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Grill / Re: Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« Letzter Beitrag von Uli am 13 März 2019, 20:00:19 »
ay Ben,

Danke und herzlich willkommen in der Hölle der Textkritik!

Anstelle diverser Erklärungen zu dem Text: Der Grund, warum ich nur nach dem Video gefragt habe ist einfach - Das ist ein Stück ˋmitten raus ´ und für viele Sachen wäre langwierige Erklärung / Vorwissen erforderlich.
Das ist ein immer mal auftretendes Problem bei Ausschnitten aus Romanen: Wenn man die x Seiten vorher nicht kennt, ist z.B. die Reaktion einer Figur manchmal nicht zu verstehen.

Und ja, ich kann mit deinen Anmerkungen etwas anfangen, teilweise bestätigen sie mir, dass Sachen richtig rüberkommen, teilweise zeigen sie aber auch, dass es eine Gratwanderung bleibt ...
Danke schön!

cheers, Uli
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Grill / Re: Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« Letzter Beitrag von Ben am 13 März 2019, 19:37:39 »
Hi Uli,
ein Eintrag aus deinem Blog, in dem begeistert von einem uTube-(YouTube??)-Video berichtet wird.

Da es mein erster Kontakt mit deinem Blog ist (bin neu in der Hölle), versuche ich es mal mit einer textimmanenten Röstung.

So, wie ich das verstehe, hat ein Kamerateam das Video gedreht und den Ich-Erzähler bezüglich des Drehbuchs im Unklaren gelassen, er war aber mit der Qualität hinterher zufrieden.

Zitat
nur, das Aischa genau keinmal in die Szene getreten ist, was mich gewundert hat.

(dass mit 2 s)
Warum hat den Erzähler das gewundert?

Zum Kopfkino:
Ingesamt sind ein paar Bilder vor meinem geistigen Auge entstanden (z.B. Aischa am Flughafen sitzend)
Allerdings bleiben die Charaktere blass, und ich kann mir unter Aischa wenig vorstellen. Nach welchen Motiven handelt sie? Warum putzt sie freiwillig für den Ich-Erzähler und leert den Aschenbecher? Warum schenkt sie ihm ein Smartphone?

Die Stelle mit dem Friseur und dem "schick Machen" von Aischa hat m.E. Potenzial. Da könntest du die Dame noch etwas mehr beschreiben und die Szene ausbauen.
Zitat
Ich habe das dann erwähnt, das mit dem Friseur und so, und Aischa hat mich angeschaut, als wollte sie etwas sagen
Das würde ich ausschmücken. Ist es eine Konfliktsituation (schließlich leben Geschichten davon)? Was wollte sie sagen? Sich beschweren? Auf welche Art hat der Ich-Erzähler "das dann erwähnt"? Vielleicht eher abwertend, ohne es selbst zu bemerken?

Zu "Woche 9":
Zitat
aber echt mal, so etwas ist doch furchtbar. Trotzdem war das Gespräch ganz gut
Was ist furchtbar und warum? Dass sie mit der Technik nicht klar kommt? Dass sie den Ich-Erzähler vergessen hat? Dass sie Jochen angerufen hat? Und warum war das Gespräch trotzdem ganz gut? Worüber wurde gesprochen?

Wie gesagt, das ist das erste Mal, dass ich etwas aus deinem Blog lese.

m.E. sind die Texte stimmig in dem Sinne, dass sie gut im "Tagebuch eines Untätigen" stehen könnten. Ich stelle mir den Ich-Erzähler als jemanden vor, der wenig Mehrwert für andere schafft, aber gleichzeitig Ansprüche an andere stellt, dabei mitunter unverschämt rüberkommt, mit sich allerdings im Reinen ist. Außerdem ist er technikscheu (was sympatisch ist ;D)

Weniger klar ist mir, wie selbstironisch der Ich-Erzähler auf sein eigenes Leben blickt bzw. wie ernst er sich selbst nimmt.

