Autor Thema: Schöne neue (Themen-)Welt?  (Gelesen 3673 mal)

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Offline nus

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Schöne neue (Themen-)Welt?
« am: 10 Juni 2009, 15:30:04 »
Was mich mal interessieren würde:
Wann habt Ihr zum letzten Mal etwas wirklich Neues gelesen? Ein Buch, das Euch überrascht hat, weil es wirklich neu war und nicht der tausendste Aufguss irgendwelcher Erfolgsbücher, der sich vom Immergleichen höchstens durch Details unterscheidet?

Offline felis

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #1 am: 10 Juni 2009, 15:44:45 »
Jetzt grade. Ich lese gerade eins, das aus der Perspektive eines Autisten geschrieben ist:
Elzabeth Moon
"Die Geschwindigkeit des Dunkels"
Ich schreibe gerade mein Blog

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Offline Rilyn

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #2 am: 10 Juni 2009, 15:57:49 »
Außerhalb des Federfeuers? :devgrin:

Mein Purzeltagsgeschenk, das ich aber schon länger kenne: Der Hexer von Andrzej Sapkowsky. Nicht absolut neu, aber anders.

Was mich schon von der Idee her überrascht hat, ist Das Drachenei von Robert L. Forward (SciFi). Auch schon lang bekannt und noch viel länger auf dem Markt ... eher schon nicht mehr auf dem Markt. :gnaah:

Nochmal SciFi: Meistersänger von Orson Scott Card. Auch einer dieser nicht so bekannten "Klassiker".

Überrascht im gleichen Maße wie Der Hexer, aber auf ganz andere Weise, hat mich A Song of Ice and Fire von George Martin. Es ist, wenn man es zusammenfasst, nicht wirklich ungewöhnlich, aber wenn man es liest so verflucht "realistisch" im Sinne von glaubwürdig, und es kommt tatsächlich ohne Auftrag und Held aus.

Ähnlich, aber wieder auf einer anderen Schiene: Die Türme von Tornor, Trilogie von Elizabeth A. Lynn. Überraschend war dabei weniger die Story als die unheimlich lebendige Welt.

Der Klassiker schlechthin, der mich trotz der Erwartung einer Dystopie überraschen konnte: George Orwell, 1984


Ok ... das sagt eigentlich nichts anderes aus, als dass es mindestens zwei Jahre her ist, seit ich das letzte davon (Song of Ice and Fire, Band 4) gelesen habe. Seitdem nichts derart "Neues" in gedruckter Form.
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Mooncat

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #3 am: 10 Juni 2009, 15:58:15 »
Hmm, keine so leichte Frage, da 'neu' sicher viel mit Erfahrung und Definition zu tun hat. Und ich ausserdem eh Serien und Reihen bevorzuge.

Im Sinne von wirklich anders und ungewöhnlich ist es eine ziemliche Weile her und da wären zwei Bücher:

  • Felidae, von Akif Pirincci
  • Sofias Welt, von Jostein Gardner

Im Sinne von wirklich erfrischend neu in einem beliebten Genre (Supernatural) ist's ca. 1 Jahr:
Kate Daniels Reihe von Illona Andrews. Bislang (3 Bände) wirklich neu und frisch.

Ausserdem habe ich im Regal noch ein, zwei Bücher, die diesen Anspruch für sich beanspruchen könnten, soweit ich es bislang sagen kann. Ich würde mich hier dann wieder melden.

Mooncat

Maren

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #4 am: 10 Juni 2009, 16:15:24 »
Da gibt es schon einige:

Gerade erst gelesen: Silberflügel von Kenneth Oppel. Er hat eine junge Fledermaus als Held und schreibt komplett aus Sicht der Fledermäuse. Und das funktioniert erstaunlich gut.

