Autor Thema: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit  (Gelesen 279 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Robur

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 16
Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« am: 05 Dezember 2017, 13:06:53 »
Moin moin

Mit zitternden Fingern lege auch ich den Anfang meines Werks auf den Grill und warte mal ab, was geschieht. Bisher haben lediglich mir freundlich gesinnte Testleser drauf geschaut und ich bin gespannt, was die sadistischen Röstteufel in dieser Hölle damit anfangen. Spezielle Fragen habe ich eigentlich nicht, sondern bitte lediglich darum zu benennen, was euch so auffällt.

Viel Spaß beim Rösten
Robur



Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.
Sie stieg so schnell aus dem Bett, wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubte. Sie trug nur ein Nachthemd, machte sich aber nicht die Mühe sich vollständig zu bekleiden. Stattdessen zog sie bloß Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über. Ihr Aussehen als Kommandantin der Quercus war zweitrangig, wenn das Schiff ohnehin gleich zerstört werden würde. Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Spinde waren nachträglich an den Wänden befestigt worden und engten die schmalen Korridore der Quercus noch mehr ein. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie achtete nicht auf die vor Schreck bleichen Gesichter und auch nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.

Bei der Quercus handelte es sich um ein zylindrisches Konstrukt, welches aus acht aneinander geschweißten mittelgroßen Transportschiffen bestand. Da es sich hierbei um acht unterschiedliche Raumschiffe handelte, sah das Ergebnis entsprechend zusammengewürfelt aus. Doch die Quercus war ein gutes und robustes Schiff – bewohnt seit über hunderdreißig Jahren.
Vier Speichen verbanden das langgezogene Zentralmodul im Inneren des Zylinders mit vier der ehemaligen Transportschiffe, die nun als Teilschiffe der Quercus bezeichnet wurden. Der Antimateriegenerator befand sich von Malget aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des Schiffes, daher beschloss sie den Weg über das Zentralmodul zu nehmen.
Am Durchlass zur nächsten Speiche erklomm Malget mit einem Ächzen, die in die Wand eingelassenen Sprossen und kletterte durch die Deckenöffnung in die Röhre hinein. Rasch ließ die durch die Rotation erzeugte Schwerkraft nach und schon bald konnte sie sich abstoßen und schwerelos in das Zentralmodul hinein gleiten. Wie immer schwebten zahlreiche Spielzeuge in der Luft – die Kinder der Quercus hatten ihren Spaß an der Schwerelosigkeit. Kurz verspürte Malget einen Anflug von Ärger. Wie oft hatte sie befohlen nicht eine solche Unordnung zu hinterlassen? Doch neben dem noch immer anhaltenden Alarm verflog der Ärger über diese Banalität so schnell wie Gesteinsspliter im Solarsturm. Malget vollführte einen halben Salto, wodurch sie mit den Füßen voran in die gegenüberliegende Speiche schwebte. Dabei blähte sich ihr Bademantel auf, den sie mit einer ärgerlichen Bewegung wieder ordnete. Dann war sie im Inneren der Speiche und wenige Sekunden später hatte die künstliche Schwerkraft sie erneut erfasst und sie musste nach den Sprossen greifen, um an ihnen herab zu klettern.

Unter sich hörte sie schnelle Schritte, die aufgeregte Stimme von Jarava und gleich darauf Sorrin, der seine Adoptivtochter anschnauzte sie solle nicht im Wege stehen. Malget beeilte sich hinab zu steigen. Als ihr Fuß die letzte Sprosse verließ und sich auf den Metallboden des Korridors stellte, der die Messe mit dem Maschinen- und dem Laderaum des Teilschiffes verband, erklang erneut die Stimme von Sorrin. »Schalte endlich diesen verdammten Alarm aus!«
»Wie denn?«, antwortete Jarava.
»Was weiß ich denn?!«, brüllte Sorrin zurück.
Malget folgte den Stimmen zum Laderaum, in dem der Antimateriegenerator untergebracht war. Die hierzu gehörigen Gerätschaften nahmen den Frachtraum des Schiffes so sehr ein, dass man sich nur seitwärts und durch immerwährendes Ducken zwischen ihnen bewegen konnte. Im ersten Moment konnte Malget weder Sorrin noch Jarava sehen und wo man den Alarm ausschaltete wusste auch sie nicht – zu viel Zeit war verstrichen, seit das letzte Mal ein kritischer Defekt im Antimateriegenerator aufgetreten war. Sie sah eine Bewegung zwischen den herabhängenden Kabeln und erkannte die dürre Gestalt von Jarava auf sich zuhasten. Das Gesicht der jungen Frau war blass und sie trug bloß eine leichte Stoffhose und ein  einfaches Shirt, während die kurzen blonden Haare in alle Richtungen abstanden – offenbar hatte der Alarm auch sie aus dem Schlaf geprügelt. Ihre Augen waren weit aufgerissen und Angst stand darin, was wiederum Malgets Puls beschleunigte. Äußerlich blieb sie ruhig, bereitete sich innerlich aber auf das Ende vor. Sie musste all ihre Selbstkontrolle aufbringen um Jarava nicht am Kragen zu packen und sie schüttelnd nach einer Erklärung zu verlangen. Stattdessen trat sie beiseite und ließ die junge Frau an sich vorbei rennen. Aus dem Laderaum hörte sie Sorrin einen ungehaltenen Fluch ausstoßen. Dann ein Knall und ein noch lauterer Fluch.
»Beeil dich!«, brüllte er, obwohl Jarava ihn inzwischen nicht mehr hören konnte.
»Sorrin!«, rief Malget. »Was kann ich tun?«
»Malget?«, kam von Sorrin erstaunt zurück. »Was- Ach egal. Nein, gar nichts. Komm nicht rein – die Ladeluke-«
Er verstummte mitten im Satz, es ertönte ein weiterer Knall, gefolgt von einem wütenden Brüllen. Hinter Malget näherten sich rennende Schritte, als Jarava zurückkam. Sie trug zwei leichte Raumanzüge und hatte sich schon den Helm des einen übergestülpt. Malget nahm wahr, dass sie keine der schweren Sauerstoffflaschen dabei hatte.
»Schott schließen!«, rief sie atemlos und hastete vorbei. Sie kämpfte sich durch den Maschinendschungel, während es Malget eiskalt den Rücken hinablief. Sie verstand nun, was Sorrin vorhatte. Mit einem mulmigen Gefühl trat sie zurück und betätigte den massiven Schalter. Zischen und Quietschend glitt das luftdichte Schott in seine Verriegelung. Malget wandte sich ab und ging raschen Schrittes zur Brücke dieses Teilschiffes. Die Hauptbrücke der Quercus lag in der Nähe ihres Quartiers. Von der Brücke dieses Teilschiffes aus war es lediglich möglich, die Kameras einzuschalten, um das Geschehen zu verfolgen. Vielmehr konnte sie in dieser Situation sowieso nicht unternehmen. Als sie die Stufen zur Brücke erreicht hatte, kam ihr ehemalige Chefmechaniker Gransich aus dem Verbindungskorridore zum benachbarten Jerkas-Teilschiff. Im Gegensatz zu Malget war er vollkommen bekleidet. Mit ihm erreichte sie ein intensiver Geruch nach altem Schweiß und Alkohol, den Malget für den Moment ignorierte.
»Was ist los?«, fragte er mit kratziger Stimme. »Ist das etwa- ?« Ein Hustenanfall hinderte ihn daran den Satz zu beenden.
Malget stieg die Stufen hinauf und rief ihm über die Schulter hinweg zu: »Sorrin wirft den Antimateriegenerator raus.«
»Was?!«, entfuhr es Gransich entsetzt, doch Malget achtete nicht weiter auf ihn, sondern betrat die Brücke und setzte sich auf den Drucksessel, der einst für den Piloten bestimmt gewesen ist. In diesem Moment verstummte der Alarm endlich. Sorrin hatte den Generator vermutlich soeben abgekoppelt. Ihre Finger flogen über die Konsole und drei der Monitore erwachten flimmernd zum Leben. Der vierte blieb schwarz. Sie gab weitere Befehle ein und ein Bildschirm nach dem anderen zeigte Aufnahmen der noch funktionierenden Außenkameras. Sie schaltete die Unnötigen weg, sodass nur die Aufnahmen jener zwei Kameras blieben, welche die Ladeluke im Bild hatten. Es war dunkel, da sie sich auf der von der Sonne abgewandten Seite der Quercus befanden.
Hinter ihr stiegt Gransich schnaufend die Metallstufen hinauf und hustete erneut.
»Der Antimateriegenerator?«, keuchte er. »Bei den Sternen!«

