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Sonstige Texte / Re: Wandertag
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 07 August 2018, 14:57:52 »
Hallo Uli,

erst mal vorweg: Die Story gefällt mir gut! Wirklich gut! Aber . . . der Erzählstil ist leider nicht so mein Ding. Da schließe ich mich im Großen und Ganzen Nightingale an.

Auch dieses Kapitel bringt mir deinen Prota nicht näher. Er kommt gewollt cool rüber, in dem er brenzlige oder konfliktgeladene Situationen mit flapsigen Sprüchen abtut. Warum diese distanzierte Erzählweise? Ist Greg so ein Typ, der nichts an sich heran lässt. Über alles ein Witzchen reißt und nicht weiter drüber nachdenkt?

In der Situation mit dem Eichhörnchen fand ich es bis hier gut:
Zitat
Bei Einbruch der Dämmerung hockte ich an einem kleinen Lagerfeuer, wegen der Stimmung, und warf einem neugierigen Eichhörnchen ein paar übriggebliebene Nüsse aus dem Müsli-Behälter zu. Das Tierchen kam auch immer näher, schaute mich an und ...
Wie blöde kann man sein?

Ein Eichhörnchen in einer verlassenen Gegend, das keine Angst vor Menschen hat? Bitte?

Aber ab da hätte ich die Szene gerne gesehen, anstatt sie nur, wie drüber gewischt, erzählt zu bekommen. Wie hat Greg es geschafft das Tier festzuhalten? Es hat sich doch sicher gewehrt? Ist es ihm schwer gefallen ein Tier zu töten? Oder war er dabei tatsächlich so emotionslos, wie es sich in deiner Erzählung anhört. (Fällt mir schwer, Greg zu mögen, wenn er nicht tierlieb ist  :grump:)

Was mir gar nicht gefällt, ist der erste Satz, als Einstieg in das Kapitel:
Zitat
es war gar nicht spektakulär, damals.

Wenn es nicht spektakulär war, warum willst du es dann erzählen . . . und noch wichtiger: Warum soll das dann Jemand lesen?
Außerdem stimmt die Aussage ja auch nicht. Jobverlust und gleichzeitig Beziehungs-Aus, wenn das nicht dramatisch ist, weiß ich es auch nicht (Spektakulär ist, glaube ich, an der Stelle ohnehin nicht das richtige Adjektiv). Vermutlich sollte es zynisch rüber kommen. Aber auch das finde ich als Einstieg in ein Kapitel nicht so glücklich.

Bissl Infodump meine ich auch lokalisiert zu haben:
Zitat
Damals waren sieben Typen des Lyssavirus bekannt, die Tollwut erregen konnten - und egal, welchen man sich eingehandelt hatte, der Verlauf war, sobald die Krankheit einmal ausgebrochen war, meist tödlich. Und eine zu späte Behandlung bedeutete normalerweise mindestens schwere Hirnschäden.

Wenn die Information schon unbedingt muss, dann vielleicht als Dialog?

Zitat
Jock hieß natürlich anders, wenn er draußen unterwegs war, als anerkannter und gefragter Fachmann für ... Sonderfälle.
Drei Doktortitel in der Medizin (die alle gefälscht waren), eine florierende Privatklinik (die nur nebenbei alle Arten von seltenen Infektionskrankheiten heilte) und ein Steuerberater, der ...
Das muss ich an der Stelle nicht wissen. Die Info lässt sich sicher später besser in die bewegte Handlung einflechten.

Was mir richtig gut gefallen hat, ist die Begegnung mit Mia!!  :hach:
Zitat
Und Mia betrat den Raum.

Klein, zierlich, dunkles, halblanges Haar, klare, fast scharfe Züge und sehr helle Haut und ...

Irgendetwas in meinem Kopf machte ˋklick´.
Mia sah mich an, starrte geradezu, und ich starrte zurück, eine Ewigkeit lang, eine Unendlichkeit tief in ihre unergründlichen Augen ...

"Aha," sagte sie und lachte leise. "Du hast ihm nicht gesagt, was ich bin, Jock? Warum?"

"Er findet das selber heraus, denke ich. Oder?"

"Du hast ziemlich viel Vertrauen, Jock. Zu viel für meinen Geschmack. Aber gut, deine Sache. Sollen wir anfangen?"

Das letzte war an mich gerichtet, eindeutig.
Mia lachte wieder leise und fragte noch "Oder möchtest du erst reden?"

Ich wusste nichts zu antworten - genaugenommen wusste ich gar nichts in diesem Moment. Gebannt starrte ich sie weiter an, versuchte zu erkennen, was im Abgrund ihrer Augen auf mich wartete ... Himmel oder Hölle? Aber egal, es hatte mich. Gründlich. Ich starrte.

Und sie lächelte plötzlich, und es war, als hätte mich eine gewaltige Faust losgelassen.
"Reden hilft" sagte ich unsicher. "Sagt man wenigstens"
Hey Gerg!! Du bist ja gar nicht so unnahbar! Gebannt starrte ich sie weiter an, versuchte zu erkennen, was im Abgrund ihrer Augen auf mich wartete ... Himmel oder Hölle?   :applaus: Herrlich!!

Also ich bin jedenfalls gespannt wie es weitergeht, Uli! Ich würde mir nur mehr show anstatt tell wünschen. Und ein bisschen mehr vom echten Gerg.
 :kaffee2:


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Sonstige Texte / Re: Wandertag
« Letzter Beitrag von Nightingale am 07 August 2018, 13:01:28 »

Lieber Uli,

diese Einführung erreicht mich nicht, der "Ausblick" gefiel mir wesentlich besser. Der Erzähler drängt sich für meinen Geschmack zu stark in den Vordergrund, das Geschehen wird oft nur angedeutet, die interessantesten Begebenheiten ausgespart und mit Kommentaren ersetzt. Das bringt auch den Ablauf durcheinander. Beispiel?

Zitat
Das Tierchen kam auch immer näher, schaute mich an und ...
Wie blöde kann man sein?

