Autor Thema: Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)  (Gelesen 19979 mal)

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pirat

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Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« am: 27 Februar 2011, 13:57:55 »
Hallo,
ich greife mal Trippelschritts Idee auf, einen Thread über den Fantasyroman Der Name des Windes von Patrick Rothfuss zu eröffnen. Es haben ja schon einige das Buch gelesen, so dass tatsächlich Interesse bestehen könnte. Für die, die das Buch noch lesen wollen: Achtung, Spoiler!

Hintergrund:

Zitat
Trippelschritt:
Ich habe eine Hassliebe zu dem Buch entwickelt und es mindestens gefühlte zehnmal gelesen. Wenn man ein wenig abstand davon hat, dann merkt man, dass die Konstruktion des Plots kräftig misslungen ist. Und trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.
Ich habe die Stärken immer noch nicht gefunden. Mit sicherheit gehören die exzellenten Dialoge und die athmosphärisch dichten Beschreibungen dazu. Der Musikerwettstreit war sagenhaft von vorn bis hinten.

Zitat
pirat an Trippelschritt:
Inwieweit findest du die Konstruktion des Plots misslungen?

Zitat
Trippelschritt an pirat:
Hat mich schon mal einer gefragt. War es Noir? Nachschauen muss.
Mein Vorschlag zur Güte: Machen einen thread auf, wenn du meinst, dass genügend Interessenten da sind das Buch zu diskutieren. Man kann sehr viel lernen aus diesem Buch.

Zitat
Noir:
Ja, das war ich. ;D Die Idee mit dem Extra-Thread finde ich auch gut. Wenn ausreichend Interesse bestehen sollte natürlich. Deine PN ist noch nicht gelöscht, Trippelschritt. Falls du das ganze nicht noch einmal schreiben möchtest, könnte ich sie dir gerne wieder schicken, es sei denn, du hast sie bereits in deinem Postausgang gespeichert.

Nach wie vor bin ich neugierig darauf, inwieweit man (Trippelschritt [und andere?]) die Plotkonstruktion misslungen fand.
Wie fandet ihr das Buch? Die Charaktere? Wen mögt ihr besonders und wen nicht? usw.?
 
Ich muss das Buch auf jeden Fall noch einmal lesen. Beim ersten Mal fand ich vieles sehr spannend, dass ich automatisch schneller las, weil ich wissen wollte, wie es weiterging. Das, was mich störte, war zu dem Zeitpunkt deshalb eher oberflächlich wie Kvothes altkluges Benehmen in der Ich-Erzählung (die allerdings dadurch wieder aufgefangen wurde, dass er es rückblickend erzählt hat), die zum Teil aufgezwungenen emotionalen Szenen, die ich als solche nicht nachempfinden konnte (Tod seiner Eltern, die Reaktion von Kvothes Freund darauf in der Gegenwart z.B.; weiß aber noch nicht, wieso ich an diesen Stellne nichts nachempfinden konnte ... vielleicht zu viel beschrieben? Vielleicht empfand ich die Erfahrung mit dem Tod auch zu sehr als Rechtfertigung dessen, was noch kommen mag ... also, dass der Tod der Eltern als Weiterentwicklung des Plots als solches Mittel zu sehr im Vordergrund stand ?) Den Musikerwettstreit fand ich an sich zwar klasse, finde es aber in Büchern immer schwierig, Musik so sehr zum Thema zu machen. Beim ersten Mal lesen sah ich noch gar nichts so sehr Besonderes daran, dass Kvothe im Vergleich zu anderen so hervorsticht. Außerdem waren ich viele Charaktere für mich zu blass wie seine Freunde und Feinde an der Uni, Denna etc. Vielleicht, weil ich bei vielen von ihnen noch nicht so recht weiß, wozu sie eigentlich da sind außer, um Kvothe - auf welche Art auch immer - Gesellschaft zu leisten.
Stark fand ich die "Kampf-ums-Überleben-Szenen" als Junge in der Stadt.

Das Buch an sich fand ich schön geschrieben, viele Textstellen nahezu märchenhaft anmutend. Überrascht war ich, dass es schließlich zur Ich-Perspektive führt, die das ganze Buch beherrscht - eben weil sie am Anfang noch nicht da ist. Aber es war eine positive Überraschung, da ich Ich-Perspektiven liebe.




Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #1 am: 28 Februar 2011, 09:58:06 »
Huch, habe ich bis jetzt übersehen.

O.k., hier ist meine Begründung.
Hassliebe heißt, dass dieses Buch Wahnsinnsstärken aufweist und daneben ein paar richtige Anfängerschwächen. Man muss aber auch sagen, dass es ein Erstlingswerk ist. Ich habe es verschlungen.

Es gibt eine Rahmenhandlung um eine erzählte Geschichte, die zwischen einer Diskussion (Diialog- und ähnliches Szenen zwischen Biograph und Protagonist) und erlebten Abenteurn hin und her springt. Dieses Springen gefällt mir ausgesprochen gut, die Rahmenhandlung ist gewöhnungsbedürftig. Zwar ist sie gut geschrieben, aber sie ist anfangslastig und produziert jede Menge offene Handlungsfäden, bei denen man hoffen muss, dass sie in Folgebänden verknotet werden. Aber bis dahin hat man sie vergessen.

Die erzählte Geschichte besteht aus vier Einheiten, die nicht zueinander passen. Das ist mein größter Kritikpunkt.
Der erste Teil behandelt die ganz frühe Jugend des Protagonisten. Exzellent geschrieben.
Dann bricht seine Welt zusammen, und unser Held muss sich im Elend durchschlagen. Dieser zweite Teil aht zwar starke Szenen, aber seine gesamte Stimmung passt nicht zum ersten Teil. Während der erste Teil der Geschichte noch völlig Fantasy ist, ist dieser zweite Block gespickt mit sozialkritischen Elementen. Da frage ich mich, was soll das, wo doch der Rest des Buches, damit nix am Hut hat.
Der dritte Teil ist wieder Fantasy, Abteilung Univeristäts-, College-, etc Roman. Er passt gut zum ersten Block und ist der haupteil der Geschichte.
Dann kommt quasi als Einzelabenteuer ein viert Block über eine Drachenhatz kombiniert mit eder Fortführung einer pubertären Liebesgeschichte. Dieser Block unterscheidet sich sowohl im Stil als auch in der Kraft des Ausdruck von dem, was vorher geschrieben wurde und ist glatt überflüssig. Zumindest erkenne ich nicht die Funktion dieses Teils.

Und trotz alledem.
Lesen!

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Galén Pahlenorth

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #2 am: 28 Februar 2011, 11:39:06 »
Ich hatte bereits in einem Thread erwähnt, dass ich das Buch gerade lese - und nun bin ich endlich fertig damit.

Mit ziemlich hoher Erwartung bin ich an dieses Buch rangegangen, da es mir auf das Wärmste empfohlen wurde und auch die Rezensionen, die ich gelesen habe, allesamt das aufgriffen, wonach ich lange gesucht habe.

Ich mag es wortgewandt, vom Ausdruck her ein wenig altertümlich (könnte man so sagen), auf jeden Fall aber sehr poetisch, ein wenig theatralisch gar.
Patrick Rothfuss’ Schreibstil hat mir gefallen - kein Zweifel. Aber ich hatte dann wohl doch zu hohe Erwartungen an das Buch - und trotzdem hat es mir sehr gefallen!

Im Großen und Ganzen hat es mir sehr gut gefallen (auch die deutsche Übersetzung ist gelungen), ich werde auch die Fortsetzung mir kaufen und freue mich sogar schon darauf zu erfahren, wie es weitergehen wird.

