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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2020)
« Letzter Beitrag von Uli am 01 September 2020, 21:36:47 »
ich lese grade nicht:
Bad Monkeys von Matt Ruff.

Wurde mir dringlich empfohlen und ausgeliehen, und ich habe etwa 12 Minuten damit verbracht, das anzulesen und drei weitere, um mir den Schluss anzusehen.
Und das wars ...
Sorry, Matt. Sowas von nicht mein Ding ...

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Grill / Re: Aikaria - Kapitel 1
« Letzter Beitrag von Wave am 01 September 2020, 15:59:19 »
(So, und da ich einmal dabei bin, hier die längst überfällige Röstung, die ich noch vor meiner erneuten Anmeldung gechrieben hatte, die aber dann aus den verschiedensten Gründen erstmal liegenbleiben musste. Also nicht wundern, liebe Federfeuer: Wenn ich sage, ich habe eine Röstung geschrieben, dann habe ich eine Röstung geschrieben, auch, wenn es noch Millionen Jahre dauert, bis ich sie dann auch mal einstelle (*nicht hauen bitte*) :versteck: .


Hi, Anni, :wink:


ich grüße Dich erstmal, ich bin nach einer längeren Zeit wieder hier im Forum und wir hatten uns ja noch nicht kennengelernt.

Dann lege ich mal gleich los:

Zum Verständnis im späteren Verlauf der Röstung

Das "Ich" wirkt auf mich weiblich und Noah wirkt auf mich, als sei er entweder ihr Partner oder aber zumindest ein sehr guter Freund.

Zum Aspekt Spannung

Spannung gleich am Anfang aufbauen ... ist sicher eine Herausforderung. Ich sehe das ähnlich wie Tika, dass dies nicht über einen noch anonymen Protagonisten funktionieren kann, den ich gerade das allererste Mal in irgendeiner Form wahrnehme und schon mal gar nicht irgendeinen gefühlsmäßigen Bezug aufbauen konnte. Über einen anonymen Prota funktioniert das also nicht - da muss ich etwas zu Hilfe nehmen.
Ich bin allerdings der Ansicht, dass man grundsätzlich durchaus Spannung direkt am Anfang aufbauen kann, z. B. durch ungewöhnliche Situationen, Szenen, die durchaus auch völlig protagonistenlos auskommen und eine Atmosphäre von Spannung aufbauen können.
Wenn es also am Anfang noch gar keine gemeinsame Ebene auf Basis eines individuellen Spannungskonfliktes des Protagonisten zwischen Leser und einem anonymen Protagonisten geben kann (da dieses Individuum noch nicht kennengelernt wurde, kein Bezug aufgebaut etc.), dann muss eben eine gemeinsame Ebene der Spannung zwischen Leser und einem übergeordneten Spannungsverhältnis gebildet werden, das zwar geichwohl Protagonist und Leser umfasst, aber die Spannung nicht vom Protagonisten abhängig macht.
Ein Beispiel, dass mich nach dem ersten Satz sofort weiterlesen ließe (da ich nunmal im Allgemeinen und so nicht anders angekündigt, davon ausgehe, dass ich von ener ganz gewöhnlichen Alltagswelt lese):

"Die Uhren liefen rückwärts.
In der Küche.
Im Wohnzimmer.
Im Schlafzimmer."

Wenn dann so allmählich zum Protagonisten, der dies erlebt, hingeschwenkt wird, dann kennen wir uns zwar noch nicht, aber wir werden durch eine äußerst spannende Gemeinsamkeit in gewisser Hinsicht geeint: Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wir haben beide ein gemeinsames Thema, das uns gleichermaßen interessiert.

Und natürlich sind die Worte, ist die Situation austauschbar. Es geht nicht um rückwärtslaufende Uhren; es geht darum, den Leser sozusagen hinterrücks mit dem Prota zu verbinden: Denn jetzt denke ich schonmal: "Los, Prota, lauf. Ich will noch mehr sehen! Ich will wissen, was da los ist! Mach was!" Und ich denke, das ist doch eine ganz gute Gelegenheit, den Protagonisten, bei dem, was er denn dann macht, näher kennenzulernen ...

