Das Purgatorium - die Hölle der Textkritik > Aschegrube

(KG) Der beste Freund des Menschen

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Nightingale:
Hallo Bratwürste,  :devgrin:

ich versuche, mich gerade wieder einzuschreiben, und fand vorgestern ein wenig Zeit, um ein paar zusammenhängende Sätze zu tippen. Mir ist bewusst, dass wir hier niemanden mit „mal eben so hingeschrieben“-Texten gruseln sollen, aber ohne eure Hilfe wird das wohl nichts mehr mit mir.
Ich bin sowas von raus.  :kunst:




Der beste Freund des Menschen

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich jetzt einen Schäferhund, Dackel oder Dalmatiner will, schaue mich ratlos im Wohnzimmer um und frage mich, welcher Hund wohl am besten zu meinen Möbeln passt. Wahrscheinlich der Dalmatiner. Schlicht, weiß, ein paar Flecken. Fast wie der Wohnzimmerteppich: schlicht, weiß, ein paar Flecken. Eigentlich egal. Hund ist Hund, wollte ich immer schon haben, nur nicht so richtig. Also so richtig richtig.
Ich lade die App runter, starre durchs Display und mein neuer bester Freund sieht mich mit treuen Augen an. Toll, wie schön man die einzelnen Härchen erkennt. Auch die Feuchtigkeit der Nase, wie sie im Licht glänzt, beeindruckend.
Das Geschlecht des Hundes kontrolliere ich, indem ich seine Daten checke. Ist ein Weibchen. Außerdem steht da, dass sie einen gehorsamen und freundlichen Charakter hat. Bei der Auswahl hatte ich gar nicht drauf geachtet, Glück gehabt.
Eine sie also. Gut, wie soll sie heißen?
Mit der Entscheidung lasse ich mir Zeit, setze Kaffee auf und überlege.
„Lucy“, raune ich schließlich ins Display und weil mein Hund nicht reagiert, rufe ich noch einmal: „Lucy!“
Lucy beguckt mein Sofa, dreht sich dann aber um. Sie kommt näher, schwanzwedelnd. Ich streichel sie, also das Display. Lucy hechelt, schließt die Augen. Sie genießt die Berührung und ich die Gesellschaft. Eine ganze Weile bin ich damit beschäftigt, sie zu liebkosen, die Ohren zu kraulen und Vertrauen aufzubauen. Wir lernen uns kennen, so geht das eben. Später spielen wir noch Ball, üben das Apportieren.
Die Illusion ist perfekt. Da flitzt ein virtueller Hund einem virtuellen Ball in meinem Wohnzimmer hinterher und macht einen Bogen um den Wäscheberg, der da tatsächlich liegt. Stets läuft ihr Schatten mit. Lucy ist so gut in ihre Umgebung integriert, dass ich mich immer mal wieder bei dem Bedürfnis ertappe, das Smartphone beiseitezulegen, damit ich beide Hände frei habe.
Es wird spät, viel später als beabsichtigt. Um 2:00 Uhr lege ich mich ins Bett, das Smartphone in der Hand. Lucy folgt mir, springt aufs Bett, rollt sich am Fußende zusammen. Ich lächel und betrachte sie durchs Display, sehe sie an und kann sie fühlen. Sie ist so wirklich wie meine Zuneigung.

Statt des Weckers ist es Lucys Gebell, das mich weckt. Ha! Da hat man einen Hund und sofort krempelt er dir das Leben um. Gähnend taste ich neben meinem Kopfkissen nach dem Smartphone, schaue hindurch und muss grinsen. Lucy hüpft vergnügt auf dem Bett herum, springt über meine Beine, von links nach rechts und wieder zurück und bellt.
Es ist 6:30 Uhr, Aufstehzeit. Offenbar hat Lucy die Weckfunktion automatisch abgelöst. Ich bin nicht sicher, ob mir das gefällt, und prüfe ihre Einstellungen. Dort sehe ich, dass sie mich künftig auch auf Geburtstage hinweisen will, indem sie Happy-Birthday-Melodien bellt. Die Option lässt sich leicht deaktivieren, dennoch ... Wer denkt sich bloß so einen Schwachsinn aus? Das Hochgefühl nach dem Erwachen verfliegt und hinterlässt mich seltsam ernüchtert. Ich werfe das Smartphone aufs Bett und sperre den Hund aus meinem Leben aus.
Natürlich nicht für lange. Bald kehre ich zurück, das Display tätscheln, bis die ganze Anspannung von mir weicht.

