Autor Thema: Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?  (Gelesen 10400 mal)

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Offline Katja

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Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« am: 02 Juli 2010, 20:26:57 »
Hallo liebes Teufelsvolk!

Angeregt durch die Debatte "Wahl des Genres – was ist Kunst?" kam die Frage auf, warum zum Teufel eigentlich niemand mehr den guten alten Goethe liest und keiner mehr mit Heine um die Wette schmachtet.

Wie sieht das bei euch aus? Lest ihr die "Klassiker" bzw. das, was heute in den Feuilletons besprochen wird? Wenn nein, warum nicht?

Bitte versucht, bei den Antworten so genau wie möglich zu sein. Sagt also ruhig zum Beispiel "die Sprache gefällt mir nicht" oder "die Geschichte reizt mich nicht" etc.

Bin gespannt, was ihr zu sagen habt. ;)

"Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker geschafft haben."

Shaw

Haramis

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #1 am: 02 Juli 2010, 20:33:51 »
Ich lese auch sehr gerne Klassiker - allein das Prädikat 'Klassiker' hält mich nicht vom Lesen ab.
Ein Buch muss mich interessieren, egal, aus welchem Jahrhundert es stammt und wer es geschrieben hat.
Oft ist die archaische Sprache gewöhnungsbedürftig, das stimmt. Allerdings kann das auch den Reiz eines Werkes ausmachen.
Auch habe ich kein Problem damit, Sachen zu lesen, die in den derzeitigen Feuilletons beschrieben werden. Und ich habe hier sogar Lyrik stehen ...  :cheese:
Ich finde es schade, ein Buch deswegen abzulehnen, weil es unter 'Klassiker' läuft oder weil 'Goethe' vorne drauf steht. Klassiker sind nicht automatisch öde, langweilig oder verstaubt, auch wenn das ein gängiges Klischee ist. Mir gefällt ja auch nicht jedes zeitgenössische Werk, wieso sollte mir dann jeder Klassiker nicht gefallen???

Natürlich hilft es ungemein, wenn man sich ein paar Hintergrundinfos zur jeweiligen Epoche aneignet.

 :)

Waldfloh

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #2 am: 02 Juli 2010, 20:35:50 »
Ich hatte vor etwa vier Jahren eine Phase, in der ich versucht habe, möglichst viele sogenannte Klassiker - Deutsches wie Ausländisches - zu lesen, weil ich das Gefühl hatte, Vieles nicht gelesen zu haben, was man gelesen haben sollte. (Außerdem hat Rory Gilmore mich inspiriert. :blush:) Im Zuge dieser Phase bin ich unter anderem auch auf Jane Austen gestoßen und lese ihre Romane seitdem sehr gerne. Obwohl die Sprache altmodisch und die Thematik ja für "eine junge Dame der heutigen Zeit" nicht mehr ganz aktuell ;D ist, finde ich die Romane unterhaltsam. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass sie so authentisch wirken. Sprache, Ausdruck und behandelte Themen sind nach heutigem Maßstab veraltet, ja - aber es stammt eben alles tatsächlich aus dieser Zeit, und das wiederum macht es amüsant bis spannend. Ähnlich ging es mir bei 'Madame Bovary' und 'Das Bildnis des Dorian Gray' [Nachtrag nach Lesen von Phoenix' Post] und 'Die drei Musketiere' und 'Das Parfum' [/Nachtrag]. 'Moby Dick' hingegen habe ich einfach nicht geschafft - das hat sich mir einfach zu langsam und unspannend hingezogen.
Bezüglich der deutschen Klassiker muss ich erst einmal in mich gehen.
« Letzte Änderung: 02 Juli 2010, 21:09:42 von Waldfloh »

Loneha

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #3 am: 02 Juli 2010, 20:36:27 »
Also die berühmt-berüchtigten "Klassiker", die alten, lese ich hin und wieder gerne.
Aber da muss mich schon die Lust packen, denn das Lesen der "altmodischen" Texte ist eben doch wesentlich anstrengender als die Belletristik von heute.
Aber ich mag dieses "altmodische" auch. Die Sprache von Goethe, Schiller und Co. hat in vielen Fällen einen wunderbaren Singsang an sich, wenn man sie sich laut vorliest. Ich finde die Art mit Worten umzugehen einfach schön, gerade in den Sonetten und Gedichten. Auch wenn ich selbst sowas überhaupt nicht kann ;D