Nun möchte ich jedoch noch einige detailliertere Blicke auf das Buch werfen (und werde dabei mit Sicherheit spoilern - nur als Warnhinweis):

Wie Kvothe sich manchmal selbst beschreibt, bereitete mir des Öfteren ein Magen nach oben hin leerendes Gefühl in der Bauchregion (um es Mal ein wenig förmlich zu formulieren). Verdammt großspurig (wenn nicht -kotzig), völlig von sich selbst überzeugt (wenn auch mit gutem Grund) und einfach unantastbar - Eigenschaften, die dann und wann in eine Art und Weise von Kvothe betont wurden, dass sie mir einfach zuwider wurden mit der Zeit.
Hingegen überzeugen konnte Rothfuss mich mit seinen schönen, bildhaften Beschreibungen. Als Charaktere haben mir vor allem der Lehrmeister der Namenskunde, Auri, sowie Abenthy gefallen. Die Orte wie die Universität und die Stadt Imre sind ebenfalls sehr anschaulich beschrieben und Tarbean so detailgetreu erklärt, ich würde mich in ihr wahrscheinlich gut zu Recht finden.
Patrick Rothfuss versteht es bestimmte Bilder mit solcher Emotion hervorzubringen, dass es mir eine Freude war bestimmte Passagen auch des Öfteren durchzulesen. Das Harzsüchtige Mädchen, das Kvothe in Tarbean nackt im Schnee tanzen sah, nur ihrer Sucht wegen, hatte mich innerlich berührt. Seine Beschreibung, wie das Feuer in der Werkstatt ausgebrochen war, ließ mich mitfiebern und als Kvothe das erste Mal den Namen des Windes rief war von einer mächtigen Stimmung untermalen.
Mit der Zeit beinahe nervig fand ich hingegen schon die ganze Liebesgeschichte um Denna und das Beschreiben ihrer Eigenarten - nun das ist alles sehr subjektiv, anderen mag sicherlich besonders das so gefallen haben.

Warum mir das Buch so gefallen hat? Die Stimmung, die Atmosphäre - es hat einfach gepasst.

An Trippelschritt:

Deine Unterteilung ist sehr gelungen. Dass der von Dir benannte Zweite Teil jedoch nichts mit dem Rest des Buches am Hut hätte, da muss ich Dir widersprechen: dieser Teil war für die persönliche Entwicklung Kvothes äußerst wichtig, wird häufig noch erwähnt und wird ab und zu noch in Erinnerungen Kvothes aufgegriffen. Dennoch denke ich zu wissen, wie Deine Aussage zu verstehen sein soll.
Die Jagd auf den Drachen, da gebe ich Dir vollkommen Recht, ist auch für mich wenig nachvollziehbar - abgesehen davon, dass in diesem Teil die Beziehung (wie Du ja auch schon sagtest) zwischen Kvothe und Denna weiter vertieft wird und sogar fast schon einen Höhepunkt in Kvothes Jugend darstellt (er selbst bezeichnet einen Moment, den er mit Denna gemeinsam verbrachte, in diesen Teil, als den schönsten Augenblick seiner Jugend), außerdem wird Kvothes Tollkühn, Mut, Stärke, Zauberfertigkeit wieder einmal in den Vordergrund gestellt (als er den Draccus tötet).
Das einzig wichtige an diesem Teil ist meiner Meinung nach, dass die Chandrian wieder einmal in das Bewusstsein des Jungen treten und er ihnen wieder nahe auf den Fersen zu sein scheint.

Mehr fällt mir im Moment nicht ein, was ich dazu schreiben könnte.
Ich kann nur zitieren:

Und trotz alledem.
Lesen!

:D

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #3 am: 28 Februar 2011, 12:37:32 »

An Trippelschritt:

Dass der von Dir benannte Zweite Teil jedoch nichts mit dem Rest des Buches am Hut hätte, da muss ich Dir widersprechen: dieser Teil war für die persönliche Entwicklung Kvothes äußerst wichtig, wird häufig noch erwähnt und wird ab und zu noch in Erinnerungen Kvothes aufgegriffen.

Hi there,

ist vielleicht ein Missverständnis. Inhaltlich beschreibt dieser zweite Block einen Teil des lebens des Protagonisten und wird deshalb auch gebraucht. Da sind wir einer Meinung.
Aber wie es geschrieben wurde passt nicht zusammen. Keiner der drei anderen Teile ist im Stil einer Sozialkritik geschrieben worden und keiner der drei anderen Teile orientiert sich an gegenwärtigen Verhältnissen (Polizei prügelt Bettler aus elegantem Wohnviertel und begüterte Dame entdeckt mitleidvolles Herz im Angesicht von Dreck und Wunden,w as ihr vorher vorenthalten wurde) Ich meine das geht nicht. Das ist ein anderes Buch .
Alles klar?

Trippelschritt
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Galén Pahlenorth

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #4 am: 28 Februar 2011, 14:34:43 »
Hm, ich verstehe, was Du meinst, doch irritiert mich, dass dies als Dein „größter Kritik-punkt“ gilt - das weicht einfach meiner Denkweise vollkommen ab.
Lass mich versuchen, meine Sichtweise darauf ein wenig zu erläutern, denn ich denke gut nachvollziehen zu können, weshalb Rothfuss diesen Teil so eingebracht hat - und so klärt sich vielleicht auch, weswegen ich mit dieser Deiner Meinung nicht sehr viel anfangen kann (natürlich ist das alles subjektiv und im Grunde ohne Belangen).
Kvothe befindet sich also in Tarbean und muss sich nun selbst als untersten Teil der Gesellschaft sehen: er ist ein Bettler, hungert und friert ohne Dach über den Kopf, sieht sich gar zur Dieberei gezwungen - ist also der Abschaum Tarbeans, der Dreck unter den Fingernägeln der oberen Gesellschaftsschichten. Dies geht damit einher, dass - wenn man es gut beschreiben und dem Leser nahe bringen möchte (was für den späteren Verlauf der Geschichte Kvothes hier unablässlich ist) - man die Atmosphäre, nicht nur die Umgebung, in welche Kvothe sich nun wiederfindet, so genau wie möglich beschreibt: nämlich als erbarmungslos, herzlos, kalt, abweisend, bedrohlich und grausam.
All dies schafft man - meiner Meinung nach - in einem gleichnislosen Ausmaß, wenn man sich eben dieser Beschreibung der Gesellschaft bedient, also wie eben diese auf die untere Schicht, in welche sich Kvothe als „Abschaum“ nun befindet, reagiert und mit ihr umgeht - so wie es Patrick Rothfuss hier getan hat.
Diese sozialkritischen Elemente sind in meinen Augen also eher ein Instrument zur Erzeugung einer bestimmten Atmosphäre für den Leser (so zumindest hatte es bei mir gewirkt), als ein primäres Ausüben von Kritik. Ich denke, dass dies nicht nur ein Streit um die richtige Wortwahl ist, sondern grundlegend zwei unterschiedliche Ansichten und Verständnisweisen des Textes ausdrückt.
Dass diese oder jene Ansicht die richtige oder falsche ist halte ich für einen unaustragbaren Kampf, da er lediglich mit subjektiven Meinungen ausgetragen werden kann.
Was ich hier also aufgezeigt habe ist meine eigene, persönliche Meinung zu dem Kritik-punkt, den Du aufgezeigt hast - mein Verständnis der von Patrick Rothfuss ausgeübten Sozialkritik nicht als Sozialkritik an sich, sondern eher als Werkzeug zur Erzeugung bestimmter Eindrücke.

pirat

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #5 am: 05 März 2011, 18:14:37 »
Heey, danke Trippelschritt und Galén für die interessanten Antworten !  :)

Den vierten Block, dieses Einzelabenteuer der Drachenhatz, empfand ich ebenfalls als überflüssig. Vielleicht ändert sich diese Meinung, wenn Band 2 erschienen und ich das Buch gelesen habe, aber aus Sicht des ersten Bandes passt es nicht so gut in das Konzept und ich sehe darin auch keine Entwicklung oder Erfahrung, die für Kvothes weiteres Leben wichtig sein soll. Sicherlich, das Erinnern an die Chandrian ist hier natürlich sehr vorrangig, aber das mit einer Drachenhatz verbinden? Unabhängig davon konnte ich aber auch in diesen Teil abtauchen, obwohl ich mit Denna einfach nichts anfangen kann.

Die Universitätsgeschichte hat, wie ich finde, durchaus starke sozialkritische Parallelen zu der Erzählung als Straßenjunge. Die ständigen Geldprobleme, die häufigen Anmerkungen über die Studiengebühren und armen und reichen Studenten, die Geschichte rund um Devi schließen mMn im Stil von Block drei an.
Das Themenfeld selbst empfand ich ( ebenfalls ² Galén) als Art Werkzeug.

Was ich mir manchmal wieder in Erinnerung rufen musste, war, dass Kvothe kein alter Mann ist. Er ist noch sehr jung während er die Geschichte erzählt und im Grunde steht ihm noch alles offen. Ich bin sehr gespannt, ob und inwiefern in den nächsten Bänden die Gegenwart weiter in den Mittelpunkt rückt.

Ich habe übrigens irgendwo gelesen, dass Patrick Rothfuss vierzehn Jahre an "Der Name des Windes" geschrieben hat (?)