Im Wohnzimmer klappe ich den Laptop auf, aktiviere die Kamera und melde mich anwesend. Telearbeit, so geht das seit drei Jahren. Ich überzeuge Kunden und nenne das Beratungsgespräch. Da für Kunden wie Vorgesetzte nur mein Gesicht und ein Teil des Oberkörpers zu sehen ist, trage ich zur Bluse keine Hose und Lippenstift zu unrasierten Beinen.
Stunde um Stunde verschwende ich meine Lebenszeit. Es ist leichter mit Lucy an meiner Seite. Zwar sehe ich sie nicht, aber sie ist da und wartet.
Inzwischen muss ich die Wohnung praktisch nicht mehr verlassen. Diverse Einkaufsdienste liefern alles, was sich mit Geld bezahlen lässt. In meiner Mittagspause gehe ich Lucy zuliebe ausnahmsweise raus, um sie Gassi zu führen. Virtuelle Spaziergänge wären genauso möglich, aber ich will ihr eine Freude machen.
Das Wetter ist mies, die Luft abgestanden und das Stadtbild ein Grau in Grau mit schrillen Plakaten, die wie bunte Fetzen auf verschlissenen Arbeitshosen kleben. Beim Asia Imbiss will ich mir Bratnudeln holen, sehe dann aber schon von weitem, dass der Laden aufgegeben wurde. Nur wenige Passanten sind unterwegs, alle scheinen beschäftigt. Niemand sieht mich an, für die anderen bin ich so unsichtbar wie Lucy.

Von Lucy gibt es jetzt ein Plüschmodell mit Sensoren, das einen schlafenden Hund simuliert. Streichelweiches Fell, eine Nase aus glänzendem Leder, der Körper ist zusammengerollt. Eine lebensechte, lebensgroße Attrappe, deren Augen im immerwährenden Dornröschenschlaf geschlossen bleiben. Natürlich erwerbe ich sie. Das Paket trifft an einem Montag ein, ich packe aus und parke Lucy neben mir auf dem Sofa. Endlich kann ich mir den Umweg übers Display sparen, wenn ich sie streicheln will. Beruhigend, wie sie so daliegt. Wie sich ihr Körper hebt und senkt.
Ich sehe ihr beim Atmen zu und muss weinen.

Irgendwann höre ich auf, mir etwas vorzumachen. Mir fehlt etwas, was Lucy mir nicht geben kann. Nachdenklich schlender ich durch verwaiste Straßen. Wind und Regen säuseln „April“. Ein Mann mit Hund kreuzt meinen Weg, der ganz auf sein Tier fokussiert, an mir vorbeispaziert. Der Hund weicht keiner Pfütze aus, sein Fell mieft unangenehm und tropft. Ich blicke den beiden nach und bin erleichtert, dass ich mir das nicht angetan habe. Der Dreck, das ständige Rausgehen, nichts für mich.
Mein Ziel ist ein Café, ich suche die Nähe anderer Menschen, will dazugehören, ohne teilzunehmen. Dort bestelle ich einen Capuccino, surfe ein wenig im Internet und starte ein neues Programm. Es stammt von den Leuten, die Lucy entwickelt haben.
Ich atme tief durch, trinke einen Schluck und zöger den Moment hinaus. Ein solches Ereignis will gewürdigt werden.
Wie soll er aussehen? Nicht muskulös, eher drahtig. Schwarzes, langes Haar. Graue oder blaue Augen? Vielleicht sogar violett? Alt genug, dass ich ihn ernstnehmen kann; jung genug, dass ich ihn ansehen mag.
Charakter, die Option gibt es auch? Ist ja toll!


