Autor Thema: Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)  (Gelesen 20507 mal)

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bourani

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #20 am: 21 April 2011, 21:44:21 »
Der analytische Blick ist bei mir mal mehr, mal weniger präsent.
Zu Kvothes sexuellen Erfahrungen (ich glaube, das ist mit der am meisten geäußerte Kritikpunkt):
Nachdem ich ein paar Reviews gelesen habe, habe ich ziemlich Schlimmes erwartet. Vielleicht haben Amerikaner da einen anderen Blick drauf. Ich fand die Passagen eher langatmig. Auch die romantischen Aspekte fand ich nicht sonderlich interessant.
Es ist erstaunlich, wie viel mich beim Lesen eigentlich genervt hat und dennoch habe ich den Rest des Buches in zwölf oder mehr Stunden am Stück gelesen.
Am Ende erzeugt Rothfuss mit "Wise Man's Fear" (nicht aber mit "Name of the Wind") bei mir dieses erdrückende Gefühl, wie wenn ich eine gute Biographie gelesen habe. Es waren viele Details, viele Kleinigkeiten, viele eher leise Töne, aber vielleicht braucht es derer, um am Ende ein solches Gefühl zu erzeugen.
Die eher tiefe Note am Ende erinnert mich an Biographien, die ich gelesen habe: über Personen, die ein aussergewöhnliches Leben geführt haben und doch gewöhnlich enden. Es ist ein interessantes Instrument, mit den Erwartungen und Wünschen des Lesers zu spielen. Der Leser wünscht sich, alles möge gut für den Protagonisten ausgehen, aber es wird angedeutet, dass dem nicht so sein wird.

Ich fand "Wise Man's Fear" weniger spannend, doch irgendwie nuancierter, voller; Kvothe überwindet nicht mehr alles. Werde demnächst "Name of the Wind" erneut lesen (ist schon einige Jahre her), vielleicht gewinne ich einen neuen Blick auf die Serie. Mir ist auch aufgefallen, dass man viele Details und Hinweise in "Wise Man's Fear", die sich mit den Rätseln beschäftigen, nicht erkennen kann, wenn man "Name of the Wind" nicht mehr im Hinterkopf hat.

Hiding Fox

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #21 am: 02 Juli 2011, 00:09:37 »
Oh, wie hübsch. Der Name des Windes.

Mich überrascht ehrlich gesagt, dass ich beim Überfleuchen des Threads nicht einen der Hauptkritikpunkte gelesen habe; Kvothe ist Gary Stu, das perfekte Alter Ego des Autors, der sich in seinen Geschichten zum Helden heraufstilisiert, der von allen begehrt, unheimlich klug und schön und wahnsinnig talentiert ist. Und dem natürlich alles gelingt. Kvothe hat keinerlei Schwächen bis auf seinen Geldmangel und seine Arroganz. Ich meine, sicher, er ist der Held der Geschichte, er ist absolut legendär und am Ende ein 'gebrochener Mann', der bereit ist zu sterben, aber letztlich ist er noch immer ein eitler Pfau, ein Kotzbrocken ersten Grades, der seine Genialität feiert und leider auch noch in der gesamten Welt damit durchkommt. Es gibt so unheimlich viele Szenen im Buch, mal abgesehen von seinem kurzen Leben als Straßenkind, in denen das zum Ausdruck kommt. Ich finde diesen Aspekt nicht mehr schön.
Dass der Plot eher eine episodenhafte Aneinanderreihung von Geschehnissen, verknüpft durch den Protagonisten ist, wurde ja schon festgestellt. Es gibt selten wirkliche Verknüpfungselemente, und sei es der Name des Windes am Schluss des Buches, oder ab und an mal Denna, die durchs Bild fleucht, schmachtet und angeschmachtet wird und sich wieder davon macht. - Dass die Sprache so sehr gemocht wird, verstehe ich persönlich nicht wirklich, aber ich bin kein großer Poet und kein Freund großer Worte, daher ist der Aspekt wohl einfach an mir verloren gegangen. Besonders den Prolog mit der dreilagigen Stille empfand ich als überladen und unglaublich gekünstelt, weniger als schön und poetisch.
Letztlich hat das Buch jedoch auch seine guten Seiten. Ich mag die Erzählperspektive, dieses Geschichte in der Geschichte-Flair. Und ich mag Bast. Er ist für mich einer der wenigen liebenswürdigen Charaktere in dem Buch, einfach weil er aufopferungs- und humorvoll ist. Was ihn meiner Meinung nach herunterzieht ist das große Theater um Kvothe. Aber ... das liegt wahrscheinlich einfach an dem Rotschopf selbst. Einige der Dialoge sind wirklich gelungen, wenige der Charaktere, am allerwenigsten eben der Hauptcharakter, aber darüber habe ich mich ja schon ausgelassen. Die Welt ist interessant gestaltet, nichts Weltbewegendes, nichts sonderlich Neues, aber interessant und solide.
Ich weiß nicht, wie es im zweiten Teil mit Kvothe aussieht, denn trotz des hübschen Hardcovers der Hobbitpresse habe ich nicht vor, ihn mir zuzulegen. Was ich bisher dazu las, ermutigte mich auch nicht sonderlich. Ich bleibe lieber bei den Gentlemanbastards und SoIaF. Aber jeder hat so seine Lieblingsbücher, ist ja bekanntlich Geschmackssache. *lächelt schief*

