Autor Thema: Ein Viertel Elfenblut  (Gelesen 446 mal)

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Offline Trippelschritt

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Ein Viertel Elfenblut
« am: 08 Juni 2018, 15:52:47 »
Liebe Freunde,
der AT ist "Ein Viertel Elfenblut. Auf Patrouille umfasst nur eine Szene. Es kann sein, dass die Überschrift später entfällt. Diese Szene ist die erste in meinem neuen Projekt und mich interessiert nach mehrmaligem Umschreiben nur ein Punkt. Hat diese Szene genügend Sogkraft. Ihr könnt alles Rösten, was Ihr wollt, auch Erbsen, obwohl der Text noch mehrmals überarbeitet werden wird. Abe das Umschreiben habe ich hoffentlich heute erledigt. Nach dieser Szene kommt ein Schnitt und es geht mit einem neuen Plotstrang weiter. Trotzdem halte ich diese Szene nicht für einen Prolog.
Was sagen die Figuren, ist das Setting verständlich und auch der Rest? Wie gefallen die Figuren? Genügend Spannung? Verständlichkeit? Also alle die groben Sache, die mich interessieren.

Legt los
meint Trippelschritt




Ein Viertel Elfenblut


Auf Patrouille

Die Elfen nannten das Dämmerlicht des Waldes Augentrost, weil es Schlafmangel und schmerzende Glieder vergessen lässt. Doch damit war jetzt Schluss. Silvan kniff die Augen zusammen, als er den Blick in die Höhe richtete, wo immer mehr hellgelbe Sonnenstrahlen ihren Weg durch das lückenhaft werdende Kronendach fanden. Auf dem Waldboden wurden die ersten Bäume durch Büsche ersetzt, überall brachen spitze Steine durch die Bodenkrume und der Untergrund hörte auf zu federn, weil ihm die Feuchtigkeit fehlte. Sogar das gleichmäßige Blasen des Windes, das die Baumwipfel in Bewegung brachte, war mittlerweile zu hören. Bald würden die Männer den schützenden Wald ganz verlassen haben. Als wollte die Natur Silvans Meinung bestätigen, stieg der Weg, wenn man ihn denn Weg nennen wollte, plötzlich steil an und eine Flut von Licht ließ Blätter und Äste der Büsche aufleuchten.
„Wir sind zu weit“, rief Lind, für den das erst die zweite Patrouille war, der er sich anschließen durfte.
Hauptmann Bork am Kopf des Trupps blieb stehen und drehte sich um. „Was ist nah, was ist weit und was ist zu weit, Lind? Sag mir das.“
Lind verriegelte den Abzug seines Gewehrs mit der großen Revolvertrommel und legte es sich über die Schulter. „Zu weit ist, wenn wir Elfenland verlassen haben. Was da vor uns liegt, ist gehört schon zum Gebiet der Drachen, Hauptmann.“
„Und was soll das bedeuten, Klugscheißer Lind?“, fragte Bork. Seine Stimme war leise geworden. Das war immer ein schlechtes Zeichen, und Maitrieb senkte den Blick und ordnete lieber die Gewichte seiner Bola, als sich an diesem Gespräch zu beteiligen. Silvan hingegen grinste offen. Es war nicht das erste Mal, dass er Hauptmann Bork begleitete und auch Polizeikrieger Maitrieb war ihm kein Unbekannter. Was führte dieser Mann doch für einen wunderschönen Namen. Eine Verheißung für ein Kind oder einen jungen Mann. Leider nicht für jemanden, der im Dienst der Gesundheitspolizei alt und grau geworden war. Hatte seine Mutter denn nicht damit gerechnet, dass ihr Sohn einmal erwachsen werden würde?
Und dann gab es noch Zak, dem Silvan aber nicht mehr als einen schnellen Blick gönnte. Der hatte, als sie sich auf den Weg machten, seinen Namen genannt, und war anschließend verstummt. Als einziger Uniformträger war er sich sicher, dass niemand ihn mit Fragen belästigen würde, denn Zak war ein Mann der Baumwipfelelite, der mehr mit dem Rat und dem inneren Regierungskreis ihres Volkes zu tun hatte als mit denen, die der der Gesundheit des Landes dienten. Aber hieß es nicht, dass immer fünf Blütenblätter eine Blüte zierten. Und wenn es nicht fünf waren, dann waren es gleich sehr viele. Alles andere war ein Fehler in der Ordnung. Dieses Wissen war selbst dann gültig, wenn es Blüten mit vier oder sieben Blättern gab. Mutter Natur hielt sich bekanntermaßen nicht immer an ihre eigene Ordnung. Doch durfte das nicht als Ausrede gelten, um von dem, was sein musste, abzuweichen. Eine ordentliche Patrouille bestand aus fünf Männern. Immer und in jedem Fall. Bork hätte lieber einen weiteren Kämpfer mitgenommen anstelle von Zak, aber Bork führte die Patrouille nur an. Zusammengestellt hatte er sie nicht.
Lind hatte endlich begriffen, dass er besser seinen Mund gehalten hätte. Er räusperte sich verlegen und sagte: „Ich meine ja nur.“ Die Worte kamen ziemlich lahm heraus und bei einigen gingen unterwegs auch noch die Enden verloren.
„Dann hör mir jetzt zu, Lind. Denn ich sage es dir nur einmal. Wenn die Gesundheitspolizei Patrouille geht, dann geht sie Patrouille. Wenn sie einen Auftrag hat, dann erfüllt sie ihn und kehrt erst zurück, wenn sie ihn erfüllt hat. Zu den Dämonen damit. Wenn wir ausgeschickt werden, um einen Gestaltwandler einzufangen, der sich hier herumtreiben soll, dann werden wir ihn einfangen oder uns davon überzeugen, dass er dieses Gebiet bereits wieder verlassen hat. Landesgrenzen gelten für die Gesundheitspolizei nicht, denn nur wir Elfen sind Willens und in der Lage, reines und unreines Blut zu erkennen und voneinander zu trennen. Und bei den Göttern, niemand wird mich davon abhalten, meine Pflicht zu erfüllen. Halte also in Zukunft besser dein ungewaschenes Maul, Lind!“
Lind hatte voller Schrecken die Augen aufgerissen. Das war selbst für einen wie Bork eine lange Ansprache gewesen. Aber Bork liebte es, alles in der Hand zu halten und hasste Überraschungen. Für Silvan war die Gesundheitspolizei nichts, denn er liebte nichts mehr als seine Unabhängigkeit. Obwohl er jünger war als die anderen, respektierte Bork ihn. Und Silvan mochte den erfahrenen Bork, der ein starker Zauberer war. Leider war der aber auch ein Eiferer. Seine Zauberkunst war der Grund für einen raschen Aufstieg in der Gesundheitspolizei gewesen und sein Glaubenseifer hatte dafür gesorgt, dass er in den mittleren Rängen stecken geblieben war.
„Weiter geht’s!, rief Hauptmann Bork. Sie hatten sich lange genug hier aufgehalten und der Weg wurde nicht leichter, war er doch mehr Pfad als Weg und stellenweise völlig zugewachsen. Doch irgendwann erreichten die fünf Männer eine Kuppe, von der aus sie einen atemberaubenden Ausblick über das gesamte Gebiet hatten.
„Wir haben jetzt Elfenland verlassen und das Land der Drachen betreten. Denkt bitte daran, dass wir hier nur Gäste sind.“ Beinahe feierlich klang die Stimme des Hauptmanns.
Silvan kniff die Augen zusammen. Seine feinen Augen litten mehr unter dem grellen Licht als die der anderen. Er beschattete sein Gesicht mit der Hand und fragte nur: „Wie sollen wir in diesem Gelände einen Gestaltwandler finden?“
„Interessant, Waldläufer, dass gerade Ihr uns diese Frage stellt. Ihr sollt ihn doch aufspüren. Mit Ausdauer gelingt das, mein Freund. Mit Ausdauer.“
Wieder so eine typische Antwort ihres Hauptmanns. Er war auch der Einzige, der ihn Waldläufer nannte. Und das war ein hohes Lob, denn in Borks Augen war jede Polizeiarbeit nicht mehr als Pflichterfüllung und deshalb niemals gut genug, als dass es so etwas wie Anerkennung verdient hätte.
Ein Zischen ließ die Männer erst ihre Köpfe herumreißen und dann ihre Münder offenstehen. Keine fünfzig Schritte vor ihnen hob ein Drache ab und flog über das vor ihnen liegende Tal hinweg bis zu einer Klippe, hinter der er dann im Buschwerk verschwand. Allein die schiere Größe dieses Tieres war beeindruckend. Es in der Luft zu sehen, wo es keinen Flügelschlag zu viel tat, war ein seltener Anblick außerirdischer Schönheit, und die Gewissheit, dass Witz und Klugheit dieser Wesen selbst den hellsten Kopf im Elfenland übertrafen, ließß manchen der Männer demütig werden.
„Wenn ich einen Drachen fliegen sehe, habe ich immer den Eindruck, ich atme Magie. Kein Vogel fliegt so wie ein Drache“, sagte Maitrieb.
„Wie fliegt denn ein Drache?“, wollte Lind wissen.
„Majestätisch, magisch, überirdisch. Such dir etwas aus. Man müsste ein Dichter sein, um es zu beschreiben.“
„Sie sind eine der drei Rassen der Vernunft. So wie wir Elfen auch.“ Das war das erste Mal, dass Zak etwas von sich gab, seitdem er seinen Namen genannt hatte, und alle Köpfe drehten sich zu ihm um.
„Recht habt Ihr“, sagte Hauptmann Bork. „Aber Elfen fliegen nicht Das können nur die Drachen.“
„Aber wie die Drachen nutzen wir die Magie der Natur. Was sollte uns also daran hindern, es ihnen gleich zu tun.“
Maitrieb schüttelte den Kopf. „Uns fehlt das nötige Wissen. Und hätten wir es könnten wir es trotzdem nicht. Nicht so wie die Drachen. Nein. Ganz und gar nicht.“
„Aber immerhin stehen wir über den Menschen. Die wissen nur, dass es Magie gibt. Und das ist es auch schon“, sagte Lind und warf sich in die Brust, weil er der Ansicht war, er hätte soeben etwas sehr Kluges gesagt. Aber die anderen Elfen verzogen nur die Gesichter zu einer geringschätzigen Grimasse.
„Nenn mich nicht mit den Menschen in einem Atemzug, du Holzkopf“, schimpfte Hauptmann Bork.
„Immerhin gehören auch die Menschen zu den vier Rassen der Vernunft“, gab Zak zu bedenken. Er hielt seine Augen halb geschlossen und schien die Anwesenden scharf zu beobachten. Es war Bork, der den Köder abbiss und sich prompt daran verschluckte. „Ihr wollt doch wohl nicht andeuten, Zak, dass Gestaltwandler eine eigene Rasse sind. Für mich sind das nicht mehr als Tiere.“
Zak hob entschuldigend die Hände. Ich kenne die offizielle Sprachregelung unserer Regierung. „Ja, es sind Tiere. Und doch. Sie besitzen Vernunft.“
„Lasst es gut sein.“ Silvan fühlte sich bemüßigt, beruhigend einzugreifen. „Wahrscheinlich sind sie in einer oder zwei Generation bereits wieder verschwunden. Sie sind recht plötzlich gekommen, sie werden auch plötzlich wieder gehen.“
„Es gibt sie schon so lange, ich denken kann“, sagte Lind.
Silvan verkniff sich eine Bemerkung über Linds Denkfähigkeiten, als Bork seinem jungen Krieger zustimmte: „Sie sind kein Teil unserer Legenden“, sagte mit einem langsamen und nachdenklichen Schütteln seines Kopfes. Aber es gibt sie schon zu lange, als dass wir hoffen dürfen, sie wären bald wieder verschwunden.“ Und dann aus tiefstem Herzen: Oh, wie ich diese Viecher hasse.“
Silvan spürte eine leichte Neugier nach diesem Ausbruch ihres Anführers und wartete darauf, dass Bork noch etwas zu dem Grund seines Hasses sagen würde. Doch stattdessen raschelte es vor ihnen, einige Äste schlugen wie wild und ein zweiter Drache schob sich durch die Büsche. Er war älter als der erste und größer, im Vollbesitz seiner Kraft und brach sich seinen Weg.
„Schon wieder der Dr-Dr-Drache“, stotterte Lind. „Und ganz nahe.“
„Das waren zwei Drachen, Lind“, sagte Silvan und nahm den Krieger in den Arm, als brauchte der Trost. „Hast du gesehen? Dieser zweite hatte etwas mit einem seiner Flügel.“ Lind nickte. „Ob gebrochen oder gelähmt konnte ich nicht erkennen. Er ist eine Berühmtheit und wird Kriecher genannt.“
„Kein Drache sollte Kriecher heißen“, sagte Hauptmann Bork. „Auch dann nicht, wenn sein Flügel verkrüppelt ist. Sie sind Götter.“
Zak lächelte verächtlich. „Die Götter sind tot. Wisst Ihr das nicht, Hauptmann Bork?“
Lind hatte nicht zugehört. „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Drachen gesehen. Und jetzt gleich zwei.“
„Wir sollten weitergehen“, sagte Maitrieb, aber daran war nicht zu denken, denn Bork stand ebenso fest verwurzelt wie Lind. Wenn auch aus anderen Gründen.
„Mein Urgroßvater hat einmal einen Drachen gefangen. Oder es war dessen Vater.“ Silvan seuzte. Jetzt war Bork der Geschichtenerzähler erwacht, dessen Urgroßvater für mehr als die Hälfte aller Heldentaten im Elfenland verantwortlich gewesen sein musste, wenn es nach dem Hauptmann ging. Aber dann sagte er etwas, das Silvan nachdenklich stimmte. „Sein rechter Flügel war gelähmt. Sonst wären wir nicht an ihn herangekommen. Urgroßvater muss einen gewaltigen Zauber gesprochen haben, denn der Drache hat sich nicht gewehrt. Ich frage mich, ob es dieser war. Drachen altern nicht und wenn, dann merken wir es nicht.“
„Ich habe von dieser Geschichte gehört“, log Silvan und bemerkte, wie Zak seinen Kopf zu ihm drehte. „Man sagt, er habe sich fangen lassen wollen.“
„Fangen lassen wollen.“ Bork schnaubte verächtlich durch die Nase. „Selten habe ich dümmeren Unsinn gehört.“ Der Hauptmann schaute noch einmal sinnend zum anderen Talhang hinüber, als läge dort sein Urgroßvater begraben und sagte dann: „Kehren wir um Männer. Hier suchen wir nicht weiter. Wir sind Zeugen von etwas wirklich Großartigem geworden.“
Borg führte die Patrouille nun querfeldein entlang eines schmalen Saumes zwischen drachen- und Elfenland, als Silvan ihm plötzlich die Hand auf die Schulter legte und auf einen Punkt zeigte, der einem großen Baum gegenüberlag und sich auf den ersten Blick von nichts zu unterscheiden schien.
„Ahhhh“, sagte Hauptmann Bork leise. Es war mehr ein Hauch, als ein Ausruf. Mit Handzeichen gab er Maitrieb und Lind zu verstehen, dass sie sich diesem Punkt von der rechten Seite aus nähern sollten. Einer bis zum Baum, der andere daran vorbei in einem großen Bogen. Silvan schickte er ins Buschwerk hinter diesen Punkt. Zak und er blieben, wo er war, und warteten, bis die Männer ihre Positionen eingenommen hatten. Er war der Erfahrenste dieser Gruppe und hatte schnell erkannt, was Silvan gesehen hatte. Die Äste zweier Büsche wuchsen in einer Art, die die Natur ihnen nicht vorgegeben hatte. Da hatte jemand etwas zusammengebunden. Und wer konnte dieser Jemand anderes sein als …
Hauptmann Bork setzte sich in Bewegung. Lautlos, geschmeidig und gefährlich. Er streifte einen Ärmel seiner Jacke zurück und zog aus einer Schlaufe eine Nadel heraus, die er voller Ehrfurcht betrachtete. Er streckte seinen Arm aus und folgte der Nadelspitze, bis er fünf Schritte vor den beiden Büschen stand. Dann lächelte er leise und flüsterte: „Lähmung.“
Es raschelte einmal kurz, als wenn ein Hase zur Flucht angesetzt und der Pfeil des Jägers ihn beim ersten Sprung getroffen hätte. Bork zog die Äste auseinander und starrte in das hasserfüllte Gesicht eines Elfen mit erstaunlich heller Haut.
„Maitrieb, Lind, bindet dieses Stück Dreck zusammen! Und seht euch diesen Widerling gut an. Prägt euch ein, womit dieser Abschaum sich verrät. Ein widerlich zuckendes Gesicht, dem jede Gelassenheit der Natur fehlt, eine viel zu helle Hautfarbe und abscheulich kurze Ohren. Aber Vorsicht. Man weiß nie, woran man bei den Unreinen ist. Ein bisschen Magie von den Elfen und die eine oder andere Fähigkeit der Menschen machen sie entweder dumm oder äußerst gerissen. Lind merk dir das. Und jetzt geht’s zurück.“
„Für diesen einen Fang hätten sie mich gar nicht gebraucht“, dachte Silvan. Aber egal, es ist ihr Geld.“ Und dann noch ein schneller Blick zu Zak hinüber. „Und was dieser Kerl hier gesucht hat, würde mich auch mal interessieren.“ Silvan hatte das Gefühl, dass irgendwo schwarze Wolken aufzogen, aber er hatte nicht die geringste Ahnung, in welche Richtung er schauen sollte.

