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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2020)
« Letzter Beitrag von Lilith am 22 Mai 2020, 17:47:40 »
Aktuell lese ich Scherbenpark von Alina Bronsky. Damit war sie ja 2008 beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Zurecht, finde ich. Bisher gefällt mir der Roman herausragend gut. :cheerful: Besonders interessant finde ich, wie die Ich-Erzählerin langsam mehr und mehr Details darüber enthüllt, warum sie "Vadim töten und ein Buch über ihre Mutter schreiben" will. Und welche emotionalen Akzente die Autorin dabei setzt.

Ansonsten habe ich in den letzten Monaten u.a. gelesen:

Die Falle von Melanie Raabe
Ich habe eine wunderbar badewannentaugliche Miniaturausgabe von btb ergattert. Der Thriller bietet einen tollen Einstieg ("Ich bin nicht von dieser Welt.") und eine spannende, für das Genre eher außergewöhnlich inszenierte Protagonistin. Was mir gefallen hat: dass die Auflösung sich traut, eher unspektakulär daherzukommen, ohne langweilig zu sein, und wie die Autorin mit Metaphern für emotionale Eindrücke spielt.

Individuation von Christine Berndt
Das habe ich ja im Eingangsposting schon erwähnt. Hat mir weniger gut gefallen als "Resilienz", war aber gut wegzulesen. Nett, um ein bisschen Wissen aufzufrischen, zumindest in meinem Fall.

Tschick von Wolfgang Herrndorf
Witzig und unterhaltsam. So empfehlenswert wie es beworben wird.

2k to 10k: Writing Faster, Writing Better, and Writing More of What You Love von Rachel Aaron
Ein eher ungewöhnlicher Schreibratgeber, der sich im ersten Teil vor allem mit der Frage beschäftigt, wie man mehr in kürzerer Zeit schreiben kann. Im zweiten Teil geht's um Techniken zum Plotten, die vor allem für Schreibanfänger interessant sein dürften. Teil 1 finde ich u.a. deshalb sehr lesenswert, weil ich vieles von dem, was die Autorin empfiehlt, für mich selbst vor der Lektüre ebenfalls als förderlich kennengelernt hatte. Es funktioniert in jedem Fall: Man kann seinen Schreib-Output tatsächlich mindestens verdoppeln bis verdreifachen, ohne an Qualität einzubüßen.

Der Rest war hauptsächlich Recherchekram. Und natürlich Glitzi 9. :)
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Grill / Re: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft
« Letzter Beitrag von Uli am 08 Mai 2020, 11:53:11 »
  :dops:

Ay Eska,  :hach:

Zuerst: Ja, die Balance von Szene und Bericht ist so ein Thema, mit dem ich immer wieder zu tun habe - wegen meiner Neigung zum Bericht. Da werde ich aufpassen müssen ...

An den Schneekönigin-Kai habe ich sowas von garnicht gedacht - wahrscheinlich, weil ich den überhaupt nicht kenne ... ich hoffe mal, dass wirkt nicht zu stark.
Der Name war auch zufällig, nur die Falschaussprache (Klicklaut) war entscheidend.
Deine Einschätzung der Person ist ziemlich treffend, das freut mich.

wg ˋfirst things first ´ ...
schwierig. Da fehlt mir eine Szene aus Casablanca: Wir hatten doch ausgemacht, keine Fragen.
Ich weiß zwar recht viel über die Elfen und ihre Welt, über El! und was da passiert ist, aber Kai muss das alles erst rausfinden.
Ein Bisschen hilft sein Charakter, er fragt nie drängend, bohrt nicht nach - jedenfalls nicht im Privaten. Beruflich ist er da anders (wird im nächsten Kapitel erwähnt).
Meine Vorstellung ist, dass er merkt, wenn ein Thema zu sensibel ist und dann eben nicht nachfragt - aber du hast Recht, das muss noch in einer Szene sichtbar werden.

Nach dem Intro (also, dem Rest desselben) ist ja offenkundig, dass die Beziehung nicht ˋdas Glück für immer´ sein wird, aber er dem sehr nachhängt. Also tatsächlich, ob sie sich kriegen ist ungewiss.
(aber versprochen, er wird nicht sowas sagen wie ˋbeeilen sie sich, sonst verpassen sie die UBahn ´)

Nochmal Danke!
 :lover:
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Grill / Re: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft
« Letzter Beitrag von eska am 07 Mai 2020, 23:53:42 »
Weiter im Text also. *Ärmel aufkrempel*

Zunächst: Die Umbenennung finde ich gut. 1. enttäuscht die Story dann niemanden, der/die gern in ein elfisches Wunderland entführt worden wäre. 2. legt der neue Name den Fokus auf den fremden Blick auf das uns Vertraute, ein sehr fesselndes Thema.

