Autor Thema: Des Teufels Tribut - Kjartan  (Gelesen 148 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Rebekka

  • Gast
Des Teufels Tribut - Kjartan
« am: 29 März 2018, 14:01:34 »
Hallo liebe Teufel,
 
lang ist es her, seit ich zuletzt Röstgut eingestellt habe. ::) Es handelt sich hierbei um das zweite Kapitel meines aktuellen Projekts, einer historischen Abenteuergeschichte, die sich im Jahre 829 n. Chr. in Masallia (Marseille) zuträgt. Der Protagonist ist ein Nordmann. Es gibt noch ein kurzes Vorkapitel eines anderes Perspektivträgers, dieses hier ist das erste aus Sicht von Kjartan, der den Leser auch durch den Rest der Geschichte begleiten wird.
Kjartan ist ein alter Bekannter für diejenigen, die meine Grenzen-Saga gelesen haben, jedoch sollten Figur und Geschichte auch ohne Vorkenntnis funktionieren (auf ein paar Bezüge hier und da konnte ich natürlich dennoch nicht verzichten).
Mich interessiert euer allgemeiner Eindruck und vor allem, was ihr von Kjartan haltet. Ich hatte beim Schreiben das Problem, dass ich ihn ziemlich gut kenne und er eine ganz schöne Vorgeschichte mit sich herumträgt, die ich gern (zumindest am Anfang) völlig außen vor lassen wollte. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie er auf jemanden wirkt, der keinerlei Vorkenntnisse hat. (Was jemanden mit Vorkenntnissen nicht davon abhalten sollte, dennoch zu rösten. Der Text ist lang, deshalb verzichte ich auf die Erbsenlese, es sei denn, ihr besteht darauf.
Genug geschwafelt - Feuer frei!  :bewerf:

***

Kjartan saß auf einem Heuballen und wartete. Spärliches Licht fiel durch die Ritzen der Scheune, Staubkörner tanzten auf den Sonnenstrahlen. Außer dem gelegentlichen Gackern der Hühner drang kaum ein Laut hier herein. Abseits der Bucht, wo die stete Meeresbrise die Sommerhitze etwas abkühlte, schien die Luft zu stehen. Im Inneren der Scheune war es beinahe noch schlimmer. Die Mittagsstunde war schon vorüber. Wie lange dauerte das denn noch?
Er hörte Schritte. Endlich! Dann ein Knarren, als die Scheunentür sich öffnete. Kjartan duckte sich hinter den Heuballen und spähte um die Ecke. Geschmeidig, anmutig wie eine Katze schlüpfte Ashilda durch die Tür und blieb stehen. Die enge Lederhose umschmeichelte ihre schlanke, hochgewachsene Gestalt. Darüber trug sie eine ärmellose Tunika und – natürlich – den Waffengurt. Offenbar auf der Hut legte sie die Hand an den Griff ihres Schwertes. Eine Kriegerin durch und durch. Als sie ihm den Rücken zudrehte, um die Tür zu schließen, huschte er hinter dem Ballen hervor und trat hinter sie.
»Hab dich«, feixte er.
Sie drehte sich zu ihm um, offensichtlich verärgert, dass er es geschafft hatte, sie zu überrumpeln, doch er legte seine Lippen auf ihre und der kurze Widerstand schmolz dahin. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und presste sich an ihn. Ohne den Kuss zu unterbrechen, schob er sie rückwärts gegen die Scheunenwand. Sie schmeckte nach Salz und Bier wie ein Seemann. Manchmal zog er sie damit auf. Aber nicht heute. Es war zu lange her. Das Deck eines Schiffes war kein guter Ort für eine heimliche Liebschaft. Dass er sie Tag und Nacht vor Augen hatte, half ihm leider auch nicht dabei, sein Verlangen nach ihr zu schmälern.
»Mach schnell«, flüsterte Ashilda atemlos.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Er liebte die Geräusche, die sie machte, wenn sie sich ihm hingab. Kurze, abgehackte Schreie, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu, damit niemand sie hörte. Sie biss ihm in die Hand und lachte, als er sie keuchend zurückzog. »Du Biest!«, knurrte er und presste sein Gesicht in ihre feuchte Halsbeuge. Sie war glitschig wie ein Fisch, ihm selbst ging es nicht besser. Sie bemühten sich, leise zu sein, aber es blieb bei einem Versuch.
Schweratmend ließ Kjartan von ihr ab, seine Stirn an ihre gelehnt. Aus klaren, blauen Augen blickte sie ihn amüsiert an. »Das wurde auch Zeit«, schnurrte sie und streichelte sein Gesicht.
Kjartan lächelte. »Stets zu Diensten.« Er trat einen Schritt zurück und zog seine Hose wieder hoch. »Du bist spät. Dachte, du kommst nicht mehr.«
Ashilda zuckte mit den Schultern, während sie ihr Haar richtete. »Es ging nicht eher. Er hätte Verdacht geschöpft.«
Kjartan biss sich auf die Lippe. Der Gedanke an ihn schnürte seine Eingeweide zusammen. Während Ashilda sich anzog, griff er in seine Tasche und holte das Geschenk hervor, dass er am Morgen auf dem Markt für sie gekauft hatte. Wieder trat er von hinten an sie heran und ließ den Anhänger mit dem filigranen, blassblauen Stein vor ihrem Gesicht hin und herbaumeln.
Ashilda drehte sie sich zu ihm um, einen alarmierten Ausdruck im Gesicht.
»Was ist das?«
»Ein Geschenk für dich.«
Sie lächelte unglücklich. »Du weißt, dass ich es nicht tragen kann.«
»Sag, du hättest es selbst gekauft«, erwiderte er ungerührt. »Oder sag ihm die Wahrheit.«
Sie lüpfte eine Augenbraue und drehte sich aus seinem Arm, während er wie ein Idiot dastand, den Anhänger noch immer in der Hand. »Und die wäre?«
»Dass ich dich liebe.«
Ihr glockenhelles Lachen fuhr ihm direkt ins Herz. Er konnte ihren Spott nicht ertragen. Zwar wusste er, dass sie ihn nur zurückwies, um sich und ihn nicht in Gefahr zu bringen, aber es tat dennoch weh.
»Ashilda, hörst du nicht? Ich liebe dich!«, rief er streng in ihr Gelächter hinein. Sie verstummte, senkte beschämt den Blick. Dann trat sie wieder an ihn heran, streichelte ihn wie einen kleinen Jungen, dem man das Spielzeug zerbrochen hatte.
»Ach Kjartan, ich liebe dich auch. Aber du weißt, was davon abhängt. Für uns beide. Was sollen wir ohne ihn machen, mh?«
Störrisch wies er ihre Liebkosung zurück. »Uns fällt schon was ein.«
Sie runzelte die Stirn. »Aber ich will dieses Leben, Kjartan. Mit allem, was es mir zu bieten hat. Und ich will dich. Ist das zu viel verlangt? Können wir nicht einfach so weitermachen wie bisher?«
Es war nicht das erste Mal, dass sie diese Unterhaltung führten, aber zum ersten Mal wollte er sich nicht zufriedengeben. Er wollte mehr, wollte sie ganz. Für sich allein. Er ertrug es nicht mehr, sie mit ihm zusammen zu sehen. Es machte ihn krank. Trotzdem nickte er. »Unter einer Bedingung«, sagte er und hob den Anhänger wieder vor ihr Gesicht.
Mit einem nachsichtigen Lächeln nahm sie ihn entgegen und legte ihn sich um den Hals. Der Stein passte perfekt zu ihren Augen und der gebräunten Haut.
Sie biss sich auf die Lippe. »Wir haben noch etwas Zeit, weißt du?«
Noch bevor sie die Worte zu Ende gesprochen hatte, packte er sie und warf sie ins Heu.

