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Sonstige Texte / Dark Watch_ Prolog
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am Gestern um 13:03:36 »
Hallo liebe Teufelchen!

Ich schon wieder  :wink:!
Ich hatte an anderer Stelle ja gerade die Frage nach einem Prolog in der 3. Person gestellt, obwohl der gesamte Roman aus der "Ich"-Perspektive erzählt wird. Wenn der Prolog eh nix ist, dann muss ich mir um die Erzählperspektive auch keine Gedanken machen. Daher würde ich ihn jetzt mal auf den Grill werfen und Eure geschätzte Meinung dazu erfahren. Bitte sehr . . .


Prolog

Endlich hörte er das schnarrende Geräusch ihres flatternden Gaumensegels. Sie hatte die Tiefschlafphase erreicht.
Trotz des heimlich verabreichten Schlafmittels hatte es viel zu lange gedauert.
Ausgerechnet heute am Finaltag.
Die Tageszusammenfassung hatte er sicher schon verpasst.
Auf Zehenspitzen schlich der Mann aus dem Schlafzimmer. Im Flur blieb er kurz vor der Tür mit den bunten Holzbuchstaben stehen. Er horchte. Alles ruhig. Seine Tochter schlief ebenfalls.
Er musste sich beherrschen, um die Treppe nicht hochzulaufen, sondern jede Stufe einzeln und vor allem lautlos zu nehmen.
Im Arbeitszimmers schloss er die Tür hinter sich zu, nahm die Klinexpackung aus der Schublade und stellte sie neben den Monitor. Dann schaltete er den Rechner ein und setzte sich die Kopfhörer auf. Nervös trommelten seine Finger auf die Schreibtischpatte, während der Computer hochfuhr.
Endlich blinkte das Login auf.
Die Zusammenfassung hatte er tatsächlich verpasst, aber er war gerade noch rechtzeitig zum Showdown online.
Wie gebannt starrte er auf den Bildschirm.
Der Mann am Küchentisch saß so reglos da, dass man die Aufnahme auch für ein Standbild halten konnte. Die Schatten unter seinen Augen waren fast schwarz, die Wangen hohl und eingefallen. Nichts an seinem Erscheinungsbild ließ erkennen, dass es sich hier um den ehemaligen Filialleiter einer Großbank handelte. Der Mann war unrasiert und trug ein fleckiges Unterhemd zur ausgebeulten Jogginghose. Den Blick hielt er starr auf den Bilderrahmen in seiner Hand gerichtet. Minutenlang geschah nichts.
Unvermittelt ruckte sein Kopf hoch, als wäre er aus einem Nickerchen hochgeschreckt. Wie in Zeitlupe stellte er den Bilderrahmen vor sich auf den Küchentisch und griff stattdessen nach der Pistole, die zwischen den schmutzigen Tellern und Tassen lag.
Er steckte sich die Waffe in den Mund.
Ein kurzes Zögern und im nächsten Augenblick peitschte ein Knall aus dem Lautsprecher des Kopfhörers.
Der Mann kippte rückwärts vom Stuhl.
Der Blutfleck an der Wand hinter ihm erinnerte an ein abstraktes Wandtatoo
.
»Strike«, entfuhr es ihm einen Tick zu laut. Nervös schaute er zur Tür und lauschte eine Weile. Alles blieb still.
Auf dem Bildschirm lief bereits der Abspann der Serie mit der vertrauten Titelmusik. Bevor der Livechat begann und seine Mitstreiter ihre dämlichen Kommentare loswurden, loggte er sich wieder aus. Er war zufrieden, denn er hatte seinen Wetteinsatz mehr als verdoppelt. Er griff nach der Klinexpackung und wechselte in den Pornokanal.


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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Ayira am 17 April 2018, 09:00:29 »
Okay, wenn du aus der Ich-Perspektive schreibst, dann ist das mit dem zweiten Prota etwas blöd.  :watchout:
Ich will nicht generell sagen, 30 Seiten Schock sind zu viel ... es kommt halt drauf an, wie du es umsetzt. Bei der Polizeibefragung z.B. passt das taube Gefühl, das sie fern von sich selbst ist ... bei der Schwester daheim könnte ihr Gemüt dann z.B. in Wut wechseln. Die Nerven liegen in so einer Situation blank und es ist realistisch, dass sie sehr gereizt reagiert - vor allem auf so selten dämliche Vorschläge ihrer Schwester  ;)

Im ersten Moment könnte sie noch froh sein, ihre Schwester zu sehen, nicht mehr allein zu sein - aber spätestens wenn sie die Wohnung betritt könnte sie es bereuen.
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Sonstige Texte / Re: Aufstand
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 17 April 2018, 07:45:51 »
Hu hu Uli!

ay Teufels,

mal ganz was anderes - ein Text, der gar furchtbar kompliziert ist, aber dafür erfrischend wenig Inhalt aufweist, in schneller Manier zu lesen ist und ...
eben. Poetischer Slam, Wortklauberei, sowas in der Art.