Die Fragen:
Dass die Story in unserer Welt spielt, die wir neu sehen, hat also durchaus einen Reiz. Die Frage ist, wie lange der trägt. Und das hängt davon ab, was nach und nach noch so passiert. Und dafür bietet ja eine fremde Lebensform mit anderen Eigenschaften sowohl Material für Staunen als auch für Eklats und Verwicklungen. Die will ich dann aber auch bald sehen.

Dass der Sex gleich zu Anfang kommt, heißt ja nicht unbedingt, dass sie sich kriegen, oder? Immerhin wissen beide nicht das Geringste voneinander, nicht mal, welche Nahrung die andere Spezies verträgt. Es gibt a) eine hohe Attraktivität der Elfe - umgekehrt wissen wir das noch nicht - b) möglicherweise Dankbarkeit ihrerseits für die Lebenskraft, die sie gerettet hat - falls Elfen auf ähnliche Weise dankbar sind wie Menschen. Aber ob dem Geschehen irgendwelche Emotionen ihrerseits zugrundeliegen, und wenn, ob man die vergleichen kann, ist noch offen. Kai ist da sehr zutraulich, möglicherweise gelenkt; mir erschien der Erstkontakt nicht ungefährlich.
Außerdem: Wie sieht eine Liebe oder Beziehung zwischen zwei Spezies aus?

Kai: Erst einmal muss ich gestehen, dass mich der Name ablenkt: Ich sehe den kleinen Jungen aus der Schneekönigin, der durch den Splitter im Auge verzaubert ist, seine Menschlichkeit verliert und erstarrt. Das beeinflusst meine Lesart hier, wahrscheinlich ungewollt, oder?
Dass er naiv wirkt, weil er sich der Elfin, der Liebe und dem damit verbundenen Abenteuer so einfach in die Arme wirft, das ist ja durchaus kind-ähnlich und so auch belächelbar sympathisch. Und trifft wohl auf Sehnsüchte, die Welt möge im entscheidenden Moment so einfach und so gut zu einem sein. Ist sie nur unserer Erfahrung nach selten, deshalb lauern die Fragen und Befürchtungen um die nächste Gehirnwindung (s.u.).
Ansonsten wirkt Kai so, dass mir das Wörtchen 'ehrpusselig' vorschwebt. Meint sowas wie ein bisschen umständlich, genau, unsicher, desto bemühter... Die Introspektion generell mag ich. Manchmal wird's zuviel und lenkt womöglich vom Wesentlichen ab. Bsp.:

Zitat
Die tausend kleinen Dinge, mit denen wir in den folgenden zweieinhalb Wochen beschäftigt waren, erzähle ich nicht im Detail. Also, nicht alle.

Ich brauche den Nachsatz nicht.

oder hier:
Zitat
Und der Instinkt wechselte von Purzelbäumen zu multiplen Salti (und ja, korrekte Pluralbildung von Fremdwörtern kann ich), während sich die Biologie mit allen möglichen Effekten in den Vordergrund spielte.

Überhaupt musst du, glaube ich, aufpassen, dass die Balance zwischen Szene und Bericht nicht zu erzählerlastig wird.

Inhaltlich hab ich auch was, das mich stört und das Ganze unglaubhaft macht:

Also ok, first things first, aber spätestens nach dem Frühstück müsste für mich logischerweise die Fragerunde kommen: Woher? Wie hierher? Warum? Wie verletzt? Von wem? Warum? Besteht Gefahr? geplante Aufenthaltsdauer (ok, evtl. bewusst ausgelassen, keine Hoffnung im Keim zerstören)? Und dann die 'Erzähl was über dich-Runde': von was bist du? über wie ging das mit der Heilung? Was hast du da mit mir gemacht? zu Was hast du vor? oder ähnlich. Außer der Typ war völlig neben sich, durch Magie oder Biss oder Sexappeal oder Rausch durch Sex oder... Das sollte man dann allerdings auch an seiner Denke merken.