Hoffe, du kannst etwas damit anfangen,
Gruß, Ben
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Grill / (S) Tagebuch eines Untätigen, Woche 10
« Letzter Beitrag von Uli am 10 März 2019, 21:19:29 »
Hallo, Hölle,

Ich habe mal wieder ein Stückchen aus dem Blog, zu dem ich eine Frage habe ...

Zunächst mal der Eintrag ˋWoche 9´, der dient nur zur Vor-Information - der zu röstende Eintrag baut auf diesem auf:

Woche 9. Kontakte

Anne hat angerufen und sich entschuldigt, dass sie sich so lange nicht gemeldet hat - offenbar hat sie ihr Notizbuch verlegt und in ihrem Computer war die Adressdatei auch nicht aktuell, sie musste erst Jochen anrufen wegen der neuen Nummer. Oder so.

Ich habe dazu erstmal gar nichts gesagt, aber echt mal, so etwas ist doch furchtbar. Trotzdem war das Gespräch ganz gut, nur musste ich nach einer Viertelstunde abbrechen, weil Aischa angekommen ist.

Trotzdem, irgendwie hat mich das nicht losgelassen: Geht ja gar nicht, man will mit jemandem in Kontakt treten und findet die Adresse nicht. Und wenn es ein Notfall ist. Eben.

Also habe ich dazu einen Text geschrieben, und gleich Notizen für eine weitere Folge auf uTube, ein Aufwaschen, und dann habe ich Kay angerufen. Also, nicht gleich, weil ich die Telefonnummer nur auf dem Handy hatte.

Also habe ich gleich mal angefangen, alle Nummern und Adressen auf ein A-4-Blatt zu schreiben, dass ich dann über das Telefon an die Wand hängen kann.

Ein- oder zweimal musste ich dann telefonieren, weil von den Leuten halt zwei Adressen da waren, und ich nicht genau wusste, welches nun die aktuelle ist.

Ein paar andere Adressen standen zum Glück bei Facebook, und eine, tatsächlich, im Online-Telefonbuch. Ich dachte, das macht keiner mehr, wegen Datenschutz, aber OK. Trotzdem nervig, das alles.

Aber klar, das passiert eben, wenn man Dinge nicht richtig organisiert, geradezu klassisch. Das ist wie mit dem Aschenbecher, wenn man das nicht beihält, wird es immer schlimmer.

Ich habe Aischa dann gefragt, wo ein Tesaband ist für die Liste, und sie hat gefragt, was das denn sei und nach meiner Erklärung sehr seltsam geschaut. Aber das Tesaband hatte sie gleich, ein tolles Gedächtnis!

Das Problem wird sein, diese Liste immer in Ordnung zu halten, da muss ich unbedingt dran denken - oder, dachte ich, ich bitte Aischa?

Dann wäre der Text ˋdas steht dann so im Haushaltsplan´ und nicht ˋdas mache ich jeden Montag´, weil, das wäre ja nicht wahr.

Aber egal, die Idee ist gut, und eine weitere uTube-Folge so gut wie abgefilmt. Bestimmt können wir auch eine gute Szene für Aischa einbauen, das kommt immer gut an. Irgendwas mit ... ich weiß nicht, aber da wird uns schon was einfallen.
Als ich ihr das gesagt habe, hat sie gelächelt. Und ˋbestimmt´ gesagt.

Ernstlich, ich habe da ein gutes Gefühl.

***
Also, das Röstgut:

Woche 11. Gleichgewichtsstörungen

Das neue Video ist großartig geworden!

Ich habe diese Sache mit dem Adresszettel durchgezogen, und alles war gut - nur, das Aischa genau keinmal in die Szene getreten ist, was mich gewundert hat.

Kay sagte dann, dass ihre Szenen schon abgedreht sind, er schneidet das später rein, und dann gäbe es noch eine Überraschung. OK, dachte ich, aber das hätten sie mir auch sagen können.