Ein Eichhörnchen in einer verlassenen Gegend, das keine Angst vor Menschen hat? Bitte?

Wenn das Tier nicht ein Stadtparkbewohner auf Verwandtenbesuch in der Wildnis ist, gibt es dafür nur einen möglichen Grund. Was mir allerdings erst einfiel, als Herr Eichhorn bereits seine Zähne in meine Hand gehackt hatte.

Na, bestens, dachte ich. Also, nachdem ich dem Tierchen sorgfältig den Hals umgedreht hatte.

Die Einschübe helfen mir an solchen Stellen nicht, ein besseres Gefühl für die Figur zu entwickeln. Dafür sind sie mir zu allgemein und erschweren es mir eher, dem Text inhaltlich zu folgen.


Zitat
Und Krankenhaus ist auch kein Problem.
Eigentlich.

Wenn man nicht zu früh aufsteht nach der Desinfektion, und der Kreislauf einem keinen Streich spielt und man nicht sehr rasch und unkontrolliert wieder zu Boden kommt und sich dabei ein Bein auskugelt ...

Mist, verdammter.

Dachte ich nicht, weil ich erstmal gar nichts dachte, sondern schlicht außer Gefecht gesetzt liegenblieb.

Wieder wird das Geschehen indirekt erzählt. Mir ist nicht klar, weshalb du das machst. Welchen Mehrwert erhoffst du dir? Oder lässt du dir von Georg die Geschichte erzählen und schreibst einfach mit?  ... Dann würde ich ein Teil seiner Einschübe (zumindest in der Kennenlernphase) ignorieren. ;D

Zitat
Es dauerte deswegen fast vier Tage, bis ich in einem Krankenhaus eintraf. Immerhin musste ich mir erst eine Krücke basteln, dann mit der Gehhilfe den Berg herunterkraxeln, zweimal zusammenbrechen, dann einen Bauern anhalten, der mich auf seine  Mistkarren lud und gleich nach dem Füttern und Abendessen in die Stadt fuhr. Und derweil lief die Zeit
Hier wünsche ich mir Details, wie darf ich mir das vorstellen? Eine dramatische Situation für die Figur, aber sie erzählt lieber, wenn nichts auf dem Spiel steht und fasst knapp zusammen, wenn es interessant wird.
Und was ist mit dem Bauern? Er findet einen Mann, der schnellstens ins Krankenhaus müsste, lädt diesen auf einen Mistkarren, füttert Tiere(?) und genießt sein Abendbrot? Den Kerl will ich kennen lernen! Ist er abgebrüht, gleichgültig, etwas deppert? Meint er, ein Eichhörnchenbiss sei ja kein Drama und hält Georg für ein Weichei aus der Stadt? Hier wittere ich etwas lesenswertes, kurioses, was mich verstört oder erheitert - je nachdem. Vor allem würde mir eine solche Konfliktsituation aber helfen, Georg kennenzulernen. Und zwar so, wie er ist (bedingt durch den Konflikt) und nicht so, wie er sich mir zeigen will.

Erstmal soviel, Verpflichtungen rufen. Ich versuche heute Abend mehr zu schreiben und auf deine Fragen einzugehen.

Liebe Grüße
Nightingale
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Sonstige Texte / Wandertag
« Letzter Beitrag von Uli am 04 August 2018, 16:53:13 »
Hallo, Hölle!
Ein wenig Röstgut für heiße Sommerabende ... viel Spass damit.

Dieser Text folgt unmittelbar auf den vorherigen (Ausblick) und spielt eine ganze Weile vorher. Und soll ein paar Dinge tun. Den Prota vorstellen, beispielsweise. Und seine Situation erklären. Das Ausgangs-Setting zeigen, solche Sachen eben.
Und natürlich möchte ich ein paar Erwartungen wecken ...

Insgesamt (inklusive ˋAusblick´) sind das bislang etwa 7-8 Buchseiten, was bedeutet: Die Sache geht eher gemächlich an ...
Genug der Vorrede, Fragen am Schluss.

Wandertag

es war gar nicht spektakulär, damals.

Ich war grade von meiner Firma gekündigt worden - und am gleichen Abend auch von meiner Freundin. Wieder mal.

Das eine wegen Ehrlichkeit, das andere wegen ist-mir-egal-was-das-finanziell-ausmacht - und nun kann sich meinetwegen jeder denken, welche Begründung zu welchem Rausschmiss gehört.

Das ist nicht wichtig, und sowieso das Gleiche.

Anstatt darüber zu wehklagen, in Depressionen oder Zukunftsängste zu verfallen oder gar zu schimpfen - Strategien der Stressbewältigung, die sich schon früher als unwirksam herausgestellt hatten - beschloss ich spontan, eine Wanderung zu unternehmen.
Wandern in den deutschen Mittelgebirgen ist eine funktionierende Sache, wenn es nicht so gut läuft, und dazu ziemlich kostengünstig. Wenn man die Touristenzentren meidet jedenfalls, und auf Hotelzimmer verzichten kann.

Touristen findet man kaum welche im Solling, und demnach auch wenige Hotels, dafür eine nette, unspektakuläre, sanfte Landschaft, Ruhe und Frieden. Genau das Richtige, wenn man genug von allem hat. Nichts ˋlos´, und wenn, dann wenigstens langweilig genug, dass kaum jemand außer den Einheimischen sich dorthin verirrt.

Eine Idylle.

Genau der richtige Ort, um darauf zu vertrauen, dass alles in Ordnung kommt.

Nun, ich hatte eine schöne Woche ohne Netz, ohne WLan und ohne das Bedürfnis, jemanden zu sehen, was in dieser Gegend ziemlich leicht ist. Ein Spirituskocher, eine Wolldecke und ein Tape, mehr braucht es nicht.
Irgendwann wollte ich wieder zurück, sicher ...

Aber erstmal: Allein sein, Natur genießen, Freiheit ... 

Sorgen machte ich mir nicht: Immerhin war ich ziemlich gut in meinem Fachbereich, einen Job würde ich schon finden - und was die Sache mit der Beziehung anging, war ich auch zuversichtlich.

