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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von FF am 19 August 2020, 09:44:49 »
Aua. ;D

Ok, ich denke, ich sehe jetzt klarer. Ich werde die gesamte Familienproblematik ein bisschen abmildern. Das Thema des Buches ist nicht Traumabewältigung, und die Protagonistin soll nicht älter als 13 sein, eher etwas jünger. Misshandlung in der Familie ist ein zu ernstes Thema, dem ich mehr Platz widmen müsste, als ich es in dieser Geschichte will, da liegt der Schwerpunkt einfach woanders. Vielleicht nehme ich es später nochmal auf.

Zitat
Und noch eine klitzekleine Frage zum Schluss: War Lula schon mal am Meer? Wenn ja, könnten laute Geräusche nebenbei auch eine positive Konnotation haben, Wellen, starker Wind, Möwen, Juchzen... Oder ist es ein bisher unerreichtes Sehnsuchtsziel nach Erzählungen, Filmen o.ä.? Wenn ja, warum durfte/wollte sie nie mit zu solchen Kinderfreizeiten, die die Städte anbieten?
Da erinnerst du mich an was ... ich hab mir früher immer eingeredet, dass unsere Autobahn wie Meeresrauschen klang. Das hatte ich ganz vergessen. Danke! :)

Vielen Dank euch allen! Ich werd mal ein bisschen umschreiben, auch den Namen Sophioma werde ich wohl ändern.

:lava:
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Grill / Re: mit deinen Augen. Heldenreise (neu)
« Letzter Beitrag von eska am 18 August 2020, 22:10:23 »
Lieber Uli;

ich hab deine neue Version gestern abend gelesen und deine Verunsicherung nicht recht nachvollziehen können. Las sich flott, war näher an den beiden dran und ließ Kai deutlich sympathischer wirken als in der ersten Version, schon weil die Vermarktung erst zum Schluss kommt. Das hat sich heute vormittag auch nicht geändert. ;)

Befürchtungen in Richtung fsk musst du so nicht haben, auch nicht ins Bild umgesetzt, finde ich. Die Form der gezeigten Nähe hat m.E. wesentlich weniger mit Erotik und Erregung zu tun (obwohl das ebenso drinsteckt und du es durchaus stärker rauskommen lassen könntest, wenn gewünscht) als mit Vertrauen und Sichöffnen, im weitesten Sinne mit Hingabe. Jemanden davor schützen zu wollen wäre schade.
Dass man mit anderen Absichten aus deiner Szene auch etwas ganz anderes machen könnte beim Verfilmen, sehe ich auch, aber dafür lieferst du keine Steilvorlage.

Welche Grenze du sonst zu übertreten fürchtest, kann ich nicht ausmachen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Mir gefällt das Ergebnis auch. :cheerful:
Eine kleine Stelle ist mir zu übertrieben, die mit den Jahrhunderten. Dass ein Augenblick wie Stunden oder meinetwegen Jahre wirkt, ok, Jahrhunderte spannen die Zeitverlorenheit etwas weit, finde ich. Aber das ist auch nicht wichtig.


Zitat
erst musste ich El! erklären, was das für ein Ding war, in das wir einsteigen sollten, und was es mit diesem Hybridantrieb auf sich hatte und solche Sachen. Und mit Autobahnen.

Ist die Erklärung jetzt weggefallen oder schließt sie sich an?
Ich würde es bevorzugen, wenn sie noch käme.

Gruß,
eska












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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von eska am 17 August 2020, 12:09:36 »
Hach, wie schön! :dops:

Eine neue Geschichte!
Schon drei engagierte Röstungen!
Interessante Einblicke und Hinweise und losratternde Fragen in meinem Hirn!
 :jubel:

Liebe Astrid,
ich hab einfach gespannt gelesen, nach deinem Text die Röstis  :cheese:, und hatte zu ersterem spontan nur eines meckernd anzumerken:

Zitat
Da stimmte ich ihr zu, aber erstens war es jetzt vorbei, und zweitens hatte ich Eis und war großzügig gestimmt.

Hier stimmte der Ton für mein Empfinden gar nicht, vor allem das 'vorbei ist vorbei' passt nicht für die erste halbe Stunde nach einer völligen Umwälzung des Lebens. Fünf Jahre Zusammenleben, davon zeitweilig in Angst um die einzige verbleibende Bezugsperson, die also lebensnotwendig ist (kein Vater, keine Freundin, niemand vor Ort, dem sie nachtrauert, keine gute Beziehung zur Sophioma - die ich auch mit e und wahrscheinlich Bindestrich vorziehen würde), die kann man kaum so abstreifen, erst recht nicht mit gerade 13, da ist das ja ein Großteil des erinnerten Lebens. Und irgendeine Form von Kontakt zu Rainer, sei es auch nur die aufgezwungene gelegentliche Begegnung in der Wohnung, ein bewusstes Ausweichen oder die Rücksichten bei Essenswünschen, Fernsehprogramm oder so, hat es ja gegeben und Lula irgendwie mitgeprägt.

Auf Fantasy hätte ich auch geschlossen, nicht wegen der Einstiegslektüre (mangels Nachdenken), die ich aber vor allem nach Liliths erhellender Analyse eine geniale Idee finde, sondern wegen des Titels. Ich gebe aber erinnernd zu bedenken, dass der Jugendbuch-Klassiker von Tonke Dragt sehr ähnlich heißt: Das Geheimnis des zwölften Weges. Vielleicht ließen sich ja die Geheimnisse vermehren oder vermindern, um das zu umgehen?

Zum Zielpublikum wage ich kaum etwas zu sagen, könnte mir aber vorstellen, dass nach deinen Andeutungen die Lektüre für 11jährige (Faustregel: Leser zwei Jahre jünger als Protagonist) ziemlich heavy sein könnte. Falls das zutrifft, kannst du Lula etwas älter machen? Oder ihre vorgezogene emotionale Entwicklung ansprechen?