Ganz neu, lese ich gerade: Kalix - Werwölfin von London von Martin Millar. Stilistisch zwar alles andere als ein Meisterwerk (was ich aber eher dem Lektorat in die Schuhe schiebe, denn da hätte man durchaus was machen können), aber voller großartiger, neuer Ideen. Die 17jährige Prota ist auf der Flucht, weil sie ihren Vater angriff, süchtig nach Laudanum, leidet an einer Essstörung, schluckt Diazepam, stiehlt um zu Überleben. Dazu viele originelle Einfälle um eine Feuergöttin, Werwölfe im Modebusiness und anderes.

Wie angelt man sich einen Vampir? von Kerrelyn Sparks. Eine wunderschöne humorvolle Romanze voller toller Ideen, wie einem Fernsehsender (DVN - Digital Vampire Network) für vampire, der Soaps wie Unsere kleine Leichenhalle, As a Vampire turns oder Vampirstraße sendet. Dazu sehr liebenswerte Figuren.

Schon älter, aber klasse: Wen der Tod entlässt von Elfie Donnelly. Eine Mischung aus Drama, Krimi und viel Humor, in einem absolut genialen Schreibstil, mit wunderbaren Figuren, vielen Überraschungen. Die Prota erbt ein Beerdigungsunternehmen, hat ihre Familie durch einen Unfall verloren, war selbst schwer krank, aber alles ist wunderbar geschrieben, nie kitschig.

Der Teufel in meinem Bett von Bertrice Small. Ein Schreibstil zum Niederknien, eine absolut ungewöhnliche, tolle Geschichte. Und die Idee von diesem ganz besonderen Fernsehsender in den Frauen eintauchen und ihre Fantasien erleben können, ist schlichtweg genial.

Offline Lilith

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #5 am: 12 Juni 2009, 15:16:11 »
House of Leaves von Mark Z. Danielewski durch die ganze Komposition, die Metaebenen etc.
Finde ich aber nur in englischer Sprache wirklich empfehlenswert, weil in der deutschen Übersetzung einiges an unterschwelligen (Sprach-)Botschaften verloren gegangen ist, scheint mir zumindest - ich muss gestehen, die deutsche Version nicht ganz, sondern nur einen Auszug aus dem Internet gelesen zu haben. ;) :blush:

Jedenfalls fand ich es faszinierend, wie das Nacherleben dieser Erkundung des Labyrinths im Haus möglich gemacht wurde und überhaupt die schräge Idee, den Roman als Dokumentsammlung mit der Wiedergabe der Beschreibung eines Videos, die ein blinder (!) Mann verfasst hat, aus der Sicht eines psychotischen, unter Paranoia und schweren Alpträumen leidenden und überhaupt sehr unzuverlässig erzählenden, den Leser an der Nase herumführenden (besonders gegen Ende) Drogensüchtigen zu schreiben.
Ein sehr eindringliches Psychogramm auch, wenn man mich fragt, und, da stimme ich einer Interviewaussage des Autors zu: "I realized that this is not a horror novel but a story about love."
Sicher verwirrend, aber ich fand es sehr, sehr gelungen. :cheerful:

Auch schön, mit welchem Satz der Roman beginnt: "This is not for you." :devgrin:
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"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Gregorius

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #6 am: 13 Juni 2009, 13:07:41 »
Das letzte wirklich neue: Die Turm Saga. Für mich aber leider auch so nziemlich wirklich das letzte neu, was noch gebracht werden konnte. Sicher kann man immer noch gute Fnatasyreihen schreiben, aber jetzt war alles schon da. Aber eine Western-magie-fantasy Saga in dem Stil gabs vor der Turmsaga glaub ich noch nicht.

ich überlege gerade, ob ich Morrcock noch nenne soll, Elric von Melnibone. Bei dem kam mir wiederum der Gedanke, King könnte da mal den ein oder anderen Blick reingeworfen haben. Also es ist letztlich halt Fantasy, aber es gibt wenig so gnadenlose Hauptcharaktere und der mann schafft es mit unheimlichen Charme den Klischees etwas anzieherndes zu geben. Ein vor sich hin murmelnder dunkler Magier der sich durch den Bart streicht und auf einem Thron aus Schlangenschädeln sitzt - also bitte ;D.