Aber hier geht es ja direkt am Anfang um ein anonymes Individuum ohne Namen mit einem zwar belastenden, aber durchaus nicht außergewöhnlichem Problem.
Die Angst als allgemeinmenschlich Bekanntes könnte evtl. einen gewissen Spannungseffekt enthalten, wenn dabei nicht so sehr auf dem Protagonisten-Individuum mit seinen Körper-Angst-Symptomen "herumgeklopft" würde.
Wenn überhaupt, dann würde ich versuchen, die Angst als übergeordnetes Spannungselement aufzubauen und das heißt: Fokus der Protagonistin nach außen, nicht nach innen (wie nehme ich meine Angst wahr?). Denn Angst kenne ich, die Protagonistin noch nicht.

Einen guten Ansatz hast Du da schon:
Zitat
Es geht aufwärts. Langsam, unaufhaltsam.

Auf mich wirkt das wie ein - interessanter - scheinbarer Widerspruch: Die Formulierung "Es geht aufwärts." kenne ich i. A. für etwas Positives. Da dieses scheinbar Positive hier aber gleich abgeschwächt wird durch einen auf mich in dieser Gegenüberstellung eher beklemmend wirkenden Nachsatz, entsteht ein Spannungsfeld.
Natürlich könnte es grundsätzlich auch positiv gemeint sein, im Sinne von: Aaah, allmählich tut sich was Positives, es geht zwar langsam, aber dafür stetig aufwärts ... aber hierbei würde ich eher eine Formulierung wie "Es geht aufwärts. Langsam, aber unaufhaltsam." erwarten.
In diesem Text aber fungieren die beiden Begriffe nicht als Gegensatzpaar, sondern sie arbeiten sozusagen im Verbund miteinander. Wie erwähnt, auf mich wirkt das beklemmend. Und ich werde nicht enttäuscht, denn mein gefühlsmäßiger Eindruck wird ja im weiteren Verlauf des Textes bestätigt.
So weit, so gut.
Aber dann wird der Fokus vom Allgemein-Bedrohlichen sehr schnell auf die Protagonistin und ihre individuelle Angst gerichtet, es werden körperliche Symptome aufgezählt und hie und da ein kommentierender Gedanke zu ihrer Angst.

M. E. wäre es wichtig zu wissen, wie stark die Angst tatsächlich ist.
Du schreibst:
Zitat
Ich würde ohne Zögern in einen Raum voller wilder Tiere springen, wenn dafür dieses unangenehme Gefühl der Angst verschwände, der Hilflosigkeit.

Lilith hat ja schon was dazu geschrieben. Und auch ich kann diesen Satz im Sinne dessen, dass sie lieber zerfleischt werden würde als diese Art der Höhenangst zu erleben, nicht Ernst nehmen.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass dieser Vergleich nicht vom Verstand gesprochen, sondern gleichfalls von der Angst diktiert wird. Also, ich würde sagen, dass wir durchaus ab und an sagen: Ich würde lieber das und das (Angstbesetzte) erleben als das und das (Angstbesetzte) ,,, vielleicht deswegen, weil irgendwo im Hintergrund von Herz und Hirn, für uns praktischerweise nicht so ganz greifbar, herumschwirrt, dass die schliiiimme Angstsituation, die wir da als Vergleich heranziehen, vermutlich niemals eintreten wird ... Aber ob Du das so gemeint hast, was ich mir hier so ausdenke ...? ;D

Nehme ich den Satz "Ich würde ohne zu zögern in .... springen." also in Bezug auf die Intensität der Angst sehr ernst, müsste die Angst extrem stark sein und je stärker die Angst, desto (soweit ich informiert bin, und nach meinen eigenen Erfahrungen und denen anderer) weniger Wahrnehmung eigener Reaktionen darauf, aber desto größer die Wahrnehmung dessen, WAS ANGST MACHT! Das ist ja das Eigenartige: In extremen Angstsituationen ist eine sehr häufig Variante, dass wir starren auf das, was Angst macht (Aaaachtung: Wir starren nicht nur mit den Augen ... es sind ja nicht die Augen, es ist ja nicht der Blick, es ist das gesamte Wahrnehmungspektrum extrem verengt und verdichtet auf einen einzigen Fokus. Deswegen auch ist es schwierig, einzelne Aspekte davon herauszulösen, um so Spannung aufzubauen). Wir lassen es nicht los, kleben mit unserer Wahrnehmung an dem, was Angst macht, nicht an unseren Reaktionen auf unsere Angst. Die mögen wir vielleicht noch als eine Art Hintergrundrauschen wahrnehmen, aber wir sind nicht voll darauf konzentriert. Und mit kommentierendem Denken dazu ist da schonmal gar nichts mehr. Bei entsprechender Stärke der Angst.

