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Fantasy / Re: Daimonia - überarbeitet und erweitert
« Letzter Beitrag von Uli am 08 November 2018, 01:03:03 »
OK ...

keine Details (zu unkonzentriert), aber vielleicht hilft es auch so:

Erstmal: Gefällt mir. Ein guter Einstieg, der ziemlich viel an Erwartungen weckt - und ein paar davon gleich in die Tonne klopft. Gelungen.
Ab und zu bewegt sich das am Rand von ˋHÄÄÄ?´, aber (was mich angeht) bekommst du immer die Kurve - ich bleibe im Weiterlesen-Modus und bin jetzt neugierig auf die Geschichte, auf den Grund, warum der Typ die bislang nicht erzählt hat, obwohl ihm das anscheinend wichtig ist, auf den Grund, warum er seinen Besucher ˋHerr´ nennt und ... überhaupt.

Ganz offenkundig soll die Szene nicht ˋklassisch-mystisch´ sein, was durch Sprachgebrauch und einzelne Beschreibungen durchaus sichtbar wird - zugleich aber eben doch mystisch, düster mit ... einzelnen LEDs statt Kerzen, Hoodys statt Kutten, OK. Und das gelingt dir auch.
Die kleine Szene mit der Bibel und dem Christlichen Humor passt gut, eine weitere Erwartung wird geweckt - und ehrlich mal, ich werde ein klein wenig misstrauisch. Nicht so sehr, ob du diesen Wust Erwartungen erfüllen kannst (davon gehe ich mal aus), sondern ob du es willst.
Ob das nicht ein sorgfältig poliertes Glatteis ist und du mir ˋnur´ die Spikes von den Schuhen schraubst. Hmmm.
Eine Herausforderung? Oder ist das wieder so eine Erwartung?

Ernstlich etwas dazu zu sagen ist mir (von allem anderen abgesehen) echt noch zu früh. Also: Weiterschreiben, nächsten Tel einstellen (und wenns geht, recht bald)

cheers, Uli


Nachtrag:
Das ganze klingt jetzt nach einem ˋechten Zitatus ´ - ist mir grad noch so eingefallen.
Und das freut mich
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Sonstige Texte / Drachenzeit (AT)
« Letzter Beitrag von Uli am 08 November 2018, 00:21:37 »
hallo Hölle,

ich habe hier etwas, womit ich nicht zurechtkomme: Einen Anfang von - ich weiß nicht recht, vielleicht einer KG-Sammlung.
Aber von Anfang an:
Den zweiten Teil der Geschichte habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, und war ziemlich erstaunt: Das lief ganz von allein, fühlte sich richtig an ... sehr schön, soweit. Nur: Kurz nach der Fertigstellung hat mich das RL erwischt, mit schlechten Nachrichten, und die Sache war vergessen.
Und beim erneuten Anschauen war ich dann verwirrt: Was soll das denn? Ähm.
Und noch verwirrender war, dass der erste Teil sich danach auch ganz von allein textete, wie mit Autopilot - und ich immer noch keinen Plan habe, was das werden soll.
Kompliziert? Ja ... das meine ich auch.

Also, versuchsweise lege ich das auf den Grill und schaue, was passiert. Vielleicht finde ich ja durchs Rösten den Faden wieder ...

(Aus irgendeinem Grund möchte der erste Abschnitt ˋProlog´ genannt werden, was mir auch ziemlich suspekt ist).

### Drache 1 (Prolog)

ˋMetapher´ murmelte der Drache und sein Tonfall verriet Ärger.
ˋMythologisches Wesen, schön und gut. Nichts dagegen. Sollen sie doch. Aber ˋMetapher´, das geht zu weit. Eindeutig.´

Er - Drachen sind immer männlich - breitete seine Schwingen aus, knurrte laut und spie etwas Feuer. Was nichts weiter einbrachte als seinem Ärger etwas Luft zu machen.

Im Umkreis von mehreren Meilen was das Land bereits versengt, und kein lebendes Wesen war übrig. Von ein paar Raben abgesehen, die vorwitzig oder unbedacht die Gelegenheit nutzten, eine warme Mahlzeit zu bekommen.

ˋDie sind wahrscheinlich auch metaphorisch´ dachte der Drache und war versucht, aus dem metaphorischen Gefieder gebratenes Gefieder zu machen. Rein aus Ärger.
ˋVielleicht sind sie aber nur folkloristisch, die Raben ´ dachte er dann, und ein wenig versöhnte ihn das. Folkloristisch, das ist so etwas wie der zweite Platz im Wettbewerb der Verlierer.

Immerhin hatte der Ärger auch seine gute Seite, der Dache war so wirklich wie schon lange nicht mehr, wirklich genug, um Verderben und Zerstörung über diesen Umkreis zu bringen, und das tat ihm gut:

Viel zu lange hatte er sich zurückgehalten, und, das musste er sich eingestehen, auch deswegen hatte der Abstieg begonnen.

Damals ... damals war er echt und wirklich und hatte Angst und Schrecken verbreitet, ohne groß darüber nachzudenken. Herrliche Zeiten, wenn auch ... 
Langweilig, auf die Dauer.

Ernsthaft langweilig. Die wenigen intellektuellen Herausforderungen damals hätte eine Amöbe gemeistert, oder ein Wurm - beides Wesen, die nie in Gefahr standen, als mythologisch oder gar folkloristisch gedemütigt zu werden - und das was furchtbar für ein Wesen, dessen mentale Kapazität es mit den Göttern hätte aufnehmen können.
Wenn der Drache nur an Götter geglaubt hätte.

Damals hatte er angefangen, mit anderen Wesen zu sprechen, zunächst bevor, später anstatt diese zu grillen, und das was der Anfang seines Niedergangs: Wenn man nicht mehr präsent ist, keine Ortschaften niederbrennt und desgleichen, und stattdessen nur in den Berichten einzelner Intellektueller stattfindet, wird man ganz schnell ... eben mythologisch.

Eine schreckliche Sache.

Mythologisch, dann mystisch - was schon eine erheblich Abwertung ist - und schließlich metaphorisch. Unwirklich.

Nicht lange, und es gibt Berichte von goldenen Weisheitsdrachen und Kuscheldrachen und putzigen kleinen Drachelchen, die ...

... an die niemand mehr glaubt, nicht einmal die Kinder.

Trübsinnig sah der Drache in die Runde.

Raben - folkloristische Raben, der nächste Abstieg - flatterten umher und suchten nach Gebratenem, der Himmel war blau und weiß und ärgerlicherweise hatte das verbrannte Land eine sonderbare, obzwar düstere, so doch beinahe anheimelnde Atmosphäre, wie eine Szenerie in einem Buch.

