Autor Thema: Dark Watch Kapitel 1 neue Version  (Gelesen 347 mal)

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Offline Schreibsuse

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Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« am: 12 Juni 2018, 17:29:27 »
Hallo Ihr Lieben,
nachdem nun das ursprüngliche Kapitel 1 weiter nach hinten gerückt ist, gibt es nun einen ganz neuen Anfang. Ich hab lange mit mir gerungen, ob ich das Kapitel hier überhaupt zum Rösten vorlegen kann/soll. Das Problem ist, dass es etwas schlüpfrig ist (Minderjährige, falls anwesend, also an dieser Stelle bitte nicht weiterlesen). Ggf. ist der Thread bitte von der Chefin zu löschen. Ich möchte das Kapitel im Kern so belassen. Also nicht nur ein netter Fernsehabend und dann . . . zack der Mord.

Natürlich bin ich wieder für jede Erbse dankbar. Ich tue mich ja schwer damit, den jeweiligen Sprecher kenntlich zu machen. Ich hoffe, ich habe Eure Einwände von der Vorröstung einigermaßen umgesetzt (wenn nicht, sorry!! Ich lerne noch. Also gerne wieder Hinweise dazu, wenn es nicht gelungen ist. Übung macht ja bekanntlich den Meister.)
Dann mal los:


Kapitel 1
Freitagabend, der 21.10.2017

 
Willow schlich unruhig durch das Wohnzimmer. Vor der Terrassentür nahm der Kater schließlich Platz und warf mir einen auffordernden Blick zu. »Ich mach schon.« Eric erhob sich aus dem Sessel und öffnete die Tür. Willow glitt in die Nacht ohne sich noch einmal nach uns umzusehen. Die Außenlampe im Garten leuchtete kurz auf, als er in den Einfallswinkel des Bewegungssensors trat. Er tauchte unter einem Busch ab und war für heute verschwunden. Eric schloss die Terrassentür und ließ die elektrischen Jalousien im Wohnzimmer herunter.
»Es ist Freitag und wir haben sturmfrei.« Er zwinkerte mir zu und griff lächelnd nach der Weinflasche, die er gleich nach Feierabend dem Weinregal im Abstellraum neben der Küche entnommen und demonstrativ auf den Esstisch gestellt hatte. Mit fragendem Blick hielt er sie mir entgegen.
»Nur ein halbes Glas für mich, bitte.«
Eric schenkte das Glas voll. Er lächelte entschuldigend und strich mir zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Du nimmst das Antidepressiva nicht mehr. Du darfst Alkohol trinken. Aber ich will dich nicht überreden. Ich kann den Wein auch alleine niedermachen.«
»Schon gut. Cheers!« Unsere Gläser stießen leise klirrend aneinander. Ich nahm einen vorsichtigen Schluck und genoss das schwere, erdige Aroma des Bordeauxweins. Lange her, dass mein Gaumen das erlebt hatte.
»Wie war dein Tag?«, fragte Eric nach einer Weile.
»Ganz okay.« Ich zuckte mit den Achseln. »Ich war in der Gruppe. Das Übliche.« Ich zögerte kurz. »Ich bin nicht sicher, ob mir die Treffen noch etwas geben.«
Eric sah mich nachdenklich an, sagte jedoch nichts.
»Die Gespräche drehen sich irgendwie im Kreis«, fuhr ich fort.
»Wenn dir die Selbsthilfegruppe nicht mehr gut tut, geh nicht mehr hin. Es ist deine Entscheidung, Melissa. Vielleicht bist du jetzt einfach so weit.«
Ich schluckte schwer. So weit sein? Womit? Meine Tochter zu vergessen? Eric stellte sein Glas ab. Sein Blick war weich. »Ich vermisse Kathlen auch. Jede Sekunde. Das wird sich nicht ändern und das muss es auch nicht. Ich lebe damit«, sagte er mit sanfter Stimme.
»Das unterschiedliche Tempo bei der Verlustverarbeitung ist der Haupttrennungsgrund trauernder Paare. Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«, hörte ich in meinem Inneren Dr. Krämers Mahnung. Ich biss mir auf die Lippe. »Könnten wir wohl das Thema wechseln?«
»Natürlich.« Eric seufzte leise. Ich griff nach meinem Weinglas und leerte es bis zur Hälfte in einem Zug.
»Der Wein scheint dir zu schmecken.« Grinsend wischte Eric mit seinem Finger über meine Oberlippe.
Er erhob sich langsam und streckte mir die Hand entgegen. Zögernd ergriff ich sie und ließ mich von ihm auf die Füße ziehen. Ich schwankte leicht. Eine Handvoll Kräcker war offenbar keine geeignete Grundlage für den Rotwein. Eric zog mich an sich und ich spürte seine Erektion. In seinem Blick lag wochenlang aufgestaute Leidenschaft. Meine Rückenmuskeln verkrampften sich. »Bella Bellisa«, hauchte Eric.
Ich gab ihm einen flüchtigen Kuss und wollte mich aus seiner Umarmung winden, aber er hielt mich sanft zurück.
»Ich will dich nicht drängen, Mellisa.« In seiner Stimme lag eine qualvolle Sehnsucht, die mir ins Herz schnitt.
»Ist schon gut. Es ist nur . . . « Es ist nur so, dass ich das Gefühl habe Kathlen zu verraten, wenn ich glückliche Momente zulasse. Ich fühle mich schlecht dabei. Immer noch!
»Ach . . . nichts.« Ich lächelte und sah direkt in seine stahlblauen Augen. In Erics Blick flammte Hoffnung auf. Er zog mich wieder an sich und küsste mich, erst zurückhaltend und schließlich wild und ungestüm. Meine Anspannung verlor sich und ich erwiderte seine Küsse atemlos. Es fiel mir schwer mich wieder von ihm zu lösen. »Ich gehe kurz ins Bad und bin gleich wieder bei dir.«
»In Ordnung. Ich warte auf dich im Schlafzimmer«, flüsterte Eric mit belegter Stimme.
Auf unsicheren Beinen lief ich ins Bad. Ich zog Jeans und Shirt aus und legte sie ordentlich über den Wannenrand. Ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel und wandte mich sofort wieder ab. Ich war so dünn geworden, dass meine Schlüsselbeine wie knorrige Äste über meinen Brüsten hervorragten. Nicht sehr sexy. Ich schloss kurz die Augen und atmete einmal tief durch.
Im Schlafzimmer lag Eric bereits splitternackt auf dem Bett. Die Jalousien waren heruntergelassen und das Licht gelöscht. Eine Kerze auf dem Nachtschrank tauchte seine Silhouette in diffuses, flackerndes Licht. Ich legte mich zu ihm und schmiegte mich in seine Arme. Der Hauch des Parfüms, den ich auf der warmen Haut seiner Brust roch, ließ das Kribbeln zwischen meinen Beinen stärker werden und ich konnte es kaum noch erwarten, dass seine streichelnden Hände ihren Weg dorthin fanden.
Eric liebkoste meine Brüste, nachdem er es endlich geschafft hatte, meinen BH zu öffnen und ihn mir abzustreifen.
Dann rollte er sich auf mich. Ich schloss die Augen und streichelte seinen Rücken. Die Leidenschaft vernebelte meinen Geist mehr als es der Wein vermocht hatte.
Ich öffnete die Augen wieder ein wenig.
Und da sah ich es.
Etwas, das weit außerhalb dessen lag, was mein Verstand in diesem Moment zu erfassen vermochte.
In der Nähe der Tür befand sich etwas Großes, Schwarzes.
Ein Schatten.
Etwas? Jemand?
Im ersten Moment dachte ich, eine der Kleiderschranktüren würde offen stehen. Doch dann nahm ich eine Bewegung wahr und trotzdem dauerte es noch Sekunden bis sich mein Schrei gelöst hatte.


Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #1 am: 13 Juni 2018, 08:09:55 »
Hallo Schreibsuse,

deine Geschichte spricht mich an - ich mag Thriller - und ich finde, die Ideen, die du da eingeflochten hast, sehr, sehr interessant. Also durchaus etwas, wo ich weiterlesen würde.

Nur lobhudeln bringt aber auch nix - daher darf ich dir nun noch ein paar Stolpersteine zeigen, die du m.M.n. überbeiten solltest:

Als ich das gelesen habe:

Zitat
Ich tue mich ja schwer damit, den jeweiligen Sprecher kenntlich zu machen

und dann den Einstieg:

Zitat
Willow schlich unruhig durch das Wohnzimmer. Vor der Terrassentür nahm der Kater schließlich Platz

...war ich verwirrt, denn ich dachte: Oh, neue Perspektive - und: aus Sicht der Katze. Interess-

Hoppla, denn dann las ich:

Zitat
und warf mir einen auffordernden Blick zu.

Als Leser wünsche ich mir, meinen Prota gleich zu identifizieren. Ich will wissen, in welcher Haut ich stecke. Hier steckst du den Leser zuerst in die Katze, ehe du zum "ich" hinüberspringst. Ich würde daher eher so was schreiben wie (z.B.):

Ich konnte mich nicht entspannen. Ich hatte die Flasche Rotwein gesehen und wusste, was sie bedeutete. Statt den Blick von Eric zu suchen, verfolgte ich lieber, wie mein Kater durchs Wohnzimmer schlich. Vor der Terrassentür [...]


Was mir dann (wieder) aufgefallen ist: Die (fehlenden) Absätze bei den Personenwechseln. Wie hier:

Zitat
und warf mir einen auffordernden Blick zu. [ABSATZ!!!] »Ich mach schon.« Eric erhob sich aus dem Sessel
Erics Satz braucht eine neue Zeile. Er "durchbricht" die Schilderung von der Katze.


Zitat
Die Außenlampe im Garten leuchtete kurz auf, als er in den Einfallswinkel des Bewegungssensors trat. Er tauchte unter einem Busch ab und war für heute verschwunden.
Meine Vorstellung: Ich kann durch Wände sehen? Es sei denn, sie hat eine komplette Glasfront im Wohnzimmer, allerdings steht die nirgends. So wie es jetzt da steht, sind die Zeilen auch eher überflüssig. Außer Melissa will sich noch an den Kater klammern, statt ihren Mann anzuschauen.

Kleiner, persönlicher Eindruck aus meiner Jugend:
Ich war/bin ja etwas schüchtern. Irgendwie schaffte ich mich mal in eine Situation, wo ein Junge, der was von mir wollte, ich aber nicht von ihm, mit mir rumknutschen wollte. Anstatt ihm direkt ins Gesicht zu schmeißen, dass er sich das abschminken kann (und ihn dadurch womöglich zu verletzen) hab ich mich herauszuwinden versucht, in dem ich ALLES ANDERE interessant fand - außer ihn. Ich hab den Mond bewundert, die Sterne. Hab schwüle Abendluft erwähnt, die eine Umarmung unnötig macht; auch fand ich, die nie wirklich gern in die Kirche ging/geht, den erleuchteten Kirchturm plötzlich megaspannend.
Alles war "interessanter", als dass ich ihm in die Augen gesehen hätte - während er mich mit seinen Blicken wohl schon ausgezogen hat ...

Bei Melissa gings mir ähnlich. Ich hatte den Eindruck, sie möchte nicht mir Eric schlafen, aber weil er halt doch so lieb guckt  :hach: und sie ihn nicht verletzen will, gibt sie nach.
Es ist allerdings nicht ganz nachvollziehbar. Zuerst zögert sie, dann sagt sie aber gleich JA! und die Lust ist da. Erics (sanfte) Art, und seine (beruhigende) Stimme und die (zarten) Berührungen helfen da leider nicht. Sie schrecken eher ab.  :grinwech:
Ich weiß, er ist ein Mann, aber zumindest in einem Buch kann man die etwas weniger trampelhaft darstellen.  ::)
Lass ihn mehr agieren, und streich dafür Adjektive. Sonst wirkt es wie ein Groschenroman. Vor allem das war zum Gruseln:

Zitat
Ich lächelte und sah direkt in seine stahlblauen Augen. In Erics Blick flammte Hoffnung auf.

Bitte, bitte nimm einen andere Farbe ...  :naegelkau:

Der Schluss gefällt mir wieder gut, vage aber gefährlich konkret. Man ahnt, was passiert, ohne es direkt zu lesen. Sehr gut gemacht!
In Anbetracht, was heute Kinder im Fernsehen sehen, ist auch diese Erotikszene nicht zensierungswürdig. USK ab 12 würde ich mal sagen ...

