Das Purgatorium - die Hölle der Textkritik > Aschegrube

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Lilith:
gelöscht

Xaranis:
Hallo Lilith,

Um gleich zu deinen Fragen zu kommen:
Ich bin nicht sicher, ob ich dem Text folgen kann.  Also kann ich nicht garantieren, ob ich alles so verstanden habe,  wie von dir beabsichtigt. 
Beim ersten Lesen hatte ich den Eindruck, es geht im Text um die Anonymität des Lebens.  Die Erwähnung der Puppe,  die aussieht, als hätte man ihr den Schädel eingeschlagen passte nicht in das Bild und weckte meine Aufmerksamkeit.  Dann aber wieder sofort der Wechsel in Belanglosigkeiten und Gedanken über das Leben.  Also geht es doch um Anonymität, denk ich mir.  Die Puppe ist ein unglücklich gewähltes Bild,  nichts weiter. 
Niemand schert sich, ist mit sich selbst beschäftigt, lästert und meint, er könne es besser.  Wer kennt das nicht?  Und der Blick von außen auf andere, denen es ja so viel besser geht.  Man muss doch bloss all die glücklichen Menschen auf Facebook betrachten.
Einige Parts zwischendrin verstehe ich nicht.  Mehr dazu später.  Jedenfalls plötzlich die Wendung.  Es wird wirklich ein Schädel eingeschlagen.  Ich habe keine Ahnung, warum.  Wenn es hier um Anonymität geht, warum dann der Mord?  Wenn es um den Mord geht - warum dann die ellenlange Passage über Anonymität? Und warum sollte ich jemanden töten,  zu dem ich - wie der Text mich glauben lässt - keinen Bezug habe?  Das alles verwirrt mich.  Und will sich nicht recht zusammenfügen. Es vermittelt mir den Eindruck einer völlig willkürlichen Spontanhandlung.  Aus purer Langeweile. Ich gehe spazieren,  sehe plötzlich den abgebrochenen Flaschenhals und denk mir: so ein eingeschlagenen Schädel wär jetzt ganz nett.  Nach dem spaziergeh-flair, bei dem Kieselstein für Kieselstein sehr bewusst gelebt wird und nur noch ein Wanderrucksack fehlt (was hat das nun wiederum mit Anonymität oder dem Mord zu tun?) muss ich mich unwillkürlich fragen,  ob er/sie unter einer Persönlichkeitsstörung leidet. 
Beim zweiten Lesen sah ich neben der Puppe (glaub ich)  einen weiteren Hinweis,  dass er/sie offenbar ein Problem mit einem Mann und einer Frau und dem Kind hat. Ohne dass ich es wirklich greifen könnte - und nur weil ich jetzt das Ende kenne. Auch beim zweiten lesen deutet für mich nichts darauf hin, dass sich hier die Tat abzeichnet und langsam aufbaut. Der Text vermittelt etwas anderes.  Die Vereinsamung der Menschen und ihre Unzufriedenheit, ohne aber die Stimmung konsequent beizubehalten.  Ich bekomme keinen Einblick in die Emotionen und die Motivationen,  die Aufschluss geben könnten über die Tat, die für mich damit schlichtweg nicht reinpasst. 

Dass im Text ein Lied verbaut sein soll,  ist mir nicht aufgefallen.

Ich kritzel dir nachher noch in den Text, welche Passagen ich nicht verstand oder unglücklich fand.  Ich hoffe, es wird dann klarer,  was ich meine.

Bis später. 

Xaranis:


--- Zitat ---Vielleicht ist es das Leben: an den Menschen vorüberzugehen, ohne Bezug, das Kind auf der Schaukel sehen, weiter hinten die Eltern auf einer Bank, froh, endlich etwas Zeit für sich gefunden zu haben. Zu der Rechten ein Mann –

--- Ende Zitat ---

"Das Kind", "die Eltern" - Für den Betrachter der Szene eindeutig Fremde.
Umso mehr verwundert mich später die Wendung der Ereignisse, die etwas „Persönliches“ ausdrücken und mir suggerieren, dass es durchaus eine Geschichte gibt, die den Erzähler mit "den Eltern" und "dem Kind" verbinden muss. Außer, der Erzähler ist vollkommen durchgeknallt.