Später haben wir dann die Rohfassung angeschaut, und ja: Echt gelungen. In der Eingangsszene, als ich die Sache mit den vielen Notizen an verschiedenen Stellen demonstriere, gibt es einen Schnitt - Aischa am Flughafen, die nichts weiter tut, als ein Smartphone aus der Tasche zu ziehen und draufzuschauen.

Und so geht das weiter, bis zum Schluss, als ich den Zettel mit den Adressen aufhänge - Schnitt, und Aischa legt ihr Phone neben den Festnetzanschluss. Genial.

Auch, weil sie diesmal nicht in der üblichen Arbeitskleidung aufgetreten ist, sondern ein sehr hübsches Kleid trug, und wohl auch beim Friseur war, und bei einer Kosmetikerin. Echt gelungen.

Ich habe das dann erwähnt, das mit dem Friseur und so, und Aischa hat mich angeschaut, als wollte sie etwas sagen ...

Die Überraschung war, dass sie so ein Smartphone für mich gekauft hatte, so ein edles, und da schon alle Termine und Adressen eingetragen hat - und beim Anschalten sagte das Teil gleich, dass ich an dem Tag Geburtstag hätte.

Ich war baff. Und schaute sie an, um irgendwas zu sagen, aber was sagt man da? Also machte ich, was sie vorgemacht hatte und schickte ihr eine Kusshand, und sie lächelte ...

Kay hat sich ein paarmal geräuspert, und erst damit aufgehört als ich ˋSuper´ sagte, und ˋwann kann das online gehen?´ - da sagte er, in einer Stunde oder so, und zog ab.
An der Tür drehte er sich um und warf uns beiden je einen Handkuss zu, ein echtes Komikertalent, der Mann.

Anstatt nach Hause zu fahren, sind wir essen gegangen, ein kleines, lauschiges Lokal etwas abseits der Innenstadt. Mit Kerzen und so. Richtig nett, nur, dass der Weinkellner ein wenig aus der Rolle gefallen ist und uns um Autogramme gebeten hat - ein Fan auf uTube, und wir haben versprochen, ihn namentlich zu erwähnen, und als ich mir das aufschreiben wollte, zwinkerte Aischa und da erinnerte ich mich und trug das in das neue Phone ein.

Ein wunderbar runder Abend!

Zu Hause war es dann ein kleiner Schock: Der Aschenbecher war nicht geleert!

Logisch eigentlich, wir waren ja den ganzen Tag unterwegs gewesen, filmen, wann hätte Sie da putzen sollen? Trotzdem, es war ein kleiner Stich, aber ich habe die Sache dann einfach selber erledigt. Und gleich auch den Müll rausgetragen und das Geschirr abgewaschen.
Wenn sie morgen kommt, sollte sie das nicht nachholen müssen, dachte ich mir, und ehrlich: So wahnsinnig viel Aufwand ist es ja nicht.

***

So. Erstmal Dank fürs Lesen!
Und dann die eine Frage:
Funktioniert das mit dem Kopfkino bei der Beschreibung des Films?

Ich habe da eine ziemlich genaue Vorstellung, klar - und weiß deswegen nicht, wie ihr den ˋseht´. Und ob die paar Brocken ausreichen, um überhaupt einen Film anzuwerfen.
Und wenn nicht, was das Minimum wäre, um das zu erreichen.
Eventuel ein direkter Vergleich (ausgeleuchtet wie eine Apple-Keynote ...) oder so?

Alles andere (auch aus Teil eins) nehme ich natürlich auch gerne!

fröhliches Grillen, und  :lava:
Uli
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Grill / Re: TeU - Tag 1, Aufbruch
« Letzter Beitrag von Uli am 30 Januar 2019, 21:59:05 »
 :dops:

Danke schön, eska!

Und ja, du hast sicher Recht mit der Auffassung, dass ˋBlogeinträge ´ eher unperfekt sein sollen - perfekt wäre es, wenn ich die Erbsen absichtlich und zielgerichtet einbasteln könnte, aber da ... arbeite ich noch dran.