Nightingale

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #6 am: 05 März 2011, 23:23:13 »
Ich mag das Buch, sogar sehr.
Ehrlich gesagt, hat mich seit gefühlten Ewigkeiten kein Buch so gefesselt, wie "The Name Of The Wind" und lange danach war auch Ebbe.

Gestern erhielt ich von Amazon mein vorbestelltes Exemplar von "A Wise Man´s Fear". Ich habe nur einmal reingeschaut und es reichten mir drei Zeilen (und es handelte sich wirklich um eine wahllos ausgesuchte Textstelle), damit ich wieder in vollkommener Bewunderung für den Schreibstil des Autoren aufging. Der 2. Teil hat in der Hardcover-Fassung übrigens 997 Seiten. Da ist der Rothfuchs Rothfuss gerade noch mal an der 1000-Seite-Grenze vorei geschlittert.  :cheerful:

Nun habe ich mir allerdings erstmal das Lesen vom 2. Teil verboten, bis ich meinen aktuellen Schundroman ähm, mein Meisterwerk zumindest in einer Erstfassung fertig gestellt habe. Das sollte mich ermutigen und dann gilt fröhliches ... :lesles:

Katja

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #7 am: 15 März 2011, 10:04:22 »
Hallo ihr!

Ich bin zwar erst auf Seite 224, aber ich muss trotzdem dringend ein paar Anmerkungen loswerden. Bisher fand ich das Buch kurzweilig, aber nicht wirklich sensationell. Ich mag Rahmenhandlungen, aber diese ist doch ziemlich einfallslos. Ich mag Helden, aber dieser kann mich (noch?) nicht überzeugen. Im Gegenteil, als er zu Beginn beim Holzholen losheult, fand ich ihn ziemlich peinlich. Ich mag seinen Schüler/Gefährten, wie auch immer, in der Rahmenhandlung deutlich lieber. ;D

Dann hat das Buch ein paar grundsätzliche Schwächen, die nicht hätten sein müssen. Wenn ich Anna heiße und nicht möchte, dass man mich findet und erkennt, nenne ich mich nicht Anne und arbeite in einer Kneipe... Sprich: es ist mir schleierhaft, warum Kvote sich "Kote" nennt, wenn er unerkannt bleiben will und warum er ausgerechnet in einem Gasthaus arbeitet, wo doch klar ist, dass reisende Händler genau dort halt machen. Und wir alle wissen, dass Händler viel rumkommen und viel erzählen.

Dann mag ich den seltsamen Sprach-Mischmasch nicht. Es gibt jede Menge Eigennamen für Städte und Gegenden, auch für Figuren. Trotzdem fallen dann immer wieder Begriffe, die wir aus "unserer" Welt kennen, "Commonwealth" zum Beispiel. Was mich auch irritiert hat, ist, dass die ganze Zeit von "Kirchen" die Rede ist. Kirchen sind nun mal die Dinger mit den Kreuzen und somit christlich. Üblicherweise werden nichtchristliche Gotteshäuser Tempel genannt.

Und damit wären wir auch schon bei meinem Hauptkritikpunkt: Das Buch hat offensichtlich eine Botschaft:blargh:

Und ganz ehrlich, ich ertrage es einfach nicht mehr, wenn christliche Heilslehre, in welcher Form auch immer, in Fantasyliteratur "eingeklebt" wird. Es ist mir egal, ob es mormonische Keuschheitsgelübde à la Stephenie Meyer sind, oder das Neue Testament nach Rothfuss, verdammt noch mal, könnt ihr euch nix eigenes ausdenken?! Es wird nicht besser, wenn Maria jetzt "Perial" heißt, man "Thelu" anruft statt Jehowa, sein Sohn nicht Jesus heißt sondern "Menda" und den Teufel besiegt, der hier "Encanis" heißt.  Bitte, das ist so billig!!!  :grump:

Insgesamt muss ich sagen, dass mich die Welt, die Rothfuss da erschaffen hat, eher kalt lässt. Bisher hat mir nur der Teil mit der Schauspieltruppe gefallen, was eindeutig an der Truppe lag und nicht an der Welt oder am Protagonisten. Die Mythologie, die da immer im Hintergrund läuft, finde ich extrem oberflächlich, wie nachträglich angeklebt. Weshalb ich mich auch frage, wie Dennis Scheck zu dem Vergleich mit Der Herr der Ringe kommt.

Ich habe den Eindruck, dieser zweite Teil des Romans dient nur dazu zu zeigen, wie großartig Kvote ist, dass er es schafft, sich wieder aus diesem Elend zu befreien. Bisher hat mich das alles ziemlich kalt gelassen. Ich kann nicht verstehen, warum Kvote sich nicht das Erlernte zunutze macht. Sei es die Schauspielerei, sei es, was er von Abenthy gelernt hat.

Im Allgemeinen finde ich, dass ihm die Nebenfiguren viel besser gelungen sind... Nicht nur Bast, sondern eben auch Abenthy, Kvotes Eltern und die anderen der Schauspielertruppe.



Das, was mich störte, war [...] die zum Teil aufgezwungenen emotionalen Szenen, die ich als solche nicht nachempfinden konnte (Tod seiner Eltern, die Reaktion von Kvothes Freund darauf in der Gegenwart z.B.; weiß aber noch nicht, wieso ich an diesen Stellne nichts nachempfinden konnte ... vielleicht zu viel beschrieben? Vielleicht empfand ich die Erfahrung mit dem Tod auch zu sehr als Rechtfertigung dessen, was noch kommen mag ... also, dass der Tod der Eltern als Weiterentwicklung des Plots als solches Mittel zu sehr im Vordergrund stand ?

Ich fand das auch nicht glaubwürdig, ich konnte dem Protagonisten die Trauer nicht so ganz abnehmen. Ich habe das Buch ja noch nicht fertig gelesen, aber bisher habe ich auch noch nicht erkannt, warum die Familie sterben musste. Bisher ist der einzige Grund, dass Kvote somit von ganz unten zum Helden mutiert und das ist doch etwas wenig...

Ich bin noch nicht sicher, ob ich das Buch auch wirklich weiterlese.  :weissnicht:

Nightingale

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #8 am: 15 März 2011, 10:47:41 »
Hallo Katja,

mich würde interessieren, ob du das Buch im Original oder in der deutschen Fassung gelesen hast.
Ich habe einmal eine deutsche Leseprobe gelesen, die mich zwar angesprochen hat, der aber anderereits der Charme des Originals fehlte. (Zumindest, was meinen Geschmack betrifft.)
Mir gefiel das Buch vor allem aufgrund der Erzählerstimme. An vielen Stellen des Buches fragte ich mich, wie das wohl übersetzt wurde, da die direkte Übersetzung einfach nicht funktionieren würde. Plattes und nicht besonders großartiges Beispiel an einer Stelle, in der diverse Charaktere über etwas abstimmten und jeder auf sehr eigene Weise gestikulierte: "He waved his hand."


Katja

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #9 am: 15 März 2011, 10:54:10 »
Ich habe mir in der Stadtbücherei die deutsche Fassung ausgeliehen. Da ich die Problematik mit den Übersetzungen kenne und ich mich gefragt habe, ob mich einige Stellen vielleicht deshalb nicht berühren, habe ich letzte Woche in der Stadtbücherei noch mal in das englische Original hineingeschaut. Das war aber nicht besser... Deshalb lese ich jetzt die deutsche Fassung weiter.

Wie gesagt, es liegt weniger an der Sprache, als viel mehr am Inhalt.

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #10 am: 15 März 2011, 12:28:48 »
Was ich an diesem Buch so bewundere sind die Charaktere und die Dialoge.
Die Schwächen sind eindeutig in der Konstruktion und auch in der Welt.
Das mit der Welt kann sich noch ändern, denn der Autor hat sich bisher mit Details zurückgehalten. Mal schauen, ob Band 2 mehr verrät.
Äh, was ich sagen wollte: Die Schwächen sind unabhängig von der Übersetzung.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Nightingale

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #11 am: 15 März 2011, 12:45:19 »
Ja, ich glaube, ich verstehe, was ihr meint.
Der Handlungsstrang wird nicht konsequent weitergeführt. Wenn das Buch eine klare Prämisse verfolgt, so muss ich sie z. B. übersehen haben und der erste Band findet auch keinen wirklichen Abschluss. Weshalb das Ende auf viele sicher unbefriedigend wirkt.

