Das Purgatorium - die Hölle der Textkritik > Grill

Rosenliebe (Genre unklar ... sorry)

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Uli:
Jaja ... ich schon wieder ...

Aber die Hölle ist halt nicht zugefroren, die Grills stehen noch und irgendwo ... ja, hier ... ist noch etwas Glut. Und Lava  :lava: Also.

Ein (selbst für meine Verhältnisse) sehr kurzer Text, von dem ich nicht so recht weiß, in welche Schublade er gehört. Vielleicht ins Theater? Oder in eine neue Sammlung?
Anderthalb Minuten braucht es, um das Ding vorzulesen ... ein Häppchen auf dem Grill, kein Steak.
Viel Spass damit!

Rosenliebe

Leute, die Rosen lieben, sammeln diese.
Und wissen von jeder einzelnen, woher sie stammt, wer sie wann und wo gezüchtet hat, und all sowas.
Sorgfältig achten diese Leute darauf, dass ihre Rosen immer gut gedüngt sind, keinen Schädlingsbefall erleiden und die genau richtige Menge Wasser bekommen.
Der richtige Platz ist wichtig, damit kein Wind die Rose beeinträchtigt, und genügend, aber auch nicht zu viel Sonne sie erreicht. Und im Winter bekommen die Rosen einen Schutz, werden gehäufelt, eingepackt und so vor dem Frost geschützt.

Damit die Rosen reich blühen, denn eben dafür liebt man sie.

Jede einzelne wird fachgerecht beschnitten, mehrmals im Jahr, und die abgeblühten Teile werden entfernt - weil, nur dann treiben neue Blüten nach.

Natürlich wird vor jedem Schnitt die Schere geprüft, es dürfen keine Scharten in der Schneide sein, und die Schärfe muss stimmen, sonst leidet die Rose. Und blüht nicht. Also, nicht genug.

So hat man immer zu tun mit den geliebten Rosen, mit Wässern, Düngen und Schneiden und allem. Und dann, wenn die Blütenpracht ihren Höhepunkt erreicht, dann lehnt man sich zurück und liebt sie. Weil sie artig blüht. Da freut man sich.
Wie schön.

Eine Rose zu sein ist nicht einfach, ganz besonders, wenn man so geliebt wird.

eska:
Lieber Uli;

ja, ich schon wieder. :klugklo:

Am besten gefällt mir an deinem Text der letzte Satz. Alles andere vorher ist ein bisschen wie eine gärtnerische Anleitung zur Rosenpflege - so ausführlich brauche ich das hier nicht.
Meinem Empfinden nach könntest du das Häppchen sozusagen auf ein Sushi-Röllchen eindampfen: ein, zwei Sätze pointiert zu all dem, was Liebhaber mit und für (?) ihre Rosen veranstalten, dann die Quintessenz im Kontrast. Ein bisschen wie ein Aphorismus. Schau mal, ob die Idee dir zusagt. ;)

Gruß,

eska

Uli:

--- Zitat ---ja, ich schon wieder. :klugklo:
--- Ende Zitat ---

warum wundert mich das nicht?

ay Eska,
Danke dir!

Es macht mich ja fast ein bisschen stolz, mit 17 Sätzen und einer Minute Lesezeit noch immer Längen produzieren zu können ...  :cheese:

Aber Ernst beiseite: Stimmt vollkommen, der letzte Satz ist der, um den es geht.
Und eigentlich habe ich damit gerechnet, dass das Bedürfnis laut wird, den noch etwas auszuführen, mindestens damit, das ˋsein ´ kursiv zu setzen.
Stattdessen nun ... naja.

Grundsätzlich stimmt dein Eindruck, die ˋTipps zur Rosenpflege ´ stammen durchweg aus entsprechenden Anleitungen - und die sind allesamt falsch. Daher auch der ein wenig gelangweilte Grundton in diesem Teil, die mentale Distanzierung. Was vielleicht das Gefühl von Länge ausmacht, aber ... an sich soll es das auch.
Genaugenommen triffst du es exakt mit dem Satz ˋbrauche ich (hier) nicht ´.
Obwohl oder weil das jeder so sagt.
(Meine persönliche Anleitung zur Rosenpflege umfasst ziemlich genau einen Satz, der ohne Kommata auskommt - allerdings braucht es - unter Anleitung - zwei oder drei Jahre, den ganz zu verstehen ...)

Ich weiß nicht, ob der Effekt mit einem Dreizeiler so zustandekommt ... außer bei Leuten, die so genau hinschauen, dass man ihnen sowas auch nicht mehr sagen muss. Hmmm.
Aber ich setze auf alle Fälle einen Merker an den Text, für den Tag an dem ich mit Aphorismen anfange. (Meiner Schreibfaulheit käme das ja entgegen, immerhin)

 :danke2:

FF:
Hm. Ich kenne mich mit Rosen nicht aus. Heißt das, man muss sie gar nicht so beschneiden und betüddeln? Dann wird der Text zur Beschreibung einer Qualzüchtung. Arme Rose.

Inhaltlich bin ich also etwas ratlos. Formell ist es ok, nur ersetze doch bitte das schreckliche "weil, nur dann" durch "denn nur dann".

Uli:
dops!

ay CheFFin,

rein fachlich: Das ist die Andeutung von ˋQual-Pflege ´ - Qual- Züchtungen gibt es leider auch, und zwar massenhaft. Da könnte ich längere Zeit drüber referieren (und es gibt Punkte, die dabei recht ... nun, ambivalent sind, weil man entsprechend gezüchtete Rosen tatsächlich betüddeln muss), aber das lasse ich mal.
Außer, wenn jemand fragt.
(Was seit 30 Jahren niemand getan hat ...)

Das ˋweil ´ ... OK, das kann ich ersetzen. Ist eine echte Kniefiseligkeit: Gesprochen (mit einer winzigen Pause) ist der Effekt, dass hier eine unzureichende Begründung ˋnachgereicht ´ wird, während das ˋdenn ´ eine Kausalität andeutet. Naja.
Vielleicht zu sehr an Theater gedacht, und zu wenig an Text.

Es geht darum, dass diese ganze ˋErziehung ´ nur das Ziel hat, möglichst viele Blüten zu erzwingen - nicht darum, dass es dem Klienten gut geht. Und die Blüte wird so interpretiert, dass man alles zum Wohle der Klienten getan hat, obwohl damit nur das eigene Bedürfnis des Pflegenden befriedigt wird.
Die eigentliche Gemeinheit ist, dass man problemlos das Wort ˋRosen ´ durch ˋKinder ´ ersetzen kann.

Danke fürs Lesen und rösten!

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