--- Zitat ---neben ihm eine Babypuppe. Auf ihrem Kopf verläuft ein roter Streifen, als habe ihr jemand den Schädel eingeschlagen.

--- Ende Zitat ---

Das passte dann für mich nicht in den Zusammenhang, in das friedliche Bild einer Familie an einem Spielplatz. Ich war verwirrt, wartete in den nächsten Zeilen auf eine Erklärung für diese Wendung. Die kam aber nicht.


--- Zitat ---Zusammenhangslos, die Bilder, sie stürzen ein.

--- Ende Zitat ---

Was ist zusammenhangslos? Der Vergleich des Spielplatz-Idylls mit der Puppe mit dem eingeschlagenen Schädel?
Bilder "stürzen ein"? Wie soll ich mir das vorstellen?


--- Zitat ---Am Ende bleibt nicht viel: zwei Frauen, zwei Männer, das Kind; die Puppe.

--- Ende Zitat ---

Was "bleibt" ist mehr, als am Anfang da war. Plötzlich sind da ZWEI Frauen und ZWEI Männer. Und das Kind als Verbindungspunkt?? Und die Puppe - welche Funktion auch immer sie hier einnimmt.
Ist mir übrigens erst beim zweiten Mal bewusst aufgefallen. Beim ersten Lesen war ich mit der Stelle ein wenig überfordert.


--- Zitat ---Da hört das Ohr nur der Stimme zu, die in ihm singt: I can hear you, und wie Atem hindurchzieht, going through my head.

--- Ende Zitat ---

Das hab ich absolut nicht kapiert.


--- Zitat ---Hinter den Rücken spricht es sich leichter.

--- Ende Zitat ---

Meinst du hinter DEM Rücken?


--- Zitat ---Weiter führt nur der Weg. Vorwärts, vorwärts

--- Ende Zitat ---

Was willst du mir damit mitteilen? Bin mir nicht sicher. Alltagshektik?


--- Zitat ---und selbst im Innehalten noch die Eindrücke sammeln. Der Kies unter den Sohlen, der knirscht, das Gras auf der Wiese, grün und frisch, die Sonne über dem Kopf, die wärmt und die Frage weckt: Hätte man sich nicht lieber leichter angezogen?

--- Ende Zitat ---

Aber wenn Hektik: Wie passt DAS dann dazu? Das ist das genaue Gegenteil. In der Hektik ist kein Platz, um Eindrücke wahrzunehmen. Schon gar nicht in dieser Intensität.


--- Zitat ---Es besser machen, das können sie immer.

--- Ende Zitat ---

Und hier geht es jetzt komplett um ein anderes Thema.
Es ist mir ein Rätsel, was du mir eigentlich mitteilen willst.


--- Zitat ---Die anderen, hinter denen das Ich zurückbleibt, die ein Loch in es reißen, sobald sie zurückbleiben.

--- Ende Zitat ---

Das "Ich", das zurück bleibt? Löcher, die in ein "Ich" gerissen werden? Verstehe ich ehrlich gesagt nicht so recht.
Ebenso wenig das hier:

--- Zitat ---Hinter den Blicken bricht es sich leichter.

--- Ende Zitat ---

Was heißt das? Auch der ganze Part, der sich daran anschließt, ist mir ehrlich gesagt ein einziges Rätsel.

--- Zitat ---Ein Gespräch, darin ein Gedanke, und die Gefühle zerstreuen sich in alle Richtungen. Nur einem folgen, dann einem anderen, von hier nach dort rennen, stehen bleiben, umsehen, wo geht es weiter? Dann geht der Weg sich von allein. Dann singt ein Vogel in den Bäumen und man könnte meinen, da freut sich einer des Lebens und läuft nicht nur die Folgen ab, die es nach sich zieht.

--- Ende Zitat ---

Ich verstehe einfach nicht, was du versuchst, mir mitzuteilen.
Dann malst du ein dunkleres Szenario. Der Vogel, der die Tragik ignoriert, die das Leben bieten kann. Welche "Folgen" - das bleibt völlig im Dunkeln. Ein allgemeiner Platzhalter. Ich kann mir nicht vorstellen, worauf du konkret anspielst. Aber du leitest jetzt wieder zu der Familie um. Du willst mir etwas unbedingt vermitteln, weigerst dich aber beharrlich, mir klarzumachen, WAS. Ich weiß einfach nicht, was es mit dieser Familie auf sich hat.


