Autor Thema: Dark Watch_ Prolog  (Gelesen 282 mal)

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Offline Schreibsuse

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Dark Watch_ Prolog
« am: 19 April 2018, 13:03:36 »
Hallo liebe Teufelchen!

Ich schon wieder  :wink:!
Ich hatte an anderer Stelle ja gerade die Frage nach einem Prolog in der 3. Person gestellt, obwohl der gesamte Roman aus der "Ich"-Perspektive erzählt wird. Wenn der Prolog eh nix ist, dann muss ich mir um die Erzählperspektive auch keine Gedanken machen. Daher würde ich ihn jetzt mal auf den Grill werfen und hoffe Eure geschätzte Meinung dazu zu erfahren. Bitte sehr . . .


Prolog

Endlich hörte er das ersehnte Geräusch ihres flatternden Gaumensegels. Sie hatte die Tiefschlafphase erreicht.
Trotz des heimlich verabreichten Schlafmittels hatte es viel zu lange gedauert.
Ausgerechnet heute am Finaltag.
Auf Zehenspitzen schlich er aus dem Schlafzimmer. Im Flur horchte er kurz an der Kinderzimmertür. Alles still.
Er musste sich beherrschen, um die Treppe nicht hoch zu hetzen, sondern jede Stufe behutsam und lautlos zu nehmen.
Leise schloss er die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich, nahm die Klinexpackung aus der Schublade und stellte sie neben den Monitor. Dann schaltete er den Rechner ein und setzte die Kopfhörer auf. Nervös trommelten seine Finger auf die Schreibtischpatte, während der Computer hochfuhr.
Gerade noch rechtzeitig zum Showdown war er online.
Wie gebannt starrte er auf den Bildschirm:
Der Mann saß so reglos da, dass man die Aufnahme auch für ein Standbild halten konnte. Die Schatten unter seinen Augen waren fast schwarz, die Wangen hohl und eingefallen. Nichts an seinem Erscheinungsbild ließ erkennen, dass es sich hier um den ehemaligen Filialleiter einer Großbank handelte. Der Mann war unrasiert und trug ein fleckiges Unterhemd zur ausgebeulten Jogginghose. Den Blick hielt er starr auf den Bilderrahmen in seiner Hand gerichtet.
Minutenlang geschah nichts.
Unvermittelt ruckte sein Kopf hoch, als wäre er aus einem Nickerchen hochgeschreckt. Wie in Zeitlupe stellte er den Bilderrahmen vor sich auf den Küchentisch und griff stattdessen nach der Pistole, die zwischen den schmutzigen Tellern und Tassen lag.
Er steckte sich die Waffe in den Mund.
Ein kurzes Zögern und im nächsten Augenblick peitschte ein Knall aus dem Lautsprecher des Kopfhörers.
Der Mann kippte rückwärts vom Stuhl.
Wie ein abstraktes Wandtatoo prangte der Blutfleck an der Wand hinter ihm.

»Strike«, entfuhr es ihm einen Tick zu laut. Nervös schaute er zur Tür und lauschte eine Weile. Alles blieb still.
Auf dem Bildschirm lief bereits der Abspann mit der vertrauten Titelmusik. Bevor der Livechat begann und seine Mitstreiter ihre dämlichen Kommentare loswurden, loggte er sich wieder aus. Er war zufrieden, denn er hatte seinen Wetteinsatz mehr als verdoppelt. Er griff nach der Klinexpackung und wechselte in den Pornokanal.

Meine Fragen hierzu sind:
1. Verrät der Prolog schon Zuviel?
2. Funktioniert ein Prolog in der 3. Person, in der die Figur anonym bleibt (soll sie und will sie!)
3. Funktioniert es, dass der Text anschließend als "Ich"-Erzähler weiterläuft.
4. Und alles andere was daran noch zu rösten ist.

Wenn der Text komplette Grütze ist, dann bin ich auch für dieses Feedback dankbar!! Danke Euch schon mal!

« Letzte Änderung: 20 April 2018, 07:22:11 von Schreibsuse »

Offline Ayira

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #1 am: 20 April 2018, 08:51:49 »
Hallo Schreibsuse,

ich liebe Thriller, von daher triffst du genau mein Genre ;-) Zu einer Detailröstung komm ich grad nicht, aber ich hab ein paar Grundlegende Anregungen für dich - und Antworten auf deine Fragen:

1. Ohne das ganze Buch zu kennen: Nein. Für mich ist es genau richtig, du präsentierst den Mörder bei seinem Spiel - und man weiß schon hier, dieser arme Mann wird nicht sein letztes Opfer gewesen sein. Es erzeugt Spannung und macht Lust auf mehr.
2. Ja, ich denke schon - vor allem, wenn du den Mörder auf im Buch an ein paar Stellen in der 3. Person zeigst! Deine Prota bleibt im Ich, und der Antagonist tritt als Er auf. Ich kenns umgekehrt aus anderen Thrillern, stört mich nicht - sondern gefällt mir ;-) Daher auch zu deiner 3. Frage ein JA - du wechselst ja dann zu deiner Prota, nehm ich an?
4. Ich nutze zwar auch sehr viel kursive Schrift, aber hier würde ich drauf verzichten. Ich finde, hier stört sie mehr, als dass du sie brauchst - lass ihn stattdessen aktiv zuschauen, als den Vorgang zu beschreiben.

