht der Leser, der ein Buch aussucht, sondern das Buch wähle sich seinen Leser aus.” (6) Bewaffnet mit Papierzetteln habe ich dieses spannende Sachbuch, in dem ein 80-jähriger über sein Leben, seine Fragen und seine Ziele berichtet, eher langsam gelesen, manchmal nur wenige Absätze und dabei immer wieder Notizen gemacht, was mir dazu einfiel, heute und schon vor 30 Jahren, aber (Betonung durch Wiederholung) damals schrieb ich meine Gedanken nicht auf. Durch Vernetzung der Notizen fand ich rechtzeitig zum Ende des Jahresrückblickes eine Frage wieder und ein Ziel, welche ich vor 30 Jahren hatte und vor 25 Jahren fast auf den Tag genau begraben habe. Was das für ein Buch war? Ich werde den Teufel tun, den Titel hier zu nennen. Erstens wird das Buch euch sowieso finden, wenn es euch braucht. Zweitens schreibt der Autor explitzit, dass er nicht an die Hölle glaubt. Drittens (erwähnte ich schon, dass es immer drei gibt?), geht es hier um das Buch von Wolfhard Symader. Aber ich kann sagen, dass ich erstens durch das Logbuchschreiben den Autor jenes Buches kennengelernt habe.  Vielleicht schreibe ich ihm eines Tages und erzähle ihm von der Hölle und von den Fragen und Zielen der Teufel. Zweitens habe ich jetzt eine Frage, und drittens …

weil die Hölle real ist, erlaube ich mir ein allerletztes Zitat, welches ich ohne (Betonung durch Weglassung) Federfeuer kennenzulernen niemals nicht gefunden hätte. Ganz im Sinne einer Kommunikation mit dem Logbuch:
”Und im Laufe der Erzählung fügten sich manche der von Martín zusammenhanglos eingestreuten Oberflächlichkeiten wie von selbst zusammen. Dabei erreichten sie eine Tiefe, in der sie dem Grauen in meinem Innersten in die engelsgleichen Augen schauten.” (6)

Nichts ist mehr, wie es einmal war!

Danke Dir, Federfeuer!


 - - -


(1) Symader, Wolfhard: Was machen Sie eigentlich mit Ihren Gedanken ?, Norderstedt, Books on Demand 2007. http://astore.amazon.de/federfeuer-shop-21?_encoding=UTF8&node=25
(2) bachtin10: Niklas Luhmann - Der Zettelkasten. http://www.youtube.com/watch?v=7gxXkbEag6k
(3) Lüdecke, Daniel: Der Zettelkasten, Software für Mac. http://zettelkasten.danielluedecke.de (vergleichbare Software von anderen Anbietern für andere Betriebssysteme: )
(4) Ott, Martin: Augenblicke, in Bibliotheca Forticana, Selbstverausgabung 2012. http://www.forticus.de/
(4a) www.nanowrimo.org
(4b) Forticus, Blog: Der dystopische Kanon, in http://forticus.wordpress.com/
(5) Luhmann, Niklas, 1993: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht. In: Kieserling, Andras (Hrsg.), Universität als Milieu, Seite 53-61. Haux, Bielefeld.
(5a) Ja, auch das Federfeuerfolgeforum, das FFFF namens Federteufel hat mich bereits weitergebracht, in dem ich dort meine Gedanken zum Drumrumschreiben um Tabus gelogbucht habe. http://www.federteufel.de/
(6) Ott, Martin: Mein Abend mit David Martín, in Bibliotheca Forticana, Selbstverausgabung 2012. http://www.forticus.de/
Ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis des Zettelkastens:
(n) Marvin Troemer, http://mt-blog.de/2010/11/23/arbeiten-mit-einem-zettelkasten/

 
« Letzte Änderung: 31 Dezember 2013, 10:55:41 von Forticus »

Offline Trippelschritt

  • Erzmagier des Nichts
  • Oberfähnchenaktenmacher
  • Oberdämon
  • *
  • Beiträge: 1.282
    • Pentamuria
Re: Was lest ihr gerade? (2013)
« Antwort #463 am: 18 Januar 2015, 10:44:31 »
Und ich dachte, der Martin liest Geburtstagsglückwünsche

 :aetsch:
Trippelschritt
  • Ich schreibe gerade: Ypsilone
Womit kann der alte Vol Jin euch helfen