Autor Thema: Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?  (Gelesen 18954 mal)

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Aryana

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #20 am: 11 November 2009, 12:04:35 »
Erst mal unterschreibe ich, was Neyasha geschrieben hat - klar, diese blöden Vorurteile sind in beide Richtungen dämlich. Ich wollte mit meinem Statement auch nicht sagen, dass ich nur die U-Literatur-Leser, die von den Hochliteraten schief angesehen werden, bemitleide, ich finde es im umgekehrten Fall genauso bekloppt.



Offline FF

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #21 am: 11 November 2009, 12:33:54 »
Ich bin faul, hatte noch keinen Kaffee und unterschreib einfach auch bei Neyasha.
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Petrairene

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #22 am: 11 November 2009, 13:18:58 »
Nessun Dorma ist Oper und gehört damit zur bildenden Kunst.

Ne, so weit ich weiß bezieht sich das "bildend" bei der bildenden Kunst nicht auf Bildung, sondern auf die Herstellung eines Bildnisses. Bildende Kunst ist also Malerei und Bildhauerei. Im Gegensatz zur vergänglichen Kunst Tanz, Musik und Theater.

Feldzeugmeister Benedek

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #23 am: 11 November 2009, 13:28:13 »
Zitat
m Gegensatz zur vergänglichen Kunst Tanz, Musik und Theater.

Die mag zwar früher vergänglich gewesen sein, ist durch Medien allerdings heute immer wieder abrufbar. Der richtige Begriff dafür lautet "darstellende Kunst".

Petrairene

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #24 am: 11 November 2009, 14:01:34 »
oder die vielen literarischen Texte, die von der Sprache her spannend bis umwerfend sind, aber wenn man genug davon hat, zum großen Gähnen animiert.

Kunst genügt einmal sich selbst und entsteht außerdem im Auge des Betrachters immer wieder neu. Kunst muss kein Ziel haben (kann aber).
Unterhaltung ist etwas ganz anderes.

Hm, aber auch die Kunst muss für die Leute die sie interessant finden irgend eine art von Unterhaltungswert haben.

Und wenn es nur die Unterhaltung des Erschaffenden ist. Meine Texte haben definitiv keinen künstlerisch hochstehneden Wert, aber ich schreibe, wenn ich was schreibe auch erst mal für mich, des kreativen Prozesses wegen. Weil ich etwas ausdrücken will. Von daher, ist es dann DESHALB Kunst? Ich würde sagen, nein. Zu dilletantisch. Andererseits wurde ich in eine Ausstellung eines berühmten modernen Malers mitgeschleppt und fand die Bilder obwohl bei naher Betrachtung von der Maltechnika ausgesprochen anspruchsvoll einfach nur unineressant und häßlich. Im Gegenteil zu anderen Besuchern habe ich mich nicht gut unterhalten gefühlt. So wie ich mich auch von den Büchern von Dan Brown überhaupt nicht unterhalten fühle. Unterhaltungswert ist einfach 100% subjektiv.

Von daher kann man Kunst und Unterhaltung einfach nicht tennen.

Petrairene

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #25 am: 11 November 2009, 14:02:26 »
Der richtige Begriff dafür lautet "darstellende Kunst".

Stimmt, der Begriff war mir gerade entfallen  8)

Mooncat

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #26 am: 11 November 2009, 15:16:19 »
Ich denke, was du mit Unterhaltungsliteratur bezeichnest ist für mich Trivialliteratur, ein Name, den ich treffender finde.

Was ist Tirvialliteratur? Alles, was im Gemeinhin amüsiert und unterhält. Serien. Im Grossen und Ganzen so ziemlich alle Vertreter von (Liebes-)Romanen, Fantasy, Sci-Fi, Horror, Krimi, Thriller. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber plus/minus ist das meiste Trivialliteratur.