ˋSchwere Zeiten für unsereins ´ dachte der Drache bekümmert.
ˋZeit, etwas zu unternehmen.´

### Drache 2
Der Drache hockte vor seiner Höhle und dachte ... nicht. Einerseits, weil das nicht zu den Kernkompetenzen reptiloider Wesen gehört und auch keine besondere Freude machte, andererseits, weil er bereits alles gedacht hatte, was zu denken sich angeboten hatte.

Immerhin saß er schon recht lange hier, seit Anbeginn. Von was auch immer.

Das ist, so oder so, eine ausreichende Zeitspanne, um genug gedacht zu haben.

Dachte der Drache.

Nicht.

Er dachte nicht daran, sich in die Höhle zurückzuziehen, weil es darin kaum noch Platz gab: Seit Äonen waren immer wieder Individuen dieser seltsamen, zweibeinigen Wesen erschienen und hatten Dinge dort abgelegt, Dinge aus einer schweren, glänzenden und vollkommen ungenießbaren Substanz.

Gold, nannten die Wesen das, und Hort nannten sie den Haufen unnützes Zeug, und ernsthaft, es lohnte sich nicht, darüber nachzudenken. 
Unfug.

Alle paar Jahrzehnte kamen auch andere Individuen, in Gruppen, weinten laut und wehklagten, bis eins der Wesen sagte, ˋes müsse sein´, worauf sie eines der ihren an den Felsen ketteten und betrübt abzogen.

Warum auch immer.

Das angekettete Wesen weinte dann lange, flehte und schluchzte laut, und nach einiger Zeit erschien zuverlässig ein Artgenosse, in Blech gekleidet und mit scharfen Dingen ausgestattet und versuchte, den Drachen zu verletzen.

Was er nicht sehr mochte.
 Verständlicherweise.

Der Haufen von rostendem Blech in der kleinen Schlucht zur Linken wuchs eins ums andere Mal, aber erst, wenn das angekettete Wesen endlich verstummt und vertrocknet war, hörten diese Besuche auf.

Nein, es lohnte wirklich nicht, darüber nachzudenken. Unfug.

Der Drache hatte es versucht, ganz ernsthaft, und er hatte sogar im Verlauf mehrerer Jahrhunderte die Sprache der Wesen gelernt, von einem Dutzend oder zweien dieser ˋKönigstöchter´.

Und hatte gefragt, was diese Sache vorstellen sollte. Dieses Anketten und Weinen und die ˋRitter´, die ihren ˋSchwertern´ Namen gaben und dachten damit ihn, den Drachen, verletzen zu können.

Verstanden hatte er die Erklärungen nicht.

Exalibur, Letztes Argument, Langundscharf waren die Namen der Schwerter, Berserkerfreund und Hauihnum. Früher. Und Psychoanalyse, Therapie und Rathiopharm, in letzter Zeit, und allesamt landeten sie mit den Rüstungen in der Schlucht.

Auf die Dauer würde es wirklich langweilen, wenn man darüber nachdächte - was der Drache eben darum nicht tat.

Der Drache wollte nicht hier hocken, es hockte einfach da. Drachen machen das so, genau wie diese ˋMenschen´ einfach Gold in die Höhle warfen und ihre Töchter an den Felsen ketteten und dann zu befreien suchten.

Spass hatten sie wohl nicht daran.

Die angekettete Königstochter weinte ein wenig, und ja, hinten im Wald rührte sich etwas - es war mal wieder so weit. Ein Ritter.

Dachte der Drache, und irrte sich.

Ein junger Mann trat auf die Lichtung, lehnte ein Ding aus Metall mit Rädern an einen Baum und legte den Helm ab. Der nicht aus Eisen gefertigt war.

ˋHallo!´ sagte der Jüngling. ˋVerstehst du mich?´
ˋIch spreche deine Sprache, Mensch. Aber ˋverstehen´ ... nein. Nicht wirklich.´
ˋNa gut, dann ... also, Drache, ich möchte gern die Königstochter hier retten. Von der Kette befreien und mitnehmen, weißt du? Weil, dann bekomme ich das halbe Aktienpaket ihres Vaters und ein iPhone und außerdem ihre Hand - also, genaugenommen nicht nur die Hand, sondern ...´
ˋIch weiß, was eine Methapher ist, Mensch. Schon gut. Aber ...´
ˋAber was?´
ˋSag mir, Mensch, wie heißt dein Schwert? Wo ist dein Pferd, wo deine Rüstung? Und, warum hast du deinen Helm abgenommen?´
ˋAch, Drache ... ehrlich mal: Ein Schwert, dass ist doch sowas von Mittelalter - und es hat noch nie funktioniert, bei Drachen. Und Pferde - mein Bike hat sechundzwanzig Gänge, elektrische Tretunterstützung und ist ein Meisterwerk der menschlichen Ingenieurskunst - warum sollte ich da mit antiquierten Waffen und Verhaltensmustern daherkommen?

Und es ist einfach unhöflich, den Kopf bedeckt zu lassen, wenn man einen Raum betritt.´
ˋOh? Ihr habt euch entwickelt? Wie schön! Dann nimm sie halt mit, deine Prinzessin, und alles Gute. Viel Spass!´
ˋDanke, Drache, aber ...´
ˋJa?´
ˋSie ist angekettet, die Prinzessin, und ... ähm ...´
ˋJa, Mensch. Angekettet ist sie, mit einer gar furchtbaren Kette an diesen Felsen - nur, das habe nicht ich getan, und den Schlüssel besitze ich auch nicht. Sorry.
Ich verschwinde jetzt, mein Guter, und du schaust zu, wie du die Ketten löst. Einverstanden? Und dann, bitte: Nimm diesen Hort doch mit, wenn du gehst.´

So sprach der Drache und verdunstete, und der junge Ritter stand ziemlich verwirrt vor der Höhle und wusste nicht weiter.


danke fürs Lesen!

Und wie gesagt: Erbsen sind es grad nicht, ich weiß nur nicht, was ich mit diesem Text anfangen soll ...
cheers, Uli

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Links / Re: Interessante Linktipps zum Thema Literatur
« Letzter Beitrag von Lilith am 06 November 2018, 17:41:49 »
Ein Artikel über Jason Dark, seines Zeichens Autor von "John Sinclair" bei der Onlineausgabe der ZEIT: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-11/jason-dark-helmut-rellergerd-john-sinclair-geisterjaeger-groschenromane

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Kurzgeschichten / Re: Die Goldkugel
« Letzter Beitrag von Uli am 05 November 2018, 15:38:13 »
 :dops:
Danke, Lillith!

Das mit der Psychatrischen Klinik ist gekauft (logisch), die anderen Sachen verstanden ...
ein wenig hänge ich an diesem POM Fritz, aber ok ... der Neigung zu Flachwitzen muss man nicht immer nachgeben, und deine Sicht darauf ist schlüssig.
Der Abspann-Monolog ist reines Blafasel, da ist nur der Nebensatz mit den Buddistischen Mönchen wichtig, der Rest kann durch ... ein anderes Blafasel ersetzt werden. Mal sehen, ob mir was einfällt, was wenigstens kein Erklärbär ist.