Nachdem er sich von Ashilda getrennt hatte, ging er nicht gleich zurück zum Hafen, sondern an einen abseits gelegenen Strand, um zu baden. Er hatte versucht, sie zum Mitkommen zu überreden, aber natürlich hatte sie abgelehnt. Zu riskant.
Er schnaubte frustriert und warf sich in die Fluten, spülte ihren und seinen Schweiß von sich ab. Das Wasser war warm und klar, ganz anders als am Nordmeer. Die Landschaft, die ihn umgab, so lieblich wie der Wein, den er am Abend trank. Er mochte es hier, aber er vermisste doch den herben Wind der Heimat. Hier hatte er das Gefühl, den ganzen Tag durch klebrigen, süßen Honig zu waten. Das Leben war zu leicht, zu sonnig. Drei Winter waren genug, er freute sich auf die Heimfahrt.
Seine Kleidung hatte er am Strand liegen gelassen, denn es war kein Mensch weit und breit zu sehen gewesen, während er ein ums andere Mal untertauchte, den kleinen, silbrigen Fischschwärmen hinterherjagte und versuchte, Ashildas Duft aus seiner Nase zu bekommen. Als er auftauchte und zum Strand blickte, hockte jemand über seinen Kleidern und wühlte darin herum.
»He!«, brüllte er und schwamm so schnell er konnte zurück zum Ufer.
Die Gestalt, ein halbstarker Rotzlöffel, soweit er es erkennen konnte, blickte zu ihm auf und grinste. Er schien genau zu wissen, dass Kjartan ihn niemals rechtzeitig erreichen würde. Er hob Kjartans Börse und schwenkte sie in seine Richtung, während Kjartan noch durch das seichte Wasser stakste, dann lief er davon. Kjartan stieß die Faust ins Wasser. »Verfluchter Mist!«
Er beeilte sich, an Land zu kommen, auch wenn er den Dieb unmöglich einholen konnte. Trotzdem zog er sich die Kleider über den nassen Leib und folgte den Fußspuren, die wie erwartet in Richtung Hafen führten. Da heute Markttag war, herrschte reger Betrieb in ganz Masallia. Dutzende Schiffe tummelten sich im halbrunden Hafenbecken, unzählige Stimmen flogen an sein Ohr. Er hielt die Augen nach dem Jungen mit der braunen Kappe offen, aber da er ihn von Weitem nur vage erkannt hatte, stellte sich sein Unterfangen bald als aussichtslos heraus. Ärgerlich suchte Kjartan seine Taschen ab. Die Börse war weg, ebenso sein Dolch. Wenigstens hatte dieser Bengel sein Langschwert nicht mitgenommen. Vermutlich war es ihm zu schwer gewesen.
Kjartan fluchte erneut, dann machte er sich auf den Rückweg zur Söldnerin. Er war nicht so dumm, sein gesamtes Silber mit sich herumzutragen. Einen Teil ließ er stets bei seinen Sachen auf dem Langschiff zurück, das Tag und Nacht bewacht wurde. Allerdings war sein Reichtum dank des Diebstahls und dem Kauf der Kette für Ashilda nun erheblich zusammengeschrumpft. Vielleicht musste er sogar Hjalmar um einen Vorschuss bitten.
Außer Björn, der gerade Wache schob, war niemand an Bord der Söldnerin. Björn lachte ihn aus, als er von seinem Unglück erfuhr. Kjartan ignorierte ihn und holte seinen Seesack unter dem Laderaum hervor. Als er die Münzen abzählte, verschlechterte sich seine Laune noch mehr. Fast bereute er, Ashilda die Kette zum Geschenk gemacht zu haben. Sie würde sie schließlich ohnehin nicht tragen. Er steckte ein paar Münzen ein und verließ das Schiff.
Wie erwartet fand er Hjalmar und die anderen in der Schenke, wo - obwohl es erst früher Nachmittag war - schon ordentlich Bier und Wein floss. Sie saßen in ihrer Stammecke, Ashilda war bei ihnen. Hjalmar hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt und zog sie zu sich heran, um sie zu küssen. Kjartan ballte die Faust in der Tasche. An diesen Anblick war er gewohnt, trotzdem schmerzte er ihn heute mehr als sonst. Vielleicht, weil Ashilda ihn wieder einmal abgewiesen hatte.
Ashildas Blick streifte ihn kurz, als er an den Tisch herantrat, aber sie sah gleich wieder weg. »Wo hast du dich herumgetrieben, Kjartan?«, fragte Hjalmar. »Wollte schon ‘nen Suchtrupp losschicken. Du hast deine Wache versäumt.«
Kjartan biss sich von innen auf die Wange. »Es tut mir leid. Hab nicht mehr dran gedacht.«
Hjalmar schob Ashilda fort, als wäre sie ihm lästig, während er Kjartan streng musterte. »Alles in Ordnung, Junge? Hast du Probleme, von denen ich wissen sollte?«
Lieber nicht, dachte Kjartan und schüttelte schnell den Kopf. »Nein, alles gut.« Besser, er erzählte vorerst nichts von dem Diebstahl. »Soll ich Björn jetzt ablösen gehen?«
Hjalmar winkte ab. »Lass gut sein, Björn drückt sich oft genug vor dem Wachdienst. Setz dich und trink was. Du siehst aus, als hättest du es nötig.«
Das Schlimmste war, dass Kjartan ihn mochte. Er war ein Freund seines Onkels Eirik und Teil dessen Mannschaft gewesen, bevor Eirik sein Schiff verlor. Hjalmar war ein Riese von einem Mann, mit rostroten Locken am ganzen Leib. Er war grobschlächtig, trinkfest und grausam zu seinen Feinden. Seine Männer behandelte er mit Respekt und Anstand, weshalb niemand auf die Idee käme, ihn zu hintergehen.
Niemand außer ihm, Kjartan Runolfsson.
Kjartan schlich an das untere Ende der langen Tafel und setzte sich. Sogleich brachte die Schankmaid ihm einen Krug Wein. Er beteiligte sich halbherzig an den Gesprächen, aber irgendwann versank er in brütendem Schweigen und nur der Wein leistete ihm noch Gesellschaft. Er trank zu viel davon. Als er aufsah, verschwammen die Ränder seines Blickfeldes. Draußen war es dunkel geworden und die Schankmaid stellte Kerzen auf die Tische. Hjalmar und ein paar andere hatten zu Würfeln begonnen. Münzen, Silber und Schmuckstücke lagen als Einsatz auf dem Tisch. Auch einige Zuschauer hatten sich eingefunden. Ob Ashilda seine Kette trug? Verstohlen sah er zu ihr herüber. Sie verfolgte gespannt, wie Hjalmar würfelte, und schenkte Kjartan keinerlei Aufmerksamkeit. Sie beherrschte dieses Spiel wahrlich besser als er. Als Hjalmar wieder einmal gewann, jubelte sie und küsste seine Wange. Kjartan zerbrach sich den Kopf darüber, ob sie Hjalmar womöglich liebte und ihn deshalb hinhielt. Er hatte es noch nicht gewagt, sie danach zu fragen.
Ashilda stand auf und die Männer machten ihr Platz. Mit einem Zug leerte Kjartan seinen Krug, bedeutete der Maid, ihm nachzuschenken, und folgte Ashilda nach draußen. Trotz der Dunkelheit hatte sich die schwüle Luft kaum abgekühlt. Wie eine Glocke lag sie über dem Hafenbecken. Selbst der schwache Wind züngelte heiß über seine Haut. Ashilda schlug den Weg über den Hinterhof zum Abort ein. Die wenigsten Frauen würden ihn zu dieser Stunde allein beschreiten. Aber Ashilda war nicht wie andere Frauen. Sie war eine Schildmaid. Kjartan ging ihr nach und wartete. Erst, als sie das Häuschen verließ, machte er sie mit einem Pfiff auf sich aufmerksam.
Sofort wirbelte sie mit dem Schwert in der Hand herum.
»He, ich bin’s nur«, beruhigte er sie.
»Kjartan! Was soll das?« Sie klang verärgert, während sie das Schwert zurück in die Scheide stieß.
Er nahm ihre Hand und zog sie in den Schatten des Aborts, um sie zu küssen. »Ich kann dich nicht den ganzen Abend ansehen, ohne das hier zu tun.«
Sie erwiderte den Kuss zwar, aber er spürte, dass sie nicht bei der Sache war. »Keine Sorge, du weißt, wie er beim Glücksspiel ist. Vor Morgen früh erhebt der sich nicht von seinem fetten Hintern.«
»Aber er ahnt etwas«, flüsterte sie und schob ihn von sich. In der Dunkelheit konnte er ihr Gesicht nicht erkennen, aber in ihrer Stimme lag eine Sorge, die ihn aufhorchen ließ.
»Sind wir in Schwierigkeiten?«
Ihr zögerliches Kopfschütteln konnte er nur erahnen. »Ich weiß es nicht. Er hat die Kette gesehen und wurde misstrauisch. Ich habe dir gleich gesagt, dass ich sie nicht tragen sollte. Jedenfalls behält er mich im Auge.«
Kjartan trat einen Schritt zurück. »Was bedeutet das für uns?« Er kannte die Antwort, aber er wollte sie nicht wahrhaben. »Nein, sag es nicht«, unterbrach er sie, als sie zum Sprechen ansetzte. »Ich will dich. Jetzt und hier.«
Noch ein Mal.
Er drängte sich gegen sie, küsste sie erneut. Sie roch fremd, roch nach ihm.
Resolut löste sie sich von ihm. »Wir dürfen uns nicht mehr treffen, Kjartan, wenigstens eine Weile.« Wieder dieser mitleidige Tonfall, dieses Streicheln seiner Wange.
»Nein, das akzeptiere ich nicht«, sagte er tonlos.
»Du musst. Sei vernünftig.« Sie küsste ihn noch einmal. »Ich muss zurück. Bitte.«
Er ließ sie gehen, blieb allein im Schatten zurück. Ihm war zum Heulen zumute.