Was du also noch machen solltest:

1) Anfangsperspektive klären
2) Das Kapitel gern etwas verlängern. Zeig mir mehr Melissas Zögern. Eigentlich will sie nicht, ihre Gedanken hängen am Tod ihrer Tochter, aber sie liebt Eric und will ihn nicht verletzen. Zeig mir, dass sie ihn liebt - und zeig mir auch Eric, dass er LIEBENSWERT ist und nicht ein geiler Lustmolch, der JETZT Sex haben will. So einem Kerl würde ich niemals nachgeben; der wird maximal kastriert.  :diablo:
Ich weiß, er bemüht sich da, sie zu verführen - aber er muss sich mehr bemühen.
3) Wenn Gefühle bei Melissa hochkommen, lass sie auch überrascht sein. Sie hätte es nicht gedacht ... hat eigentlich nur wegen Eric nachgegeben ... weil sie ihn ja liebt ... und es hat ihr gefehlt ... usw und so fort. Dann kann sie es auch genießen. Und diesem Glücksmoment verpasst du dann den KNALL!

Dann hast du eine knackige erste Szene  :dops:






« Letzte Änderung: 13 Juni 2018, 08:15:28 von Ayira »
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Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #2 am: 13 Juni 2018, 08:39:56 »
Nachtrag zu meinem Punkt 2) - liebenswerter Eric

Versetz dich in Melissa. Wenn du diesen Mann hättest, das durchgemacht hättest - was würde dich überzeugen, nun mit ihm zu schlafen?
(Sanft) berührt zu werden und (zärtlich) die Haare aus dem Gesicht gestrichen zu bekommen, sind zwar durchaus nette Gesten - aber deswegen vergess ich keine solche Tragödie und roll mich über die Laken.

Was hat Eric davor getan? In der Zeit der Trauer? Zeig mir, dass er für sie da war, obwohl auch ihn der Schmerz aufgefressen hat. Melissa kann das Revue passieren lassen, mit sich selbst argumentieren. Zeig mir den Konflikt, den sie hat - sodass es für den Leser nachvollziehbar ist, warum sie nun mit ihm Sex hat. Das schlimmste (für mich) ist, wenn ich eine Prota habe, die entgegen "meinem Gefühl" handelt.
Auch wenn sie/er z.B. eine strunzdumme Entscheidung trifft, muss es für den Leser nachvollziehbar sein, warum sie/er das tut. Nichts ist schlimmer, als wenn ich als Leser hilflos mitanlesen muss, wie der/die Prota alles versemmelt. Irgendwann reichts mir und ich leg das Buch weg.

Hoffe, du verstehst, worauf ich hinauswill. Du hast tolles Konflikpotential in dem Text, aber gib ihm etwas mehr Raum, um das auch verdammt gut rüberzubringen. Ich finde nicht den ganzen Text schlecht, keineswegs, aber mir fehlt ... mehr Fleisch (im übertragenen, nicht sexuellen Sinn) :cheese:

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Offline Xaranis

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #3 am: 13 Juni 2018, 10:22:50 »
Hallo Schreibsuse,

also ich finde, da steckt noch einiges an Arbeit drin.
Ich beginne mal mit den leichteren Sachen, die mir ins Auge fielen, weil sich die ohne Weiteres beheben lassen:

Zitat
Willow schlich unruhig durch das Wohnzimmer. Vor der Terrassentür nahm der Kater schließlich Platz und warf mir einen auffordernden Blick zu.

Man erwartet als Leser, dass die Geschichte mit dem Protagonisten startet. Willow war für mich demnach der Protagonist. Bis du klar gestellt hast, dass es sich nur um die Katze handelt. Äääääh, ja. Das ist ziemlich unglücklich. Da hab ich gerade erst mit Lesen begonnen und schon bin ich das erste mal verwirrt raus.

Zitat
»Das unterschiedliche Tempo bei der Verlustverarbeitung ist der Haupttrennungsgrund trauernder Paare. Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«, hörte ich in meinem Inneren Dr. Krämers Mahnung.

Ich würde sowas umdrehen: In meinem Inneren hörte ich Dr. Krämers Mahnung: »Das unterschiedliche Tempo bei der Verlustverarbeitung ist der Haupttrennungsgrund trauernder Paare. Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«
Der Grund: So weiß ich sofort - hier wird die Meinung eines Arztes wiedergegeben.
In deiner Dialogvariante lese ich erst die Dialogzeile (die zudem kursiv ist und damit andeutet, dass sie sich von den übrigen Zeilen wohl irgendwie abhebt) und dann erst im Nachgang, dass das keiner im Raum sagt, sondern ein Arzt. Das heißt, ich muss den ganzen Satz jetzt im Nachgang mit Sinn füllen, was nicht optimal ist. Zumal er dafür obendrauf auch zu lang ist. Das menschliche Gedächtnis hält sich glaub ich sechs Worte im Arbeitsspeicher. Innerhalb dieser Spanne sollte man verstanden haben, worauf es hinausläuft, sonst vergisst man den Anfang. :)

Zitat
So weit sein? Womit? Meine Tochter zu vergessen?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das irgendjemand von ihr erwartet.

Nun aber mein eigentliches Problem am Text: Die Glaubwürdigkeit der Situation einerseits und die Figurentiefe andererseits.
Eric sagt, sie hätten sturmfrei und greift nach der Flasche. Hier erwarte ich jetzt auch entsprechend entspannte Stimmung.
Aber statt ne Platte aufzulegen und ne Kerze anzuzünden überrollt er sie mit ihren seelischen Problemen.
Ein echtes Sensibelchen. Der Mann weiß offenbar, wie man Frauen rumkriegt.
Und nach diesem tollen Vorspiel hat sie natürlich Lust, sich mit ihm über die Laken zu rollen.
Das funktioniert so nicht. Versuche, dich in die Situation deiner Figuren hineinzuversetzen.
Aus dem Satz des Arztes entnehme ich, dass sie andere Motive halt als Lust - nämlich Trennungsangst. Aber beim Sex empfindet sie Leidenschaft - das passt alles nicht zusammen. Und du zeigst mir weder Trennungsangst noch Leidenschaft. Sie trottet einfach willenlos drauf los und ich habe keinen Einblick, wie sie in dieser Situation empfindet.