Generell würde ich mich noch über ein paar mehr ... Details freuen. Das Grundgerüst ist nicht schlecht, aber als Festtagsbraten am Tisch ist mir noch zu wenig Fleisch dran - wenn du verstehst? Es geht etwas zu schnell.

Zitat
Sie hatte die Tiefschlafphase erreicht - endlich. Er hatte schon befürchtet, das Schlafmittel zu gering dosiert zu haben, ausgerechnet heute. Sein Puls beschleunigte sich. Er warf die Decke zurück und schlich aus dem Schlafzimmer. (...)

Zitat
Er musste sich beherrschen, um die Treppe nicht hoch zu hetzen, sondern jede Stufe behutsam und lautlos zu nehmen. Kein Knarren der Holzbalken. Perfekt! Leise schloss er die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich. Freudige Erregung prickelte in seinem Nacken, als er die Schublade seines Schreibtischs aufzog und die Klinexpackung herausholte. Er stellte sie neben den Monitor und schaltete den Rechner ein. Die Kopfhörer waren bereits eingestöpselt; er setzte sie auf und rollte mit dem Sessel näher zum Bildschirm. Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn. Nervös trommelten seinen Finger auf der Tischplatte. Gleich war es so weit. Er durfte den Showdown keinesfalls verpassen.
Der Startbildschirm erschien. Seine Hände schossen zur Tastatur, um sich einzuloggen. Perfektes Timing. Da saß der Mann, so reglos, als hätte er ein Standbild am Monitor. Die Schatten unter seinen Augen waren fast schwarz, die Wangen hohl und eingefallen. Nicht mehr viel zu sehen vom ehemaligen Filialleiter einer Großbank. Unrasiert und mit fleckigem Unterhemd hockte er da, den Blick starr auf den Bilderrahmen in seinen Händen geheftet.
Er grinste und rieb sich die Handflächen an den Oberschenkeln. Wie lang würde der Mann durchhalten? Länger als der Letzte? Er sah auf die Uhr am Bildschirm. Wohl eher nicht.
(...)

Sind nur Vorschläge, nimm was du brauchen kannst und vergiss den Rest  :cheese:
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #2 am: 20 April 2018, 09:39:59 »
Hallo Ayira!

Vielen Dank! Du hast mir echt weitergeholfen!!  :schreib:

Leise schloss er die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich. Freudige Erregung prickelte in seinem Nacken, als er die Schublade seines Schreibtischs aufzog und die Klinexpackung herausholte.

Dein Satzvorschlag mit der freudigen Erregung, die im Nacken prickelt finde ich wirklich super prickelnd und ist schon gemobst  ;D

Mein Entschluss zum Prolog in der 3. Person ist nun auch gefallen und ich kann endlich weiterarbeiten. Diese Zweifel haben mich schon fast in eine Schreibblockade gestürzt.

Vielen, vielen Dank!!
« Letzte Änderung: 20 April 2018, 14:00:32 von Schreibsuse »

Offline Trippelschritt

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #3 am: 21 April 2018, 12:06:03 »
Für mich ist der Prolog Grütze und bringt mich spätestens in der dritten Zeile dazu, das Buch zuzuklappen. Mir entgeht also, dass die Szene am Ende doch noch spannend wird. Der Grund für mein negatives Stimmungsbild ist in der Tat der unglückliche Anfang.
Der Leser hat vor den ersten Zeiten Null Ahnung, worum es geht, besitzt gerade mal, wenn Du glück hast, ein laues interesse, weil eine Rezension gut war oder das Cover. Jetzt ist Deine Zeit, den Leser zu fesseln, bannen, anzuketten oder sonst was zu tun. Gleich im ersten Satz zwei Personen zu erwähnen (er, ihr), ohne dem Leser eine Info der Zuordnung zu geben, macht mich bereits sauer. Du wirst so etwas auch kaum in büchern erfahrener Autoren finden, aber immer wieder bei Anfängern, die meinen, das wäre spannend. Ist es aber nicht, weil ich die beiden Figuren nicht kennen, ich nichts über sie erfahre und sie mir am Popo vorbeigehen.

Spannend ist, dass sich da jemand erschießt, abe doch nicht tot ist und als Leiche Pornos guckt. Oder habe ich da etwas missverstanden? Bin jetzt gespannt, wie du das auflöst.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #4 am: 22 April 2018, 16:26:26 »
Hallo Trippelschritt,

danke für deine ehrlichen Worte.