Malget spürte wie eine sachte Erschütterung durch das Schiff ging und auf beiden Kameras war zu sehen, wie sich die Luke langsam öffnete. Licht drang aus dem sich weitenden Spalten und kaum dass die Öffnung groß genug war, erschienen Sorrin und Jarava in ihren Raumanzügen. Es war nicht auszumachen wer von beiden wer war. Sie schoben und zogen einen großen metallischen Zylinder, der sich auf den am Boden angebrachten Schienen bewegte, die irgendeiner der Erbauer der Quercus in weiser Voraussicht dort angebracht hatte. Als das Große Gerät das Ende der Führungsschienen erreicht hatte, wurde es von der Rotation des Raumschiffes erfasst und gewissermaßen nach unten gezogen. Einer der beiden Gestalten im Raumanzug stieß sich ab und bekam den Generator zu fassen. Das Halteseil zog sich straff. Mit angehaltenem Atem beobachtete Malget, wie die Person etwas am Gerät verrichtete. Sie versuchte die Packs zu aktivieren, die vor Ewigkeiten an dem Generator angebracht worden waren. Wann hatten sie diese das letzte Mal erneuert? Vor zwanzig Jahren? Dreißig? Hoffentlich funktionierten sie noch. Zwar würde allein die Rotation ausreichen um den Generator von der Quercus fortzuschleudern, doch niemand wusste, ob das Gerät sich schnell genug entfernen würde.
Endlich stieß sich die Gestalt vom Generator ab und schwebte seitlich weg, während die andere Person im Laderaum die Rolle aktivierte, mit dem das Halteseil eingeholt wurde. Sekunden später zündeten die Packs, was Malget ein erleichtertes Japsen entlockte. Sie hielt die Armlehnen des Stuhles gepackt. Hinter ihr gab Gransich ein heiseres Stöhnen von sich.
Angetrieben von den Packs beschleunigte der Generator und war innerhalb weniger Sekunden aus dem Blickfeld der Kamera verschwunden. Malget löste ihre verkrampften Hände von den Armlehnen und gab mit steifen Fingern Befehle ein. Eine der Kameras richtete sich so aus, dass sie den Flug des sich entfernenden Antimateriegenerators verfolgen konnte.
»Bei den Sternen...«, ächzte Gransich. Er trat zwei Schritte beiseite und ließ sich dann so schwer in den Drucksessel des Copiloten fallen, dass die Aufhängung knirschte. »Wir hätten alle tot sein können... Bei den Sternen… Wie konnte das nur…?«
»Weiß ich auch nicht«, zischte Malget gestresst. Sie lehnte sich vor und betätigte die Kommunikationsanlage. »Sorrin? Jarava? Könnt ihr mich hören?«
Sie wartete ab, doch es kam keine Bestätigung. Vermutlich hatten die beiden in der Hektik die in den Anzügen integrierten Kommunikationsgeräte nicht eingeschaltet. Doch das war ohnehin nicht notwendig, denn mit der verbliebenen Kamera beobachtete Malget, wie die eine Gestalt die Ladeluke nun wieder erreichte.
»Bei den Sternen – das ganze Schiff hätte es zerreißen können«, murmelte Gransich erneut und hustete. »Ich brauche einen Schluck. Du auch?«
Malget schüttelte stumm den Kopf. Sie lies den Bildschirm mit dem Antimateriegenerator nicht aus den Augen und schaltete auf eine andere Kamera um, nachdem die erste Kamera den Generator aufgrund der Rotation der Quercus aus dem Blick verloren hatte. Mit dem sich entfernenden Generator schien die akute Gefahr zwar vorüber zu sein, doch sicher waren sie noch lange nicht. Wenn der Generator zu nahe an der Quercus explodierte konnte dies immer noch erhebliche Schäden, wenn nicht sogar die Zerstörung des Raumschiffes zur Folge haben.
Gransich brummelte etwas unverständliches. Stoff raschelte und der Schraubverschluss seines Flachmannes quietschte. Malget beachtete ihn nicht weiter, sondern rief die Übersicht zu dem am Laderaum angebrachten mobilen Speichertank auf. Er war zu 63% gefüllt, was keine allzu schlechte Nachricht war. In den Tanks der acht Teilschiffe befand sich zudem schon Antimaterie vom ersten Generiervorgang. Damit würden sie etliche hundert Lichtjahre weit kommen, wenn sie die Antriebe effizient laufen ließen. Doch was dann? Ohne Generator war es ihnen nicht möglich, neuen Treibstoff für die Antriebe zu produzieren. Sie würden also entweder neue Antimaterie oder einen neuen Generator kaufen müssen. Beides war teuer. Hinzu kam, dass ein Antimateriegenerator schwer zu beschaffen war. Natürlich würde die Arbeit bei der Ernte auf Castor einige Credits einbringen, doch ein Vermögen ließ sich damit bei weitem nicht verdienen. Dessen ungeachtet mussten sie sich neben einem neuen Generator auch um neue Vorräte und Ersatzteile kümmern. Soweit sie wusste, schwächelten die Luftfilter auf dem Otamot-Teilschiff, während der Wasseraufbereiter auf dem Jerkas-Teilschiff seit einigen Wochen nicht mehr richtig funktionierte. Zu guter Letzt stimmte etwas mit der Bewässerung in ihrem Farm-Teilschiff nicht.

Hinter Malget erklangen Schritte und sie wandte sich um. Sorrin betrat die Brücke. Das Gesicht mit den großen Fischaugen, war gerötet. Er hatte den Raumanzug ausgezogen und trug nur noch Shorts und ein fleckiges Shirt. In seinem Gesicht stand eine seltsame Mischung aus Unglauben und Schuldbewusstsein.
»Das war wirklich knapp«, schnaufte er und strich mit bebender Hand die viel zu langen Haare zurück, die in schweißnassen Strähnen herab hingen. Hinter ihm erschien die dürre Gestalt von Jarava, die ihre Arme eng um den Oberkörper geschlungen hatte.
»Bei den Sternen..«, murmelte Gransich erneut und bot Sorrin seinen Flachmann an, den dieser mit einer Handbewegung ablehnte. Auch Jarava verzichtete mit einem Kopfschütteln.
»Hm.« Malget blickte auf den Monitor, auf dem der sich weiterhin entfernende Generator kaum noch zu erkennen war. Die Packs hatten aufgehört zu feuern und nur noch die Reflexion des Sonnenlichts hob ihn von der Dunkelheit ab.
»Wie konnte das passieren?«, wollte sie wissen, während sie sich vorstellte, wie die tödliche Antimaterie aus dem Generator heraus strömte. Der Gedanke, dass dies innerhalb der Quercus hätte geschehen können, verursachte ihr eine Gänsehaut.
»Ich..«, begann Sorrin mit belegter Stimme und kratzte sich an der eingefallenen Brust. Er zuckte mit den Schultern, druckste kurz herum und sagte dann endlich: »Eine Spule muss ausgefallen sein, weshalb das Magnetfeld an dieser Stelle… na ja… so etwas wie ein Loch bekam - quasi.«
Sie wandte sich dem Mann zu, dessen einzige Aufgabe es war, sich um diesen hochsensiblen Generator zu kümmern. Ihm war deutlich anzusehen, wie unwohl er sich fühlte. Er betrachtete seine ausgetretenen Schuhe und kratzte sich hinter dem rechten Ohr.
Malget fragte streng: »Ich frage dich erneut: Wie konnte das passieren? Du hast doch vor der Aktivierung alles überprüft!«
»Ja schon!«, beeilte sich Sorrin zu sagen. »Das schon aber… keine Ahnung. Vielleicht eine Fluktuation in der Energieversorgung - was aber eigentlich aufgrund der vorgeschalteten Kondensatoren auch nicht sein kann… oder… vielleicht – hach, keine Ahnung.« Er zuckte mit den Schultern.
Malget schnaubte genervt. »Dann überprüfe jetzt die Tanks. Danach könnt ihr die Antimaterie auf die Antriebe der Teilschiffe verteilen.«
»Ich habe den Generator überprüft!«, wiederholte Sorrin und riss seinen Blick endlich von den Schuhen los. Er sah sie hilflos, ja fast flehend an. Auch Jarava wirkte äußerst unglücklich. Malget hatte den Eindruck als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen wollen. Das Mädchen schien sogar zu zittern. Sie konnte es ihr nicht verdenken. Ihr selbst saß der Schrecken noch immer tief in den Knochen.
»Malget...« begann Sorrin und holte tief Luft, bevor er weitersprach: »Ich arbeite seit dreißig Jahren mit dem Generator. Ich kenne das Gerät in- und auswendig. Ich sage dir: Ich habe vorher alles überprüft. Da war alles noch in Ordnung. Alles lief im Optimum, na ja, fast – du weißt ja, wie alt das Ding ist. Sagen wir: Es lief in seinem persönlichem Optimalbereich. Ich kann mir wirklich nicht erklären wie das passieren konnte. Es hätte nicht passieren dürfen.«
»Ist ja gut«, schnaubte Malget. Fakt war, dass es unter seiner Aufsicht zu einem Zwischenfall gekommen war, der sie beinahe das Schiff und ihrer aller Leben gekostet hätte. Daran gab es nichts zu rütteln. Sie musste jedoch eingestehen, dass sie Sorrin vermutlich keinen Vorwurf machen konnte. Sein ganzes Leben lang hatte er sich um den Generator gekümmert und das war keine einfache Aufgabe. Wie bei unzähligen anderen Bauteilen, Modulen und Geräten, so fiel auch hier alles auseinander, kaum dass man einmal den Blick kurz abwandte. Sisyphusarbeit. Hinzu kam, dass oftmals die Credits fehlten, um alle benötigten Bauteile zu erstehen, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass entsprechende Teile schwer zu beschaffen waren. In all den Jahren hatte Sorrin den Generator vor allem mit sehr viel Liebe und noch mehr Flickmaterial zusammenhalten können. Wenn er den Defekt am Generator nicht bemerkt hatte, dann hätte es niemand gekonnt. Er war gewissermaßen mit dem Generator verheiratet und verbrachte viel Zeit damit ihn zu warten. Nun war die Ehe wohl annulliert.