Modernes Zeugs meide ich eher. Ehrlich gesagt sorgen Bücher wie (aktuelles Beispiel) Axolotl Roadkill bei mir bereits beim Lesen des Klappentextes für einen ausgeprägten Gähnreflex und ich lege die ganz, ganz schnell wieder beiseite.
Ich will keine Geschichten lesen, in denen einfach nichts passiert, außer dass die Protagonisten tragisch beieinander sitzen und vor sich hin jammern.
Jammern kann ich alleine genug, mir fällt bestimmt ein Grund ein. Ich will nicht lesen, wie schlimm das Leben doch ist - das weiß ich ;). Um es mal (ganz nach meiner Ansicht, wie immer) einfach zu sagen: ich mag Handlung ^^ und die fehlt diesen Romanen meistens.

Rorschach-Phoenix

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #4 am: 02 Juli 2010, 20:58:41 »
Hatte mir "Faust" geholt. Eine recht alte Ausgabe. Ich habe nicht viel davon gelesen. Ging nicht. Zu verschwurbelt.
Was noch... "Lolita" von Nabokov. War anstrengend und sehr zäh, aber nicht gänzlich uninteressant.
"Das Parfum" habe ich gemocht, obwohl auch das Stellenweise schwer zu lesen war.
"Meistererzählungen" von Ernest Hemingway. Auch "der alte Mann und das Meer". War okay. Nicht besonders gut, nicht besonders schlecht. Aber wenigstens lesbar.
Nietzsche - "Also sprach Zarathustra". Harte Kost. Habe es nicht komplett gelesen, aber fast. Intelligent, weise. Bisweilen verrückt. Aber das liegt ja nah beieinander. Dennoch: Sprachlich eine harte Nuss.
Alexander Dumas - "Der Graf von Montecristo". Erster Absatz - danach keine Lust mehr.

Weiß nicht, was man davon als "Klassiker" bezeichnet. Ich sage mal "alt" dazu. Die Sprache ist teilweise sehr eingestaubt, bis antik. Wenn man verstehen will, was die Autoren sagen, muss man graben. Nicht bei jedem von denen, aber bei vielen.

Mir gibt es nichts. Ich wollte einige Werke nachholen, weil ich auf der Hauptschule soetwas nicht vorgesetzt bekommen habe. Allerdings habe ich das Interesse daran verloren, als ich gemerkt habe, dass mir die "Klassiker" nichts geben. Weder besondere Einsichten oder Weisheiten, noch Spaß am Lesen (das am wenigsten), noch sprachliche Eleganz. Ist mir egal, was andere über Goethe und Co. sagen. Ich kann damit nichts anfangen. Immerhin habe ich es versucht.

"Der Seewolf" von Jack London ist eines meiner Lieblingsbücher. Vielleicht gleicht es das etwas aus?


Liebe Grüße: Rorschach-Phoenix

Offline Rilyn

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #5 am: 02 Juli 2010, 21:13:11 »
Hmm ... Goethe ist mir zu pompös und klugscheißerisch. Ähmja.
Und außerdem hat der Blödmann fasziniert dem "Gretchenprozess" zugeschaut, nix getan und fand das dann ja SO schrecklich. :devgrowl:
Schiller, auch nicht meins. Bei beiden kann ich weder der Sprache noch dem Inhalt viel abgewinnen ... Ausnahmen bestätigen die Regel. Warum dem so ist, kann ich dabei gar nicht genauer festmachen. Vielleicht, weil sie so vieles verwurstet haben und ich fast nur das von ihnen kenne; und / oder, weil ich beim Lesen ständig den Autor-itären Moralapostel mit dem Finger wedeln sehe. Bei allen unten genannten ist das nicht, oder bestenfalls im Rahmen ihrer Zeit und deutlich dezenter, der Fall; verhältnismäßig jedenfalls Welten von Schiller und Goethe entfernt.

Theodor Storm: Sprache und Atmosphäre. Mwah.
Allerdings schreibt er so schrecklich depressives, fatalistisches Zeug seiner Zeit. Das nicht mal auf den Schimmelreiter gemünzt, sondern z.B. auf "Es waren zwei Königskinder".

Robert Louis Stephenson: herrlich altmodisches Zeug. Die Gesellschaft kommt rüber, die Denkweise seiner Zeit, und über heutigen Erwartungen nicht angemessenem Spannungsaufbau kann ich bei seinem Sprachgebrauch auch gut hinwegsehen. Es ist halt anders, aber definitiv nicht schlecht. Und gerade drum interessant.