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Offline FF

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #1 am: 08 Juni 2018, 19:12:07 »
Hm. Setting und Figuren sind interessant, aber der massive Infodump in der Mitte haut mich wirklich raus. Geht das nicht eleganter? :cheese:
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Offline Trippelschritt

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #2 am: 08 Juni 2018, 19:40:46 »
Das geht bestimmt noch eleganter, denn die Überarbeitung habe ich noch vor mir. Das hier ist die erste Version, mit der ich inhaltlich einigermaßen zufrieden bin.

Kannst Du den Block mal markieren für mich, damit ich genau weiß, welchen Teil du meinst. Bisher habe ich fast ausschließlich auf Dialog gesetzt und die Info in kleineren Streitgesprächen transportiert. Das ist in der Tat etwas wenig, wenn einem nichts anderes einfällt. Wenn es denn das ist, was Du meinst.

Es gibt aber mindestens noch einen Punkt, an dem ich zweifele. Aber wenn der niemandem sauer aufstößt, ist er vielleicht doch nicht so schlimm. Deshalb sammele ich erst einmal alles zusammen. Aber - kannst sicher sein - ist notiert.

Danke und liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Lilith

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #3 am: 09 Juni 2018, 13:51:55 »
Hallo Trippelschritt!

Vorweg habe ich eine Frage: Wo im Roman steht diese Szene?
Und eine zweite Warnung: Ich bin keine große Fantasyleserin, das heißt, es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich diesen Text außerhalb des Forums je lesen würde. Da es noch dazu um Elfen geht, die mich wenig bis gar nicht interessieren, senkt die Chance noch mal gewaltig. Ich sage das, damit du meine Rückmeldung besser einschätzen kannst. Ich gehe eher theoretisch an den Text heran.

Ich finde, sie geht etwas drunter und drüber, das hält sie davon ab, für mich einen Sog zu entwickeln. Die Einstiegsabsätze erzeugen durchaus eine starke Atmosphäre, aber wenn ich sie im Gesamtkontext der Szene betrachte, erscheinen sie mir zu dünn für das, was diese Szene eigentlich möchte. Zudem beinhaltet sie eine Draufsicht auf den Trupp und ist damit nicht wirklich bei den Männern - die Kamera schwebt über sie hinweg, statt aus ihrer Sicht zu erzählen. Wenn du das so möchtest, ist das völlig in Ordnung.

Aber es bläht die Szene für mich auf, weil du damit die Konflikte schwächst, um die es eigentlich geht. Die Stellen, an denen dein Elfentrupp selbst beeindruckt ist, lassen eher Atmosphäre vermissen und wirken dadurch wie leere Behauptungen. Dazu kommt der Infodump.
Das möge dir nur als allgemeiner Überblick dienen, bevor ich ans Eingemachte gehe.