Nicht Trivialliteratur sind die schweren Wälzer. Jetzt nicht unbedingt vom Unfang her, sondern vom emotionalen Inhalt. Klasiker, Dramen, tiefst symbolische/psychologische Geschichten mit sozial-kulturellem Hintergrund und all so was. Kurz, so ziemlich alles, was mich deprimiert und je tragischer die Schicksale, auf die angespielt wird oder es gar widerspiegelt, desto besser. Klassik ausgenommen, wobei seien wir ehrlich, es gibt verhältnismässig sehr wenige Klassiker, die reine Komödien sind. Selbst die Leichteren, die existieren, haben alle kleine, fiese Miesmacher drin.

Grundsätzlich denke ich allerdings, dass mehr oder weniger alles, was heutzutage geschrieben wird, Trivialliteratur ist. Und nur die Zeit wird zeigen, was sich schlussendlich als 'Klassiker' durchsetzen kann und in 200 Jahren + noch gelesen/bekannt/zitiert und wer weiss, vielleicht sogar in den Schulstoff aufgenommen wird.

Ich selbst schreibe mit höchstem Vergnügen und voller Überzeugung Trivialliteratur. Zum Vergnügen, zur Unterhaltung, Geschichten, die einem den Alltag etwas vergessen lassen und amüsieren - das, was ich selber gerne lesen würde. Zumindest ist das mein Ziel und mein Bestreben. Will man brutal sein, könnte man auch sagen, dass ich für die Masse schreibe, nicht für den Intelektuellen oder Gelehrten. Oder zumindest nicht für die Kategorie, mit dessen Bücher gelesen zu haben andere angeben oder mitreden wollen.

Mooncat

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #27 am: 12 November 2009, 09:55:24 »

Hm, aber auch die Kunst muss für die Leute die sie interessant finden irgend eine art von Unterhaltungswert haben.

Und wenn es nur die Unterhaltung des Erschaffenden ist.

Von daher kann man Kunst und Unterhaltung einfach nicht tennen.

Es ist schon schwierig genug sich darüber zu verständigen, was Kunst ist. Wenn Du aber Unterhaltung so weit fasst, wie Du es jetzt gerade tust, also keine Unterschiede zu Interesse, Faszination, spannendem Lernen etc. machst, dann lässt sich in der Tat Kunst und Unterhaltung nicht mehr trennen. dann ist Kunst ein Teil der Unterhaltung und fast alles andere, was Spaß macht auch.
Damit hast Du aber mit einem semantischen Kunstgriff die ganze Diskussion ad absurdum geführt. So geht es natürlich auch.

Deine Erfahrungen und Selbstbeobachtungen teile ich im Übrigen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #28 am: 12 November 2009, 10:04:17 »
Es ist immer schwierig, über Abgrenzungen zu diskutieren, wenn eine Definition, die überdies von den anderen nicht geteilt wird, Bestandteil der eigenen Position ist.

Trivialliteratur geällt mir als begriff gut.
Trivial ist für mich das, was ich nach dem ersten Durchlesen sofort wieder vergesse.
Dummerweise gehören nach dieser Definition auch viele Klassiker dazu, weil mir deren sprache zu gestelzt ist. Liegt nicht an der Qualität, sondern an den sich verändernden Lesegewohnheiten.
Homer ist bestimmt keine Trivialliteratur, aber mein Faible für Hexamter hat drastisch abgenommen.

Und Schade, dass Mooncat nicht für Intellektuelle und Gelehrte schreibt. Ich gehöre in beide Kategorien. vielleicht mag ich desdhalb Harry Potter so sehr.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(Gelehrter, Intellektueller und vor allem macchiavellischer Demagoge)
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Mooncat

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #29 am: 12 November 2009, 11:18:59 »
Und Schade, dass Mooncat nicht für Intellektuelle und Gelehrte schreibt. Ich gehöre in beide Kategorien. vielleicht mag ich desdhalb Harry Potter so sehr.