Dumas: Die Musketiere. Kann die Sprache nicht einschätzen, die Erzählung zog sich ewig hin. Aber ich mag die meisten Charaktere und die Erzählung ... nicht wegen Musketieren, sondern wegen den Leuten. Oh, und Intrigen. ;D
Monte Christo hatte ich angefangen und aufgesteckt, aber das ist auch gefühlte Jahrzehnte her, und ich habs nicht mehr hier. So viel runtererzähltes Blah.

Edgar Allan Poe: Atmosphäre und herrlich altmodischer Gruselfaktor. Muss man sich drauf einlassen, ist aber definitiv da. Und dazu das mehr oder weniger dezent Unnatürliche / Phantastische Element.
Am Rande bemerkt: Tekeli-li! :grinwech:

Jack London: der Erzählstil ist aus der Mode. Hab sein Zeug leider auch nie auf Englisch gelesen, Schande, Schande ... was ich am liebsten mochte, waren seine weniger abenteuerlastigen Romane, also nicht gerade Alaska Kid.

Mark Twain: Äh, Details? Wirklich? ;D

Shakespeare: Sprache! :whee: Spannung! :kampf: Intrigen! :denk: Blutvergießen! :attacke:

Mittelalterliche (und frühneuzeitliche) Romane zähle ich jetzt nicht gerade zu den Klassikern, mag sie aber aus zwei Gründen: vor allem Interesse, und beim Ritterroman auch die Erzählweise mit dem selbstgewählten Ziel des Hauptcharakters ... dagegen ist die moderne "Motivation" des "Helden" peinlich inaktiv. :teufel:

ein neuerer Klassiker: George Orwell, 1948. Dystopisch. Atmosphärisch. Gesellschaftskritisch. :leseteufel:

etc cetera.

Moby Dick fand ich auch schnarchig; hab es aber nicht hier und weiß nicht mehr, weshalb.
Oh, und nochmal "die" Klassiker: Ich musste mal Iphigenie auf Tauris lesen. Eigentlich mag ich antike Mythen und das Drumherum. Eigentlich. :glotz:
« Letzte Änderung: 02 Juli 2010, 21:27:14 von Rilyn »
  • Ich schreibe gerade: Zuviel auf einmal.

anaconda

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #6 am: 02 Juli 2010, 21:22:30 »
Die Top Ten-Liste der gelesenen Klassiker:

1. H. Hesse (ca. 15 Bücher) = Tiefgang, exitstentielle Themen, gut erzählte Geschichten
2. Früchte des Zorns (von John Steinbeck) = Geschichte Amerikas, existentielles Thema
3. Das Parfum = faszinierendes Portrait eines genialen Besessenen
4. Schiller (ein Gedichtband) = sprachlich zumindest interessant
5. Der abenteuerliche Simplicissimus (Grimmelshausen) = interessant, aber schwer zu lesen (Teutsch aus dem 17. Jahrhundert)
6. Goethe´s "Die Leiden des jungen Werther"  = interessant; kenne das Buch aber nur in Auszügen.
7. Diverse Werke von Charles Bukowski (ist ja auch schon tot) = unterhaltsam, tiefsinnig, existentiell, anarchisch, einfach alles
8. Jerry Cotton = trivial (zuviel unnötige Adjektive), aber brilliant und hochspannend.
9. Jack Kerouac "On the road" (Unterwegs) = ein Muss für Ausgeflippte  :cheerful:
10. George Orwell "1984" = beängstigende Vision einer diktatorischen Gesellschaft

Edit: Nochmal fünf!
11. Effie Briest (Theodor Fontane) = tragische Liebe
12. Ulysses (von James Joyce) = ein einziger Satz von Anfang bis Ende; so kommt es einem vor. Das zweitschrecklichste Buch, das ich je gelesen habe.
13. Manhattan Transfer (John Dos Passos) = revolutionärer Roman; der Prota ist eine Stadt (New York) Mein Urteil: Verwirrend. Kaum ist man in einer Situation drin und hat die Protas ein bisschen kennen gelernt, kommt ein vollständiger Kullissenwechsel. Bis man die Protas und die Situation wieder trifft, hat man bereits vergessen, wer sie sind und um was es ging.
14. Der Fänger im Roggen (J.D. Salinger) = Suppi; der Roman-Prototyp mit dem Thema: Auflehnung gegen die Zwänge der Gesellschaft.
15. Reise ans Ende der Nacht (Louis Ferdinand Celine) = nix für Optimisten, der Prota ist das Gegenteil. Musste aber auch viel mitmachen; anfangen tut es mit dem ersten Weltkrieg, auf dem Schlachtfeld.
« Letzte Änderung: 03 Juli 2010, 20:01:02 von Anaconda »

