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Kurzgeschichten / Re: Virtualia
« Letzter Beitrag von Nimmer am 29 August 2018, 22:55:30 »
Hallo Zitatus,

ich halte den Dialog für den schwächsten Teil - insbesondere den Austausch über Science-Fiction. Der wirkt unmotiviert und führt auch nirgendwo hin. Ich nehme an, dass du ihn drin hast, um auf die Magnetstürme anspielen zu können, aber vielleicht ist das unnötig. Vielleicht muss man gar nicht wissen, warum die Gesellschaft zusammengebrochen ist, bzw.: die Pointe gibt einen eigenen Grund, der interessanter ist als die Stürme: die Abhängigkeit von Technologie. Ich denke, die Pointe würde ohne die Stürme funktionieren.

Ich frage mich außerdem, ob der Geschichte eine Handlung guttäte. Ich bin nicht sicher. Zur Zeit ist es ein Standbild zweier Typen, die miteinander reden. Könnte die Pointe auch als dramatische Überraschung geliefert werden? Der Held überwindet ein schreckliches Hindernis, um die Welt zu retten, nur um festzustellen: der Reader ist ja auch kaputt?
Trippelschritt schlägt vor, die ganze Geschichte auf einen Dialog zu reduzieren. Ich möchte vorschlagen, Rainer zumindest probeweise ganz aus dem Text zu streichen. Er liefert nichts - bis auf die Frage nach der Gebrauchsanweisung (und Exposition, aber die finde ich nicht elegant eingebracht).

Die Kernelemente der Geschichte sind, denke ich: (1) die Goldene Stadt, (2) Kaspers Wunsch, zu dieser "zurückzukehren", und (3) die Realisierung der Ironie: die Goldene Stadt hat selbst zu ihrem Untergang geführt - eine Rückkehr ist nicht nur unmöglich, sondern würde auch zu einem Kreislauf des Verlusts führen. Die Beschreibung der Goldenen Stadt im Kontrast zu Kaspers jetziger Lebensrealität dient Nr. 1; das passt. Nr. 3 ist die Pointe. Nr. 2 scheint mir am blassesten zu sein, und ist in einem Standbild auch schwer darzustellen. Der Dialog mit Rainer dient Nr. 2 jedenfalls nicht.

Mein Vorschlag ist, den Mittelteil durch etwas anderes zu ersetzen.
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Kurzgeschichten / Re: Virtualia
« Letzter Beitrag von Trippelschritt am 28 August 2018, 08:44:16 »

Eine der größten kulturellen Errungenschaften der modernen Gesellschaft, so sagte man, sei die Digitalisierung. Der rasante technische Fortschritt hatte es ermöglicht, dass man jederzeit und in unbegrenzter Menge, preiswert oder sogar kostenlos jedes Fitzelchen Literatur, jedes jemals gepinselte Gemälde, jede in Stein geschlagene Skulptur und jede in Noten gefasste Komposition in perfekter Qualität herbeiholen konnte.
Kasper hatte sich oft die Mona Lisa ins Wohnzimmer geholt. In Originalgröße sah sie über dem Esstisch wunderbar aus. Als Dekoelement stand darunter die Venus von Milo. Stark verkleinert und passend zur Tischdecke eingefärbt. Sie überblendete die schmucklose Stütze des Lesegeräts mit den 1,65 Millionen aufgespielten Büchern. 1,65 Millionen! Drei davon hatte er sogar gelesen. Keine Science-Fiction.
Nun war die Mona Lisa nicht mehr an der Wand, das Hologramm der Venus war verschwunden und das Lesegerät war nutzlos. Der Magnetsturm hatte alle Datenträger gelöscht.


Mir gefällt die Geschichte auch. Auch die Pointe ist klar und kommt, wie sie kommen sollte. Nur zwei Stellen haben mich gestört. Ene ist der obige Textteil. Da verfällst Du mir zu plötzlich in eine erklärende erzählerstimme, wo doch vorher so nett geplaudert wurde. Der Ausgang ist dann besser, weil Du aus dieser Stelle in eine parsönliche Perspektive gleitest. Zumindest kann man es so fühlen.