Danke fürs Lesen!





Bevor ich zu den Fragen komme, sei noch erwähnt, dies ist eine Scherbenweltgeschichte. Die schreibe ich mir gelegentlich, seitdem ich seitens Pratchett auf keine neuen Einsichten zu Themen des gesellschaftlichen und politischen Lebens hoffen kann (in Anspielung an seine Scheibenwelt-Romane). In der Regel sind sie humorlos, nicht allzu phantastisch und bedauerlicherweise auch nicht genial - ist halt bloß `ne Scherbenwelt.
Da diese Geschichten nicht den üblichen Konventionen einer guten Kurzgeschichte folgen, gleich die Frage aller Fragen: Funktioniert der Text für euch, kann er für sich alleinstehen?

Ansonsten interessiert mich:
Funktioniert das Ende oder fühlt ihr euch überrumpelt?

Noch ´ne blöde Frage: Der Text umfasst in etwa vier Normseiten, hat er Längen? Wirkt die Erwähnung der beruflichen Tätigkeit der Ich-Erzählerin auf euch überflüssig? Ich hatte die rausgenommen und fand, das etwas fehlte.

Blödere Frage: Stört die Perspektive? Normalerweise ziehe ich intelligentere und wortgewandtere Ich-Erzähler vor, aber hier schien mir das kontraproduktiv.

Die allerblödeste Frage: Ich gebe es zu, ich nutze kein Smartphone. Gut, das ist keine Frage, sondern ein soziales Verbrechen - trotzdem interessiert mich, ob die Erwähnung des Smartphones hier irgendwie irgendwo (irgendwann *sing*) blöd rüberkommt.

Xaranis:
Hallo Nightingale,

dann viel Spaß beim Einschreiben. Schön, dass du uns dran teilnehmen lässt.
Als ehemaliger Scheibenweltleser lass ich mir Scherbenweltgeschichten natürlich nicht entgehen.  :cheese:

Ich komme gleich zu deinen Fragen:


--- Zitat ---Da diese Geschichten nicht den üblichen Konventionen einer guten Kurzgeschichte folgen, gleich die Frage aller Fragen: Funktioniert der Text für euch, kann er für sich alleinstehen?

--- Ende Zitat ---

Der Text transportiert zumindest eine Aussage. Wir vereinsamen durch Technik. Ein Thema, über das wir wohl alle schon in der ein oder anderen Form nachgedacht haben. Ich habe mich selber schon öfter gefragt, ob wir mal soweit sind, nach Feierabend daheim eine Illusion aufzulegen wie eine Schallplatte und mit virtuellen Freunden durch die Kneipen ziehen.
In meinen Augen funktionert er für sich allein. Er erzeugt wenig Schall und Rauch, aber ich habe ihn zumindest zu Ende gelesen. Wirklich berührt oder etwas ausgelöst hat er bei mir aber nicht. Mehr dazu unten, bei den Fragen um die Perspektive. Ich gebe aber auch offen zu, kein großer Freund von Kurzgeschichten zu sein. Meine Meinung ist hier also nicht unbedingt mustergültig.


--- Zitat ---Funktioniert das Ende oder fühlt ihr euch überrumpelt?

--- Ende Zitat ---

Wieso sollte ich mich überrumpelt fühlen? In einer Welt, in der das ganze Leben eine einzige Simulation ist, ist es wohl kaum überraschend, dass es statt Hunden auch Partner nach Wunschvorstellung zum Download gibt. Wobei sich mir der Gedanke aufdrängt, wie das dann mit dem Sex funktioniert. Handy auf Vibration stellen? - Egal.
Sie sagt, sich hört auf, sich etwas vorzumachen. Etwas fehlt. In Wahrheit hört sie nicht auf, sich etwas vorzumachen. Mit der Simulation eines Partners tauscht sie nur eine Illusion gegen eine Illusion. Das wahre Leben zieht an ihr vorbei.


