Autor Thema: Kunstlich - Intro  (Gelesen 484 mal)

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Offline Uli

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Kunstlich - Intro
« am: 11 März 2017, 20:20:23 »
Hallo, Hölle!
So ein ganz leeres Board, das sieht so ... leer aus.
Irgendwie nicht schön. Dachte ich mir.

Also: Aus der Schreibübung des Monats hat sich ein praktikabel erscheinender Anfang für eine meiner älteren Geschichten entwickelt - was mich freut. Auch, weil meine Schreibblokade dabei irgendwie unter die Räder gekommen ist.
Und praktischerweise handelt es sich ziemlich eindeutig um SiFi ...
Also: Hier der Anfang von 'Kunstlicht', zum fröhlichen Rösten ...

Cheers, Uli

Morgens
An diesem Tag ging ich zu Fuß zur Dienststelle.
Hatte einfach keine Lust auf das Gedränge auf den Laufbändern, auf die unvermeidlichen Vibrationen, die kleinen Rempeleien und den Lärm.

Wie so oft.


Die Korridore waren nur mässig belebt, kaum jemand in den Seitenfluren, nur an den Zugängen zu den Bändern ein paar größere Gruppen.
Ein paar Dutzend junge Leute, ein paar Alte - nichts besonderes.

Ziemlich friedlich.

Ich trug eine einfache Kluft, neutralgrau und ohne Rangabzeichen, also lag es nicht an meiner Anwesenheit, dass niemand irgendetwas anstellte - obwohl auch die Uniform kein Garant für Ruhe und Frieden ist, schon lange nicht mehr.

Im großen Ring auf Ebene Acht war die Innenseite des Korridors mattgelb beleuchtet, Warnlicht. Der Räumer würde gleich durchfahren, also bewegte sich alles zur Außenseite, ins helle, blaue Licht.

Ein, zwei Jungs mussten natürlich die übliche Mutprobe zeigen und im gesperrten Teil stehenbleiben bis das Fahrzeug heran war, und sich vom Schild beiseite drängen lassen - sinnlos, gefährlich und deswegen ein gutes Mittel, den Mädchen seinen Status zu demonstrieren.
Ein falscher Schritt dabei und man rutscht unter den Schild, gerät in die Kehrmaschine und dann in den Häcksler und landet am nächsten Anschlusspunkt in der Entsorgung, zusammen mit dem Müll des letzten Tages und dem abgemähten Grünzeug. Tja.

Man sollte meinen, dass Idiotie sich irgendwann ausmendelt, aber irgendwie funktioniert das nicht. Komisch.

Kurz vor der Treppe - ich benutze immer die Treppe, um auf eine andere Ebene zu gelangen - wechselte das gelbe Licht ins Rot, also blieb ich stehen, um den Räumer vorbeizulassen. Sinnlos, sein Leben zu riskieren um ein paar Sekunden früher in der Dienststelle zu sein.
Also stand ich auf der Außenbahn, gegenüber dem Treppenzugang und wartete. Und aus dem Treppenhaus stürzte jemand heraus, genau in dem Moment, als die Maschine heran war, drei schnelle Schritte bis zur Mitte der Innenbahn, dann warf sich die Person zu Boden.

Absichtlich, da bin ich ziemlich sicher.

Ich widerstand dem Reflex, blieb einfach stehen und atmete ruhig, bis der Räumer vorbeigefahren war und nichts als feuchten, sauberen Boden zurückließ, glänzend im blauweißen Licht.

Auf der Treppe meldete ich der Dienststelle, dass ich Zeuge des Vorfalls sei, eine sinnlose Sache, weil die Kameras und Sensoren meine Anwesenheit selbstverständlich aufgezeichnet hatten. Aber wenigstens etwas, was ich tun konnte. Ablenkung.
---
Eine Sekunde später meldete sich die Dienststelle, mit Dringlichkeitssignal.
Und noch bevor ich das Signal annehmen konnte, blendeten sie das Symbol für 'Sofort antreten' in die Kontaktlinse.

Nun, offenbar war die Sache deutlich wichtiger als gedacht, also drehte ich um, spurtete die drei Stufen der Treppe wieder hinauf und lief zum nächsten Schachteingang, ein Dutzend Meter den Ring entlang.

Die Pforte glitt auf, als ich mich näherte, so dass ich nicht langsamer werden musste, sondern einfach hineinsprang - und bevor ich mich von der Rückwand des Aufzugs abgekratzt hatte, fiel die Kabine herunter, drei Ebenen tief.

Frühsport ... nach sechzig Metern freiem Fall bremste die Kabine gerade so ab, dass ich in der Senkrechten blieb und losspurten konnte, als die Tür aufglitt.

Sogar der rote Teppich war ausgerollt, mit Begleitmusik: Durchdringende Sirenentöne und eine Leuchtspur in der Mitte des Ganges, eine Bahn, für mich reserviert - die Kollegen klebten an den Seiten des Ganges, um nicht über den Haufen gerannt zu werden.

Oder für eine unnötige Verzögerung eines dringlichen Vorganges zur Verantwortung gezogen zu werden, falls ich jemanden nicht wegboxen können sollte.

Nein, das war ganz und gar nicht alltäglich.

Aber um nachzudenken fehlte mir die Zeit, die Luft und die Hirnkapazität: Rennen, der Lichtbahn folgen, ankommen, durch die Tür und ... 
Und dann forderte der Notfallmodus seinen Tribut, die Beine knickten ein und mir wurde schwarz vor Augen.
---
Nun, für die nächsten Schritte war meine aktive Beteiligung nicht notwendig, im Gegenteil. Ich erwachte in einem Verhörsessel, als gerade ein Assistent die Verkabelung einpackte und die Med-Chefin die Kanüle aus meinem Arm zog.

Die charakteristischen Kopfschmerzen hätte ich gar nicht gebraucht, um zu erkennen, dass sie eine Gedächtnisauslesung vorgenommen hatten, und damit war auch klar, warum sie diesen Stress inszenieren mussten:

Von dem Moment an, in dem ich losgerannt war, hatte mein Hirn nichts mehr verarbeitet, nur noch Reflexe aneinandergereiht.

Konditionierte Reflexe.

Und deshalb waren die letzten Bilder nicht überlagert.

'Alles gut, Mac', sagte die Med-Chefin, sie lächelte sogar, und einer der Assistenten half mir beim Aufstehen.

'Wir haben dir Morph gegeben, das rechte Knie ist etwas ... nun, das wird nachher gerichtet. Und ich habe eine Beschwerde zu den Akten gelegt, wegen der Bremsung im Fahrstuhl - irgendwann gibt es sicher einen Bonus oder eine Medaille. Oder ...'
'Ein Bier?' warf ich ein, und sie lachte.

'Deal. Nach der Besprechung, wenn das Morph abgeklungen ist, und vor der OP. Versprochen.'
---
Nun, all das war noch nicht Außergewöhnliches. Ich meine, ja, ein Suizid, ein Alarm, eine Verletzung - so etwas passiert eben.

So etwas passiert jeden Tag, und zwar mehrmals. Jedenfalls, wenn man beim SK-E arbeitet, in einer Stadt mit mittlerweile gut achtzehn Millionen registrierten Einwohnern.
Und wer weiß wie vielen Nicht-Registrierten.
Eine Schicht hinter sich zu bringen ohne einen Alarm, das ist seltener als ein Hauptgewinn in der Lotterie. Streitigkeiten entstehen an den Laufbändern, in Warteschlangen der Essensausgaben, in den Stadien oder einfach so, ohne erkennbaren Anlass, in den Korridoren.

Und manchmal entwickelt sich daraus ein Mob, ein Aufstand, ein ... Problem. Und in den Minus-Ebenen ...

Ich meine, jeden Tag sterben etwa siebenhundert Leute auf die eine oder andere Art, rein statistisch. Siebenhundert, von denen man weiß, ohne die Unregistrierten. Unfälle, Mord, Krankheit oder - seltener - weil die Uhr einfach abgelaufen ist. Oder eben aus Vorsatz.

Nichts ungewöhnliches.

Tagesgeschäft.
Aber dass bei einer Besprechung die große Chefin selbst zugegen ist, einen einfachen SK-E lächelnd mit Namen begrüßt und ein Assistent wortlos ein großes Bier auf den Konferenztisch stellt, das erstaunte mich dann doch.

Irgendetwas lief hier, und es war etwas größeres.

Und offenbar steckte ich mitten drin.

---
Die Konditionierung funktionierte einwandfrei, also nahm ich Haltung und grüßte, ganz automatisch. Das Morph funktionierte ebenfalls, weshalb ich keinerlei Schmerz verspürte, nur das Knie funktionierte nicht, nach der Gewaltbremsung im Aufzug und dem Spurt, also klappte ich zur Seite.

Und wäre gefallen, wenn der Assistent nicht eingegriffen und mich auf den Besuchersessel bugsiert hätte.

Großartiger Auftritt, dachte ich, aber die Chefin tat, als hätte sie nichts davon bemerkt.

'Horg Dringer/M, nicht wahr? Sei gegrüßt, und bitte setze dich doch' sagte sie, lächelte dazu und damit war alles wieder korrekt: Ich saß, weil sie mich dazu aufgefordert hatte.
Nicht etwa aus Schwäche oder gar Unbotmässigkeit. Und im Protokoll würde stehen, dass ich mich zuerst bedankt und danach Platz genommen hätte, da war ich sicher, und selbst die Videoaufnahme würde die richtigen Bilder zeigen.

Die Wahrheit bestimmt, wer das Bildbearbeitungsprogramm beherrscht.

'Hier läuft keine Aufzeichnung, Horg' sagte die Chefin als könnte sie Gedanken lesen. Was der Grund dafür ist, dass sie diesen Posten innehat.

Und dafür, dass viele sie fürchten ...

'Dein Rang, Horg, ist bislang ...'

'C-4' antwortete ich automatisch, und sie nickte bedächtig.

'Es gibt ein Problem, Horg, und ich brauche jemanden, der es löst. Dich. Und dazu brauche ich deine Zustimmung. Und wenn du zustimmst, wird dein Rang auf - zunächst - B2 geändert.'

Sie sah mich an, nickte und sagte nicht, was das im Einzelnen bedeutete, was die Alternativen wären oder sonst etwas überflüssiges. Sie setzte voraus, dass ich verstand.
Einverständnis, dazu eine solche Beförderung, bei Erfolg eine weitere ... wie hoch ist die Chance, die Sache zu überleben? Und ist es wirklich so tragisch, wenn einem das Gedächtnis gelöscht wird? Und ...

Ich hörte, wie ich 'Ja' sagte und 'ich stimme zu' und griff das Bierglas vor mir, prostete ihr zu und trank es aus. Und wünschte mir ein weiteres oder zwei. Oder acht.
Was angesichts des Morphs in meinen Adern ziemlich unvernünftig war, aber immerhin deutlich rationaler, als sich freiwillig zu melden für ... für was auch immer.

***
Danke für's Lesen!



Offline Uli

  • Bratwurst
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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #1 am: 13 März 2017, 15:27:34 »
gnarf ...

da schau ich grad in mein Schreibprogramm und hier in den Text und musste feststellen: Das wichtigste hab ich glatt vergessen. Nämlich die Röstfragen ...

Also:
Was mich interessiert ist, ob die Umgebung 'rüberkommt' - also, wie die Szenerie bisher 'aussieht'. Und wie der Prota bisher eingeschätzt wird.
Wobei mir die Prota-Einschätzung ein bisschen wichtiger ist, weil das für mich weniger fassbar bleibt - Wie der Erzählton ankommt ist halt immer vom Leser abhängig, da tappere ichim Dunkeln.

cheers, Uli

Offline eska

  • Bratwurst
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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #2 am: 15 März 2017, 10:19:15 »
Lieber Uli;

da bisher noch niemand sich deines Textes angenommen hat, geb ich dir mal ein bisschen Feedback, auch wenn es keine umfassende Röstung ist, weil ich die zur Zeit nicht schaffe.

Ich konzentriere mich dabei auf deine Frage nach dem Eindruck, den der Protagonist auf mich macht, und gehe den Text von Anfang durch.

Zitat
Wie so oft.


Ah, er (oder sie?) fühlt sich in der Menge nicht wohl oder macht gern etwas ein bisschen anders, auf harmlose Weise. Das aber regelmäßig.

Er denkt nach, fühlt eine gewisse Verantwortung für den friedlichen Ablauf (gehört die zum Job?). Ruhe und Frieden als Werte, Ziele.
Sinnlose Gefährdung denkt er als Idiotie. Eventuell hier auch noch jede bewußt in Kauf genommene Störung.
Er empfindet aber den 'Zwischenfall' stark, muss sich ablenken, etwas tun.

Er ist sehr bemüht, wie verlangt schnell einzutreffen (sogar Schmerz nimmt er in Kauf). Wirkt einspurig, antrainiert?
(Roter Teppich und Musik - gibt es das noch? Woher sonst der Vergleich?)
Das Losspurten zeigt mir noch zweierlei: erstens ist er fitter, als ich bisher dachte, das erklärt vielleicht die Vorliebe fürs Laufen und gehört zum Job, zweitens nimmt er Risiken in Kauf, was zum Vorher mindestens einen Kontrast darstellt, über den man nachdenkt. Nötige Risiken - wieso ist diese Eile nötig? (Er erklärt es sich im Nachhinein.)
Wie gezwungen funktioniert diese Gesellschaft, wenn ziemlich durchschnittliche Leute (noch wissen wir nichts über außergewöhnliche Eigenschaften) so panisch auf einen Ruf reagieren? Bzw. wie haben die ihre Leute so konditioniert? Stimulanzien wie Adrenalin oder so über die Kontaktlinse?

Seine Zustimmung zu dem neuen, noch vagen Job kommt sehr schnell. Entweder hat er keine Wahl (das könnte er dann denken und minimal zögern, zwei Sätze/Ansätze hast du da schon drin), oder er will auf jeden Fall (schlechte Erfahrungen?) zeigen, wie sehr er dem System verbunden ist. Und er ist es auch, nach der bisherigen Darstellung. Würden sie ihn wählen, wenn er es nicht wäre? Ist es ein Selbstmord-Kommando?

Ach ja, wieso erkennt er die große Chefin selbst eigentlich? Gibt es einen Personenkult, Ansprachen etc.? Und sieht sie in persona nicht irgendwie anders aus, normaler? Das fällt einem dann nämlich auf (huch, viel kleiner als gedacht, ziemlich viele Falten, die sonst weggeschminkt sind, unpassende Socken zum Anzug...).

Erbsen:

Zitat
Die Korridore waren nur mässig belebt,
mäßig

Zitat
Ich trug eine einfache Kluft
passt Kluft? Klingt mir viel zu individuell.

Zitat
im gesperrten Teil stehenbleiben bis das Fahrzeug heran war,
stehenbleiben, bis

Zitat
Sinnlos, sein Leben zu riskieren um ein paar Sekunden früher in der Dienststelle zu sein.
riskieren, um

Zitat
dass ich Zeuge des Vorfalls sei,
gewesen sei?

Zitat
durch die Tür und ... 
Und dann forderte der Notfallmodus seinen Tribut,
Ist die Doppelung von 'und' hier nötig?

Zitat
Nun, all das war noch nicht Außergewöhnliches
nichts

Zitat
das ist seltener als ein Hauptgewinn in der Lotterie
Gibt es Lotterien? Oder irgendetwas Gesellschaftstypisches, weniger Zufälliges?


Zitat
Nichts ungewöhnliches
Ungewöhnliches

Zitat
es war etwas größeres
Größeres

Zitat
Und dazu brauche ich deine Zustimmung. Und wenn du zustimmst,
Wiederholung

Zitat
also nahm ich Haltung und grüßte, ganz automatisch
an

Zitat
Unbotmässigkeit

Unbotmäßigkeit

Zitat
sagte die Chefin als könnte sie Gedanken lesen.
Komma als

Zitat
was die Alternativen wären oder sonst etwas überflüssiges.
wären, oder
etwas Überflüssiges

Zitat
wie hoch ist die Chance, die Sache zu überleben? Und ist es wirklich so tragisch,

Wie
Und - eventuell weglassen, da der nächste Satz auch so beginnt

Zitat
Ich hörte, wie ich 'Ja' sagte und 'ich stimme zu' und griff das Bierglas vor mir, prostete ihr zu und trank es aus. Und wünschte mir ein weiteres oder zwei.

Ich würde auch hier die 'und' rauskürzen, verknappen, den angehaltenen Atem signalisieren. Vielleicht ein 'griff hilfesuchend (eher ein besseres Wort, wie stützen, komme nicht drauf) das Glas'.





Dafür, dass du auf die Szenerie Wert legst, sehe ich bei Teil 2 (Medis) und 3 (Chefin) so gar nichts vor mir, sorry. den kannst du noch anfüttern. Zu Teil 1 habe ich ja neulich bereits meinen Senf abgegeben.

Ich hoffe, dir ein bisschen weitergeholfen zu haben.
Und nebenbei: Ich würde weiterlesen!  :cheerful:

Gruß,
eska
  • Ich schreibe gerade: Brenda, Teil 2 (50 K). Und es fällt mir immer noch schwer, meine Leute umzubringen. *seufz*

Offline Uli

  • Bratwurst
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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #3 am: 15 März 2017, 13:30:06 »
 :whee:

Vielen Dank, Eska!

Ich freue mich, weil der wichtige Teil wohl funktioniert - die Charakterisierung des Protas nämlich. Ohne den Infodump, der sich bisher immer eingeschlichen hatte.
Und selbst die 'kleine Besonderheit' ist angekommen.

Horg ist tatsächlich konditioniert, was mit seinem Beruf zusammenhäng: Eine Art Polizist, im Großen und Ganzen.
Diese Leute werden sehr speziell ausgebildet, bis hin zu antrainierten Reflexen.
(ein paar andere Dinge erwähne ich hier nicht, wg Spoiler-Gefahr)
Und Horg hat eben - trotzdem - ein paar Eigenheiten, die durch die Konditionierung eben nicht beeinflusst worden sind.
Dass es seine Meldung absetzt ist eine 'Eigenheit', dass er nach dem 'Antreten'-Signal losspurtet hingegen ein bedingter Reflex.

Der weitaus größte Teil der Bevölkerung ist gar nicht oder nur sehr geringfügig konditioniert. Schlicht, weil das nicht notwendig ist. Und aufwändig.

Szenerie in der Med wird in den nächsten Szenen nachgeliefert, deswegen habe ich das hier eingespart - auch, weil das dem Prota selbst m Moment nicht so wichtig ist.
In der Besprechung kann aber sicher noch ein wenig Umgebung Platz finden, das ist eine gute Gelegenheit.

Die Zustimmung zur Beförderung / neuer Aufgabe ist so eine Sache: Er versteht selber nicht, warum er sich so schnell darauf einlässt.
Aber tatsächlich hat er keine Wahl - aufgrund seiner eigenen 'kleinen Eigenheiten', nicht aufgrund der Konditionierung. Das ist etwas, was er im Laufe der Geschichte herausfinden muss ...

Und Danke für die vielen Erbsen ... gnarf, ich bin immer wieder überrascht, wie viele davon übrig bleiben, wenn ich stundenlang korrigiert habe. Und wie viele vorher nicht da waren ...

 :b5:
cheers, Uli

Offline eska

  • Bratwurst
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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #4 am: 16 März 2017, 09:14:40 »
Hi!
Freut mich, dass das Gewünschte bei mir ankam!  :cheerful:

Tja, die Erbsen: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr?  :kraul:
Stundenlanges Lesen desselben, auch noch eigenen Textes macht, dass ich nicht mehr weiß, wo links und rechts ist (was ich sonst - mit Überlegung -  ;)  durchaus hinkriege!). Sprich: völlig verquast.

Zitat
Szenerie in der Med wird in den nächsten Szenen nachgeliefert, deswegen habe ich das hier eingespart - auch, weil das dem Prota selbst m Moment nicht so wichtig ist.
Das kann ich hinnehmen, aber: Außer den Kopfschmerzen erwähnst du keinerlei Wahrnehmungen. Das macht den Eindruck, als sei die Situation - immerhin Aufwachen nach Bewußtlosigkeit und Gedächtnislesung in einem Verhörsessel und mit medizinischen Drogen vollgepumpt - für Horg Routine. So oft passiert ihm das doch auch nicht, oder?

So ein gequältes Blinzeln ins helle Licht oder der penetrante Geruch nach was weiß ich, dem Desinfektionsmittel, den Gummi- oder Latexriemen vom Festsschnallen, oder ein guter Geruch nach der Polsterung des Sessels, der die Leute beruhigen soll oder Klirren oder Plätschern vom Sterilisieren der Instrumente ... Irgendsoetwas nebenbei, was ihn ablenkt oder nervös macht oder ihm Durst macht (siehe Bier), das könntest du einbauen. Vielleicht gibt es da auch besondere Farben, die den Meds vorbehalten sind, über die das Auge sich freut, oder Hypnosemuster an der Decke oder ...
Oder sein Körper fühlt sich wegen des Morphs so wunderbar leicht an - und er weiß, dass er das später mit Jucken bezahlen muss oder mit besonderem Hunger oder ...

Also, du siehst, ich kann mir einiges vorstellen, was er so nebenbei wahrnehmen könnte und was die Situation konkreter macht. Wenn du aber einen gewissen Nebel willst (gedämpfte Wahrnehmung), kannst du ihn das kurz denken lassen (Alles wirkte so weit weg, er konnte seinen Blick nicht konzentrieren, aber das machte ihm keine Sorgen, das würde sich schnell wieder geben.)

Ohne mich einmischen zu wollen, aber mit Spaß am Grübeln,

eska
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Offline Uli

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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #5 am: 16 März 2017, 12:25:16 »
ay Eska,

ja, das geht: Er steht ja unter dem Einfluss von Morph, das könnte ihm bewusst werden - damit wäre die - sagen wir - Gleichgültigkeit gegen die Umgebung begründet und zugleich der kleine Scherz mit dem Bier etwas anders betont.
Nur laufe ich in Gefahr, dass seine Entscheidung, den Job anzunehmen, dann auch auf das Morph zurückgeführt werden könnte.
Hmm.
Hängt sehr daran, wie ich das mit der Formulierung hinbekomme - ohne den Beipackzettel des Medikaments vorlesen zu müssen.

Offline Gnadenrose

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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #6 am: 29 April 2017, 22:37:09 »
Ich persönlich habe von Horg den Eindruck, dass er bisher nur in seiner Arbeit wirklich lebt. Er ist Einzelgänger, hat also zu Familie wenig Kontakt und wenig bis gar keine Freunde, vielleicht auch jobbedingt. Trotzdem hat er einige Bekanntschaften, aber auch nur durch seine Arbeit. Dieser Eindruck wird durch die kurze und offene Konversation zwischen ihm und der Med-Chefin nach seinem Aufwachen erweckt.
Er stimmt dem Auftrag so schnell zu, weil ihm fast nichts wichtiger ist als seine Arbeit, obwohl sie für ihn nichts Besonderes mehr ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er jemand ist, der gerne seine gewohnte Umgebung hat, wo er sich auskennt und wo er "reflexartig reagieren" kann. Jemand, der eher fokussiert nach vorne denkt und von seiner Umgebung eher wenig wahrnimmt. Unterstrichen auch durch den Schreibstil, der besonders am Anfang aus eher kurzen bis halben Sätzen besteht. Keine Ausschmückungen und wenig Details.
Ich hoffe, das konnte dir helfen, die Wirkung deines Charakters kennenzulernen und nachzuvollziehen :)

Offline Uli

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Re: Kunstlich - Intro
« Antwort #7 am: 29 April 2017, 22:51:47 »
ay Gnadenrose,
Oh - ja, das ist hilfreich, wie du meinen Prota wahrnimmst.
Und im wesendlichen ist das auch so, wie es sein soll, also ist dieser Teil wohl gelungen.

dnke schön! Uli