Lange hockte er dort in der Dunkelheit, doch irgendwann trieb der Durst ihn zurück in die Schenke. Was blieb ihm noch, außer sich zu betrinken? Er setzte sich zurück auf seinen Platz, wo ein frisch gefüllter Krug auf ihn wartete. Um die Spieler hatte sich ein Pulk von Zuschauern gebildet, sie beachteten ihn gar nicht.
Er starrte in seinen Krug, als würde er dort die Antworten auf seine Probleme finden. Die Wahrheit war, er hatte kein Glück mit Frauen. Zuerst sein Weib in Jütland, das ihn für einen anderen verschmäht hatte, jetzt Ashilda. Was hatte er bloß an sich?
Er sah auf und sein Blick kreuzte Ashildas. Er konnte ihren Ausdruck nicht deuten. Litt sie wie er? Oder war er bloß ihr Zeitvertreib gewesen? Sie hatte gesagt, dass sie ihn liebte. Und eben, als sie ihm erklärte, dass es vorbei sei, hatte er da nicht Angst aus ihrer Stimme herausgehört? Hjalmar war ein gefährlicher Mann, keine Frage. Aber würde er Ashilda etwas antun?
Kjartan wurde aus seiner Grübelei gerissen, als ein Tumult unter den Spielern ausbrach. Eine Faust flog krachend auf den Tisch und Hjalmar brüllte: »Betrug!«
Kjartan sprang wie die anderen auf, um besser sehen zu können. Hjalmar hatte einen Jungen am Schlafittchen, der sich zappelnd gegen die grobe Behandlung wehrte. Kjartan traute seinen Augen kaum. Das war der Dieb von heute Nachmittag! Nun bekam er sein Silber vielleicht doch zurück!
»Lass mich los!«, schrie der Junge. »Ich habe nicht betrogen! Merde!«
»Dich werd ich lehren, dich mit einem Nordmann anzulegen, du kleines Stück Dreck!«
»Ach Hjalmar.« Ashilda legte dem Bootsführer beruhigend die Hand auf den Unterarm. »Er ist doch noch ein Kind.«
»Halt dich raus, Weib!«, knurrte Hjalmar und sofort spannte Kjartan sich an. Aber Hjalmar widmete sich lieber wieder dem Dieb.
»Mich hat er auch bestohlen!«, rief Kjartan ihm zu. »Heute Nachmittag am Strand.«
Hjalmar grinste ihn säuerlich an. »Deshalb die schlechte Laune, he? Dann wollen wir mal sehen, was der Junge so alles in seinen Taschen hat.«
Er begann, den Dieb abzutasten, hielt aber sogleich wieder inne. »Nanu?«, sagte er, dann lächelte er breit. »Mir scheint, wir haben es mit einer Diebin zu tun.«
Er ließ von seinem Opfer ab und lüftete dessen Mütze. Ein brauner Haarknoten verbarg sich darunter. Hjalmar riss das Hemd auf und kleine, feste Brüste offenbarten sich den lüsternen Blicken der Männer. »Könnte man fast übersehen, he?«, scherzte Hjalmar. »Was ist das?«
Sein Finger wanderte über den Hals der Diebin, um den ein wertvoll aussehendes Amulett baumelte. Die Diebin ließ sich ihre Furcht nicht anmerken. Nur ihr stoßweises Atmen verriet sie.
»Nimm deine Drecksflossen von mir«, fauchte sie, als Hjalmar nach dem Amulett griff.
»Das nehme ich besser«, sagte Hjalmar unbeeindruckt und zerrte so fest an der Kette, dass sie riss. »Ist gefährlich, nachts im Hafen mit solch wertvollem Tand herumzustolzieren. Am Ende wirst du noch ausgeraubt.«
Alle lachten über den Scherz, auch Hjalmar. Die Diebin nutze den unachtsamen Moment und zauberte einen Dolch aus ihrem Gürtel – seinen Dolch, stellte Kjartan verärgert fest – den sie Hjalmar unter das Kinn hielt. Schlagartig verstummte das Lachen. Aus dem harmlosen Geplänkel wurde bitterer Ernst, als alle Nordmänner nach ihren Waffen griffen. Manch ein anderer Gast nutze die Gelegenheit zur Flucht.
»Gib es mir zurück!«, forderte sie. Kjartan kam nicht umhin, ihren Schneid zu bewundern.
Hjalmar grinste. »Sonst was?«
»Sonst schlitz ich dich auf, so wahr ich hier stehe.«
»Mutig bist du ja, das muss man dir lassen. Oder dumm. Ich schätze, dumm trifft es ...«
Er konnte den Satz nicht beenden, denn die Diebin stieß ihm das Knie zwischen die Beine, griff nach einem der Krüge und ließ ihn auf Hjalmars Schädel niederkrachen. Dann war sie fort. Dies alles geschah so schnell, dass Kjartan es kaum begreifen konnte.
Ein paar Männer nahmen die Verfolgung auf, während die anderen sich um ihren Bootsführer kümmerten. Kjartan starrte lange auf die Tür, durch die sie verschwunden war und ahnte, dass er sein Silber und seinen Dolch nie wieder sehen würde.

***
Vielen Dank für's Lesen. :blume:

Offline Xaranis

  • Veganer Tofuburger
  • *
  • Beiträge: 99
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #1 am: 29 März 2018, 16:42:39 »
Dann mach ich mal den Anfang.

Ich kopiere mal deinen Text und füge meine Kommentar in Rot hinzu, ja? Die Streichungen sind Vorschläge, die man in Erwägung ziehen könnte.
Los gehst.


Kjartan saß auf einem Heuballen und wartete. Spärliches Licht fiel durch die Ritzen der Scheune, Staubkörner tanzten auf den Sonnenstrahlen. Außer dem gelegentlichen Gackern der Hühner drang kaum ein Laut hier herein. Abseits der Bucht, wo die stete Meeresbrise die Sommerhitze etwas abkühlte, schien die Luft zu stehen. Im Inneren der Scheune war es beinahe noch schlimmer. Die Mittagsstunde war schon vorüber. Wie lange dauerte das denn noch?

für meinen Geschmack etwas behäbig, der Anfang. Aber ok.

Er hörte Schritte. Endlich! Dann ein Knarren, als die Scheunentür sich öffnete. Kjartan duckte sich hinter den Heuballen und spähte um die Ecke. Geschmeidig, anmutig wie eine Katze schlüpfte Ashilda durch die Tür und blieb stehen. Die enge Lederhose umschmeichelte ihre schlanke, hochgewachsene Gestalt. Darüber trug sie eine ärmellose Tunika und – natürlich – den Waffengurt.

Kleidung als Charakterisierungsmerkmal fand ich schon immer fade. Das „natürlich“ zwischen den Bindestrichen stockt den Lesefluss. Wäre eine Überlegung wert, ob man das braucht.

Offenbar auf der Hut legte sie die Hand an den Griff ihres Schwertes. Eine Kriegerin durch und durch. Als sie ihm den Rücken zudrehte, um die Tür zu schließen, huschte er hinter dem Ballen hervor und trat hinter sie.
»Hab dich«, feixte er.
Sie drehte sich zu ihm um, offensichtlich verärgert, dass er es geschafft hatte, sie zu überrumpeln,

wobei sie für mich nicht überrumpelt wirkt. Zumindest zeigst zu mir das nicht. Wenn sie aber ganz offensichtlich mit einer Gefahr in dieser Scheune rechnete und nun stattdessen (noch dazu von hinten) von ihrem Liebhaber überrumpelt wird, sollte sie sich eigentlich nicht nur umdrehen sondern ungefähr so reagieren wie meine Katze, die wie bekloppt gegen das Fenster schoss, als sie sich mal erschrak.
Ebenso möchte ich anmerken: Wenn ich, alarmiert und mit dem Hand am Schwert in eine Scheune ginge, dann würde ich die Tür nicht zumachen denn dann ist’s da drin ja zappenduster und was auch immer da drin auf mich lauert, hat sich an die Düsternis gewöhnt, während ich selbst so gut wie blind bin, bis meine Augen sich gewöhnt haben und damit angreifbar.
Warum hat sie überhaupt die Hand am Schwert? Rechnet sie mit einem Angriff? Wie ich dem Text auch später entnehme, ist sie zu Hause und das Einzige, was sie zu fürchten hat, ist der Mann, den sie betrügt. Würde sie den mit dem Schwert niederhauen? :watchout:


doch er legte seine Lippen auf ihre und der kurze Widerstand schmolz dahin. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und presste sich an ihn. Ohne den Kuss zu unterbrechen, schob er sie rückwärts gegen die Scheunenwand. Sie schmeckte nach Salz und Bier wie ein Seemann. Manchmal zog er sie damit auf. Aber nicht heute. Es war zu lange her. Das Deck eines Schiffes war kein guter Ort für eine heimliche Liebschaft.

Der letzte Satz hatte mich beim ersten Lesen kurz irritiert. Wollte es deshalb nicht unerwähnt lassen. Für einen Augenblick dachte ich beim Lesen, sie wären auf dem Schiff und ich dachte: äääh, waren die nicht eigentlich in einer Scheune?

Dass er sie Tag und Nacht vor Augen hatte, half ihm leider auch nicht dabei, sein Verlangen nach ihr zu schmälern.
»Mach schnell«, flüsterte Ashilda atemlos.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Er liebte die Geräusche, die sie machte, wenn sie sich ihm hingab. Kurze, abgehackte Schreie, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu, damit niemand sie hörte. Sie biss ihm in die Hand und lachte, als er sie keuchend zurückzog. »Du Biest!«, knurrte er und presste sein Gesicht in ihre feuchte Halsbeuge. Sie war glitschig wie ein Fisch, ihm selbst ging es nicht besser. Sie bemühten sich, leise zu sein, aber es blieb bei einem Versuch.
Schweratmend ließ Kjartan von ihr ab, seine Stirn an ihre gelehnt. Aus klaren, blauen Augen blickte sie ihn amüsiert an. »Das wurde auch Zeit«, schnurrte sie und streichelte sein Gesicht.
Kjartan lächelte. »Stets zu Diensten.« Er trat einen Schritt zurück und zog seine Hose wieder hoch. »Du bist spät. Dachte, du kommst nicht mehr.«
Ashilda zuckte mit den Schultern, während sie ihr Haar richtete. »Es ging nicht eher. Er hätte Verdacht geschöpft.«
Kjartan biss sich auf die Lippe. Der Gedanke an ihn schnürte seine Eingeweide zusammen. Während Ashilda sich anzog, griff er in seine Tasche und holte das Geschenk hervor, dass er am Morgen auf dem Markt für sie gekauft hatte. Wieder trat er von hinten an sie heran und ließ den Anhänger mit dem filigranen, blassblauen Stein vor ihrem Gesicht hin und herbaumeln.
Ashilda drehte sie sich zu ihm um, einen alarmierten Ausdruck im Gesicht.
»Was ist das?«
»Ein Geschenk für dich.«
Sie lächelte unglücklich. »Du weißt, dass ich es nicht tragen kann.«
»Sag, du hättest es selbst gekauft«, erwiderte er ungerührt. »Oder sag ihm die Wahrheit.«
Sie lüpfte eine Augenbraue und drehte sich aus seinem Arm, während er wie ein Idiot dastand, den Anhänger noch immer in der Hand. »Und die wäre?«
»Dass ich dich liebe.«
Ihr glockenhelles Lachen fuhr ihm direkt ins Herz. Er konnte ihren Spott nicht ertragen. Zwar wusste er, dass sie ihn nur zurückwies, um sich und ihn nicht in Gefahr zu bringen, aber es tat dennoch weh.