Irgendwann würde ich ˋdie Richtige´ treffen, die eine, mit der ich reden könnte, vielleicht in einem kleinen Haus, ein Stück außerhalb der Stadt, vielleicht ...

Hier wäre ein Platz dafür, dachte ich, als ich meine Decke ausrollte, und weil ich das dachte, wusste ich, dass der Urlaub grade vorbeiging: Zukunftspläne machen das Erlebnis ˋAllein sein´ unvermittelt zum Leiden ˋEinsam sein´.

Also gut, morgen früh geht es ... irgendwo hin, wo das andere Leben weitergeht. Dachte ich.

Bei Einbruch der Dämmerung hockte ich an einem kleinen Lagerfeuer, wegen der Stimmung, und warf einem neugierigen Eichhörnchen ein paar übriggebliebene Nüsse aus dem Müsli-Behälter zu. Das Tierchen kam auch immer näher, schaute mich an und ...
Wie blöde kann man sein?

Ein Eichhörnchen in einer verlassenen Gegend, das keine Angst vor Menschen hat? Bitte?

Wenn das Tier nicht ein Stadtparkbewohner auf Verwandtenbesuch in der Wildnis ist, gibt es dafür nur einen möglichen Grund. Was mir allerdings erst einfiel, als Herr Eichhorn bereits seine Zähne in meine Hand gehackt hatte.

Na, bestens, dachte ich. Also, nachdem ich dem Tierchen sorgfältig den Hals umgedreht hatte.
Kein Grund zur Panik, bei rechtzeitiger Behandlung ist Tollwut gut heilbar. Jetzt gleich desinfizieren und dann pronto allegro ins nächste Krankenhaus.

Desinfektion war kein Problem, nicht mit einem Spirituskocher - hochprozentiger, wenn auch vergällter Alkohol wirkt da recht gut. Brennt halt wie die Hölle, aber dafür ist das Zeug ja da.

Und Krankenhaus ist auch kein Problem.
Eigentlich.

Wenn man nicht zu früh aufsteht nach der Desinfektion, und der Kreislauf einem keinen Streich spielt und man nicht sehr rasch und unkontrolliert wieder zu Boden kommt und sich dabei ein Bein auskugelt ...

Mist, verdammter.

Dachte ich nicht, weil ich erstmal gar nichts dachte, sondern schlicht außer Gefecht gesetzt liegenblieb.

Es dauerte deswegen fast vier Tage, bis ich in einem Krankenhaus eintraf. Immerhin musste ich mir erst eine Krücke basteln, dann mit der Gehhilfe den Berg herunterkraxeln, zweimal zusammenbrechen, dann einen Bauern anhalten, der mich auf seine  Mistkarren lud und gleich nach dem Füttern und Abendessen in die Stadt fuhr. Und derweil lief die Zeit ...

Damals waren sieben Typen des Lyssavirus bekannt, die Tollwut erregen konnten - und egal, welchen man sich eingehandelt hatte, der Verlauf war, sobald die Krankheit einmal ausgebrochen war, meist tödlich. Und eine zu späte Behandlung bedeutete normalerweise mindestens schwere Hirnschäden.

Tja.

Sah nicht sehr gut aus, die Ausgangslage.

Aber: Es erwischt dich, wenn es dich erwischen soll. Und wenn nicht, dann geschieht eben ein Wunder, um dich zu retten.
Gut, oder?

Als ich endlich das Krankenhaus erreichte, dachte ich nicht an Wunder, sondern klappte in der Notaufnahme zusammen, nachdem ich dem Assistenzarzt knapp das Problem erklärt hatte.

Mein Teil war erledigt, und alles weitere würden Spezialisten tun.

Später habe ich dann erfahren, dass der infragestehende Spezialist ein - naja - sehr spezieller Spezialist war, und dass mir dieser Umstand nicht nur das Leben gerettet hat, sondern auch alle meine sonstigen Probleme lösen sollte - also, die Probleme, die ich bis dahin hatte.

———

Jock hieß natürlich anders, wenn er draußen unterwegs war, als anerkannter und gefragter Fachmann für ... Sonderfälle.
Drei Doktortitel in der Medizin (die alle gefälscht waren), eine florierende Privatklinik (die nur nebenbei alle Arten von seltenen Infektionskrankheiten heilte) und ein Steuerberater, der ...

Aber das ist egal: Nachdem die Leute im Krankenhaus zunächst feststellten, dass die Infektion schon ein klein wenig zu weit fortgeschritten war, um mit konventionellen Methoden erfolgreich behandelt zu werden und dass ich in einer recht teueren Privatkasse versichert war, riefen sie Dr.Dr.Dr. Jock an, der mich umgehend in den mitgebrachten Krankentransporter verfrachtete und mitnahm.

Ich sagte nichts dazu, weil ich in seliger Ohnmacht, bedingt durch den Kreislaufzusammenbruch und eine ordentliche Portion Betäubungsmittel, schlicht nichts davon mitbekam.

Stattdessen wachte ich irgendwann in einem kleinen, furchtbar stickigen, grellweißen und völlig überheizten Raum auf, der nichts enthielt als mein Bett - auf das ich mittels einiger Lederriemen fixiert war.
Was mir nicht gefiel, verständlicherweise.

Folglich spannte ich die Muskeln, zerriss die Bänder und stand auf, um das Fenster zu öffnen - das verriegelt war.

Mir war das alles zu kompliziert, zu eng, zu ärgerlich, und deshalb rammte ich die Faust durch das Glas, das zufriedenstellen splitterte, herrlich frische Luft hereinließ, alles war gut ... und ich rollte mich auf dem Bett zusammen, um zu schlafen.
Komisch? Ja, zugegeben ...
Aber damals fand ich das alles ziemlich ... normal. Auch, weil mein Hirn nicht eben auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit war - ziemlich viele Dinge liefen eher auf der Instinktebene, und ich kapierte erst später, was da passierte. Oder dass überhaupt etwas passierte ...