Malget seufzte, bevor sie bemüht ruhig sagte: »Es war nicht deine Schuld.«
Damit war das Thema hoffentlich erledigt. Tatsächlich zeigte Sorrin die Andeutung eines Lächelns – zumindest interpretierte Malget das Zucken seines Mundwinkels als solches, auch wenn er dabei weiterhin die Ausstrahlung eines geprügelten Hundes vermittelte.
Malget fuhr fort: »Aber tu mir einen Gefallen und werfe trotzdem einen Blick auf die Tanks.«
Der dünne Mann stand einen Moment lang da und schien etwas sagen zu wollen, dann erklang ein Seufzen.
»Gut, mache ich.« Seine Stimme war so leise, dass Malget ihn kaum verstand. Trotz seiner Worte blieb er stehen. Schweigend beobachteten das Quartett, wie der Generator auf dem Bildschirm kleiner und kleiner wurde. Immer wieder blitze es kurz auf, doch die große Explosion ließ noch auf sich warten. Vermutlich nur kleine Staubkörner, die mit der Antimaterie reagierten. Inzwischen hatte sich der Generator so weit entfernt, dass sie außer Gefahr waren. Vom Korridor hörte man aufgeregte Stimmen und das Plärren kleiner Kinder. Weitere, noch an Bord befindliche Personen, hatten sich in diesem Teilschiff eingefunden. Bei ihnen handelte es sich um jene Crewmitglieder, die momentan nicht in der Lage waren bei der Ernte auf Castor zu helfen: Mütter mit Säuglingen, Kranke, Alte und jene, die für den Betrieb des Schiffes unverzichtbar waren oder sich um wichtige Reparaturen kümmern mussten.
Auf dem Monitor leuchtete ein greller Blitz auf und anschließend blieben nur noch die weite Leere und das Licht der Sterne. Die Antimaterie hatte mit der Materie des Generators reagiert. Wäre dies innerhalb der Quercus geschehen, hatte es das Schiff zerstört. Auf dem Monitor wirkte das Ereignis enttäuschend unspektakulär.

Offline eska

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 222
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #1 am: 08 Dezember 2017, 11:46:58 »
 :wow:
Huch, meine erste Antwort war plötzlich weg. Falls sie irgendwo falsch auftaucht, entschuldigt bitte.

Also nochmal:

Hi Robur;

ich hab mich mal an deinen Text gewagt. Für den Anfang habe ich eine detaillierte Liste aller Punkte, die mir aufgefallen sind (was sie vor allem deswegen tun, weil ich beim Rösten genauer hinschaue als beim normalen Lesen :lupe:). Für den fortlaufenden Text (noch) nicht; den habe ich einfach nur auf Inhalt und Verständnis gelesen.
Dazu zuerst:
1.Ich kann mich gut in die Szenerie versetzen, genug Details, vielleicht ein bisschen wenig Leben (= Leute, die Malget kennt, also namentlich). Die vier Benannten sind aber bereits Personen mit ihren Eigenarten, gut charakterisiert.

2. Das akute Problem kommt gut raus, auch schnell genug. Die Lösung ist vielleicht ein bisschen zu schnell parat und ohne Malgets Mitwirkung, was mich zum bloßen Beobachter macht, da aus ihrer Perspektive erzählt wird, und mich damit weniger reinzieht. Aber vielleicht kämpft sie ja innerlich schon mit den Folgeproblemen, die der Verlust des Generators nach sich ziehen muss? Dann könntest du das noch verstärken.

3. Die generellen Finanz-Probleme kommen schön von Anfang an raus. Woher sie stammen und was sich ändern müsste, noch nicht, aber das macht mich neugierig: Zuviel Menschen, zu wenig, Handelsrouten weggebrochen durch Kriege oder so, Heimatbasis zerstört, unfruchtbar geworden...? Also genauer gesagt: Das Normale, dem Erdenleben Vergleichbare am Leben zwischen den Sternen interessiert mich.

4. Auf mich Kaum-Sci-Fi-Leser wirkt alles stimmig, bis auf die Kleidung, wenn Schwerelosigkeit einer der normalen Zustände an Bord ist: Ein Nachthemd würde sich wohl nicht nur aufblähen, sondern einen bloßstellen, oder? Auch Shorts und Shirts stelle ich mir eher unpraktisch vor. Aber ich lasse mich gerne belehren.

5. Den Bau des Schiffes aus verschiedenen alten Transportern finde ich spannend: In was für einer Zeit hat man das gemacht? (Krise, Ressourcenknappheit, ideologisches Recycling, schon da Finanzprobleme...). Wem gehört das Ding? Einer Familie, einer Gesellschaft, einer Interessengemeinschaft? Wer macht die Politik, extern wie intern? Wer also trifft die Zukunftsentscheidungen? Malget? Wenn ja, hat sie Berater? Die Entscheidung, den Generator rauszuschmeißen hat aber nicht sie getroffen, also hat sie wohl nicht die absolute Befehlsgewalt. Falls doch, braucht sie dann nicht mehr Gewicht, Würde, Zeichen der Autorität, damit sie ernst genommen wird?
Insgesamt habe ich eheer den Eindruck, dass alles informeller funktioniert, vielleicht weil wenig Menschen da sind und damit jede/r wichtig. Z.B. gibt es keine Untersuchung, sondern Malget entscheidet nach kurzer Nachfrage: Es war nicht deine Schuld.
Dazu passt aber meines Erachtens nicht, dass die anderen, ungenannten Leute nur als Menge vorkommen. Bei z.B. 30 Leuten insgesamt würde sie bei Kindern deren Namen denken und die Gesichter an den Türen im Vorbeirennen individuell registrieren.

Das zu meinem generellen Eindruck. Es folgen meine Detailnotizen zum Anfang:


Zitat
dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß.
Ist sie so alt, dass sie nicht aufrecht sitzen kann? Oder geht es nur um die Plötzlichkeit? Dann sollte die Info später kommen (ihr Rücken meldete sich...), hier ist die Aufregung wichtiger als ihr Alter.
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand.
Komma vor wo

Zitat
kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme
ohne Komma

Der erste Absatz wirft mich von der Erregung in die Belehrung und zurück. Malget brauchst du nichts zu erklären und dem Leser noch nicht. Zieh ihn erstmal richtig rein.
Bsp.:
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden.

Wieso weiß sie nicht, wo sie ist? Schläft sie an verschiedenen Orten? Streich den Satz, zeig ihre Irritation. So ähnlich: Scheiße! Was war das? Ein ausgefallenes Lebenserhaltungssystem? Ein Fehler im Antrieb? Nein, falscher Ton.
Zitat
traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag.
Trifft einen der Einschlag oder der Meteorit? (Und wäre man dann nicht zerpulvert?) Trotzdem: nettes Bild, passt ins Genre.
Zitat
Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war.
Kürzer: die Erkenntnis...: der Antimateriegenerator!
Zitat
Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.
1. Adrenalin weiter nach vorne. (Körperliche, instinktive Reaktionen sind schneller als bewusste.)
2. Der Alarm bedeutet Schlimmes. Da denkt sie nicht in Ruhe drüber nach, wann sie den das letzte Mal gehört hat.
3. der sensibelste Part des Raumschiffes? Für den Hauptantrieb? Und dann uralt und lebensgefährlich wackelig? Was is mit Instandhaltung, Umbau etc.? Technologie verloren gegangen? Klingt nicht, als würden Menschen unter diesen Umständen das Ding regelmäßig fliegen, schon gar nicht ältere Menschen, die ihr Restleben schätzen.
4. Denkt sie das so? Nicht mindestens ein: 'Verflucht- wieso konnte nicht endlich einer der Techs das Prinzip neu erfinden?' oder so davor? Und die Erklärung zur Funktion raus, sie weiß es (um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen).