Und hier nutze ich nun die Gelegenheit etwas zu sagen, was mir zuvor schon auffiel, aber an dieser Stelle für mich nochmal ganz deutlich wurde: Etwas, das dir ganz und gar nicht gefallen wird. Deine Figuren bleiben für mich leer. Ich denke, es liegt daran, dass du die Dinge beim Namen nennst statt mir Gefühle zu zeigen. „Er konnte ihren Spott nicht ertragen“ zum Beispiel löst in mir nichts aus. Ich kann das nicht in Emotion umsetzen. „Es tat ihm weh“ bleibt ebenso blass. Kannst du ihn nicht etwas tun lassen oder ihn etwas sagen lassen, das eben das ausdrückt, was er fühlt, ohne dass du es explizit erwähnst?
„glockenhelles Lachen“ finde ich außerdem ziemlich abgewetzt.


»Ashilda, hörst du nicht? Ich liebe dich!«, rief er streng in ihr Gelächter hinein. Sie verstummte, senkte beschämt den Blick. Dann trat sie wieder an ihn heran, streichelte ihn wie einen kleinen Jungen, dem man das Spielzeug zerbrochen hatte.
»Ach Kjartan, ich liebe dich auch. Aber du weißt, was davon abhängt. Für uns beide. Was sollen wir ohne ihn machen, mh?«
Störrisch wies er ihre Liebkosung zurück. »Uns fällt schon was ein.«
Sie runzelte die Stirn. »Aber ich will dieses Leben, Kjartan. Mit allem, was es mir zu bieten hat. Und ich will dich. Ist das zu viel verlangt? Können wir nicht einfach so weitermachen wie bisher?«
Es war nicht das erste Mal, dass sie diese Unterhaltung führten, aber zum ersten Mal wollte er sich nicht zufriedengeben. Er wollte mehr, wollte sie ganz. Für sich allein. Er ertrug es nicht mehr, sie mit ihm zusammen zu sehen. Es machte ihn krank. Trotzdem nickte er. »Unter einer Bedingung«, sagte er und hob den Anhänger wieder vor ihr Gesicht.
Mit einem nachsichtigen Lächeln nahm sie ihn entgegen und legte ihn sich um den Hals. Der Stein passte perfekt zu ihren Augen und der gebräunten Haut.
Sie biss sich auf die Lippe. »Wir haben noch etwas Zeit, weißt du?«
Noch bevor sie die Worte zu Ende gesprochen hatte, packte er sie und warf sie ins Heu.

Der Dialog bleibt mir zu wenig konfliktreich. Ebensowenig überzeugt mich Kjartans Reaktion. Und das liegt nun nur zur Hälfte daran, dass ich mich in ihn emotional nicht versetzen kann. Die andere Hälfte ist, was hier passiert. Er will eindeutig, dass sie ihren Partner verlässt, ist verletzt, drängt, will es unbedingt. Aber er verhält sich nicht entsprechend. Macht es ihm Spaß, das fünfte Rad am Wagen zu spielen? Nein. Offenbar nicht. Denn er weist sie zurück. Aber warum gibt er dann sofort wieder klein bei, schluckt ihren Spott, ihre Zurückweisung, lässt sich erniedrigen und hat dann noch Lust, sich mit ihr im Heu zu wälzen? Hmmmm. Wenn ja, ist er ein ziemlich leidensfähiger Trottel. Was auch immer es ist, ich kann es nicht FÜHLEN.

Ich höre jetzt auf, denn ab dieser Stelle bringt der Text keine neuen Erkenntnisse.
Es überzeugt mich leider nicht.
Ich finde es zwar nicht schlecht geschrieben. Insgesamt würde ich mir bei den Formulierungen da und dort etwas mehr Einfallsreichtum wünschen; eben jene geschliffene Formulierungen, die man nicht in anderen Büchern schon tausend mal gelesen hat, wenn du weißt, was ich meine. Besonders bei den Beats fiel mir das auf.
Aber das eigentlich Manko - und das ist für mich ein Todesstoß - ist, dass deine Figuren für mich völlig blass bleiben. Und das liegt m. E. nach daran, dass du mir ihre Emotionen erklärst, sie mir aber nicht vermittelst.
Das ist schade, denn ich glaube, die Geschichte an sich ist gar nicht schlecht. Aber ohne Identifikation mit den Figuren bleibt sie für mich belanglos.

Wenn du erlaubst, mag ich an der Stelle auf eine Übung verweisen, die für mich ziemlich erhellend war. Vielleicht kann sie dir ja dienen?
Wie stellst du in einem Dialog zwischen zwei Menschen dar, dass die beiden etwas miteinander hatten und nun etwas Ungeklärtes zwischen ihnen im Raum steht, etwas das nie ausgesprochen wurde, ohne dass du das in deinen Zeilen explizit erwähnst?
Ist ein wenig wie "Tabu". Errate selbst, was ich dir nicht sage.


  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #2 am: 29 März 2018, 20:17:34 »
Huhu Xaranis.

Wow, was ein Verriss. :hell: Nun ja, was habe ich erwartet? Ich bin hier schließlich in der Hölle, hatte ich in der kuschligen Sofaecke wohl zwischenzeitlich vergessen. :ichwarsnich:

Eine Anmerkung zur Röstweise: Augenfreundlicher wäre es, den kompletten Text zu zitieren und dann zu stückeln, um deine Antworten dazwischenzusetzen. Oder eine andere Farbe zu nehmen. Das Rot auf Rot liest sich scheußlich (zumindest für mich  :) )

Dann mal los.

Zitat
Kjartan saß auf einem Heuballen und wartete. Spärliches Licht fiel durch die Ritzen der Scheune, Staubkörner tanzten auf den Sonnenstrahlen. Außer dem gelegentlichen Gackern der Hühner drang kaum ein Laut hier herein. Abseits der Bucht, wo die stete Meeresbrise die Sommerhitze etwas abkühlte, schien die Luft zu stehen. Im Inneren der Scheune war es beinahe noch schlimmer. Die Mittagsstunde war schon vorüber. Wie lange dauerte das denn noch?

für meinen Geschmack etwas behäbig, der Anfang. Aber ok.
Drei einleitende Sätze findest du behäbig? :hell: Nun gut, dass ich noch ein Vorkapitel habe.

Zitat
Kleidung als Charakterisierungsmerkmal fand ich schon immer fade. Das „natürlich“ zwischen den Bindestrichen stockt den Lesefluss. Wäre eine Überlegung wert, ob man das braucht.
Es ist eher eine Beobachtung, aber gut, braucht es vielleicht nicht unbedingt. Das "natürlich" soll natürlich zeigen, dass es für Ashilda natürlich ist, ein Schwert zu tragen.  ;D Selbst wenn der Anlass "nur" ein Stelldichein mit ihrem Lover ist.

Zitat
wobei sie für mich nicht überrumpelt wirkt. Zumindest zeigst zu mir das nicht. Wenn sie aber ganz offensichtlich mit einer Gefahr in dieser Scheune rechnete und nun stattdessen (noch dazu von hinten) von ihrem Liebhaber überrumpelt wird, sollte sie sich eigentlich nicht nur umdrehen sondern ungefähr so reagieren wie meine Katze, die wie bekloppt gegen das Fenster schoss, als sie sich mal erschrak.
Ebenso möchte ich anmerken: Wenn ich, alarmiert und mit dem Hand am Schwert in eine Scheune ginge, dann würde ich die Tür nicht zumachen denn dann ist’s da drin ja zappenduster und was auch immer da drin auf mich lauert, hat sich an die Düsternis gewöhnt, während ich selbst so gut wie blind bin, bis meine Augen sich gewöhnt haben und damit angreifbar.
Warum hat sie überhaupt die Hand am Schwert? Rechnet sie mit einem Angriff? Wie ich dem Text auch später entnehme, ist sie zu Hause und das Einzige, was sie zu fürchten hat, ist der Mann, den sie betrügt. Würde sie den mit dem Schwert niederhauen? :watchout:
Ok, das Setting habe ich nicht ordentlich etabliert. Sie sind nicht zuhause (und zappenduster ist es nicht, denn es fällt ja Licht durch die Ritzen). Wo sie sind (und warum) klärt sich in der Szene danach, die du nicht mehr geröstet hast ... wurde es dir da denn klar oder hast du nicht weitergelesen? Und ist das "wo und warum" eine Frage, die zum Zeitpunkt des Stelldicheins zwingend geklärt werden muss oder reicht es, durchblicken zu lassen, dass das Treffen an einem "neutralen" Ort stattfindet?

Zur Klärung: Kjartan ist auf "víking" als Ruderer einer Schiffsmannschaft, Ashilda ist ebenfalls Teil der Mannschaft, Hjalmar ist der Boss. Das Stelldichein findet in einer abgelegenen Scheune statt, der Treffpunkt war vereinbart (weshalb Ashilda auch nicht wirklich wachsam ist ... die Hand am Schwertgriff ist Gewohnheit)

Zitat
Und hier nutze ich nun die Gelegenheit etwas zu sagen, was mir zuvor schon auffiel, aber an dieser Stelle für mich nochmal ganz deutlich wurde: Etwas, das dir ganz und gar nicht gefallen wird. Deine Figuren bleiben für mich leer. Ich denke, es liegt daran, dass du die Dinge beim Namen nennst statt mir Gefühle zu zeigen. „Er konnte ihren Spott nicht ertragen“ zum Beispiel löst in mir nichts aus. Ich kann das nicht in Emotion umsetzen. „Es tat ihm weh“ bleibt ebenso blass. Kannst du ihn nicht etwas tun lassen oder ihn etwas sagen lassen, das eben das ausdrückt, was er fühlt, ohne dass du es explizit erwähnst?
„glockenhelles Lachen“ finde ich außerdem ziemlich abgewetzt.
Hmmmmmm ...  Ich kenne natürlich die Regel "Show don't tell", finde jedoch Texte, in denen nur "gezeigt" wird, selbst meist ziemlich anstrengend. Kommt vielleicht etwas auf die Lesegewohnheiten an. Natürlich nehme ich es ernst, wenn du mir sagt, dass die Figuren dich nicht berühren, aber so richtig "greifbar" ist die Kritik für mich noch nicht. Denn er tut ja etwas, um seine verletzten Gefühle zu zeigen, aber das ist dir nicht stark genug, richtig? :wiejetzt:

Zitat
Der Dialog bleibt mir zu wenig konfliktreich.
Wie meinst du das? Was sollte ich deiner Meinung nach verstärken?