Und noch eine klitzekleine Frage zum Schluss: War Lula schon mal am Meer? Wenn ja, könnten laute Geräusche nebenbei auch eine positive Konnotation haben, Wellen, starker Wind, Möwen, Juchzen... Oder ist es ein bisher unerreichtes Sehnsuchtsziel nach Erzählungen, Filmen o.ä.? Wenn ja, warum durfte/wollte sie nie mit zu solchen Kinderfreizeiten, die die Städte anbieten?

Bin gespannt, wo Sophioma lebt... und wie es da weitergeht.   :leseteufel:
 :wink:
eska

Ach so, P.S.: Ich kann Rainer durchaus als bloßen Katalysator lesen, immerhin hat er sich eine Neue gesucht und deshalb glaubhaft nicht mehr unbedingt so großes Interesse an Lulas Mutter. Einer späteren Wiederauferstehung mit Gruselfaktor steht das m.E. nicht im Wege. Aber ich merke, eigentlich weiß ich noch zu wenig von ihr, von ihrer bisherigen Bereitschaft, seine Behandlung zu ertragen, oder auch ihrem Anteil daran (danke für den Hinweis, Windstoß!), um das Verhältnis einzuschätzen. Es geht hier jedenfalls alles sehr schnell.
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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von FF am 16 August 2020, 18:54:25 »
Hallo Windstoß,

vielen Dank fürs Rösten! Einerseits will ich dir natürlich sofort widersprechen, aber andererseits hast du auch recht.

Die (hier noch sehr gebremsten) Aussagen über Männergewalt, abwesende Väter und Mobbing in der Schule wirken zunächst mal deshalb so klischeehaft, weil das alles einfach so furchtbar häufig in der Realität vorkommt. Allerdings sind "Niemand mag mich" und "Der Mann ist an allem schuld" hochgradig subjektive Auffassungen, und ich finde es schade, dass du dem Buch, Ursula und ihrer Mutter keine Chance geben willst, ihr Leben differenzierter betrachten zu lernen. Es heißt nicht umsonst "Das zwölfte Geheimnis" - sie finden beide mehr über ihre Familie, die Männer und sich selbst heraus, als sie erwartet hatten. Die Fantasy ist nur der Bus, mit dem sie zum Ziel fahren, und der Ort heißt auch nicht ohne Grund Herzstein.

:)

Liebe Grüße zurück, und natürlich ist auch dein Blick hilfreich. :)
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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von Windstoß am 14 August 2020, 16:36:43 »
Hallo Federfeuer,

schön, mal wieder etwas von dir auf dem Grill zu finden.

Ich konnte es gut lesen, am Anfang dachte ich kurz, jetzt kommt eine ellenlange Beschreibung, wie und wo sie da wohnt oder, schlimmer noch, eine philosophische Abhandlung über die verschiedenen Arten von Lärm, aber dann kommt rasch genug die Wendung zur Art des Lärms und der Stille, um die es geht, und da wird es spannend.

Dann sind mir aber 3 Punkte aufgefallen, die mir gar nicht gefallen:

Muss (wieder mal) zu 100% der Mann Schuld sein? Dass die Mutter es gerade so sieht, nach langem Streit und eben erfolgter Trennung finde ich nachvollziehbar. Aber von der Tochter könnten durchaus auch kritische Bemerkungen zum Verhalten der Mutter kommen. Auch von einer 13-Jährigen. Kinder kennen die Schwächen und Fehler ihrer Eltern meistens sehr genau.

Zitat
... nicht den Abschied von der Schule (da mochte mich eh niemand)
Das ist mir auch zu stereotypisch. Da ich den gleichen Verdacht hege wie Uli, dass es Fantasy wird, ist es dadurch natürlich leichter, sie in eine völlig neue Welt – wie auch immer die aussieht – einzuführen. Aber wenn sie nicht mal 1 Freundin in der Schule hat, hätte ich gerne eine Erklärung dafür, wenigstens angedeutet. Kann ja möglicherweise mit ihrem zukünftigen Schicksal zu tun haben ...

Und dann kommt auch noch heraus, dass natürlich der Vater des Mädchens ohne ein Wort zu sagen weggegangen ist.

Hier im Federfeuer darf ich ja auch mal harte Kritik anbringen: An dieser Stelle würde ich das Buch zuklappen!
Es ist gut geschrieben, hätte ich von dir auch nicht anders erwartet, aber drei solcher Klischees, die ich schon hundert mal gelesen habe, gleich auf den ersten 1-2 Seiten geht für mich gar nicht.

Ich gehöre natürlich nicht zum Zielpublikum und kenne mich mit Jugendliteratur auch nicht so aus. Muss das da so überzeichnet schwarz-weiß sein?

Ich hoffe, dass auch mein anderer Blick auf die Geschichte ein wenig hilfreich ist und schicke dir natürlich trotzdem liebe Grüße
Windstoß
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Grill / mit deinen Augen. Heldenreise (neu)
« Letzter Beitrag von Uli am 14 August 2020, 00:18:48 »

Hallo, Hölle!
Also ... ich habe die Startrampe für die Heldenreise neu getextet, (auch) mit den Ideen aus den vorhergehenden Röstungen - und bin jetzt gänzlich verunsichert. Einerseits gefällt mir das Ergebnis, andererseits ist es ... ein wenig das, was ich so gar nicht mag.
Man könnte das recht gut kopfverfilmen, und es wäre dann deutlich fsk18, fürchte ich. Obwohl ich im Text ganz und gar nicht explizit werde (sonst wäre das ja auch nicht höllenkompatibel).

Der Erzählmodus ist offenbar ein ISSO, sorry - diese Szenen szenisch in Szene zu setzen geht gar nicht. Habe ich probiert, aber so schreibe ich nicht.