Vermutlich sind es auch die Dialoge und die Charaktere, die mich an diesem Werk begeistern. Viele Geschehnisse, wie die Drachenhatz sind lang und ausführlich erzählt, obwohl sich mir nicht ganz der Sinn bzw. die Konsequenz für die Story daraus erschließt.

Dennoch mag ich das Buch. Aber ich neige auch dazu, mich vor allem von starken "Erzählerstimmen" einnehmen zu lassen. Solche, die einen sehr einprägsamen Stil verwenden, wie z. B. Rothfuss, Peter S. Beagle oder Terry Pratchett.
Auch mit Längen, die die Handlung nicht unbedingt vorantreiben habe ich keine Probleme. So gefallen mir die Passagen mit Tom Bombadil im Herrn der Ringe ausgesprochen gut, obwohl diese keine großen Schatten auf die folgenden Ereignisse werfen.
Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und ich kann sehr gut nachvollziehn, dass die Meinungen hier auseinander gehen.

pirat

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #12 am: 17 März 2011, 17:01:55 »
Interessanter Eindruck, Katja, einige Dinge sehe ich auch so, wie zum Beispiel die Tatsache, dass er sich "Kote" nennt, um seine Identität zu verbergen. Da dachte ich für einen Moment, dass das ja wohl ein Scherz sei oder Kvothe eben doch gefunden werden will. Was ich noch nicht recht verstanden habe, war, wieso Kvothe das Gelernte von Abenthy und auch die Chandrians wieder vergessen hat als er als Straßenjunge gelebt hat. Ich glaube, im Buch wird mit dem Schockerlebnis argumentiert. Aber können solche Dinge so lange dann verdrängt werden wie die Lehrstunden? Auch, wenn man ein Kind ist? Er war doch mehrere Jahre in der Stadt, oder?

Die Sache mit der christl. Heilslehre / neues Testament: das stimmt wohl, wenn ich so darüber nachdenke. Habe ich erstaunlicherweise noch gar nicht. In Band 1 spielte sich das, wenn ich mich richtig erinnere, im Grunde nur in alten Erzählungen ab, oder? Überhaupt frage ich mich gerade, von was das Handeln und Denken derMenschen in der Königsmörder-Chronik eigentlich beeinflusst wird ... hach, ich muss das Buch wirklich noch mal lesen.


Was ich an diesem Buch so bewundere sind die Charaktere und die Dialoge.
Welche Charaktere mochtest du denn besonders? *rein aus Neugier frag*


Dennoch mag ich das Buch. Aber ich neige auch dazu, mich vor allem von starken "Erzählerstimmen" einnehmen zu lassen. Solche, die einen sehr einprägsamen Stil verwenden, wie z. B. Rothfuss, (...)
Ja, das ist bei mir auch oft so :)


Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #13 am: 18 März 2011, 09:19:16 »

Was ich an diesem Buch so bewundere sind die Charaktere und die Dialoge.
Welche Charaktere mochtest du denn besonders? *rein aus Neugier frag*


Na ja, ich merk mir nie die Namen, aber es sind ausgerechnet die Nebencharaktere.
Dazu gehören alle Freunde von Kvothe. Sim, Will, der ewige Schüler mit den grauen Haaren, der Adelige, der mit den niedergeborenen kunmpel. Dann die Verrückte aus den Abwasserkanälen.
Einige der Lehrer, aber nicht Hemme, der ist wiederum flach geraten.
Auch Denna finde ich gut, aber das ist grenzwertig, denn irgendwann muss mal klar werden, welche Rolle sie eigentlich spielt. Viel Alternativen hat der Autor da nicht mehr.
Dann der Türsteher und Mitbesitzer der Musikbühne, die Geldverleierin und und und.
Kvothe selbst geht und ist o.k. bis auf Einzelpunkte. Ambrose bleibt oberflächlich. Seine Eltern und sein erster Lehrer sind wiederumg randios.
Sein eigener Schüler und der Schreiber in der Rahmenhandlung sind weniger gelungen. Da scheint mir immer, als wolle der Autor sich noch einiges aufbewahren für später. Die Nebenfiguren sind fertig, weil sie sich nicht entwickeln und deshalb so gut und tief angelegt.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(heute Nebenfigur)
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bourani

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #14 am: 19 April 2011, 19:51:02 »
Ich habe mir am Samstag Zeit genommen und "Wise Man's Fear", Band 2 der Kingkiller Chronicle, beendet. Die Lektüre hat ziemlich lange gedauert, weil der Roman an die 400.000 Worte hat und ich auch erst ab dem zweiten Drittel drangeblieben bin.

Es ist kein perfektes Buch, aber ich bin dennoch beeindruckt.

Ich denke, was "Wise Man's Fear" im Gegensatz zu Band 1, "Name of the Wind", fehlt, ist etwas die Spannung: Im ersten Band war die Bedrohung durch die Chandrian viel präsenter. "Wise Man's Fear" fehlen auch die Action-Sequenzen. Davon gibt es nur zwei-drei große.

Die Unizeit am Anfang schließt nahtlos an "Name of the Wind" an und plätschert so dahin, ist aber im Nachhinein mit dem Ende (ebenfalls an der Uni) mit das beste im Buch.

Den Mittelteil im Feenreich und bei den Adem-Söldnern fand ich überlanng. Insbesondere haben für mich die Eigenheiten der Adem-Kultur nicht die lange Beschäftigung damit gerechtfertigt. Sicherlich, die Kingkiller Chronicle ist irgendwo eine Heroische / Epische Fantasy - also muss Kvothe auch das Kämpfen lernen. Doch das wäre wohl auch knapper gegangen. Der Aufenthalt im Feenreich beinhaltet immerhin einen Plotpunkt - eine Begegnung -, die offenbar noch sehr wichtig für den Ausgang der gesamten Serie sein wird.

Den Abschluss dieses etwas langatmigen Mittelteils machen die Levinshir-Kapitel, die ich am ungelungensten finde. Ich kam mir vor, als würde ich ein anderes Buch lesen. Die ganze Sequenz passt überhaupt nicht zum Ton des Buches und ich finde sie auch ziemlich Out of Character für Kvothe. Na ja.

Was ich bei Rothfuss exzellent finde, sowohl in "Name of the Wind" als auch in "Wise Man's Fear", sind Stil, Sprache. Rothfuss schafft eine literarische Qualität nicht aufgrund der Konstruktion der Sätze, wie man den "literarischen Stil" auch ausgeprägt findet, in überlangen, komplexen Sätzen, die manchmal eher den Worten als dem Inhalt huldigen. Die Sätze und Absätze bei Rothfuss sind kurz, die Worte dienen dem Inhalt. Viele Sätze muss man mehrmals lesen, weil sie so elegant knapp sind, in der Aneinanderreihung der Worte lyrisch und zugleich viel Tiefe ausdrücken.
In diesem Zusammenhang fand ich auch die Wahl gelungen, (sehr) kurze Kapitel zu verwenden, wie auch den Gebrauch von viel Dialog - weil es Bewegung schafft, die der Plot des öfteren nicht erzeugt.

Den Weltenbau in der Kingkiller Chronicle finde ich gelungen. Überhaupt besitzt Rothfuss die Gabe, einen nicht mit Informationen zu überfrachten. Das Magiesystem finde ich hervorragend durchdacht und habe ich in so einer Komplexität noch nirgends gelesen.

Bemerkenswert finde ich auch die Beschäftigung mit Themen wie die Bedeutung von Namen und die Entstehung von Mythen. Und was macht Geschichten aus? Hierbei ist die Kingkiller Chronicle ineinander verschachtelt wie eine russische Puppe. Ich kann mir vorstellen, dass diese Art von Konstruktion sehr schwierig ist, mit Geschichten innerhalb einer Geschichte innerhalb einer Geschichte. Insgesamt ist die Kingkiller Chronicle auch eine Art Kommentar über das Wesen der Geschichte - über die Knochen, das Gerüst, und die vage bleibende Mitte, die der Interpretation des Lesers überlassen wird.

Für mich ist die Kingkiller Chronicle mehr als typisches Mainstream. Es steckt offenbar viel mehr Arbeit drin als, sagen wir, in einem Thriller oder Krimi von der Stange. Auch werden menschliche Wahrheiten herausgestellt.

