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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 17 February 2022, 21:46:14 »
Also so richtig was zum Grillen finde ich nicht.

Ich habe die alte Version nicht gekannt und auch erst gelesen, nachdem ich zerrätselt hatte, was ich wohl grillen könnte.

Erst konnte ich mich nicht recht entscheiden - die alte Version hatte auch durchaus etwas - aber tatsächlich finde ich, "zieht" die neue Version wesentlich besser. Ich möchte wissen, wie es weitergeht. Un-be-din-g-t. Aber im Vergleichen von Texten bin ich nicht gut, daher kann ich nicht benennen, was genau ich hier eigentlich besser finde.

Alle Achtung vor Usu - in dem Alter hätte ich mich keine vier Jahre beherrschen können ...
Wobei - später hieß es "die folgenden drei Jahre" - also hat sie doch "bloß" drei Jahre gewartet? Das erschloss sich mir nicht so ganz. Vielleicht denke ich auch mal wieder falsch.

Zitat
hoffte, dass Mama ihn vielleicht doch ein, zwei oder drei Jahre früher aus der Schachtel holen würde
von meiner (seltsamen) Kopflogik her fände ich es - nun ja: logischer, wenn hier abwärts gezählt würde. Also: "... vielleicht doch drei, zwei oder (wenigstens) ein Jahr früher ..." Also sozusagen mit dem Fluss der verlaufenden Zeit parallel abwärts gezählt, dass (vielleicht, vielleicht auch nicht nur in mir) das Bild vor Augen ist, wie sie jedes Jahr hofft, erst drei Jahre "vorab", dann im nächsten Jahr zwei Jahre "vorab" und das letzte Jahr zuvor eben ein Jahr "vorab" den Brief zu bekommen und dadurch einen Hauch der Enttäuschung zu erahnen, die Usu fühlen musste. In Reihenfolge "ein, zwei oder drei Jahre" fühlt es sich für mich eher emotionslos an.

Der Zeitraffer, was in den drei Jahren passierte, las sich recht witzig und trotz der Kürze auch sehr lebendig. Und die Andeutungen von wegen Reitunterricht und Survival-Training wecken in mir die Hoffnung auf ein schönes actionlastiges Abenteuer :hach:

Wann ist denn die Deadline? :heiliger:

Soviel meine etwas mix-bunten Gedanken dazu. Vielleicht kannst du ja ein Fitzelchen davon irgendwie gebrauchen. Und sei es bloß zum Staubwischen.

Grußlix,
Aye
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2021)
« Letzter Beitrag von Quisille am 27 January 2022, 09:27:14 »
Hast du mal ein Kissen parat, das du (natürlich nicht stellvertretend für tagsüber entfernte Kinder) schlagen oder in das du beißen kannst? Klingt nach viel Wut, die Kerstin Gier bei dir erzeugt hat, nicht nur auf die dafür vorgesehenen Figuren allerdings. Du hast akribisch belegt, wie diese zustande kommt. Aber warum, um aller Musen willen, hast du dir das immer weiter angetan?

Schwer zu sagen. Zwischendurch hatte das Buch immer mal wieder sehr gut gelungene Stellen, und eigentlich lese ich Kerstin Gier ganz gerne. Leider schwächelt das Werk besonders auf den letzten Seiten. Die habe ich dann tatsächlich nur noch gelesen, um zu sehen, ob der Band auf den letzten Metern noch zu retten wäre, oder ob er komplett abstürzt. Auch da war es dann so ein Mittelding zwischen Absturz und halbwegs akzeptabler Notlandung.

Und in einem Punkt muss ich mal wieder widersprechen, ohne das Buch gelesen zu haben:

Zitat
Und wie jeder weiß, ist konfessionsübergreifend sowieso der einzige Sinn von Eltern, ihre Kinder nach Strich und Faden fertigzumachen.
Ja. Diese Auffassung ist bei der Zielgruppe meistens genau so vorhanden. Und wird auch lautstark geäußert. Leider. Ich befürchte, das ist nicht nur konfessions-, sondern allesübergreifend so. Selbst Jahrhunderte.

Ich stimme da vollumfänglich zu. Ich hab in meinem Schrank irgendwo noch das "Pubertät: Ich war dabei!"-T-Shirt. Wenn es halbwegs dezent daherkommt, bin ich damit auch durchaus einverstanden. In jedem Gier-Buch kommt eine Figur vor, die den Das-Ist-Soooooo-Unfair-Reflex bedient. Finde ich OK. Aber Eltern regelrecht zum Hassgegenstand hochzustilisieren und mit unreflektierten Klischees aus den Siebzigern zu dekorieren, halte ich für absolut daneben.

Und offensichtlich kriegt die Autorin die Perspektive hier gut hin. Und fängt ihre Leser*innen damit ein.