Überhaupt empfinde ich das Ganze als ein wenig grenznah - und weiß grad nicht, von welcher Seite aus gesehen. Naja.
Fröhliches Grillen jedenfalls ...


Heldenreise (neu)
Ich hätte ja ewig in der Wohnung bleiben und El! von der Welt erzählen können. Ihr Videos zeigen, Clips aus dem Netz und so, und darüber reden. Und sie fragen, wie Dinge in ihrer Welt funktionieren.
Vor allem das, da war ich echt neugierig, aber El! erzählte nicht gerne, sie frage lieber nach dieser, meiner Welt. Irgendwie verständlich, weil sie ja schließlich hier leben musste. Erstmal.

Weil, das hatte sie mir erklärt, sie in ihrer eigenen Welt eben tot war und deswegen nicht zurück konnte. Also ... sie sagte wörtlich ˋtot, für lange Zeit. Und solange gibt es keine Tür´. 
Ich verstand das nicht, aber sie schaute so traurig bei diesem Satz, dass ich auch nicht weiter nachfragte.

Jedenfalls wollte El! die Welt sehen, diese Welt, so richtig real live. Was eine der leichtesten Übungen ist, wenn man für die Agentur arbeitet: Wenn ich diese Sache als Recherche für eine neue Content-Serie verkaufen könnte, wäre es kein Problem, selbst eine Reise zum Mond zu finanzieren.
Also erklärte ich El! den Plan: Wir fahren los, ins Blaue, und ich schreibe auf, wie sie diese Welt so sieht - und dafür bekommen wir die Mittel, diese Reise zu finanzieren. Einfach.

Dachte ich.
El! hatte etwa eine Million Fragen dazu, und außerdem Bedenken. Zum Beispiel, dass sie gesehen oder gar fotografiert, als nicht-menschlich erkannt werden könnte - eine Sache, die nicht so ganz von der Hand zu weisen war.
Auf den ersten Blick sah sie durchaus menschlich aus, nicht nur humanoid, eher so, dass man vielleicht die Idee einer Asiatin haben könnte, die sich im Manga-Styl zurechtgemacht hat. So ungefähr.
Aber beim genaueren Hinsehen ... ihre Schneidezähne waren wie eine Säge, klein und spitz, offenbar dafür gemacht, heftig zuzubeißen. Bei einem Frühstück biss sie ohne sichtbare Anstrengung von einem Schinken ab. Von einem rohen, luftgetrockneten. Und ihre Fingernägel waren kräftig, gut dreimal so dick wie menschliche und hart genug, um Tetrapacks aufzukratzen. Oder Konservendosen. Und sie hatte auch die Kraft dazu.

So etwas ist gewöhnungsbedürftig. Wenn jemand deinen Hals streichelt, da, wo die Adern laufen, und dir bewusst wird ... es war nur ein Sekundenbruchteil, aber der war arg. Und ich schämte mich dafür.
El! lächelte und sagte ˋich lebe auch nur, weil du das wolltest ´, und das machte es ein wenig besser. Trotzdem ...
Trotzdem merkte ich, dass es eben nicht OK war.
El! vermied es, mich mit ihren Fingernägeln zu berühren, und das war ... nicht so wie vorher. Nicht so selbstverständlich. Als wäre da eine Grenze.
War sie beleidigt? Oder wollte sie keine Angst auslösen? Ich wusste nicht mal, wonach ich hätte fragen sollen ...

Schließlich fragte ich eben nicht.
Ich lag auf dem Bett, und sie saß neben mir, streichelte meine Brust - Haare an dieser Stelle fand sie faszinierend, so etwas gibt es bei Elfen nicht - und ich griff nach ihrer Hand, führte sie vorsichtig an meinen Hals und drückte ihre Finger sacht an die bewusste Stelle. Sie sah mich an, als sähe sie mich zum ersten Mal, ein oder zwei Jahrhunderte lang, krümmte den Mittelfinger und drückte sanft ihren Nagel in meine Haut, grad eben so, dass es nicht wehtat.
Ich streichelte ihre Hand, ihren Arm und dann ihre Hüfte, meine Hand fort von ihrer. Und ...
Beinahe wären wir beide an diesem Kuss erstickt.

Bevor wir einschliefen murmelte sie ˋdu teilst dein Sein ´ und obwohl ich nicht verstand, was das bedeutet, war es wahr. Und schön.
Und am Morgen sagte sie, dass sie sich auf die Reise mit mir freut.

Die Agentur machte genau gar keine Schwierigkeiten, als ich das neue Projekt ankündigte: Eine Serie mit dem Titel ˋmit anderen Augen ´, eine fiktionale Sache, zeitgeistig etc.pp.
Im Gegenteil, sie warfen die Maschinerie an und machten Castings und sowas alles, und warfen einen mittelfetten Vorschuss aus, wegen Spesen und so.
Der Vorteil davon, als irrer Spinner zu gelten, mit dem man Geld verdienen kann, liegt in den letzten sechs Worten - dafür lassen sich die Betriebswirte auf alles mögliche ein. Und ich hatte diesen Ruf ebenso sorgfältig wie beiläufig erarbeitet, mit ein paar Reportagen, die eben nur irre Spinner so machen können. Eine Art Talent von mir.
Und so mietete ich einen Wagen, und wir fuhren los. Einfach so.
Also, fast ˋeinfach so ´ - erst musste ich El! erklären, was das für ein Ding war, in das wir einsteigen sollten, und was es mit diesem Hybridantrieb auf sich hatte und solche Sachen. Und mit Autobahnen.

+++
danke fürs Lesen!
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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von FF am 13 August 2020, 13:41:14 »
Hui, Lilith, danke für die genaue Analyse! Ich muss ja zugeben, dass ich mich mit dieser kaputten Familie in unbekanntes Terrain wage und manche Folgen für meine Protagonistin noch nicht so richtig durchdacht habe. Um so dankbarer bin ich, dass du dir den Text zur Brust genommen und mir ein paar Löcher gezeigt hast.