Ich hätte einen anderen Vorschlag.
Wir haben ja folgende Konfliktsituation als Ausgangspunkt:
Da ist einerseits sie, die ein wenig länger braucht, um den Verlust zu verarbeiten - an welchem Punkt sie dabei auch immer stehen mag.
Und wir haben ihn, der darüber hinweg ist, in die Normalität zurückgefunden hat und sie womöglich auch ein wenig zu drängen versucht? Das weiß ich nicht.
In diese Situation wirfst du jetzt die beiden und musst dir überlegen: Was machen sie daraus? Wie entwickelt sich das? Wie empfinden sie in diesem Moment? Und welche Möglichkeiten hat der Charakter, auf diese Empfindungen zu reagieren? Passt das zu ihm?

Was wäre, wenn er versucht, einen romantischen Abend zu gestalten, um sie ein wenig abzulenken. Vielleicht geht er dabei behutsam vor, um sie nicht zu überfordern. Oder vielleicht schwingt eine gewisse Ungeduld/Erwartungshaltung mit (zeigen!).
Während er also mit dem Balzritual beschäftigt ist, ist sie mit den Gedanken an den Verlust und an die heutige Selbsthilfegruppe beschäftigt. Ist dieser Effekt stärker als seine Bemühungen? Das hängst wohl vom Grad ihrer seelsischen Verarbeitung ab. Wie sehr sie die Vergangenheit noch belastet, hängt wieder von dir ab, zu zeigen. Ist ihre betrachtung eher nüchtern oder emotional?

Wenn du die Szene also im Bett haben willst, gibt es da zwei Szenarien:
-Sie hat mit ihren Problemen weit genug abgeschlossen:
Sie geht auf Eric ein und er schafft es, dass ihre Probleme in den Hintergrund treten. Vielleicht ist er auch witzig. Der Alkohol erledigt dann den Rest (die Entwicklung des Abends zeigen!). Vielleicht gibt sie sich auch kampfbereit und sagt sich: Das Leben muss weitergehen - Zeit, es wieder in die Hand zu nehmen und zu genießen.

Oder:
- Sie ist noch nicht drüber hinweg, hat aber Angst, Erics Geduld überzustrapazieren oder ihn zu enttäuschen. Sie übt sich also in Schauspiel (zeigen!). Sie gibt ihm nach, obwohl sie eigentlich nicht in der Stimmung ist, mit ihm zu schlafen. Die emotionslose Art, wie sie sich auszieht, wäre ein optimaler Kontrapunkt zu einer nach außen hin geäußerten "Alles-in-Butter-lass-uns-über-die-Laken-tollen-Stimmung".

Wofür auch immer du dich entscheidest: Jede Variante sagt etwas anderes über die Charakere aus!
Die Entwicklungen wie dargestellt zu zeigen, benötigt allerdings mehr Raum. Der Schockmoment des Schattens müsste sich dann einige Zeilen weiter hinten anstellen. Die Entscheidung liegt bei dir, ob du die Szene langsam aufbaust oder doch gleich mit der Tür (oder dem Schatten) ins Haus fällst.

Ich hoffe, mein Eindruck hilft ein wenig weiter.

« Letzte Änderung: 13 Juni 2018, 10:29:26 von Xaranis »
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Schreibsuse

  • Höllenhund
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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #4 am: 13 Juni 2018, 10:24:02 »
Hallo Ayira,

ganz, ganz vielen Dank für dein hilfreiches Feedback!

Ja, tatsächlich passt die Perspektive im ersten Abschnitt nicht. Danke fürs Augen öffnen!! Wird geändert!

Und noch mal "ja" für deine Kritik an der erotischen Szene. Genau das hat mir selber auch nicht so richtig gepasst, dass Melissa sich doch so schnell eingelassen hat. Eigentlich nur, weil ihr der Spruch ihres alten Therapeuten eingefallen war "der Haupttrennungsgrund trauernder Paare". Aber die dazugehörigen Gefühle haben sich dann zu abrupt eingestellt. Da muss ich noch mal ran arbeiten und der Sache mehr nachspüren.

Zu Erics Charakter muss ich an dieser Stelle hinzufügen, dass er ein sehr verständnisvoller, ruhiger Partner ist. Fast ein bisschen Richtung "weichgespült". Das soll so bleiben, denn es ist schon wichtig. 

Die stahlblauen Groschenroman-Augen sind gestrichen  :cheese:

Besonders hilfreich war mir dein Vorschlag, Melissa selber überrascht sein zu lassen, dass sie sich plötzlich auf Erics Zärtlichkeit einlässt. Da hab ich nur wieder das Problem, das rüberzubringen ohne Melissas Gedanken zu schreiben. Da tue ich mich immer schwer mit. Ich habe das diesmal ja schon einmal getan und die Gedanken dann kursiv gesetzt. In Handlung rüberbringen bekomme ich (leider) oft nicht richtig hin.

Ganz lieben Dank noch mal! Du hast mir, wie immer, sehr weiter geholfen! :jump2: :wink:

Offline Ayira

  • Röstdämon
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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #5 am: 13 Juni 2018, 11:48:53 »
Zitat
Da hab ich nur wieder das Problem, das rüberzubringen ohne Melissas Gedanken zu schreiben. Da tue ich mich immer schwer mit. Ich habe das diesmal ja schon einmal getan und die Gedanken dann kursiv gesetzt. In Handlung rüberbringen bekomme ich (leider) oft nicht richtig hin.

Wie meinst du das genau?
Ich hatte z.B. bei Neserets Prolog (Ich-perspektive) zuerst auch seine Gedanken kursiv dargestellt - was aber verwirrend war durch die unmittelbare Ich-Perspektive. Ich habe seine Gedanken als "Fragen" dargestellt ... schwierig zu beschreiben.
Vllt hilfts dir, da über die (finale) Version drüberzulesen. Such geziehlt nach seinen Gedanken im Text; sie sind quasi indirekt drinnen.
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Offline Trippelschritt

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #6 am: 13 Juni 2018, 14:09:36 »
Ein gutes Kapitel, spannender Einstieg und trotzdem habe ich das Gefühl, Du musst es von vorn bis hinten neu schreiben. Konkrete Änderungsvorschläge kann ich dir nicht machen, aber zumindest zwei Punkte anmerken, wo Du Entscheidungen treffen musst.

