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Grusel und Horror / Re: AT: Lieferservice
« Letzter Beitrag von Uli am Heute um 02:13:18 »
ay Eska,

Ich fange mal mit der Frage an: Ich habe ziemlich exakt keinen Moment an eine Frau gedacht ...
Keine Ahnung, woran das genau liegt, aber die Frage hat sich nicht gestellt, und bei Kindergefängnis und Psychotrill lande ich wohl automatisch bei Täter, nicht bei Täterin. Ein Vorurteil, vielleicht oder ein Rollenklischee ...

Sonst:
Gelungen. Finde nicht viel zum zerrupfen, der Einstieg gefällt mir ausnehmend gut: Alltag, der Prota denkt an die Kinder, akzeptiert die Eigenheiten und ist erstmal ganz normal und sogar einfühlsam (vergleichsweise).
Das Sonderinteresse an einem einzelnen Kind ist häpchenweise eingeführt, ohne gleich eine Zielrichtung zu haben, und die Ausgangslage des Prota auch. Beides steigert sich bzw wird exakter, und bedrohlicher ... ohne das ein konkreter Plan erkennbar wird. so, wie ich mir so etwas wünsche.

Für Kleinkram ist es grad etwas spät ... oder noch zu früh (viertel nach zwei ... gnarf), also hole ich das demnächst nach, OK?

cheers, Uli
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Grusel und Horror / Re: AT: Lieferservice
« Letzter Beitrag von FF am Heute um 01:04:06 »
Ähm... ich verstehs nicht... :flenn:

Ich glaube, das ist für mich zu subtil. Essen bringen, Taubheit, Rache, Lena. Hä? Wird Lena jetzt vergiftet? Oder entführt? Wie wo was? Ich kriege den Bogen nicht hin. Er/Sie (ich glaube, sie) will sich für den Medimurks rächen, ok. Aber ich verstehe die Art der Rache nicht.
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Grusel und Horror / AT: Lieferservice
« Letzter Beitrag von eska am Gestern um 23:49:51 »
Wie versprochen hier ein weiterer Text zum Zerpflücken.
Aufgabe war, ein Psychothrill-Element in eine ganz normale Umgebung einzubauen.


Vorsichtig, ganz vorsichtig. Die Straße ist eng, auf beiden Seiten parken Autos, und Kinder rennen schon mal los, ohne zu gucken. Weiß man ja. Laubhaufen türmen sich unter den Bäumen, Platanen sind das doch, mit diesen hellen Flecken am Stamm.
Da, mein Parkplatz. Der Weg ist nicht weit, nicht mal mit den großen Kisten. Styropor ist ja nicht schwer. Nur die Eimer zerren einem die Arme lang, schon auf den paar Metern. Eimerweise Fruchtjoghurt, das muss man sich mal vorstellen! Wenn es bei uns Joghurt gab, dann für jeden einen Becher, 150 Gramm, weiß mit einem Klecks Fruchtsoße drauf. Und in der Schule gab es sowieso nichts.
Na, eine normale Schule ist das hier ja auch nicht; privilegiert und privat. Kann er sich schließlich leisten. Eine alte Villa, großer Garten, geputzte Fenster. Schreien tun die Kids wie alle anderen auch, so sieht es jedenfalls aus. Lächeln nicht vergessen. „Hi.“ Die Küchenhilfe begrüßt mich nebensächlich, ein bisschen in Eile, hebt den Deckel von der ersten Kiste, es dampft und riecht nach Kartoffelsuppe. Lecker.
Die Ersten sammeln sich an der Küchentür, ziemlich klein manche. Ist sie dabei? Blonde Haare haben viele. Auf dem Foto sind sie schulterlang, leicht gewellt, unordentlich. Ich gehe mal die nächste Kiste holen. Am Eingang die Fototafel. Da, zweite Reihe, zweite Klasse. Pferdeschwanz, das ist praktisch, muss ich mir merken, mit dem Tape.
„So. Der Salat. Und die Würstchen.“ War ich zu leise? Es dauert etwas, bis mir jemand die Kiste abnimmt, sie sind mit Auftun beschäftigt. Wuselnde Kinder stürzen sich auf die Würstchen. Jeder eins, hat der Erzieher gesagt, oder? Seine Hände sind beschwichtigend gehoben. Ich muss dieses verdammte Hörgerät mitnehmen, auch wenn das Piepen mich wahnsinnig macht. „Es tut mir leid. Wir konnten die Gehörknöchelchen nicht wiederherstellen. Die Auflösung ist zu weit fortgeschritten.“ Es tut ihm leid? Wer‘s glaubt! Er muss ja nicht damit leben, mit dem Murks, den er aus meinen Ohren gemacht hat, zwei Jahre lang verschleppt, und natürlich hat das Gericht ihm keine Schuld zugesprochen, kein Schmerzensgeld. Oh, es wird ihm leid tun, ganz sicher wird es das!
Für jeden einzelnen verdammten Tag wird er bezahlen, bar und mit Herzblut, damit er merkt, was er da anrichtet bei seinen Opfern. Patienten, ha! Wie das ist, wenn du nichts mehr mitkriegst, ob sie mit dir reden oder über dich, kein Lachen ohne Argwohn, kein Blick ohne Mitleid, sobald du den Mund aufmachst; irgendwas ist immer falsch, nie mehr Sicherheit. Die da, die Größeren am Tor, meinen die mich mit ihrem Gestikulieren? Ignorieren, einfach ignorieren. Einfach weiter, rosa Steinplatten mit braunen Fugen, bis zum Wagen, meiner Burg. Eine Stufe hoch, höher als die andern. Es riecht nach Wald, Kiefernduft. Hier kommt keiner rein. Bis übermorgen. Sie heißt Lena. „Hi, du bist Lena, stimmt‘s? Ich kenne deinen Papa.“ Und mag Eis. Also werde ich ein Eis für sie haben, hier im Wagen. Und dann...
Oh Gott! Ein Hund. Beinahe. Diese Schreckmomente, wenn jemand urplötzlich neben dir auftaucht. Kannte ich früher nicht. Desorientiert. Ja, auch das soll er spüren: wie das ist, nicht wissen, was los ist. Bis zum Herzrasen erschrocken - den ersten Stoß zu Anfang, und dann häppchenweise. Verängstigt. Wütend und hilflos. Nein, keine Chance, er wird warten müssen auf meine Bedingungen, wenn er sie wieder haben will. Er hat mich längst vergessen, einen von vielen, die er zugrunde gerichtet hat. Aber einer, der sich wehrt. Lena, für mich und all die anderen. Oh ja, er wird sich erinnern!