Und zu guter Letzt als recht einzigartig empfinde ich Lovecraft. Weil bei Lovecraft kein psychologischer Horror stattfindet wie bei Poe oder auch bei King, sondern eigentlich immer alles Montorhorror ist, kultisch, düster, übersinnlich. es ist nie einfach der Mensch selbst das Böse, es sind immer dunkle Mächte am Werk. Das hat auch was.

Offline felis

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #7 am: 13 Juni 2009, 14:40:58 »
Zitat
aber jetzt war alles schon da.
Widerspruch! In der Fantasy/Fantastik gibts noch unendlich viele nicht ausgelotete Möglichkeiten. Deswegen schreib ich ja welche! :devgrin:
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Rorschach-Phoenix

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #8 am: 13 Juni 2009, 21:15:33 »
Widerspruch! In der Fantasy/Fantastik gibts noch unendlich viele nicht ausgelotete Möglichkeiten. Deswegen schreib ich ja welche! :devgrin:

*zustimm* Es gibt so vieles, was noch nicht geschrieben wurde.

Gregorius

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #9 am: 13 Juni 2009, 21:38:52 »
Ich glaube einfach, es gibt kein neues Grundkonzept mehr. Kein Setting, das es nicht schon gegeben hätte.

Offline Rilyn

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #10 am: 14 Juni 2009, 04:49:07 »
Alles eine Frage der Definition. :devsmile:

Abgesehen davon steckt der Sinn des Geschichtenerzählens allgemein darin, wie Menschen mit Bekanntem und Unbekanntem umgehen. Etwas Bekanntes wird dabei in so gut wie jedem Fall vorhanden sein, denn Mechanismen wie Identifikation und Übertragung funktionieren nur darüber. Etwas, das nur die reine Neugier befriedigt, also etwas absolut neues, würde eher in einer Weise wie ein Sachbuch ansprechen.
"Neu" ist in diesem Moment alles, was mit noch nicht breitgetretenen (breitgetreten, nicht irgendwann irgendwo schonmal erwähnten Aspekten spielt, und wenn die Protagonisten ein Magier, ein Krieger, ein Elf und ein Dieb sind, die ihre Geschichte in der standardisiertesten Fantasywelt überhaupt erleben ... nicht das Ambiente machts, sondern das, was drin verpackt ist. Geschichten sind (neben der Unterhaltung) zum Erleben und Lernen da. Wiederholungen gehören dazu ... nur irgendwann auch Abweichungen vom immer gleichen Schema, dass sich aber, ups, so gut vermarkten lässt, weil ja bekannt ist, wie. Der Rest ist Verpackung. Die kann die Story unterstützen und die Identifikation erleichtern (bei mir etwa vorindustrielle Fantasy statt techniklastige SciFi), aber ebenso kann das der Schreibstil oder der Protagonist ansich. Eine abgeänderte, neue, unerwartete Variante der guten alten Heldenreise? Gern, her damit, genau dieses Neu meine ich. Eine Ausarbeitung der klassischen Heldenreise in neuartigem Ambiente (siehe Hollywood und beinahe jeden Bestseller)? Das muss dann schon extrem gut sein, sonst ist es nur eine nette Kulisse für eine Story, die mich gähnen lässt, und wenn sie noch so spannend erzählt/gezeigt wird. Die Verpackung darf, muss eigentlich sogar mit der realen Welt spielen, sonst gerät eine Erzählung zur reinen Befriedigung von Neugier und / oder Unterhaltung. Nett, aber nicht fordernd, genausowenig wie das von vornherein bekannte, seichte, überraschungslose, tausend Mal durchgekaute Gegenteil.

Oh weia. Sowas kann ich nur um diese Uhrzeit von mir geben. :P
« Letzte Änderung: 14 Juni 2009, 04:49:39 von Rilyn »
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Maren

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #11 am: 14 Juni 2009, 06:24:34 »
Widerspruch! In der Fantasy/Fantastik gibts noch unendlich viele nicht ausgelotete Möglichkeiten. Deswegen schreib ich ja welche! :devgrin:

*zustimm* Es gibt so vieles, was noch nicht geschrieben wurde.