Aber ich frage mich, wo diese Serie hingeht.
"Name of the Wind" war eher wie ein Einatmen, sehr energiereich. "Wise Man's Fear" hingegen ist wie ein Ausatmen und endet an einem ziemlich tiefen Punkt. Und vielleicht ist es auch das, was dazu führt, dass ich an diesen Roman noch etwas länger denken werde.
Es ist nicht die typische heroische Fantasy. Vielleicht lebensnaher, mehr Memoir?
Man bekommt erste Eindrücke in "Wise Man's Fear", dass Kvothe eventuell seine Reise nicht so beenden wird wie man es von der typischen heroischen Fantasy erwartet.

Anscheinend gibt es noch einen einzigen dritten Band, der die Serie abschließen wird. Es sind in "Wise Man's Fear" sehr viele Handlungsstränge offen geblieben und in dem ganzen dicken zweiten Band wird nicht sehr viel Zeit abgedeckt. Das führt mich zu der Vermutung, dass in Band 3 eigentlich nur die Geschichte von Kvothe in der Vergangenheit beendet werden kann - und dass nur wenig Platz für Kvothe in der Gegenwart bleibt.

Ich werde bei Gelegenheit "Name of the Wind" erneut lesen, weil ich beim ersten Lesen von "Wise Man's Fear" sehr viele Hinweise überlesen habe. Und ich werde mir auch den dritten Band, "Doors of Stone", kaufen, wenn er (in ein paar Jahren) erscheint.

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #15 am: 20 April 2011, 15:17:14 »
Ich habe den zweiten Band noch nicht durch, aber mein vorläufiges Urteil deckt sich weitgehend mit dem Bourani.
Wer schreiben lernen will, sollte sich mit den beiden Bänden auseinandersetzen. Ich habe in einem anderen thread irgendwo gepostet, dass beide Bände exzellentes Lehrmaterial darstellen. Wie man manches kaum besser machen kann (Stil, Dialoge, Athmosphäre, Tiefe des Hintergrundes = Setting). Und daneben gibt es eine Menge Schwächen. Kleinere Pannen im Setting mit Dingen oder Begriffen, die da eigentlich nicht hingehören, die ich aber alle schnell wieder vergesse, und unglaubliche Schnitzer im Plot. Als ob er noch nie etwas von einer Spannungskurve gehört hätte.
Und trotzdem: unbedingt lesen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #16 am: 20 April 2011, 16:14:17 »
Mein Problem mit Band 1 ist, dass ich das Buch unehrlich finde.

Als Schelmenroman hätte es funktionieren können - erst die bis zur Unkenntlichkeit verzerrte und aufgeblasene Legende und dann der gewitzte Lehrling, der sich nur durch Tricks, Täuschung und viel Glück durchlaviert. Aber leider hat Rothfuss sich in seinen Helden verknallt und ruiniert die Erzählung, indem er in den Zwischensequenzen immer wieder absolut humorlos darauf rumreitet, wie HUAH UNGLAUBLICH gefährlich und bedrohlich und großartig dieser Kvothe doch ist.

Schade. Es waren durchaus gute Passagen drin, und vom Schreibstil her ist es gut genug, um mich bis zum Ende durchhalten zu lassen (bin mittlerweile fertig). Aber seinem Helden hat er mit der Fanstory keinen Gefallen getan.
« Letzte Änderung: 20 April 2011, 16:14:36 von FF »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #17 am: 21 April 2011, 09:10:39 »
Das Problem mit dem Protagonisten geht auch in Band 2 weiter.
Dort ist er gerade mal 16 geworden.
Rothfuss muss das Alter immer mal wieder erwähnen. vielleicht weil er selbst merkt, dass man seinem Prota dieses Alter nicht abnimmt. Und ich nehme einem Sechzehnjährigen in einer offensichtlich sexuell nicht tabuisierten Welt nicht ab, dass er überhaupt keine Ahnung von Frauen hat, was Rothfuss indirekt mit dem Alter begründet.
Selbst in meiner Jugend, wo die Moral noch erheblich höher gehalten wurde als heute, hatten die meisten Vierzehnjährigen Volksschüler (heute Hauptschüler) und auch die Realschüler sexuelle Erfahungen. Nur die Gymnasisten taten sich da schwer.
Und einer der Endema Ruh, die so gut wie keine Zwänge kannten und als Gegenpart der Sinti und Roma laufen könnten, soll da nicht durchblicken.
Wenn er sich da schwer tut - o.k. spannende Idee - dann braucht es eine andere Begründung. Und die früh genug in seiner Geschichte.

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Neyasha

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #18 am: 21 April 2011, 10:54:49 »
Ich frage mich mittlerweile, ob ich die Trilogie überhaupt weiterlesen soll. Irgendwie merk ich mal wieder, dass ich mir selbst nichts Gutes dabei tue, wenn ich manche Bücher zu sehr hinterfrage bzw. zu viele Reviews lese.
Ich habe den 1. Band schlichtweg geliebt. Die angeführten Kritikpunkte hab ich zwar gesehen, aber beim Lesen waren sie mir egal, ich hab einfach meinen Analyseblick weitgehend ausgeschaltet und das Buch vom Anfang bis zum Ende genossen. Die ganze Zeit habe ich mich darüber gefreut, endlich mal wieder Fantasy gefunden zu haben, die ich wirklich mochte und ich hab mich sehr auf den 2. Band gefreut.

Jetzt ... freu ich mich nicht mehr so wirklich. Ich merke, dass mir das Lesen der Kritikpunkte mir das Lesevergnügen irgendwie im Nachhinein verleidet bzw. kann ich es dadurch wohl nicht mehr vermeiden, meinen Analyseblick wieder einzuschalten. Und wenn der erst mal eingeschaltet ist, ist es schwer, ihn mitten in einer Trilogie wieder auszuschalten.
Tja, ich schätze, ich hätte den 2. Band trotz aller Fehler vermutlich sehr gemocht, wenn ich einfach ganz vorurteilsfrei daran herangetreten wäre und mich darauf eingelassen hätte. Jetzt befürchte ich, dass mir das nicht mehr gelingen wird.

Da hab ich mir jetzt irgendwie selbst Steine in den Weg gelegt, fürchte ich. Hm, selbst Schuld. Ich kenn mich ja und weiß, dass ich andere Meinungen möglichst erst lesen sollte, wenn ich ein Buch bzw. eine Serie abgeschlossen habe ...  :kopfwand:

(ziemlich verrückt, oder?  :denk: Bin ich da eigenartig oder gehts anderen ähnlich?)

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #19 am: 21 April 2011, 11:52:29 »
Rothfuss zieht mich immer wieder ganz schnell hinein. so dass ich da das Problem nicht habe. Im Gegenteil. Ich muss mich anstrengen, den Analyseblick einzuschalten.

Generell gehe ich in einen Roman hinein, um mich dort zu versenken. Der analyseblick erwacht, wenn ich über eine sensationelle Kleinigkeit stolpere und Heureka ausrufe, und dann erneut eintauche. Oder wenn mich etwas aus dem Roman rauswirft. Wenn mich also etwas ärgert.

Ansosnstens ehe ich das locker - und den Band 1 (Wind) liebe ich immer noch trotz der Plotschwächen und der merkwürdigen Zwischentexte.

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bourani

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #20 am: 21 April 2011, 21:44:21 »
Der analytische Blick ist bei mir mal mehr, mal weniger präsent.
Zu Kvothes sexuellen Erfahrungen (ich glaube, das ist mit der am meisten geäußerte Kritikpunkt):
Nachdem ich ein paar Reviews gelesen habe, habe ich ziemlich Schlimmes erwartet. Vielleicht haben Amerikaner da einen anderen Blick drauf. Ich fand die Passagen eher langatmig. Auch die romantischen Aspekte fand ich nicht sonderlich interessant.
Es ist erstaunlich, wie viel mich beim Lesen eigentlich genervt hat und dennoch habe ich den Rest des Buches in zwölf oder mehr Stunden am Stück gelesen.
Am Ende erzeugt Rothfuss mit "Wise Man's Fear" (nicht aber mit "Name of the Wind") bei mir dieses erdrückende Gefühl, wie wenn ich eine gute Biographie gelesen habe. Es waren viele Details, viele Kleinigkeiten, viele eher leise Töne, aber vielleicht braucht es derer, um am Ende ein solches Gefühl zu erzeugen.
Die eher tiefe Note am Ende erinnert mich an Biographien, die ich gelesen habe: über Personen, die ein aussergewöhnliches Leben geführt haben und doch gewöhnlich enden. Es ist ein interessantes Instrument, mit den Erwartungen und Wünschen des Lesers zu spielen. Der Leser wünscht sich, alles möge gut für den Protagonisten ausgehen, aber es wird angedeutet, dass dem nicht so sein wird.