Es spielen halt - wie so häufig - ganz viele Parameter eine Rolle; Angstreaktionen haben eine enorme Bandbreite ... aber es geht ja um einen Spannungseffekt und nicht um eine Doktorarbeit, also sollten m. E. die eher bekannten Angstreaktionen ausreichen.
Es heißt ja nicht umsonst: Wie gelähmt vor Angst. Er-starren oder - Flucht. Aber wohin und wie soll sie in der Situation flüchten?

Also, was macht hier Angst? Und wie verbinde ich das mit einer Spannung für den Leser?
Das wäre z. B. das Hochfahren, das laaangsame Hochfahren, fahren Riesenräder nicht seeeehr laaangsam? Vor allem, wenn man Angst hat, dann fahren sie noch langsamer, die unsicher breit wackelnde Gondel, das kleine und immer dicher werdende gondelnde Gefängnis in all der haltlosen Luft in allen Richtungen, Ausstieg unmöglich, Weglaufen unmöglich: Ausgeliefert.

Bitte, es geht natürlich nicht um wortwörtliche Übernahme: Es geht um Bilder. Und zumindest in diesem Fall würde ich wirklich soweit möglich Gegenständliches nehmen und dann die Angst hineinhalten und damit spielen.
Mir geht es hiermit nur darum, dass Angst auch völlig ohne jede körperliche Reaktion auf diese dargestellt werden kann. Natürlich so, wie Du Dir die Bilder dieser Fahrt rauspicken willst, aber dann fände ich es eben schön, wenn eben wirklich die Innenreaktion über und durch die Außensituation dargestellt bzw. gespiegelt wird.
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Möglicherweise solltest Du die im Text als "Höhenangst" bezeichnete Angst spezifizieren; Uli hat das sehr schön als Höhenbewegungsangst (hin und weg, wobei hin zur Höhe wesentlich schlimmer zu sein scheint)  ausgedrückt. Wenn das zutrifft, dann nehme ich Dir noch ab, dass die Protagonistin, als das Rad still steht, sich umschauen und sogar die Faszination des Anblicks spüren kann.
Hätte sie "nur" eine pure Höhenangst, dann frage ich mich, wieso sie an einer Stelle, an dem die Höhenangst doch auch ihren Höhepunkt haben sollte, nämlich am höchsten Punkt, plötzlich ihre Augen öffnen, sich gründlich umsehen und auch noch Vergleiche finden kann für das, was sie sieht. Anstatt ungewollt panisch in die Tiefe zu gucken und aus der Gondel in Ohnmacht zu fallen.

Wo will die Geschichte hin?

Ich hoffe sehr, dass die Höhenbewegungsangst noch eine Fortsetzung (dann vielleicht in einer fantasyhaften Dimension, schließlich soll es ja eine Fantasygeschichte sein) hat und einen Hintergrund und nicht nur dazu gedacht ist, den Leser in die Geschichte zu ziehen ... um dann mit etwas ganz Anderem weiterzumachen.
Du hast meine Aufmerksamkeit auf ihr Problem gerichtet, also will ich jetzt wissen, wie es mit ihrem Problem weitergeht, denn auf mich wirkt es so, als habe sie ihre Angst zwar punktuell überwunden (entweder diesem Noah zuliebe oder eben Noah als eine Art Energiequelle), aber nicht etwa aufgelöst:

Zitat
Als ich langsam den Kopf hebe und in Noahs strahlendes Gesicht schaue weiß ich, dass ich , trotz meiner Vorfreude auf das baldige Ende dieser Fahrt jederzeit wieder einsteigen würde."

