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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Robur am Gestern um 07:41:22 »
Moin moin

vielen Dank für eure Röstungen! Beim Lesen hat mein Kopf schon mit dem Streichen und Umschreiben begonnen ;)
Leider finde ich erst nächste Woche wieder die Möglichkeit ausführlich auf eure Röstungen zu antworten.

Liebe Grüße,
Robur
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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Ayira am 14 Dezember 2017, 12:29:52 »
Hallo Robur,

Grundsätzlich schließe ich mich Xaranis an - dein Hauptproblem ist der (nicht existente) Spannungsbogen und mangelnde Hektik.

Ein positives Zuckerl hab ich allerdings:
Zitat
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß.
Den ersten Satz finde ich gelungen. Es impliziert, dass a) eine Krise und b) gibt dem Leser einen Eindruck von der Prota, ohne lang herumzuschweifen. Wir wissen, Malget ist nicht mehr die Jüngste. Das schafft ein Bild im Kopf, ein vages, aber mehr braucht es an dieser Stelle auch nicht.

Der direkt nachfolgende Satz ist eigentlich auch gut. Die erste Wahrnehmung, wenn man aus dem Schlaf schreckt und sich erst orientieren muss. Das passt - man KÖNNTE allerdings auch hier schon mehr Dramatik und Hektik reinbringen, je nachdem, wie aufgewühlt/verwirrt du Malget in diesem Moment darstellen willst.

Der Todesstoß folgt aber bei Satz Nr. 3:
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand.
Und zwar allein durch das Wort "Zunächst" - das sind Füllsel, die die Dramaturgie/Stimmung zerstören, indem du ERKLÄRST, anstatt es zu ZEIGEN.

Vorschlag:
Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Wo bin ich? Um sie herum herrschte Dunkelheit. In ihren Ohren schrillte der Auf- und abschwellende Alarmton. In meinem Zimmer, fiel es ihr ein. Im gleichen Atemzug riss sie ihren Arm zur Seite, tastete nach dem Lichtschalter. Die Paneele surrte zum Leben; Malget schoss in die Höhe. Dieser Alarm ... er war anders als sonst. Sie hastete zur Tür. ....


Fortsetzung:

Wenn ich dir einen Ratschlag geben darf: Fühl dich in Malget rein und visualisiere ihre Situation. Wie würdest du reagieren, wenn du aus dem Schlaf schreckst und realisiert, dass der Hauptantrieb drauf und dran ist, dir um die Ohren zu fliegen? Die Inneneinrichtung deines Zimmers wird dich nicht tangieren. Genauso wenig wie eine Aufzählung der anderen Alarmsignale und deren Bedeutung. Kurz ist Malget verwirrt, wo sie die Laute einordnen soll - aber es wird/soll ich gleich darauf wie Schuppen von den Augen fallen. Und dann rennt sie zur Steuerung dieses Hauptantriebs, in ihrem Sinn ist nur, was passieren kann - und wie sie es verhindert kann. Arbeite hier mit kurzen Sätzen. Die erzeugen Hektik.

Umgebungselemente kannst du geschickt und sparsam streuen - indem sie z.B. darüber stolpert (z.B. eins der Kinder). Max ein kleiner Nebensatz, dann bist du wieder bei Malget und ihrem Problem.

Zitat
Doch neben dem noch immer anhaltenden Alarm verflog der Ärger über diese Banalität so schnell wie Gesteinsspliter im Solarsturm.
Das Bild ist übrigens schön - leider passt es nicht in die momentane Angst/Hektik.




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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Xaranis am 13 Dezember 2017, 14:25:59 »
Ruhig Blut. Es tut auch nur kurz weh.

Zunächst mal allgemein:
Der Text enthält viele bildliche Elemente und ist chronologisch stimmig. Man kann das Geschehen gut nachvollziehen. An manchen Stellen war es mir zu ausufernd. Man merkt hin und wieder, dass du gekämpft hast, Hintergrundinfos da und dort einzustreuen, ohne in einen Erklärbärmodus verfallen zu wollen - find ich. Aber gerade in einer Stressituation, in der es um Leben und Tod geht nimmt mir das an manchen Stellen einfach zu sehr an Tempo. Vielleicht lässt sich hier noch etwas straffen?
Die Stimmung, die du durch deine Worte erzielst passt für mich noch nicht optimal zu der Situation. Es wirkt für mich ein wenig zu entspannt, beinah ein wenig "bummelnd". Näheres unten. Ich hoffe, du siehst, was ich meine, wenn ich es in deinen Text schreibe.
Auch fühle ich keine Entspannung oder Erleichterung, nachdem der Hauptantrieb abgestoßen wurde. Alles ist nüchtern und distanziert beschrieben auf eine Art, als ginge es Malget gar nichts an.

Nun also zu den Passagen im Text, die mir auffielen und bei denen die ein oder andere Erkenntnis bei mir ankam.

Zitat

Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.


Hier sollte eigentlich Hektik sein. Ich nehme aber keine Hektik wahr. Es ist alles sehr nüchtern beschrieben und du nimmst dir sogar noch Zeit, den Hauptantrieb zu erklären. Ich weiß auch warum. Du willst die Gefahr durch dieses Ding darstellen. Aber ich frage mich, ob du das nicht besser erreichen könntest, wenn du mehr mit Emotionen arbeitest, mit Schreck, mit Herzklopfen - gleich nachdem sie soweit wach ist im Kopf. Ein einfaches "Oh Gott, der Hauptantrieb!" suggeriert vermutlich mehr Gefahrenpotential als ganze, erklärende Sätze zu dem Ding. Auch als Nicht-Science-Fiction-Leser kenne ich genug Startrek um zu wissen, dass ein Hauptantrieb eine kleine Atombombe ist.
Klar auch, dass sie ihre Gefühle dann vielleicht wieder unter Kontrolle bekommt – schließlich ist sie der Captain und muss jetzt kühlen Kopf bewahren. Aber Emotion an sich fehlt mir hier irgendwie komplett!
Ich denke mir, da und dort würden dir kürzere Sätze auch helfen, das Tempo zu steigern.

Zitat

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.

An der Stelle nimmt sie sich – trotz der Situation – noch Zeit für einen Rundumblick im Zimmer und Sentimentalitäten (alte Bilder)? Interessiert das an der Stelle? Ist es realistisch, dass sie diese Dinge jetzt wahrnimmt, wo ihre ganze Aufmerksamkeit dem Generator gelten soltte? Für mich bremst das den Text gerade an den Stellen ein, an denen ich mir Tempo wünschen würde.

Und anschließend bummelt sie noch den Flur entlang, hindurch durch ein wahres Textungetüm, in dem du erklärst, was die Quercus ist. Ich finde den Zeitpunkt etwas unglücklich. Dadurch entsteht das Gefühl dieses "Bummelns", wie auch oben schon. Diese Ausnahmesituation kommt bei mir beinahe wie etwas Alltägliches rüber. Nichts, was die Gemüter erregt. Und tatsächlich weist für mich bei Malget nichts auf Erregung hin.

Die gefühlte Anonymität, die sie den namenlosen Passagieren entgegen bringt passt außerdem nicht zu meinem Eindruck weiter unten, dass es sich bei diesem Schiff um eine kleine, eingeschweißte Schicksalgemeinschaft handeln müsste. Dort kennt man aneinander.


Hier ein für mich ganz unglücklicher Part, der sofort an die Erwähnung anschließt, dass ihnen gleich das Schiff um die Ohren fliegt:

Zitat

Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.