In der Tat ein komplizierter Text. Mir hat´s beim Lesen fast die Synapsen verknotet  ;D
Dein Beitrag würde bei einem Poetry Slam ganz sicher gut ankommen. Da ich aber kein Slam Poet bin, versuche ich auch gar nicht erst daran herum zu rösten. Das ist halt was ganz Eigenes.

Aber soviel . . . mir hat´s gefallen  :applaus:
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 17 April 2018, 07:03:37 »
Hu hu Ayira!

Zitat: "Von wie viel Kapitel reden wir da? Die Sache ist nämlich die - wenn es dir beim Schreiben schon anstrengend wurde, DAUERND in diesem Zustand zu sein - wie geht's dann dem Leser? Natürlich muss eine Zeit des Schocks da sein, wo sie glaubt, zu zerbrechen, das nicht auch noch schaffen zu können ... aber du solltest dem Leser dann bald auch wieder den Kampfgeist deiner Prota zeigen, sonst wird der noch durchdrehen ..."


Also, es sind 6 vorangegangene Kapitel. Davon spielen 3 Kapitel vor bzw. während des Überfalls. Also es sind rund 30 Seiten Schockzustand (direkt nach der Tat und während der Befragung der Mordkommission im Klinikum). Es ist hoffentlich auch nicht so, dass man den Eindruck gewinnt, dass sie sich im nächsten Kapitel gleich vor einen fahrenden Zug werfen wird. Aber ich sehe dabei die gleiche Problematik wie du. Es soll ja ein Thriller werden und kein Drama ;-).

Zitat:  "Hast du noch einen zweiten Protagonisten? Aus dessen Sicht du auch erzählst? Damit würdest du dem Leser auch Abwechslung bieten (nur als Idee)"


Funktioniert sowas denn, wenn man aus der Ich-Perspektive schreibt? Ich hab neulich einen Fitzek-Roman gelesen, der "Augensammler" (oh, ich weiß . . . Fitzek gehört hier nicht zu den beliebtesten Autoren. Mir geht auch nicht unbedingt beim Lesen das Herz auf, aber ab und zu steht er doch bei mir auf dem Speiseplan . . . ähhh Leseplan) und es hat mich beim Lesen wirklich gestört, dass er als Ich-Erzähler auch Kapitel aus der Perspektive von weiteren Protagonisten schreibt. In der Ich-Perspektive möchte ich eigentlich schon bleiben, weil die Phsychospielchen, die mit der Prota später gespielt werden, so einfach intensiver rüber kommen, finde ich.

Zitat: "Und als zweite Idee: Lies dir mal die Röstungen zu meinem NESERET Prolog durch (die erste Version). Da hatte ich das Problem, dass mein Prota ewig rumgejammert hat, was - vor allem bei Xaranis - dazu führte, ihn als kompletten Schwächeln zu sehen, der schnellstmöglich aufgefressen werden sollte, damit das ein Ende hat ...
Definitiv nicht das, was ich eigentlich darstellen wollte. Ist zwar eine ganz andere Situation und dein Schock kann nicht so schnell verarbeitet werden, aber vielleicht hilft es dir als Anreiz, um das Prinzip zu verstehen, auf das ich hinaus will"


Super Hinweis. Schau ich mir sofort an . . .  :weghier:

Ganz lieben Dank für die Hilfe!!
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Sonstige Texte / Aufstand
« Letzter Beitrag von Uli am 16 April 2018, 21:51:53 »
ay Teufels,

mal ganz was anderes - ein Text, der gar furchtbar kompliziert ist, aber dafür erfrischend wenig Inhalt aufweist, in schneller Manier zu lesen ist und ...
eben. Poetischer Slam, Wortklauberei, sowas in der Art.
Keine Ahnung, ob so etwas röstfähig ist, aber .. Versuch macht kluch.
Howauchever, viel Spass mit

anständige aufstände
Man steht auf, wenn alte Damen sitzen sollen, das gebietet der Anstand - ein Aufstand der Anständigen, das anständige Aufstehen.