Beim ersten Lesen hat der Text mich übrigens auf eine Weise verwirrt, die ich anstrengend fand, weil dein Weltenbau sehr speziell zu sein scheint. Versteh mich nicht falsch: Ich finde ihn durchaus interessant, aber viele Begrifflichkeiten haben mich rausgeschmissen. Das Ganze scheint mir so noch nicht rund. Zumindest nicht in der Art und Weise wie das alles eingeführt wird. Darum habe ich auch nach der Stelle gefragt, an der diese Szene im Roman steht, denn dadurch verändert sich eventuell der Blick auf sie.
Was mich verwirrt hat, waren latente Widersprüche und das Durcheinander bei den Begrifflichkeiten. Der Einstieg legt großen Wert auf Atmosphäre und gerade durch ein dichterisch angehauchtes Wort wie "Augentrost" für Dämmerlicht war ich sofort bei typischen High-Fantasy-Elfen. Dann kamen die Schusswaffen und die Gesundheitspolizei und haben mich rausgeschmissen, ohne einen anregenden Kontrast zu schaffen - für mich war es ein Bruch. Ich denke natürlich, dass du das genauer durchdacht hast, aber auf mich wirkt es noch nicht.
"Gesundheitspolizei" klingt nun einmal sehr modern. Hinzu kommt, dass es mir schwer fällt, mir etwas darunter vorzustellen. Gut, Assoziationen sind da, aber sie laufen ins Leere. Bei "Gesundheit" liegt der Begriff der "Krankheit" nämlich nicht fern und ich hatte erst einmal kranke Elfen vor Augen. Ich fange also an darüber nachzudenken, was dann denn sein könnte, was deren Aufgabe ist. Du hältst mich aber sehr lange davon ab, einer Lösung näher zu kommen, denn die Information über den Gestaltwandler bringt mich spontan auch nicht auf die richtige Spur. Erst als über die Ordnung reflektiert wird, stellt sich da eine genauere Vorstellung ein und ich frage mich: Warum nennst du die ausgerechnet "Gesundheitspolizei" und gibst der Truppe nicht einen eindeutigeren Namen?
Mit dem Hauptmann verhielt es sich ähnlich. Hauptmänner gehören für mich nicht zur Polizei, genauso wie Krieger nicht, sondern zum Militär. Auch hier unterstelle ich dir natürlich eine Absicht, doch mir erschließt sie sich nicht recht. Fragen: Willst du in Richtung Polizeistaat und/oder Autoritarismus gehen? Stehen sich Militär und Polizei bei den Elfen so nahe, dass sich die Begriffe vermischen? Jedenfalls frage ich mich, warum du ihre Ränge nicht von Dienstgraden der realweltlich existierenden Polizei entlehnst. Mir würde es dir Orientierung im Text erleichtern, aber es muss natürlich auf deinen Weltenbau abgestimmt sein.
Eine Erbse, aber nicht weniger wichtig: Der Name Silvan wirft mich in Kombination mit denen der anderen tatsächlich aus dem Text. Warum hat der als einziger einen lateinisch entlehnten Namen, während alle anderen nach deutschen Begriffen benannt sind? :wiejetzt: Das liest sich für mich erst mal nicht stimmig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Assoziationen zu den genannten Begriffen laufen erst mal ins Leere und müssen relativ mühsam neu geknüpft werden. Da fände ich es gut, wenn du mir den Einstieg auf die eine oder andere Weise erleichtern würdest.

Jetzt aber wirklich zum Aufbau und warum ich den kritisiert habe ...
Der Leser erfährt erst nach vielen, vielen Zeilen, warum diese Elfenpolizei sich auf den Weg gemacht hat: Sie suchen einen Gestaltwandler. Das ist ihr Ziel. Der Konflikt entsteht in dem Augenblick, als sie die Grenze zum Land der Drachen erreichen. Die wollen sie nicht übertreten, denn das ist augenscheinlich gefährlich. Warum genau, erschließt sich mir nach allen Lobliedern auf die Drachen noch nicht ganz. Das ist wieder eine Frage des Weltenbaus und der innerstaatlichen Organisation zwischen Elfen- und Drachenlanden. Warum sie den Gestaltwandler suchen und was sie mit dem vorhaben bzw. was der verbrochen hat, erfahren wir wiederum nicht, außer einer leisen Ahnung, die sich jedoch hinter einem Absatz über die "rechte Ordnung" bei Blumen verbirgt. Offenbar ist diesen Elfen die Einhaltung einer gestrengen Ordnung sehr wichtig - was die Autoritarismus-Vermutung wieder bestärkt - und ein Gestaltwandler würde dagegen verstoßen. Möglicherweise hat er aber auch irgendwas schlimmeres angestellt. Das erfährt der Leser in diesem Text aber nicht.
Meiner Meinung nach verschenkst du damit Potenzial. Du hältst dich auf einer ganzen Reihe von Nebenkriegsschauplätzen auf, nur auf das Wesentliche konzentrierst du dich nicht. Nicht einmal der zu Beginn genannte Augentrost führt noch zu etwas, denn das Dämmerlicht schafft nicht mehr als allgemein bessere Voraussetzungen für die Elfen, wie sich das auf den Einzelnen auswirkt, erfahren wir nicht. Dann gibt es noch eine Menge über Drachen zu erfahren und wie majestätisch sie wirken würden. Da stimme ich ja spontan zu, das fasziniert mich an Drachen auch, aber noch besser würde es mir gefallen, wenn du sie sich darüber nicht bloß unterhalten lassen würdest, sondern mir das in der Begegnung mit diesen beiden Drachen im Text zeigen würdest. Mir zeigen würdest, was es ausmacht, wenn da ein Drache dicht vor einem vorbeispaziert: wie die Erde erbebt, die Büsche beiseite gestrichen werden, der Luftzug, der ensteht ... All solche Details, die mich den Eindruck der Elfenmänner auch nachempfinden lässt.
Aber auch: Was macht das mit ihnen? Wie gewohnt sind sie solche Begegnungen? Waren sie schon oft unter Drachen? Oder ist ein Erlebnis, das ihnen immer wieder den Atem raubt? Das würde ich nicht nur gern im Dialog erfahren, sondern auch in der Wiedergabe des Erlebens. Lass mich dabei sein, statt mir nur indirekt davon zu berichten!
Als Beispiel: Ich wohne jetzt seit fast zehn Jahren in Köln, trotzdem beeindruckt mich der Anblick des Rheins immer wieder, egal, ob ich über die immergleiche Brücke fahre oder mich ans Ufer setze oder die Füße ins Wasser tauche.

Das war es für's Erste. Ich habe meine Röstung erst einmal allgemein gehalten, setze mich aber gerne noch einmal tiefergehend anhand von Beispielen mit dem Text auseinander, wenn du eine genauere Analyse willst.

Edit: Eine Erbse bleibt mir aber noch, die hätte ich fast vergessen. Erst ist die Rede von drei vernunftbegabten Rassen, dann sind es vier.

Ich hoffe, mein Eindruck hilft dir weiter.

Liebe Grüße,
Lilith
« Letzte Änderung: 09 Juni 2018, 14:18:08 von Lilith »
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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #4 am: 09 Juni 2018, 14:31:15 »
Danke Lilith, das ist schon klasse, was Du hier formulierst. Es ist die erste Szene und ihr Problem für mich ist, dass sie eine ganze Menge auf einmal erreichen soll. Vielleicht zu viel. Möglicherweise geht das auch gar nicht it einer Szene dieser Art und ich sollte gleich mit der zweiten Szene beginnen, die ich auch noch hier einstellen werde. Im Augenblick hast du zu meinen Schwerigkeiten noch eine Anzahl anderer Schwierigkeiten draufgehäuft. Vielleicht ist es doch besser, gleich in medias res zu gehen. Ich werde darüber nachdenken, aber erst noch ein wenig sammeln, bevor ich eine Entscheidung treffe. Es wäre nicht die erste Szene 1, die ich schlachte.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #5 am: 09 Juni 2018, 17:53:01 »
Die Elfen nannten das Dämmerlicht des Waldes Augentrost, weil es Schlafmangel und schmerzende Glieder vergessen lässt. Doch damit war jetzt Schluss. Silvan kniff die Augen zusammen, als er den Blick in die Höhe richtete, wo immer mehr hellgelbe Sonnenstrahlen ihren Weg durch das lückenhaft werdende Kronendach fanden. Auf dem Waldboden wurden die ersten Bäume durch Büsche ersetzt, überall brachen spitze Steine durch die Bodenkrume und der Untergrund hörte auf zu federn, weil ihm die Feuchtigkeit fehlte. Sogar das gleichmäßige Blasen des Windes, das die Baumwipfel in Bewegung brachte, war mittlerweile zu hören. Bald würden die Männer den schützenden Wald ganz verlassen haben. Als wollte die Natur Silvans Meinung bestätigen, stieg der Weg, wenn man ihn denn Weg nennen wollte, plötzlich steil an und eine Flut von Licht ließ Blätter und Äste der Büsche aufleuchten.
Diesen Absatz musste ich zwei mal lesen. Er verführt mich als Leser zu einem Bezugsfehler. Vielleicht ist da aber auch der Hauch einer Stilblüte drin: Das Dämmerlicht des Waldes hat einen Namen - damit ist bald Schluss - weil Bäume durch Büsche ersetzt werden und der Boden austrocknet. Ich dachte, der Wald stirbt. Dass Du meinst, dass sich die Landschaft mit dem Vorankommen der Reisenden ändert, habe ich nicht direkt erkennen können.


Zitat
Wenn wir ausgeschickt werden, um einen Gestaltwandler einzufangen, der sich hier herumtreiben soll, dann werden wir ihn einfangen oder uns davon überzeugen, dass er dieses Gebiet bereits wieder verlassen hat. Landesgrenzen gelten für die Gesundheitspolizei nicht, denn nur wir Elfen sind Willens und in der Lage, reines und unreines Blut zu erkennen und voneinander zu trennen.
Darf man hier schon 'show don't tell' drunterschreiben? Nur weil die Info in einer wörtlichen Rede verpackt wurde, macht es die Vermittlung der Info nicht eleganter. Speziell zur Situation: Die Truppe bekommt einen Auftrag, läuft eine weite Strecke und dann wiederholen sie im Gespräch ihren Auftrag (damit der Leser weiß, was der Auftrag ist).