Mit dem Überarbeitungsbedarf gebe ich Dir recht. Wenn eine solche Geschichte wirken soll, dann muss der Dialog topp sein. Die zweite Stelle, die mich gestört hat, war ein Schwafelsatz in der Plauderei. Ich finde ihn aber nicht wieder, sonst hätte ich ihn zitiert. "Ich lebe in der SciFi Deiner Zeit" etc. fing das an. Das ist unverständlich. Vor allem das mit Beleidigung und Kompliment. Und dann gibt es noch ein paar andere matte Stellen, aber das ist alles Kleinkram. Im Grunde genommen ist das eine gute Geschichte, die ich fast ganz auf einen Dialog reduzieren würde.

Grüße
Trippelschritt
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Kurzgeschichten / Re: Virtualia
« Letzter Beitrag von Taurussieben am 26 August 2018, 17:23:02 »
Die Pointe ist an sich gut.

Was mich stört, ist der Schwung zu Sci-Fi und zurück und dann Magnetstürme und dann wird klar das ein Magnetsturm die Welt(?) getroffen. Das hat mich am meisten verwirrt. Gefühlt fehlt das die Verbindung zum Rest.

Sonst könnte man hier und da die Sätze wohl straffen. Beim laut Vorlesen, wollte ich den Satz immer anders weiter lesen, als er dann da stand (was auch vielleicht meinem eigenen Schreibtstil geschuldet ist, den ich beim Lesen da eventuell reinprojiziere :uhoh:)

Bei Goldener Stadt musste ich an "Otherworld" denken... das mit mich ein wenig rausgeworfen, aber das ist auch eher mein Problem da ich mir zu gut Sachen merke aus anderen Romanen...  :kopfwand:
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Letzter Beitrag von Taurussieben am 26 August 2018, 17:12:42 »
FanFiction, zu viel FanFiction  :grinwech:
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Letzter Beitrag von SirJasonCrage am 26 August 2018, 10:26:51 »
Ich lese gerade Patrick Rothfuss erstes Buch der Kingkiller Chronicles: The Name of the Wind.

Bin noch nah am Anfang, aber bisher nimmt mich sein Schreibstil mit jedem Wort mit. Die Story ist noch nicht sonderlich kreativ, aber das kann noch kommen.hab ja erst 170 Seiten hinter mir^^
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Letzter Beitrag von eska am 25 August 2018, 22:17:17 »
Urlaubszeit = Lesezeit (wenigstens ein bisschen)  :whee:

Elizabeth Strout, Mit Blick aufs Meer. (engl. Olive Kitteridge).
sehr schön, sehr berührend
Pulitzer-Preis

Sue Monk Kidd: Die Erfindung der Flügel.
Die Geschichte zweier Frauen, Sklavenhalterin wider Willen bis Abolitionistin und Sklavin, aus beiden Perspektiven. Packend, voller bleibender Bilder, überzeugend.

E.Elfman/N.Shusterman: Teslas unvorstellbar geniales (...) Vermächtnis. Kinder- und Jugendlit.
Rasant, lustig, mit ausgefallenen Typen, verrückten Erfindungen, einer Geheimgesellschaft und dem Weltuntergang ... nette Unterhaltung.

Karen Russell: Swamplandia.
Ausgefallen.
Sehr interessantes Setting, der familieneigene Alligatoren-Freizeitpark in den Sümpfen Floridas, dessen Star mit dem Tod der Mutter wegbricht. Charaktere, die einen verstören, kopfschüttelnd dastehen lassen und trotzdem mitzerren. Eindringliche Bilder.

Nick Hornby: Slam.
Naja, Besseres erwartet. Ganz nett, wenig Überraschung.

Irena Brignull: The Hawkweed Prophecy.  Fantasy für Jugendliche.
Von zwei vertauschten Kindern, einer Hexe unter Teenagern, einer Normalsterblichen unter Hexen, Freundschaft, erster Liebe, Magie und Menschlichkeit.
Las sich flott, etwas angekitscht.
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Letzter Beitrag von Lilith am 25 August 2018, 16:49:27 »
Versprochen, ungebrochen: Meine Lektüre der letzten Zeit.