Zitat
Ebensowenig überzeugt mich Kjartans Reaktion. Und das liegt nun nur zur Hälfte daran, dass ich mich in ihn emotional nicht versetzen kann. Die andere Hälfte ist, was hier passiert. Er will eindeutig, dass sie ihren Partner verlässt, ist verletzt, drängt, will es unbedingt. Aber er verhält sich nicht entsprechend. Macht es ihm Spaß, das fünfte Rad am Wagen zu spielen? Nein. Offenbar nicht. Denn er weist sie zurück. Aber warum gibt er dann sofort wieder klein bei, schluckt ihren Spott, ihre Zurückweisung, lässt sich erniedrigen und hat dann noch Lust, sich mit ihr im Heu zu wälzen? Hmmmm. Wenn ja, ist er ein ziemlich leidensfähiger Trottel. Was auch immer es ist, ich kann es nicht FÜHLEN.
Ok, das wiederum kann ich nachvollziehen, aber es ist kompliziert. Zum einen: ja, er IST ein leidensfähiger Trottel und ziemlich blind vor Liebe. Er WEIß, dass Ashilda Hjalmar nicht verlassen wird (so lange er ihr nichts Besseres oder wenigstens Vergleichbares bieten kann und gibt deshalb klein bei. Lieber den Spatz in der Hand, na, du weißt schon ... ::) Deshalb schluckt er die Zurückweisung . Abgesehen davon ist er ein junger Mann, der schon lange nicht mehr ... naja, lassen wir das. :grinwech:

Zitat
Ich höre jetzt auf, denn ab dieser Stelle bringt der Text keine neuen Erkenntnisse.
Es überzeugt mich leider nicht.

Nachgehakt:  Szene 2 und 3 brachten keine neuen Erkenntnisse heißt ... was genau?
1. Das Problem der nicht gezeigten Gefühle zieht sich durch, deshalb macht es keinen Sinn, es anhand der einzelnen Szenen zu konkretisieren?
2. Die Handlung bringt keine neuen Erkenntnisse, keinen Haken, keinen Konflikt? Nichts, was dich bei der Stange hält (halten könnte, wenn die Charaktere keine leblosen Zombies wären)?
3. Ich habe nach Szene 1 abgebrochen/ überflogen?

Sorry, wenn ich so bohre, das ist nicht böse gemeint, ich will es bloß verstehen. Der Satz ist ja ziemlich vernichtend, bringt für mich aber wenig Erhellendes zu Tage. :gnaah:

Zitat
Ich finde es zwar nicht schlecht geschrieben.

Na, immerhin etwas.  ::) ;D

Zitat
Insgesamt würde ich mir bei den Formulierungen da und dort etwas mehr Einfallsreichtum wünschen; eben jene geschliffene Formulierungen, die man nicht in anderen Büchern schon tausend mal gelesen hat, wenn du weißt, was ich meine. Besonders bei den Beats fiel mir das auf.
Was für Beats? :watchout:
Zu den Formulierungen - der Text hat noch keine "sprachlichen" Korrekturen erfahren, es ging mir erst mal um den Gesamteindruck. Die Feinheiten kommen später.

Zitat
Aber das eigentlich Manko - und das ist für mich ein Todesstoß - ist, dass deine Figuren für mich völlig blass bleiben. Und das liegt m. E. nach daran, dass du mir ihre Emotionen erklärst, sie mir aber nicht vermittelst.
Das ist schade, denn ich glaube, die Geschichte an sich ist gar nicht schlecht. Aber ohne Identifikation mit den Figuren bleibt sie für mich belanglos.
Ja, das ist ... schlimm. Aber du merkst vielleicht, dass ich noch etwas ratlos vor deiner Kritik stehe. Ich verstehe, was du meinst (ich hasse es ebenso, wenn Figuren blass und leer bleiben) aber ich sehe es (noch?) nicht in meinem Text.
Vielleicht bin ich aber auch zu selbstverständlich an Kjartan herangegangen, weil ich ihn zu gut kenne und zu viel voraussetze. In der Überarbeitung werde ich darauf auf jeden Fall ein verstärktes Augenmerk legen, auch auf die Etablierung des Settings. Wenn du mir an der einen oder anderen Stelle jedoch noch einen konkreteren Hinweis geben könntest, wäre ich dir dankbar. :blume:

Zitat
Wenn du erlaubst, mag ich an der Stelle auf eine Übung verweisen, die für mich ziemlich erhellend war. Vielleicht kann sie dir ja dienen?
Wie stellst du in einem Dialog zwischen zwei Menschen dar, dass die beiden etwas miteinander hatten und nun etwas Ungeklärtes zwischen ihnen im Raum steht, etwas das nie ausgesprochen wurde, ohne dass du das in deinen Zeilen explizit erwähnst?
Ist ein wenig wie "Tabu". Errate selbst, was ich dir nicht sage.
Das klingt nach einer spannenden Übung. :cheerful:

Vielen Dank, dass du dich des Textes angenommen hast und liebe Grüße!
Rebekka

Offline Xaranis

  • Veganer Tofuburger
  • *
  • Beiträge: 99
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #3 am: 30 März 2018, 09:10:57 »
Guten Morgen.  Ich antworte mal kurz vom Handy.  Irgendwie hat mein Laptop wieder kein Netz.   :genervt:
Zitieren kann ich so leider nicht. Ich arbeite deine Anmerkungen der Reihe nach ab.
Ja ich kenn das Nervenflattern wenn man sein heiliges Werk auf den Altar wirft.  Bitte versteh es nicht als Verriss sondern als Versuch,  Schwächen zu finden.   :kraul:

Was mich an den Einleitungssätzen stört: sie haben beinah identischen Aufbau und Länge . Das ist monoton.

Was die Charakterisierung anhand von Kleidung angeht (was du Beobachtung nennst) : Was soll ich mit Kenntnissen über ihren Kleiderschrank anfangen?  Was hältst du von dem Vorschlag, wenn er stattdessen pversucht,  zu beschreiben, was er in ihr sieht, was er an ihr findet? Das würde gleichzeitig ein Augenmerk darauf bringen,  welche Rolle sie für ihn spielt. 

Nächster Punkt:
Das Setting wird natürlich später klar,  ist aber wohl wirklich an dieser Stelle nicht einwandfrei geglückt.

Die nächsten beiden Punkte gehen Hand in Hand.  Was mir im Dialog fehlt, ist Widerstand.  Sein Frust oder Aufbegehren dagegen,  dass sie ihn benutzt und ihr Genervtsein oder ihre Abwehr dagegen, dass er versucht, sie in Fahrwasser zu drängen, in die sie sich nicht drängen lassen will.  Solche oder ähnliche Emotionen dringen nicht durch.  Der Dialog ist zu zahm, vor allem wenn man bedenkt,  dass sie ihn nicht zum ersten mal führen.  Auch wenn es nicht gleich eskalieren muss, sollte ein gewisses Maß an Verstimmung schon da sein.
Kennst du das nicht auch von zu Hause, wenn du Diskussionen zum gefühlt tausendsten Mal führst?  Da schwingt Emotion mit.  (Ich hab dir doch schon tausend Mal gesagt...  Können wir das BITTE beenden?)  Zumal die Schildmaid sicher selbstbewusst sein sollte.  Vielleicht ist sie ausserdem ein wenig störrisch?  Eingeschnappt, wenn man sie kritisiert? Zeige sie mir im Dialog.
Ich denke, das sind Dinge, die dir helfen können,  nach aussen hin Leben in deine Figuren zu hauchen. 

Der nächste Punkt kam wohl härter an, als er gemeint war.  "Keine neuen Erkenntnisse" meint, was ich geröstet habe, setzt sich fort.  Daher war es unnötig, das nochmal aufzunehmen. Zu Ende gelesen habe ich. Allerdings mit wenig Lust,  da mich die Figuren nicht erreichten. 

Beats meint die Worte zwischen den Dialogzeilen,  die die zeitlichen Abstände im Wortwechsel schaffen. 

Ich hoffe, meine Eindrücke bringen dich ein wenig weiter und meine Röstung wird klarer. Ansonsten nie zögern, nachzufassen.  Ich wünsch dir schöne Ostertage.
« Letzte Änderung: 30 März 2018, 10:51:17 von Xaranis »
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Windstoß

  • Höllenhund
  • *
  • Beiträge: 130
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #4 am: 30 März 2018, 10:18:27 »
Hallo Rebekka!

Nur ganz kurz, eigentlich muss ich weg und habe nur gaaaanz kurz mal reingeschaut.
Das vierte Wort geht gar nicht. Nicht 829, bitte mach ein Fass daraus oder was auch immer.  :bettel:
Sowas bringt mich sofort zum Aufhören.

Gruß
Windstoß
„Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft.
Beginne es jetzt.“
Goethe

Offline eska

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 249
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #5 am: 30 März 2018, 15:44:33 »
Hi Rebekka;

ich hab mich auch mal dran versucht, mit Augenmerk auf dem Eindruck, den Kjartan macht. Trotzdem sind mir zuerst ein paar Einzelheiten aufgefallen, solche, die mich störten, deshalb auch die.

Zitat
Die enge Lederhose umschmeichelte ihre schlanke, hochgewachsene Gestalt.
Das Verb passt für mich nicht: Umschmeicheln suggeriert weich fallenden, lockeren, sich frei bewegenden Stoff - enges Leder nicht. Vielleicht passt 'betonte'?