Trotzdem hat das Ganze Charme  :applaus: und macht Spaß zu lesen. Wenigstens für eine Weile, aber Achtung!

So, das muss reichen, schon wieder fast morgen...
Gute Nacht!

eska
   
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Grill / Re: Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Intro
« Letzter Beitrag von eska am 04 Mai 2020, 22:24:51 »
Gern geschehen!

 :wink:

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Grill / Re: Elfenland (S) Intro
« Letzter Beitrag von Uli am 04 Mai 2020, 13:00:20 »
ay Eska, ich nochmal:

Aufgrund deiner Röstung habe ich beschlossen, den Titel zu ändern und den Teil nach der Zwischenüberschrift erstmal wegzulassen.

der neue Titel lautet jetzt ˋmit deinen Augen ´, was hoffentlich weit genug weg von Fantasy ist.


noch mal Danke!
Uli
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Grill / Re: Elfenland (S) Intro
« Letzter Beitrag von Uli am 04 Mai 2020, 00:10:11 »
ay eska,
Danke!
Also, das ˋF´ bedeutet ˋFantasy´ und ich habe das geändert in ˋS ´ - ˋSonstiges c (oder ˋseltsames ´, weil ... nun, weil ˋFantasy Erwartungen weckt, die diese Geschichte tutto completti enttäuschen wird ...
Deine Röstung hat mir gut getan, und ein paar wichtige Hinweise gegeben - ja, ich habe eine Neigung zu Längen (und schaffe es problemlos, diese in 40o Worten unterzubringen ...  :cheese:).

Die wesentlichen Dinge (Charakterisierungsmässigtechniachpraktisch) hast du gut erfasst, und mich freut, dass da eine gewisse Sympathie  für den Erzähler entsteht - und dass die Einordnung ˋIrre oder nicht ´ noch nicht zwingend wird.
Könnte sein, dass das was wird ...

ich freue mich auf deinen Kommentar zum ersten Kapitel!

cheers, Uli
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Grill / Re: Elfenland (S) Intro
« Letzter Beitrag von eska am 03 Mai 2020, 23:39:08 »
Hi Uli!

Habe deinen Text neulich schon kurz gelesen, hatte aber keine Zeit zum Rösten.
Jetzt versuche ich es mal.

Der erste Satz irritiert mich schon mal, weil ich bei dem Titel etwas anderes erwarte. Nix Hiesiges, Reales, irgendwas Fantasymäßiges. Und wenn ich eben das würde lesen wollen, würde mich der erste Satz schon ärgern. Vielleicht also einen anderen Titel?
Denn schon beim zweiten Teil des Satzes (wie jeden Morgen...) werde ich aufmerksam: Wieso liest jemand dreimal am Tag die Nachrichten? Der wartet doch auf etwas, sucht etwas. Geheime Botschaften oder so.

Zitat
Was so in der Welt passiert, es interessiert mich noch immer,
Aha. Noch immer ist sehr interessant: wonach?

Zitat
obwohl ... naja. Also ... nein.
Der Ansatz war falsch, Entschuldigung.

Der Jemand widerspricht sich, entschuldigt sich bem Leser (mir), weil er offenbar selbst widersprüchlich denkt, sich erst beim Formulieren klar wird. Das ist 1. möglicherweise spannend, nämlich wenn ich bisher schon interessiert bin: Was ist denn nun das so Komplizierte, das ihn so durcheinander bringt? und 2. durchaus sympathisch, für mich zumindest.

Zitat
Was mich interessiert ist etwas ganz anderes, aber die Nachrichten sind eine Möglichkeit, eine kleine, vage Hoffnung, irgendetwas zu erfahren. Von ... von ihnen.
Von Ihr.

Ah! Guut. Es gibt also außer den Nachrichten keine Kontaktmöglichkeit, obwohl das Ich sich danach sehnt. Nach ihnen und vor allem nach einer Sie. Ein Geheimnis um mehrere und vor allem eine angedeutete Liebe, oder Ähnliches.
Also Genre Mystery, Lovestory und, wenn der Titel bleibt, Fantasy. Und das steht nach wenigen Sätzen. *Applaus*
Zitat
Wenn ich davon erzähle, denken die Leute, ich sei verrückt

Eine ausgefallene, unglaubliche Geschichte also. Aber wahr und erlebt. Es wird also spannend und besonders. Großes Kino. Ein großes Versprechen, das Leser ködert, aber auch schnell eingelöst werden will.

