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Grill / Re: Wederland
« Letzter Beitrag von Uli am 05 December 2021, 20:36:33 »
in Erinnerung an alte Zeiten, da ˋModkeule schwingen ´ noch alltäglich war, krame ich mal eine Modkeulenschwing-Begründung aus der Mottenkiste:
Für spätere Generationen von Neuteufeln wäre es sicher ein Beitrag zur Übersichtlichkeit, die neue Version in ein neues Thema zu packen - sonst findet jemand einen Text, und röstet den, ohne zu wissen dass weiter unten eine neue Version lauert …

unschuldig flöt …

Sonst:
Du gibst hier viel weniger von der Prota und dem Drumherum preis, als in der vorherigen Version - immerhin aber noch genug, um ein wenig Charakterzeichnung abzuleiten. Und zart anzudeuten, dass die Mutter nicht so ganz die gewöhnlichen Vorstellungen davon hat, was für Kinder auf ihrem Lebensweg wichtig sein könnte. Einer Zwölfjährigen Reitunterricht aufdrängen zu müssen ist zudem … selten, sagen wir mal. Sehr selten.
Ok.
Und dann ist da der erste Satz, in dem für den 13. Geburtstag ein Brief angekündigt wird, und eben der ist, drei Tage zuvor, verschwunden. Nachdem er vier Jahre lang sehnsüchtig erwartet worden war. Hmm.
Einerseits gehe ich natürlich davon aus, dass dieser Brief in … nur noch 72 Stunden … doch noch zugestellt wird, und seine derzeitige Abwesenheit nicht dadurch begründet wird, dass er bei einem Briefrestaurator war, um die Lagerspuren auszubessern. Außerdem erwarte ich in diesen drei Tagen Stress, mindestens mit der Mutter.

Der ˋRechtschreibfehler´ deutet zudem an, dass der Absender des Schreibens schon vor recht langer Zeit schreiben gelernt hat - was zumindest infrage stellt, dass es wirklich von ihrem Vater stammt. Oder zumindest, dass der Gute schon sehr reich an Jahren ist und sich geweigert hat, auf die in den 60gern eingeführte Ausgangsschrift umzulernen.

Weiterlesen? Ja klar - obwohl das Interesse hauptsächlich auf dem Umstand beruht, warum dieser Brief drei Tage Urlaub hat. Die Eigenheiten in Mamas Ausbildungsprogramm kommen da nicht so arg durch (obwohl ich ja eine deutliche Ahnung habe, warum das so ist - nur, rein aus diesem Text kann ich damit noch nicht viel ableiten)

😊
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Grill / Wederland
« Letzter Beitrag von FF am 05 December 2021, 15:55:14 »
So, ich hab der Geschichte mittlerweile den vierten neuen Anfang verpasst. Außerdem heißt sie nicht mehr "Das zwölfte Geheimnis", sondern "Wederland", und auch thematisch hat sich einiges verändert.

Die ursprüngliche Version gibt's hier: https://www.federfeuer-forum.de/forum/index.php?topic=18531.0