Da er ja wohl auf sie wartet, sollte das kein gelangweiltes Warten sein, sondern ein mit entsprechenden Sehnsüchten oder Vorstellungen angefülltes, vielleicht quälendes. Damit kannst du sowohl ihre Beziehung als auch ihn selbst charakterisieren.
Und wenn sie mit ihm verabredet ist, wieso kann er sie überraschen? Hell genug ist es in der Scheune (Staub tanzt in der Sonne), in meiner Vorstellung saß er vorne auf dem Heuballen - warum dahinter? - und Heu knistert mindestens beim Aufstehen. Normal fände ich auch, wenn sie beim Eintreten flüsternd nach ihm fragt. Oder - wieder Charakterisierung - sich ihm präsentiert, z.B. mit beiden Händen ihr Haar zurückstreicht, um ihm einen Blick auf ihren Busen oder mindestens die Unterarme zu gewähren oder so. Und selbst wenn sie nicht verführen will ('Geschmeidig, anmutig wie eine Katze schlüpfte Ashilda durch die Tür' suggeriert mir aber eben das), ist sie als Kriegerin doch nicht so unvorsichtig, einem unbekannten Raum den Rücken zuzudrehen, nur um die Tür zuzumachen, das geht auch hinterm Rücken. Oder es ist eine Pose, und er soll sie fangen.

Zitat
Ohne den Kuss zu unterbrechen, schob er sie rückwärts gegen die Scheunenwand.
Würde ich ein paar Sätze später bringen, nach 'zu lange her' oder vor 'Mach schnell.' Hier unterbricht es den Gedankenfluss.
Zitat
Er liebte die Geräusche, die sie machte, wenn sie sich ihm hingab. Kurze, abgehackte Schreie, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu,
Kürzer: Er liebte die kurzen, abgehackten Schreie, mit denen sie sich ihm hingab, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu, ...
(Wobei abgehackt hier seltsam klingt, atemlos vielleicht?).

Dass sie ihn beißt, ok, aber entweder reflexartig als Reaktion aufs Mundzuhalten, dann lacht sie erst später, gerade kriegt sie kaum Luft, oder zum Schluss als Strafe, dann geht es hier zu schnell.
Zitat
Glitschig wie ein Fisch
: Hier fange ich sofort an zu grübeln, wie das kommt: So anstrengend kann der Quickie, als den ich dies hier lese, für kampfgeübte, trainierte Leute eigentlich nicht sein, außerdem tragen sie Kleidung (oder nicht mehr?), die Schweiß aufsaugt, und es ist trocken in der Scheune.

Zitat
Sie roch fremd, roch nach ihm.
Dann eben nicht fremd, nur anders als sonst. Klingt nach baldiger Entdeckung (Zaunpfahl?).

Zitat
Lieber nicht, dachte Kjartan
Gedanken in Kursiv ist nicht nötig. 'dachte er' signalisiert genug.

Zitat
Schlagartig verstummte das Lachen. Aus dem harmlosen Geplänkel wurde bitterer Ernst, als alle Nordmänner nach ihren Waffen griffen. Manch ein anderer Gast nutze die Gelegenheit zur Flucht.
»Gib es mir zurück!«, forderte sie. Kjartan kam nicht umhin, ihren Schneid zu bewundern.
Hjalmar grinste. »Sonst was?«
»Sonst schlitz ich dich auf, so wahr ich hier stehe.«
»Mutig bist du ja, das muss man dir lassen. Oder dumm. Ich schätze, dumm trifft es ...«
Er konnte den Satz nicht beenden, denn die Diebin stieß ihm das Knie zwischen die Beine, griff nach einem der Krüge und ließ ihn auf Hjalmars Schädel niederkrachen. Dann war sie fort.

Das ist mir zu unglaubwürdig: Entweder sie erfassen trotz leichter Betrunkenheit, dass diese Diebin nicht das kleine, dumme Mädchen ist (bitterer Ernst), dann sehen sie sich besser vor und sie muss etwas Ausgefalleneres tun, um fliehen zu können, oder sie erfassen es nicht, dann stimmen die ersten Sätze des Absatzes nicht. Und da sie mit Schnelligkeit und Überraschung (und wahrscheinlich Ablenkung) arbeitet, ist die Herausforderung mit dem Dolch wohl eher die falsche Wahl. Außerdem ist der Leichtere mit Abstand besser dran, also sucht sie den, außer seiner Reichweite hat sie mehr Chancen als nahe dran.

Gesamteindruck:
Kjartan wirkt ein bisschen jammerig. Das liegt womöglich daran, dass er in allen drei Sequenzen passiv ist und nur reagiert bzw. nicht einmal das.
Zitat
Er ließ sie gehen, blieb allein im Schatten zurück. Ihm war zum Heulen zumute.
Das fasst es in etwa zusammen. Er lässt hier alles mit sich machen, lässt sich abweisen, ohne zu protestieren oder zu versuchen, sie umzustimmen, lässt sich bestehlen, ohne Rachegedanken oder ähnliches, lässt sich auslachen, sucht nur Vergessen im Alkohol. Keine Initiative. Keine Pläne. Nicht einmal ohnmächtige Wut. Warum soll ich mich mit ihm identifizieren?

Und selbst sein Leiden kann ich nicht so recht mitfühlen, bisher habe ich nur sexuelle Anziehung und Eifersucht (für sich allein haben) gesehen. Was bedeutet ihm Ashilda darüberhinaus? Oder ist er ihr hörig, weil nur sie dies und das in ihm weckt und keine andere ihn mehr reizt seitdem?
Zitat
Die Wahrheit war, er hatte kein Glück mit Frauen. Zuerst sein Weib in Jütland, das ihn für einen anderen verschmäht hatte, jetzt Ashilda. Was hatte er bloß an sich?
Vielleicht ist da der Ansatzpunkt: Man könnte vermuten, dass ihn ursprünglich der Verrat seiner Frau so tief verunsichert und aus der Bahn geworfen hat, dass jetzt alles ihn zum Schwanken bringt. Aber: Er denkt nirgends sonst an sie, verbietet sich das auch nicht, es ist mindestens drei Jahre her, seine Laune ist nicht die übliche, sonst würde keiner kommentieren.
Und sehr nordmann-imageträchtig wäre es nicht, sein Selbstbewusstsein von einer Frau abhängig zu machen. Kann natürlich trotzdem so sein, nur würde er es dann zeigen? Bzw. unter seinesgleichen damit leben können? Oder würde er nicht besonders unempfindlich/abgebrüht wirken wollen, um jeden Verdacht auszuschließen?

Story: Eine heimliche Liebe (wirklich Liebe?) und ein Loyalitätskonflikt, eine mutige und geschickte Diebin, die mehr verspricht, und ein Wikinger in der Fremde, der sich über seine Frauen definiert. Bisher gehört meine Sympathie der Diebin. Mach Kjartan interessant, indem ich ihm seinen Konflikt mehr abnehme, dann ändert sich das.

(Als Idee: Erste Szene im Bordell, es klappt nicht, weil er nur an Ashilda denkt (oder nur, wenn). Sein Abscheu gegen das Weiche, Klebrige des Lebens am Mittelmeer kann dabei gut rauskommen und sich an der Hure festmachen. Seine Ohnmacht, Ashilda Hjalmar abspenstig zu machen oder die Situation irgendwie zu verändern, kann als Innensicht m.E. besser dem Leser verkauft werden als als äußerliche Passivität. Und dann die Badeszene mit Diebstahl und der Rest. Sofern die Szenen Exposition sind ... ;)).

Ich hoffe, das verschafft dir einen Eindruck zum Weitermachen!
Frohe Ostern,

eska


  • Ich schreibe gerade: diverses Kleinzeugs, immerhin

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #6 am: 30 März 2018, 15:52:59 »
Huhu Xaranis! :wink:

Danke für deine erneute Antwort. Jetzt lichtet sich der Nebel schon etwas.  ;D

Bitte versteh es nicht als Verriss sondern als Versuch,  Schwächen zu finden.   :kraul:
Nein, alles gut. Deshalb ja das Nachhaken meinerseits.  :)

Zitat
Was mich an den Einleitungssätzen stört: sie haben beinah identischen Aufbau und Länge . Das ist monoton.

Aufs Sprachliche bezogen wiederum nachvollziehbar. Arbeite ich um.

Zitat
Was die Charakterisierung anhand von Kleidung angeht (was du Beobachtung nennst) : Was soll ich mit Kenntnissen über ihren Kleiderschrank anfangen?  Was hältst du von dem Vorschlag, wenn er stattdessen pversucht,  zu beschreiben, was er in ihr sieht, was er an ihr findet? Das würde gleichzeitig ein Augenmerk darauf bringen,  welche Rolle sie für ihn spielt.

Es geht eher darum, dass sie eben nicht so gekleidet ist, wie man es für eine Frau ihrer Zeit vielleicht erwartet. Aber ich verstehe durchaus den Einwand, der Einstieg ist nicht besonders geschickt.

Zitat
Die nächsten beiden Punkte gehen Hand in Hand.  Was mir im Dialog fehlt, ist Widerstand.  Sein Frust oder Aufbegehren dagegen,  dass sie ihn benutzt und ihr Genervtsein oder ihre Abwehr dagegen, dass er versucht, sie in Fahrwasser zu drängen, in die sie sich nicht drängen lassen will.  Solche oder ähnliche Emotionen dringen nicht durch.  Der Dialog ist zu zahm, vor allem wenn man bedenkt,  dass sie ihn nicht zum ersten mal führen.  Auch wenn es nicht gleich eskalieren muss, sollte ein gewisses Maß an Verstimmung schon da sein.
Kennst du das nicht auch von zu Hause, wenn du Diskussionen zum gefühlt tausendsten Mal führst?  Da schwingt Emotion mit.  (Ich hab dir doch schon tausend Mal gesagt...  Können wir das BITTE beenden?)  Zumal die Schildmaid sicher selbstbewusst sein sollte.  Vielleicht ist sie ausserdem ein wenig störrisch?  Eingeschnappt, wenn man sie kritisiert? Zeige sie mir im Dialog.
Ich denke, das sind Dinge, die dir helfen können,  nach aussen hin Leben in deine Figuren zu hauchen. 
:knuddel: Danke, damit kann ich was anfangen. :dops:

Zitat
Der nächste Punkt kam wohl härter an, als er gemeint war.  "Keine neuen Erkenntnisse" meint, was ich geröstet habe, setzt sich fort.  Daher war es unnötig, das nochmal aufzunehmen. Zu Ende gelesen habe ich. Allerdings mit wenig Lust,  da mich die Figuren nicht erreichten.