Für mich ist der Prolog Grütze und bringt mich spätestens in der dritten Zeile dazu, das Buch zuzuklappen. Mir entgeht also, dass die Szene am Ende doch noch spannend wird.

Ich finde es mehr als schwierig, wenn nicht gar unmöglich in den ersten 3 Zeilen eines Buches bereits eine so vollständige Exposition zu liefern, dass der Leser voll im Bilde ist  huh?. Prolog hin oder her.  Ein bisschen mehr Zeit sollte der Leser schon investieren, gerade im Genre "Thriller", um heraus zu finden worum es geht.

Zitat von: Trippelschritt link=topic=18359.msg353488#msg353488 date=1524305163
Spannend ist, dass sich da jemand erschießt, abe doch nicht tot ist und als Leiche Pornos guckt. Oder habe ich da etwas missverstanden? Bin jetzt gespannt, wie du das auflöst.

Wie es aussieht, hast du die ganze Szene komplett missverstanden. Der Mann (er) schleicht sich in sein Arbeitszimmer um heimlich auf dem PC etwas anzuschauen, was ganz offensichtlich (wie ich bisher dachte) ein Wettgeschäft ist. Ich dachte, dass sei ganz offensichtlich, denn bisher hatten das zumindest alle Probeleser so auch verstanden. Der Mann der sich erschießt (Kursiv  gesetzt) IST tot und guckt auch keine Pornos mehr  ::), denn das geschieht in dem Clip, den sich der Unbekannte auf dem Rechner ansieht.

"Er" soll anonym bleiben, weil er es im Plot ebenfalls ist. Seine Identität klärt sich erst im Finale.

Mag sein, dass man in anderen Genres gut ohne Prolog auskommt und ich hatte mich auch zunächst dagegen entschieden. Aber inzwischen habe ich entschieden, dass der Antagonist gerne auch ab und an auftauchen darf und dass dies sogar für ein besonderes Spannungsmoment sorgen kann und dies am besten so früh wie möglich. Ich denke, da funktioniert Thriller sicher anders als Fantasy und Science fiction.

Ich denke noch mal ein bisschen drauf rum.

Vielen Dank auf jeden Fall für deine Meinung.

Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #5 am: 22 April 2018, 16:32:33 »
Hallo Trippelschritt,

noch eine kurze Frage an dich.
Was genau benötigst du an Informationen in den ersten 3 Zeilen, um weiterzulesen?

Und zu dem anonymen "er" . . . wäre es vielleicht eine Lösung anstatt "er" seinen Nickname zu verwenden, den er im Internet benutzt?

Offline Uli

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #6 am: 22 April 2018, 18:44:55 »
ay Schreibsuse

ich versuche mal eine Röstung (ohne Gewähr, da an sich viel zu heiß dafür) ...

Also, grundsätzlich: Die Sache ist verständlich.
Und es ist klar, welchen Film du siehst. Nur, du siehst eben einen Film, mit all den Mitteln, die das Medium eben hat: Beleuchtung, Hintergrundmusik, dem ganzen Zeug, das da Stimmung transportiert.
Und das ist das Problem ...

Zitat
Prolog

Prologe sind Vor-Erzählungen. Und gräßlich. In einem Prolog erzählt man Dinge, die einige Zeit vor der Handlung passiert sind, aber auf diese hier und jetzt Einfluss haben - oder die der Leser wissen muss.
Du hast hier keinen Prolog, sondern eine erste Szene mit dem Möchtegern-Anthagonisten. Glück für dich, weil Prologe eben gräßlich sind ...

Zitat
Endlich hörte er das ersehnte Geräusch ihres flatternden Gaumensegels. Sie hatte die Tiefschlafphase erreicht.
Trotz des heimlich verabreichten Schlafmittels hatte es viel zu lange gedauert.
Ausgerechnet heute am Finaltag.

OK. Ein ˋer´, eine namenlose handelnde Person. Was ein sehr stereotypes Mittel ist, um jemand geheimnisvoll erscheinen zu lassen.
Offenbar in einer festen Beziehung mit einer ˋihr´ - und die stört ˋihn ´ immer mal wieder, und er ist ein Mistkerl, der ˋsie ´ dann mittels Chemie abschaltet.
Und grad heute ist ˋihm ´ das wichtig.
Hmmm.
Realitätscheck: Wenn man Schlafmittel nimmt (oder bekommt) weiß man zumindest anderentags, dass etwas ... seltsam war. Und wenn das öfter auftritt, geht man zum Arzt, und die Blutprobe fällt dann eher deutlich aus ...
Hmmm.
Stimmungscheck: Durch die Handlung ist der Typ als Bad Guy geoutet, ein Anfang ...


Zitat
Auf Zehenspitzen schlich er aus dem Schlafzimmer. Im Flur horchte er kurz an der Kinderzimmertür. Alles still.

Feste Beziehung mit Kindern, dauernd zusammenlebend.
Nächtliche Eskapaden, Richtung ˋDoppelleben ´ ... die Sache wird leider unwahrscheinlich. Andererseits wäre die kluge Art, das zu regeln, (Selber Schlafstörungen vortäuschen z.B.) nicht so aussagekräftig. Zwiespalt.