--- Zitat ---Der Text umfasst in etwa vier Normseiten, hat er Längen?

--- Ende Zitat ---

Ääähm, ich kapier die Frage nicht.


--- Zitat ---Wirkt die Erwähnung der beruflichen Tätigkeit der Ich-Erzählerin auf euch überflüssig? Ich hatte die rausgenommen und fand, das etwas fehlte.

--- Ende Zitat ---

Ich finde, es passt da rein. In ihrer anonymen Welt geht sie einem anonymen Job nach. Ich würde das drin lassen. Zur Anonymität passt auch, dass die Protagonistin keinen Namen hat.


--- Zitat ---Stört die Perspektive? Normalerweise ziehe ich intelligentere und wortgewandtere Ich-Erzähler vor, aber hier schien mir das kontraproduktiv.

--- Ende Zitat ---

Ich finde, es passt. Alles ziemlich leblos, unmotiviert, farblos. Es spiegelt ihre Welt und ihr Befinden wider. Das Problem was ich allerdings beim Lesen habe: Die Trostlosigkeit färbt auf mich ab. Ich lese zwar die Geschichte, empfinde dabei aber nicht mehr als deine Protagonistin. Bei diesem trübsinnigen Thema ist das wohl kaum zu vermeiden. Ist aber nicht meine Vorstellung von Unterhaltung.
Womit ich Probleme hatte: Als die Geschichte anfing, ging ich davon aus, sie sucht ganz normal einen Hund aus. War dann irritiert, dass sie mitten im Wohnzimmer steht (sind die Hunde bei ihr zu Hause?) und sie nen Hundenamen ruft. Irgendwann kapier ich dann, dass es eine Simulation auf dem Handy ist. Aber bis dahin bin ich reichlich verwirrt. Ebenso verwirrt bin ich dann, dass man mit einer Handy-Simulation um einen realen, körperlich vorhandenen Wäscheberg toben kann. Ich brauche ziemlich lange, bis ich verstehe, dass das Handy offenbar die Raumumgebung nachahmt. Gedanklich umsetzen kann ich das trotz der Erkenntnis nicht einwandfrei. Wenn die Frau mit Smartphone im Bett liegt und Lucy aufs Bett springt, sehe ich einen Hund, der auf das Bett springt. Ich sehe aber kein Display mit einem Hund, auf dem das simuliert wird. Auch ansonsten scheint Lucy ihrer Besitzerin in sehr physischer Weise zu folgen. Ein Fantasiegebilde einer einsamen Frau. Die Art und Weise, wie sich Realität und Simulation (gedanklich, optisch) miteinander vermischen ist für mich gedanklich ein wenig schwierig umzusetzen. Liegt womöglich auch an meiner Aversion gegen Smartphones.
Ist das beabsichtigt?


--- Zitat ---Ich gebe es zu, ich nutze kein Smartphone. Gut, das ist keine Frage, sondern ein soziales Verbrechen - trotzdem interessiert mich, ob die Erwähnung des Smartphones hier irgendwie irgendwo (irgendwann *sing*) blöd rüberkommt.

--- Ende Zitat ---

Für mich nicht.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Wünsch dir einen schönen Tag.

P.S. Ein Lehrer hat mal zu mir gesagt: Dumme Fragen gibt es nicht.

 

Uli:
ay Nightingale
Schön, dass du wieder schreibst!
Und zur Beruhigung: Das klappt auch ganz gut ...
Aber erst die Fragen:



--- Zitat ---Da diese Geschichten nicht den üblichen Konventionen einer guten Kurzgeschichte folgen, gleich die Frage aller Fragen: Funktioniert der Text für euch, kann er für sich alleinstehen?
--- Ende Zitat ---

Funktioniert problemlos als KG - und ist gut lesbar (wenn ich auch an der Formatierung ein wenig ändern würde ...)