Lieben Gruß,
Hiding Fox
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 00:10:00 von Hiding Fox »

Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #22 am: 02 Juli 2011, 00:13:58 »
Hoi Fox,
genau diesen Eindruck hatte ich beim Prolog auch. Hab ihn erst in der Leseprobe online (Deutsch) und dann in einem geliegenen Buch (Englisch) gelesen. Letzteres war deutlich besser, aber trotzdem ... Blah. Im Buchladen hätte ich nicht mal umgeblättert.

Ganz gelesen habe ich das Buch noch nicht (weil ich nach allen bisherigen Rezensionen kein Geld dafür ausgeben werde), finde den Stil bisher okay und habe von Kvothe keine Ahnung, da er sehr ausdauernd über Stille labert, die deshalb dreifach abwesend ist. :grinwech:
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 00:14:19 von Rilyn »

Neyasha

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #23 am: 02 Juli 2011, 00:41:16 »
Interessanterweise ist es gerade die Arroganz, weshalb ich Kvothe als Figur doch interessant fand und was ihn aus meiner Sicht auch nicht zu einem Gary Stu macht - dann müsste er nämlich eigentlich wahnsinnig bescheiden und ganz und gar selbstlos und freundlich sein.  ;D

Ansonsten war der Name des Windes einer der Romane, den ich anfangs eigentlich nur des Schreibstil wegens gelesen habe. Leider kam dann bald die Erzählung in der Erzählung und dieser herrliche, altmodische auktoriale Erzähler machte der Ich-Perspektive Platz.  :heul: Da hab ich dann erstmal eine ganze Weile gebraucht, um den Schock zu verdauen und mich annähernd mit diesem Bruch anzufreunden.  ::)

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #24 am: 02 Juli 2011, 10:53:37 »
Den zweiten Band hätte ich an zwei Stellen beinahe zugeklappt. Zum Weiterlesen musste ich mich zwingen. Aber dann nahm die Handlubng wieder Fahrt auf und ich froh, dass ich das Buch nicht auf Halde gelegt habe.

Mein Gesamturteil bleibt unverändert.
Traumhafte Sequenzen, überraschende Twists, Ideen türmen sich auf ideen. Im Großen wie im Kleinen. Für mich ist Rothfuß ein Naturtalent und höchstwahrscheinlich ein Bauchschreiber, der socu von einer Idee zur nächsten treiben lässt. Dass dann am Ende nicht mehr alles zusammenpasst, bleibt da nicht aus.

Wie hat eine kluge Frau einmal gesagt?
Ich liebe meinen Mann wegen seiner Stärken und Vorzüge. Seine Schwächen stören mich nicht. Dass sie andere Frauen stören mögen ist mir ganz Recht.