Der plötzliche Auftritt des Drachens und seine beinahe lakonische Beschreibung stört mich etwas. Aber das ist eine Stilfrage. Persönlicher Geschmack. Sehr schön finde ich aber den folgenden Dialogausschnitt, weil er mehr über die vorgestellten Charaktere vermittelt, als jede Beschreibung.
Zitat
„Wenn ich einen Drachen fliegen sehe, habe ich immer den Eindruck, ich atme Magie. Kein Vogel fliegt so wie ein Drache“, sagte Maitrieb.
„Wie fliegt denn ein Drache?“, wollte Lind wissen.
„Majestätisch, magisch, überirdisch. Such dir etwas aus. Man müsste ein Dichter sein, um es zu beschreiben.“

Dann verfällst Du leider wieder in Infodump.
Zitat
„Sie sind eine der drei Rassen der Vernunft. So wie wir Elfen auch.“ Das war das erste Mal, dass Zak etwas von sich gab, seitdem er seinen Namen genannt hatte, und alle Köpfe drehten sich zu ihm um.
„Recht habt Ihr“, sagte Hauptmann Bork. „Aber Elfen fliegen nicht Das können nur die Drachen.“
„Aber wie die Drachen nutzen wir die Magie der Natur. Was sollte uns also daran hindern, es ihnen gleich zu tun.“
Maitrieb schüttelte den Kopf. „Uns fehlt das nötige Wissen. Und hätten wir es könnten wir es trotzdem nicht. Nicht so wie die Drachen. Nein. Ganz und gar nicht.“
„Aber immerhin stehen wir über den Menschen. Die wissen nur, dass es Magie gibt. Und das ist es auch schon“, sagte Lind und warf sich in die Brust, weil er der Ansicht war, er hätte soeben etwas sehr Kluges gesagt. Aber die anderen Elfen verzogen nur die Gesichter zu einer geringschätzigen Grimasse.
„Nenn mich nicht mit den Menschen in einem Atemzug, du Holzkopf“, schimpfte Hauptmann Bork.
„Immerhin gehören auch die Menschen zu den vier Rassen der Vernunft“, gab Zak zu bedenken. Er hielt seine Augen halb geschlossen und schien die Anwesenden scharf zu beobachten. Es war Bork, der den Köder abbiss und sich prompt daran verschluckte. „Ihr wollt doch wohl nicht andeuten, Zak, dass Gestaltwandler eine eigene Rasse sind. Für mich sind das nicht mehr als Tiere.“
Zak hob entschuldigend die Hände. Ich kenne die offizielle Sprachregelung unserer Regierung. „Ja, es sind Tiere. Und doch. Sie besitzen Vernunft.“
Spätestens hier hättest Du mich als Leser verloren. Du versuchst hier Weltenbau tatsächlich auf eine Seite zu pressen. In einem Dialog, in dem jeder Gesprächsteilnehmer eigentlich das gleiche Wissen hat. Warum erzählen die sich das? Ein Autofahrer erklärt keinem anderen Autofahrer was ein Gaspedal und was eine Bremse ist!

Ich muss zugeben, dass auch der folgende Text mich nicht wirklich packt. Zugegebenermaßen habe ich ihn nur noch überflogen. Erst mit dem letzten Satz, fängst du mich ein, weil, du hier etwas vermittelst, ohne mich mit der Nase draufzustoßen.
Zitat
Silvan hatte das Gefühl, dass irgendwo schwarze Wolken aufzogen, aber er hatte nicht die geringste Ahnung, in welche Richtung er schauen sollte.

Sorry. Nur mein persönlicher Eindruck (ohne die anderen Röstungen gelesen zu haben)

Grüßle
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Offline Trippelschritt

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #6 am: 09 Juni 2018, 21:05:26 »
Kein Grund für "Sorry", mein Lieber. Ich hätte diese Szene nicht fünfmal umschreiben müssen, wenn da nicht grundsätzlich etwas schiefgelaufen wäre. Und nach dem fünften Umschreiben kratzte mir immer noch der Hals. Nur weiter so, denn...

ich muss eine Entscheidung treffen. Entweder ich sreiche diese erste Szene und fange gleich mit der zweiten an. Das wäre aus einigen Gründen viel einfacher, oder ich versuche diese erste Szene ins Laufen zu bekommen, denn wenn ich mit ihr beginne, dann muss sie gut sein. Passabel reicht nicht.

Im Grunfe genommen ist es ein Eiertanz. Mein Setting ist etwas weit ab von konventionellen Bildern und kratzt an einigen Tabus. das muss verstanden werden. Ich habe noch nicht den Kömigsweg gefunden, der in das Herz der Geschichte führt, ohne dass es rumpelt. Aber ihr helft mir bis jetzt schon ganz gewaltig.

 :knuddel:
Trippelschritt
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Offline Quisille

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #7 am: 11 Juni 2018, 11:40:56 »
Hallo Trippelschritt!

der AT ist "Ein Viertel Elfenblut. Auf Patrouille umfasst nur eine Szene. Es kann sein, dass die Überschrift später entfällt. Diese Szene ist die erste in meinem neuen Projekt und mich interessiert nach mehrmaligem Umschreiben nur ein Punkt. Hat diese Szene genügend Sogkraft.

Ich wollte erst noch ein paar andere Meinungen abwarten, bevor ich mich äußere. Meine Meinung: Nein, hat nicht genug Sogkraft. Die ersten neunzig Prozent sind szenisch verkleidete Exposition. Wie sehr man das schätzt, mag vom Lesergeschmack abhängig sein, aber für mich ist das so ziemlich die zäheste Möglichkeit, Exposition einzuflechten, denn es kombiniert die Nachteile szenischen Erzählens mit den Nachteilen von langen Beschreibungspassagen: Es passiert nicht viel, und das Szenische verbrät dafür extrem viel Text. Dann noch lieber kurz und knapp als Prrrlt... *räusper*... als Prlgrrrk-- :blargh:

Als Prolog.

So, nun ist das P-Wort raus. ;) Ich habe den Text dreimal gelesen, um herauszufinden, wer Protagonist der Szene ist. Ist misslungen. Ist dermaßen wenig Konflikt da, dass keine der Figuren im Mittelpunkt stehen kann.

Das hat mit der Welt, die Du entwirfst, übrigens nichts zu tun, die wirkt sehr interessant. Nur diese zusammengedrängte Alles-Auf-Einmal-Exposition überfordert mich.

Es gibt auch eine gute Nachricht:

Borg führte die Patrouille nun querfeldein entlang eines schmalen Saumes zwischen drachen- und Elfenland, als Silvan ihm plötzlich die Hand auf die Schulter legte und auf einen Punkt zeigte, der einem großen Baum gegenüberlag und sich auf den ersten Blick von nichts zu unterscheiden schien.
„Ahhhh“, sagte Hauptmann Bork leise. Es war mehr ein Hauch, als ein Ausruf. Mit Handzeichen gab er Maitrieb und Lind zu verstehen, dass sie sich diesem Punkt von der rechten Seite aus nähern sollten. Einer bis zum Baum, der andere daran vorbei in einem großen Bogen. Silvan schickte er ins Buschwerk hinter diesen Punkt. Zak und er blieben, wo er war, und warteten, bis die Männer ihre Positionen eingenommen hatten. Er war der Erfahrenste dieser Gruppe und hatte schnell erkannt, was Silvan gesehen hatte. Die Äste zweier Büsche wuchsen in einer Art, die die Natur ihnen nicht vorgegeben hatte. Da hatte jemand etwas zusammengebunden. Und wer konnte dieser Jemand anderes sein als …
Hauptmann Bork setzte sich in Bewegung. Lautlos, geschmeidig und gefährlich. Er streifte einen Ärmel seiner Jacke zurück und zog aus einer Schlaufe eine Nadel heraus, die er voller Ehrfurcht betrachtete. Er streckte seinen Arm aus und folgte der Nadelspitze, bis er fünf Schritte vor den beiden Büschen stand. Dann lächelte er leise und flüsterte: „Lähmung.“
Es raschelte einmal kurz, als wenn ein Hase zur Flucht angesetzt und der Pfeil des Jägers ihn beim ersten Sprung getroffen hätte. Bork zog die Äste auseinander und starrte in das hasserfüllte Gesicht eines Elfen mit erstaunlich heller Haut.
„Maitrieb, Lind, bindet dieses Stück Dreck zusammen! Und seht euch diesen Widerling gut an. Prägt euch ein, womit dieser Abschaum sich verrät. Ein widerlich zuckendes Gesicht, dem jede Gelassenheit der Natur fehlt, eine viel zu helle Hautfarbe und abscheulich kurze Ohren. Aber Vorsicht. Man weiß nie, woran man bei den Unreinen ist. Ein bisschen Magie von den Elfen und die eine oder andere Fähigkeit der Menschen machen sie entweder dumm oder äußerst gerissen. Lind merk dir das. Und jetzt geht’s zurück.“
„Für diesen einen Fang hätten sie mich gar nicht gebraucht“, dachte Silvan. Aber egal, es ist ihr Geld.“ Und dann noch ein schneller Blick zu Zak hinüber. „Und was dieser Kerl hier gesucht hat, würde mich auch mal interessieren.“ Silvan hatte das Gefühl, dass irgendwo schwarze Wolken aufzogen, aber er hatte nicht die geringste Ahnung, in welche Richtung er schauen sollte.

Das hier ist schick, und es liefert auch genug Exposition, um die Szene zu verstehen, den Gesamtkonfikt anzureißen und die wichtigsten Figuren einzuführen. :dops:

[...] ist das Setting verständlich und auch der Rest?

Verständlich ja, aber es bleibt wenig haften. Information merke ich mir nur im Kontext, und in einer Erzählung ist dieser Kontext bei mir Handlung. Keine Handlung => kein Gedächtnis.

Wie gefallen die Figuren?

Die streiten sich. Aber bis auf die letzten paar Absätze (siehe oben) tun sie nichts. Dadurch wird der Streit zu fruchtlosem Gezänk. Das bekommt den Figuren nicht sonderlich gut. Der Dialog wirkt einen Hauch gestelzt, so als ob sie ein Pflichtprogramm abarbeiten, während sie reden. Die Konfrontationen haben nur eine sehr magere Basis in der Szene und wirken auf mich forciert. Beispiel Lind und Bork: Lind macht Meldung, vielleicht etwas unglücklich formuliert, Bork staucht ihn zusammen. Wie wirkt das auf mich? Etwa so:

Lind: "Sind wir schon daaaa?"

Bork: "In den Dreck mit dir, nutzlose Ausgeburt! Mögen Maden deine Augen von innen her fressen und räudige Kamele auf das Grab deines Liebhabers scheißen!"