Es kommt aber noch einiges mehr an Beteuerungen. Ohne viel neuen Inhalt, scheint es.


Der erste Absatz unter 'Elfen' (wozu die Unterüberschrift? die unterbricht unnötig) wirkt auf mich ein bisschen schwafelig. Wollte der Erzähler nicht auf etwas Aüßergewöhnliches raus? Und warum erzählt er mir dann die Normalität?
Zitat
Also, nicht nur Elfen, aber sie sind die dominante Spezies, und ... sie suchen. Suchen Wege in diese Realität, in diese Welt. Weil ...


Hier kommt endlich eine gewisse Auflösung, die aber gleich mit mehreren Einschränkungen, Berichtigungen, angefangenen Erklärungen in einer Zeile... Das ist mir zu viel. Langsam sollte sich der Erzähler mal besinnen - nämlich auf die Erzählsituation. Er verschreckt seine Zuhörer mit zu vielen Unklarheiten auf einmal.
Und das ist ihm auch klar:

Zitat
Sonst wird das chaotisch, nicht nachvollziehbar

Aber die Erläuterungen dieser Gefahr nerven mich schon in ihrer Umständlichkeit.

Zitat
und ich sehe Sie nie wieder.
Das ist schön doppeldeutig!


Zu deinen Fragen: Setting heute in der Realwelt ist klar. Zum Erzähler habe ich genug gesagt, denke ich. Ob er spinnt, kann ich besser beurteilen, wenn ich Fakten höre als seine Entschuldigungen. Ich möchte schon wissen, was er zu sagen hat, aber vorzugsweise etwas zügiger.

Das war vielleicht ein bisschen ungewohnt kurz für mich  ;D und dadurch pointierter, sorry.  Vielleicht mag ich mich auch nur gerade nicht auf Umständliches einlassen, auch nicht als Charaktermerkmal des Erzählers. Jedenfalls bin ich - trotzdem - neugierig auf seine Story. Das erste Kapitel lese ich demnächst.  :diablo:

Gruß,
eska

P.S.: Was bedeutet das (F)? Huch, heißt jetzt (S).  :twitch:
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Grill / Mit deinen Augen (vormals Elfenland) (S) Kapitel 1 Ankunft
« Letzter Beitrag von Uli am 03 Mai 2020, 11:52:34 »
Hallo Hölle!

Vor-vorweg: Nach der sehr wirksamen Röstung im Intro habe ich den Titel geändert, das Teil heißt jetzt ˋmit deinen Augen ´.

Vorweg: Ich habe das Genre geändert bei Elfenland - nicht mehr (F) für Fantasy, sondern (S) für Sonstiges. Oder Sonderbares.
Weil, einer meiner Freunde meinte, das sähe nach einem typischen Phillip Marlowe aus, nur eben mit Elfen, und ja, da ist was dran ...
Nur, dass der Erzähler kein Privatdetektiv ist und solche Sachen.

Ein paar Elemente stammen aus dem Ankreuzplot, bzw. sind davon inspiriert.
Naja ... so ziemlich ...

Elfenland
Ankunft


Hinterher fragt man sich, was zum Teufel man sich eigentlich gedacht hat in dieser oder jener Situation. Eine müßige Frage, denn: Man hat nicht gedacht.

Ich saß an meinem Computer und machte irgendwas Sinnvolles, glaube ich - möglicherweise arbeitete ich daran, den nächsten Level in irgendeinem Spiel zu erreichen, oder beiläufig eine Mail von der Agentur zu ignorieren, aber es war ganz bestimmt sinnvoll. Sonst hätte ich es ja nicht getan, oder?
Jedenfalls, ich wurde damit nicht fertig, was auch immer es war:
Es gab ein Geräusch, mittellaut, dass ein wenig an einen nassen Sandsack erinnerte, der aus mittlerer Höhe auf harten Boden fällt, begleitet von einem Schrei. Der wiederum alle Elemente mitbrachte, die man an sich weder zu hören erwartet, noch, außerhalb dieser Levelaufbaugeschichte, zu hören erpicht ist: Entsetzen, Todesangst, Hass und Verderben.
Und er erklang hinter mir.

Was denkt man da? Eben: Nichts.