Haramis

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #7 am: 02 Juli 2010, 22:22:54 »
Klassiker, die mir sehr gut gefallen:

- Gustave Flaubert: Madame Bovary
- Emily Bronte: Wuthering Heights
- Jane Austen: Pride and Prejudice
- Charles Dickens: A Christmas Carol
- Shakespeare
- Molière
- Gottfried Keller: Kleider machen Leute

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Vieles habe ich einfach noch nicht gelesen.   :devgrin:

Offline Rüdiger

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #8 am: 02 Juli 2010, 22:39:11 »
Gelesen habe ich mehr (ach was); aber das sind die Klassiker, an die ich mich gerade erinnern kann und die mir gefallen haben. Wahrscheinlich habe ich auch so einige vergessen.
Teile der "divina commedia" (Dante) musste ich in der Schule lesen; inhaltlich hätte es mich wahrscheinlich interessiert, wenn ich mehr als vielleicht ein Drittel verstanden hätte ...

- Friedrich Spee: Cautio Criminalis
- Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne
- Goethe: Faust
- Patrick Süskind: Das Parfüm
- Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues
- George Orwell: 1984
- Theodor Storm: Der Schimmelreiter
- Francesco Petrarca
- Georg Büchner: Lenz

« Letzte Änderung: 02 Juli 2010, 22:42:02 von Ruediger »

Jenna

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #9 am: 02 Juli 2010, 23:04:47 »
Ich lese ziemlich querbeet - und dass da auch mal ein sogenannter "Klassiker" dabei ist lässt sich nicht vermeiden :devgrin:
Allerdings stimmt es, dass ich um solche Bücher früher gerne mal einen Bogen gemacht habe, eben wegen der Vorurteile "Klassiker? Die sind doch laaangweilig." Ich denke, das liegt auch immer noch daran, dass man in der Schule bestimmte Klassiker immer noch lesen muss; und je nachdem was es für ein Werk ist und wie es im Unterricht behandelt wird, bilden sich da sehr schnell Vorurteile.
Mittlerweile sehe ich Klassiker nicht groß anders als andere Bücher auch - sie müssen mir gefallen, sei es die Sprache, die Story, die Charaktere.

Klassiker, die mir gefallen haben:
-Urfaust von Goethe. Den mag ich sogar lieber als den Faust dann hinterher, weil dieses Werk noch eine Baustelle ist. Durch den Faust bin ich hinterher nicht mehr durchgekommen.
-Die Verwandlung von Kafka. Ich mag die Story, ich mag die Sprache. Das gleiche gilt für verschiedene andere Geschichten von Kafka ebenfalls
-Alice's Adventures in Wonderland von Lewis Carrol. Das liegt nicht nur daran, dass ich das Buch in einem kleinen Laden in London gekauft habe - und damit dementsprechend Erinnerungen verbinde - sondern auch daran, dass ich einfach die Skurrilität der Geschichte sehr schön finde.
-Der Besuch der alten Dame von Dürrenmatt. Dieses Buch zählt zu einem meiner absoluten Lieblinge, der Humor ist schwarz, die Sprache ist passig, die Handlung stimmt bis ins Detail und gesellschaftskritisch ist es obendrein auch noch. Aber Dürrenmatt mag ich ohnehin sehr gern.
-Das Parfum von Patrick Süskind. Auch ein Lieblingsbuch, es stimmt für meinen Geschmack alles.
-Sturmhöhe von Emily Brontë. Mich stört weder die seltsame Perspektive, noch die alte Sprache, noch die unsympathischen Charaktere. Der Roman war einfach faszinierend.
-Siddhartha von Hermann Hesse. Die Sprache ist wunderschön, ruhig und passt perfekt zu der Geschichte.
-Der eingebildete Kranke von Moliere. Schon eine Weile her, aber ich hab es in guter Erinnerung.
-Ein Sommernachtstraum von Shakespeare.