Ich schreibe die Sachen auch (zunächst) so, wie ich den Blog geführt habe - eher spontan also, ohne viel Vorbereitung - nur die Nacharbeit ist doch etwas aufwändiger, das ich ja in der Figur des Schreibenden bleiben will.
Dazu Recherche ... ich rede immer wieder mit Leuten, die ˋOrdnungsrezepte ´ haben und auch solche Ratgeber besitzen. Macht mehr Spass, als so ein Ding zu lesen (obwohl Tiki Küstenmacher ja ganz hübsch schreibt)

Ich sage Bescheid, wenn das Ding online geht - momentan ... prokrastiniere ich da etwas. Aber naja, und?

 :b5:!
cheers, Uli
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Grill / Re: TeU - Tag 1, Aufbruch
« Letzter Beitrag von eska am 30 Januar 2019, 21:07:00 »
Hi Uli!

Ich hab es gerade gelesen und muss gar nichts fröhlich grillen, nur fröhlich grinsen.  :cscreen:
(Kleine Erbsen zwischendrin kann ich auf Wunsch gern anmerken.)
Ich denke mir auch, als Blogeintrag sollten die Texte genau so etwas locker daherkommen, nicht zu sehr gestrafft oder überarbeitet.  :versteck:

Nettes Projekt, viel Erfolg!
Vielleicht schauen wir mal, ab und zu?

eska :wink:
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Grill / (S) TeU - Tag 1, Aufbruch
« Letzter Beitrag von Uli am 28 Januar 2019, 17:53:38 »
Hallo, Hölle!

Dies sind die ersten Zeilen des neuen Projekts ˋaus dem Tagebuch eines Untätigen ´, kurz TeU. Das Ding soll ein fiktiver Blog sein, also stückchenweise veröffentlich werden (auf meiner Webseite) und vordergründig die ˋAbenteuer ´ eines Profi-Prokrastinators erzählen, der sich auf den Weg macht, sein Leben umzukrempeln ...

Dabei sollte jeder Eintrag für sich allein funktionieren, klar - aber das Ganze auch eine größere Geschichte ergeben. Wie das halt bei einem Blog so ist.
Ebenfalls ˋblogartig´ ist, dass es Sidekicks gibt, Stories, die sich aus dem (fiktiven) Tagesgeschehen oder aus aktuellen Stichworten ergeben (können).
Tja ...
Also: Jeder Eintrag ist sowohl ˋKapitel´ eines größeren Werkes als auch Kurzgeschichte, und ob das funktioniert, weiß ich auch nicht ...

Und eben deshalb stelle ich den ersten Teil hier ein und wünsche fröhliches Grillen.

cheers, Uli



 Tag 1. Aufbruch

Man müsste mal wieder aufräumen. Echt.

Der Aschenbecher quillt über, wenn der nicht bald ausgeleert wird, staubt die Tischdecke ein, was eklig ist und außerdem erfordert, die zu waschen. Dazu müsste aber den Tisch abgeräumt, das ganze Zeug sortiert und aufgeräumt beziehungsweise entsorgt werden, die Kaffeetassen in den Abwasch, zusammen mit dem Teller und dem Besteck, die Notizzettel in den Ordner, der in das Regal gehört, nicht auf den Fußboden.


Die Lesebrille kann erstmal auf den Nachttisch gelegt werden, später, wenn der Tisch leer ist und abgewischt aber wieder zurückkehren, weil, ich brauche die ja hier.

Die neue Packung mit den Tabletten gehört auch auf den Tisch, damit ich daran denke, aber die beiden leeren können in dem Müll. Also, gelber Sack, der ist beinahe voll und kann runtergetragen werden, der Biomüll gleich mit. Und Staubsaugen, wenn man schon dabei ist, da müssen nur die Socken vom Fußboden in den Wäschekorb, und vielleicht sollte auch mal gewaschen werden.