Blöderweise reagierte man auch nicht, obwohl das bestimmt eine gute Idee wäre - aber so als Sofakartoffel ist diese Nummer mit dem ˋzur Seite abrollen und die Waffe ziehen ´ nicht ganz aktuelles Handlung-Repertoire, außer mit der Maus im Netz.

Also drehte ich mich um und starrte.

Der Kunstdruck mit der Szene aus den Auenland hing zerfetzt in seinem Rahmen. Der seinerseits ebenfalls schlimm in Mitleidenschaft gezogen war. Und da, wo in dem Kunstdruck eigentlich ein hübsches Hobbit-Häuschen zu sehen sein sollte, glühte es.
Genaugenommen glühte es bedrohlich.
Und auf dem Parkett unterhalb des Bildes lag ...
Sie.

Ich weiß nicht, was ich zuerst bemerkte: Dass sie eine Sie war, dass sie nackt war, dass sie schwer verletzt war? Egal: An dieser Stelle fing ich tatsächlich an, wieder zu denken. Und zwar: Wenn es in diesem Glühen etwas gibt, was jemanden so schwer verletzen kann, könnte das gefährlich werden. Also, in der Langfassung.
Eigentlich dachte ich ˋOh, Scheiße ´ und schnappte mit das erstbeste, was einigermaßen als Waffe taugen konnte, gegen was auch immer.
Ein Hufeisen, das seit Jahren auf meinem Schreibtisch als Briefbeschwerer dient. Keine der üblichen Waffen eines Helden, zugegeben, aber ein gutes Pfund Eisen in der Faust macht auch Wirkung.
Hoffte ich.

OK, das Reiz-Reaktionsverhalten war damit abgehandelt - und gar nicht mal so schlecht, denke ich -, also war irgendwas mit Rationalität dran. Und, als klassische Vorbereitung, erstmal tief Luftholen. Kurz checken, ob irgendetwas, was man in letzter Zeit eingeworfen hat, hierfür verantwortlich sein könnte (Kaffee, Kaffee, Zigarette, Döner ... eher nicht), dann die Frage, ob die schwerverletzte! weibliche! unbekleidete! und außerordentlich attraktive! Person dort womöglich zu den Bösen gehörte als absurd verwerfen und dann ...
Helfen? Ja, gerne, aber wie?

ˋKlug´ sagte eine Stimme in meinem Kopf, also ... keine der üblichen Stimmen, die man sich ab und zu so einbildet. Ihre Stimme.
ˋKeine Gefahr mehr´ und ˋist besiegt´ und ˋ...sterbe ...´ sagte die Stimme, und ich kniete schon neben ihr, und sie sah mich an.
"Kann ich helfen, wie?" stotterte ich, und hörte ˋLeben geben ´ und ˋmusst wollen ´ in meinem Kopf, und würgte "Ich will" und sie griff nach meinem Arm, zog ihn zu sich und biss zu.
Einen Moment lang sah ich überdeutlich eine Reihe spitzer Zähne, die sich in mein Fleisch bohrten und dann ... nichts mehr.
Es tat nicht einmal weh.
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Aufwachen aus einem Alptraum hat sowas ... anheimelndes.
Irgendwas Grünes hat dir grade den Arm abgerissen und du wirst wach und merkst, dass eben dieser Arm nur taub ist, weil du dadrauf liegst ... ein bisschen ist das wie ein unerwartetes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, weil grade Ostern ist.
ˋJemand hat dir grade heftig in den Arm gebissen und du bist ohnmächtig geworden ´ ist ein guter Anfang für sowas, aber ˋUnd jetzt liegst du in deinem Bett, hast keine Ahnung, wie du dahin gekommen bist und neben dir, angekuschelt wie ein Kind, schläft die Person mit den spitzen Zähnen ´ ist etwas ... nun, zäh.
Mental anstrengend, möchte man sagen.

Kaum anderthalb Meter groß, zierlich, sehr helle, fast silbrige Haut, langes, dunkelrotes, volles Lockenhaar, tiefblaue, geradezu riesige Augen, und kuschelt mit dir ... ehrlich mal, der Verdacht auf unwissentlich eingenommene Drogen liegt da nahe, und der Wunsch zu wissen, um welche Droge es sich dabei handelt und woher man mehr davon bekommt, auch.