Quisille: Aaaaaaha. Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn wir uns fragen: Hat Bork familiäre Probleme? Warum reagiert er so? Muss das schon Therapie? Oder reicht zu viel Alkohol dreimal täglich statt der Mahlzeiten?

Ist schon merkwürdig, wie schwer es mir fällt, mich mit Figuren zu identifizieren, die meine Charakterfehler aufweisen. Das gilt für Lind und Bork gleichermaßen.

Genügend Spannung?

Bis auf die letzten Absätze (siehe oben) verläuft die Szene spannungsfrei.

Ihr könnt alles Rösten, was Ihr wollt, auch Erbsen, obwohl der Text noch mehrmals überarbeitet werden wird.

Ebsenlese folgt, allerdings nur mit dem Ziel, zu prüfen, ob Dein Schreib-Ich sich wohlfühlt mit der Expositionsorgie. Das ist bereits mit einem gewissen Bias formuliert, dessen bin ich mir bewusst. :cheese:

Die Elfen nannten das Dämmerlicht des Waldes Augentrost, weil es Schlafmangel und schmerzende Glieder vergessen lässt. Doch damit war jetzt Schluss.

Wir starten mit einem etwas drolligen Bezugsfehler. Ist mir beim ersten Lesen deshalb aufgefallen, weil ich nach diesen ersten beiden Sätzen komplett desorientiert war. Ich streich mal einen Teilsatz, um das Problem zu verdeutlichen:

Zitat
Die Elfen nannten das Dämmerlicht des Waldes Augentrost[---]. Doch damit war jetzt Schluss.

??? Die Elfen nennen das Dämmerlicht also nicht mehr Augentrost? Tjaja, Sprache lebt. Oder war ich nur dämlich? Neuer Versuch:

[...] Dämmerlicht [...] Schlafmangel und schmerzende Glieder vergessen lässt. Doch damit war jetzt Schluss.

??? Das Dämmerlicht lässt jetzt nicht mehr Schlafmangel und schmerzende Glieder vergessen? Warum sagt er sowas, warum nur?

Oder ist da eine Figur, die sich in einer Situation befindet, die wir noch nicht kennen? Die Figur hatte Gliederschmerzen (oder Schlafmangel), und DAMIT ist jetzt Schluss? Also geht's dir jetzt besser, Figur unbekanntermaßen?

Silvan kniff die Augen zusammen, als er den Blick in die Höhe richtete, wo immer mehr hellgelbe Sonnenstrahlen ihren Weg durch das lückenhaft werdende Kronendach fanden.

Abgesehen davon, dass Du hier ohne Not Ursache (Sonnenstrahlen) und Wirkung (Zusammenkneifen der Augen) nebst Reihenfolge der Ereignisse durcheinanerwürfelst, mein erster Eindruck war: Es wird heller. Wolken ziehen weg, oder es wird gerade Tag. Dieser Eindruck ist wahrscheinlich falsch, aber er liefert einen ersten Hinweis auf das, was fehlt und gleich noch viel schmerzlicher vermisst werden wird:

Auf dem Waldboden wurden die ersten Bäume durch Büsche ersetzt, überall brachen spitze Steine durch die Bodenkrume [...]

Du siehst mich verwirrt, und ich sage das ausnahmsweise mal nicht, um besser spotten zu können. Es entspricht tatsächlich meinem ersten Leseeindruck. Was haben Bäume auf dem Waldboden zu suchen? Und vor allem: Wer ersetzt sie? Ich meine, klar, ist Fantasy, aber die kleinen Baum-Ersetzer-Kobolde wirken selbst in diesem Genre etwas drollig. Insbesondere, wenn die Steine offenbar Eigeninitiative entwickeln und zur Sonne, zur Freiheit, und so weiter.

Was fehlt diesen Stellen? Das hier:

Bald würden die Männer den schützenden Wald ganz verlassen haben. Als wollte die Natur Silvans Meinung bestätigen, stieg der Weg, wenn man ihn denn Weg nennen wollte, plötzlich steil an und eine Flut von Licht ließ Blätter und Äste der Büsche aufleuchten.

:lichtaufgeh: Da sind Typen, die durch den Wald latschen, also sich bewegen. Daher die Veränderungen. Ob es eine glückliche Formulierung ist, dass Bäume auf dem Boden durch Büsche ersetzt werden, ist damit allerdings noch nicht abschließend geklärt. ;)

Lind verriegelte den Abzug seines Gewehrs mit der großen Revolvertrommel und legte es sich über die Schulter.

Ich benutze Feuerwaffen selten. Verzeih meine mangelnde Sachkenntnis, aber ich hätte hier vermutet, dass eine Revolvertrommel nicht dazu dient, den Abzug zu verriegeln. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass die Überfülle von Beschreibung die Eindeutigkeit des Satzgefüges ein wenig überfordert.

Als einziger Uniformträger war er sich sicher, dass niemand ihn mit Fragen belästigen würde, denn Zak war ein Mann der Baumwipfelelite, der mehr mit dem Rat und dem inneren Regierungskreis ihres Volkes zu tun hatte als mit denen, die der der Gesundheit des Landes dienten.

Ich hab' das überflüssige "der" gefunden!!! Darauf bin ich stolz, aber das war nicht mein Hauptanliegen. Auch bei diesem Satz läuft an allen vier Enden (ja, er hat mehr als zwei!) die Exposition raus. Verschachtelungstiefe ist fünf. Dieser Satz hat fünf Paar Unterhosen an, und alle hängen sie über den Gürtel des Hauptsatzes rüber, damit man das Pflegeschildchen auch schön lesen kann. Neu eingeführte Begriffe: Baumwipfelelite(1), der Rat(2), innerer Regierungskreis(3). Bei "Baumwipfelelite" bricht bei mir offenbar der innere Schwabe durch, denn nach "Baumwipfele" hab' ich mal ganz spontan die Wortgrenze eingezogen und mich gewundert, warum die Elfen mit "Lite" Begriffe aus der modernen Werbesprache entlehnen.

Die Bezüge sind zwar einwandfrei, aber Zak wird gerade dermaßen mit Attributen überhäuft, dass sie schlangestehen müssen, wodurch das Baumwipfelelitele mit dem nachfolgenden Relativsätzle aneinandergerät, weil das so drängelt. Aber der Relativsatz kann gar nicht anders, denn der hat selber Verdauungsprobleme, denn ein Komparativ ("mehr... als") streitet sich mit einer Reihung von "Rat" und "Regierungskreis" (nebst Attributen) und einem weiteren Relativsatz ("die der Gesundheit...") darum, wer als erstes auseinandergerupft oder von seinem Bezugswort getrennt werden darf.

Das ist wahrhaft Korinthenkackerei, die ich hier betreibe, aber all die genannten Beispiele scheinen mir in eine Richtung zu gehen. Wenn sich sowas in meinen Texten häuft, liegt es daran, dass ich mir der Länglichkeit meiner Exposition bewusst bin und darum unterbewusst versuche, so viel davon wie möglich in möglichst wenig Text hineinzustopfen. Besonders beliebt beim Elevator-Pitch. Klar, ich kann meine ganze Exposition in knappen vier Wörtern unterbringen:

"Mein Protagonist heißt Knutdervonwölfengroßgezogenwurdeaberinwahrheitdazuauserwähltistdaskönigreichvomgoldenenhamsterzubefreieneristeinsfünfundachtziggroßundträgtringelsockenzulängsstreifen."

Ich kenne Deinen Schreibstil. Dir unterlaufen solche Patzer sonst nicht. Ich befürchte darum, dass Du Dich mit Deinem Text nicht wohlfühlst.

Vorschlag: Nimm doch einfach den Teil, in dem tatsächlich was passiert, schieb noch einen Halbsatz wirklich ganz doll unverzichtbare Exposition rein, und die Sache wär' geritzt.

Viele Grüße,
Quisille

Offline Trippelschritt

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #8 am: 11 Juni 2018, 14:32:40 »
Ich habe wieder herzlich gelacht über Deine Röstung. Und Du bist ziemlich genau auf dem Punkt wie übrigens unsere anderen Freunde auch. Vielleicht sollte man mutig sein und viel mehr Texte einstellen, die alles andere als fertig sind. Manchmal kann ein guter Stil auch darunterliegende Schwächen wegwischen. Vor allem Lilith hat mir bei einigen ihrer Bemerkungen schwer zu denken gegeben, weil ich erst im Nachhinein gemerkt habe, welcher Blödsinn welche Wurzeln hatte. Ist aber auch egal.

Dein für mich bester Hinweis ist, dass ich mich wahrscheinlich mit meinem Text nicht wohlfühle. Ka-Tsching! Tue ich wirklich nicht. Ich muss auch in der Regel keine erste Szene fünfmal umschreiben. Und hast als erster darauf hingewiesen, dass ich keinen Protagonisten habe. Stimmt alles. Ich habe eine Protagonistin und die betritt die Geschiichte erst in der zweiten Szene. Sollte ich doch gleich mit der zweiten Szenen anfangen und die erste streichen. Aber mein Bauch sagt mir, dass das keine gute Idee wäre. Und es hat diese ganzen Röstungen hier gebraucht, bis ich so eine Art Idee bekam, was mein Bauch da wohl so meint.

Ein Teil der Stilfehler wäre im Lauf der Überarbeitungen wieder rausgeflogen. da habe ich keine sorgen. Aber ob der erste mit dem falschen bezug dabei gewesen wäre, wage ich nicht zu behaupten. Ich habe Konzeptprobleme und keine Stilprobleme. Und solange ich alles neu und neu schreiben muss, lohnt es sich für keinen Röster, mit einen besseren Satz vorzuschlagen. Ich werde mit dem was ich habe, ein ähnliches und doch neues Konzept versuchen und das wieder einstellen. Dauert aber noch was. wenn ich damit bei Dir und den anderen durchkomme, dann behalte ich es. Wenn nicht, stirbt die Exposition und ich fange mit der folgenden Szenen an und kaufe mir gleich die nächste Schwierigkeit ein, die ich dann nur verschoben habe und die ich für noch schwieriger gut zu lösen halte. Mittelmäßig kann man alles lösen, aber meine Ziele bei dieser Geschichte sind ziemlich hoch. Es ist ein Wahnsinnssetting - nach meinem Geschmack und mir schwebt ein ganz bestimmtes Bild vor. Ich hoffe, ich bekomme es hin.