Erst einmal stimme ich Uli zu: Mir kommt die Erzählerin auch zu abgeklärt vor. Spontan hätte ich hinter dem Text auch Fantasy erwartet, bei dem Teil für die Jugend bin ich mir nicht so sicher, weil die Themen, die du hier direkt am Anfang ansprichst, schwer sind, da hilft auch die Ironisierung durch die Protagonistin (so sie die denn ist) nicht. Das zarte Alter von dreizehn Jahren stellt da außerdem die Frage nach der Zielgruppe.

Warum Fantasy? Das liegt zum Einen am ersten Absatz, in dem die Figur einen Fantasyroman liest, zum Anderen an der Autorin und ganz schlicht am Titel. "Das zwölfte Geheimnis" klingt nicht so nach Sozialdrama oder Coming of Age.
Tja, die Zielgruppe. Mein altes Problem. Diese Geschichte schwankt seit Jahren zwischen elf und sechzehn, ich wollte nicht wieder in der Situation landen, dass Mütter sie ihren siebenjährigen Töchtern in die Hand geben, ohne zu wissen, was da abgeht, ich wollte aber auch kein "Young Adult". Ich will einfach nur die Geschichte erzählen, und hin und wieder hätte das auch ein Krimi oder eine Horrorstory werden können. Ich wollte die Identitätskrise, das letzte Festhalten an der Kindheit und der Mutter, die Unsicherheit und die Angst vor der Realität, aber noch nicht die Rebellion oder Flucht.

Zitat
"Niemals!", rief die Grüne Hexe.
Huch, danke, natürlich. :)

Zitat
Zum Einstieg habe ich zwei Ideen, die eine hat mit Realitätsflucht der Protagonistin zu tun, die andere damit, dass die Fantasygeschichte die Beziehung der Mutter und des Stiefvaters zueinander spiegelt - Frau kämpft gegen Mann, will ihn vernichten (sich ein für allemal trennen?), doch der lacht darüber nur höhnisch, weil "das Schicksal" (die Misshandlungs(vor)erfahrung? Die dysfunktionalen Verhaltensmuster?) sie aneinander bindet. Sie würden also immer wieder und immer weiter gegeneinander kämpfen, so wie Lula es auch von den Eltern kennt; nie gibt es einen Schlussstrich, immer geht das Gestreite von Neuem los. Clever gemacht finde ich, dass der Sturmkönig, in der Übertragung der Stiefvater, mitten im Satz unterbrochen wird, gerade als er ihr erklären will, dass sie zur Wiederholung verdammt ... Und dann kommt der Lärm, der diesmal tatsächlich eine Veränderung bedeutet, eine, die Lula gar nicht mehr erwartet hat: Sie trennen sich voneinander.
Vielleicht lässt sich hieraus aber auch der Verlauf der weiteren Geschichte erahnen; ich habe mir, als die Mutter verkündete, dass es endgültig aus sei, gleich gedacht: Der lässt doch nicht locker. Weil solche Typen eine Trennung in der Regel nicht einfach mal so eben hinnehmen und danach in Frieden ausziehen, sondern meistens ist das der Startschuss für Stalking, Bedrohung, in den schwersten Fällen endet das mit Mord an der Ex-Partnerin, weil die narzisstische Kränkung nicht verwunden werden kann, dass die einem anderen Lebensentwurf als dem eigenen folgen will. "Du gehörst (zu) mir!"
Ooooder hat die Mutter dafür gesorgt, dass er das, öhm, nicht mehr tun können wird?
Hier siehst du schon Dinge, an die ich nicht gedacht habe. Natürlich ist der Stiefvater (übrigens kein "echter" geheirateter, sondern nur ein jetzt Ex-Freund der Mutter) ein Antagonist, aber eher ein Katalysator, der die Dinge in Bewegung setzt und Mutter und Tochter dazu zwingt, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Bis zum Mord wird das NICHT gehen, aber nach deinen Anmerkungen überlege ich tatsächlich, ob er doch noch stärker eingreifen wird, als ich es bis jetzt geplant hatte. Eigentlich sollte er nur als dorfzerstörender Ork fungieren, der die Heldin zum Aufbruch zwingt.

Hui, danke für die genaue Analyse! Ich muss ja zugeben, dass ich mich mit dieser kaputten Familie in unbekanntes Terrain wage und manche Folgen für meine Protagonistin noch nicht so richtig durchdacht habe. Um so dankbarer bin ich, dass du dir den Text zur Brust genommen und mir ein paar Löcher gezeigt hast.

Erst einmal stimme ich Uli zu: Mir kommt die Erzählerin auch zu abgeklärt vor. Spontan hätte ich hinter dem Text auch Fantasy erwartet, bei dem Teil für die Jugend bin ich mir nicht so sicher, weil die Themen, die du hier direkt am Anfang ansprichst, schwer sind, da hilft auch die Ironisierung durch die Protagonistin (so sie die denn ist) nicht. Das zarte Alter von dreizehn Jahren stellt da außerdem die Frage nach der Zielgruppe.

Warum Fantasy? Das liegt zum Einen am ersten Absatz, in dem die Figur einen Fantasyroman liest, zum Anderen an der Autorin und ganz schlicht am Titel. "Das zwölfte Geheimnis" klingt nicht so nach Sozialdrama oder Coming of Age.
Tja, die Zielgruppe. Mein altes Problem. Diese Geschichte schwankt seit Jahren zwischen elf und sechzehn, ich wollte nicht wieder in der Situation landen, dass Mütter sie ihren siebenjährigen Töchtern in die Hand geben, ohne zu wissen, was da abgeht, ich wollte aber auch kein "Young Adult". Ich will einfach nur die Geschichte erzählen, und hin und wieder hätte das auch ein Krimi oder eine Horrorstorywerden können. Ich wollte die Identitätskrise, das letzte Festhalten an der Kindheit und der Mutter, die Unsicherheit und die Angst vor der Realität, aber noch nicht die Rebellion oder Flucht.