Wie schon gesagt, schreibtechnisch kann man sich da eine Menge abgucken. Es ist das Inhaltliche, das mich sauer macht. Und vermutlich werden auch die Leserinnen sauer, nur eben zwei Jahre später. Die Darstellung ist ja auch aus der Perspektive von Jugendlichen verlogen. Keinerlei Nuancen, kein Verhandeln um persönliche Freiheiten, kein zweiter Standpunkt. Nichts außer elterlich-kindlicher Pubertäts-Sadomaso. Das stimmt auch nicht mit der Warhnehmung in diesem Alter überein. Was noch schlimmer ist: Nicht nur die Eltern werden hier auf Klischees reduziert, sondern notwendigerweise auch ihre Kinder, die keinen gleichwertigen Gegner bekommen, an dem sie sich abarbeiten können. Protagonisten sind nur so stark wie ihre Gegenspieler. Damit schneidet sich das Buch von jeder Chance ab, seinen Leserinnen was Bleibendes mitzugeben. Stattdessen zieht es jedes Register, sie nach Strich und Faden für dumm zu verkaufen.

Nein, das genügt noch nicht mal den niedrigsten Ansprüchen an Literatur. Selbst von einem Heftroman verlangt man mehr.

Das ist weder genrebedingt, noch ist es typisch für die Autorin. In anderen Büchern ("Silber", zum Beispiel) ist diese Mechanik auch am Werk, ist aber facettenreicher ausgestaltet, und die Figuren haben eine Innenleben, das über die Komplexität von "die sind halt doof, basta" merklich hinausgeht.

Kurzfassung:
  • Kerstin Gier: OK.
  • Teenie-Quietsche-Knutsche-Buch: OK.
  • "Vergissmeinnicht": NICHT OK.  :voodoo:

Lasset uns Lava. :prost:
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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2021)
« Letzter Beitrag von eska am 26 January 2022, 14:59:51 »
Uiuiui.  :schwitz:

Hast du mal ein Kissen parat, das du (natürlich nicht stellvertretend für tagsüber entfernte Kinder) schlagen oder in das du beißen kannst? Klingt nach viel Wut, die Kerstin Gier bei dir erzeugt hat, nicht nur auf die dafür vorgesehenen Figuren allerdings. Du hast akribisch belegt, wie diese zustande kommt. Aber warum, um aller Musen willen, hast du dir das immer weiter angetan?
Die Faszination des Schrecklichen? Man muss wissen, wie der Feind agiert (in diesem Falle schreibt)? Probe, ob die Blutdruckpillen wirklich wirken?

Ernsthaft: Was ist an diesem Machwerk dran, dass du es nicht gähnend und leicht genervt nach den ersten dreißig Seiten weglegen konntest, eventuell noch mit dem Vorsatz: Bevor meine Kids das ungeschützt in die Hände kriegen, muss ich sie noch ein bisschen aufklären, vorzugsweise humoristisch? (Wobei ich als lesehungriges Kind, das wirklich alles lesen durfte, schnell selber auf den Trichter kam, was Gutes von Schlechtem unterscheidet. Oder zumindest, was für mich passte.)

Als Negativbeispiel für Figurenaufstellung, Charakterentwicklung, Spannungsaufbau etc. kann deine Analyse uns hier natürlich weiterhelfen. Also danke.
Trotzdem: Nimm mal ein Schlückchen abkühlende Lava.  :lava:

Und in einem Punkt muss ich mal wieder widersprechen, ohne das Buch gelesen zu haben:
Zitat
Und wie jeder weiß, ist konfessionsübergreifend sowieso der einzige Sinn von Eltern, ihre Kinder nach Strich und Faden fertigzumachen.
Ja. Diese Auffassung ist bei der Zielgruppe meistens genau so vorhanden. Und wird auch lautstark geäußert. Leider. Ich befürchte, das ist nicht nur konfessions-, sondern allesübergreifend so. Selbst Jahrhunderte.

Und offensichtlich kriegt die Autorin die Perspektive hier gut hin. Und fängt ihre Leser*innen damit ein.
Vielleicht ist das auch der Hintergrund für all die Ärgernisse, die du aufgezählt hast: Die Annahme, man müsse jungen Menschen das servieren, was sie scheinbar mögen: Fastfood auch im literarischen Sinne. Je fetter und platter und ketchupbegossener, umso besser. (Und nein, muss man natürlich nicht. Es gibt auch anderes zu lesen. Zur Not eben erstmal die Klassiker. Die bilden den Geschmack. Was die Inhalte angeht, kann man das ja begleiten. Ohje, klingt das rückwärtsgewandt. Ich kenne auch sehr viele tolle Jugendbücher jüngeren Datums, jenseits des Fastfoods. Mit authentischeren Figuren, positiverem Weltbild und Pfiff.)