Genau.
Und Bekanntes, das man in neuem Gewand verpacken kann.

Ich greif z. B. bei Zauberern immer direkt zu.
Da fällt mir sogar noch eine Buchreihe ein, die ich gut empfehlen kann:
Jim Butchers Dresden-Files, der Magier und Privatdetektiv Harry Dresden erlebt tolle Abenteuer. Obwohl in Ich-Form bin ich ganz verrückt nach den Büchern. Der Autor hat eine super Erzählstimme, passt absolut zum Magier.

Aryana

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #12 am: 14 Juni 2009, 08:34:48 »
Die Tamír-Trilogie von Lynn Flewelling.
Auch nicht wirklich "neu" vom Thema her (gebeuteltes land braucht rechtmäßige herrscherin, sonst geht es unter), aber voll wunderbarer, tiefgründiger Charaktere, die einfach Menschen sind und keine Helden - eher helden wider Willen, die tun, was sie tun müssen, weil es kein anderer tun kann, und die zum Teil an den Folgen ihres Tuns ganz schön zu knabbern haben.

Auch sehr schön ist Lynn Flewellings schon etas ältere Nightrunner-Reihe (im Deutschen Schattengilde), die zwar eher geschrieben wurden als die Tamir-Bücher, aber nach den darin beschreibenen Ereignissen spielen. Auch nicht neu vom Thema her, aber einfach herrlich geschrieben, spannend und kurzweilg.

Offline nus

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #13 am: 14 Juni 2009, 15:02:36 »
Hm. Ich meinte eigentlich wirklich Neues, nicht Bekanntes neu verpackt oder ähnliches.
Ich sehe das ähnlich wie Greg. Auch wenn Ihr mich jetzt steinigt: Allmählich habe ich das Gefühl, dass gerade das Fantasy-Genre (ich erlaube mir mal von dem Fantasy-Genre zu sprechen, auch wenn es eine Menge verschiedener Spielarten geben mag) allmählich seinen Innovations-Zenit überschritten hat.  :weissnicht:

Rorschach-Phoenix

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #14 am: 14 Juni 2009, 15:13:51 »
Hi nus,

beschränkst du dich auf Fantasy oder schließt du da Phantastik und Konsorten mit ein?

Nur weil etwas nicht veröffentlicht wird, heißt es nicht, dass es da nichts mehr gibt. Ich bin mir ganz sicher, dass es da noch eine Menge gibt. Im Verhältnis zu dem, was es bereits gibt, mag das jedoch sehr wenig sein.


Liebe Grüße: Rorschach-Phoenix

*auf Maja Ilisch' "Chroniken der Elomaran" verweis*

Aryana

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #15 am: 14 Juni 2009, 15:51:19 »
@Nus: da ich hauptsächlich Fantasy lese, habe ich mich darauf beschränkt, nach nicht ganz so alltäglichen Fantasybüchern zu suchen. :)
Als noch recht neues und für mich ausgesprochen originelles Buch möchte ich "Bisse" nennen, eine Geschichtensammlung von Ju(liane) Honisch. Die Geschichten sind durchweg originell, haben überraschende Wendungen, die man wirklich nicht erwartet hat, und das Buch bewegt sich mit seinen Geschichten und Erzählungen sehr elegant durch einen netten Genre-Mix zwischen Thriller, Urban Fantasy, Romanze und Historie.