Bei Rothfuss kann man alles lernen. wie man es machen sollte und wie man es nicht machen sollte.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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bourani

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #25 am: 02 Juli 2011, 14:08:25 »
Ich habe Wise Man's Fear nach der langen Wartezeit auf den Roman anfangs etwas desinteressiert gelesen, dann hat es mich aber ziemlich reingezogen.

Mit dem aussergewöhnlichen Protagonisten habe ich weniger Probleme. Für mich müssen die Hauptpersonen eines Romans besonders sein, sonst muss ich kein Buch aufschlagen. Sie müssen ähnlich aussergewöhnlich (verdichtet) sein wie die Geschichte eines Romans, die normalerweise nicht davon erzählt, wie jemand tagtäglich sein Butterbrot schmiert, von 9 to 5 arbeitet und abends das Dinner zubereitet. ;)

Kvothe ist noch in einem akzeptablen Rahmen besonders und befähigt, meiner Meinung nach - es passt vor allem in die Geschichte, die erzählt wird. Vermute, ein guter Teil ist auch dem Genre geschuldet, dass Kvothe nicht irgendwer sein kann, vielleicht Bäckers Sohn, der gute Brötchen backt und dessen großer Traum im Leben ist, den Hochzeitskuchen für den Dorfvorsteher zu backen. Wenn ich an andere Romane der heroischen oder epischen Fantasy denke, dann ist (nicht allein) Kvothe um einiges realistischer aufgebaut.

Hiding Fox

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #26 am: 02 Juli 2011, 14:54:30 »
Ich habe nicht behauptet, dass Kvothe ein Bäckerslehrling sein soll, der von seiner unglaublich harten Zeit in der Backstube erzählt. Das wäre ein vollkommen falscher Rückschluss, denn es wäre ein Fall ins andere Extremum. Es gibt mehr als zwei Wege einen Charakter zu gestalten. Fitz der Weitseher aus den Weitsehergeschichten zum Beispiel ist ein Protagonist dessen, was man wohl getrost als heroische und epische Fantasy bezeichnen kann, aber ihn kann ich mir als lebende Person vorstellen, mit allen Stärken und Schwächen, und nicht nur als plakatives Abbild eines Helden. Natürlich kann man mit dem Sagen & Legendenaspekt argumentieren, aber so ist das Buch nicht geschrieben, das würde bei z.B. Herr der Ringe durchaus zutreffen. Auch könnte Kvothe flunkern, aber, hell, das macht die Geschichte, die ich lese, dennoch für mich nicht besser.

Aber ich mag nun nicht dauernd über den Namen des Windes herziehen, vor allem weil es ja noch immer Geschmackssache bleibt. Das Buch ist meiner Meinung nach zwar alles andere als originell und überragend, aber es gibt durchaus Schlimmeres.

Lieben Gruß,
Hiding Fox
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 15:32:38 von Hiding Fox »

anaconda

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #27 am: 02 Juli 2011, 17:25:03 »
Zitat
Aber ich mag nun nicht dauernd über den Namen des Windes herziehen, vor allem weil es ja noch immer Geschmackssache bleibt. Das Buch ist meiner Meinung nach zwar alles andere als originell und überragend, aber es gibt durchaus Schlimmeres.

Harry Potter zum Beispiel ...  :schwitz:  :cheese:
« Letzte Änderung: 02 Juli 2011, 17:25:33 von Anaconda »

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #28 am: 03 Juli 2011, 14:03:32 »
und nicht nur als plakatives Abbild eines Helden.
Lieben Gruß,
Hiding Fox

Ich bin zwar auch nicht mit allen Facetten dieses Charakters einverstanden, aber plakativ ist er durchaus nicht. Er ist für mich ganz im Gegenteil als Beispiel eines sich selbst überschätzenden jungen Mannes gut getroffen, inklusive der ganzen selbstverschuldeten Rückschläge, die ihn erwischen.
Vielleicht liegt die Kritik daran, dass er einige Male einfach zu erwachsen wirkt. Aber das sind genau die Stellen, an denen er nicht als Superheld daherkommt, sondern bedächtig und überlegend. Und das beißt sich mit seinen zum Teil impulsivem Verhalten.
Versteht mich recht, es gibt wahrlich bessere Charakterzeichnungen und -entwicklungen - die Stärken des Buches sind andere - aber plakativ ist für mich etwas anderes. Kvothe ist durchaus facettenreich.