———

Zwei Monate später erklärte man mir alles. Nun, OK, man erklärte vieles, und davon verstand ich einen ziemlich großen Teil nicht, weil es um Viren, Molekularmedizin und Stoffwechseldinge ging.

Nicht eben mein Fachgebiet.
Der spannende Teil war: Das Eichhörnchen hatte mich mit dem Tollwut-Virus infiziert, ich war reichlich spät in Behandlung gekommen und das war schlecht.

Nicht so schlecht, wie es hätte sein können, weil der Virus eine Mutation hatte und die Behandlung immerhin so erfolgreich verlaufen war, dass ich nicht an der Krankheit sterben würde.

Allerdings musste ich damit leben, denn so etwas wie ˋHeilung´ gab es nicht. Nicht, ohne heftigen Schaden in meinem Kopf anzurichten, jedenfalls, und die Stoffwechselgeschichte wäre auch problematisch.

Ähm.
Die Symptome seien aber gar nicht so übel, insgesamt - erhöhter Nahrungsbedarf (das war mir schon aufgefallen) und eine deutlich erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit, sowohl was reine Kraft als auch Reflexe anging. Beschleunigte Selbstheilung und gesteigerte Sinneswahrnehmung, solche Sachen.

Nur ... ich sollte vermeiden, mich in Gefahr zu wähnen, da dadurch meine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt werden könnte.

Ich schaute wohl nicht sehr intelligent, als Jock das erwähnte, also erklärte er es mir in der Version für Geistig Arme:
"Du könntest ausrasten, Georg. Und zwar richtig. Und wegen der größeren Kraft könnte das schlimm enden, für dich und für alle in deiner Nähe. Das Risiko ist zu groß, als dass wir dich entlassen könnten ..."
"Aha", sagte ich resigniert, "Also geschlossene Station?"
"Nun ... nicht unbedingt. Aber auf jeden Fall erst einmal ein Trainingsprogramm, und eine Betreuung. Und wenn das klappt ..."

Er zögerte. Zuckte dann die Schultern und sprach weiter, in betont ruhiger Art:
"Wenn es nicht klappt musst du hier bleiben, also kann ich es dir erzählen. Vielleicht hilft es sogar, wenn du eine Aussicht hast, also:

Wir könnten dich einstellen. Als ... sagen wir mal, als Agent. Ein Job, in dem du deine neuen ... Eigenschaften einsetzen kannst, ohne dass es Schaden anrichtet. Sondern sogar dem Nutzen der Allgemeinheit dient."

"Schön", sagte ich trocken und konnte mir genau gar nichts darunter vorstellen. "Und um was dreht sich die Sache?"

"Wir ... erst einmal so viel: Du bist nicht der Einzige mit einem sonderbaren Problem. Jeder von uns ist ... anders. Anders als der Rest der Menschheit, manchmal auch gefährlich. Und wir versuchen eben, das beste daraus zu machen, OK?"

"Aus ˋAusrasten´ und so? Wie soll man da etwas draus machen, zum Wohl der Allgemeinheit?" fragte ich. Irgendwie funktionierte das Hirn wohl immer noch nicht korrekt ...

"Dazu kommen wir später, Georg. Wenn das Training Früchte trägt. Und wenn du einverstanden bist, stelle ich dir jetzt deine Trainerin vor, und wir entwerfen ein Programm."

Ich nickte, Jock tippte auf sein Handy und die Tür hinter ihm glitt auf.

Und Mia betrat den Raum.

Klein, zierlich, dunkles, halblanges Haar, klare, fast scharfe Züge und sehr helle Haut und ...

Irgendetwas in meinem Kopf machte ˋklick´.
Mia sah mich an, starrte geradezu, und ich starrte zurück, eine Ewigkeit lang, eine Unendlichkeit tief in ihre unergründlichen Augen ...

"Aha," sagte sie und lachte leise. "Du hast ihm nicht gesagt, was ich bin, Jock? Warum?"

"Er findet das selber heraus, denke ich. Oder?"

"Du hast ziemlich viel Vertrauen, Jock. Zu viel für meinen Geschmack. Aber gut, deine Sache. Sollen wir anfangen?"

Das letzte war an mich gerichtet, eindeutig.
Mia lachte wieder leise und fragte noch "Oder möchtest du erst reden?"

Ich wusste nichts zu antworten - genaugenommen wusste ich gar nichts in diesem Moment. Gebannt starrte ich sie weiter an, versuchte zu erkennen, was im Abgrund ihrer Augen auf mich wartete ... Himmel oder Hölle? Aber egal, es hatte mich. Gründlich. Ich starrte.

Und sie lächelte plötzlich, und es war, als hätte mich eine gewaltige Faust losgelassen.
"Reden hilft" sagte ich unsicher. "Sagt man wenigstens"
———
Um es auf den Punkt zu bringen: In dieser Zeit funktionierte mein Verstand gar nicht gut. Eine Folge der Infektion, eine Art ... Fieber, könnte man sagen.

Jock erklärte mir das wissenschaftlich exakt, und soweit ich das verstanden habe, läuft es auf Folgendes hinaus:
Der Virus verändert einen. Gründlich. Und das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert seine Zeit - und in dieser Zeit ist man ... nicht mehr der alte und noch nicht der neue.

Der Intellekt ist ziemlich reduziert, die Instinkte mächtig, und an die intensivere Wahrnehmung muss man sich erst gewöhnen. Schon gedämpftes Licht - wie etwa ein Vollmond - ist schmerzhaft, Geräusche oberhalb von Flüsterlautstärke furchtbar und der Geruch ... 

Ernstlich, eine kleine Flatulenz  oder ein Hauch von Lavendel wirken wie ein Hammer. Ein ziemlich großer Hammer, und der trifft den ganzen Körper gleichzeitig.
Und ...
Man ist in dieser Zeit empfindlich.

Und sehr empfänglich, was manche Dinge angeht. All die kleinen Signale, die Menschen so geben, unbewusst meistens, wirken sehr ... intensiv. Und nachhaltig.


Vor Jahrhunderten haben die Menschen sich Legenden ausgedacht, um unerklärliches fassbar zu machen, und die Legende vom Werwolf sollte die Tollwut-Symptome erklären.