--- Zitat ---Dann bleibt da nur ein Kind, Junge oder Mädchen, einerlei, und ein Elternpaar oder auch nicht, die sich alle mehr erhofften, als sie am Ende bekamen, und wo doch nichts so war wie sie es wollten und einen Schmerz hinterließ, den Junge und Mädchen in den Jahren später zu heilen versuchen.

--- Ende Zitat ---

Wieso soll dann nur noch ein Kind bleiben? Was ist mit den Eltern?
Und von welchem Schmerz ist hier die Rede? Das ist alles so verdammt abstrakt.


--- Zitat ---Ein Schmerz darf nie ein Schmerz sein.

--- Ende Zitat ---

Wieso denn nicht?


--- Zitat ---Freuen müsst ihr euch und singen wie die Vögel! Wie all die anderen Menschen, die mit lächelndem Mund eine Straße passieren oder eine Bank heimsuchen

--- Ende Zitat ---

heimsuchen? Ehrlich?


--- Zitat ---und den Eindruck erwecken, es kümmere sie nicht, und bei ihnen, ja, da liefe alles besser.

--- Ende Zitat ---

Die VÖGEL erwecken den Eindruck, bei ihnen liefe alles besser?


--- Zitat ---Wenn hinter Grashalmen ein Glashals voller Zacken blitzt und die Hand sich zielsicher darum schließt, dann greift die Verlorenheit um sich, als wäre das Glück nicht mal in Momenten zu Hause.

--- Ende Zitat ---

Sehr übergangslos, das mit der Flasche.
Und "Verlorenheit greift um sich"? "Als wäre das Glück nicht mal in Momenten zu Hause?" Was soll mir das sagen? Was hat das alles mit der Flasche zu tun? Oder mit den Eltern? Dem Kind? Der Puppe? Den Vögeln???


--- Zitat ---Sich in die Verlorenheit fallen zu lassen, das hieße ja, den Weg nicht mehr zu finden. Die Pfade der anderen nur zu kreuzen, weil dahinter die Erkenntnis weilt, dass sie alle auf der Suche sind – Mann, Frau, Kind; Mann. Die Puppe, auf deren lichtem Kopf die Sonne scheint, die weint, dass es nicht immer eine Heilung gibt, dass manches verloren geht und das für immer –

--- Ende Zitat ---

Hier sind sie wieder. Mann, Frau, Kind, Puppe. Was hat es mit denen auf sich? Ich bin noch immer kein Stück weiter. Und Heilung? Heilung wofür? Ist jemand krank?
Die Fragen werden immer mehr. Antworten finde ich keine...


--- Zitat ---die schnellen Wechsel, heute hier, morgen dort, der Geist bleibt in Bewegung und wenn er sich mit Neuem gefüttert hat, dann ist er bereit, das schnell zu verwerten und zu verwerfen und nur ein Minimum zu behalten,

--- Ende Zitat ---

Hier wieder die der Bezug auf die Hektik des Alltags?


--- Zitat ---die schnellen Wechsel sollten ablenken können von dieser Angst, dass am Ende alles verloren geht. Gewöhn dich dran!

--- Ende Zitat ---

Inwiefern soll "alles verloren gehen?" Was ist denn "alles"?


--- Zitat ---Du Gierschlund kriegst den Hals nicht voll, bist leer wie die Flasche unter deinen Fingern

--- Ende Zitat ---

Von wem ist jetzt die Rede?


--- Zitat ---und scharf wie die Spitzen, die am anderen Ende niederrasen auf einen Schädel, den viel zu lange niemand eingeschlagen hat.

--- Ende Zitat ---

Der Mann ist "scharf" wie der gebrochene Flaschenhals?


--- Zitat ---Ein Loch reißen

--- Ende Zitat ---

"reißen" wenn man in Wahrheit mit einem Flaschenhals zusticht? Passt nicht.