Andererseits, ich habe noch frische Socken, das hat keine Eile, also, muss nicht gleich sein. Übermorgen, vielleicht?

Eine Zigarette drehen, der Tabak ist fast leer, wenn ich den frischen hole kann ich ja gleich den Aschenbecher ausleeren. Und ...

Wo ist das Feuerzeug? Ernsthaft mal, versteckt sich unter all dem Zeug, das Mistding, und prompt schubse ich mit dem Magazin gegen den Aschenbecher, der natürlich freudig seinen Inhalt verteilt, verdammter Mist.

Jetzt ist es passiert.

Auf dem Titelblatt des Magazins eine Schlagzeile, irgendwas mit Leben vereinfachen, könnte interessant sein. Hmm.

Das Feuerzeug ist auch da, also lese ich das erstmal, für eine Zigarettenlänge oder zwei, vielleicht ist das ja nützlich. Handelt wohl davon, dass irgendwer Leuten dabei hilft ihr Chaos in den Griff zu bekommen, aus Japan, klingt gut - mal nachschlagen im Netz, ob es da schon Erfahrungsberichte gibt, interessant ...

Eine Webseite, ziemlich gut aufgemacht, ein strahlendes Lächeln und so, und viele Dankschreiben, hat mein Leben umgekrempelt, fühle mich freier, solche Sachen.


Hmmmm. Klingt ein wenig nach gekauften Bewertungen, so euphorisch, wie die Zuschriften sind. Erstmal eine rauchen, schnell den Tabak geholt, und ... genau. Ich hätte den Aschenbecher gleich ausleeren sollen, das mache ich dann gleich. Obwohl, es ist ja egal, passiert ist passiert, und jetzt lese ich erstmal in aller Ruhe diesen Artikel.

Recht haben sie ja mit diesem Ratgeber, man sollte wirklich die Dinge anpacken, sich einen Plan machen und so, und ich klicke auf ˋBestellen´, am Besten gleich, und ˋExpress´, dann wird das morgen geliefert und ich kann anfangen, diese Sachen zu machen, alles in Ordnung zu bringen und glücklich werden.

Morgen.
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Grill / Re: AT Weberin
« Letzter Beitrag von eska am 23 Januar 2019, 00:21:29 »
Oioi. :aufgeb:

@Ayira und Uli:
Da ihr beiden den letzten Satz jetzt so gelesen habt, als spreche Anna Thomas direkt an, als sei er also anwesend, muss ich das wohl ändern, denn nein, er ist nicht mehr da. Sie nimmt den nächsten Besuch in Gedanken vorweg (denn er will ja weiter beides haben, seine Ehe und die Liebelei, von der sie jetzt weiß, dass sie nicht mehr ist) und schmeckt sozusagen ihre Rache im Voraus. (*hmm, crunch, crunch, Nusskekse*)

Bis zum Schluss habt ihr das ja auch so gelesen, wenn ich euch richtig verstanden habe. Also wörtliche Rede raus. Und vielleicht noch etwas Erklärendes rein.
Auf jeden Fall schonmal vielen Dank! :wink:

eska
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Grill / Re: AT Weberin
« Letzter Beitrag von Uli am 22 Januar 2019, 17:24:23 »
ay eska,

Also erstmal: Nein, ich glaube nicht, dass das Straffen der Geschichte geschadet hat. Also, insgesamt: Der Erzählton ist gut, trägt durch die Bilder, die grade deutlich genug sind, um klar zu sein und Platz lassen für das eigene ˋAusmalen ´. Also: Gelungen.