Das zeigt ja, dass die Angst nicht aufgelöst ist, auch dann nicht, wenn sie punktuell als überwunden erscheint. Denn:
Die hier erwähnte Vorfreude bezieht sich auf das baldige Ende dieser Fahrt .
Warum sollte sie sich darauf freuen, wenn die Angst aufgelöst ist? Dann stelle ich mir doch eher einen Jubel über die endlich aufgelöste Angst vor, die zu einer gelösten Stimmung führt, vielleicht mit einer Vorfreude darauf, sogleich die nächste Fahrt anzustreben, weil endlich frisch und frei genießen könnend.
Durch eben eine enorme Energiegewinnung einer nicht nur über-wundenen, sondern auf-GELÖSTEN Angst.
Doch der Grund dafür, dass sie wieder einsteigen würde, ist nicht die aufgelöste Angst, sondern der Blick in Noahs strahlendes Gesicht. Und das hat doch Spannungspotenzial.


Zudem:

Zitat
Das Riesenrad setzt sich wieder in Bewegung, und in meinem Inneren staut sich erneut Panik an. Doch diesmal geht es abwärts.
Bald ist es vorbei.

Es ist also immer noch wichtig, dass es bald vorbei ist, sonst wäre dies nicht erwähnenswert.

Die Kurve der Panik wird beim Abwärtsfahren zwar flacher gezeichnet, aber die grundlegende Panik bleibt anscheinend erhalten - und ich könnte mir vorstellen, dass sie bei passender Gelegeneit wieder aufflammt.
Und das ist gut so, denn es enthält doch einiges an Konfliktpotenzial - vor allem, wenn ich davon ausgehe, dass sie es diesmal geschafft hat, weil Noah dabei war, so eine Art seelische Unterstützung - aber was, wenn sie in eine Situation gerät, neben der die Situation im Riesenrad wie eine Tändelei mit der Angst wirkt, eine Situation, in der sie wieder ihrer Höhenangst ausgesetzt ist, diesmal gänzlich unfreiwillig und die lebensbedrohlich ist - für Noah. Und sie ihn retten muss.
Und sie genau das, was sie retten muss, braucht, um es retten zu können?

Natürlich lassen sich noch andere Szenarien denken, aber ich hoffe zumindest sehr (teuflisch gemein, wie sich das gehört), dass dieses Problem der Protagonistin noch lange nicht vom Tisch ist.
So, ich hoffe, Du kannst das Ein oder Andere gebrauchen, wenn nicht für diese, dann vielleicht für eine andere Geschichte.

Uuuund natürlich kann ich mich vertun, Dinge nicht zu Ende denken usw. usw. Dann hilf Du mir bitte dabei weiter, wenn ich was übersehen haben sollte im Eifer meiner Röstfiebers.

Liebe Grüße  :kaffee2:

Wave
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2020)
« Letzter Beitrag von Trippelschritt am 29 August 2020, 08:40:31 »
Gegen so etwas Interessantes kann ich nicht anstinken.
Nach der Wächterreihe, habe ich alle Binghams über die Fiona noch einmal gelesen und habe mich jetzt wieder einmal bei Dick Francis festgebissen. Fehlt nur noch, dass ich demnächst Modesty Blaise wieder anfange.

Ich bin mir nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen ist, dass ich alle meine Lieblingsautoren zum umpteenten Mal lese, aber Neuerscheinungen lege ich zu oft enttäuscht wieder weg.
Bis auf die neue Serie von diesem Wolf Awert. Aber die ist noch nicht abgeschlossen, was ein klares Manko ist.

In diesem Sinne
Trippelschritt
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2020)
« Letzter Beitrag von Forticus am 28 August 2020, 15:49:45 »
Shinichi Hoshi, Ein hinterlistiger Planet, Heyne TB 3892,
im Gebrauchthandel erhältlich.

Zusammenstellung von 40 SciFi Kurzgeschichten aus Veröffentlichungen des japanischen Autors aus den 1950ern bis 1970ern.