Das hatte ich vermutet, aber sicher war ich mir nicht. :heulweg:

Zitat
Beats meint die Worte zwischen den Dialogzeilen,  die die zeitlichen Abstände im Wortwechsel schaffen.

Wieder was gelernt!

Zitat
Ich hoffe, meine Eindrücke bringen dich ein wenig weiter und meine Röstung wird klarer. Ansonsten nie zögern, nachzufassen.  Ich wünsch dir schöne Ostertage.
Auf jeden Fall, vielen Dank und dir ebenfalls schöne Feiertage! :blume:

Liebe Grüße!
Rebekka

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #7 am: 30 März 2018, 15:54:40 »
Huhu Windstoß!

Hallo Rebekka!

Nur ganz kurz, eigentlich muss ich weg und habe nur gaaaanz kurz mal reingeschaut.
Das vierte Wort geht gar nicht. Nicht 829, bitte mach ein Fass daraus oder was auch immer.  :bettel:
Sowas bringt mich sofort zum Aufhören.

Gruß
Windstoß
;D

Da spricht der Landwirt! Danke für den Hinweis, ist ja kein Problem, das zu ändern. (Bisschen peinlich ist es allerdings schon :ups: :blush:)

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #8 am: 30 März 2018, 16:22:37 »
Huhu eska!

Da er ja wohl auf sie wartet, sollte das kein gelangweiltes Warten sein, sondern ein mit entsprechenden Sehnsüchten oder Vorstellungen angefülltes, vielleicht quälendes. Damit kannst du sowohl ihre Beziehung als auch ihn selbst charakterisieren.
Und wenn sie mit ihm verabredet ist, wieso kann er sie überraschen? Hell genug ist es in der Scheune (Staub tanzt in der Sonne), in meiner Vorstellung saß er vorne auf dem Heuballen - warum dahinter? - und Heu knistert mindestens beim Aufstehen. Normal fände ich auch, wenn sie beim Eintreten flüsternd nach ihm fragt. Oder - wieder Charakterisierung - sich ihm präsentiert, z.B. mit beiden Händen ihr Haar zurückstreicht, um ihm einen Blick auf ihren Busen oder mindestens die Unterarme zu gewähren oder so. Und selbst wenn sie nicht verführen will ('Geschmeidig, anmutig wie eine Katze schlüpfte Ashilda durch die Tür' suggeriert mir aber eben das), ist sie als Kriegerin doch nicht so unvorsichtig, einem unbekannten Raum den Rücken zuzudrehen, nur um die Tür zuzumachen, das geht auch hinterm Rücken. Oder es ist eine Pose, und er soll sie fangen.
:trippel: Vielen Dank, da sind viele gute Denkanstöße dabei. Xaranis hatte sich an der Anfangsszene bereits aufgehängt und du lieferst gerade ein paar schöne Ideen für die Überarbeitung!

Zitat
Zitat
Ohne den Kuss zu unterbrechen, schob er sie rückwärts gegen die Scheunenwand.
Würde ich ein paar Sätze später bringen, nach 'zu lange her' oder vor 'Mach schnell.' Hier unterbricht es den Gedankenfluss.
Zitat
Er liebte die Geräusche, die sie machte, wenn sie sich ihm hingab. Kurze, abgehackte Schreie, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu,
Kürzer: Er liebte die kurzen, abgehackten Schreie, mit denen sie sich ihm hingab, aber dennoch hielt er ihr den Mund zu, ...
(Wobei abgehackt hier seltsam klingt, atemlos vielleicht?).
Okay.

Zitat
Dass sie ihn beißt, ok, aber entweder reflexartig als Reaktion aufs Mundzuhalten, dann lacht sie erst später, gerade kriegt sie kaum Luft, oder zum Schluss als Strafe, dann geht es hier zu schnell.
Zitat
Glitschig wie ein Fisch
: Hier fange ich sofort an zu grübeln, wie das kommt: So anstrengend kann der Quickie, als den ich dies hier lese, für kampfgeübte, trainierte Leute eigentlich nicht sein, außerdem tragen sie Kleidung (oder nicht mehr?), die Schweiß aufsaugt, und es ist trocken in der Scheune.
Herrje, so viel zu bedenken. ::)  ;D Zum Nassgeschwitzten: Das hat nix mit der Turnübung zutun, es ist einfach sickeheiß in der hochsommerlichen südfranzösischen Scheune. Aber ich sehe gerade, dass ich den Teil, in dem Kjartan sich schon vorher halbausgezogen und sei Hemd als Fächer verwendet hat, zuvor schon rausgeschmissen habe. :watchout:

Zitat
Zitat
Sie roch fremd, roch nach ihm.
Dann eben nicht fremd, nur anders als sonst. Klingt nach baldiger Entdeckung (Zaunpfahl?).
Wieso schließt du da auf baldige Entdeckung? Kjartan weiß von dem anderen, andersherum wäre es schlimmer.


Zitat
Das ist mir zu unglaubwürdig: Entweder sie erfassen trotz leichter Betrunkenheit, dass diese Diebin nicht das kleine, dumme Mädchen ist (bitterer Ernst), dann sehen sie sich besser vor und sie muss etwas Ausgefalleneres tun, um fliehen zu können, oder sie erfassen es nicht, dann stimmen die ersten Sätze des Absatzes nicht. Und da sie mit Schnelligkeit und Überraschung (und wahrscheinlich Ablenkung) arbeitet, ist die Herausforderung mit dem Dolch wohl eher die falsche Wahl. Außerdem ist der Leichtere mit Abstand besser dran, also sucht sie den, außer seiner Reichweite hat sie mehr Chancen als nahe dran.
Ok, ich verstehe. Dann nehme ich den bitteren Ernst besser wieder raus ... oder sie muss sich etwas anderes einfallen lassen, um zu entkommen.

Zitat
Gesamteindruck:
Kjartan wirkt ein bisschen jammerig. Das liegt womöglich daran, dass er in allen drei Sequenzen passiv ist und nur reagiert bzw. nicht einmal das.
Zitat
Er ließ sie gehen, blieb allein im Schatten zurück. Ihm war zum Heulen zumute.
Das fasst es in etwa zusammen. Er lässt hier alles mit sich machen, lässt sich abweisen, ohne zu protestieren oder zu versuchen, sie umzustimmen, lässt sich bestehlen, ohne Rachegedanken oder ähnliches, lässt sich auslachen, sucht nur Vergessen im Alkohol. Keine Initiative. Keine Pläne. Nicht einmal ohnmächtige Wut. Warum soll ich mich mit ihm identifizieren?
Das passt auch zudem, was Xaranis angemerkt hat.

Zitat
Und selbst sein Leiden kann ich nicht so recht mitfühlen, bisher habe ich nur sexuelle Anziehung und Eifersucht (für sich allein haben) gesehen. Was bedeutet ihm Ashilda darüberhinaus? Oder ist er ihr hörig, weil nur sie dies und das in ihm weckt und keine andere ihn mehr reizt seitdem?
Ganz klar muss ich seine Gefühle für Ashilda ausarbeiten, denn er ist verschossen wie noch nie in seinem Leben. Hörig wäre zu viel, das ist es nicht. Es ist eher eine Art ... unglückliche Verliebtheit: Er weiß, dass er ihr nicht bieten kann, was sie will, das kann nur Hjalmar. Und gibt sich deshalb zufrieden, ohne mit diesem Zustand jedoch glücklich zu sein. Er hat auch nicht die Stärke, sich zu trennen, deshalb ist er in dieser Beziehung tatsächlich irgendwie "gelähmt". Zu viel Druck würde bedeuten, Ashilda verlässt ihn, zu wenig kratzt an seiner Männlichkeit.

Zitat
Zitat
Die Wahrheit war, er hatte kein Glück mit Frauen. Zuerst sein Weib in Jütland, das ihn für einen anderen verschmäht hatte, jetzt Ashilda. Was hatte er bloß an sich?
Vielleicht ist da der Ansatzpunkt: Man könnte vermuten, dass ihn ursprünglich der Verrat seiner Frau so tief verunsichert und aus der Bahn geworfen hat, dass jetzt alles ihn zum Schwanken bringt. Aber: Er denkt nirgends sonst an sie, verbietet sich das auch nicht, es ist mindestens drei Jahre her, seine Laune ist nicht die übliche, sonst würde keiner kommentieren.
Und sehr nordmann-imageträchtig wäre es nicht, sein Selbstbewusstsein von einer Frau abhängig zu machen. Kann natürlich trotzdem so sein, nur würde er es dann zeigen? Bzw. unter seinesgleichen damit leben können? Oder würde er nicht besonders unempfindlich/abgebrüht wirken wollen, um jeden Verdacht auszuschließen?
Nordmänner sind auch nur Menschen. :the_brow: Die Sache mit seiner Frau hat ihm definitiv einen Knacks mitgegeben ... und noch ein paar andere Sachen, die so passiert sind. Das sollte ich vermutlich wirklich etwas stärker hervorbringen. Natürlich merkt man ihm an, dass die Zurückweisung ihn kränkt ... aber das passt zu ihm. Den starken Mann würde er in der Situation nicht markieren, er ist nicht gerade der "klassische" Nordmann. (Das mag ich so an ihm.)

Zitat
Story: Eine heimliche Liebe (wirklich Liebe?) und ein Loyalitätskonflikt, eine mutige und geschickte Diebin, die mehr verspricht, und ein Wikinger in der Fremde, der sich über seine Frauen definiert. Bisher gehört meine Sympathie der Diebin. Mach Kjartan interessant, indem ich ihm seinen Konflikt mehr abnehme, dann ändert sich das.
Das ist schon gut so, die Diebin ist meine zweite Hauptfigur. :whee: Und das mit Kjartan lässt sich ganz bestimmt beheben.