Aversion gegen Licht und Wasser, Heißhunger, unmotivierte Angriffe ...
Nun gut - ich fühlte und verhielt mich wie ein Werwolf, nur eben wie ein zahmer - ein domestizierter Wolf.

Und ein domestizierter Wolf ist eben ein Hund, und Mia ... Mia hielt das andere Ende der Leine.

Gutes Frauchen.

Wuff. 


———
Danke fürs Lesen!

Also, die Fragen:
Ich denke, das Ausgangs-Setting ist recht klar: Normalwelt, erst einmal.
Ist dabei die Einführung von ˋDingen, die unsere Schulweisheit nicht träumen lässt´ einigermaßen flüssig? (Ich meine das mutierten Virus, die angedeutete ˋOrganisation ´ und die Werwolf-Sache)

Georg (der ˋbürgerliche ´ Name von Gerg) erzählt das ˋheute ´ - also im Rückblick. Er gibt sich allerdings Mühe, kein späteres Wissen einfließen zu lassen, und nicht zu spoilern - ˋfärbt´ aber die Erzählung doch sehr. (Dinge, die er damals nicht kapiert hat, werden zwar angedeutet, aber eben nicht ausgesprochen, beispielsweise)
ist der Erzählmodus gelungen?

Und nein, der Text ist nicht so sehr zum ˋMiterleben ´, sondern eher zum ˋZuhören ´ konstruiert - eben ˋErzählung´, nicht ˋFilm´. Fehlt da irgendwas, um einen eigenen ˋFilm´ zu sehen? (Personenbeschreibungen beispielsweise - ich habe nur Mia ˋgezeigt´, Georg und Jock aber gar nicht. Da hoffe ich auf eigene Bilder, bei Georg durch seiner Erzählart, bei Jock hingegen auf ein Klischee ...)

Abseits der Fragen ist (wie immer) auch jede andere Anmerkung willkommen und nützlich!

cheers, Uli

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Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von Uli am 30 Juli 2018, 20:58:00 »
ay Schreibsuse, Danke für die Röstng!

Dass du mir ˋganz eigenen Stil´ attestierst, ist schmeichelhaft  :dops:, und dass andere ... schade.
Aber OK: Das gehört dazu, fürchte ich ...
Dieser Einstieg funktioniert (für mich) halt nur über die sehr persönliche Sicht des Ich-Erzählers, und dadurch bleibt immer etwas Klarheit auf der Strecke. Isso ... und billigend in Kauf genommen.
(Ich hatte von dieser Sache Versionen in anderen Erzählmodi, die aber allesamt ˋfalsch´ waren, weil ganz falsche Schwerpunkte erwartet wurden bzw die wichtigen Teile dabei untergegangen sind)
Dass du es trotzdem interessant findest, finde ich toll!

 Die Ungeduld, die das auslöst ... ja, OK, das passiert. Normalerweise passiert mir das bei Prologen, und wenn ich es ganz genau nehmen, ist dies ja einer ... (gnarf)


Der Widerspruch zwischen den ruhigen und kühlen Bergen ist (mE) keiner: Die Berge sind ruhig und kühl, nur eben hier, auf diesem kleinen Stück, brennt die Sonne, weil hier kein Wald ist.
Das ist in etwa so wie ˋich bin in einer lauten, hektischen Metropole in einer ruhigen Seitenstrasse ´ - einfach eine Beschreibung von näherer und weiterer Umgebung.
Für Greg ist ˋBerge, Ruhig, Kühl´ ein wert, deswegen ist er da rauf - und grade im Moment sitzt er eben auf diesem Platz, wo es sonnig ist und er das Caos unten sieht.


Und das andere:
Ja, sicher: Da unten wird noch gekämpft, richtig. Nur: Von den ˋTruppen ´ ist keiner mehr übrig, von Gergs Leuten (und von den direkten Gegnern).
Wie ... ein Bürgerkrieg, nachdem beide Armeen besiegt sind.

Zitat
Ich möchte ja erst mal generell den Prota kennenlernen, bevor ich mir die Hirnwindungen verdrehe, um herauszufiltern, was hier überhaupt los ist.
Ja ... das ist eben die Sache mit dem Ich-Erzähler.
Da hilft nichts. Ein Ich-Erzähler, der sich erstmal vorstellt, löst (von seltenen Ausnahmen abgesehen) Grummel bei mir aus (wobei auch andere Erzählformen nicht davor schützen, Protavorstellungen zu versauen ...)
Sorry, aber das ist so ...
(im nächsten Absatz immerhin gibt es ein wenig Prota-Vorstellungs-Zeug - vielleicht hilft das ja?)


Zitat
Mir ist einfach zu viel auf zu engem Raum angerissen. Krieg? Alte Beziehungskiste? Ende der Welt?

Nun, ja ... ja.
Da ist ziemlich viel drin, in den paar Zeilen, zugegeben. Und dann ist es eben die Frage, was man bevorzugt ...
(Irgendwo gab es mal einen ... Aufsatz, beinahe, von der CheFFin über den ersten Satz von Moby Dick, und was da alles drinsteckt ... drei Worte, die eine gute Seite Interpretation möglich machten. Da bin ich dann doch noch weit entfernt davon ... glaube ich)

Zitat
Ich hoffe, ich war nicht zu hart in meiner Kritik. Es ist einfach mein ganz subjektiver Leseeindruck. Wenn du damit nichts anfangen kannst, hau ihn einfach in die Tonne!

Aber gar nicht!
Nur keine Angst, zu arg rösten geht fast nicht - und auch, wenn ein paar Sachen zurückweise, ist eine Kritik immer nützlich.
Ich meine, OK - du hast Leseerwqrtungen, die ich nicht erfülle, gut und schön. Aber wenn ich nicht davon erfahre, kann ich auch nicht darüber nachdenken, warum das so ist, ob ich das grade für wichtig genug halte oder eben doch dran schrauben könnte.

also, kkeine Sorge - und  :lava:

Uli
95
Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von Uli am 30 Juli 2018, 20:28:14 »
ay eska,

danke für deine Anmerkungen!