Ach so, für mich noch ganz wichtig zu sagen: Wenn in einer Szene so viel Murks verborgen ist und man bekommt dann gezeigt, an welchen Stellen was gelungen ist, dann hilft das zumindest in diesem Fall unerwartet viel. Es hilft menschlich, weil es tröstet, aber glaubt mir,ich hätte es auch ohne Trost durchgestanden, weil ich ich von meinen Problemen wusste. Viel wichtiger für mich war, dass das Lob neben der Kritik die Kontraste verschärfte und mir die nächste Version zu schreiben erleichtert.

Wer will darf gern noch weiterrösten. Hab für den Augenblick habe ich genügend zusammen, und es ist Land in Sicht.

Deshalb dem Quisille und allen anderen meinen herzlichen Dank.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Schreibsuse

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #9 am: 11 Juni 2018, 14:55:07 »
Hallo Trippelschritt,

ich habe die Vorröstungen nicht gelesen. Vielleicht wiederhole ich daher etwas bereits Gesagtes.
Fantasy ist nicht wirklich meine Richtung, aber ich röste trotzdem einfach mal mit.

So richtig gepackt hat´s mich nicht  :-\. Tut mir leid! So viele Charaktere toben da durch deinen Anfang, dass ich wirklich Mühe hatte, mich auf ein Kennenlernen einzulassen.
Wer ist der Protagonist? Aus welcher Perspektive schreibst du da? Kurz meinte ich, es wäre Hauptmann Bork. Doch dann folgte:


„Und was soll das bedeuten, Klugscheißer Lind?“, fragte Bork. Seine Stimme war leise geworden. Das war immer ein schlechtes Zeichen, und Maitrieb senkte den Blick und ordnete lieber die Gewichte seiner Bola

Das ist nicht aus Borks Perspektive geschrieben, also fällt er als Protagonist wohl flach.

Dann habe ich zu lange darauf  warten müssen zu erfahren, worum es denn nun eigentlich geht. Wo will der Trupp hin und was wollen sie dann dort? Als dann endlich die Rede von dem Gestaltenwandler war, war ich schon etwas lesemüde und mein Interesse nicht mehr allzu groß.

Ich hätte mir den Einstieg eher etwas aktionsreicher gewünscht. Vielleicht gleich mal eine Szene, in der die Patrouille einen Gestaltwandler aufspürt, der dann aber doch wieder entwischt. Vielleicht weil sie von einem Drachen gestört werden? Wie gesagt . . . Fantasy ist nicht mein Fach, aber so hat der Einstieg für mich nicht funktioniert. Lieber etwas weniger Infos über die viiiielen Charaktere und über die Umgebung. Dafür kurz und knapp: Aktion!

Sorry, dass mein Feedback nicht so toll ausfällt.





Offline Trippelschritt

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #10 am: 11 Juni 2018, 19:24:13 »
Es gibt keinen Protagonisten in dieser Szene. Da ist Dein Kommentar schon o.k. so. Trotzdem vielen Dank. Ovationen hatte ich für diesen Text bestimmt nicht erwartet.  :cheerful:

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline eska

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #11 am: 11 Juni 2018, 23:13:02 »
Hallo, Trippelschritt!
Es hat etwas gedauert, aber hier ist mein Senf auch noch (ich habe ihn verzapft, bevor ich die ersten anderen Röstis gelesen habe).

Was die Sogkraft des Textes angeht, fällt es mir schwer, mich festzulegen, und das ist leider kein gutes Zeichen.
Ich habe allerdings nie unbelastet am Stück 'nur' gelesen. Und ich habe den Text mehrmals gelesen, vor allem an Anfang. Mein erster Eindruck folgt weiter unten.

Vom Weltenbau/Setting her lockt es mich erst im Verlauf, etwa so: Elfen, Drachen, aha. Innerhalb der Elfen ganz 'normale' soziale Unterschiede und Hierarchien, Animositäten etc. Schon ganz nett, nicht diese rein edlen Wesen. Die Jagd nach einem Gestaltwandler, schon interessanter, was ist das für einer -ah, eine Spezies, schließlich kommt raus: eine Art Elfen, die -hm, was, den Menschen mehr ähneln? Denn die gibt es ja auch, je nach Betrachter die vierte vernunftbegabte Spezies oder nicht. Eine ziemlich reiche Basis für potentielle Konflikte. Angedeutet haben wir hier schon: Grenzüberschreitung, also Hoheitsrechte, Elitedenken bis hin zur Abqualifizierung anderer als Tiere, bewaffnete Verfolgung/Jagd auf diese, Gesundheitspolizei lässt bei mir anklingen 'Volkshygiene' und Tilgen aller Unerwünschten... Dazu die Gruppeninterna: Autoritätsstruktur, soziales Gefälle, Wissensgefälle(?), innere Abgrenzung Silvans als nicht dazugehörig, nur zeitweilig angeheuert.

Eine spannende Liste, schon hier, trotzdem ist sie eher der Analyse als der Lektüre direkt entsprungen. Was fehlt mir?
1. Eine klare, durchgehaltene Perspektive, die mir Empathie ermöglicht. Auktoriale Übersicht ginge zur Einleitung auch, übergehend in eine personale Perspektive, damit du Informationen loswerden kannst, aber das wäre zweite Wahl.
2. Empathie: Ich spüre nicht genug, was das Geschehen den Akteuren bedeutet. Dabei gibt es genug Gelegenheiten für Aufregendes, auf verschiedene Art: Das Ende des Waldes - ihres Lebensraumes, die Begegnung mit gleich zwei Drachen, die Gefangennahme des Gestaltwandlers. Aber zum Beispiel habe ich kein Bild der Drachen vor Augen, sehe sie nicht fliegen, erlebe nicht die Majestät, die die Elfen stumm macht vor Staunen. Und obwohl die Fünf spürbar unterschiedlich sind, sind sie alle viel zu ruhig und abgeklärt. Beunruhigung von Silvan, Angst vor Regelverletzung von Lind, Arroganz (?) von Zak, Linds Schwärmerei für die Drachen, Hass Borks auf Gestaltwandler als Abschaum, alles für meinen Geschmack zu verhalten gezeigt. Oder jeweils zu kurz? Warum hat Silvan die Perspektive, der einer der ruhigsten zu sein scheint? Dadurch kannst du das alles nur von außen zeigen.
3. Möglicherweise sind es zu viele Personen für eine Anfangsszene: Statt Verortung und Bindung entsteht zu leicht Verwirrung.  Vielleicht könntest du zunächst nur mit Silvans Gedanken beginnen über die Gruppe, über den Auftrag, über die Spuren oder Hinweise, denen sie folgen, dann über das veränderte Licht etc. (siehe Anfang).
4. Ein Sympathieträger (siehe 1. und 2.). Am Ende des Textes bin ich noch nicht so weit involviert, dass es um irgendeinen schade wäre, außer einem gewissen Bedauern gegenüber dem Opfer, eben der miesen Situation wegen.

Ich klinge so negativ.  :-\ Nein, bin ich nicht. Mir gefallen die Unterschiedlichkeit der Elfenleute, man hört sie an ihrer Sprache, man sieht schnelle und langsame Reaktionen oder häufige und seltene oder verschieden heftige. Der knappe Einblick in die 'politischen' Gegebenheiten verspricht mehr, das Konzept der 'unreinen' Elfen (mutiert, vermischt, geschaffen?) auch. Ich hoffe, du liest auch das in meinen Zeilen.   :D

Falls das zu verworren oder abgehoben wirkt, hier mein erster festgehaltener Leseeindruck vom Anfang. (Und gerade der sollte mich ja einfangen).
Erster Absatz: Die ersten beiden Sätze verwirren mich, ich bekomme erst beim zweiten Lesen mit, aus wessen Perspektive wir gucken. Warum ist das so? 1. Satz: Aha, es geht um Elfen, Waldelfen womöglich. Schmerzende Glieder sind allerdings nichts, was ich mit dem Elfen(klischee)bild meiner Leseerfahrungen verbinde. Aber klar, auch Elfen könnten Schmerzen haben - warum schmerzen die Glieder? War etwas los? Sprich, schon dieser Satz liest sich nicht einfach so weg. Der zweite sagt mir, dass 'jetzt' ein besonderer Moment ist: Schluss. Womit enträtsele ich erst in der Folge (Dämmerlicht des Waldes und dichter Wald überhaupt), aber hier suche ich noch nach dem richtigen Bezug: Schluss mit Elfen und ihren Sprüchen? Schluss mit Schmerzen und Schlafmangel? Was ist denn gerade jetzt passiert? In diese meine Verwirrung platzt Silvan, als männlich gekennzeichnet, aber noch nicht als Angehöriger einer Spezies (Elf liegt nahe, Name passt). Die folgende Naturbeobachtung scheint seine zu sein, aber bei
Zitat
Bald würden die Männer den schützenden Wald ganz verlassen haben.
bin ich wieder draußen (er selbst würde 'sie' statt 'die Männer' denken), im Draufblick sozusagen. Der nächste Satz bestätigt mich durch den Vergleich und den Einschub: okay, auktoriale Perspektive, aber im Verlauf merke ich, dass das nicht stimmt. Silvan ist meistens Perspektivträger. (Hier hätte ich ihn und die anderen übrigens als menschlich eingeordnet, getriggert durch 'Männer'.)

Im Weiterlesen relativiert sich diese anfängliche Verwirrung, aber sie erschwert mir gleich den Anfang, und vor allem sehe ich noch nicht, was dir der erste Absatz bringt. Waldrand bedeutet Gefahr? Dann sollte Silvan alarmiert wirken. Oder ist er neugierig/aufgeregt, weil er da noch nie war, weil er etwas zu sehen bekommen könnte, was sich nicht in den Wald vorwagt, nur am Rand lauert?

Wenn du gerne mehr Details für den fortlaufenden Text hättest, sag Bescheid. Als Beispiel, hoffe ich, kann es bereits dienen.

Lieben Gruß, :wink:
eska
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Offline Rilyn

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #12 am: 12 Juni 2018, 13:49:02 »
Hoi Trippelschritt,

du hast ja schon hervorragendes Feedback erhalten, dem ich auch gar nicht viel hinzufügen will, nur meinen Eindruck. Den halte ich inzwischen selbst für eine Einzelmeinung ohne große Relevanz, aber dennoch möchte ich sie schreiben, vor dem Hintergrund, dass ich sehr lange sehr gerne im Pen&Paper-Rollenspiel Elfen gespielt und dementsprechend auch viel mit Spitzohren gelesen habe; mit Vorliebe weg vom üblichen Klischee, aber es klebt natürlich überall.