Also, schnapp dir einfach was Neues zu lesen und genieße!  :nerd:

Gruß,
eska



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Bücher / Re: Was lest ihr gerade? (2021)
« Letzter Beitrag von Quisille am 26 January 2022, 10:53:48 »
Normalerweise sind meine Erlebnisse beim Lesen anderer Leute Bücher nicht weiter von Interesse. Jetzt aber vielleicht doch.

Ich las: Kerstin Gier "Vergissmeinnicht", den Auftakt ihrer nächsten Trilogie. Wem das aus dem Kontext nicht jetzt schon klar ist: Erbitte Erlaubnis, mich auskotzen zu dürfen. :blargh:

Um das von vornherein auszuräumen: Ja, es ist ein Teenie-Quietsche-Knutsche-Buch. Ich bin nicht die Zielgruppe. Trotzdem lese ich auch Teenie-Quietsche-Knutsche-Bücher durchaus mal ganz gern, wenn sie gut gemacht sind. Kerstin Gier kann sowas.

Leider ist "Vergissmeinnicht" irgendwie ... uneinheitlich.

Zunächst mal das Augenfällige: Kerstin Gier ist die ungekrönte Königin des zersägten Romans. Nominell kommen ihre Erzählungen als Trilogien daher, aber strukturell betrachtet sind es schlicht sehr lange Romane, die sie in drei Bände zersägt. Manchmal mehr, manchmal weniger gekonnt. Typischerweise kommt bei ihr die dramatische Frage am Ende von Band 1, Band 2 ist dann die B-Story und Band 3 liefert Klimax und Ende.

Kann man so machen.

Was daran schade ist: Leserlein arbeitet sich durch hunderte von Seiten von Band 1, und es gibt keinen richtigen Abschluss. An den nervigen Teil-Zwei-Klüffhänger von Trilogien hat man sich ja schon seit Star Wars V einigermaßen gewöhnt, aber bei Band 1 schon an der vielleicht offensten Stelle der Erzählung abzubrechen, halte ich für eine kontroverse Entscheidung. Nehmen wir einmal an, Band 1 ist irgendwie OK. Ja, nett, zu den Akten, Band 2 und 3 bleiben aber besser im Regal.

Dann steht man mit so einer angenagten Plotruine rum und weiß nicht recht, was man machen soll. Um die Sache ganz eindeutig zu formulieren: NEIN. Es ist nicht verkaufsfördernd. Der Gemüsehändler verkauft mir auch nicht eine halb abgebissene Gurke in der Hoffnung, dass ich den Rest der Gurke dann auch noch kaufe. Auch ein Autohändler verkauft mir nicht nur die Frontpartie bis zum Lenkrad. Was davon übrigbleibt ist der Eindruck:

(a) Ich hab hier Geld bezahlt und bekomme nur eine bessere Leseprobe? Bah.
(b) Hat die Autorin überhaupt Ahnung vom Schreiben, von Leserverträgen, von Struktur? Ist sie in der Lage, Spannungbögen ordentlich zuendezubringen?

Punkt (b) ist irrelevant, wenn man bereits eine treue Fangemeinde hat, die sich eh brav alle drei Bände kauft. Warum dann aber aufteilen in drei Bände? :weissnicht:

Für mich als nicht restlos überzeugter Fan ist (b) allerdings besonders ärgerlich, und zwar in einem Maße, dass ich in Zukunft von Kerstin Giers Romanen die Finger lassen werde. Besonders, da "Vergissmeinnicht" auch als Leseprobe nicht wirklich überzeugend war. Hier meine Gründe.

Zur Story muss man nicht viel sagen. Cooler Typ mit abgeplatzten Ecken wird von bravem Mädchen angeschwärmt, erst aus der Distanz, dann auf Seite zweihundert, folgende, folgende. Es ist Romantasy, also schmeißen wir noch ein bisschen Zeugs drauf, in diesem Fall Feen, Fabelwesen und Magie, die offenbar teilweise genetisch vererbt werden kann. Cooler Typ mit abgeplatzten Ecken ist eine Bruchrechnungsfee (zu einem Viertel? Achtel? zwei Dritteln?). Außerdem ist er der Auserwählte, Prophezeiung inbegriffen. Typie hat am Anfang einen Unfall und sitzt im Rollstuhl, was super praktisch für Gähnemädchen ist, denn die kann dann ihre soziale Kompetenz ausspielen und ihn durch die Gegend schieben.

Nur zur Klarstellung: Soweit ist alles noch OK. Super genrekonform, aber OK.

Nun könnte man ja mal auf die Idee kommen, eine Behinderung auszuloten anhand ihres, nunja, behindernden Charakters. Aber dann wär's ja kein Teenie-Quietsche-Knutsche-Buch. Also ist Typie genau dann behindert, wenn's gerade hormonförderlich ist. Erstmal wird unser Adonis auf Rädern dank seines erschröcklichen Schicksals seine alte Flamme los (die er eh abservieren wollte). Als nächstes wird er seinen nervtötenden besten Freund los (der mit besagter alten Flamme hinter seinem Rücken rumgemacht hat). Dann lernt er dank Rollstuhl seinen neuen Motor Gähnemädchen kennen (die ihn durch die Gegend schiebt). Und er hat ein paar superschicke Narben und kann ganz viel durch die Gegend leiden, was er natürlich extrem mannhaft trägt.