Sie lag auf ihrer linken Seite und die rechte Schulter, die gestern ... oder wann? ... noch ein Brei aus Fleisch- und Knochenfetzen gewesen war, zeigte keine Spuren mehr davon.
Ich hievte meinen Arm in mein Gesichtsfeld, den Arm, in den sie ihre Zähne geschlagen hatte, und sah nichts. Also, nichts ungewöhnliches. Einen Arm halt. Bisschen haarig, vielleicht, aber Ok ...

Einigermaßen unmöglich, das alles, aber andererseits: Sie ist aus einem billigen Kunstdruck herausgefallen, damit fing es an - und danach ist ˋunmöglich´ ein relativer Begriff.
Sagte das Hirn und schaltete sich erstmal ab.

Irgendein Instinkt nutzte die Gelegenheit, meine Hand auf ihre genesene Schulter zu legen, jubelte ein wenig, weil sich diese nicht nur real, sondern echt gut anfühlte und schlug Purzelbäume, weil sie sich auf den Rücken rollte und lächelte.

Kleinlaut schlug das Hirn vor, irgendwie Konversation zu betreiben, etwa mit der Frage, ob Kaffee oder Tee zum Frühstück OK wäre, und ob ich Brötchen holen sollte oder so ... verdammte Klischees, echt mal.
Dass sie ihren Arm um meinen Hals legte, mich zu ihr zog und mich küsste, war auch ein Klischee, aber keines, über das ich mich beschweren wollte.

Und der Instinkt wechselte von Purzelbäumen zu multiplen Salti (und ja, korrekte Pluralbildung von Fremdwörtern kann ich), während sich die Biologie mit allen möglichen Effekten in den Vordergrund spielte.
So. Ich hoffe, dass jetzt klar ist, was ich eben nicht erzählen will. Oder erwartet jemand explizite Schilderungen? Nicht? Dann ist ja gut.
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Die narrative Kausalität hätte dann erfordert, dass sie mir eröffnete, ich sei a) ihr Retter, b) dazu bestimmt, ihre Welt vor dem Grauen (tm) zu bewahren und wir jetzt c) auf den Schwingen der Liebe ebendahin zu reisen hätten, damit d) alles seinen Gang ginge, bis zum Sieg über den Endboss, die Hochzeit und dem halben Königreich und so.

Stattdessen fragte sie nach dem Abort.

Rücksturz zur Realität, vom Feinsten. In der einschlägigen Literatur werden solche Probleme ja meist nicht einmal angedeutet, offenbar geht man davon aus, dass - egal aus welchem Universum jemand stammt - die Benutzung einer irdischen Toilette zum Allgemeinwissen zählt.
Was, wenn man darüber nachdenkt, ziemlicher Unfug ist, aber OK, zugegeben: Die Problematik des Stuhlgangs in fremden Umgebungen gilt wohl kaum als ein Element, dass die Geschichte weiterbringt.

Und die Schwierigkeiten der Kommunikation - jenseits der nonverbalen, die hatte ja hervorragend funktioniert - auch nicht.
Die Frage nach der Toilette stellte sie noch mit dieser Methode, mich ihre Worte im Kopf hören zu lassen, was, wie ich später lernte, nur in sehr dringenden Fällen pc ist in ihrer Welt.
Und danach lernten wir erstmal, miteinander zu sprechen.
Also, nach dem Frühstück. Klar.

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Also, nein: Der Sprachkurs begann natürlich gleich mit den Frühstücksvorbereitungen. Logischerweise. 

Auch so eine Sache, die in der Fachliteratur gerne ignoriert wird, weil es die Handlung nicht weiterbringt - aber ernsthaft, die Handlung kann ein jähes und unschönes Ende finden, wenn man blind darauf vertraut, dass das gewohnte Futter dem Besuch aus einer anderen Wirklichkeit ebenfalls zuträglich ist.

Erscheinungsbild humanoid, also ist Toast mit Erdnussbutter und Honig in Ordnung, das geht so nicht. Nicht mal mit Leuten vom gleichen Planeten, wenn es Allergien hat.

Was tun, sprach Zeus, und ich fragte mich das ebenfalls - aber im Gegensatz zum Götterpapa hatte ich ein Laptop und Netz und das ist eine echte Erleichterung.
Sonst ging es halt nach der Robinson/Freitag-Methode: Dinge zeigen, Namen nennen und, in diesem Fall, abfragen ob das als essbar eingestuft wird.

Brot gleich Mehl gleich Getreide - OK.