Ich fand "Wise Man's Fear" weniger spannend, doch irgendwie nuancierter, voller; Kvothe überwindet nicht mehr alles. Werde demnächst "Name of the Wind" erneut lesen (ist schon einige Jahre her), vielleicht gewinne ich einen neuen Blick auf die Serie. Mir ist auch aufgefallen, dass man viele Details und Hinweise in "Wise Man's Fear", die sich mit den Rätseln beschäftigen, nicht erkennen kann, wenn man "Name of the Wind" nicht mehr im Hinterkopf hat.

Hiding Fox

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #21 am: 02 Juli 2011, 00:09:37 »
Oh, wie hübsch. Der Name des Windes.

Mich überrascht ehrlich gesagt, dass ich beim Überfleuchen des Threads nicht einen der Hauptkritikpunkte gelesen habe; Kvothe ist Gary Stu, das perfekte Alter Ego des Autors, der sich in seinen Geschichten zum Helden heraufstilisiert, der von allen begehrt, unheimlich klug und schön und wahnsinnig talentiert ist. Und dem natürlich alles gelingt. Kvothe hat keinerlei Schwächen bis auf seinen Geldmangel und seine Arroganz. Ich meine, sicher, er ist der Held der Geschichte, er ist absolut legendär und am Ende ein 'gebrochener Mann', der bereit ist zu sterben, aber letztlich ist er noch immer ein eitler Pfau, ein Kotzbrocken ersten Grades, der seine Genialität feiert und leider auch noch in der gesamten Welt damit durchkommt. Es gibt so unheimlich viele Szenen im Buch, mal abgesehen von seinem kurzen Leben als Straßenkind, in denen das zum Ausdruck kommt. Ich finde diesen Aspekt nicht mehr schön.
Dass der Plot eher eine episodenhafte Aneinanderreihung von Geschehnissen, verknüpft durch den Protagonisten ist, wurde ja schon festgestellt. Es gibt selten wirkliche Verknüpfungselemente, und sei es der Name des Windes am Schluss des Buches, oder ab und an mal Denna, die durchs Bild fleucht, schmachtet und angeschmachtet wird und sich wieder davon macht. - Dass die Sprache so sehr gemocht wird, verstehe ich persönlich nicht wirklich, aber ich bin kein großer Poet und kein Freund großer Worte, daher ist der Aspekt wohl einfach an mir verloren gegangen. Besonders den Prolog mit der dreilagigen Stille empfand ich als überladen und unglaublich gekünstelt, weniger als schön und poetisch.
Letztlich hat das Buch jedoch auch seine guten Seiten. Ich mag die Erzählperspektive, dieses Geschichte in der Geschichte-Flair. Und ich mag Bast. Er ist für mich einer der wenigen liebenswürdigen Charaktere in dem Buch, einfach weil er aufopferungs- und humorvoll ist. Was ihn meiner Meinung nach herunterzieht ist das große Theater um Kvothe. Aber ... das liegt wahrscheinlich einfach an dem Rotschopf selbst. Einige der Dialoge sind wirklich gelungen, wenige der Charaktere, am allerwenigsten eben der Hauptcharakter, aber darüber habe ich mich ja schon ausgelassen. Die Welt ist interessant gestaltet, nichts Weltbewegendes, nichts sonderlich Neues, aber interessant und solide.
Ich weiß nicht, wie es im zweiten Teil mit Kvothe aussieht, denn trotz des hübschen Hardcovers der Hobbitpresse habe ich nicht vor, ihn mir zuzulegen. Was ich bisher dazu las, ermutigte mich auch nicht sonderlich. Ich bleibe lieber bei den Gentlemanbastards und SoIaF. Aber jeder hat so seine Lieblingsbücher, ist ja bekanntlich Geschmackssache. *lächelt schief*

Lieben Gruß,
Hiding Fox
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 00:10:00 von Hiding Fox »

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #22 am: 02 Juli 2011, 00:13:58 »
Hoi Fox,
genau diesen Eindruck hatte ich beim Prolog auch. Hab ihn erst in der Leseprobe online (Deutsch) und dann in einem geliegenen Buch (Englisch) gelesen. Letzteres war deutlich besser, aber trotzdem ... Blah. Im Buchladen hätte ich nicht mal umgeblättert.

Ganz gelesen habe ich das Buch noch nicht (weil ich nach allen bisherigen Rezensionen kein Geld dafür ausgeben werde), finde den Stil bisher okay und habe von Kvothe keine Ahnung, da er sehr ausdauernd über Stille labert, die deshalb dreifach abwesend ist. :grinwech:
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 00:14:19 von Rilyn »
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Neyasha

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #23 am: 02 Juli 2011, 00:41:16 »
Interessanterweise ist es gerade die Arroganz, weshalb ich Kvothe als Figur doch interessant fand und was ihn aus meiner Sicht auch nicht zu einem Gary Stu macht - dann müsste er nämlich eigentlich wahnsinnig bescheiden und ganz und gar selbstlos und freundlich sein.  ;D

Ansonsten war der Name des Windes einer der Romane, den ich anfangs eigentlich nur des Schreibstil wegens gelesen habe. Leider kam dann bald die Erzählung in der Erzählung und dieser herrliche, altmodische auktoriale Erzähler machte der Ich-Perspektive Platz.  :heul: Da hab ich dann erstmal eine ganze Weile gebraucht, um den Schock zu verdauen und mich annähernd mit diesem Bruch anzufreunden.  ::)

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #24 am: 02 Juli 2011, 10:53:37 »
Den zweiten Band hätte ich an zwei Stellen beinahe zugeklappt. Zum Weiterlesen musste ich mich zwingen. Aber dann nahm die Handlubng wieder Fahrt auf und ich froh, dass ich das Buch nicht auf Halde gelegt habe.

Mein Gesamturteil bleibt unverändert.
Traumhafte Sequenzen, überraschende Twists, Ideen türmen sich auf ideen. Im Großen wie im Kleinen. Für mich ist Rothfuß ein Naturtalent und höchstwahrscheinlich ein Bauchschreiber, der socu von einer Idee zur nächsten treiben lässt. Dass dann am Ende nicht mehr alles zusammenpasst, bleibt da nicht aus.

Wie hat eine kluge Frau einmal gesagt?
Ich liebe meinen Mann wegen seiner Stärken und Vorzüge. Seine Schwächen stören mich nicht. Dass sie andere Frauen stören mögen ist mir ganz Recht.

Bei Rothfuss kann man alles lernen. wie man es machen sollte und wie man es nicht machen sollte.

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bourani

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #25 am: 02 Juli 2011, 14:08:25 »
Ich habe Wise Man's Fear nach der langen Wartezeit auf den Roman anfangs etwas desinteressiert gelesen, dann hat es mich aber ziemlich reingezogen.

Mit dem aussergewöhnlichen Protagonisten habe ich weniger Probleme. Für mich müssen die Hauptpersonen eines Romans besonders sein, sonst muss ich kein Buch aufschlagen. Sie müssen ähnlich aussergewöhnlich (verdichtet) sein wie die Geschichte eines Romans, die normalerweise nicht davon erzählt, wie jemand tagtäglich sein Butterbrot schmiert, von 9 to 5 arbeitet und abends das Dinner zubereitet. ;)

Kvothe ist noch in einem akzeptablen Rahmen besonders und befähigt, meiner Meinung nach - es passt vor allem in die Geschichte, die erzählt wird. Vermute, ein guter Teil ist auch dem Genre geschuldet, dass Kvothe nicht irgendwer sein kann, vielleicht Bäckers Sohn, der gute Brötchen backt und dessen großer Traum im Leben ist, den Hochzeitskuchen für den Dorfvorsteher zu backen. Wenn ich an andere Romane der heroischen oder epischen Fantasy denke, dann ist (nicht allein) Kvothe um einiges realistischer aufgebaut.