1. Eine der schwierigsten Entscheidungen für einen Autor ist es zu bewerten, was wichtig genug ist, dass es beschrieben wird. Oder - wenn die Ausführlichkeit der Beschreibung selbst unwichtig ist, weil Folge einer Zeitstreckung - wo soll ich strecken und wo nicht.
Der Kater bekommt zu viele Sätze, die für mich keine Funktion haben. Wenn Du die Sätze so stehen lassen willst, dann muss sich etwas davon in Melissas Kopf wiederfinden lassen, denn sie beobachtet. Dann haben die Sätze einen Gegenpol. Erik hingegen hat nichts mit dem Kater zu tun. Oder es reicht Dir vielleicht: Der Kater verließ die Wohnung über die offene Terrassentür. Oder so etwas.

Die ausführliche Beschreibung wichtiger und unwichtiger Details ihrer "geplanten" Erotik hingegen ist grundsätzlich in Ordnung, denn da gibt es eine Wendung, die vorbereitet werden muss. Die Ausführlichkeit ist überraschenderweise für mich nicht so hoch wie bei Katers Abschied, nur länger. Da stolperte ich als Erstes über.

2. Den zweiten Punkt haben meine Vorröster schon angemerkt. Melissas Sinneswandel überzeugt auch mich nicht. Sie hat keine Lust. Verständlich. dass sie dann doch nachgibt, ist auch verständlich. vor allem mit einer Stimme des Therapeuthen im Kopf. Aber keine aufflammende Leidenschaft. So etwas hätte ich durchaus als Möglichkeit gesehen, aber erst zu einem viel späteren Zeitpunkt, zu dem es aber wohl nicht mehr kommt.

Ich kann noch nicht vermuten, wie wichtig die Liebesszene für die Geschichte ist oder für die Psychologie für das was danach kommt. Aber Du erscheinst mir unentschlossen.
- Sie gibt seinen Wünschen nach, obwohl sie keine Lust hat. Reine Kopfsache. Schließlich muss irgendwann der Weg zurück zur normalität angeteten werden.
- Sie gibt seinen Wünschen nach, weil sie mitleid mit ihm hat. Ihr ist nicht nach Sex, aber man kann sich auch mit mütterlichen Gefühlen um einen angeschlagenen Ehemann kümmern.
- Sie liebt ihren Mann immer noch. Nur ist da gerade diese dicke Barriere. Aber vielleicht kommt der Spaß beim Essen. Oder oder oder ...

Schreib, was Du willst, aber ich befürchte, dass Du Melissa noch nicht verstehst in dieser Situation

Und dann noch eine Kleinigkeit am Anfang. Ein Er/sie zu Beginn einer Situation, wenn der Leser noch nicht orientiert ist, geht nicht. Das ist ein klarer (Anfänger)fehler. Schreib Ehemann oder nimm den Namen oder lös es sonstwie. Ich sage das deshalb so hart, weil sich dieser Fehler immer mal wieder einschleicht. Es kann ganz leicht passieren und selber stolpert man dann nicht mehr drüber. Du bist da also in guter Gesellschaft.

Zu einzelnen Sätzen sage ich nichts. Du musst ja doch zu viel Grundsätzliches ändern. Aber ich finde, dass diese ganze Szene enorm viel Substanz hat. Auch den Aufbau kannst Du so lassen. Und ich sehe diese Szene auch bereits in einem Film vom Typ ...demnächst in Ihrem Kopfkino.

Schöne Sache
meint Trippelschritt

« Letzte Änderung: 13 Juni 2018, 14:15:42 von Trippelschritt »
  • Ich schreibe gerade: Ypsilone
Womit kann der alte Vol Jin euch helfen

Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #7 am: 13 Juni 2018, 14:14:40 »
Hallo Xaranis,

hab vielen Dank auch dir für dein Feedback.
Die Anfangsszene wird auf jeden Fall umgeschrieben und die Perspektive überarbeitet. Es ist doch wirklich unglaublich wie betriebsblind man manchmal ist, wenn es um die eigenen Texte geht. Jetzt, nachdem ihr die Sache mit der Katze, durchgeröstet habt, frage ich mich, warum ich das nicht selber gesehen habe  :weissnicht:.


also ich finde, da steckt noch einiges an Arbeit drin.


Definitiv!!  :blush:



Wenn du die Szene also im Bett haben willst, gibt es da zwei Szenarien:
-Sie hat mit ihren Problemen weit genug abgeschlossen:
Sie geht auf Eric ein und er schafft es, dass ihre Probleme in den Hintergrund treten. Vielleicht ist er auch witzig. Der Alkohol erledigt dann den Rest (die Entwicklung des Abends zeigen!). Vielleicht gibt sie sich auch kampfbereit und sagt sich: Das Leben muss weitergehen - Zeit, es wieder in die Hand zu nehmen und zu genießen.

Oder:
- Sie ist noch nicht drüber hinweg, hat aber Angst, Erics Geduld überzustrapazieren oder ihn zu enttäuschen. Sie übt sich also in Schauspiel (zeigen!). Sie gibt ihm nach, obwohl sie eigentlich nicht in der Stimmung ist, mit ihm zu schlafen. Die emotionslose Art, wie sie sich auszieht, wäre ein optimaler Kontrapunkt zu einer nach außen hin geäußerten "Alles-in-Butter-lass-uns-über-die-Laken-tollen-Stimmung".


Tolle Vorschläge! Ich denke, es wird ein Mix aus Beidem. Sie hat auf jeden Fall Angst, Erics Geduld überzustrapazieren und gibt ihm nach ohne wirklich Lust zu haben. Die Lust stellt sich dann doch ganz zaghaft ein, wenn sie im Bett liegen, zu ihrer eigenen Überraschung. So vielleicht in der Richtung.

