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The first rule of novel-writing is don't write a novel

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Lilith:
Auf Lithub.com teilt Elizabeth Percer ihre neun Nicht-Regeln für's Schreiben:
http://lithub.com/the-first-rule-of-novel-writing-is-dont-write-a-novel/

Dabei geht es weniger um Tipps zum Handwerk an sich, sondern um die Gestaltung des Schreibprozesses. Gerade für die unter uns, die hier und da mit ihrem hadern und denken, sie tun zu wenig, finde ich das lesenswert. Abseits von "Setz dich jeden Tag hin und hau 1000+ Wörter in die Tasten".

Trippelschritt:
Amüsant, was manche für Probleme haben (könnten) und möglicherweise einen Mist mit sich herumtragen, bevor sie begriffen haben, was Schreiben eigentlich ist. Ich habe mich in dem angenehm lustigen Text allerdings nicht wiederfinden können. Kann sich wer?, frage ich mal etwas bissig.

Amüsierter, stellenweise ratloser Trippelschritt

Rilyn:
Jein. Ich war immer zu faul, um jeden Tag regelmäßig eine Stunde zu schreiben. Dafür haue ich ein Mal in einem Vierteljahr 50 Seiten am Stück raus, manchmal zwischendurch etwas weniger, das dann zu 80% so stehen bleibt. Weshalb? Weil es vorher in meinem Hirn gut durchgekocht wurde, und zwar ohne aktive Bemühung meinerseits darum. :cheese:
Ich kann mich aktiv um eine Story bemühen. Für Spieleprojekte muss ich das normalerweise tun. Aber ich brauche deutlich länger (nämlich so lange, wie es in der Branche üblich ist), um eine solche Story zu schreiben; Feedback on the fly, als generellen Input, weil die Zeit zum Denken fehlt; und wenn du ein Mal eine Story rausgewürgt hast, weil morgen die Deadline ist und das komplette letzte Drittel fehlt, dann weißt du, dass es besser wäre, drei Tage zu warten und es dann zu schreiben, scheiß auf die Deadline. Denn die starb in allen solchen Fällen an der Nachbearbeitung, die weit länger als drei Tage dauerte, sondern bis hin zur detaillierten Ausarbeitung zwei Monate. <- da geht es nicht um Stil, sondern um den zugunsten des heiligen Zeitplans verkorksten Rahmen.
Ich habe das lange für normal gehalten, bis ich mal für mich, zum Vergleich, entsprechende Stories verfasst habe (Thematische Vorgabe zufällig, keine vorhandene Welt). Für einen entsprechend detaillierten Plot - in einer Story Novellenlänge bis hin zu Kurzroman (<250 Seiten) brauche ich von der Idee bis zum Runterschreiben drei bis fünf Tage. Mit diesen Plots kann ich dann wirklich arbeiten und eine Story draus machen, ohne sie während der Ausarbeitung nochmal umzukippen. Mein Rekord ist bisher (allerdings mit vorhandener Welt, wenn auch ein "neuentdeckter Kartenteil", zu dem es bisher nur ebendiese Karte und deshalb ganz grob umrissene Kulturen gab): Idee um 18 Uhr, 12 Seiten Notizbuch mit strukturiertem Plot vollgeschrieben um 19 Uhr. Kein Scherz. Das war exakt mein Arbeitsweg + 30 Minuten. Es ist der strukturierteste und stabilste Plot, den ich bisher fabriziert habe. :denk:
Aber mit Planung und Ransetzen-und-Schreiben geht das nicht, auch nicht in drei Stunden oder drei Tagen. Da bekäme ich nur ein oberflächlich rundes Konstrukt oder eben einen kurzen, klaren Spieleplot, dem die Komplexität fehlt, die mir persönlich wichtig ist.

Anderes Beispiel: am Duell, das ein sehr alter und dementsprechend in seiner ursprünglichen Form krummer Plot ist, habe ich lange rumgebastelt und bewusst analysiert. Alles, was dabei heraus kam, war Übung in Sachen Plotten und selbiger Analyse. Und irgendwann, als ich etwas ganz anderes gemacht habe, ging mir ein Licht auf, und sämtliche Probleme waren gelöst. Das habe ich in Wochen(!) von aktivem Plotten bei gleichem Kenntnisstand nicht hinbekommen.