--- Zitat ---in einen Mann, der sich auf einer Bank mit einer Puppe vergnügte,

--- Ende Zitat ---

Bitte was? Ist das DIE Puppe, von der ich denke, dass es sie ist? Wie kann man sich damit "vergnügen"? Da dürfte das Kind etwas dagegen haben.


--- Zitat ---bis Frau und Mann und Kind aufschrecken

--- Ende Zitat ---

wird dem "Mann" nicht gerade der Schädel eingeschlagen? Oder hab ich was verpasst? Ist das ein anderer Mann? Der auch auf der Bank sitzt? Bislang wurden nur "der Mann", "die Frau", "das Kind" und "die Puppe" erwähnt.
Abgesehen von ganz oben mal. Dort, wo "alles, was blieb" plötzlich eine magische Dopplung von Mann und Frau war.
Sind "Mann", "Frau" und "Kind" am Ende doch nur unbeteiligte Zuschauer? Aber warum pochst du dann so ewig auf ihnen herum? Und warum hast du den Mann, dem der Schädel eingeschlagen wird, nicht vorher erwähnt? Und das mit der Puppe, mit man sich "vergnügt" hat, kapier ich ehrlich gesagt auch nicht.
Mir ist das alles ein großes Rätsel. Immer noch. Und ich habe den Text jetzt schon viermal gelesen.


--- Zitat ---In weichen Ritzen glänzt das Blut nicht anders als unter Flaschenglas.

--- Ende Zitat ---

Welche weichen Ritzen?


--- Zitat ---Im Keuchen wird der Atem eins mit einem Lied, das am Ohr verklingt: So that was that.

--- Ende Zitat ---

Ja. That was that. Jetzt wischen wir schnell noch die Sauerei auf und dann gehn wir ne Pizza essen.


--- Zitat ---Das Innehalten findet nur am Ende statt.

--- Ende Zitat ---

Was meinst du mit "Innehalten"?


--- Zitat ---Vielleicht ist es das Leben, wenn man das Ziel nicht erreichen kann, bevor es abbricht.

--- Ende Zitat ---

Ist das Ziel des Lebens denn, einen gewaltsamen Tod zu sterben??

Hmm. Seltsam, seltsam, das alles.
Vielleicht magst du mich mal aufklären.
Das ist es jedenfalls, was bei mir rüber kam. Und je öfter ich drüber lese, umso weniger versteh ich.  :weissnicht:


Uli:
ay Lillith,

mir geht es mal wieder so ... wie so oft bei deinen Texten:
Es macht etwas, ich lese weiter, bin gefangen und verstehe nicht.

Zunächst der Eindruck ˋTextwüste ´, dann aber das Gefühl, dass eben das passt, richtig ist - Gedankenwüste, ohne Struktur, Eindrücke und ... nichts bleibt. Irgendetwas scheint zu eskalieren, aber auch das bleibt im Ungefähren - nicht wichtig?
Auf ˋBezugslosigkeit ´ wäre ich nicht gekommen, aber ... ja.
Wenn ich nur mit dem Wort, mit dem, was es sagt, mehr anfangen könnte ...

Das Lied ist an mir vorbeigeschwommen, ohne dass ich es gehört hätte. Sorry.
Mag daran liegen, dass ich es nicht kenne, demnach nicht erkenne. (Keinen Bezug dazu habe?).

Was ich als ˋFakten ´ herauslese: Jemand geht spazieren (oder wandelt umher, jedenfalls bewegt sich die Person draußen) und schaut. Bemerkt Details, ab und zu, ohne dass es ein Bild ergibt.
Da ist ein Impuls von ... Mordlust? Von Gewalt, von Rache vielleicht, aber der bleibt ungreifbar, mir wird nicht klar, ob aus der Phantasie Handlung wird ... aber das scheint auch nicht wichtig.