Trippleschritt
(der im Übrigen den Punkt "Geschmacksache" unterstützt)
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Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #29 am: 21 Mai 2012, 10:26:50 »
So. Jetzt hab ich's mir doch ausgeliehen. :leseteufel:

Und bin, abgesehen von der netten Überfallszene in Kapitel 2, eher enttäuscht. Immersion kommt für mich gar nicht auf, Spannung kaum, Atmosphäre schon, aber absolut nichts außergewöhnliches. Im Buchladen wäre ich nicht mal bis Kapitel 2 gekommen.

Kvothe ist ein schlecht getarnter Besserwisser, der mir bisher wie ein hübsch verpackter statt ganz offensichtlicher Überdrüberheld vorkommt. Er und sogar sein Helferlein wissen ständig mehr als ich als Leser, statt mich irgendetwas miterleben zu lassen. Sie tun und wissen Dinge, aber allzu oft ohne einen für mich nachvollziehbaren Grund. Ich hoffe mal, sie kommen endlich in die Gänge, statt sich noch weiter in Andeutungen zu ergehen; denn momentan - Anfang Kapitel 4 - interessiert es mich überhaupt nicht mehr, was hinter dem schlecht getarnten Rotschopf steckt, ob er von Dämonenspinnen gefressen wird und was dem Chronicler auf seiner nächsten Etappe zustößt. Denn auch, wenn mir die Überfallszene gefiel, enthält sie so gut wie keinen Konflikt, der über diesen Überfall hinaus geht ... nur noch mehr Andeutungen. :watchout:

Plakativ finde ich Kvothe bisher nicht, was aber nur daran liegt, dass die Kaschierung des geheimnisvollen Helden nicht so stereotyp ist wie in den meisten Fantasyromanen über plakative Helden. Ob etwas dahinter steckt, ahne ich bisher nicht mal, denn er wird nur präsentiert. Soll ich ihn toll finden? Und geheimnisvollinteressantundsoweiter? Sorry, klappt nicht, denn mein Eindruck ist genau diese Aufforderung, ihn so zu finden, ohne, dass er haarklein so beschrieben wird. Ich habe nichts gegen geheimnisvolle Helden, wenn sie als Charaktere und nicht mit Wortgewandtheit kaschiertes Klischee daherkommen. Kvothe tut das bisher, der Chronicler nicht.

Das Dorf ist Hintergrund, die Dörfler ein bisschen dusselig ... zumindest kommt es mir so vor, denn der Priester und der Typ, dessen Pferd gekillt wurde, sollten eine gewisse Glaubhaftigkeit mitbringen. Piepegal, ob es ein Dämon war, das Pferd ist tot und der Typ verletzt, es kommen kaum Händler, Steuern werden erhoben ... und die Dorfbewohner tun Dorfbewohnerdinge. Atmosphäre? Welt? Wenig, und kein bleibender Eindruck. Ich weiß nicht einmal, ob das Dorf zehn Hütten oder zwei Dutzend Höfe umfasst; wobei mir die Fakten egal sind.

Die Sprache (Englisch) ist schön, aber nicht allzu flüssig zu lesen, mit einigen netten Wendungen. Für meinen Geschmack ist der Text aber überladen mit Halbweisheiten und Wendungen, die intelligent und durchdacht klingen (zum Teil tun sie es, zum größeren Teil sind es Platitüden) und dabei nichts zum Text beitragen, sondern ihn in ihrer Menge zu einer Ansammlung pseudophilosophischen Geschwurbels machen. Das ist für mich das größte Manko; ich will eine Geschichte lesen und nicht den Eindruck bekommen, der Autor wolle mir auch stilistisch nochmal aufdrücken, wie geheimnisvoll und weise der schelchtverkleidete Kneipier doch ist. :watchout:

Vielleicht bin ich zu sehr auf szenische Texte fixiert, um dieses Buch gut finden zu können. Andererseits mag ich auch die wenig szenischen Geschichten von LeGuin, die für mich obige Eindrücke nicht mitbringen, sondern Geschichten sind und es schaffen, Spannung aufzubauen. Was Immersion angeht, erwarte ich von keinem Autor, dass er an LeGuin herankommt (was nicht bedeutet, dass es nicht solche gibt, die es noch besser hinkriegen). Und nach dem Lesen von Robin Hobbs Die Schamanenbrücke habe ich scheints hohe Ansprüche an Immersion.
Aber ich bin ja auch erst im vierten Kapitel. :weissnicht:
« Letzte Änderung: 21 Mai 2012, 15:15:10 von Rilyn »

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #30 am: 21 Mai 2012, 11:17:45 »
Unbedingt weiterlesen, obwohl ...

Rothfuss ist kein Romancier. Er beherrscht noch nicht einmal die handwerklichen Einfachstdinge eines Romans. Er stellt Bausteine zusammen, die noch nicht einmal zusammen passen.
Aber
Als das Buch auf den Markt kam, konnten sich selbst anspruchsvolle Fantasyleser nicht davon losreißen und lasen das Buch in einem Zug. Auch wenn der Anfang holprig ist.
Es gibt traumhafte Passagen und hat mich immer wieder in seinen Bann gezogen - und dann beim nächsten Kapitalschnitzer wieder rausgeschmissen.

Ich habe es bstimmt fünfmal gelesen bis jetzt.

Trippelschritt
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Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #31 am: 21 Mai 2012, 13:33:16 »
Weiterlesen werde ich erstmal. Entweder, bis es zu schlimm wird, ich es durch habe, oder bis Nachschub in mein Regal flattert, der zuerst gelesen werden will. ;D

Ah, nach dem Lesen des Threads noch eines: die Dialoge fielen mir bisher nicht sonderlich auf, der untermalende Hintergrundkrams war eingängiger und besser als die wichtigen Teile; und die wiederum soffen zu oft in pseudophilosophischen Floskeln ab. Mehrfach lesen werde ich es schon deshalb definitiv nicht, denn das macht mich wahnsinnig. Philosophisches, egal ob tiefgründig oder oberflächlich, gehört zwischen die Zeilen, an wenige angemessene Stellen und in den Mund von Charakteren, die sich gerade dadurch abheben, aber nicht überall rein. Yikes.

Umh, bevor ich zu sehr meckere ... Kleinigkeiten wie den Tinker, der sein Zeug im Dorf anpreist, finde ich prima.
« Letzte Änderung: 21 Mai 2012, 15:15:28 von Rilyn »

Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #32 am: 30 Mai 2012, 13:11:56 »
So. Pause.
 :grump:
Nachdem zwischendrin, bei den Edema Ruh, mal eine ganz interessante Passage kam, geht es weiter wie gehabt, oder vielmehr nicht: Kvothe jammert mir sein Alltagsleben vor, in dem er, gemessen an seiner ach so überragenden Intelligenz und seiner sicherlich nicht von Naivität geprägten Herkunft, grenzenlos dämlich agiert. Laufend schenken ihm Leute Geld, Schuhe, Brot und sogar Schläge auf den Hinterkopf, aber offenbar bringt ihn alles erst dann weiter, wenn der Plot es erlaubt. Im einen Moment agiert er, als habe er die Bühne nie verlassen, im nächsten ist er unfähig, sich in seiner "neuen" alten Umgebung in sauberen Klamotten zu bewegen (was wieder glaubhaft, aber in Relation eine schwache Ausrede ist). Und er meint, mir erklären zu müssen, weshalb sein Auftritt als Adelssöhnchen so gut funktioniert. Spätestens in dieser Szene hat er's sich mit mir versaut: Klugscheißer in Hauptrollen, ja, gern. Klugscheißer, die mir als Leser meine Dummheit vor Augen halten müssen (und das an dieser Stelle nicht zum ersten Mal), können mir gestohlen bleiben.
Vielleicht lese ich irgendwann in der U-Bahn weiter und hoffe auf ein wenig Plot; denn der Schreibstil reißt das für mich auch nicht mehr raus.