Frage an alle (*provozier*): Gibt es den DEN neuen Krimi oder DEN neuen Thriller oder DEN absolut neuen historischen Roman oder DIE neue Romanze/Liebesgeschichte, wenn es schon DIE neue Fantasygeschichte nicht gibt? Was ist denn neu, was ist denn originell? Ich habe das Gefühl, das ist für jeden etwas anderes. Und ich habe auch oft das Gefühl, dass geade bei Fantasy alle Welt behauptet, dass "Famntasy an sich" ja sowas von ausgelutscht ist. Und das macht mich wütend. Alle Welt hackt auf dem Fantasygenre herum, die Hauptargumente sind "ausgelutscht" "unoriginell" und "ohne Tiefgang".  
Kann überhaupt jemand SO "neu" schreiben, dass er eine tatsächlich in allen Punkten noch nie dagewesene Geschichte schreibt? Ich bin jetzt mal böse und behaupte, dass das nicht geht.
« Letzte Änderung: 14 Juni 2009, 16:02:31 von Aryana »

Rorschach-Phoenix

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #16 am: 14 Juni 2009, 16:03:00 »
Alles geht. Hätte jemand das Fahrrad erfunden, wenn er gedacht hätte, das geht nicht? Oder das Auto? Das Flugzeug? Das Fernsehen? Den PC? Das Internet? Wo Fortschritt ist, da ist das Neue.

Ich habe im Montsegur von einer Liebesgeschichte gelesen, siehe hier: Glattauer

Ist das neu? Nun, ich habe das Buch nicht gelesen. Aber es klingt neu.

Geht nicht, gibt es nicht. Wenn es scheitert, dann an einem selbst. Nicht jeder ist als Erfinder auf die Welt gekommen. Viele tüfteln einfach nur gerne an Dingen rum, die es bereits gibt und verbessern sie bisweilen.


Liebe Grüße: Rorschach-Phoenix
« Letzte Änderung: 14 Juni 2009, 16:03:31 von Rorschach-Phoenix »

Aryana

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #17 am: 14 Juni 2009, 16:19:25 »
Vor dem Fahrrad war aber auch schon etwas anderes da. Genauso wie vor dem PC (also einem Computem der klein genug ist, um in eine klene Kiste statt in mehrere Räume zu passen). Vor dem Fernsehen gab es den Hörfunk. Vor dem Auto gab es Dampfmaschine und Kutsche. Internet und Flugzeug, um bei deinen beispielen zu bleiben, sind auch nur Weiterentwicklungen schon einmal dagewesener Ideen.
Das Rad war neu, als es erfunden worden war (also das kleine runde Ding, nicht das Fahrrad). Alles, was Räder hat, ist eine Verbesserung. Vieles, was einmal brandneu war, war auch nur eine von diesen Ideen an denen jemand so lange herumgetüftelt hat, dass sie besser geworden waren.
Ich glaube alledings auch nicht, dass man die "Neuheit" industrieller Erfindungen auf das Schreiben einfach so übertragen sind.

"Glattauer" klingt in der Tat interessant, aber: so "neu" ist die Idee auch nicht, Briefromane gab es auch früher schon - und eine Email ist auch nichts anderes als eine moderne Form des Briefes.
« Letzte Änderung: 14 Juni 2009, 16:20:45 von Aryana »

Offline nus

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #18 am: 14 Juni 2009, 18:25:37 »
Dass man dem Genre Fantasy vorwirft, ausgelutscht zu sein, wundert mich nicht. Ähnlich ging es dem Genre SciFi vor einiger Zeit auch. Aktuell ist SciFi zwar nach wie vor ein fester Bestandteil in der Literatur, aber es ist eher in den Hintergrund getreten. Ich denke, Fantasy wird es bald ähnlich gehen. Das sieht man schon an den aktuellen Bestsellerlisten, die im Moment eher von realweltlichen Storys dominiert werden.

Offline Rilyn

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #19 am: 14 Juni 2009, 18:46:12 »
Eines fällt mir gerade noch ein: Larry Niven, Ringwelt, SciFi.