Käse gleich Milch, gleich Kuh - nicht OK.

Butter also auch nicht, aber erstaunlicherweise ging Wurst (gleich Schwein) in Ordnung. Hmm.
Gemüse war immer genehmigungsfähig, und Obst ebenfalls.
Gut.
Blieb die Sache mit der möglichen Allergie, und es war gar nicht so einfach, meine diesbezügliche Sorge zu erklären, aber letztendlich gelang auch das. Dafür belohnte meine Besucherin mich mit einem zauberhaften Lächeln und einem Kuss - nah genug waren wir uns, da sie, um besser in den kleinen Bildschirm schauen zu können, sowieso auf meinen Knien saß.
Und nein, ich habe die Zusammenstellung des Ernährungsplanes nicht unnötig in die Länge gezogen, um dieses Arrangement etwas länger zu genießen. Weil ich Kohldampf hatte.

Den Kaffee probierte sie, und verzog ausdrucksstark das Gesicht, aber glücklicherweise hatte ich noch verschiedene Kräuter und Gewürze vorrätig, aus denen sie selber einen Tee für sich zusammenstellte. Den ich natürlich probierte, mein Gesicht verzog und wir mussten beide lachen.
Ihr Lachen war wundervoll.
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OK, die ersten Schritte der Verständigung waren vorhersehbar: Die Sache mit dem ˋich - Name, du - Fragezeichen ´ ist so Standard, und obwohl die dabei üblichen Missverständnisse ganz lustig sind, muss man die nicht nochmal erzählen.
Schlussendlich erfuhren wir beide unsere Namen, lächelten über die falsche Aussprache und freuten uns.

Ihr Rufname unter Freunden lautet El! (das Ausrufezeichen steht für einen Klicklaut, den ich nicht ganz richtig hinbekomme, bei mir klingt das nach ˋElk´), vollständig El!chrabnach, was soviel bedeutet wie ˋGroße Hoffnung Morgen ´. So ungefähr jedenfalls.

Mein Rufname, Kai, nach einem Ritter der sagenumwobenen Tafelrunde eines mystischen Königs, brachte El! zum Lachen, dass aber abrupt endete. Offenbar war ihr das peinlich, ein Verstoß gegen die guten Sitten, über Namen zu lachen.

Sie sagte ganz zart ˋChai ´, nachdem ich mit ˋ!ai ´ nicht so zufrieden war, und ich erklärte, dass dies die Bezeichnung für einen Gewürztee sei, und sie sagte ˋich mag Chai ´, und alles war schön, für den Moment.
Und für eine ganze Reihe weiterer Momente, weil wir beide erstmal genug von Vokabeln hatten.
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Also gut: Die tausend kleinen Dinge, mit denen wir in den folgenden zweieinhalb Wochen beschäftigt waren, erzähle ich nicht im Detail. Also, nicht alle.

El! trug die meiste Zeit über ein TShirt von mir, mit einer Schnur als Gürtel, und sah bezaubernd aus damit - nur, straßentauglich war das nicht so. Zu ihrer Verwunderung.

Abhilfe schaffte Inge, eine Freundin, die ihre Karriere in der EDV gegen ein glücklicheres Leben als Kostümschneiderin für Reactmemt und Cosplay eingetauscht hatte und nach einigem hin und her etwas zusammennähte, was ziemlich OK war.

Ziemlich OK, weil El! natürlich nicht in ihr Atelier pilgerte um an den üblichen Prozeduren (Maß nehmen, Tee trinken, über die darzustellende Figur diskutieren, solche Sachen) teilzunehmen, was Inge gar nicht richtig vorkam. Aber dafür hat man eben Freunde, oder?

Es war ein Kostüm, dass ziemlich an ˋWaldläuferin ´ orientiert war, aber mehr bedeckte, als das in den Vorlagen der Fall ist. Straßentauglich, eben.
Waldtauglich ist etwas anderes, meinte El!, aber das war erstmal egal - die Wälder im Umkreis erforderten keine besondere Ausrüstung, nicht einmal irgendwelche Waffen.
Im Gegensatz zu den Wäldern ihrer Heimat.