Wobei sich die Intelektuellen und Gelehrten ja durchaus auch auf das Niveau der Masse herabbegeben. Sie geben es nur nicht immer so gerne zu, geschweige denn würden ein solches Buch als Referenz nennen.

Aber das schöne an Regeln oder Verallgemeinerungen ist, dass es massenhaft Ausnahmen gibt.

Mooncat

Petrairene

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #30 am: 12 November 2009, 12:24:21 »
Trivial ist für mich das, was ich nach dem ersten Durchlesen sofort wieder vergesse.
Dummerweise gehören nach dieser Definition auch viele Klassiker dazu, weil mir deren sprache zu gestelzt ist. Liegt nicht an der Qualität, sondern an den sich verändernden Lesegewohnheiten.
Homer ist bestimmt keine Trivialliteratur, aber mein Faible für Hexamter hat drastisch abgenommen.

Aber diese "Klassiker" sind ja in gewissem Sinne wie  Antiquitäten oder Denkmäler . Niemand würde heute in Barockmöbeln in einem unheizbaren Schloß ohne Badezimmer wohnen wollen. Das macht dieses Denkmal aber nicht trivial und ich denke, das gilt auch für Literatur anderer Epochen.

anaconda

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #31 am: 12 November 2009, 13:35:07 »
Hallo,
dass du gerade Homer (vermutlich die Odyssee) anführst für klassische Werke, Trippelschritt, ist ja witzig.
Das ist doch ein überwiegend lyrisches Werk; was ja auch schon der Begriff "Hexameter" andeutet.
(sechshebige Gedichtzeile mit ein- und zweihebigen Senkungen) Dabei gibt es klassische prosaische Werke, die uns auch heute durchaus noch etwas zu sagen haben: Die Leiden des jungen Werthers oder "Der Steppenwolf" von H. Hesse. (zeitlose Themen) Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Dichter wie Goethe oder Schiller literarische Grundlagen entwickelt haben, auf die wir uns immer noch beziehen. Heutige Autoren stehen in einer Reihe mit dem, was in der Vergangenheit geschrieben worden ist und in Zukunft geschrieben werden wird. Insofern ist auch Literatur aus früheren Zeiten es wert, sich damit auseinander zu setzen (Sprich: sie zu lesen) Ob ein Werk als Trivial oder als Kunst bezeichnet wird (um darauf nochmal zurück zu kommen), hängt - meiner Meinung nach - in erster Linie vom (geistigen) Niveau des Autors ab. So kann ein alltägliches Thema kunstvoll erzählt werden und ein kunstvolles- oberflächlich und dünn daher kommen. Es ist wie beim Film: Gewisse Schauspieler stehen für Qualität, andere für Trivialität.  ;)

SG, Anaconda
   
« Letzte Änderung: 12 November 2009, 13:52:38 von Anaconda »

Online Trippelschritt

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #32 am: 12 November 2009, 14:01:27 »
Hi Anaconda,

mich bringen schon kleinere Geister als Goethe in Verwirrung. (Goethe und Schiller haben ja erst ihre Pros geschrieben und sie dann in Verse umgewandelt, um sie hochgeistiger zu machen. Werther ist da also eine Ausnahme.)

Ich lese zur Zeit einen älteren Simmel, der zu seiner Zeit ein Bestsellerautor war und von seinen Kollegen als Trivialautor verrissen wurde.
Für ihn war die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich und deren Saugarmen in der jungen Bundesrepublik das Thema. Die Zeit ist darüber hinweggegangen.

Lohnt es sich, ihn jetzt noch einmal zu lesen? Für mich ja. Was er schreibt ist für mich nicht trivial. Ob es Literatur ist? Keine Ahnung. Da sind Stellen drin, die sind etwas schwach geschrieben. Andere sind traumhaft gut. Heißt literarisch jetzt ohne Schwäche? Aber mich interessieren nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken. Ein Roman ohne Schwächen kann auch einer ohne Stärken sein.