Zitat
"Niemals!", rief die Grüne Hexe.
Huch, danke, natürlich. :)

Zitat
Zum Einstieg habe ich zwei Ideen, die eine hat mit Realitätsflucht der Protagonistin zu tun, die andere damit, dass die Fantasygeschichte die Beziehung der Mutter und des Stiefvaters zueinander spiegelt - Frau kämpft gegen Mann, will ihn vernichten (sich ein für allemal trennen?), doch der lacht darüber nur höhnisch, weil "das Schicksal" (die Misshandlungs(vor)erfahrung? Die dysfunktionalen Verhaltensmuster?) sie aneinander bindet. Sie würden also immer wieder und immer weiter gegeneinander kämpfen, so wie Lula es auch von den Eltern kennt; nie gibt es einen Schlussstrich, immer geht das Gestreite von Neuem los. Clever gemacht finde ich, dass der Sturmkönig, in der Übertragung der Stiefvater, mitten im Satz unterbrochen wird, gerade als er ihr erklären will, dass sie zur Wiederholung verdammt ... Und dann kommt der Lärm, der diesmal tatsächlich eine Veränderung bedeutet, eine, die Lula gar nicht mehr erwartet hat: Sie trennen sich voneinander.
Vielleicht lässt sich hieraus aber auch der Verlauf der weiteren Geschichte erahnen; ich habe mir, als die Mutter verkündete, dass es endgültig aus sei, gleich gedacht: Der lässt doch nicht locker. Weil solche Typen eine Trennung in der Regel nicht einfach mal so eben hinnehmen und danach in Frieden ausziehen, sondern meistens ist das der Startschuss für Stalking, Bedrohung, in den schwersten Fällen endet das mit Mord an der Ex-Partnerin, weil die narzisstische Kränkung nicht verwunden werden kann, dass die einem anderen Lebensentwurf als dem eigenen folgen will. "Du gehörst (zu) mir!"
Ooooder hat die Mutter dafür gesorgt, dass er das, öhm, nicht mehr tun können wird?

Hier siehst du schon Dinge, an die ich nicht gedacht habe. Natürlich ist der Stiefvater (übrigens kein "echter" geheirateter, sondern nur ein jetzt Ex-Freund der Mutter) ein Antagonist, aber eher ein Katalysator, der die Dinge in Bewegung setzt und Mutter und Tochter dazu zwingt, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Bis zum Mord wird das NICHT gehen, aber nach deinen Anmerkungen überlege ich tatsächlich, ob er doch noch stärker eingreifen wird, alsich es bis jetzt geplant hatte. Eigentlich sollte er nur als dorfzerstörender Ork fungieren, der die Heldin zum Aufbruch zwingt.

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KRACH!
Der Erikativ funktioniert zwar gut in seiner Doppeldeutigkeit - das Krachen der Blitze und der Streitkrach, aber dass die Art des Lärms so undefiniert bleibt, macht es auch schwer, nachzuvollziehen, was los ist. Gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob mir das nicht zu comichaft ist, aber dazu kenne ich die Hauptfigur auch noch nicht gut genug, um mir hier ein Urteil zu bilden. Erwarten würde ich bei der Vorgeschichte und den geschilderten Angstattacken, dass sie auf die Art des Lärms direkt mit einer bestimmten Horrorvorstellung reagiert und sich versteckt, in die Panikstarre geht oder, wenn sie's wirklich nicht einordnen kann, entweder gelähmt ist vor dem neuen Schrecken, der sich dahinter verbergen mag, oder eben nachsieht, falls irgendwie auszumachen ist, dass keine Gefahr droht (z.B. weil der Kerl still ist).
Eigentlich sollte da irgendwo erwähnt sein, dass es die zuschlagende Wohnungstür ist ... Lulas fehlende Panikstarre erklärt sich vielleicht daraus, dass sie selber noch nie in irgendeiner Form bedroht oder misshandelt worden ist und sich angewöhnt hat, einfach auf das, was danach zu tun ist, zu reagieren. Weniger abgeklärt als komplett mechanisch.

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“Ich will ans Meer.” Wenn schon mein ganzes Leben gerade auseinandergerissen wurde, wollte ich wenigstens eine mögliche Richtung mitbestimmen.
Interessant finde ich, dass sie keine Reaktion auf die Trennung zeigt. Ich lese das so, dass sie keinen Zugang zu ihren eigentlichen Gefühlen hat, weil sie es sich nicht leisten kann, sich damit auseinanderzusetzen. So verstehe ich auch die vermeintliche "Abgeklärtheit" und Altklugheit. Lula scheint mir auch zerrissen zwischen dem Wunsch, das jetzt glauben zu wollen, aber doch nicht zu können, weil die gesamte Situation wieder dafür spricht, dass sich doch alles entwickelt wie immer (Eis spendieren usw.).

Rainer, der Exfreund, bedeutet ihr gar nichts. Null. Sie lebt seit fünf Jahren mit ihm in der Wohnung und weiß so gut wie nichts über ihn. Sie will auch nichts wissen. Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich das weiter bearbeite und was dahintersteckt.

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Ich zog einen hochmütigen Flunsch. “Seh’ ich aus, als wäre ich erst zwölf?” Immerhin war mein dreizehnter Geburtstag schon fast eine Woche her!
Hier klingt sie, als mache sie sich über sich selbst lustig und gleichzeitig über die anderen Zwölf-/Dreizehnjährigen, von denen sie so ein Verhalten kennt. Authentisch wirkt es auf mich nicht.
Es war selbstironisch, aber dafür kennt man Lula als Person noch zu wenig.