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Am Morgen meines dreizehnten Geburtstags bekam ich einen Brief.
Ja, ich weiß, das klingt im ersten Moment nicht besonders aufregend. Die meisten Leute bekommen irgendwann in ihrem Leben Briefe. Aber für mich war es ein Ereignis, auf das ich seit vier Jahren sehnsüchtig wartete. Genauer gesagt, seit dem Tag, an dem ich den zugeklebten Briefumschlag mit der Aufschrift „Für Usu zum 13. Geburtstag” in einer Schuhschachtel in Mamas Kleiderschrank entdeckt hatte. Da ich in diesem Kleiderschrank absolut nichts zu suchen hatte, konnte ich ihr leider nicht sagen, dass ich den Umschlag gefunden und bitte sofort haben wollte, weil ich die Handschrift nicht kannte und nicht wusste, von wem er war. Die Schachtel half mir nicht weiter, sie enthielt nur ein paar Fotos von Häusern und Leuten, die ich noch nie gesehen hatte. Also hatte ich sie wieder in den Schrank gestellt und mir den Umschlag genau angesehen. Er roch  nach altem Papier und ganz schwach nach Pfefferminz oder etwas Ähnlichem. Und er war, soweit ich es erkennen konnte, selbstgemacht, sehr gerade ausgeschnitten und mit einer dreieckigen Lasche zusammengeklebt. Auf der Rückseite stand kein Absender. Die Schrift auf der Vorderseite sah ebenfalls alt aus. So schön und gleichmäßig schrieb doch heutzutage niemand mehr, und vor alle - was war das für eine komische Schrift? Es dauerte ewig, bis ich die Worte entzifferte, und dann entdeckte ich auch noch einen Schreibfehler. Geburtftag? Wie konnte man denn so einen dämlichen Fehler machen?
Ich hielt den Umschlag gegen das Licht, konnte aber keine Umrisse sehen. Das Papier war dick und fest und undurchsichtig. Ich fühlte an den Kanten herum und bildete mir ein, dass er einen Brief und eine Postkarte oder so etwas enthielt, sicher war ich aber nicht.
Jedenfalls konnte ich den Umschlag nicht einfach mitnehmen und heimlich über Wasserdampf öffnen. Das heißt, ich konnte schon, aber vielleicht machte der Dampf den Inhalt kaputt, oder ich konnte die Lasche nicht wieder richtig zukleben, und außerdem bin ich eine schlechte Lügnerin und würde es nie schaffen, an meinem Geburtstag Überraschung zu heucheln. Auf jeden Fall würde Mama herausfinden, was ich verbrochen hatte. Sie findet immer heraus, was ich verbrochen habe.
Also musste ich warten.
Zum Glück waren die drei folgenden Jahre zwar lang, aber ereignisreich genug, dass ich den Brief monatelang vergaß. Mama verliebte sich erst in Simon, dann in Lars und dann in Rainer, wir fuhren in den Sommerferien an die Ostsee, ich machte durch meine eigene Blödheit meine Schulfreundschaft mit Lena kaputt, ging schwimmen, wurde in der Schule von Lena und ihrem Gefolge gemobbt, prügelte mich mit Marie und flog dafür beinahe von der Schule. Außerdem las ich eine Menge Bücher und lernte - nicht ganz freiwillig - Reiten, weil Mama findet, dass man reiten können sollte. Sie findet auch, dass man in der Wildnis überleben können sollte, und deshalb verbrachten wir viele, viele Wochenenden in einem triefendnassen Zelt im Wald, und ich lernte, wie man ein Feuer anzündet, Spuren liest und essbare Pilze sammelt. Das machte mir mehr Spaß als das Reiten.
Wo war ich? Ach ja, der Brief. An jedem Geburtstag dachte ich an ihn und hoffte, dass Mama ihn vielleicht doch ein, zwei oder drei Jahre früher aus der Schachtel holen würde, aber das tat sie nicht. Wenn sie nicht da war, schlich ich manchmal zum Schrank, holte den Brief heraus, guckte ihn an und versuchte, mir vorzustellen, von wem er war und was drin steckte.
Von einem Verwandten konnte er nicht sein, ich hatte nämlich keine. Mama und ich waren allein, seit mein Vater uns verlassen hatte, als ich zwei war. Ich hatte keine Geschwister, keine Tanten oder Onkel und keine Großeltern, und weder Simon noch Lars waren lange genug geblieben, um sich verwandt anzufühlen. Rainer wohnte erst seit einem Jahr bei uns und kam schon mal gar nicht in Frage. Mama hatte eine Freundin, die ich Tante Sandra nannte, aber ich konnte mir absolut nicht vorstellen, warum sie mir einen Brief zum dreizehnten Geburtstag schreiben sollte. Und schon gar nicht Jahre vorher. Außerdem hatte ich das gesehen, was man mit viel Fantasie ihre Handschrift nennen konnte, und es ähnelte in nichts der sauberen Zeile auf meinem Umschlag.
Eigentlich konnte er nur von meinem Vater sein. Über den ich nur eins wusste, nämlich dass er uns verlassen hatte. Eines Tages war er einfach weg gewesen. Und Mama weigerte sich, über ihn zu reden; sie verriet mir nicht einmal seinen Namen. Ich fand nicht, dass die Handschrift irgendwie besonders männlich aussah, aber je öfter ich den Umschlag herausholte und anstarrte, desto sicherer war ich. Mein Vater hatte mir einen Brief geschrieben, bevor er verschwunden war. Einen Brief, in dem er alles erklärte: Wer er war, warum er uns verlassen hatte, und dass ich immer seine geliebte Tochter sein würde, egal wie weit wir voneinander entfernt waren. Und eines Tages würden wir uns wiedersehen. Ich verbrachte so viele Nächte vor dem Einschlafen damit, über jeden Satz nachzudenken, den er geschrieben hatte, dass ich sicher war, an meinem dreizehnten Geburtstag jedes einzelne Wort zu kennen.
Und dann, drei Tage vor meinem Geburtstag, guckte ich - nur zur Sicherheit - in die Schachtel im Kleiderschrank, und der Brief war weg.