Durchatmen. Klingt nach viel, ist aber 1. meist Kleinkram und 2. wichtig, weil du uns Leser gerade mit den ersten Absätzen ködern willst. ;)

Insgesamt gefällt mir dein Text gut, gerade wegen der Normalität (s.o.).

Dies fürs Erste.
Gruß,

eska

  • Ich schreibe gerade: diverses Kleinzeugs, immerhin

Offline Robur

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 16
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #2 am: 09 Dezember 2017, 22:15:21 »
Moin moin

und vielen Dank für deine Eindrücke und deine Röstung – vor allem, wenn Science Fiction eigentlich nicht unbedingt dein Ding ist. Umso mehr freue ich mich, dass der Text scheinbar relativ gut bei dir angekommen ist :)


1.Ich kann mich gut in die Szenerie versetzen, genug Details, vielleicht ein bisschen wenig Leben (= Leute, die Malget kennt, also namentlich). Die vier Benannten sind aber bereits Personen mit ihren Eigenarten, gut charakterisiert.
Das freut mich ^^

2. Das akute Problem kommt gut raus, auch schnell genug. Die Lösung ist vielleicht ein bisschen zu schnell parat und ohne Malgets Mitwirkung, was mich zum bloßen Beobachter macht, da aus ihrer Perspektive erzählt wird, und mich damit weniger reinzieht. Aber vielleicht kämpft sie ja innerlich schon mit den Folgeproblemen, die der Verlust des Generators nach sich ziehen muss? Dann könntest du das noch verstärken.
Habe hier ziemlich lange drüber nachgrübeln müssen. Klar, dass Malget die ganze Zeit über mehr oder weniger passiv bleibt, ist natürlich nicht optimal – grade für den Einstieg in eine Geschichte. Kann ich also etwas daran ändern? Körperlich kann sie aufgrund ihres Alters sicherlich nicht viel machen. Eventuell kann ich ihr aber die Entscheidung zum Rauswurf des Generators an die Hand geben. Anderseits müsste Sorrin ihr dann erklären was los ist – was aber eigentlich überflüssig ist, da sie nicht jenes tiefe Verständnis für den Generator hat, was Sorrin besitzt. Letztendlich würde die Entscheidung dennoch bei ihm liegen und Malget würde es nur abnicken. Doch in Anbetracht der Gefahr, würde Sorrin keine Zeit verschwenden. Ich denke er würde unter diesen Umständen sogar die Dreißtigkeit besitzen Malget das Schott vor der Nase zuzuschlagen.
Dieser Zwischenfall mit dem Generator ist allerdings auch nicht das Hauptproblem der Geschichte – der rote Faden liegt letztendlich in der Beschaffung eines neuen Generators, was extrem schwierig ist. Hier hat Malget eine aktivere Rolle als beim Auswurf des Generators. Insofern ist es auch nicht so dramatisch, dass die Lösung gleich bei der Hand liegt. Zudem geht das Kapitel an dieser Stelle eigentlich noch weiter und konzentriert sich anschließend auf das Problem, wie man nun an ein neues Gerät kommt.

3. Die generellen Finanz-Probleme kommen schön von Anfang an raus. Woher sie stammen und was sich ändern müsste, noch nicht, aber das macht mich neugierig: Zuviel Menschen, zu wenig, Handelsrouten weggebrochen durch Kriege oder so, Heimatbasis zerstört, unfruchtbar geworden...? Also genauer gesagt: Das Normale, dem Erdenleben Vergleichbare am Leben zwischen den Sternen interessiert mich.
Auch hier kommst du zielsicher auf eine Schwachstelle dieses Einstieges zu Sprechen. Zu Beginn hatte ich innerhalb dieser Szene unglaublich viel Infodump, den ich rigoros weggestrichen habe – ich fand, es hat die Szene gestört und zu langsam gemacht. Am Ende dieser Szene ist das Kapitel jedoch noch nicht vorbei – von den Hintergründen zu dieser Galaxie erfährt man innerhalb des ersten Kapitel nur sehr wenig (wird bloß angeschnitten) aber in den Folgekapiteln wird es immer weiter ausgebaut und mit der Zeit auch immer zentraler.

4. Auf mich Kaum-Sci-Fi-Leser wirkt alles stimmig, bis auf die Kleidung, wenn Schwerelosigkeit einer der normalen Zustände an Bord ist: Ein Nachthemd würde sich wohl nicht nur aufblähen, sondern einen bloßstellen, oder? Auch Shorts und Shirts stelle ich mir eher unpraktisch vor. Aber ich lasse mich gerne belehren.
Ich musste so lachen, als ich das gelesen habe – du hast zu 100% Recht! XD Keine Ahnung, weshalb ich da nicht selbst drauf gekommen bin.

5. Den Bau des Schiffes aus verschiedenen alten Transportern finde ich spannend: In was für einer Zeit hat man das gemacht? (Krise, Ressourcenknappheit, ideologisches Recycling, schon da Finanzprobleme...).
Wird thematisiert, sobald es ein wenig ruhiger wird :) Aber gut zu wissen, dass dich schon hier solche Fragen beschäftigen – scheine also vieles richtig gemacht zu haben ^^ Kurz gesagt: Die Menschheit lebt in Ruinen und auch ein Großteil des technologischen Wissens ist verloren gelangen.

Wem gehört das Ding? Einer Familie, einer Gesellschaft, einer Interessengemeinschaft? Wer macht die Politik, extern wie intern? Wer also trifft die Zukunftsentscheidungen? Malget? Wenn ja, hat sie Berater? Die Entscheidung, den Generator rauszuschmeißen hat aber nicht sie getroffen, also hat sie wohl nicht die absolute Befehlsgewalt. Falls doch, braucht sie dann nicht mehr Gewicht, Würde, Zeichen der Autorität, damit sie ernst genommen wird?
Insgesamt habe ich eheer den Eindruck, dass alles informeller funktioniert, vielleicht weil wenig Menschen da sind und damit jede/r wichtig. Z.B. gibt es keine Untersuchung, sondern Malget entscheidet nach kurzer Nachfrage: Es war nicht deine Schuld.
Dazu passt aber meines Erachtens nicht, dass die anderen, ungenannten Leute nur als Menge vorkommen. Bei z.B. 30 Leuten insgesamt würde sie bei Kindern deren Namen denken und die Gesichter an den Türen im Vorbeirennen individuell registrieren.
Hmmm… wie die „Hierarchie“ funktioniert habe ich innerhalb der Geschichte niemals wirklich thematisiert – der Leser kann aus den Handlungen der Charaktere (insgesamt gibt es vier) seine eigenen Schlüsse ziehen. Auf der Quercus lebt gewissermaßen ein Clan - viele der Bewohner sind miteinander verwand (im Laufe der Geschichte wird die Quercus auch als "Inzestkahn" bezeichnet ;) )
Malget ist die Kommandantin der Quercus und gibt damit den Kurs des Schiffes vor, doch es gibt zahlreiche andere Personen, an die sie bestimmte Aufgaben delegiert hat und denen sie vertraut – wie auch Sorrin. Sollte allerdings jemand anderer Meinung sein, würde er dies laut aussprechen. Dies ist sicherlich eine Schwachstelle der Quercus, weil es deshalb oft zu viel zu überzogenen Diskussionen kommt, weil sehr viele ihre Meinung laut herausposaunen müssen – was ich vielleicht auch jetzt am Anfang bei den ungenannten Leuten nutzen kann, um das eine oder andere Gesicht noch näher zu beleuchten. Letztendlich wäre Malget auch nicht die Kommandantin, wenn die Besatzung ihr misstrauen würde.

Das mit den ungenannten Leuten nehme ich zur Kenntnis und werde entsprechende Änderungen einbauen.

Und zu dem „Kleinkram“: Da kann ich überall zustimmend nicken und danke dir dafür, dass du mich auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht hast :) Sitze quasi schon an der Überarbeitung.

Vielen, vielen Dank!!!!
 :b5: :b5: :b5:

Offline eska

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 222
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #3 am: 10 Dezember 2017, 10:04:48 »
Bitte. Freut mich, wenn etwas geholfen hat.  :)

Hier noch ein paar Gedanken zu deiner Antwort:

Wir haben einen Clan, der hauptsächlich auf einem Raumschiff lebt. Es gibt bewohnte/beackerte Planeten. Man kann sich verdingen (= 'Geld' verdienen, es gibt also ein allgemein gültiges Zahlungsmittel, also eine übergeordnete Struktur). Malget ist Kommandantin, aber es gibt eine Diskussionskultur. Sorrin trifft eine lebenswichtige Entscheidung allein.
Ist das stimmig?