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Nicht den Umzug, nicht den Abschied von der Schule (da mochte mich eh niemand) oder der Wohnung oder der Stadt, sondern den Abschied von der Angst. Es würde keine Kämpfe, keinen bösen Krach, kein Gebrüll und keine zuschlagenden Türen mehr geben.
"den Abschied von der Angst" - das ist eine der Stellen, an denen sie mir zu reflektiert für ihr Alter vorkommt. Klar, für jemanden wie sie ist es wichtig, sich abzusichern, immer zu wissen, was als nächstes kommt, aber gerade in so einem Augenblick würde ich von ihr eher ... innere Leere erwarten, weil ihre sonstigen Überlebensautomatismen gerade ausgeschaltet wurden. Vielleicht auch Unglauben.
Ja, sie könnte einfach nur erleichtert sein. Oder gar nichts fühen, aber das glaube ich nicht. Vielleicht formuliere ich das noch um. Danke!

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Wobei ich glaube, dass die echten Gefühle erst später kommen, wenn sie in Sicherheit ist, auf dem Weg zu Sophioma oder schon dort. Der Name "Sophioma" irritiert mich übrigens bei jedem Lesen. Ist das ein Eigenname, eine Zusammensetzung aus "Sophi" und "Oma"? Wenn letzteres, fehlt meiner Lesegewohnheit einfach das E nach dem I. ;D
Die echten Gefühle kommen auf jeden Fall noch. :)
Und Sophioma war erst einmal ein Spiel mit dem Namen der Großmutter, so wie meine Urgroßmutter bei uns "Omi Ur" hieß. Bin noch nicht glücklich damit und werde es wohl ändern.

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“Wie bei Papa, oder?”
Aber da war ich einen Schritt in die falsche Richtung gegangen.
Hier wird deutlich, wie sehr sie auch bei ihrer Mutter drauf achten muss, nichts falsches zu sagen oder zu tun. Und wie gewohnt sie das schon ist.
Ja, sie weiß durchaus, dass ihre Mutter da ein riesiges Problem hat, und dachte, sie könnte den günstigen Augenblick nutzen und etwas herausfinden.

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Sie redete nicht darüber. Ich hätte liebend gern stundenlang darüber geredet, warum mein richtiger Vater uns ohne ein Wort verlassen hatte, als ich zwei war. Aber das würde ich wohl nie herausfinden.
Die Formulierung impliziert geradezu, dass sie das im Laufe der Geschichte doch sehr wohl herausfinden wird. Ich hoffe gerade, das hat nichts mit dem zwölften Geheimnis zu tun oder einem möglichen Fantasyelement. Da du sie schreibst, erwarte ich's aber trotzdem nicht.
Der Vater ist eins der Geheimnisse.


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Als es dunkel wurde, legte ich mich ins Bett. Eigentlich wollte ich mich noch eine Weile im Zimmer umsehen und darüber nachsinnen, dass dies meine letzte Nacht hier war, aber mein Körper hatte mal wieder kein Gespür fürs Drama, und ich schlief beinahe sofort ein.
"kein Gespür fürs Drama", wieder so ein Satz. Einerseits verdeutlicht der die Trennung zwischen Körper und Geist am besten: sie kennt sich selbst nicht, kann ihre Erschöpfung nicht spüren (?), zumindest nicht deuten und erwartet von sich mehr, als sie leisten kann. Aber da von "Gespür fürs Drama" zu sprechen, ist zwar schön bissig ironisch, würde ich aber eher von einer fünfzehn- oder sechzehnjährigen Lula erwarten, nicht von der Dreizehnjährigen.
Ich hab einen Neffen, der so etwas schon mit elf gesagt hätte. ;D

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So fing es an.
WAS? ;D
;D :arbeit:

Vielen, vielen Dank! Ich schlafe zur Zeit auch schlecht, immer höchstens fünf Stunden in der Nacht und dann nochmal drei über den Tag verteilt, was nicht so toll ist. Lass dich mal von fern knuddeln. :umarm: Heute ist es ja zum Glück etwas kühler.

Und ein Fernknuddel an Rilyn: :umarm:
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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von FF am 13 August 2020, 13:10:04 »
Und zugegeben: Ich habe erwartet, dass du bei den Zeitformen und daraus abzuleitender Folgerungen genau gearbeitet hast - aber mir war danach, ein wenig anzugeben mit Analyse und so.
Wenn es schon nichts zu meckern gibt - für irgendwas muss die Grillgabel ja gut sein.

Ich bin ja schon begeistert darüber, dass ihr überhaupt röstet. Ich dachte, der Text schmurgelt jetzt erstmal tagelang unbeachtet vor sich hin.
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Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von Lilith am 12 August 2020, 20:35:36 »
Huhu FF!

Schön, mal wieder was Neues von dir zu lesen. :cheerful:
Mir gefällt's: Der Text liest sich spannend, mit zahlreichen Wendungen und macht Lust auf mehr.

Kritik habe ich keine im Gepäck, eher Anmerkungen, von denen ein oder zwei auch kritisch sind. Aber da interessiert mich vor allem, was die Autorin sich dabei gedacht hat.

Erst einmal stimme ich Uli zu: Mir kommt die Erzählerin auch zu abgeklärt vor. Spontan hätte ich hinter dem Text auch Fantasy erwartet, bei dem Teil für die Jugend bin ich mir nicht so sicher, weil die Themen, die du hier direkt am Anfang ansprichst, schwer sind, da hilft auch die Ironisierung durch die Protagonistin (so sie die denn ist) nicht. Das zarte Alter von dreizehn Jahren stellt da außerdem die Frage nach der Zielgruppe.
Warum Fantasy? Das liegt zum Einen am ersten Absatz, in dem die Figur einen Fantasyroman liest, zum Anderen an der Autorin und ganz schlicht am Titel. "Das zwölfte Geheimnis" klingt nicht so nach Sozialdrama oder Coming of Age.