--- Zitat ---Ansonsten interessiert mich:
Funktioniert das Ende oder fühlt ihr euch überrumpelt?
--- Ende Zitat ---

Tja ... es funktioniert. Und leider bin ich kein bisschen überrumpelt.
Was für mich die Schwäche dieser Geschichte ist: Nach dem V-Hund und der Begeisterung darüber (besonders im Vergleich zum Real-Hund) ist das einfach nur folgerichtig. Und damit erwartbar (gleichwohl immer noch eine Pointe).



--- Zitat ---Noch ´ne blöde Frage: Der Text umfasst in etwa vier Normseiten, hat er Längen? Wirkt die Erwähnung der beruflichen Tätigkeit der Ich-Erzählerin auf euch überflüssig? Ich hatte die rausgenommen und fand, das etwas fehlte.
--- Ende Zitat ---

Nun ... du weißt, dass ich sehr gerne ˋeindampfe ´ ... wenn das eine Zielsetzung wäre, gäbe es bestimmt Dinge, die man kürzen könnte. Muss aber nicht sein.
Den Beruf der Prota sollte man unbedingt behalten, das ist ein echter Mehrwert.


--- Zitat ---Blödere Frage: Stört die Perspektive? Normalerweise ziehe ich intelligentere und wortgewandtere Ich-Erzähler vor, aber hier schien mir das kontraproduktiv.
--- Ende Zitat ---

Passt gut zusammen, kein Problem.


--- Zitat ---Die allerblödeste Frage: Ich gebe es zu, ich nutze kein Smartphone. Gut, das ist keine Frage, sondern ein soziales Verbrechen - trotzdem interessiert mich, ob die Erwähnung des Smartphones hier irgendwie irgendwo (irgendwann *sing*) blöd rüberkommt.
--- Ende Zitat ---

Hmmm ... nicht die Häufigkeit ist m.E. das Problem, sondern der sperrige Begriff. Niemand sagt Smartphone, wenn es nicht grad geschäftlich ist. Handy, das Gerät, Taschenhirn ... hört man alles.
Smartphone hört man nie.

Die Erwähnung des technischen Geräts mit der korrekten Bezeichnung spielt noch dazu dem zu, was ich für die Schwäche des Textes halte:
Jedem (Leser wie Prota) ist jederzeit bewusst, dass der Hund ein ˋunechter´ ist, dass es sich um eine virtuelle Angelegenheit handelt ...
Ich fände es besser, wenn das erst nach und nach offenbar würde, und zwar letztlich nur dem Leser - die Prota hingegen in der Haltung ˋSie ist so wirklich wie meine Zuneigung´ verbleibt - faktisch weiß sie es, praktisch will sie es nicht wissen.

daher dürfte sie Dinge wie
Die Illusion ist perfekt.
Da flitzt ein virtueller Hund einem virtuellen Ball ...
auch nicht aussprechen.

Das würde zwar die Sache mit dem V-Mann noch etwas wahrscheinlicher machen, aber das ist lösbar - denke ich.
Andererseits würde es den Horror-Wiederstandsbeiwert erhöhen, wenn die Gute das alles verdrängt und nicht wahrhaben will. Und mehr davon ... kauft.

hoffe, es hilft.
wenn ´s nicht hilft, nimm eine  :lava:, die hilft bestimmt

cheers, Uli

Nightingale:
Danke für eure Rückmeldungen!  :blume:
Soweit liest sich das ja ganz bekömmlich.  :)


Aber der Reihe nach ...

Hallo Xaranis,
freut mich, dass du dir die Zeit genommen hast!