Polarisiert das Buch? Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass es das tut, und bei mir auch mit einem teils guten, teils schlechten Eindruck gerechnet. :wiejetzt:
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 13:12:55 von Rilyn »

Offline FF

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #33 am: 30 Mai 2012, 14:51:13 »
Ehrlich gesagt, glaube ich mittlerweile, dass 80 % des guten Rufes dieses Buches von Cover und Titel herrühren.
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Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #34 am: 30 Mai 2012, 15:17:48 »
Dem kann ich mich anschließen.
Obwohl es nicht schlecht ist; ein schlechtes Buch hätte ich zweihundert Seiten früher weggelegt, und ich habe auch schon banalen Mist durchgelesen. Wäre es nur banaler Mist, würde es mich nicht so ärgern. :watchout:

[unqualifizierter Beitrag]
Ich mag die Papiertasche von der Hobbitpresse mit sehr stilvollem Plakatmotiv zu Wise Man's Fear.
[/unqualifizierter Beitrag]

 :cheese:

Neyasha

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #35 am: 30 Mai 2012, 15:41:30 »
Also ich kenne nur Leser, die es entweder toll oder furchtbar finden, insofern würde ich durchaus behaupten, dass es polarisiert.

Cover und Titel sind mir übrigens wurscht - mir hat der Roman einfach gefallen und das würde er auch, wenn er so ein scheußliches Cover hätte wie die alten "Lied von Eis und Feuer"-Ausgaben.  ;)

EDIT: Also jetzt mal nur auf den 1. Band bezogen - den 2. hab ich noch nicht gelesen.
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 15:41:56 von Neyasha »

Katja

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #36 am: 30 Mai 2012, 16:09:14 »
Wie ich irgendwo schon sagte: ich fand die Nebenfiguren gut. Aber es sind halt nur Nebenfiguren, deshalb war nach der "Botschaft" für mich nach ca. 70 Seiten schluss. Und ja, Cover und Titel haben mich damals sehr neugierig gemacht.

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #37 am: 30 Mai 2012, 20:42:19 »
Cover?
Dieser kaum erkennbare Kopf inmitten der kaum erkennbaren Blätter?
Eines der schlechtesten Cover, die ich kenne.
O.k. ist die englische Fassung, aber das war die, die den Sturm ausgelöst hat.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(under cover)
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 20:42:45 von Trippelschritt »
  • Ich schreibe gerade: Tamalone, hieß früher mal Ypsilone
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Rilyn

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #38 am: 30 Mai 2012, 23:16:32 »
Das Cover mit den Ranken find ich nett. Der Robentyp erinnert mich zwar zu sehr an die erste Trilogie von Trudy Canavan, deren Design immernoch jeder kopieren will, aber trotzdem. :)
Das Rankenzeugs und der Titel hätten mich durchaus dazu bringen können, es zu kaufen. Blöderweise setzt die Reminiszenz an den Name der Rose die Erwartungen noch höher an. Der Fantasyroman, der sich mit Umberto Eco messen kann, muss aber noch geschrieben werden.
« Letzte Änderung: 30 Mai 2012, 23:17:45 von Rilyn »

Offline Trippelschritt

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Re:Buchdiskussion: Der Name des Windes (Patrick Rothfuss)
« Antwort #39 am: 31 Mai 2012, 08:33:55 »
Uff, Name der Rose als Fantasyroman?
Darauf wäre ich nicht gekommen.

Ansonsten ...
Eco ist ein Schriftsteller und da auch noch ein richtig guter.
Rothfuss hat geniale Stärken, aber das Schreiben muss er noch lernen.

meint
Trippelschritt
(der bei deisem Vergleich an die Witze von dem Elefanten und der Maus denken muss.)
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