Zitat
Er musste sich beherrschen, um die Treppe nicht hoch zu hetzen, sondern jede Stufe behutsam und lautlos zu nehmen.

OK, die Sache ist dringlich, ein Trieb. Passt inhaltlich, aber der Satz ist zu akademisch:
ˋMit aller Beherrschung nahm er die Treppe Stufe für Stufe, nur niemanden wecken ... ´ irgendwoe so - also näher an der Person, den Trieb fühlen lassen, die Ungeduld.

Zitat
Leise schloss er die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich, nahm die Klinexpackung aus der Schublade und stellte sie neben den Monitor. Dann schaltete er den Rechner ein und setzte die Kopfhörer auf. Nervös trommelten seine Finger auf die Schreibtischpatte, während der Computer hochfuhr.

Och nööö ...
Ein Wichser. Na denn. Pornos schauen und so.
Sorry, das ist so mega-Klischee, da würde ich aussteigen.
Und besonders ˋKleenex´ ... das ist ein Schlüsselwort.
Lass diese Sache weg, nur PC anschalten und Kopfhörer reichen. Echt.


Zitat
Gerade noch rechtzeitig zum Showdown war er online.
Wie gebannt starrte er auf den Bildschirm:

OK ... aber da könnte wieder Gefühl mit rein: ˋGerade rechtzeitig! Den Showdown zu verpassen, das hätte er nicht verwunden. Nicht bei dem Einsatz ...´

Zitat
Der Mann saß so reglos da, dass man die Aufnahme auch für ein Standbild halten konnte. Die Schatten unter seinen Augen waren fast schwarz, die Wangen hohl und eingefallen. Nichts an seinem Erscheinungsbild ließ erkennen, dass es sich hier um den ehemaligen Filialleiter einer Großbank handelte. Der Mann war unrasiert und trug ein fleckiges Unterhemd zur ausgebeulten Jogginghose. Den Blick hielt er starr auf den Bilderrahmen in seiner Hand gerichtet.
Minutenlang geschah nichts.
Unvermittelt ruckte sein Kopf hoch, als wäre er aus einem Nickerchen hochgeschreckt. Wie in Zeitlupe stellte er den Bilderrahmen vor sich auf den Küchentisch und griff stattdessen nach der Pistole, die zwischen den schmutzigen Tellern und Tassen lag.
Er steckte sich die Waffe in den Mund.
Ein kurzes Zögern und im nächsten Augenblick peitschte ein Knall aus dem Lautsprecher des Kopfhörers.
Der Mann kippte rückwärts vom Stuhl.
Wie ein abstraktes Wandtatoo prangte der Blutfleck an der Wand hinter ihm. [/i]

eine viel zu sachliche Beschreibung ... (wiederhole ich mich?)
Der Täter beobachtet die Szene, schaut gebannt zu - aber du lieferst hier eine lauwarme (wenn auch sachliche und verständliche ) Beschreibung des Herganges - zum einen ohne Wertung der zisehenden Person, zum anderen ohne deren Vorkenntnisse.
Gut, kann man so machen, aber es ist eine verpasste Gelegenheit, den Typen vor dem Monitor weiter zu charakterisieren.


Zitat
Auf dem Bildschirm lief bereits der Abspann mit der vertrauten Titelmusik. Bevor der Livechat begann und seine Mitstreiter ihre dämlichen Kommentare loswurden, loggte er sich wieder aus. Er war zufrieden, denn er hatte seinen Wetteinsatz mehr als verdoppelt. Er griff nach der Klinexpackung und wechselte in den Pornokanal.

Nun ... OK. Meinetwegen jetzt noch ein Porno. Kann man machen ...
nur: Wenn ich das bis hier hin recht verstehe, dann hat der Typ seinen Trill durch den beobachteten Todesfall, der Pornokanal schwächt das extrem ab.
Damit wird das wieder ˋnormal´ - er hat gewettet, OK, auf eine seltsame Sache, auch OK, aber er bleibt ein normaler Wichser dabei.
Und?
Davon gibt es Millionen, das ist langweilig.
Der Trill muss m.E. bei der Wette, dem Suicid und vor allem beim Beobachten desselben bleiben - sonst trillt das genau gar nicht. Sorry.

Also, zu deinen Fragen:
Funktioniert alles, Dritte Person und Anonym und so - nur, diese Szene verrät nocht gar nichts (was viel schlimmer ist als ˋzu viel´.
So etwas ist einfach zu normal, zu klein, zu durchschittlich.
Lass den Typ wenigstens onanieren, während er die Suizid-Szene anschaut. Oder sowas. Und nachher das Kleenex suchen (geplanter Trieb ist öde)
Und erst dann horchen, ob niemand was gehört hat.
Und vielleicht einen Gedanken haben, der darauf hinausläuft, was er mit einem Kind angestellt hätte, wäre eines überraschen reingekommen.

