Autor Thema: Meine Hölle  (Gelesen 121 mal)

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Offline Zitatus

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Meine Hölle
« am: 30 Oktober 2017, 06:01:07 »
Wie ihr wisst, schlage ich mich seit einigen Jahren mit meinem "Pandora"-Projekt herum. Ihr wisst schon: Diese Sammlung von Kurzgeschichten, die nicht so recht in das Konzept meiner bisherigen Anthologien passt, weil die Storys weniger auf Pointen hinauslaufen, sondern mehr experimenteller Natur sind.
Lange habe ich darüber gegrübelt, wie der äußere Rahmen um die Geschichten beschaffen sein soll: Persönliche Worte meinerseits? Oder eine Rahmenhandlung, die u.U. im Buchland angesiedelt ist? Ooooder doch das Konzept meiner anderen Anthos? Oder ganz was anderes?

Ich glaube, dass ich jetzt einen Weg gefunden habe. Eine Rahmenhandlung aus der Gedankenwelt, dem "inneren Gefängnis" eines Schreibers, für den die vermeintliche Freiheit "Flucht in seine Texte" bedeutet.

Der folgende kurze Text soll die Einleitung/Prolog werden. Würde das zu einer düsteren, nachdenklichen Anthologie mit sehr unterschiedlichen Texten passen?


----------------------

Meine Hölle ist vier Meter lang, vier Meter breit und vier Meter hoch. Ein Cubus der Kreativität, der nie vergessen lässt, dass die eigene Gedankenwelt das schlimmste Verderben in sich birgt.
In dem Zentrum meiner Hölle steht ein unbequemer Holzstuhl, ein schlichter Tisch und darauf eine Schreibmaschine. Das Farbband des Geräts ist alt, das Korrekturband leer. Man ist gezwungen regelrecht auf die abgenutzten Tasten draufhämmern, damit man die Lettern noch lesen kann.
Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Wispern in meinem Kopf ist oder ob die Schatten zu mir sprechen. Doch die Worte sind da. Durch und durch betonungslos, trotzdem voller Hohn dringen sie an mich heran. „Ist es das, was du wolltest? Ein Gefängnis ohne Ausweg? Als du dir deine Zuflucht errichtetest, hast du wohl vergessen, eine Tür einzubauen.“ Etwas lacht bitter, schallt von den nackten Wänden zurück. „Ein Bollwerk kann nur gut sein, wenn der Architekt sein Handwerk versteht.“
„Ich bin hier sicher“, höre ich mich flüstern.
„Nichts kommt an dich heran. Da hast du vollkommen recht. Ist das die Sicherheit, die du wolltest? Du hast doch schon nichts mehr zu verlieren. Und nun kannst du nicht mal mehr gewinnen.“
„Ich bin hier sicher“, wiederhole ich. Zumindest versuche ich es. Doch meine Stimme bricht.
Etwas Dunkles streift mich, legt seine Hände auf meine Schultern. „Es gibt von hier kein Entkommen.“
„Ich will es gar nicht.“
Die Glühbirne summt, als wolle ihr Faden jeden Augenblick reißen. Ihr flackerndes Licht strengt meine Augen so sehr an, dass sie brennen wie Feuer. Die Tränen sind mir längst versiegt.
Doch ich muss schreiben. Ich muss es einfach. Auch, wenn es absolut vergebens ist. Die Schreibmaschine ist da. Ich bin da. Nichts sonst. Welche Wahl hätte ich? Ich berühre die Tastatur.
Ich schreibe.
Dies ist meine Hölle.
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Offline Uli

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Re: Meine Hölle
« Antwort #1 am: 30 Oktober 2017, 12:53:35 »
ay Zitatus,

Hmm ... schwierige Sache, das.
Geschrieben ist es gut, und es wirkt - und passen würde es auch. Aber ...

... alles in allem ist der Text zu negativ, zu schwer, zu wehklagend - und nimmt damit zu viel vorweg. Buw, er setzt eine Richtung fest, und keine, die zum Lesen animiert: Harte Reaktion wäre nach diesen Zeilen ein ˋda gibt es was von Rathiopharm, und ich kenne eine gute Klinik ...´

Würde ich nicht machen, das schreckt zu sehr ab - oder weckt Erwartungen, die dann nicht erfüllt werden.
diese Szenerie eingebettet in eine Buchland - Rahmenhandlung wäre eine Idee, die mehrere Vorteile bietet: Anknüpfen an vorhandene Erfolge einerseits, anderersits könnte diese düstere Szenerie damit etwas entschärft werden. Wenn Herr Plana diesen ˋSchreibkäfig´ jemandem zeigt, als ˋdie dunkle Seite der Literatur (möge der Duden mit euch sein ...), und so eine Verbindung zu der schönen Seite zumindest mental aufrecherhält ...

oder so.
So für sich allein ist das zu sehr wegklagen - und m.E. zwar nicht schlecht, aber nicht kompatibel. Außer, du möchtest ein ganz neues Publikum finden - und dabei dein bisheriges verschrecken.

Cheers, Uli

Offline Trippelschritt

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Re: Meine Hölle
« Antwort #2 am: 30 Oktober 2017, 13:13:12 »
Ich weiß nicht ... hmmm, ich weiß doch.

Ich kann mit dem Text nicht viel anfangen und du kannst nur hoffen, dass ich ihn beim Aufschlagen Deines Buches überlese, denn sonst würde ich es wieder zuklappen. So weit mein allererster Eindruck aus dem Bauch. Jetzt versuche ich einmal Detail

Der Text besteht aus zwei Teilen. Niederdrückende, bedeutungsschwangere Aussagen, die zu was eigentlich führen? Und ein Dialog, der formal zwar in Ordnung ist, aber dem Leser wenig bringt. Ein echter Konflikt ist es jedenfalls nicht, eine Botschaft hat er auch nicht und geistreich, sodass das reine Lesen ein Vergnügen wäre, ist er auch nicht. Zugegeben, ich habe meine Ansprüche gleich richtig hoch gesetzt. Also nicht nach Fehlern geschaut, sondern nach dem Hervorragenden, was ich dann nicht gefunden habe. Aber gen au das brauchst du. Und so bleibt der Text als Dialog, als Auseinandersetzung zweier Stimmen leer und klingt beinahe wie nur eine Stimme.
Ich könnte ja noch damit leben, wenn Dein Text das enthielte, was Du versprochen hast. Den Ausweg in und durch die eigenen Texte. Aber hier ist es kein Ausweg.

Trotzdem! Deine Idee könnte funktionieren. Aber Du must da wohl noch einmal grundsätzlich drüber nachdenken. Satz für Satz, was du eigentlich schreiben willst. Das ist ein harter Brocken.

Glück auf
Trippelschritt
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Offline Rilyn

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Re: Meine Hölle
« Antwort #3 am: 30 Oktober 2017, 16:07:07 »
Hoi Zitatus,

ich befinde mich irgendwo zwischen den Antworten von Uli und Trippelschritt. Persönlich finde ich's auch zu ausweglos. Plotmäßig ebenso: es klingt wie das immergleiche Spiel, keine Spannung, keine wirklichen Fragen, keine Notwendigkeit außer diesem unbegründeten Zwang.
Der ist ansich okay, aber er führt eben zu nichts, nicht einmal zu dem Versuch, aus der Hölle auszubrechen oder sich herauszuschreiben, den Zweck der Hölle nutzen, um ihr eine Tür zu verpassen. Oder es zumindest versuchen. Und schon lesen sich die folgenden Geschichten anders, mit einer grundlegenden Stimmung von Zuversicht oder zumindest dem Interesse, ob das Vorhaben gelingen wird, und nicht aus der Position heraus, das ohnehin schon alles vergebens ist. Denn mit dieser Einstellung verlieren ja sogar die Geschichten ihren Grund.

Nicht einmal das hier
Zitat
Eine Rahmenhandlung aus der Gedankenwelt, dem "inneren Gefängnis" eines Schreibers, für den die vermeintliche Freiheit "Flucht in seine Texte" bedeutet.
enthält mehr Spannung. Der Kubus der Kreativität ist ein verdammt dröger und schrecklicher Ort, das Schreiben wird beinahe als Last vermittelt, nicht als Flucht, nicht als Möglichkeit. Solange die Geschichten, die folgen werden, wie ein Produkt des hier vermittelten Aufgebens erscheinen, ein Produkt dieser unveränderlichen(!) Hölle, ist da auch nicht viel Motivation, sie zu lesen.
edit: Nicht einmal ein Eindruck von vermeintlicher Freiheit entsteht.

Zweiter Haken ist, dass der Schreiberling nichts an sich heran lassen will. Was nicht? Einflüsse, Eindrücke, Gefühle ...?
Also alles, was man zum Schreiben eigentlich gerade an sich heran lassen sollte. Oder sogar will. Wenn er in seine Geschichten flieht, dann arbeitet er mit solchen Eindrücken, ob es nun aktuelle sind oder alte. Aber der Dialog klingt danach, als habe er sich sein Gefängnis, ursprünglich gedacht als Bollwerk, selbst geschaffen. Er kommt mit irgendetwas nicht mehr klar und hat sich selbst weggeschlossen (da sich selbst und nicht z.B. seine Gefühle, nehme ich an, es geht auch maßgeblich um äußere Einflüsse, siehe Sicherheit).

Der Text wirft ein paar Fragen auf; sicher wovor?
Was bezweckt der Autor mit dem Schreiben, oder was genau empfindet er, wenn er es tun muss? Hier wirkt es ihm schon beinahe wie eine Last, aber eben nur beinahe. Das fände ich für eine eigenständige Geschichte oder Szene gut, aber für eine Rahmenhandlung oder auch nur Einleitung bringt es nix.
Wird der Autor es schaffen ... nein, diese Frage würgt er von vornherein ab.
Beim Nachdenken - also zu unsicher - kann noch die Frage auftauchen, wie es zu dieser Situation kam. Aber aus dem Text heraus werden alle Fragen weggewischt, die Antworten bleiben irrelevant und die Handlung des Autors wie immer. Es klingt nicht einmal interessant. Er schreibt. Aber er könnte ebensogut Buchhalter sein.

Erbse: Kubus. :)

Liebe Grüße :kaffee2:
Ril
« Letzte Änderung: 30 Oktober 2017, 16:15:08 von Rilyn »
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Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #4 am: 30 Oktober 2017, 19:06:50 »
Hallo Uli

... alles in allem ist der Text zu negativ, zu schwer, zu wehklagend - und nimmt damit zu viel vorweg.
Was nimmt der Text denn genau vorweg?

Zitat
Buw, er setzt eine Richtung fest, und keine, die zum Lesen animiert: Harte Reaktion wäre nach diesen Zeilen ein ˋda gibt es was von Rathiopharm, und ich kenne eine gute Klinik ...´
Wie würde der Text Dich denn zum Lesen animieren? Die Figur soll sich ja zwischen den Geschichten weiterentwickeln und seinen Weg aus dem Kubus herausfinden. Mit dem Happy End anfangen würde die Rahmenhandlung nicht gut einleiten.
Zitat
Würde ich nicht machen, das schreckt zu sehr ab - oder weckt Erwartungen, die dann nicht erfüllt werden.
diese Szenerie eingebettet in eine Buchland - Rahmenhandlung wäre eine Idee, die mehrere Vorteile bietet: Anknüpfen an vorhandene Erfolge einerseits, anderersits könnte diese düstere Szenerie damit etwas entschärft werden. Wenn Herr Plana diesen ˋSchreibkäfig´ jemandem zeigt, als ˋdie dunkle Seite der Literatur (möge der Duden mit euch sein ...), und so eine Verbindung zu der schönen Seite zumindest mental aufrecherhält ...
Die Pandora-Storys haben aber ein anderes Zielpublikum. Ich denke, dass meine "Fans" dieses Buch nicht mögen werden, weil es was ganz anderes wird.

Zitat
So für sich allein ist das zu sehr wegklagen - und m.E. zwar nicht schlecht, aber nicht kompatibel. Außer, du möchtest ein ganz neues Publikum finden - und dabei dein bisheriges verschrecken.
Ja, die Erwartungshaltungen werden mehr und mehr zum Problem, schätze ich. Vielleicht sollte ich mir hierzu ein Pseudonym zulegen.
...
Haha.
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Offline felis

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Re: Meine Hölle
« Antwort #5 am: 30 Oktober 2017, 20:15:13 »
Ganz ehrlich?
Als unbedarfter Leser würde ich bei dieser Einleitung dröge betroffenheitsprosa eines depressiven erwarten und das Buch schnellstmöglich weglegen.

Und das ist ganz sicher nicht die Wirkung, die du erzielen wolltest, oder?
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Offline Uli

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Re: Meine Hölle
« Antwort #6 am: 30 Oktober 2017, 20:33:16 »
Antwort per PM ...

Offline Xaranis

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Re: Meine Hölle
« Antwort #7 am: 31 Oktober 2017, 17:30:54 »
Puh, muss mich anschließen, es ist schwierig.
Der Anfang liest sich sehr gut - mit der Einschränkung dass ich nicht weiß, wo du mit deiner Geschichte hin willst. Stilistisch ein Treffer, es wirft Fragen auf und weckt düstere Vorahnungen. Macht also erst einmal neugierig.
Allerdings ist das alles zuuuuu düster für meinen Geschmack. Und noch düsterer geht es dann weiter. Spätestens beim inneren Monolog (mit so was bin ich immer verdammt vorsichtig!) bin ich dann bedient. Der Typ ist mir unheimlich. Passend zum heutigen Halloween.   :zitter:
Wie gesagt, ich weiß nicht, wohin du die Geschichte entwickeln willst und ob dir das Ganze dann aufgeht oder auf die Füße fällt. Klar ist nur, du hast da ein Höllenross gesattelt und ich habe meine Zweifel, dass du das auch geritten bekommst. Für meinen Geschmack solltest du schneller und in jedem Fall VOR dem Monolog den Bogen rum bekommen. Das wäre dann für mich nach dem dritten Satz.
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Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #8 am: 31 Oktober 2017, 21:45:00 »
Der Text besteht aus zwei Teilen. Niederdrückende, bedeutungsschwangere Aussagen, die zu was eigentlich führen? Und ein Dialog, der formal zwar in Ordnung ist, aber dem Leser wenig bringt. Ein echter Konflikt ist es jedenfalls nicht, eine Botschaft hat er auch nicht und geistreich, sodass das reine Lesen ein Vergnügen wäre, ist er auch nicht. Zugegeben, ich habe meine Ansprüche gleich richtig hoch gesetzt. Also nicht nach Fehlern geschaut, sondern nach dem Hervorragenden, was ich dann nicht gefunden habe. Aber gen au das brauchst du. Und so bleibt der Text als Dialog, als Auseinandersetzung zweier Stimmen leer und klingt beinahe wie nur eine Stimme.
Ich könnte ja noch damit leben, wenn Dein Text das enthielte, was Du versprochen hast. Den Ausweg in und durch die eigenen Texte. Aber hier ist es kein Ausweg.

Könnte es vielleicht daran liegen, dass du den Text als abgeschlossen betrachtest? Es ist keine Kurzgeschichte, sondern der erste Teil einer Rahmenhandlung. Danach kommt eine Kurzgeschichte und dann wieder die Fortsetzung dieser Geschichte. Mit jeder KG soll sich der Autor weiterentwickeln und aus seiner "Hölle" schließlich herausfinden.

Zitat
Trotzdem! Deine Idee könnte funktionieren. Aber Du must da wohl noch einmal grundsätzlich drüber nachdenken. Satz für Satz, was du eigentlich schreiben willst. Das ist ein harter Brocken.
Hm. Was an der Idee könnte für dich funktionieren? Im Augenblick sagt mir nur jeder hier, dass es nicht funktioniert. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich noch nicht wirklich verstehen, woran ihr das fest macht.
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Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #9 am: 31 Oktober 2017, 22:04:59 »
Persönlich finde ich's auch zu ausweglos.
Würde dem Protagonisten der Ausweg zu Anfang präsentiert, könnte ich doch keine Handlung darum aufbauen. Frodo wirf den Ring ja auch nicht zu Anfang ins Feuer und begibt sich dan auf die Quest.

Zitat
Plotmäßig ebenso: es klingt wie das immergleiche Spiel, keine Spannung, keine wirklichen Fragen, keine Notwendigkeit außer diesem unbegründeten Zwang.
Aus diesem unbegründeten Zwang schreibe ich oft. Und so entstehen meine Geschichten. Ich schreibe - nicht, weil ich es will - sondern, weil ich es muss. Hört sich Scheiße an, ist aber so. Gott sei Dank, macht es meistens trotzdem Spaß.

Zitat
Der ist ansich okay, aber er führt eben zu nichts, nicht einmal zu dem Versuch, aus der Hölle auszubrechen oder sich herauszuschreiben, den Zweck der Hölle nutzen, um ihr eine Tür zu verpassen. Oder es zumindest versuchen.
Das wäre der weitere Handlungsverlauf der Rahmenhandlung: Der Hölle eine Tür verpassen.

Zitat
Der Kubus der Kreativität ist ein verdammt dröger und schrecklicher Ort, das Schreiben wird beinahe als Last vermittelt, nicht als Flucht, nicht als Möglichkeit. Solange die Geschichten, die folgen werden, wie ein Produkt des hier vermittelten Aufgebens erscheinen, ein Produkt dieser unveränderlichen(!) Hölle, ist da auch nicht viel Motivation, sie zu lesen.
Ich will ja kein Handbuch für Selbstmörder schreiben. Viele der folgenden Geschichten sollen auch von Hoffnungen und ungewöhnlichen Auswegen erzählen.

Zitat
Zweiter Haken ist, dass der Schreiberling nichts an sich heran lassen will. Was nicht? Einflüsse, Eindrücke, Gefühle ...?
Also alles, was man zum Schreiben eigentlich gerade an sich heran lassen sollte. Oder sogar will. Wenn er in seine Geschichten flieht, dann arbeitet er mit solchen Eindrücken, ob es nun aktuelle sind oder alte. Aber der Dialog klingt danach, als habe er sich sein Gefängnis, ursprünglich gedacht als Bollwerk, selbst geschaffen. Er kommt mit irgendetwas nicht mehr klar und hat sich selbst weggeschlossen (da sich selbst und nicht z.B. seine Gefühle, nehme ich an, es geht auch maßgeblich um äußere Einflüsse, siehe Sicherheit).
Nimmst du anfängliche Aussagen eines Protagonisten immer als unumstößlich? Mache ich mich unglaubhaft, wenn meine Figur schließlich andere Erkenntnisse gewinnt? Es ist doch nur eine Ausgangssituation.
Zitat
Was bezweckt der Autor mit dem Schreiben, oder was genau empfindet er, wenn er es tun muss? Hier wirkt es ihm schon beinahe wie eine Last, aber eben nur beinahe. Das fände ich für eine eigenständige Geschichte oder Szene gut, aber für eine Rahmenhandlung oder auch nur Einleitung bringt es nix.
Es ist ihm eine Last. Warum taugt es als Einleitung nix?


Zitat
Es klingt nicht einmal interessant. Er schreibt. Aber er könnte ebensogut Buchhalter sein.
Autsch. Das tut weh.
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Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #10 am: 31 Oktober 2017, 22:07:12 »
Ganz ehrlich?
Als unbedarfter Leser würde ich bei dieser Einleitung dröge betroffenheitsprosa eines depressiven erwarten und das Buch schnellstmöglich weglegen.

Und das ist ganz sicher nicht die Wirkung, die du erzielen wolltest, oder?

Nein. Ist es nicht. Bei den ganzen Reaktion, neige ich gerade dazu, das Projekt endgültig einzustampfen.
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Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #11 am: 31 Oktober 2017, 22:15:45 »
Puh, muss mich anschließen, es ist schwierig.
Der Anfang liest sich sehr gut - mit der Einschränkung dass ich nicht weiß, wo du mit deiner Geschichte hin willst. Stilistisch ein Treffer, es wirft Fragen auf und weckt düstere Vorahnungen. Macht also erst einmal neugierig.
Allerdings ist das alles zuuuuu düster für meinen Geschmack. Und noch düsterer geht es dann weiter. Spätestens beim inneren Monolog (mit so was bin ich immer verdammt vorsichtig!) bin ich dann bedient. Der Typ ist mir unheimlich. Passend zum heutigen Halloween.   :zitter:
Dass dir der Typ unheimlich ist, ist ja nicht grundliegend falsch. Die düstere Stimmung wäre auch Absicht. Damit läge ich ich ja nicht neben meiner Zielsetzung.
Zitat
Wie gesagt, ich weiß nicht, wohin du die Geschichte entwickeln willst und ob dir das Ganze dann aufgeht oder auf die Füße fällt. Klar ist nur, du hast da ein Höllenross gesattelt und ich habe meine Zweifel, dass du das auch geritten bekommst. Für meinen Geschmack solltest du schneller und in jedem Fall VOR dem Monolog den Bogen rum bekommen. Das wäre dann für mich nach dem dritten Satz.
In wiefern soll ich den Bogen bekommen? Soll der Dialog entfallen?
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Offline Rilyn

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Re: Meine Hölle
« Antwort #12 am: 31 Oktober 2017, 23:16:02 »
Hoi Zitatus :)

Zitat
Persönlich finde ich's auch zu ausweglos.
Würde dem Protagonisten der Ausweg zu Anfang präsentiert, könnte ich doch keine Handlung darum aufbauen. Frodo wirf den Ring ja auch nicht zu Anfang ins Feuer und begibt sich dan auf die Quest.
Nee, aber er steht vor einem Problem: Was tun mit dem Ring? ... also sucht er eine Lösung bzw wird zu einer solchen geschubst. Im Fall deines Autors gibt es keinerlei Versuch, etwas in der Art zu tun.

Zitat
Zitat
Plotmäßig ebenso: es klingt wie das immergleiche Spiel, keine Spannung, keine wirklichen Fragen, keine Notwendigkeit außer diesem unbegründeten Zwang.
Aus diesem unbegründeten Zwang schreibe ich oft. Und so entstehen meine Geschichten. Ich schreibe - nicht, weil ich es will - sondern, weil ich es muss. Hört sich Scheiße an, ist aber so. Gott sei Dank, macht es meistens trotzdem Spaß.
Hoffe ich doch sehr. =)
Der Zwang darf auch unbegründet sein; der Haken innerhalb dieser Geschichte, gerade, wenn sie nicht abgeschlossen ist, bleibt, dass er nicht relevant ist. Der Autor schreibt, wie immer. Er bewirkt damit nichts und bezweckt nichts innerhalb seiner Hölle, das Außen ist schon dermaßen ausgeblendet, dass es hier nicht einmal mehr im Text einen Platz hat.

Zitat
Zitat
Der ist ansich okay, aber er führt eben zu nichts, nicht einmal zu dem Versuch, aus der Hölle auszubrechen oder sich herauszuschreiben, den Zweck der Hölle nutzen, um ihr eine Tür zu verpassen. Oder es zumindest versuchen.
Das wäre der weitere Handlungsverlauf der Rahmenhandlung: Der Hölle eine Tür verpassen.
Deute ihn an. Es muss nur eine Winzigkeit sein, eine Möglichkeit, vielleicht vom Autor unbemerkt; oder ein Wille, ein Funken Aufbegehren, ein Gedanke, der nicht gleich komplett niedergeschmettert werden sollte. Darf er zwar, aber das Ende muss gerade, weil es ja keine in sich geschlossene Geschichte ist, zum Weiterdenken, Hoffen, Lesen, eben zu Neugier animieren. Aktuell fährt es der Neugier nur übers Maul. Mehrfach. :grinwech:

Zitat
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Der Kubus der Kreativität ist ein verdammt dröger und schrecklicher Ort, das Schreiben wird beinahe als Last vermittelt, nicht als Flucht, nicht als Möglichkeit. Solange die Geschichten, die folgen werden, wie ein Produkt des hier vermittelten Aufgebens erscheinen, ein Produkt dieser unveränderlichen(!) Hölle, ist da auch nicht viel Motivation, sie zu lesen.
Ich will ja kein Handbuch für Selbstmörder schreiben. Viele der folgenden Geschichten sollen auch von Hoffnungen und ungewöhnlichen Auswegen erzählen.
Oh, das meinte ich damit gar nicht. Der Autor könnte auf der schönsten Karibikinsel sitzen und seinem Schreibzwang nachkommen, sich dabei des Lebens freuen und nichts weiter bezwecken als jeden Tag dasselbe: Schreiben. Aber mein Interesse zum Weiterlesen ist genauso gering. Vielleicht persönlich sogar geringer, weil ich finstere, düstere und dystopische Texte mag. Es ging mir hier nicht um den Inhalt, was ich nicht gerade gut ausgedrückt habe ... Im Fall des Karibikautors wäre da statt "Aufgeben" (was schon harter Tobak ist, mich aber persönlich eher emotional anspricht als ...) Belanglosigkeit. Oder etwas dergleichen. Es sei denn, er hätte einen Grund oder eine Motivation, an seiner Stagnation etwas zu ändern.

Zitat
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Zweiter Haken ist, dass der Schreiberling nichts an sich heran lassen will. Was nicht? Einflüsse, Eindrücke, Gefühle ...?
Also alles, was man zum Schreiben eigentlich gerade an sich heran lassen sollte. Oder sogar will. Wenn er in seine Geschichten flieht, dann arbeitet er mit solchen Eindrücken, ob es nun aktuelle sind oder alte. Aber der Dialog klingt danach, als habe er sich sein Gefängnis, ursprünglich gedacht als Bollwerk, selbst geschaffen. Er kommt mit irgendetwas nicht mehr klar und hat sich selbst weggeschlossen (da sich selbst und nicht z.B. seine Gefühle, nehme ich an, es geht auch maßgeblich um äußere Einflüsse, siehe Sicherheit).
Nimmst du anfängliche Aussagen eines Protagonisten immer als unumstößlich? Mache ich mich unglaubhaft, wenn meine Figur schließlich andere Erkenntnisse gewinnt? Es ist doch nur eine Ausgangssituation.
Nö, ich lese sie in seiner aktuellen Situation so. Aber der Text kommt zum einen nicht wie der Anfang einer größeren Handlung rüber - das kleine, unscheinbare Element einer begonnenen Geschichte fehlt, er gibt auf, oder hat vielmehr schon aufgegeben. Er spricht trotz des angedeuteten Konflikts ("Ist es das, was du wolltest?") dieselbe Sprache wie die Schatten ("Du schaffst eh nix" / "Ich bin hier sicher"*). Er hat sich aktiv eingebuddelt und bleibt dabei, und die Schatten schlagen in dieselbe Kerbe.
*(Freud the Cat lief gerade über meine Tastatur und tippte: siech)
Das ist zwar hervorragend für einen geplagten Autor, aber das ist das Gegenteil von Handlung, denn ...

Zitat
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Was bezweckt der Autor mit dem Schreiben, oder was genau empfindet er, wenn er es tun muss? Hier wirkt es ihm schon beinahe wie eine Last, aber eben nur beinahe. Das fände ich für eine eigenständige Geschichte oder Szene gut, aber für eine Rahmenhandlung oder auch nur Einleitung bringt es nix.
Es ist ihm eine Last. Warum taugt es als Einleitung nix?
Er tut nichts. Einfach gar nichts, er denkt nicht einmal daran. Das Eingeschlossensein ist wohl seine Wahl gewesen, wenn auch eine mittlerweile bereute. Er könnte ausbrechen wollen; aber er tut es nicht.
Das Schreiben ist ihm eine Last. Klar, er kann sonst nichts tun, aber er versucht auch nicht, sich dem Zwang zu widersetzen und die Last abzuschütteln oder umzulenken oder ihr einen Sinn, ein Ziel zu geben, und deshalb ...

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Es klingt nicht einmal interessant. Er schreibt. Aber er könnte ebensogut Buchhalter sein.
Autsch. Das tut weh.
Sorry. Höllisch ehrlich, aber offenbar eins zu viel. Tut mir leid. :umarm:
Das Problem, weshalb er auch staubigste Büroarbeit machen könnte, ist, dass Schreiben als kreative Tätigkeit in deinem Text nicht vorkommt. Es ist nur noch Tätigkeit, Last, gefühlt immer gleich, ziellos ... es geht deinem Schreiberling nicht um Geschichten, denn an die denkt er gar nicht. Nur an die Schwierigkeiten. Aber was er da mühevoll tippt, was ihm das Geschriebene bedeutet, das, was im Folgenden zu lesen sein wird, fehlt völlig; und ebenso, was er mit dem Schreiben, mit Kreativität, erreichen könnte.

Ein paar Sachen, die ich hier geschrieben habe, hätte ich lieber letztes Mal schon gepostet, aber sie fielen mir partout nicht so konkret ein. Also hoffe ich, sie sind diesmal etwas hilfreicher. :kaffee2:
Denn die Grundidee vom Autor, der sich selbst in ein mentales Gefängnis geschrieben? gedacht? gefürchtet? hat, finde ich interessant und würde gerne rausfinden, wie es dazu kam.

Ein paar Gedanken noch, nicht unbedingt alle zum Text:
- Wie kam er in diese Situation? Weshalb ist dieser Ort so, wie er ist? Weshalb hat er seine Kreativität ausgesperrt oder anderweitig versteckt, vergessen, verbogen?
- Wie kommt er womöglich wieder raus? Was haben die Geschichten damit zu tun? -> Flucht! also muss er fliehen wollen.
- Was ist aus seiner Kreativität geworden an diesem Ort? -> Geschichten schreiben, Fluchtgedanken, in all dem liegt etwas, das Kreativität fordert. Wenn er sie wieder zu nutzen lernt, ist das am Ende eine Lösungsmöglichkeit.
- Was hindert ihn? Ich vermute, die Furcht vor dem, das ihn in diese Lage gebracht hat.

Liebe Grüße!
Ril
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Offline Uli

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Re: Meine Hölle
« Antwort #13 am: 31 Oktober 2017, 23:30:22 »
nach langem Nachdenken:

ich bin mir nicht sicher, aber evtl. könnte eine andere Zeitform helfen. Der schlichte Satz ˋdies war meine Hölle ´ ... sagt ja nicht, dass sie es nicht mehr ist, aber eröffnet die Möglichkeit, das zu vermuten.

Letztlich denke ich, das Problem ist der Ich-Erzähler zusammen mit der Gegenwartsform. Das bewirkt, dass zum Zeitpunkt des Schreibens die Situation genau so ist. Immer noch so ist, genaugenommen.


Offline Zitatus

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Re: Meine Hölle
« Antwort #14 am: 01 November 2017, 00:03:23 »
Danke Ril, danke Uli. Beide Antworten könnten mich tatsächlich weiterbringen. Der Prolog müsste also eher ein offenes Ende haben, einen Anreiz zum Happy End bieten und jenes auch schon andeuten, ohne es vorwegzunehmen. Die Zeitform ändern, damit der Leser die Situation als abänderlich ansieht. Felis Antwort lässt vermuten, dass ich den fiktiven Autoren vom realen deutlicher trennen muss.
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Offline FF

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Re: Meine Hölle
« Antwort #15 am: 07 November 2017, 08:53:57 »
Hm.

Ich schließe mich an, der Text ist arg trost-, hoffnungs- und aussichtslos.

Wie wäre es, wenn du aus dem äußeren Zwang einen inneren machst? Draußen scheint die Sonne, Türen und Fenster sind offen, dein Prota könnte rausgehen und den Sommer mit seiner Familie und seinem Labrador verbringen, aber. da. ist. diese. Schreibmaschine. Mit einem superneuen, wunderschönen, kaffeeschwarzen Farbband, das vor Wortgier nur so tropft (wobei du die SchrMsch vielleicht ein wenig modernisieren könntest...). Er KANN nicht rausgehen. Obwohl er's könnte.

Das würde mich neugierig auf die Geschichten machen. Und vielleicht möchte ICH dann am Schluss gar nicht, dass er aus der Hölle entkommt.
  • Ich schreibe gerade: Glitzi 8 - 33.730 Wörter