Klassiker, die ich nicht mochte
-Das verlorene Paradies von John Milton. Das ganze war mir einfach zu anstregend und hat mir nichts gegeben.
-Die Leiden des jungen Werther von Goethe. Ich habe ca. 3 mal versucht, dieses Buch zu lesen und bin jedes Mal nicht durchgekommen, liegt an der Story, aber vor allem daran, dass es ein Briefroman ist und ich den armen Werther einfach nicht ausstehen kann.
-Die Jungfrau von Orleans von Schiller. Die Sprache ist mir zu abgehoben. Hab ich nicht durchgehalten.
-Romeo und Julia von Shakespeare. Die Sprache mocht ich, allerdings ist mir überhaupt nicht klar geworden, weshalb das Stück eine der größten Liebesgeschichten überhaupt sein soll. Die Protagonisten kennen sich vielleicht drei Tage... Nein, damit konnt ich auch nicht so viel anfangen, wenngleich mir die Sprache gefallen hat.
-Die Marquise von O... von Heinrich von Kleist. Im Grunde hab ich nichts gegen Schachtelsätze, aber was dieser Mann da fabriziert hat ist einfach nicht mehr schön. Und es klingt auch nach nichts. Die Handlung fand ich schrecklich, die Erzählweise einschläfernd. Ich hab von Kleist auch noch andere Sachen gelesen (ist leider einer meiner Schwerpunkte im Abitur) und mit sämtlichen Werken konnte ich nichts anfangen, sei es Das Erdbeben in Chili, Anekdoten oder andere Texte. Was mir wiederum gefallen hat, waren seine Briefe, die er geschrieben hat. Die fand ich ehrlich und nicht so schrecklich bemüht und aufgebläht.
-Der Vorleser von Bernhard Schlink. Keine Ahnung, ob das zu "Klassikern" schon dazu zählt, aber es ist eins der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Die Handlung ist grässlich, der Hauptcharakter unausstehlich und die Sprache gibt auch nicht so viel her.
-Leonce und Lena von Georg Büchner. Ist schon eine Weile her, aber ich weiß noch, dass ich das einfach "bescheuert" fand.

Dorte

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #10 am: 03 Juli 2010, 00:18:05 »
Was ist eigentlich ein Klassiker? ;) Ich habe beide Eddas und noch etliche andere altnordische Texte im Original gelesen und genossen, zählen die? ;D

Ich liebe englische Klassiker. Irgendwie kenne ich davon weitaus mehr als von den deutschen, okay, ich habe das ja auch als Nebenfach studiert - aber in etliche Texte könnte ich mich reinsetzen.
"King Lear" von Shakespeare war eine Offenbarung, weil es plottechnisch eine Katastrophe ist (wieso verschmilzt der zwei Plots so völlig sinnlos) und es dennoch sowas von oberhammermäßig genial ist, sprachlich, aber auch vom Tempo, und irgendwie passt die Handlung dann doch. Ebenso wie "Othello". Wer Iago nie im Original gelesen und verstanden hat, der kann in meinen Augen nicht wirklich verstehen, was an Shakespeare so toll ist.

Oscar Wilde ist einer meiner Allzeitlieblingsautoren. Seine Märchen sind einfach wunderschön, "The Picture of Dorian Gray" sollte jeder Anglist kennen, und von seinen Dramen fange ich gar nicht erst an.

"Dracula" gehört für mich zu den am meisten fehlverstandenen Büchern überhaupt. Was aus Bram Stokers Prototyp des Vampirs gerade in neueren Teenie-Aufgüssen gemacht wurde, zieht mir die Zehennägel aus. Das Buch hat so viel Atmosphäre, dass man mindestens zwanzig "Bis(s) sie sich endlich kriegen"-Serien draus stricken könnte.

Und die Brontes. Wo fange ich da an? Am besten gar nicht. "Wuthering Heights" oder "Jane Eyre", ich kann mich eh nicht entscheiden, wo ich beim ersten Lesen mehr geschmachtet habe.

usw.

Ich gebe allerdings zu, dass ich große Lücken habe, was deutsche Literatur angeht...Goethe und ich werden keine Freunde. Schiller ist eher mein Ding, der ist knackiger ;D

Offline Juni

  • Bratwurst
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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #11 am: 03 Juli 2010, 00:56:04 »
Meine Mutter hat mir mal zu Weinachten 100 Weltklassiker geschenkt. Anscheinend hatte sie vergessen, das mit Kleinkindern wenig Zeit zum lesen bleibt ... den gelesen hab ich bis jetzt nur 3. Wenn ich jetzt noch die Autoren im Kopf hätte ... näh, komme jetzt nicht ran.