Die ersten Zeilen hier wecken bei mir den Eindruck dieses Klischees: Naturliebende Elfen, die ihren Wald verteidigen, weil Elfen das nunmal tun.
Problem? Vermutlich, weil es ein flaches Klischee ist. Sie dürfen ja so sein, aber dann auch mit Tiefe, und nicht, weil Elfen das nunmal tun. Natürlich steckt hinter meinem Eindruck eine gewaltige Übersättigung damit. Was noch hineinspielt ist, dass die Jungs hier sich dermaßen im Infodump verstricken, dass sie diesen Ersteindruck nicht zu ihrer Welt hin lenken, sondern den Bruch damit noch vergrößern. Sie sind offenbar nicht die üblichen Klischee-Elfen. Leider klebt da immer noch der besagte Eindruck an allem.
Ich bin mir wie gesagt sicher, dass das zum Teil an mir liegt, zu einem anderen vermutlich daran, dass ich nicht an die Charaktere heran- und in ihre Welt hineinkomme. Zu viel, zu irrelevant im Augenblick, viel zu weit weg.

Ein Prolog ist ansich völlig okay, finde ich, und er darf auch langsam sein. Nach dem, was du in Antworten schriebst, nicht nur dieser, denn du brauchst und willst ja Tiefe erreichen. Ich finde auch nicht, dass es gleich mit der Protagonistin loslegen muss, aber mit der Geschichte. Was von diesem Prolog ist für diese relevant? Was davon reflektiert auf seine eigene Weise möglichst subtil den Rest der ganzen Geschichte?

Ein tolles Beispiel ist der Prolog von Game of Thrones, die Suche nach den Wildlingen und der Überfall durch die Weißen Wanderer. Er führt in einer "Alltags"-Situation der Beteiligten ohne Erklärungen, nur durch Implikationen, deren Welt ein. Es gibt einen Grundkonflikt zwischen den Ambitionen der Beteiligten, der direkt zum großen, übergreifenden führt und auch noch dessen Grundzüge spiegelt: Das besserwissende Adelssöhnchen und die beiden Soldaten, die diesem gegen besseres Wissen zu gehorchen haben. Das Versagen gegen die Bedrohung, die niemand erkennen wollte. Die Kabbeleien der Beteiligten untereinander, die zu diesem Versagen führen. Und das setzt Martin fort: Der Überlebende, der Perspektivträger, die Identifikationsfigur aus dem Prolog (eine solche fehlt dir, zumindest bekomme ich zu niemandem einen solchen Zugang), taucht im ersten Kapitel wieder auf, und der große Konflikt der ganzen Reihe wird gleich noch einmal festgenagelt: Der Deserteur und sein Wissen werden ignoriert und erschlagen, zurück zum Intrigengeschäft, und nebenbei wurden gleich noch die Hauptfiguren eingeführt, von denen eine (Eddard) auch noch von genau dem Kaliber ist, dass er aufgrund seiner Rechtschaffenheit blind gegenüber der Bedrohung ist (er glaubt dem Deserteur nicht ausreichend) wie auch gegenüber dem, was alle anderen gegen die Weißen Wanderer entzweien wird: Intrigen. Er kann nicht bestehen. In diesem Prolog und ersten Kapitel steckt alles, was die spätere Reihe ausmacht.

Ich glaube, dass du alle nötigen Elemente dafür tatsächlich hast oder recht leicht finden wirst, und es in erster Linie eine Frage des Aufbaus ist. Streich an Informationen, was nicht relevant ist, bau die Informationen dort ein, wo sie direkt benötigt werden - sonst merkt sie sich niemand, da kann ein Drache noch so imposant fliegen.
Ich weiß nicht, ob ich zur Zielgruppe gehöre, aber ich bin gespannt auf eine weitere Version, egal wann. :)


Ein Stolperstein war für mich außerdem das Zusammenspiel zwischen dem erwähnten Klischee und den ... Polizeistaatelfen?
Ich will versuchen, das zu präzisieren, bitte frag im Zweifel nach.
Im Augenblick etablierst du implizit ein Klischeebild von Elfen, und es gelingt deinen Charakteren zumindest im Augenblick nicht, diesem etwas entgegenzusetzen. Also habe ich ein Kuddelmuddel aus Klischeeelfen (den Baumkuschlern, meist viel zu idealisiert) und einer Gesellschaft derselben, die dieses faktisch, aber nicht gefühlt, bricht. Nicht demontiert, nicht in der jetzigen Form. Aber so oder so bleibt ein möglicher Ersteindruck. Eventuell fiele es leichter, diesen gar nicht erst zu wecken, sondern an die Figuren heranzugehen, deren Welt zu zeigen und dann / dabei, nicht zu auffällig, zu erwähnen, dass sie sich als Elfen als die Krone intelligenten Lebens wähnen.

Die Idee, die gern so idealisierten Elfen mit ebendieser Selbsteinschätzung auszustatten (Hochmut bringen sie ja oft genug mit) und diesen vor allem mit einer gar nicht idealen, kritisch zu betrachtenden Gesellschaft zu untermauern, finde ich gut. Die Feuerwaffen als solche stören mich auch nicht, aber in ähnlicher Weise wie von Lilith erwähnt bin ich auch darüber gestolpert: Ein impliziter Ersteindruck wird gebrochen.
Für mich bleibt insgesamt im Augenblick ein Mischmasch an Eindrücken und nicht ein konsistenter dieser Leute und ihrer Welt. Ich nehme aber auch an, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Implikation zu umgehen und deine Welt sich eigenständig entfalten zu lassen.


Liebe Grüße! :kaffee2:
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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #13 am: 12 Juni 2018, 14:48:12 »
Ist doch super Ril, danke

Meine Protagonistin ist, na sagen wir mal, eine Menschin, über die Elfen sich durchaus erhaben fühlen. Mit den typischen Hochelfen haben sie wenig zu tun. außer, dass sie ein wenig Magie beherrschen. Dann gibt es noch die Drachen, die aber gaaaanz lange nicht richtig vorkommen. Über sie wird nur ständig geredet. Und die Gestaltwandler, die auch so hre eigene eigenwillige Geschichte haben. Ich brauche also ein paar Klischeeteile, sonst kann ich sie nicht Elfen nennen, haben aber nichts mit Tolkien zu tun. Es gibt auch Eisenbahn und achtbeinige Metallpferde (Die Sleipnirs, sehr teure Biester.) Die ganze Kultur steht so auf der Grenze zwischen Technik und Magie. Für einen klasssichen Leser etwas strange. Und dazu noch politische Rassen und biologische Abstammungsdinge mit rechtsradikalen Ansätzen. Ich räubere also an vielen Stellen. Aber ich hoffe, dass ich auch wichtige Fragen stelle und die Leser sich mal ein paar Gedanken machen.

Wie ich schon schrupp, wahnsinnig spannend zu schreiben.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Rilyn

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #14 am: 12 Juni 2018, 16:24:03 »
Hoi Trippelschritt,

dieser rassistische Zug bei den Elfen kam rüber, und genau das finde ich gut, weil das Elfenklischee ja auch mordsmäßig überhöht ist.
Mein Problem liegt darin, wie das rüberkam; als ein Detail unter vielen, als loses Puzzleteil, das sich nicht mit dem Rest in ein Gesamtbild der Welt einfügt; es bleibt eher ein Haufen loser Teile.

Gib dem Klischee nicht den Vorrang vor dem Eindruck, den du mit deinen Ideen erreichen möchtest. :)

Liebe Grüße!
Ril
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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #15 am: 12 Juni 2018, 16:45:16 »
Hallo Trippelschritt,

ich schon wieder.

Ich habe den Thread jetzt noch verfolgt und ein Gedanke verfestigt sich immer mehr: lass dir da Zeit. Nicht im tatsächlichen Sinne, sondern gib der Geschichte, den Raum, den sie benötigt. In diesem Anfang geht offensichtlich zu viel zu schnell durcheinander, das schwächt das Interesse ab, obwohl das Setting genügend Spannung bietet.
Also mach das nacheinander, so wie du es brauchst: Konzentrier dich in einer Szene auf den Gestaltwandler und darauf, ihn zu schnappen. Lass die Drachen soweit außen vor, wie es möglich ist. Es reicht, wenn die Elfen Angst haben vor einer unsichtbaren Bedrohung, Schwärmerei raus. Stell die Jungs als Polizeitrupp vor, der für Ordnung sorgen will, zeig anschaulich, was das heißt, sobald sie den Gestaltwanderer haben. Damit konzentrierst du dich auf den nächsten Punkt und hast ihre Sympathie dabei nicht gleich zu Beginn ganz verspielt: auf den rassistischen Einschlag. Und dann knöpfst du dir die Drachen vor, wenn du sie brauchst. Ob du einen auftreten lässt oder das in einem anderen Kontext geschehen lässt.
Aber dann hast du dein Setting nach und nach sauber etabliert, ohne Handlung aufgeben zu müssen und wirst in Zukunft nicht weiter darauf eingehen müssen, weil die grundlegenden Fakten klar sind. Alles andere führt in der Regel ins Chaos, ganz besonders bei diffizilen Plots mit komplexer, nicht leicht eingängiger Hintergrundwelt.

Das ist jetzt nur eine Möglichkeit, wie du vorgehen könntest. Was du tatsächlich machst, hängt natürlich von deiner Geschichte ab und wie du sie erzählen möchtest.

Viel Erfolg jedenfalls und
liebe Grüße,
Lilith
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Offline Trippelschritt

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #16 am: 12 Juni 2018, 17:02:03 »
Danke Lilith, Du hast mir wahrscheinlich mehr geholfen als Du glaubst, auch mit Deinem ersten Posting. Ich habe einen neuen Plan. Die Drachen kommen jetzt sehr früh, weil es die einzige Situation ist, in der die Drachen überhaupt kommen, bevor es die erste richtig große Wendung gibt. Ob sich das ausgeht, werden wir sehen. In jedem Fall stelle ich es wieder ein.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline felis

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #17 am: 16 Juni 2018, 20:44:52 »
Hi,
ich weiß, ich bin etwas spät dran. Aber urlaubsbedingt komm ich erst jetzt dazu noch was zu schreiben. Ich hab die anderen Röstungen noch nicht gelesen, aber vielleicht kannst du mit meiner ja trotzdem auch noch was anfangen.