Eine seltsame Sache: Bevor ich mich entscheiden kann, ob ich dem Text folge, stecke ich mittendrin - und kenne mich genau gar nicht aus.
(November hat ganz ähnlich gewirkt, aber hier bin ich mehr verwirrt)

Was als Hinweis dienen mag, ist die Puppe - die vielleicht Erinnerung an Gewalt weckt? Jedenfalls scheint es da einen Impuls zu geben, der ... vielleicht gar keine Grundlage hat?

herrje ...
sorry, aber ich fürchte, mehr als lesen kann ich das nicht.

cheers, Uli

eska:
Liebe Lilith;

um es mal so zu sagen: Dies ist kein gerader Text, der den Leser einlädt, ihm zu folgen mit einer oder zwei zu Beginn noch uneinsehbaren Wendungen.
Von Anfang an ist er verschlungen und vielleicht verschlüsselt und hier und da blitzt ein Anhaltspunkt auf wie die Pfosten neben der eingeschneiten Straße.
Du machst es einem also nicht leicht, und damit stellt sich mir die Frage, was du bewirken willst. Ein langsames Eintauchen in das Erzählerbewusstsein?
Einen verfremdeten Blick auf Altbekanntes, das wir dadurch anders/neu sehen?

Erzählst du eine Geschichte? Die von der Puppe, die gemartert wird? Oder nur im Blick des Betrachters?(So es denn eine Puppe ist (hoffentlich).) Stellvertretend wofür? Die Bank beim Spielplatz als Handlungsort ist unheilverkündend.
Oder eher die Geschichte vom Nebeneinander des Freundlichen und des Unheilvollen, ohne dass es auffällt?
Das würde eher zu dem passen, was du als ein Thema ansagst: Du nennst es Bezugslosigkeit. Eine Form von Unfähigkeit zum Kontakt, zur Kommunikation, auch zum Ganz-vor-Ort-Sein lese ich.
Wer da geht und sieht und bezuglos sich fühlt, bleibt offen bzw. wirkt es wie ein allgemeines Urteil. So ist das Leben. Das Leben aller, im Grunde.

Oder die Erzählerfigur, deren Bewusstseinsstrom wir folgen, ist so in den Hintergrund getreten, dass sie gar nicht mehr aufscheint. Ist sich selbst so unwichtig oder so machtlos, auf irgendetwas einzuwirken?
Es gibt Wahrnehmung(en), ohne Zusammenhang, sagst du. Es gibt Sätze mit verborgener Bedeutung, die einen alarmieren oder den Spürsinn wecken. Sofern es nicht zu viele werden.
Wenn es zu schwierig wird zu folgen, gibt man auf. Was zieht den Leser über die unverständlichen, nur erahnten Passagen hinweg?
Bsp.:
--- Zitat ---Hinter den Rücken spricht es sich leichter. Weiter führt nur der Weg.
--- Ende Zitat ---
Wessen Rücken? Wieso nur? Was führt nicht weiter?

--- Zitat ---Es besser machen, das können sie immer. Die anderen, hinter denen das Ich zurückbleibt, die ein Loch in es reißen, sobald sie zurückbleiben.
--- Ende Zitat ---
Wer sind sie? Wer bleibt wann zurück und warum reißen sie Löcher?
Ist es dieses Ich, das am Ende - als Reaktion? - ein Loch reißt in den Mann mit der Puppe? In der Vorstellung oder konkret?

Wenn ich mich festlegen sollte, würde ich jetzt, nach mehrmaligem Lesen, sagen, du erzählst die Vorgeschichte (konkret die Stunde oder so davor, in aufblitzenden Stückchen auch mögliche Hintergründe) eines Angriffs.
Ein verwirrtes, gequältes (oder sich gequält fühlendes) Erzählerhirn voller Angst vor der Verlorenheit, dem Sich-Selber-Verlorengehen. Ist es ein Angriff auf sich selbst? Das Lied und die letzten beiden Sätze legen mir das nahe, aber sicher verstanden habe ich es nicht.
Und der Titel widerspricht dem wieder.

Das soll dir als mein Eindruck genügen, sowohl wie der Text wirkt, als auch die Assoziationen betreffend. Das Lied: nun, es funktioniert, indem es nicht stört und die Handlung zu untermalen oder sogar zu dirigieren scheint. Besser wäre es wohl, es zu kennen und damit die Teile, die ungehört im Ohr klingen (ich kenne es nicht).