Für deinen 'Weltenbau', also die Hintergründe, die du kennen, aber nicht unbedingt beschreiben musst: Wieviel Kontakt, wie regelmäßig haben die verschiedenen Clans in ihren Raumschiffen (zu bedenken: Wieviel Raum wird befahren, wie viele Menschen gibt es, Kommunikation, Treffpunkte, Treffzeiten...)? Zwecks Vermehrung ohne zuviel Inzest, zwecks Handel, zwecks Politik (Verbünde, Nationen, Allianzen...)? Wie ritualisiert/geregelt läuft das Leben? Wenn es noch immer vor allem Überleben nach einer Katastrophe ist, nicht nur für die Quercus, sondern für die Menschheit im Ganzen, dann stelle ich mir entweder in jedem Clan andere Regeln vor, also quasi verschiedene Zivilisationen, die sich aus der Anarchie entwickelt haben, oder ein - wie auch immer durchgesetztes - ziemlich strenges Regelsystem, dem alle folgen müssen. Das setzt aber eine Form von übergeordneter Regierung/Rat voraus. Was die Menschen diesbezüglich entschieden haben nach der Katastrophe hat damit zu tun, was vorher war und was verhindert werden soll.
Ein relativ lockeres basisdemokratisches Funktionieren, wie du es andeutest, kann ich mir nur schwer vorstellen, dazu neigen Gesellschaften in schweren Zeiten nicht.
Und unbeliebte Entscheidungen durchzusetzen erfordert Autorität, nicht nur persönliche, sondern auch äußerliche, also Hierarchie. Malget kann gewählt sein und damit abwählbar sein (damit auch Konkurrenten haben und gegnerische Lobbyarbeit und eigene Lobbyarbeit etc.) oder gesetzt (durch quasi-militärischen Rang - also hoffentlich erwiesene Eignung für den Job, durch Alter, durch Herkunft ...), aber sie muss einen klaren Status haben und klare Befugnisse (nur Schiffsbelange oder auch gesetzgebende, richterliche, exekutive?). Vielleicht gibt es ja einen Ältestenrat oder so auf der Quercus für alles Gemeinschaftliche, und auch Malget muss sich verantworten?

Viel Spaß beim Weiterdenken und -schreiben!

eska
  • Ich schreibe gerade: diverses Kleinzeugs, immerhin

Offline Robur

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 16
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #4 am: 11 Dezember 2017, 22:33:42 »
Bin noch dabei eine Antwort zu schreiben, scheitere jedoch daran, weil sie immer wieder ausartet ^^ Weltenbau bringt mir sehr viel Spaß! Gleichzeitig habe ich einen sehr kritischen Mann, der sich sehr gut mit Geschichte auskennt und mich daher auf Ungereimtheiten aufmerksam machen kann. Ich hoffe ich komme in den nächsten Tagen dazu etwas sinnvolles und nicht zu ausuferndes zu formulieren :)

Offline Xaranis

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 43
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #5 am: 13 Dezember 2017, 14:25:59 »
Ruhig Blut. Es tut auch nur kurz weh.

Zunächst mal allgemein:
Der Text enthält viele bildliche Elemente und ist chronologisch stimmig. Man kann das Geschehen gut nachvollziehen. An manchen Stellen war es mir zu ausufernd. Man merkt hin und wieder, dass du gekämpft hast, Hintergrundinfos da und dort einzustreuen, ohne in einen Erklärbärmodus verfallen zu wollen - find ich. Aber gerade in einer Stressituation, in der es um Leben und Tod geht nimmt mir das an manchen Stellen einfach zu sehr an Tempo. Vielleicht lässt sich hier noch etwas straffen?
Die Stimmung, die du durch deine Worte erzielst passt für mich noch nicht optimal zu der Situation. Es wirkt für mich ein wenig zu entspannt, beinah ein wenig "bummelnd". Näheres unten. Ich hoffe, du siehst, was ich meine, wenn ich es in deinen Text schreibe.
Auch fühle ich keine Entspannung oder Erleichterung, nachdem der Hauptantrieb abgestoßen wurde. Alles ist nüchtern und distanziert beschrieben auf eine Art, als ginge es Malget gar nichts an.

Nun also zu den Passagen im Text, die mir auffielen und bei denen die ein oder andere Erkenntnis bei mir ankam.

Zitat

Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.


Hier sollte eigentlich Hektik sein. Ich nehme aber keine Hektik wahr. Es ist alles sehr nüchtern beschrieben und du nimmst dir sogar noch Zeit, den Hauptantrieb zu erklären. Ich weiß auch warum. Du willst die Gefahr durch dieses Ding darstellen. Aber ich frage mich, ob du das nicht besser erreichen könntest, wenn du mehr mit Emotionen arbeitest, mit Schreck, mit Herzklopfen - gleich nachdem sie soweit wach ist im Kopf. Ein einfaches "Oh Gott, der Hauptantrieb!" suggeriert vermutlich mehr Gefahrenpotential als ganze, erklärende Sätze zu dem Ding. Auch als Nicht-Science-Fiction-Leser kenne ich genug Startrek um zu wissen, dass ein Hauptantrieb eine kleine Atombombe ist.
Klar auch, dass sie ihre Gefühle dann vielleicht wieder unter Kontrolle bekommt – schließlich ist sie der Captain und muss jetzt kühlen Kopf bewahren. Aber Emotion an sich fehlt mir hier irgendwie komplett!
Ich denke mir, da und dort würden dir kürzere Sätze auch helfen, das Tempo zu steigern.

Zitat

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.

An der Stelle nimmt sie sich – trotz der Situation – noch Zeit für einen Rundumblick im Zimmer und Sentimentalitäten (alte Bilder)? Interessiert das an der Stelle? Ist es realistisch, dass sie diese Dinge jetzt wahrnimmt, wo ihre ganze Aufmerksamkeit dem Generator gelten soltte? Für mich bremst das den Text gerade an den Stellen ein, an denen ich mir Tempo wünschen würde.

Und anschließend bummelt sie noch den Flur entlang, hindurch durch ein wahres Textungetüm, in dem du erklärst, was die Quercus ist. Ich finde den Zeitpunkt etwas unglücklich. Dadurch entsteht das Gefühl dieses "Bummelns", wie auch oben schon. Diese Ausnahmesituation kommt bei mir beinahe wie etwas Alltägliches rüber. Nichts, was die Gemüter erregt. Und tatsächlich weist für mich bei Malget nichts auf Erregung hin.

Die gefühlte Anonymität, die sie den namenlosen Passagieren entgegen bringt passt außerdem nicht zu meinem Eindruck weiter unten, dass es sich bei diesem Schiff um eine kleine, eingeschweißte Schicksalgemeinschaft handeln müsste. Dort kennt man aneinander.


Hier ein für mich ganz unglücklicher Part, der sofort an die Erwähnung anschließt, dass ihnen gleich das Schiff um die Ohren fliegt:

Zitat

Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.

In dem Kontext klingt das für mich wie eine Relativierung. Uns fliegt gleich das Schiff um die Ohren – aber egal. Sind ja eh fast alle an Land.
Mit Ausnahme von den Säuglingen, versteht sich, die gleich darauf erwähnt werden. Aber die fallen ja eh kaum ins Gewicht.

Zitat
Wie immer schwebten zahlreiche Spielzeuge in der Luft – die Kinder der Quercus hatten ihren Spaß an der Schwerelosigkeit

Dadurch gewinne ich den Eindruck, dass hier alles ein wenig provisorisch ist (auch schon zuvor, durch den Uralt-Generator). Also nicht so durchgeplant, zackig, exakt, hundertprozentig unter Kontrolle, wie ich es sonst kenne, mit all den Flottenoffizieren in ihren schicken Uniformen.

Zitat

»Schalte endlich diesen verdammten Alarm aus!«
»Wie denn?«, antwortete Jarava.
»Was weiß ich denn?!«, brüllte Sorrin zurück.

Das verstärkt den Effekt. Hier sind offenbar keine Profis am Werk. Ist wohl eher sowas wie eine bunt zusammen gewürfelte Schicksalsgemeinschaft – oder gar schon eine Art kleine Familie?


Zitat

Er verstummte mitten im Satz, es ertönte ein weiterer Knall,

Hier muss ich offen gestehen, dass ich auch nach zweimaligem Lesen keinen ersten Knall mitbekam. Dass hier ein „weiterer“ Knall erfolgte irritierte mich deshalb und riss mich aus dem Lesefluss.
 