--- Zitat von: Xaranis am 31 January 2018, 12:31:24 ---Der Text transportiert zumindest eine Aussage. Wir vereinsamen durch Technik. Ein Thema, über das wir wohl alle schon in der ein oder anderen Form nachgedacht haben. Ich habe mich selber schon öfter gefragt, ob wir mal soweit sind, nach Feierabend daheim eine Illusion aufzulegen wie eine Schallplatte und mit virtuellen Freunden durch die Kneipen ziehen.
In meinen Augen funktionert er für sich allein. Er erzeugt wenig Schall und Rauch, aber ich habe ihn zumindest zu Ende gelesen. Wirklich berührt oder etwas ausgelöst hat er bei mir aber nicht.
--- Ende Zitat ---
Dass die Geschichte nicht berührt, war zu erwarten, daher bin ich an dieser Stelle nicht enttäuscht. Meine Frage, ob der Text als Kurzgeschichte funktioniert, beruht auf dieser Annahme.
Als ich die Geschichte begann, war ich zum Ende des ersten Absatzes näher an der Protagonistin, ihrem Erleben und Befinden. Dann löschte ich die Zeilen und schmiss derartiges (sobald es sich beim Schreiben einschlich) auch gleich wieder raus und beschloss, den Text bei meinen Scherbenweltgeschichten anzusiedeln. Die sind in der Regel eher Betrachtungen, bei denen ich mich an einem Thema abarbeite, das mich irgendwie beschäftigt. Langweilen möchte ich trotzdem nicht.

Meine Ansprüche an den Text sind dementsprechend nicht allzu hoch ...


--- Zitat ---Sie sagt, sich hört auf, sich etwas vorzumachen. Etwas fehlt. In Wahrheit hört sie nicht auf, sich etwas vorzumachen. Mit der Simulation eines Partners tauscht sie nur eine Illusion gegen eine Illusion. Das wahre Leben zieht an ihr vorbei.
--- Ende Zitat ---
... das wollte ich zum Ausdruck bringen. Habe mich gefreut, das zu lesen.  :)



--- Zitat ---
--- Zitat ---Der Text umfasst in etwa vier Normseiten, hat er Längen?

--- Ende Zitat ---
Ääähm, ich kapier die Frage nicht.
--- Ende Zitat ---
Die Frage rührt daher, weil im Rahmen dieser Art von Schilderung keine emotionale Bindung erreicht werden konnte und ich nicht langweilen wollte (und ohne emotionale Teilhabe droht stets die Langeweile).


--- Zitat ---Ich finde, es passt da rein. In ihrer anonymen Welt geht sie einem anonymen Job nach. Ich würde das drin lassen. Zur Anonymität passt auch, dass die Protagonistin keinen Namen hat.
--- Ende Zitat ---
Gut, schön zu hören.  :cheerful:


--- Zitat ---Ich finde, es passt. Alles ziemlich leblos, unmotiviert, farblos. Es spiegelt ihre Welt und ihr Befinden wider. Das Problem was ich allerdings beim Lesen habe: Die Trostlosigkeit färbt auf mich ab. Ich lese zwar die Geschichte, empfinde dabei aber nicht mehr als deine Protagonistin. Bei diesem trübsinnigen Thema ist das wohl kaum zu vermeiden. Ist aber nicht meine Vorstellung von Unterhaltung.
--- Ende Zitat ---
Deswegen wollte ich den Text kurz halten. Lang genug, meinen Gedankengang abzuschließen; kurz genug, um nicht zu verschrecken.
Ich fürchtete, wenn ich der Protagonistin mehr Raum gäbe, würde das die Geschichte zu sehr in die Länge ziehen. Natürlich gewinnt jede Geschichte durch interessante Persönlichkeiten, aber hier wollte ich keine Anteilnahme oder Verständnis für sie. Vielleicht auch, weil ich mich da gar nicht so weit reindenken wollte, sie zu mögen, zu verstehen. ... Dann hätte ich mich ja nicht mehr auf meine Weise so gut über diese Entwicklung ärgern können.  :uhoh:


--- Zitat ---Womit ich Probleme hatte: Als die Geschichte anfing, ging ich davon aus, sie sucht ganz normal einen Hund aus. War dann irritiert, dass sie mitten im Wohnzimmer steht (sind die Hunde bei ihr zu Hause?) und sie nen Hundenamen ruft. Irgendwann kapier ich dann, dass es eine Simulation auf dem Handy ist. Aber bis dahin bin ich reichlich verwirrt. Ebenso verwirrt bin ich dann, dass man mit einer Handy-Simulation um einen realen, körperlich vorhandenen Wäscheberg toben kann. Ich brauche ziemlich lange, bis ich verstehe, dass das Handy offenbar die Raumumgebung nachahmt. Gedanklich umsetzen kann ich das trotz der Erkenntnis nicht einwandfrei. Wenn die Frau mit Smartphone im Bett liegt und Lucy aufs Bett springt, sehe ich einen Hund, der auf das Bett springt. Ich sehe aber kein Display mit einem Hund, auf dem das simuliert wird. Auch ansonsten scheint Lucy ihrer Besitzerin in sehr physischer Weise zu folgen. Ein Fantasiegebilde einer einsamen Frau. Die Art und Weise, wie sich Realität und Simulation (gedanklich, optisch) miteinander vermischen ist für mich gedanklich ein wenig schwierig umzusetzen. Liegt womöglich auch an meiner Aversion gegen Smartphones.
Ist das beabsichtigt?
--- Ende Zitat ---
Nicht beabsichtigt. Deswegen gab ich dem Ganzen so viel Raum, wohl mehr Raum als beispielsweise Uli bräuchte.

Ich verrate dir was!  :wichtel:
Ideengeber für diese Geschichte ist die Entwicklung des Spiels "Pokemon Go!", das nach Veröffentlichung in allen mir bekannten Nachrichtenseiten Erwähnung fand. Ich dachte mir, wow, da laufen jetzt also die Leute durch die Gegend und spielen Schnitzeljagd mit ihren Pokemons und folgen ihnen in Krankenhäuser, auf Friedhöfe und überall sonst hin, wo man sich als ungebetener Gast breit ins Smartphone grinsend in etwa so beliebt macht, wie ein Clown auf einer Beerdigung. :gewalt:
Seit diesem Tag warte ich darauf, dass sich irgendwo im Hause Nintendo folgende Szene abspielt: Ein Mitarbeiter aus Nintendos Pokemon-Go-Fraktion läuft einen anderen Mitarbeiter aus der Nintendogs-Fraktion über den Haufen, und dann sehen sich die beiden tief in die Augen und rufen gleichzeitig: Nintendogs Go!  :trink2:

So in etwa meine diesbezüglichen Gedanken. Ich habe da übrigens 'ne Wette laufen ...  :cheese:




--- Zitat ---Ich hoffe, das hilft dir weiter.
--- Ende Zitat ---
Ja, tut es. Vielen Dank!
 :danke2:


--- Zitat ---P.S. Ein Lehrer hat mal zu mir gesagt: Dumme Fragen gibt es nicht.
--- Ende Zitat ---
Meine Lehrer haben auch eine Menge zu mir gesagt, das meiste ließ sich glücklicherweise verdrängen ...  :grinwech:


Liebe Grüße
Nightingale

Nightingale:

--- Zitat von: Uli am 31 January 2018, 14:57:38 ---ay Nightingale
Schön, dass du wieder schreibst!
Und zur Beruhigung: Das klappt auch ganz gut ...
--- Ende Zitat ---

Hallo Uli,
ich habe mich sehr über deine Röstung gefreut!  :cheerful:
Und gleich zweimal danke - für die Ermutigung zu Schreiben und die Beruhigungspille. 


--- Zitat ---Funktioniert problemlos als KG - und ist gut lesbar (wenn ich auch an der Formatierung ein wenig ändern würde ...)
--- Ende Zitat ---
Schön, dass es für dich auch als KG funktioniert.
Was würdest du denn an der Formatierung ändern, die Absatzgestaltung? Da war ich mir etwas unsicher, letztlich schienen mir die verschiedenen Abschnitte aber so am sinnigsten zusammengefasst.