Die KG dauern typischerweise 2 bis 8 Seiten. Laut Vorwort begann der Autor in den 1950er Jahren unter dem Einfluß von Ray Bradbury und Fredric Brown SF zu schreiben, und die ca. 1000 KGs wurden mitunter als Haikus des Science Fiction bezeichnet. In dem TB sind die Geschichten nicht in der Reihenfolge des Enstehens sondern thematisch geordnet.

Mein Eindruck:
 - Nach langer Lesepause (fiktionales) kann man es sich seitenweise wieder angewöhnen.
 - Viele interessante Ideen aus dem (SciFi-)Alltag zum Zusammenspielwobei von Mensch und Technik.
 - bunte Mischung aus KGs a) mit Wende im letzten Absatz, b) ohne Wende vom Typ "pass auf, was Du Dir wünschst, denn es wird wahr" zu Ende gedacht.
 - Spannung eher im Sinne von Miträtseln (was ist die Wende oder was wird wahr), als durch äktschen.
 - unterschiedlische Mischungen zwischen (un)angenehmem Tell und (un)angenehmem Show.

Ich bin etwa zur Hälfte durch. Jedesmal, wenn ich denke, nun habe ich aber meine Favouriten-KG gefunden, dauert was kaum 5 weitere Geschichtem bis ich einen neuen Favoriten habe. Allerdings wurde ich zwischenzeitlich von der Netflix Kurzgeschichten SciFi Serie Black Mirror etwas aus dem Lesefluss gerissen. Vielleicht etwas moderner und makaberer ausgestaltet, aber im Grunde haben sich die Menschen in ihren Denk- und Verhaltensweisen nicht geändert.

Und ja... ich verspüre immer noch diesen Hang zu statischen Welten mit viel Tell, wenig Show und vor allem ohne Wende, in [denen] sich von selbst die Nackenhaare ondulieren und der Magen umdreht.
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Grill / Re: eine Hand für das Boot /KG /Randbezirke
« Letzter Beitrag von Uli am 23 August 2020, 12:40:43 »
moin eska!

Danke für deine Anmerkungen - und dafür, dass du von vornherein die Allegorie gesehen hast.
Und besonders dafür, dass du dir eine positivere Fassung wünschst ...

In dieser Version spricht eine alte, erfahrener und vor allem erschöpfte Person mit der Autorität eben dieser Erfahrung. Diese Person hat a) für sich selbst nicht mehr die Hoffnung, ˋdas Ufer zu erreichen ´, obwohl sie den Versuch nach wie vor für richtig, für notwendig hält.

Die angesprochene Person ist in der Situation, dass Zweifel aufkommen, Hoffnung schwindet - und um dem entgegenzuwirken, engagiert sie sich über ihre Kräfte hinaus, läuft in Gefahr, instabil zu sein.

Liebevoll ist Person eins in den ersten Zeilen, in der ˋgestotterten ´ Begründung für seinen ˋAnspruch ´ - weil da nicht der Satz fällt ˋund weil ich nicht mehr lange da sein werde, um dich aufzufangen ´.
Darum ringt Person eins: Person zwei klar zu machen, dass diese sich von jetzt an selber halten muss.

Deswegen erwähnt er auch den Traum vom anderen Ufer nicht mehr, sondern spricht nur noch von ˋFreiheit ´, die das Meer verspricht.
Am Schluss sagt Person eins dann: OK, noch bin ich da - du kannst/sollst/musst jetzt ausruhen, deine Kräfte finden, das geht schon noch - aber eben nicht ewig.

Letztendlich der Konflikt zwischen ˋFreilassen ´ und ˋFürsorge ´...

Naja.
Das ist alles sehr komprimiert, was auch daran liegt, dass die ˋRandbezirke ´ eben dies erfordern: maximal 400 Worte. Dieser Text hat bisher 306, und ich schaue mal, was ich mit den 94 verbliebenen anfangen kann ...

(ach ja: Das mit der Unterschrift muss ich zurückweisen: Der Text wird gesprochen, nicht aufgeschrieben auf den Nachttisch gelegt)

alles Liebe!
Uli
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Grill / Re: eine Hand für das Boot /KG /Randbezirke
« Letzter Beitrag von eska am 22 August 2020, 23:30:39 »
Hi Uli, ich schon wieder!