Halt in Richtung ˋda ist einer, der geilt sich an Gewalt, Tod und Grausamkeit auf.
(absolutes Minimum ist ein Kanal für hardcore SM ... )

hoffe, das hilft
cheers, Uli

Offline Schreibsuse

  • Bratwurst
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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #7 am: 23 April 2018, 06:05:18 »
Hallo Uli,

vielen Dank für deine hilfreiche Röstung!!

Dass mit dem Prolog werde ich noch mal überdenken. Vielleicht wird es auch anstatt des Prologs die erste Szene werden.
Was durch Eure Röstungen hier klar geworden ist, ist, dass es die Szene bei aller Bemühung es kurz und knapp zu halten, um nichts wirklich zu verraten nun eindeutig zu knapp ist und die Stimmung nicht rüberkommt.

Die Person "er" ist für den Roman nicht entscheidend. Ich will hier nicht einen Mann vorstellen, den ich am Ende als Täter präsentiere. Denn es gibt nicht den einen Täter. Es ist eine Gruppe Menschen, die sich untereinander nicht kennen. "Er" stand in der Szene stellvertretend für all die anderen Täter und sie alle haben ein Doppelleben. Müssen sie ja haben, denn ihr Hobby ist illegal. Tatsächlich wollte ich dieses nur kurz andeuten.

Tatsächlich wäre es das Schlimmste, was passieren kann, wenn die Szene schon zu viel verrät. Das würde die nächsten 200 Seiten überflüssig machen. Auf S. 200 ca. wird die Prota erfahren was da gespielt wird und dann kann ich auch gleich da einsteigen. Daher überlege ich jetzt doch vielleicht besser auf die Eröffnungsszene (Prolog oder 1. Kapitel . . . egal wie es auch immer heißen soll, das ist mir ziemlich wurscht, denn darum geht es ja nicht) zu verzichten.

Auf jeden Fall hat mir deine Kritik gute Denkanstöße verschafft. Vielen Dank dafür!!







Offline Trippelschritt

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #8 am: 23 April 2018, 09:29:40 »
Erst einmal eine Schnellantwort. Ich melde mich später noch einmal, wenn ich Zeit habe. Mir fehlt keine Info in den ersten drei Zeilen. Was Du mitteilst, überlasse ich dir. Für mich solltest Du nur das "er" und "ihr" weglassen, weil das für mich mit zu den stärksten Indikatoren gehört, dass da ein Anfänger seine ersten Schritte versucht. Kein Problem, den Mann anonym zu halten, wenn Du das für nötigt erachtest. Aber das kannst du nicht machen, indem du dem Leser jedes Bild vorenthältst.
Stell Dir einmal dieselbe Szene in einem Film vor. Da sehen die Zuschauer etwas, was sie nicht kennen und was sie (noch) nicht verstehen. Aber sie haben Bilder. Und Du hast eine große Bandbreite von Wörtern, mit denen Du entscheiden kannst, was du dem Leser anbieten möchtest. Mann, Schatten, Kopf mit Bartstoppeln. ... Alles ist besser als er und ihr.

Bis denne
Trippelschritt

Ich habe jetzt mal meine Leselupe eingesetzt. Es könnte sein, dass ein Teil des Textes kursiv gesetzt ist. das erklärt mein Missveständnis. (Ich bin zur Zeit weit weg von voller Sehkraft.)
Im Übrigen stimme ich Uli zu, dass es sich hier nicht um ene Prolog zu handeln scheint. Näheres kann man aber erst sagen, wenn der Folgetext kommt. Für mich ist diese Szene spannend genug, um weiterzulesen. Meine Bemerkung zu den ersten Sätzen bleibt aber bestehen. Ist glücklicherweise leicht auszuräumen.
Ts.
« Letzte Änderung: 23 April 2018, 12:03:55 von Trippelschritt »
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Offline Taurussieben

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #9 am: 23 April 2018, 21:02:50 »
Hi,
 :kaffee2:

Ich mache mehr eine oberflächliche Röstung, mein Kopf steckt leider gerade woanders fest.

Für mich funktioniert der Text nicht richtig. Die Stimmung kommt für mich rüber, ist er gespannt auf den Finaltag, beschämt, hat er der Sache entgegen gefiebert. Was empfindet er hinterher, bevor er auf den Pronokanal wechselt. Nichts? Hält er alles nur für ein Spiel? Oder weiß er das es die Realität ist? Wenn ich lese was er tut, empfinde ich persönlich nichts. (Vielleicht bin ich auch abgestumpft  :uhoh:)

Die Person, die er betäubt hat, ist seine Frau? Ich hatte ihn eher für seine Mutter gehalten, keine Ahnung wieso.  :glotz:

Vielleicht kannst du den Prolog auch erst anfangen, wenn er schon am Schreibtisch sitzt und den Rechner hoch fährt, und dich dann stärker auf den Protagonisten in dem Moment konzentrieren, was denkt, empfindet, tut...