--- Zitat ---Tja ... es funktioniert. Und leider bin ich kein bisschen überrumpelt.
Was für mich die Schwäche dieser Geschichte ist: Nach dem V-Hund und der Begeisterung darüber (besonders im Vergleich zum Real-Hund) ist das einfach nur folgerichtig. Und damit erwartbar (gleichwohl immer noch eine Pointe).
--- Ende Zitat ---
Ja, das Ende war zu erwarten. Die ganze Geschichte bewegt sich in eine Richtung, überrascht nicht und erzeugt keine Anteilnahme. Dafür müsste ich wohl Herzblut investieren und - fürchte ich - mich der Geschichte ganz anders nähern.


--- Zitat ---Nun ... du weißt, dass ich sehr gerne ˋeindampfe ´ ... wenn das eine Zielsetzung wäre, gäbe es bestimmt Dinge, die man kürzen könnte. Muss aber nicht sein.
Den Beruf der Prota sollte man unbedingt behalten, das ist ein echter Mehrwert.
--- Ende Zitat ---
Beruf bleibt, ok.  ;D
Über das Kürzen werde ich nachdenken. Du würdest vermutlich an den Stellen ansetzen, in denen ich versuchte, dem Leser Klarheit zu lasten eines Überraschungseffekts zu verschaffen, oder?


--- Zitat ---
--- Zitat ---Blödere Frage: Stört die Perspektive? Normalerweise ziehe ich intelligentere und wortgewandtere Ich-Erzähler vor, aber hier schien mir das kontraproduktiv.
--- Ende Zitat ---

Passt gut zusammen, kein Problem.

--- Ende Zitat ---
Schön zu hören.
Rösten habe ich in ganz anderer Erinnerung, gerade fühle ich mich eher sanft gegrillt.  :cheese:


--- Zitat ---Hmmm ... nicht die Häufigkeit ist m.E. das Problem, sondern der sperrige Begriff. Niemand sagt Smartphone, wenn es nicht grad geschäftlich ist. Handy, das Gerät, Taschenhirn ... hört man alles.
Smartphone hört man nie.
--- Ende Zitat ---
Handy. Wird geändert.


--- Zitat ---Jedem (Leser wie Prota) ist jederzeit bewusst, dass der Hund ein ˋunechter´ ist, dass es sich um eine virtuelle Angelegenheit handelt ...
Ich fände es besser, wenn das erst nach und nach offenbar würde, und zwar letztlich nur dem Leser - die Prota hingegen in der Haltung ˋSie ist so wirklich wie meine Zuneigung´ verbleibt - faktisch weiß sie es, praktisch will sie es nicht wissen.
--- Ende Zitat ---
Ich verstehe den Einwand und erkenne die Wahrheit darin, und doch ...
ich möchte eine Figur zeigen, die sich stets der Illusion bewusst ist, aber trotzdem Nähe daraus gewinnen will oder besser gesagt, die Einsamkeit für den Moment vertreiben will. Durchaus so, wie du es ausdrückst: Faktisch weiß sie es, praktisch will sie es nicht wissen. Oder fast so, wie du es ausdrückst: Sie will keine Verantwortung, keine Verpflichtung, nicht lieben, aber das Gefühl, gebraucht oder sogar geliebt zu werden. Eine egoistische, einseitige Beziehung - der Trugschluss eines nicht zu Ende gedachten Gedankens.


--- Zitat ---daher dürfte sie Dinge wie
Die Illusion ist perfekt.
Da flitzt ein virtueller Hund einem virtuellen Ball ...
auch nicht aussprechen.
--- Ende Zitat ---
Dessen ungeachtet denke ich noch einmal über deinen Einwand nach.



--- Zitat ---hoffe, es hilft.
wenn ´s nicht hilft, nimm eine  :lava:, die hilft bestimmt
--- Ende Zitat ---
Hat geholfen. Hab dank, Uli!
Und Lava nehme ich immer gerne, nur her damit!  :lava:


Liebe Grüße :blume:
Nightingale

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