Zitat
Zunächst: Dein Text hat mir stimmungsmäßig sehr gut gefallen.  :klatsch:


 :dops:

Zitat
Es hat mich allerdings überrascht, dass du ihn ans Ende plazierst. Ja, klar, der Krieg ist da gelaufen, nicht mehr viel übrig, aber ich könnte ihn mir auch gut am Anfang vorstellen, und die Story wird dann im Rückblick erzählt.


Oh ... das ist ein kleines Missverständnis:
Tatsächlich errscheint diese Szene ganz am Anfang - nur eben, sie spielt halt an einem Endpunkt. Am Ende der Geschichte nämlich, die davon handelt, warum und wie ˋdie Welt untergegangen ´ ist.
Und nun folgt ein Sprung zurück, um die Sache zu erzählen.


Zitat
Warum?
Ich glaube, weil es auf mich so wirkt, als sei das Wichtige noch nicht entschieden, das, worum es Gerg eigentlich geht, die Beziehung zu Mia. Und in der Wartezeit könnte er sich klar werden, was er erwartet/will/hofft... und der Leser mit ihm.


Genau so ist das gedacht.

Zitat
Daks verstärkt dann aber den Eindruck, hier noch diffus, diese Beziehung habe ihrerseits den Kriegsverlauf beeinflusst oder sogar bestimmt. Oder ihn sogar verursacht.

 :applaus: wunderbar!

Zitat
Das Einzige, was mich (kurz) rausgebracht hat, war der Moment, als Mia plötzlich auftaucht. Wo kommt sie her, wie reagiert sie, oder ist sie überhaupt wirklich da, und träumt er nicht nur?

Das ist die neuralgische Stelle, ja:
Mia ist tatsächlich da und Gerg hätte das wissen können, dass sie a) nach ihm suchen wird und b) weiß, wohin er sich verdrückt hat. Das kapiert er aber ziemlich spät ...
Und bislang ˋreagiert ´ Mia noch gar nicht, sie ist nur da und teilt das mit.
Ich kann an dieser Stelle nicht mehr von Mia mitteilen, weil genau dieser Moment so wichtig ist:
Gerg weiß, dass sie da ist, ihn überrascht hat und dass sie ihn hätte töten können - das aber vorerst nicht getan hat. Ohne sich festzulegen, ob sie das nicht doch noch tun wird. Eben, Gerg weiß das nicht ...
Das ist der Einstieg in die Rückblende und eines der Leitmotive der ganzen Sache.
(Die Rückblende wird nach dem aktuellen Plan ein- oder zweimal unterbrochen. Dann wird jeweils der nächste Schritt auf diesem Felsvorsprung erzählt, und ebendort endet die Sache dann auch. Und die Rückblenden nehmen immer ein paar Kleinigkeiten aus diesen Abschnitten auf ...)

noch mehr verknappen möchte ich nicht - eben weil solche Redundanzen das ausmachen, was mit dem Prota passiert: In deinem Beispiel geht er von der Sachinformation (niemand weiß mehr, was geschehen ist) zu der Gefühlsinformation (da ist niemand mehr, ich bin alleine) zu dem, was er eigentlich ... nun, nicht wissen will: Dass da eben doch noch jemamd ist. Das sind für mich drei aufeinanderfolgende Gedanken, die aber ganz verschiedene Wirkung haben.


Zitat
Man könnte vermuten, dass es sich bei Gerg und Mia um Überirdische handelt, eine Art Götter, wegen der persönlichen Verantwortung. Dazu sind sie allerdings sehr irdisch, sterblich, schießen, bauen Häuser, also wohl eher nicht.

 :dops:
Sehr schön!
Zwar sind Gerg und Mia (im großen und Ganzen) Menschen, aber halt mit ˋAber ´.
In ihren Akten (beide gehörten zu einer Organisation) standen die Begriffe ˋWehrwolf´ und ˋDämon ´ in der Rubrik ˋEigenschaften ´ - was allerdings nur Arbeitsbegriffe dieser Organisation waren.

Zitat
Zitat
Was erwartet ihr nach diesem Riesen-Spoiler?
Dass der Tag vielleicht doch noch schön wird
?


Das ist jetzt sehr erfreulich! :jubel: :applaus:
Ernstlich!

OK, Gerg wird das in etwa fünf Minuten (seiner Zeit) herausgefunden haben, die geneigte Leserschaft hat, so denn nicht geblättert wird, da noch ein paar Stunden Lesezeit vor sich, aber genau: Er kann immer noch schön werden, der Tag.

 :tanz2: :lover:

alles Liebe! Uli
96
Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von Uli am 30 Juli 2018, 19:59:55 »
ay Trippelschritt
Danke schön!

Zitat
ich fange mal mit den schweren Kritikpunkten an.
Im vorletzten Absatz taucht das Wort leise zweimal auf.

Ähm ... ja. Liegt wohl an der Hitze, die bringt meine Synonymfunktion immer durcheinander. Gnarf ...

Zitat
Äh, sonst noch was? Ah ja!!!
Für mich solltest Du die Satzzeichen noch einmal ganz gründlich durchgehen. Es ist für mein Verständnis ganz entscheidend, wie der Text gelesen werden muss, und mit diesen Satzzeichen habe ich zuwenig Anhaltspunkte.

OK ... das ist einzusehen. Wird dran gearbeitet.

Dass du diesen Anfang nicht für einen Spoiler hätst, erleichtert mich sehr - tatsächlich ist das eine Grauzone, weil zwar die derzeitige Situation vorab verraten wird - es darum aber eher nicht geht. Also OK.
Dass due die beiden Personen noch nicht einmal zwingend der Menschheit zuordnest, ist wohl zu gleichen Teilen dem Text wie deiner Leseerfahrung geschuldet - und ja, das ist gut so. (Beide sind zwar Menschen, aber halt nicht nur das ...)
Ebenfalls richtig: Verschiedenes Geschlecht, der Ich-Erzähler ist ein Mann, Mia eine Frau. Und es ist eine Beziehungsgeschichte.