Was mir aufgefallen ist, der Reihe nach:
„Niemals!” rief die Grüne Hexe. „Ich werde dich vernichten!”
Der Sturmkönig lachte. Blitze zuckten über den Horizont, und Donner rollte in den Bergen. „Mich vernichten? Du Närrin! Weißt du nicht, dass dein Schicksal an meins gebunden ist? Es ist uns bestimmt, für immer
Klitzekleiner Kommafehler: Nach einem Ausrufezeichen grenzt ein Komma den nachgestellten Begleitsatz ab. Es muss also heißen: "Niemals!", rief die Grüne Hexe.

Zum Einstieg habe ich zwei Ideen, die eine hat mit Realitätsflucht der Protagonistin zu tun, die andere damit, dass die Fantasygeschichte die Beziehung der Mutter und des Stiefvaters zueinander spiegelt - Frau kämpft gegen Mann, will ihn vernichten (sich ein für allemal trennen?), doch der lacht darüber nur höhnisch, weil "das Schicksal" (die Misshandlungs(vor)erfahrung? Die dysfunktionalen Verhaltensmuster?) sie aneinander bindet. Sie würden also immer wieder und immer weiter gegeneinander kämpfen, so wie Lula es auch von den Eltern kennt; nie gibt es einen Schlussstrich, immer geht das Gestreite von Neuem los. Clever gemacht finde ich, dass der Sturmkönig, in der Übertragung der Stiefvater, mitten im Satz unterbrochen wird, gerade als er ihr erklären will, dass sie zur Wiederholung verdammt ... Und dann kommt der Lärm, der diesmal tatsächlich eine Veränderung bedeutet, eine, die Lula gar nicht mehr erwartet hat: Sie trennen sich voneinander.
Vielleicht lässt sich hieraus aber auch der Verlauf der weiteren Geschichte erahnen; ich habe mir, als die Mutter verkündete, dass es endgültig aus sei, gleich gedacht: Der lässt doch nicht locker. Weil solche Typen eine Trennung in der Regel nicht einfach mal so eben hinnehmen und danach in Frieden ausziehen, sondern meistens ist das der Startschuss für Stalking, Bedrohung, in den schwersten Fällen endet das mit Mord an der Ex-Partnerin, weil die narzisstische Kränkung nicht verwunden werden kann, dass die einem anderen Lebensentwurf als dem eigenen folgen will. "Du gehörst (zu) mir!"
Ooooder hat die Mutter dafür gesorgt, dass er das, öhm, nicht mehr tun können wird?

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KRACH!
Der Erikativ funktioniert zwar gut in seiner Doppeldeutigkeit - das Krachen der Blitze und der Streitkrach, aber dass die Art des Lärms so undefiniert bleibt, macht es auch schwer, nachzuvollziehen, was los ist. Gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob mir das nicht zu comichaft ist, aber dazu kenne ich die Hauptfigur auch noch nicht gut genug, um mir hier ein Urteil zu bilden. Erwarten würde ich bei der Vorgeschichte und den geschilderten Angstattacken, dass sie auf die Art des Lärms direkt mit einer bestimmten Horrorvorstellung reagiert und sich versteckt, in die Panikstarre geht oder, wenn sie's wirklich nicht einordnen kann, entweder gelähmt ist vor dem neuen Schrecken, der sich dahinter verbergen mag, oder eben nachsieht, falls irgendwie auszumachen ist, dass keine Gefahr droht (z.B. weil der Kerl still ist).

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Es war also immer laut. Aber es gibt unterschiedliche Arten von Lärm. Die eine Art ist einfach nur “lautes Geräusch”. Dabei kann ich problemlos lernen, Hausaufgaben machen, lesen und schlafen. Die andere Art ist die, vor der ich Angst habe.
Leute, die sich im Wohnzimmer anbrüllen.
Das Klirren zerbrechender Teller und Tassen.
Faustschläge gegen verschlossene Türen.
Und das Krachen der Wohnungstür.
Die Stille danach war die einzige Stille, die ich kannte: über all dem Lärm der Stadt ein tonnenschweres Schweigen, während ich stocksteif auf meinem Bett lag und abwartete, wie es jetzt weiterging. Das hing immer davon ab, wer nun gerade die Wohnungstür hinter sich zugeschmettert hatte: Mama oder Rainer.
Wenn es Mama war, geschah nichts. Dann holte Rainer einen Kasten Bier aus dem Keller und setzte sich damit vor den Fernseher, bis Mama irgendwann spät nachts zurückkam. Am nächsten Tag taten sie dann immer so, als sei nichts gewesen.
Wenn aber Rainer ging, konnte alles Mögliche passieren. Manchmal kam Mama in mein Zimmer, grinste triumphierend und spendierte uns beiden ein Eis. Manchmal schloss sie sich stundenlang im Schlafzimmer ein und weinte. Und manchmal musste ich ihre beste Freundin Sandra anrufen, damit sie Mama ins Krankenhaus fuhr. Das kam nicht oft vor, aber oft genug, dass ich vor dem Warten und dem Schweigen fast noch mehr Angst hatte als vor dem Krach.
Das könnte man so lesen, als wäre mit dem KRACH! genau diese Abfolge von Geräuschen gemeint, aber für mich wird der Effekt (so gewollt) durch die beiden Wenn-Dann-Ausführungen eher abgeschwächt. So oder so: starker Absatz. Deutlich, ohne zu plakativ zu werden.

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“Ich will ans Meer.” Wenn schon mein ganzes Leben gerade auseinandergerissen wurde, wollte ich wenigstens eine mögliche Richtung mitbestimmen.
Interessant finde ich, dass sie keine Reaktion auf die Trennung zeigt. Ich lese das so, dass sie keinen Zugang zu ihren eigentlichen Gefühlen hat, weil sie es sich nicht leisten kann, sich damit auseinanderzusetzen. So verstehe ich auch die vermeintliche "Abgeklärtheit" und Altklugheit. Lula scheint mir auch zerrissen zwischen dem Wunsch, das jetzt glauben zu wollen, aber doch nicht zu können, weil die gesamte Situation wieder dafür spricht, dass sich doch alles entwickelt wie immer (Eis spendieren usw.).