Dann kommt Handlung.

Und irgendwie stört der Rollstuhl da nicht weiter. In der Parallelwelt (klar gibt's die!) kann er ganz normal laufen. Wenn die Handlung es erfordert, kann er auch in der Realwelt aufstehen, und wenn das alles noch nicht cool genug ist, kann er da auch laufen. Weil, Magie, ne? Und zudem wird gleich ganz zu Anfang unmissverständlich herausgestellt, dass das mit dem Rollstuhl wohl eh nur so ne Phase ist.

Wow.

Deko-Rolli. Mal was neues. Reiht sich nahtlos ein in Zier-Asperger, plotbedingte Quartalsblindheit und Fin-De-Siècle-Schwindsucht. Naja, immerhin darf er zur Physio. Bedenklich ist das alles schon so ein bisschen, besonders mit den zu recht gestiegenen Ansprüchen unserer Gesellschaft bezüglich fairer Repräsentation, aber immerhin ist es noch so halbwegs OK, wenn man nicht überkritisch ist mit einem Romance-Schmonzettchen.

Aber genug von Typie. Schalten wir jetzt live zu Gähnemädchen.

Offenbar ist Gähnemädchen der Leseravatar. Woraus ich das schließe? Typie ist total megacool, und Gähnemädchen ist das Mauerblümchen mit angekratzem Selbstbewusstsein. Wenn man der allgemeinen Verlagsauffassung folgt, dass sich Männer nur mit männlichen Figuren identifizieren können und Frauen nur mit weiblichen, dann würde ich als männlicher Leser also mit einem Love-Interest abgespeist, das sich dadurch auszeichnet, dass sie sich recht passiv in Ecken rumdrückt und rumheult, statt mal ihre Neigungen deutlich raushängen zu lassen. Mit anderen Worten: der prototypische Nice-Guy, bloß gendervertauscht.

Boah. Vielleicht liegt es daran, dass ich über fünfzig bin, da lässt das alles ja so langsam nach, aber attraktiv geht anders. Ergo: Gähnemädchen ist Leseravatar. Quod erat dumdidum.

Geht gerade noch so. Kann ich akzeptieren, denn im Gegensatz zur allgemeinen Verlagsauffassung kann ich mich auch mit einem weiblichen Leseravatar arrangieren. Sogar dann, wenn besagter Avatar so platt ist, dass ihre Tiefe nur noch mit mathematischen Grenzwertbetrachtungen halbwegs zu beziffern ist.

Jetzt aber fängt es an, nervig zu werden. Klar ist Gähnemädchens Familie ein Graus, superkonservative heiliger-als-du Klischeekatholiken. Also, ich kenn diesen Verein ja von innen, und was soll ich sagen, wir sind tatsächlich ALLE kinderhassende Hypokriten, wissen trotz Kondomverbot gar nicht mehr, wo wir die ganzen Kinder herkriegen sollen zum Quälen. Aber hey --! Immerhin laufen auch Gähnemädchens Eltern (und Cousins und Cousinen) nicht das ganze Jahr mit Aschekreuz vom letzten Aschermittwoch auf der Stirn rum. Ist also eine total realistische und ausgeglichene Darstellung.

Und wie jeder weiß, ist konfessionsübergreifend sowieso der einzige Sinn von Eltern, ihre Kinder nach Strich und Faden fertigzumachen. Da bleibt noch Raum für Steigerungen; vielleicht wird das ab Band zwei ja vertieft durch ein paar Muslime, die ihre Töchter schon mit drei zwangsverheiraten, und in Band 3 rennen ein paar Atheisten rum, die mangels Religion dauerdeprimierte amoralische Arschgeigen sind. Warum sich mit einem Klischee zufriedengeben, wenn man alle haben kann? Tolerante Menschen erkennt man daran, dass sie gerne unter sich bleiben.

Aber irgendwie schaffe ich es sogar noch, über dieses wandelnde Empörungsfutter hinwegzusehen und weiterzulesen.

Also weiter. Wir waren beim Leiden stehengeblieben, und das tut Gähnemädchen dann auch ausgiebig. Die Eltern fordern, sie sagt ja und leidet. Also, nicht dass sie mal was tut dagegen, wir sehen sie nur leiden, und leiden, und leiden. Ab und zu fetzt sie sich mit ihren Cousins, aber selbst dafür braucht sie die Hilfe einer rebellischen besten Freundin. Naja, immerhin. Die Handlung entspinnt sich, hat ab und zu auch durchaus spannende Momente, die natürlich ab und an durch Rumgeknutsche unterbrochen werden müssen, aber das ist genredefinierendes Merkmal, also schwamm drüber.