Letztendlich geht es nicht schneller, insgesamt vielleicht sogar langsamer, aber zum einen habe ich Zeit für sinnlosen Mist :kaffee2: und Brötchenjob, und zum anderen ist es meine Arbeitsweise, die bewiesen hat, dass sie funktioniert. Wenn ich an einem Plot partout nicht weiter komme, ist die Prokrastination: schreiben an einem anderen. ;D

Trippelschritt:
Meine erste ernsthafte belletristische Aktivität war, dass ich mir vornahm, einen Fantasyroman zu schreiben. Also habe ich mich hingesetzt und einen geschrieben. Mein Pech war, dass der auch noch relativ gut war und ich deshalb dachte, das geht immer so. Es hat etwas gedauert, bis ich herausgefunden hatte, dass ich ein Bauschreiber war. Bauschreiber können nicht plotten und wollen es auch nicht. aber dafür können sie immer schreiben, weil sie immer etwas zu erzählen haben.
Die goldene Regel für einen bauchschreiber ist: Schreibe, dann kommt der Plot von selbst. Klingt paradiesisch und ist auch der einzige Weg, der fuinktioniert. Leider funktioniert er nicht immer und wenn einem nicht einfällt, dann entsteht kein Plot oder was entsteht ist Mist. Was dann zu tun ist, muss jeder Bauchschreiber für sich selbst herausfinden.

Da ich jetzt Pensionär bin, schreibe ich täglich mit allergrößten Genuss. Und genau so lange, bis ich keine Lust mehr habe. Ich erinnere mich. Früher klappte das nur am Wochenende.

Liebe Grüße
Trippelschritt
(zweifelt immer an seinem Handwerk, aber nie an seiner Genialität)    :grinwech:

eska:
@Trippelschritt:

Da du fragst, ob jemand sich in dem angesprochenen Text wiederfindet: Ja.
Wobei es immer noch ein Stück Überwindung kostet, mich in die Menge der Angesprochenen einzureihen ("ich, eine Schriftstellerin, Autorin, Erzählerin oder wie auch immer? Unmöglich. Missverständnis...").
Was natürlich mit meinem Frischlings-Status zu tun hat, aber nicht nur. Das, was E. Percer am Anfang beschreibt, kenne ich: Das, was in ihrer Sozialisation gezählt hat, hat sie geleistet, aber es hat sie nicht erfüllt. 'Einfach so' aufs Schreiben umswitchen ist aber nicht, Jahre der Selbstfindung, Suche nach der eigenen Arbeitsweise etc. führt sie an.
Ich halte das innere Ja für noch wesentlicher: 'Darf' ich mir gönnen, zu schreiben, egal ob gut oder schlecht, egal, ob gewinnbringend, nützlich, therapeutisch, missionarisch oder welche Funktion auch immer meine Texte nicht erfüllen? Nur, weil ich es sehnlichst möchte? Was ist denn das für eine Flucht aus der Verantwortung? Wenn das jede täte!
Vielleicht, weil es jemandem Spaß machen könnte, sie zu lesen? Bäh, noch mehr Spaßgesellschaft!
Vielleicht, wenn etwas richtig gut wäre? Oh, der Größenwahnsinn...

Mir fällt noch mehr ein, leider.
Aber alle diese Zwänge, von denen man sich befreien muss, bis man Zutrauen in die eigene Kreativität hat, genug, um in Blockade-Phasen ruhig zu bleiben, um sich Zeit zu geben, die Worte und Geschichten reifen zu lassen, wie Rilyn es beschrieben hat, die muss man erst einmal entlarven. Dabei ist E. Percers Anleitung bestimmt hilfreich, erst recht in Amerika mit seinem "alles-ist-machbar"-Glauben.

Kannst du damit jetzt mehr anfangen?  :)

@Lilith:
Danke für den Tipp. Wie du oben lesen kannst, hat der Text mir etwas gebracht.  :wink:


Grüße,

eska

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