Wahrscheinlich ist es wie meist im Leben. Es gibt gar kein entweder - oder, sondern nur ein gleitender Übergang von gut über mitterlmäßig zu schlecht.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(schreibt gern literarische Trivialitäten)
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anaconda

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #33 am: 12 November 2009, 21:08:03 »
Zitat
Wahrscheinlich ist es wie meist im Leben. Es gibt gar kein entweder - oder, sondern nur ein gleitender Übergang von gut über mitterlmäßig zu schlecht.

Das ist gut gesagt!  :teufel:

SG, Anaconda

Haramis

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Re:Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #34 am: 12 November 2009, 21:58:44 »
Ach herrje, sowas ändert sich sowieso mit der Zeit.
z.B. Shakespeare.
Wenn "The Bard" heute schreiben würde, wäre er wahrscheinlich Drehbuchautor für Seifenopern ... Zu seiner Zeit hat er Schund geschrieben. Heutzutage zählen seine Werke zu den wichtigsten der Weltliteratur.

Van Gogh hat zu Lebzeiten ein einziges Bild verkauft. Heute hängen seine Werke in Kunstmuseen.  :weissnicht:

Außerdem hat beides seine Berechtigung. Wenn du Unterhaltungsliteratur schreiben willst, tu es. Wenn du schöngeistige Literatur schreiben willst, mach das.

Ich bin einer dieser Leser, die sowieso alles lesen. Von Twilight über HdR und Diana Gabaldon bis Shakespeare und Charles Dickens lese ich alles, wie ich gerade Lust habe.


Sirius

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Anspruchsvolle Literatur - was ist das?
« Antwort #35 am: 13 September 2013, 17:54:42 »
Vor einigen Tagen hörte ich in einer Buchhandlung, wie der Besitzer zu einem Kunden sagte: "Ein Verlag oder eine Buchhandlung kann von anspruchsvoller Literatur alleine nicht existieren. Auch Trivialliteratur muss verlegt und verkauft werden."

Diese beiden Ausdrücke "anspruchsvolle Literatur" und "Trivialliteratur" sind bekannt.

Doch was kann unter "anspruchsvoller Literatur" verstanden werden?
Ist es Literatur für einen bestimmten Personenkreis?
Literatur für Menschen ab einem bestimmten IQ?
Welchen Inhalt bzw. welches Ziel hat "anspruchsvolle Literatur"?

Was ist unter "Trivialliteratur" zu verstehen?
Dieser Ausdruck klingt abwertend.

Was ist eure Meinung?

Gruß
Sirius

Offline Rilyn

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Re: Anspruchsvolle Literatur - was ist das?
« Antwort #36 am: 13 September 2013, 18:36:15 »
Trivialliteratur ist ziemlich klar definiert, der Unterschied zwischen Belletristik und "gehobener Literatur" dagegen nicht. Die Übergänge sind in beiden Fällen fließend.

Und Anspruch ist sehr vom Leser abhängig. Das hat nicht einmal viel mit Qualität zu tun. Anspruchsvoll bedeutet nicht, dass etwas nur für ein kleines Grüppchen, das sich für intellektuelle Elite hält, lesbar ist. ;D
Ich lese den "Butt" nicht, weil er mich langweilt. Ich lese hingeschluderte Krimis nicht, weil sie mich auf andere Weise langweilen. Ich lese Agatha Christie, weil sie in jeder Hinsicht großartig schreibt, und moderne Autoren, von denen ich dasselbe sagen kann. Wenn es ein wenig vergeistigt sein soll, dann ist das Foucault'sche Pendel in meinem Regal, und daneben mittelalterliche Philosophie (nein, nicht der Name der Rose - das auch).