1. Die kleine Fadette von ...
2. Das rote Zimmer von ...
3. Sturmhöhe von Emily Brown (der Wahnsinn)

bleiben noch 97 ...
« Letzte Änderung: 03 Juli 2010, 00:56:24 von Chibou »

Neyasha

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #12 am: 03 Juli 2010, 02:02:49 »
Ich lese ja alles quer durchs Gemüsebeet. "Seichte" Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle Romane - und dazu quer durch alle Jahrhunderte. Viele Klassiker musste ich natürlich fürs Studium lesen, und mir ging es mit denen ebenso wie mit modernen Romanen: Viele fand ich ganz okay, ein paar liebe ich, durch einige musste ich mich durchquälen. "Candide" von Voltaire etwa zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Ich mag auch vieles von Goethe, während Schiller nicht mein Fall ist. Mal ganz banal und ungermanistisch gesagt: Ich finde das meiste von ihm schlichtweg langweilig.
Sehr gern mag ich auch Heine, Ibsen und Strindberg. Ich fand auch "Effi Briest" ganz gut, auch wenn ich mit den anderen Werken von Fontane nicht so viel anfangen kann. Oh, und dann natürlich Bernhard (sofern der schon zu den Klassikern zählt)! Im Herbst kommt "Heldenplatz" ins Theater in der Josefstadt, darauf freu ich mich jetzt schon wie irre.

Englische Klassiker wurden hier ja schon mehrfach genannt - ich liebe die Romane von Jane Austen, bin ein erklärter Fan von "Jane Eyre", habe "Wuthering Heights" verschlungen und mag viele Shakespeare-Stücke.

Was ich an vielen der Klassiker sehr schätze, ist eben gerade der Schreibstil. Moderne Romane sind mir manchmal zu "hektisch", zu sehr an Filmen orientiert (im Sinne von schnell wechselnden Szenen und raschen Schnitten, ohne narrative Passagen) und oft auch zu sehr ... hm ... an Schreibratgebern orientiert. Ich mag einfach Vielfalt. Ab und zu steht mir der Sinn nach ausufernden Beschreibungen, nach narrativem Erzählen, nach einer Sprache, die heute nicht mehr ganz "alltäglich" klingt.
Umgekehrt gibt es auch Phasen, in denen mir so manche Klassiker zu anstrengend sind und ich einfach nur einen simplen Krimi lesen möchte.

Mein "quer durchs Gemüsebeet" schließt auch Gegenwartsliteratur mit ein. Den ständigen Vorwurf der Handlungsarmut kann ich nur bedingt nachvollziehen, das ist für mich nämlich keine Frage des Genres. Gemütliche Unterhaltungsliteratur kann viel Handlung haben oder wenig (ich sag nur Twilight oder Eragon), und genauso ist es mit der "Feuilleton-Literatur". Ich habe Kehlmanns "Vermessung der Welt" verschlungen und bin ein erklärter Fan von Christoph Ransmayr und Juli Zeh.
Ich mag es, wenn die Sprache nicht immer hinter die Handlung zurücktritt, wie es sonst oft der Fall ist. Auch hier gilt: Ich mag das nicht immer. Um in Zehs vielen Metaphern zu schwelgen, muss ich schon in einer bestimmten Stimmung sein.

Online Uli

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #13 am: 03 Juli 2010, 16:29:37 »
Zitat
Wie sieht das bei euch aus? Lest ihr die "Klassiker" bzw. das, was heute in den Feuilletons besprochen wird?

grins: Ja, die Klassiker lese ich - immer wieder. Wobei ... was sind "Klassiker"? Für mich gehören Steinbeck und London unbedingt dazu ... und Twain, Asimow und Lem ...

Andere mögen das nicht unbedingt als Klassiker einstufen, nur als "altes Zeug"
Goethe mag ich sehr, auch Kästner - teils wegen der Sprache, teils wegen der Inhalte
Schiller und Shakespiere nicht so - ich lese ungern Theathermanuskripte, da schau ich mir lieber eine Aufführung an.
Mann und Fritsch lese ich nicht, das langweilt (ohne dass ich sagen könnte, warum - weil ich bei Langeweile gleich aussteige. Ähnlich ging es mir mit Tolkien ...)

Was zur Zeit in  den Feuilletons besprochen wird? Keine Ahnung, diesen Teil der Zeitung nutze ich, wenn überhaupt, um Fische drin einzuwickeln ...