An erster Stelle sollte niemand geringeres als Wolfhard Symader stehen, der mir bei einem gewissen Treffen Was machen Sie eigentlich mit Ihren Gedanken? überlassen hat. :cheerful:
So schnell die Lektüre ist, so interessant erweist sie sich, wenn man sich vornimmt, mit ihr zu arbeiten. Ausschlaggebend für mein grundlegendes Interesse war die Tatsache, dass ich schon eine ganze Weile überlegt hatte, wie ich meine diversen Gedanken, die mir den ganzen Tag über so kommen und von denen ich nicht alle doof finde, festhalte und mit ihnen weiter verfahre, denn immerhin eignen sich gar nicht alle für mein tolles Ideenotizbuch. Und hier hat mich der Symader am empfindlichsten Punkt erwischt: der eigenen Unzufriedenheit darüber, was ich mit diesem Notizbuch bisher angestellt habe bzw. was mich daran immer unzufriedener gemacht hat. Es nicht als Arbeits- oder Logbuch zu begreifen, sondern am Ende als Gedankengrab. Einmal notiert, einmal festgehalten - und nun? WmSemIG gibt zumindest Anstöße, wie man weiter vorgehen kann, und gerade für mein Schreiben finde ich die unheimlich wertvoll. :dops:

Danach war Böser Traum von Birgit Schlieper an der Reihe und ich bin spätestens ab der Hälfte fest davon überzeugt gewesen, dass dieser Jugendthriller niemals nicht lektoriert worden ist. Wenn mittendrin nicht nur die Namen der Elternpaare, sondern auch deren Persönlichkeit vertauscht wird, kann mich niemand vom Gegenteil überzeugen. Auch die Sprache holperte enorm. Einziger Pluspunkt: Die Figuren hatten ihre interessanten Momente und wussten die Spannung aufrecht zu erhalten, und die Geschichte war zumindest ordentlich durchdacht in ihrem Verlauf. Leider bricht sie genau am spannendsten Punkt weg und man darf sich mit lapidarem "Drei Jahre später" begnügen. Arrrgh! :nudelholz:
Immerhin: Ich habe erfahren, was ich wissen wollte, und das war, wie weit ich in einem Jugendthriller in Sachen Sex and Crime gehen darf. :grinwech:

Aktuell bin ich an Peter A. Levines Trauma und Gedächtnis dran. Hab zwar meine ein, zwei Kritikpunkte, aber bisher eine hochinteressante und lohnenswerte Lektüre. :cheerful:



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Kurzgeschichten / Re: Virtualia
« Letzter Beitrag von Mondstern am 25 August 2018, 02:20:43 »
Hmmm ... also für mich funktioniert die Geschichte. Ebenso die Pointe.

Einzig der Name "Kasper" warf mich kurz in besagte Theaterwelt.  ;D

LG Mondstern
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2018)
« Letzter Beitrag von Rilyn am 24 August 2018, 19:00:59 »
Margret Atwood
alias Grace
Gerade erst angefangen. :lesles:

Faller / Schünke
Der Körper des Menschen
Das lese ich weniger, als damit zu arbeiten. :grinwech:

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Kurzgeschichten / Virtualia
« Letzter Beitrag von Zitatus am 24 August 2018, 06:57:32 »
Liebe Teufels,

die folgende Kurzgeschichte ist sehr gut abgehangen. Mit anderen Worten: Sie ist alt. Damals, als ich sie gerade fertiggestellt hatte, hatte sie mir noch sehr gut gefallen. Jetzt sehe ich einen sehr hohen Überarbeitungsbedarf. Ein Problemkind. Insbesondere die Pointe geht vollkommen unter, scheint mir. Keine gute Story. Zu viel zum Löschen, zu wenig zum Behalten.

Mir fehlt der Ansatz, der Hebel, um die Story zu stemmen. Komplett neuschreiben? Oder einzelne Passagen ändern? Muss das Setting gekürzt oder die Problematik gestreckt werden? Vielleicht habt ihr ein paar Anregungen für mich.