Dann kommt's zum Krach mit den Eltern, und man möchte sagen: Endlich! Endlich wird sich Gähnemädchen mal ein wenig persönliche Freiheit erkämpfen. Und dann -- Trommelwirbel -- verzieht sie sich leidend in ihr Zimmer und heult.

An dieser Stelle habe ich das Buch zugeschlagen. Noch kaum dreißig Seiten bis zum Schluss, und ich hatte neben jeglichem Lebenswillen auch den Wunsch verloren, den Ausgang zu erfahren, denn die Leute, die da rumhüpfen, gehen mich einfach nichts an. Einen Tag später hab' ich mich dann zusammengerissen und den Rest noch gelesen.

Wie oben schon geschrieben: Einen Höhepunkt im engeren Sinne kann man nicht wirklich erwarten. Stattdessen gibt es immerhin eine Enthüllung und eine Klopperei auf dem Dach eines Praxiszentrums. Ist nicht schlecht gemacht, reicht fast als Substitut für einen echten Höhepunkt. Immerhin kann hier Gähnemädchen zu hoher Form auflaufen, indem sie ...

Äh ...

Hat jemand noch wirklich daran gezweifelt? Sie heult. Und wird natürlich von Typie gerettet mit seinen obersupercoolen magischen Fähigkeiten. Kann man sowas selbst dem hormonbenebeltsten Publikum heutzutage noch vorsetzen? NEIN, und das muss auch der Autorin irgendwann aufgefallen sein, also kriegt Gähnemädchen eine Tomatenstange in die Hand und darf damit eine Schlange aufspießen. Psychologische Symboldeutung bitte nicht ausufern lassen.

Und dann isses vorbei.

Irgendwie haben sich Typie und Gähnemädchen über ein nebensächliches Detail zerstritten, und sie versöhnen sich zum Ende auch nicht. Worum es in der Trilogie gehen wird, ist ... so halbwegs klar? Weiß nicht. Ziel: Auserwählter-Weltrettung-Magie-Irgendwas. Antagonismus ist auch noch unklar: Irgendwelche-Anderen-Auch-Mit-Magie-Und-Agenda? Da stellt sich sofort die Frage: Wollen die die Welt eben gerade NICHT retten? Oder auf andere Weise retten? Oder mit anderen Auserwählten retten? Und wieviele davon sind katholisch? Gibt es wilden, leidenschaftlichen Sex eher im Rollstuhl oder im Beichtstuhl? Fragen über Fragen, und die Spannung zerreißt mich.

Herr Quengler, wo bleibt das Positive?

Was Kerstin Gier meisterhaft beherrscht, und was man sich von ihr abgucken kann, ist das Erzeugen von Wut. In all ihren Werken tritt mindestens eine Figur auf, die man mit Verve hassen kann. In diesem Fall sind es gleich mehrere: Gähnemädchens Familie, Typies Verflossene, Typies bester Freund, Typies Psychotherapeutin, ...

Das ist schreibtechnisch hervorragend gemacht. Die Frage ist, will ich das in der Konzentration lesen? Immerhin werden bei derlei Manövern die niedersten menschlichen Instinkte angesprochen. Als Würze, dezent verwendet, belebt das. Aber selbst das schärfste Chili hat zwischen den Habaneros noch ein paar Bröckchen Hackfleisch.

Fazit

Hääääääää?

Ich geh dann mal und lasse meine posttraumatische Belesungsstörung therapieren.
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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 07 January 2022, 14:40:22 »
Huhu,

viel habe ich (noch) nicht dazu zu sagen. Nur etwas Klugklo: In "Geburtstag" wird meines Wissens das mittlere s nicht das f-förmige, sondern das End-S verwendet, weil es zum Ende von "Geburt" gehört. So wie in "Lebensjahr" oder "hinauskommen". Nicht so wie in "Frohsinn, ansehen" (letztere Beispiele das f-förmige).
Nicht jedes s mitten in einem Wort wird mit dem f-förmigen geschrieben.
Da ich Sütterlin aber eher nur hobbymäßig betreibe und nicht studiert habe oder so, bin ich mir nicht 100%ig sicher, sondern nur 95%ig.

Es kursieren ja leider auch viele falsche Beispiele im Internet, wo z.B. durchgängig entweder das eine oder das andere s geschrieben wird. Anstatt auf den Schreibfehler könnte man vielleicht auch bloß auf das "furchtbar zackig-eckige Schreiben" hinzeigen, "wo einem die Buchstaben quasi die Augen ausstechen wollen". Unqualifizierter Vorschlag von mir. :versteck:

Ich würde gerne noch zum Text an sich was sagen, brauche aber noch eine Weile und bitte um etwas Geduld :grinwech:

Höllische Grüße von der
Aye
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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Quisille am 06 December 2021, 09:57:31 »
Ich dachte, es könnte interessant sein, die alte und die neue Version zu vergleichen.