Wer so wieder stand, wegen des Anstandes, also nicht Sitzenbleiber angesichts eines Notstandes sein wollte, sondern Not durch das Angebot des Sitzes linderte, widersetzte sich der Notlage, legte Anstand an den Tag und stand, in der Lage dies erhobenen Hauptes zu tun.

Erhebend, wie erhaben ein erhobenes Haupt, nach dem Erheben anderer Teile aus dem Sitz, kühn über dem Niederen ausharren, ohne weiteres Aufsehen.

Der Umstand, dass Umstehende dem erhabenen Aufstehen ihr Augenmerk verweigern, also ebenfalls nicht aufsehen, geschweige denn, solches zu erregen, schadet der Erhabenheit des aufmerksam gewesenen Aufständischen keineswegs, im Gegenteil: Es erzeugt dies für den, der allein sich erhebt und steht, ein Alleinstellungsmerkmal, was allein ihm zusteht.

Eine gewisse Haltung gehört dazu, die aufrechte Haltung anzunehmen, und, erhebt man sich beispielsweise in einem Omnibus, ist ein fester Halt angeraten, um Haltung zu bewahren.
Denn aufrechte Haltung ohne festen, stabilen Halt ist schwer zu halten, und schnell wird aus anständigem Aufstand zielloses Umherstolpern. 
Darum bedarf der Anständige mit der Absicht aufzustehen steht's der Um- und Vorsicht, einen Halt auszumachen, um sodann diesen und Haltung einzunehmen und bewahren zu können.

Voreiliges Erheben zu einer Haltung oder gar eines Standpunktes kann, so lehrt es die Geschichte, kaum auf anständige Aussichten rechnen, und mit erhebender Erhabenheit schon gar nicht.
Solch ein Vorhaben bedingt, der Nachhaltigkeit wegen, der Vor- und Voraussicht eines festen Haltes, den zu ergreifen man festen Willens sein soll.

So weit gediegen ist der Vorsatz, den Sitzplatz der alten Dame zuzueignen und den anständigen Aufstand erhebend zu wagen, um erhoben sodann sich hinzustellen und fest, da mit geeignetem Halt versehen, den Rest der Fahrt erhaben zu sein, da heißt es 
ˋFriedhof, Nordeingang´ und die Alte entsteigt dem Bus.

Da steht man dann da wie sitzengelassen. 

cheers, Uli
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Ayira am 16 April 2018, 09:05:00 »
Bitte, gern geschehen  :cheese:

Eins muss ich dir aber noch aufspießen - und zwar diese Anmerkung von dir:

Zitat
Mir gefällt deine Beschreibung der Gefühlslage sehr gut. Genau in diesen Gemütszustand muss ich mich beim Überarbeiten der Szene wieder hineinversetzen (Mir war das inzwischen irgendwie mental etwas zu anstrengend geworden, weil ich mich in den vorangegangen Kapiteln die gesamte Zeit in diesem "tauben" Schockzustand befunden hab  :-\. Ich glaube, ich brauchte für mich an der Stelle einfach beim Schreiben eine Pause davon. Daher hab ich dann wohl von der Prota zur Autorin gewechselt  ::) Funktioniert nicht!)

Von wie viel Kapiteln reden wir da? Die Sache ist nämlich die - wenn es dir beim Schreiben schon anstrengend wurde, DAUERND in diesem Zustand zu sein - wie geht's dann dem Leser? Natürlich muss eine Zeit des Schocks da sein, wo sie glaubt, zu zerbrechen, das nicht auch noch schaffen zu können ... aber du solltest dem Leser dann bald auch wieder den Kampfgeist deiner Prota zeigen, sonst wird der noch durchdrehen ...
Hast du noch einen zweiten Protagonisten? Aus dessen Sicht du auch erzählst? Damit würdest du dem Leser auch Abwechslung bieten (nur als Idee)

Und als zweite Idee: Lies dir mal die Röstungen zu meinem NESERET Prolog durch (die erste Version). Da hatte ich das Problem, dass mein Prota ewig rumgejammert hat, was - vor allem bei Xaranis - dazu führte, ihn als kompletten Schwächeln zu sehen, der schnellstmöglich aufgefressen werden sollte, damit das ein Ende hat ...
Definitiv nicht das, was ich eigentlich darstellen wollte. Ist zwar eine ganz andere Situation und dein Schock kann nicht so schnell verarbeitet werden, aber vielleicht hilft es dir als Anreiz, um das Prinzip zu verstehen, auf das ich hinaus will  :kraul:
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 13 April 2018, 08:08:55 »
Hallo Uli!