Vorsicht Spoiler: die Idee, das Glück zu züchten, und die Umsetzung dieses Aspektes in der Story finde ich klasse und so skurril, dass sie neu ist. Allerdings ist der Roman ansich auch "nur" ein Abenteuer- und Entdeckungsroman. Lustig, überraschend, interessant mit dieser Pointe, aber auch ansich nicht neuer als der erste Roman, in dem mit einem Zeitparadoxon gespielt wurde; nicht neuer als Jules Verne, das erste Ritterepos oder die erste Göttergeschichte zur jeweiligen Zeit. Menschen erzählen letztlich aus immergleichen Gründen heraus. Wie soll etwas, wenn man es gnadenlos hinterfragt, nicht auf diese Gründe zurückzuführen sein? :weissnicht:
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Aryana

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #20 am: 14 Juni 2009, 19:08:13 »
@Nus: Dann frage ich mich aber immer noch, wieso wirft man nicht auch dem historischen Roman das "Ausgelutschtsein" vor? SO viel neues ist doch an der Erzählung historischer Ereignisse verpackt in eine Romanhandlung auch nicht.
Es ärgert mich einfach, wenn Genres, die sowieso schon immer um Anerkennung ringen mussten, die "Unorignell"-Keule abbekommen. Fantasy=platt, flach, niveaulos, unoriginell, ausgelutscht. Das macht mich wirklich wütend, auch wenn das jetzt hier nicht hergehört. /OT ende

Offline felis

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #21 am: 14 Juni 2009, 21:12:22 »
Weil Ril gerade Sci Fi erwähnt:da fällt mir noch Cherryh ein, die im Chanur-Zyklus die absolut überzeugendste Darstellung einer nicht menschlichen intelligenten Kultur verfasst hat, die mir jemals untergekommen ist.
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Maren

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #22 am: 14 Juni 2009, 21:17:31 »
An SF-Romanen sehr beeindruckt hat mich Die Traumschlange von Vonda N. McIntyre. Kann sein, dass es daran liegt, dass ich so ein Faible für Schlangen hab, aber die Ideen darin fand ich ebenfalls großartig, auch der Schreibstil ist gewohnt gut.

Offline nus

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #23 am: 15 Juni 2009, 14:24:30 »
@Nus: Dann frage ich mich aber immer noch, wieso wirft man nicht auch dem historischen Roman das "Ausgelutschtsein" vor? SO viel neues ist doch an der Erzählung historischer Ereignisse verpackt in eine Romanhandlung auch nicht.
Ich denke, das liegt daran, dass der historische Roman nicht annähernd so einen Hype ausgelöst hat wie Fantasy. Ich meine das nicht abwertend. Im Gegenteil: Der überwältigende Erfolg von Büchern dieses Genres (es hat sogar dazu geführt, dass bei vielen jungen Leuten endlich wieder die Leselust geweckt wurde) kommt ja nicht von ungefähr.

Zitat
Es ärgert mich einfach, wenn Genres, die sowieso schon immer um Anerkennung ringen mussten, die "Unorignell"-Keule abbekommen. Fantasy=platt, flach, niveaulos, unoriginell, ausgelutscht. Das macht mich wirklich wütend, auch wenn das jetzt hier nicht hergehört. /OT ende
Ich hatte damit auch nicht gemeint, dass das ganze Genre unoriginell ist. Es gibt großartige und sehr originelle Bücher im Bereich Fantasy. Ich meine nur, dass - gerade aufgrund des großen Erfolgs - 1) das Genre Fantasy in der letzten Zeit durch eine wahre Woge von Neuerscheinungen bestimmt war und 2) einige Titel aus diesem Bereich eine sehr hohe Verbreitung erfahren haben. Wegen 1) ist es nur natürlich, dass schon ein breites Spektrum an Themen/Welten/Charakterbilder/Motiven/Geschichten/... abgedeckt ist und man schon sehr tief bohren muss, um noch etwas Neues zu finden. Als Leser ebenso wie als Autor, denke ich. In einem Genre, das noch nicht so intensiv "bedient" wurde, hat man es da leichter. Aus 2) wiederum folgt, dass bestimmte Themen/Welten/Charakterbilder/Motive/Geschichten/... gewissermaßen "besetzt" sind. Da hat man es leichter in einem Genre, in dem sich nur wenige "Jeder kennt's"-Werke tummeln.