In dem Kontext klingt das für mich wie eine Relativierung. Uns fliegt gleich das Schiff um die Ohren – aber egal. Sind ja eh fast alle an Land.
Mit Ausnahme von den Säuglingen, versteht sich, die gleich darauf erwähnt werden. Aber die fallen ja eh kaum ins Gewicht.

Zitat
Wie immer schwebten zahlreiche Spielzeuge in der Luft – die Kinder der Quercus hatten ihren Spaß an der Schwerelosigkeit

Dadurch gewinne ich den Eindruck, dass hier alles ein wenig provisorisch ist (auch schon zuvor, durch den Uralt-Generator). Also nicht so durchgeplant, zackig, exakt, hundertprozentig unter Kontrolle, wie ich es sonst kenne, mit all den Flottenoffizieren in ihren schicken Uniformen.

Zitat

»Schalte endlich diesen verdammten Alarm aus!«
»Wie denn?«, antwortete Jarava.
»Was weiß ich denn?!«, brüllte Sorrin zurück.

Das verstärkt den Effekt. Hier sind offenbar keine Profis am Werk. Ist wohl eher sowas wie eine bunt zusammen gewürfelte Schicksalsgemeinschaft – oder gar schon eine Art kleine Familie?


Zitat

Er verstummte mitten im Satz, es ertönte ein weiterer Knall,

Hier muss ich offen gestehen, dass ich auch nach zweimaligem Lesen keinen ersten Knall mitbekam. Dass hier ein „weiterer“ Knall erfolgte irritierte mich deshalb und riss mich aus dem Lesefluss.
 
Zitat

»Bei den Sternen...«, ächzte Gransich

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich diesen Aufruf jetzt schon gelesen habe. Aber allmählich stört er mich.
Was mich auch ein wenig stört ist, wie unspektakulär man sich vom Hauptantrieb getrennt hat und Malgets passive Rolle bei dem Ganzen.
Konnte man den Antrieb denn nicht retten, nachdem Ersatz so schwierig zu bekommen ist? Gab es kein Abwägen der Alternativen? Wurde wirklich alles geprüft? Malgets erste Frage ist: "Was kann ich tun?"
Meine erste Frage wäre gewesen: "Was ist hier los? Was ist passiert?"
Wäre diese Frage nicht aus unausweichlich gewesen um zu entscheiden, ob man den Antrieb abstößt?
Ich würde mir einen Überblick verschaffen, Kontrolle in die Situation bringen und versuchen, die richtige Entscheidung zu treffen. Das erwartet man schließlich von mir.
Über Malget erfahre ich leider weiter gar nichts, was mir Einblick in ihren Charakter gäbe. Sie scheint mir aber ein Autoritätsproblem zu haben, so liest es sich für mich zwischen den Zeilen da und dort raus. Ist ein bisschen so, als leite sie einen großen Kindergarten.  :cheese:
Das mit dem sich blähenden Nachthemd und den T-shirts und Hosen hat Eska ja bereits gesagt. Das ist mir auch aufgefallen.

Das wars im Großen und Ganzen. Über ein paar Formulierungen oder Ausdrücke kann man ebenfalls noch streiten. Da sitzt sicher noch nicht jedes Wort perfekt. Aber darauf bin ich jetzt mal nicht eingangen.

Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen.


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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Robur am 11 Dezember 2017, 22:33:42 »
Bin noch dabei eine Antwort zu schreiben, scheitere jedoch daran, weil sie immer wieder ausartet ^^ Weltenbau bringt mir sehr viel Spaß! Gleichzeitig habe ich einen sehr kritischen Mann, der sich sehr gut mit Geschichte auskennt und mich daher auf Ungereimtheiten aufmerksam machen kann. Ich hoffe ich komme in den nächsten Tagen dazu etwas sinnvolles und nicht zu ausuferndes zu formulieren :)
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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von eska am 10 Dezember 2017, 10:04:48 »
Bitte. Freut mich, wenn etwas geholfen hat.  :)

Hier noch ein paar Gedanken zu deiner Antwort:

Wir haben einen Clan, der hauptsächlich auf einem Raumschiff lebt. Es gibt bewohnte/beackerte Planeten. Man kann sich verdingen (= 'Geld' verdienen, es gibt also ein allgemein gültiges Zahlungsmittel, also eine übergeordnete Struktur). Malget ist Kommandantin, aber es gibt eine Diskussionskultur. Sorrin trifft eine lebenswichtige Entscheidung allein.
Ist das stimmig?

Für deinen 'Weltenbau', also die Hintergründe, die du kennen, aber nicht unbedingt beschreiben musst: Wieviel Kontakt, wie regelmäßig haben die verschiedenen Clans in ihren Raumschiffen (zu bedenken: Wieviel Raum wird befahren, wie viele Menschen gibt es, Kommunikation, Treffpunkte, Treffzeiten...)? Zwecks Vermehrung ohne zuviel Inzest, zwecks Handel, zwecks Politik (Verbünde, Nationen, Allianzen...)? Wie ritualisiert/geregelt läuft das Leben? Wenn es noch immer vor allem Überleben nach einer Katastrophe ist, nicht nur für die Quercus, sondern für die Menschheit im Ganzen, dann stelle ich mir entweder in jedem Clan andere Regeln vor, also quasi verschiedene Zivilisationen, die sich aus der Anarchie entwickelt haben, oder ein - wie auch immer durchgesetztes - ziemlich strenges Regelsystem, dem alle folgen müssen. Das setzt aber eine Form von übergeordneter Regierung/Rat voraus. Was die Menschen diesbezüglich entschieden haben nach der Katastrophe hat damit zu tun, was vorher war und was verhindert werden soll.
Ein relativ lockeres basisdemokratisches Funktionieren, wie du es andeutest, kann ich mir nur schwer vorstellen, dazu neigen Gesellschaften in schweren Zeiten nicht.
Und unbeliebte Entscheidungen durchzusetzen erfordert Autorität, nicht nur persönliche, sondern auch äußerliche, also Hierarchie. Malget kann gewählt sein und damit abwählbar sein (damit auch Konkurrenten haben und gegnerische Lobbyarbeit und eigene Lobbyarbeit etc.) oder gesetzt (durch quasi-militärischen Rang - also hoffentlich erwiesene Eignung für den Job, durch Alter, durch Herkunft ...), aber sie muss einen klaren Status haben und klare Befugnisse (nur Schiffsbelange oder auch gesetzgebende, richterliche, exekutive?). Vielleicht gibt es ja einen Ältestenrat oder so auf der Quercus für alles Gemeinschaftliche, und auch Malget muss sich verantworten?