Aber das, was allgemein als anspruchsvolle Literatur gehandelt wird, interessiert mich für gewöhnlich ungefähr fast genau gar nicht. Hölle, was bin ich für ein Kulturbanause.
:heilig:
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Jenna

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Re: Anspruchsvolle Literatur - was ist das?
« Antwort #37 am: 13 September 2013, 19:04:11 »
Ich werde nicht versuchen, "anspruchsvolle Literatur" zu definieren. Das überlasse ich mit ruhigem Gewissen der Literaturwissenschaft.

Und ehrlich gesagt glaube ich, dass mir als Schreiberling(!) eine Definition auch nicht viel weiterhilft. Ich werde sicherlich nicht irgendwann die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und voll Entsetzen feststellen: "Verdammt, jetzt hab ich Literatur geschrieben, dabei wollte ich doch was Triviales! Sofort alles Löschen!"
Und auch vor allem deswegen find ich es schwierig, als Schreiberling mit so einer Definition zu arbeiten:
Die Übergänge sind in beiden Fällen fließend.

Damit sage ich nicht, dass man keine Unterscheidungen machen sollte. Aber es wird schwierig, wenn nicht unmöglich sein, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
Dass man einen - literarischen - Unterschied zwischen Twilight und ... wasweißich ... Die Leiden des jungen Werthers feststellen kann, werden wohl die meisten unterschreiben. (Nicht zuletzt deswegen, weil's Goethe ist.)
Jetzt stell ich die Behauptung auf, dass es auch zwischen Twilight und Harry Potter einen literarischen Unterschied gibt. Und ich denke, spätestens da wird es schwierig: Für jemand anderen ist das ein und derselbe Fantasy-Kram. Eindeutig beides trivial, niedrige Litertur, kein Goethe, (...) Ende.
Mist? :wiejetzt:
Man müsste also nach einem objektiven Bewertungssystem vorgehen, um entscheiden zu können, inwiefern etwas nun "literarischer" als etwas anderes ist - und dabei bleibt genau eine Sache auf der Strecke: der persönliche Geschmack.

Was nützt es mir, wenn etwas "literarischer" ist, mich die Geschichte aber nicht einen Deut interessiert? Und was nützt es mir, wenn ich auf keinen Fall trivial schreiben möchte, ich aber total gerne kitschige Liebesschnulzen texte? Folgt daraus die Konsequenz, dass ich das, was ich gerne lese, gerne schreibe, nicht mehr schreiben und lesen soll? Nein, natürlich nicht, jeder soll ja lesen und schreiben, was er möchte. Was habe ich dann aber durch die Unterscheidung zwischen hoher und trivialer Literatur erreicht? Ein Etikett, das mir keinerlei Orientierungsmöglichkeit bietet, ob ich eine Geschichte lesen oder schreiben mag.

Die Definition ist sicherlich wichtig für Literaturwissenschaftler. Aber für mich als Schreiberling und Leser nicht. :weissnicht:

Lieben Gruß
Jenna

Sirius

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Re: Anspruchsvolle Literatur - was ist das?
« Antwort #38 am: 13 September 2013, 19:08:02 »
hallo Rilyn,

so wie ich dich verstanden habe, ist anspruchsvolle Literatur vom jeweiligen Leser abhängig.
Du liest Agatha Christie - ich übrigens auch.
Aber können ihre Romane als anspruchsvoll bezeichnet werden?
Sie sind gute Belletristik mit einem gehörigen Schuss Phsychologie
Derjenige, der z. B. Perry Rhodan liest, weil er irgendetwas Besonderes darin findet, liest er dann seiner Meinung nach schon anspruchsvolle Literatur und würde sich dagegen verwahren, diese Romane als Trivialliteratur bezeichnet zu sehen?
Was wird im allgemeinen als anspruchsvolle Literatur gehandelt?

Offline FF

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Re: Unterhaltungsliteratur: Was gehört dazu und was nicht?
« Antwort #39 am: 13 September 2013, 19:13:12 »
Themen zusammengeführt.

Sirius, wozu fragst du mich eigentlich vorher, wenn du dann doch ignorierst, was ich antworte?
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