Ich wollte Dich mit meinen Thesen nicht wütend machen. Ich finde es einfach nur spannend, den Markt zu beobachten. Das ist weitgehend wertfrei (siehe meine Anmerkung zu den Bestsellerlisten). Womöglich ziehe ich aus dem, was ich beobachte, andere Schlüsse als Andere. Darum hatte ich diese Diskussion angefangen: Um zu sehen, wie Andere hier die "Marktsignale" beurteilen.

Offline Trippelschritt

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #24 am: 15 Juni 2009, 16:27:43 »
Vor ungefähr zwei Jahren bin ich über die Abenteuer des Meister Li gestolpert.

Autor ist Barry Hughart. Band 1 heißt Bird(s) of Bridges oder Bridges of Bird(s) oder so ähnlich.

Es geht um ein China, das es nie gegeben hat. Auf jeder Seite mehr als ein Gesitesblitz. wie der das durchhält.
In Bibliotheka Phantastika stehen ein paar informative Rezensionen dazu.

Und die Frage, was neu ist, ist relativ. Oft ist immer nur ein bisschen neu. So ganz neu will ja auch kaum einer lesen. Deshalb geht Fantasy auch besser als Phantastik.

Und husch wieder weg (mit Trippelschritten)

  • Ich schreibe gerade: Tamalone, hieß früher mal Ypsilone
Womit kann der alte Vol Jin euch helfen

Aryana

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #25 am: 15 Juni 2009, 18:41:40 »
Es ist "Bridge of Birds" (Brücke der Vögel) und ist absolut genial!
« Letzte Änderung: 15 Juni 2009, 18:41:50 von Aryana »

pirat

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Re: Schöne neue (Themen-)Welt?
« Antwort #26 am: 22 Juni 2009, 19:47:12 »
Ich meine nur, dass - gerade aufgrund des großen Erfolgs - 1) das Genre Fantasy in der letzten Zeit durch eine wahre Woge von Neuerscheinungen bestimmt war und 2) einige Titel aus diesem Bereich eine sehr hohe Verbreitung erfahren haben. Wegen 1) ist es nur natürlich, dass schon ein breites Spektrum an Themen/Welten/Charakterbilder/Motiven/Geschichten/... abgedeckt ist und man schon sehr tief bohren muss, um noch etwas Neues zu finden. Als Leser ebenso wie als Autor, denke ich. In einem Genre, das noch nicht so intensiv "bedient" wurde, hat man es da leichter. Aus 2) wiederum folgt, dass bestimmte Themen/Welten/Charakterbilder/Motive/Geschichten/... gewissermaßen "besetzt" sind. Da hat man es leichter in einem Genre, in dem sich nur wenige "Jeder kennt's"-Werke tummeln.
Wenn der Anspruch, einen Fantasyroman zu schreiben, höher ist als bei Büchern anderer Genres, dann mag die Beobachtung, dass weniger Fantasybücher in den Bestsellerlisten vorzufinden sind als realhistorische daran liegen, dass derzeit kaum noch jemand dem Anspruch gerecht wird (aus Sicht des Verlags, aus Sicht der Leser). Ob daswiederum gerechtfertigt wäre, sei mal dahingestellt.

Wobei ich noch sagen muss, nach deiner Argumentation müsste ich auch andere Genres (historische Romane, Liebesromane usw.) für überbesetzt halten. Ich kenne kaum noch einen historischen Roman, der mir was Neues bietet. Je weiter wie Zeit läuft, umso mehr Bücher gibt es nun einmal. Das Kniffelige ist, die richtige Kombination zu finden.

Aber eines steht für mich fest: Wenn es jemand - ganz gleich aus welchem Genre -  in die Bestsellerlisten schafft, sind es doch immer meistens nur Fantasybücher, die regelrecht Furore machen; kaum sind es Romane anderer Genres. Was mMn wiederum FÜR Fantasy spricht.