 :danke2:
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Fantasy / Re: Daimonia - überarbeitet und erweitert
« Letzter Beitrag von eska am 05 November 2018, 12:23:12 »
Lieber Zitatus;

ich lese mal so runter und notiere dabei, ich hoffe, das ergibt schon etwas Nützliches.

Zitat
Unsere Welt war wie ein Haufen alter Bücher. Hoch aufgetürmt berichteten gilbe Seiten von den großen, tragischen Komödien und den kleingeistigen Dramen. Das Schicksal hatte mit spitzer Feder jede einzelne Zeile niedergeschrieben. Das alte Papier, auf dem die Tinte noch nicht ganz trocken war, wartete nur auf ein Zündholz.
Ich hielt es in der Hand.

Schön athmosphärischer Einstieg. Das erste, was mich irritiert, ist das Wort 'kleingeistig' - ich lese den Satz nochmal und stelle fest, den Bruch gibt es verhaltener schon in 'tragische Komödien'. Kritik des Erzählers an misslungenen, den jeweiligen Auftrag verfehlt habenden Werken? Aber dann kommt doch das Schicksal als Autor ins Spiel - schreibt das falsch? Und wieder das Motiv alt (ich assoziiere hier ehrwürdig), kontrastiert mit noch nicht trockener Tinte. Jetzt verstehe ich die Bildersprache gar nicht mehr. Der Erzähler will oder soll den Haufen entzünden. Passt zur Kritik.
Zitat
„Dunkle Wolken, ein lila Himmel. Die Silhouette der Stadt ist pünktlich dazu bereit im Chaos unterzugehen“, kommentierte er in bester Laune die Szenerie.
Ja, die gute Laune des Raben kommt rüber. Der Erzähler wirkt eher passiv, weder erfreut, noch traurig, noch als würde ihn irgendetwas binden, rein beobachtend.
Die 'Silhouette' würde ich ersetzen: Es macht auf mich den Eindruck, nur die Silhouette werde untergehen - und eine gesichtslose Stadt bleibt übrig? Oder kannst du den starken bildlichen Eindruck der Silhouette vom Rest trennen, zwei Sätze draus machen?

Zitat
Ich drehte ich mich weg.
Doppel-Ich. ;)

Zitat
„Eh“, beschwerte sich das Federvieh. Mit flatternden Flügeln hopste er auf mir herum.
das Federvieh - es
Zitat
das Geländer des Balkons, auf dem wir uns befanden.
Den Nebensatz brauche ich nicht zum Verständnis.

Zitat
Wider Erwartens
ohne s

Nette kleine Hinweise auf eine nicht-menschliche Lebensform! Sehr gelungen.

Zitat
„Ob ich die Sache noch schlimmer machen würde, wenn ich dir jetzt den Hals umdrehe?“
Offenbar findet Thad, kein Mensch und Bescheid wissend über bzw. vielleicht verantwortlich für den nahen Untergang, dieses Ende trotzdem schlimm. Oder etwas daran, dass wir noch nicht wissen. Interessant.
Zitat
schlurfte in Wohnzimmer.
ins
Zitat
"Hallo Quirinus“, sagte ich, „ich hatte nicht mit Eurem Erscheinen gerechnet.“
Das etwas saloppe Hallo scheint mir nicht zu der Anrede Ihr zu passen.
Zitat
strich dessen zerknitterten Seiten glatt.
zerknitterte
Zitat
Es wird mir schade sein um all die Geschichten.
mir?
Zitat
Quirinus breitete die Arme aus. Es wirkte wie ein Vater,
Er wirkte...
Zitat
Jede Phantasie, die ein Mädchen haben durfte,
Ich bin irritiert ob der Einschränkung: Sämtliche Tabus jeglicher Gesellschaften sind doch mindestens in Gedanken und Worten irgendwann gebrochen worden. Von Männern und Frauen. und wieso stellst du dem Mann das Mädchen gegenüber, nicht die (erwachsene) Frau?
Zitat
etwas wirklich neues
Neues
Zitat

Manchmal habe ich Angst etwas wirklich neues zu erträumen. Es wäre niemals wirklich meins.
Das verstehe ich im Zusammenhang nicht. Gerade etwas wirklich Neues müsste doch dem Erfinder gehören/zugehörig sein.
Zitat
„Dann solltest du es für dich bewahren.“
Auch diese Antwort scheint mir nicht zu Quirinus zu passen. Er nennt es traurig, dass er alle Geschichten kennt, die es gibt. Und lehnt es ab, eine weitere kennenzulernen? Eine, die ihm -vielleicht- etwas Neues verspricht?

Zitat
„Na, die paar Minuten hab ich noch.“
Netter Abschluss der Szene, aber: 1. Wieso steht Quirinus unter Zeitdruck? Gibt es Zeit nach Armageddon, außerhalb unserer Welt? Bisher machte es sehr den Eindruck von 'Ewigkeit', was immer du darunter fasst.
2. bezieht sich auf die obige Frage: Wenn er Geschichten schätzt, warum will er nur kurze Minuten darauf verwenden, nicht genüsslich darin schwelgen?

Zitat
Quirinus schaute demonstrativ auf seine nicht vorhandene Armbanduhr.
bei den Menschen abgeschaut? Warum? Sind die ein nachahmenswertes Modell? Und dabei ist es befriedigend, ihre Welt untergehen zu lassen?

Insgesamt: Mir gefällt diese Version deiner Geschichte; auch wenn ich die erste schon etwas aus den Augen verloren habe, glaube ich, diese ist besser.
Den ersten Absatz lese ich immer noch als kryptisch. Macht aber nichts.
Thaddeus ist interessant: Wider Willen hineingezogen in das Schicksal der Welt, die er ins Chaos stürzen sollte, hadert mit sich, was ihn daran erlösen soll, wissen wir nicht (spannend)...
Der Rabe ist ein netter Kontrapunkt, einer der die Aufregung und die Show genießt, egal, was kommt (ohne moralische Wertung meinerseits).
Quirinus ist durchaus auch bemerkenswert, auch wenn man als Leser noch nicht genug weiß, um ihn zu 'verstehen' im Sinne von Beweggründen: Mächtig, Auftraggeber von Thaddeus, aber mit dem (vorgetäuschten?) Anspruch auf mehr ("wie ein Vater, der seinem Sohn mitteilte, dass dies alles eines Tages ihm gehören würde"), verfolgt einen Plan "alles ja nur deinetwegen", also mit 'gutem' Motiv, hat eine enge Beziehung zu Geschichten (auch eine interessante: weder Leser noch Autor, eher Kenner aller Möglichkeiten).
Und da die beginnende Geschichte ja wohl die ist, die zum Untergang führt, dessen Hintergründe wir also erkennen werden, die Thaddeus als neuartig ansieht und unbedingt erzählenswert auch angesichts der eigenen Vernichtung, reibt sich mein innerer Leser die Hände, richtet sich gemütlich auf dem Sofa ein und sagt: Her damit!  :leseteufel:

Jut?
 :kaffee2:

eska
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Kurzgeschichten / Re: Die Goldkugel
« Letzter Beitrag von Lilith am 05 November 2018, 11:53:08 »
Hallo Uli,

mir hat's gefallen im Großen und Ganzen. :cheerful:
Habe gegrinst und auch gelacht. :cheese:

Im zweiten Drittel sind ein paar Längen drin, schau mal, wo du da kürzen kannst, ansonsten sind mir Erbsen ins Auge gesprungen und zwei Marotten.