Viel Spaß beim Weiterdenken und -schreiben!

eska
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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Robur am 09 Dezember 2017, 22:15:21 »
Moin moin

und vielen Dank für deine Eindrücke und deine Röstung – vor allem, wenn Science Fiction eigentlich nicht unbedingt dein Ding ist. Umso mehr freue ich mich, dass der Text scheinbar relativ gut bei dir angekommen ist :)


1.Ich kann mich gut in die Szenerie versetzen, genug Details, vielleicht ein bisschen wenig Leben (= Leute, die Malget kennt, also namentlich). Die vier Benannten sind aber bereits Personen mit ihren Eigenarten, gut charakterisiert.
Das freut mich ^^

2. Das akute Problem kommt gut raus, auch schnell genug. Die Lösung ist vielleicht ein bisschen zu schnell parat und ohne Malgets Mitwirkung, was mich zum bloßen Beobachter macht, da aus ihrer Perspektive erzählt wird, und mich damit weniger reinzieht. Aber vielleicht kämpft sie ja innerlich schon mit den Folgeproblemen, die der Verlust des Generators nach sich ziehen muss? Dann könntest du das noch verstärken.
Habe hier ziemlich lange drüber nachgrübeln müssen. Klar, dass Malget die ganze Zeit über mehr oder weniger passiv bleibt, ist natürlich nicht optimal – grade für den Einstieg in eine Geschichte. Kann ich also etwas daran ändern? Körperlich kann sie aufgrund ihres Alters sicherlich nicht viel machen. Eventuell kann ich ihr aber die Entscheidung zum Rauswurf des Generators an die Hand geben. Anderseits müsste Sorrin ihr dann erklären was los ist – was aber eigentlich überflüssig ist, da sie nicht jenes tiefe Verständnis für den Generator hat, was Sorrin besitzt. Letztendlich würde die Entscheidung dennoch bei ihm liegen und Malget würde es nur abnicken. Doch in Anbetracht der Gefahr, würde Sorrin keine Zeit verschwenden. Ich denke er würde unter diesen Umständen sogar die Dreißtigkeit besitzen Malget das Schott vor der Nase zuzuschlagen.
Dieser Zwischenfall mit dem Generator ist allerdings auch nicht das Hauptproblem der Geschichte – der rote Faden liegt letztendlich in der Beschaffung eines neuen Generators, was extrem schwierig ist. Hier hat Malget eine aktivere Rolle als beim Auswurf des Generators. Insofern ist es auch nicht so dramatisch, dass die Lösung gleich bei der Hand liegt. Zudem geht das Kapitel an dieser Stelle eigentlich noch weiter und konzentriert sich anschließend auf das Problem, wie man nun an ein neues Gerät kommt.

3. Die generellen Finanz-Probleme kommen schön von Anfang an raus. Woher sie stammen und was sich ändern müsste, noch nicht, aber das macht mich neugierig: Zuviel Menschen, zu wenig, Handelsrouten weggebrochen durch Kriege oder so, Heimatbasis zerstört, unfruchtbar geworden...? Also genauer gesagt: Das Normale, dem Erdenleben Vergleichbare am Leben zwischen den Sternen interessiert mich.
Auch hier kommst du zielsicher auf eine Schwachstelle dieses Einstieges zu Sprechen. Zu Beginn hatte ich innerhalb dieser Szene unglaublich viel Infodump, den ich rigoros weggestrichen habe – ich fand, es hat die Szene gestört und zu langsam gemacht. Am Ende dieser Szene ist das Kapitel jedoch noch nicht vorbei – von den Hintergründen zu dieser Galaxie erfährt man innerhalb des ersten Kapitel nur sehr wenig (wird bloß angeschnitten) aber in den Folgekapiteln wird es immer weiter ausgebaut und mit der Zeit auch immer zentraler.

4. Auf mich Kaum-Sci-Fi-Leser wirkt alles stimmig, bis auf die Kleidung, wenn Schwerelosigkeit einer der normalen Zustände an Bord ist: Ein Nachthemd würde sich wohl nicht nur aufblähen, sondern einen bloßstellen, oder? Auch Shorts und Shirts stelle ich mir eher unpraktisch vor. Aber ich lasse mich gerne belehren.
Ich musste so lachen, als ich das gelesen habe – du hast zu 100% Recht! XD Keine Ahnung, weshalb ich da nicht selbst drauf gekommen bin.

5. Den Bau des Schiffes aus verschiedenen alten Transportern finde ich spannend: In was für einer Zeit hat man das gemacht? (Krise, Ressourcenknappheit, ideologisches Recycling, schon da Finanzprobleme...).
Wird thematisiert, sobald es ein wenig ruhiger wird :) Aber gut zu wissen, dass dich schon hier solche Fragen beschäftigen – scheine also vieles richtig gemacht zu haben ^^ Kurz gesagt: Die Menschheit lebt in Ruinen und auch ein Großteil des technologischen Wissens ist verloren gelangen.

Wem gehört das Ding? Einer Familie, einer Gesellschaft, einer Interessengemeinschaft? Wer macht die Politik, extern wie intern? Wer also trifft die Zukunftsentscheidungen? Malget? Wenn ja, hat sie Berater? Die Entscheidung, den Generator rauszuschmeißen hat aber nicht sie getroffen, also hat sie wohl nicht die absolute Befehlsgewalt. Falls doch, braucht sie dann nicht mehr Gewicht, Würde, Zeichen der Autorität, damit sie ernst genommen wird?
Insgesamt habe ich eheer den Eindruck, dass alles informeller funktioniert, vielleicht weil wenig Menschen da sind und damit jede/r wichtig. Z.B. gibt es keine Untersuchung, sondern Malget entscheidet nach kurzer Nachfrage: Es war nicht deine Schuld.
Dazu passt aber meines Erachtens nicht, dass die anderen, ungenannten Leute nur als Menge vorkommen. Bei z.B. 30 Leuten insgesamt würde sie bei Kindern deren Namen denken und die Gesichter an den Türen im Vorbeirennen individuell registrieren.
Hmmm… wie die „Hierarchie“ funktioniert habe ich innerhalb der Geschichte niemals wirklich thematisiert – der Leser kann aus den Handlungen der Charaktere (insgesamt gibt es vier) seine eigenen Schlüsse ziehen. Auf der Quercus lebt gewissermaßen ein Clan - viele der Bewohner sind miteinander verwand (im Laufe der Geschichte wird die Quercus auch als "Inzestkahn" bezeichnet ;) )
Malget ist die Kommandantin der Quercus und gibt damit den Kurs des Schiffes vor, doch es gibt zahlreiche andere Personen, an die sie bestimmte Aufgaben delegiert hat und denen sie vertraut – wie auch Sorrin. Sollte allerdings jemand anderer Meinung sein, würde er dies laut aussprechen. Dies ist sicherlich eine Schwachstelle der Quercus, weil es deshalb oft zu viel zu überzogenen Diskussionen kommt, weil sehr viele ihre Meinung laut herausposaunen müssen – was ich vielleicht auch jetzt am Anfang bei den ungenannten Leuten nutzen kann, um das eine oder andere Gesicht noch näher zu beleuchten. Letztendlich wäre Malget auch nicht die Kommandantin, wenn die Besatzung ihr misstrauen würde.

Das mit den ungenannten Leuten nehme ich zur Kenntnis und werde entsprechende Änderungen einbauen.

Und zu dem „Kleinkram“: Da kann ich überall zustimmend nicken und danke dir dafür, dass du mich auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht hast :) Sitze quasi schon an der Überarbeitung.

Vielen, vielen Dank!!!!
 :b5: :b5: :b5:
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Science Fiction / Re: Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von eska am 08 Dezember 2017, 11:46:58 »
 :wow:
Huch, meine erste Antwort war plötzlich weg. Falls sie irgendwo falsch auftaucht, entschuldigt bitte.

Also nochmal:

Hi Robur;

ich hab mich mal an deinen Text gewagt. Für den Anfang habe ich eine detaillierte Liste aller Punkte, die mir aufgefallen sind (was sie vor allem deswegen tun, weil ich beim Rösten genauer hinschaue als beim normalen Lesen :lupe:). Für den fortlaufenden Text (noch) nicht; den habe ich einfach nur auf Inhalt und Verständnis gelesen.
Dazu zuerst:
1.Ich kann mich gut in die Szenerie versetzen, genug Details, vielleicht ein bisschen wenig Leben (= Leute, die Malget kennt, also namentlich). Die vier Benannten sind aber bereits Personen mit ihren Eigenarten, gut charakterisiert.