Ja. Und nach diesen zweieinhalb Wochen machten wir uns auf, die Welt zu erkunden. Also, diese Welt. Ganz ohne den Auftrag, irgendwelche bösen Mächte zu besiegen, irgendwen zu retten oder zu befreien oder irgendwelche Dinge an gefährlichen Orten zu entsorgen. Und ohne irgendeine mystische Prophezeiung, zu deren Erfüllung wir beitragen sollten. Einfach nur so, OK?
Klingt nicht spannend?
Mag sein, mag sein, aber ... ein reiner Erholungsurlaub wurde es dann auch nicht. Und am Ende wartete ein Endboss, wie sich das gehört.

***
Danke fürs Lesen!

Und ja, es gibt Fragen:
Es ist mir völlig klar, dass die Erwartungen an einen Fantasy- Roman sehr gründlich nicht erfüllt werden. OK. Obwohl ich hier einen ziemlich normalen Ablauf erzähle (nur, das ... Dingens ... gleich am Anfang stattfindet, und nicht ewig rausgezögert wird, um ein wenig ˋkriegen sie sich - Spannung zu erzeugen. Auch, weil sie sich immer kriegen).
Der Unterschied ist nur, dass die Sache eben nicht in der Fremdwelt spielt, in die der Prota reingeworfen wird, sondern hier.
Und die Frage ist: Kann das interessant sein?

Dazu kommt, dass ich einigen Wert auf ˋrealistisches ´ lege, Dinge wie die Toilette, die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln und so - was unter anderem Kais Charakter verdeutlichen soll. Zusammen mit seiner Erzählweise.
Wie wirkt der auf euch?

Dies ist immer noch eine sehr frühe Fassung, also braucht es eher keine Erbsen - was aber niemanden abhalten muss ...

Gutes Grillen!
Uli
9
Grill / Re: Elfenland (S) Intro
« Letzter Beitrag von Uli am 30 April 2020, 19:05:01 »
ay Tika,

witzigerweise bin ich heute Nachmittag auf einen alten Text von mir gestoßen, aus 2018 - die neuesten Randbezirke. Und da hatte ich offenbar schon ein ganz ähnliches Problem.
Ich-Erzähler und Charakterzeichnung, grob gesagt.
Hmmm ...

Irgendwas daran macht mich unzufrieden, noch immer - ich denke darüber nach.

Kürzen, OK, das würde gehen, eine deutliche Charakterzeichnung würde ich vielleicht auch hinbekommen in dieser Perspektive, aber bei Feinheiten scheitert das offenbar.

Dabei ist mein Problem, dass ˋder Leser´ tatsächlich Zweifel an dem Erzähler haben soll - aber eben nur Zweifel, kein abschließendes Urteil. Keinen Beweis einer Macke, sondern eher einen Anfang von Misstrauen
was irgendwie doof ist: Ich selber bin bei Ich-Erzählern grundsätzlich misstrauisch, einfach weil ich voraussetze, dass alle Erzählung durch diesen Charakter gefiltert ist - aber ich habe viel zu selten etwas gelesen, was damit arbeitet.
Außer bei Agatha Christie ...

Aber OK, ich fahre die Aufbausch-Methode erheblich zurück (die habe ich von so Seiten wie unnützes Wissen und Artverwandtes, die aus einer simplen 3-Zeilen-Nachricht eine Klickshow mit elfundneunzig Seiten basteln ...) und versuche trotzdem, so einen Anschein anzudeuten ...

danke dir! :b5: :kaffee2:
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Grill / Re: Elfenland (F) Intro
« Letzter Beitrag von Tika am 30 April 2020, 18:39:32 »
Vielleicht hilft es das rumgeeiere etwas zu straffen  :watchout:

Kleine Anmerkung: Du befindest dich doch in seiner Perspektive, nicht wahr? Du willst aber das offen bleibt, ob er ein Spinner ist oder nicht. Ein Spinner würde von sich selbst nie sagen, dass er einer ist. Er glaubt daran, das gesehen zu haben, was er sah. Sprich, komm doch einfach auf den Punkt. Wenn er ein Spinner war, dann ist der Leser ihm letztlich auf den Leim gegangen.
Jemand der Angst hat, für einen Spinner gehalten zu werden, der schiebt ein - "Ich mag solcherlei Dinge, aber jetzt mal Hand aufs Herz - ich erzähle euch jetzt was mir passiert ist und ich hab mich noch nie für einen dieser Spinner gehalten. Ich schwöre es ist die Wahrheit. (o.ä.)
Aber - zieh es nicht so in die Länge.

Schau mal ob das besser funktioniert.
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