Insgesamt würde ich einem solchen Text wohl eher kopfschüttelnd begegnen, wie einem Rätsel, spannend, herausfordernd, aber bei zu geringem Erfolgserlebnis im Entziffern auch frustrierend. Mir wäre es also lieber, du erzähltest die Geschichte klarer oder es gäbe eine Form von Bezugsrahmen, die es leichter macht.


Zweiter Anlauf:
Habe gerade Xaranis' postings gelesen. Ein paar Dinge sehe/ahne ich doch, die sollte ich dir wohl mitteilen.

Also: Person A, in deren Bewusstsein wir schauen, geht spazieren (auch wenn das keine so lockere Handlung zu sein scheint, wie man mit dem Begriff üblicherweise verbindet). Sie/er sucht nämlich den Weg und hat Schwierigkeiten, sich zwischen vielen verschiedenen Eindrücken zu orientieren.
A sieht auf einer Bank eine Kleinfamilie aus Eltern und einem Kind auf der nahen Schaukel, daneben einen Mann mit Puppe. Deren Schädel weist einen roten Streifen auf, was A als Verletzung bzw. Zerstörung (Schädel eingeschlagen) interpretiert.
Wenn man Puppe statt Kind setzt, sieht A ein gequältes, zerstörtes Kind (das Wort 'vergnügen' später legt Missbrauch nahe), dem Täter ausgeliefert, neben der heilen Familie, die nichts bemerkt oder sich davon nicht stören lässt.
Zwei Frauen: A ist also eine Frau.
Sie ist gehemmt:
--- Zitat ---Hinter den Rücken spricht es sich leichter.
--- Ende Zitat ---
Sie lässt sich schnell verunsichern:
--- Zitat ---Wäre es besser gewesen, sich leichter anzuziehen?
--- Ende Zitat ---

Und vor allem empfindet sie den Vorwurf der anderen, die alles immer besser machen.
Die anderen reißen ein Loch in sie, so schlimm fühlt es sich an. Sie bricht = zerbricht? Dort, wo keiner guckt, also heimliches Leiden.
Das Lied des Vogels = Freude entspricht nicht ihrem Lebensgefühl, nur die Folgen ableben zu müssen, ganz passiv (= erleidend), ohne Gestaltungsmöglichkeiten.

So schon das frühe Erleben: Eltern, die mit den Folgen ihrer Partnerschaft leben mussten, anders als erhofft, von den Kindern getröstet, vergebens zu heilen versucht. Ihre Eltern wohl. Sie das Bindeglied, die fesselnde Beziehungsfolge?
Schmerz muss versteckt bleiben, heimlich. Wieder ein Hinweis auf Unansprechbares, Nicht-Mitteilbares, das einen von den anderen trennt wie hinter Glas, einen sprachlos macht. 'Heimsuchen' verstärkt den Eindruck. Für A ist der Mann auf der Bank ein/ihr Quäler.
Das Lächeln weist den Schmerz und die Schuld dabei ihr zu.
Der Angriff auf ihn ist also ein Befreiungsschlag nach 'viel zu langer' Zeit. Welches Blut in weichen Ritzen sieht sie neben dem unterm Glas?
Die Puppe =A weint, weil Heilung nicht immer möglich ist, alles verloren gehen könnte, die große Angst. Wofür steht alles? Die heile Familienbeziehung daneben?
Die allesumfassende Sehnsucht nach dieser Form von Geborgenheit und Heilsein? Die nie gestillt wurde/wird: 'leer wie die Flasche'. Die die verzweifelte Aktion auslöst: Das zer-störende, sie abtrennende Element auslöschen, damit 'alles' noch eine Chance hat.
Aber der Schlussatz: 
--- Zitat ---Vielleicht ist es das Leben, wenn man das Ziel nicht erreichen kann, bevor es abbricht.
--- Ende Zitat ---
Heißt das: Finde dich ab, du kannst deine Sehnsucht nicht erreichen? Und warum wieder das Verb 'brechen', so gewaltsam?

Immer noch viele ungeklärte Fragen. Und vieles eher Vermutung als klar Gelesenes. Nach häufigem, genauen Lesen. Welcher Leser soll das leisten?
Aber  hoffentlich zeigt dir dieses Sammelsurium von Gedanken zum Text die Punkte auf, die du schärfen musst, damit er sicherer schneidet.

Sei gegrüßt,

eska

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