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Ich zog einen hochmütigen Flunsch. “Seh’ ich aus, als wäre ich erst zwölf?” Immerhin war mein dreizehnter Geburtstag schon fast eine Woche her!
Hier klingt sie, als mache sie sich über sich selbst lustig und gleichzeitig über die anderen Zwölf-/Dreizehnjährigen, von denen sie so ein Verhalten kennt. Authentisch wirkt es auf mich nicht.

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Nicht den Umzug, nicht den Abschied von der Schule (da mochte mich eh niemand) oder der Wohnung oder der Stadt, sondern den Abschied von der Angst. Es würde keine Kämpfe, keinen bösen Krach, kein Gebrüll und keine zuschlagenden Türen mehr geben.
"den Abschied von der Angst" - das ist eine der Stellen, an denen sie mir zu reflektiert für ihr Alter vorkommt. Klar, für jemanden wie sie ist es wichtig, sich abzusichern, immer zu wissen, was als nächstes kommt, aber gerade in so einem Augenblick würde ich von ihr eher ... innere Leere erwarten, weil ihre sonstigen Überlebensautomatismen gerade ausgeschaltet wurden. Vielleicht auch Unglauben. Wobei ich glaube, dass die echten Gefühle erst später kommen, wenn sie in Sicherheit ist, auf dem Weg zu Sophioma oder schon dort. Der Name "Sophioma" irritiert mich übrigens bei jedem Lesen. Ist das ein Eigenname, eine Zusammensetzung aus "Sophi" und "Oma"? Wenn letzteres, fehlt meiner Lesegewohnheit einfach das E nach dem I. ;D

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“Wie bei Papa, oder?”
Aber da war ich einen Schritt in die falsche Richtung gegangen.
Hier wird deutlich, wie sehr sie auch bei ihrer Mutter drauf achten muss, nichts falsches zu sagen oder zu tun. Und wie gewohnt sie das schon ist.

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Sie redete nicht darüber. Ich hätte liebend gern stundenlang darüber geredet, warum mein richtiger Vater uns ohne ein Wort verlassen hatte, als ich zwei war. Aber das würde ich wohl nie herausfinden.
Die Formulierung impliziert geradezu, dass sie das im Laufe der Geschichte doch sehr wohl herausfinden wird. Ich hoffe gerade, das hat nichts mit dem zwölften Geheimnis zu tun oder einem möglichen Fantasyelement. Da du sie schreibst, erwarte ich's aber trotzdem nicht.

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Sie kam nicht zurück, und ich hörte, wie sie die Spülmaschine ausräumte. Also aß ich mein Eis allein auf, aber es war nicht mehr so schön wie vorher. Danach ging ich wieder in mein Zimmer und packte meine Schminksachen ein. Und noch ein paar Bücher. Und natürlich Harpo, meinen Plüschraben. Alle anderen Stofftiere und die Puppen, für die ich eigentlich seit einer Woche viel zu alt war, würden eine Weile in den Umzugskisten wohnen müssen. Aber nicht Harpo.
Harpo, interessanter Name. :)

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Als es dunkel wurde, legte ich mich ins Bett. Eigentlich wollte ich mich noch eine Weile im Zimmer umsehen und darüber nachsinnen, dass dies meine letzte Nacht hier war, aber mein Körper hatte mal wieder kein Gespür fürs Drama, und ich schlief beinahe sofort ein.
"kein Gespür fürs Drama", wieder so ein Satz. Einerseits verdeutlicht der die Trennung zwischen Körper und Geist am besten: sie kennt sich selbst nicht, kann ihre Erschöpfung nicht spüren (?), zumindest nicht deuten und erwartet von sich mehr, als sie leisten kann. Aber da von "Gespür fürs Drama" zu sprechen, ist zwar schön bissig ironisch, würde ich aber eher von einer fünfzehn- oder sechzehnjährigen Lula erwarten, nicht von der Dreizehnjährigen.

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So fing es an.
WAS? ;D

Ich hoffe, da sind ein paar Krümel dabei, die dir weiterhelfen, die Geschichte zu bändigen. Falls irgendwo was unverständlich oder offen geblieben sein sollte, frag ruhig nach. Meine Konzentration macht nicht so viel mit, Hitze und Schlaflosigkeit dank Hitze sei Dank (sic!).

Alles Liebe!
Lilith
100
Grill / Re: Das zwölfte Geheimnis - Prolog
« Letzter Beitrag von Uli am 12 August 2020, 19:41:54 »
grins ...

dass es sich um Fantasy handelt leite ich aus der subtilen Andeutung der ersten Zeilen ab:
 
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„Niemals!” rief die Grüne Hexe. „Ich werde dich vernichten!”
Der Sturmkönig lachte. Blitze zuckten über den Horizont, und Donner rollte in den Bergen. „Mich vernichten? Du Närrin! Weißt du nicht, dass dein Schicksal an meins gebunden ist? Es ist uns bestimmt, für immer
OK, zugegeben: Solche Worte könnten eventuell auch in anderenGenres als Einleitung dienen, aber nachdem die Autorin ziemlich bekannt für ein bestimmtes solches ist, würde sie einen Genrewechsel recht schnell deutlich machen, um Falscherwartungen zu vermeiden.

Und zugegeben: Ich habe erwartet, dass du bei den Zeitformen und daraus abzuleitender Folgerungen genau gearbeitet hast - aber mir war danach, ein wenig anzugeben mit Analyse und so.
Wenn es schon nichts zu meckern gibt - für irgendwas muss die Grillgabel ja gut sein.
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