Marotte Nr. 1: Du nutzt sehr viele passive Formulierungen, da "wird" viel und wird noch mehr "geworden". Insgesamt finde ich das Passiv für diese Geschichte genauso stimmig wie den auktorialen Erzähler, denn es drückt die Machtlosigkeit der Einwohner gegenüber dieser Kugel aus, die einfach macht, was sie will, während die Menschen versuchen, mit der Situation fertig zu werden und dadurch ihre Wenden im Leben erfahren.

Marotte Nr. 2: Sehr viele Doppelpunkte, meist gefolgt von einem Absatz. Kann man mal machen, aber in dieser Überzahl fällt es auf und dadurch wirkt der Text gleichförmig. In der Regel gehört hinter einen Doppelpunkt auch kein Absatz, weil er den Satz ja nicht abschließt. Schau einfach mal, welche von den Doppelpunkten und Abständen du wirklich brauchst. Einige kann man getrost durch einen Punkt ersetzen, ohne dass etwas verloren geht.

An die Erbsen hat eska sich ja schon gesetzt, von daher noch eine Ergänzung von mir.
Zitat
Im Gelände des Krankenhauses entstand der Neubau der psychologischen Abteilung, die weltweit als erste Adresse bei Managerkrankheiten gehandelt wurde, nicht zuletzt wegen der immer noch dort wirkenden buddhistischen Mönche, denen ein eigenes Schulungszentrum in vierzehnten Stock zugebilligt worden war.
"Auf dem Gelände" und "psychiatrische Abteilung" statt "psychologische".
:klugklo: Die Psychologie an sich hat erst mal nichts mit irgendwelchen Störungen zu tun, sondern mit der Erforschung psychischer Phänomene beim Menschen, kurz und sehr, sehr grob gefasst. Die klinische Psychologie ist nur ein Teilgebiet. Und in der Medizin gibt es nur zwei Formen der Spezialisierung, wenn man das behandeln möchte: Psychiatrie und Psychosomatik. Darum heißen solche Krankenhäuser auch immer entweder "Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie" (Allgemeinpsychiatrie) oder "Klinik für Psychosomatik/Psychosomatische Medizin und Psychotherapie". /Ende :klugklo:

Eine Überlegung meinerseits: den POM auszuschreiben als Polizeiobermeister statt es bei der Abkürzung zu belassen. Nicht der Verständlichkeit wegen, sondern der Betonung von "Recht und Ordnung" und auch des Stolzes auf seinen Beruf und seinen Rang.
Allgemein gefällt mir das Motiv des Ordnungshüters, der wahnsinnig wird, sobald etwas passiert, das außerhalb der Ordnung steht, sehr. ;D

Den Schluss finde ich ehrlich gesagt zu deutlich - er wirkt, als wolltest du die Pointe der Geschichte noch mal erklären, damit sie wirklich jeder versteht, aber ich denke, das hast du gar nicht nötig. Wäre nicht der letzte Satz gewesen, hätte ich wohl dazu geraten, ihn komplett zu streichen, so plädiere ich eher für eine andere Fassung, die näher an Fritz Hiller herankommt.

Zitat
Viele Jahre danach schrieb Hauptkommissar Fritz Hiller, langjähriger Leiter der SoKo Kugel, anlässlich seiner Pensionierung:

"Wir haben trotz aller Anstrengungen nie herausgefunden, wie und wohin die Kugel, die so prägend war für unsere Stadt, letztlich verschwunden ist. Aber, und das ist mir besonders wichtig zu erwähnen: Wir haben nicht einmal versucht zu verstehen, was sie war und wie sie hierherkommen konnte. Wir waren zu beschäftigt damit sie zu feiern, zu loben und zu vermarkten, als dass die Herkunft eine Rolle gespielt hatte. Sie war einfach da, so wie die Mönche oben im Krankenhaus. Aber im Gegensatz zu diesen stand die Kugel einfach nur herum, und ganz offen gesagt:
Sie stand im Wege ..."
Das klingt doch sehr nach Erklärbär.
Also: Was denkt Fritz wirklich? Wie hat er versucht, sich dieses Ereignis erklärbar zu machen? Abgesehen davon, dass er dank der buddhistischen Mönche gelernt hat, sie einfach anzunehmen, wie sie ist. ;D Was ist seine Sicht auf die Kugel, solange sie noch da ist, eine, die es in sich hat, ihn rückfällig werden zu lassen, als die Kugel wieder verschwindet, und wie verändert die sich später noch einmal, als er es auch aus dieser Krise wieder rausschafft?
Wenn du es näher an die Figur heranbringst oder, alternativ, ganz in leicht persiflierte Polizeiberichtssprache fasst (sowas wie "die örtliche Verlagerung der Kugel an einen unbekannten Ort", wäre das ein gangbarer Weg?

Die buddhistischen Mönche finde ich übrigens gerade in ihrer Anonymität und Un-Fassbarkeit sehr richtig und wichtig. Ich mag diese Satire auf den gegenwärtigen Achtsamkeitshype. Sehr. :cheerful:

Ich hoffe, das hilft dir weiter. :)

Liebe Grüße,
Lilith
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Fantasy / Re: Daimonia - überarbeitet und erweitert
« Letzter Beitrag von Ayira am 05 November 2018, 10:53:18 »
Viel besser als die erste Version, Zitatus  :whee:
Vor allem der erste Absatz hat mir seeehr gut gefallen. Aber auch später die Dialoge zwischen den beiden Dämonen fand ich sehr authentisch.

Ich habe nur eine Erbse entdeckt:

Zitat
Also warf ich meinem verhassten Spiegelbild noch einen kurzen Blick zu, sprang von dem Hocker und schlurfte ins Wohnzimmer.
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Fantasy / Daimonia - überarbeitet und erweitert
« Letzter Beitrag von Zitatus am 05 November 2018, 08:41:32 »
Liebe Teufels,

nachdem mir ja der erste Versuch hier im FF um die Ohren geflogen ist, habe ich den Anfang von "Daimonia" komplett überarbeitet. Außerdem ist die Szene länger geworden und um eine Figur erweitert worden. Ist mir der Text dieses Mal besser gelungen?