Zitat
Du hast mich eigentlich immer am Haken mit Deinen Anfängen.

  :dops:
und  :b5:
97
Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 30 Juli 2018, 14:09:20 »
Hallo Uli,

schön, mal wieder frisches Röstgut von dir zu lesen. Du hast ja deinen ganz eigenen Stil. Das finde ich auf jeden Fall positiv! Mir ist es allerdings, wie so oft, etwas zu wirr. Wohl aber interessant.
Allerdings treibst du die Geheimniskrämerei für meinen Geschmack an dieser Stelle (gerade am Romananfang) etwas zu weit. Das kommt für mich etwas gewollt rüber. Macht mich eher ungeduldig, anstatt neugierig. Soviel zu meinem ersten Leseeindruck.

Ein paar Erbsen habe ich auch noch:

Das ist für mich ein Widerspruch:
Zitat
hier oben in den Bergen ist es ruhig. Ruhig und kühl.
und dann
Zitat
Der Felsvorsprung ist nicht bewachsen, es gibt keinen Schatten. Trotzdem bleibe ich hocken, und schaue hinunter. Obwohl es August ist, ein klarer Tag und die Sonne unfreundlich brennt.

Kein Schatten und brennende Sonne passt für mich nicht zu kühl. Da löscht das eine Bild das andere aus.



Zitat
Und doch brennt die Stadt, diese und viele andere, Menschen sterben.
Da du in er Gegenwart schreibst, scheint der Kampf noch anzudauern. Doch dann:
Zitat
Wir sind die letzten,
Zitat
Aber da ist niemand mehr.

Gerade am Romananfang finde ich solche Ungereimtheiten ungünstig (vor allem in dieser Fülle). Ich möchte ja erst mal generell den Prota kennenlernen, bevor ich mir die Hirnwindungen verdrehe, um herauszufiltern, was hier überhaupt los ist.

Zitat
Es ist das ˋOder´, das ˋVielleicht´, das ˋMöglicherweise´, ja.

Ich weiß es nicht, werde es nicht wissen, bevor ich ihr gegenüberstehe.
Es ist so ziemlich das einzige, was ich nicht von ihr weiß.

Puh . . . mein Name ist Hase, ich weiß von nichts . . . hmmm. Warum soll ich lesen, dass Jemand, den ich gar nicht kenne aber auch so gar nichts weiß . .  . oder auch doch weiß? Ich weiß es nicht.  :weissnicht:

Mir ist einfach zu viel auf zu engem Raum angerissen. Krieg? Alte Beziehungskiste? Ende der Welt?

Ich hoffe, ich war nicht zu hart in meiner Kritik. Es ist einfach mein ganz subjektiver Leseeindruck. Wenn du damit nichts anfangen kannst, hau ihn einfach in die Tonne!
 :wink:

98
Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von eska am 29 Juli 2018, 22:26:17 »
Hi Uli!

Zunächst: Dein Text hat mir stimmungsmäßig sehr gut gefallen.  :klatsch:
Es hat mich allerdings überrascht, dass du ihn ans Ende plazierst. Ja, klar, der Krieg ist da gelaufen, nicht mehr viel übrig, aber ich könnte ihn mir auch gut am Anfang vorstellen, und die Story wird dann im Rückblick erzählt.
Warum?
Ich glaube, weil es auf mich so wirkt, als sei das Wichtige noch nicht entschieden, das, worum es Gerg eigentlich geht, die Beziehung zu Mia. Und in der Wartezeit könnte er sich klar werden, was er erwartet/will/hofft... und der Leser mit ihm.
Das verstärkt dann aber den Eindruck, hier noch diffus, diese Beziehung habe ihrerseits den Kriegsverlauf beeinflusst oder sogar bestimmt. Oder ihn sogar verursacht.

Das Einzige, was mich (kurz) rausgebracht hat, war der Moment, als Mia plötzlich auftaucht. Wo kommt sie her, wie reagiert sie, oder ist sie überhaupt wirklich da, und träumt er nicht nur?

Infodump sehe ich keinen, wenn du noch verknappen willst, kannst du die eine oder andere Verstärkung weglassen, zum Beispiel:

Zitat
Wenn noch jemand am Leben wäre, der weiß, was geschehen ist und warum.
Aber da ist niemand mehr.

Wir sind die letzten,

Das sagt dreimal fast dasselbe aus, und die Basisinfo haben wir schon früher. Allerdings geht mit einem Kürzen auch die Betonung für Gerg damit verloren.

Nö, ich würde nicht blättern (mit Vorgeschichte vielleicht?), ich würde weiterlesen. Was ich wissen will, ist ja nicht das Ende, sondern die Zusammenhänge.

Man könnte vermuten, dass es sich bei Gerg und Mia um Überirdische handelt, eine Art Götter, wegen der persönlichen Verantwortung. Dazu sind sie allerdings sehr irdisch, sterblich, schießen, bauen Häuser, also wohl eher nicht.

Zitat
Was erwartet ihr nach diesem Riesen-Spoiler?
Dass der Tag vielleicht doch noch schön wird?

Thema: Weiß ich nicht.  huh?

Grüße

eska
99
Sonstige Texte / Re: Ausblick
« Letzter Beitrag von Trippelschritt am 29 Juli 2018, 15:34:48 »
Hallo Uli,

ich fange mal mit den schweren Kritikpunkten an.
Im vorletzten Absatz taucht das Wort leise zweimal auf. Äh, sonst noch was? Ah ja!!!
Für mich solltest Du die Satzzeichen noch einmal ganz gründlich durchgehen. Es ist für mein Verständnis ganz entscheidend, wie der Text gelesen werden muss, und mit diesen Satzzeichen habe ich zuwenig Anhaltspunkte.