Zitat

»Bei den Sternen...«, ächzte Gransich

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich diesen Aufruf jetzt schon gelesen habe. Aber allmählich stört er mich.
Was mich auch ein wenig stört ist, wie unspektakulär man sich vom Hauptantrieb getrennt hat und Malgets passive Rolle bei dem Ganzen.
Konnte man den Antrieb denn nicht retten, nachdem Ersatz so schwierig zu bekommen ist? Gab es kein Abwägen der Alternativen? Wurde wirklich alles geprüft? Malgets erste Frage ist: "Was kann ich tun?"
Meine erste Frage wäre gewesen: "Was ist hier los? Was ist passiert?"
Wäre diese Frage nicht aus unausweichlich gewesen um zu entscheiden, ob man den Antrieb abstößt?
Ich würde mir einen Überblick verschaffen, Kontrolle in die Situation bringen und versuchen, die richtige Entscheidung zu treffen. Das erwartet man schließlich von mir.
Über Malget erfahre ich leider weiter gar nichts, was mir Einblick in ihren Charakter gäbe. Sie scheint mir aber ein Autoritätsproblem zu haben, so liest es sich für mich zwischen den Zeilen da und dort raus. Ist ein bisschen so, als leite sie einen großen Kindergarten.  :cheese:
Das mit dem sich blähenden Nachthemd und den T-shirts und Hosen hat Eska ja bereits gesagt. Das ist mir auch aufgefallen.

Das wars im Großen und Ganzen. Über ein paar Formulierungen oder Ausdrücke kann man ebenfalls noch streiten. Da sitzt sicher noch nicht jedes Wort perfekt. Aber darauf bin ich jetzt mal nicht eingangen.

Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen.


« Letzte Änderung: 13 Dezember 2017, 14:32:33 von Xaranis »
  • Ich schreibe gerade: an meinem historischen Roman

Offline Ayira

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 255
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #6 am: 14 Dezember 2017, 12:29:52 »
Hallo Robur,

Grundsätzlich schließe ich mich Xaranis an - dein Hauptproblem ist der (nicht existente) Spannungsbogen und mangelnde Hektik.

Ein positives Zuckerl hab ich allerdings:
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß.
Den ersten Satz finde ich gelungen. Es impliziert, dass a) eine Krise und b) gibt dem Leser einen Eindruck von der Prota, ohne lang herumzuschweifen. Wir wissen, Malget ist nicht mehr die Jüngste. Das schafft ein Bild im Kopf, ein vages, aber mehr braucht es an dieser Stelle auch nicht.

Der direkt nachfolgende Satz ist eigentlich auch gut. Die erste Wahrnehmung, wenn man aus dem Schlaf schreckt und sich erst orientieren muss. Das passt - man KÖNNTE allerdings auch hier schon mehr Dramatik und Hektik reinbringen, je nachdem, wie aufgewühlt/verwirrt du Malget in diesem Moment darstellen willst.

Der Todesstoß folgt aber bei Satz Nr. 3:
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand.
Und zwar allein durch das Wort "Zunächst" - das sind Füllsel, die die Dramaturgie/Stimmung zerstören, indem du ERKLÄRST, anstatt es zu ZEIGEN.

Vorschlag:
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Wo bin ich? Um sie herum herrschte Dunkelheit. In ihren Ohren schrillte der Auf- und abschwellende Alarmton. In meinem Zimmer, fiel es ihr ein. Im gleichen Atemzug riss sie ihren Arm zur Seite, tastete nach dem Lichtschalter. Die Paneele surrte zum Leben; Malget schoss in die Höhe. Dieser Alarm ... er war anders als sonst. Sie hastete zur Tür. ....


Fortsetzung:

Wenn ich dir einen Ratschlag geben darf: Fühl dich in Malget rein und visualisiere ihre Situation. Wie würdest du reagieren, wenn du aus dem Schlaf schreckst und realisiert, dass der Hauptantrieb drauf und dran ist, dir um die Ohren zu fliegen? Die Inneneinrichtung deines Zimmers wird dich nicht tangieren. Genauso wenig wie eine Aufzählung der anderen Alarmsignale und deren Bedeutung. Kurz ist Malget verwirrt, wo sie die Laute einordnen soll - aber es wird/soll ich gleich darauf wie Schuppen von den Augen fallen. Und dann rennt sie zur Steuerung dieses Hauptantriebs, in ihrem Sinn ist nur, was passieren kann - und wie sie es verhindert kann. Arbeite hier mit kurzen Sätzen. Die erzeugen Hektik.

Umgebungselemente kannst du geschickt und sparsam streuen - indem sie z.B. darüber stolpert (z.B. eins der Kinder). Max ein kleiner Nebensatz, dann bist du wieder bei Malget und ihrem Problem.

Zitat
Doch neben dem noch immer anhaltenden Alarm verflog der Ärger über diese Banalität so schnell wie Gesteinsspliter im Solarsturm.
Das Bild ist übrigens schön - leider passt es nicht in die momentane Angst/Hektik.




« Letzte Änderung: 14 Dezember 2017, 14:09:41 von Ayira »
  • Ich schreibe gerade: Neseret - Atem des Feuergottes

Offline Robur

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 16
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #7 am: 15 Dezember 2017, 07:41:22 »
Moin moin

vielen Dank für eure Röstungen! Beim Lesen hat mein Kopf schon mit dem Streichen und Umschreiben begonnen ;)
Leider finde ich erst nächste Woche wieder die Möglichkeit ausführlich auf eure Röstungen zu antworten.

Liebe Grüße,
Robur

Online Lilith

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 339
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #8 am: 18 Dezember 2017, 22:43:35 »
Hallo Robur!

Ich mache es kurz und schmerzlos. Wie dein Text auf mich wirkt, fasst sein letzter Satz treffend zusammen:
Auf dem Monitor wirkte das Ereignis enttäuschend unspektakulär.
Warum ist das so?

Für mich bringt ein anderer Satz das Dilemma auf den Punkt – inhaltlich wie stilistisch:
Zitat
Fakt war, dass es unter seiner Aufsicht zu einem Zwischenfall gekommen war, der sie beinahe das Schiff und ihrer aller Leben gekostet hätte.
In diesem Satz konzentriert sich der Konflikt, von dem du erzählst: Es geschieht etwas Unerklärliches und bringt das Leben aller Beteiligten in Gefahr. Wow! Was für ein Einstieg.
Leider verliert sich jegliche Spannung, die der Text aufbauen könnte, in viel zu viel Beschreibung und Infodump.

Dadurch entfernst du dich weit von den Figuren, über die du so viel zu erzählen versuchst. Gerade Malget bleibt blass, obwohl sie die Perspektivträgerin ist. Du verlierst dich in Äußerlichkeiten und übertünchst dadurch das Innenleben, das viel spannender wäre. Das lässt den Text schwerfällig und langatmig wirken, als habe er keinen Spannungsbogen. Den nehme ich im Gegensatz zu anderen Röstern nämlich durchaus wahr. Aber er wird geradezu erdrückt von der Last nebensächlicher Informationen.

Hinzu kommen die Absätze, die mir so irrational gesetzt scheinen, dass sie mich mehr verwirren, als dass sie den Text strukturieren.

Ich versuche das mal, an einem Ausschnitt zu illustrieren.
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.
Sie stieg so schnell aus dem Bett, wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubte. Sie trug nur ein Nachthemd, machte sich aber nicht die Mühe sich vollständig zu bekleiden. Stattdessen zog sie bloß Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über. Ihr Aussehen als Kommandantin der Quercus war zweitrangig, wenn das Schiff ohnehin gleich zerstört werden würde. Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Spinde waren nachträglich an den Wänden befestigt worden und engten die schmalen Korridore der Quercus noch mehr ein. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie achtete nicht auf die vor Schreck bleichen Gesichter und auch nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.

Worum geht es in diesem Auszug?
Malget schreckt mitten in der Nacht auf. Der Alarm schrillt durchs Raumschiff – höchste Gefahr! Malget ist hellwach und rennt los. Wenn sie das Problem nicht löst, sind sie alle verloren.

Was ich in vier Sätzen zusammengefasst habe, braucht bei dir 385 Wörter. Der Großteil davon geht für Beschreibungen und Erklärungen drauf, die Malget in diesem Moment aber nur am Rande interessieren dürften. Du schreibst es selbst: Sie steht unter Adrenalin. Was macht das mit dem Körper, mit dem Gehirn? Richtig, die Wahrnehmung engt sich ein, die Muskeln spannen sich an, man geht in Alarmbereitschaft. Man blendet alles, bis aufs Lebensnotwendigste, denn jetzt geht’s aufs Ganze! Alles oder nichts, leben oder sterben.
Aber was »tut Malget«? Beschreibt Äußerlichkeiten und das Raumschiff bis ins kleinste Detail. Das bläht den Text unnötig auf und nimmt den wichtigen Infos die Relevanz.

Schauen wir uns das einmal genauer an.
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß.
»Trotz ihres Alters« ist an dieser Stelle (!) eine irrelevante Information. Wenn du nachts von der Feuersirene aufwachst, denkst du dann darüber nach, wie jung und fit (oder nicht) du noch bist? Nein, du bist in Alarmbereitschaft und springst auf.
Wenn es dir wichtig ist, zu verdeutlichen, dass Malget schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat ... Hat sie irgendwelche Altersgebrechen, die sie z.B. am abrupten Aufstehen hindern oder sie anderweitig einschränken? Das wäre eine Möglichkeit, diese Information elegant im Text zu verstecken und gleich noch Konfliktpotenzial zu schaffen.