Der Erklärbär   :klugklo: . . . da hast du den Nagel echt auf den Kopf getroffen!
Ich mache heute Abend gleich mal die Bärenfalle im gesamten Text klar.

Hi, hi . . .  ja, Souterrain-Penthouser sind eher rar  :cheese:
Tiefgarage kann man erwähnen, weil es immerhin möglich ist, dass man auf der Strasse parkt. Aber ein Penthaus ist ziemlich zwingend das oberste Stockwerk. (sollte jeder Leser wissen) und daher fährt man schlicht nach oben.

Dass zwei Läden in diesen Lagen, wenn sie gut laufen, einen nicht unerheblichen Beitrag zu einem gehobenen Lebensstil leisten, da hätte ich auch so drauf kommen können. Und dass Schwester das Penthaus mit offener Bauweise und Luxuszeug völlig gegen ihren Willen besitzt, während sie viel lieber in einer Lehmhütte leben wollte, hätte ich eher nicht vermutet. Ehrlich nicht.
Ersetzen durch eigene Wertung oder Dialog - ein Zaubermittel.
Und Selbsterklärendes muss keinesfalls noch erklärt werden.
Auch da bin ich ganz bei dir. Der Lebensstil muss nicht erklärt werden, da er offensichtlich gehoben ist. Allerdings war es mir doch wichtig die Lage und die Namen der Läden zu nennen, da in späteren Kapiteln nur noch die Rede davon ist dass die Prota in die Speicherstadt fährt oder dass Victoria gerade "Grazil" beschäftigt ist. Eine Zuordnung erfolgt dann nicht mehr und ich weiß nicht, ob es dann nicht vielleicht verwirrend für den Leser sein könnte. Muss ich mal ausprobieren.

.
Die Dopplung von ˋmusste ´ gefällt mir nicht so - die Sätze zusammenziehen zu
ˋFroh, nicht allein sein und meine Wohnung nicht wieder betreten zu müssen ´ wäre eine Lösung
Jaaaa . . .  Danke!!!

Vielen, vielen Dank für die großartigen Tipps!
Ich bin jetzt wieder zuversichtlich, dass ich den Text doch noch geschmeidig bekomme  :schreib:

 :danke:
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Schreibsuse am 13 April 2018, 07:31:28 »
Hallo Ayira!

Ganz vielen Dank für deine Hilfe!

Eines ist mir aus Euren Röstungen hier bereits deutlich klar geworden. Mein Problem ist, dass ich an den Stellen, mit denen ich auch selber nicht warm geworden bin, die Perspektive der Protagonistin verloren habe und in die, des schlichten Erzählers gewechselt bin. Das funktioniert als Ich-Erzähler nicht.

Mir gefällt deine Beschreibung der Gefühlslage sehr gut. Genau in diesen Gemütszustand muss ich mich beim Überarbeiten der Szene wieder hineinversetzen (Mir war das inzwischen irgendwie mental etwas zu anstrengend geworden, weil ich mich in den vorangegangen Kapiteln die gesamte Zeit in diesem "tauben" Schockzustand befunden hab  :-\. Ich glaube, ich brauchte für mich an der Stelle einfach beim Schreiben eine Pause davon. Daher hab ich dann wohl von der Prota zur Autorin gewechselt  ::) Funktioniert nicht!)

Nach so einer Tragödie stelle ich mir vor, mental fix und fertig zu sein, vielleicht sogar "taub", als würde sich die Erdkugel ohne mich weiterdrehen. Die durchgestylte Wohnung, in der sie nun steht, ist ein krasser Kontrast für sie - den sie als solchen wahrnehmen sollte.


Jetzt seh ich´s auch  :wow:  ;D
. . . würde ich die eine Unterteilung vorschlagen á la:
Obwohl ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass es mir gelingen sollte, mich auch nur für ein paar Minuten zu entspannen, geschweige denn, mich wohlig in der Wanne zu räkeln und entspannen sollte, stimmte ich zu. Meine Schwester würde ohnehin

Das hat mir wirklich auf die Sprünge geholfen!
DANKE!
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Uli am 12 April 2018, 13:30:25 »
ay Schreibsuse

Zunächst mal:
Du hast doch ein dutzend gezählte Beiträge ... also kannst du Rösties anbieten. Kein schlechtes Gewissen deswegen!
Ein Kapitel in einem Triller, dass eher nicht trillt, finde ich nicht nur legitim, sondern meist ganz wichtig - eine ruhige Phase, in der Prota und Leser mal ein wenig ausspannen und - auch - Dinge ˋerklärt´ werden. in ˋ´, weil eben nicht Erklärung - aber der Effekt sollte schon sein, dass Leser alles notwendige weiß.
Und die Szenerie, Abholen aus Krankenhaus etc., passt dafür.