Die Fragen kann ich leider nicht/nur eingeschränkt beantworten weil ich schon zu viel über das setting weiß ;-)
Deshlb zum Grundsätzlichen nur das:

1. Die Elfen kommen leider verdammt anthropomorph und verdammt gestrig rüber.
Warum enthält z. B. die Patrollie nur Männer? Gibt es irgend einen Grund warum Elfenmädels das nicht können sollten?

Außerdem kommen sie leider für mich ziemlich unsympathisch rüber. Lind als Blödmann und Bork als tyrannischer Blödmann, der seinen Untergebenen vorführt.
Maitrieb als Blödmann, dessen Mama ihm einen blöden Namen verpasst hat...
Und Silvan, durch dessen Augen wir das ganze betrachten, ist auch nicht wirklich sympatisch, da er doch recht unfreundlich über seine Kumpels denkt...

2. Leider kommen sie zudem auch redsdhirtmäßig rüber. Irgendetwas schreit da "Kanonenfutter!" - Vielleicht weil der Dialog zwsichen dem Hauptmann und dem Untergebenen, den er runterputzt so klischeemäßig militär 19. JH rüberkommt.

Mich stört auch, dass das Kanonenenfutter deutschsprachige Namen hat, während der einzige, der später in der Geschichte noch ne Rolle spielt sich schon mit seinem "vornehmeren" latinisierten Namen von den anderen abhebt.

Gegenüber der Fassung, die ich schon hatte, hat sich diese leider durch Überfrachtung mit Infodump deutlich verschlechtert... :(

Zu den Details:

Lind verriegelte den Abzug seines Gewehrs mit der großen Revolvertrommel und legte es sich über die Schulter. „
Wurum rennt der Depp mit unverriegelter Knarre durch den Wald? Das wär mal ein Grund für den Hauptmann, ihn runter zu putzen.

Zitat
„Und was soll das bedeuten, Klugscheißer Lind?“, fragte Bork. Seine Stimme war leise geworden. Das war immer ein schlechtes Zeichen, und Maitrieb senkte den Blick und ordnete lieber die Gewichte seiner Bola, als sich an diesem Gespräch zu beteiligen.

Gespräch ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff hier. Das ist schleißlich kein symmetrischer Dialog


Zitat
„Dann hör mir jetzt zu, Lind. Denn ich sage es dir nur einmal. Wenn die Gesundheitspolizei Patrouille geht, dann geht sie Patrouille. Wenn sie einen Auftrag hat, dann erfüllt sie ihn und kehrt erst zurück, wenn sie ihn erfüllt hat. Zu den Dämonen damit. Wenn wir ausgeschickt werden, um einen Gestaltwandler einzufangen, der sich hier herumtreiben soll, dann werden wir ihn einfangen oder uns davon überzeugen, dass er dieses Gebiet bereits wieder verlassen hat. Landesgrenzen gelten für die Gesundheitspolizei nicht, denn nur wir Elfen sind Willens und in der Lage, reines und unreines Blut zu erkennen und voneinander zu trennen. Und bei den Göttern, niemand wird mich davon abhalten, meine Pflicht zu erfüllen. Halte also in Zukunft besser dein ungewaschenes Maul, Lind!“
Infodump. Diese Rede richtet sich klar an den Leser und nicht an Lind. Kein Wunder, dass er erschrocken die Augen aufreisst  :zitter:


Zitat
Ein Zischen ließ die Männer erst ihre Köpfe herumreißen und dann ihre Münder offenstehen.
Diese Passivkonstruktion ist echt unschön...

Zitat
Keine fünfzig Schritte vor ihnen hob ein Drache ab und flog über das vor ihnen liegende Tal hinweg bis zu einer Klippe, hinter der er dann im Buschwerk verschwand. Allein die schiere Größe dieses Tieres war beeindruckend.
Schwerer Fauxpas! Die Dachen sind die 3. intelligente Rasse und keine Tiere!

Zitat
Es in der Luft zu sehen, wo es keinen Flügelschlag zu viel tat, war ein seltener Anblick außerirdischer Schönheit,
1. ähem - befunden wir uns überhaupt auf der Erde? Und wenn ja, dann in welchem Paralleluniversum?
2. bei außerirdischen denk ich mehr an Alpha Centauri, oder kleine grüne Männchen vom Mars, als an eine intelligente Lebensform, die in deinem Univrsum sogar ein eigenes Land auf dem Planeten hat.

 
Zitat
„Wie fliegt denn ein Drache?“, wollte Lind wissen.
Blödmann. Hat er doch eben gesehen.

„Majestätisch, magisch, überirdisch. Such dir etwas aus. Man müsste ein Dichter sein, um es zu beschreiben.“

Zitat
„Sie sind eine der drei Rassen der Vernunft. So wie wir Elfen auch.“ Das war das erste Mal, dass Zak etwas von sich gab, seitdem er seinen Namen genannt hatte, und alle Köpfe drehten sich zu ihm um.
Noch mehr Imnfodump.

Zitat
„Recht habt Ihr“, sagte Hauptmann Bork. „Aber Elfen fliegen nicht Das können nur die Drachen.“
Auch dies eine Feststellung von seltener Dämlichkeit...

Zitat
„Aber wie die Drachen nutzen wir die Magie der Natur. Was sollte uns also daran hindern, es ihnen gleich zu tun.“
Maitrieb schüttelte den Kopf. „Uns fehlt das nötige Wissen. Und hätten wir es könnten wir es trotzdem nicht. Nicht so wie die Drachen. Nein. Ganz und gar nicht.“
„Aber immerhin stehen wir über den Menschen. Die wissen nur, dass es Magie gibt. Und das ist es auch schon“, sagte Lind und warf sich in die Brust, weil er der Ansicht war, er hätte soeben etwas sehr Kluges gesagt. Aber die anderen Elfen verzogen nur die Gesichter zu einer geringschätzigen Grimasse.
„Nenn mich nicht mit den Menschen in einem Atemzug, du Holzkopf“, schimpfte Hauptmann Bork.
Und wieder das i Wort:
Außerdem ein echt verunglückter Rahmen. Die Jungs sind alle bei der Rasse-Polizei - die müssen sich das garantiert nicht gegenseitig erklären, was für intelligente Rassen es gibt.


Zitat
„Kehren wir um Männer. Hier suchen wir nicht weiter. Wir sind Zeugen von etwas wirklich Großartigem geworden.“
Was soll denn daran großartig gewesen sein? Das ist pure Behauptung!

Nix für ungut, aber da musst du dringend nochmal grundsätzlich dran.
LG


Edit
@Ril,meinst du nicht, du schießt  hier etwas über das Ziel hinaus?
Wenn ich an Textausschnitten erläutere, wo die elfenpolizisten für mich wie Deppen rüberkommen, geht das ganz sicher nicht gegen Trippelschritt, den ich, wie er hoffentlich auch genau weiß, als Autor sehr schätze.
« Letzte Änderung: 17 Juni 2018, 07:30:12 von felis »
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Offline Rilyn

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #18 am: 16 Juni 2018, 23:23:14 »
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Hoi felis,

wir sind hier zwar in der Hölle, aber bei aller potentiellen Schärfe auf dem Grill haben wir doch normalerweise immer grundlegende Höflichkeit bewahrt und Texte nicht verrissen. Ob Kritik angebracht ist oder nicht, macht keinen Unterschied, wenn sie in beleidigendem Tonfall daherkommt.

Ich bitte dich auch beim Rösten darum, sowohl den Text als auch den Autor zu respektieren und entsprechend zu behandeln (dazu gehört in einem Schreibforum auch wenigstens eine Rechtschreibkontrolle). Hier gibt es schließlich nichts in die Tonne zu treten, sondern zu verbessern, und zusammenzuarbeiten statt fertigzumachen.

Liebe Grüße,
Ril

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Re: Ein Viertel Elfenblut
« Antwort #19 am: 17 Juni 2018, 09:52:03 »
Streitet Euch nicht. Es gibt ein paar Leute im FF, die ich mittlerweile so gut kenne, dass sich niemand Gedanken über irgendeine vielleicht etwas scharfe Formulierung zu machen braucht.

Tja, bist in der Tat etwas spät dran, aber das macht nichts. Immerhin hast Du noch einen geschossenen Bolzen gefunden, den ich noch nicht aufgeräumt habe. Dass diese Version deutlich schlechter ist, als die erste, die Du kennst, macht zunächst einmal gar nichts. Die erste funktionierte nicht. Deshalb musste ich ein neues Konzept finden für den Anfang. Das fiel mir schwer, weil ich mal wieder zu tief in meinem eigenen Text stecke. Der zweite Entwurf, der schlechtere, funktioniert meines Erachtens besser als der erste, ist aber grottig. Nach unserer Diskussion über die Forumsarbeit dachte ich mir, so eine Gelegenheit bekommst du nie wieder und habe den Text trotz schlechter Qualität eingestellt, obwohl ich besser noch ein paar Wochen gewartet hätte. Ich habe sagenhaft ergiebige Röstungen bekommen. Und die nächste Version ist auch schon fertig. Aber dieses Mal lasse ich sie noch etwas abhängen. Ich habe nämlich ein echtes Problem mit meinem Anfang.

Der leichteste Weg wäre die Szene wegzulassen und gleich mit Szene 2 anzufangen. Dann folge ich meiner Protagonistin und komme glatt in die Haupthandlung rein, muss aber später viel nacherklären, was gar nicht so einfach ist, um es mal sanft zu auszudrücken.

Deshalb möchte ich zunächst einmal den alternativen Weg versuchen, eine andere Szene voranzustellen, auf die ich später immer wieder Bezug nehmen kann. Ein echter Prolog soll es aber auch nicht sein. Deshalb habe ich mich nun entschlossen, mit einer Nebenhandlung zu beginnen. Und das muss gut genug werden, dass es den Leser in die Geschichte zieht. Ob ich das schaffe, weiß ich noch nicht. Der nächste Versuch ist bereits deutlich anders. Und die Szene 2 kommt auch noch irgendwann.

Das, was ich vorhabe, ist in meinen Augen der richtige Weg. Ob ich ihn bereits im nächsten Versuch hinbekomme, wird sich zeigen. Wie unsicher das alles noch ist, zeigt sich daran, dass der junge Elf bereits einen anderen Charakterzuschnitt bekommen hat. Er heißt übrigens jetzt Lufthauch und nicht mehr Silvan.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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