Hiding Fox

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #26 am: 02 Juli 2011, 14:54:30 »
Ich habe nicht behauptet, dass Kvothe ein Bäckerslehrling sein soll, der von seiner unglaublich harten Zeit in der Backstube erzählt. Das wäre ein vollkommen falscher Rückschluss, denn es wäre ein Fall ins andere Extremum. Es gibt mehr als zwei Wege einen Charakter zu gestalten. Fitz der Weitseher aus den Weitsehergeschichten zum Beispiel ist ein Protagonist dessen, was man wohl getrost als heroische und epische Fantasy bezeichnen kann, aber ihn kann ich mir als lebende Person vorstellen, mit allen Stärken und Schwächen, und nicht nur als plakatives Abbild eines Helden. Natürlich kann man mit dem Sagen & Legendenaspekt argumentieren, aber so ist das Buch nicht geschrieben, das würde bei z.B. Herr der Ringe durchaus zutreffen. Auch könnte Kvothe flunkern, aber, hell, das macht die Geschichte, die ich lese, dennoch für mich nicht besser.

Aber ich mag nun nicht dauernd über den Namen des Windes herziehen, vor allem weil es ja noch immer Geschmackssache bleibt. Das Buch ist meiner Meinung nach zwar alles andere als originell und überragend, aber es gibt durchaus Schlimmeres.

Lieben Gruß,
Hiding Fox
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 15:32:38 von Hiding Fox »

anaconda

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #27 am: 02 Juli 2011, 17:25:03 »
Zitat
Aber ich mag nun nicht dauernd über den Namen des Windes herziehen, vor allem weil es ja noch immer Geschmackssache bleibt. Das Buch ist meiner Meinung nach zwar alles andere als originell und überragend, aber es gibt durchaus Schlimmeres.

Harry Potter zum Beispiel ...  :schwitz:  :cheese:
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 17:25:33 von Anaconda »

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #28 am: 03 Juli 2011, 14:03:32 »
und nicht nur als plakatives Abbild eines Helden.
Lieben Gruß,
Hiding Fox

Ich bin zwar auch nicht mit allen Facetten dieses Charakters einverstanden, aber plakativ ist er durchaus nicht. Er ist für mich ganz im Gegenteil als Beispiel eines sich selbst überschätzenden jungen Mannes gut getroffen, inklusive der ganzen selbstverschuldeten Rückschläge, die ihn erwischen.
Vielleicht liegt die Kritik daran, dass er einige Male einfach zu erwachsen wirkt. Aber das sind genau die Stellen, an denen er nicht als Superheld daherkommt, sondern bedächtig und überlegend. Und das beißt sich mit seinen zum Teil impulsivem Verhalten.
Versteht mich recht, es gibt wahrlich bessere Charakterzeichnungen und -entwicklungen - die Stärken des Buches sind andere - aber plakativ ist für mich etwas anderes. Kvothe ist durchaus facettenreich.

Trippleschritt
(der im Übrigen den Punkt "Geschmacksache" unterstützt)
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #29 am: 21 Mai 2012, 10:26:50 »
So. Jetzt hab ich's mir doch ausgeliehen. :leseteufel:

Und bin, abgesehen von der netten Überfallszene in Kapitel 2, eher enttäuscht. Immersion kommt für mich gar nicht auf, Spannung kaum, Atmosphäre schon, aber absolut nichts außergewöhnliches. Im Buchladen wäre ich nicht mal bis Kapitel 2 gekommen.

Kvothe ist ein schlecht getarnter Besserwisser, der mir bisher wie ein hübsch verpackter statt ganz offensichtlicher Überdrüberheld vorkommt. Er und sogar sein Helferlein wissen ständig mehr als ich als Leser, statt mich irgendetwas miterleben zu lassen. Sie tun und wissen Dinge, aber allzu oft ohne einen für mich nachvollziehbaren Grund. Ich hoffe mal, sie kommen endlich in die Gänge, statt sich noch weiter in Andeutungen zu ergehen; denn momentan - Anfang Kapitel 4 - interessiert es mich überhaupt nicht mehr, was hinter dem schlecht getarnten Rotschopf steckt, ob er von Dämonenspinnen gefressen wird und was dem Chronicler auf seiner nächsten Etappe zustößt. Denn auch, wenn mir die Überfallszene gefiel, enthält sie so gut wie keinen Konflikt, der über diesen Überfall hinaus geht ... nur noch mehr Andeutungen. :watchout:

Plakativ finde ich Kvothe bisher nicht, was aber nur daran liegt, dass die Kaschierung des geheimnisvollen Helden nicht so stereotyp ist wie in den meisten Fantasyromanen über plakative Helden. Ob etwas dahinter steckt, ahne ich bisher nicht mal, denn er wird nur präsentiert. Soll ich ihn toll finden? Und geheimnisvollinteressantundsoweiter? Sorry, klappt nicht, denn mein Eindruck ist genau diese Aufforderung, ihn so zu finden, ohne, dass er haarklein so beschrieben wird. Ich habe nichts gegen geheimnisvolle Helden, wenn sie als Charaktere und nicht mit Wortgewandtheit kaschiertes Klischee daherkommen. Kvothe tut das bisher, der Chronicler nicht.

Das Dorf ist Hintergrund, die Dörfler ein bisschen dusselig ... zumindest kommt es mir so vor, denn der Priester und der Typ, dessen Pferd gekillt wurde, sollten eine gewisse Glaubhaftigkeit mitbringen. Piepegal, ob es ein Dämon war, das Pferd ist tot und der Typ verletzt, es kommen kaum Händler, Steuern werden erhoben ... und die Dorfbewohner tun Dorfbewohnerdinge. Atmosphäre? Welt? Wenig, und kein bleibender Eindruck. Ich weiß nicht einmal, ob das Dorf zehn Hütten oder zwei Dutzend Höfe umfasst; wobei mir die Fakten egal sind.

Die Sprache (Englisch) ist schön, aber nicht allzu flüssig zu lesen, mit einigen netten Wendungen. Für meinen Geschmack ist der Text aber überladen mit Halbweisheiten und Wendungen, die intelligent und durchdacht klingen (zum Teil tun sie es, zum größeren Teil sind es Platitüden) und dabei nichts zum Text beitragen, sondern ihn in ihrer Menge zu einer Ansammlung pseudophilosophischen Geschwurbels machen. Das ist für mich das größte Manko; ich will eine Geschichte lesen und nicht den Eindruck bekommen, der Autor wolle mir auch stilistisch nochmal aufdrücken, wie geheimnisvoll und weise der schelchtverkleidete Kneipier doch ist. :watchout:

Vielleicht bin ich zu sehr auf szenische Texte fixiert, um dieses Buch gut finden zu können. Andererseits mag ich auch die wenig szenischen Geschichten von LeGuin, die für mich obige Eindrücke nicht mitbringen, sondern Geschichten sind und es schaffen, Spannung aufzubauen. Was Immersion angeht, erwarte ich von keinem Autor, dass er an LeGuin herankommt (was nicht bedeutet, dass es nicht solche gibt, die es noch besser hinkriegen). Und nach dem Lesen von Robin Hobbs Die Schamanenbrücke habe ich scheints hohe Ansprüche an Immersion.
Aber ich bin ja auch erst im vierten Kapitel. :weissnicht:
« Letzte Änderung: 21 Mai 2012, 15:15:10 von Rilyn »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #30 am: 21 Mai 2012, 11:17:45 »
Unbedingt weiterlesen, obwohl ...

Rothfuss ist kein Romancier. Er beherrscht noch nicht einmal die handwerklichen Einfachstdinge eines Romans. Er stellt Bausteine zusammen, die noch nicht einmal zusammen passen.
Aber
Als das Buch auf den Markt kam, konnten sich selbst anspruchsvolle Fantasyleser nicht davon losreißen und lasen das Buch in einem Zug. Auch wenn der Anfang holprig ist.
Es gibt traumhafte Passagen und hat mich immer wieder in seinen Bann gezogen - und dann beim nächsten Kapitalschnitzer wieder rausgeschmissen.

Ich habe es bstimmt fünfmal gelesen bis jetzt.

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #31 am: 21 Mai 2012, 13:33:16 »
Weiterlesen werde ich erstmal. Entweder, bis es zu schlimm wird, ich es durch habe, oder bis Nachschub in mein Regal flattert, der zuerst gelesen werden will. ;D

Ah, nach dem Lesen des Threads noch eines: die Dialoge fielen mir bisher nicht sonderlich auf, der untermalende Hintergrundkrams war eingängiger und besser als die wichtigen Teile; und die wiederum soffen zu oft in pseudophilosophischen Floskeln ab. Mehrfach lesen werde ich es schon deshalb definitiv nicht, denn das macht mich wahnsinnig. Philosophisches, egal ob tiefgründig oder oberflächlich, gehört zwischen die Zeilen, an wenige angemessene Stellen und in den Mund von Charakteren, die sich gerade dadurch abheben, aber nicht überall rein. Yikes.