Den Rat, erstmal fertig zu texten und dann zu überarbeiten, kann ich nur bekräftigen:
Es ist möglich (sogar sehr wahrscheinlich) dass du irgendwann feststellst, dass etwas deutlich früher eingeführt werden muss, oder dass du anderes gar nicht benötigst oder an anderer Stelle einfließen lassen kannst - dann ist eh wieder Überarbeitung dran.


ein paar Erbsen:


Zitat
Auch wenn Victorias Einfühlungsvermögen mehr als begrenzt war und wir schneller in Streit gerieten, als ein Pizzateig zum Aufgehen benötigte, war ich nun doch froh, dass sie gekommen war, um mich abzuholen. Froh, dass ich noch nicht allein sein musste und dankbar dafür, dass ich meine Wohnung noch nicht wieder betreten musste.

Die Dopplung von ˋmusste ´ gefällt mir nicht so - die Sätze zusammenziehen zu
ˋFroh, nicht allein sein und meine Wohnung nicht wieder betreten zu müssen ´ wäre eine Lösung.



Zitat
Victorias Penthousewohnung lag im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, nur eine Querstraße vom Weiher, wie der Eimsbüttlers Park auch genannt wurde, entfernt.

Erklärbär ... selbst ich (wohnhaft in Franken) weiß, das Emsbüttel ein Stadtteil von Hamburg ist. Der Satz ist eindeutig Autorin, niemand denkt so.
Ich sage ˋdas ist in der Südstadt, im Ronhof oder in Stadeln ´ und niemals ˋim Stadtteil soundso ´
Ich gehe davon aus, dass bereits klar ist, dass wir uns in Hamburg befinden.
Eine Wertung hingegen würde gehen:
Das Penthaus lag in Embüddel. Dem Viertel für Reiche und alle, die für reich gehalten werden wollen.
Ebenso ist es Erklärbär, wie man den Park auch nennt, weglassen.

Zitat
Sie parkte ihren Wagen in der Tiefgarage und wir fuhren mit dem Fahrstuhl ins oberste Stockwerk.

OK:
Tiefgarage kann man erwähnen, weil es immerhin möglich ist, dass man auf der Strasse parkt. Aber ein Penthaus ist ziemlich zwingend das oberste Stockwerk. (sollte jeder Leser wissen) und daher fährt man schlicht nach oben.
und selbst das ist fast zu arg: ˋWir nahmen den Fahrstuhl´ reicht.
Und noch besser: ˋIm Fahrstuhl sagte Schwester irgendwas ´
Damit hättest du die Szenerie eingebaut und noch Platz für einen Dialog - anstatt nur mitzuteilen, dass es Tiefgarage, Fahrstuhl etc gibt (und das Penthäuser oben sind ...)

Zitat
In dem breiten Flur der Wohnung, der sich offen an das Wohnzimmer anschloss, standen zwei schwere Reisetrolleys, die darauf warteten, ausgepackt zu werden.

Nun ... fast.
Du möchtest zeigen, dass die Schwester Kohle hat und entweder Geschmack oder einen teuren Architekten. Breiter Flur, offener Übergang ...
Das sind fast Regieanweisungen.
Was hält die Prota von dieser Art zu Wohnen?
Wäre möglich: ˋIm Flur standen zwei Trollies, ein Störfaktor in der aufwändigen ˋSchöner-Wohnen ´ - Architektur mit offenem Wohnbereich und Edelküche ...´
Jedenfalls eigene Wertung, nicht blanke Information.
Mit dieser Methode kannst du auch gut die Charakterzeichnungen einbasteln, sowohl von der Prota, als auch ihrer Schwester.




Zitat
Offenbar war dies wieder eine von Victorias Inspirationsreisen gewesen, wie sie diese Trips in die Modemetropole nannte, von denen sie ausgefallene Kleidungsstücke zur Erweiterung des Sortiments ihrer beiden Boutiquen "Grazil" in Altona und "Fashion Vic" in der Speicherstadt mitgebrachte. Die beiden Läden liefen wie geschmiert und ermöglichten meiner Schwester den gehobenen Lifestyle, den sie liebte und ebenso gerne zur Schau stellte.