Alle Hinweise sind mal wieder sehr, sehr hilfreich! Vielen Dank!
Dann mach ich mich mal an die Arbeit  :grinwech:

Offline eska

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #8 am: 13 Juni 2018, 14:44:38 »
(Hey, das geht ja heute wie das Brezelbacken mit den Röstis! Gabeln gut angespitzt zur Zeit?)

Hallo, Schreibsuse!

Was ich zu deiner zweiten Version einer ersten Szene zu sagen habe, deckt sich zum Teil mit Ayiras und Xaranis' Beobachtungen (weiter habe ich noch keine gelesen). Du kriegst es trotzdem noch mal (aua), weil ich schon neulich nicht dazu kam, mitzurösten, und dein Text es durchaus verdient hat. Das heißt: Daumen hoch! ;D

Am ersten und zweiten Satz stört mich vor allem das 'der Kater'. Wenn schon Willow mit Namen eingeführt wird, dann ist er wichtig und wird von Melissa nicht der Kater genannt.

Erbse: ein Antidepressivum

Jetzt zur Beziehung:

Zitat
»Es ist Freitag und wir haben sturmfrei.«

Wirkt komisch: Beide wissen doch, dass es Freitag ist, ist es schon den ganzen Tag und Abend. Und sturmfrei, weil der Kater raus ist? Mischt der sich sonst ein? Ich würde eher denken: "So, jetzt haben wir unsere Ruhe. Nur wir zwei." Oder sonstige Formulierungen, die ihre Vertrautheit zeigen.

Zitat
griff lächelnd nach der Weinflasche, die er gleich nach Feierabend dem Weinregal im Abstellraum neben der Küche entnommen und demonstrativ auf den Esstisch gestellt hatte.
Die so genaue Beschreibung lenkt meine Aufmerksamkeit nur noch auf das Weinregal (Wofür muss ich das wissen? Was hat es mit dem Abstellraum auf sich?) Schadet es, wenn du kürzt: 'Weinflasche, die er gleich nach Feierabend demonstrativ auf den Esstisch gestellt hatte.'?

Zitat
»Die Gespräche drehen sich irgendwie im Kreis«, fuhr ich fort.
Das Inquit (Sprecheranzeige) kannst du streichen. Die beiden wechseln sich ab (siehe Absätze), der Inhalt macht klar, wer spricht, und Eric antwortet sofort wieder.
Zitat
Akzeptieren sie ihr eigenes Tempo ebenso wie das ihres Mannes«, hörte ich in meinem Inneren Dr. Krämers Mahnung. Ich biss mir auf die Lippe. »Könnten wir wohl das Thema wechseln?«
»Natürlich.« Eric seufzte leise.

Großbuchstaben bei Sie, Ihr, Ihres
Irritierend im Hinblick auf danach: Sie weist ihn ziemlich förmlich ab, er ist enttäuscht, und dann? Er geht drüber hinweg und sie verdrängt, ihre Skrupel, ihre Gefühle?

Zitat
eine qualvolle Sehnsucht, die mir ins Herz schnitt.
Das kommt überraschend heftig. Bisher wirkte sie eher gegen ihren Willen gefühlsbetäubt, reagierte nicht auf seine Aufforderungen, ließ keine Freude/Wohligkeit/Erregung oder so erkennen. Dass sie ihn leiden sieht und ihm gerne entgegenkäme, wenn sie könnte, kannst du aber leicht vorher einbauen.
Zitat
Meine Anspannung verlor sich und ich erwiderte seine Küsse atemlos. Es fiel mir schwer mich wieder von ihm zu lösen
.

Das überzeugt mich noch nicht; mehr Gefühle bitte! Wie fühlt sie sich, wie fühlt er sich an, was denkt sie, was will sie, vielleicht sogar ganz bewusst, um mit einem Ruck in die Normalität von früher zurückzukehren...?

Zitat
Ich war so dünn geworden, dass meine Schlüsselbeine wie knorrige Äste über meinen Brüsten hervorragten. Nicht sehr sexy. Ich schloss kurz die Augen und atmete einmal tief durch.
Interessanter Punkt: Gibt sie sich die Schuld am Tod Kathlens und der Blick verrät Selbsthass? Dann würde ich akzentuieren: 'Ich war so dünn geworden! Meine Schlüsselbeine stachen wie knorrige Äste aus der Haut, meine Brüste hatten sich fast zur Gänze verkrochen. Nicht sehr sexy. Ich schloss kurz die Augen und atmete einmal tief durch.'
Je nachdem, wie alt ihre Tochter war und ob sie sich eventuell noch ein Kind vorstellen kann, kann sie noch etwas Kasteiendes zur Funktion des Stillens denken: "Na, sie wurden ja auch nicht mehr gebraucht."
Zitat
Dann rollte er sich auf mich. Ich schloss die Augen und streichelte seinen Rücken. Die Leidenschaft vernebelte meinen Geist mehr als es der Wein vermocht hatte.
Da glaube ich dir endgültig nicht mehr. Ihre Reaktion und der Mangel an mitgeteilten Gefühlen lässt mich alles andere als Leidenschaft nachempfinden. Woher sollte die auch kommen? Außer stahlblauen Augen (gut?schlecht?gruselig?) habe ich vom Erics Körperlichkeit und Anziehungskraft auf Melissa noch nichts mitbekommen, kein Gefühl von Vertrautheit oder Geborgenheit in seinen Armen, kein Geruch nach ihm (nicht dem Parfum, außer es hat eine besondere intime Bedeutung), kein Erschauern oder so. Und vernebelte Sinne sind Leidenschaft eher abträglich. Das sinnvolle Pensum ist entspannend, enthemmend, nicht benebelnd. Hat er sich verrechnet oder klappt es nur so, in benebeltem Zustand?
Ich frage so genau, weil die Art, wie sie aufeinander reagieren oder er mit ihr umgeht, deutlich zeigt, dass noch mehr nicht stimmt, als nur der nicht verarbeitete Tod ihres Kindes. Und gerade, weil dies die Anfangsszene sein soll, legst du damit Lockspuren für die tragenden Konflikte des ganzen Romans. Also müssen es genau die richtigen sein.

Zitat
Ich öffnete die Augen wieder ein wenig.
Und da sah ich es.
Etwas, das weit außerhalb dessen lag, was mein Verstand in diesem Moment zu erfassen vermochte.
In der Nähe der Tür befand sich etwas Großes, Schwarzes.
Ein Schatten.
Etwas? Jemand?