Das Ende der Welt

Unsere Welt war wie ein Haufen alter Bücher. Hoch aufgetürmt berichteten gilbe Seiten von den großen, tragischen Komödien und den kleingeistigen Dramen. Das Schicksal hatte mit spitzer Feder jede einzelne Zeile niedergeschrieben. Das alte Papier, auf dem die Tinte noch nicht ganz trocken war, wartete nur auf ein Zündholz.
Ich hielt es in der Hand.

„Gleich ist es soweit“, krächzte der Rabe auf meiner Schulter. Seine Tonlage ließ keinen Zweifel daran, dass er sich auf den bevorstehenden Höhepunkt unserer kleinen Geschichte freute. Sein Kopf ruckte beim Sprechen aufgeregt vor und zurück. Dabei wechselte sein Stand von einem Bein auf das andere. Ich spürte seine kleinen Krallen. Abwechselnd kratzten und bohrten sie sich durch den Stoff des Shirts in meine Haut. Vielleicht wollte er mich auf diese Weise zu einer Reaktion provozieren. „Dunkle Wolken, ein lila Himmel. Die Silhouette der Stadt ist pünktlich dazu bereit im Chaos unterzugehen“, kommentierte er in bester Laune die Szenerie. „Wie spät ist es?“
„Gleich Zwölf“, behauptete ich, ohne auf die Uhr zu schauen. Der Gedanke an eine köstliche Currywurst blitzte in meinem Hirn auf. Schade, dass wir das Mittagessen verpassen würden.
„Ob gleich ein Sturm lospeitscht? Oder bricht der Boden auf?“ Der Rabe neigte den Kopf. Vielleicht hoffte er darauf, Risse im Asphalt der Straßenschlucht zu erkennen. „Lavaströme wären doch echt eine Schau.“
Demonstrativ gelassen entzündete ich das Schwefelchen an der Reibefläche der kleinen Schachtel und führte die Flamme an den Glimmstängel, der in meinem Mundwinkel wartete. Dann sog ich zwei oder drei Mal den kratzigen Rauch in mich hinein. Er schmeckte nicht. Angewidert spuckte ich die Kippe aus.
„Ist nicht gut für die Gesundheit. He, he.“ Der Rabe versuchte zu kichern. „Obwohl: Um’s Altwerden brauchst du dich nicht mehr zu sorgen.“
Ich drehte ich mich weg.
„Eh“, beschwerte sich das Federvieh. Mit flatternden Flügeln hopste er auf mir herum. „Ich will das sehen.“ Mit einem Satz sprang er hinüber auf das Geländer des Balkons, auf dem wir uns befanden.
Resigniert den Kopf schüttelnd, schob ich mit einiger Mühe die Glastür einen Spalt breit auf und zwängte mich zurück in die Wohnung, pflügte mich durch die Trümmer zerschlagener Möbelstücke, Stofffetzen und Porzellansplitter. Die Verwüstungen in dem kleinen Wohnzimmer nahm ich kaum wahr. Meine Füße trugen mich in das Badezimmer bis zum Waschbecken. Ich kletterte auf das Höckerchen, hielt mich dabei am Rand des Porzellans fest und blickte in den Spiegel.
„Willst dich für den großen Tag noch rasieren?“ Wider Erwartens war mir der Rabe doch gefolgt. „Aufhübschen? Und vielleicht die Haare schneiden?“ Er flog auf seinen angestammten Platz, lugte in mein Ohr. „Die in den Ohren? Etwas Schminke könntest du auch auftragen, Thad. Dein grüner Teint schlägt wieder durch.“
Eigentlich wollte ich ihm nicht antworten. Ich tat es trotzdem: „Ob ich die Sache noch schlimmer machen würde, wenn ich dir jetzt den Hals umdrehe?“

Irgendwo in der Ferne grollte das Echo eines Donnerschlags. Was für ein klischeehafter Effekt. Das Wetterleuchten, das bis zu uns ins Bad hineinflackerte, machte es auch nicht besser.
„Du willst also hier drinnen versauern, während draußen die Lucy abgeht?“ Der Rabe hüpfte auf den Rand des Waschbeckens, zupfte sich eine lose Feder aus dem Flügel und warf sie achtlos beiseite. „Du weißt, was das bedeutet?“
„Ja“, antwortete ich lakonisch.
Das hielt den Raben trotzdem nicht davon ab, mir das Offensichtliche zu erklären. „Du verpasst das Ende.“
„Ja.“
„Es ist deine Geschichte.“
„Ja.“
„Und du verpasst ihr Ende.“
Im Wohnzimmer knarzte eine Bodendiele. Obwohl ich es nicht wollte, zuckte ich zusammen. Ich spürte, wie in meiner Brust das Herz einen Hüpfer nach rechts machte, bevor es wieder seinen normalen Job erledigte.
Er war da.
„Tja“, sagte der Rabe. Dass wir beide nicht mehr allein waren, machte ihn sichtlich nervös. „Wenn du mich brauchen solltest .... Ich bin auf dem Balkon.“ Eilig breitete er seine Schwingen aus und flog fort.
Für einen kurzen Moment erwog ich, meinen Besucher hier im Bad zu empfangen. Die schmuddelige Duschkabine und das Klo wären ein unorthodoxer Rahmen für ein Gespräch über das Armageddon.
„Thaddeus, mein Freund.“ Die Stimme, die nach mir rief, triefte vor widerwärtiger Freundlichkeit. Sie klang ausdrücklich nicht ungeduldig.
Also warf ich meinem verhassten Spiegelbild noch einen kurzen Blick zu, sprang von dem Hocker und schlurfte in Wohnzimmer.