Fand ich auch. Link im ersten Beitrag wäre allerdings hilfreich gewesen. :cheese:

Nun zum Vergleich: Die erste Version ist szenisch, man ist sofort drin. Die zweite Version ist narrativ und enthält mehr Informationen. Normalerweise würde jetzt bei mir der Infodump-Alarm anschlagen, aber Version zwei hat eine angenehme Erzählstimme, die trägt mich ohne Proteste durch die Exposition. Zu meinem nicht geringen Entsetzen muss ich sagen, dass mir Version zwei sogar besser gefällt.

Warum?

  • Ich lerne mehr über die (mutmaßliche) Protagonistin. Was sie erlebt hat, und insbesondere, wie sie dabei empfunden hat, wie sie klingt. Außerdem ist sehr interessant, was Mama sie so lernen lässt.
  • Der Einstieg ist sanfter, subtiler, kommt nicht gleich mit der Keule des zerrütteten Haushalts. Das ist natürlich nur mein subjektives Empfinden, aber durch den prügelnden Rainer wird der Missbrauch zur definierenden Eigenschaft der Protagonistin. Anders gefällt es mir besser, das hat mehr Nuancen, gleich von Anfang an.
  • Der einzige Hinweis von Version eins, in welche Richtung es sich weiterentwickeln könnte, ist das (fiktive?) Buchzitat. In Version zwei haben wir gleich mehrere Anknüfpungspunkte: Reiten, Feuer anzünden, Zelten, und der "Geburtftag", wobei ich diesen Hinweis nur dank Uli verstanden habe. Vielleicht wäre "zum [...] Geburtftage" eindeutiger, ist immerhin Dativ, und wenn schon Mitten-S, dann auch Dativ-E. :grump: Aber was soll's, nicht jeder Leser muss alles mitkriegen, funktioniert ja auch so.

Der einzige Aspekt, der mir an Version eins besser gefallen hat, war die Tatsache, dass die gleich zu Anfang einen Hook setzt. Der ist zwar auch bei Version zwei in Ansätzen vorhanden, gleich der erste Satz impliziert ja die Frage, was in dem Brief denn drinsteht. Aber der Hook von Verison zwei ist deutlich schwächer als der von Version eins. Ich schraub mal ein bisschen daran herum.

Zitat
Am Morgen meines dreizehnten Geburtstags bekam ich einen Brief.

Problem: Nach diesem Einstieg wird der Rest des Texts zwangsläufig zur Rückblende. Auch der letzte Satz des Texts verliert dadurch stark an Wirkung, denn man weiß ja bereits aus dem ersten Satz, dass die Protagonistin den Brief ja irgendwann erhalten wird.

Zweites Problem: Der Satz sorgt nicht für ein Ungleichgewicht. Er trägt z.B. keinen inneren Widerspruch, der aufgelöst werden müsste, projiziert nur sehr wenig nach vorne. Das ließe sich kitten, mit wenig Aufwand. Beispiele:

Am Morgen meines dreizehnten Geburtstags bekam ich keinen Brief.
Am Morgen meines dreizehnten Geburtstags hätte ich einen Brief bekommen sollen.
Der Brief war weg. (Finde ich besonders reizvoll, weil es mit dem letzten Satz des Texts einen Rahmen bildet.)

Wie auch immer, ein kräftiger Hook im ersten Satz wäre prima.

Sonst gibt's von mir nix zu meckern.

:watchout:

Naja, einen hab' ich doch noch:

Zitat
Von einem Verwandten konnte er nicht sein, ich hatte nämlich keine. Mama und ich waren allein, seit mein Vater uns verlassen hatte, als ich zwei war.

Ich finde den zweiten Satz zu voll, mit zwei zeitlichen Einordnungen ("seit mein Vater" und "als ich zwei war") liest er sich etwas holprig. Der gesamte Rhythmus passt nach meinem Bauchgefühl nicht zur Information, die dort dargeboten wird. Das wäre eher so eine Gelegenheit für Zeugs wie: "Handwerker trugen ihn. Kein Geistlicher hat ihn begleitet." Also etwa so:

Von einem Verwandten kam er nicht. Mama und ich waren allein. Vater hatte uns verlassen, da war ich erst zwei.

Die Sache dürfte der Protagonistin wehtun, knappe Sätze, die sich die Emotion mit spürbarer Absicht verbeißen, würden der Stelle nach meinem Empfinden mehr Durchschlagkraft verleihen.