Auch das spricht für mich nicht für Konzentration auf Leidenschaft. Wieso guckt sie, wenn sie schon guckt, an ihm vorbei ins eigentlich leere Zimmer? Und scheinbar relativ weit weg, in die Nähe der Tür. Je nach Position kann sie verschiedene Bereiche des Raumes sehen, aber da sie unten liegt, eher an der Decke oder aus den Augenwinkeln. Da nimmt man nur Bewegung wahr. Und auch nicht im Dunkeln. Gibt es ein Mini-Licht? Schalter, Display... Oder Licht von draußen durchs Fenster? Wenn sie solche Dinge schon vorher bemerkt, ist der Schatten, den sie sieht, glaubwürdiger. Die Leidenschaft nicht, sorry. Aber brauchst du die? Eine depressive Frau, die sich ihrem Mann zuliebe überwindet, muss ja nicht gleich abgehen wie eine Rakete. Bitte lass sie ein bisschen denken, damit man sie besser versteht!

Ein bisschen Arbeit, wie Xaranis schon sagte, ja. Aber die lohnt sich, glaube ich, denn die Szene kann viele LeserInnen einfangen, es steckt genug Konflikt drin. Und dann der Knall...

Viel Erfolg!

eska
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #9 am: 13 Juni 2018, 16:14:22 »
@ Trippelschritt und eska
Vielen Dank auch an Euch für die hilfreiche Kritik. Ich gehe darauf später noch mal ausführlich ein. Heute schaffe ich es leider nicht mehr. Aber alle Tipps von Euch sind nachvollziehbar und werden auf jeden Fall Berücksichtigung finden.
Ihr seid echt klasse!!  :-*

@Ayira
Ich finde leider die finale Version deines Prologs nicht mehr :-(. Gibst du mir bitte noch mal einen Tipp wo ich schauen muss  :confused:

Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #10 am: 14 Juni 2018, 07:05:19 »
Hallo Trippelschritt!

Ich würde gerne bei deiner Röstung noch einmal nachhaken.

Und dann noch eine Kleinigkeit am Anfang. Ein Er/sie zu Beginn einer Situation, wenn der Leser noch nicht orientiert ist, geht nicht. Das ist ein klarer (Anfänger)fehler. Schreib Ehemann oder nimm den Namen oder lös es sonstwie. Ich sage das deshalb so hart, weil sich dieser Fehler immer mal wieder einschleicht. Es kann ganz leicht passieren und selber stolpert man dann nicht mehr drüber. Du bist da also in guter Gesellschaft.


Könntest du mir hierzu noch einmal kurz genauer sagen, wie du das in meinem Text meinst? Ich hatte anfangs zweimal den Namen (Eric) genannt, bevor ich ihn mit "er" betitelt habe . Ich wollte Wiederholungen vermeiden. Da ich nun den ersten Absatz noch einmal komplett umschreiben muss (aus Perspektive Prota), werde ich Eric vorstellen als "mein Mann". In Folge dann Eric. Aber ab wann meinst du, ist es passend auch mal ein schlichtes "er" einzuflechten?  huh?

Sorry, wenn ich etwas begriffsstutzig bin. Theoretisch weiß ich was du meinst. Aber beim Praxistransfer hapert es noch  :blush:
Auf jeden Fall: Vielen lieben Dank!

Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #11 am: 14 Juni 2018, 08:40:33 »
@ Trippelschritt und eska
Vielen Dank auch an Euch für die hilfreiche Kritik. Ich gehe darauf später noch mal ausführlich ein. Heute schaffe ich es leider nicht mehr. Aber alle Tipps von Euch sind nachvollziehbar und werden auf jeden Fall Berücksichtigung finden.
Ihr seid echt klasse!!  :-*

@Ayira
Ich finde leider die finale Version deines Prologs nicht mehr :-(. Gibst du mir bitte noch mal einen Tipp wo ich schauen muss  :confused:

Du kriegst gleich den Link ;-)
Hier, bitte: https://www.federfeuer-forum.de/forum/index.php?topic=18360.0

Was vielleicht noch hilfreich ist: Durch die Ich-Perspektive bist du unmittelbar beim Charakter - bzw. BIST der Charakter. Du wirst da also niemals Gedanken á la: Mensch, bin ich blöd, schoss es mir in den Sinn haben. Wenn du/ICH an was denk, dann DENK ich einfach da dran - á la: Wie blöd war ich eigentlich, mich dazu hinreißen zu lassen? Ich schnappte meine Autoschlüssel. Je schneller ich es das wieder ausbügeln konnte, desto besser. Nicht zu denken, was sonst passieren würde!

So kursive Gedanken, wie bei dir beim Arzt, würde ich sparsam und auch nur bei (direkten) Erinnerungen an Gesprächsfetzen von anderen machen - wenn die Prota quasi im Kopf die Stimme dieses anderen hört, was der gesagt hat.

Hoffe, das hilft dir
LG
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Offline Trippelschritt

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #12 am: 14 Juni 2018, 08:55:59 »
@ Schreibsuse

Tschulligung
Als ich mit der Lektüre durch war und oben noch mal reingeschaut hatte, war das ein zu flüchtiges Zweitlesen. Nein, ist alles in Ortdnung. Jeder Leser (außer mir natürlich) sollte wissen, wer Erik ist.  :lava:

Trippelschritt
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #13 am: 14 Juni 2018, 11:44:09 »
@ Trippelschritt

Puh . . . danke für die Aufklärung  :kaffee2:
Dann bin ich ja beruhigt.  :cheerful:

Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #14 am: 14 Juni 2018, 12:05:23 »
Wenn du Erik zum ersten Mal erwähnst, kannst du ja z.B. "Mein Mann Erik nippte neben mir am Wein" schreiben. Dann ist gleich klar, wer Erik ist - und sobald der Name einmal erwähnt ist, kannst du gleich mit "er" weiterschreiben - du hast ihn ja "vorgestellt".

Auch ist es selbsterklärend, wenn du zuerst nur "mein Mann" schreibst und dann darauf "Erik" oder "er".