Zitat
(Als Idee: Erste Szene im Bordell, es klappt nicht, weil er nur an Ashilda denkt (oder nur, wenn). Sein Abscheu gegen das Weiche, Klebrige des Lebens am Mittelmeer kann dabei gut rauskommen und sich an der Hure festmachen. Seine Ohnmacht, Ashilda Hjalmar abspenstig zu machen oder die Situation irgendwie zu verändern, kann als Innensicht m.E. besser dem Leser verkauft werden als als äußerliche Passivität. Und dann die Badeszene mit Diebstahl und der Rest. Sofern die Szenen Exposition sind ... ;)).
Hmmm, neeee. Das mit dem Bordell passt nicht so wirklich. Das wäre mir dann doch etwas zu exzessiv. ::)  Ich denke, ich werde ihn in der Anfangsszene mit Ashilda stärken.

Zitat
Ich hoffe, das verschafft dir einen Eindruck zum Weitermachen!
Frohe Ostern,
Definitiv! Vielen Dank! Das wünsche ich dir auch. :cheerful:

Liebe Grüße!
Rebekka

Offline eska

  • Röstdämon
  • *
  • Beiträge: 249
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #9 am: 30 März 2018, 23:21:46 »
 :wink:
Kurz nachgehakt:
Zitat
Das mit dem Bordell passt nicht so wirklich. Das wäre mir dann doch etwas zu exzessiv.

Na, dass die Seeleute in einer Hafenstadt da hin gehen, ist normal. Und was du schilderst, ist ja deine Sache.
Aber ich meinte auch nicht den heißen Faktor, sondern eine andere Möglichkeit, seine Verzweiflung zu zeigen, dass er Ashilda eben nicht für sich haben kann. Und was das mit ihm macht und was er sich wünscht und worauf er sich deswegen einlassen muss und wie er das verarbeitet.
Außerdem macht das klar, es geht ihm nicht nur um Sex.

Aber das kriegst du bestimmt auch anders eingebaut!

Zitat
Wieso schließt du da auf baldige Entdeckung?
Wenn er riecht, dass sie anders riecht als sonst, riecht Hjalmar das auch. Und möglicherweise kann der den Geruch sogar zuordnen, mindestens vermutet er etwas und forscht nach.
Zitat
Nordmänner sind auch nur Menschen.
Klar. Aber sie leben in einer harten Gesellschaftsform und müssen sich beweisen, oder? Und Kjartan ist nicht froh, hier im leichtlebigeren Süden zu leben, sondern sehnt sich ins Herbe zurück, hat also generell kein Problem mit dem Wertesystem (wie zum Beispiel eine Künstlerseele sie haben könnte, stell ich mir vor).
Zitat
deshalb ist er in dieser Beziehung tatsächlich irgendwie "gelähmt"

Ok. Aber gerade am Anfang ist das unglücklich für die Leserbindung. Dann muss es deutlich als Ausnahme, als sein schwacher Punkt erkennbar sein, aber hier folgen mehrere Szenen mit Passivität aufeinander. Vielleicht kannst du eine andersartige davorsetzen, die ihn eher für sich typisch, und zwar aktiv, zeigt? So, dass man ihn interessant findet.

Ciao,
eska
  • Ich schreibe gerade: diverses Kleinzeugs, immerhin

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #10 am: 31 März 2018, 01:04:48 »
Hallo eska!

Zitat
Das mit dem Bordell passt nicht so wirklich. Das wäre mir dann doch etwas zu exzessiv.

Na, dass die Seeleute in einer Hafenstadt da hin gehen, ist normal. Und was du schilderst, ist ja deine Sache.
Aber ich meinte auch nicht den heißen Faktor, sondern eine andere Möglichkeit, seine Verzweiflung zu zeigen, dass er Ashilda eben nicht für sich haben kann. Und was das mit ihm macht und was er sich wünscht und worauf er sich deswegen einlassen muss und wie er das verarbeitet.
Außerdem macht das klar, es geht ihm nicht nur um Sex.

Aber das kriegst du bestimmt auch anders eingebaut!
Uh, nein, das kam falsch rüber. Ich hab kein Problem mit einer Bordellszene. :lach: Was ich meinte, ist: Ich fände es zu exzessiv von Kjartan, wenn er beim Sex mit anderen nur an Ashilda denken könnte, bzw. eben NICHT könnte, weil er an sie denken muss. :ausheck: Das fände ich persönlich noch viel jammerlappiger. :uhoh:

Zitat
Zitat
Nordmänner sind auch nur Menschen.
Klar. Aber sie leben in einer harten Gesellschaftsform und müssen sich beweisen, oder? Und Kjartan ist nicht froh, hier im leichtlebigeren Süden zu leben, sondern sehnt sich ins Herbe zurück, hat also generell kein Problem mit dem Wertesystem (wie zum Beispiel eine Künstlerseele sie haben könnte, stell ich mir vor).
Ja, natürlich, aber das schließt sich ja nicht aus. Liebeskummer ist ein Menschenrecht *find*, harter Kerl hin oder her. Sicher hast du recht, dass ich ihn aktiver darstellen muss in anderen Bereichen. Aber ich finde nicht, dass er zu einem wandelnden Stereotyp werden muss, bloß weil er ein Nordmann ist. Bewiesen hat er sich hinlänglich in den letzten Jahren in Hjalmars Mannschaft, er ist ein akzeptierter und geachteter Teil der Truppe und genießt Hjalmars Vertrauen (noch : :the_brow:)- das kommt ja nicht von ungefähr.
(Ich weiß, dass du nicht meinst, dass er zu einem Stereotyp werden muss. Ich habe es bloß ein wenig überspitzt, um meinen Standpunkt zu untermauern. Grundsätzlich habe ich das Problem des Textes erkannt - hoffe ich).


Zitat
Ok. Aber gerade am Anfang ist das unglücklich für die Leserbindung. Dann muss es deutlich als Ausnahme, als sein schwacher Punkt erkennbar sein, aber hier folgen mehrere Szenen mit Passivität aufeinander. Vielleicht kannst du eine andersartige davorsetzen, die ihn eher für sich typisch, und zwar aktiv, zeigt? So, dass man ihn interessant findet.
Das krieg ich hin. :cheerful:

Danke für's nachhaken. :wink:

Liebe Grüße!
Rebekka
« Letzte Änderung: 31 März 2018, 01:13:20 von Rebekka »

Offline Uli

  • Global Moderator
  • Oberdämon
  • **
  • Beiträge: 1.325
    • Uli Moll
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #11 am: 31 März 2018, 18:27:39 »
ay Rebekka,

also ... ich fürchte, dass ich ziemlich gründlich nicht zu deiner Zielgruppe gehöre - nicht meine Art von Lesestoff, was du da schreibst. Schade ...

Was ich sagen kann:
Die Sache ist verständlich und problemlos lesbar, deine Figuren (auch Kjartan) recht gut gezeichnet, die Situation klar ... ich habe an sich nichts zu meckern, außer ... ˋgähn ´ ...
Erst die Diebin weckt etwas Interesse. Aber auch nur kurz ...

Kjartan in seinem Dilemma - beziehungstechnisch vorgeschädigt, furchtbar verliebt in die Holde eines guten Mannes, der noch dazu für irgendwelche Pläne, die er mit ihr hat, notwendig ist und ihm so die ultima irratio (es auskämpfen, Macker) auch noch verwehrt ... Der dabei seine Weicheiseite entdeckt, dagegen aufbegehrt, aber bisher immer noch die Kurve kriegt - ja, das ist gut.
Eine Situation, die ziemlich mies ist - nur, leider, auf eine Art und Weise dargereicht, die mir deutlich signalisiert, dass ... nun, alles gut werden wird.
Da sehe ich zu viel ˋNackenbeißer´ - gut gemachten, intelligenter als in dem Genre erwartet, wahrscheinlich sogar mit Hintergrund und all dem, aber netto eben Nackenbeißer.
Und geradezu selbstverständlich erscheint, dass der gute Mann nicht nur seinen Dolch wiedersehen wird, sondern auch und vor allem die kleinen festen Brüste ... nach einigem Ärger. Bei dem der Dolch ihn erst bedroht und hernach rettet.

(OK, du siehst: Ich reagiere zynisch. Sorry ...)
Trotzdem ist mir wichtig, dass die grundsätzliche Figurenzeichnung des Helden bei mir positiv (und schlüssig) ankommt.

cheers, Uli

Rebekka

  • Gast
Re: Des Teufels Tribut - Kjartan
« Antwort #12 am: 31 März 2018, 19:32:33 »
Huhu Uli,

nur um ganz sicher zu gehen, dass wir die gleiche Definition eines "Nackenbeißers" haben ... :watchout: Das sind für mich diese trivialliterarischen Billighefte mit den erotisierten, in den Armen des starken Fickingers dahinschmelzenden Weibchen, in denen seitenlang explizite sexuelle Handlungen dargestellt werden. Nun ... das ist es NICHT.  ;D

Aber ja - es ist eine Liebesgeschichte, wenn auch nicht ausschließlich, insofern kann es schon sein, dass du nicht zur Zielgruppe gehörst. Was positiv zu vermerken im Umkehrschluss bedeutetet, dass es eine Zielgruppe gibt (juhu!). Insofern - ok, ich kann damit leben, wenn der Plot (zumindest in dieser Hinsicht, die Rahmenhandlung ist hoffentlich komplexer) etwas durchschaubar ist. Der Weg ist immerhin das Ziel. Und ich gestehe . ich hatte einfach BOCK auf diese Geschichte. :grinwech:

Freut mich, wenn die Charakterzeichnung für dich gelungen ist (wenigstens einer ::)). Vielen Dank für dein Feedback und schöne Ostertage!  :cheerful:

Liebe Grüße!
Rebekka