2. Das akute Problem kommt gut raus, auch schnell genug. Die Lösung ist vielleicht ein bisschen zu schnell parat und ohne Malgets Mitwirkung, was mich zum bloßen Beobachter macht, da aus ihrer Perspektive erzählt wird, und mich damit weniger reinzieht. Aber vielleicht kämpft sie ja innerlich schon mit den Folgeproblemen, die der Verlust des Generators nach sich ziehen muss? Dann könntest du das noch verstärken.

3. Die generellen Finanz-Probleme kommen schön von Anfang an raus. Woher sie stammen und was sich ändern müsste, noch nicht, aber das macht mich neugierig: Zuviel Menschen, zu wenig, Handelsrouten weggebrochen durch Kriege oder so, Heimatbasis zerstört, unfruchtbar geworden...? Also genauer gesagt: Das Normale, dem Erdenleben Vergleichbare am Leben zwischen den Sternen interessiert mich.

4. Auf mich Kaum-Sci-Fi-Leser wirkt alles stimmig, bis auf die Kleidung, wenn Schwerelosigkeit einer der normalen Zustände an Bord ist: Ein Nachthemd würde sich wohl nicht nur aufblähen, sondern einen bloßstellen, oder? Auch Shorts und Shirts stelle ich mir eher unpraktisch vor. Aber ich lasse mich gerne belehren.

5. Den Bau des Schiffes aus verschiedenen alten Transportern finde ich spannend: In was für einer Zeit hat man das gemacht? (Krise, Ressourcenknappheit, ideologisches Recycling, schon da Finanzprobleme...). Wem gehört das Ding? Einer Familie, einer Gesellschaft, einer Interessengemeinschaft? Wer macht die Politik, extern wie intern? Wer also trifft die Zukunftsentscheidungen? Malget? Wenn ja, hat sie Berater? Die Entscheidung, den Generator rauszuschmeißen hat aber nicht sie getroffen, also hat sie wohl nicht die absolute Befehlsgewalt. Falls doch, braucht sie dann nicht mehr Gewicht, Würde, Zeichen der Autorität, damit sie ernst genommen wird?
Insgesamt habe ich eheer den Eindruck, dass alles informeller funktioniert, vielleicht weil wenig Menschen da sind und damit jede/r wichtig. Z.B. gibt es keine Untersuchung, sondern Malget entscheidet nach kurzer Nachfrage: Es war nicht deine Schuld.
Dazu passt aber meines Erachtens nicht, dass die anderen, ungenannten Leute nur als Menge vorkommen. Bei z.B. 30 Leuten insgesamt würde sie bei Kindern deren Namen denken und die Gesichter an den Türen im Vorbeirennen individuell registrieren.

Das zu meinem generellen Eindruck. Es folgen meine Detailnotizen zum Anfang:


Zitat
dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß.
Ist sie so alt, dass sie nicht aufrecht sitzen kann? Oder geht es nur um die Plötzlichkeit? Dann sollte die Info später kommen (ihr Rücken meldete sich...), hier ist die Aufregung wichtiger als ihr Alter.
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand.
Komma vor wo

Zitat
kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme
ohne Komma

Der erste Absatz wirft mich von der Erregung in die Belehrung und zurück. Malget brauchst du nichts zu erklären und dem Leser noch nicht. Zieh ihn erstmal richtig rein.
Bsp.:
Zitat
Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden.

Wieso weiß sie nicht, wo sie ist? Schläft sie an verschiedenen Orten? Streich den Satz, zeig ihre Irritation. So ähnlich: Scheiße! Was war das? Ein ausgefallenes Lebenserhaltungssystem? Ein Fehler im Antrieb? Nein, falscher Ton.
Zitat
traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag.
Trifft einen der Einschlag oder der Meteorit? (Und wäre man dann nicht zerpulvert?) Trotzdem: nettes Bild, passt ins Genre.
Zitat
Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war.
Kürzer: die Erkenntnis...: der Antimateriegenerator!
Zitat
Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.
1. Adrenalin weiter nach vorne. (Körperliche, instinktive Reaktionen sind schneller als bewusste.)
2. Der Alarm bedeutet Schlimmes. Da denkt sie nicht in Ruhe drüber nach, wann sie den das letzte Mal gehört hat.
3. der sensibelste Part des Raumschiffes? Für den Hauptantrieb? Und dann uralt und lebensgefährlich wackelig? Was is mit Instandhaltung, Umbau etc.? Technologie verloren gegangen? Klingt nicht, als würden Menschen unter diesen Umständen das Ding regelmäßig fliegen, schon gar nicht ältere Menschen, die ihr Restleben schätzen.
4. Denkt sie das so? Nicht mindestens ein: 'Verflucht- wieso konnte nicht endlich einer der Techs das Prinzip neu erfinden?' oder so davor? Und die Erklärung zur Funktion raus, sie weiß es (um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen).

Durchatmen. Klingt nach viel, ist aber 1. meist Kleinkram und 2. wichtig, weil du uns Leser gerade mit den ersten Absätzen ködern willst. ;)

Insgesamt gefällt mir dein Text gut, gerade wegen der Normalität (s.o.).

Dies fürs Erste.
Gruß,

eska

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Science Fiction / Die Quercus - (k)eine Sternstunde der Menschheit
« Letzter Beitrag von Robur am 05 Dezember 2017, 13:06:53 »
Moin moin

Mit zitternden Fingern lege auch ich den Anfang meines Werks auf den Grill und warte mal ab, was geschieht. Bisher haben lediglich mir freundlich gesinnte Testleser drauf geschaut und ich bin gespannt, was die sadistischen Röstteufel in dieser Hölle damit anfangen. Spezielle Fragen habe ich eigentlich nicht, sondern bitte lediglich darum zu benennen, was euch so auffällt.

Viel Spaß beim Rösten
Robur



Der Alarm riss Malget so abrupt aus dem Schlaf, dass sie trotz ihres Alters aufrecht im Bett saß. Um sie herum herrschte Dunkelheit, erfüllt von dem quäkenden Auf- und Abschwellen des Warntons. Zunächst verspürte sie Irritation und wusste nicht wo sie sich befand. Das war nicht das übliche Signal ihres Raumschiffes, mit dem kritische Defekte, wie ausgefallene Lebenserhaltungssysteme, Fehler im Antrieb oder dergleichen bekannt gegeben wurden. Im nächsten Moment traf sie die Erkenntnis wie ein Meteoriteneinschlag. Ihr blieb die Luft weg. Dies war der Alarm, der eigens für den Antimateriegenerator zuständig war. Bei den Sternen – den hatte sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Adrenalin schoss durch ihren Körper. Der Antimateriegenerator, der sensibelste Part des Raumschiffes. Jedes Mal, wenn sie dieses uralte Gerät anwarfen, um die für den Hauptantrieb unabdingbare Antimaterie zu erschaffen, riskierten sie ihr Leben und ihr Schiff.