So, das war's

Jetzt noch das bisschen Rest.
Du hast mich eigentlich immer am Haken mit Deinen Anfängen. Ein Romananfang dieser Art ist kein Spoiler. Es geht ja jetzt erst los mit dieser Beziehungskiste. Ein typisches Pärchen, aber keine typische Geschichte. Es ist noch nicht einmal gesagt, dass die beiden menschlich sind. Und alles ist möglich. Sehr gut die Idee, auf dem Vorsprung ein Haus bauen zu wollen. Also umblättern, aber nur eine Seite ... und dann noch eine .. und noch   un ...

An Informationen habe ich nur sehr wenig Handfestes. Sie scheinen verschiedenen Geschlechts zu sein, standen mal auf einer Seite in einem Krieg und dann nicht mehr. Ales andere könnten auch Ablenkungsmanöver und falsche Fährten sein.

Liebe Grüße
Trippelschritt
100
Sonstige Texte / Ausblick
« Letzter Beitrag von Uli am 28 Juli 2018, 16:31:08 »
hallo, Hölle.

Hier ist mal wieder ein Roman-Anfang ...
Was bedeutet, dass es ein neues Projekt gibt, dass die Schreibflaute abklingt und dass ... eben, geröstet werden kann.

Genaugenommen ist das Projekt keineswegs neu: Die Grundidee ist etwa 20 Jahre alt. Es war das erste größere Ding, das ich angefangen habe - noch vor Eichenburg und Außenland. Genaugenommen ist es auch die Vorgeschichte dazu (aber das würde jetzt spoilern), und - ähm - es ist irgendwas zwischen Fantasy und SiFi, und ... Dingens.

Das Zeug von damals ist seit langem verschollen (glücklicherweise), aber mittlerweile glaube ich, genug zu wissen, um das noch mal - und diesmal richtig - anzufangen.

Also, denn:
Frohes Gabelschwingen!
(Fragen am Schluss)


Ausblick
hier oben in den Bergen ist es ruhig. Ruhig und kühl.

Ganz anders als unten in der Stadt, die heiß und laut und hektisch und von Menschen überlaufen ... war. Und jetzt brennt.

Der Felsvorsprung ist nicht bewachsen, es gibt keinen Schatten. Trotzdem bleibe ich hocken, und schaue hinunter. Obwohl es August ist, ein klarer Tag und die Sonne unfreundlich brennt.

Wie die Stadt.

Wie das Land, der Kontinent, die Welt, wahrscheinlich.

Was die Sonne angeht, so ist das nicht meine Verantwortung. Das nicht.
Und alles andere ... nein. Oder doch?

Ich habe alles richtig gemacht, richtig jeweils zu der Zeit, als ich es tat. Und doch brennt die Stadt, diese und viele andere, und Menschen sterben.
Obwohl ich ... obwohl wir gewonnen haben, letzten Endes.

Nun, ich muss sagen, obwohl ich gewonnen habe, es gibt kein ˋWir´ mehr. Sie sind alle tot, nur ich ...

Irgendwo da draußen ist noch Mia, denke ich.

So leicht ist sie nicht kleinzukriegen, das weiß ich.

Immerhin habe ich es versucht ...

Was sie jetzt wohl tun wird, nachdem sie verloren hat?
Bereut sie, die Seiten gewechselt zu haben, erkennt sie den Fehler? Oder hasst sie mich immer noch so sehr, dass sie mir allein die Schuld zuschiebt?
Hasst sie mich immer noch so sehr, wie sie mich einmal geliebt hat?

Ich hasse sie nicht, nicht einmal jetzt. Sowenig, wie ich ihr die Schuld an der Katastrophe zurechne, obwohl ...

Nun, andere würden wohl anders darüber denken. Bestimmt.
Wenn noch jemand am Leben wäre, der weiß, was geschehen ist und warum.
Aber da ist niemand mehr.

Wir sind die letzten, und ich denke, ich sollte aufbrechen, um sie zu suchen. Um die Sache zu Ende zu bringen.

Um noch einmal zu versuchen, sie zu töten ... oder.

Es ist das ˋOder´, das ˋVielleicht´, das ˋMöglicherweise´, ja.

Ich weiß es nicht, werde es nicht wissen, bevor ich ihr gegenüberstehe.
Es ist so ziemlich das einzige, was ich nicht von ihr weiß.

Dieser Felsvorsprung wäre ein guter Ort, um ein Haus zu bauen, denke ich.
Man könnte hier oben leben, auf die Stadt herunterschauen und über alte Zeiten sprechen ... wenn wir miteinander sprechen würden, Mia und ich. Wenn wir uns nicht umbringen.


Ich nenne mich selbst einen Narren, verflucht.
Ich weiß alles von ihr, und bin dumm genug ...
Ihre Stimme ist weich und traurig und leise.

"Schön, dass du gewartet hast" sagt sie, und eine Sekunde später lacht sie leise.
"Ein wirklich schöner Ort, Gerg."

Ich nicke nur andeutungsweise, lausche auf die Stimme, auf das, was sie nicht sagt. Und warte. Eine Ewigkeit. Auf den nächsten Satz oder auf den Schuss, es liegt bei ihr.


"Möchtest du reden, vorher?" fragt sie und lacht wieder.
Der Tag kann vielleicht doch noch schön werden.


***
danke fürs Lesen!
Und die Fragen:

OK, das ist eine Szene (fast) ganz am Ende der Geschichte, was bedeutet: Das spoilert gewaltig. Zum Beispiel den Ausgang der epischen Schlachten und das Drama der Beziehung und ... naja, beinahe alles.
Eigentlich könnte man jetzt zur letzten Seite blättern und nachschauen, ob Mia schießt, ob Gerg etwas schlaues einfällt, um Mia zu töten, ob beide umkommen oder ... was auch immer, und der Rest wäre ziemlich egal.
Und genau deswegen: Würdet ihr blättern oder weiterlesen?

Wenn ja: Was erwartet ihr nach diesem Riesen-Spoiler?

Und weil ich weiß, wie sehr komprimiert die Sache (mal wieder ...) ist: Was lest ihr an Information heraus (und ggf, was wirkt infodumpig)

Zu guter letzt: Eine Idee, was ˋThema ´ sein könnte?

viele  :b5: und  :lava:

Uli
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