Bis auf das, was gemeinhin ˋPointe ´ genannt wird. Das hängt ein wenig:
Einen weiteren Keks anbieten, mit dem Wissen, dass die Zielperson allergisch ist, ist an sich sehr gut - nur, dass der Typ grade da ist, wird vorher nicht klar. Im Gegenteil, ich sehe eine Frau, die nach dem Abschied mit sich allein ist und ... aufarbeitet? Dafür spricht z.B. der Schlenker über die Mutter (den ich für wichtig halte) - mit seiner Presenz würde das so nicht ˋstimmen ´.
Zudem: Damit daraus eine Pointe wird, sollte die Allergie wenigstens lebendbedrohlich sein, nicht nur einen Hautausschlag auslösen - und eben das bleibt offen. Ist aber nachrangig gegen die Frage, wie seine Anwesenheit noch eingebaut werden kann, ohne der Geschichte die Dichte zu nehmen.

Ein kleiner Punkt ist (vielleicht), dass er am Tisch steht - das hat sowas von ˋein letzter Keks im Stehen ´.

Ich würde versuchen, seine Anwesenheit langsam dosiert einzuflechten, weil die Protagonistin in ihrer Gedankenwelt grade allein ist, und das so auch richtig scheint. Vielleicht mit einer Entwicklung von ˋganz in Gedanken ´ und Konzentration auf das Weben zu immer mehr Wahrnehmung der Umwelt.
Und damit zu immer mehr Presenz des Mannes, evtl dabei schon einflechten, wie heftig die Allergie zuschlagen kann ...

Hmmm.
Alternativ kann ich mir vorstellen, dass der Typ tatsächlich abgehauen ist, und die Prota jetzt erst realisiert, dass er wahrscheinlich gleich einen allergischen Schock bekommt, womöglich im Auto - und nichts weiter tut, nur weiter webt (anstatt ihn anzurufen und zu warnen)
Damit wäre dann zwar der Inhalt verändert, aber evtl auch leichter umzusetzen - und der Fokus könnte ganz bei der Prota bleiben (was mir die Änderung wert wäre).

ich hoffe, das hilft ...

(für alle Fälle noch ein  :kaffee2:, das hilft immer)
cheers, Uli
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Grill / Re: AT Weberin
« Letzter Beitrag von Ayira am 16 Januar 2019, 08:36:53 »
Hallo eska, während dem Lesen sind mir ein paar Sachen aufgefallen. Leider hab ich grad nicht viel Zeit und muss mich auf das Wichtigste konzentrieren - das Ende:

Zitat
"Noch einen Keks, Lieber?"

Die Andeutung, ihn vermeintlich versehentlichen mit Nüssen zu vergiften, ginge ja noch durch - aber mit der direkten Rede schmeißt du mich aus der Geschichte: Ich dachte nämlich, sie sitzt allein vorm Webstuhl, vergrämt in der Erinnerung, wie er irgendwann davor mit dem Keks auf den Boden gebröselt hat.
Aber so hört es sich an, als säße er JETZT bei ihr. Da du das vorher nicht angedeutet hast (oder zumindest für mich nicht deutlich), bin ich nun verwirrt.  :wiejetzt:

lg Ayira
100
Grill / (KG) AT Weberin
« Letzter Beitrag von eska am 16 Januar 2019, 08:04:55 »
Liebe Mitteufel;

ich opfere mal wieder was auf dem Rost. Bevor er rostet *hust*. :grinwech:

Der Text ist schon etwas älter, ich habe ihn gestern für eine Lesung deutlich gestrafft und wüsste gern
1. ob ihm das geschadet hat, 2. was ihr zum Ende sagt, 3. was vielleicht noch gekürzt werden kann (300 Zeichen, also Kleinigkeiten).
Alles, was euch sonst noch ein- und auffällt, lasse ich mir dann auch gern zart gebräunt auf der Zunge zergehen.
Danke!