Meine Röstgabel riecht schon völlig nach deinen Texten, auch wenn sie nicht viel piekt.  :diablo:

Im Voraus: Diese KG ist nicht ganz meins, und ich glaube, das liegt am Ende, denn gut lesbar und wohl auch verständlich ist sie. Aber Schritt für Schritt:

Ich verstehe die Aussagen zum Boot als allegorisch. Jemand spricht mit der Autorität dessen, der etwas besser weiß als der Angesprochene, einer väterlichen oder elterlichen Autorität, denn er/sie nennt den Adressaten 'mein Kind'. Es geht aber nicht um Hierarchie, sondern um Einsichten: Wie muss man sich benehmen, wenn man mit anderen in einem gefährdeten Boot sitzt und überleben und ankommen will? Der Sprecher weiß das, zweifelt nicht an seinem Wissen, gibt es als lebensnotwendig weiter. Lebensnotwendig für alle im Boot, ihn eingeschlossen (wir).
Übertragen auf eine Situation, in der alle 'in einem Boot sitzen' und aufeinander angewiesen sind, z.B. alle Menschen, egal aus welchem Volk oder Erdteil, auf einer zerbrechlichen Erde, sagt der Text, dass es einen klaren Verhaltenskodex gibt, der für alle verbindlich sein muss, weil nur dann alle es schaffen können: Eine Hand fürs Boot und eine fürs Sich-Festhalten, einen Teil aller eigenen Ressourcen also für alle, uneigennützig da einzusetzen, wo es not tut, den anderen Teil aber - als wesentliche Voraussetzung für überhaupt Ressourcen - für eine/n jede/n selbst. Platt gesagt: Wer nicht für sich selbst sorgt, kann schnell nicht mehr für andere sorgen und nimmt ihnen allen damit etwas Wichtiges weg. Laut Text sogar die Lebensgrundlage, weil jede einzelne Hand so wichtig ist, dass es auf sie ankommt.

Und hier schlägt mein Unbehagen zu: 1. Wer oder was gibt dem Sprecher-Ich diese überhöhte Rolle? Wieso weiß es mehr? Wo sind die stummen anderen Mitfahrer? 2. Wenn jede/r Einzelne wichtig ist, dannn hoffentlich nicht nur als Teil eines Ganzen, als die Hand, die sonst fehlt, sondern als Individuum. Gerade einem elterlich fürsorgenden, evtl. liebenden Sprecher müsste es auch um das Glück des Du unabhängig von anderen gehen.

Zum Ende:
Zitat
Und jetzt ... ruhe dich aus, damit deine beiden Hände Kraft haben, wenn das Wetter losbricht. Denke nicht an den Sturm, damit der dir nicht den Schlaf raubt, die Kraft, die wir brauchen werden. Denke an das Ufer, das noch außer Sicht ist, und denke an die, die es nur sehen werden, wenn das Boot nicht scheitert.

Schlafe ruhig.
In Liebe.

Ich empfinde das als zu knapp, und damit irgendwie lieblos (vom Ich, nicht vom Autor). Immerhin ist dies der Part mit den Anweisungen für das Leben vor dem Sturm, die bestmögliche Vorbereitung auf die Krise: Körperlich Ruhe finden. Seelisch keine Angst schüren. Ein positives Ziel setzen. An Mitreisende (oder sogar erst Nachkommen?) denken, sich als Bindeglied sehen.
Alles richtig, aber hier immer mit der negativen Konsequenz gekoppelt statt mit der Hoffnung auf etwas Besseres. Das Ufer (Ziel) taucht hier zum ersten Mal auf und nur ganz vage. Wäre das nicht die viel stärkere Motivation? (Aber vielleicht ist das das momentane Problem der Welt, dass wir keine gemeinsame Vision vom Ufer jenseits unseres Jetzt haben und nicht wissen, wohin wir rudern sollen.)
Die beiden letzten Sätze stören mich richtig. Das 'in Liebe' wirkt wie ein Vermächtnis, was womöglich zur Textform passt, nicht aber zum Absatz davor mit 'und jetzt'. (Und wenn, fehlt eine Unterschrift.)
Das Schlafen wiederholt sich erstens und ist zweitens als letzte Anweisung zu passiv. Da fehlt mir mindestens eine Info, wer stattdessen wacht.