Hastig wischte sie über den Sensor, welcher das Licht in ihrem Quartier aktivierte. Mit einem Surren erwachte die Hälfte der Deckenpanele zum Leben – die andere Hälfte blieb wie immer dunkel. Das spärliche Licht fiel auf ein schmales Bett und auf eine alte Metallkommode, über der einige vergilbte Fotos an der Wand hingen, deren zerfranste Ränder sich kräuselten. Auf dem Metallboden lag ein alter handgeknüpfter Teppich, der seine besten Jahre schon hinter sich gelassen hatte, als Malget grade erst Laufen gelernt hatte.
Sie stieg so schnell aus dem Bett, wie es ihr fortgeschrittenes Alter erlaubte. Sie trug nur ein Nachthemd, machte sich aber nicht die Mühe sich vollständig zu bekleiden. Stattdessen zog sie bloß Boots über ihre nackten Füße und warf sich ihren zerschlissenen Bademantel über. Ihr Aussehen als Kommandantin der Quercus war zweitrangig, wenn das Schiff ohnehin gleich zerstört werden würde. Zudem befanden sich die meisten Bewohner des Schiffes seit fast drei Wochen auf dem Planeten Castor, wo sie als Erntehelfer ein paar Credits nach Hause bringen sollten.
Malget eilte aus ihrem Quartier und den schmalen Korridor entlang. Spinde waren nachträglich an den Wänden befestigt worden und engten die schmalen Korridore der Quercus noch mehr ein. Über den Alarm hinweg hörte sie mehrere Säuglinge plärren. Einige Türen wurden geöffnet, als sie vorbei hetzte, doch sie achtete nicht auf die vor Schreck bleichen Gesichter und auch nicht auf die ihr hinterher gerufenen Fragen. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie musste das andere Ende des Raumschiffes erreichen.

Bei der Quercus handelte es sich um ein zylindrisches Konstrukt, welches aus acht aneinander geschweißten mittelgroßen Transportschiffen bestand. Da es sich hierbei um acht unterschiedliche Raumschiffe handelte, sah das Ergebnis entsprechend zusammengewürfelt aus. Doch die Quercus war ein gutes und robustes Schiff – bewohnt seit über hunderdreißig Jahren.
Vier Speichen verbanden das langgezogene Zentralmodul im Inneren des Zylinders mit vier der ehemaligen Transportschiffe, die nun als Teilschiffe der Quercus bezeichnet wurden. Der Antimateriegenerator befand sich von Malget aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des Schiffes, daher beschloss sie den Weg über das Zentralmodul zu nehmen.
Am Durchlass zur nächsten Speiche erklomm Malget mit einem Ächzen, die in die Wand eingelassenen Sprossen und kletterte durch die Deckenöffnung in die Röhre hinein. Rasch ließ die durch die Rotation erzeugte Schwerkraft nach und schon bald konnte sie sich abstoßen und schwerelos in das Zentralmodul hinein gleiten. Wie immer schwebten zahlreiche Spielzeuge in der Luft – die Kinder der Quercus hatten ihren Spaß an der Schwerelosigkeit. Kurz verspürte Malget einen Anflug von Ärger. Wie oft hatte sie befohlen nicht eine solche Unordnung zu hinterlassen? Doch neben dem noch immer anhaltenden Alarm verflog der Ärger über diese Banalität so schnell wie Gesteinsspliter im Solarsturm. Malget vollführte einen halben Salto, wodurch sie mit den Füßen voran in die gegenüberliegende Speiche schwebte. Dabei blähte sich ihr Bademantel auf, den sie mit einer ärgerlichen Bewegung wieder ordnete. Dann war sie im Inneren der Speiche und wenige Sekunden später hatte die künstliche Schwerkraft sie erneut erfasst und sie musste nach den Sprossen greifen, um an ihnen herab zu klettern.

Unter sich hörte sie schnelle Schritte, die aufgeregte Stimme von Jarava und gleich darauf Sorrin, der seine Adoptivtochter anschnauzte sie solle nicht im Wege stehen. Malget beeilte sich hinab zu steigen. Als ihr Fuß die letzte Sprosse verließ und sich auf den Metallboden des Korridors stellte, der die Messe mit dem Maschinen- und dem Laderaum des Teilschiffes verband, erklang erneut die Stimme von Sorrin. »Schalte endlich diesen verdammten Alarm aus!«
»Wie denn?«, antwortete Jarava.
»Was weiß ich denn?!«, brüllte Sorrin zurück.
Malget folgte den Stimmen zum Laderaum, in dem der Antimateriegenerator untergebracht war. Die hierzu gehörigen Gerätschaften nahmen den Frachtraum des Schiffes so sehr ein, dass man sich nur seitwärts und durch immerwährendes Ducken zwischen ihnen bewegen konnte. Im ersten Moment konnte Malget weder Sorrin noch Jarava sehen und wo man den Alarm ausschaltete wusste auch sie nicht – zu viel Zeit war verstrichen, seit das letzte Mal ein kritischer Defekt im Antimateriegenerator aufgetreten war. Sie sah eine Bewegung zwischen den herabhängenden Kabeln und erkannte die dürre Gestalt von Jarava auf sich zuhasten. Das Gesicht der jungen Frau war blass und sie trug bloß eine leichte Stoffhose und ein  einfaches Shirt, während die kurzen blonden Haare in alle Richtungen abstanden – offenbar hatte der Alarm auch sie aus dem Schlaf geprügelt. Ihre Augen waren weit aufgerissen und Angst stand darin, was wiederum Malgets Puls beschleunigte. Äußerlich blieb sie ruhig, bereitete sich innerlich aber auf das Ende vor. Sie musste all ihre Selbstkontrolle aufbringen um Jarava nicht am Kragen zu packen und sie schüttelnd nach einer Erklärung zu verlangen. Stattdessen trat sie beiseite und ließ die junge Frau an sich vorbei rennen. Aus dem Laderaum hörte sie Sorrin einen ungehaltenen Fluch ausstoßen. Dann ein Knall und ein noch lauterer Fluch.
»Beeil dich!«, brüllte er, obwohl Jarava ihn inzwischen nicht mehr hören konnte.
»Sorrin!«, rief Malget. »Was kann ich tun?«
»Malget?«, kam von Sorrin erstaunt zurück. »Was- Ach egal. Nein, gar nichts. Komm nicht rein – die Ladeluke-«
Er verstummte mitten im Satz, es ertönte ein weiterer Knall, gefolgt von einem wütenden Brüllen. Hinter Malget näherten sich rennende Schritte, als Jarava zurückkam. Sie trug zwei leichte Raumanzüge und hatte sich schon den Helm des einen übergestülpt. Malget nahm wahr, dass sie keine der schweren Sauerstoffflaschen dabei hatte.
»Schott schließen!«, rief sie atemlos und hastete vorbei. Sie kämpfte sich durch den Maschinendschungel, während es Malget eiskalt den Rücken hinablief. Sie verstand nun, was Sorrin vorhatte. Mit einem mulmigen Gefühl trat sie zurück und betätigte den massiven Schalter. Zischen und Quietschend glitt das luftdichte Schott in seine Verriegelung. Malget wandte sich ab und ging raschen Schrittes zur Brücke dieses Teilschiffes. Die Hauptbrücke der Quercus lag in der Nähe ihres Quartiers. Von der Brücke dieses Teilschiffes aus war es lediglich möglich, die Kameras einzuschalten, um das Geschehen zu verfolgen. Vielmehr konnte sie in dieser Situation sowieso nicht unternehmen. Als sie die Stufen zur Brücke erreicht hatte, kam ihr ehemalige Chefmechaniker Gransich aus dem Verbindungskorridore zum benachbarten Jerkas-Teilschiff. Im Gegensatz zu Malget war er vollkommen bekleidet. Mit ihm erreichte sie ein intensiver Geruch nach altem Schweiß und Alkohol, den Malget für den Moment ignorierte.
»Was ist los?«, fragte er mit kratziger Stimme. »Ist das etwa- ?« Ein Hustenanfall hinderte ihn daran den Satz zu beenden.
Malget stieg die Stufen hinauf und rief ihm über die Schulter hinweg zu: »Sorrin wirft den Antimateriegenerator raus.«
»Was?!«, entfuhr es Gransich entsetzt, doch Malget achtete nicht weiter auf ihn, sondern betrat die Brücke und setzte sich auf den Drucksessel, der einst für den Piloten bestimmt gewesen ist. In diesem Moment verstummte der Alarm endlich. Sorrin hatte den Generator vermutlich soeben abgekoppelt. Ihre Finger flogen über die Konsole und drei der Monitore erwachten flimmernd zum Leben. Der vierte blieb schwarz. Sie gab weitere Befehle ein und ein Bildschirm nach dem anderen zeigte Aufnahmen der noch funktionierenden Außenkameras. Sie schaltete die Unnötigen weg, sodass nur die Aufnahmen jener zwei Kameras blieben, welche die Ladeluke im Bild hatten. Es war dunkel, da sie sich auf der von der Sonne abgewandten Seite der Quercus befanden.
Hinter ihr stiegt Gransich schnaufend die Metallstufen hinauf und hustete erneut.
»Der Antimateriegenerator?«, keuchte er. »Bei den Sternen!«