Liebe Grüße!
Quisille
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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Uli am 06 December 2021, 01:07:24 »
Ay - der Vergleich ist auch interessant, damit hast du völlig Recht - ein Hinweis im ersten Post mit Link (egal, ob auf ein neues Thema oder den Post mit dem neuen Text im gleichen Fred) wäre also eine gute Idee.
Ich würde ein neues Thema bevorzugen - weil, wenn wir wieder mehr Neuteufel haben, ist das einfacher zu handeln mit 'neue Version ist neues Thema wg Übersichtlichkeit - und ggf können Altversionen ins Archiv geschoben werden.

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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von FF am 05 December 2021, 21:48:00 »
:ups: Ich dachte, es könnte interessant sein, die alte und die neue Version zu vergleichen. Soll ich abtrennen oder lieber in den ersten Beitrag einen Hinweis schreiben?

Ansonsten: danke schonmal!  :kaffee2:
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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Uli am 05 December 2021, 20:36:33 »
in Erinnerung an alte Zeiten, da ˋModkeule schwingen ´ noch alltäglich war, krame ich mal eine Modkeulenschwing-Begründung aus der Mottenkiste:
Für spätere Generationen von Neuteufeln wäre es sicher ein Beitrag zur Übersichtlichkeit, die neue Version in ein neues Thema zu packen - sonst findet jemand einen Text, und röstet den, ohne zu wissen dass weiter unten eine neue Version lauert …

unschuldig flöt …

Sonst:
Du gibst hier viel weniger von der Prota und dem Drumherum preis, als in der vorherigen Version - immerhin aber noch genug, um ein wenig Charakterzeichnung abzuleiten. Und zart anzudeuten, dass die Mutter nicht so ganz die gewöhnlichen Vorstellungen davon hat, was für Kinder auf ihrem Lebensweg wichtig sein könnte. Einer Zwölfjährigen Reitunterricht aufdrängen zu müssen ist zudem … selten, sagen wir mal. Sehr selten.
Ok.
Und dann ist da der erste Satz, in dem für den 13. Geburtstag ein Brief angekündigt wird, und eben der ist, drei Tage zuvor, verschwunden. Nachdem er vier Jahre lang sehnsüchtig erwartet worden war. Hmm.
Einerseits gehe ich natürlich davon aus, dass dieser Brief in … nur noch 72 Stunden … doch noch zugestellt wird, und seine derzeitige Abwesenheit nicht dadurch begründet wird, dass er bei einem Briefrestaurator war, um die Lagerspuren auszubessern. Außerdem erwarte ich in diesen drei Tagen Stress, mindestens mit der Mutter.

Der ˋRechtschreibfehler´ deutet zudem an, dass der Absender des Schreibens schon vor recht langer Zeit schreiben gelernt hat - was zumindest infrage stellt, dass es wirklich von ihrem Vater stammt. Oder zumindest, dass der Gute schon sehr reich an Jahren ist und sich geweigert hat, auf die in den 60gern eingeführte Ausgangsschrift umzulernen.

Weiterlesen? Ja klar - obwohl das Interesse hauptsächlich auf dem Umstand beruht, warum dieser Brief drei Tage Urlaub hat. Die Eigenheiten in Mamas Ausbildungsprogramm kommen da nicht so arg durch (obwohl ich ja eine deutliche Ahnung habe, warum das so ist - nur, rein aus diesem Text kann ich damit noch nicht viel ableiten)

😊
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Grill / Wederland
« Letzter Beitrag von FF am 05 December 2021, 15:55:14 »
So, ich hab der Geschichte mittlerweile den vierten neuen Anfang verpasst. Außerdem heißt sie nicht mehr "Das zwölfte Geheimnis", sondern "Wederland", und auch thematisch hat sich einiges verändert.

Die ursprüngliche Version gibt's hier: https://www.federfeuer-forum.de/forum/index.php?topic=18531.0