 :b2:
  • Ich schreibe gerade: Lucretias Traum

Offline Xaranis

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #10 am: 24 April 2018, 09:10:42 »
Hallo,

auch von mir noch ein spätes Rösti. Ich hoffe, du kannst damit nach den zahlreichen Antworten noch etwas anfangen.
Ich hatte den Text ein paar Mal gelesen, kam aber erst jetzt dazu, mich damit eingehender zu befassen und zu hinterfragen, wo es hakt und woran das liegen könnte.



Zitat
Endlich hörte er das ersehnte Geräusch ihres flatternden Gaumensegels. Sie hatte die Tiefschlafphase erreicht.
Trotz des heimlich verabreichten Schlafmittels hatte es viel zu lange gedauert.

Ok, warum er seine Frau mit Schlafmitteln betäubt, wirft durchaus Fragen auf, ist aber dennoch unspektakulär und für mich einfach sterotyp.
Dadurch entsteht für mich zwar einerseits Neugier, andererseits bleibt aber ein seltsam fader Beigeschmack von Einfallslosigkeit.

Zitat
Ausgerechnet heute am Finaltag.

Gehts hier um Fußball? Darf er das nicht gucken, ohne sie vorher zu betäuben? Armer Teufel.  :cheese:
Ich erhalte den Eindruck, hier einen Bösewicht vor mir zu haben (wegen der Betäubung) und jemanden mit wenig Durchsetzungsvermögen (zumindest gegenüber seiner Frau). Er agiert heimlich, weil er sich offen nicht traut. Und sonderlich zugetan scheint er seiner Frau auch nicht zu sein.
Soweit das, was ich rauslese.

Zitat
Er musste sich beherrschen, um die Treppe nicht hoch zu hetzen, sondern jede Stufe behutsam und lautlos zu nehmen.

"Er musste sich beherrschen" bleibt für mich leer. Zeige mir das. Was weiß ich: Mit Herzklopfen und Handschweiß, wenn's sein muss. Schaffe Atmosphäre.
 
Zitat
Leise schloss er die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich, nahm die Klinexpackung aus der Schublade und stellte sie neben den Monitor.

Ok. Ich tippe jetzt auf Porno, nicht auf Fußball.  :cheese: Was ein neues Licht auf die Dinge wirft.

Zitat
Dann schaltete er den Rechner ein und setzte die Kopfhörer auf. Nervös trommelten seine Finger auf die Schreibtischpatte, während der Computer hochfuhr.
Gerade noch rechtzeitig zum Showdown war er online.
Wie gebannt starrte er auf den Bildschirm:
Der Mann saß so reglos da, dass man die Aufnahme auch für ein Standbild halten konnte. Die Schatten unter seinen Augen waren fast schwarz, die Wangen hohl und eingefallen. Nichts an seinem Erscheinungsbild ließ erkennen, dass es sich hier um den ehemaligen Filialleiter einer Großbank handelte. Der Mann war unrasiert und trug ein fleckiges Unterhemd zur ausgebeulten Jogginghose. Den Blick hielt er starr auf den Bilderrahmen in seiner Hand gerichtet.
Minutenlang geschah nichts.
Unvermittelt ruckte sein Kopf hoch, als wäre er aus einem Nickerchen hochgeschreckt. Wie in Zeitlupe stellte er den Bilderrahmen vor sich auf den Küchentisch und griff stattdessen nach der Pistole, die zwischen den schmutzigen Tellern und Tassen lag.
Er steckte sich die Waffe in den Mund.
Ein kurzes Zögern und im nächsten Augenblick peitschte ein Knall aus dem Lautsprecher des Kopfhörers.
Der Mann kippte rückwärts vom Stuhl.
Wie ein abstraktes Wandtatoo prangte der Blutfleck an der Wand hinter ihm.
»Strike«, entfuhr es ihm einen Tick zu laut. Nervös schaute er zur Tür und lauschte eine Weile. Alles blieb still.
Auf dem Bildschirm lief bereits der Abspann mit der vertrauten Titelmusik. Bevor der Livechat begann und seine Mitstreiter ihre dämlichen Kommentare loswurden, loggte er sich wieder aus. Er war zufrieden, denn er hatte seinen Wetteinsatz mehr als verdoppelt. Er griff nach der Klinexpackung und wechselte in den Pornokanal.