Malget spürte wie eine sachte Erschütterung durch das Schiff ging und auf beiden Kameras war zu sehen, wie sich die Luke langsam öffnete. Licht drang aus dem sich weitenden Spalten und kaum dass die Öffnung groß genug war, erschienen Sorrin und Jarava in ihren Raumanzügen. Es war nicht auszumachen wer von beiden wer war. Sie schoben und zogen einen großen metallischen Zylinder, der sich auf den am Boden angebrachten Schienen bewegte, die irgendeiner der Erbauer der Quercus in weiser Voraussicht dort angebracht hatte. Als das Große Gerät das Ende der Führungsschienen erreicht hatte, wurde es von der Rotation des Raumschiffes erfasst und gewissermaßen nach unten gezogen. Einer der beiden Gestalten im Raumanzug stieß sich ab und bekam den Generator zu fassen. Das Halteseil zog sich straff. Mit angehaltenem Atem beobachtete Malget, wie die Person etwas am Gerät verrichtete. Sie versuchte die Packs zu aktivieren, die vor Ewigkeiten an dem Generator angebracht worden waren. Wann hatten sie diese das letzte Mal erneuert? Vor zwanzig Jahren? Dreißig? Hoffentlich funktionierten sie noch. Zwar würde allein die Rotation ausreichen um den Generator von der Quercus fortzuschleudern, doch niemand wusste, ob das Gerät sich schnell genug entfernen würde.
Endlich stieß sich die Gestalt vom Generator ab und schwebte seitlich weg, während die andere Person im Laderaum die Rolle aktivierte, mit dem das Halteseil eingeholt wurde. Sekunden später zündeten die Packs, was Malget ein erleichtertes Japsen entlockte. Sie hielt die Armlehnen des Stuhles gepackt. Hinter ihr gab Gransich ein heiseres Stöhnen von sich.
Angetrieben von den Packs beschleunigte der Generator und war innerhalb weniger Sekunden aus dem Blickfeld der Kamera verschwunden. Malget löste ihre verkrampften Hände von den Armlehnen und gab mit steifen Fingern Befehle ein. Eine der Kameras richtete sich so aus, dass sie den Flug des sich entfernenden Antimateriegenerators verfolgen konnte.
»Bei den Sternen...«, ächzte Gransich. Er trat zwei Schritte beiseite und ließ sich dann so schwer in den Drucksessel des Copiloten fallen, dass die Aufhängung knirschte. »Wir hätten alle tot sein können... Bei den Sternen… Wie konnte das nur…?«
»Weiß ich auch nicht«, zischte Malget gestresst. Sie lehnte sich vor und betätigte die Kommunikationsanlage. »Sorrin? Jarava? Könnt ihr mich hören?«
Sie wartete ab, doch es kam keine Bestätigung. Vermutlich hatten die beiden in der Hektik die in den Anzügen integrierten Kommunikationsgeräte nicht eingeschaltet. Doch das war ohnehin nicht notwendig, denn mit der verbliebenen Kamera beobachtete Malget, wie die eine Gestalt die Ladeluke nun wieder erreichte.
»Bei den Sternen – das ganze Schiff hätte es zerreißen können«, murmelte Gransich erneut und hustete. »Ich brauche einen Schluck. Du auch?«
Malget schüttelte stumm den Kopf. Sie lies den Bildschirm mit dem Antimateriegenerator nicht aus den Augen und schaltete auf eine andere Kamera um, nachdem die erste Kamera den Generator aufgrund der Rotation der Quercus aus dem Blick verloren hatte. Mit dem sich entfernenden Generator schien die akute Gefahr zwar vorüber zu sein, doch sicher waren sie noch lange nicht. Wenn der Generator zu nahe an der Quercus explodierte konnte dies immer noch erhebliche Schäden, wenn nicht sogar die Zerstörung des Raumschiffes zur Folge haben.
Gransich brummelte etwas unverständliches. Stoff raschelte und der Schraubverschluss seines Flachmannes quietschte. Malget beachtete ihn nicht weiter, sondern rief die Übersicht zu dem am Laderaum angebrachten mobilen Speichertank auf. Er war zu 63% gefüllt, was keine allzu schlechte Nachricht war. In den Tanks der acht Teilschiffe befand sich zudem schon Antimaterie vom ersten Generiervorgang. Damit würden sie etliche hundert Lichtjahre weit kommen, wenn sie die Antriebe effizient laufen ließen. Doch was dann? Ohne Generator war es ihnen nicht möglich, neuen Treibstoff für die Antriebe zu produzieren. Sie würden also entweder neue Antimaterie oder einen neuen Generator kaufen müssen. Beides war teuer. Hinzu kam, dass ein Antimateriegenerator schwer zu beschaffen war. Natürlich würde die Arbeit bei der Ernte auf Castor einige Credits einbringen, doch ein Vermögen ließ sich damit bei weitem nicht verdienen. Dessen ungeachtet mussten sie sich neben einem neuen Generator auch um neue Vorräte und Ersatzteile kümmern. Soweit sie wusste, schwächelten die Luftfilter auf dem Otamot-Teilschiff, während der Wasseraufbereiter auf dem Jerkas-Teilschiff seit einigen Wochen nicht mehr richtig funktionierte. Zu guter Letzt stimmte etwas mit der Bewässerung in ihrem Farm-Teilschiff nicht.