Eine Frage: War für Euch deutlich vor dem Ende klar, ob die Person Mann oder Frau ist? Ich hab mich nämlich nur notgedrungen entschieden. Und die Probeleser haben beides rausgelesen.
Fröhliches Grillen!

eska
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von eska am 28 September 2017, 13:01:30 »
Danke auch euch, Ril, Robur und Ayira für eure Kommentare.

Ich bin erst heute dazu gekommen, sie überhaupt zu lesen, zu durchdenken noch nicht, aber da steckt eine Menge drin, über das nachzudenken sich lohnt.
Von Struktur diese Textabschnittes über Einsicht in das Innenleben der Protagonistin oder Erzählstimme, Tempo und Wahl der Einstiegsszene ... es erstaunt und begeistert mich immer wieder, wie viele Nuancen unser Lesen prägen. Fünf aufmerksame Leser, fünf unterschiedliche Wahrnehmungen - dass der Text so noch nicht funktioniert (oder höchstens in Teilen) ist eines, was alles mit welchem Fokus veränder- und verbesserbar wäre, ist das andere.

Deshalb vielen Dank!

eska
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Ayira am 28 September 2017, 08:21:52 »
Hallo eska,

ich lese selber gern Thriller und mag diese Spannungselemente auch in meinem eigenen Buch - zum Beginn wurde von den anderen ja schon angemerkt, entweder "langsam" oder "gleich der Hook". Ich mag beides, wobei ich es fast noch interessanter finde, vorher eine Sympathie zum Opfer/der Prota aufzubauen; in dem Wissen, es passiert dann wohl gleich was ...

Daher - mir gefällt der erste Satz als Einstieg/zur Vorstellung:
Zitat
Mist! Der Scheibenwischer stottert. Auch das noch. Jetzt sind die Tropfen nicht mehr vereinzelte Linsen, die das Licht brechen und die Sicht verzerren, sondern ein Film von Schlieren, der sich über die Scheibe verteilt. Guten Morgen, Martina!

Der Rest versagt dann leider, weil es mit dem Hook zu schnell geht, aber die Prota noch am selben Fleck klebt.
Vorschlag: Sie ist mit dem Auto grad irgendwo in der Innenstadt. Es regnet, der Scheibenwischer geht nicht (richtig - aber nirgends hat sie eine Möglichkeit zu halten, um nachzuschauen. Du hättest so noch etwas Gelegenheit, in ihrer Frustration mehr zum Charakter und ihrer Situation zu sagen. Vielleicht weil sie schon längst einen wichtigen Termin hat/etc. Dann, langsam, eine Anspielung auf ihr "Problem" (als Sahnehäubchen zu all dem restlichen Mist) - wenns geht, zweideutig (find ich immer klasse). Sie verdrängt es (noch - es scheint ja ein Scherz zu sein), hat den Kopf ganz woanders - irgendwo findet sie dann aber doch eine Möglichkeit zum Halten und du kannst sie den Zettel finden lassen, der die Zweideutigkeit eindeutig macht.

Ein weiterer Haken ist die Nachricht selbst:
Zitat
„Du wirst schon sehen.“
... klingt nicht sehr bedrohlich. Da fehlt eben leider die Geschichte dahinter. Je nachdem, in welche Richtung die geht, wären Vorschläge: "Du bist mein" - "Bezahl für deine Sünden" - "Ich weiß, was du getan hast" - "Es ist deine Schuld" ...

Es gibt auf dieser Welt x Milliarden Menschen.
Warum stellt der Killer MARTINA nach? Was hat sie gemacht, was sie von dem Rest unterscheidet/besonders macht?
Darauf muss sich die Nachricht an sie beziehen.
Nur dafür muss dir klar sein, worüber deine Geschichte handelt - und welche Motivation der Killer verfolgt. Vor allem, wenn dieser Nachrichten schreibt! In denen steckt des Rätsels Lösung.

Etwas freier würde es sich m.M. nach gestalten, wenn du den Einstieg des Romans mit dem Mord an sich beginnst. Ohne Nachricht. Aus ihrer Sicht, in den letzten Minuten ihres Lebens. ODER aus seiner, wie er auf der Lauer liegt, beobachtet, in Vorfreude ... bis er zuschlägt.  :diablo:

Hoffe, es hilft dir
lg
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Robur am 27 September 2017, 14:44:36 »
Moin moin

Dann versuche auch ich mal meinen Senf hinzuzugeben :)

Leider muss ich als feststellen, dass mich dein Beginn nicht packt. Er schreckt nicht ab, doch wenn ich weiterlesen sollte müsste jetzt rasch etwas Interessantes kommen.
Ich denke man kann einen Thriller langsam beginnen oder mit einem Hook. Beim langsamen Beginn nimmt man sich Zeit die Charaktere zu beschreiben und beim Hook springt man gleich mitten ins Geschehen hinein und die Charaktere bleiben zunächst im Hintergrund (Ich behaupte das jetzt einfach mal ohne die Konventionen tatsächlich zu kennen).
Ich habe den Eindruck, dass du beides gleichzeitig machen wolltest – den Prota knapp vorstellen um dass hurtig zum Hook zu kommen – was meiner Ansicht nach leider nicht funktioniert hat.

Zudem kann ich mir noch kein klares Bild von deinem Prota machen: Harry Potter würde auf eine Person um die Dreißig (oder jünger) verweisen – während eine Gleitsichtbrille für mich eher auf 50+ hindeutet - wobei ich eine Harry Potter-lesende Rentnerin interessanter finden würde als eine 30ig-jährige mit Gleitsichtbrille ;) Aufgrund des Namens und der Arbeit vermute ich aber eher eine Lehrerin um die dreißig.

Bei der Rückblende denke auch ich, dass sie hier eher ungeschickt ist. Würde eher mit der SMS beginnen (ich bin aber auch eher ein Anhänger von langsamen Texten).

Das nicht erfassbare Unwohlsein greift bei mir vermutlich nicht so wirklich, weil mich der Beginn nicht so packt. Wenn man das anstrebt würde ich in jedem Fall den langsamen Beginn wählen – was sich eh anbietet, denn ein Zettel hinter dem Scheibenwischer ist jetzt nicht soooo der erschreckende Hook – könnte auch der Nachbar sein, der sich darüber beschwert, dass man wieder schief geparkt hätte oder so ;)

Liebe Grüße,
Robur
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Rilyn am 26 September 2017, 12:12:35 »
Hoi eska :)

Ich schreibe zwar keine Thriller, lese aber ab und an welche (Tendenz abnehmend).

Zitat
Der Auftrag lautete, den Anfang eines Thrillers zu schreiben.
Hier steckt das Hauptproblem: Es ist ein Anfang ohne Roman, ohne Ziel, ohne Fokus. Zumindest kommt er so rüber. Die ersten Sätze ...

Zitat
Mist! Der Scheibenwischer stottert. Jetzt sind die Tropfen nicht mehr vereinzelte Linsen, die das Licht brechen und die Sicht verzerren, sondern ein Film von Schlieren, der sich über die Scheibe verteilt. Guten Morgen, Martina!
... sogar der erste Absatz, tragen nichts von der Essenz der Story, außer möglicherweise etwas Stimmung. Allerdings sehe ich darin weniger Kritik am Text als an der Aufgabenstellung.
Klar, man kann auch einen Thriller damit beginnen und plotten, eine solche Szene zu schreiben, aber dass sie auch nur weitgehend so stehen bleibt, ist verdammt unwahrscheinlich.
Ich mag aber, wie ihr Name eingebunden ist und gleich noch ihre Stimmung trägt.

Erbse: ein Film von Schlieren erscheint mir doppelt gemoppelt.

Zitat
Na schön.
Nach "Mist" und "Auch das noch" und "Guten Morgen" wird es zu viel mit diesen Einwürfen, zumal wieder einer am Anfang des Absatzes steht. Dieser hier kann einfach weg.

Zitat
Ich öffne den Gurt, die Tür, steige aus. Irgendetwas hat sich da verfangen. Auch Gleitsichtbrillen nützen nichts bei Regen.
Rumdrehen. :)
Wenn du mit den Schlieren beginnst, dann halte den Fokus auf dem, was sie verursacht, und lass die Figur dann agieren, sonst holpert der Text, und die Spannung zieht Schlieren. :grinwech:

Zitat
Diesen Impervius-Zauber von Hermine müsste man haben.
Hmm, zu konkret. Bei mir ist es schon beinahe Zufall, dass ich Harry Potter kenne. Was der Zauber macht, weiß ich nicht, nur mein bisschen Latein hilft weiter. Und selbst, wenn man's weiß, wird noch mehr Gewicht auf die Umgebung gelegt, weg vom Problem.

Zitat
Auf Zehenspitzen balanciere ich auf dem Kopfsteinpflaster und angele,
Ist der Untergrund wichtig? Hier geht der Grund ihres Angelns fast komplett verloren.

Zitat
neben mir spritzen die Vorbeifahrenden durch die Pfützen. Meine Strümpfe sind schon nass. Da!
Sie kommt mir außerdem halbblind vor, Regen oder nicht, ihr Auto hat doch sicher Innenbeleuchtung. Auch wenn nicht, lass sie etwas konkreter vorgehen, nicht "angeln", sondern den Scheibenwischer wegklappen und abwischen, etwas in der Art.

Zitat
Ein Stöckchen, nichts weiter.
:glotz:
Liegt vielleicht dran, dass mein Bruder ätzende Geschichten aus der Werkstatt erzählt, aber ein Stöckchen klingt nicht wie "nichts weiter", sondern nicht gut für die Scheibe.

Zitat
Ein Lächeln breitet sich in mir aus. Erleichterung. Alles okay. Ab in die Tonne damit und gut.
Was immer es ist, was hat sie denn erwartet? Bisher war das Ganze nur eine Alltagsepisode, deren schlimmstmöglicher Ausgang in etwa lautete: der Scheibenwischer ist kaputt. Jetzt wird es seltsam. Weshalb das Lächeln und die Erleichterung?

Zitat
Kurz bevor ich es wegwerfen will, fühle ich es: eine Kante, glatt und gerade. Tesafilm. Kein Stöckchen. Ein eingerolltes Stück Papier, sorgsam umwickelt, kein bisschen durchweicht.
Das fühlt sich schwer anders an als ein Stöckchen, vermute ich, und die Farbe ist völlig anders. Überspring die Fehleinschätzung am Besten ganz.

Zitat
Der Milchkaffee rumort in meinem Magen. Es tropft aus meinen Haaren.
"Es" sollte Regenwasser sein, um eindeutig wieder zum Außen zu lenken. Auf der anderen Seite: besser umgekehrt, hin zu ihr? Ich bin nicht siche, denn "rein ins Haus" ist eher mit dem Regen verbunden.

Ansich hat der Absatz aber ein größeres Problem:
Zitat
Ich starre auf die vielleicht zwei Zentimeter und versuche, mich zu fassen.
Warum denn? Hier weiß die Figur mehr als ich, und sie löst das auch nicht sofort auf. Dadurch entsteht weniger Spannung, als dass die Taktik Abstand zur Figur schafft.

Zitat
Was jetzt - rein ins Haus und lesen oder weiter? Ich muss los. Egal, was da jetzt wieder steht, die Schule wartet nicht. Ich steige ins Auto, umklammere das Lenkrad. Mir ist schlecht.
Eine wilde Abfolge ohne nennenswerten Konflikt, da ich als Leserin weder weiß, was es mit dem Zettel auf sich hat, noch, dass sie für den größten Teil der Entscheidungsfindung in die Schule muss. Und schon gar nicht - zum Teil eben darum - wie sie sich fühlt.
Ein Teil des mangelnden Konflikts steckt im "rein ins Haus" ... weshalb denn? Im Auto gibt es Licht. Und dass die Protagonistin daran vielleicht gar nicht denkt, dass "Haus" auch "Tür zu und sicher" bedeuten kann, das kann hier so unkonkret noch kaum rüberkommen. Falls es relevant ist, wäre das aber interessant, zumal ein weiterer Aspekt dazukommt: sie hat im Haus, durch die SMS, zum ersten Mal von etwas erfahren. "Und (die Botschaft) klemmt noch nicht lange hier" sagt außerdem aus, dass sie sich im Auto nicht ein Bisschen sicher fühlt. Diese Aspekte sind hier zu sehr durcheinander gefürfelt, um Wirkung zu entfalten.

Zitat
„Du wirst schon sehen.“ Da sind sie wieder, diese Worte von heute Nacht, ungerufen, eingebrannt in mein Gedächtnis wie in ein Display ohne Bildschirmschoner.
Hmm, ich mag den Vergleich nicht, er bringt nichts. "Ohne Bildschirmschoner" trägt ein bisschen was davon, dass sie das nicht vergessen kann, aber "da sind sie wieder" hat das schon vorweg genommen, sogar ausnehmend spät in der Abfolge dessen, was eben geschehen ist. An diesen Worten hängt Angst, und die wartet normalerweise nicht brav, bis über lesen oder nicht lesen der Botschaft entschieden wurde (was es nicht wurde, aber das ist okay, sie versucht ja noch, ihren normalen Tagesablauf beizubehalten.)

Zitat
Erst eine SMS um drei Uhr nachts auf meinem privaten Handy, die Nummer rück ich nicht oft raus, und jetzt, um halb acht, eine physische Botschaft. Und sie klemmt noch nicht sehr lange hier.
Die Rekapitulation in diesem Absatz hilft der Spannung auch nicht auf die Sprünge. Die Botschaft ist da, ungelesen, die Figur weiß wieder mehr als ich, und ich will sie nur anpieken, den Zettel endlich zu öffnen. Ich verstehe - oder würde verstehen - dass sie unfähig ist, das zu tun, dass sie nicht entscheiden oder reagieren kann, dass ihr im Gedankenkarussel schlecht wird, aber ich bin gefühlt viel zu weit weg von ihr, und die Hälfte dessen ist bloße Annahme.

Die notwendigen Informationen kommen viel zu spät. Je nachdem, was die Geschichte hergibt, könnte sie wirklich um drei aufwachen und die SMS lesen. Damit gibt es auch einen, der sie abgesendet hat, und einen schnellen Stimmungsumschwung von z.B. ruhiger Nacht (kann ungenannt bleiben) zum Inhalt der SMS und den Gedanken, die daran anschließen. Pläne, Polizei, wenn nicht, weshalb nicht? Ignorieren wollen und nicht können, den Rest der Nacht wach bleiben, etwas in der Art.
Ich nehme an, dass diese Szene hier ein zu später Einstieg ist, weil sie es nötig macht, die Informationen über alles Frühere zu vermitteln und zugleich eine Stimmung zu erzeugen, die ohne diese Informationen nicht möglich ist; und zudem noch eins draufsetzen muss durch die neue Botschaft.

Ein weiteres Hauptproblem nach dem Ablauf, aber damit verknüpft, ist die Gewichtung. Ich habe den Text schon vor ein paar Tagen gelesen, und meine Erinnerung war vor allem die an den Regen. Die SMS hatte ich sogar fast vergessen. Nicht, dass der Regen verkehrt wäre, es kann helfen, Eindruck an etwas festzumachen, das mehr Sinne anspricht als eine SMS oder ein Blatt Papier, aber er drängt sich in den Vordergrund die eigentlichen Spannungselemente schaffen es nicht, der Atmosphäre und vor allem sich selbst Rechnung zu tragen.


Thrill: Den fühle ich nicht wirklich, weil aufgrund von zu vielen Unbekannten nichts nachvollziehbares auf dem Spiel steht und ich das Innenleben der Hauptfigur fast nur aus deren eigener Beschreibung mitbekomme.

Ich-Erzähler: Meiner Meinung nach ist die Perspektive für einen Thriller völlig irrelevant, wenn sie gut ist (okay, auktorial finde ich nicht sehr thrillertauglich). Die Probleme hier wären in der personalen Perspektive dieselben. Der Rest sind Schreib- und Lesevorlieben; ich ziehe die 3. Person vor. Aber die 1. hat mich hier nicht gestört.


Ich hoffe, mein bisschen Blah hilft dir weiter. :kaffee2:

Liebe Grüße,
Ril
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Uli am 21 September 2017, 14:47:01 »
grins ...

Schon klar, es geht alles. Und ich habe ja ebenfalls eine erhebliche Schwäche für Ich-Erzähler ...
Nur eben: Triller heißt Hochspannung, und eine Reihe spannungsfördernder Elemente sind dieser Perspektive verwehrt. Das langsam näherkommende seidene Tuch, die Frage, ob Prota das jetzt doch noch rechtzeitig merkt, das klappt nicht.
Nicht, ohne der Spannung abträglich zu sein.
(dein Beispiel baut ja auch keine Spannung auf, sondern öffnet ein Loch: Die Frage, was da passiert ist. Aber das sachte Öffnen der Tür, das langsame Erkennen, dass Es diese Türe öffnet, die Frage, ob Qusille, obwohl grade mit der Lösung des Geheimnisses schwer beschäftigt, doch noch reagieren kann - oder gar Vorbereitungen getroffen hat? - das ist eben nicht da.
Wenn halt Trill gefragt ist, ein Nachteil. Wenn Schrecken gefragt ist, nicht so sehr.

Aber, wie gesagt: Natürlich geht alles - und ich bin der letzte, der irgendwelche Genregesetze für bindend hält. Ich meine nur, dass ein fremdes Genre einfacher zu erschließen ist, wenn man nicht gleich mit Höchstschwierigkeiten anfängt ...
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Quisille am 21 September 2017, 10:08:24 »
Und damit die Option, dass die Prota das nicht mehr slber erzählen kann.
(Ich hatte mal eine Schreibübung angeleiert mit der Aufgabe, dass der Ich-Erzähler dabei umkommt. Das geht durchaus, geht aber meist auf Kosten der Spannung. Leider.

Naja, bei einem Thriller muss die Bedrohung nicht unbedingt vom Ableben des Protagonisten herrühren. Ein Beispiel für einen sauspannenden Psycho-Thriller wäre  "Ich. Darf. Nicht. Schlafen" von S.J. Watson. Übrigens ganz genau so wie im Beispiel hier in erster Person Präsens erzählt. Letzteres suggeriert außerdem eine ablebenskompatible Erzählsituation, das Apokalyptische Log. Ich schreibe hier ja auch in erster Person, und nehmen wir einmal an, es öffnet sich hinter mir leise eine Tür, es tritt jemand ein, ohne dass ich das bemer
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Grusel und Horror / Re: AT: Guten Morgen!
« Letzter Beitrag von Uli am 20 September 2017, 22:02:29 »
ay Eska,

das von dir beschriebene Konzept (ein nicht fassbares Unwohlsein, nicht nachweisbare Bedrohungen etc) würde mir ganz gut passen - allerdings eher in der Sparte „subtiler Horror“. Trill braucht eben den Trill, Hochspannung eben.
Den so einzuleiten hingegen finde ich im Prinzip wieder gut, nur braucht es eben die Steigerung ...
Und damit die Option, dass die Prota das nicht mehr slber erzählen kann.
(Ich hatte mal eine Schreibübung angeleiert mit der Aufgabe, dass der Ich-Erzähler dabei umkommt. Das geht durchaus, geht aber meist auf Kosten der Spannung. Leider.
Das Instumentarium für die Innensicht (Zweifel, ob man anfängt wahnsinnig zu werden) steht bei einem außenstehenden Erzähler durchaus auch zur Verfügung, das sollte nicht hindern.
Dazu kommt eben der Vorteil, dass der Erzähler eben mehr weiß - und dem Leser mitteilen kann - als der Ich-Erzähler wissen kann.
Was beim Hauptgewicht auf Spannung eben ein großer Vorteil ist. Bei subtilem Horror hingegen wäre das nicht so wichtig, und da würd ich auch den Ich-Erzähler vorziehen.
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