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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 30 November 2021, 14:11:51 »
Du bist sooooo gut!!
Äh, ich meinte: perfekt höllisch böse :umarm:
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Quisille am 29 November 2021, 13:38:52 »
Im Moment versuche ich erst mal ein wenig Theorie zu pauken, damit ich Quisilles Röstung besser verstehe

Da ich den Quatsch mit der Dramaturgie immer wieder erzähle, aber immer unvollständig, niemals systematisch, oder auch nur in einem verständlichen Gesamtkontext, hab ich das hier mal zusammengefasst. Als Rechercherstarter. ;)
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 28 November 2021, 19:43:32 »
Dein Vertrauen in Ehren, Uli.
Ohje, ohje  :traurig:

das mit dem Aufbauschen kenne ich ja schon von meiner "Feengeschichte" - die war ursprünglich auch nur eine Schreibübung und drei Seiten lang und ist dann immerhin "nur" etwa 150 Seiten lang geworden.
Natürlich kein Vergleich mit Duellen und lieben schwarzen Vöglein ... :wichtel:

Im Moment versuche ich erst mal ein wenig Theorie zu pauken, damit ich Quisilles Röstung besser verstehe  :lesles:

:lava:
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Uli am 23 November 2021, 01:13:02 »
 :cheese:

ay Aye

Frag mal eine uns bekannte CheFFin nach der ersten Version eines bekannten, umfangreichen Werkes namens (irgendwas mit Vögeln ... die Kg hatte den Titel ´die Looser ´) - oder Ril nach der ersten Version von Duell.
Der Witz bei Kurzgeschichten ist genau der: Man kann das in ein paarhundert Zeilen abhandeln. Oder in ein paartausend Seiten.
(Frederick Pool hat aus einer KG eine Trilogie machen müssen, und Goethe schrieb mal ˋentschuldigen Sie die Länge dieses Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen ´

Und da ist der Punkt: Nur, wenn man den Roman ˋhat´, kann man eine KG schreiben - sonst ist sie unvollständig. Und danach … sollte man leiden, weil so vieles unerzählt bleibt.
Denke den Roman, und schreibe die KG. Das geht, und du kannst das.

Ich denke, deine Romane werden besser, wenn du mit der reduzierten Form anfängst (so wie Rabenzeit, beispielsweise) und dann ˋauserzählst ´. Struktur kannst du da reinbringen, wenn die Story das hergibt. Irgendwann, wenn es nötig wird.
du bist ja noch jung …

(oh, Mann! so viele provokante Äußerungen in so wenigen Zeilen - das ist ja die Hölle!)