Hinter Malget erklangen Schritte und sie wandte sich um. Sorrin betrat die Brücke. Das Gesicht mit den großen Fischaugen, war gerötet. Er hatte den Raumanzug ausgezogen und trug nur noch Shorts und ein fleckiges Shirt. In seinem Gesicht stand eine seltsame Mischung aus Unglauben und Schuldbewusstsein.
»Das war wirklich knapp«, schnaufte er und strich mit bebender Hand die viel zu langen Haare zurück, die in schweißnassen Strähnen herab hingen. Hinter ihm erschien die dürre Gestalt von Jarava, die ihre Arme eng um den Oberkörper geschlungen hatte.
»Bei den Sternen..«, murmelte Gransich erneut und bot Sorrin seinen Flachmann an, den dieser mit einer Handbewegung ablehnte. Auch Jarava verzichtete mit einem Kopfschütteln.
»Hm.« Malget blickte auf den Monitor, auf dem der sich weiterhin entfernende Generator kaum noch zu erkennen war. Die Packs hatten aufgehört zu feuern und nur noch die Reflexion des Sonnenlichts hob ihn von der Dunkelheit ab.
»Wie konnte das passieren?«, wollte sie wissen, während sie sich vorstellte, wie die tödliche Antimaterie aus dem Generator heraus strömte. Der Gedanke, dass dies innerhalb der Quercus hätte geschehen können, verursachte ihr eine Gänsehaut.
»Ich..«, begann Sorrin mit belegter Stimme und kratzte sich an der eingefallenen Brust. Er zuckte mit den Schultern, druckste kurz herum und sagte dann endlich: »Eine Spule muss ausgefallen sein, weshalb das Magnetfeld an dieser Stelle… na ja… so etwas wie ein Loch bekam - quasi.«
Sie wandte sich dem Mann zu, dessen einzige Aufgabe es war, sich um diesen hochsensiblen Generator zu kümmern. Ihm war deutlich anzusehen, wie unwohl er sich fühlte. Er betrachtete seine ausgetretenen Schuhe und kratzte sich hinter dem rechten Ohr.
Malget fragte streng: »Ich frage dich erneut: Wie konnte das passieren? Du hast doch vor der Aktivierung alles überprüft!«
»Ja schon!«, beeilte sich Sorrin zu sagen. »Das schon aber… keine Ahnung. Vielleicht eine Fluktuation in der Energieversorgung - was aber eigentlich aufgrund der vorgeschalteten Kondensatoren auch nicht sein kann… oder… vielleicht – hach, keine Ahnung.« Er zuckte mit den Schultern.
Malget schnaubte genervt. »Dann überprüfe jetzt die Tanks. Danach könnt ihr die Antimaterie auf die Antriebe der Teilschiffe verteilen.«
»Ich habe den Generator überprüft!«, wiederholte Sorrin und riss seinen Blick endlich von den Schuhen los. Er sah sie hilflos, ja fast flehend an. Auch Jarava wirkte äußerst unglücklich. Malget hatte den Eindruck als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen wollen. Das Mädchen schien sogar zu zittern. Sie konnte es ihr nicht verdenken. Ihr selbst saß der Schrecken noch immer tief in den Knochen.
»Malget...« begann Sorrin und holte tief Luft, bevor er weitersprach: »Ich arbeite seit dreißig Jahren mit dem Generator. Ich kenne das Gerät in- und auswendig. Ich sage dir: Ich habe vorher alles überprüft. Da war alles noch in Ordnung. Alles lief im Optimum, na ja, fast – du weißt ja, wie alt das Ding ist. Sagen wir: Es lief in seinem persönlichem Optimalbereich. Ich kann mir wirklich nicht erklären wie das passieren konnte. Es hätte nicht passieren dürfen.«
»Ist ja gut«, schnaubte Malget. Fakt war, dass es unter seiner Aufsicht zu einem Zwischenfall gekommen war, der sie beinahe das Schiff und ihrer aller Leben gekostet hätte. Daran gab es nichts zu rütteln. Sie musste jedoch eingestehen, dass sie Sorrin vermutlich keinen Vorwurf machen konnte. Sein ganzes Leben lang hatte er sich um den Generator gekümmert und das war keine einfache Aufgabe. Wie bei unzähligen anderen Bauteilen, Modulen und Geräten, so fiel auch hier alles auseinander, kaum dass man einmal den Blick kurz abwandte. Sisyphusarbeit. Hinzu kam, dass oftmals die Credits fehlten, um alle benötigten Bauteile zu erstehen, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass entsprechende Teile schwer zu beschaffen waren. In all den Jahren hatte Sorrin den Generator vor allem mit sehr viel Liebe und noch mehr Flickmaterial zusammenhalten können. Wenn er den Defekt am Generator nicht bemerkt hatte, dann hätte es niemand gekonnt. Er war gewissermaßen mit dem Generator verheiratet und verbrachte viel Zeit damit ihn zu warten. Nun war die Ehe wohl annulliert.

Malget seufzte, bevor sie bemüht ruhig sagte: »Es war nicht deine Schuld.«
Damit war das Thema hoffentlich erledigt. Tatsächlich zeigte Sorrin die Andeutung eines Lächelns – zumindest interpretierte Malget das Zucken seines Mundwinkels als solches, auch wenn er dabei weiterhin die Ausstrahlung eines geprügelten Hundes vermittelte.
Malget fuhr fort: »Aber tu mir einen Gefallen und werfe trotzdem einen Blick auf die Tanks.«
Der dünne Mann stand einen Moment lang da und schien etwas sagen zu wollen, dann erklang ein Seufzen.
»Gut, mache ich.« Seine Stimme war so leise, dass Malget ihn kaum verstand. Trotz seiner Worte blieb er stehen. Schweigend beobachteten das Quartett, wie der Generator auf dem Bildschirm kleiner und kleiner wurde. Immer wieder blitze es kurz auf, doch die große Explosion ließ noch auf sich warten. Vermutlich nur kleine Staubkörner, die mit der Antimaterie reagierten. Inzwischen hatte sich der Generator so weit entfernt, dass sie außer Gefahr waren. Vom Korridor hörte man aufgeregte Stimmen und das Plärren kleiner Kinder. Weitere, noch an Bord befindliche Personen, hatten sich in diesem Teilschiff eingefunden. Bei ihnen handelte es sich um jene Crewmitglieder, die momentan nicht in der Lage waren bei der Ernte auf Castor zu helfen: Mütter mit Säuglingen, Kranke, Alte und jene, die für den Betrieb des Schiffes unverzichtbar waren oder sich um wichtige Reparaturen kümmern mussten.
Auf dem Monitor leuchtete ein greller Blitz auf und anschließend blieben nur noch die weite Leere und das Licht der Sterne. Die Antimaterie hatte mit der Materie des Generators reagiert. Wäre dies innerhalb der Quercus geschehen, hatte es das Schiff zerstört. Auf dem Monitor wirkte das Ereignis enttäuschend unspektakulär.
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Science Fiction / Re: the accountant revenge (AT)
« Letzter Beitrag von Uli am 04 Dezember 2017, 22:30:04 »
ay Robur,

tja ... das passiert eben. Nicht dein Ding, nicht deine Art, da hilft nichts.
Aber seeeehr viel Dank dafür, dass du trotzdem deine Eindrücke schilderst, das hilft sehr.
An einigen Stellen bin ich sehr zufrieden, weil dein Kommentar zeigt, dass manches so funktioniert, wie ich mir das dachte - obwohl es dir halt leider nicht gefällt.

Danke - :b5: von Uli
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Science Fiction / Re: the accountant revenge (AT)
« Letzter Beitrag von Robur am 04 Dezember 2017, 21:20:25 »
Moin moin

dann hole auch ich mal die Röstgabel heraus  :neuteufel:


Die Welt ist voller Geheimnisse, heißt es.
Geheime Labore, Kampftruppen, Schaltzentralen, Arsenale und all das - weiß ja jeder.