Zitat
Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons.
Du beschreibst, dass es Nacht ist, und wie der Alarm klingt. Ersteres wird natürlich nicht explizit im vorhergehenden Satz genannt, ergibt sich jedoch aus der Tatsache, dass Malget geschlafen hat. Denn spontan wird wohl jeder Leser davon ausgehen, dass es sich nicht um ein Mittagsschläfchen gehandelt hat. Lass sie lieber durch die Dunkelheit stolpern, denn zur Orientierung bleibt ihr eigentlich keine Zeit. Das auf- und abschwellende Quäken jedoch ist eine Wahrnehmung, die für mich vor die Erwähnung des Alarms gehört, andernfalls ist es eine nachgeschobene Erklärung.
Lass es Malget doch zuerst unterbewusst wahrnehmen, vielleicht in einen Traum einbauen, wie das oft mit solchen unterschwelligen Bewusstseinsinhalten geschieht. Dann wacht sie auf und begreift: Verdammt, das ist ja echt!

Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand.
Das glaube ich zwar, ist aber eine Sache von Sekundenbruchteilen. In der Situation, in der sie sich befindet, schaltet ihr Gehirn höchstwahrscheinlich schneller als sie denken kann. Im Übrigen ist das eine extrem bedrohliche Situation, die du für den Leser so behäbig beschreibst: Da schreckt jemand aus dem Schlaf auf, der Alarm signalisiert eine unmittelbare Gefahr – und Malget weiß nicht, wo sie ist, noch kann sie sich in der Finsternis orientieren. Und ihr Alter behindert sie zusätzlich: Du implizierst im ersten Satz selbst, dass sie wahrscheinlich eher nicht gut aufrecht sitzen kann. Also kann sie wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell rennen wie sie es als junge Frau gekonnt hätte. Also wenn nicht schon der Alarm in ihr Panik auslöst, dann dürften ihr diese paar Sekunden den Rest geben.
Lebensgefahr! Todesangst – eine schlimmere Panik gibt es nicht, da springen Instinkte an, um die eigene Existenz zu retten, da bleibt keine Zeit, sich um mehr als das Nötigste zu kümmern, denn jede Sekunde könnte das Ende bedeuten.

Zitat
Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden.
Jetzt erklärt sie mir den Alarm auch noch, aber mit einer Verneinung: Ich lerne, was diese Warnung nicht bedeutet, während für sie doch wichtig ist, was die Botschaft hinter dem Alarm ist. Doch bis das erklärt ist, dauert es noch acht ganze Sätze.

Zitat
Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg.
In einem Satz beschreibst du, dass sie eine Erkenntnis hat. Mir gefällt zwar der Vergleich mit dem Meteoriteneinschlag, weil du damit thematisch im All bleibst, doch der Gehalt des Satz ist extrem dünn, die Form umständlich für das Wenige, das er aussagt.
Der zweite Satz beschreibt ihre körperliche Reaktion, so weit, so gut.

Zitat
Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper.
In drei Sätzen kommt etwas Dramatik in den Text. Mir gefällt, dass du den Antimateriegenerator in den Text hineinwirfst, denn, ja, für mehr Gedanken hat Malget in ihrer Situation keinen Raum, aber es wird deutlich, dass dieser Generator von enormer Bedeutung ist.
»Bei den Sternen« ist ein Ausruf, der in diesem kurzen Ausschnitt ganze acht (!) Mal vorkommt. Ja, in dieser Dichte geht das tatsächlich auf die Nerven. Deine Leute werden sicher mehr Flüche kennen als diesen einen?
Dass sie den Alarm seit Jahrzehnten nicht gehört hat, ist wieder so ein Gedanke, der in dieser Situation unnötig aufhält – was kümmert es, wie lange der Alarm nicht losgegangen ist, wenn er gerade jetzt losgeht? Und dass er jahrzehntelang still war, ist sicher nicht der Grund dafür, dass ihr Adrenalin durch den Körper schießt, sondern viel mehr das, was du dem Leser 24 Wörter später mitteilst: Malget schwebt in Lebensgefahr.

Zitat
Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes.
Ja, das verdeutlicht, warum dieser Alarm so gefährlich ist. Gut!

Zitat
Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.
Und hier ist eine gar nicht so nebensächliche Info versteckt, wie sie wirkt: Das Gerät ist uralt, bei einem so hochsensiblen Apparat mit Sicherheit kein gutes Zeichen. Was mich zu der Frage bringt, warum sie ihn bisher nicht gewartet haben, wenn sie doch damit ihr Leben riskieren. Nicht, dass du mir diese Antwort jetzt im Text liefern sollst, das wäre zu viel des Guten, das ist mehr eine Frage des Hintergrunds.

Zitat
Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel.
Hier ist ein Absatz, beginnt mit »hastig« ein neuer Abschnitt, der mir suggeriert, dass eine inhaltliche Trennung stattfindet, die es aber de facto nicht gibt. Die Szenerie ist immer noch dieselbe: Malget steht endlich auf. Dafür hat sie sich aber verdammt viel Zeit gelassen!
Erzählzeit und erzählte Zeit gehen weit auseinander, ohne dass ich dafür einen gewichtigen Grund ausmachen kann. Was du beschreibst, dürfte eine Sache von Sekunden sein. Wie du es beschreibst, vergehen Minuten.
Wichtig an diesem Abschnitt ist für Malget nur die Aktion: Sie macht Licht. Sie lebt doch seit Jahrzehnten in diesem Raumschiff und die Gefahr ist akut, was kümmert es sie da, wie es surrt und welche Teile des Raums erhellt werden und welche nicht? Sie muss raus aus den Federn und sich um den Antimateriegenerator kümmern!

Zitat
Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.
Das ist ja schön, dass sie so viel mit ihrem Teppich verbindet, tut im Augenblick aber nichts zur Sache. Wichtig ist, dass sie sich aus der Gefahr bringt, nicht, wie alt der Teppich schon war, als Malget das Krabbeln hinter sich gelassen hat. Raus damit!

Zitat
Sie stieg so schnell aus dem Bett, wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubte.
Nein, ich denke eher, sie steigt so schnell aus dem Bett, wie es die Situation erfordert. Was soll das heißen, »so schnell wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubt«? Wie alt ist sie denn? Sind ihre Beine schwach, kann sie nur mit Gehhilfe laufen? Leidet sie unter Altersgebrechen, tun ihr die Gelenke weh? Ist ihr Körper steif? Das ist eine Nullaussage und in der aktuellen Situation noch dazu unglaubhaft. Wenn man unter Panik steht, mobilisiert der Körper Kräfte, von denen man sonst nichts geahnt hätte. Schau mal, wie schnell du auf einmal laufen kannst, wenn ein Tiger hinter dir her ist! Da wird es nebensächlich, wie sportlich du sonst bist, denn es geht um dein Leben.

Zitat
Sie trug nur ein Nachthemd, machte sich aber nicht die Mühe sich vollständig zu bekleiden.
Letzteres glaube ich ihr, aber ich glaube auch, dass ihr das gerade völlig egal ist, was sie trägt, und dass sie sich nicht anzieht.

Zitat
Stattdessen zog sie bloß Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über. Ihr Aussehen als Kommandantin der Quercus war zweitrangig, wenn das Schiff ohnehin gleich zerstört werden würde.
Ganz genau – es ist nicht nur zweitrangig, es ist vollkommen irrelevant! Dass sie Kommandantin ist, ist reiner Infodump, denn an dieser Stelle tut das nichts zur Sache. Zeig das lieber gleich in ihrer Interaktion mit den Kollegen.

Zitat
Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.
Schön und gut, aber Malget geht gleich drauf, da ist es egal, wo sie draufgeht und wie lange sie schon die Ernte eingefahren hat.
  • Ich schreibe gerade: stuffs
"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Online Lilith

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 339
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #9 am: 18 Dezember 2017, 22:44:19 »
Zitat
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Spinde waren nachträglich an den Wänden befestigt worden und engten die schmalen Korridore der Quercus noch mehr ein. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie achtete nicht auf die vor Schreck bleichen Gesichter und auch nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.
Ich wiederhole mich, aber: Es ist völlig egal, wie eng die Korridore sind, solange das Malget nicht irgendwie in ihrem Vorankommen beeinträchtigt, und noch unwichtiger ist es, dass Spinde sie noch schmaler machen als ohnehin schon. Das Raumschiff fliegt gleich in die Luft! Action, bitte.
Die plärrenden Säuglinge sind ein gutes Detail, auch die fragenden Menschen – hier erzählst du mehr über das Leben auf dem Schiff auf so wenig Raum, als die ganzen ellenlangen Beschreibungen es könnten. Ein Widerspruch hat sich trotzdem eingeschlichen: Wenn sie nicht darauf achtet, kann sie nicht wissen, dass die Gesichter bleich sind – und auch nicht, dass die Menschen Fragen stellen. In diesem Zustand achtet sie wohl eher darauf, dass man ihr irgendetwas hinterherruft. Wenn du darstellen willst, dass die Leute fragen, erwähne exemplarisch eine davon, und lass Malget keine Zeit für die Antwort haben, denn, ja, sie hat recht: Für Erklärungen bleibt keine Zeit.