 Noch mal ...
Die Namen und Örtlichkeiten der Boutiquen so zu nennen, das ist wieder Erklärbär.
ˋihre beiden Läden - Altona und Speicherstadt, natürlich - liefen wie geschmiert ...´
Dass zwei Läden in diesen Lagen, wenn sie gut laufen, einen nicht unerheblichen Beitrag zu einem gehobenen Lebensstil leisten, da hätte ich auch so drauf kommen können. Und dass Schwester das Penthaus mit offener Bauweise und Luxuszeug völlig gegen ihren Willen besitzt, während sie viel lieber in einer Lehmhütte leben wollte, hätte ich eher nicht vermutet. Ehrlich nicht.
Ersetzen durch eigene Wertung oder Dialog - ein Zaubermittel.
Und Selbsterklärendes muss keinesfalls noch erklärt werden.

(ich denke, meine Kritik und Anregung ist klar - daher soll das erstmal ausreichen)
fröhliches Weitertexten!
cheers, Uli
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Sonstige Texte / Re: Dark Watch; Kapitel 7
« Letzter Beitrag von Ayira am 12 April 2018, 11:18:03 »
Hi Schreibsuse,

ich kann deinen Überarbeitungsdrang verstehen, auch wenn das Buch noch nicht fertig ist. Mich blockieren so offensichtlich unfunktionierende Szenen auch am Weiterschreiben/-überabeiten.

Nightingale hat dir die Schwachstelle des Textes ja schon aufgespießt: Wäre mein Mann neben mir abgeschlachtet worden und nun stünde ich in dieser Situation: Die Einrichtung meiner Schwester wäre mir sch****egal. Dafür hätte ich weder Augen, noch Nerv.
Andererseits muss man ja irgendwie Umgebung miteinflechten - der Dialogvorschlag von Nightingale gefällt mir ganz gut und würde auch die Stimmung treffen, die man der Prota in dieser Situation zutrauen würde. Nach so einer Tragödie stelle ich mir vor, mental fix und fertig zu sein, vielleicht sogar "taub", als würde sich die Erdkugel ohne mich weiterdrehen. Die durchgestylte Wohnung, in der sie nun steht, ist ein krasser Kontrast für sie - den sie als solchen wahrnehmen sollte.
Und dann kommt auch noch ihre Schwester mit dem Badvorschlag. Die Worte könnten mich aus meinen Gedanken reißen, wie ich da neben Schiefer und Hochglanzpolitur stehe - ungläubig, ob ich sie richtig verstanden hätte oder halluziniere. Aber nein, das ist ihr gottverdammter ernst ...

Zitat
Auch wenn Victorias Einfühlungsvermögen mehr als begrenzt war und wir schneller in Streit gerieten, als ein Pizzateig zum Aufgehen benötigte, war ich nun doch froh, dass sie gekommen war, um mich abzuholen. Froh, dass ich noch nicht allein sein musste und dankbar dafür, dass ich meine Wohnung noch nicht wieder betreten musste.

Ich mag den Pizzateigvergleich, leider passt er für mich aber nicht in die Situation. Es wäre interessanter, tatsächlich so einen Streit anzuzetteln. Und wenn nicht an dieser Stelle, dann später. So ist die Info absolut nichtssagend, wenn ja doch kein Streit entsteht.

Das andere, was mich noch stört, sind diese ganz schlimm verschachtelten Sätze wie:

Zitat
Obwohl ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass es mir gelingen sollte, mich auch nur für ein paar Minuten zu entspannen, geschweige denn, mich wohlig in der Wanne zu räkeln, stimmte ich zu, denn es schien meiner Schwester wichtig zu sein, dass ich mich einer Grundreinigung unterzog, bevor ich in ihrer Nähe nächtigte.

Wie gesagt, der Inhalt, die Stimmung dieses Satzes passt sowieso nicht zur Szene. Aber um das Prinzip zu verstehen, würde ich die eine Unterteilung vorschlagen á la:
Obwohl ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass es mir gelingen sollte, mich auch nur für ein paar Minuten zu entspannen, geschweige denn, mich wohlig in der Wanne zu räkeln wie ich mich in der Badewanne entspannen sollte, stimmte ich zu. Meine Schwester würde ohnehin keine Ruhe geben, bis ich mich einer Grundreinigung unterzogen hatte.

Ich hoffe, das hilft dir auch ein wenig  :kraul:
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