So, zum Schluss noch zwei Erbsen:
Zitat
weil dieses Boot, dass uns an ein Ziel bringen soll, zerbrechlich ist ... weil dieses Meer, dass unser Boot trägt, so gnadenlos ist,
dieses Boot, das
dieses Meer, das

Ach ja, das Meer, das Freiheit verspricht, wird zwar zweimal erwähnt, man spürt diese Sehnsucht aber nicht. Für das Ich ist das Meer nicht Hoffnungsträger, sondern Gefahr, tückisch und gnadenlos. Der erste Aspekt könnte stärker herauskommen.

Und dabei ist mir noch etwas aufgefallen: Weiß das Du eigentlich, wofür sich all diese Pflicht lohnt? Nicht erst irgendwann in grauer Zukunft, sondern jetzt? Wie wär's mit ein bisschen Lebenslust, dem Wind in den Haaren, dem Salz auf den Lippen, dem Glitzern der Sonne auf dem Wasser, dem Jagen der Wolkenfetzen, der Hand neben der eigenen am Ruder? Könnte das Ich dem Du nicht auch davon etwas zeigen?

Bastele mal noch ein bisschen am Text rum, ich freue mich auf die nächste Version!
Gruß,
eska
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Grill / eine Hand für das Boot /KG /Randbezirke
« Letzter Beitrag von Uli am 21 August 2020, 21:34:39 »
was macht man, wenn es mit dem Schreiben zäh wird?
Richtig, man schreibt. Etwas anderes.

Diese Kurzgeschichte (die nicht unbedingt den Regeln einer KG entspricht) ist entstanden, weil ich ganz nebenbei jemandem ein Prinzip klarmachen musste ... aber sie passt in die Serie ˋRandbezirke ´.
Und deswegen landet sie jetzt auf dem Grill. So.
Hier geht es wieder mal um alles: Verstehen, Interpretieren, Wortklauberei, Erbsen (mit oder ohne Speck) und Inter-.-ion.

Ach ja:
Meine Private Betaleserin sagte, sie hätte geheult nach der Lektüre, also ... mit Vorsicht zu genießen.
Aber andererseits ... Hölle ist Hölle ...


Eine Hand für das Boot.

... weil wir in diesem Boot sitzen, die Küste außer Sicht, und am Horizont ein Sturm sich ankündigt ... weil dieses Boot, dass uns an ein Ziel bringen soll, zerbrechlich ist ... weil dieses Meer, dass unser Boot trägt, so gnadenlos ist, wie es Freiheit verspricht ... weil die Reise nur gut wird, wenn wir ankommen ...
Deshalb erhebe ich Anspruch, mein Kind.

Darauf, dass du immer eine Hand frei hast für das Boot. Um die Leine zu ziehen, die gezogen werden muss, um das Ruder zu führen, das Segel zu setzen - eine deiner Hände gehört dem Boot. Zu jeder Zeit, wenn es Not tut.

Ohne diese deine Hand werden wir kentern, ertrinken, zerrieben werden im Sturm - und vergessen sein. Diese Hand, deine Hand für das Boot, gehört uns. Uns allen, und jedem einzelnen. Und dir. Und mir.

Aber.
Mehr Anspruch erhebe ich auf deine andere Hand: Die gehört dir.
Mit dieser Hand hältst du dich fest, woran auch immer, wenn die See hoch geht, und wenn die Wasser friedlich sind um so mehr. Weil dieses Meer so heimtückisch sein kann, wie es Freiheit verspricht.
Wenn die eine Hand dich nicht hält, dann fehlt die andere für das Boot. Dann sterben wir, dann sinkt das Boot mit allen, die darauf sind, weil deine Hand fehlt, weil das Ruder nicht geführt wird oder das Segel nicht gerefft, was diese deine, diese unsere Hand grade hätte tuen müssen. Halte dich fest!
Für uns.