Liebe Grüße
Zitatus

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Virtualia

„Die Goldene Stadt“, so hatte man sie noch vor wenigen Tagen genannt. Zinnen, Banner, prunkvolle Fassaden im gleißenden Sonnenlicht. Ein Superlativ reihte sich an den nächsten. Die höchsten Gebäude, die saubersten Straßen, die schönsten Menschen. Überall Musik, Bilder und Geschichten.
Nichts davon war real. Alles waren Projektionen aus unzähligen Strahlern und Boxen, aus Computern und Pads. Aber es war egal. Die künstliche Realität gab sich sichtbar, greifbar und manchmal sogar recht geruchsintensiv.
Kasper biss in ein Stück Brot und trank einen Schluck Wasser. Dabei schloss er die Augen, versuchte sich an die Goldene Stadt zu erinnern. Es klappte nicht. Seine durchgebrannten Synchrosynapsen waren tot, das Implantat nutzlos. Und dem Rest vom Hirn mangelte es an eigener Kreativität.
„Das Problem ist, dass eurer Generation die Phantasie fehlt“, sagte Reiner, als hätte er Kaspers Gedanken lesen können. Dabei lehnte er an der kargen Betonwand, die noch vor wenigen Tagen Teil der größten begehbaren Digital-Bibliothek gewesen war. Die Optik der hölzernen Regale war nun verschwunden. Auch die Nachbildungen der Buchrücken hatten sich in das Daten-Nivana verabschiedet. Nur die Projektionsfläche stand noch da. Anklagend. Leer.
„Das Problem ist, dass die Datenträger leergefegt sind“, antwortete Kasper. Auf der Konsole vor ihm blinkten bedeutungslos ein paar Lichter. Die analogen Schalter, verstaubt und ohne Nutzen, hatte man seit Jahren nicht mehr gebraucht.
Reiner nickte. „Hast du schon mal Science-Fiction gelesen? Ich meine richtige Science-Fiction?“ Dabei ließ er die Erklärung aus, was er für richtige Science-Fiction hielt.
„Ich brauche keine Science-Fiction zu lesen. Ich lebe in der Science-Fiction deiner Zeit.“
„Die Science-Fiction meiner Zeit?“ Reiner schmunzelte. „So wie du das sagst, könnte es eine Beleidigung sein ... oder ein Kompliment. Aber du hast recht. Ich bin zu alt für diese Gegenwart.“
„Was wolltest du denn gerade über Science-Fiction sagen?“
Reiner nahm den Faden wieder auf: „Dass Magnetstürme gar nicht so unwahrscheinliche Ereignisse sind.“
Eine der größten kulturellen Errungenschaften der modernen Gesellschaft, so sagte man, sei die Digitalisierung. Der rasante technische Fortschritt hatte es ermöglicht, dass man jederzeit und in unbegrenzter Menge, preiswert oder sogar kostenlos jedes Fitzelchen Literatur, jedes jemals gepinselte Gemälde, jede in Stein geschlagene Skulptur und jede in Noten gefasste Komposition in perfekter Qualität herbeiholen konnte.
Kasper hatte sich oft die Mona Lisa ins Wohnzimmer geholt. In Originalgröße sah sie über dem Esstisch wunderbar aus. Als Dekoelement stand darunter die Venus von Milo. Stark verkleinert und passend zur Tischdecke eingefärbt. Sie überblendete die schmucklose Stütze des Lesegeräts mit den 1,65 Millionen aufgespielten Büchern. 1,65 Millionen! Drei davon hatte er sogar gelesen. Keine Science-Fiction.
Nun war die Mona Lisa nicht mehr an der Wand, das Hologramm der Venus war verschwunden und das Lesegerät war nutzlos. Der Magnetsturm hatte alle Datenträger gelöscht.
„Kann man kein Backup hochfahren?“ fragte Reiner.
„Doch. Zumindest ein Teil der Daten müsste restaurierbar sein“, erklärte Kasper, „allerdings weiß ich nicht, wie ich einen Reboot initiiere.“
„Nicht?“
„Nein.“
„Wie wäre es mit der Gebrauchsanweisung? Die gibt es doch für solche Fälle“, vermutete Reiner.
„Ja. Die gibt es.“ Kasper zögerte kurz. „ ... gab es. Auf meinem eReader.“
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