Alexander Rudow

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Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #14 am: 03 Juli 2010, 18:51:13 »
Ein Autor mit Anstand hat tot zu sein, wenn man ihn lesen soll!

Haruki Murakami (dass ich mich auf ihn beziehe, mag zeigen, dass ich meinen ersten Satz nicht so ganz ernst meine) lässt in "Naokos Lächeln" einen Kommilitonen des Helden sinngemäß sagen: "Ich lese nur Schriftsteller, die seit mindestens fünfzig Jahren tot sind. Alles andere ist Zeitverschwendung! In fünfzig Jahren trennt sich die Spreu vom Weizen. Warum soll ich schlechte Schriftsteller lesen, nur weil sie gerade modern sind?"

Dieser Kommilitone lässt als einige Ausnahme F. Scott Fitzgerald zu.

Katja spricht in ihrem Eröffnungsbeitrag von "Klassikern" und nennt als Beispiele Goethe und Heine. In diesem Sinn möchte ich "Klassiker" auch verstehen. Süskind etwa ist danach kein Klassiker, der lebt sogar noch, glaube ich (pfui!).

Um Katjas Ausgangsfrage zu beantworten: Ja.

Karin

  • Gast
Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #15 am: 03 Juli 2010, 19:21:58 »
Schwierig zu beantworten, weil ich sehr viele Klassiker als Jugendliche gelesen und damals auch gemocht habe. Aber ob mir heute "Krieg und Frieden", "Der Glöckner von Notre Dame", die drei Musketier-Bücher, "Vom Winde verweht"... noch gefallen würden? Ich weiß es nicht. Sie stehen alle noch in gebundenen Ausgaben im Regal und kommen auch nicht weg.
"Via Mala" z.B. finde ich etwas zäh. Ich glaube, heute dürfte niemand mehr so lange irgendwelche Ecken in den Bergen beschreiben, ohne die Handlung damit voran zu bringen. ;)

Was ich definitiv immer noch irgendwie mag:
Die Sturmhöhe
einige Jane Austen (nicht Emma)
Das scharlachrote Siegel (ja, ich weiß, es ist ein Liebesroman, mag ich trotzdem)
Rainer Maria Rilke (Alkestis ist genial! Das könnte ich lesen und lesen und lesen und mich am liebsten darin einhüllen und weiterlesen und wieder von vorne und wieder... So manch andere Sachen auch.)
Gösta Berling
Oskar Wilde - seine Märchen, Dorian Gray, Das Gespenst von Canterville, selbst seinen Brief an Bosie (selten hat ein Brief mir so viel über Zwischenmenschliches offenbart, auch wenn es natürlich verkehrt ist, einen persönlichen Brief hier einzureihen, ein Klassiker ist er ja nicht)
manches von Hans Christian Andersen

Grimms Märchen dagegen sind zum Davonlaufen, zumindest in der alten Ausgabe, die ich habe.
Bei Mobi Dick komme ich nicht über Seite 30 hinaus, dabei wollte ich es unbedingt lesen, weil Jean-Luc Picard immer daraus zitiert. ;)
In Lolita hänge ich in der Mitte, obwohl mich der Anfang fesselte.
Die Leiden des jungen Werther las ich als Teenie und habe mir damals vorgenommen, dieses Trauerjammerbuch nie wieder anzufassen. Daran halte ich mich. Pfff, wer frustelt denn auch dermaßen: "Zerstört nicht jeder unserer Schritte tausendfältiges Leben?" Arme Regenwürmer.  :glotz:

Ja, ich lese zuweilen auch Klassiker, zuweilen breche ich sie aber auch ab. Leider lese ich Stücke gar nicht gerne, obwohl ich mich so gerne mal Shakespeare widmen würde.

Dafür habe ich noch nie einen Dan Brown gelesen.