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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 22 November 2021, 19:35:34 »
Tee geht immer - und grün wie die Hoffnung sowieso :lava:

so wie ich mich kenne, würde ich aus deiner Idee einen 300seitigen Roman machen :devhmm:
aber hej - nehme ich als Herausforderung an und probiere ich mal aus. Danke dir :blume:

Das muss ich dann ja noch theoretisch (und praktisch) mit der Theorie des Struktur-Hammers verbinden, weil Struktur in einer KG ja zwingend ebenfalls erforderlich ist und ISSO. Äh.
Öhm.
Ich hirne noch weiter herum ...
 :lesles:
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Uli am 22 November 2021, 18:30:58 »
aye Aye!

nachdem ich die Diskussion hier verfolgt habe und dabei feststellen musste, dass mir das zu komplex ist … reines Bauchgefühlgrillen von mir (und ein Tee dazu  :kaffee2:)

Letztlich beschränkt sich meine Kritik auf einen einzigen Punkt:
Ich erwarte aufgrund des Umfangs und der Aufgabenstellung eine Kurzgeschichte - und finde eher einen Roman-Auszug (oder sowas).
Jedenfalls etwas, was ich nicht für eine KG halte - und ich denke, dass ist etwas grundlegendes, was mit Feinröstung nicht zu bearbeiten ist.
(Analyse hattest du auch schon genug, und das meiste davon könnte ich wiederholen. Oder halt nicht)

vielleicht hilft es dir, wenn ich eine Idee zur Umsetzung als KG liefere?
(wenn nicht, ignoriere den Restpost …)

Wie wäre es, wenn der Prota mehrmals hintereinander in Situationen kommt, in denen sein Name angezweifelt wird - und a) ihm jedesmal zur Änderung desselben geraten wird, worauf er b) jedesmal heftiger reagiert, von genervt bos aggressiv - und bei der letzten Gelegenheit in Tränen ausbricht, wg ˋdas ist doch alles, was ich noch von ihr habe ´.
Wobei diese letzte Gelegenheit vielleicht die vom vorletzten Gegenüber wg Agression herbeigerufene Security / Polizei sein könnte.
Ein wenig verfeinert noch: Erste Situation eher belanglos, das Gegenüber ist beinahe gleichgültig ob des Namens, erwähnt aber beiläufig ˋalso, ich würde den ändern lassen ´ - vielleicht ein Fahrscheinkontrolleur, dem die Identität egal ist, solange das Ticket echt ist oder sowas. Jedenfalls auch eine Steigerung der Intensität von Seiten des Gegenübers.
Mit zunehmend heftiger Teaktion des Protas könnte er zunehmend seiner Mutter fluchen ob dieser Namensgebung (und anderer Dinge, vielleicht: Worunter Kinder halt so leiden können.)

Dann hättest du eine Eskalationsspirale, in der die Frage nach der Namensänderung (bzw deren Verweigerung] langsam aufgebaut würde - und damit ein ˋAuflösung ´ in der Pointe.
Da würde dann die Agression nach außen ebenso zusammenbrechen wie die Wut auf die Mutter - und das wiederum wäre eine KG.

Noch ein Tee?
(Grüner Assam tgfop, nix besonderes …)
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Ayeelah am 22 November 2021, 17:53:28 »
Aber im Ernst:
bei euch beiden hab ich grad das Gefühl, ich bin wieder ein kleines Kind, das den Teddybären fest an sich drückt und mit großen Augen einem Gespräch der Erwachsenen lauscht, dass es so richtig echte Bären dort draußen in der großen weiten Welt gibt.
:heiliger:

Ich lass das mal sacken, dann kann ich mein Bauchgefühl zum Ende noch etwas gründlicher durchdenken.
ich bin grad sehr erleichtert, dass neben Struktur und Theorie auch das Bauchgefühl noch einen Platz hat (Bauch tätschelt)
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Grill / Re: (KG) Alles, was mir blieb
« Letzter Beitrag von Quisille am 22 November 2021, 17:36:03 »
Tatsächlich gibt es kein weiteres Thema, ich fand die Themenvorgabe an sich (eigentlich) interessant genug, hatte es als Sprungbrett zum Schreib-Wiedereinstieg genutzt und dann über das Forum hinaus versucht, aus der Fingerübung eine funktionierende Geschichte zu machen - bin aber beim Ursprungs-Thema geblieben.

Ah, verstehe. :lichtaufgeh: Dann suche ich nicht weiter danach, vielleicht bin ich hier auf Abwegen. Ich lass das mal sacken, dann kann ich mein Bauchgefühl zum Ende noch etwas gründlicher durchdenken.

Grüße
Q.
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