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Am Morgen meines dreizehnten Geburtstags bekam ich einen Brief.
Ja, ich weiß, das klingt im ersten Moment nicht besonders aufregend. Die meisten Leute bekommen irgendwann in ihrem Leben Briefe. Aber für mich war es ein Ereignis, auf das ich seit vier Jahren sehnsüchtig wartete. Genauer gesagt, seit dem Tag, an dem ich den zugeklebten Briefumschlag mit der Aufschrift „Für Usu zum 13. Geburtstag” in einer Schuhschachtel in Mamas Kleiderschrank entdeckt hatte. Da ich in diesem Kleiderschrank absolut nichts zu suchen hatte, konnte ich ihr leider nicht sagen, dass ich den Umschlag gefunden und bitte sofort haben wollte, weil ich die Handschrift nicht kannte und nicht wusste, von wem er war. Die Schachtel half mir nicht weiter, sie enthielt nur ein paar Fotos von Häusern und Leuten, die ich noch nie gesehen hatte. Also hatte ich sie wieder in den Schrank gestellt und mir den Umschlag genau angesehen. Er roch  nach altem Papier und ganz schwach nach Pfefferminz oder etwas Ähnlichem. Und er war, soweit ich es erkennen konnte, selbstgemacht, sehr gerade ausgeschnitten und mit einer dreieckigen Lasche zusammengeklebt. Auf der Rückseite stand kein Absender. Die Schrift auf der Vorderseite sah ebenfalls alt aus. So schön und gleichmäßig schrieb doch heutzutage niemand mehr, und vor alle - was war das für eine komische Schrift? Es dauerte ewig, bis ich die Worte entzifferte, und dann entdeckte ich auch noch einen Schreibfehler. Geburtftag? Wie konnte man denn so einen dämlichen Fehler machen?
Ich hielt den Umschlag gegen das Licht, konnte aber keine Umrisse sehen. Das Papier war dick und fest und undurchsichtig. Ich fühlte an den Kanten herum und bildete mir ein, dass er einen Brief und eine Postkarte oder so etwas enthielt, sicher war ich aber nicht.
Jedenfalls konnte ich den Umschlag nicht einfach mitnehmen und heimlich über Wasserdampf öffnen. Das heißt, ich konnte schon, aber vielleicht machte der Dampf den Inhalt kaputt, oder ich konnte die Lasche nicht wieder richtig zukleben, und außerdem bin ich eine schlechte Lügnerin und würde es nie schaffen, an meinem Geburtstag Überraschung zu heucheln. Auf jeden Fall würde Mama herausfinden, was ich verbrochen hatte. Sie findet immer heraus, was ich verbrochen habe.
Also musste ich warten.
Zum Glück waren die drei folgenden Jahre zwar lang, aber ereignisreich genug, dass ich den Brief monatelang vergaß. Mama verliebte sich erst in Simon, dann in Lars und dann in Rainer, wir fuhren in den Sommerferien an die Ostsee, ich machte durch meine eigene Blödheit meine Schulfreundschaft mit Lena kaputt, ging schwimmen, wurde in der Schule von Lena und ihrem Gefolge gemobbt, prügelte mich mit Marie und flog dafür beinahe von der Schule. Außerdem las ich eine Menge Bücher und lernte - nicht ganz freiwillig - Reiten, weil Mama findet, dass man reiten können sollte. Sie findet auch, dass man in der Wildnis überleben können sollte, und deshalb verbrachten wir viele, viele Wochenenden in einem triefendnassen Zelt im Wald, und ich lernte, wie man ein Feuer anzündet, Spuren liest und essbare Pilze sammelt. Das machte mir mehr Spaß als das Reiten.
Wo war ich? Ach ja, der Brief. An jedem Geburtstag dachte ich an ihn und hoffte, dass Mama ihn vielleicht doch ein, zwei oder drei Jahre früher aus der Schachtel holen würde, aber das tat sie nicht. Wenn sie nicht da war, schlich ich manchmal zum Schrank, holte den Brief heraus, guckte ihn an und versuchte, mir vorzustellen, von wem er war und was drin steckte.
Von einem Verwandten konnte er nicht sein, ich hatte nämlich keine. Mama und ich waren allein, seit mein Vater uns verlassen hatte, als ich zwei war. Ich hatte keine Geschwister, keine Tanten oder Onkel und keine Großeltern, und weder Simon noch Lars waren lange genug geblieben, um sich verwandt anzufühlen. Rainer wohnte erst seit einem Jahr bei uns und kam schon mal gar nicht in Frage. Mama hatte eine Freundin, die ich Tante Sandra nannte, aber ich konnte mir absolut nicht vorstellen, warum sie mir einen Brief zum dreizehnten Geburtstag schreiben sollte. Und schon gar nicht Jahre vorher. Außerdem hatte ich das gesehen, was man mit viel Fantasie ihre Handschrift nennen konnte, und es ähnelte in nichts der sauberen Zeile auf meinem Umschlag.
Eigentlich konnte er nur von meinem Vater sein. Über den ich nur eins wusste, nämlich dass er uns verlassen hatte. Eines Tages war er einfach weg gewesen. Und Mama weigerte sich, über ihn zu reden; sie verriet mir nicht einmal seinen Namen. Ich fand nicht, dass die Handschrift irgendwie besonders männlich aussah, aber je öfter ich den Umschlag herausholte und anstarrte, desto sicherer war ich. Mein Vater hatte mir einen Brief geschrieben, bevor er verschwunden war. Einen Brief, in dem er alles erklärte: Wer er war, warum er uns verlassen hatte, und dass ich immer seine geliebte Tochter sein würde, egal wie weit wir voneinander entfernt waren. Und eines Tages würden wir uns wiedersehen. Ich verbrachte so viele Nächte vor dem Einschlafen damit, über jeden Satz nachzudenken, den er geschrieben hatte, dass ich sicher war, an meinem dreizehnten Geburtstag jedes einzelne Wort zu kennen.
Und dann, drei Tage vor meinem Geburtstag, guckte ich - nur zur Sicherheit - in die Schachtel im Kleiderschrank, und der Brief war weg.

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