Liebe Grüße,
Karin

Offline felis

  • Grillmeister
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    • Das Minimalismusexperiment
Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #16 am: 04 Juli 2010, 10:59:00 »
Zu Goethe habe ich trotz mererer Versuche nie einen Zugang gefunden. Den Werther fand ich grauenvoll Selbstmitleidig. Die Lehrjahre schnarchlangweilig, den Faust sexistisch.
Schiller seh ich gerne auf der Bühne.
Von Heine hab ich fast nix gelesen, nur ein paar Gedichte. Dito bei Kleist.
Nathan von Lessing mag ich.
Hesse fand ich ebenfalls schnarchlangweilig, trotz mehrerer Anläufe.
Mehr anfangen kann ich mit deutschen Autoren der Weimarer Zeit. Ich LIEBE Tucholsky, mag die Romane von Feuchtwanger und Werfel und Brechts Theaterstücken kann ich auch größtenteils was abgewinnen.
Dürrenmatt finde ich ebenfalls genial.
Englische Klassik hab ich nicht allzuviel gelesen.
Shakespeare, den Erfinder des weltbesten Bösewichts Jago  :anbet1: seh ich schrecklich gerne auf der Bühne. Zum lesen im Original allerdings extrem anstrengend. So gut ist mein Englisch leider nicht.  :heul:
Oscar Wildes Dorian Gray und Importance of being Ernest fand ich beide gut.
Und damit lässts auch schon aus.
Bei den Amerikanern bin ich irgendwie eher fündig geworden.
Ich mag Hemmingway, verehre Thornton Wilder, Habe Jack London gerne gelesen, Mark Twain sowieso  :hach: Kennt jemand "Ein Yankee an König Artus Hof" - das Beste was jemals zum Thema Artussage geschrieben wurde!  :devgrin: Und gerade entdecke ich Truman Capote.
Der russischen Klassik kann ich nichtallzuviel abgewinnen alles was ich gelsen habe fand ich zu düster-melancholisch (Krieg und Frieden und die die Brüder Karamasow fallen mir gerade noch ein).
Und dann bin ich eine Verehrerin des klassischsten Klassikers überhaupt: Homer! Ich liebe sowohl die Illias als auch die Odyssee.  :hach:

 
Ich schreibe gerade mein Blog

"Dunkelwelt" reloaded

Alexander Rudow

  • Gast
Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #17 am: 04 Juli 2010, 12:09:51 »
Sorry, ich habe jetzt Lust auf einen polemischen Einwurf, der die Diskussion kein Stück weiter bringt.  :grinwech:

Zitat
Zu Goethe habe ich trotz mererer Versuche nie einen Zugang gefunden. Den Werther fand ich grauenvoll Selbstmitleidig. Die Lehrjahre schnarchlangweilig, den Faust sexistisch.

Wenn "Faust" sexistisch ist, dann ist der "Kaufmann von Venedig" antisemitisch.

Haramis

  • Gast
Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #18 am: 04 Juli 2010, 20:26:05 »

Wenn "Faust" sexistisch ist, dann ist der "Kaufmann von Venedig" antisemitisch.
Kann man durchaus so sehen, ja. ;) Antisemitismus in der Renaissance war gang und gäbe.

Caity

  • Gast
Re:Goethe, Schiller und Co. Mögt ihr die "Klassiker"?
« Antwort #19 am: 04 Juli 2010, 22:28:39 »
Hallo,

ich mag Klassiker eigentlich – aber nur, wenn man sich wirklich mit ihnen auseinandersetzt. Diskussionen darüber im Schulunterricht fand ich immer sehr aufschlussreich. Gut haben mir auch die Lektüreschlüssel von Klett gefallen, zumindest die drei, die ich mir für meine ABI-Vorbereitung angeschafft habe, viel habe ich bislang aber – meines Erachtens – noch nicht gelesen, ich will meine Liste unbedingt erweitern, grob wäre das jetzt mal:
Schiller (Maria Stuart – das hat mir sehr gut gefallen, aber vermutlich auch, weil wir es selber inszeniert haben; Die Räuber; Die Glocke; …), Heinrich von Kleist (Michael Kolhaß; ein paar Kurzgeschichten), Thomas Mann (Buddenbrucks – ich muss zugeben, mit dem habe ich weniger anfangen können, aber schlecht fand ich es trotzdem nicht), Kafka (Die Verwandlung; Der Proceß – mein Lieblingssternchenthema), Goethe (Faust – habe ich eine super Inszenierung zu gesehen ^^), Brecht, Jane Austen, Süskind (das Parfum), Lessing (Nathan der Weise), …
Das sind die, die mir spontan einfallen.
Bei Klassikern liebe ich die Herausforderung: ich will sie verstehen und bin auch bereit, mich dafür mit ihnen auseinanderzusetzen. Allerdings fehlt mir häufig die Zeit. Ansonsten sehe ich das ähnlich wie Neyasha: Querbeet. Ich mag Abwechslung ;)

Bye
caity