Wir können nur gemeinsam ankommen.
Und jetzt ... ruhe dich aus, damit deine beiden Hände Kraft haben, wenn das Wetter losbricht. Denke nicht an den Sturm, damit der dir nicht den Schlaf raubt, die Kraft, die wir brauchen werden. Denke an das Ufer, das noch außer Sicht ist, und denke an die, die es nur sehen werden, wenn das Boot nicht scheitert.

Schlafe ruhig.
In Liebe.


————
danke fürs Lesen!
cheers, Uli

8
Grill / Re: mit deinen Augen. Heldenreise (neu)
« Letzter Beitrag von Uli am 21 August 2020, 14:12:44 »
ein sehr guter Rat, Trippel - danke!

Also, wenn der Text selber nichts davon zeigt, was mich daran umtreibt, ist das erstmal gut. Freut mich. Aber dann muss irgendetwas anderes eine Macke haben (ich, vielleicht?)

Ich versuche es mal:

Die ganze Geschichte ist so angelegt, dass etwas wesentlichen im Unklaren bleibt: Entweder ist das alles wahr, und genau so passiert - oder Kai ist in einen ziemlich miesen psychotischen Zustand abgeglitten, ˋbildet sich das alles nur ein ´ und stirbt letztlich daran.
OK, soweit.

Der Erzählmodus orientiert sich daran (und an dem Umstand, dass seine Agentur das nicht nachbearbeiten lässt, wie im Abspann behauptet wird) - es bleibt also eine Rohfassung. Und erstmal komme ich ganz gut damit zurecht.

Die Gratwanderung ist, dass ich beim Texten eigentlich beide möglichen Hintergründe haben müsste ... und der eine ist ein wenig anstrengend ...
In diesem Textstück habe ich in der Vorbereitung sehr ausführlich den ˋFilm ´ ergründet, die (mögliche) Wahnvorstellung durchgedacht (was ziemlich heftig und explizit und anstrengen und, ja, auch reizvoll war) und dann, beim Schreiben, einen Teil davon weggelassen. Nur, der weggelassene Teil war halt da. Also, für mich.
Der Modus ist dabei aber auch: Kai schreibt das, und der ist nicht sehr kontrolliert - entweder eben wegen der Psychose oder eben, weil er das schreibt, nachdem er El! grade verloren hat.
(Die zweite Option kenne ich recht gut, ob ich die ersten hinreichend erfasse, weiß ich glücklicherweise nicht)

Tja ...
Spätestens beim Überarbeiten bin ich dann verunsichert. In diesem Fall eben, weil ich weiß, welcher Film dahintersteckt - und keine Ahnung habe, wie weit ich den anschubse.

Vielen Dank noch mal an Alle!
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Grill / Re: mit deinen Augen. Heldenreise (neu)
« Letzter Beitrag von Trippelschritt am 21 August 2020, 11:42:13 »
Ich habe nur zwei Anmerkungen:
1. Wie meine Vorröster finde ich alles o.k., und ich habe es gern gelesen.
2. Wenn das aber nicht so ist, wie Du schreibst, solltest du diesem Gefühl einmal nachgehen. Bei mir ist so etwas immer ganz enorm wichtig. Aber ohne zu wissen, was hinter Deinem Unbehagen steht, kann ich Dir quch nicht helfen. Jedenfalls sehe ich von außen nichts (s.o.).

Liebe Grüße
Trippelschritt
10
Grill / Re: mit deinen Augen. Heldenreise (neu)
« Letzter Beitrag von Uli am 21 August 2020, 00:00:09 »
 :dops:
Danke, CheFFin!
das freut mich und hilft.  :b2:


Ich versteh das Ausrufezeichen bei El!s Namen nicht, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich die ersten Texte micht gelesen habe. *GANZ DOLL SCHÄM* Wie spricht man das nun aus?

Das ˋ!´ ist die handelsübliche Notation für einen Klicklaut (der in einigen afrikanischen Sprachen vorkommt, in Lesotho zum Beispiel ). Nachdem weder Kai noch ich den hinbekommen, heißt die Gute ˋElk´. Außer für zungengewandte Akustikartisten, die müssen klicken.
Im Gegenzug kann El! kein ˋk´ aussprechen und nennt Kai ˋChai ´
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