Wie ein Schemen bewegte sich der Besucher in der dunkelsten Ecke des Wohnzimmers. Der alte Deckenfluter, der einstmals dort die Schatten vertrieben hatte, lag zertrümmert auf dem Boden. Das Regalbrett mit den Büchern hatte ihn unter sich begraben.
„Hallo Quirinus“, sagte ich, „ich hatte nicht mit Eurem Erscheinen gerechnet.“ Vielleicht hätte ich eine Verbeugung angedeutet, doch es war nicht nötig. Der Mann schenkte mir gerade keine Beachtung. Vielmehr bückte er sich nach einem Band, strich dessen zerknitterten Seiten glatt.
Fahrig blätterte er zu den letzten Seiten, wie jemand, der zuerst den Höhepunkt lesen wollte, bevor er sich mit dem Prolog befassen wollte. „Die Offenbarung“, murmelte er, las ein paar Zeilen und lachte dann herzlich. „Christlicher Humor. Herrlich.“ Er machte sich nicht die Mühe, die Bibel zuzuschlagen. Achtlos warf er sie zurück zu den anderen Büchern. „Ich liebe gute Literatur“, behauptete er. „Es wird mir schade sein um all die Geschichten.“
„Ja, Herr“, antwortete ich. Was hätte ich auch sonst sagen sollen?
Quirinus schien ob der förmlichen Anrede milde überrascht. Er zog eine Augenbraue hoch und musterte mich eine Weile. „Du hast es geschafft“, stellte er unvermittelt fest. „Du solltest glücklich und zufrieden sein.“
„Ja, Herr.“
Quirinus machte ein paar Schritte auf mich zu. Dabei verließ er die Dunkelheit und trat in das trübe Licht, in dem Staubflocken träge tanzten. Nun leuchteten seine schlohweißen Haare wie eine irreale Aura. Es war die diabolische Abart eines Heiligenscheins.
„Du solltest glücklich sein“, wiederholte er. Mit beiden Händen griff er hinter sich und hob die schwarze Kapuze seines Shirts über den Kopf. Jetzt streifte die Sonne nur noch seine blasse Haut und die Augen mit der rotglimmenden Iris. „Bist du zufrieden?“
„Ja, Herr.“
Sein Schmunzeln ließ durchblicken, dass er mir keinen Glauben schenkte. Trotzdem sagte er: „Gut. Alles andere wäre mir gegenüber auch nicht fair. Immerhin passiert dies alles ja nur deinetwegen.“
„Herr?“
Er wandt sich von mir ab und schaute nach draußen, an meinem gefiederten Begleiter vorbei, zum Himmel. „Kennst du diese Tage, an denen die Sonne so heiß vom Himmel strahlt, als wäre es der letzte echte Sommertag? Aber dort hinten, am Horizont sammeln sich stahlgraue Wolken, mit Blitz und Donnergrollen, um so zu tun, als würden sie vom nahenden Inferno berichten?
Nun ... Da hinten strahlt die Sonne heiß vom Himmel. Es ist der letzte Sommertag. Und am Horizont türmen sich im tiefsten Schwarz die Wolken auf. Sie kündigen das Ende der Welt an.“ Er schnipste mit dem Finger.
Der Rabe krächzte begeistert, als der Himmel jegliche Farbe verlor.
Quirinus breitete die Arme aus. Es wirkte wie ein Vater, der seinem Sohn mitteilte, dass dies alles eines Tages ihm gehören würde. „Nur für dich, Thad. Deine Erlösung.“
Ich schluckte trocken, suchte nach den richtigen Worten, fand sie nicht. Mein Blick fiel auf die Bücher. „Herr? Mögt Ihr eine Geschichte hören?“
Quirinus ließ die Arme wieder sinken. Doch er drehte mir weiterhin den Rücken zu. „Nein.“
„Warum nicht?“
Nun schaute er doch über die Schulter zu mir. Ein höhnisches Lächeln kräuselte seine Lippen. „Ich kenne alle.“
„Ihr kennt alle Geschichten?“
„Ja ... ist es nicht traurig? Jeden Wunsch, den ein Mann haben kann, hat man bereits in Gedanken gefasst. Jede Phantasie, die ein Mädchen haben durfte, hat man in Worte gekleidet. Jede Unmöglichkeit, die Irgendwer nur sehen wollte, flimmerte über Leinwand, Mattscheibe oder Display. Manchmal habe ich Angst etwas wirklich neues zu erträumen. Es wäre niemals wirklich meins.“
„Vielleicht habe ich etwas neues.“
„Dann solltest du es für dich bewahren.“
„Habe ich diese Wahl? Wenn ich sie nicht erzähle, dann ist meine Geschichte wertlos. In ein paar Minuten schon wäre sie für immer verloren.“
„In ein paar Minuten?“ Quirinus schmatzte, als würde er diese Aussage abschmecken. „Stimmt.“ Er schmunzelte. „Du willst mir unbedingt diese Geschichte erzählen?“
„Ja.“
Der Albino seufzte schwer. „Wird es lange dauern?“
„Bis zum Ende der Welt“, behauptete ich kühn.
Quirinus schaute demonstrativ auf seine nicht vorhandene Armbanduhr. „Na, die paar Minuten hab ich noch.“
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Kurzgeschichten / Re: Die Goldkugel
« Letzter Beitrag von Uli am 04 November 2018, 13:13:28 »
ay Eska,

danke schön!

Ein paar Antworten habe ich:

Also, die Kreuzung ... die gibt es wirklich, und sie bietet reichlich Platz für die Kugel. Gute 45 Meter im Quadrat (und ich habe die Größe der Kugel erst festgelegt, nachdem ich das gemessen hatte  :cheese: )

Die ˋNormalbürger ´, die sich etwas anders verhalten als andere, die gibt es auch - die Geschichte ist (auch) eine Art Liebeserklärung an diese Stadt und ihre ganz speziellen EinwohnerInnen.

Und nein, die Geschichte soll keineswegs ˋrealistisch´ sein (oder wenn, dann auf die sehr spezielle Art, die es nur hier gibt). Was auch einigen Einfluss auf die Erzählperspektive hat: Das geht nur mit dem allwissenden, kommentierenden Erzähler. Nachvollziehen in szenischer Darstellung kann man das eher nicht.
(OK, heutzutage würde man hier wohl keine Panzerhaubitze in der Stadt einsetzen, wirklich nicht - aber es gab in der Vergangenheit Planungen aller Art, die ganz ähnliche Qualitäten hatten ... )

Für die vielen (ogottogott) Erbsen noch ein Extra-Danke, und  :b5: :lava:  :danke2:!

In dieser Geschichte werde ich wohl nicht viel an den Grundzügen ändern, aber die Hinweise mitnehmen für die nächsten Geschichten.

alles Liebe, Uli
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Kurzgeschichten / Re: Die Goldkugel
« Letzter Beitrag von eska am 03 November 2018, 10:43:19 »
Lieber Uli;

fröhlich finde ich gut!  :D
Ich mach mich mal ans Werk.

Du hättest ja gerne Erbsen und anderes Gemüse. Na dann: Topf auf!  :cheese:
Du kriegst alles, wie ich es beim fortlaufenden Lesen notiert habe. Inhaltliches habe ich irgendwann weggelassen, siehe Kommentar.




Zitat
und im übrigen keinerlei Wesensverwandtschaft mit weißen Mäusen oder rosa Elefanten aufwies, eine Vermutung, die der Wachmeister Fritz Hiller während der Anfahrt geäußert hatte.

Wachtmeister, und ich würde den Artikel weglassen.
Außerdem ist, wenn man es genau nimmt, der Bezug nicht ganz richtig: Seine Vermutung ist ja eben, dass die Kugel wesensverwandt ist, nicht dass nicht. Vorschlag: Beide Sätze trennen, "Derartiges hatte nämlich Wachtmeister Fritz Hiller während der Anfahrt laut vermutet."
Hast du im Blick, dass weiße Mäuse auch ein Synonym für Verkehrspolizisten sind? In diesem Zusammenhang (Kreuzung, Polizei im Anmarsch) denke ich zuerst daran (real), dann irritieren mich die rosa Elefanten (irreal). Ich weiß allerdings nicht, ob man sie polizeiintern inoffiziell auch so bezeichnet.