Im Verlauf würde ich dann mit "Erik" und "er" abwechseln - damits nicht monoton wird.  :wink:
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #15 am: 14 Juni 2018, 13:21:34 »
Oh supi! Vielen Dank für den Link!!  :dops:

Nun habe ich aber leider noch genauso viele Fragezeichen im Kopf, wie vorher  huh?
Sorry, für so viel Begriffstutzigkeit   :flenn:

Du schreibst in dieser Version:
"Ich war nicht wie die anderen. Mein Seelenfeuer füllte mein Inneres nicht aus - vielmehr verloren sich die Flammen in der kalten Leere, die in mir klaffte. Der Verlust brannte dort, als hätte ein wildes Tier ein Stück von mir herausgebissen. Meine Herde gab mir die Schuld daran - und der Leithengst drängte mich jeden Morgen einen Schritt weiter von der Herde weg."

Ich nehme an, dass dies Nesert´s Gedanken sein sollen, oder? Aber habt ihr nicht gesagt, man soll die Gedanken durch Handlung zeigen? Nicht einfach nur erzählen? Worin besteht der Unterschied zwischen so einer faktischen Erzählung und Infodump? Nicht falsch verstehen, bitte! Dein zitierte Absatz bei ist natürlich kein Infodump!
Ich versuche nur zu begreifen woran man den Unterschied erkennt. Irgendwie tue ich mich schwer damit und das verunsichert mich beim Schreiben. 
Ich wollte nämlich zunächst auch etwas Erklärendes zu den Hintergründen schreiben (Kathlen ist mit 18 Jahren bei einem Autounfall gestorben. Sie hatte den Führerschein noch nicht lange und dies war eine ihrer ersten Nachtfahrten ohne Begleitung). Aber dann kam mir das vor wie Infodump und ich hab es mir für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben, wo es als Erinnerung gut reinpasst.


Offline Trippelschritt

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #16 am: 14 Juni 2018, 14:23:21 »
Zunächst einmal, bevor das vergessen wird, Info ist super! Aber wenn man Informationen präsentiert, sollte das gekonnt oder unterhaltend sein.
Indodump ist schlecht, weil es zu viel Info auf einem Haufen ist. Und gleichzeitig verbirgt sich hinter diesem Begriff außerdem noch schlecht präsentierte Information.

Schnapp Dir ein buch von einem Autor, den zu lesen, Dir viel Vergnügen bereitet hat. Und dann vergleiche mal, wie dieser Autor das macht und lies dann zum Vergleich noch einmal meine erste Szene, wo Du genug Dump findest. Das ist ein gutes Besispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

Der systematische Weg es zu lernen dauert lange. Es fängt mit Perspektive und Nähe-Abstand an, kreuzt Mono-, Dia- und Polyloge und hört womöglich bei Landschaftsbeschreibungen auf.

Nicht alles auf einmal


Liebe Grüße
Trippelschritt


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Offline Ayira

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #17 am: 14 Juni 2018, 14:56:16 »
Hi,

versteh mich nicht falsch, ich bin sicher nicht der Meister der Ich-Perspektive mit diesem Prolog. Für mich funktioniert er so und ich brauche diese Hintergrundinformation. Gerade deswegen habe ich den Prolog auch geschrieben.

Das Grundprinzip ist "Show, don't tell" - natürlich soll man mehr "zeigen", als "erklären". Der Absatz hier ist (so meine Ansicht/Verteidigung) ein (indirekter) Gedanke von Neseret. Er "fühlt" das gerade im Moment; das ist der Grund, warum er ausgegrenzt wird.

Ein "direkter" Gedanke wäre z.B. das:

Zitat
Ein paar Tage ... ich brauchte zumindest noch ein paar Tage mit ihnen. Mein Seelenfeuer gehorchte mir noch nicht. Ich musste erst lernen, die Flammen zu kontrollieren - damit sie mich beschützen konnten! Wie hätte ich sonst eine Chance? Allein?

Man finde, man sieht, dass es (direkt) Gedanken sind. Sie sprechen einen irgendwie "unmittelbarer" an. Aber das ist meine Ansicht.

ICH-Perspektive kann eine Krux sein; ich persönlich schreibe lieber aus der 3. Person - aber zu Neseret passt die Ich-Perspektive schlicht besser. Ich muss auch sagen, ich lese lieber aus der 3. Person.

Ich-Perspektive im Präsens z.B. geht für mich gar nicht ... habe lange überlegt, ob ich mir das bei Neseret antun soll, aber diese Sicht muss einem wirklich liegen. Und mir gefällt sie nicht einmal  ::) :wiejetzt:

Wenn du dir mit der Schreibweise unsicher bist, wäre z.B. ein Buch aus Ich-Sicht im Präteritum hilfreich. Einfach, um "reinzukommen" und Praxis zu sehen.
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #18 am: 14 Juni 2018, 15:12:55 »
Hallo Ayira,

ich verstehe was du meinst. Aber theroretisches Wissen und praktisches Umsetzen ist halt leider zweierlei :-(. Ich tue mich noch schwer mit dem Zweiten!
Die Ich-Perspektive finde ich für meinen Roman wichtig. Es soll sich so lesen, als würde es eine Person erzählen, die das tatsächlich erlebt hat und nun davon berichtet. Und da muss ich mich wohl einfach noch mehr reinversetzen.

Es gibt ja auch ein paar wenige Kapitel aus Sicht des Antagonisten, die dann natürlich in der 3. Person geschrieben sind.

Ich probiere einfach weiter rum und wenn ich meine, DAS ist es jetzt, lege ich euch das Kapitel noch mal zum Durchrösten auf den Grill  :mob: . . . und bin garantiert wieder erstaunt was ihr dabei alles zu Tage fördert   :kopfwand:!
Lieben Dank erst mal!  :wink:

Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch Kapitel 1 neue Version
« Antwort #19 am: 14 Juni 2018, 15:46:41 »
Hallo Trippelschritt,

sehr wahr gesprochen!



Der systematische Weg es zu lernen dauert lange. Es fängt mit Perspektive und Nähe-Abstand an, kreuzt Mono-, Dia- und Polyloge und hört womöglich bei Landschaftsbeschreibungen auf.

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Oh Backe!  :traurig: Es gibt viel zu tun . . . ich fang schon mal an  :arbeit: :wink: