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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Uli am Gestern um 19:11:26 »
ay Xaranis,

an sich haben Lillith und Rilyn alles gesagt ...
aber ich gebe meinen Senf trotzdem dazu. OK?

Dass KGs nicht dein Ding sind, ist eins - dieser Effekt, dann doch eine schreiben zu müssen, ist eine ganz andere Sache. Und ich gehe jetzt mal von dieser Seite da ran - mit der Behauptung, da sei eine Geschichte, eine KG, und die müsse eben geschrieben werden.
Dass die Sache bisher nicht funktioniert ist dabei nicht so wichtig.

Also:
Ich finde Spuren von ˋPointe ´ in dem Text - eine halbe Ahnung von einer Viertelspur Rauch, wie Hobble Frank einmal sagte. Aber ... immerhin.
Da ist ein Moment von ˋBewustwerden ´ und ein Moment von ... gegen Rebellion entscheiden. Dazwischen fehlt eben der Ansatz zur Rebellion ... an der Stelle, wo deine Prota mit ˋeinem Mann ´ (und nicht mit ˋmeinem Mann ´) tanzt ist diese Viertelspur Ahnung ...
Da passiert etwas - bzw, da könnte etwas passieren. Oder, noch kleinteliger: Da könnte etwas explizit nicht passieren ... aber dazu müsste die Möglichkeit klar(er) erkennbar werden.

Sie ist im Alltagstrott, der Nachbar auch, wenn auch verspätet, etwas daran lässt sie ˋSklave der Kinder´ denken, macht hr den Zistand bewusst ...
****
Und ohne weiteres wird das weggeschoben, weil Kinder zanken.

da, wo die Sternchen sind, findet die Geschichte ... nicht statt.
Dass Ende ist OK, sie entscheidet sich für Aufschub, für ˋerst mal die Kinder ´ etcpp - das kann ein Ende für die KG sein, kein Problem. aber der Teil zwischen dieser Entscheidung und der Erkenntniss des Gefangen-Seins, der fehlt halt. (Es war schon etwas Aufwand, den homöopatischen Verdacht auf Story zu lokalisieren ... echt. Und nicht viele Leute haben Spass an sowas ...)

Also, kurz und gut:
Ein wenig mehr wäre gut, ein wenig mehr ... Freiheit, Sehnsucht, Rebellion, Bedauern - diese Dinge eben, die man dann zurückstellt, wegen der Kinder, wegen der Vernunft, wegen der Rente, wegen der Leute ...

Wie gesagt: als Potential sehe ich das durchaus - was da fehlt, ist die Ausarbeitung.

kurz: mach ne Geschichte da draus.
danke.
Uli
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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Xaranis am Gestern um 13:43:03 »
Hallo Ril,

danke auch dir.


Zitat
Du behauptest, Kurzgeschichten / Kurztexte seien nicht deins, aber weshalb schreibst du dann einen? Das bedeutet ja wohl oder übel Beschäftigung damit. Nimm deine Geschichte und dich selbst ernst: Willst du sie wirklich schreiben? Wenn ja, weshalb? Ist dir das wichtig genug, um die Arbeit reinzuhängen, sie gut lesbar zu machen und dich mit einem bisher ungeliebten, unbeachteten Teil der Erzählkunst auseinanderzusetzen?

Ja, das ist ein Punkt, über den ich mir wohl selbst klar werden muss. Ich kann nicht sagen, welcher Dämon mich plötzlich überfallen hat. Ich wusste nur - da will etwas erzählt werden - und plötzlich war mein Kopf voll und wäre wahrscheinlich zerborsten, hätte ich nicht den Laptop angemacht.
Und dabei hatte ich noch gar keine Zeit (oder gar die Absicht) mich mit dem Thema "Kurzgeschichten" überhaupt auseinanderzusetzen.
Ob es ein Wunsch ist, der sich aufdrängt, bleibt abzuwarten. Ob ich auch künftig das Bedürfnis verspüren werde - keine Ahnung. Ebensowenig bin ich nicht sicher, ob und wieviel Zeit und Energie mir das Ganze wert sein wird. Das bleibt wohl abzuwarten.  :cheese:
Wenn es so ist, werde ich mich mit den Regeln eingehend auseinandersetzen müssen.
Umso wichtiger war an dieser Stelle jetzt ein Feedback, was funktioniert und was nicht.
Ihr habt mir eine gute Richtung gegeben.
Deine Anmerkungen zum Text zeigen, wie schon bei Rebekka und Lilith, sehr gut die Schwachpunkte. So habe ich jetzt einen Ansatz, wenn/falls ich da nochmal ran will.



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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Xaranis am Gestern um 13:24:21 »
Hallo Lilith,

Zitat
Das wird jetzt hart, also zieh dich warm an. :zitter2:

ja, bei den Temperaturen bin ich ohnehin recht dick eingepackt. Netter Smilie übrigens. Den kenn ich ja noch gar nicht.

Zitat
Eine Kurzgeschichte ist das nicht. Ein kurzer Text, ja. Aber eine Kurzgeschichte folgt Regeln und zeichnet sich in erster Linie nicht durch ihre Länge Kürze aus. Für eine KG fehlen deinem Text einfach die wesentlichen Elemente. Wenn du nicht weißt, wie eine Kurzgeschichte aufgebaut ist, wie sie funktioniert, dann setz dich damit auseinander. Lies welche (und zwar die richtig guten), setz dich mit ihren wesentlichen Merkmalen auseinander. Das ist das Handwerk.

Ohne Widersprüche akzeptiert.

Zitat
Noch so etwas. Wähle als Titel das, was dem zentralen Thema am nächsten kommt. Wenn du das aus deinem Text noch nicht herausarbeiten kannst, dann musst du wohl oder übel noch mal ran.

Doch doch, das habe ich aus dem Text schon ableiten können. Mir schwirrte noch ein anderer Titel durch den Kopf, der gepasst hätte.

Hmmm, wenn ich deinen Text so lese, dann löse ich jetzt doch auf für dich und Rebekka. Da die Geschichte für sich offenbar ohnehin nicht funktioniert, spielt das wohl keine Rolle. Wenn ich die Muse habe, setze ich mich nochmal ran. Erst mal, muss ich das alles aber natürlich mal sacken lassen.


Aaaaalso:

Das Schneeschippen ist tatsächlich Alltag. Dass sie es mehrfach tut, sollte andeuten "Wofür eigentlich?" Ebenso der Hinweis, wenn sie morgens aufwacht, hat Frau Holle ja ohnehin wieder die Betten geschüttelt.
Der Nachbar kommt von der Arbeit spät nach Hause und kümmert sich um alltägliche Dinge, weil es zu Hause offenbar niemanden kümmert.  Das war der Hintergedanke, als ich sagte - Sklave seiner Kinder. 
Sie nimmt es so wahr - ob es nur real ist oder eingebildet, das sei dahingestellt. Aber sie assoziiert sich damit. Es geht tatsächlich um ein überspitztes Elterngefühl. Erinnerungen an "die schönen Zeiten", an das frisch verliebt sein. Die Welt durch eine rosarote Brille sehen. In Liedern geht es meist um die große Liebe. Und doch ist sie nur ein Sekundenbruchteil des Lebens. Dann kommen die Kinder - und alles verändert sich. Sie definiert sich durch ihr Muttersein und ihre Pflichten. Das Frausein bleibt auf der Strecke.
Ich hatte gehofft, es würde auch auffallen, dass ich weder bei ihr noch bei dem Nachbarn einen Ehepartner erwähne, sondern nur die Kinder.  :cheese:
Und dass der Smusesong, den sie hört auch durchaus doppeldeutig ist, Raum für Fantasien eröffnet, was alles sein könnte (aber nie sein wird).
Als die Kinder zanken, kehrt die Frau zurück in die Realität, in den Alltag. Sie geht hinein, zurück in das "Gefängnis" ihres Alltags. Bis morgen sagt sie, wo ein neuer Tag beginnt, der nicht anders ist als die Tage zuvor. 

Die Frau in ihrem Auto, die vorbeifährt, soll übrigens die Dorfzeitung sein. Bei ihr ist die Welt (vermeintlich) in Ordnung. Eine jener Frauen, die über jeden etwas weiß und jeden mit ihrem falschen Lächeln beglückt, ohne jemals Anteil zu nehmen am Seelenleben anderer - also durchaus Sozialkritik.


So, das war die ganze Bandbreite dessen, was einem so einfallen kann, wenn man einfach nur Schnee schippt.  :watchout:


Ich danke euch beiden für die Kritik. Sie war nicht schön. Aber hilfreich.  :cheese:




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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Rilyn am Gestern um 13:09:09 »
Hoi Xaranis,

ich glaube sofort, dass Kurzgeschichten nicht deins sind, vielmehr: dass du keine Erfahrung mit ihnen hast. Weder mit Kurzgeschichten noch mit kurzen Texten.
Der Haken bei beiden ist, dass du dir über die Form im Klaren sein musst, nicht weniger als beim Roman. Tatsächliche Kurzgeschichten folgen einer ganzen Menge Regeln; nicht alles, was kurz ist, ist auch eine Geschichte; und wenn es in seiner eigenen Form funktionieren will, dann ist das ein Ausbrechen aus bekannten Regeln, die erst mal beherrscht werden wollen. Auch nicht anders als beim Roman. :)

Du behauptest, Kurzgeschichten / Kurztexte seien nicht deins, aber weshalb schreibst du dann einen? Das bedeutet ja wohl oder übel Beschäftigung damit. Nimm deine Geschichte und dich selbst ernst: Willst du sie wirklich schreiben? Wenn ja, weshalb? Ist dir das wichtig genug, um die Arbeit reinzuhängen, sie gut lesbar zu machen und dich mit einem bisher ungeliebten, unbeachteten Teil der Erzählkunst auseinanderzusetzen?

Ich habe übrigens gleich eine Frau gelesen.

Ein Rösti noch ohne detaillierte stilistische Schwächen; Leseeindruck, kommentiert; was nicht zum ersten Lesen gehörte, nenne ich als solches.

Zitat
Der Winter meint es gut dieses Jahr.
Dicke Flocken fallen vom Himmel und türmen sich in meiner Einfahrt.
Wenn sie das Haus nicht verlassen will und sich lieber vorm Kamin einmummelt, dann meint der Winter es gut. Aber nicht mit diesem Nachsatz.

Hier dachte ich durch den  Titel beim allerersten Lesen an eine Geschichte über meine Urgroßmutter, die in Böhmen im Winter durch ein Fenster im ersten Stock raus musste, weil die Tür vor lauter Schnee nicht aufging; und an eine Aussage einer, die aufgrund von leichtem Schneefall und Verkehrschaos fünf Minuten zu spät kam: "Ich bin schon eine halbe Stunde früher los, weil ich ja weiß, dass hierzulande niemand mehr Auto fahren kann, wenn nur eine Flocke fällt!"
Deshalb habe ich zunächst damit gerechnet, dass es ums Gefangensein im Haus im Winter geht, um den Schnee und die Hindernisse, die er bedeutet.

Zitat
Ich ziehe Mütze und Stiefel an, mache mich bereit, dem Winter zu trotzen.
Eben meinte der Winter es noch gut. Das haut so nicht hin; sie übergeht die Andeutung, Schnee zu mögen, das schöne Bild von dicken Schneeflocken und dichter Schneedecke, damit, was diese an Arbeit bedeutet. Der Umschwung wirkt beliebig und nimmt allem Erwähnten an Bedeutung.

Zitat
Zum letzten Mal für heute.
Das habe ich beim ersten Lesen komplett überlesen und sah sie eher morgens rausgehen. Kein Beinbruch, nur ein Stolperstein. Aber weshalb habe ich's überlesen? Nicht aufgrund von Subtilität, sondern fehlender Relevanz. Die einzige Stimmung bis hier ist die angedeutete schöne Winterstimmung. Und da die Figur weder auf diese eingeht noch deutlich damit bricht, komme ich hier nicht an sie ran. Sie bleibt blass, bleibt handlungsorientiert, gibt dieser Handlung keine Tiefe durch persönliche Beteiligung oder Relevanz im Text durch einen Grund.
Sie geht Schnee schippen.
Warum ist das wert, genannt zu werden, in solcher Ausführlichkeit?

Zitat
Meine Schaufel kratzt unter dem Schnee entlang. Der türmt sich, rollt hoch wie eine Welle und schiebt sich auf die Schaufel.
Das ist eins der wenigen Bilder in diesem Text, die der Atmosphäre dienen, aber sie bleiben inhaltlich belanglos, weit weg. Bilder eben. Winteralltag. Und die Erzählerin ist verschwunden, von ihren Gefühlen gegenüber dem Schnee oder ihrer Arbeit oder dem Alltag bekomme ich nichts mit.
Ein stilistischer Nachtrag, obwohl ich vom Stil erstmal die Finger lassen wollte: Der Schnee schiebt sich nicht aktiv auf die Schaufel. Die Formulierung ansich hat mich nicht gestört, aber sie funktioniert nicht für eine Figur, der das Schneeschippen eine Last ist.

Zitat
Wenn sie voll ist, gehe ich vor zur Straße und kippe den Schnee auf den Haufen. Dann wieder von vorn.
So funktioniert Schneeschippen üblicherweise, aber was steckt da für sie drin?
Ich erwarte kein explizit genanntes Innenleben, aber doch ein Innenleben. Du lässt bis hier eine Ich-Erzählerin von der Leine, die keinen Grund hat, zu erzählen, und nur ihr Tun rekapituliert. Auch, wie sie den Schnee wahrnimmt, trägt nichts, das eindeutig auf sie und ihre Situation schließen, das mich mitfühlen lässt.

Zitat
Wofür eigentlich? Wenn ich morgen früh aus dem Fenster sehe, hat Frau Holle die Betten gemacht.
Und hier zum ersten Mal eindeutig: Überdruss. Und gleich wieder ein hübsches Winterbild, das diesen mit einem Schulterzucken abtut.

Zitat
Ein Auto fährt die Auffahrt hoch,
Hier sehe ich ihre und denke: Ihr Mann.

Zitat
verschwindet hinter einer Wand aus Thujen,
Doch nicht?
Ansonsten: Typisch deutsche Abgrenzung eines Grundstücks.
Beim späteren Lesen habe ich hier an den Titel gedacht, bzw nach allem gesucht, was zum Titel gehören könnte. Wand. Später sieht sie den Nachbarn durch diese. Aber das haut nicht hin, denn diese "Wand" bleibt wiederum zu belanglos, zu normal, sie sperrt den Nachbarn nicht mal aus.

Zitat
wird abgestellt. Eine Schaufel gesellt sich zu meiner.
Hatte er die im Auto? :grinwech:
Nee, hier erwarte ich keine Ausführlichkeit, aber wiederum bleibt alles Handlung und reine Beobachtung, irrelevant für den Fortgang der Geschichte, und ich frage mich, was diese von mir will.
Durch meine Vermutung vom Anfang fuhr der Nachbar außerdem durch.

Zitat
Ich hier, er drüben.
Ja. :weissnicht:
Beim mehrfachen Lesen dachte ich auch hier: getrennt etc? Aber wer hat denn die Thujen gepflanzt? Aber all das sind Mutmaßungen; hätte ich die Geschichte irgendwo anders gelesen, wäre ich nie dazu zurückgekehrt. Und noch ein Gedanke: Woher weiß der Nachbar, den ich nie im Haus gesehen habe, was seine Kinder machen?

Zitat
Hallo Herr Nachbar. Spät heute. Viel los in der Werkstatt? Der Sohn? Unterwegs mit Freunden. Der andere? Vor der Playstation. Er sagt es nicht. Sein Gesicht verrät es mir. Ein Sklave seiner Kinder, so kommt es mir in den Sinn. Genau wie ich.
Der Nachbar kommt von der Arbeit zurück, sie fragt nach den Kindern und interpretiert ohne ersichtlichen Grund, dass er Sklave seiner Kinder sei. Da kommt für mich auch nicht rüber, dass sie unbedingt jemanden finden möchte, dem es genauso geht, dazu ist das zu weit weg und wiederum zu plauderig, und in diese Plauderei und Gleichgültigkeit hinein kommt dann diese bittere Bemerkung.

Zitat
Noch ein Auto. Der silberne Golf der Caritas-Frau. Dieselbe, die auch die Zeitung austrägt, jene, die nur aus Klatsch und Werbung besteht. Sie lächelt mir aus dem Auto heraus zu, von der Welt getrennt durch eine Scheibe aus Glas. Ich denke an Zeugen Jehovas - und winke. Dann ist sie vorüber.
Viele Fragezeichen, oder eher ... beim Lesen nur noch ein Schulterzucken.
Beim dritten Lesen habe ich die Scheibe und die Hecke aus Thujen auf den Titel bezogen.
Aber: die Frau fährt weg, ist unterwegs, kommt rum. Weshalb hängt also deine Protagonistin ausgerechnet ihr an, getrennt von der Welt zu sein? Das spielt in einer völlig anderen Weise mit dem Titel, der nicht so recht passen will. Vielleicht darüber, dass auch die Caritas-Frau in ihrem Beruf gefangen ist und eine Menge ackert, aber umso mehr stört mich die Scheibe als Symbol, denn die Frau steigt für ihre Arbeit zwangsläufig aus dem Auto aus und kommt mit Menschen in Kontakt. Sie ist im Übrigen die am besten charakterisierte Person in dieser Geschichte und innerhalb eines Absatzes verschwunden.
Mit den Zeugen Jehovas kann ich gar nichts anfangen.

Zitat
Von gegenüber dringt Musik an mein Ohr. Ein Klassiker aus den Achtzigern. „I’ve been waiting for a girl a you.“
like, der Vollständigkeit halber.
Zitat
Foreigner, glaube ich. Erinnerungen steigen hoch. An bunte Discokugeln und Schmusesongs. Eine Tanzfläche voller Menschen. Mittendrin ein Mann und ich.
Foreigner, Fremder, jetzt gibt es nichts Fremdes mehr in ihrem Leben? Aber was hat das hier zu sagen?
Ansonsten ein recht bekanntes Bild: sie sehnt sich nach einer Zeit, in der sie unter Menschen war, an eine kuschelige Zeit, an Spaß und Zeitvertreib.
Ein Mann, ihr Mann? Weshalb so anonym? Das schwächt das Bild.
Tatsächlich kam ich nicht darauf, dass sie getrennt leben könnte, wie Lilith schrieb, und den Mann deshalb anonymisiert. Das müsste, wenn's so sein soll, deutlicher sein. Gleichzeitig finde ich es, wenn "Sklavin ihrer Kinder" der Punkt sein soll, zu irrelevant und ablenkend; ich lese sie als in fester, aber nicht explizit glücklicher Partnerschaft.

Zitat
Längst vorbei, ein Leben entfernt. Discokugeln wichen Luftschlangen. Und bunten Ballons, mit Schnüren zu einer Kette gebunden. Die Ballons platzen, die bunte Deko wird abgehangen. Bis zum nächsten Jahr.
Routine und Verbitterung darüber. Keine besonders starke, einfach Verbitterung. Auch ein bisschen Missgunst gegenüber den Kindern. Nachdem also der Text bisher recht gefühllos dahindümpelte, macht sich mir die Protagonistin nun zum Ende hin unsympathisch. Ihre Verbitterung verstehe ich gerne, aber ... Was können denn die Kinder dafür?
Gedanke beim Rösten: Damit will ich nicht einmal eine unsympathische Erzählerin verteufeln, denn den Gedanken an eine solche, die ihren Kindern die Ballons missgönnt, finde ich interessant. Aber falls du die Geschichte tatsächlich auf einen solchen Aspekt hin ausfeilen willst, passt der gesamte Anfang nicht. Das Setting schon, gerade dieses Reihenhausidyll, aber das Schneeschippen bleibt irrelevant. Der Schnee hat keinen Bezug zum Rest, die Jahreszeit nicht, es könnte Sommer sein.

Zitat
Was bleibt, sind die Kinder. Ihr Gezanke reißt mich aus den Gedanken.
„Du hast angefangen.“ höre ich.
„Nein du!“ kommt die Antwort.
„Au, hör auf!“ Schreien. Flache Hände schlagen.
Ich stelle die Schaufel zur Seite und sage:
„Bis morgen, Herr Nachbar.“ 
Dann gehe ich hinein.
Und jetzt sind die Kinder schuld? ... das war mein erster Gedanke beim ersten Lesen.
Ja, sie kümmert sich, irgendwie. Um etwas, das so inhaltslos daherkommt wie der bisherige Rahmen für die Gedanken. Zurück in den Alltag - diesen Gedanken habe ich nur, weil ich dieses Szenario in all seiner Alltäglichkeit hundertfach schon gelesen, gesehen, gehört habe.

Das ist noch ein Punkt: Die Geschichte ist keine Geschichte, weil sie aus diesem Kernthema nichts macht. Sie benennt es im Zuge von etwas Alltagsgeschehen, aber es ist einfach da, die Figur stößt sich nicht merklich daran, es bleibt bei einem bitteren Gedanken. Es gibt nichts Neues zu diesem und auch nichts Individuelles, denn individuell ist deine Protagonistin nicht, sie bleibt austauschbar. Es gibt nichts Spannendes, nichts Nachdenkliches, letztendlich keine Aussage und keine Wirkung.

Deiner Geschichte fehlen Bezugspunkte, damit das Handeln und Erleben deiner Protagonistin relevant werden und ihre gewünschte Wirkung entfalten können. Ein klarer, eindeutiger, am Besten nicht im Text genannter Fokus: Wenn du es schaffst, das Gefühl, Sklavin ihrer Kinder zu sein, ohne dessen wörtliche Erwähnung zu vermitteln, dann bist auf auf dem richtigen Weg. Vor allem aber muss dieser Moment auch etwas bedeuten. Weshalb erzählt sie diesen und nicht den gestrigen Tag oder das Schneeschippen drei Stunden früher? Weshalb nicht irgendwas aus dem letzten Herbst? Was passiert hier, vor allem innerlich, das genau diesen einen Augenblick zu dem macht, der geschrieben werden will?

Ich hoffe, dass ich dir im Aschehaufen auch Hilfreiches hinterlassen habe, und dass du die Motivation findest, dich mehr mit dieser Geschichte und Kurzprosa allgemein auseinanderzusetzen.
 :b5:

Liebe Grüße! :kaffee2:
Ril
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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Rebekka am Gestern um 12:50:22 »
Hallo Rebekka,

du - das meine sind Kurzgeschichten auch nicht. Ich lese keine, ich schreibe keine. Eine unerwartete Premiere.
Und Tadaaaa - wir gehen total aneinander vorbei.  :heul:
Ich erleuchte dich, wenn andere Röster ihren Senf dazu gegeben haben.
Mal sehn, ob andere etwas rauslesen (die "Belanglosigkeiten" enthalten subtile Hinweise) oder ob ich komplett ins Klo gegriffen habe.

Ich wünsch dir einen guten Start in eine saukalte Woche.
Oha, jetzt bin ich gespannt, worum es tatsächlich geht. :watchout:
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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Lilith am Gestern um 12:08:52 »
Hallo Xaranis!

Das wird jetzt hart, also zieh dich warm an. :zitter2: :b5:

Habe ich denn nicht gesagt, ich hab’s nicht mit Kurzgeschichten? Habe ich das nicht klar genug ausgedrückt? Ich schreibe einfach keine. Eigentlich weiß ich noch nicht einmal, worauf es dabei ankommt. Und was macht ihr? Offenbar habt ihr mich angesteckt. Mit dem Resultat müsst ihr jetzt umgehen!
Ja, das merkt man.
Eine Kurzgeschichte ist das nicht. Ein kurzer Text, ja. Aber eine Kurzgeschichte folgt Regeln und zeichnet sich in erster Linie nicht durch ihre Länge Kürze aus. Für eine KG fehlen deinem Text einfach die wesentlichen Elemente. Du erzählst keine Geschichte, also wäre die Form wohl auch egal, denn als Slice of Life funktioniert es ebenso wenig, weil es dafür zu wahllos und unverdichtet wirkt.
Wenn du nicht weißt, wie eine Kurzgeschichte aufgebaut ist, wie sie funktioniert, dann setz dich damit auseinander. Lies welche (und zwar die richtig guten), setz dich mit ihren wesentlichen Merkmalen auseinander. Das ist das Handwerk.

Zitat
Bei der Titelwahl war ich mir nicht sicher. Da wären mehrere Dinge denkbar gewesen.
Noch so etwas. Wähle als Titel das, was dem zentralen Thema am nächsten kommt. Wenn du das aus deinem Text noch nicht herausarbeiten kannst, dann musst du wohl oder übel noch mal ran.
Übrigens: Ich könnte ad hoc auch keins herausarbeiten, also gebe ich mich der Illusion hin, der Titel könnte mir beim tieferen Textverständnis helfen.

Mal Absatz für Absatz.

Zitat
Der Winter meint es gut dieses Jahr.
Dicke Flocken fallen vom Himmel und türmen sich in meiner Einfahrt. Ich ziehe Mütze und Stiefel an, mache mich bereit, dem Winter zu trotzen. Zum letzten Mal für heute.
Meine Schaufel kratzt unter dem Schnee entlang. Der türmt sich, rollt hoch wie eine Welle und schiebt sich auf die Schaufel. Wenn sie voll ist, gehe ich vor zur Straße und kippe den Schnee auf den Haufen. Dann wieder von vorn.
Wofür eigentlich? Wenn ich morgen früh aus dem Fenster sehe, hat Frau Holle die Betten gemacht.
Thema: Schnee/Alltag.
Wir sehen jemanden beim Schneeschippen. Geht's also ums Schneeschippen, um Alltagskram, frage ich mich? In diesem Absatz gibt es auch nichts, was mit diesem Eindruck bricht.
Okay, okay, sie ist "gefangen" im Schnee.
Noch scheint mir der Titel überdramatisiert.
Dass sie nicht zum ersten Mal draußen steht an diesem Tag, um den Schnee wegzuschaufeln, habe ich beim ersten Mal komplett überlesen, weil es in der Geschichte keinen Widerhall findet. Es ist eine Erwähnung, nicht mehr. Das Wichtige hier ist das Schneeschippen (darüber echauffiert sie sich) und das nimmt sie eher auf die leichte Schulter (erster Satz! Der Winter meint es gut).

Zitat
Ein Auto fährt die Auffahrt hoch, verschwindet hinter einer Wand aus Thujen, wird abgestellt. Eine Schaufel gesellt sich zu meiner. Ich hier, er drüben. Hallo Herr Nachbar. Spät heute. Viel los in der Werkstatt? Der Sohn? Unterwegs mit Freunden. Der andere? Vor der Playstation. Er sagt es nicht. Sein Gesicht verrät es mir. Ein Sklave seiner Kinder, so kommt es mir in den Sinn. Genau wie ich.
Thema: Der Nachbar und die Kinder.
Im Gegensatz zu Rebekka lese ich übrigens eine Frau, die Assoziation war sofort da.
Die Details jedenfalls sind es, die so belanglos wirken. Aha, Thujen. Okay, typischer Reihenhaus-Vorgarten. Zwei Leute die Schnee schippen, also doch dieses Thema. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie den Dialog wirklich führen, dadurch dass du ihn mit "Er sagt es nicht" negierst. Zuerst ging ich davon aus. Wie sie von den Beschreibungen, der eine Sohn sei unterwegs, der andere hänge vor der Playstation darauf kommt, er sei ein Sklave seiner Kinder (ließe sich also herumkommandieren, opfere sich für sie auf, sei gefangen in seiner Sorge um sie), erschließt sich mir nicht. Dass sie dieses Gefühl von sich hat, okay. Aber auch da fehlt mir irgendeine Andeutung, warum sie so fühlt. So bleibt es nur ein überspitzter Gedanke eines generellen Elterngefühls, der durch nichts genährt wird.
Schade.
Also sind sie jetzt gefangen darin, sich um ihre Kinder zu kümmern. Hm.
Wie passt das zum Schnee? Oder soll der (Achtung, Lilith lehnt sich aus dem Fenster) für die soziale Kälte stehen? Kommt aber auch nicht rüber.
Nur als Beispiel für eine (m.E. gelungene) Umsetzung dieses "Eltern als Sklaven"-Themas, dieser Postillon-Artikel fiel mir spontan dazu ein. Klar, völlig andere Stoßrichtung (Satire) und Tonalität als dein Text, es soll nur als Beispiel dienen, wie man sich so einem Thema nähern und etwas darüber erzählen kann: Macht der Eltern gebrochen: Kind, das auch bei Drei nicht gehorcht hat, ist nun Herr des Hauses.

Zitat
Noch ein Auto. Der silberne Golf der Caritas-Frau. Dieselbe, die auch die Zeitung austrägt, jene, die nur aus Klatsch und Werbung besteht. Sie lächelt mir aus dem Auto heraus zu, von der Welt getrennt durch eine Scheibe aus Glas. Ich denke an Zeugen Jehovas - und winke. Dann ist sie vorüber.
Thema: Die Außenwelt.
Die Frau von der Caritas ist "gefangen" in ihrem Auto.
Warum fährt sie Sonntag vorbei? Um die Zeitungen auszutragen? Aber sie fährt ja weiter, hält nicht an. Und was soll die Erwähnung der Klatschblätter, ist das subtile Sozialkritik? Sie lächelt der Prota zu, die beiden kennen sich also. Eine tiefere Verbindung zwischen den beiden sehe ich nicht, denn sonst wäre das Ziel der Dame wohl eher das Haus der Hauptfigur, nicht ein anderes. Und die Erzählerin würde sich weniger darin ergehen, dass die Frau auch Zeitungen austrägt, statt mir zu verraten, was sie eigentlich in der Straße macht, warum sie oft genug vorbeikommt, um erkannt und gegrüßt zu werden.
Oder wohnt sie etwa da? Dann wäre sie weniger die "Caritas-Frau" als Frau Sowieso, die auch bei der Caritas arbeitet. Sehr verwaschen, das alles. Wenn es Absicht ist, dass deine Prota sich in vermeintlichen Belanglosigkeiten ergeht, dann fehlt mir dazu zumindest die Andeutung eines Grunds. Die kommt aber nicht oder ich überlese sie konsequent, weil sie mir zu wenig hervorsticht unter dem ganzen anderen Gerede.
Warum sie vorbeifährt, kommt auch nicht vor - und "Caritas" ist so verdammt vieldeutig, schließlich machen die alle möglichen Hilfsprojekte, unterstützen in allen möglichen Bereichen, also kann ich da auch keine Richtung erkennen. Wenn es irgendeine Aussagekraft haben soll, würde mir etwas Spezifisches besser gefallen, z.B. die "Frau von der Jugendhilfe".
Die Zeugen Jehovas erschließen sich mir nicht. Soll die Prota etwas damit zu tun haben, ist sie Zeugin Jehovas, hat sie da ihre Kindheit verbracht? Dann würde sie wohl eher nicht so allgemein an "Zeugen Jehovas" denken, das würde viel mehr in ihr wachrütteln.
Oder ist das noch so eine versteckte Sozialkritik? Die katholische Kirche ist auch nur eine Sekte? :weissnicht:

Zitat
Von gegenüber dringt Musik an mein Ohr. Ein Klassiker aus den Achtzigern. „I’ve been waiting for a girl a like you.“ Foreigner, glaube ich. Erinnerungen steigen hoch. An bunte Discokugeln und Schmusesongs. Eine Tanzfläche voller Menschen. Mittendrin ein Mann und ich. Längst vorbei, ein Leben entfernt. Discokugeln wichen Luftschlangen. Und bunten Ballons, mit Schnüren zu einer Kette gebunden. Die Ballons platzen, die bunte Deko wird abgehangen. Bis zum nächsten Jahr. Was bleibt, sind die Kinder. Ihr Gezanke reißt mich aus den Gedanken.
„Du hast angefangen.“ höre ich.
„Nein du!“ kommt die Antwort.
„Au, hör auf!“ Schreien. Flache Hände schlagen.
Ich stelle die Schaufel zur Seite und sage:
„Bis morgen, Herr Nachbar.“
Dann gehe ich hinein.
Thema: Beziehung und Kinder.
Sie sehnt sich offenbar nach Liebe, wenn das das erste ist, was dieses Lied in ihr auslöst - eine Erinnerung an "unser Lied". Liebe, die ihr in der Ehe (ist sie überhaupt noch verheiratet? Falls sie es je war) abhanden gekommen ist. Wegen der Kinder? Es wirkt so. Den Mann habe ich als ihren künftigen Partner, den Vater ihrer Kinder gelesen. Dass es "längst vorbei" sei, habe ich als Hinweis auf eine Trennung verstanden, aber vielleicht ist wirklich nur dieses verflossene Glück der ersten Verliebtheit gemeint. Was ja nicht ungewöhnlich ist. Verliebtheit wächst sich aus, Liebe muss reifen. Letzteres hat hier offensichtlich nicht geklappt. Und, tja, an die Stelle sind die Kinder getreten, für die sie Jahr für Jahr die Geburtstagsballons abhängt. Immer wieder. Eine Tretmühle. Schade, dass ihr die Kinder nicht mehr bedeuten, hier fühlt sie sich ebenso "gefangen". Und lieber hätte sie wieder ein Leben, in dem sie die Nummer eins sein, in dem sie die Hauptrolle spielen kann - wie damals auf der Tanzfläche für den Mann.
Und dann das Gezanke der Kinder, das sich in die Alltagsbanalitäten einreiht. Der Kinderstreit erzeugt keine Relevanz, weil er zu generisch ist. Die Kinder haben nicht mal einen Grund, zu streiten, zumindest bekommen wir ihn nicht mit. Alles, was du uns erzählst, ist das übliche Gerangel darum, wer angefangen hat. Dann schlagen sie sich.
Oha. Hier könnte es interessant werden (Stichwort "Gewalt in der Familie"), aber es sackt ebenso ab in, tja, Kindereien, denn für die Protagonistin bedeutet es was?
Nichts.
Emotional kommt keine Reaktion außer "schon wieder", also eine leichte Genervtheit, sie stellt die Schaufel beiseite und geht sich kümmern. Ist sie deshalb jetzt "Sklavin ihrer Kinder"? Weil sie sich kümmert? Wie gemein von diesen Kindern, dass sie einfach nur Kinder sind. :glotz:
Und hier zeigt sich, wie wenig Charakterisierung du deiner Figur zugestehst - ich kann am Ende nicht mal erahnen, was die Kinder von ihr zu erwarten haben. Das Ende ist insofern offen, aber zu offen, denn es gibt keinerlei Andeutung, wie's jetzt weitergehen könnte.
Woraus sollte ich das schließen? Dass sie mit ihrem Nachbarn über dessen Alltag schnackt? Dass offensichtlich eine Frau von der Caritas regelmäßig in der Straße vorbeischneit? Dass deren Entrücktheit durch die Scheibe die Prota an Zeugen Jehovas erinnert? Dadurch, dass der Schnee sich nicht zum ersten Mal so hoch türmt?
Daraus lässt sich nichts zuverlässig lesen, dazu ist es zu wahllos aneinandergereiht.

Wo ist die Geschichte? Der Text geht in alle Richtungen und findet keine. Er wirkt ziellos.
Als Absicht liest es sich für mich nicht, dazu kommt es mir zu belanglos vor: Du beschreibst lauter kleine Alltagsfallen. Schneeschnippen, der Nachbar mit seinen Kindern, die Caritas-Frau, die auch Zeitungen austrägt, Zeugen Jehovas, die fernab dieser Welt leben, das erste Kennenlernen, ein allzu typischer Kinderstreit.

Da musst du noch mal grundsätzlich ran.
In einer Kurzgeschichte zählt jedes Wort, da ist nichts zufällig, sollte nichts überflüssig sein. Auf mich wirkt dieser Text aber vor allem genau so: zufällig und dadurch auch überflüssig. Ich lese das, denke: "Ach, na ja", zucke die Schultern und das war's.

Das war sicher nicht, was du auslösen wolltest, oder?

Ich hoffe, du kannst mit dieser Kritik trotzdem etwas anfangen und sie hilft dir, dich näher an dein eigentliches Thema heranzutasten. Denn irgendetwas hat dich ja genug beschäftigt, um es aufschreiben zu wollen. Was das war, was das immer noch ist, das weiß ich nicht, kann ich nicht erahnen. Aber das muss irgendwie, irgendwo aus deinem Text leuchten.
Das herauszuholen, ist deine Aufgabe.

Viel Erfolg dabei und
liebe Grüße,
Lilith
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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Xaranis am Gestern um 07:51:28 »
Hallo Rebekka,

du - das meine sind Kurzgeschichten auch nicht. Ich lese keine, ich schreibe keine. Eine unerwartete Premiere.
Und Tadaaaa - wir gehen total aneinander vorbei.  :heul:
Ich erleuchte dich, wenn andere Röster ihren Senf dazu gegeben haben.
Mal sehn, ob andere etwas rauslesen (die "Belanglosigkeiten" enthalten subtile Hinweise) oder ob ich komplett ins Klo gegriffen habe.

Ich wünsch dir einen guten Start in eine saukalte Woche.
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Kurzgeschichten / Re: Gefangen
« Letzter Beitrag von Rebekka am 18 Februar 2018, 21:21:23 »
Liebe Xaranis,

ich gestehe - Kurzgeschichten sind nicht unbedingt meins. Weder zum Lesen noch zum Schreiben. Dennoch versuche ich mich gern an deinem kurzen Text.
Allerdings muss ich gleich sagen, dass er mich etwas ratlos macht. In Kombination mit dem Titel bekomme ich zwar eine Ahnung, was du meinst, allerdings ist das für mich bei Weitem nicht stark genug. Gerade bei einem so kurzen Text muss jedes Wort sitzen, das ist hier m.E. noch nicht der Fall. Du verlierst dich zu sehr in belanglosen Beobachtungen. Möglicherweise ist das sogar gewollt? Wie gesagt - Kurzgeschichten sind nicht meins, deshalb verzeih mir, falls ich völlig danebenhaue. :bewerf:

Ins Detail:

Der Winter meint es gut dieses Jahr.
Dicke Flocken fallen vom Himmel und türmen sich in meiner Einfahrt. Ich ziehe Mütze und Stiefel an, mache mich bereit, dem Winter zu trotzen. Zum letzten Mal für heute.
Meine Schaufel kratzt unter dem Schnee entlang. Der türmt sich, rollt hoch wie eine Welle und schiebt sich auf die Schaufel. Wenn sie voll ist, gehe ich vor zur Straße und kippe den Schnee auf den Haufen. Dann wieder von vorn.
Das liest sich noch arg holprig und ungeschliffen mit sehr vielen Wortwiederholungen. Inhaltlich erscheint mir der Einstieg zu alltäglich, zu belanglos. Das Schneeschippen ist eine Metapher, das verstehe ich. Allerdings verstehe ich es etwas zu gut. Als würde sie mir jemand mit der Schneeschippe ins Gesicht dreschen, sozusagen. ::) :grinwech:

Zitat
Wofür eigentlich? Wenn ich morgen früh aus dem Fenster sehe, hat Frau Holle die Betten gemacht.
Hier fehlt mir ein "wieder" hinter Frau Holle - Die Überlegung an sich hinkt auch etwas für mich. Ich als Pragmatikerin habe da nämlich eine ganz klare Antwort drauf: Damit sich die tüddelige Nachbarin von nebenan nicht vor meiner Einfahrt die Hüfte bricht und mich verklagt. Dieses "Wofür eigentlich" müsste für mich also etwas näher dargelegt werden.

Btw. vermutete ich bis zum Schluss des Textes einen "Er" hinter dem Erzähler-Ich ... vielleicht, weil das Schneeschippen bei uns in der Familie die Arbeit meines Mannes ist.  ;D

Zitat
Ein Auto fährt die Auffahrt hoch, verschwindet hinter einer Wand aus Thujen, wird abgestellt. Eine Schaufel gesellt sich zu meiner. Ich hier, er drüben. Hallo Herr Nachbar. Spät heute. Viel los in der Werkstatt? Der Sohn? Unterwegs mit Freunden. Der andere? Vor der Playstation. Er sagt es nicht. Sein Gesicht verrät es mir. Ein Sklave seiner Kinder, so kommt es mir in den Sinn. Genau wie ich.

Das alles sagt ihr sein Gesicht, das sie hinter einer Wand aus Thujen sieht? :watchout:

Der Gedanke an sich erscheint mir sehr verbittert. Das überrascht mich, bisher hatte ich den Text nicht so wahrgenommen. Eher beschwingt. ("der Winter mein es gut", "dem Winter trotzen" "Frau Holle macht die Betten"). Mir fehlt hier außerdem der konkrete Zusammenhang zu der Tätigkeit des Schneeschippens. Das tut man ja nicht für die Kinder, oder? Auch ohne Kinder müsste man Schneeschippen. Da fallen mir ca. 1000 Situationen ein, in denen ich mir eher wie ein Sklave meiner Kinder vorkomme. ;)

Zitat
Noch ein Auto. Der silberne Golf der Caritas-Frau. Dieselbe, die auch die Zeitung austrägt, jene, die nur aus Klatsch und Werbung besteht. Sie lächelt mir aus dem Auto heraus zu, von der Welt getrennt durch eine Scheibe aus Glas. Ich denke an Zeugen Jehovas - und winke. Dann ist sie vorüber.
Zeugen Jehovas? Warum? huh?

Zitat
Von gegenüber dringt Musik an mein Ohr. Ein Klassiker aus den Achtzigern. „I’ve been waiting for a girl a you.“ Foreigner, glaube ich.
Vorsicht mit Songzitaten, wenn du es veröffentlichen möchtest. Oder ist es der Titel des Songs? Den dürftest du, glaube ich, nennen. Aber sicherheitshalber noch mal abchecken.

Zitat
Erinnerungen steigen hoch. An bunte Discokugeln und Schmusesongs. Eine Tanzfläche voller Menschen. Mittendrin ein Mann und ich.
Irgendein Mann? Oder ihr Mann?

Zitat
Längst vorbei, ein Leben entfernt. Discokugeln wichen Luftschlangen. Und bunten Ballons, mit Schnüren zu einer Kette gebunden. Die Ballons platzen, die bunte Deko wird abgehangen. Bis zum nächsten Jahr. Was bleibt, sind die Kinder. Ihr Gezanke reißt mich aus den Gedanken.
Ja, ja, diese Gedanken kann ich gut nachvollziehen.  ;D Aber auch hier - mir fehlt völlig der Bezug zum Schneeschippen. Irgendwie wird das Fragezeichen über meinem Kopf immer größer. Ich warte auf die Pointe, die Auflösung. Das große Aha!


Zitat
„Du hast angefangen(.)“, höre ich.
„Nein du!“(Komma) kommt die Antwort.
„Au, hör auf!“  Schreien. Flache Hände schlagen.
Ich stelle die Schaufel zur Seite und sage:
„Bis morgen, Herr Nachbar.“ 
Dann gehe ich hinein.

Kommata hinter der wörtlichen Rede, bitte.  ;)


Das Aha bleibt leider aus. Zurück bleibt ein großes "Hä?"

Ich ahne zwar, worauf du hinauswillst. "Gefangen" - im Alltag, in stupiden Tätigkeiten, die sich jeden Tag wiederholen, ohne dass sie einen Mehrwert liefern. Schneeschippen, Einkaufen, Spülmaschine einräumen, Wäsche waschen ... alles Dinge, die sich immer wiederholen, ohne dass man jemals fertig wird. Nebeneinander her leben, nicht miteinander. Diese bitteren Gedanken, ein Sklave seiner Kinder zu sein, die kennt glaube ich jeder Mensch, der Kinder hat.
Für mein Empfinden müsstest du es stärker herausarbeiten. Ich weiß nicht, ob Schneeschippen das richtige Setting ist. Ich nehme an, es ist eine Alltagsbeobachtung, etwas, das du so wahrgenommen hast. Gedanken, die einem so zufliegen, während man etwas völlig Sinnfreies tut.
Im Übrigen fehlt mit im Text etwas Atmosphäre - wenn es denn schon das Schneeschippen sein muss, dann lass mich bitteschön dabei sein. Lass mich die Kälte spüren, das Knirschen des Schnees unter den Schuhen. Im Augenblick ist es eine Kulisse für die Gedanken deiner Prota.
Ich weiß nicht, wie hilfreich dir meine Anmerkungen sind. Ich fürchte, das klingt alles schrecklich negativ. Mein großes Problem mit Kurzgeschichten ist, dass ich es selbst nicht hinkriege, pointiert zu schreiben. Andersherum, beim Lesen, habe ich oft das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden, weil KGs - gerade Alltagsgeschichten - für mich oft nur etwas wiedergeben, das ich sowieso schon weiß. Insofern müsste da noch etwas Tieferes hinterstecken, etwas, dass mir das Gefühl gibt, dass es sich gelohnt hat, sie zu lesen.

Nimm dir einfach, was du brauchst und vergiss den Rest. Ich hoffe, es ist etwas Nützliches dabei!

Liebe Grüße! :wink:
Rebekka
9
Kurzgeschichten / Gefangen
« Letzter Beitrag von Xaranis am 18 Februar 2018, 15:27:11 »
Hallo Hölle.
Ihr seid echt die Hölle!
Habe ich denn nicht gesagt, ich hab’s nicht mit Kurzgeschichten? Habe ich das nicht klar genug ausgedrückt? Ich schreibe einfach keine. Eigentlich weiß ich noch nicht einmal, worauf es dabei ankommt. Und was macht ihr? Offenbar habt ihr mich angesteckt. Mit dem Resultat müsst ihr jetzt umgehen!
Vielleicht taugt es ja sogar als ein kleiner Beitrag zum Federfeuer-Projekt?
Dabei wollte ich eigentlich nur Schnee schippen. Dann sah ich den Nachbarn. Ein Satz drängte sich auf. Die Fantasie erledigte den Rest. Eine Geschichte wollte geschrieben werden. Da ist sie.
Bei der Titelwahl war ich mir nicht sicher. Da wären mehrere Dinge denkbar gewesen.
Fragen habe ich keine. Ich lasse den Text für sich sprechen – und bin gespannt, was ihr daraus macht. :confused:

Hier also ein Stück völlig unvorhergesehenes Röstgut.  :g1:
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.  :blume:


Der Winter meint es gut dieses Jahr.
Dicke Flocken fallen vom Himmel und türmen sich in meiner Einfahrt. Ich ziehe Mütze und Stiefel an, mache mich bereit, dem Winter zu trotzen. Zum letzten Mal für heute.
Meine Schaufel kratzt unter dem Schnee entlang. Der türmt sich, rollt hoch wie eine Welle und schiebt sich auf die Schaufel. Wenn sie voll ist, gehe ich vor zur Straße und kippe den Schnee auf den Haufen. Dann wieder von vorn.
Wofür eigentlich? Wenn ich morgen früh aus dem Fenster sehe, hat Frau Holle die Betten gemacht.

Ein Auto fährt die Auffahrt hoch, verschwindet hinter einer Wand aus Thujen, wird abgestellt. Eine Schaufel gesellt sich zu meiner. Ich hier, er drüben. Hallo Herr Nachbar. Spät heute. Viel los in der Werkstatt? Der Sohn? Unterwegs mit Freunden. Der andere? Vor der Playstation. Er sagt es nicht. Sein Gesicht verrät es mir. Ein Sklave seiner Kinder, so kommt es mir in den Sinn. Genau wie ich. 

Noch ein Auto. Der silberne Golf der Caritas-Frau. Dieselbe, die auch die Zeitung austrägt, jene, die nur aus Klatsch und Werbung besteht. Sie lächelt mir aus dem Auto heraus zu, von der Welt getrennt durch eine Scheibe aus Glas. Ich denke an Zeugen Jehovas - und winke. Dann ist sie vorüber.

Von gegenüber dringt Musik an mein Ohr. Ein Klassiker aus den Achtzigern. „I’ve been waiting for a girl a you.“ Foreigner, glaube ich. Erinnerungen steigen hoch. An bunte Discokugeln und Schmusesongs. Eine Tanzfläche voller Menschen. Mittendrin ein Mann und ich. Längst vorbei, ein Leben entfernt. Discokugeln wichen Luftschlangen. Und bunten Ballons, mit Schnüren zu einer Kette gebunden. Die Ballons platzen, die bunte Deko wird abgehangen. Bis zum nächsten Jahr. Was bleibt, sind die Kinder. Ihr Gezanke reißt mich aus den Gedanken.
„Du hast angefangen.“ höre ich.
„Nein du!“ kommt die Antwort.
„Au, hör auf!“ Schreien. Flache Hände schlagen.
Ich stelle die Schaufel zur Seite und sage:
„Bis morgen, Herr Nachbar.“ 
Dann gehe ich hinein.
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Kurzgeschichten / Re: Am Weg der Fremde
« Letzter Beitrag von Xaranis am 12 Februar 2018, 23:11:07 »
Hallo Lilith,

ich bin dir noch eine Antwort schuldig. ;)

Zitat
Was ich noch nicht ganz verstanden habe, ist, wo du "Anonymität" als Thema rausgelesen hast. 

Direkt der Einstieg.
"Vielleicht ist es das Leben: an den Menschen vorüberzugehen, ohne Bezug, das Kind auf der Schaukel sehen, weiter hinten die Eltern auf einer Bank, froh, endlich etwas Zeit für sich gefunden zu haben."
Das Ganze trug wahrscheinlich maßgeblich zu meiner Verwirrung bei. Denn sowohl der Titel als auch der erste Satz ließen mich glauben, es ginge hier von der Thematik um die Anonymität im Miteinander, um Entfremdung, um Einsamkeit. Aber darum geht es nicht NUR - und vielleicht, ja vielleicht auch nicht einmal vorrangig.


Zitat
Deinen Gesamteindruck lese ich so, dass du keine Verbindung zwischen den einzelnen Inhalten herstellen konntest (wie die Protagonistin auch nicht), aber die Suche nach dem roten Faden dich verzweifelt genug gemacht hat, um aufzugeben. Diese Frustration beabsichtige ich dabei natürlich nicht.

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Die Fragen wurden immer mehr und mit jedem Satz verstand ich plötzlich immer weniger (weil ich wohl die Angelpunkte zuvor nicht verstand). Das war frustrierend, denn irgendwann hatte ich schlichtweg keinen Plan mehr, was da passiert. Frustiert - ja. Erstaunlicherweise ist es aber mir genauso wie Uli ergangen: Obwohl das alles sehr konfus war, hatte ich keine Sekunde das Gefühl, nicht zu Ende lesen zu wollen. Das ist - ungewöhnlich. Normalerweise ist es so: Wenn ich das Gefühl habe, den Text nicht zu verstehen oder merke, das ist so gar nicht meine Geschichte, dann habe ich nach ein paar Zeilen keine Lust mehr, weiterzulesen. Im Forum tue ich es trotzdem, auch wenn ich mich dazu manchmal ganz schön quälen muss. Bei deinem Text hatte ich keine Probleme damit, zu Ende zu lesen.

Zitat
"Vollkommen durchgeknallt" nicht, aber sicher nicht ganz da. Und, ja, stimmt, diese Leute sind ihr fremd - sie lösen aber etwas in ihr aus, das macht es persönlich, ohne dass sie einen wirklichen Bezug zu ihnen hätte (oder gar sich selbst), was dann wiederum zu den späteren Ereignissen führt.

Ich habe nicht so direkt mitbekommen, dass diese Leute in ihr etwas "ausgelöst" haben. Vielleicht so ansatzweise nach dem dritten, vierten Mal lesen. Ich denke, du wolltest dieses "etwas", das in ihr ausgelöst wurde durch die Puppe ausdrücken. Denn die passte für mich plötzlich nicht ins Bild (Spielplatz und Eltern, die ihre Ruhe genießen klingt nach friedlichem Alltag - und dann die Puppe mit dem eingeschlagenen Kopf??)
Allerdings bekam ich hier gedanklich den Bogen nicht rum. Vielleicht deshalb, weil mir ein Vergleichwert fehlte (Situation vor dem Zusammentreffen mit den Eltern - Zack, Veränderung - neue Situation mit geänderter Stimmung). Ich konnte also nicht an der Puppe festmachen, dass sich etwas "ändert". Ich habe lediglich gemerkt: Die passt nicht ins Bild. Der Text floss weiter, ich wartete auf Aufklärung und fand sie irgendwie nicht.

Zitat
Das ist das erwähnte Lied.
(Es ist mir nicht so wichtig, dass das Lied erkannt wird, meine Frage bezog sich mehr darauf, ob dieser fremde Text im eigenen Text stört, denn die Zeilen sind ja nicht von mir, insofern könnte es unpassend oder störend rüberkommen, weil es tatsächlich nicht aus einem Guss ist.)


Nun, mich hat es verwirrt. Aber das hat der Text ja in Gänze.  :denk:

Zitat
Hier verstehe ich ehrlich gesagt nicht, wie du diesen Rückschluss ziehst, dass die Tat bedeutungslos wäre. Sie ist abgeschlossen ("So that was that."), aber doch nicht das, was es mit der Protagonistin macht oder was daraus wird.
Oder liegt es eher daran, dass du mit der bisher auch nichts anfangen konntest, weil du keinen Zugang gefunden hast?

Ja, gut möglich. Denn von den dir genannten Rückschlüssen habe ich irgendwie - äh - keinen gezogen.  :heul:
"So that was that" klingt für mich wie: "So, nun da das geklärt wäre gehen wir über zu Punkt 2" oder "Staubwischen erledigt - jetzt noch Kochen und dann die Beine hochlegen".  :the_brow:

Ich bin froh, dass ich trotz meiner heillosen Planlosigkeit ein wenig zu deinem Text beitragen konnte. Auch wenn der Text anspruchsvoll bleiben soll: Den ein oder anderen "Anker" würde ich mir als Leser wünschen. Die Gefahr ist ja leider immer: Wenn man zu subtil arbeitet und zugleich zu viel Verständnis für diese subtilen Hinweise voraussetzt, kann es passieren, dass Leser den Faden verlieren. Dein Text erschien mir da wie ein Domino. Ein Steinchen dazwischen fehlte - und es ging nichts mehr weiter!

Liebe Grüße
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