Zitat
Im Gegenteil, die Kugel zeichnete sich bei näherer Inaugenscheinnahme durch geradezu erschütternde Realität aus, was Hiller gehörig aus der Fassung brachte:
erschütternd - aus der Fassung: Doppelung
Und was erschüttert die Realität der Kugel außer im Moment Hiller? Und bald jeglichen Verkehr? Übrigens muss das eine Riesenkreuzung sein - oder zumindest mit viel Platz in 10 Metern Höhe. Sind da nicht eher höhere Gebäude drumrum, nichts, was kaputt gegangen ist? Niemand war da, der etwas bemerkt hätte? Du merkst, Zweifel stellen sich ein. Beschreibung könnte helfen.

Zitat
Die Frage, wie ein derart großes Objekt die Kreuzung, die mitten in der Stadt lag, unbemerkt hatte erreichen können, brannte sich in seinem Gemüt fest und blockierte sämtliche anderweitigen Gedanken.

Hier wäre mir ein bisschen show sehr sympathisch: Murmelt Hiller immerfort dasselbe vor sich hin, nimmt seine Brille ab und putzt und putzt, starrt mit offenem Mund nach oben...? Wie hell ist es schon? Reflektiert die Kugel (Gold)? Wo steht oder sitzt Hillre? Wie gehen er und Baumann vor, so wie sie es gelernt haben: Fakten aufnehmen, Routine greifen lassen, z.B. Kofferraum auf, Signalhütchen raus und verteilen (unter der überkragenden Kugel?), Streifenband spannen...?

Zitat
Somit blieb es dem Kollegen Hillers, Georg Baumann, überlassen,
seinem Kollegen überlassen
Zitat
und zwar erstens, dass es eines höheren Dienstgrades bedürfe, um der Situation Herr zu werden, am besten eines Staatsanwaltes oder wenigstens des Polizeidirektors, und zweitens, des  Kollegen Fritz Hillers Verfassung unter der Last des Anblicks offenbar den Dienst versagte – man möge doch baldestmöglich einen Sanitätswagen, wenn möglich mit etlichen Beruhigungsmitteln ausgestattet, entsenden.
Gibt es einen Grund für die Form der Narrative? Ich als Leser bleibe dadurch auf Distanz. Mehr noch durch dien ironischen Ton. Ein bisschen Mithören beim Funkgespräch würde mich reizen: Womit überzeugt Baumann die Ungläubigen am anderen Ende? Wie kommt seine eigene Nervosität raus, oder wie hat er sie gemeistert?

Zitat
von zahlreichen weiteren Personen bemerkt worden
So friedlich? Nur Hiller tickt aus?
Wer steht da (oder rennt oder kniet oder fällt in Ohnmacht), wieviele, wie laut, wer fotografiert oder filmt (per Handy), wer fängt an zu predigen oder pseudo-wissenschaftliche Vorträge zu halten, wer ruft nch Arzt, Feuerwehr, der Armee...?
Schnappt Baumann sich sein Megaphon und 'regelt den Verkehr'? FUTTER für meine Vorstellung bitte!

Zitat
Mittlerweile war das Phänomen der kreuzungsblockierenden Goldkugel von zahlreichen weiteren Personen bemerkt worden, nicht zuletzt befördert durch die fortwährenden diskantenen Schreie des Wachmeisters Fritz Hiller, der abwechselnd Gott, alle Heiligen und den Teufel fragte, wie um alles in der Welt dieses Ding an diesen Platz hatte gelangen können – und da die meisten der Angesprochenen sich normalerweise in weiterer Entfernung aufhielten, stellte er diese Frage in entsprechender Lautstärke.

Wenn du das ausbaust wie vorgeschlagen, gibt es meines Erachtens einen interessanten Kontrast zwischen der sich sammelnden Menge draußen, die man in einzelnen Momentaufnahmen sieht/hört, und dem (im Auto sitzenden?) Kollegen Hiller, an dem man näher dran sein kann, z.B. ihn berühren, ihn riechen, aber auch die fortschreitenden Stadien der Verwirrung oder das Scheitern verschiedener Bewältigungsmuster verfolgen. Falls Baumann dein Perspektivträger wird, könnte er hin und her eilen (oder nur gucken) und beides abwechselnd wahrnehmen. Und sein Stresslevel?

Zitat
ein nachgerade harmonischer Anblick, nicht nur verglichen mit den Szenen, die durch ihre Präsenz hervorgerufen wurden.
Wer hat die Perspektive?
Nur ein allwissender Erzähler kann so abgehoben im wahrsten Sinne überm Chaos schweben und dabei Harmonie wahrnehmen. Und es wirkt zynisch: Die unbelebte, goldene Kugel (Symbolcharakter) erscheint nicht als das Problem, sondern die hektisch agierenden, ameisengleichen Menschen und ihre falschen Prioritäten.

Der Erzähler-Kommentar kurz davor verstärkt diesen Eindruck:
Zitat
Und weil Menschen nun einmal dazu neigen, fernab von ihrer Wirkungsstätte leben zu wollen – eine Marotte, die nie hinreichend erforscht worden ist
Also, soweit ich weiß, hat sich das erst mit den großen Städten entwickelt, hängt mit Grundstückspreisen und Mieten zusammen, mit der Trennung von Arbeit und häuslichem Leben durch Spezialisierung... hat also wirtschaftliche Gründe, nicht wesensgebundene.
Und das verwirrt mich im Zusammenhang mit der positiven Sicht auf die goldene Kugel (in mir klingt schon die ganze Zeit der Vergleich mit dem goldenen Kalb): Ist das Gold/Geld jetzt eine unverständliche Motivation der Menschen oder ein Wert an sich, der völlig unnötige Panik auslöst oder ganz etwas anderes? Oder soll keine dieser Assoziationen drin stecken?

Zitat
die eigentlich einer Veranstaltung anlässlich des Vesakh–Festes in der Stadthalle beizuwohnen gedachten,
Eine Zeitebene früher? ...gedacht hatten, ... beizuwohnen

Zitat
des Anblickes eine gewiss beeindruckenden Kugel,
einer

Zitat
Während der Normalbürger, vom Aufruhr und den einsetzenden Gerüchten  zum Ort des Geschehens gelenkt, nach vergleichsweise kurzer Zeit des Anblickes eine gewiss beeindruckenden Kugel, die aber gleichwohl keinerlei Aktivität zeigte außer in der Sonne golden zu glänzen, überdrüssig wurde und sich zurückzog, um diese Sache ausführlich zu diskutieren – vorzugsweise in einer der zahlreichen Gaststätten – bezogen die Abgesandten verschiedener Radio– und Fernsehanstalten dauerhaft Stellung.