Umh, bevor ich zu sehr meckere ... Kleinigkeiten wie den Tinker, der sein Zeug im Dorf anpreist, finde ich prima.
« Letzte Änderung: 21 Mai 2012, 15:15:28 von Rilyn »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #32 am: 30 Mai 2012, 13:11:56 »
So. Pause.
 :grump:
Nachdem zwischendrin, bei den Edema Ruh, mal eine ganz interessante Passage kam, geht es weiter wie gehabt, oder vielmehr nicht: Kvothe jammert mir sein Alltagsleben vor, in dem er, gemessen an seiner ach so überragenden Intelligenz und seiner sicherlich nicht von Naivität geprägten Herkunft, grenzenlos dämlich agiert. Laufend schenken ihm Leute Geld, Schuhe, Brot und sogar Schläge auf den Hinterkopf, aber offenbar bringt ihn alles erst dann weiter, wenn der Plot es erlaubt. Im einen Moment agiert er, als habe er die Bühne nie verlassen, im nächsten ist er unfähig, sich in seiner "neuen" alten Umgebung in sauberen Klamotten zu bewegen (was wieder glaubhaft, aber in Relation eine schwache Ausrede ist). Und er meint, mir erklären zu müssen, weshalb sein Auftritt als Adelssöhnchen so gut funktioniert. Spätestens in dieser Szene hat er's sich mit mir versaut: Klugscheißer in Hauptrollen, ja, gern. Klugscheißer, die mir als Leser meine Dummheit vor Augen halten müssen (und das an dieser Stelle nicht zum ersten Mal), können mir gestohlen bleiben.
Vielleicht lese ich irgendwann in der U-Bahn weiter und hoffe auf ein wenig Plot; denn der Schreibstil reißt das für mich auch nicht mehr raus.

Polarisiert das Buch? Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass es das tut, und bei mir auch mit einem teils guten, teils schlechten Eindruck gerechnet. :wiejetzt:
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 13:12:55 von Rilyn »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #33 am: 30 Mai 2012, 14:51:13 »
Ehrlich gesagt, glaube ich mittlerweile, dass 80 % des guten Rufes dieses Buches von Cover und Titel herrühren.
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #34 am: 30 Mai 2012, 15:17:48 »
Dem kann ich mich anschließen.
Obwohl es nicht schlecht ist; ein schlechtes Buch hätte ich zweihundert Seiten früher weggelegt, und ich habe auch schon banalen Mist durchgelesen. Wäre es nur banaler Mist, würde es mich nicht so ärgern. :watchout:

[unqualifizierter Beitrag]
Ich mag die Papiertasche von der Hobbitpresse mit sehr stilvollem Plakatmotiv zu Wise Man's Fear.
[/unqualifizierter Beitrag]

 :cheese:
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Neyasha

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #35 am: 30 Mai 2012, 15:41:30 »
Also ich kenne nur Leser, die es entweder toll oder furchtbar finden, insofern würde ich durchaus behaupten, dass es polarisiert.

Cover und Titel sind mir übrigens wurscht - mir hat der Roman einfach gefallen und das würde er auch, wenn er so ein scheußliches Cover hätte wie die alten "Lied von Eis und Feuer"-Ausgaben.  ;)

EDIT: Also jetzt mal nur auf den 1. Band bezogen - den 2. hab ich noch nicht gelesen.
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 15:41:56 von Neyasha »

Katja

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #36 am: 30 Mai 2012, 16:09:14 »
Wie ich irgendwo schon sagte: ich fand die Nebenfiguren gut. Aber es sind halt nur Nebenfiguren, deshalb war nach der "Botschaft" für mich nach ca. 70 Seiten schluss. Und ja, Cover und Titel haben mich damals sehr neugierig gemacht.

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #37 am: 30 Mai 2012, 20:42:19 »
Cover?
Dieser kaum erkennbare Kopf inmitten der kaum erkennbaren Blätter?
Eines der schlechtesten Cover, die ich kenne.
O.k. ist die englische Fassung, aber das war die, die den Sturm ausgelöst hat.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(under cover)
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 20:42:45 von Trippelschritt »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #38 am: 30 Mai 2012, 23:16:32 »
Das Cover mit den Ranken find ich nett. Der Robentyp erinnert mich zwar zu sehr an die erste Trilogie von Trudy Canavan, deren Design immernoch jeder kopieren will, aber trotzdem. :)
Das Rankenzeugs und der Titel hätten mich durchaus dazu bringen können, es zu kaufen. Blöderweise setzt die Reminiszenz an den Name der Rose die Erwartungen noch höher an. Der Fantasyroman, der sich mit Umberto Eco messen kann, muss aber noch geschrieben werden.
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 23:17:45 von Rilyn »
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #39 am: 31 Mai 2012, 08:33:55 »
Uff, Name der Rose als Fantasyroman?
Darauf wäre ich nicht gekommen.

Ansonsten ...
Eco ist ein Schriftsteller und da auch noch ein richtig guter.
Rothfuss hat geniale Stärken, aber das Schreiben muss er noch lernen.

meint
Trippelschritt
(der bei deisem Vergleich an die Witze von dem Elefanten und der Maus denken muss.)
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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #40 am: 19 Juni 2012, 15:01:08 »
@Trippelschritt: da war mir das Genre egal. ;D Der Titel erinnert trotzdem daran, egal, wie passend er am Ende ist. Er ist gut, aber er weckt unter Umständen eine Erwartungshaltung, die vermutlich nicht mal Eco selbst mit einem anderen Roman erfüllen könnte. Und da Kvothe in Name of the Wind zu größtenteils belanglosem, halbgarem Philosophieblah neigt, verkehrt sich die Wirkung ins Gegenteil.

Momentan lese ich Wise Man's Fear und bin im positiven Sinne entsetzt: zwischen diesen beiden Büchern liegen beinahe Welten. Beinahe nur deshalb, weil einige der Probleme, die ich mit dem ersten Buch hatte, immernoch im zweiten drin sind, obwohl es sonst viel glaubhafter und spannender ist.

Was mich nach wie vor nervt ist die Tatsache, dass mir Kvothe jeden kleinen Sch***, der ihm auffällt, zwei- bis dreimal auf hundert Seiten erklärt (ist gut, Junge, ich weiß, dass ein Zimmer zu groß sein kann, und ich wusste es auch, bevor du es mir vorgebetet hast :grump:). Selbst, wenn das eine Eigenheit des Charakters wäre, macht es ihn immernoch unglaubwürdig: Chronicler und Bast müssten ihm spätestens bei der zweiten Erwähnung aufs Dach steigen. Vor allem aber frage ich mich, weshalb Chronicler weiterhin die Geschichte dieses egozentrischen Klugscheißers aufschreibt, der ständig mit seinem Schaustellerwissen prahlt, aber offenbar nicht imstande ist, eine Geschichte ohne Tonnen von unnötigem Ballast zu erzählen. Peinlich.
Ein weiteres Manko ist Kvothes ständige Geldnot, die er oft genug selbst verursacht. Jedes einzelne Mal flennt er auch erwartungsgemäß wegen seiner Probleme herum, die jedesmal dieselben sind, und die er (fast) jedesmal löst, indem er etwas unglaublich Dummes tut und dann Glück hat. Irgendwann reicht es.
Das größte Problem aber hätte der Autor selbst bemerken müssen: es ist (fast) unmöglich, die Geschichte in der Zeit, in der sie angeblich erzählt und geschrieben wurde, zu lesen.

Kein Problem für mich, aber womöglich nicht die ursprüngliche Intention: statt mit Kvothe mitzufiebern warte ich manchmal nur darauf, dass er in das nächste riesengroße Fettnäpfchen tritt, was ihm ja immer häufiger passiert. :cheese:

Trotzdem ist das Buch wesentlich stimmungsvoller und interessanter zu lesen als das erste, obwohl sich Rothfuss sehr offensichtlich um die wirklich spannenden Szenen herumlaviert: die Gerichtsverhandlung und die Überfahrt samt Piraten und Schiffbruch werden beide narrativ und in aller Kürze abgehandelt. In aller Kürze ist ja okay, aber szenisch wäre nett gewesen. Wenn schon das Geldnotgeplärre wichtig ist, dann bitte auch das. Schließlich geht es um eine Geschichte. :heilig:
« Letzte Änderung: 19 Juni 2012, 15:02:35 von Rilyn »
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