Interesstant, dass du gleich mit den „großen“ Geheimnissen anfängst. Wenn ich an Geheimnisse denke, fallen mir zunächst die kleinen Geheimnisse ein, die jeder Mensch hat – beispielsweise die Schokolade, die man vor dem Ehepartner versteckt oder so ;) Aber ich vermute mal es ist gewollt diese großen Geheimnisse anzusprechen und weist schon in die Richtung, in die deine Geschichte gehen soll ;)

Aber es stimmt nicht.
Weil es eben jeder weiß, oder zumindest jemand.

Und was jemand weiß, ist kein Geheimnis.

Es gibt nur ein einziges wirkliches Geheimnis auf dieser Welt, und ... ich kenne es nicht. Natürlich nicht. Niemand kennt es.

Weil es ein ... weil es *das *Geheimnis ist.
Klar, oder?
Nicht?

Sehr philosophisch und man könnte drüber diskutieren ob der Prota damit Recht hat oder nicht ;)


Oder auch nicht, wie man es nimmt: Ein paar Leute versuchen hinter das Geheimnis zu kommen - das ich, wie erwähnt, gar nicht kenne - und ich versuche, das zu verhindern.
Interessanter Ausgangspunkt ^^


Und etwas machte *pling* in meinem Kopf, ich hüpfte über das Geländer, rollte ab und sprang in den Tunnel, rannte ein paar Schritte und griff nach dem Ding an der Tunnelwand.

Bis zu diesem Moment wusste ich gar nicht, was eine Thermo-Rak ist, wie man sie bedient und was sie anrichten kann, aber … egal. Jetzt wusste  ich es, und konnte die Garben aus den Halbautomaten der drei Typen korrekt beantworten. Und rechtzeitig, bevor sie ran waren.
Nice XD


Am Sonntag, 25. August, gegen 21 Uhr wusste ich stattdessen, dass ich diese bescheuerte Präsentation noch fertigmachen musste, damit wir den Auftrag bekommen - der große Vertrag, auf den wir einen Monat lang hingearbeitet hatten.
Am Abend zuvor macht er mit ihm zuvorunbekannten Fähigkeiten drei Typen fertig, demoliert eine ganze U-Bahstation und dann gleich wieder zurück zur Normalität? Okay. Ich runzel zwar die Stirn, gehe aber hier noch mit – seltsamer Typ halt.


Wir, die Agentur ...
Und weil ich die Arschkarte hatte und das Wochenende mit den Feinarbeiten verplempern musste, leistete ich mir nebenher ein wenig Sozialkontakte - Chat, Smaltalk, Flirtline, sowas eben.

Und grade war ich auf der Zielgraden, mit der Präsentation und mit einem Real-Live-Date für nächsten Dienstag Abend, als mich etwas ablenkte.
Hätte gerne noch mehr Infos darüber was genau die Agentur/Er eigentlich macht.


Die Gondel der Fensterputzer. Draußen an der Fassade.

Und pling nein, ich dachte nicht darüber nach, ob die Typen tatsächlich Sonntag Nacht arbeiten mussten oder so etwas, ich stieß mich vom Schreibtisch ab, machte eine saubere Rolle rückwärts aus dem Stuhl und trat die Tür auf, als die Gondel mein Fenster erreichte.

Raus aus dem Büro, Feuertreppe, der Feuerlöscher … das Ding, das wie ein Feuerlöscher aussah. Aber nicht zum Löschen taugte, im Gegenteil.
Drei Herzschläge warten, die Besucher stürmten aus meinem Büro und ich betätigte das Ding, badete den Flur in flüssiger Hölle - und verschwand aus der Gegend, während die Sirenen losgingen.
He… Moment! Wat? Wieso?


Ich bin sicher, dass ich in den ersten Sekunden auf der Feuertreppe genau gewusst habe, was am Tag vorher geschehen war - ganz sicher.
Also … so sicher, wie man sein kann.
Ziemlich sicher, eben.

Ich sagte ja, dass es kompliziert ist, oder?
Hatte er am Morgen von den Geschehnissen nichts mehr gewusst? O.o Das habe ich nicht mitbekommen.


Und am Montag, 26. August, stieg ich um 12:45 aus dem Flugzeug, frisch zurückgekehrt aus einen längeren Urlaub. Sechs Wochen Australien.
Hä??? Ich bin verwirrt aber ich habe den Verdacht, dass es an dieser Stelle so sein soll. Trotzdem: Hä???


Und sicher wäre mir das aufgefallen, wenn ich eben von den beiden Tagen vorher irgendetwas in Erinnerung gehabt hätte. Hatte ich aber nicht.
Hm. Okay. Nehme ich so hin. Mein Gehirn verknotet sich gerade.


Ich war unentschlossen, ob ich zu einem Arzt gehen oder lieber das wirre Zeug aufschreiben und einem Verlag zuschicken sollte, also bestellte ich noch ein Pint.
Gute Wahl: Wenn man nicht weiß was man machen soll, ersteinmal was trinken. Habe das Gefühl ich bräuchte auch etwas. Ich nähere mich übrigens langsam einem kritischen Punkt: Bisher war der Text eher diffus und so langsam musst du mir irgendwas „greifbares“ an die Hand geben, damit ich das Buch nicht doch noch beiseite lege. Nach diesen ganzen kurzen – und verwirrenden – Sprüngen bräuchte ich nun eine längere Szene, in die ich wirklich eintauchen kann.
Habe aber das Gefühl ich verstehe nun den Text: Der Prota wird drei Mal angegriffen, drei mal macht es *ping* und er macht seine Gegner Borne-mäßig fertig. Danach sind die Erinnerungen wieder weg.


„Karl. Aber alle nennen mich Kalle. Neu in der Stadt?“

Sie nickte. „Ziemlich neu, jedenfalls in dieser Gegend. Kalle.“
Sehr gut – eben schreibe ich noch, dass ich eine greifbare Szene brauche und du lieferst sie mir tatsächlich! :D


„Das ist ein Bremser, ein Ding, dass … es reicht, wenn du denkst, dass es die Zeit anhält. Ist zwar falsch, aber das ist die Version, die man verstehen kann. Ohne zehn Jahre Studium, meine ich. OK?“

Ja, OK ... was sollte ich schon dazu sagen?

Schließe mich an – was soll ich zu dieser Erklärung schon sagen? ;) Bin aber grade verwirrt – hat sie ein Gerät in der Hand, oder worauf beziehen sich ihre Worte?



Dann: Wird die Wiederholung in den drei Überfallszenen klar? Und hätte ich das ˋschon wieder´ evtl. weglassen sollen, weil das eben klar ist? Ich bin da unschlüssig ...
Ich verstehe nicht ganz, worauf du mit deiner Frage hinauswillst. Meinst du mit Wiederholungen, dass er immer wieder angegriffen wird und dann kommt das *pling* und er kann auf coole Fähigkeiten zurückgreifen. Danach scheint er alles wieder zu vergessen?


Und: Zum Schluss hat Mart ja offensichtlich seine Erinnerung wieder - und ist bewaffnet. Fällt auf, dass da eine Lücke ist? Und wenn ja, gibt es eine Idee dazu?.
Mir ist das ehrlich gesagt nicht aufgefallen, da ich dein Text eh sehr „lückig“ finde. Bin eher der Anhänger von langsameren Texten, die mir detaillierte Bilder und eine Atmosphäre vermitteln. Dein Text ist für mich zu geradlinig, zu reduziert. Ich lese ein Fachbuch, anstatt mich im Kino zurückzulehnen. Wenn es nach meinem Geschmack ginge, dann würde der gesamte Anfang deutlich! mehr Seiten umfassen ;) Ich würde das Buch also leider wieder ins Regal zurückstellen...

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