Hier habe ich zwei Probleme.
1. Das alles erreicht mich atmosphärisch null. Ich denke, es liegt daran, dass ich keine Ahnung habe, was du mir eigentlich damit mitteilen willst - oder zumindest nicht zielgerichtet genug darauf hinarbeitest.
- Willst du nur den Ablauf eines Films darstellen? -> Wozu soll das dienen?
- Oder willst du den Kerle dadurch charakterisieren? -> Ok. Er steht nachts auf, guckt brutale Filme und schließt mit anderen Wetten darauf ab. Hmmm. Soll mich das schockieren? Oder soll mir das irgendwas über ihn vermitteln? Was es auch ist - es funktioniert nicht. Diese Erkennungsmerkmale sind nicht prägnant genug um als solche zu dienen. Ich hoffe, du weißt, was ich meine.
Als weitere Stimmungskiller kommen dazu:
a) Der Film, der da abläuft, ist so distanziert und emotionslos hingeklatscht, dass er bedeutungslos und banal ist. Vielleicht ist das Absicht. Vielleicht willst du damit zeigen, wie wenig ihn das berührt, was da abläuft. In unserer abgebrühten Fernsehwelt aber keine Besonderheit, die mir etwas über den Antagonisten sagt. (Wie schon erwähnt: Nicht prägnant genug, nicht "Besonders", nichts, was ihn von der Masse abhebt)
ABER: Wenn er das so distanziert und nüchtern betrachtet - warum war er dann zuvor so im Fieber, dass er sogar seine Frau betäubt und gar nicht erwarten kann, an den Bildschirm zu hechten? Ist er nicht gespannt, ob er seine Wette gewonnen hat? Das widerspricht sich stimmungstechnisch.
b) Als Leser komme ich nicht umhin, mich zu fragen: Wenn das, was da am Bildschirm passiert so banal ist - warum soll ich das dann lesen?

2. Ich habe Probleme mit "ihm". Denn "er" ist einmal der Mann vor dem Bildschirm und plötzlich, ohne Übergang, ist "er" der Mann im Film, der sich erschießt, so dass ich denke, der Mann vorm Bildschirm erschießt sich. Dann ist "er" plötzlich wieder der Mann vorm Bildschirm, der sich über die gewonnen Wette freut.
Die allerdings löst in mir keinerlei Schock oder andere Emotionen aus. Vielleicht auch deshalb, weil ich damit beschäftigt war, darüber nachzudenken, wer "er" ist.



Zitat
Meine Fragen hierzu sind:
1. Verrät der Prolog schon Zuviel?

Für mich ist das nicht als Prolog erkennbar, sondern eher als Szene. Eine schwache Szene obendrauf.
Ich habe aber sowieso nie verstanden, warum manche Leute so verkrampft an Prologen festhalten. Für die Meisten, die ich kenne, sind sie nicht weiter als eine Einladung zum Überblättern und ich persönlich stöhne schon jedesmal, wenn ein Buch mit "Prolog" beginnt.
Ich würde ihn also streichen und direkt in die Geschichte einsteigen.

Zitat
2. Funktioniert ein Prolog in der 3. Person, in der die Figur anonym bleibt (soll sie und will sie!)
3. Funktioniert es, dass der Text anschließend als "Ich"-Erzähler weiterläuft.

Du kannst natürlich einen Prolog in der dritten Person verfassen und dann in den Ich-Erzähler wechseln.
Aber wofür? Um ihn mysteriös erscheinen zu lassen?

Soweit von mir.
Ich hoffe, es ist etwas dabei, was dir weiterhilft.  :cheese:
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Schreibsuse

  • Bratwurst
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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #11 am: 25 April 2018, 06:20:48 »
@ Taurissieben  und @ Xaranis

Vielen Danka auch Euch für die konstruktive Röstung!

An eurer Röstung sehe ich wirklich deutlich, dass die Szene nicht funktioniert. Ihr verlangt fast alle mehr Informationen und Emotionen. Aber die Gefahr, dabei bereits zu verraten, worum es geht, ist viel zu groß.

@ Xaranis
Nein, natürlich ist es kein Fussballspiel! Aber dennoch ein Finale. Ich dachte, es wäre schon zu eindeutig, um welche Art von Finale es sich hier handelt. Ich hatte vorausgesetzt, dass der Leser das sofort begreifen würde, dass sich hier Jemand etwas Illegales im Darknet anschaut. Aber offenbar gibt es doch Leser, die da den falschen Bogen schlagen.
Wie schon gesagt, "Er" ist nicht der Protagonist. "Er" steht für irgendeinen Zuschauer dieser perfiden Serie.

@Taurussieben
Die Mutter?? :o huh?
Wer schläft denn mit seiner Mutter in einem Bett?  :cheese:

Ich denke, ich werde diese Szene weglassen und meinen ursprünglichen Anfang wählen. Dann sind alle Missverständnisse ausgeräumt und verraten wird auch nix.

Danke Euch für die Hilfe!