Ansonsten hoffentlich ein bisschen Vergnügen beim Lesen!
Gruß,

eska  :wink:


Anna saß am Webstuhl und versuchte, an nichts zu denken. Links, rechts, links, rechts - die Hände warfen das Schiffchen flink von einer Seite des violetten Streifens auf die andere, sie brauchte sich tückischerweise nicht zu konzentrieren. Heute war nur der Anfang eines Bildes zu weben, in zartem Lavendel, ein Auftragswerk für ein Schlafzimmer, gestern erst hatte sie die Kettfäden aufgezogen. Hah! heute müsste sie tiefrot weben, schreiendes Lila, dunkelstes Blau. Aufruhr, Schmerz, Schock - eine Scheidung, hatte er gesagt, an ihrem Tisch, entschuldigend lächelnd und einen Vollkornkeks auf ihre Dielen krümelnd, hatte es gewagt im Gegensatz zu allen Versprechungen zu sagen, eine Scheidung käme nun wohl doch erst einmal nicht in Frage.
Erst einmal? Wie lange gedachte er sie denn warten zu lassen? Wie selbstverliebt musste er sein, Erfolg gewohnt. Sie hatte es ihm wohl zu leicht gemacht, wie andere, viele andere vor ihr.
War ja auch kein Wunder - der Junge mit dem Wuschelhaar und der Künstlerseele in den Augen, der mit dem Blick des Malers alles zu verstehen schien, in verarbeiteter Form auf die Leinwand bannen konnte und damit wegzaubern ... wie sollte sie es ihm nicht leicht gemacht haben, als sie ihn auf dem Seminar für Pflanzenfarben in Dänemark kennengelernt hatte. Gar nichts war da passiert, im Nachhinein hatte sie das fast bedauert, aber so überrollt werden von plötzlichen Gefühlen, das war doch nicht ihre Gangart. Und dann hatte sie doch reagiert, als er am Flughafen in Frankfurt mit hinreißendem Lächeln um ihr Kofferschild gebeten hatte, ihrer Adresse wegen natürlich.
Hatte noch gar nichts gewusst über seine Bindungen, hatte auch nicht gefragt, aber entscheidende Tage und Nächte später, als seine Nähe bereits wichtig, lebens- und inspirationsspendend geworden war, da hatte sich herausgestellt, er war verheiratet, nicht mal unglücklich sogar, nur gelangweilt.
Sie hätte es wissen können: Natürlich hatte jemand Mitte dreißig eine Geschichte von Beziehungen, und nun gar jemand so Attraktives - und das nicht nur äußerlich - wie Thomas. Ihre Mutter hätte sicher die gepuderte Nase gerümpft, den Mundwinkel verzogen und mit dieser Stimme wie ein Spritzer Angostura gemeint: "Was kannst du schon erwarten? Ein Künstler!"
Der zweite Satz schmerzte mehr, denn während sie die Nichtachtung ihrer Weiblichkeit zumindest oberflächlich gewöhnt war, war ihre berufliche Orientierung das Minenfeld, auf dem sie nur kleinste Schritte wagte.
Hatte sie wirklich nicht mehr erwarten dürfen, sie, die naturgraue Maus, von einem, der Inspirationen sammelte, wo er ging und stand? Waren Menschen nichts als das für einen Künstler, aufblitzende Funken für das Feuer der Kreativität? Braende hieß ein Holzbündel auf Dänisch, genug für den einmaligen Verbrauch, für die Abende hatten sie immer gleich zwei oder drei gekauft.
Und was war dann sie, die nicht satt war, nicht mit einem Schulterzucken die Sehnsucht abschütteln konnte? Er oder die Gefühle, die er hervorrief, hatten sie befeuert, hatten Schwung und neuen Wagemut in ihre Kreationen getragen. Gewagt... Sie schwang auf ihrem Hocker herum und zog die Lade mit den Wollvorräten auf: Da, das dunkle Rot mit den lila Einsprengseln, dicke Schurwolle mit expressiven Knubbeln und deutlichem Geruch nach Schaf. Ab und an noch ein Hölzchen drin oder ein Dorn. Naturbelassen. Wie sie.
Lange saß sie da, das Knäuel in der Hand. Herzblut. Frauenpower. Inspiration. War er nicht allergisch gegen Nüsse? Dann lächelte sie. "Noch einen Keks, Lieber?"

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