Du verschwendest unglaublich viel Platz für im Augenblick irrelevante Eindrücke und Erklärungen, der eigentliche Inhalt und Fokus allein dieses Absatzes sollte sich auf wenige Sätze beschränken.
Wenn ich alles herausstreiche, was nicht in die aktuelle Situation passt,
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.
Sie stieg so schnell aus dem Bett, wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubte. Sie trug nur ein Nachthemd, machte sich aber nicht die Mühe sich vollständig zu bekleiden. Stattdessen zog sie bloß Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über. Ihr Aussehen als Kommandantin der Quercus war zweitrangig, wenn das Schiff ohnehin gleich zerstört werden würde. Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Spinde waren nachträglich an den Wänden befestigt worden und engten die schmalen Korridore der Quercus noch mehr ein. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie achtete hörte nicht auf die vor Schreck bleichen Gesichter und auch nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.
bleibt nicht viel übrig:
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie aufrecht im Bett saß. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.
Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Sie stieg schnell aus dem Bett, zog Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über.
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie hörte nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.

Das ist sehr aktionsbeladen und -getrieben, aber, ja, das ist auch das, was für Malget gerade wichtig ist: Sie muss um ihr Leben rennen. Was tut sie dann? Rennen. Nicht nachdenken. Für Achtsamkeitsübungen und ausschweifende Erzählungen, Erklärungen gar bleibt keine Zeit.

Dieses Problem zieht sich durch den ganzen Text. Konzentrier dich auf das, was für Malget in dieser Situation wesentlich ist! Alles andere ist schmückendes Beiwerk und nicht interessant. Weder für sie noch für mich als Leserin. Zu einem späteren Zeitpunkt: gerne! Aber jetzt? Will ich wissen, ob sie sich und das Raumschiff noch retten kann. Nicht, wann Sorrin eine Ehe mit dem Generator eingegangen ist.
Der Text gehört gewaltig gekürzt.

Das war's für Erste.

In der Hoffnung, ein wenig geholfen zu haben,
liebe Grüße,
Lilith
  • Ich schreibe gerade: stuffs
"Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden, auch so wird man Schriftsteller."
- Bodo Kirchhoff

Online Uli

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 1.877
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #10 am: 02 Januar 2018, 19:35:28 »
ay Robur,

nun, das wesentliche an Textkritik hast du ja schon bekommen - das mit den Längen, dem Einbau von Setting und Charakterisierungen in Aktion-lastigen Szenen und all das.
Ich verzichte also auf eine weitere (wenngleich vielleicht pointiertere und lustiger zu lesende) Variante dieser Kritiken, und schließe mich inhaltlich einfach mal an.
OK?

Bleibt der andere Teil:
Hübsche Welt gebastelt - eine geradezu klassische SiFi-Sache. Gefällt mir.
Ich denke, dass der Schreibstil (einschließlich der angemerken Fehlerquellen) auch von den Klassikern inspiriert ist (was keinesfalls kritisch oder abwertend gemeint ist, im Gegenteil!), genau wie die Methode, Setting in Handlung verpacken zu wollen.

Tja - wie du gemerkt hast, kommt das nicht ganz so gut, wenn die Handlung selber an sich keinen Platz dafür bietet. Da ist man halt heute viel kritischer (völlig zu Recht), und es ist Arbeit gefragt, um das trotzdem hinzubekommen.
Als Idee (nicht unbedingt Vorschlag, eher Denkrichtungshinweis):
Das eher gemächliche, introspektive, szenerieorientierte Herangehen finde ich durchaus richtig und angemessen - das sollte man erhalten. Und das geht m.E. auch, ohne mit einer Schnarchnasenszene zu beginnen:
Beispielsweise, in dem du deine Prota am Tag danach einen Rückblick machen lässt auf die Aktion. Und versatzstückmässig die ˋreine Aktion ´ dazwischenschneidest.
Das kann dann auch notwendige Aufräumarbeiten umfassen (wie das Verteilen der Restbestände innerhalb des Schiff-Komplexes) und damit das Setting in einer Szene zeigen, in der es um das Setting geht.

Es würde mich freuen, wenn dir das gelingt - old style SiFi ist seeeehr selten geworden, heutzutage.

cheers, Uli

Offline Robur

  • Bratwurst
  • *
  • Beiträge: 16
Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Antwort #11 am: 03 Januar 2018, 21:49:17 »
Moin moin alle miteinander.

Zunächst einmal vielen Dank für die Kritiken! Ich spare mir die Arbeit und die Zeit auf jede Kritik einzeln einzugehen. Ich hoffe, dass wirkt nicht undankbar und als ob ich eure Mühe nicht schätzen würde. Im Gegenteil: Es hatte so sehr in den Finger gejuckt, dass ich mich ersteinmal an die Umsetzung der Kritik machen wollte und keine Ruhe hatte Antworten zu formulieren. Habe ziemlich lange über eure Bemerkungen nachzugegrübelt. Ist ja vieles genannt worden, doch mein Hauptproblem hat sich ja ziemlich eindeutig herauskristallisiert: Das Tempo ist zu bummelig für eine eigentlich so hektische Szene.
Habe die wenige Freizeit, die mein kleiner Knirps mir lässt genutzt, um die Szene mehrmals zu überarbeiten. Zunächst einmal habe ich sie extrem gestrafft und die üblichen Indikatoren eingefügt, mit dem ich dem Leser zu verstehen geben will, dass Malget in Stress ist: erhöhter Puls, pochender Herzschlag, Schweiß, hektischer Atem, verkrampfte Hände, etc. Das Ergebnis des Ganzen war… fürchterlich! Die Szene gefiel mir überhaupt nicht mehr. Es ging mir alles zu schnell. Bin eher ein Anhänger von einem sehr langsamen Tempo. Hat jemand von euch Amalthea von Neal Stephenson gelesen? Viele meinen das Buch sei zu langatmig, aber ich habe die langen Ausschweifungen geliebt!
Habe meine Szene daraufhin erneut überarbeitet, dieses Mal habe ich mich an kreativeren Indikatoren versucht. Hat meiner Meinung nach zwar besser funktioniert aber was soll ich sagen… so wirklich glücklich war ich noch immer nicht mit dem Ergebnis. Hatte mich zwar mehr auf Malgets Innenleben konzentriert, konnte dabei aber nicht die Quercus beschreiben, wodurch die Umgebung bloß ein diffuser Nebel war (was nicht so meins ist). Außerdem war die Szene nach dieser Überarbeitung auch wieder fast so lang wie in der ursprünglichen Version… Oje.

Ich denke ich lasse mich von Ulis Vorschlag inspirieren: Ich schaffe eine Umgebung, in der es gar nicht notwendig ist ein derartiges Tempo an den Tag zu legen. Ich muss ja nichts grundlegendes ändern, sondern nur ein wenig die Dramatik herausnehmen. Anstatt von dem Alarm geweckt zu werden, könnte Sorrin Malget anfunken und mitteilen, dass hier etwas am Generator nicht zu stimmen scheint, wobei sie seine Nervosität bemerkt (zum Aufbau von etwas Spannung, die aber noch weit entfernt von Panik ist). Sie durchquert das schlafende Schiff, wobei sie sich in diesem Fall deutlich mehr Zeit lassen kann um ihren Gedanken nachzuhängen – und um mir die Möglichkeit zu lassen ihren Blick auf die herumfliegenden Spielzeuge im Zentralmodul zu richten ;) Am Generatorraum angekommen erläutert Sorrin ihr etwas technisches, doch dann plötzlich: Der Alarm! Ab da kehrt das Kapitel gewissermaßen in seine ursprüngliche Schiene zurück. Ich denke ab diesem Punkt ist es mir möglich das Tempo deutlich zu steigern, ohne mich dabei unwohl zu fühlen: Hatte ja ausreichend Zeit das Schiff und die engen Korridore zu beschreiben.

Übrigens: Ich finde nicht, das Malget ein Autoritätsproblem hat, auch wenn Sorrin eigenmächtig entscheidet den Generator herauszuwerfen. Mein Mann nannte es „Kompetenzweitergabe“. Dennoch ist die Hierarchie auf der Quercus selbstverständlich deutlich lockerer als in der Sternenflotte ;) Die Quercus ist ein winziges Dorf mit nur wenig mehr als Hundert Einwohnern.

Nun dann - ich mache mich mal ran. Habe wieder viel zu tun  ::)

Viele Grüße,
Robur