Nett beobachtet. ;)
Aber in der Analyse passt es nicht: Wenn der Normalbürger binnen Kurzem wieder geht, braucht keiner die Berichterstattung der Medien, weil die anderen Normalbürger das ebenfalls nicht lange sehen wollen. So ist es aber nie. Manche gehen, manche gaffen, andere nutzen das für ihre Zwecke aus...

Zitat
Radar– und Röntgen sowie Gammastrahlung
Röntgen-

A propos: Ist das Ding eigentlich aus Gold? Das probieren doch bestimmt Leute. Und dann bricht die totale Gier aus. In Null komma nichts wird sie zerkloppt, außer sie wird massiv geschützt, schon im Sinne der Aktienmärkte... Ah, okay, weitergelesen...Ist sie nicht. :)
Zitat
nicht einmal ein schweres Geschütz
Das können sie nicht ausprobiert haben. Dazu müssten sie die Stadt evakuieren. und Beschädigungen an den umliegenden Gebäuden in Kauf nehmen und später Schadensersatz leisten. Diese Entscheidung trifft keiner.
Offensichtlich doch. Spätestens hier bin ich raus und lege die Story als amüsant, satirisch, aber in sich nicht schlüssig beiseite, sorry.
Zitat
Es gab tausend Vorschläge
unzählige? 1000 ist so konkret.

Zitat
erfuhren wieder einmal das bekannte Schicksal:
'Wieder einmal' wirft sofort die Frage auf, wann denn Ähnliches geschehen ist, also womit du vergleichst.

Zitat
Letztendlich entschied man, den Widerstand ignorierend, die Kugel über die leicht abschüssige Straße in nördlicher Richtung bis zu den tiefer gelegenen Flußauen rollen zu lassen,
Bis hierhin wirkte sie für mich unverrückbar. Dass sie beweglich sein könnte, macht sie plötzlich aus sich heraus gefährlich.

Zitat
zu ihrer endgültigen Beseitigung
Nanu? Ich hätte eher an das Einrichten einer Kultstätte, organisierten Tourismus oder so gedacht.
Zitat
Fritz Eller
oben Hiller
Übrigens hat der Name mindestens grafisch große Ähnlichkeit mit Hitler. Beabsichtigt?
Zitat
die Aufzeichnung von der "größten Kugelbahn Europas in Aktion“ sollten – rein finanziell – den Grundstein für den gemeinsamen Haushalt der Grukers bilden
sollte
Zitat

das aufwändig gearbeitete Formteil, dass die Kraft der Panzer auf die Kugel zu übertragen hatte,
das statt dass
Zitat
der Keglerverein "Goldkugelschieber" führten
führte

Zitat
Goldene Kugeln in allen Größen und Preisklassen, mit und ohne Vertragsbindung,
An welche Art Verträge denkst du?
Zitat
Von Badezusätze in goldglänzenden Kugelflaschen über Präservative in entsprechenden Behältnissen bis zu quaderförmigen Plexiglas–Blöcken, in deren Innerem ein kugelförmiger Hohlraum ausgespart worden war.
Badezusätzen
Satzende fehlt: ...war alles im Angebot.
Zitat
nicht von Band
vom Band
Zitat
Ober– und Bundesverwaltungsgerichte angerufen,
Über welche Zeiträume reden wir? Schon die ersten Instanzen brauchen Jahre.
Zitat
gelegendlich bekamen Straßenmusikanten die Erlaubnis,
gelegentlich
Zitat
Nur dem Umstand, dass eine Stadtregierung sich gelegentlich auch um  Dinge zu kümmern hat, die mit der Anwesenheit einer Goldkugel wenig zu tun haben, verdanke es die bisherige Mehrheitspartei, erneut stärkste Kraft in der Stadt geworden zu sein – allerdings sah man sich der Notwendigkeit ausgesetzt, mit den KfA zu kooperieren,
verdankte
mit der KfA
Zitat
aufgrund eines bedauerlichen Versehens wurden die die Slogans verwechselt

ein die raus
Zitat
ob dadurch das Ergebnis maßgeblich beeinflusst worden war
wurde?
Zitat
als der örtliche Fußballmannschaft mit den neuen Trikots endlich der Aufstieg glückte
örtlichen
Zitat
ein eigenes Schulungszentrum in vierzehnten Stock
im
Zitat
Annelie Kugel Grunker
Gruker

Zitat
In Erwartung des fünfundzwanzigsten Erscheinungstages der Kugel
des 25. Jubiläums/Jahrestages der Erscheinung der Kugel?

Zitat
der Kugel– Quiz

das Quiz

Zitat
eine runde Summe um die fünf Kandidatinnen wetteiferten.
Summe Komma
Zitat
zum richtige Zeitpunkt
richtigen
Zitat
Zudem sollte der POM Fritz Heller mit dem originalen, inzwischen sorgfältig restauriertem Streifenwagen vorfahren, und das Fest offiziell eröffnen.
mit dem originalen, restaurierten Wagen ... vorfahren und (ohne Komma)

Zitat
mit wesentlich geringerer Geschwindigkeit als der Originalfahrer die getan hatte.
dies
Zitat
offenbarten … Nichts.
nichts

Zitat
fragt Teufel, Gott und alle Heiligen, wie ein Objekt wie die Kugel unbemerkt aus seiner Verpackung entfernt werden konnte und musst von herbeieilenden Sanitätern mit einer großzügigen Dosis künstlicher Morphine beruhigt werden.
fragte
musste
Zitat
Mitgeteilt wurde ihm das vom Kugelrefernt,
vom Kugelreferenten

Zitat
Was natürlich verbunden war mit einer Beförderung, versteht sich.
Doppelung natürlich - versteht sich
Zitat
als dass die Herkunft eine Rolle gespielt hatte.
hätte

Zitat
Sie war einfach da, so wie die Mönche oben im Krankenhaus.
Wie kommt Hiller auf den Vergleich, noch dazu in einem Abschlussbericht?

Puh, lang. :schwitz:
Kurzer Gesamteindruck: Die Idee gefällt mir, etwas mehr Szenisches würde mich locken, die Satire ist sehr breit ausgearbeitet und verliert für mich zwischendrin den Reiz, vor allem, weil ich keine zusammenhängende Aussage damit verbinde.
Eine Identifikationsfigur würde es mir vielleicht leichter machen - Hiller? Dann müsste er zu Anfang noch Anstrengungen unternehmen, das Ganze mit Vernunft in den Griff zu kriegen. Die Mönche sind wohltuend unbeleckt, aber so blass, dass man sich mit ihnen nicht identifizieren kann. Na, nur wenige von uns sind schließlich zum buddhistischen Mönch berufen.  :heilig:

Ich denke, mein Senf wird dich ein Weilchen beschäftigen.  ;D Oder tritt ihn in die Tonne. Falls Fragen auftauchen, hak ruhig nach.

Schönes Wochenende!

eska

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