Offline Xaranis

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #12 am: 25 April 2018, 08:48:46 »
Das größer Problem sah ich darin, dass atmosphärisch halt vieles nicht zusammenpasste.
Vielleicht hilft es dir weiter, wenn du dabei ein paar Dinge auf dem Schirm hast, die gern beim Schreiben übersehen werden (auch hier im Forum!)
Ich möchte mich da auch gar nicht ausnehmen. Aber ich versuche immer, mir folgendes vor Augen zu führen:
- Welche Stimmung erzeugen die Sachverhalte, die ich gerade niederschreibe? Passt das in den Kontext?
Im Forum bleibt in bedrohlichen Situationen immer wieder auch die Zeit für einen nostalgischen Blick in die Vergangenheit (der da nix zu suchen hat), einen Rundumblick im Zimmer oder eine Bestandsaufnahme der Klamotten, die andere Leute am Leib tragen. Beats (das Tempo innerhalb der Szene, z.B. durch Einschübe) passen nicht. Wo knappe Infos auf wenigen Zeilen verlangt werden, um Tempo zu schaffen, wird ein Brei aus Hintergrundinfos geliefert oder Bilder gebracht, die falsche Assoziationen auslösen. Auch die Möglichkeiten der Charakterisierung geraten dabei immer wieder in den Hintergrund.
- Sind die Worte exakt gewählt? Wenn du dir ein Synonym-Wörterbuch zur Hand nimmst, findest du jede Menge Worte, die zwar im Prinzip dasselbe aussagen, aber völlig andere Stimmungslagen vermitteln.
"Festhalten" ist z.B. etwas anderes als "Festklammern". Und "Festkrallen" ist wieder etwas Anderes. Welches der Worte passt am Ehesten in die Situation? Oder auch zu deinem Charakter? Klingt banal und im Prinzip wird jetzt jeder sagen: "Weiß ich doch!". Trotzdem gerät es beim Schreiben immer wieder aus dem Fokus. Dabei macht es einen großen Unterschied. Es wird viel geschrieben, aber viel zu wenig mit der Sprache gespielt!
- "Show - don't tell". Ein jeder hier im Forum kennt diese Regel - aber sie wird trotzdem nicht umgesetzt!
Und zwar immer dann, wenn es um darum geht, wie eine Figur sich fühlt.
z.B. wird geschrieben: "Sie war nervös" statt zu schreiben "Sie knetete sich die Hände" - was eine nervöse Handlung darstellt.
"Er hatte Angst" kann man z.B. zeigen, indem er sich alle zwei Sekunden umdreht oder auf jedes Geräusch lauscht.
So war es auch bei dir, als der Antagonist das Schlafzimmer verließ. Statt zu schreiben "Er musste sich beherrschen, nicht zu hetzen" hätte ich ihn halt z.B. an der Kinderzimmertür lauschen lassen, dann langsam die ersten drei Stufen nehmen, die blöderweise knarzen, wenn man die falsche Stelle erwischt und dann, als er sich sicher ist, dass er weit genug oben ist, hätte ich ihn jeweils zwei Stufen auf einmal nehmen lassen.
Vielleicht ein kleiner Denkanstoß, sich auch mit dieser Thematik "Atmosphäre" nochmal eingehender auseinanderzusetzen.
Wann immer ich in Versuchung bin, zu schreiben "Er/Sie fühlte sich so oder so" halte ich inne und überlege: Wie äußert sich das?
Das gleiche gilt für Charakterisierungsmerkmale. Wenn z.B. jemand arrogant rüberkommen soll, lasse ich ihn Dinge tun oder sagen, die man für gewöhnlich als arrogant empfindet.

So. Das war das Wort zum Sonntag.  ::)
Aber ich hoffe, das gibt dir den ein oder anderen Impuls beim Schreiben deiner Szenen. :kaffee2:
« Letzte Änderung: 25 April 2018, 09:45:50 von Xaranis »
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Offline Schreibsuse

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #13 am: 26 April 2018, 06:22:10 »
Hallo Xaranis!

Wow . . . du hast es wirklich perfekt auf den Punkt gebracht! Und mir vor allem sehr deutlich vor Augen geführt wo das Problem liegt. Ich versuche mich mal an einer neuen Version.

Hab gaaanz vielen Dank!!!




Offline Ayira

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #14 am: 26 April 2018, 14:09:59 »
ich klau mir diesen Punkt auch ganz frech, Xaranis - im Endeffekt harperts bei mir auch immer wieder mal genau an diesen Stellen, obwohl ich diese Stellen eh auch selber predige.  :cheese:

Ich rahm's mir ein und häng's mir vor den PC.  :grinwech:
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Offline Xaranis

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #15 am: 26 April 2018, 15:33:57 »
Der Unterschied zwischen "wissen" und "verinnerlicht haben". Passiert mir ständig, dass irgendwas wieder aus dem Fokus gerät.
Dann stolpere ich wieder drüber und merke, dass ich das gar nicht umsetze.   :gnaah:
So viel Zeug, das man alles gleichzeitig im Hinterkopf behalten soll.  :confused:
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Offline eska

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Re: Dark Watch_ Prolog
« Antwort #16 am: 26 April 2018, 22:40:45 »
Zitat
So viel Zeug, das man alles gleichzeitig im Hinterkopf behalten soll.  :confused:

Na, dafür sind wir ja hier, um einander zu erinnern bzw. auf den richtigen Weg zu bringen ( :pruegel:).
 ;D
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